Baccara Exklusiv Band 223

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WAS FÜR EIN MANN! von BARBARA DUNLOP
Springreiterin Stephanie ist empört. Alec behauptet, dass ihre Pferde ihre Familie ruinieren! Sie sollte ihn hassen – kann ihm aber nicht widerstehen. Nach Stunden der Ekstase, trennen sich ihre Wege. Bis sie eines Morgens begreift, dass ihre Hormone nicht allein wegen Alec verrücktspielen …

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  • Erscheinungstag 26.08.2022
  • Bandnummer 223
  • ISBN / Artikelnummer 0858220223
  • Seitenanzahl 512

Leseprobe

Barbara Dunlop, Sara Orwig, Elizabeth Lane

BACCARA EXKLUSIV BAND 223

1. KAPITEL

Ein kühler Lufthauch strich über Stephanie Ryders Brust. Als sie an sich hinunterblickte, sah sie, dass ein Knopf ihrer Bluse aufgesprungen war. Die weiße Spitze an ihrem BH und die Rundungen ihrer Brüste waren deutlich zu erkennen.

Schützend verschränkte sie die Arme vor der Brust und musterte mit hochgezogenen Brauen den Mann, dessen Umrisse sich im Türrahmen der Sattelkammer abzeichneten. „Alec Creighton, Sie sind wirklich kein Gentleman.“

Er trug ein Anzughemd, eine dunkelgraue Hose und schwarze Slipper, die nicht recht zu dem rustikalen Ambiente des Pferdestalls passten. Langsam ließ er den Blick von Stephanies Armen zurück zu ihrem Gesicht wandern. „Haben Sie einen ganzen Tag gebraucht, um das herauszufinden?“

„Nein, so lange hat es nicht gedauert“, gab sie spöttisch zurück. „Übrigens bestätigen Sie diesen Eindruck gerade.“

Er trat einen Schritt auf sie zu. „Sind Sie immer noch sauer?“

Eilig schloss sie den Knopf wieder und strich ihre Bluse glatt. „Ich war gar nicht sauer.“

Enttäuscht, ja. Immerhin war Wesley Harrison gestern Abend kurz davor gewesen, sie zu küssen, als Alec hereingeplatzt war.

Wesley war ein toller Typ. Er sah gut aus, war clever und witzig und nur ein Jahr jünger als Stephanie. Seit Juni trainierte er am Ryder Equestrian Center, und er flirtete mit ihr, seitdem sie sich zum ersten Mal begegnet waren.

„Er ist zu jung für Sie“, sagte Alec.

„Wir sind gleichaltrig.“ Jedenfalls beinahe.

Alecs gerunzelte Stirn verriet seine Skepsis, doch er schwieg.

Mit seinem Auftrag, die Finanzen ihres Reitstalls genau unter die Lupe zu nehmen, hätte seine Anwesenheit sie eigentlich einschüchtern müssen. Auch seine äußere Erscheinung wirkte irgendwie Respekt einflößend: der kurze Haarschnitt, das kantige Kinn, der Ausdruck in den schiefergrauen Augen. Aber Stephanie hatte sich ihr Leben lang mit zwei älteren Brüdern und zahllosen eigenwilligen Springpferden herumgeschlagen. Von einem Auftragsschnüffler würde sie sich ganz sicher nicht aus der Ruhe bringen lassen.

„Sollten Sie nicht Ihre Arbeit machen?“, fragte sie.

„Ich brauche Ihre Hilfe.“

Nun war sie es, die ungläubig die Stirn runzelte. Schließlich war Finanzmanagement eindeutig nicht ihre Stärke. „Wobei denn?“

„Bei einem Rundgang.“

Sie griff nach dem schnurlosen Telefon, das neben dem Zaumzeug ihrer Hannoveraner-Stute Rosie-Jo auf dem Arbeitstisch lag. „Kein Problem“, sagte sie und drückte auf eine Kurzwahltaste.

„Was machen Sie da?“

„Ich rufe den Stallmeister an.“

Alex kam näher. „Warum?“

„Damit er Sie herumführt.“

Er nahm ihr das Telefon aus der Hand und schaltete es aus. „Sie könnten mir alles zeigen.“

„Dafür habe ich keine Zeit.“

„Aha. Sie sind also immer noch wütend auf mich.“

„Nein.“ Zwar war sie nicht gerade begeistert von seiner Anwesenheit, aber für die nächsten Tage würde er ihr Gast sein. Er hatte von ihren Brüdern den Auftrag erhalten, das Familienunternehmen Ryder International zu rationalisieren. Zugegeben, sie war ein wenig … nein, sehr besorgt, dass er an ihrer Art, das Ryder Equestrian Center zu führen, etwas auszusetzen haben könnte.

Stephanie war nicht bereit, auf Qualität zu verzichten, also sparte sie an nichts. Sie trainierte Weltklasse-Springpferde. Und wenn sie auf diesem Niveau konkurrieren wollte, brauchte sie von allem das Beste: Pferde, Futter, Equipment, Trainer und Tierärzte. Es reichte, dass sie ihre Entscheidungen gegen ihre Brüder verteidigen musste. Sie war nicht scharf darauf, sich auch noch vor einem Fremden zu rechtfertigen.

„Sind Sie stolz auf das, was Sie hier geschaffen haben?“, fragte er jetzt.

„Allerdings“, antwortete sie prompt.

„Dann spricht ja nichts dagegen, dass Sie mich herumführen.“ Seine Stimme klang herausfordernd.

Sie zögerte, suchte nach einer glaubwürdigen Ausrede.

Ein kaum merkliches Lächeln spielte um seine Mundwinkel.

Stephanie straffte die Schultern, richtete sich zu ihrer vollen Größe von einem Meter fünfundsechzig auf und blickte ihm offen in die Augen. „Alec Creighton, Sie sind wirklich kein Gentleman.“

Sein Lächeln wurde breiter. Eilig trat er zur Seite und deutete auf die Stalltür. „Nach Ihnen.“

Hoch erhobenen Hauptes stolzierte Stephanie an ihm vorbei.

Es kam nicht oft vor, dass ein Mann schlagfertiger war als sie. Zwar gefiel es ihr nicht, aber sie würde die Sache einfach hinter sich bringen. Sollte er seine Führung kriegen. Sie würde seine Fragen beantworten und sich dann wieder ihrer täglichen Routine widmen.

Heute Vormittag würde sie Anfänger unterrichten und nachmittags ihr eigenes Training absolvieren. Danach musste der Tierarzt Rosie-Jo untersuchen. Sie hatte am Vortag vor einem Hindernis gescheut, und Stephanie musste sich vergewissern, dass die Stute sich nicht verletzt hatte.

Über den Feldweg gingen sie auf den großen Stall zu. Der Gedanke, Alec in seinen teuren Slippern durch den Schlamm auf der Reitbahn waten zu lassen, war verlockend. Es wäre ihm ganz recht geschehen.

„Also, was genau tun Sie eigentlich hier?“, erkundigte sie sich.

„Ich suche nach Fehlern und schaffe sie aus der Welt.“

„Und was heißt das?“

„Das heißt, dass die Leute mich rufen, wenn sie Probleme haben.“ Er deutete mit einer Kopfbewegung auf das flache weiße Gebäude, das ganz für sich am Rand einer Wiese stand. „Was ist das da?“

„Eine Tierklinik. Welche Art Probleme meinen Sie?“

„Solche, wie Sie sie haben. Leisten Sie sich einen eigenen Tierarzt?“

„Ja. Also Probleme wie Zahlungsschwierigkeiten und zu schnelle Expansion?“ Das waren die Schwierigkeiten von Ryder International in Kurzfassung.

„Manchmal.“

„Und was noch?“

Er schwieg.

„Sind Sie immer so ein Geheimniskrämer?“ Stephanie schenkte ihm einen Blick, der naiv und neugierig wirken sollte. Bei ihren Brüdern zog diese Masche immer.

„Also gut. Im Allgemeinen mache ich Marktlücken ausfindig. Und ich analysiere die wirtschaftlichen Bedingungen bestimmter Gebiete im Ausland.“

„Klingt anspruchsvoll“, gab sie zu und schaute wieder auf den Feldweg.

Die leichte Brise frischte auf, auf den Koppeln wieherten die Pferde.

„Erzählen Sie mir etwas über Ihren Job“, sagte Alec plötzlich.

„Ich bringe Pferden bei, über Hindernisse zu springen.“ Stephanie versuchte gar nicht erst, ihre Arbeit zu beschönigen.

Er wirkte belustigt, doch seine Stimme klang sanft. „Klingt anspruchsvoll.“

„Überhaupt nicht. Sie lassen sie einfach schnell galoppieren, lenken sie auf ein Hindernis zu, und meistens kapieren sie dann, was sie tun sollen.“

„Und wenn nicht?“

„Dann bleibt das Pferd stehen. Aber Sie fliegen weiter.“

„Mit dem Kopf zuerst?“

„Mit dem Kopf zuerst.“

„Autsch.“

Ohne es zu merken, rieb sie über den empfindlichen Punkt außen auf ihrem rechten Oberschenkel. Sie war gestern hart gelandet, als Rosie-Jo sie abgeworfen hatte. „‚Autsch‘ trifft es ziemlich gut.“

Der Feldweg verengte sich zu einem Trampelpfad, der an dem mannshohen Lattenzaun endete, der die Reitbahn umgab. Alec blieb stehen, um eine Gruppe junger Reitschüler mit ihrem Trainer auf der anderen Seite des Zauns zu beobachten.

Stephanie stellte sich neben ihn.

„Ich wollte nicht überheblich klingen“, sagte er.

„Ich weiß.“ Zweifellos hatte er ihr seinen Job zutreffend beschrieben. Wäre er kein erfahrener Profi, hätten ihre Brüder ihn nicht engagiert.

Alec legte die Hand auf den Zaun und drehte sich zu ihr um. „Also, verraten Sie mir jetzt, wie Ihr Arbeitsalltag aussieht?“

Sie setzte schon zu einer sarkastischen Antwort an, doch in seinen schiefergrauen Augen lag eine Offenheit, die sie schweigen ließ.

„Ich dressiere Pferde“, sagte sie nur. „Ich kaufe Pferde und verkaufe sie wieder. Ich reite sie zu, züchte und trainiere sie.“ Sie ließ den Blick zu der Gruppe auf der Bahn wandern. „Und ich bin Springreiterin.“

„Wie ich höre, sind Sie auf dem besten Weg, für die Olympischen Spiele nominiert zu werden.“ Er fixierte sie aufmerksam.

„Das ist reine Zukunftsmusik. Im Augenblick konzentriere ich mich auf das Turnier in Brighton.“

Während sie sprach, tauchte Wesley hinter der Tribüne auf und führte Rockfire auf die Reitbahn. Selbst aus dieser Entfernung genoss sie den Anblick seiner hochgewachsenen schlanken Statur und des von der Sonne gebleichten Haars.

Seine Lippen waren ihren so verlockend nahe gewesen …

Ob er es noch einmal versuchen würde?

„Und was ist mit dem Management?“

Geistesabwesend konzentrierte Stephanie sich wieder auf Alec. „Hmm?“

„Management. Ich nehme an, dass Sie auch die Finanzen des Reitstalls verwalten.“

Sie nickte und beobachtete verstohlen wieder Wesley, der gerade auf sein Pferd stieg. Es war sein erstes Jahr bei den Erwachsenen, und er brannte vor Ehrgeiz.

Als er mit Tina sprach, die die Nachwuchsreiter unterrichtete, grinste er vergnügt und fuhr sich mit der Hand durch das volle, zerzauste Haar.

„Ihr Freund?“ Alecs Stimme klang scharf.

Schuldbewusst drehte Stephanie sich zu ihm um. Sie fühlte sich ertappt, weil sie abgelenkt gewesen war.

Stirnrunzelnd blickte Alec sie an. Der Gegensatz zwischen den beiden Männern war bemerkenswert. Der eine blond, der andere dunkelhaarig. Einer sorglos und unbekümmert, der andere intensiv und ernst.

Stephanie schüttelte den Kopf. „Nein.“

„Sind Sie verliebt in ihn?“

„Da ist nichts.“

Alec nahm seine Hand vom Zaun. Gerade segelte Wesley auf Rockfire über das erste Hindernis. „Doch, da ist etwas.“

Empört funkelte sie ihn an. „Hey, das geht Sie überhaupt nichts an.“

Lange hielt er schweigend ihrem Blick stand.

Seine Augen waren dunkel, die Lippen halb geöffnet. Und plötzlich war sie sich sicher.

Nein.

Nicht Alec.

Wesley war es, den sie wollte.

„Sie haben recht“, lenkte Alec ein. „Es geht mich nichts an.“

Es geht mich gar nichts an, ermahnte Alec sich selbst.

Doch an diesem Abend in ihrem Haus ertappte er sich dabei, dass er Stephanies Porträt auf einem Cover des Equine-Earth-Magazins anstarrte, das in einem Bilderrahmen im Wohnzimmer hing.

Ihre geheimnisvollen silberblauen Augen, das unbändige kastanienbraune Haar und die Sommersprossen in ihrem ansonsten makellosen Gesicht – all das ging ihn nichts an.

Allerdings galt das nicht für die Tatsache, dass der Name Ryder auf der Titelseite einer Zeitschrift prangte, die überall im Land gelesen wurde.

„Das war in Carlton Shores“, sagte sie. Der Klang ihrer Stimme jagte ihm einen elektrisierenden Schauer über den Rücken.

Plötzlich stieg ihm der Duft frisch gebrühten Kaffees in die Nase. Als er aufsah, bemerkte er, dass sie zwei dunkelrote Keramikbecher in der Hand hielt.

„Da haben Sie gewonnen“, sagte er.

Sie reichte ihm einen Becher. „Können Sie hellsehen?“

Er lächelte. „Das trifft es ziemlich genau.“

„Man verkauft sich eben, so gut es geht“, konterte sie.

„Warum überrascht mich das eigentlich nicht?“

In ihrem Geschäft ging es vor allem um Show und Glamour. Oh ja, sie arbeitete hart. Andernfalls hätte sie es niemals so weit gebracht. Doch der Reitstall war nicht gerade die Haupteinnahmequelle von Ryder International.

Alec trank einen Schluck Kaffee. Ließ den Blick über ihr frisch gewaschenes, noch feuchtes Haar wandern, das sie zu einem praktischen Zopf geflochten hatte. Sie trug ein eng anliegendes weißes Tanktop und eine bequeme Jogginghose, deren dunkelblaue Farbe sich mit dem Lindgrün der Socken biss.

„Hübsch“, bemerkte er.

Lächelnd streckte sie einen Fuß aus. „Royce hat sie mir aus London mitgebracht. Der letzte Schrei.“

„Soll das etwa ein modisches Statement sein?“

„Alle anderen Socken sind in der Wäsche“, gab sie zu. „Ich bin ein bisschen faul.“

„Genau. Das habe ich mir gleich gedacht, als ich Sie gesehen habe.“ Es war beinahe neun Uhr abends, und sie war gerade erst von der Arbeit nach Hause gekommen, um vor dem Abendessen zu duschen.

„Ich nehme an, das war ironisch gemeint.“

„Das Outfit gefällt mir“, erwiderte er aufrichtig. Offen gesagt hätte an ihrem straffen Körper mit den verführerischen Kurven selbst ein Kleid aus Sackleinen gut ausgesehen.

Neckend klimperte sie mit den Wimpern. „Kann man Ihnen irgendetwas glauben?“

Alec war von ihren funkelnden blauen Augen und den roten Lippen fasziniert, die einen reizvollen Kontrast zu ihrer hellen Haut bildeten.

Sie luden zum Küssen geradezu ein, deshalb lenkte er seine Aufmerksamkeit gnadenlos wieder aufs Geschäft. „Ist Ihnen eigentlich klar, dass die Einnahmen des Ryder Equestrian Center fast gleich null sind?“, fragte er.

Sofort erlosch das Funkeln in ihren Augen. Er redete sich ein, dass es so am besten war.

„Wir verdienen Geld“, behauptete sie.

„Ein Tropfen auf dem heißen Stein im Vergleich zu dem, was Sie ausgeben.“

Sicher, sie verkauften Pferde und kassierten Gebühren von den Reitschülern. Und Stephanie hatte im Lauf der Jahre einige Preisgelder bei Turnieren gewonnen. Doch die Einnahmen standen in keinem Verhältnis zu den hohen Ausgaben, die der Reitstall verursachte.

Sie deutete auf das Titelblatt an der Wand. „Und wir haben das hier.“

„Niemand bestreitet, dass Sie oft gewinnen.“

„Ich meine den Werbeeffekt. Das ist ein Cover von Equine Earth. Überprüfen Sie mal diesen Wert auf dem freien Markt.“

„Und wie viele potenzielle Pächter des Büroturms in Chicago lesen Ihrer Meinung nach dieses Magazin?“

„Sehr viele. Springreiten ist ein Sport der Reichen und Berühmten.“

„Haben Sie die demografische Zusammensetzung der Leserschaft von Equine Earth analysiert?“

Ihre Lippen wurden schmal, und sie stellte ihren Kaffeebecher auf dem Tisch ab.

Alec bedauerte, dass sie jetzt nicht mehr lächelte, aber er zwang sich, weiterzusprechen. „Natürlich haben Werbemaßnahmen einen Wert …“

„Oh, vielen Dank, Sie Guru der internationalen Wirtschaft.“

„Hey, ich versuche doch nur, einen professionellen …“

Die Eingangstür knarrte, und augenblicklich verstummte Alec. Als er sich umdrehte, sah er Royce in der Tür stehen. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie laut Stephanie und er geredet hatten.

Doch Royce nickte ihnen freundlich zu. Offenbar hatte er nichts von ihrer Unterhaltung mitbekommen.

„Hey, Royce.“ Stephanie schlenderte zu ihrem Bruder. Ihre Stimme klang ruhiger, und ein Lächeln spielte um ihre Mundwinkel.

Royce umarmte sie, bevor er sich Alec zuwandte. „Störe ich?“

„Wir plaudern gerade über meine Karriere“, zwitscherte Stephanie. „Über die Werbung, die das Ryder Equestrian Center für den ganzen Konzern macht.“ Mit einem Blick forderte sie Alec auf, ihre Worte zu bestätigen.

Der nickte ergeben.

„Hast du ihm das Video gezeigt?“, fragte Royce.

Argwöhnisch sah Stephanie ihren Bruder an. „Das muss er nicht sehen.“

Royce schob sie sanft zur Seite und betrat den Raum. „Natürlich muss er das. Es gibt nichts Besseres, um deinen Werdegang zu erklären. Haben wir noch Popcorn?“

„Wir haben noch nicht gegessen. Ich werde nicht …“

„Lass uns grillen.“ Royce schob die Ärmel seines Westernhemds hoch. „Ich könnte gut einen Burger vertragen. Und Sie, Alec?“

„Klar. Burger klingt gut.“ Genauso wie der Vorschlag, ein Video von Stephanie anzuschauen, vor allem, weil sie von der Idee nicht begeistert zu sein schien. Hatte sie etwas zu verbergen?

„Dann müsst ihr auf mich verzichten, fürchte ich“, sagte sie mit einem warnenden Unterton in der Stimme.

„Hast du denn keinen Hunger?“, wollte Royce wissen.

Sie reckte die sommersprossige Nase in die Luft. „Ich hole mir etwas aus der Kantine.“

„Wie du willst“, sagte Royce, und Alec bemerkte, dass in seinen Augen so etwas wie Genugtuung aufblitzte.

Was ging hier vor?

Stephanie zog ein Paar abgetragene Lederstiefel an, streifte sich einen grob gestrickten grauen Pullover über und stapfte zur Tür hinaus.

„Ich hatte schon Angst, dass wir sie gar nicht mehr loswerden.“ Royce schmunzelte.

„Was gibt’s?“

„Wir grillen Burger und sehen uns Familienvideos an“, erwiderte Royce harmlos.

Zwanzig Minuten später biss Alec in einen saftigen Burger. Er musste zugeben, dass Royce wirklich ein Meister am Grill war. Alec hatte einen Wahnsinnshunger, und der Burger schmeckte köstlich. Er war üppig mit gebratenen Zwiebeln und einer dicken Tomatenscheibe frisch aus dem Garten belegt.

Im Sessel neben ihm saß Royce und zielte mit der Fernbedienung auf den Fernseher.

Sie aßen noch, als auf dem Bildschirm eine sehr junge rothaarige Stephanie auf einem weißen Pony über kniehohe Hindernisse sprang. In ihren zierlichen Händen hielt sie die Zügel fest umklammert. Der Helm saß ihr schief auf dem Kopf, mit entschlossen angespannter Miene segelte sie über die Holzlatten.

Alec musste lächeln. Warum wollte Stephanie nicht, dass er den Film sah? Sie war hinreißend.

Schon in der kurzen Zeit, die er mit Royce und dessen Verlobter Amber auf der Ranch verbracht hatte, war ihm klar geworden, dass Stephanie von Royce und ihrem älteren Bruder Jared nach Strich und Faden verwöhnt wurde. Als er nun dieses Video sah und über den Altersunterschied zwischen Stephanie und ihren Brüdern spekulierte, ahnte er, wie es dazu gekommen sein musste.

Vor einem Oxer sammelte sich das Pony. Stephanie, in den Steigbügeln stehend, beugte sich nach vorn. Das Tier hob die Vorhand vom Boden und schlug mit der Hinterhand aus. Die beiden segelten über die weiß gestrichenen Latten, landeten schließlich mit einem heftigen Ruck hinter dem Hindernis auf der weichen Erde.

Das Pony kam zum Stehen, doch das galt nicht für Stephanie, die über den Kopf des Tieres nach vorn flog. Wild ruderte sie mit den Armen und stürzte hart auf den Boden.

Jared und Royce rannten zu ihr. Die beiden Teenager drehten ihre Schwester behutsam um, redeten auf sie ein und wischten ihr den Schmutz aus dem kleinen Gesicht.

Obwohl ihre Brüder sie zurückzuhalten versuchten, schüttelte sie den Kopf und ging entschlossen auf das Pony zu. Sie nahm die Zügel und saß wieder auf. Dann wendete sie das Pony und ritt zum Ende des Turnierplatzes. Die Kamera folgte ihr, als sie den Parcours noch einmal in Angriff nahm.

Alec schüttelte den Kopf. Er war amüsiert, gleichzeitig bewunderte er Stephanie.

Plötzlich schob Royce seinen Teller beiseite, griff nach der Fernbedienung und schaltete den Ton des Fernsehers aus.

Fragend sah Alec ihn an.

„Es gibt etwas, das Sie wissen müssen.“ Royce klang gleichmütig, doch seine Gesichtszüge wirkten angespannt. „Versprechen Sie mir, dass Sie es für sich behalten.“ Jetzt lag ein warnender Unterton in seiner Stimme.

„Ich behandle alles, was Sie mir erzählen, mit größter Vertraulichkeit.“ Verschwiegenheit war die Grundlage von Alecs geschäftlichen Aktivitäten. Er wartete, und seine Neugier wuchs.

„Gut“, sagte Royce und holte tief Luft. „Also, hören Sie zu … Wir werden erpresst.“ Nach kurzem Zögern fügte er hinzu: „Es geht um Stephanie.“

„Was hat sie getan?“ Doping? Ein Turnier manipuliert?

Scharf blickte Royce ihn an. „Sie hat nichts getan. Stephanie weiß nichts von der Sache, und das soll auch so bleiben.“

Aha. Fehlanzeige. Andere Taktik.

„Wer erpresst Sie?“

„Das möchte ich lieber nicht sagen. Aber das ist der Grund, warum das Konto der Viehranch ständig leer ist.“

„Über welchen Betrag reden wir?“

„Hunderttausend im Monat.“

„Im Monat?“, fragte Alec ungläubig.

Royce nickte grimmig.

Alec richtete sich in seinem Lehnstuhl auf. „Seit wann geht das so?“

„Seit mindestens zehn Jahren.“

„Wie bitte?!“

„Ja, ja, ich weiß.“

„Sie haben zwölf Millionen Dollar ausgegeben, um Stephanie etwas zu verheimlichen? Das muss ja ein verdammt großes Geheimnis sein.“

Ein finsterer Blick von Royce traf ihn. „Sorry. Es geht mich nichts an“, sagte Alec. Dennoch spielte er im Geist alle Möglichkeiten durch. Hatte die Familie in der Vergangenheit illegale Geschäfte gemacht? Glücksspiel? Alkoholschmuggel?

„Sie werden es nicht erraten“, sagte Royce.

„Vielleicht doch.“

„Nein. Und kommen Sie bloß nicht auf die Idee, hier herumzuschnüffeln.“

„Ich werde nicht spionieren“, lenkte Alec ein. Natürlich würde er die Wünsche seines Auftraggebers respektieren.

„Ach, verdammt.“ Mit einem frustrierten Seufzer setzte Royce sich wieder.

Alec wartete eine Sekunde. „Wie schlimm ist es?“

Royce stieß ein harsches Lachen aus. „Mein Vater war ein Mörder und meine Mutter eine Ehebrecherin.“ Nach einer kurzen Pause sprach er weiter. „Wir werden vom Bruder ihres Liebhabers erpresst. Der Liebhaber war auch das Mordopfer. So schlimm ist es.“

Alec zählte eins und eins zusammen. „Stephanie ist also Ihre Halbschwester.“

Heftig ließ Royce sich gegen die Lehne des Stuhls fallen. Sein Gesichtsausdruck sagte Alec, dass er mit seiner Vermutung richtiglag.

„Jedenfalls kann ich mir sonst nichts vorstellen, was zwölf Millionen Dollar wert wäre.“

„Sie darf es niemals erfahren.“

„Aber Sie können nicht ewig weiterzahlen.“

„Oh doch, das können wir. Mein Großvater hat gezahlt, bis er starb. Dann hat McQuestin weitergemacht. Und vor ein paar Monaten habe ich damit angefangen.“

Obwohl es ihn eigentlich nichts anging, fühlte Alec sich verpflichtet, aufrichtig zu sein. „Was werden Sie tun, wenn er seine Forderungen erhöht?“

Royces überraschter Blick verriet, dass ihm dieser Gedanke noch nicht gekommen war.

„Irgendwann werden Sie es ihr sagen müssen.“

„Nicht, wenn wir ihm das Handwerk legen.“

„Und wie wollen Sie das fertigbringen?“

„Ich weiß es nicht.“ Royce schwieg, richtete den Blick dann düster auf sein Gegenüber. „Haben Sie eine Idee?“

2. KAPITEL

Der Burger aus der Kantine, den Stephanie am Abend zuvor gegessen hatte, schmeckte zwar nicht so gut wie die, die Royce zubereitete. Doch er hatte ihren knurrenden Magen beruhigt. Und sie war der x-ten Vorführung des Videos „Stephanie fällt vom Pferd“ entkommen.

Es war eine Sache, diese Aufnahmen von Pleiten, Pech und Pannen guten Freunden zu zeigen … aber Geschäftspartnern? Während sie sich bemühte, von Alec ernst genommen zu werden, ließ Royce sie wie ein dummes kleines Mädchen aussehen.

Sie öffnete das Holzgatter zu Rosie-Jos Box im inneren Bereich des großen Pferdstalls und führte die Stute hinein. Der Tierarzt hatte die einwandfreie Gesundheit des Pferdes bestätigt, und sie hatten an diesem Morgen ein großartiges Training hinter sich gebracht. Bereitwillig hatte Rosie jedes Hindernis übersprungen.

Stephanie zog ihre Lederhandschuhe aus, nahm dem Pferd das Zaumzeug ab und griff durch die Streben des Gatters, um es auf einen Haken vor der Box zu hängen. Dann suchte sie sich eine Bürste aus der Kiste mit dem Sattelzeug heraus und fuhr damit über das gescheckte Fell der Stute.

„Wie läuft’s?“ Wesleys Stimme hallte durch die riesige Scheune. Von Rockfires Box schlenderte er zu der von Rosie-Jo hinüber. Er rückte seinen Stetson zurecht und legte die Arme auf das Gatter.

„Gut.“ Stephanie fuhr damit fort, Rosie-Jo zu striegeln.

Doch ihr Herz klopfte aufgeregt, in ihrem Bauch kribbelte es erwartungsvoll. Die Scheune war beinahe leer, die Stallburschen draußen mit Pferden und Schülern beschäftigt. Seit dem Beinahe-Kuss vor zwei Tagen hatte sie nicht mehr mit Wesley gesprochen. Wenn er es noch einmal versuchen wollte, war jetzt die beste Gelegenheit dazu.

„Sie scheut nicht mehr“, erklärte Stephanie. „Und bei dir? Alles okay?“

„Rockfire ist startklar. Tina lässt gerade die Hindernisse für uns umstellen.“

Ein letztes Mal strich Stephanie über Rosie-Jos Fell. Nachdem sie die Bürste an ihren Platz zurückgelegt hatte, klopfte sie die Hände an ihrer Jeans ab und ging quer durch die Box auf Wesley zu. Plötzlich fühlte sie sich befangen, konnte ihm nicht in die Augen schauen. War sie zu aufdringlich? Sollte sie es ihm besser nicht zu leicht machen?

Sie war völlig unerfahren in solchen Dingen. Die Ranch lag fernab von jedem Rummel. Noch nie hatte Stephanie eine ernsthafte Beziehung gehabt, und ihr letztes Date lag Monate zurück.

Unentschlossen blieb sie stehen, das Gatter wie eine Barriere zwischen ihnen. Als sie es schließlich wagte, Wesley ins Gesicht zu sehen, war sein Mund leicht geöffnet. Seine blauen Augen schimmerten verheißungsvoll.

Sollte sie den Anfang machen oder es ihm überlassen?

„Störe ich?“

Schon wieder dieser Alec! Seine Schritte hallten durch die Scheune.

Wesley umklammerte das Gatter. Enttäuschung lag in seinem Blick.

„Soll das ein Witz sein?“, krächzte er leise, sodass nur Stephanie es hören konnte.

Was sollte sie darauf erwidern? Alec schien das Talent zu besitzen, immer im ungünstigsten Moment aufzutauchen.

„Es tut mir leid“, flüsterte sie Wesley zu.

„Nicht so sehr wie mir.“

Sie drehte sich um, bedachte Alec mit einem Blick, der ihm deutlich machen sollte, wie sehr er störte. „Kann ich Ihnen helfen?“

„Das will ich hoffen.“ Ungeniert stellte er sich zu ihnen. Nach kurzem Schweigen musterte er Wesley vielsagend.

Der starrte Alec wütend an. Dann schlug er mit der flachen Hand auf das Gatter. „Zeit fürs Training“, knurrte er, bevor er davonstapfte, um Rockfire aus dem Stall zu führen.

Stephanie hätte schreien können vor Enttäuschung.

„Was ist denn jetzt schon wieder?“, fauchte sie Alec zu und verließ die Box. Nachdem sie kontrolliert hatte, ob alles sicher verschlossen war, folgte sie Wesley.

„Wie wär’s mit einem kleinen Ausflug?“, fragte Alec, der neben ihr herlief.

„Ich habe zu tun.“ In einer abweisenden Geste warf sie die Haare über die Schultern zurück.

Sie wollte Wesleys Training beobachten. Schließlich war sie sein Coach.

„Ich versuche nur, Ihnen zu helfen.“

„Schon klar.“

„Ist Ihnen Ihr Liebesleben wichtiger als die Firma?“

Stephanie beschleunigte ihre Schritte und ignorierte die Frage. Liebesleben. Na toll. Sie hatte ja nicht mal ein paar heiße Küsse vorzuweisen.

Aus dem offenen Tor der Scheune trat sie blinzelnd ins helle Sonnenlicht. Sie war ganz auf Wesley konzentriert, der auf der anderen Seite des Weges auf Rockfires Rücken stieg.

Zu spät hörte sie den Motor des Pick-ups dröhnen, gefolgt von dem unangenehm mahlenden Geräusch von Reifen, die auf Schotter scharf bremsten.

Nur flüchtig sah sie Ambers entsetztes Gesicht hinter dem Steuer, bevor ein starker Arm ihre Taille umfasste und sie aus der Gefahrenzone zog.

Alec wirbelte herum und brachte Stephanie an der Wand der Scheune in Sicherheit. Schützend presste er seinen Körper gegen ihren, als der Pick-up seitlich ausbrach und ins Schleudern geriet. Er verfehlte sie nur um Zentimeter.

„Alles okay?“, fragte Alec heiser.

Sie wollte nicken, doch ihr Körper gehorchte nicht.

„Alles okay?“, wiederholte er nun lauter.

Diesmal brachte Stephanie ein Nicken zustande.

„Bleiben Sie hier“, befahl er.

In der nächsten Sekunde war er weg. Als Alec sie nicht mehr stützte, gaben ihre Knie beinahe nach. Sie hielt sich an der Wand fest, versuchte das Gleichgewicht zu halten. Vor ihren Augen verschwamm alles.

Zitternd drehte sie sich um. Bemerkte zwei Arbeiter auf der anderen Seite des Weges. Mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen standen sie dort.

Wie in Zeitlupe folgte Stephanie den Blicken der Männer. Röhrend überschlug sich in diesem Moment Ambers blauer Pick-up. Vorder- und Hinterräder ragten in die Luft.

Alec stürzte auf den Wagen zu.

Stephanie wollte schreien. Sie wollte rennen. Doch die Schreie blieben ihr im Hals stecken, und ihre Beine fühlten sich an, als wären sie aus Blei.

Dann knallte der Pick-up mit einem schrecklichen Geräusch auf die Fahrertür, drehte sich um die eigene Achse und schlug gegen eine Eiche.

Plötzlich ging alles wieder in normaler Geschwindigkeit vor sich. Inmitten des Chaos kam Alec schlitternd vor dem Wagen zum Stehen. Er spähte durch die Windschutzscheibe. Kletterte auf die Beifahrertür, die hoch in die Luft ragte.

Als er die Tür mit einem Ruck aufriss, kehrte wieder Leben in Stephanie zurück. Sie stolperte die Straße hinunter, einen stummen Schrei auf den Lippen. Betete, dass Amber nichts passiert war.

Währenddessen ließ Alec sich geschmeidig ins Innere des Wagens gleiten.

Plötzlich zerbrach die Windschutzscheibe unter Alecs Schuhsohlen.

„Holt einen Truck“, rief er, woraufhin zwei der Arbeiter sofort losrannten.

Inzwischen war auch Stephanie am Unfallort angekommen. Voller Grausen bemerkte sie, wie Blut über Ambers Stirn lief. Das ist ganz allein meine Schuld, dachte Stephanie taumelnd.

Alecs Blick begegnete ihrem. „Es ist alles in Ordnung mit ihr“, sagte er. Seine Stimme klang fest und beruhigend. „Ruf Royce an. Aber sag ihm als Erstes, dass ihr nichts passiert ist.“

Stephanie bemerkte, dass Ambers Augen offen waren. Sie wirkte verstört, doch sie reagierte, als Alec sie ansprach.

Systematisch tastete er ihren Körper ab, Arme, Beine, Hals und Kopf.

Dann sah Stephanie es.

Rauch! wollte sie schreien, doch ihre Kehle war so trocken, dass sie kein Wort herausbrachte.

Auch Alec registrierte es.

Eine hektische Suche nach Feuerlöschern setzte ein, während Alec sich fieberhaft bemühte, Ambers Sicherheitsgurt zu öffnen.

Beruhigend redete er die ganze Zeit auf sie ein.

Stephanie konnte seine Worte nicht verstehen, doch Amber nickte schwach. Als die ersten Flammen unter der Motorhaube hervorzüngelten, legte sie ihre Arme um Alecs Hals.

Wieder sagte er etwas zu Amber. Er hielt sie fest und schob sie langsam, ganz langsam durch die Öffnung in der Windschutzscheibe.

Mit angehaltenem Atem ließ Stephanie den Blick zwischen den größer werdenden Flammen und Amber hin und her wandern.

In diesem Moment tauchte Wesley neben ihr auf. „Bist du okay?“

Die Frage ärgerte sie. „Mir geht es gut.“ Amber war in Schwierigkeiten. Und Alec, der sie zu retten versuchte und sich dabei verletzen konnte … wenn nicht gar Schlimmeres.

Die Flammen züngelten höher.

Alecs Fuß kam auf dem Boden neben dem Pick-up auf.

„Alle zurück!“, brüllte er der wachsenden Menschenmenge entgegen, und im selben Augenblick flog die Motorhaube ab, verfehlte knapp einen Baumstamm und knallte gegen das Dach des Führerhauses.

Unbeirrt stolperte Alec vorwärts, Amber fest im Arm haltend.

Endlich richteten drei Arbeiter Feuerlöscher auf den umgekippten Pick-up.

Stephanie wich vor der Hitze zurück. Sie erinnerte sich an das Handy, das sie umklammerte, und wählte schnell Royces Nummer.

Ein zweiter Pick-up erschien, und Alec legte Amber vorsichtig auf die Sitzbank.

„Versuchen Sie, sich möglichst nicht zu bewegen“, meinte er warnend.

„Hallo?“ Das war Royce.

„Royce?“ Ihre Stimme zitterte.

„Stephanie?“

Sie brachte kein Wort heraus. Stand unter Schock.

Alec nahm ihr das Handy aus der Hand. „Hier ist Alec.“ Er atmete hörbar ein. „Es hat einen Unfall gegeben. Amber geht es gut.“ Er lauschte. „Nein. Es war niemand sonst in dem Wagen.“ Jetzt sah er Stephanie an, dann Amber. „Sie ist bei Bewusstsein.“

Dann hielt er Amber das Telefon hin. „Können Sie bitte mit Royce sprechen?“

Sie nickte und übernahm das Handy. Alec gab den anderen ein Zeichen, zu verschwinden. Sie befolgten seine Anweisung, außer Wesley, der nicht von Stephanies Seite wich.

Als Amber das Handy ans Ohr presste, füllten ihre Augen sich mit Tränen. Instinktiv kam Stephanie näher, um sie zu trösten, doch Alec hielt sie zurück. „Fassen Sie sie nicht an“, flüsterte er und legte Stephanie den Arm um die Taille.

Rasch griff er in seine Tasche und zog sein eigenes Handy hervor.

Fragend blickte Stephanie ihn an.

„Ich rufe den Rettungshubschrauber“, sagte er leise und drehte Amber den Rücken zu, um mit dem Notdienst zu sprechen.

Alarmiert richtete Stephanie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Amber. Noch immer rann Blut aus der Schnittwunde auf ihrer Stirn, und auf ihrer rechten Schulter zeichnete sich ein riesiger Bluterguss ab. Ihre Bluse war zerrissen, die Haut an den Fingerknöcheln aufgeschürft.

Ging es ihr wirklich gut? Hatte Alec ihren wahren Zustand verheimlicht? Aber was wusste er überhaupt? Schließlich war er kein Arzt.

Nun, immerhin hatte er Amber aus einem brennenden Auto gezogen.

Während sie selbst dumm genug gewesen war, ihrer Schwägerin vor den Wagen zu laufen und eine solche Katastrophe auszulösen.

Vor Sorge zog sich ihr Magen schmerzhaft zusammen, und sie schluchzte auf.

Alec legte ihr den Arm um die Schultern und drückte sie. „Es ist nicht Ihre Schuld“, sagte er leise.

Aber seine Worte konnten sie nicht trösten.

„Hören Sie, Stephanie. Amber geht es gut. Der Hubschrauber wird in fünfzehn Minuten hier sein. Es ist nur eine Vorsichtsmaßnahme.“

„Sie sind kein Arzt“, fauchte sie wütend.

„Nein, das bin ich nicht.“

„Entschuldigung.“ Stephanie schüttelte den Kopf. „Sie haben sie herausgezogen. Sie hätte …“

„Psst“, machte er nur.

Amber ließ das Handy auf ihre Brust sinken. „Royce ist unterwegs hierher.“ Ihre Stimme war schwach, doch Stephanie fühlte sich ein bisschen besser, als sie ihre Schwägerin sprechen hörte.

„Der Hubschrauber ist schneller.“ Alec nahm das Handy an sich und strich Amber sanft das Haar zurück, damit es nicht in die Wunde fiel.

„Wollen wir wetten?“ Amber lächelte, und Stephanie hätte vor Freude am liebsten geweint.

Irgendjemand hatte einen Verbandskasten aufgetrieben. Vorsichtig legte Alec Verbandsmull auf, um die Blutung zu stillen.

„Habe ich dich angefahren, Stephanie?“, fragte Amber und runzelte besorgt die Stirn. „Bist du verletzt?“

Eilig schüttelte Stephanie den Kopf. „Nein, nein. Mir geht es gut. Ich mache mir nur Sorgen um dich.“

„Ich fühle mich etwas steif.“ Amber wackelte mit den Fingern und bewegte die Füße. „Aber es funktioniert noch alles.“

Unter Tränen lächelte Stephanie.

„Der Wagen ist nicht mehr zu gebrauchen, schätze ich“, bemerkte Amber mit einem flüchtigen Blick auf das Autowrack.

„Es war atemberaubend“, warf Wesley mit leuchtenden Augen ein.

Alec runzelte die Stirn und schwieg.

„Danke“, sagte Amber mit zitternder Stimme zu ihm.

„Ich bin froh, dass es Ihnen gut geht.“ Sein Lächeln war so sanft, dass es Stephanie ganz warm ums Herz wurde.

Amber würde wieder gesund werden, und das war allein Alecs Verdienst.

Da erschien Royces Truck, eine dichte Staubwolke hinter sich herziehend.

Schlitternd kam der Wagen zum Stehen. Im selben Augenblick, als Royce hinausstürzte und losrannte, erklang über ihnen das Knattern eines Hubschraubers.

Alec beobachtete, wie die Männer vom Abschleppdienst den zerstörten Pick-up auf den Tieflader hievten. Royce hatte inzwischen aus dem Krankenhaus angerufen und ihnen die erlösende Nachricht mitgeteilt, dass Amber schon in wenigen Stunden entlassen werden würde.

Die Schnittwunde auf ihrer Stirn war mit ein paar Stichen genäht worden, doch eine Gehirnerschütterung war zum Glück nicht diagnostiziert worden. Abgesehen davon hatte sie nur ein paar Kratzer und Blutergüsse davongetragen.

Metall schepperte, und Kabel ächzten, als der halb verbrannte Koloss zentimeterweise auf die Rampe gezogen wurde. Eine kleine Gruppe Arbeiter beobachtete das Geschehen. Es war beinahe acht Uhr, sodass die meisten zu ihren Familien zurückgekehrt waren, sobald sie erfahren hatten, dass es Amber gut ging.

Stephanie tauchte an Alecs Seite auf. Sie steckte ihr Handy in die Tasche und strich sich das zerzauste Haar aus der Stirn. „Amber macht schon wieder Witze.“

Alec war froh zu sehen, dass auch Stephanie sich allmählich erholte. Eine Zeit lang schien sie unter Schock gestanden zu haben.

„Und wie geht es Ihnen?“, fragte er mitfühlend.

„Nur etwas mitgenommen.“ Stumm beobachtete sie den Abtransport des Autowracks.

„Sind Sie sicher?“

„Ja“, sagte sie und bemühte sich, ihre Stimme kräftiger klingen zu lassen.

„Freut mich.“

Einer der Männer vom Abschleppdienst ließ den Pick-up herunter, während der andere den Motor des Lastwagens startete. Ihre Arbeit war beendet.

Gemeinsam mit Stephanie kehrte Alec zum Haus zurück. In den Hütten der Arbeiter brannte Licht, der Geruch von frisch geschnittenem Heu lag in der kühler werdenden Luft. Der Laster rumpelte über den Hauptweg der Ranch auf den lang gestreckten Hügel zu, der vom Haus bis zum Highway verlief.

„Ich war auf der Suche nach einer Datei“, sagte Alec, nachdem das Geräusch des Motors verklungen und das Zirpen der Grillen zu hören war.

„Wie bitte?“

„Darum bin ich vorhin zu Ihnen gekommen. Gibt es eine Dokumentation Ihrer Karriere als Springreiterin?“

Verwirrt blickte Stephanie ihn an.

„Ich brauche Hintergrundinformationen, um Ihr Marketing in Dollar beziffern zu können“, erklärte er ihr.

„Ich verstehe Sie einfach nicht.“ Sie schüttelte den Kopf.

„Was gibt es da zu verstehen?“

„Wie können Sie so schnell wieder zur Tagesordnung übergehen?“

Nun war er derjenige, der sie verständnislos anblickte.

„Sie haben gerade Ihr Leben riskiert, um Amber zu retten.“

„Mein Leben riskiert?“ Er lachte leise, doch dann wurde ihm klar, dass sie es ernst meinte.

„Woher wussten Sie, was Sie tun mussten?“

„Das war nicht schwer.“

Im gedämpften Lichtschein der Lampen musterte sie ihn prüfend. „Waren Sie mal bei der Feuerwehr oder bei einem Rettungsteam?“

„Nein.“

„Sie ziehen eine Frau aus einem brennenden Autowrack und bringen sie in Sicherheit Sekunden, bevor der Wagen explodiert. Wie kommt es, dass Sie nicht wenigstens ein bisschen neben der Spur sind?“

„Das hört sich ja an wie im Film.“ An der großen Scheune bogen sie um die Ecke und lenkten ihre Schritte auf den Pfad, der zur Veranda führte. „Ich habe eine Windschutzscheibe zertreten, keine Atomwaffe entschärft.“

„Sie haben Leib und Leben riskiert.“

„Und Sie haben einen Hang zum Drama, stimmt’s?“ Er hatte getan, was getan werden musste, einfach deshalb, weil er dem Unfallort am nächsten gewesen war.

Offen gesagt war es nicht nur die Sorge um Ambers Sicherheit gewesen, die ihn angetrieben hatte. Der schlimmste Moment war der Sekundenbruchteil, als er Stephanie vor dem Pick-up in Sicherheit gebracht hatte.

„Sie haben einer Frau das Leben gerettet, einfach so.“ Stephanie schnippte mit den Fingern. „Dabei arbeiten Sie an einem ganz normalen Finanzbericht.“

„Falsch. Ich versuche, daran zu arbeiten. Haben Sie vielleicht Aufzeichnungen oder so etwas?“

Nachdem sie das Haus erreicht hatten, liefen sie die wenigen Stufen zur Veranda hinauf. Drinnen schleuderte Stephanie als Erstes ihre schmutzigen Stiefel von sich und zog die Socken aus. „Unten im Haupthaus gibt es ein paar Rechnungsbücher.“

„Können wir die morgen holen?“

„Klar.“ Sie zog das Gummiband aus dem Pferdeschwanz und fuhr sich mit den Fingern durch das zerzauste Haar, das kastanienbraun schimmerte.

Es fiel Alec schwer, sie nicht anzustarren. Also ging er zum Esstisch, auf dem seine Dokumente ausgebreitet lagen. Er ließ sich in einen gepolsterten Stuhl fallen und versuchte sich zu erinnern, wo er aufgehört hatte.

„Alec?“ Stephanie erschien in der Tür.

„Ja?“

Weil sie nicht antwortete, drehte er sich zu ihr um.

Sie hatte ihr Arbeitshemd gegen ein verwaschenes T-Shirt und Jeans getauscht, die sich reizvoll um ihre Kurven schmiegten. Die Jeans saßen tief auf ihren Hüften, und über dem Bund blitzte ein Streifen zarter, heller Haut hervor. Sie sah unglaublich sexy aus.

„Was haben Sie in Ihrem früheren Leben gemacht, dass Sie sich in ein brennendes Fahrzeug stürzen, während alle anderen nur entsetzt zusehen?“

„Schon gut, nächstes Thema.“

So sanft und zuckersüß sie auch wirkte … die Frau war hartnäckig wie ein Terrier.

„Ich bin neugierig.“

„Und ich muss arbeiten.“

„Das ist nicht normal, das wissen Sie.“

„Es ist völlig normal. Die meisten Männer da draußen hätten dasselbe getan.“

Stephanie schüttelte den Kopf.

Ungerührt wandte Alec sich wieder seiner Tabellenkalkulation zu.

„Lassen Sie mich raten“, fuhr sie fort. „Sie waren bei den Marines.“

„Nein.“

„Bei der Armee?“

„Gehen Sie jetzt.“

Verblüfft lachte sie auf. „Das ist mein Haus.“

„Und mein Job.“

Sie dachte einen Augenblick lang nach. „Es ist ganz einfach, mich loszuwerden.“

Stirnrunzelnd blickte er sie von der Seite an.

„Beantworten Sie einfach meine Frage.“

Er wusste nicht, was er sagen sollte, doch wenn er sie damit aus dem Zimmer – und aus seinen Gedanken – komplimentieren konnte, würde er es versuchen. „Ich war bei den Pfadfindern.“

Stephanie schüttelte den Kopf. „Nein, das ist es nicht.“

„Abenteuerliche Reisen?“, bot er an.

Erneutes Kopfschütteln.

„Kneipenschlägereien? Aber ich habe nie angefangen.“

Die Hände auf eine Stuhllehne gelegt, blickte sie ihn scharf an.

„Sie sind ja immer noch hier“, neckte er sie.

„Haben Sie nicht noch mehr anzubieten?“, fragte sie, ohne seine Bemerkung zu beachten.

„Was wollen Sie denn noch?“

„Ich weiß nicht. Etwas Außergewöhnliches. Etwas, was darauf hinweist, wo Sie gelernt haben, mit Gefahr umzugehen.“

„Ich bin in der South Side von Chicago aufgewachsen.“

„Wirklich?“

„Nein, das habe ich mir ausgedacht.“

„Ist das eine gefährliche Gegend?“, fragte sie und beugte sich vor. Der Gedanke schien sie zu faszinieren.

Alec gefiel es, wie ihr T-Shirt sich in dieser Haltung um ihren hübsch gerundeten Körper schmiegte.

„Verhältnismäßig“, erwiderte Alec. Schlägereien kamen dort häufig vor. Er hatte gelernt, Menschen einzuschätzen und gefährlichen Situationen aus dem Weg zu gehen. Und wenn es brenzlig wurde, wusste er sich zu helfen.

Sie senkte die Stimme, als könnte jemand sie belauschen. „Waren Sie vielleicht Mitglied einer Gang?“

Instinktiv beugte auch er sich vor und sagte leise: „Nein. Ich bin bei meinem Vater aufgewachsen. Er war Cop in Chicago und hatte genaue Vorstellungen von gutem Benehmen.“ Sein Vater hätte nie zugelassen, dass er sich einer Bande anschloss, und es hätte ihn auch nicht gereizt.

„Ihr Vater ist Polizist?“

„Nicht mehr. Jetzt ist er Inhaber und Geschäftsführer von Creighton Waverley Security.“

„Und Sie arbeiten für ihn?“

Alec schüttelte den Kopf. Für seinen alten Herrn arbeiten? Das hätte gerade noch gefehlt. „Gelegentlich stehe ich bei seiner Firma unter Vertrag.“

„So wie jetzt?“

„Ich habe eine private Abmachung mit Ryder International.“

„Sie klingen gereizt.“

„Weil Sie mich immer noch mit Fragen löchern.“

„Sind Sie sauer auf mich oder auf Ihren Vater?“

„Hören Sie jetzt endlich auf?“

„Und Sie?“

„Ich werde dafür bezahlt, dass ich Leute ausfrage.“

„Ach ja?“ Ihr aufreizendes Lächeln ließ ihn heiß erschauern. „Ich mache das zum Spaß.“

Schweigend sahen sie sich an. Die Spannung zwischen ihnen wuchs, und in seinem Innern schrillten sämtliche Alarmglocken. Royce und Jared wachten mit Argusaugen über ihre Schwester. Wenn er sie anmachte, wären sie sicher alles andere als begeistert.

Nicht dass Alec je Annäherungsversuche bei einer Kundin starten würde. Das hatte er noch nie getan. Allerdings hatte er auch noch nie den Wunsch verspürt.

Es waren also möglicherweise nicht seine edlen Moralvorstellungen, die ihn auf dem Pfad der Tugend gehalten hatten. Vielleicht war er einfach noch nie einer Kundin begegnet, die so zarte Haut hatte, so volle kirschrote Lippen und so perfekt gerundete Brüste. Am liebsten hätte er die Arme um sie geschlungen, sie an sich gezogen und ihren hinreißenden Körper mit Küssen bedeckt, bis sie sich ihm vor Lust stöhnend ergab.

Ein plötzliches Klopfen an der Tür holte ihn in die Realität zurück.

Stephanie zögerte, dann wandte sie sich ab und lief in den kleinen Flur vor dem Wohnzimmer, um die Haustür zu öffnen.

„Ich wollte nur nachsehen, ob es dir gut geht.“ Wesleys eifrige Stimme erfüllte den Raum.

Natürlich. Der zukünftige Lover.

Willkommen in der Wirklichkeit.

3. KAPITEL

Während Stephanie sich in dem Bad neben ihrem Schlafzimmer die Zähne putzte, spielte sie im Geist immer wieder Alecs Rettungsaktion durch.

Am Unfallort war sie vor allem um Ambers Sicherheit besorgt gewesen. Dann landete der Hubschrauber, der Abschleppwagen kam, und alle redeten aufgeregt durcheinander.

Nun wusste sie, dass Amber in Sicherheit war. Sie war mit ihren Gedanken allein, und sie ertappte sich dabei, dass sie sich immer wieder in Erinnerung rief, wie es gewesen war, in Alecs Armen zu liegen.

Er war erstaunlich kräftig, sehr reaktionsschnell und offenbar äußerst gelenkig. Seine Kraft hatte ihr ein Gefühl von Sicherheit gegeben. Später dann, als sie sich gestritten hatten, war in ihrem Innern etwas aufgeflackert, das viel mehr als nur Geborgenheit bedeutete.

Sie wusste nicht, wie sie es nennen sollte. Doch es war so stark, dass Wesley ihr vergleichsweise langweilig vorkam, als er plötzlich aufgetaucht war.

Stephanie spülte sich den Mund aus. Als sie die Zahnbürste in den Becher zurückstellte, zögerte sie und betrachtete sich im Spiegel.

Anziehung, das ist es, gestand sie sich selbst ein und spähte zur Tür hinüber, die aus dem Bad in das Gästezimmer führte, in dem Alec schlief.

Sie fühlte sich von ihm angezogen.

Gleichzeitig wünschte sie, es wäre Wesley. Aber es war Alec.

Mit einem Kamm fuhr sie sich durch die Locken, biss die Zähne zusammen und flocht ihr Haar zu einem straffen Zopf. Dann ging sie ins Schlafzimmer zurück.

Das Fenster stand weit offen. Eine kühle Brise wehte von den zerklüfteten Gipfeln herein, und auf den Weiden schnaubten die Pferde.

In Gedanken noch immer bei Alec, ließ sie ihren Morgenmantel auf einen Stuhl fallen und schlüpfte zwischen die frischen Laken. Ihr war warm, also trug sie nur einen Slip und ein altes Tanktop, das weich auf ihrer Haut lag.

Kaum hatte sie die Augen geschlossen, produzierte ihr Kopfkino sofort ein Bild von Alec.

Anfangs hatte sie ihn einfach nur für einen gut aussehenden Typen aus der Stadt gehalten. Solche gab es massenhaft. Und sie hatte sich noch nie zu einem Mann hingezogen gefühlt, nur weil er gut aussah.

Nun allerdings wusste sie, dass sich unter seinem schicken Anzug kräftige Muskeln verbargen. Und mehr noch, er war intelligent und ausgesprochen mutig. Wahrscheinlich hatte er ihr das Leben gerettet … vermutlich ein klassisches Aphrodisiakum.

Was auch immer der Grund war, sie würde jedenfalls so bald keinen Schlaf finden.

Also stieß sie ihre Daunendecke von sich und starrte hinaus auf den beinahe vollen Mond. Stephanie versuchte, nicht an Alec zu denken, der nebenan schlief. So nah.

Und doch so weit von ihr entfernt.

Es gefiel ihr, hier zu liegen und sich ihren Fantasien hinzugeben. War das nicht normal und natürlich? Im wirklichen Leben musste es Wesley sein, doch hier im Dunkel der Nacht …

Seufzend drehte sie sich auf den Bauch. Schüttelte ihr Kissen auf, versuchte, eine bequeme Position zu finden.

Es gelang ihr nicht. Wieder wälzte sie sich herum und griff nach dem Wasserglas, das auf ihrem Nachttisch stand. Leer.

Mit einem frustrierten Stöhnen kletterte sie aus dem Bett und ging zum Badezimmer. Stieß die Tür auf und schaltete das Licht an.

Im selben Augenblick wurde die Tür zu Alecs Zimmer geöffnet. Wie erstarrt standen sie beide in dem hellen Licht und blickten sich schockiert an.

Sofort erwachte Verlangen in Stephanie, und fast hätte sie das Glas fallen lassen.

Alecs Brust war nackt, der obere Knopf seiner Hose geöffnet. Sein zerzaustes Haar und der Bartschatten auf seinem Kinn verliehen ihm ein verwegenes Aussehen. Bewundernd ließ Stephanie den Blick über seinen beachtlichen Bizeps und die Brustmuskeln wandern, die wie gemeißelt wirkten.

Er betrachtete sie ebenfalls in aller Seelenruhe, bis hinunter zu ihrem Slip, und um seine Mundwinkel zuckte es vor Anspannung. „Ist das heute passiert?“

Hart hämmerte ihr Herz gegen die Rippen, denn sie wusste, dass ihre spärliche Bekleidung fast alles verriet.

„Habe ich Ihnen etwa wehgetan?“

Plötzlich wurde ihr klar, dass er nicht voller Begierde ihre nackten Beine, ihr winziges Top oder den hoch geschnittenen Slip anstarrte. Sein Blick zielte auf den Bluterguss, den sie sich zugezogen hatte, als sie von Rosie-Jo gefallen war.

Sie wusste nicht, ob sie erleichtert oder enttäuscht sein sollte. „Das waren nicht Sie“, versicherte sie ihm. „Mein Pferd hat mich abgeworfen.“

Er machte einen Schritt auf sie zu. „Waren Sie beim Arzt?“

„Es ist nur ein blauer Fleck.“

„Er ist riesengroß. Brauchen Sie Eis?“

Hey, ich stehe hier fast nackt vor dir, und da fällt dir nichts Besseres ein? „Nein.“

Als er jetzt noch näher kam, rang sie erregt nach Luft, während ihre Haut wie elektrisiert prickelte.

„Es lässt die Schwellung abklingen“, fuhr er fort. „Ich kann in die Küche gehen und …“

„Alec!“

„Ja?“

„Ich stehe hier in Unterwäsche.“

„Stimmt.“ Seine Augen wurden dunkel. „Stimmt“, wiederholte er und musterte sie noch einmal von Kopf bis Fuß.

Sie wünschte, sie könnte seine Gedanken lesen, aber sein Gesichtsausdruck war undurchdringlich. Einen Moment später sog er hörbar die Luft ein. „Sorry.“ Dann trat er einen Schritt zurück.

„Alec …“

Er schüttelte den Kopf, hob entschuldigend beide Hände. „Vergessen wir einfach, dass das jemals passiert ist.“

Er hatte recht, natürlich. Trotzdem war sie enttäuscht. Fand er sie denn gar nicht attraktiv?

Er hatte ihr das Leben gerettet. Möglicherweise lag ihm ihre körperliche Unversehrtheit am Herzen. Offenbar war seine Zuneigung rein platonisch.

„Ich wollte nicht …“ Alec wich einen Schritt zurück. „Ich habe nicht …“ Er schüttelte den Kopf. „Es tut mir leid“, sagte er. Dann verschwand er aus dem Bad und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.

Stephanie tat es auch leid. Doch vermutlich aus einem völlig anderen Grund.

Alec verbrachte den nächsten Tag damit, so schnell wie möglich mit seiner Arbeit voranzukommen und Stephanie aus dem Weg zu gehen … was sich als nicht besonders schwierig erwies, denn sie war Frühaufsteherin, außerdem machte sie Überstunden.

Viel schwerer fiel es ihm jedoch, nicht dauernd an sie zu denken. Vor seinem inneren Auge sah er sie noch immer in Tanktop und Slip vor sich stehen. Ihr Gesicht hatte geglänzt wie frisch gewaschen, doch sie trug ohnehin nie Make-up. Ihre Schultern waren rund und leicht gebräunt, die Brüste perfekt geformt. Der dünne weiße Stoff des abgetragenen Tops hatte sie kaum verhüllt. Sie hatte lange, straffe Beine, die von den dreieckigen Spitzeneinsätzen ihres Slips betont wurden. Und ihre Taille war schmal, der Bauch flach.

Es hatte ihn seine ganze Willenskraft gekostet, um nicht auf sie zuzustürzen und sie in die Arme zu reißen.

Zitternd atmete er aus, schaltete den Pick-up in den vierten Gang und raste über das letzte Stück Straße, das Stephanies Reitstall von der Viehranch trennte.

Grundkurs Unternehmensberatung, rief er sich unbarmherzig ins Gedächtnis. Finger weg von der Schwester des Kunden. Sein Geschäft basierte auf Diskretion. Wenn er jetzt seine Prinzipien über Bord warf und eine Kundin verführte, würde ihm niemand mehr vertrauen.

Aus reinem Selbstschutz hatte er Amber nach den Rechnungsbüchern gefragt, anstatt mit Stephanie selbst über die Geschichte ihrer Marketingaktivitäten zu sprechen. Und Amber hatte angeboten, nach den Büchern zu suchen.

Mittlerweile hatte er sich ein umfassendes Bild von den geschäftlichen Aktivitäten des Ryder Equestrian Center gemacht. Allerdings gab er sich nicht der Illusion hin, dass die Ryder-Brüder tatsächlich an der Wahrheit über die Wirtschaftlichkeit des Reitstalls ihrer Schwester interessiert waren.

Jedenfalls würde er in den Schutz seines Chicagoer Büros zurückkehren, sobald er die Rechnungsbücher durchgesehen hatte … weg von der Versuchung, die Stephanie für ihn bedeutete. Der Bericht würde für sich sprechen. Jared und Royce konnten damit arbeiten oder ihn ignorieren. Es war ihre Entscheidung.

Das Haupthaus kam in Sicht, und er schaltete in einen niedrigen Gang, um weniger Staub aufzuwirbeln. Beinahe geräuschlos brachte er den Pick-up auf dem Zufahrtsweg zum Haus zwischen den Scheunen und Viehställen zum Stehen.

Genau wie Stephanies Haus war das ursprüngliche Gebäude der Ranch direkt am Windy River erbaut worden. Baumbestandene Alleen und saftige Wiesen erstreckten sich in alle Richtungen. In der Nähe einer kleinen Brücke, die über den Fluss führte, stand eine Reihe von Hütten für die Belegschaft. Arbeitspferde grasten auf einer Weide beim Haus, während Gruppen von braunen und weißen Rindern die Berghänge sprenkelten.

Mit einer Kaffeetasse in der Hand erschien Jared Ryder auf der Veranda. Alec nahm einen tiefen Atemzug, bevor er aus dem Pick-up stieg.

Er winkte Jared zu, schloss die Wagentür und lief schnell über die Zufahrt. „Ich wusste gar nicht, dass Sie in Montana sind“, sagte er und stieg die Stufen der Treppe zum Eingang hinauf.

„Nur für eine Nacht“, antwortete Jared. „Melissa und ich wollen nach Amber sehen.“

„Wie geht es ihr?“

„Ganz gut. Übrigens, danke noch mal.“

„Kein Problem.“ Schnell wechselte er das Thema. „Ich bin morgen wahrscheinlich mit dem Reitstall fertig.“

„Freut mich zu hören. Je eher Sie in Chicago anfangen können, desto besser.“ Jareds Blick wurde ernst. „Wie ich höre, hat Royce Ihnen von unserem Problem erzählt.“

„Die Erpressung?“

„Ja.“

„Stimmt“, bestätigte Alec. „Und ich habe ihm geraten, Stephanie reinen Wein einzuschenken.“

Jared lachte kurz auf. „Das werden wir ganz sicher nicht.“

„Genau das hat Royce auch gesagt.“

„Hat er Sie um Ihre Hilfe gebeten?“

„Kann ich denn etwas für Sie tun?“

Wieder nickte Jared nachdenklich. „Ich persönlich bin der Ansicht, dass wir ihn aufspüren sollten und …“

„Diese Art von Arbeit mache ich nicht“, unterbrach ihn Alec schnell.

„Ich wollte damit nicht andeuten, dass wir ihm etwas antun wollen. Obwohl ich zugeben muss, dass die Idee einen gewissen Reiz besitzt. Ich hatte eher daran gedacht, ihm bis ins Detail zu erklären, was ihm erspart bleibt, wenn er die Sache beendet. Aber wir können sowieso nichts tun, bevor wir ihn gefunden haben.“ Jared blickte Alec vielsagend an.

Beide Männer schwiegen.

„Wollen Sie, dass ich ihn ausfindig mache?“, fragte Alec schließlich.

„Ambers Freundin Katie behauptet, Sie verfügen über Beziehungen.“

Katie Merrick arbeitete als Anwältin für Creighton Waverley Security, die Firma seines Vaters. Und wo Waverley sich genau an die Vorschriften hielt, konnte Alec es sich leisten, etwas fantasievoller vorzugehen.

„Er heißt Norman Stanton“, sagte Jared. „Frank Stanton, Stephanies leiblicher Vater, war sein Bruder. Das Schweigegeld wird an eine Firma im Ausland gezahlt, Sagittarius Eclipse. Das ist alles, was wir wissen.“

„Immerhin ein Anfang.“ Alec nickte entschlossen. Es wäre ihm eine Freude, den Mann unschädlich zu machen, der Stephanie im Visier hatte.

Stephanie nahm sich vor, ihre beunruhigenden Fantasien ein für alle Mal abzustellen. Und Wesley würde ihr dabei helfen. Über den Turnierplatz hinweg rief er ihren Namen und lief durch die aufgeworfene Erde auf sie zu.

„Ich habe dich überall gesucht“, keuchte er, als er nahe genug herangekommen war. Er zog den Kopf ein und stieg durch den Zaun.

Stephanie beobachtete gerade Brittany, eine ihrer jüngsten Schülerinnen, die am Start des Sprungparcours stand.

Nachdem sie Wesley ein kurzes Lächeln geschenkt hatte, nickte sie Brittanys Trainerin Monica zu, die Brittanys Pferd am Zügel hielt. Monica trat zurück und gab das Startsignal, und in kurzem Galopp ritt Brittany auf das erste Hindernis zu.

„Wie war es in Kalifornien?“, fragte Stephanie, den Blick wieder auf Wesley gerichtet.

Er war wirklich ein gut aussehender Mann. Sein blondes Haar fiel ihm in Locken in den Nacken. Er hatte leuchtend blaue Augen und eine aristokratische Nase. Und mit seinem ausgeprägten Sinn für Humor hatte er sich im Reitstall viele Freunde gemacht.

„Die drei Tage sind mir unendlich lang vorgekommen“, antwortete er lächelnd. „Meine Schwester hat Probleme mit ihrem Freund. Meine Mutter hat fünfmal am Tag gekocht. Und ich habe dich vermisst.“

„Ich dich auch.“ Stephanie redete sich ein, dass das keine Lüge war, denn sie wünschte sich so sehr, dass es stimmte. In Wirklichkeit hatte sie kaum an ihn gedacht. Ihre einzige Entschuldigung bestand darin, dass sie fleißig trainiert hatte. Das Turnier in Brighton würde in wenigen Wochen stattfinden, und es war der inoffizielle Beginn der Qualifizierung für das Olympiateam.

Training war wichtig. Sie fand kaum Zeit, an etwas anderes zu denken.

Außer an Alec.

Stephanie biss die Zähne zusammen und befahl sich, ihn zu vergessen. Eine ganze Woche hatte er sie verfolgt, hatte sie ausgefragt und war ihr auf die Nerven gegangen.

Wesley machte einen Schritt auf sie zu, wobei seine Schulter ihren Ellbogen streifte. Mit den Fingerspitzen strich er über Stephanies nackten Unterarm, kam vorsichtig näher. Er berührte ihren Handrücken, drehte ihre Hand um, streichelte federleicht die Innenseite.

Es war eine sanfte Berührung. Angenehm. Sie zwang sich, sie zu genießen.

„Wir müssen miteinander reden, Stephanie.“ Seine blauen Augen schimmerten verdächtig.

„Worüber?“

Sein Lächeln wurde intensiver. „Über uns natürlich. Ich kann es nicht erwarten, dich endlich zu küssen.“ Er nahm ihre Hand und zog Stephanie an sich. Seine Stimme klang atemlos. „In diesen drei Tagen habe ich ununterbrochen an dich gedacht.“

Stephanie öffnete den Mund, doch sie brachte die Worte, die sie sagen wollte, nicht heraus. Sie hatte nicht drei Tage lang ständig an ihn gedacht. Und sie war nicht besonders scharf darauf, ihn zu küssen.

Okay, sie hatte auch nichts dagegen. Aber die Erregung, die sie die letzten beiden Male empfunden hatte, als sie sich nahegekommen waren, war nicht mehr da.

„Sag mir, was du fühlst“, forderte er sie auf.

Brittany ritt im Galopp vorbei. Erdklumpen spritzten unter den Hufen ihres Pferdes hoch, während sein schnaubender Atem die Luft erfüllte. Stephanie nutzte den Augenblick, um sich von Wesley zurückzuziehen.

„Ich mag dich wirklich, Wesley“, sagte sie.

„Das ist gut.“ Er lächelte selbstsicher und kam wieder näher.

„Und ich bin …“ Neugierig? Voller Hoffnung, dass er Alec aus ihren Gedanken vertreiben würde?

„Was denn?“

„Besorgt.“ Das Wort entfuhr ihr gegen ihren Willen.

Er runzelte die Stirn. „Warum?“

„Du bist mein Schüler.“

Es war eine fadenscheinige Ausrede, und sie wussten es beide.

Jessica Henderson war drei Jahre lang die Schülerin ihres jetzigen Ehemanns Carl gewesen, bevor die beiden ihre Verlobung bekannt gaben. Niemand hatte sich im Geringsten über die Beziehung aufgeregt. Tatsächlich war die halbe Springreiter-Community des Bundesstaats auf ihrer Hochzeit zu Gast gewesen.

„Du redest, als wäre ich ein Kind.“ Wesley klang gekränkt.

„Du bist jünger als ich“, betonte Stephanie. Sie spürte, wie sie verzweifelt den Kuss zu vermeiden versuchte, den sie so lange herbeigesehnt hatte.

„Kaum“, widersprach Wesley, und ein verletzter Unterton lag in seiner Stimme.

„Trotzdem …“

„Stephanie, was ist los?“

„Nichts“, log sie noch einmal.

„Ich habe dich vermisst.“

Fieberhaft überlegte sie, was sie erwidern sollte.

Unbeirrt fuhr er fort: „Du bist schön, lustig, klug …“

„Ich muss ein Unternehmen führen und mich auf ein Turnier vorbereiten.“

„Was redest du da? Was ist nur passiert, während ich weg war?“

„Nichts.“ Und das war die Wahrheit. Leider …

„Das glaube ich nicht.“

Stephanie seufzte. „Es ist nur … Ich muss mich im Augenblick auf eine Sache konzentrieren, Wesley. Und du auch. Bis Brighton sind es nur noch wenige Wochen.“

Sie redete schnell, damit er ihr nicht ins Wort fallen konnte. „Wir müssen es beide schaffen. Für dich ist es das erste Turnier in der Hauptklasse, und ich brauche eine gute Platzierung.“

„Ich verstehe immer noch nicht, warum wir …“

„Es geht nicht, Wesley.“

Wieder griff er nach ihrer Hand und drückte sie. „Aber wir passen so gut zusammen.“ Die Sonne, die sein zerzaustes Haar schimmern ließ, und der flehende Ton seiner Stimme ließen ihn plötzlich sehr jung wirken.

„Wir können Freunde sein“, schlug Stephanie vor.

Er hob unwillig die Brauen. „Ich will keine Freundschaft.“

„Oh doch, das willst du. Wir sind schon Freunde. Wir werden zusammen trainieren und uns in Brighton prima schlagen.“

„Und dann?“

„Was meinst du?“

„Nach Brighton? Wenn wir immer noch dasselbe empfinden?“

Was sollte sie darauf erwidern? Sie empfand nicht das, was sie empfinden wollte, und sie glaubte nicht, dass sich daran etwas ändern würde.

Ein hoffnungsvolles Grinsen legte sich um seine Lippen. Offensichtlich fasste er ihr Schweigen als Zustimmung vor.

„Das mit uns ist etwas ganz Besonderes.“ Treuherzig sah er sie an.

„Es ist Freundschaft und gegenseitiger Respekt“, dämpfte sie seinen Enthusiasmus vorsichtig.

„Nein, es ist mehr als das.“

Stephanie trat einen Schritt zurück. „Im Ernst, Wesley, ich kann nicht zulassen, dass du …“

„Nicht jetzt. Ich habe schon verstanden.“ Eifriges Nicken. „Aber wir wissen beide …“

„Nein, wir wissen nicht …“

Plötzlich schrie Brittany gellend auf. Stephanie wirbelte erschrocken herum, sah, dass das Pferd scheute. Es verweigerte den Sprung und warf Brittany ab.

Das Mädchen landete hart auf dem Po, schien aber ansonsten unversehrt.

Als Stephanie durch den Zaun kletterte, grub Brittany frustriert die Hände in die lehmige Erde und stieß einen unterdrückten Schrei aus.

Offenbar war sie nur wütend und nicht verletzt, doch Stephanie lief schnell zu ihr, um sich selbst davon zu überzeugen. Sicher war sicher.

Stephanie ärgerte sich über sich selbst. Doch genauso zornig war sie auf Alec.

Was machte er nur mit ihr? Warum bedeutete ihr Wesley plötzlich nichts mehr? Warum konnte sie Alecs Anblick nicht vergessen, seinen unerwartet durchtrainierten Körper? Und warum hatte er kein Interesse an ihr gezeigt, als sie halb nackt vor ihm gestanden hatte?

Das Einzige, was ihn interessiert hatte, war ihr blöder Bluterguss.

Am Ende eines langen, frustrierenden Tags betrat sie den Flur ihres Hauses. Sie zog Handschuhe und Stiefel aus und bog um die Ecke, wo sie das Objekt ihrer Begierde am Esstisch sitzen sah. Alec hatte Stapel von Papieren vor sich ausgebreitet. Zeitschriften, Zeitungsausschnitte, Nachschlagewerke.

Als sie hereinkam, hob er den Kopf und blickte sie mit undurchdringlicher Miene an.

Stephanie versuchte, sich eine schlagfertige Begrüßung einfallen zu lassen, doch ihr kam nichts in den Sinn. Also stand sie nur schweigend da, während ihr Herz immer schneller schlug und ihre Gedanken sich überschlugen.

„Ich bin mit den Berechnungen zu Marketing und Werbung fertig“, sagte er schließlich. Er hielt ein Blatt Papier in die Höhe. „Amber hat mir Ihre Rechnungsbücher gegeben.“

Konzentriert starrte Stephanie auf das bedruckte Papier, das die vergangenen zehn Jahre einzeln und mit dem jeweiligen Gesamtbetrag auflistete.

„Das kann nicht stimmen.“ Endlich hatte sie ihre Stimme wiedergefunden. Die Zahlen waren lächerlich niedrig.

„Es gibt gute Presseberichte über Sie“, sagte Alec. Er legte seinen Stift auf den Tisch und verschränkte die Arme vor der Brust. „Aber die Reportagen sind wahllos platziert.“

Argwöhnisch musterte sie ihn. „Einige dieser Illustrierten berechnen für eine Anzeige Zehntausende von Dollar. Ich bin auf dem Cover und auf der Doppelseite in der Mitte. Das ist unbezahlbar. Ryder International wird immer wieder erwähnt.“

„Als gezielte Platzierung. Natürlich, deshalb der Preisaufschlag. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Zielgruppe von Ryder International Equine Earth liest, nicht besonders groß.“

„Sie irren sich.“

Alec schob seinen Stuhl zurück und stand auf.

„Wer Pferde hat, hat Geld“, erklärte Stephanie. „Besitzt Unternehmen. Vermietet Immobilien.“

„Vielleicht“, räumte er ein. „Aber vielleicht auch nicht. Wenn Ryder International Ausrüster für den Reitsport wäre, dann könnte Equine Earth …“

„Wir züchten Pferde.“

„Die Einnahmen aus der Pferdezucht betragen nur einen Bruchteil der Einnahmen, die der Immobilienzweig tätigt.“

„Sie haben es auf mich abgesehen, stimmt’s?“

„Ich habe es nicht …“

Stephanie schleuderte das Papier auf den Tisch. „Vom ersten Moment an ging es Ihnen nur darum zu beweisen, dass ich kein gleichwertiger Geschäftspartner in diesem Konzern bin.“

„Diese Zahlen stellen nicht meine persönliche Meinung dar. Vielmehr handelt es sich um allgemein anerkannte Berechnungen, um zu bestimmen …“

„Halten Sie den Mund.“

Er erstarrte. „Wie bitte?“

Sie kam näher. „Ich sagte: Halten Sie den Mund. Ich habe es so satt …“

„Was?“, meinte er ungläubig.

„Sie! Sie und Ihre …“ Was wollte sie eigentlich sagen? Dass sie es satthatte, sich zu ihm hingezogen zu fühlen? Zu wissen, dass er sie nicht attraktiv fand? Ständig in Gedanken mit ihm beschäftigt zu sein, wenn er sich im Stall aufhielt?

Er wartete. Sein Blick wirkte grimmig.

Endlich brachte Stephanie eine halbwegs logische Erklärung zustande. „Ihre Versuche zu beweisen, dass ich wertlos bin.“

Verwirrt blickte er sie an. „Glauben Sie das wirklich?“

Sie deutete auf seine Papiere. „Das alles hier bestätigt es.“

„Es bestätigt, dass Sie dem Unternehmen finanziell zur Last fallen. Und das ist die Wahrheit.“

„Ich bin ein Gewinn.“

„Aber kein finanzieller.“

Ihre Kehle fühlte sich plötzlich an wie zugeschnürt, und sie hasste sich dafür.

Was interessierte es sie, was er von ihr hielt? Was machte es schon, wenn ein rechthaberischer Auftragsschnüffler glaubte, dass sie ihren Beitrag nicht leistete?

Es sollte ihr nichts bedeuten. Das tat es aber – leider.

Auf einmal veränderte sich sein Gesichtsausdruck beinahe unmerklich, und er fluchte leise. „Ich will nur ehrlich sein, Stephanie.“

Sie winkte ab. Sollte er doch endlich verschwinden und sie mit ihren Fantasien allein lassen.

Stattdessen machte er einen Schritt auf sie zu, dann noch einen … und noch einen. Seine schiefergrauen Augen schimmerten geheimnisvoll.

Stephanie schnappte nach Luft. Ihr Herz schlug heftig, so sehr, dass es in ihren Ohren pochte. Sie ertappte sich dabei, dass sie seinen Blick suchte, während ihre Haut vor Verlangen prickelte.

Plötzlich biss er die Zähne zusammen und ballte die Hände zu Fäusten. „Wir können das nicht tun.“

Nein, sie konnten nicht.

Moment mal. Was konnten sie nicht tun?

„Stephanie. Sie sind meine Klientin.“

Ja, das war sie. Und das spielte eine Rolle. Zumindest sollte es das.

Oder?

Aber ein Kuss würde nicht schaden. Ein Kuss bedeutete nichts. Sie hatte ein Dutzend Männer geküsst, na ja, eigentlich eher Jungs. Ein Kuss verpflichtete zu nichts.

Und wenigstens würde sie es dann wissen. Sie würde wissen, wie er sich anfühlte, wie er duftete, wie er schmeckte.

Unwillkürlich hob sie das Gesicht an.

„Stephanie.“ Seine Stimme klang erstickt.

Einen Atemzug lang schien die Welt stillzustehen.

Dann zog Alec sie in die Arme, drückte sie aufseufzend an sich. Suchte ihre Lippen, erst mit verhaltener Leidenschaft, schließlich heiß und hungrig.

Schauer der Erregung überliefen sie, wieder und wieder, prickelnd, elektrisierend.

Jetzt intensivierte Alec den Kuss. Bereitwillig öffnete Stephanie die Lippen, genoss es, wie Alec mit der Zunge das Innere ihres Mundes erkundete. Verlangend legte sie ihm die Arme um den Hals und drängte sich an ihn.

Er ließ die Hände über ihren Rücken gleiten, immer tiefer. Als er ihren Po umfasste, stöhnte sie leise auf. Schob die Finger in sein Haar. Küsste ihn fester und spreizte leicht die Schenkel, sodass er sein Bein dazwischenschieben konnte. Sie sehnte sich nach mehr, viel mehr …

„Stephanie“, stieß er rau hervor. Wie sie den atemlosen Klang seiner Stimme liebte!

Sehnsüchtig umfasste sie sein Gesicht mit beiden Händen, bedeckte seinen Mund mit unzähligen kleinen Küssen. Wünschte sich, dieses berauschende Gefühl würde niemals enden.

Alec stöhnte auf und übernahm wieder die Führung. Er beugte sich über Stephanie, drückte die Lippen auf ihre, tauchte mit der Zunge in ihren Mund, während er nach ihren Brüsten tastete und die Daumen um die festen Spitzen kreisen ließ.

Leidenschaftlich erwiderte Stephanie seinen Kuss, bog sich Alec voller Hingabe entgegen.

Plötzlich hob er sie hoch und trug sie rasch hinauf in sein Schlafzimmer. Dort stellte er sie behutsam auf die Füße und fing an, geschickt ihre Bluse aufzuknöpfen.

Ja. Hautnah. So wollte sie ihn spüren. Stephanie versuchte, den Knoten seiner Krawatte zu lösen, schaffte es jedoch nicht, so sehr zitterten ihr die Finger vor Begehren. Stattdessen nestelte sie an den Knöpfen seines weißen Hemdes.

Er lachte leise in sich hinein, als er ihr die Bluse auszog und den BH mit einer flinken Bewegung folgen ließ. „Erster!“, keuchte er triumphierend und half ihr mit der Krawatte.

Nur Sekunden später landete sein Hemd neben ihrer Bluse auf dem Fußboden. Stephanies Haut prickelte und war vor Erregung gerötet. Alec gönnte ihr keine Atempause, half ihr in fiebriger Eile, die Jeans und den zarten Seidenslip auszuziehen.

Dann schob er sie in Richtung Bett, drückte sie sanft auf die Matratze. Mit beiden Händen umfasste er ihre runden Brüste und streichelte sie, bis Stephanie lustvoll erbebte. Er küsste jeden Zentimeter der Haut an ihrem Hals, ließ seine Lippen über ihre Schulter wandern, dann zu ihren harten Brustwarzen.

Ruhelos vor Begehren, schob sie die Hände in sein kurzes Haar. Öffnete instinktiv die Schenkel. Heiße Wellen der Ekstase durchströmten sie. Heftig atmend tastete sie nach dem Bund seiner Hose, um auch die letzte Barriere zwischen ihren erhitzten Körpern loszuwerden.

Wieder half Alec ihr. Dann stand er vor ihr, und Stephanie hielt bei seinem Anblick den Atem an. Wie erregt er war!

Auch er sah sie an, ließ den Blick über ihren nackten Körper wandern, eine erotische Erfahrung, die Stephanie erschauern ließ. Fast war es, als würde er sie wirklich streicheln. Auf jeden Fall schien ihm sehr zu gefallen, was er sah.

Er kniete sich vor sie, streichelte sie, diesmal nicht nur mit seinen Blicken. Sanft drückte er ihre Beine auseinander und beobachtete gespannt ihre Reaktion. Dann küsste er sie zärtlich auf die geschlossenen Augenlider und eroberte noch einmal ihren Mund mit einem tiefen und leidenschaftlichen Kuss.

Seine Liebkosungen wurden fordernder, und als er eine Kondompackung aufriss, überfielen Stephanie einen flüchtigen Moment lang doch noch Zweifel. Dann war er wieder bei ihr, und seine Küsse waren reine Magie. Stephanie vergaß ihre Bedenken, öffnete sich ihm und nahm ihn tief in sich auf.

Sie hatte erwartet, dass es wehtun würde, aber der Schmerz war kaum spürbar. Alles, was sie fühlte, war heißes, alles verzehrendes Verlangen, das nach Erfüllung strebte. Hingebungsvoll hob sie ihm die Hüften entgegen, um sich seinem Rhythmus anzupassen.

Immer schneller, härter trieb Alec sie einem ekstatischen Höhepunkt entgegen. Als er kam, keuchte er rau ihren Namen. Fast im selben Moment versank auch Stephanie in einem Strudel berauschender Sinnlichkeit, die sie alles um sich herum vergessen ließ. Sie fühlte sich seltsam zeit- und schwerelos, bevor sie wieder zur Erde hinabsank und Alecs Gewicht auf sich spürte.

Nachdem sein Atem sich allmählich beruhigt hatte, küsste Alec sie auf Schläfe, Ohr und Hals. „Stephanie Ryder, du bist einfach umwerfend.“

„Wenn ich reden könnte“, keuchte sie, „würde ich genau dasselbe von dir sagen.“

Er lachte in sich hinein und drehte sich auf den Rücken, wobei er sie mit sich zog.

Nun war es geschehen, und zwischen ihren Beinen spürte sie einen leichten Schmerz. Sie bewegte sich unruhig, um das Gefühl zu lindern.

„Vorsichtig“, meinte er warnend. Langsam zog er sich aus ihr zurück.

Dann runzelte er die Stirn und hob die Finger, um sie im hellen Mondlicht zu betrachten. „Verdammt, was …?“

Ein anklagender Blick traf Stephanie. „Bist du etwa Jungfrau?“

„Jetzt nicht mehr.“

Beinahe entsetzt zuckte er zusammen. „Warum hast du nichts gesagt?“

„Warum sollte ich?“ Es war ihr Problem, nicht seines. Außerdem hatte sie nicht vor, sich für einen zukünftigen Ehemann aufzusparen.

„Weil … weil …“

„Hättest du irgendetwas anders gemacht?“ Sie selbst bereute nichts. Jungfräulichkeit spielte heutzutage doch kaum noch eine Rolle.

„Ich hätte überhaupt nichts gemacht.“

„Lügner“, neckte sie ihn. Noch vor einer halben Stunde hatten sie beide nur Sex im Kopf gehabt. „Hast du etwa der ersten Frau, mit der du geschlafen hast, stolz erzählt, dass sie die Erste war?“

„Das ist etwas ganz …“

„Ha! Doppelmoral!“, unterbrach sie ihn.

Er fuhr sich mit den Fingern durch das zerzauste Haar. „Ich glaube einfach nicht, dass wir uns über so etwas streiten.“

„Ich auch nicht.“

„Mit dir kann man sich über alles streiten, stimmt’s?“

„Dazu gehören immer zwei, Alec.“

Seufzend zog er sie an sich. „Du bist unmöglich.“

„Und du bist unflexibel.“

„Hättest du doch etwas gesagt.“ Aber sein Protest klang schon schwächer, während Stephanie in angenehme Trägheit versank.

Autor

Barbara Dunlop
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