Calibre ist ein nützliches Werkzeug um E-Books zu organisieren und zu konvertieren. Doch die kostenlose Software kann noch mehr: Auch die klassische Bibliothek mit Papierbüchern kann mit dem Programm organisiert werden. Calibre hilft Leseratten dabei, auch bei umfangreichen Buchbeständen den Überblick nicht zu verlieren, die Bibliothek zu kategorisieren und verliehene Bücher zu erfassen.

Eine neue Datenbank für Papierbücher

Damit Papierbücher in Calibre erfasst und verwaltet werden können, benötigt die Software eine Datenbank, in der ausschließlich Papierbücher und keine E-Books erfasst werden. Das funktioniert einfach mit einem Klick auf „Bibliothek“ und dann „Bibliothek wechseln/neu erstellen …“. Daraufhin öffnet sich ein Dialog, in dem ein Verzeichnis ausgewählt werden muss, in dem die neue Datenbank abgelegt wird. Wichtig: In dem Dialogfenster muss die Option „Erstelle eine leere Bibliothek am neuen Ort“ aktiviert sein. Nach der Bestätigung mit OK ist die neue Datenbank schon erstellt und wartet darauf, mit den Daten der Bücher gefüttert zu werden.

Erfassung der Daten

Jedes Buch verfügt über eine einzigartige ISBN. Das ist eine Artikelnummer, die nicht nur einem konkreten Buchtitel, sondern in der Regel auch einer speziellen Auflage zugeordnet ist. Damit ist die ISBN wie geschaffen dafür, Bücher schnell und effizient in Calibre hinzuzufügen. Dazu wählen wir „Bücher hinzufügen“, „von ISBN hinzufügen“. daraufhin öffnet sich ein Dialogfenster, in das eine oder mehrere ISBN eingetragen werden können. Über den Dialog „Bücher hinzufügen“ können auch andere Möglichkeiten der Datenerfassung wie die manuelle Eingabe ausgewählt werden.

Es ist natürlich sehr lästig, sich mit einem Bücherberg am Computer zu verschanzen und eine ISBN nach der anderen in die Software einzutippen. Abhilfe kann hier ein Smartphone schaffen, mit dessen Hilfe die Barcodes der Bücher eingescannt und an Calibre übertragen werden können. Dazu ist natürlich eine passende App wie CLZ Barry, das sowohl für Android als auch für iOS erhältlich ist. Die App überträgt die gescannten Barcodes direkt an den Eingabedialog von Calibre. Alternativ ist es auch möglich, die Scandaten später vom Telefon auf den Computer herunterzuladen und nach Calibre zu importieren.

Im nächsten Schritt gleicht Calibre die eingegebenen ISBN über das Internet mit einer Online-Datenbank ab und versorgt sich mit den entsprechenden Daten wie Titel, Autor, Schlagworte, Genre und trägt die Bücher in die Datenbank ein.

Metadaten ändern

In Einzelfällen kann es vorkommen, dass die Daten zu den Büchern, die Calibre sich aus dem Internet beschafft hat, nicht korrekt oder nicht vollständig sind. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn sich bei verschiedenen Auflagen das Buchcover oder die Seitenzahl geändert hat. Deshalb kann es nötig werden, die Buchdaten manuell nachzubearbeiten. Mit „Metadaten ändern“ hat man Zugriff auf die Datenbankeinträge und kann sie entsprechend anpassen, sofern das notwendig ist. Der Metadateneditor verfügt übrigens über eine praktische „Blätter“-Funktion, mit der man direkt von Datensatz zu Datensatz springen kann, ohne nach jedem Eintrag wieder zurück in die Buchliste zu springen.

Darstellung anpassen

Calibre ist mit seinen Kernfunktionen auf die Verwaltung von E-Books ausgelegt. Daher ist es empfehlenswert, einige Anpassungen vorzunehmen, um die Bibliothek auf die Verwaltung von gedruckten Büchern zu optimieren. Beispielsweise wäre es zweckmäßig, wenn bei einem Klick auf ein Buch sich ein Dialogfeld zur Bearbeitung der Metadaten öffnen würde. Standardmäßig will Calibre versuchen, nach einem Klick den Inhalt eines Buches anzuzeigen. Das ist bei E-Books sinnvoll, bei gedruckten Büchern funktioniert das nicht. Das Verhalten der Buchliste kann angepasst werden. Dazu klicken wir unter „Kniffe“ auf den Menüpunkt „Verhalten der Bücherliste kontrollieren“. Dort suchen wir die Zeile doubleclick_on_library_view = ‚open_viewer‘ und ändern den Eintrag wie folgt: doubleclick_on_library_view = ‚edit_metadata‘

Anpassen der Oberfläche

Calibre erlaubt es den Nutzern, das Erscheinungsbild der Bücherliste individuell anzupassen. So kann es zweckmäßig sein, zusätzliche Spalten anzulegen, in denen Informationen zu den Büchern hinterlegt werden. Das kann später sehr nützlich sein, wenn man sich zum Beispiel übersichtlich anzeigen lassen will, welche Bücher noch nicht gelesen oder aktuell verliehen sind. Denkbar ist auch eine Sortierung nach Genre oder nach Sachbuch und Belletristik.

Über Das Menü „Einstellungen“ gelangt man zum Punkt „Eigene Spalten“. Dort können wir eigene Spalten zu unterschiedlichsten Zwecken anlegen. Besonders nützlich wären beispielsweise zwei Spalten, in die man eintragen kann, wann man ein Buch verliehen hat – und an wen. So kann Calibre dabei helfen, den Buchbestand beisammen zuhalten, ohne dass verliehene Bücher verschwinden oder in Vergessenheit geraten. Ebenfalls nützlich kann eine Spalte sein, in der notiert wird, ob ein Buch schon gelesen ist oder nicht. Damit können wir Calibre gezielt nach Büchern durchstöbern, die bisher ungelesen sind.

Doch Calibre kann noch mehr: Über die Einstellungen zum Erscheinungsbild kann organisiert werden, dass Zeilen eine bestimmte Farbe zugewiesen wird. Dafür können  auch Regeln definiert werden: Die Regel „färbe alle Spalten rot, bei denen in der Spalte „Verliehen am“ ein Wert eingetragen ist, hat ein praktisches Resultat – dann werden alle Einträge mit verliehenen Büchern rot hervorgehoben.

Coverbild anpassen

Ähnlich wie Metadaten eines Buches veraltet, fehlerhaft oder unvollständig sein können, kann auch das hinterlegte Cover, das Calibre anhand der ISBN aus dem Internet zieht, fehlen oder veraltet sein. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, ein neues Cover zu hinterlegen. Dabei ist es vollkommen gleichgültig, ob der Datenbank ein eingescanntes Bild oder eine sonstige Bilddatei aus dem Internet hinzugefügt wird.

Virtuelle Bibliotheken einrichten

Die virtuellen Bibliotheken in Calibre sind ein besonders hilfreiches Tool. Mit den Registerkarten von Calibre können wir auf virtuelle Bibliotheken zugreifen, denen Bücher nach bestimmten Suchkriterien zugeordnet werden. Beispielsweise können wir – wie oben beschrieben – Büchern einen Typ zuordnen. Typen könnten sein: Fachbuch, Belletristik, Krimi, Rezeptbuch oder eine beliebige andere Kategorie. Wenn wir nun einer virtuellen Bibliothek zum Beispiel alle Bücher mit dem Typ Belletristik zuordnen wollen, können wir das in dem entsprechenden Reiter mit dem Suchbegriff #booktype:"Belletristik". In der Buchliste können entweder einzelne Bücher ausgewählt werden, um ihnen einen Typ zuzuweisen. Schneller und komfortabler ist es jedoch mehrere Bücher mit gedrückter Umschalt- oder Strg.-Taste auszuwählen. Änderungen, die dann in den Spalten eingetragen werden, beziehen sich dann nicht auf einen einzelnen Titel, sondern auf alle Bücher in der Auswahl.

Das Prozedere hört sich zunächst etwas mühsam an, aber das Ergebnis ist eine nützliche Bibliothek, die einen schnellen und effizienten Zugriff auf die Buchsammlung ermöglicht.