Baccara Exklusiv Band 213

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DREI NÄCHTE LANG GEHÖRST DU MIR von RACHEL BAILEY
Ihre gesamten Ersparnisse bietet Faith auf der Auktion für ihren sexy Boss Dylan Hawke. Denn sie hat einen Plan: Faith will ihn von ihren beruflichen Qualitäten überzeugen! Doch unerwartet funkt es zwischen ihnen heiß. Dabei verkündete Dylan noch, dass er niemals etwas mit einer Angestellten anfangen würde …

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  • Erscheinungstag 12.11.2021
  • Bandnummer 213
  • ISBN / Artikelnummer 0858210213
  • Seitenanzahl 384

Leseprobe

Rachel Bailey, Barbara Dunlop, Jules Bennett

BACCARA EXKLUSIV BAND 213

1. KAPITEL

Es gab nur wenige Dinge in seinem Leben, von denen Dylan Hawke bereute, sie getan zu haben. Und er hatte das Gefühl, dass das hier ganz oben auf der Liste stehen würde.

Die Scheinwerfer blendeten ihn, doch er lächelte. Das hatte man ihm eingeschärft. Schwungvoll verbeugte er sich, bevor er die Treppe hinaufstieg und die Bühne betrat. Applaus und ein paar Hochrufe, die wahrscheinlich von seiner Familie kamen, hießen ihn willkommen.

„Wir werden mit den Geboten bei zweihundert Dollar beginnen“, sagte die Moderatorin, die vorn am Bühnenrand stand.

Dylan atmete tief ein. Und so fängt es an. Das war der erste Schritt zur Verbesserung seines öffentlichen Images: seine Zeit mit Wohltätigkeitsveranstaltungen zu verbringen. Seit sein Bruder mit einer Prinzessin liiert war, war sein Name immer öfter in den Medien erschienen. Er hatte schnell erkannt, dass sein Ruf als Playboy ein Nachteil für seine Schwägerin und ihr Projekt für obdachlose Kinder in L. A. sein könnte.

„Was höre ich da für Dylan?“, rief die Moderatorin, eine bekannte Schauspielerin aus einer Sitcom. „Dylan Hawke ist der Besitzer von Hawke’s Blooms, den bekanntesten Blumenläden in unserem Land. Deshalb gehe ich davon aus, dass er sich mit romantischen Dates auskennt.“

Ein Flüstern ging durch den voll besetzten Raum, als mehrere weiße Tafeln mit schwarzen Nummern hochgehalten wurden. Wegen der Scheinwerfer konnte Dylan nicht allzu viel sehen. Doch er hatte den Eindruck, dass jeder Platz besetzt war.

„Zweihundertfünfzig, dreihundert“, verkündete die Moderatorin.

Er entdeckte seinen Bruder Liam, der neben seiner Verlobten, Prinzessin Jensine Larson, saß. Jenna – die inkognito als Dylans Haushälterin gearbeitet hatte, bevor sie Liam kennengelernt hatte – reckte den Daumen hoch. Dies war die erste Spendenveranstaltung ihrer neuen Wohlfahrtseinrichtung, der Hawke-Brothers-Stiftung. Jenna hatte sie ins Leben gerufen, um Geld für obdachlose Kinder zu sammeln. Da sie jetzt heiraten würden, wollten Liam und sie ihre gemeinsame Zeit zwischen Jennas Heimatland und L. A. aufteilen. Die Stiftung war das perfekte Projekt für Jenna. Sie hatte Dylan verraten, dass sie es kaum erwarten konnte, sich mit Haut und Haar darauf zu stürzen.

Er glaubte an ihr Anliegen, und er glaubte an Jenna. Daher musste er ihr nun dabei helfen, so viel Geld wie möglich zu sammeln. Insgeheim hätte er sich allerdings gewünscht, es auf eine weniger demütigende Weise tun zu können. Zum Beispiel, indem er einfach einen Scheck ausstellte.

Aber in dem Fall hätte er ja sein Image nicht aufpolieren können.

Und darum stand er hier auf der Bühne vor Hunderten von Leuten. Zum Verkauf angepriesen.

„Fünfhundertfünfzig“, sagte die Showmasterin und zeigte auf eine rothaarige junge Frau rechts an der Seite, deren Tafel die Nummer dreiundsechzig zeigte.

Dylan zwinkerte ihr zu und machte einen Schritt nach links.

Eine blonde Frau hielt eine Tafel hoch und rief: „Sechshundert!“

Um in dem grellen Licht etwas sehen zu können, hob er die Hand an die Augen und schaute zu der Blondine. Irgendetwas kam ihm an ihr bekannt vor … Plötzlich erinnerte er sich, und sein Magen zog sich zusammen. Das war Brittany Oliver, die bei einem lokalen Fernsehsender für das Wetter zuständig war. Sie waren in den letzten Jahren ein- oder zweimal miteinander ausgegangen, aber sie hatte ihn schnell nur noch genervt. Als er herausgefunden hatte, dass sie bereits mit der Planung von Heirat und Kindern beschäftigt gewesen war, hatte Dylan mit ihr Schluss gemacht. Er schluckte und hoffte, dass jemand sie überbieten würde. Vielleicht die süße Rothaarige mit der Tafel Nummer dreiundsechzig.

Er schob die rechte Hand in die Hosentasche und lächelte den Zuschauern charmant zu, wie es seit seinem vierzehnten Lebensjahr seine Art war. Die Belohnung folgte auf dem Fuß, als eine attraktive Brünette mit langem Haar und kaffeebrauner Haut ihre Tafel hochhielt. Dylan nickte zufrieden und hatte mit einem Mal gar nichts mehr dagegen, auf der Bühne zu stehen.

„Sechshundertfünfzig!“, gab die Moderatorin bekannt. „Siebenhundert Dollar. Siebenhundertfünfzig.“

Dylan wusste, dass Jenna mit einem hohen Erlös der Auktion rechnete, um ihre Stiftung ins Leben rufen zu können. Daher griff er nach der Rose, die im Knopfloch seines Jacketts steckte, und warf sie in die Menge. Vielleicht war die Geste ein wenig kitschig. Die Gebote folgten daraufhin jedoch so schnell aufeinander, dass sie im Handumdrehen bei zweitausend Dollar standen.

Dylan wappnete sich und sah zu Brittany hinüber, die tatsächlich immer noch im Rennen war. Ob sie wohl noch sauer auf ihn war, weil er mit ihr Schluss gemacht hatte? Oder wünschte sie sich, wieder mit ihm zusammen zu sein? Er hatte keine Ahnung. Doch eins war ihm klar: So oder so würde ein Abend mit ihr bestimmt sehr ungemütlich werden. Für diesen Fall hätte er sich vermutlich besser einen Plan B überlegen sollen. Er hätte zum Beispiel ein Signal mit Jenna vereinbaren können, damit sie das höchste Gebot abgab. Das Geld hätte er ihr dann später zurückgegeben.

„Dreitausendfünfhundert.“

Das kam von der Rothaarigen. Dylan betrachtete sie eingehend. Kupferrotes Haar, das zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden war. Ein kobaltblaues Top mit Spaghettiträgern. Volle Lippen, große dunkle Augen, mit denen sie ihre Konkurrentinnen musterte. Sie sah hinreißend aus. Dylan kreuzte im Verborgenen die Finger und hoffte, dass sie gewinnen würde. Dann könnte er einen wunderbaren Abend mit ihr verbringen. Sie würden ein gutes Essen genießen und danach vielleicht ins Kino gehen. Oder eine Autofahrt im Mondschein machen.

„Viertausendsechshundert.“

Ein Blitzlicht zuckte auf, und er lächelte. Doch er wusste, dass er für die Stiftung die Gebote noch höher treiben musste. Daher ging er zu der Moderatorin und bedeutete ihr, dass er etwas zu sagen hatte. Sie bedeckte das Mikrofon mit der Hand und senkte es ein wenig.

„Machen Sie drei Dates draus“, flüsterte er ihr zu.

Sichtlich überrascht hob sie die Brauen, dann nickte sie und sagte ins Mikrofon: „Ich habe gerade die Information erhalten, dass jetzt drei Dates ersteigert werden können.“

In den folgenden Minuten schossen jede Menge Tafeln in die Höhe. Wenig später verkündete die Moderatorin abschließend: „Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Verkauft für achttausendzweihundert Dollar.“

Dylan durchlief es heiß und kalt. Er war den Geboten gar nicht mehr gefolgt und hatte keine Ahnung, wer gewonnen hatte.

„Nummer dreiundsechzig, Sie können Mr. Hawke rechts von der Bühne treffen, um sich mit ihm zu verabreden“, sagte die Moderatorin. „Als Nächstes haben wir einen Sportler, den ich wohl nicht mehr extra vorstellen muss.“

Die hübsche Rothaarige hatte also das Rennen gemacht. Dylan lächelte erfreut.

Sein Image aufzupolieren und sich für wohltätige Zwecke zu engagieren war vielleicht doch keine so schlechte Idee gewesen.

Faith Crawford stand auf, rückte ihr Top über der schwarzen Hose zurecht und ging zwischen den Tischen hindurch auf die Bühne zu. Am rechten Rand wartete Dylan Hawke bereits auf sie.

Ihr Herz klopfte wie verrückt, doch sie riss sich zusammen. Als sie vor ihm stand, streckte sie ihm die Hand entgegen. „Hallo, ich bin Faith.“

Dylan ergriff ihre Hand. Doch statt sie zu schütteln, hob er sie an die Lippen und küsste sie. „Ich bin Dylan, und im Namen meiner gesamten Familie möchte ich mich bei Ihnen für Ihre Unterstützung der Hawke-Brothers-Stiftung bedanken.“

Das Lächeln, das er ihr schenkte, ließ sie dahinschmelzen. Faith gab sich jedoch alle Mühe, die Reaktionen in ihrem Inneren zu ignorieren. Ihr Körper wusste offensichtlich nicht, dass Dylan Hawke ein notorischer Charmeur war. Wahrscheinlich hatte er bereits unzählige Frauen auf diese Weise angelächelt.

Dylan ließ ihre Finger los und richtete sich auf. „Ich hätte da ein paar Ideen, wohin wir an unserem ersten Date gehen könnten.“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich weiß, wohin ich mit Ihnen gehen will.“

Er zog die Brauen hoch. „Verstehe. Nun, ich mag Frauen, die wissen, was sie wollen.“

Oh, sie wusste genau, was sie wollte. Und das war nicht Dylan Hawke – egal, wie gut er in seinem Smoking aussah. Ihr war nur wichtig, was er für ihre Karriere tun konnte. Faith hatte gerade eine große Investition in ihre Zukunft getätigt, für die sie den Großteil ihrer Ersparnisse geopfert hatte. Die würde sie nicht verfallen lassen.

Dylan holte einen Stift aus der Tasche seines Jacketts und schnappte sich eine Serviette vom Tisch. „Schreiben Sie mir Ihre Adresse auf, dann hole ich Sie ab. Wie wäre es mit morgen Abend?“

Je eher, desto besser. „Ja, morgen ist gut. Aber Sie brauchen mich nicht abzuholen. Ich würde Sie lieber irgendwo treffen. Wie wäre es vor Ihrem Laden in Santa Monica um sieben?“

Er lächelte. Dieses Mal hatte es allerdings nichts von einem Verführer, sondern wirkte echt. Und das gefiel Faith viel besser.

„Eine Frau voller Geheimnisse“, sagte er. „Na gut, okay, Nummer dreiundsechzig. Wir treffen uns morgen Abend um sieben vor Hawke’s Blooms in Santa Monica.“

„Ich werde dort sein“, erwiderte sie, drehte sich um und ging zur Tür. Dabei fiel ihr auf, dass ihr mehrere neugierige Blicke folgten – auch der von Dylan Hawke. Genau das hatte sie sich von ihm gewünscht: seine komplette Aufmerksamkeit.

Jetzt musste sie sich bloß auf ihre Karriere konzentrieren und verhindern, dass sie durch sein Lächeln und ihr Treffen in Schwierigkeiten geriet.

Dylan fuhr mit seinem Porsche auf den kleinen Parkplatz vor seinem Geschäft in Santa Monica. Normalerweise besuchte er alle zweiunddreißig Filialen regelmäßig. Da sie jedoch zwischen San Francisco und San Diego verstreut waren, gelang ihm das nicht so oft, wie er es sich vorgenommen hatte. Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er es das letzte Mal geschafft hatte. Trotzdem wusste er, dass die Verkaufszahlen dieser Niederlassung im Vergleich mit den anderen Hawke’s-Blooms-Filialen im oberen Bereich lagen.

Plötzlich registrierte er eine Bewegung in der Nähe der Tür. Es war Faith. Ihr rotes schulterlanges Haar spiegelte sich im Fenster des Ladens wider. Sie trug ein Sommerkleid mit Nackenträgern, das ihre gute Figur betonte und bis knapp übers Knie reichte, sodass ihre wohlgeformten Beine in den modischen High Heels gut zur Geltung kamen. Als Dylan aus dem Wagen stieg und auf sie zuging, merkte er, dass sein Puls in die Höhe schnellte.

Bislang wusste er von dieser Frau nicht mehr, als dass sie Spaghettiträger mochte, ihr Haar sensationell aussah und sie wohlhabend genug war, um eine neue Stiftung zu unterstützen. Doch ihm war verdammt klar, dass er mehr über sie erfahren wollte.

„Guten Abend, Faith“, sagte er, ging um das Auto herum und öffnete für sie die Tür auf der Beifahrerseite.

Sie blieb stehen und schüttelte den Kopf. „Wir werden den Wagen heute nicht brauchen.“

Suchend schaute er sich um. Der Parkplatz war leer. „Haben Sie vielleicht irgendwo einen fliegenden Teppich versteckt?“

„Nicht nötig“, erwiderte sie lächelnd. „Wir sind schon da.“

Dylan sah ihr zu, wie sie in die Tasche griff, einen Schlüsselbund hervorholte und einen Schlüssel ins Türschloss steckte. Dann vernahm er ein Klicken.

Faith trat ein, stellte die Alarmanlage aus und wandte sich zu ihm um. „Kommen Sie!“

Einen Moment lang befürchtete er, dass gleich einer seiner Brüder aus dem Dunkel auftauchen und „Reingelegt!“ rufen würde. War das alles ein Streich? Aber Faith hatte inzwischen bereits ihre Handtasche auf den Tresen gestellt und das Licht eingeschaltet. Kopfschüttelnd schloss Dylan sein Auto ab, folgte ihr hinein und machte hinter sich die Tür zu. Er hatte keinen blassen Schimmer, was sie plante oder was sie sich von diesem Date versprach. Doch aus irgendeinem Grund war ihm das auch egal. Diese Frau erregte sein Interesse auf vielerlei Weise – so etwas war ihm lange nicht mehr passiert. Und erst jetzt wurde ihm klar, dass ihm die Situation gefiel.

„Wer sind Sie eigentlich, Nummer dreiundsechzig?“, fragte er neugierig, während er sich an den Tresen lehnte und sie von Kopf bis Fuß musterte.

Sie betrachtete ihn. Ihre Wangen waren gerötet, ihre warmen braunen Augen glänzten. „Ich bin Floristin. Mein Name ist Faith Crawford, und ich arbeite für Sie.“

Faith Crawford? Dieser Name sagte ihm etwas, er konnte sich jedoch an nichts Bestimmtes erinnern. Er kniff die Augen zusammen. „Mary O’Donnell ist in dieser Filiale die Geschäftsführerin, richtig?“

„Ja, sie ist meine Chefin“, erwiderte Faith und ging nach hinten in den Lagerraum, um auch dort das Licht anzuknipsen.

Verblüfft starrte Dylan sie an. Das Ganze wurde immer mysteriöser. Warum sollte eine Angestellte eine Riesensumme darauf verwenden, um ein oder drei Rendezvous mit ihrem Boss zu ergattern? Wollte sie sich etwa nach oben schlafen?

„Seit wann arbeiten Sie schon für mich?“, erkundigte er sich, als Faith wieder nach vorn kam.

„Seit sechs Monaten, Mr. Hawke.“

„Dann wissen Sie ja wohl, dass es bei uns ein Verbot der Verbrüderung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern gibt, oder?“ Das war eine Richtlinie, an die Dylan aus tiefstem Herzen glaubte. „Es bedeutet, kein Manager darf sich mit jemandem einlassen, der hier arbeitet.“

Das schien sie nicht zu beeindrucken. „Ist mir klar, ja.“

„Und trotzdem“, fuhr er fort und machte dabei einen Schritt auf sie zu, wobei ihm ihr exotisches Parfüm in die Nase stieg, „haben Sie gutes Geld für eine Verabredung – nun, für drei Verabredungen – mit mir gezahlt. Was wollen Sie also von mir?“

„Niemand hat gesagt, dass es sich um ein romantisches Date handeln muss“, gab sie zurück. „Ich möchte bloß, dass Sie den Abend hier mit mir verbringen.“ Sie griff in ihre Tasche und holte eine Haarklammer heraus.

„Ja, aber aus welchem Grund?“ Gebannt beobachtete er, wie sie sich die rote Lockenmähne hochsteckte.

„Damit Sie mir zuschauen.“

Dylan hob die Brauen. „Ich muss Sie warnen. Falls Sie irgendwas Perverses vorhaben, fällt das ebenfalls unter das Verbrüderungsverbot.“

Faith rollte die Augen, doch er bemerkte, wie ihre Mundwinkel zuckten. „Ich habe vor, ein Blumenarrangement zu stecken.“

Na klar. Als ob er davon in seinem täglichen Berufsleben nicht schon genug zu sehen bekäme. Trotzdem: Als er ihre blassen, schmalen Hände betrachtete, gefiel ihm die Idee, ihr bei der Arbeit zuzuschauen. Ihre Finger schienen gleichzeitig zärtlich und fest zupacken zu können. Er konnte fast spüren, wie sie ihm über das Gesicht strich, wie seine Haut zu prickeln begann und … Jetzt ging aber seine Fantasie mit ihm durch. Das war nicht die korrekte Art des Umgangs mit einer Angestellten, wie er ihr ja eben erläutert hatte.

Ja, sie übte eine gewisse Anziehung auf ihn aus. Doch das hing bestimmt damit zusammen, dass sie hier nachts im Laden ganz allein waren. Wie in einem Kokon.

„Lassen Sie mich etwas klarstellen: Ich weiß genau, wie viel Sie verdienen“, sagte er. „Wenn Sie also nicht gerade über ein erhebliches Privatvermögen verfügen, bedeutet Ihr Gebot eine hohe Summe für Sie. Dennoch haben Sie sie bezahlt – nur damit ich Ihnen bei der Arbeit zuschaue, für die ich Sie normalerweise bezahle?“

Sie strahlte ihn an. „Ja.“

„Irgendwas scheint mir da entgangen zu sein“, murmelte er und neigte den Kopf zur Seite. Diese Frau faszinierte ihn von Minute zu Minute mehr.

Faith trat an den großen Kühlschrank und holte mehrere Eimer mit Pfingstrosen, Flieder und Magnolien hervor. „Hatten Sie je einen Traum, Mr. Hawke? Haben Sie mal von etwas geträumt, das Ihnen allein gehört und das Sie zum Lächeln gebracht hat, wenn Sie bloß daran gedacht haben?“

Dylan runzelte die Stirn. Normalerweise waren seine Träume für seine Karriere oder seine Familie reserviert. Hatte er jemals einen gehabt, der nur ihm gehörte?

„Na klar“, antwortete er, obwohl ihm durchaus bewusst war, dass er schwindelte.

Ohne die Augen von ihm abzuwenden, hatte sie mittlerweile begonnen, die Blätter von den Stängeln abzustreifen. „Dann wissen Sie ja, wie es ist.“

Als er ihre glühenden Wangen sah, beschleunigte sich Dylans Puls. „Was ist denn Ihr Traum?“

Sie lächelte geheimnisvoll. „Ich habe eine Menge Träume. Aber es gibt einen, den ich im Moment unbedingt verwirklichen möchte.“

Ihre Blicke trafen sich. Der Raum um sie herum schien auf einmal verschwunden zu sein. Dylan hatte das Gefühl, Faith den ganzen Abend lang beobachten zu können. Auch sie wirkte, als würde sie die Chemie zwischen ihnen spüren. Rasch verdrängte er diesen Gedanken. Nein, das war viel zu gefährlich. Er durfte diesem Eindruck nicht nachgehen.

„Erzählen Sie mir etwas darüber“, sagte er betont neutral.

Nach einer kurzen Pause nickte sie. „Ich möchte, dass eins meiner Blumenarrangements auf dem Titelblatt Ihres Katalogs erscheint.“

Um den Katalog ging es ihr also? Dylan ließ sich auf die Bank gegenüber dem Tresen sinken und überkreuzte die Beine. „Aber dafür haben wir ein genau geregeltes Verfahren.“

„Ja, und ich kenne es auswendig“, erwiderte Faith. Sie drehte sich um und holte etwas Schaumgummi und ein weißes Tablett aus dem Regal. „Jede Floristin bei Hawke’s Blooms kann sich mit einem individuellen Blumendesign ans Management wenden und muss dazu ein entsprechendes Formular ausfüllen. Wenn der Geschäftsführer von dem Konzept überzeugt ist, kann er es der Direktion für den Kundenkatalog vorschlagen.“

Dylan lächelte. Offenbar kannte sie die Vorgänge tatsächlich bis ins Detail. „Und das kostet Sie nicht einen Cent“, sagte er. „Warum haben Sie nicht diesen Weg gewählt?“

„Das habe ich“, erklärte sie und kürzte die Stängel der Pfingstrosen. „Ungefähr zwanzigmal. Nachdem sechzehn meiner Vorschläge von meiner Chefin abgelehnt worden sind, habe ich allerdings beschlossen, mir etwas anderes einfallen zu lassen.“ Sie lächelte, wobei ihre Grübchen zum Vorschein kamen.

Dylan dachte an ihre Chefin Mary O’Donnell. War es möglich, dass sie ihren Untergebenen den Weg nach oben versperrte? „Wollen Sie sich über sie beschweren?“, erkundigte er sich.

Energisch schüttelte Faith den Kopf. „Nein, überhaupt nicht. Aber ich bin eine gute Floristin, Mr. Hawke. Ich bin stolz auf meine Arbeit, und ich befolge die Anweisungen meiner Vorgesetzten. Die Kunden mögen mich. Und ich wünsche mir, dass eins meiner Arrangements die Chance bekommt, in den Katalog aufgenommen zu werden. Ich finde, das ist nicht zu viel verlangt.“

„Deshalb haben Sie sich bei der Auktion hervorgetan“, sagte Dylan und konnte nicht umhin, ihre Kreativität zu bewundern.

„Als ich erfuhr, dass man einen Abend mit Ihnen gewinnen kann, erschien mir das wie ein Zeichen.“ Sie schaute ihn unter ihren langen Wimpern an. „Glauben Sie an das Schicksal, Mr. Hawke?“

„Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich bisher viel darüber nachgedacht habe“, meinte er.

„Nun, ich tue es. Und als das Poster für die Auktion ins Schaufenster gehängt wurde, kam mir eine Idee: Warum sollte es mir nicht gelingen, mit der Direktion persönlich zu sprechen? Ich musste es einfach tun, verstehen Sie?“

„Vielleicht“, entgegnete er zögernd.

„Deshalb habe ich mitgemacht und einen großen Teil meiner Ersparnisse investiert. Und jetzt sind wir hier.“ Sie machte eine Geste, die den gesamten Raum beschrieb. Dann griff sie nach einer Rolle Blumenband und fuhr mit der Arbeit fort.

Dylan fühlte sich unbehaglich. Irgendetwas gefiel ihm an der ganzen Situation nicht. Faith hatte so viel Geld investiert. Wie würde sie reagieren, wenn er zum selben Schluss kam wie ihre Chefin?

„Sagen Sie mir eins, Faith“, setzte er behutsam an. „Was passiert, wenn mir Ihr Entwurf nicht gefallen sollte – trotz all der Mühe, die Sie sich gemacht haben?“

Sie schaute ihm direkt in die Augen. „Zumindest weiß ich dann, dass ich mein Bestes gegeben habe. Und ich werde härter arbeiten, um noch besser zu werden.“

Er nickte. Sie glaubte an ihre Fähigkeiten, war dabei jedoch nicht anmaßend; sie war bereit, hart zu arbeiten, um ihre Position zu verbessern. Diese Haltung gefiel ihm. Und ehrlich gesagt gab es inzwischen eine Menge, was ihm an Faith Crawford gefiel. Zum Beispiel ihre Löwenmähne und ihre vollen Lippen.

Ihre Bewegungen waren schnell und effektiv. Zugleich wirkte es so, als würden ihre Hände tanzen. Da Dylan sein Leben lang von professionellen Floristen umgeben gewesen war, hatte er ein Gespür dafür entwickelt, wie gut jemand war.

Offensichtlich hatte Faith nicht nur die Ausbildung absolviert, die Hawke’s Blooms von den Angestellten erwartete. Sie besaß auch jenes undefinierbare kreative Etwas, das die Spreu vom Weizen trennte. Ob ihre Designs sich dadurch vom Standard unterschieden, blieb allerdings abzuwarten.

Trotzdem hatte Faith Crawford bereits eins ihrer Ziele erreicht: Ihr gehörte seine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Genau genommen war Dylan nicht in der Lage, den Blick von ihr abzuwenden.

Faith steckte eine weitere Pfingstrose in das Bouquet. Dabei versuchte sie, die Reaktionen ihres Körpers zu ignorieren. Ein Prickeln in ihrem Nacken verriet ihr, dass Dylan sie erneut beobachtete. Natürlich war das der Zweck dieses Abends gewesen. Allerdings hatte sie den Eindruck, als würde er nur hin und wieder dem folgen, was ihre Hände taten. In der übrigen Zeit …

Hitze breitete sich in ihrem Bauch aus, als sie daran dachte, wie er vor ein paar Minuten ihren Mund betrachtet hatte. Sie konnte sich nicht erinnern, wann ein Mann sie zuletzt so voller Sehnsucht angesehen hatte. Noch dazu ein Mann, den sie am liebsten hemmungslos küssen wollte, seit er aus seinem Auto gestiegen war.

Musste es ausgerechnet Dylan Hawke sein, der Firmenchef? Anscheinend spielte das Schicksal ihr einen üblen Streich. Nur deshalb tat sie so, als würde sie diesen Mann nicht unglaublich attraktiv finden. Angestrengt konzentrierte sie sich stattdessen auf ihre Blumen. Abgesehen von dem Prickeln in ihrem Nacken funktionierte das einigermaßen.

Faith durfte sich auf keinen Fall ablenken lassen. Immer wieder rief sie sich ins Gedächtnis, was für ihre Karriere auf dem Spiel stand. Sie musterte das Arrangement ein weiteres Mal und überprüfte es auf Symmetrie. Ein paar Stängel mussten noch gekürzt werden, doch sonst sah der Strauß sehr gut aus, was Farbe und Ausgewogenheit betraf. Aber war er gut genug, um in den Katalog aufgenommen zu werden? Sie hatte sich für ein konservatives Bouquet entschieden und ihre wilderen kreativeren Impulse unterdrückt.

Gedankenverloren berührte sie eins der Blumenblätter. Eigentlich war sie fertig, trotzdem zögerte sie.

„Na? Fertig?“

Sie zuckte zusammen, als sie Dylans Stimme direkt an ihrem Ohr hörte. Gerade hatte er doch noch ihr gegenüber auf der Bank gesessen. Unwillkürlich wich sie zur Seite – und wäre fast gestolpert, wenn er nicht die Hand ausgestreckt und sie gehalten hätte. Für einen Moment schloss Faith die Augen. Als sie sie wieder öffnete, bemerkte sie, dass er sie anstarrte.

Dylan war ihr so nahe, dass ihr sein herber männlicher Duft in die Nase stieg. Sie hatte etwas Leichteres erwartet, vielleicht ein exklusives Eau de Toilette. Aber er duftete nach Wald – erdig, geheimnisvoll und verführerisch. Es lief ihr heiß und kalt über den Rücken. Er bewegte sich nicht vom Fleck.

Faith wagte kaum zu atmen. Sie konnte die Wärme spüren, die von ihm ausging und sie umhüllte. Die Welt um sie herum versank. Alles, was sie sehen und fühlen konnte, war Dylan. Seine Augen verdunkelten sich, und sie schluckte schwer. Ihr war klar, dass sie sich von ihm lösen musste. Auf keinen Fall durfte sie dieser Verlockung nachgeben. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, und ihm schien es genauso zu gehen.

„Faith“, flüsterte er. Sein Atem ging unregelmäßig.

Erneut machte sie die Augen zu. Sie wollte ignorieren, wie sehr sie es genoss, ihren Namen aus seinem Mund zu hören. Doch wie von selbst fanden ihre Hände den Weg zu seiner starken und breiten Brust.

Bei ihrer Berührung lief ein Schauer durch seinen Körper, das konnte sie spüren.

„Bitte“, sagte sie schwach und sah ihn an. Bevor sie etwas hinzufügen konnte, fühlte sie jedoch schon seinen Mund schon auf ihrem. Die Vernunft riet ihr, sich von ihm zu lösen. Stattdessen hielt sie sich an seinem Hemd fest und ließ ihn nicht los.

Als Faith den Kuss vertiefte, stöhnte er auf. Dylan zog sie in seine Arme, drückte sie gegen den Arbeitstisch. Dann trafen sich ihre Zungenspitzen zu einem wilden Tanz, der ein drängendes Begehren in ihr auslöste. Sie wollte mehr davon, wollte ihm noch näher sein. Sehr viel näher.

Sie war verloren.

2. KAPITEL

Faith rang nach Luft, als Dylan sich von ihr löste. Es kam ihr so vor, als täte er dasselbe. Ihre Gedanken überschlugen sich. Würde es ihr je wieder gelingen, normal zu atmen? Einen Kuss wie diesen hatte sie nie zuvor erlebt. Und wenn sie sich nur ein kleines bisschen vorbeugte, könnte sie ihn erneut küssen …

Doch in dem Moment wurde ihr bewusst, was gerade geschehen war. Ihre Knie wurden weich.

Sie hatte soeben ihren Boss geküsst.

Nein, nicht nur ihren Boss – den Chef des Unternehmens, für das sie arbeitete.

Oder er hatte sie geküsst, dessen war sie sich nicht ganz sicher. Faith wusste bloß, dass ein Mann sie bisher noch nie so rückhaltlos geküsst hatte. So leidenschaftlich und so gekonnt. Dass es ausgerechnet ihr Arbeitgeber gewesen sein sollte, war eine grausame Ironie des Schicksals. Wenn sie dadurch ihren Plan gefährdet hatte oder er sie deswegen nicht mehr ernst nahm, würde sie sich das nie verzeihen.

„Faith“, stieß er mit rauer Stimme hervor. „Es tut mir leid. Das hätte ich nicht tun dürfen. Das war unverzeihlich.“

Sie musste ihm mit derselben Ehrlichkeit antworten. „Es war auch meine Schuld.“

„Aber ich bin hier der Chef.“ Er zuckte zusammen. „Es liegt in meiner Verantwortung, diese Grenze nicht zu überschreiten. Sie sollten an Ihrem Arbeitsplatz nie bedrängt werden, und ich muss mich für mein Verhalten entschuldigen.“

„Ich fühle mich nicht von Ihnen bedrängt“, erwiderte sie und betrachtete ihre Hände. Dann zuckte sie mit den Schultern. „Na ja, vielleicht ein bisschen.“ Sie hob den Blick und sah ihn an. „Aber Sie sollen wissen, dass ich Sie küssen wollte. Vorhin jedenfalls.“

Er legte den Kopf schräg. „Und jetzt nicht mehr?“

„Nein.“ Das war natürlich geschwindelt. Sie wollte ihn unbedingt wieder küssen. Mehr als alles andere. Fast. Denn ihre Karriere war ihr schließlich doch wichtiger.

Er atmete aus. „Da bin ich ja froh, aber das reicht mir noch nicht. Es war egoistisch von mir, Sie zu küssen, obwohl es Ihnen um etwas ganz anderes ging. Ich gebe Ihnen mein Wort: Es wird nicht mehr passieren.“

„Das weiß ich zu schätzen“, antwortete sie und bemühte sich, eine professionelle Haltung zurückzugewinnen.

Nach kurzem Schweigen fragte Dylan: „Sind Sie sich da sicher?“

Flirtete er etwa mit ihr? Um das zu wissen, kannte sie ihn nicht gut genug. Womöglich war es bloß ein Test. So oder so, sie musste ihre Position klarstellen.

Faith holte tief Luft und erklärte: „Mir ist wichtig, dass Sie mein Talent erkennen, Mr. Hawke. Mein Interesse an Ihnen ist rein beruflich, nicht persönlich.“

Er lächelte schief. „Verstehe. In dem Fall sollte ich wohl besser Ihr Bouquet begutachten.“

Sie trat einen Schritt zurück, um ihm Raum zu geben. Ihr gesamter Plan lief auf den nächsten Moment hinaus, der wichtiger als alles andere war. Sie konnte jetzt nur die Finger kreuzen und hoffen, dass er ihr eine ehrliche Einschätzung geben würde – trotz der Tatsache, dass er sie gerade geküsst hatte.

Dylan vergrub die Hände in den Hosentaschen und musterte ihr Werk. Er ging herum, begutachtete es aus verschiedenen Winkeln, richtete sich dann auf und zog ein Gesicht.

„Ist es so schlimm?“, erkundigte sie sich besorgt. Ihr Magen zog sich zusammen.

Dylan schüttelte den Kopf. „Nein, überhaupt nicht.“ Er lehnte sich mit dem Rücken an die Werkbank und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wenn ich nicht gelächelt habe, dann bloß deshalb, weil ich es wirklich gern in den Katalog aufgenommen hätte.“

Diese Worte waren wie eine Ohrfeige. Faith spürte die Tränen in sich aufsteigen. „Aber sie werden es nicht tun?“

„Es tut mir leid, Faith“, sagte er weich. „Besonders nachdem …“ Er zeigte auf das andere Ende des Tresens, wo sie sich geküsst hatten.

Faith biss sich auf die Unterlippe. Sie wusste, dass er ja nur seinen Job machte. „Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen. Wenn es nicht gut genug ist, ist das mein Problem, nicht Ihres.“

„Nein, es ist gut, sehr gut sogar. Aber es sieht so wie die anderen Bouquets aus, die wir im Katalog haben. Wenn wir etwas Neues aufnehmen wollen, muss es einzigartig sein. Es muss unseren Kunden eine echte Alternative bieten. Und dieses Gesteck ist zwar sehr schön, doch …“

„Es ist zu sehr wie alle anderen“, beendete sie seinen Satz. Sie verstand sein Argument, und trotzdem fühlte sie sich niedergeschlagen.

Er trat vor sie und legte die Hand auf ihre Schulter. Seine Miene wirkte freundlich und verständnisvoll. „Ich werde Ihnen das Geld erstatten, das Sie auf der Auktion für den Abend mit mir bezahlt haben.“

Empört starrte sie ihn an. So leicht würde sie es ihm nicht machen. „Auf keinen Fall. Ich will Ihr Geld nicht. Ich habe noch zwei weitere Verabredungen mit Ihnen – und die werde ich nutzen.“

Unter keinen Umständen würde sie auf diesen direkten Draht zur Chefetage verzichten. Ihr Plan war gut gewesen, und das war er auch immer noch … Vorausgesetzt, sie hatte ihn nicht durch diesen Kuss vereitelt.

Dylan ließ die Hand sinken und seufzte. „Darf ich ehrlich zu Ihnen sein?“ Er strich sich durchs Haar und verschränkte die Finger dann hinter seinem Kopf.

Sie nickte. „Ja bitte.“

„Ich versuche gerade, mein Image zu verbessern“, sagte er und lächelte dünn. In diesem Moment wirkte er so hinreißend, dass sie am liebsten laut gelacht hätte.

„Vom Playboy zum Schwager einer Prinzessin?“, meinte sie.

Er nickte langsam. „Ja, so ähnlich.“

„Und damit die Leute nicht mehr den Playboy in Ihnen sehen, haben Sie sich bei der Auktion aufstellen lassen?“, fragte sie und ließ sich auf der Bank nieder. Sie genoss seine Verlegenheit. Zugleich rührte es sie, dass er ihr diese private Seite von sich zeigte.

Er räusperte sich. „So betrachtet, klingt es ganz schön verrückt.“

Dieser Mann war so widersprüchlich. Und so faszinierend. Sie wollte ihn näher kennenlernen, um ihn besser verstehen zu können. „Wie würden Sie es denn nennen?“

„Nun, ich habe vor, mich intensiv für die Stiftung zu engagieren. Die Auktion war dazu ein erster Schritt.“

„Um zu einem respektierten Mitglied der Gesellschaft zu werden.“

„Genau. Daher verstehen Sie bestimmt auch, dass ich mir keinen Skandal mit einer Mitarbeiterin erlauben kann.“

Skandal? Faith runzelte die Stirn. Was glaubte er denn, was sie mit den nächsten beiden Dates bezweckte? „Dylan, ich gehe nicht davon aus, dass wir einen romantischen Abend miteinander verleben werden. Das habe ich auch heute nicht erwartet.“ Sie schaute ihn fragend an. Da er schwieg, fügte sie hinzu: „Aber der Kuss hat etwas verändert, nicht wahr?“

Er nickte. „Es ist sehr wichtig, dass ich Sie nur als Angestellte betrachte und Sie in mir nur Ihren Boss sehen.“

„Damit habe ich kein Problem. Sie etwa?“ Herausfordernd sah sie ihn an.

Einer seiner Mundwinkel zuckte verdächtig. „Wenn Sie das schaffen, schaffe ich es auch.“

„Gut, also ist alles in Ordnung, oder?“ Sie löste sich von der Werkbank und machte sich ans Aufräumen.

Dylan beobachtete sie dabei. Schließlich nahm er ihr den Mülleimer ab und wischte die letzten Stängel von der Bank.

„Sieht so aus, als hätten Sie diese Runde gewonnen, Nummer dreiundsechzig“, sagte er dann.

Sie lächelte ihn an. „Wenn das stimmen würde, würden Sie mein Arrangement in den Katalog aufnehmen. Ich habe bloß die Tür für die zweite Runde offen gelassen.“

„Und wissen Sie was?“, erwiderte er amüsiert. „Obwohl ich weiß, dass es falsch ist: Ich freue mich jetzt schon darauf.“

Ja, da war er wieder – der echte Dylan Hawke, den sie vorhin kurz wahrgenommen hatte. Faith wandte sich schnell von ihm ab. Das Ganze war bereits schwierig genug für sie. Nach allem, was passiert war, würde es ihr sicher nicht leichtfallen, nur den Chef von Hawke’s Blooms in ihm zu sehen. Resigniert gestand sie sich ein, dass es dafür vielleicht sogar zu spät war …

Zwei Tage später fuhr Dylan auf den Parkplatz des Geschäfts in Santa Monica. Er hatte den Laden lange nicht mehr inspiziert, obwohl es zu seinen Pflichten als Manager zählte. Meist tauchte er morgens unerwartet in einer der Niederlassungen auf, hielt sich im Hintergrund und half aus, wo er konnte. Das gab ihm ein Gefühl dafür, was in einer Filiale bereits funktionierte und wo es noch Verbesserungsbedarf gab.

Er wollte in diesem Monat mehrere Läden inspizieren und hatte das auch seiner Sekretärin mitgeteilt. Natürlich hatte er dabei nicht verraten, was ihn in Wirklichkeit dazu motivierte – dass er eine ganz bestimmte Angestellte nicht mehr aus dem Kopf bekam, seit er sie an jenem Abend nach Hause gefahren hatte.

Unter anderen Umständen hätte er sie zweifellos danach zum Essen eingeladen. Dieser Kuss war phänomenal gewesen, und Dylan hatte immer wieder daran denken müssen. Aber er hatte auch ihre Gesellschaft sehr genossen. Er hatte nie geahnt, was Faith als Nächstes sagen oder tun würde. Das hatte das Ganze für ihn besonders reizvoll gemacht.

Er seufzte und wandte sich von seinem Auto ab. Es hatte keinen Zweck, Energie auf etwas zu verschwenden, was er nicht haben konnte. Sie arbeitete für ihn, und das war damit das Ende der Geschichte.

Trotzdem fragte er sich, wie es in dieser speziellen Filiale wohl lief und ob die Geschäftsführerin alles für die Förderung des Personals tat. Er hatte nicht vergessen, was Faith ihm erzählt hatte. Zwanzigmal hatte sie sich mit Blumenarrangements für den Katalog beworben, und nicht eins davon war bis zur Direktion durchgedrungen.

Na gut, er hatte ihren Entwurf vor zwei Abenden ebenfalls abgelehnt. Doch Faith war mit Eifer bei der Sache gewesen. Er war sich sicher, dass sie ihre Arbeit gut machte. Eine kompetente Geschäftsführerin hätte also Mittel und Wege finden müssen, um ihr weiterzuhelfen. Vielleicht hätte sie ein oder zwei ihrer Bouquets empfehlen sollen, nur um sie zu ermutigen. Ja, es war eindeutig an der Zeit, dieses Geschäft genauer unter die Lupe zu nehmen. Und das galt auch für die übrigen Niederlassungen.

Als er durch die Eingangstür ging und die Sonnenbrille abnahm, schaute die Geschäftsführerin Mary O’Donnell auf und winkte ihm begeistert zu.

„Mr. Hawke!“, rief sie. „Wie schön, Sie zu sehen. Faith, bitte machen Sie doch hier weiter. Ich muss mit Mr. Hawke sprechen.“

Als sein Name fiel, erstarrte Faith. Fast wirkte sie wie ein Schulmädchen, das bei etwas Ungehörigem ertappt worden war. Sie fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen, und sofort musste Dylan an den Kuss denken. Daran, wie unglaublich gut sich ihr Mund angefühlt hatte. Bevor er alle Gründe vergaß, warum das nie wieder geschehen durfte, wandte er rasch den Blick von ihr ab und betrachtete Mary O’Donnell.

„Nein, das ist nicht nötig“, sagte er. „Ich werde den ganzen Tag hier sein. Machen Sie bitte einfach weiter. Ich … ich will nur sehen, wie es hier läuft.“

„Sie haben schon lange keine Inspektionstour mehr gemacht“, entgegnete Mary und sah sich misstrauisch im Raum um. „Gibt es irgendein Problem?“

„Nein, ich möchte bloß das Verfahren wiederaufnehmen, das ja schon früher gut für uns funktioniert hat. Weil wir so schnell gewachsen sind, habe ich das ein wenig vernachlässigt. Aber jetzt habe ich vor, nach und nach jedes einzelne Geschäft zu besuchen.“

„Und wir sind die ersten?“, fragte sie voller Stolz.

„Ja, das sind Sie.“ Er wollte sie lieber in dem Glauben lassen, dass das ein Kompliment war. Außerdem war es wesentlich professioneller als der wahre Grund – dass er nicht hatte aufhören können, ständig an eine ihrer Angestellten zu denken.

„Nun, dann würde ich Ihnen gern unser Team vorstellen.“ Mary ergriff den Arm einer blonden Frau mittleren Alters und zog sie zu Dylan herüber. „Das ist Courtney. Sie ist die leitende Floristin. Wenn Sie kurz vor Feierabend noch ein aufwendiges Blumengesteck kaufen wollen, müssen Sie sich an sie wenden.“

„Freut mich, Sie kennenzulernen, Courtney“, meinte Dylan und schüttelte ihre Hand.

Courtney strahlte ihn an. „Freut mich auch, Mr. Hawke. Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich schnell dieses Bouquet fertig mache? In ein paar Minuten kommt nämlich der Kurier, um es abzuholen.“

„Nein, natürlich nicht“, gab er zurück und schaute ihr nach, als sie an ihren Arbeitstisch zurückging. Die Frau machte einen kompetenten und freundlichen Eindruck. Das Gesteck, an dem sie gerade arbeitete, sah mehr als eindrucksvoll aus.

„Und dort ist unsere andere Floristin, Faith Crawford“, erklärte Mary und deutete in Faiths Richtung.

Er sah zu ihr. Sie trug eine hellgelbe Schürze mit dem Logo von Hawke’s Blooms über ihrem Spaghettiträger-Top. Das lockige kupferrote Haar hatte sie mit einer Spange zusammengesteckt. Sie erwiderte seinen Blick, und er wartete gespannt auf ihre Reaktion. Unruhig schaute sie von Mary zu ihm und wieder zurück. Dylan wusste, dass er reinen Tisch machen musste, was die Auktion betraf. Bestimmt würden sich die Neuigkeiten bald verbreiten. Doch das hieß ja nicht, dass er alle Einzelheiten ihrer Story erzählen musste.

„Ms. Crawford und ich kennen uns bereits“, sagte er in neutralem Ton.

Mary sah verblüfft von einem zum anderen. Ganz offensichtlich wollte sie mehr wissen, aber er gab ihr keine Gelegenheit für Fragen.

„Beschäftigen Sie auch Lehrlinge hier?“, erkundigte er sich.

„Oh ja, Sharon. Aber sie kommt montags immer erst am Nachmittag.“

Er nickte und zog seinen Mantel aus. Anstelle eines Anzugs trug er heute ein Polohemd und Chinohosen, um sich nicht zu sehr vom Personal abzuheben. „Bevor sie kommt, werde ich den Laden ausfegen und mich um die Telefonate kümmern. Ich erledige alles – wo immer Sie eine zusätzliche Hand gebrauchen können.“

Gegen seinen Willen musste er wieder zu Faith hinüberschauen und bemerkte, dass sie ihn ebenfalls ansah. Wo immer Sie eine zusätzliche Hand gebrauchen können … Er konnte noch immer spüren, wie er mit seinen Händen ihr Haar durchwühlt und dann ihr Gesicht umfasst hatte.

Faith errötete, und ihm wurde klar, dass sie an dasselbe dachte. Er räusperte sich und wandte den Blick ab.

Niemand durfte erfahren, dass er eine Angestellte geküsst hatte. Wenn er diesen Tag überstehen wollte, musste Dylan seine Gedanken unbedingt im Zaum halten.

Es war zwei Stunden her, dass Dylan hier im Laden erschienen war. Er hatte ausgesehen, als wäre er einer Werbeanzeige mit der Überschrift Was der moderne junge Chef in dieser Saison trägt entsprungen. Die ganze Zeit über hatte Faith versucht, so zu tun, als wäre er gar nicht im selben Raum. Sonst wäre sie gar nicht in der Lage gewesen, ihre Arbeit zu erledigen.

Aber wann immer er die abgeschnittenen Stängel zusammenfegte oder ihr einen Zettel mit einem neuen Auftrag übergab, verlor sie den Kampf. Dann musste sie wieder an den Moment denken, als sie an jenem denkwürdigen Abend allein hier gewesen waren.

Und wenn sich ihre Blicke mal trafen, hatte sie das Gefühl, dass auch er diese Bilder im Kopf hatte.

Faith durfte sich einfach nicht ablenken lassen. Immerhin war es ihr Anliegen, den Geschäftsmann Mr. Hawke zu beeindrucken – und nicht Dylan, der sie so leidenschaftlich geküsst hatte. Männer kamen und gingen. Dieser Mann hatte es jedoch in der Hand, ihre Karriere zu fördern.

Heute war besonders viel los. Dauernd klingelte das Telefon, und sie war froh über die Betriebsamkeit. Denn das gab ihr einen Grund, nicht mit Dylan – nein, mit Mr. Hawke – sprechen zu müssen. In der Pause hatte er mit Courtney einen Kaffee getrunken und sie nach ihrem Job und ihren Ideen für den Laden ausgefragt. Danach hatte er verkündet, dass er solche Gespräche mit allen Angestellten führen wollte.

In diesem Moment klingelte erneut die Ladenglocke. Faith sah auf und lächelte, als sie einen ihrer Lieblingskunden erblickte.

„Hallo, Tom“, begrüßte sie ihn und ging zum Kühlschrank. „Wie war Ihr Wochenende?“

„Nicht lang genug“, erwiderte er bedauernd. „Und Ihres?“

Unwillkürlich schaute sie zu Dylan, der gerade das Auftragsbuch durchblätterte. Sein dunkles rotbraunes Haar wirkte ein bisschen unordentlich. Sein Brustkorb hob sich, als würde er tief durchatmen.

„Ich würde sagen, es war sehr interessant“, meinte sie zu Tom.

Er lachte. „Irgendwie habe ich das Gefühl, als würde sich dahinter eine Story verbergen.“

„Nun ja, ich führe eben ein aufregendes Leben.“ Sie öffnete den Kühlschrank und holte die Zweige heraus, die sie vorhin zur Seite gelegt hatte. „Ich habe heute Morgen im Großmarkt frische Minze entdeckt, außerdem diese hübschen Stechapfelzweige. Würde Ihnen das für ein Gesteck gefallen?“

„Und wie! Meine Emmie war von dem Bouquet aus Gänseblümchen und Rosmarin total begeistert, das Sie letzte Woche gemacht haben.“

Aus den Augenwinkeln beobachtete Faith, dass Dylan ihr Gespräch gespannt verfolgte. Nun kam er tatsächlich auf sie zu und streckte Tom die Hand entgegen. „Hallo, ich bin Dylan Hawke, der Vorstandsvorsitzende von Hawke’s Blooms.“

„Wow, der Big Boss“, meinte Tom und zwinkerte Faith zu.

Dylan wandte sich ihr zu. „Sie haben die Stechapfelzweige und die Minze für dieses Bouquet selbst gekauft? Das klingt interessant. Verraten Sie mir, was Sie damit vorhaben?“

Unwillkürlich zog sich ihr der Magen zusammen. Sie hatte sich die Aufmerksamkeit des Geschäftsmanns gewünscht. Jetzt hatte sie sie, und das war wunderbar. Trotzdem hatte sie Bedenken.

„Tom kommt jeden Montag zu uns, um Blumen für seine Frau zu kaufen“, erklärte sie und betrachtete ihre Arbeit. „Emmie ist blind, deshalb wähle ich immer ganz besondere Kombinationen für sie aus.“

„Und die Minze haben Sie heute Morgen auf dem Großmarkt erstanden?“, fragte er ganz sachlich.

Sie nickte. „Ja, montagmorgens breche ich immer ein bisschen früher auf und lasse mich auf dem Großmarkt von den Angeboten inspirieren. Für Emmie wähle ich dann meist etwas, was gut duftet …“ Sie zeigte auf die Minze und fuhr fort: „… und etwas, was sich gut anfassen lässt, wie die Stechapfelzweige. Zusammen mit unserem übrigen Sortiment.“

Gedankenverloren sah sie zu den vielen Eimern voller Blumen, die auf dem Boden standen. Was würde wohl dazu passen? Vielleicht etwas Weißes?

Als sie bemerkte, dass Dylan eine Braue hochzog, zögerte sie. Womöglich gefiel es ihm ja gar nicht, dass seine Floristinnen ausgefallene Wege suchten. Ihre Chefin war von den Extraausgaben jedenfalls nicht sonderlich angetan gewesen. Aber Faith mochte es, sich jede Woche neuen Herausforderungen zu stellen. Und die Tatsache, dass Tom es für seine Frau tat, ging ihr sehr zu Herzen.

Doch eventuell sah Dylan Hawke das ganz anders.

Faith hielt ihm einen Zweig Minze hin. „Ich hoffe, das ist okay, Mr. Hawke.“

„Mehr als okay“, gab er zurück, nahm die Minze und schnupperte daran. „Ich finde, das ist ein großartiges Beispiel für einen ausgezeichneten Dienst am Kunden.“

Er sah sie wohlwollend an, und sie fühlte sich sofort sehr erleichtert. Auch wenn ihr klar war, dass sie seine Zustimmung ein bisschen zu wichtig nahm.

Während sie weiter an dem Bouquet aus Minze, Stechapfelzweigen und weißen Nelken arbeitete, trat Dylan etwas in den Hintergrund. Dennoch ließ er sie keine Sekunde aus den Augen. Nachdem Tom kurz darauf den Laden verlassen hatte, trat er auf sie zu.

„Ich hoffe, man erstattet Ihnen das Geld für die Blumen vom Großmarkt“, sagte er.

Faith setzte ein Pokerface auf. Einerseits wollte sie Mary nicht in Schwierigkeiten bringen; andererseits konnte sie Dylan aber auch nicht anschwindeln. Außerdem würden ihm die Geschäftsbücher zeigen, dass sie sich das Geld schon seit Wochen nicht hatte wiedergeben lassen.

„Ja, natürlich“, antwortete sie. „Allerdings vergesse ich manchmal, die Belege einzureichen.“

„Verstehe“, sagte Dylan, und sie hatte den Eindruck, dass er sie durchschaute.

„Es macht mir nichts aus, für die Extras zu bezahlen“, erklärte sie schnell. „Ich weiß, ich sollte mich auf das beschränken, was wir auf Lager haben. Aber es macht mir einfach so viel Freude, Toms Gesicht zu sehen, wenn er etwas bekommt, das Emmie ganz sicher gefallen wird. Das ist für mich fast so, als würde ich den beiden ein Geschenk machen.“

Dylan schüttelte den Kopf. „Das ist Ihr Job, Faith. Sie sollten dafür aber kein Geld ausgeben müssen.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Haben Sie noch den Beleg von heute Morgen?“

Sofort griff sie nach ihrer Handtasche und zog einen zerknüllten Zettel hervor. „Hier.“ Sie reichte ihm das Stück Papier.

Als sich dabei für einen Moment ihre Hände berührten, hielt Faith unwillkürlich die Luft an. Ein Kribbeln breitete sich in ihrem ganzen Körper aus, und am liebsten hätte sie Dylans Finger noch einmal angefasst. Sie bemerkte, wie sich seine Augen verdunkelten.

„Faith“, sagte er leise, „das können wir nicht tun.“

„Ja, ich weiß“, flüsterte sie.

„Dann bitte …“

„Kann ich Ihnen irgendwie weiterhelfen, Mr. Hawke?“, fragte Mary, die plötzlich hinter ihnen stand.

Dylan drehte sich zu ihr um und lächelte sie charmant an. „Nein, nicht nötig. Ich habe bloß Ihrer Angestellten ins Gewissen geredet. Sie hat sich nicht die Ausgaben für das zusätzliche Material erstatten lassen, das sie im Großmarkt gekauft hat.“ Er gab Mary die Quittung. „Ms. Crawford hat mir versprochen, dass sie sich in Zukunft deswegen sofort direkt an Sie wenden wird. Nicht wahr, Ms. Crawford?“

„Äh, ja“, erwiderte Faith verlegen und vermied es, ihre Chefin anzusehen. „Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden, ich muss mich noch um einen anderen Auftrag kümmern.“

Damit eilte sie davon und überließ die Diskussion den beiden anderen. Doch erst als sie mit ihrem neuen Bouquet beschäftigt war, konnte sie durchatmen. Hoffentlich würde dieser Tag schnell vorbeigehen. Dylans Nähe machte sie nervös. Er war hier, in ihrem Raum. Und sie begehrte ihn mehr denn je.

Aber selbst wenn er nicht ihr oberster Vorgesetzter gewesen wäre: Faith konnte ihr Herz keinem Mann schenken, dessen Liebesleben so unausgeglichen war. Sie hatte jede Menge Gerüchte über ihn gehört, die ihn als Frauenheld beschrieben. In einen solchen Menschen konnte sie sich nicht verlieben. Nein, es war viel besser, unabhängig zu bleiben und sich nur auf sich selbst zu verlassen.

Das sagte Faith sich immer wieder, während sie sich bei der Arbeit bemühte, die Reaktionen ihres Körpers auf seine Anwesenheit zu ignorieren. Genau wie das starke Bedürfnis, zu ihm hinüberzugehen und ihn erneut zu berühren.

3. KAPITEL

Am späten Nachmittag war Dylan wieder in seinem Büro und starrte durch das Fenster auf die Skyline von L. A. Er hatte erreicht, was er sich am Morgen vorgenommen hatte: genaue Kenntnis darüber zu erlangen, wie der Laden in Santa Monica funktionierte. Es war ihm gelungen, mit allen vier Angestellten zu sprechen und sie nach ihren Ideen zu befragen. Außerdem hatte er gesehen, dass die Kunden mit ihren Produkten sehr zufrieden waren.

Und noch etwas anderes war ihm klar geworden – dass Faiths Anziehungskraft auf ihn nicht so schnell verschwinden würde. Vom ersten Moment seiner Ankunft an hatte er dagegen ankämpfen müssen, ständig zu ihr hinüberzuschauen. Und manchmal war ihm aufgefallen, dass auch ihr Blick auf ihm geruht hatte. In ihren Augen hatte er dabei mehr Interesse erkannt, als für eine Angestellte normal war. Sein Herz schlug schneller, als er daran dachte.

Er verfluchte das Schicksal dafür, dass es ihn mit einer seiner Angestellten zusammengebracht hatte.

Faith war viel mehr als eine durchschnittliche Floristin. Er selbst hatte ja am Telefon mehrere Aufträge entgegengenommen. Alle Kunden hatten darauf bestanden, von ihr bedient zu werden. Und inzwischen kannte Dylan auch den Grund dafür: Ihre Gestecke waren spektakulär. Warum hatte sie ihm neulich dann bloß einen so konservativen Entwurf präsentiert? Ihre Arbeiten waren ausgesprochen originell und wie für den Katalog geschaffen, wenn Faith in ihrem Element war.

Das Bouquet für den Ehemann der blinden Frau war eins der atemberaubendsten gewesen, die Dylan seit Langem gesehen hatte. Insgesamt war er sehr beeindruckt von Faith. Sowohl in beruflicher als auch in privater – und vor allem in körperlicher – Hinsicht.

Hitze durchflutete ihn bei diesem Gedanken.

Er schüttelte den Kopf und versuchte, sich wieder auf die professionelle Ebene zu konzentrieren.

Eins stand fest: Faith Crawford hatte ein enormes Potenzial. Das wollte er für Hawke’s Blooms ausnutzen und sie zudem fördern. Er hatte nicht den Eindruck gehabt, dass ihre Chefin ihr Talent so richtig würdigte.

Spontan griff er zum Telefonhörer und rief die Personalabteilung an. „Anne, hast du eine Minute für mich?“, fragte er die Abteilungsleiterin.

„Aber natürlich. Was kann ich für Sie tun, Dylan?“

„Ich habe heute ohne Voranmeldung den Laden in Santa Monica inspiziert.“

„Gute Idee“, erwiderte sie begeistert. „Und? Was haben Sie herausgefunden?“

„Eine der Floristinnen ist meiner Meinung nach sehr begabt, und ich möchte sie gern fördern.“

„Wie lautet denn ihr Name?“

„Faith Crawford“, erklärte er und bemühte sich um einen neutralen Ton.

Eine kleine Pause entstand, in der er Anne tippen hörte. „Was haben Sie genau mit ihr vor?“, erkundigte sie sich.

„Ihre Arbeit ist wirklich sehr gut. Sehr originell und kreativ. Ach ja, und um das nicht unerwähnt zu lassen: Faith ist übrigens auch die Frau, die mich auf der Auktion der Stiftung ersteigert hat.“

„Leider konnte ich an dem Abend nicht kommen. Aber es muss toll gewesen sein. Und nun? Wie wollen Sie weiter vorgehen?“

Er strich sich durchs Haar. „Wie ich bereits sagte: Sie hat viel Potenzial, und ich möchte, dass unsere Firma davon profitiert. Zugleich will ich allerdings nicht den Eindruck vermitteln, dass sie sich die Beförderung erschlichen hat. Deshalb wollte ich Sie bitten, noch jemand anderen zu schicken, um ihre Arbeit zu begutachten. Sagen Sie bitte nicht, dass der Vorschlag von mir kommt. Schicken Sie einfach jemanden vorbei, der keine vorgefasste Meinung und keine Vorurteile hat.“

„Gut. Ich werde sehen, was ich tun kann, und gebe Ihnen dann Bescheid.“

„Prima, Anne. Vielen Dank!“

Zufrieden legte er auf. Dylan zweifelte nicht daran: Auch ein fremder Beobachter würde die Qualität von Faiths Arbeit erkennen und empfehlen, ihr Talent zu fördern.

Heute war ein guter Tag gewesen. Lächelnd malte Dylan sich aus, wie Faith auf die Nachricht reagieren würde. Bestimmt würde sie vor Freude außer sich sein.

Als Faith gerade eine langstielige aprikotfarbene Rose aus dem Eimer ziehen wollte, kam Mary mit einem Zettel in der Hand auf sie zu.

„Ich habe soeben einen Anruf von der Direktion erhalten, und es ging dabei um Sie“, sagte ihre Chefin anklagend.

Sie richtete sich auf und starrte Mary an. „Um mich?“

Außer wegen ihrer Einstellungsunterlagen hatte sie bisher mit der Chefetage nichts zu tun gehabt. Sie wischte sich die Hände an der Schürze ab und wartete.

Mary stemmte die Fäuste in die Hüften. „Haben Sie etwa hinter meinem Rücken mit unseren Vorgesetzten gesprochen?“

„Nein, natürlich nicht“, gab sie zurück. Dann erinnerte sie sich jedoch. Sie hatte tatsächlich am Wochenende mit Dylan geredet, ohne dass ihre Chefin davon gewusst hatte. Und dabei würde es auch nicht bleiben, denn schließlich hatte sie noch zwei Dates mit ihm offen.

„Anne aus der Personalabteilung hat mich angerufen“, meinte Mary. „Man bietet Ihnen eine Beförderung an.“

Faith hielt erstaunt die Luft an. Moment mal …

„Eine Beförderung?“, wiederholte sie verwirrt.

„Ja, aus dem Laden in die Chefetage“, erwiderte ihre Chefin und reichte ihr den Zettel. „Hier stehen die Details.“

Sie nahm den Zettel entgegen, wollte ihn aber nicht vor ihren Kollegen lesen. „Ich bin gleich wieder da“, sagte sie und verschwand in den hinteren Teil des Ladens, um sich dort die ausgedruckte E-Mail anzusehen.

Es handelte sich um eine offizielle Beförderung in die Chefetage. Für einen Job am Schreibtisch. Sie las sich das Jobprofil durch und bemerkte, dass keine der Aufgaben den Kontakt mit den Kunden einschloss. Und mit Blumen hatte die Position auch nichts zu tun.

Frustriert starrte Faith auf das Blatt. Ihr Leben lang hatte man sie herumgeschubst. Man hatte sie von einer Verwandten zur nächsten gebracht; sie hatte häufig die Schule wechseln müssen; ihr Dad hatte sie am Wochenende besuchen wollen und war dann doch nicht erschienen. Doch als Erwachsene hatte sie jetzt endlich das Gefühl, selbst das Heft in der Hand zu haben.

Daher gefiel ihr die Vorstellung überhaupt nicht, von heute auf morgen einen Bürojob übernehmen zu müssen.

Faith hatte eine klare Vision von ihrer Karriere – und dazu gehörte ganz bestimmt nicht, an irgendeinem Schreibtisch zu versauern. Dazu machte ihr die Arbeit mit den Blumen und der Kontakt mit den Kunden viel zu viel Spaß.

Davon abgesehen: Kam das Ganze tatsächlich aus heiterem Himmel?

Sie hatte ihren Boss geküsst, und wenig später hatte er ihren Laden inspiziert. Sicherlich steckte Dylan Hawke hinter dieser überraschenden Beförderung.

Was hatte er bloß mit ihr vor?

Der Gedanke verunsicherte Faith völlig. Deshalb ging sie sofort zurück in den Laden und teilte Mary mit, dass sie das Angebot ablehnte.

Zum dritten Mal in dieser Woche fuhr Dylan nun auf den Parkplatz des Ladens in Santa Monica. Anne hatte ihm mitgeteilt, dass Faith die Beförderung zurückgewiesen hatte, und er hatte sich darauf keinen Reim machen können. Bei ihrem Ehrgeiz hatte er geglaubt, dass sie diese Chance mit Freuden annehmen würde. Das war jedoch nicht der Fall gewesen, und jetzt wollte er Genaueres von ihr erfahren.

Als er eintrat, ließ Mary ihre Arbeit fallen und eilte mit diensteifrigem Lächeln auf ihn zu. Faith war nirgendwo zu entdecken, wie Dylan enttäuscht feststellte.

Doch plötzlich kam sie aus dem Kühlraum, mit einem Eimer Rosen in den Armen. Sie trug schwarze kniehohe Stiefel und ein fliederfarbenes Kleid, das unter ihrer Schürze hervorlugte. Ihr Haar war ein bisschen zerzaust, wie er lächelnd zur Kenntnis nahm. Kein Zweifel, diese Frau war eine Naturgewalt.

In diesem Moment erblickte Faith ihn und blieb wie angewurzelt stehen.

„Guten Tag, Mr. Hawke“, sagte Mary jetzt. „Sie besuchen uns ja schon zum zweiten Mal in dieser Woche. Was für eine Ehre!“

Er zögerte mit seiner Antwort. Sollte er die Karten auf den Tisch legen oder lieber warten, bis er mit Faith allein war?

Dann lächelte er Mary an. „Ich habe noch ein paar Fragen, die sich aus meiner Inspektion ergeben haben.“

„Kein Problem“, erwiderte die Geschäftsführerin und wischte sich die Hände an ihrer Schürze ab. „Wollen wir hier reden, oder möchten Sie vielleicht mit mir ins Café nebenan gehen?“

„Um ehrlich zu sein, würde ich gern mit Faith sprechen. Falls sie einige Minuten Zeit für mich hat.“

Er bemerkte, wie Faith blass wurde. Wie gern hätte er sie beruhigt. Stattdessen musste er sich auf Mary konzentrieren.

„Natürlich, Mr. Hawke. Wenn es das ist, was Sie wünschen“, erklärte Faiths Chefin säuerlich.

„Prima. Sie sagten, es gibt nebenan ein Café?“

„Äh, ja. Courtney kann Ihr Bouquet übernehmen, Faith. Bitte seien Sie so nett und kümmern sich um Mr. Hawke.“

„Natürlich“, gab Faith hastig zurück und legte die Schürze ab. Sie vermied es, Dylan anzuschauen.

„Vielen Dank“, meinte er zu Mary, drehte sich um und hielt Faith die Tür auf. Erst nachdem sie den Laden verlassen hatte, folgte er ihr hinaus.

„Ich hoffe, ich habe Ihnen keine Schwierigkeiten bereitet“, sagte er besorgt, als sie draußen auf dem Bürgersteig standen.

Sie hob den Kopf. „Nichts, womit ich nicht fertigwerde.“

Dylan glaubte ihr. Sie war einfach eine extrem unabhängige junge Frau. Zuerst hatte sie sich auf einer Auktion den Chef geangelt, um diesen auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Dann hatte sie eine Beförderung ausgeschlagen, nach der sich der Rest der Belegschaft die Finger geleckt hätte … Je mehr er über sie erfuhr, desto besser gefiel sie ihm.

Im Café suchten sie sich einen Tisch in einer Ecke und bestellten Kaffee.

„Mir ist zu Ohren gekommen, dass Ihnen eine Beförderung angeboten wurde“, setzte er an. „Aber Sie haben sie abgelehnt.“

Ihre Mundwinkel zuckten. „Ach, das ist Ihnen also zu Ohren gekommen? Wollen Sie etwa behaupten, Sie stecken nicht selbst dahinter?“

Unwillkürlich musste er lächeln. Er mochte ihre direkte Art. „Na gut, ich gebe zu, ich bin daran nicht ganz unschuldig. Nachdem ich Ihnen einen Tag lang bei der Arbeit zugeschaut habe, hatte ich den Eindruck, dass Ihr Potenzial nicht genügend gewürdigt wird. Und das wollte ich ändern.“

„Wirklich? Und das ist alles?“ Sie sah ihn mit hochgezogenen Brauen an.

„Worum sollte es mir sonst gehen? Glauben Sie etwa, ich würde Sie fördern, weil ich Sie geküsst habe?“

„Nein, aber irgendwie kommt mir das Ganze ziemlich komisch vor. Wir begegnen uns, Sie erscheinen im Laden, und plötzlich bietet man mir einen Job in der Chefetage an. Sie wollen mir doch wohl nicht erzählen, das wäre bloß ein Zufall!“

„Natürlich gibt es da einen Zusammenhang. Aber Sie vergessen die Zwischenschritte. Als Sie mit mir über Ihre Entwürfe gesprochen haben, die es nicht in den Katalog geschafft haben, wollte ich mir die Sache näher anschauen. Dann kam ich zu Ihnen in den Laden, und dabei habe ich Ihr Potenzial erkannt.“

Faith rührte sich nicht. „Wollten Sie eventuell nicht bloß Ihr schlechtes Gewissen beruhigen, weil Sie eine Angestellte geküsst haben?“

„Sie tun mir unrecht. Ich habe Ihren Namen an die Personalabteilung weitergeleitet und darum gebeten, Ihre Arbeit zu überprüfen. Daraufhin wurden ein paar Leute hier vorbeigeschickt, die als Kunden getarnt waren. Vielleicht erinnern Sie sich an eine davon. Sie heißt Alison und hat in der Pause ein wenig mit Ihnen geplaudert. Alle hatten jedenfalls einen ausgezeichneten Eindruck von Ihnen.“

Sie sah ihn lange an und nickte schließlich. „Ich glaube Ihnen.“

Nachdem nun der Kaffee serviert wurde, rührte Faith ein Stück Zucker in ihren Capuccino. Dylan betrachtete ihre Hände, die sich dabei genauso geschickt anstellten wie beim Blumenbinden. Wie würde es sich wohl anfühlen, wenn sie ihn streichelte? Bei diesem Gedanken wurde ihm sofort ganz heiß.

Er zwang sich, den Blick abzuwenden, und goss ein wenig Sahne in seinen Kaffee. „Haben Sie den Job abgelehnt, weil Sie dachten, Sie hätten ihn nicht verdient?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich will einfach nicht im Büro arbeiten.“

„Sie wollen doch Karriere machen, oder?“

„Schon, aber nicht auf diese Weise. Ich möchte den Kontakt mit den Kunden nicht verlieren, und ich sehe mich vor allem als Floristin.“

Dylan ließ sich ihre Worte einen Moment lang durch den Kopf gehen. „Komisch – ich war mir ganz sicher, dass Sie diese Chance mit Freuden ergreifen würden.“

„Warum haben Sie mich eigentlich nicht vorher gefragt?“, erwiderte sie herausfordernd. „Sie wissen ja, worum es mir in erster Linie geht.“

„Ja, Sie möchten, dass einer Ihrer Entwürfe auf dem Titelblatt des Katalogs erscheint.“

„Genau.“ Sie hob die Tasse an den Mund und schenkte ihm ein Lächeln.

Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Warum haben Sie mir dann ein so konventionelles Blumenarrangement präsentiert? Das sind Sie doch gar nicht!“

Ihre Augen weiteten sich kurz. „Was bin ich denn Ihrer Meinung nach?“

Er dachte an ihr erstes Treffen auf der Auktion zurück. Unwillkürlich erinnerte er sich auch daran, wie sie sich geküsst hatten. „Sie sind wie Stechapfel, Minze und weiße Nelken. Sie vermischen ungewöhnliche Farben mit einem Flair, das außergewöhnlich ist. Warum haben Sie mir nichts davon gezeigt?“

Faith runzelte die Stirn. „Weil ich nicht geglaubt habe, dass Sie das sehen wollten.“

„Aber das ist genau der Punkt. Wir brauchen nicht noch mehr von dem, was wir bereits haben. Hawke’s Blooms braucht Ihre Visionen.“

Eine feine Röte breitete sich auf ihrem Gesicht und ihrem Hals aus. „Also sind Sie mir nicht böse, weil ich den Job ausgeschlagen habe?“

„Böse? Nein, überhaupt nicht. Sie haben recht: Ich hätte vorher mit Ihnen darüber reden müssen. Es war mein Fehler.“

„Und warum haben Sie das nicht getan?“

Gute Frage. Dylan hatte sie sich bereits selbst gestellt. Er wusste, dass Faith eine ehrliche Antwort verdient hatte. „Weil Sie mich von Anfang an durcheinandergebracht haben.“

Bedauernd lächelte sie ihn an. „Ich weiß genau, was Sie meinen.“

Er erwiderte ihr Lächeln und schaute ihr in die Augen. Ein Teil von ihm war froh, dass ihre Begegnung nicht bloß ihn allein so berührt hatte. Einem anderen Teil wäre es jedoch lieber gewesen, wenn die Anziehung zwischen ihnen nur auf einer Seite bestanden hätte. Denn dann wäre es jetzt leichter für ihn, seine Hände bei sich zu behalten.

Was sie brauchten, war ein Neustart. Dylan atmete tief durch und schob die Tasse beiseite. „Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Die Sache mit der Beförderung vergessen wir, und Sie arbeiten zunächst einmal weiter im Laden. Bestimmt werden sich die Kunden darüber freuen.“

„Ja, das wäre mir sehr recht“, gab Faith zurück.

Als sie nun in Richtung des Blumenladens schaute, wurde Dylan plötzlich etwas klar. Das hier würde keinen Neubeginn für Faith bedeuten. Er vermutete, dass ihre Chefin ihr nicht wohlgesinnt war – und nun würde sie in ihre alte Umgebung zurückkehren, nachdem sie sich gegen die Beförderung entschieden hatte. Die Sache konnte leicht aus dem Ruder laufen. Er hatte es total vermasselt.

„Eine andere Option wäre natürlich, dass Sie die Filiale wechseln“, meinte er, während er fieberhaft nach einer Lösung suchte. „Ich kenne mehrere Geschäftsführer, die sich über eine so talentierte Verkäuferin wie Sie freuen würden.“

„Vielen Dank für Ihr Angebot, aber ich bin hier sehr glücklich.“ Sie schaute auf die Uhr. „Ich muss jetzt allmählich wieder zurück.“

Nur mit Mühe konnte Dylan ein Schmunzeln unterdrücken. Viele Angestellte hätten die Zeit mit ihm wahrscheinlich unnötig hinausgezögert – besonders, wenn sie viel Geld ausgegeben hatten, um ihn zu beeindrucken. Zu dieser Sorte gehörte Faith anscheinend nicht. „Ihnen ist doch klar, dass Sie hier mit dem Oberboss zusammen sind, oder? Sie schwänzen schließlich nicht.“

Seine Worte schienen sie kaltzulassen. „Wir haben noch eine Menge ausstehender Aufträge, um die ich mich kümmern muss.“

„Wann sind Sie denn heute fertig?“, erkundigte er sich, denn plötzlich kam ihm eine Idee.

„Um drei.“

„Das ist ja schon in zwei Stunden. Wie wär’s, wenn ich Sie danach abhole und wir uns zu unserem zweiten Date treffen?“

„Gern“, erwiderte sie und stand auf. „Aber tun Sie mir den Gefallen und kehren nicht mit mir in den Laden zurück. Das würde mich bei meinen Kollegen nicht gerade beliebter machen.“

In diesem Punkt hatte sie natürlich recht. Dylan gefiel ihre Haltung. Sie hätte die Situation nutzen können, um sich an ihrer Chefin zu rächen. Aber offensichtlich war das nicht ihr Stil.

Er holte einen Kuli aus seiner Jackentasche. „Geben Sie mir Ihre Adresse, dann hole ich Sie gegen halb vier ab.“

Faith beugte sich vor und schrieb die Adresse auf die Serviette, die er ihr reichte. Dann gab sie sie ihm zurück und ging hinaus.

Er sah ihr nach und beobachtete ihren Hüftschwung. Danach schaute er auf die Serviette in seiner Hand. Unter ihrer Adresse hatte Faith noch vier Worte notiert: Ich mag den Strand.

Dylan musste lächeln. Und er bemerkte, dass er sich schon viel zu sehr auf den Nachmittag freute.

4. KAPITEL

Um zwanzig nach drei stand Faith vor ihrer Wohnungstür. Sie wollte nicht drinnen auf Dylan warten. Wenn sie ihn hereinbitten würde, käme es mit Sicherheit zu einer Wiederholung ihres Kusses. Und schließlich wäre ihr Schlafzimmer ganz in der Nähe …

Auch ihr Vorschlag mit dem Strand hing damit zusammen. Sie wusste, dass es besser war, sich mit ihm an einem öffentlichen Ort zu treffen. Gleichzeitig wünschte sie sich eine entspannte Umgebung, damit sie ihn in Ruhe befragen konnte. Sie wollte mehr darüber erfahren, wonach er für den Katalog suchte. Denn ihr nächster Versuch musste unbedingt erfolgreich sein. Vielleicht bekam sie ja die nötigen Informationen von ihm, wenn sie nebeneinander im Sand saßen und sie ihm nicht in die Augen blicken musste.

Um fünfzehn Uhr siebenundzwanzig bog er mit seinem Porsche Cabriolet um die Ecke. Faith zog die Eingangstür hinter sich zu, warf sich die Strandtasche über die Schulter und sprang die Treppen hinunter auf den Bürgersteig. Sie freute sich auf die Fahrt in dem offenen Wagen, auf den Wind, der ihr durchs Haar wehen würde. Dennoch wurde ihr beim Anblick des teuren Autos noch einmal bewusst, in welch unterschiedlichen Welten sie lebten.

„Haben Sie Ihren Bikini dabei?“, fragte er, als sie auf dem Beifahrersitz Platz nahm.

Machte er Witze? Halb nackt in seiner Gegenwart zu sein könnte sich als katastrophal herausstellen. Und ihn in einer Badehose zu sehen, die blanke Brust glitzernd vor Wasser … Natürlich, das würde nur Ärger geben. Ob sie nun in der Öffentlichkeit waren oder nicht, auch ihrer Willenskraft waren Grenzen gesetzt.

Sie zuckte die Achseln. „Ich dachte eigentlich eher, dass wir auf einem Badetuch nebeneinander am Strand sitzen würden.“

„Ja, das klingt wirklich sehr viel sicherer“, erwiderte Dylan und fuhr los.

Aha, er schien also dieselben Probleme zu haben. Das war ja sehr interessant. Sie sprachen über das Wetter und machten noch mehr Small Talk, bis er irgendwann parkte und sie aus dem Wagen ausstiegen.

Er betrachtete ihre bunt gemusterte Strandtasche. „Haben Sie denn überhaupt ein Badetuch dabei, oder soll ich die Picknickdecke aus dem Kofferraum holen?“

„Sie haben eine Picknickdecke mitgebracht?“ Faith musste lächeln, denn für einen Playboy wie ihn fand sie das rührend. Ob er dieses Utensil dazu benutzte, um Frauen unter dem Sternenhimmel zu verführen? Bei diesem Gedanken verschwand ihr Lächeln.

„Mein Bruder Liam und ich haben vor ein paar Wochen mit seinen Töchtern ein Picknick gemacht. Deshalb die Decke“, erklärte er nun.

Sie fühlte sich erleichtert. In der Zeitung hatte sie von Liam Hawkes Verlobung mit Prinzessin Jensine Larson gelesen. Die beiden hatten inzwischen ein Baby, die kleine Bonnie, und Jenna hatte noch eine Tochter namens Meg aus erster Ehe. Faith hätte nie gedacht, dass ein Mann wie Dylan sich mit kleinen Mädchen abgeben würde. Das war wahrscheinlich unfair von ihr. Außerdem war allgemein bekannt, wie nah sich die beiden Brüder standen.

Sie rückte die Tasche zurecht. „Nicht nötig, ich habe ein Badetuch dabei.“

Gemeinsam schlugen sie den Weg zum Strand ein und fanden nach einer Weile eine Stelle mit makellos weißem Sand, wo Faith ihr Tuch ausbreitete. Im Meer waren ein paar Schwimmer zu sehen, in der Ferne spielte eine Gruppe junger Männer Frisbee.

Dylan zog die Schuhe aus und rollte die Hosenbeine hoch, bevor er sich auf einer Ecke des Badetuchs niederließ. Faith setzte sich neben ihn und versuchte, ihn nicht anzustarren. Allerdings fiel ihr auf, wie ausgesprochen attraktiv seine Knöchel waren …

Sie schluckte und zwang sich, wieder an ihre Karriere zu denken. Nur darum ging es ja bei ihren Dates.

„Mr. Hawke, Sie …“

„Dylan“, unterbrach er sie. „Sie können mich gern Dylan nennen, wenn wir unter uns sind.“

„Sind Sie sicher?“ Eine leichte Brise spielte mit ihrem Haar. „Wenn wir so persönlich werden, riskieren wir dann nicht …?“ Sie brach mitten im Satz ab. Wie sollte sie es ausdrücken?

Er zog die Beine an und legte die Arme um seine Knie. „Bloß weil Sie mich beim Vornamen nennen, werde ich mich wohl kaum auf Sie stürzen. Außerdem ist Mr. Hawke einfach viel zu förmlich für den Strand.“

Auf Sie stürzen. Bei diesen Worten verschlug es Faith für einen Moment den Atem. Unwillkürlich stellte sie sich vor, wie er sie mit seinem ganzen Körpergewicht in den Sand drückte. Sie biss sich auf die Unterlippe und überwand sich schließlich.

„Okay, Dylan. Sie meinten, dass es im Katalog bisher noch keine Entwürfe wie die von mir gegeben hat.“

„Ja, das stimmt“, erwiderte er mit seiner tiefen männlichen Stimme.

Sie drehte sich ein wenig, um ihm in die Augen sehen zu können. Wichtiger war ihr jedoch, dass er sie anschaute: Er sollte erkennen, dass es ihr absolut ernst war. „Würden Sie mir eine zweite Chance geben, Ihnen ein Bouquet zu präsentieren? Eins, das mehr … so ist wie ich?“

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, und er nickte. „Ich hatte gehofft, dass Sie das vorschlagen würden. Hawke’s Blooms braucht für den Katalog eins von Ihren speziellen Arrangements.“

„Danke“, gab sie zurück und wurde plötzlich sehr aufgeregt. Sie war zwar davon ausgegangen, dass er zustimmen würde. Doch vollkommen sicher war sie sich nicht gewesen. Ihre nächste Kreation würde ihn jedenfalls umhauen.

„Dennoch“, fuhr er fort, „muss ich Ihnen sagen, dass ich Sie nicht ganz verstehe. Sie sind offenbar ehrgeizig und setzen Ihr Erspartes dafür ein, Zeit mit mir zu verbringen. Trotzdem lehnen Sie eine Beförderung ab.“ Dylan musterte sie neugierig.

Für eine Weile betrachtete sie die Weite des Pazifiks und lauschte den Wellen, die ans Ufer schlugen. Sie war völlig entspannt. „Ich arbeite nun mal gern mit Blumen“, sagte sie schließlich. „Blumen machen Menschen glücklich. Sie machen mich glücklich.“

„Aber wie stellen Sie sich dann Ihre Karriere vor, Faith?“ Seine Stimme war nun ganz nah, doch sie wandte sich nicht um und beobachtete weiterhin, wie die Wellen über den Sand rollten.

„Ich möchte als Floristin immer besser werden. Ich will an meiner Arbeit wachsen und wirklich großartige Bouquets herstellen.“ Sie warf ihm einen kurzen Seitenblick zu und fragte sich, ob sie ihm ihre geheimsten Träume anvertrauen konnte. Davon hatte sie noch nie jemandem erzählt. Sie hatte immer Angst gehabt, man würde sie auslachen.

„Da ist noch mehr, oder?“, fragte er und sah sie ermutigend an.

Mit einem Mal war sie überzeugt, dass sie ihm alles sagen konnte. Sie nickte. „Ja. Ich träume davon, dass meine Gestecke irgendwann bei bedeutenden Events eingesetzt werden. Dass Hunderte von Menschen sich daran erfreuen und dass ich so zu ihrem Glück beitragen kann.“

Er lächelte leicht.

Faith konzentrierte sich wieder auf das Meer. „Sicher finden Sie das albern, oder?“

Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, wie er den Arm ausstreckte. Dann ließ er ihn jedoch wieder sinken, ohne sie zu berühren. „Ich finde das unglaublich toll“, sagte er.

„Sie machen keine Witze, oder?“

Dylan schüttelte den Kopf. „Ich habe schon viele Begründungen gehört, warum sich Menschen für den Beruf als Florist entschieden haben. Die meisten davon waren wirklich gut. Aber Sie haben alle übertroffen.“ Seine Stimme klang weich. Trotz der anderen Leute am Strand kam es Faith auf einmal so vor, als wären sie allein.

„Danke“, flüsterte sie.

Er schwieg für einen Moment, und sie konnte nur ihren eigenen Atem hören. Dann fragte er: „Haben Sie einen Plan, in welche Richtung Sie gehen wollen?“

„Nein, da lasse ich mich eher ein bisschen treiben. Wissen Sie, ich bin in meinem Leben so oft umgezogen, ich bin fast schon so etwas wie ein Wandervogel.“

„Wie interessant! Sind Sie denn freiwillig so viel unterwegs? Oder fürchten Sie sich vielleicht davor, irgendwo stehen zu bleiben?“

Faith lachte. „Das ist ja lächerlich! Ich liebe es, unterwegs zu sein. Es gehört zu meinem Leben dazu.“

Stimmte das wirklich? Faith bemerkte, wie sie sich leicht verspannte. Als kleines Mädchen hatte sie ständig damit rechnen müssen, von jemandem herumgeschubst zu werden. Damals hatte sie beschlossen, den anderen stets einen Schritt voraus zu sein. Und dieses kleine Mädchen steckte noch immer in ihr. Sie vermied es, sich von anderen zu etwas drängen zu lassen. Sie fühlte sich nur gut, wenn sie etwas aus freien Stücken tat. Das bedeutete, dass sie die Situation unter Kontrolle hatte.

Vor Dylan würde sie das jedoch nicht zugeben. Trotzdem war sie ihm gegenüber ungewöhnlich offen, und es machte ihr nicht einmal Angst.

Warum eigentlich nicht?

Sie wandte sich ihm zu und betrachtete ihn, sein dunkles Haar, den Dreitagebart. In seiner Gegenwart fühlte sie sich sicher.

„Wissen Sie“, platzte sie nun heraus, „das habe ich noch nie jemandem erzählt. Dass ich ein unsteter Mensch bin, immer unterwegs.“

Ein warmer Schimmer trat in seine grünen Augen. „Danke, dass Sie das mit mir geteilt haben.“ Er runzelte die Stirn und schluckte. „Ich finde es nur fair, dass ich mich dafür bei Ihnen revanchiere.“

„Ja?“ Faith hielt den Atem an.

„Am ersten Abend haben Sie mich gefragt, ob ich einen Traum habe.“ Er stockte und schien Mühe zu haben, seine Gedanken zu ordnen. „Damals habe ich Ihnen nicht geantwortet, aber die Wahrheit ist: Nein, den habe ich nicht. Die einzigen Träume, deren ich mir bewusst bin, betreffen entweder meine Familie oder unser Geschäft.“ Er sah sie durchdringend an. „Schockiert Sie das?“

Sie musste schlucken und schüttelte den Kopf. „Ich fühle mich geehrt, dass Sie mir das anvertrauen.“

„Wenn wir wirklich ehrlich zueinander sind“, sagte er, und seine Brust hob und senkte sich bei diesen Worten, „dann muss ich Ihnen gestehen, dass ich noch nie zuvor eine Frau so sehr habe küssen wollen wie Sie jetzt. Trotzdem darf ich mich dazu nicht hinreißen lassen.“

Sie schloss kurz die Augen, zwang sich dann aber, seinem Blick zu begegnen. Dylan musste wissen, dass es nicht nur ihm so ging. „Ich habe auch noch nie einen Mann so sehr küssen wollen. Seit unsere Lippen sich zum ersten Mal berührt haben, kann ich an nichts anderes mehr denken.“

Er stöhnte und senkte den Kopf. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich das wirklich wissen will.“

Sie konnte ihn sehr gut verstehen. „Sie sind nicht der Einzige, der diese Chemie spürt. Aber ich möchte dem nicht nachgeben.“

Schweigend ergriff er ihre Hand und verschränkte ihre Finger miteinander. Faith hielt den Atem an. Es war nur ein Ersatz für das, was sie tatsächlich von ihm wollte. Doch für den Moment musste ihr das genügen.

Dylan verbot sich, ihre verschlungenen Hände anzusehen. Wenn er es getan hätte, dann hätte er den Kontakt sofort abbrechen müssen.

Was machten sie überhaupt hier am Strand? Faith hatte es gleich am Anfang klargestellt: Sie hatte sich Zeit mit ihm erkauft, um ihre Karriere zu fördern. Da dies bereits ihr zweites Date war, sollte er nun auch etwas für sie tun.

Nachdem er eine Entscheidung getroffen hatte, ließ er sie los und sprang auf. „Kommen Sie. Es gibt einen Ort, an den ich Sie bringen möchte.“

Argwöhnisch musterte sie ihn. „Wohin denn?“

Auf einmal wurde ihm klar, weshalb sie misstrauisch war. Er hatte ihr gestanden, dass er sie küssen wollte, und ihre Hand ergriffen. Klar, dass sie jetzt dachte, er würde diesen Weg weiterverfolgen. Er erklärte: „Es hat etwas mit der Arbeit zu tun, versprochen.“

Erneut streckte er die Hand aus – diesmal jedoch, um ihr aufzuhelfen. Sie nahm sie und ließ sich von ihm hochziehen. Plötzlich waren sie sich ganz nahe. Er konnte die Hitze spüren, die von ihrem Körper ausging. Faith duftete nach Blumen, was kein Wunder war, da sie ja damit arbeitete. Aber auch nach Erdbeeren. Sein Blick wanderte zu ihren Lippen, die leicht glänzten. Dylans Puls beschleunigte sich, als er sich unvermittelt an ihren Kuss und ihren Geschmack erinnerte.

Abrupt löste Faith sich von ihm und trat einen Schritt zurück. „Also, wohin wollen Sie mich bringen? Sie haben gesagt, es hätte etwas mit der Arbeit zu tun.“

Er hob das Badetuch auf und schüttelte es aus. Anschließend sagte er: „Ich möchte Ihnen die Hawke’s-Blooms-Blumenzucht zeigen.“

Ihre Augen leuchteten auf. „Oh, das ist ja toll!“

Sie kehrten zum Wagen zurück und fuhren von L. A. nach San Juan Capistrano, wo sich die Farm befand. Im Auto bombardierte Faith ihn ununterbrochen mit Fragen dazu.

„War sie schon immer hier?“, wollte sie wissen, als die Zucht nicht mehr weit war.

Er nickte. „Ja. Wir sind hergezogen, als ich noch klein war. Meine Eltern sind immer Farmer gewesen. Als wir deswegen nach Kalifornien gekommen sind, beschlossen sie, es mit der Blumenzucht zu versuchen. Sie wollten ihren drei Söhnen gute Startchancen im Leben geben. Das war der Weg, um dieses Ziel zu erreichen.“

„Und der Erfolg hat ihnen recht gegeben“, erwiderte Faith.

„Stimmt.“ Dylan dachte voller Stolz an das Geschäft, das seine Familie aufgebaut hatte. Er schuldete seinen Eltern mehr, als er ihnen je würde zurückgeben können. Doch irgendwann würde er ihnen seine Dankbarkeit beweisen.

„Wessen Idee war es denn, die Blumen nicht nur zu züchten, sondern auch zu verkaufen?“, erkundigte sie sich.

„Am Anfang hatten wir bloß einen kleinen Straßenstand“, erklärte er und musste bei der Erinnerung daran lächeln. „Mein Dad hat die Blumen in der Woche auf dem Markt verkauft. An den Wochenenden haben dann meine Mom, Adam und ich den Stand betrieben und alles verkauft, was übrig geblieben war.“

„Und Ihr anderer Bruder?“

Er schmunzelte. „Liam mag Blumen lieber als Menschen, daher blieb er meist bei Dad zu Hause. Und das war gut so. Es war nämlich seine Idee, innovative Blumensorten zu züchten. Das hat uns schließlich den Durchbruch verschafft.“

Sie nickte. „Ich war sehr beeindruckt von seiner Mitternachtslilie. Die ist bei den Kunden bestimmt gut angekommen, oder?“

„Oh ja, sie ist einer von unseren Bestsellern“, gab er zurück. Erst vor wenigen Monaten hatten sie die neue blaue Lilie auf den Markt gebracht, und seitdem verkaufte sie sich wie verrückt.

„Erzählen Sie weiter“, forderte sie ihn auf. „Sie und Ihr Bruder haben sich also um den Straßenverkauf gekümmert?“

Autor

Rachel Bailey

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