18. KAPITEL

Nachdem Kenna sich mit einer aufgeregten Sarah unterhalten hatte, tanzte sie buchstäblich hinaus zu ihrem Wagen. Sie war so aufgeregt, so glücklich, dass sie kaum noch an sich halten konnte. Ihr Leben war endlich auf der richtigen Spur.

     Ein Zettel hing an ihrer Windschutzscheibe mit einem Smiley darauf.

     Sie nahm ihn ab, drückte ihn an ihre Brust und grinste breit.

     Unverbindlicher Sex, hier komme ich. Zum krönenden Abschluss dieses wunderbaren Abends.

     Sie fuhr zu Wes' Haus und nahm sich einen Moment Zeit, den Vollmond zu bewundern.

     Ein sexy Mann wartete dort drinnen, und sie stand hier draußen und betrachtete in aller Seelenruhe den Mond. Sie musste über sich selber lachen.

     "Was ist denn so lustig?" fragte eine vertraute Stimme von der Treppe zur Haustür.

     "Ich dachte gerade, ich stehe hier draußen und bewundere den Mond, während ich doch dort drinnen sein und …" Sie erwiderte ganz offen seinen Blick. "Und dich bewundern könnte."

     "Es ist eine schöne Nacht. Ich saß hier und dachte an einen langen Spaziergang mit dir."

     Ihr Lachen war ein bisschen atemlos. "Und ich stand hier und wünschte mir, wir täten etwas Leichtsinniges und Aufregendes."

     "Wir?"

     Eine suggestive Frage, bei der sie nicht sicher war, ob sie eine Antwort darauf hatte.

     Er kam näher und lächelte, ein sexy Lächeln, das ihr Herz zum Rasen brachte. "Dieses kleine Wörtchen wir, macht es dir Angst, Kenna?"

     "Nur ein bisschen mehr als die Hölle, ja."

     "Du hast mich vermisst."

     "Mag sein. Wes, mein Vater hat mich aus dem Vertrag entlassen. Der Posten gehört dir allein."

     "Was?"

     "Ich gehe zurück ans College. Ich werde bei Sarah im Jugendzentrum arbeiten. Es ist das, was ich wirklich tun möchte und was dieses Lächeln auf mein Gesicht bringt."

     "Und ich dachte, du lächelst meinetwegen."

     Sie lachte. "Du hast das Lächeln in ein Grinsen verwandelt."

     "Na schön." Wieder ernst geworden, berührte er ihr Gesicht. "Ich dachte, dir gefiele deine Arbeit."

     "Das tut sie auch. Sehr sogar. Aber mir ist klar geworden, dass ich sie nicht liebe, nicht, wie du es tust. Sie reizt mich nicht, Wes, und ich möchte, dass es das tut. Ich wünsche es mir so sehr."

     "Du weißt, dass du mir bei der Arbeit fehlen wirst."

     "Das wird vorübergehen."

     Er legte seine Hände auf ihre Arme. "Das bezweifle ich", sagte er so ernst, dass sie plötzlich einen Kloß in ihrer Kehle hatte.

     "Aber außerhalb der Arbeit werde ich dich nicht vermissen." Seine Augen verdunkelten sich. "Oder zumindest hoffe ich, es nicht tun zu müssen."

     "Nun, das wirst du nicht", flüsterte sie.

     "Dann lass uns gehen."

     Ihr Herz machte einen Sprung. "Um etwas Leichtsinniges und Aufregendes zu tun?"

     "Ich hatte eher an etwas Langsames und Zärtliches gedacht." Das unverhohlene Verlangen in seinen Augen ließ ihr Herz schneller schlagen. "Oder wenigstens etwas halbwegs dazwischen. Bist du bereit zu einem Kompromiss, Kenna?"

     Sprachen sie immer noch über unverbindlichen Sex?

     Er hob ihre Hand, die er noch immer hielt, an seinen Mund und ließ seine Lippen darauf verweilen.

     "Ja", sagte Kenna und hatte plötzlich weiche Knie. "Ein Kompromiss."

Wes führte sie in das Haus, das er vor sieben Jahren mit seiner ersten Leistungsprämie von "Mallory Enterprises" gekauft hatte. Damals war es ziemlich heruntergekommen, aber er hatte das Haus nach und nach renoviert und es zu seinem Heim gemacht.

     Heute, wo er fast jedes Haus, das er wollte, hätte kaufen können, hätte er sich um nichts auf dieser Welt wieder davon getrennt. In den letzten Jahren hatte er Häuser für seine Eltern und seinen Bruder gekauft, aber dieses hier für sich behalten. Es symbolisierte für ihn, dass er sich durch viel Fleiß und viel Mühe ein Heim geschaffen hatte.

     Er öffnete die Eingangstür und beobachtete Kenna, als sie in den großen hellen Raum trat, der ihm als Wohnzimmer diente.

     "Das ist wunderbar", sagte sie. "Werden wir …"

     "Uns lieben." Er zog sie an sich und nahm sie in die Arme. "Wir hatten schnellen, heißen, ungezwungenen Sex miteinander. Aber wir haben uns nicht lange, ausgiebig und zärtlich geliebt, Kenna."

     Sie lachte ein bisschen und wich etwas zurück. "Aber ich hatte nichts gegen schnellen, ungezwungenen Sex."

     "Macht es dich nervös, dass ich das Wort Liebe benutzt habe, Kenna?"

     "Sei nicht albern. Mich macht nichts nervös."

     "Ich glaube, ich mache dich nervös."

     "Wes … Wir sind noch immer sehr verschieden, weißt du. In dieser Hinsicht hat sich nichts geändert."

     "So verschieden nun auch wieder nicht, das ist mir mittlerweile klar geworden."

     "Verschieden genug."

     "Lass dir zeigen, dass wir es nicht sind."

     Sie wirkte so aufgeregt und nervös und bestürzt zugleich, die Arme.

     Er wusste genau, wie sie sich fühlte. Er zog sie wieder an sich, strich mit seinen Lippen über ihr Kinn und liebte das Gefühl ihres Körpers dicht an seinem, als sie mitten in seinem Wohnzimmer standen und sich wie in einem sinnlichen Tanz miteinander hin- und herbewegten. "Ich muss dir sagen, ich arbeite hart und spiele hart. Ich dachte, Frauen wären nur ein Teil des Spiels. Aber sie sind es nicht. Oder zumindest du bist es nicht."

     "Ich weiß."

     "Auch du arbeitest hart und spielst hart", sagte er und ließ ihr Zeit, darüber nachzudenken.

     Sie waren gar nicht so verschieden.

     "Komm, sieh dir den Rest des Hauses an." Er zeigte ihr die Küche, die Terrasse und sein Schlafzimmer.

     Sie lachte über sein ungemachtes Bett und stieß einen erschrockenen kleinen Schrei aus, als er sie aufhob und darauf warf. Ihre Wangen waren gerötet, ihre Augen halb geschlossen. Ihr langes Haar fiel ihr offen über die Schultern.

     Sie sah so bezaubernd aus in seinem Bett, dass er den Plan fasste, sie dort möglichst lange festzuhalten.

     Sie kniete sich mitten auf die Matratze und sah ganz so aus, als fühlte sie sich dort zu Hause. Wes kniete sich vor ihr auf das Bett, legte seine Hände an ihre Wangen und küsste sie aufs Kinn, auf den Hals und auf ihre Mundwinkel, bevor er seinen Mund auf ihren senkte und sie an sich zog, um das Gefühl ihres warmen Körpers an seinem auszukosten.

     Als er sie auszog, fühlte er das Hämmern ihres Pulses unter den Fingerspitzen. Er hatte sich vorgenommen, sich sehr viel Zeit zu nehmen, ihr so viel Vergnügen zu bereiten wie nur möglich, aber als er ihr die Kleider abstreifte und ihren Körper entblößte, begann sein eigener Puls in seinen Schläfen zu hämmern.

     Kenna war so schön, so verführerisch. Sie bog sich ihm entgegen, ihre Brüste und Hüften pressten sich an ihn und begannen sich in einem aufreizenden Rhythmus zu bewegen, als das Verlangen nahezu unerträglich wurde.

     Sie streifte ihm sein Hemd ab, warf es beiseite und strich bewundernd mit beiden Händen über seine Brust und Arme. "Du bist so schön." Dann drückte sie ihn aufs Bett zurück und zog ihm die Hose aus.

     Ihm blieb kaum Zeit, Atem zu holen, bevor sie sich rittlings auf ihn setzte, ihn umfasste, um ihn zu sich zu führen.

     "Nein", stieß er hervor. Mit einer geschickten Bewegung rollte er sich herum und zog sie unter sich. "Noch nicht."

     Ihre Hände zitterten in seinen, als sie betroffen zu ihm aufschaute. Noch nicht? Was meinte er damit. "Warum nicht?"

     "Ich habe dir gesagt, ich will es langsam und zärtlich. Oder zumindest nicht ganz so wild und heftig wie beim ersten Mal. Wir werden uns lieben, Kenna. Bist du noch nie von einem Mann geliebt worden?"

     Panik schlich sich in ihr Herz. "Wes …"

     Seine Zunge kreiste um eine ihrer Brustspitzen.

     Kenna erschauerte vor Lust und stöhnte leise auf. "Ich glaube nicht …"

     "Perfekt", murmelte er. Er hob ein wenig den Kopf und blies auf ihre feuchte Haut. Kenna sah, dass er sie eindringlich beobachtete, als die zarte Knospe sich unter seinen sinnlichen Liebkosungen verhärtete. Dann nahm er sie zwischen seine Lippen, und Kenna wand sich unter ihm, begierig, ihn endlich ganz zu spüren.

     "Entspann dich", flüsterte er und strich mit seinen Lippen über ihren Bauch. "Wir haben noch sehr viel vor uns." Seine Zunge glitt in ihren Bauchnabel, dann tiefer, bis sie seinen warmen Atem auf den Innenseiten ihrer Schenkel spürte.

     "Wes …"

     Er küsste sie dort, wo die süße Qual am größten war. "Hm", sagte er und liebkoste sie mit seiner warmen Zunge.

     Kenna glaubte dahinzuschmelzen vor Wonne, so überwältigend war das Gefühl. Da er sie kannte, wusste er, wie er ihre Lust durch Verzögerung steigern konnte, und hielt Kenna für einen schier unerträglich lustvollen Moment am Rand der Ekstase.

     "Wenn ich … wieder … atmen kann", keuchte sie, "werde ich … dich genauso quälen."

     Statt zu antworten, setzte Wes seine aufreizenden Zärtlichkeiten fort und führte sie zu einem Schwindel erregenden Höhepunkt. Eine solche Intensität hatte sie noch nie zuvor erlebt, es war wie in einem köstlichen Rausch. Wieder und wieder wurde ihr Körper von elektrisierender Hitze durchflutet, und Kenna wollte nie mehr in die Realität zurückkehren.

     Schließlich nahm sie wahr, dass Wes nach einem Kondom griff.

     "Oh nein!" stieß sie hervor, strich sich das lange Haar aus dem feuchten Gesicht und richtete sich auf. "Jetzt bin ich dran." Sie drückte ihn auf die Matratze zurück und ließ ihren Blick über seinen Körper gleiten, von seinen breiten Schultern zu seiner Brust, dem flachen Bauch und tiefer …

     "Hm. Sieh dir das an."

     "Kenna …"

     "Pscht, Wes." Sie nahm sich Zeit, um ihn zu betrachten, ihn mit Händen und Lippen zu berühren. Erst als er nach Atem rang, als wäre er einen Marathon gelaufen, und immer wieder ihren Namen flüsterte, lehnte sie sich zurück und hockte sich auf ihre Fersen. "Ja, das sollte genügen. Jetzt haben wir Gleichstand."

     "Ein Kondom", sagte er und streckte die Hand nach dem Nachttisch aus.

     Kenna half ihm, es überzustreifen, dann presste sie ihre Lippen auf seine Schulter und war erstaunt, als er ihr Gesicht zwischen seine Hände nahm und ihr einen unendlich liebevollen Kuss gab. "Und nun", sagte er und zog sie unter sich, "werde ich dich lieben. Langsam. Zärtlich. Sanft."

     Als er in sie eindrang, wurde sie ergriffen von einem überwältigenden Gefühl der Heimkehr, der Richtigkeit und Freude, für das sie keine Erklärung hatte. Es war das Intimste, was sie je empfunden hatte. Sie starrte ihn an. In einem hatte er Recht gehabt: Dies war mehr als der unverbindliche Sex, zu dem sie hergekommen war.

     Wes lächelte, als wüsste er das, und begann sich zu bewegen. Plötzlich hatte sie das Gefühl, vor Glück zu sterben.

     Oh ja, es war ganz entschieden mehr als Sex, aber sie hatte keine Ahnung, was sie mit diesem Wissen anfangen sollte, außer ihre Augen zu schließen und sich davon mitreißen zu lassen.

 

19. KAPITEL

 

Kenna erwachte davon, dass ihr die frühe Morgensonne ins Gesicht schien. Die Augen zusammenkneifend, setzte sie sich auf und sah sich blinzelnd um.

     Sie war nackt im Bett. Aber nicht in ihrem.

     Der Raum war warm von den durchs Fenster hereinfallenden Sonnenstrahlen. Der sanfte Wind, der die Gardinen bewegte, trug den Geruch des Meeres ins Zimmer.

     Sie sah die drei aufgerissenen Kondompäckchen auf dem Nachttisch. Und Wes' Kissen, das sie ihm gestohlen hatte, lag in ihren Armen. Wie ein verliebter Teenager hatte sie ihr Gesicht hineingedrückt und seinen Duft tief eingeatmet. Sie konnte es kaum erwarten, ihn wieder in die Arme zu schließen, ihm in die Augen zu sehen und …

     Moment mal.

     Plötzlich nahm sie den Duft von gebratenem Speck wahr, und sie hob noch gerade rechtzeitig den Kopf, um Wes ins Zimmer zurückkommen zu sehen, mit nacktem Oberkörper und einem großen Frühstückstablett in der Hand. Er trug seine Brille noch nicht, und so schenkte er ihr diesen bezaubernden, sexy, schmaläugigen Blick, der ihr verriet, dass er sich anstrengen musste, um etwas zu sehen.

     Sie war froh, dass er noch keine Brille trug, denn in eben diesem Augenblick traf sie die Erkenntnis wie ein Faustschlag in den Magen. Wie ein unerfahrener blauäugiger Teenager hatte sie sich bis über beide Ohren in ihn verliebt.

     Wes, der ihren halb ehrfürchtigen, halb entsetzten Gesichtsausdruck ganz offenbar mit Lust verwechselte, lächelte und stellte das Tablett auf einen Tisch. "Hungrig?"

     "Hm … ja." Sie legte eine Hand auf ihren Bauch und wusste, dass es nicht Hunger war, was dieses merkwürdige flaue Gefühl darin verursachte.

     "Du wirst mich von meiner Mission ablenken", sagte er rau und starrte ihren Körper an, als er ein Knie aufs Bett setzte.

     Der oberste Knopf seiner Jeans war offen, und schamlos griff Kenna nach den anderen. Dann hatte sie sich eben in ihn verliebt. Na und? Er brauchte ihre Liebe ja nicht zu erwidern.

     "Warte." Wes legte eine Hand über ihre.

     Er wirkte plötzlich so nervös, dass Kenna erschrak. Sie hätte jetzt vielleicht das Laken hochgezogen, um ihre Blöße zu bedecken, aber er hatte sich darauf gesetzt. "Also, wegen gestern Nacht …", begann er.

     Oh nein. Das konnte nichts Gutes bedeuten, wenn er so begann. Er würde sie verlassen. Sie versuchte das Laken unter ihm hervorzuziehen, aber Wes legte einfach die Hände auf ihre Hüften und beugte sich zu ihr vor. "Kenna …"

     "Ich brauche meine Kleider." Sie waren nicht auf dem Boden. Sie wollte nicht von ihm hören müssen, er wolle sie nicht mehr sehen, solange sie noch splitterfasernackt war. "Wo sind meine Sachen, Wes?"

     "Ja, das wollte ich dir unter anderem auch sagen. Ich habe deine Kleider beschlagnahmt."

     "Das ist nicht lustig."

     "Dazu kommen wir noch. Kenna, du bist erstaunlich. Ich möchte, dass du das weißt. Du bist unabhängig, intelligent und läufst zur Höchstform auf, wenn du unter Druck stehst. Ich liebe es, dich bei der Arbeit zu beobachten."

     Sie hörte auf, sich den Hals nach ihren Kleidern zu verrenken, und verhielt sich still. "Du willst über die Arbeit mit mir sprechen?" Sie wünschte, er würde das Laken loslassen, denn sie fühlte sich nun wirklich sehr, sehr nackt.

     Er lachte und schüttelte den Kopf. "Nein, natürlich nicht. Weißt du was? Lass mich noch einmal ganz von vorn beginnen." Er griff nach einer Strähne ihres langen Haars und ließ sie sanft durch seine Finger gleiten. Dabei lächelte er Kenna mit einer Zärtlichkeit an, die ihr schlicht den Atem raubte. "Ich rede nicht von der Arbeit, sondern von dem, was zwischen dir und mir vorgeht. Und ich möchte, dass es etwas Dauerhaftes wird."

     Sie vergaß ihre fehlenden Kleider und starrte in seine dunklen Augen. "Sollte das eine Liebeserklärung sein?"

     "Ja."

     Ihr Mund war plötzlich ganz trocken. Ihr Herz begann wie wild zu schlagen. "Glaubst du, du könntest es noch einmal sagen, mit den richtigen Worten dieses Mal?"

     "Kenna." Er stieß den Atem aus und zog sie auf die Knie. "Ich halte diese Kleider auf die gleiche Weise fest, wie du mein Herz festhältst. Bevor du kamst, hatte ich mir vorgestellt, dass ich mich irgendwann, in ein paar Jahren oder so, einmal verlieben würde." Er umfasste mit beiden Händen ihr Gesicht. "Aber Liebe kommt offenbar immer überraschend. Ich hatte dies hier wirklich nicht geplant, aber vom ersten Moment an, als ich dich sah …"

     "Erzähl mir nicht, du hättest dich auf den ersten Blick in mich verliebt", sagte sie kopfschüttelnd und versuchte sich ihm zu entziehen. "Ich weiß, dass ich dich wütend gemacht habe. Es war alles andere als Liebe auf den ersten Blick für dich."

     "O doch, das war es", entgegnete er mit einem rauen Lachen. "Du hast mich wütend gemacht, vielleicht wirst du das immer wieder mal tun." Wieder lachte er, denn sie versetzte ihm einen Schlag gegen die Brust. "Aber du liebe Güte, Kenna, ich habe noch nie jemanden so geliebt wie dich."

     Ihr wurde vor Rührung die Kehle eng, so dass sie Mühe hatte zu sprechen. Doch irgendwie gelang es ihr. "Wie konnte ich nur glauben, ich könnte so einfach von dir weggehen?" wunderte sie sich. "Von dem hier?"

     "Weggehen?" Er schien erstaunt. "Du wolltest gehen?"

     "Ich wusste nicht, wie ich das hätte tun können, vor allem, nachdem ich mich in dich verliebt hatte."

     "Halt, sprich nicht weiter. Dafür muss ich sehen können." Er fischte auf dem Nachttisch nach seiner Brille und setzte sie auf. "Und nun sag es noch einmal."

     "Ich dachte, es würde dich erschrecken", flüsterte sie.

     "Sehen zu können?"

     "Nein." Sie lachte. "Die Worte."

     "Hey, mich kann nichts erschrecken." Er verdrehte die Augen, als sie ihm einen viel sagenden Blick zuwarf. "Okay, dann war die Angst eben berechtigt." Er legte seine Stirn an ihre. "Es tut mir so Leid. Du wirst mich doch heiraten, nicht wahr? Und mich zum glücklichsten Mann auf Erden machen?"

     Sie wich zurück. "Hast du dir gut überlegt, was du dir einhandelst, wenn du mich heiratest? Meinen Vater. Meine Mutter. Serena. Die unerträglichen Familiendinner Montagsabends…"

     "Damit werde ich schon fertig." Wes zog sie in seine Arme. "Solange du ein Teil von alldem bist. Sag Ja, Kenna. Sag, dass du mich heiraten wirst."

     "Das werde ich. Oh ja, Wes, das werde ich."

     Sie besiegelten das Versprechen mit einem langen Kuss, dann löste Kenna sich von ihm und lächelte. "Kannst du mir jetzt bitte meine Kleider wiedergeben?"

     Langsam ließ er seinen Blick über sie gleiten und schüttelte den Kopf. Dann drückte er sie wieder in die Kissen. "Jetzt noch nicht."

 

– ENDE –