Baccara Collection Band 431

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ZURÜCK IM BETT DES BAD BOYS von JOANNE ROCK
Miranda will seine Hilfe? IT-Unternehmer Kai Maddox denkt schmerzlich daran, wie sie ihn verlassen hat. Er weiß nicht, ob er sie wiedersehen kann, ohne alte Wunden aufzureißen. Aber ein Auftrag ihrer renommierten Firma würde ihn vom Status des Bad Boys der Branche befreien …


SINNLICHE VERFÜHRUNG IN ROM von BRENDA JACKSON
Bei dieser tiefen Stimme wünscht Celine sich, er würde ihr Sinnliches zuflüstern - Star-Juwelier Zion Blackstone ist umwerfend attraktiv! Noch ahnt sie nicht, dass er nicht nur ein Schmuckstück für sie entwerfen, sondern schon bald ihr Lebensretter sein wird. Und ihr Verführer …


GEFÄHRLICHES WIEDERSEHEN MIT DEM MILLIARDÄR von KIRA SINCLAIR
Anderson Stone ist frei! Der sexy Milliardär war Pipers Freund, ihr Vertrauter, ihr Beschützer - bis ihn eine schreckliche Tat ins Gefängnis brachte. Piper sollte einen Schlussstrich unter ihre gemeinsame Vergangenheit ziehen. Aber ihr Herz will etwas anderes: ihn!
  • Erscheinungstag 20.04.2021
  • Bandnummer 431
  • ISBN / Artikelnummer 0855210431
  • Seitenanzahl 384

Leseprobe

Joanne Rock, Brenda Jackson, Kira Sinclair

BACCARA COLLECTION BAND 431

JOANNE ROCK

Zurück im Bett des Bad Boys

Geschäftsfrau Miranda Dupree braucht unbedingt die Expertise von IT-Security-Mann Kai Maddox. Dumm nur, dass sie und der ehemalige Bad Boy eine sehr pikante Vergangenheit haben! Voller Leidenschaft – und böser Enttäuschung. Warum muss ihr gemeinsamer Job sie jetzt bloß erneut an den einzigen Ort führen, wo zwischen ihnen alles stimmte? Ins Bett …

BRENDA JACKSON

Sinnliche Verführung in Rom

Als der Juwelier Zion Blackstone für die schöne Celine Michaels in Hollywood ein Schmuckstück designt, knistert es heiß zwischen ihnen. Aber er ist verblüfft, als Celine kurz darauf bei ihm in Rom auftaucht und behauptet, dass ihr Entführer auf den Fersen sind. Es ist für ihn eine Frage der Ehre, sie zu retten – und wird zu einer Frage der Leidenschaft …

KIRA SINCLAIR

Gefährliches Wiedersehen mit dem Milliardär

Die Frau, die er liebt, hat er knallhart verteidigt – dafür musste Anderson Stone ins Gefängnis. Nun ist er zurück in der Freiheit, und als er Piper wiedersieht, spürt er sofort dasselbe Verlangen wie damals. Aber ihre Welten sind so unterschiedlich! Soll Stone trotzdem versuchen, seine verletzliche Traumfrau endgültig zu erobern?

PROLOG

Fünf Monate zuvor

Miranda Dupree stand kurz vor dem Treffen mit ihren Ex-Stiefkindern, bei dem Buckley Blackwoods Testament verlesen werden sollte. Um sich zu wappnen, atmete sie tief durch. Sie war wegen Buckleys höchst unorthodoxer Wünsche extra von ihrem Zuhause in New York City nach Royal, Texas, geflogen. Zu wissen, was ihr verschlagener Ex-Ehemann für heute geplant hatte, machte sie krank, trotzdem würde sie die Rolle spielen, die er ihr zugedacht hatte.

„Sind Sie sicher, dass Sie dabei sein wollen?“, fragte Kace LeBlanc, Buckleys Anwalt, als sich die Stunde des Treffens näherte. „Sie müssen nicht persönlich teilnehmen.“

Miranda befand sich in der oberen Etage von Blackwood Hollow, der Ranch, auf der sie mit Buckley gelebt hatte. Drei Jahre war sie nicht mehr hier gewesen. Kace war so freundlich gewesen, schon vor dem Treffen vorbeizuschauen. Sie hatte den Anwalt in dem Raum empfangen, den sie während ihrer Ehe mit dem reichen Finanzmogul als Büro genutzt hatte.

So viel hatte sich geändert, seit sie Royal nach ihrer Scheidung verlassen hatte. Nur die Feindseligkeit ihrer erwachsenen Stiefkinder war geblieben. Und diese würden sie noch mehr hassen, sobald sie das Testament ihres Vaters kannten.

„Ich fühle mich dazu verpflichtet.“ Buckley hatte zwar eine unkonventionelle Strategie verfolgt, aber sie wusste, dass gute Absichten dahintersteckten. „Ich wünschte nur, er hätte aus seiner Motivation nicht so ein verdammtes Geheimnis gemacht.“

Kace schüttelte den Kopf. Er lief vor dem Fenster mit Blick auf die Haupteinfahrt zu der weitläufigen Ranch auf und ab. „Ich habe ihn gedrängt, vor seinem Tod Frieden mit seinen Kindern zu schließen, aber er hielt an diesem Weg fest. Sie wissen, wie schwer es war, mit ihm zu diskutieren.“

Sie erinnerte sich nur zu gut. Miranda schlang die Arme um sich und bereitete sich innerlich auf die Rolle vor, die sie in den nächsten Monaten würde spielen müssen.

Seit ihrem Wegzug aus Royal, hatte sie keinerlei Kontakt zur Blackwood-Familie gehabt. Worauf Bucks drei Kinder zweifellos auch keinen Wert gelegt hatten. Die Wut auf Miranda hatte auch nicht nachgelassen, als diese nach der Scheidung nichts von dem Blackwood-Vermögen für sich beanspruchte. Nach der Scheidung besaß sie nur das, was sie mit in die Ehe eingebracht hatte. Dank eines wasserdichten Ehevertrags, dem sie beide zugestimmt hatten. Miranda konnte gut für sich selbst sorgen, und so bevorzugte sie es auch.

„Es werden ein paar harte Monate werden“, murmelte sie. „Ich werde mein Bestes geben, um Buckleys Wünsche zu erfüllen, aber Sie wissen, dass es zu einem Tumult im Büro kommen kann, sobald Sie das Testament verlesen.“

„Dessen bin ich mir bewusst.“ Kace drehte sich vom Fenster weg. „Denken Sie einfach daran, dass Buckley an Sie geglaubt hat. Er hat gesehen, was Sie aus Goddess gemacht haben, und war beeindruckt. Er wusste, dass Sie eine gute Verwalterin seines Nachlasses sein werden, bis seine Kindern so weit sind zu übernehmen.“

Sie nickte und fand darin zumindest etwas Trost. Wenn die Familie nur wüsste, dass sie das Erbe irgendwann erhalten würde. Dass Miranda eines Tages alles an die Blackwoods zurückgeben würde, sobald jedes von Bucks Kinder ausgeglichen und selbstbewusst geworden war. Von der Bank bis hin zur Ranch würde ihr nichts mehr bleiben, auch wenn Buckley ihrer Wohltätigkeitsorganisation Girl to the Nth Power eine unglaublich großzügige Summe gespendet hatte, als Dank für die Zeit und Mühe, die sie in die Abwicklung seines Nachlasses steckte. Sie fühlte sich geehrt für sein Vertrauen, hasste es jedoch, dass er den wahren Erben so geheimnisvoll gegenüber tat.

Buckley mochte nicht der beste Ehemann gewesen sein, aber er hatte sie immer in ihrem Bemühen unterstützt, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Und ihre Trennung war einvernehmlich verlaufen. Ohne seine Ermutigung hätte sie Goddess Inc., ihr Fitness- und Lifestyle-Center, nicht zu dem Erfolg geführt, den ihr Unternehmen jetzt landesweit genoss. Im letzten Jahr hatte sie es sogar auf die Forbes-Liste geschafft.

Da sie während der nächsten Monate in Royal sein wollte, hatte sie ihrem Produzenten gesagt, dass sie für die Dreharbeiten zur nächsten Staffel von „Das geheime Leben der New Yorker Ex-Ehefrauen“ nicht in New York sein könnte.

Aber Nigel hatte erwidert, sie solle sich keine Sorgen machen. Sie hatte daher den Verdacht, dass er die Staffel hier filmen wollte. Was noch mehr Chaos in ihr gerade ohnehin kompliziertes Leben bringen würde.

Dennoch, sie würde ihren Weg machen. Sie musste nur den heutigen Tag überstehen. Buckley Blackwood war im Begriff, seinen Nachkommen einen vernichtenden Schlag zu versetzen, indem er ihnen alles nahm, was er ihnen seit ihrer Kindheit versprochen hatte.

Kalter Schweiß trat Miranda auf die Stirn. Buckleys Kinder hatten sie „Stief-Hexe“ genannt, als sie in die Familie kam. Was würden sie heute von ihr denken, wenn sie erfuhren, dass ihr Vater sie zur Alleinerbin gemacht hatte?

1. KAPITEL

Heute

Miranda hatte gehofft, dass der heutige Brunch mit ihren Freundinnen aus der Fernsehshow eine reine Mädelssache sein würde. Doch Nigel Townshend, der Produzent, hatte sie überzeugt, dass er Filmmaterial von einem etwas intimeren Treffen benötigte. Seit Beginn der Dreharbeiten in Royal, Texas, war Mirandas Terminkalender vollgepackt mit großen, glanzvollen Partys, vor allem Verlobungspartys.

In Royal schien Romantik in der Luft zu liegen. Ihr Stiefsohn Kellan war jetzt verheiratet, und das erste Baby war unterwegs. Sophie, Kellans Schwester, hatte vor ein paar Wochen Mirandas Produzenten Nigel geheiratet. Ihr Bruder Vaughn hatte sich kürzlich verlobt, genau wie zwei von Mirandas Kolleginnen. Und Darius Taylor-Pratt, ihr neuer Geschäftspartner, hatte auch die große Liebe gefunden – nachdem er in die Stadt gekommen war, um dort zu erfahren, dass er Bucks unehelicher Sohn war. Die Nachricht war ein Schock gewesen, aber die wiederentdeckte Liebe zu seiner früheren Geliebten Audra hatte den Schlag gemildert.

Es wurde nur noch über Hochzeiten gesprochen. Sogar jetzt nutzte Mirandas Kollegin Lulu Shepard den Moment, um die Pläne für ihre Hochzeit mit Kace LeBlanc, Buckleys Anwalt, zu besprechen.

„Hast du schon eine Location für die Hochzeit im Sinn, Lu?“, fragte Miranda.

Sie saßen im Schatten eines großen Baumes in der Nähe des Pools, der zum Gästehaus der Blackwood Hollow Ranch gehörte. In den fünf Monaten seit der Verlesung des Testaments hatte Miranda sich hier mehr zu Hause gefühlt als in den Jahren ihrer Ehe mit Buckley. Da sie und Kace den Geschwistern endlich gesagt hatten, wie ihr Vater seinen Nachlass tatsächlich aufzuteilen gedachte, war ihre Arbeit hier fast erledigt. Deshalb wohnte sie jetzt auch in dem Gästehaus.

Das Anwesen gehörte jetzt Kellan und seiner Frau. Miranda war überrascht und gerührt gewesen, als er sie einlud, noch länger im Gästehaus zu wohnen. Ihr eigentliches Erbe war die Gelegenheit gewesen, ihre Beziehung zu den Blackwood-Erben zu verbessern, etwas, was sie wirklich genossen hatte.

Dennoch wurde sie bei so vielen Verlobungen und Hochzeiten ein wenig neidisch, da sie selbst in Sachen Romantik höchst zurückhaltend war.

„Du musst unbedingt in New York heiraten“, verkündete Rafaela Marchesi, fünffach geschiedene Frau und auf der Jagd nach Ehemann Nummer sechs. Sie warf affektiert ihre Lockenpracht über die Schulter, damit ihre Schokoladenseite für die Kamera sichtbar war. „Dort gehören wir hin.“

Henry, der Kameramann, ließ die Kamera auf die Diva gerichtet, während Sam die zweite Kamera zu Lulu schwenkte, um ihre Reaktion einzufangen.

„Nein.“ Lulu neigte ihr Champagnerglas in Rafaelas Richtung. „Wir heiraten in Royal, so viel steht fest.“

„Gut“, warf Miranda ein. Sie wollte nicht, dass ein Zickenkrieg ausbrach. Die Zuschauer mochten so etwas lieben, aber Miranda würde nicht zulassen, dass Lulus Hochzeitsvorbereitungen in pausenloses Gezänk ausarteten. „Es ist naheliegend, hier zu feiern, da für die beiden Turteltauben hier alles begonnen hat.“

Da sollte noch einer sagen, Miranda hätte keine sanfte Seite, auch wenn sie in puncto Liebe bisher nicht sehr erfolgreich gewesen war. Sie und Buckley hatten sich zwar freundschaftlich getrennt, doch die Auflösung ihrer Ehe fühlte sich immer noch wie ein Misserfolg an. Und in letzter Zeit waren ihre Gedanken ständig bei dem Mann, dem ihr Herz vor Buck gehört hatte.

Er hieß Kai Maddox und war der Cyber-Sicherheitsexperte, den Miranda benötigte, um die digitalen Verschlüsselungsmaßnahmen bei der Blackwood Bank zu überprüfen. Zweifellos war dies der Grund, weshalb ihr früherer Liebhaber diese Woche ihre Gedanken beherrschte, nachdem sie jahrelang alles getan hatte, ihn zu vergessen.

Nun, das und die Tatsache, dass sie sich leidenschaftlich geküsst hatten, als sie ihn das erste Mal um seine professionelle Hilfe bat – die er rundheraus abgelehnt hatte. Sie würde ihren Stolz herunterschlucken müssen und versuchen, ihn noch einmal zu fragen. Er mochte eine dubiose Vergangenheit haben, aber niemand konnte bestreiten, dass der Mann in seinem Job exzellente Arbeit leistete. Außerdem war sein neues Unternehmen, Madtec, hier ansässig, in der Nähe von Deer Springs, wo er aufgewachsen war.

„Auf dich und den texanischen Bräutigam, Lu.“ Zooey Kostas, mit dreißig Jahren die jüngste der Ex-Ehefrauen, prostete ihrer Freundin zu. Ihr honigblondes Haar und die haselnussbraunen Augen gaben ihrem Gesicht trotz durchgefeierter Nächte ein frisches Aussehen. „Ich freue mich, dass du hier heiraten willst.“

Die fünf Frauen am Tisch, einschließlich Seraphina „Fee“ Martinez, die auch einen Einheimischen heiraten würde, erhoben automatisch ihre Gläser, um auf die Braut anzustoßen. Miranda nippte an ihrem Mimosa-Cocktail, wobei sie die frisch gepressten Orangen sogar noch mehr genoss als den Champagner, während Rafaela die Augen verdrehte.

„Zooey, Darling, du hast den Verstand verloren“, erklärte Rafaela. „Warum sollen wir uns an Cowboys in Texas verschwenden, wenn wir uns Wall-Street-Milliardäre in Manhattan aussuchen können?“

Miranda hatte wirklich die Nase voll von Rafaela Marchesi. War es das, was aus ihrem Leben geworden war? Ein Austausch von Gehässigkeiten beim Cocktail?

Lulu wollte gerade etwas entgegnen, aber Zooey überraschte sie alle mit einem boshaften Lachen, das an ein Gackern grenzte.

„Uns verschwenden? Du bist nur eifersüchtig, weil du dir keinen reichen Texaner geangelt hast so wie Lulu und Fee.“ Zooey warf ihre Serviette auf den Tisch und sprang auf. „Entschuldigt, Ladies, aber mir ist der Appetit vergangen.“

Der plötzliche divenhafte Abgang war so untypisch für Zooey, dass Miranda und Lulu sich geschockt einander zuwandten.

„Schlampe“, murmelte Rafaela und betrachtete ihre Fingernägel. „Anscheinend wird sie nicht oft genug flachgelegt, dass sie so giftig ist.“

Miranda unterdrückte ein Lachen, während Lulu weiter über eine schöne Location für ihre Hochzeit mit Kace nachdachte. Vermutlich hatte das Produktionsteam mittlerweile genug Filmmaterial für die Episode dieser Woche zusammen. Und somit hätte Miranda vielleicht die Chance, sich für den Nachmittag vom Kamerateam und Blackwood Hollow wegzuschleichen.

Sie musste sich so schnell wie möglich mit Kai Maddox treffen und ihn überreden, die Blackwood Bank als Kunden anzunehmen, obwohl ihr bei dem Gedanken an eine weitere Konfrontation mit ihrer früheren Flamme ganz flau im Magen wurde. Was hatte sie sich dabei gedacht, diesen verdammten Kuss überhaupt zuzulassen? Kai war der einzige Mann, der sie alle Zurückhaltung vergessen ließ.

Da Vaughn jetzt wusste, dass er die Bank geerbt hatte, war es an der Zeit, ihm alles offiziell zu übergeben – aber zuerst brauchte sie jemanden, der die Unregelmäßigkeiten überprüfte, die ihr bei Durchsicht der Bücher aufgefallen waren. Sie war es Buckleys Familie schuldig, die Bank in einem guten Zustand zu übergeben. Aber sie hatte nicht die Absicht, ihr Fernsehpublikum miterleben zu lassen, wie sie vor ihrem unglaublich sexy Ex-Liebhaber zu Kreuze kroch, damit er ihr half.

Wieder einmal.

Er hatte sie praktisch vor die Tür gesetzt, als sie das letzte Mal Kontakt zu ihm aufgenommen hatte. Direkt nach dem Kuss, bei dessen Erinnerung ihr jedes Mal ganz heiß wurde. Es würde kompliziert werden mit Kai.

Vorausgesetzt, sie schaffte es überhaupt durch die Tür bei Madtec.

Dieses Mal würde sie ihm ein Angebot machen müssen, das er nicht ablehnen konnte.

Kai Maddox schlenderte nach Beendigung eines Meetings über die Dachterrasse von Madtecs kürzlich erbauter Hauptniederlassung in Deer Springs und blieb an der halbhohen Mauer mit Blick auf den Parkplatz stehen. Eine leichte Brise wehte von Westen, doch sie trug nur wenig zur Abkühlung der Nachmittagshitze bei. Schon bald würde es zu warm sein für Meetings auf der Terrasse, doch Kai wollte den Platz im Freien so lange wie möglich nutzen, da er die frische Luft und die Grünflächen schätzte.

Er hatte gelernt, sich seine Gesundheit und sein geistiges Wohlbefinden zur Priorität zu machen, seit er als Teenager fast nur vor dem Computer gesessen und jeden wachen Moment damit verbracht hatte, seine Fähigkeiten als Programmierer, Entwickler und auch gelegentlich als Hacker zu verbessern.

Nichts bereitete einen Programmierer besser darauf vor, die beste digitale Verschlüsselung zu entwickeln, als das Hacken der Systeme anderer.

Madtec hatte den Standort in Deer Springs kurz nach Neujahr bezogen, gleich als die speziell entworfenen Hightech-Büroräume fertiggestellt worden waren. Mit fünf Stockwerken und der Dachterrasse bot das Gebäude mehr Platz, als die Maddox-Brüder gegenwärtig für ihr Technologieunternehmen benötigten, aber die Immobilienpreise waren hier angemessen, und Kai vertraute darauf, dass Madtec weiterwachsen würde.

Auch wenn er Miranda Duprees Anrufe nicht erwiderte. Er hatte es nicht nötig, den Auftrag einer Frau anzunehmen, die ihn in dem Moment abserviert hatte, als ein reicherer Mann aufgetaucht war.

„Brauchen Sie noch etwas, Kai?“, rief ihm sein persönlicher Assistent aus dem Pavillon in der Mitte der Dachterrasse zu. Amad war neu im Job, aber tüchtig und wissbegierig.

„Nein, danke. Ich treffe mich später noch mit Dane, aber zuerst überprüfe ich noch einmal die Datenpenetrationstests.“ Kai und sein Bruder Dane hatten eine neue Betrugsschutz-Software entwickelt, die kurz vor der Markteinführung stand, aber zuvor sollten seine alten Hackerfreunde versuchen, sie zu knacken.

Bislang waren die Probleme, die sie aufgedeckt hatten, geringfügig gewesen, aber Kai wollte noch eine weitere Meinung einholen. Das Produkt sollte nicht vorschnell und ohne gründliche Tests auf den Markt kommen.

„Sicher doch, Chef.“ Amad ging auf die Tür zu, die zurück ins Gebäude führte, hielt aber inne, um noch einmal auf sein Telefon zu schauen, bevor er hinausging. „Die Zentrale meldet, dass dort jemand auf Sie wartet. Miranda Dupree? Sie hat keinen Termin.“

Kai fluchte innerlich.

Miranda hatte ihn letzten Monat in seinem Hotel in New York aufgesucht, und die Situation war schnell außer Kontrolle geraten. Es war ihm immer noch ein Rätsel, warum er sie am Ende geküsst hatte, aber genau das war geschehen, obwohl er sie seit zehn Jahren hasste.

So gern er sie wegen der fiesen Trennung von vor einem Jahrzehnt für immer ignorieren würde, war ihm klar, dass diese Reaktion falsch wäre. Sie könnte ein schlechtes Licht auf seine Firma werfen. Miranda war eine angesehene Geschäftsfrau, die es in die Forbes-Liste geschafft hatte. Es war schlimm genug, dass er ihre Anrufe ignoriert hatte. Jetzt musste er zumindest so höflich sein, sie zu empfangen, bevor er ablehnte, was auch immer sie von ihm wollte.

„Führen Sie sie in mein Büro.“ Der schnellste Weg, dies zu beenden, wäre von Angesicht zu Angesicht – und unter vier Augen. Er wollte ganz sicher nicht, dass jemand anderes bemerkte, dass es zwischen ihnen noch knisterte. „Ich bin in fünf Minuten da.“

„Alles klar.“ Amad steckte sein Telefon ein und verließ die Dachterrasse.

Kai ging ein paar Minuten später in das Penthouse-Büro. Er teilte sich das Stockwerk mit Dane. Zwischen den beiden Chefbüros lag ein Konferenzraum. Beide Maddox-Brüder hatten eine private Terrasse auf gegenüberliegenden Seiten des Gebäudes. Bei klarem Wetter konnte Kai das Dach des bescheidenen Hauses sehen, in dem er aufgewachsen war.

Es gab eine Menge unglücklicher Erinnerungen an Deer Springs, aber auch einige schöne und die Hoffnung auf weitere positive in der Zukunft. Madtec hatte dem Ort, der ihn geprägt hatte, Hunderte von Arbeitsplätzen verschafft, und das erfüllte ihn mit tiefer Zufriedenheit.

Als Kai sein Büro durch den privaten Hintereingang betrat, öffnete Amad gerade die Doppeltür, um seinen Gast eintreten zu lassen.

Und verdammt, sie hatte immer noch eine starke Wirkung auf ihn.

Ihr feuerrotes lockiges Haar war knapp schulterlang. Sie trug einen taillierten schwarzen Hosenanzug, der ihre Figur betonte – wenn auch nicht ganz so extrem wie das trägerlose rote Kleid, in dem er sie das letzte Mal gesehen hatte. Das Kleid war … verdammt. Es stimulierte ordentlich die Fantasie.

Er war dankbar, dass sie heute ein Kostüm trug, das mehr von ihr verdeckte. Da sie schon ihr ganzes Leben Yoga machte, war ihr Körper straff und athletisch, und sie hatte die schlanken Glieder einer Tänzerin. Aber sie hatte auch die üppigen weiblichen Kurven eines Pin-up-Girls. Sie verliehen ihr eine Silhouette, die Männer jeden Alters stehen bleiben und sie anstarren ließen. Auch ihn, verdammt.

Er zwang sich, ihr stattdessen in die eisblauen Augen zu sehen.

„Hallo, Kai. Danke, dass du mich so kurzfristig empfängst.“ Sie lächelte Amad freundlich zu, bevor dieser den Raum verließ.

„Du hast mir keine andere Wahl gelassen“, bemerkte Kai knapp und deutete auf die beiden Sessel vor seinem Schreibtisch. „Bitte, setz dich.“

Sie ignorierte das Angebot und blieb stehen. So wie er. Selbst mit hohen Absätzen war sie einen halben Kopf kleiner als er, aber ihr kühles Auftreten erregte immer noch Aufmerksamkeit und strahlte Autorität aus, gepaart mit Erotik.

„Du hättest mich ignorieren können, so wie meine Anrufe.“ Sie schaute sich im Büro um.

Er hatte es bewusst minimalistisch eingerichtet. Die Wände waren grau, sein Schreibtisch bestand aus Glas und Stahl. Industriell und funktional. Ein Ort, an dem er nachdenken konnte. Er fragte sich kurz, ob es ihr gefiel.

Wenn er ehrlich war, fragte er sich auch, wie sie ihn sah und ob er ihr gefiel. Vor zehn Jahren hatte er knietief in der alten Hackerszene gesteckt und das Gesetz umgangen, als er die komplexesten Facetten der Datenverschlüsselung enträtselte. Miranda war älter als er, mit einer Tatkraft und einem Ehrgeiz, den er bewunderte, und einer sinnlichen Ausstrahlung, die er verdammt sexy fand.

Aber sie hatte ihm in dem Moment den Rücken gekehrt, als sie den Millionär Buckley Blackwood kennenlernte. Und er hatte nicht vor, sich mit ihr auf eine Reise in die Vergangenheit zu begeben, auch wenn er seit dem Kuss in New York viel zu oft an sie denken musste.

„Deer Springs ist ein kleiner Ort, Miranda.“ Er ging um den Schreibtisch herum, um näher bei ihr zu stehen, und bemerkte, wie ihr Blick ihm folgte. „Ich wollte nicht, dass die Gerüchteküche brodelt, weil ich mich weigere, die berühmteste Tochter der Stadt zu treffen.“

Sie lachte, aber es klang spröde. „Ich bitte dich, Deer Springs ist praktisch Silicon Valley im Vergleich zu Sauder Falls.“

Er hatte ganz vergessen, dass sie eigentlich aus der Nachbarstadt stammte, eine Tatsache, die in ihrer Biografie nicht erwähnt wurde, da Sauder Falls eine schmuddelige Stadt war, die sich nie von der Schließung einer Fabrik vor vielen Jahren erholt hatte.

Als sie sich kennenlernten, hatte Miranda als Teilzeitkraft in einem Diner in Deer Springs gearbeitet, während sie ein örtliches Yogastudio betrieb und Kurse in einem anderen Fitnesscenter in Royal gab. Ihre großen Träume und ihr ständiges Streben danach, sie zu verwirklichen, hatten ihn fasziniert, da er das Verlangen verstand, etwas in seinem Leben zu erreichen.

„Egal, man kennt dich hier.“ Er war nah genug, um einen Hauch ihres Duftes zu erhaschen, derselbe Duft, der ihn an Nachtblüher denken ließ. Je schneller er sie wieder wegschickte, desto besser. Dieses Mal würde es keine Überraschungsküsse geben. „Und jetzt sag mir, was du von mir willst. Ich dachte, ich hätte beim letzten Mal klar zu verstehen gegeben, dass ich kein Interesse an Geschäften mit dir habe.“

„Ich leite im Moment die Blackwood Bank“, kam sie direkt zur Sache. „Und ich muss die Datensicherung aktualisieren, bevor ich die Zügel an die Blackwood-Erben weitergebe. Du arbeitest also eigentlich nicht für mich, sondern für die Blackwoods.“

Das überraschte ihn. Er hatte erwartet, sie benötigte Hilfe bei Goddess Inc., ihren Fitnessstudios. Blackwood Bank war ein Kunde ganz anderen Kalibers. Die Datenverschlüsselung für ein Finanzunternehmen war extrem komplex. Ein verlockender Auftrag, wäre da nicht diese Frau, die das Angebot machte.

„Aber du leitest die Bank im Moment. Erwartest du im Ernst, dass ich für dich arbeite?“ Mit verschränkten Armen lehnte er sich an seinen Schreibtisch. Wartete. Zwang sich, gedanklich beim Geschäft zu bleiben.

Keine Berührung. Nicht einmal der Gedanke daran.

Auch wenn der heftig pochende Puls an ihrem Hals seine Aufmerksamkeit erregte und er sich fragte, was passieren würde, wenn er mit der Zunge über genau diese Stelle streichen würde. Er könnte wetten, dass sie in Flammen aufgehen würde. Aber auch er selbst, und verdammt, das durfte nicht passieren.

„Nicht für mich. Für die Bank.“ Sie öffnete ihre Tasche, zog einen Schnellhefter heraus und legte ihn auf seinen Schreibtisch. Die Bewegung brachte ihren Körper seinem gefährlich nah. „Ich habe einen Vertrag fertig, aber wenn dir die Bedingungen nicht zusagen …“

„Nein.“ Er musste sich die Bedingungen nicht ansehen.

„Nein?“ Sie begegnete seinem Blick. „Kai, das ist ein sehr gutes Angebot. Die Bank hat die Art von Datenschutz verdient, auf die dein Unternehmen spezialisiert ist, und da du vor Ort bist …“

„Madtec hat keine Kapazitäten frei.“ Er war schroff. Unprofessionell. Aber ihm gefiel nicht, welche Wirkung sie auf ihn hatte, und er wollte das Schicksal nicht herausfordern, indem er mehr Zeit als absolut notwendig mit ihr verbrachte.

„Verstehe.“ Mit der Anmut einer mittelalterlichen Herrscherin neigte sie den Kopf. „Aber ich lasse den Vertrag hier. Vielleicht denkst du noch einmal darüber nach. Möglicherweise hat Dane auch eine andere Meinung.“

Dane würde ihm in den Hintern treten, weil er einen Kunden wie Blackwood Bank ablehnte.

„Danke, dass du an uns gedacht hast“, sagte er förmlich. „Mein Assistent bringt dich hinaus.“

„Ich könnte jemanden von der Bank damit beauftragen, als dein Ansprechpartner zu fungieren“, schlug sie vor. „Dann hättest du nichts mehr mit mir zu tun, wenn du den Auftrag erst einmal angenommen hast.“

Er wollte ihr nicht zeigen, dass ihn das Angebot reizte. Daher lächelte er kühl. „Hast du Angst, wieder in meinem Bett zu landen, wenn wir zusammenarbeiten, Miranda?“

„Absolut nicht.“ Sie verschränkte die Arme und sah ihn an, als wüsste sie genau, was er dachte. „Du, Kai?“

Einen Moment lang ließ sie die Frage in der Luft hängen, dann drehte sie sich auf dem Absatz um und verließ sein Büro genauso selbstbewusst, wie sie es betreten hatte. Kai atmete erst wieder, als sie außer Sichtweite war. Und er fragte sich, ob sie, verdammt noch mal, recht hatte. Denn sie reizte ihn immer noch mehr als jede andere Frau.

Auch wenn er ihr nicht vertrauen konnte.

Er schob den Vertrag beiseite, holte seinen Laptop und machte sich an die Arbeit.

Zu Kreuze zu kriechen war noch schlimmer, wenn nichts dabei herauskam.

Miranda kochte vor Wut, als sie Madtec verließ. Die Fahrt nach Deer Springs war reinste Zeitvergeudung gewesen. Kai Maddox hatte ihr Angebot abgelehnt, ohne sich die Bedingungen überhaupt angesehen zu haben. Er war mehr damit beschäftigt gewesen, ihr zu zeigen, wie leicht er die sexuelle Anziehung zwischen ihnen wiederaufleben lassen konnte.

Und sie konnte es nicht leugnen. In seiner Nähe schmolzen ihre Abwehrmechanismen dahin, als hätte es sie nie gegeben.

Sie nahm die Treppe, die sie bevorzugt benutzte – vor allem, wenn sie Wut abbauen musste. Im Treppenhaus stellte sie mit Überraschung fest, dass es für das Wohlbefinden der Mitarbeiter konzipiert zu sein schien. An die Wände waren motivierende Sprüche gemalt, und die Stufen waren breit genug, dass mehrere Personen sie gleichzeitig nehmen konnten. Es gab sogar eine rot markierte „Läuferspur“. Mit Vinylwänden und Lüftungsventilatoren waren hier einige der Techniken eingesetzt worden, die sie auch in ihren Fitnesscentern verwendete, um die Räume sauber und gut belüftet zu halten.

„Miss Dupree.“ Eine junge Frau mit wippendem Pferdeschwanz nahm ihre Ohrstöpsel aus den Ohren, als sie auf ihrem Weg nach oben Miranda begegnete. „Ich liebe Ihre Show. Stimmt es, dass das Team von ‚Das geheime Leben der New Yorker Ex-Ehefrauen‘ Royal bald verlässt? Es war lustig, im Fernsehen Orte hier aus der Nähe zu sehen.“

„Danke.“ Miranda lächelte warmherzig. Sie wusste, wie wichtig es war, eine positive Verbindung zu den Zuschauern herzustellen. „Wir werden auf jeden Fall noch ein paar Wochen in Royal drehen.“ Vorausgesetzt, Lulu und das Produktionsteam konnten rechtzeitig eine große Hochzeit organisieren. „Aber für die nächste Staffel kehren wir nach New York zurück.“

„Wir werden Sie vermissen“, sagte die Frau ernst. Sie wühlte in ihrer Tasche und holte Stift und Papier hinaus. „Vor allem, da Sie hier aufgewachsen sind. Würden Sie mir ein Autogramm geben?“

„Natürlich.“ Miranda setzte ihre Unterschrift auf die Rückseite einer Quittung aus einem Lebensmittelgeschäft, dann gingen sie in entgegengesetzter Richtung weiter. Miranda dachte über die Bemerkung der Frau nach, dass sie hier aufgewachsen war.

Sie hatte weder ihre Mutter besucht, seit sie in Texas war, noch war diese nach Royal gekommen, was umso überraschender war, denn Virginia „Ginny“ Dupree liebte Blackwood Hollow. Wie gern hätte ihre Mutter selbst eine Rolle in der Realityshow gehabt. Sie war wütend auf Miranda gewesen, weil sie ihr diese Chance nicht gegeben hatte.

Allerdings nicht so wütend, wie sie gewesen war, als Miranda sich von Buckley trennte. Es hatte sie geärgert, dass Miranda einen Ehevertrag unterschrieben und bei der Trennung nichts bekommen hatte.

‚Wie kann man so dumm sein?!‘, hatte sie Miranda am Telefon angeschrien, nuschelnd wegen der Medikamentensucht.

Einatmen. Ausatmen.

Yoga und die damit verbundene achtsame Atmung hatten geholfen, dass Miranda ihr ganzes Erwachsenenleben geerdet blieb. Bei den Kursen in den Goddess Fitnesscentern ging es nicht nur darum, körperlich fit zu bleiben. Die richtige Atmung trug definitiv auch zur emotionalen und mentalen Gesundheit bei.

Als sie das Erdgeschoss erreichte, war Miranda nicht mehr ganz so wütend auf Kai. Er mochte früher ein Hacker gewesen sein und Gesetze gebrochen haben, aber sie konnte nicht leugnen, dass er sein Wissen in ein unglaublich erfolgreiches Unternehmen verwandelt hatte. Mehr noch, er hatte seiner Heimatstadt etwas zurückgegeben, indem er hier seinen Firmensitz errichtete. Sie hatte einen Artikel über das Gemeindezentrum gelesen, das er in der Nähe des Diners gebaut hatte, wo sie damals gearbeitet hatte.

Wo sie sich kennengelernt hatten.

Auf dem Weg aus der Stadt würde sie jedoch nicht daran vorbeifahren. Ihre Gedanken beschäftigten sich schon genug mit Kai. Er war muskulöser geworden, seit sie vor zehn Jahren zusammen gewesen waren. Seine Tattoos waren von dem maßgeschneiderten italienischen Anzug verdeckt, doch sie erinnerte sich noch genau daran.

Stopp.

Sie zwang sich, nicht mehr an den geläuterten Bad Boy zu denken. Sie war für ihn Geschichte, und ganz offensichtlich hatte er auch nicht die Absicht, mehr Zeit als unbedingt notwendig mit ihr zu verbringen. Auch wenn sie bereit gewesen war, ihn gut zu bezahlen.

Sie würde jemand anderen finden müssen, der die Datensicherheit bei der Blackwood Bank überprüfte.

2. KAPITEL

„Was zum Teufel ist los mit dir?“ Dane Maddox stürmte am nächsten Nachmittag in Kais Büro, in der einen Hand einen Becher Kaffee, in der anderen ein Bündel Papiere, das er auf den Schreibtisch knallte.

Der Vertrag mit dem Logo der Blackwood Bank.

Kai erkannte, dass er nicht die geringste Chance hätte, weiterzuarbeiten, bis er das angesprochen hatte, was seinen Bruder so wütend machte. Er schloss seinen Laptop, schob den Stuhl zurück und begegnete Danes Blick. Dane mochte zwei Jahre jünger sein als Kai, aber er verfügte über Kais technisches Wissen und hatte eine Geschäftserfahrung, die einer Person würdig war, die doppelt so lange in der Geschäftswelt tätig war. Kai war stolz auf ihn, auch wenn er gerade eine Nervensäge war.

„Mal überlegen“, sinnierte Kai laut. „Es könnte sein …“

„Ich sage dir, was dein Problem ist“, unterbrach Dane ihn. „Du bist zu verdammt dickköpfig, um zu erkennen, dass dies …“ er tippte mit dem Zeigefinger auf den Vertrag, „… genau das ist, worauf wir gewartet haben.“

Anspannung breitete sich vom Nacken bis in die Schultern aus.

„Madtec floriert“, sagte Kai. „Es gibt keinen Grund …“ Wie formulierte er am besten seine Vorbehalte gegenüber Miranda? Gegenüber sich selbst, wenn er mit Miranda zusammen war? „… dass wir mit Menschen zusammenarbeiten, mit denen wir eigentlich nicht arbeiten wollen, nur um Geld zu machen.“

Dane lief in Kais Büro auf und ab. Sein dunkelbraunes Haar brauchte längst einen neuen Schnitt und gab ein stummes Zeugnis davon, wie viele Stunden er in die Tests der neuen Software gesteckt hatte.

„Dieser Vertrag ist nicht mit irgendwelchen Menschen.“ Dane lockerte seine Krawatte. „Dies ist ein Vertrag mit einer der zehn größten Privatbanken des Landes, Kai.“

Es war unnötig, ihn daran zu erinnern. Doch bei dem Gedanken, Miranda häufiger zu sehen, hatte er einen Kloß im Hals. Sie mochte hübsch anzusehen sein, aber für seinen Seelenfrieden war sie die Hölle gewesen. Schlimmer noch, die Affäre mit ihr hatte Kai so abgelenkt, dass er sich nicht richtig auf ein Projekt konzentriert hatte, an dem er gerade mit seinem Bruder gearbeitet hatte.

Der Job hatte einen groß angelegten „Beinahe“-Hack erfordert, da der erste Schritt, um Hacker abzuwehren, darin bestand, selbst das System zu knacken. Dies war eine heikle Sache und konnte verheerende Folgen haben, wenn man etwas falsch machte. Trotzdem hatte Kai zugelassen, dass Dane die Rolle übernahm, überzeugt davon, dass sein Bruder die Fähigkeiten besaß, das Programm zu überwachen, während Kai Miranda umwarb.

Die Tatsache, dass Dane für Kais Fehler ins Gefängnis gekommen war, würde ihn immer belasten. Aber das jetzt zur Sprache zu bringen, würde seinen ohnehin aufgewühlten Bruder nur noch mehr verärgern.

„Als wir diese Firma gründeten“, erinnerte Kai ihn stattdessen, „waren wir uns einig, dass wir die Aufträge annehmen, die wir …“

„Stopp.“ Dane nahm die Papiere vom Schreibtisch. „In unserem Leitfaden steht, dass wir mit Firmen zusammenarbeiten wollen, die unsere Werte teilen. Und dazu stehe ich. Warum also sollen wir uns die Chance entgehen lassen, mit einem seriösen Finanzinstitut zusammenzuarbeiten? Nur weil deine alte Flamme zufällig das Angebot unterbreitet hat?“

„Du möchtest also, dass wir das Projekt übernehmen, obwohl wir bereits voll damit ausgelastet sind, die neue Software auf den Markt zu bringen?“

„Wir sind nur deshalb voll ausgelastet, weil wir die Kapazität unseres neuen Bürohauses noch nicht ausgenutzt haben. Wir haben diesen Komplex gebaut, um expandieren zu können, und Blackwood Bank als Kunde wird uns genau das ermöglichen.“

Kai atmete frustriert aus. Sein Bruder hatte recht.

„Kai“, fuhr Dane fort. „Du weißt, dass wir durch eine Partnerschaft mit Blackwood Bank den letzten Stempel der Legitimität bekommen würden, den wir brauchen.“ Endlich setzte er sich auf den Sessel vor Kais Schreibtisch. „Die Geschäftsführer großer Unternehmen im ganzen Land würden sich von einer so angesehenen Institution wie Blackwood animieren lassen und sogar einer Firma Aufträge geben, die ursprünglich mal von ein paar Ex-Hackern gegründet wurde.“

„Wir wären damit etabliert“, räumte Kai ein. Er wusste, dass er Dane diese Gelegenheit nicht verwehren konnte, den letzten Makel seiner Gefängniszeit loszuwerden.

Ironie des Schicksals, dass Miranda diejenige war, die ihnen diese Chance bot.

„Du unterschreibst also?“, drängte Dane.

Als Antwort nahm Kai den Stift. Er hatte keine andere Wahl. Er würde den unterschriebenen Vertrag persönlich zu Miranda bringen. Vielleicht fand er einen Weg, so lange Frieden mit ihr zu schließen, bis Madtecs Verpflichtungen gegenüber der Blackwood Bank erfüllt waren.

Dane hatte recht. Sie mussten das Angebot annehmen. Und je schneller der Job erledigt war, desto besser. Dann würde Miranda Dupree wieder der Vergangenheit angehören.

Miranda hielt einen Brief von Buckley Blackwood in den Händen. Es war das dritte und letzte Schreiben von Buck, das sie nach seinem Tod erhalten hatte. In dem ersten hatte er die wahre Absicht hinter seinem Testament erklärt und die Rolle, die sie spielen sollte. Der zweite Brief hatte Anweisungen enthalten, wie sie seinen unehelichen Sohn Darius finden und ihn mit dem Rest der Familie in Kontakt bringen konnte. Dieser Brief enthielt nun eine letzte Bitte. Miranda las noch einmal die Zeilen an sie.

Liebe Miranda,

danke, dass du durchgehalten und dich um diese letzten Aufgaben gekümmert hast – Dinge, die ich nicht zustande gebracht habe, als ich noch Zeit hatte. Ich hoffe, meine letzte Bitte ist etwas einfacher zu erfüllen als die anderen. Ich möchte, dass du eine Abschiedsfeier für mich organisierst, aber nicht so eine schnulzige Gedenkfeier. Du weißt, dass ich das hasse. Ich stelle mir eine große Wohltätigkeitsveranstaltung vor, „Royal Gives Back“. Der Erlös soll an die Stiftung Schlaganfall-Hilfe gehen. Es belastet mich immer noch, dass meine Kinder ihre Mutter durch einen Schlaganfall viel zu früh verloren haben. Ich war Donna-Leigh vor der Scheidung nicht der Ehemann, der ich hätte sein sollen, aber ich würde dies gern ihr zu Ehren tun. Jetzt, da ich als menschenfreundlicher Weltverbesserer entlarvt wurde, kann ich genauso gut ein letztes Mal aufs Ganze gehen, nicht wahr? Ich weiß, dass du mich nicht enttäuschen wirst. Nach diesem letzten Gefallen kannst du wieder zurück in dein Leben in New York, und ich kann in Frieden ruhen.

Dein Buck.

Miranda legte den Brief zurück in den kleinen Sekretär in dem zweiten Schlafzimmer im Gästehaus, das ihr vorübergehend als Büro diente. Sie dachte darüber nach, was das Schreiben zu bedeuten hatte, als sie an ihrem Laptop saß und die Mails an Goddess Inc. durchsah. Kace LeBlanc hatte den Brief heute Morgen persönlich gebracht und ihr versichert, dass es das letzte Schreiben von Buckley war.

Das waren sowohl gute als auch schlechte Nachrichten für sie. Während sie erleichtert war, dass es keine weiteren Überraschungen von ihrem Ex-Mann geben würde, würde sie Royal auch vermissen. Sie war ihren Stiefkindern nähergekommen, Menschen, die sich mehr wie Familie anfühlten, als ihre Mutter es jemals getan hatte. Ihr Blick wanderte vom Monitor zu einem neuen, gerahmten Foto der Blackwood-Erben. Sophie, Kellan und Vaughn mit ihrem Halbbruder Darius. Buckley wäre so glücklich, sie endlich vereint zu sehen.

Miranda war stolz, dass sie ihren Teil dazu beigetragen hatte. Buckley war kein toller Vater gewesen, doch er hatte seine Kinder geliebt. Mirandas Vater war gestorben, als sie drei Jahre alt gewesen war. Nach seinem Tod hatte ihre Mutter zunächst zwei Jobs angenommen, um sie beide ernähren zu können, doch sie gab auf, als Miranda zehn war. Das Haus verfiel. Mehrmals wurde der Strom abgeschaltet. Miranda trug die abgelegte Kleidung anderer Mädchen. Das alles war nicht so schlimm wie die Entscheidung ihrer Mutter, das wenige Geld, das sie verdiente, in ihre Tablettensucht zu stecken.

Ginny Dupree war kein freundlicher Mensch. Sie schlug ihre Tochter zwar nicht, aber sie warf mit Sachen, und sie war auf verbale Weise grausam. Einige ihre Worte taten Miranda noch heute weh.

Miranda vermutete, dass der Mangel an Liebe in ihrem Elternhaus die treibende Kraft hinter ihren starken Gefühlen für Kai Maddox gewesen war. Mit Kai zusammen zu sein, hatte ihr eine ganz neue Welt von Gefühlen und Möglichkeiten eröffnet.

Dies hielt an, bis er anfing, sich von ihr zurückzuziehen. Sie hatte es nie verstanden, aber sie hatte seinen Rückzug schon Wochen vor dem eigentlichen Ende der Beziehung gespürt.

Buckley Blackwood mochte reicher und weltoffener als Kai gewesen sein. Trotzdem war er irgendwie ihre zweite Wahl gewesen. Und Miranda hatte sich eingeredet, dass ihre ruhigeren, beständigeren Gefühle Ausdruck einer reiferen Liebe waren.

Lektion gelernt.

Nur dass Kai Maddox jetzt wieder ihre Gedanken beherrschte und Gefühle weckte, die sie vor langer Zeit begraben geglaubt hatte – eine Sehnsucht, die sie nicht leugnen konnte. Sie hatte die ganze letzte Nacht von seinen Berührungen geträumt, von den intensiven Freuden, die ihr seine Hände bereiteten, während er heiße, aufregende Dinge in ihr Ohr flüsterte. Sie war atemlos und mit wild pochendem Herzen aufgewacht.

Vielleicht war die Organisation der Wohltätigkeitsveranstaltung für Buckley genau das, was sie brauchte. Statt ihren letzten Monat Seite an Seite arbeitend mit ihrem alten Lover zu verbringen, würde sie etwas Lohnendes planen.

Frustriert seufzend schloss sie ihren Laptop und zog sich Sportkleidung an. Sie wusste, dass sie nichts zu Ende bringen würde, solange sich ihre Gedanken um Kai drehten.

Auf dem Bauch in der Kobraposition absolvierte Miranda ihr nachmittägliches Yogatraining im Gästehaus der Blackwood Hollow Ranch. Sie atmete tief und langsam ein, passte die Atmung der Position an. Der Zyklus der Positionen beim Sonnengruß erdete sie in Zeiten von Stress, und es bedurfte großer Mühe, sich auf die Atmung zu konzentrieren, wenn Erinnerungen an Kai ihre Gedanken durchzogen.

Ihre Matte lag in der Nähe der großen Fensterfront mit Blick auf das Gelände. Sie blieb fünf Atemzüge lang in der Position liegen, drehte den Kopf zu einer Seite, dann zur anderen, und versuchte, nicht daran zu denken, wie es sich angefühlt hatte, nah bei ihm zu stehen. Sie würde sein Bild mit bloßer Willenskraft aus ihrem Gedächtnis verdrängen.

Oh, war er das, der gerade in die Einfahrt des Gästehauses fuhr? Parkte er einen schnittigen silberfarbenen Sportwagen vor der Doppelgarage?

Sie vergaß ihre Atmung und rappelte sich auf, als Kai aus einem Jaguar Coupé stieg. Gekleidet in ein dunkelblaues Jackett mit einem hellblauen Hemd darunter, sah er lässiger aus als am Tag zuvor, aber genauso unwiderstehlich. Ihre Haut begann in freudiger Erwartung zu prickeln. Sie musste sich daran erinnern, dass ihr heißer Traum von ihm nicht real gewesen war. Dass sie es sich nicht leisten konnte, solche Gedanken zu haben. Sie eilte zur Tür und ärgerte sich, dass sie statt schicker Kleidung wadenlange Leggings und ein Tank-Top anhatte.

Nicht dass sie es jetzt noch ändern könnte.

Miranda öffnete die Tür des Studios. Ein Laubengang verband das Studio mit dem Gästehaus. Als sie nach draußen trat, drehte Kai den Kopf zu ihr.

„Hallo, Miranda, ich hoffe, ich störe nicht.“ Er blieb ein paar Schritte entfernt von ihr stehen. Der Duft nach Mandelverbene hing in der Frühlingsluft.

Ihr stockte der Atem, als er ihr wieder so nah war, ihr Herzschlag beschleunigte sich.

„Ich bin nur überrascht, dich zu sehen. Als ich gestern dein Büro verließ, hatte ich den Eindruck, dass du mir nicht wieder begegnen willst.“

„Dafür möchte ich mich entschuldigen.“ Er hielt eine weiße Schachtel hoch. „Ich habe ein Friedensangebot mitgebracht.“

Ihr Blick fiel auf die Schachtel mit dem Label des Deer Springs Diner, und unzählige Erinnerungen schossen ihr durch den Kopf. Dort hatte sie mal gekellnert und mit dem Geld ihr erstes Yogastudio finanziert. Dort hatte sie Kai kennengelernt. An ihrem Lieblingstisch sitzend hatten sie Pläne geschmiedet, die Welt zu erobern. Dort hatten sie oft nach langen Liebesnächten zusammen gefrühstückt. Zögernd hob sie den Deckel an.

Sie ahnte schon, was die Schachtel enthalten würde, bevor sie auch nur einen Blick hineingeworfen hatte.

„Halb Zitronenbaiser, halb Karamellapfel“, bestätigte sie. Der Duft ihres Lieblingsgebäcks erfüllte sie mit einem Verlangen, das sie sich in Gegenwart dieses Mannes nicht erlauben durfte. Am liebsten hätte sie ihn weggeschickt, doch sie brauchte ihn dringend auf professioneller Ebene. „Möchtest du auf ein Stückchen reinkommen?“

Sie blickte zu ihm auf und bemerkte, wie nah sie beieinanderstanden. Nah genug, dass sie über seinen Dreitagebart streichen könnte. Nah genug, dass sie den würzigen Duft seiner Seife auf seiner olivfarbenen Haut einatmen und sich daran erinnern konnte, wie er schmeckte. Hastig nahm sie die Hände von der Schachtel und trat einen Schritt zurück.

„Danke. Gern.“ Seinem Blick entging nichts. „Wir können unser neues Projekt feiern, denn ich habe einen unterschriebenen Vertrag, den ich dir geben möchte.“

Noch eine Überraschung.

„Das sind großartige Nachrichten.“ Für die Bank, natürlich. Für sie war die Aussicht, mit ihm zu arbeiten, gleichermaßen verlockend wie beängstigend. „Was hat dich veranlasst, deine Meinung zu ändern, nachdem du gestern so entschieden abgelehnt hast? War es mein Angebot, dass nicht ich, sondern jemand anderes dein Ansprechpartner ist?“

Sie machte sich auf den Weg in Richtung Gästehaus, wobei sie sich bei jedem Schritt seiner Nähe bewusst war.

„Nein. Das ist auch nicht nötig. Ich kann Privatleben und berufliche Verpflichtungen gut voneinander trennen.“

Sie betrat das kühle Innere des Gästehauses und blieb in der Diele stehen. Kai zog die Tür hinter ihnen zu. Sie sah ihn an.

„Ich hatte nicht mit einem herzlichen Empfang gerechnet, so wie wir uns vor zehn Jahren getrennt haben“, räumte sie ein. Ihr Puls raste, als sie in die offene Küche ging, um Teller und Gabeln zu holen. „Und so wie du darauf reagiert hast, als wir uns in New York gesehen haben.“

Kai stellte die Schachtel mit dem Kuchen auf die Kücheninsel.

„Das gehört der Vergangenheit an. Ich war gestern unnötig schroff, zumal du gekommen warst, um über eine große Chance für Madtec zu sprechen.“ Er griff in die Innentasche seiner Jacke und zog ein gefaltetes Bündel Papiere heraus, das er ebenfalls auf die Kücheninsel legte. „Dane und ich freuen uns darauf, die digitale Sicherheit der Bank gründlich auf den Prüfstand zu nehmen und zu erneuern.“

Miranda holte zwei Fläschchen Sprudelwasser aus dem Kühlschrank und stellte sie zusammen mit den Tellern und den Gabeln auf ein Bambustablett. Während es einfach wäre, an der Küchentheke zu essen, hielt Miranda es für sicherer, sich nach draußen unter die Pergola zu setzen. Vor allem, da Zitronen-Meringue und Karamell-Apfelkuchen die Macht hatten, sie zurück in eine Zeit mit Kai in diesem Diner zu katapultieren. Wie sie sich gegenseitig gefüttert und so nah beieinandergesessen hatte, dass ihr Schenkel gegen seinen drückte.

Sie würde nicht an seine Schenkel denken.

„Dane hat dich überredet, die Chance wahrzunehmen“, vermutete sie laut, ihre Wangen heiß von den wilden Gedanken, die sie zu unterdrücken versuchte.

„Er war wütend, dass ich den Vertrag noch nicht unterschrieben hatte“, gestand Kai. Als sie das Tablett nehmen wollte, kam er ihr zuvor. Dabei streifte seine warme Hand kurz ihre. „Geh du voran.“

Sie spürte die Berührung noch lange danach. Einatmen. Ausatmen. Sie öffnete die Tür zur Terrasse. Kai stellte das Tablett auf den schmiedeeisernen Tisch und zog dann einen gepolsterten Stuhl für Miranda vor.

„Danke.“ Sie versuchte, sich an den Gesprächsfaden zu erinnern, um sich davon abzulenken, welche Wirkung seine Nähe auf sie hatte. „Ich hoffe, dass Danes Beharrlichkeit nicht bedeutet, dass du dich wegen der Zusammenarbeit mit mir in einem Konflikt befindest.“

„Ich habe kein Problem damit, mich meinem Bruder zu widersetzen, wenn die Situation es erfordert.“ Kai setzte sich neben sie an den runden Tisch. „Aber in diesem Fall waren Danes Instinkte richtig. Die Software, die wir gerade entwickeln, ist wie gemacht für ein Finanzunternehmen wie die Blackwood Bank.“

Miranda verteilte Servietten und Wasserflaschen, während Kai den Kuchen schnitt und auf die Teller gab.

„Ich habe den Aufstieg von Madtec mit Interesse verfolgt. Deshalb war ich sicher, dass dein Unternehmen für den Job gut geeignet ist, Kai. Sonst hätte ich nicht angefragt.“

„Das weiß ich.“ Er nahm seine Wasserflasche und prostete ihr zu. „Danke.“

Ihre Blicke trafen sich, als sie mit ihm anstieß. Es fühlte sich wie ein Neuanfang an.

Zumindest beruflich gesehen.

„Auf eine erfolgreiche Partnerschaft.“ Kais Blick verweilte auf ihrem Gesicht, und sie glaubte, etwas in der Tiefe seiner grünen Augen brodeln zu sehen.

Der alte Frust darüber, wie ihre Geschichte geendet hatte? Oder eine Andeutung der starken Anziehungskraft, mit der sie sich den ganzen Tag herumgeschlagen hatte?

Weder das eine noch das andere verhieß Gutes für ihr Vorhaben. Sie befeuchtete ihre Lippen, bevor sie die Flasche zum Mund hob. Egal wie, sie würde einen Weg finden, mit Kai Maddox zum Wohle der Blackwood Bank zusammenzuarbeiten. „Auf den Neuanfang.“

3. KAPITEL

Sie hatte den verführerischsten Mund, den er je bei einer Frau gesehen hatte.

Kai versuchte, nicht darauf zu starren. Die Oberlippe war voller als die Unterlippe, der perfekte Kussmund. Aber je mehr er versuchte, nicht an ihren unglaublichen Mund zu denken, desto mehr stellte er sich vor, welch magische Dinge dieser Mund tun konnte.

Mit Miranda im Garten eines Hauses zu sitzen, das einst seinem Rivalen gehört hatte, fühlte sich verdammt surreal an.

Kai war die Fahrt nach Royal in bester beruflicher Absicht angetreten und hatte gehofft, so weit Frieden mit Miranda schließen zu können, dass sie gemeinsam arbeiten konnten. Aber ihr Anblick im Licht der Nachmittagssonne, ungeschminkt und in Sportkleidung, hatte ihm den Atem genommen.

Egal wie, Miranda war immer eine wunderschöne Frau. Punkt. Doch sie so entspannt in ihrem vorrübergehenden Zuhause zu sehen, hatte ihn an die Frau erinnert, die sie gewesen war, bevor sie zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau wurde. Der Anblick hatte ihn in eine Zeit vor einem Jahrzehnt katapultiert und in ihm den Wunsch geweckt, er könnte sie zu einer Fahrt auf dem Rücksitz seines Motorrads einladen, ihre schlanken Schenkel an seine Hüften gepresst.

Dennoch waren sie beide jetzt völlig andere Menschen, auch wenn er noch Schatten der Frau sah, die er einmal geliebt hatte. Diese Frau war ein Mythos gewesen – eine Illusion, die durch die unglaubliche Chemie zwischen ihnen genährt wurde. Das hatte sie klar zu verstehen gegeben, als sie ihn wegen Buckley verließ.

„Wir sollten über die nächsten Schritte sprechen“, schlug er vor und schob seinen Teller zur Seite. „Der Vertrag sieht einen sehr knappen Zeitplan für die Aktualisierung der Cybersicherheit der Bank vor.“

Er blickte sich um, um sicherzugehen, dass sie allein waren. Die Terrasse hinter dem Gästehaus hatte einen großen, überdachten Bereich mit Außenküche und Kamin. Vom Tisch unter der mit Weinreben bewachsenen Pergola hatte man einen Blick auf den Pool, der auch von den Bewohnern des Haupthauses genutzt wurde. Niemand war zu sehen.

Miranda nickte und lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf den Moment, auf sie. Ein paar Strähnen ihres roten Haars hatten sich aus der Haarspange gelöst. „Ich habe Grund zur Sorge. Der Leiter für interne Datensicherheit hat auf einige besorgniserregende Dinge hingewiesen, die noch nicht geklärt wurden.“

„In der externen Firma, mit der Blackwood einen Vertrag hat, gab es in den vergangenen zwei Jahren einige Vorfälle, was für mich darauf hindeutet, dass sie es versäumt hat, auf dem Laufenden zu bleiben.“ Kai hatte Blackwoods System stichprobenartig überprüft, um sich damit vertraut zu machen. „Unser Geschäft erfordert kontinuierliche, aggressive Maßnahmen, um auf einem sich schnell verändernden Markt mitzuhalten.“

„Du und Dane, ihr habt euch unglaublich gut geschlagen, vor allem …“ Ihr Tonfall deutete an, dass sie mehr sagen wollte, doch sie hielt abrupt inne und blickte auf ihren Teller. Mit der Gabel spießte sie einen Bissen von dem Zitronenkuchen auf.

„Vor allem für ehemalige Hacker?“ mutmaßte er und wusste, dass seine Vermutung richtig gewesen war, als sich ihre Wangen leicht röteten. „Man kann Cyberkriminalität nicht erfolgreich verhindern, wenn man nicht weiß, wie das kriminelle Element funktioniert.“

„Madtecs rasanter Aufstieg ist beeindruckend.“ Sie schob ihren Teller zur Seite. „Aber wenn ich daran denke, wie sehr du Dane immer beschützt hast, dann weiß ich, wie schwer es für dich gewesen sein muss, als er mit dem Gesetz in Konflikt geriet.“

Er spannte den Kiefer an. Auch wenn es ihn freute, dass sie Danes Verhaftung wahrgenommen hatte, obwohl sie zu dem Zeitpunkt gerade ihre Verlobung feierte, verspürte er auch einen gewissen Groll. Er war allein verantwortlich für seinen Bruder gewesen, seit ihr Vater an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben war, als Kai siebzehn und Dane fünfzehn Jahre alt gewesen waren. Ihre Mutter war mit der Trauer und der alleinigen Erziehung der Kinder überfordert gewesen und hatte einen Erholungsurlaub angetreten und Kai die Verantwortung übertragen. Sie war nie zurückgekehrt.

„Am meisten bedauere ich es, dass ich ihm in den Monaten vor seiner Verhaftung nicht meine volle Aufmerksamkeit geschenkt habe. Er war gerade erst achtzehn geworden.“ Statt mit seinem Bruder am Wochenende des Hacker-Vorfalls, der eine Untersuchung nach sich gezogen hatte, zusammenzuarbeiten, war Kai mit Miranda für ein paar Tage in Galveston gewesen.

Obwohl ihre Mutter ihm bereits gesteckt hatte, dass Buckley Blackwood Miranda den Hof machte, wollte Kai sie nicht aufgeben. Er hatte geglaubt, Buckley ausbremsen zu können, wenn er Miranda nur mehr Aufmerksamkeit schenkte, doch am Ende konnte er mit Buckleys Geld nicht konkurrieren.

Erinnerte sie sich an die Ereignisse, die zu Danes Verhaftung geführt hatten?

Sie brach den Blickkontakt ab, nahm ihre Wasserflasche und trank einen großen Schluck. „Dane war ein Wunderkind. Wenn jemand so klug ist, dann vergisst man vermutlich leicht, dass er noch so jung ist.“

Er lehnte sich zurück und dachte über ihre Antwort nach. Sagte sich, dass er nicht über die Vergangenheit grübeln sollte. Trotzdem fragte er: „Da wir gerade von der Familie sprechen, wie geht es deiner Mutter?“

„Ehrlich gesagt weiß ich es nicht genau.“ Sie faltete die Serviette auf ihrem Schoß zusammen. „Sie ist seit Jahren tablettenabhängig, und das hat es schwer gemacht, eine Beziehung zu ihr aufrechtzuerhalten.“

„Tut mir leid, das zu hören.“ Die Nachricht kam unerwartet, erschütternd sogar, wenn man bedachte, dass Ginny Dupree diejenige gewesen war, die Kai darauf aufmerksam gemacht hatte, dass Blackwood Miranda umwarb. War sie eine nicht vertrauenswürdige Informationsquelle gewesen? „Als wir zusammen waren, habe ich nichts davon bemerkt.“

„Damals hat sie ihre Sucht besser versteckt als jetzt“, erwiderte Miranda trocken. „Aber das Problem gab es schon, als ich noch ein Kind war. Ich habe in sehr jungen Jahren angefangen zu arbeiten, da ein Großteil ihres Gehalts für ihre Tablettensucht draufging.“

Seine Sicht auf ihre gemeinsame Vergangenheit änderte sich, die Teile setzten sich auf einmal anders zusammen. Hatte die finanzielle Situation Miranda in Buckleys Arme getrieben? Oder hatte ihre Mutter eine Geldquelle gewittert, als der reiche Rancher aufgetaucht war?

Es spielte keine Rolle mehr, da ihre Trennung schon so lange her war. Trotzdem sah er nun alles ein wenig anders.

„Ich habe immer deinen Ehrgeiz bewundert, aber ich wusste nicht, dass dich zum Teil die Notwendigkeit antrieb.“ Er langte über den Tisch und legte seine Hand auf ihre, bevor er darüber nachdenken konnte, ob die Geste klug war. Es geschah instinktiv.

Sie warf ihm einen prüfenden Blick zu in dem Bewusstsein, dass etwas zwischen ihnen geschah, obwohl er eigentlich nur sein Mitgefühl ausdrücken wollte.

„Die Umstände machen uns zu dem, was wir sind – im Guten wie im Schlechten.“ Sie bewegte ihre Hand unter seinen Fingern nicht, aber er spürte den sprunghaften Anstieg ihres Pulses. Ihre Haut war so zart. „Ich würde gern glauben, dass ich ihre Probleme als Anstoß in eine positive Richtung für mich genutzt habe.“

Er zwang sich, sie loszulassen, doch es kostete ihn große Anstrengung. Bevor er sie ganz freiließ, strich er mit dem Daumen noch über ihr Handgelenk. Sie sollte sich daran erinnern, wie sie sich gegenseitig in Brand setzen konnten.

Sie sah ihn mit großen Augen an.

Er wusste nicht, wie er mit dem Knistern zwischen ihnen umgehen sollte. Egal, wie gern er sich einreden würde, dass die nächste Phase ihrer Beziehung rein geschäftlich war, er fühlte sich stark zu ihr hingezogen. Er wollte mehr über sie wissen und darüber, wie sie die letzten zehn Jahre verbracht hatte. Da er aber vermutete, dass sie genauso wenig über die Vergangenheit sprechen wollte wie er, ließ er das Thema fallen.

„Das klingt nach einer Art Inspiration für deine gemeinnützige Organisation.“ Kai hatte zwar nicht viel von ihrer Realityshow gesehen, aber er hatte sich vor einer Weile schon den Vortrag besorgt, den sie über ihre Wohltätigkeitsorganisation gehalten hatte. „Ich habe über Girl to the Nth Power gelesen.“

Sie hatte die Gruppe vor fünf Jahren gegründet und seither nationale Auszeichnungen für ihre Bemühungen erhalten, ein unterstützendes Umfeld für junge Frauen zu schaffen. In ihrer Rede hatte sie ihre Organisation als einen Mädchenklub für die neue Generation bezeichnet, mit Mentoren in den Disziplinen Kunst bis MINT, mit Zugang zu Workshops über Freundschaft und Selbstfürsorge.

Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich, zeigte jenen Ehrgeiz und jene Leidenschaft, die sie auch damals gezeigt hatte, als sie im Diner über ihre Träume sprachen. „Ich bin unheimlich stolz darauf, was ich bei Goddess leiste, aber mein Herz schlägt für Girl to the Nth Power. Es ist aufregend, im Leben von Teenagern etwas zu verändern.“

Ihm entging das Funkeln in ihren Augen nicht. Das Engagement für ihre Sache.

„Wenn dein Terminkalender es zulässt, dann solltest du mal zum Gemeindezentrum in Deer Springs kommen. Und dir das After-School-Programm ansehen.“ Er glaubte, dass sie daran interessiert sein könnte, weil sie selbst mit Teenagern arbeitete. Nicht weil er wollte, dass sie mehr Zeit in seiner Nähe verbrachte.

„Ich habe über das Gemeindezentrum gelesen.“ Sie stellte das benutzte Geschirr zurück auf das Tablett.

Er reagierte sofort, nahm das Tablett und folgte ihr ins Haus, wobei sein Blick auf ihre schwingenden Hüften fiel. Das Schmetterlings-Tattoo an ihrem Fußknöchel war ein farbenfrohes neues Kunstwerk, das ihn reizte, den Rest ihres Körpers zu erforschen. Er stellte das Tablett auf die Kücheninsel und schob seine Hände in die Hosentaschen, damit sie nicht auf Wanderschaft gingen.

„Dane und ich haben es zur gleichen Zeit errichtet, als wir den ersten Spatenstich für die Hauptniederlassung von Madtec vornahmen. Wir dachten, wir würden damit der Stadt etwas zurückgeben und sie für potenzielle Mitarbeiter interessanter machen.“ Ihm gefiel der Gedanke, den Jugendlichen des Ortes mehr Unterstützung und Möglichkeiten zu geben, als Dane und er gehabt hatten.

„Kluger Gedanke.“ Sie stellte den restlichen Kuchen in den Kühlschrank, während er die Spülmaschine belud. „Und danke für die Einladung. Ich würde mir das Gemeindezentrum gern anschauen.“

Kai spürte, dass ihre gemeinsame Zeit zu Ende ging, und wollte nicht länger verweilen. Es reichte, ihr den unterzeichneten Vertrag zu geben und den Weg für die Zusammenarbeit zu ebnen. Kein Grund, die Vergangenheit wieder aufzuwärmen.

„Ausgezeichnet. Wir werden noch heute mit dem Direktor für Datensicherheit bei Blackwood Bank in Verbindung treten und uns an die Arbeit machen, um neue Verschlüsselungsvorkehrungen zu installieren.“ Er sollte ihr die Hand geben und gehen. Oder vielleicht einfach gehen.

Nur dass der heutige Tag mit ihr zu viel aufgewühlt hatte. Seine Füße bewegten sich nicht, als er beobachtete, wie sie sich an die Kücheninsel lehnte.

„Ich bin froh, dass du deine Meinung geändert hast und den Auftrag übernimmst, Kai“, sagte sie. „Danke.“

Geh jetzt, sagte ihm sein Verstand.

Doch er wusste, er könnte diese höfliche Fassade nicht jedes Mal, wenn sie sich sahen, aufrechterhalten. Daher musste er zumindest eines der Themen ansprechen, die ihn nach all dieser Zeit immer noch höllisch nervten.

„Kai?“ Fragend sah sie ihn an.

„Da ist noch eine Sache.“ Er rückte näher und senkte die Stimme. „Es ist merkwürdig für mich, mit dir auf der Blackwood Hollow Ranch zu sein, so wie es für uns zu Ende ging. Aber wie ist es für dich, in Buckleys Gästehaus zu wohnen, umgeben von seinen Söhnen und seiner Tochter?“

„Ich bin nicht ihr Feind. Buckley hat es so arrangiert, dass ich ihnen über die Zeit nach seinem Tod hinweghelfe.“

„Auch nach der Scheidung bist du ihm gegenüber noch loyal?“ Die Frage klang kritischer als beabsichtig. Aber er wollte es wissen.

Sie kniff die Augen zusammen und stieß sich von der Insel ab. „Das geht dich nichts an“, sagte sie abweisend und gab ihm damit klar zu verstehen, dass er jeden Fortschritt, den er gemacht hatte, um die Dinge zwischen ihnen zu glätten, wieder zunichte gemacht hatte.

„Du hast recht, es geht mich nichts an“, stimmte er zu. Er ahnte, dass er Dane für die Interaktion mit Blackwood Bank benötigen würde, wenn er es nicht unterlassen konnte, auf diese Weise in der Vergangenheit herumzustochern. „Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es zu Peinlichkeiten zwischen uns kommen kann, während wir nach einer guten Basis suchen, damit dieser Deal funktioniert.“

Sie schürzte die vollen Lippen. Dann nickte sie kurz und beugte sich zu ihm. „In dem Fall kann ich dir versichern, dass es für mich mehr als merkwürdig ist, hier zu wohnen. Zu entdecken, dass mein Ex-Mann mir während dieser Machtübergabe an seine Kinder sein ganzes weltliches Vermögen anvertraut hat, war noch bizarrer.“

Sie tippte mit der Fingerspitze auf die Arbeitsfläche. „Aber wenn man bedenkt, wie viel Zeit vergangen ist, seit wir zusammen waren, glaube ich nicht, dass es irgendeinen Grund für Peinlichkeiten gibt. Ich bin sechsunddreißig Jahre alt, Kai. Mich bringt nichts mehr in Verlegenheit.“

Er begrüßte ihren leidenschaftlichen Ausbruch, eine weitere Facette von Miranda, die er besser kannte als die selbstbeherrschte Haltung, die sie in seinem Büro an den Tag gelegt hatte und auch manchmal während des Gesprächs heute. Er verkniff sich ein Lächeln.

„Verstanden. Ich habe deine Reife immer bewundert“, sagte er todernst. „Was ich ‚Peinlichkeit‘ genannt habe, heißt wohl eher Anziehungskraft.“ Er gab ihr einen Moment Zeit, das zu verarbeiten, wohl wissend, dass er ihr die Wahrheit schuldig war, selbst wenn sie die Zusammenarbeit erschwerte. „Ich werde mich dir gegenüber von meiner besten Seite zeigen, Miranda, aber ich denke, es ist offensichtlich, dass das Feuer noch da ist.“

Dieses Mal hatte sie keine schlagfertige Antwort parat.

Verdammt, mit diesem Eingeständnis hatte er sich selbst ebenfalls geschockt. Doch er war nicht der Typ Mann, der Tatsachen auswich. Er beobachtete, wie sie den Mund öffnete und wieder schloss.

Schließlich sagte sie: „Dann sollten wir vielleicht warten, bis sich die Lage abgekühlt hat, und das Ganze zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal überdenken.“ Sie stolzierte an ihm vorbei zur Haustür. Für heute war sie mit ihm fertig. Sie öffnete die Tür, stellte sich an die Seite und betrachtete ihn. „Auf Wiedersehen, Kai.“

Hatte er die Grenzen der Professionalität überschritten?

Wohl eher nicht. Sie kannte ihn gut, auch wenn ihre Beziehung seit zehn Jahren Geschichte war. Es dürfte sie nicht überraschen, dass er offen über seine Gefühle sprach. Die Anziehungskraft war noch da – und es wäre lächerlich, etwas anderes zu behaupten.

Er ging zur Tür. Bevor er über die Schwelle trat, blieb er stehen. Ihre Blicke trafen sich.

„Komm nach Deer Springs“, drängte er. „Wenn wir uns mit der Geschichte zwischen uns arrangieren können, dann können wir damit abschließen. Vielleicht lässt die Anziehungskraft dann nach, und es wird einfacher, zusammenzuarbeiten.“

Ihre Atmung beschleunigte sich, doch er wartete nicht darauf, dass sie zustimmte. Er ging an ihr vorbei zu seinem Wagen, wollte Miranda im Rückspiegel sehen. Nicht nur heute.

Sondern für immer.

Drei Tage später saß Miranda mit ihrem Morgenkaffee auf der Terrasse des Gästehauses. Sie unterbrach die Planung der von Buckley gewünschten Royal-Gives-Back-Gala und scrollte stattdessen durch die neuesten Fotos von Sophie Blackwood Townsends Flitterwochen in Europa. Sophie, die Jüngste in der Familie Blackwood, hatte letzten Monat Mirandas Produzenten geheiratet und genoss das Leben in Paris, Marokko und jetzt Florenz. Die Aufnahmen waren atemberaubend, aber am meisten faszinierte es Miranda, wie verliebt das glückliche Paar aussah.

Sophie hatte Nigel kennengelernt, als sie unter falschem Namen bei Green Room Media in New York arbeitete, um Schmutz über Miranda auszugraben. Glücklicherweise hatte sie nichts gefunden und sich endlich mit ihrer Ex-Stiefmutter arrangiert. Es rührte Miranda, dass sie in die Nachrichtengruppe der Familie aufgenommen worden war und sehen konnte, was Sophie machte.

Kais Vorschlag, nach Deer Springs zu kommen, ging ihr durch den Kopf – und sein Hinweis auf die Anziehungskraft, die immer noch zwischen ihnen brodelte. Zuerst war sie wütend gewesen, dass er schon wieder Unruhe stiftete. Doch irgendwie bewunderte sie auch seine Bereitschaft, sich kopfüber in ein Thema zu stürzen, um das die meisten einen großen Bogen machen würden. Es war frustrierend, denn es wäre bequemer, vorzugeben, dass der Funke zwischen ihnen längst erloschen war. Aber stimmte das?

Sie konnte die Hitze nicht leugnen, die aufgelodert war, als er sie berührte, auch wenn er eigentlich nur Trost spenden wollte. Vielleicht sollten sie wirklich versuchen, mit der Vergangenheit abzuschließen. Dann könnte sie sicherlich alle Emotionen hinter sich lassen. Aber immer, wenn sie nur daran dachte, zwischen ihnen würde es noch knistern, schlug ihr Magen Purzelbäume wie beim ersten Zusammentreffen.

Miranda hatte damals zwei Jobs gehabt, war überfordert gewesen von den Mittagsgästen im Diner, wo sie als Kellnerin arbeitete, und in Panik wegen des Klebebandes, das einen Riss in ihrer Arbeitskleidung zusammenhielt. Wegen eines Streits mit ihrer Mutter am Tag zuvor hatte sie ihn nicht nähen können. Sie würde nie vergessen, wie es sich angefühlt hatte, an Kais Tisch zu kommen, um seine Bestellung aufzunehmen, und wie sein wunderbares Lächeln all den Stress vertrieben hatte.

Er hatte darauf bestanden, erst zu bestellen, wenn sie sich zu ihm setzen und mit ihm essen würde. Sie hatte ihm trotzdem ein Wasser gebracht. Er hatte es erst 14 Uhr angerührt, als ihre Schicht zu Ende war. Nachdem sie sich zu ihm gesetzt hatte, hörten sie nicht mehr auf zu reden. Fast schien es, als redeten sie monatelang, ohne aufzuhören, außer, um sich zu küssen und Sex zu haben.

Aber Kai hatte die Sache beendet.

Nicht mit Worten, aber mit Taten. Denn er hatte sich zurückgezogen.

Zunächst hatte sie angenommen, dass er zu viel Stress hatte. Er arbeitete noch mehr als sie, und einige der Jobs waren ziemlich zwielichtig. Und ja, das hatte sie beunruhigt. Sie hatte in ihrem Leben genug Instabilität erlebt. Sie wollte Beständigkeit. Selbst wenn Vorhersehbarkeit nicht jedermanns Vorstellung von einem glücklichen Leben war, in ihren Ohren klang es wunderbar.

Kai war sechs Jahre jünger als sie, und er lebte gefährlicher, als Miranda es je gekonnt hätte. Und doch hatte sie all das in Kauf genommen, war immer wieder Kompromisse eingegangen, bis sie spürte, dass er sich von ihr zurückzog. Das war der Moment gewesen, als sie entschied, die Beziehung zu beenden.

Er hatte nicht einmal versucht, sie von ihrer Entscheidung abzubringen – der letzte Beweis, dass es zwischen ihnen nicht stimmte. War es da ein Wunder, dass sie wegen seiner Loyalitätsanspielung Buckley gegenüber verärgert gewesen war?

Die Ehe war nicht perfekt gewesen, aber sie hatte ihr Bestes gegeben.

Miranda ließ ihre Kaffeetasse auf dem Tisch stehen, nahm ihr Handy und steckte es in die Tasche. Sie würde die Organisation der Royal-Gives-Back-Gala nicht zustande bringen, wenn ihre Gedanken immer wieder zu Kai abschweiften.

Er hatte sie nach Deer Springs eingeladen, damit sie mit der Vergangenheit abschlossen, oder? Sie würde ihn beim Wort nehmen.

4. KAPITEL

Lulu Shepard wollte gerade an die Tür des Gästehauses klopfen, als Miranda sie weit öffnete.

„Lulu.“ Miranda lächelte und umarmte sie freundschaftlich. „Ich habe dich nicht erwartet. Ist alles okay?“

Lulu war gestresst und unsicher durch die Hochzeitsplanung und hoffte, dass Miranda ihr helfen konnte. Manchmal fragte sie sich, ob die Frau jemals einen Moment der Unentschlossenheit erlebt hatte.

Miranda trug ein enges dunkelblaues Kostüm, dazu rote High Heels. In der Hand hielt sie eine Designertasche. Sie schaffte es immer, feminin und gleichzeitig tough auszusehen.

„Es geht mir gut. Ich wollte nur einen Rat zur Hochzeit, aber ich will dich nicht aufhalten, wenn du gerade wegwillst.“ Lulu trat zurück, damit ihre Freundin auf die Veranda treten konnte.

Miranda zog die Tür hinter sich zu und deutete auf die Adirondack-Stühle. „Für dich habe ich immer Zeit. Setzen wir uns.“

Erleichtert ließ Lulu sich auf einen der Stühle fallen. „Danke. Ich stecke in einem Dilemma wegen der Brautjungfern. Nigel hat eine SMS geschickt, dass wir in der nächsten Episode Brautjungfernkleider für alle Darstellerinnen der Serie kaufen werden.“

„Ja, das habe ich gelesen“, bestätigte Miranda.

Lulu biss sich auf die Lippe. „Ich möchte Fee natürlich dabeihaben, und dich auch. Aber Rafaela? Ich bitte dich. Warum sollte ich sie einladen, nach allem, was sie hier abgezogen hat?“

Zu Beginn der Staffel hatte Rafaela Marchesi heimlich ein Foto von Seraphinas Verlobtem, dem Rancher Clint Rockwell, ohne seine Beinprothese geschossen und es an die Medien geschickt, um die Einschaltquoten zu erhöhen.

„Es ist dein gutes Recht, zu entscheiden, wen du bei der Hochzeit dabeihaben möchtest“, versicherte Miranda ihr. „Ich habe das Gefühl, dass Nigel mit uns ein abgekartetes Spiel treibt. Er hofft auf ein Drama, indem er dich in die schwierige Lage versetzt, es den anderen selbst sagen zu müssen – vor laufender Kamera.“

„Du meinst, er hofft, dass aus einer Brautjungfern-Shopping-Show ein Zickenkrieg wird?“ Der Gedanke war Lulu nicht gekommen, aber er machte Sinn.

„Wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass so eine Serie von frechen O-Tönen lebt.“ Miranda zuckte die Achseln. „Deshalb bekomme ich auch nicht so viel Zeit vor der Kamera. Ich bin für die Zuschauer weniger interessant, weil ich mich nicht so schnell aufrege.“

„Du könntest recht haben“, meinte Lulu und dachte daran, wie geerdet Miranda wirkte. Wie unwahrscheinlich es war, dass sie mal aus der Haut fuhr. Während die anderen – Lulu eingeschlossen – sagten, was ihnen in den Sinn kam. Sie hielten sich nicht zurück.

„Genau“, stimmte Miranda zu. Sie lehnte sich zurück und machte ein nachdenkliches Gesicht. „Stille Wasser mögen zwar tief sein, aber sie sind nicht für gutes Fernsehen geeignet. Für mich ist das okay. Wegen der Freundschaften bin ich dankbar, Teil der Show zu sein. Mir war gar nicht bewusst, wie wenig Freundinnen ich habe.“

Lulu drückte gerührt Mirandas Hand. „Ich bin auch froh, dass es dich in meinem Leben gibt“, sagte sie ehrlich. „Was würdest du an meiner Stelle wegen der Brautjungfern tun?“

„Das Einfachste wäre, einfach mitzumachen. Du wärst nicht die erste Frau, auf deren Hochzeitsfotos Leute zu sehen sind, die sie eigentlich gar nicht mag. Bei uns weißt du zumindest, was dich erwartet.“ Miranda zuckte mit den Schultern. Bei ihr klang alles so vernünftig. „Ich persönlich finde es nicht schlimm, Rafaela auf den Hochzeitsfotos zu haben, aber es geht nicht um mich, Lu. Es ist dein Tag. Deiner und der von Kace.“

„Du hast recht. Bei meiner ersten Hochzeit habe ich mich über so viele Kleinigkeiten aufgeregt – Sitzordnung und andere oberflächliche Dinge, die keine Rolle spielen.“

„Was zählt, ist die Ehe, nicht die Hochzeit.“ Lulu sah Wehmut in den Augen ihrer Freundin. Dachte sie gerade an ihre eigene Hochzeit mit Buckley?

„Ich werde es diesmal richtig machen“, sagte Lulu und stellte sich die Zukunft an Kace’ Seite vor. „Die Ehe, denn sie ist das Wichtigste.“

Miranda nickte zustimmend. „Kace ist der Richtige für dich. Das erkennt man sofort, wenn man euch zusammen sieht.“

„Er macht mich glücklich.“ So einfach war das. „Und die Hochzeit kann so überzogen sein, wie Nigel es will.“

„Bist du sicher?“, fragte Miranda und beugte sich vor. Der Brillantanhänger an ihrer Kette funkelte in der Sonne. „Denn du kannst ihm sagen, dass du Rafaela oder jeden anderen von uns nicht dabeihaben willst.“

„Ich bin sicher. Ohne diese Sendung hätte ich Kace nicht kennengelernt, und ich habe nichts dagegen, das zu feiern. Sobald die Feier vorbei ist, habe ich für immer einen wunderbaren Mann in meinem Leben, und nur das zählt.“

Sie stand auf und dankte Miranda. Bevor sie sich jedoch verabschiedete, konnte sie es sich nicht verkneifen zu fragen: „Was hast du vor? Du hast dich so schick gemacht.“

Noch bevor Miranda antwortete, ahnte Lulu, dass Miranda einen Mann treffen würde. Es gab ein Zögern. Einen kurzen Moment der Unsicherheit, etwas, was Lulu bei dieser überaus selbstsicheren Frau noch nie erlebt hatte.

Autor

Brenda Jackson

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