5. KAPITEL

"Nun, wie war denn das Abendessen?" fragte Mrs. Klosterman am nächsten Morgen neugierig.

     Natalie schaute ihre Vermieterin an. Mrs. Klosterman schien das, was sie getan hatte, für völlig richtig zu halten und war einfach nur gespannt auf Natalies Erzählungen. Sie saßen in der Küche und Natalie war eigentlich im Begriff zu gehen. Das Wetter hatte sich wieder beruhigt, und es schien ein schöner Tag zu werden.

     Mrs. Klosterman trug einen ihrer Morgenmäntel und sah aus wie ein Malkasten. Der Morgenmantel war über und über mit üppigen Blumen und Palmen übersät, auf dem Ärmel tummelten sich surfende Hawaiianer und auf der Brust stand der Satz: Aloha from Waikiki!

     "Wie das Abendessen war?" fragte Natalie und redete betont langsam. "Sie meinen das Abendessen, zu dem Sie mich und Jack Miller eingeladen haben? Das Abendessen, das Sie so nett vorbereitet haben? Den Tisch, den Sie für ein romantisches Candle-Light-Dinner gedeckt haben?"

     "Genau das meine ich", Mrs. Klosterman nickte. "Jetzt sagen Sie nicht, dass ich das nicht großartig arrangiert habe."

     Ja, arrangiert war das richtige Wort.

     Mrs. Klosterman ließ nicht locker. "Wie war es denn nun?"

     "Es ging", sagte Natalie.

     "Ja, und wie ging es denn? Und vor allen Dingen, wo ging es?"

     "Es war sehr nett", antwortete Natalie. "Ich weiß nicht, ob Sie mitbekommen haben, dass wir im ganzen Haus keinen Strom hatten. Irgendjemand muss vorsätzlich am Sicherungskasten herumgefummelt haben. Die Schalter waren alle in Aus-Position." Lauernd sah sie Mrs. Klosterman an.

     "Was?" Mrs. Klostermans Stimme war eine Spur zu empört. "Vielleicht waren das die Ratten. Wer weiß das schon?"

     Natalie nickte. "Genau. Oder Außerirdische, denen langweilig war. Alles ist möglich."

     "Ja, ja", meinte ihre Vermieterin und trank einen Schluck Tee. "Also, meine Liebe, wann gehen Sie und Jack wieder zusammen aus?"

     Natalie zog die Augenbrauen hoch. "Wir waren nicht aus, Mrs. Klosterman", sagte sie dann. "Und wir werden auch nicht ausgehen. Es gibt kein Wieder."

     Damit gab sich die alte Dame nicht zufrieden. "Warum nicht?" sie beugte sich nach vorn.

     "Wir wohnen im selben Haus und haben gestern Abend hier zufällig zusammen gegessen, weil wir eingeladen wurden", erklärte Natalie. "Davon mal abgesehen, dass die Person, die uns beide eingeladen hatte, einfach weggegangen ist, war das Essen wirklich sehr gut. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir uns erneut treffen und miteinander ausgehen werden. Verstehen Sie?"

     Wenn es nach Mrs. Klosterman ginge, wären Natalie und Jack jetzt schon verlobt. Und Natalie schwanger. Dann wären sie auch bald verheiratet. Der Ausgang des vergangenen Abends passte ihr überhaupt nicht.

     Natalie redete weiter: "Jack ist ein sehr netter Mann, wirklich, und er ist auch sehr attraktiv. Aber wir sind beide nicht an einer Beziehung interessiert. Nicht miteinander zumindest."

     "Das verstehe ich nicht", Mrs. Klosterman war sichtlich unzufrieden. "Ich habe doch beobachtet, wie Sie beide sich anschauen."

     Natalie hatte keine Lust mehr auf das Gespräch. "Ganz ehrlich, ich verstehe Sie nicht", sagte sie. "Erst behaupten Sie steif und fest, dass Jack ein Mafiosi oder noch Schlimmeres ist, und dann wollen Sie mich mit ihm verkuppeln. Wollen Sie, dass ich mit durchschnittener Kehle in meinem Bett aufwache?"

     Mrs. Klosterman lächelte. "Können Sie sich nicht einfach vorstellen, wie es wäre, neben Jack aufzuwachen? Nach einer gemeinsamen Nacht? Herrlich befriedigt?"

     "Mrs. Klosterman!" rief Natalie. "Jetzt reicht es aber!" Sie hatte wirklich keine Lust, dass die alte Dame sich über ihr Sexleben Gedanken machte. Als Nächstes würde sie ihr noch vorschlagen, wie sie es mit Jack treiben sollte.

     Ihre Vermieterin winkte ab. "Regen Sie sich doch nicht auf. Und im Übrigen ist Jack Miller kein Mafiosi."

     "Aha", Natalie bekam langsam Kopfschmerzen. "Wann sind Sie denn zu dem Entschluss gekommen?"

     "Er wohnt ja nun schon eine Weile hier", Mrs. Klosterman fuhr sich durch ihr toupiertes Haar. "Ich kenne ihn jetzt besser als vorher. Er ist kein Krimineller. So ein Typ ist er nicht. Er hat meine Spüle repariert. Und er redet sehr kultiviert. Ein Krimineller würde nie so kultiviert reden. Ein Mafiosi schon gar nicht."

     Mein Gott, er hat meine Spüle repariert und kann deswegen kein Krimineller sein. Es gab bestimmt auch Mörder, die Spülen reparieren konnten. Mrs. Klosterman machte es sich wirklich zu einfach.

     "Er arbeitet in einer Werbeagentur", sagte die alte Lady stolz, als handelte es sich bei Jack um ihren Enkel, der es endlich zu was gebracht hatte.

     "Woher wissen Sie das denn jetzt schon wieder?"

     "Er hat es mir erzählt."

     "Ach ja?" Natalie konnte sich nicht daran erinnern, dass Jack zu ihr etwas von einem Job in einer Werbeagentur gesagt hatte. Nicht, dass sie ihn gefragt hätte, aber so was erzählte man doch. Sie wusste nur, dass er hier einen Job zu erledigen hatte. Welcher Job das war, das wusste sie nicht. Vielleicht war Jack Texter in dieser Werbeagentur und musste sich Sachen ausdenken, in denen gemordet wurde.

     "Er ist Vegetarier", schwafelte Mrs. Klosterman weiter.

     Moment mal. "Das kann nicht sein. Wir haben doch gestern Abend zusammen gegessen. Das war Huhn in Currysoße."

     Ihre Vermieterin schaute sie milde lächelnd an. "Nein, das war Tofu, also Soja, mit Curry."

     Arrgh. Natalie schüttelte sich innerlich. Sie hatte Tofu gegessen. Würg. Nein, Jack war definitiv nicht der Richtige für sie. Tofu …

     "Es ist jedenfalls eine Tatsache, dass Sie beide wunderbar zusammenpassen, gerade jetzt, wo sich herausgestellt hat, dass Jack kein schlimmer Mörder ist", sagte Mrs. Klosterman zufrieden.

     "Ich habe aber kein Interesse", Natalie blockte ab.

     "Warum nicht? Sind Sie etwa in jemand anderen verliebt?"

     "Nein."

     "Also nennen Sie mir den Grund!" Die alte Dame trommelte mal wieder mit den Fingern auf dem Tisch herum.

     "Es gibt keinen Grund." Natalie wurde das langsam zu bunt.

     "Ich kenne Sie", Mrs. Klosterman hob warnend den Zeigefinger. "Irgendwas verschweigen Sie mir, Kind."

     Natalie gab es auf. Mrs. Klosterman würde ihr sowieso keine Ruhe lassen. "Ich habe Jack bei einem Telefonat belauscht. Kurz nachdem er eingezogen war", sagte sie. "In diesem Telefonat bekam ich mit, dass er hier nur einen Job zu erledigen hat. Und wie er das sagte, klang es so, als ob er direkt danach wieder von hier verschwinden würde."

     Mrs. Klosterman überlegte. "Aber er hat einen Mietvertrag für sechs Monate unterschrieben."

     "Dann bleibt er eben sechs Monate. Tatsache ist aber, dass ich länger hier bleiben werde." Sie sah Mrs. Klosterman an. "Seien wir doch mal realistisch. Er wohnt in diesem möblierten Apartment. Jeder, der vorher da gewohnt hat, ist nicht lange geblieben. Es ist eine Übergangslösung. Er wird bald weg sein. So ist das nun mal."

     Dem konnte Mrs. Klosterman nichts entgegensetzen. Natalie hatte Recht.

     "Bitte versprechen Sie mir, dass Sie nie wieder einen romantischen Abend für uns vorbereiten", bat Natalie.

     Ihre Vermieterin zögerte, dann sagte sie: "Na gut. Ich verspreche es."

     "Ehrenwort?"

     Es fiel ihrem Gegenüber sichtlich schwer. "Ehrenwort."

     "Gut. Danke." Natalie war erleichtert. Sie hoffte nur, dass Mrs. Klosterman ihr Versprechen auch einhalten würde. Denn was die alte Lady sagte oder versprach und dann letztendlich tat, das würden immer zwei Paar Schuhe bleiben.

 

Jack tat sein Bestes, um abends so spät wie möglich nach Hause zu kommen. Natalie beunruhigte ihn zunehmend, und er hatte den Abend mit ihr sehr genossen. Schade, dass nicht mehr draus geworden war. Ob sie wohl an ihn dachte? Er musste ununterbrochen an sie denken. Immer und immer wieder stellte er sich vor, wie der Abend hätte enden können. In einem zerwühlten Bett beispielsweise, in dem sie nach ausgiebigen Sexspielen eng umschlungen eingeschlafen wären.

     Dazu kam, dass sein Job ihm Schwierigkeiten machte. Der Mann, um den es ging, liebte es ganz offenbar, sich immer genau da aufzuhalten, wo Menschenmassen waren. Das passte Jack überhaupt nicht.

     Seine Gedanken schweiften wieder ab. Nach dem gemeinsamen Abendessen, dem Trivial-Pursuit-Spielen und der gemeinsamen Feststellung, dass der Strom nun doch wieder funktionierte, waren sie brav die Treppe zu ihren Wohnungen hochgegangen und hatten sich nett Gute Nacht gesagt. Das war alles. In Jacks Fantasie sah das natürlich ganz anders aus. Je länger er über Natalie nachdachte, desto gieriger war er darauf, mit ihr zu schlafen. Aber nicht nur. Natalie gefiel ihm. Sie gefiel ihm sogar sehr. Aber er vermied es, sie zu treffen. Warum, wusste er selber nicht. Vielleicht, weil er Angst hatte, dass sie ihn lächerlich finden würde oder was auch immer.

     Aber Jack hatte die Rechnung ohne Mrs. Klosterman gemacht. Als er an einem Freitagabend nach Hause kam und lediglich den Wunsch hatte, sich mit einem kalten Bier aufs Sofa zu setzen, fing sie ihn ab.

     "Ah, Mr. Miller", sie stand an der Treppe und hielt ein Paket in der Hand. "Würden Sie das wohl für Natalie mit raufnehmen?"

     Wenn er das für Natalie mit raufnahm, musste er notgedrungen bei ihr klopfen und sie dann auch noch sehen. Aber weil Jack ein höflicher Mensch war, sagte er "Gern, Mrs. Klosterman" und nahm das Paket an sich.

     "Ist Natalie denn zu Hause?" fragte er vorsichtshalber.

     "Wo sollte sie denn sonst sein?" Mrs. Klosterman verstand nicht.

     "Nun, es könnte ja sein, dass sie ausgegangen ist. Heute ist Freitag", erklärte Jack. "Am Wochenende gehen viele Leute aus."

     "Sie gehen doch auch nicht aus", konterte seine Vermieterin.

     "Ich war schon aus. Ich komme gerade nach Hause", rechtfertigte sich Jack und fragte sich, warum er sich rechtfertigte.

     "Blödsinn", meinte Mrs. Klosterman. "Sie kommen doch direkt von der Arbeit. Sie sollten nicht so viel arbeiten und auch mal Spaß haben. Sie sind jung und …"

     Ja, ja, ja. Diese Sprüche hatte Jack schon eine Million Mal gehört, und er konnte sie nicht mehr hören.

     "… sollten ausgehen! Das sage ich Natalie übrigens auch immer. Ach so, ich weiß, dass sie zu Hause ist. Sie war vorhin kurz bei mir."

     Warum haben Sie ihr dann nicht das Paket gegeben? Egal.

     "Ich rufe schnell oben bei ihr an und teile ihr mit, dass Sie auf dem Weg zu ihr sind", ging es weiter. "Damit sie sich nicht erschreckt, wenn Sie klopfen."

     Warum sollte sich Natalie erschrecken? Jack sagte gute Nacht und ging die Stufen hinauf. Vor Natalies Tür blieb er stehen. Sie war nur angelehnt, und er klopfte leise dagegen. Dann trat er ein. In diesem Moment kam Natalie aus ihrem Schlafzimmer und trug nichts weiter als einen offenen Morgenmantel. "Danke, Mrs. Klosterman, aber das ist doch nicht nötig. Ich komme gleich runter", sagte sie ins Telefon, ohne Jack zu bemerken, der einfach nur mit dem Paket dastand und auch gar nicht wollte, dass sie ihn bemerkte, denn dann hätte sie den Bademantel ja zugemacht. Er bewunderte ihren wohlgeformten Körper, ihre schmale Taille und ihren flachen Bauch. Und dann erst die Brüste. Sie waren einfach perfekt. Rund und verführerisch. Jacks Mund wurde trocken. In diesem Moment sah Natalie, dass er da war, und blieb stehen.

     "Oh …", war alles, was sie herausbrachte. "Was machen Sie denn hier?" Sie legte den Hörer schnell hin und knotete ihren Bademantel zu.

     "Äh, ich dachte, dass Mrs. K. Ihnen Bescheid gesagt hätte, dass ich Ihnen ein Paket vorbeibringe", entgegnete Jack verlegen. "Hier, bitte."

     "Ja, Mrs. Klosterman hat auch gerade angerufen", erwiderte Natalie. "Aber sie meinte, dass sie selbst mir gleich ein Paket bringen würde."

     Natürlich. Klar. Er war auf Mrs. Klosterman hereingefallen. Die wusste wahrscheinlich, dass Natalie immer um diese Uhrzeit einen Morgenmantel trug, weil sie davor duschen ging. Ihre Haare waren nass, und Wassertropfen fielen auf den Bademantel, der aus Satin war und deswegen fast durchsichtig wirkte. Natalies Brustspitzen pressten sich durch den dünnen Stoff, und Jack musste sich zwingen, nicht ununterbrochen darauf zu schauen. Das Wasser tropfte immer weiter aus ihren Haaren, und der Morgenmantel wurde immer nasser.

     Mrs. Klosterman hatte gewusst, dass Natalie aus der Dusche steigen würde, wenn das Telefon klingelte, und sie hatte gewusst, dass Natalie dann mit fast nichts an vor Jack stünde.

     "Sie sind ganz nass", sagte Jack und kam sich vor wie der letzte Idiot. Natalie wusste garantiert selbst, dass sie nass war.

     Natalies Herz pochte wild, und sie stand einfach nur da und sah ihn an. Warum musste sie in einer solchen Situation sein? Halb nackt vor ihm stehen. In einem dünnen Bademantel. Mit nassen Haaren. Und was hatte Mrs. Klosterman da schon wieder fabriziert? Warum rief sie sie an und wollte ihr ein Paket bringen, und eine halbe Minute später stand Jack vor ihr mit diesem verdammten Paket? Warum fand Natalie es gar nicht schlimm, so dürftig bekleidet vor Jack zu stehen?

     "Jack." Natalies Stimme war ganz leise. Dann ging Natalie einen Schritt nach vorn und blieb direkt vor ihm stehen. Das Paket fiel Jack aus den Händen und polterte auf den Fußboden. Niemand bückte sich. Natalie hob ihre Hand und fuhr mit den Fingern über Jacks Gesicht und dann über seinen Oberarm. Meine Güte, dachte sie, er ist noch muskulöser, als ich vermutet habe. Und dann fragte sie sich: Was mache ich hier? Aber an Aufhören war nicht zu denken. Ihre Finger wanderten über Jacks Brust, dann wieder hoch zu seinem Gesicht, und sie fuhr sanft über seine Lippen. Jacks Augen waren geschlossen. Er hatte Angst, gleich umzukippen. Was, um Himmels willen, tat Natalie da? Gleichzeitig hatte er die Befürchtung, dass sie mit dem, was sie tat, aufhören könnte.

     Aber Natalie dachte gar nicht daran aufzuhören. Ihre Finger glitten tiefer und fassten unter seinen Gürtel. Jack öffnete die Augen. Sie schauten einander mit einer solchen Wildheit an, dass beiden schwindlig wurde. Dann kam Jack mit seinem Gesicht immer näher an Natalies, und endlich trafen sich ihre Lippen. Seine Zunge erforschte ihren Mund mit Entschlossenheit, und Natalie erwiderte den Kuss mit der gleichen Hingabe. Es waren keine Zärtlichkeiten, die sie austauschten, sie dachten auch nicht an Zärtlichkeit. Es war der Urtrieb, der sie beide steuerte. Der große Knall, der nun endlich da war – nach so langer Zeit. Jack löste die Schlaufe an Natalies Morgenmantel, der daraufhin zu Boden glitt. Dann umfasste er gierig ihre Brüste, spürte ihre erregten Brustknospen und wurde noch gieriger. Mit seinen Fingernägeln zog er eine Bahn über Natalies Rücken, um schließlich ihre Pobacken mit beiden Händen zu umfassen, während Natalie sich in seinen Armen wand. Sie küssten einander immer noch mit der gleichen Wildheit, fieberten dem nächsten Moment entgegen und genossen sichtlich ihr Tun. Natalie öffnete Jacks Gürtel und knöpfte seine Hose auf. Dann erforschte sie, was es zu erforschen gab, und das fühlte sich gar nicht schlecht an. Sie krallte ihre Hände in Jacks muskulösen Rücken, zog lange Striemen mit ihren Nägeln, umfasste sein Hinterteil mit einer Innigkeit, die sie so noch gar nicht von sich kannte.

     Sie wankten aufs Bett und ließen sich fallen.

     "Natalie", keuchte Jack und war mit seiner Hand zwischen ihren Beinen, die sie bereitwillig spreizte.

     "Natalie, sag, dass du mich willst!"

     "Ich will, ich will." Natalie wand sich unter seinen Liebkosungen. "Ich wollte dich von Anfang an. Von Anfang an hast du mich verrückt gemacht. Ich habe mir die ganze Zeit vorgestellt, wie es wohl mit dir sein wird."

     Sie stöhnte laut auf, weil Jacks Finger ihr solch eine Lust bereiteten.

     "Ich will dich, Natalie, ich will dich", Jack küsste ihre Brüste und knabberte an den Spitzen, so dass Natalie beinahe aufgeschrien hätte vor Erregung.

     Sie griff in seine Boxershorts und umfasste fordernd, was es da zu umfassen gab. Jack zuckte bei ihrer Berührung, und wieder küssten sie einander mit einer Leidenschaft, die Natalie vorher noch nie empfunden hatte.

     "Ich möchte Sex mit dir", flüsterte sie mit heiserer Stimme.

     "Und ich mit dir", gab Jack zurück, um erneut anzufangen, sie zu küssen. Natalie genoss es, dass sie es hinauszögerten. Das machte die Situation noch prickelnder.

     Was war das für ein Piepen? Natalie versuchte es zu ignorieren. Sie wollte jetzt auf keinen Fall gestört werden. Wahrscheinlich zwitscherte draußen nur ein Vogel. Hingebungsvoll umfasste sie Jacks Hinterteil und zog ihn näher zu sich heran.

     Piep. Piep. Piep.

     Was, zur Hölle, war das? Jack schien es auch zu vernehmen, denn er hörte plötzlich auf, sie zu küssen, und setzte sich hin. Dann stand er auf und hob sein Hemd auf, das auf dem Boden lag. Er holte etwas daraus hervor, und das Piepen wurde augenblicklich lauter. Natalie erkannte, dass es ein Pager war. Warum stellte Jack ihn nicht einfach aus? Sie war ja wohl wichtiger als ein Pager!

     Aber Jack stellte ihn nicht aus. Er starrte ihn an, und Natalie fand die ganze Situation plötzlich absurd. Wie hatte das passieren können? Sie lag nackt im Bett, und er stand nackt im Raum, und noch vor ein paar Sekunden hatten sie gierig aufeinander im Bett gelegen und beinahe, beinahe Sex gehabt.

     Natalie erhob sich und zog sich ihren Morgenmantel wieder an. Verdammt. Das hätte eine richtig schöne Nacht werden können, aber die Technik hatte es nicht zugelassen. Was war da so Wichtiges auf diesem Pager? Wer wollte um diese Uhrzeit noch etwas von Jack?

     Er drehte sich um. "Es tut mir sehr Leid", sagte er. "Aber ich muss gehen. Eine Art … Notfall."

     Ein Notfall. War er Arzt? Musste er in der Stadt jemandem ein Pflaster bringen? Was, in Dreiteufelsnamen, sollte denn das: ein Notfall?! Ja, hoffentlich ein Notfall. Das hoffte sie für Jack. Er würde wohl kaum während ihres heißen Vorspiels gehen, weil im Steakhouse nun ein Platz frei war. Trotzdem. Trotzdem.

     "Ich verstehe." Natalie versuchte, mit fester Stimme zu sprechen, was ihr natürlich misslang.

     "Ich möchte nicht gehen." Jack schaute sie traurig an.

     "Nein, natürlich nicht", konterte Natalie lahm.

     "Ich würde so gern bleiben."

     "Ich verstehe."

     "Wirklich?" Jack kam auf sie zu und fuhr ihr mit den Händen durchs Haar. Jetzt bloß nicht anfangen zu weinen.

     Jack streichelte ihre Wange.

     "Wie lange … wirst du denn fortbleiben?" fragte Natalie.

     Jack zuckte mit den Schultern. "Ich weiß es nicht. Es kann schnell gehen und es kann lange dauern. Keine Ahnung."

     "Möchtest du danach … vielleicht noch mal vorbeikommen?" Natalie klammerte sich an diese Hoffnung wie an einen Strohhalm.

     "Willst du, dass ich danach noch mal vorbeikomme?"

     Natalie nickte heftig.

     "Wie lange wirst du denn wach sein?"

     "Ich werde die ganze Nacht auf dich warten, wenn es sein muss", Natalie musste schlucken.

     "O Natalie", sagte Jack leise und begann wieder, sie zu küssen. Sie schloss die Augen und erwiderte seine Küsse mit grenzenloser Innigkeit.

     Als sie die Augen wieder öffnete, war er weg.

     Noch nie hatte Natalie sich so allein gefühlt.