Heimliches Begehren nach dem Boss

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Kelly kann es nicht mehr mitansehen: Ihr Boss, Luke Holloway, schuftet Tag und Nacht, um Wingate Enterprises vor dem Untergang zu retten. Er braucht dringend eine Pause! Mit einem cleveren Trick lockt sie ihn auf die tropische Insel Oahu, wo sie einen Urlaub mit dem Mann verbringen kann, den sie schon lange heimlich begehrt. Unter Palmen erlebt sie himmlische Leidenschaft mit Luke, und Kellys Herz schlägt bei jedem Kuss höher. Warum nur zeigt Luke ihr nach der Rückkehr ins Alltagsleben die kalte Schulter?


  • Erscheinungstag 14.09.2021
  • Bandnummer 2202
  • ISBN / Artikelnummer 0803212202
  • Seitenanzahl 144

Leseprobe

1. KAPITEL

„Verdammt, es klappt aber auch gar nichts!“

Kelly Prentiss stand am Schreibtisch ihres Chefs und hörte sich an, wie er wieder einmal vor sich hin schimpfte. Es war tagtäglich das Gleiche, und ein Burnout war nur noch eine Frage der Zeit.

Der Versuch, einem milliardenschweren Unternehmen, das kurz vor dem Ruin gestanden hatte, wieder neues Leben einzuhauchen, wäre für jeden eine Herkulesaufgabe gewesen. Aber Luke Holloway war nicht irgendjemand. Er war verantwortlich für die Entwicklung von neuen Produkten bei Wingate Enterprises, er war Kellys Chef und zudem seit Jahren schon der Hauptdarsteller in all ihren heißen Träumen.

Der arme Kerl war völlig ahnungslos, wie viele Rollen er schon für sie gespielt hatte.

Zum Glück war Freitag, aber Kelly fürchtete, dass Luke sich das Wochenende nicht freinehmen würde … Was bedeutete, dass auch sie nicht mit einem freien Wochenende rechnen konnte.

„Wir sollten mal über den Tellerrand hinausblicken“, schlug sie vor.

Er warf ihr einen Blick aus diesen nachdenklichen dunklen Augen zu, und ein wohliger Schauer lief ihr über den Rücken. Sie hätte gedacht, dass die sexuelle Anziehungskraft irgendwann einmal nachlassen müsste, schließlich arbeitete sie schon so lange für Luke. Aber mit jedem Tag, der verstrich, wurde es schlimmer.

Wie lächerlich war es, dermaßen in seinen Chef verknallt zu sein? Gab es ein schlimmeres Klischee? Mal davon abgesehen, dass der Mann quasi mit seinem Job verheiratet war. Er verabredete sich nicht, weil er keine Zeit dafür hatte, und vermutlich fand er sie nicht einmal attraktiv. Sonst hätte er vielleicht mal mit ihr geflirtet oder sie geneckt, wie man es eben bei der Arbeit so machte. Aber nicht bei dieser Arbeit. Luke konzentrierte sich ganz und gar auf seinen Job.

Vor drei Jahren war seine Verlobung in die Brüche gegangen, damals, als es auch mit Wingate immer weiter bergab gegangen war. Seitdem widmete er jede wache Minute dem Ziel, das nächste große Produkt zu entdecken, das die Firma wieder zu ihrem alten Ruhm führen würde.

Luke brauchte entweder irgendwelche großen neuen Hotels, irgendein phänomenales Geschäftskonzept … oder eine gute Fee, die ihn rettete. Irgendetwas, was den Wingates den entscheidenden Schubs gab, den sie verzweifelt brauchten, um ihren guten Ruf wiederherzustellen. Etwas, das dem einst mächtigen Familienunternehmen neues Leben einhauchte.

„Glaubst du etwa, ich hätte nicht auch schon versucht, alles aus einer anderen Perspektive zu betrachten?“, fragte Luke sie.

Kelly wusste, dass er alles in seiner Macht Stehende getan hatte, um die Firma zu retten. Doch sie musste sich jetzt seine Aufmerksamkeit sichern. Verzweifelte Zeiten erforderten verzweifelte Maßnahmen und so weiter. Denn sie hatte einen Plan … einen extrem riskanten Plan. Wenn Luke wüsste, was sie mit ihm vorhatte, würde er sie entlassen und nie wieder ein Wort mit ihr wechseln.

Und wenn er dann noch herausfand, dass das alles die Idee seines Bruders war, dann könnte es das Ende ihrer gemütlichen Familienzusammenkünfte bedeuten.

Daher war es gut, dass Luke keine Ahnung hatte von all den ausgeklügelten Plänen, die Kelly und Zeke Holloway hinter seinem Rücken geschmiedet hatten.

„Pass auf“, begann sie. „Ich habe selbst auch mal ein bisschen recherchiert, und es gibt da einen Investor, der dich treffen will. Er hat ein paar großartige Ideen und hat angeboten, das nächste Projekt zu unterstützen.“

Luke hob die Augenbrauen, und Kelly wusste, sie hatte ihn an der Angel.

„Er ist bereit, dich zu treffen, wann immer du Zeit hast“, fuhr sie schnell fort, um ihm keine Chance zu geben, etwas zu erwidern. „Ich kann deine Termine entsprechend umplanen und dem Piloten Bescheid geben. Wenn du willst, können wir schon morgen los.“

Ihr Herz klopfte so schnell, dass sie kaum noch klar denken konnte. Kelly konnte selbst kaum fassen, dass sie dabei war, Luke zu hintergehen. Aber der Mann achtete nicht auf sich selbst, also musste es jemand anderes tun, oder? Und angesichts der Tatsache, dass sie ihm, neben seiner Familie, am nächsten stand, war ihr diese Aufgabe zugefallen.

Eigentlich steckte sein Bruder Ezekiel hinter dem Plan, aber als Vizepräsident der Firma hatte er genug anderes zu tun. Einmal ganz davon abgesehen, dass er erst vor Kurzem geheiratet hatte – Reagan, die Liebe seines Lebens.

Kelly war diejenige, die tagtäglich mit Luke zu tun hatte. Sie verbrachten Stunden zusammen, und sie wusste genau, wie er tickte. Daher hoffte sie inständig, dass sie diese Sache hier durchziehen konnte. Zeke hatte ihr klargemacht, dass sie die einzige Frau für den Job war.

Natürlich fiel es ihr schwer, Luke einen vermeintlichen Investor unterzujubeln. Aber sie hatte Zeke versprochen, dass sie seinen Bruder entführen würde, damit er sich entspannen und neue Energie tanken konnte. Und da Zeke einen unglaublich hohen Geldbetrag dafür lockergemacht hatte, konnte sie sich jetzt keinen Rückzieher mehr erlauben.

Stille breitete sich im Büro aus, was ihre Nerven nicht gerade beruhigte. Kelly strahlte Luke an, in der Hoffnung, wenigstens ein wenig Selbstvertrauen vorzutäuschen.

„Ich denke, das ist genau das Richtige, was du brauchst, um wieder voranzukommen“, erklärte sie. „Es kann ja nicht schaden, sich mal anzuhören, was der Mann zu sagen hat.“

Zumindest die erste Aussage war die absolute Wahrheit. Er brauchte mal Entspannung, und ehrlich gesagt, sie auch. Sie hatten beide nonstop gearbeitet. Sie wollte nicht länger mitansehen, wie sich ihr Chef zu Tode schuftete, und auch ihr ging langsam die Luft aus. Es gab einen Punkt, da musste jemand auf die Stopptaste drücken.

Eine Pause war ja keine Niederlage. Es bedeutete nur, dass sie ihren Kopf frei bekommen mussten, um Platz für neue Ideen zu schaffen, die funktionieren würden.

Aber wenn sie ganz ehrlich war, ging es bei diesem Trip auch darum herauszufinden, ob diese Anziehung, die sie verspürte, vielleicht doch beidseitig war. Allein wäre sie niemals auf die Idee gekommen. Doch da Zeke darauf bestand, dass sie Luke aus dem Büro lockte und mit ihm an einen Ort fuhr, wo er entspannen konnte, bot sich ihr hier die Gelegenheit, das größte Risiko ihres Lebens einzugehen.

„Vertraust du mir?“, fügte sie hinzu. Sie wusste, dass sie sein Vertrauen genoss, wollte ihn aber noch fester an der Angel haben, um ihren Plan durchziehen zu können.

„Natürlich“, versicherte er ihr.

Sie bekam ein schlechtes Gewissen, schob es aber beiseite. Zeke hatte nur Lukes Wohl im Sinn, wenn er ihn zu einem Zwangsurlaub verdonnerte. Woran sie bei dieser Auszeit dachte, ging allerdings in eine ganz andere Richtung … Trotzdem musste sie diesen Plan jetzt weiterverfolgen, wenn sie jemals herausfinden wollte, ob die sexuelle Anziehungskraft nur einseitig war – oder eben nicht.

Kelly ging davon aus, dass eine kleine Lüge harmlos war, wenn man das große Ganze betrachtete. Luke würde ihr vergeben – hoffte sie jedenfalls. Wenn diese Unternehmung ein paar neue Ideen hervorbrachte, dann würde er sie vielleicht sogar mit einer Gehaltserhöhung belohnen.

Sie hielt den Atem an.

Und wenn der Plan dazu führte, dass sie ihn tatsächlich verführen konnte? Nun, dann wusste sie offen gestanden nicht, was passieren würde, sobald sie wieder zurück im Büro waren … Aber darüber wollte sie jetzt nicht nachdenken. Ihr ging auch so schon zu viel durch den Kopf.

„Okay, soll ich das also arrangieren?“

Luke atmete tief aus. „So, wie es im Moment aussieht, denke ich, wir sollten es versuchen. Was soll ich tun?“

„Nichts.“ Kelly ging Richtung Tür. „Überlass alles mir. Für wann soll ich den Privatjet ordern?“

„Am besten gegen Mittag“, antwortete er. „Um neun habe ich noch einen Termin mit meinem Bruder. Ava möchte uns sehen.“

„Perfekt“, sagte Kelly nervös. „Ich kümmere mich um alles.“

Ava war Lukes und Zekes Tante, die ihren Mann Trent durch einen Herzinfarkt verloren hatte. Kurz darauf war Keith Cooper auf der Bildfläche erschienen und hatte Avas Schwäche ausgenutzt. Sie hatten zwar nur eine platonische Beziehung geführt, doch trotzdem war Ava schockiert gewesen, als Keiths Neffe enthüllt hatte, dass es ausgerechnet Keith Cooper gewesen war, der Geld bei Wingate Enterprises unterschlagen hatte.

Keith hatte sich vieler Vergehen schuldig gemacht, die nicht nur die Familie persönlich betrafen, sondern auch dem Unternehmen Wingate massiv geschadet hatten. So hatte er sich an Firmengeldern bereichert, hatte Berichte gefälscht, ein Feuer gelegt und einen Drogenschmuggel innerhalb der Firma vorgetäuscht. Damit hatte der freie Fall für die Firma begonnen. Doch schließlich und endlich war Keith verhaftet worden. Luke und Zeke hassten ihn dafür, dass er ihre Tante ausgenutzt und fast die Familie zerstört hatte.

Das Ganze war eine einzige Katastrophe, und Kelly war froh, diesem Drama für eine Weile entfliehen zu können.

Sie verließ das Büro, und nachdem sie die Tür geschlossen hatte, lehnte sie sich dagegen und holte tief Luft. Ehrlich gesagt hatte sie nicht gewusst, ob Luke ihrem Vorschlag zustimmen würde. Aber nachdem das jetzt geklärt war, gab es kein Zurück mehr.

Wie er wohl reagieren würde, wenn er begriff, dass sie ein doppeltes Spiel mit ihm gespielt hatte? Dass es keinen Investor gab? Und wie würde er reagieren, wenn sie tatsächlich versuchte, ihn zu verführen?

Seine Assistentin verdiente eine Gehaltserhöhung, ganz klar. Oder einen verdammt hohen Bonus zu Weihnachten.

Kelly Prentiss hatte ihm durch dick und dünn zur Seite gestanden. Sie war da gewesen, als seine Verlobung in die Brüche gegangen war, hatte ihm beigestanden, ohne zu urteilen. Es war tröstlich zu wissen, dass es jemanden gab, der ihm zuhörte und dem er vollkommen vertrauen konnte. Luke unterdrückte einen Seufzer.

Selbst als die Firma kurz vor dem Ruin gestanden hatte, war Kelly optimistisch geblieben. Sie hatte genauso viele Stunden wie er gearbeitet und ihm mit klugen Ratschlägen weitergeholfen, wenn es nötig war. Sie war wortwörtlich seine rechte Hand. Ohne sie wäre er verloren.

Luke hatte noch nie jemanden getroffen, der so loyal, so tüchtig und so zuverlässig war wie Kelly.

Und jetzt hatte sie einen möglichen Investor ausfindig gemacht, der vielleicht nicht nur dazu beitragen konnte, dass Wingate Enterprises wieder auf die Füße kam, sondern der auch helfen konnte, den guten Ruf des Unternehmens wiederherzustellen.

Kelly hatte ihm nicht verraten, wo er den Investor treffen sollte, aber Luke zählte darauf, dass sie ihn nur mit Leuten zusammenbrachte, die der Firma wirklich hilfreich sein konnten. Sie wusste, dass die Zeit ein wichtiger Faktor war und nicht verschwendet werden durfte. Wenn sie also so große Hoffnungen in diesen möglichen Investor setzte und alles geheim halten wollte, dann würde er mitspielen.

In letzter Zeit war er so gut wie gar nicht mehr aus dem Büro rausgekommen, abgesehen von einem Tagestrip nach Dallas. Seine Heimatstadt Royal, Texas, mal für eine kurze Reise zu verlassen, war eine erfrischende Abwechslung. Daher war es ihm fast egal, wohin Kelly ihn brachte.

Luke lehnte sich auf dem weichen Ledersofa im Jet zurück und scrollte durch seine E-Mails. Einige beantwortete er, die anderen schob er in den entsprechenden Ordner, um sich später darum zu kümmern. In der letzten Nacht hatte er kaum Schlaf bekommen … wie meistens in den vergangenen Monaten.

Der Stress, für die Firma neue Geschäftsfelder aufzutun und dann praktisch noch einmal von vorn zu beginnen, war schon eine extreme Last. Aber Luke wusste, dass er es schaffen konnte. Er weigerte sich einfach, aufzugeben. Kelly war ebenfalls eine Kämpferin, so wie er.

Luke blickte auf die andere Seite des Ganges, wo sie an ihrem Laptop saß. Ihre Brille mit dem türkisfarbenen Rand betonte ihre hübschen grünen Augen, und ihr lockiges Haar war hochgesteckt. Mit den rosa lackierten Fußnägeln, die aus den Sandalen hervorlugten, wirkte sie einerseits professionell, aber sie ließ ihn auch an einen entspannenden Sommerurlaub denken. Und nein, er sollte sie nicht attraktiv finden, aber er konnte nicht leugnen, dass Kelly eine schöne Frau war.

Nein, schön schien ein viel zu zahmes Wort, um sie in all ihrer Komplexität zu beschreiben. Bemerkenswert und umwerfend würden es viel besser treffen.

Ein merkwürdiges Gefühl breitete sich in ihm aus, doch er schob es auf Schlafmangel und Überarbeitung.

Es war völlig abwegig, überhaupt nur darüber nachzudenken, dass zwischen ihm und Kelly je etwas laufen könnte. Nie im Leben würde er für eine kurze Affäre die gute Beziehung zu seiner Assistentin und unentbehrlichen rechten Hand riskieren. Außerdem sollte er unter den gegebenen Umständen nicht einmal daran denken, sich mit einer Frau einzulassen. Er schaffte es ja kaum, seine Arbeit zu bewältigen, da blieb ihm definitiv keine Zeit für so etwas wie eine Beziehung.

Eine Beziehung? Das war so absurd. Anscheinend setzte ihm der Schlafmangel derart zu, dass er jetzt schon unter Wahnvorstellungen litt. Luke hatte nicht vor, zu einem Chef zu mutieren, der seine Angestellten anmachte. Er respektierte Kelly. Schönheit war nur eine Sache, die sie so besonders machte. Sie war extrem intelligent, hatte eine rasche Auffassungsgabe und einen scharfen Verstand. Es gab niemanden, den er im Konferenzsaal lieber an seiner Seite hatte. Sie kämpfte für seine Ideen und Visionen, kaum dass er die besagten Ideen und Visionen geäußert hatte.

Verdammt! Kein Wunder, dass ihn diese unerwünschten Gefühle für seine Assistentin so verwirrten. Bisher hatte er noch nie auf diese Weise an Kelly gedacht, doch auf einmal ging sie ihm gar nicht mehr aus dem Kopf. Vielleicht lag es daran, dass sie ein wenig fordernder geworden war und die Kontrolle über diesen Plan übernommen hatte … Was auch immer das für ein Plan war.

„Alles in Ordnung?“

Kellys Frage riss ihn aus seinen Gedanken, und er fragte sich, wie lange er sie schon angestarrt hatte. Hoffentlich glaubte sie jetzt nicht, er wäre verrückt geworden. Oder bekam mit, dass er sie in dieser legeren Aufmachung mehr als anziehend fand.

Verdammt, Luke. Reiß dich zusammen. Sie ist deine Angestellte, und hier geht es nicht um eine Vergnügungsreise. Es geht um die Arbeit, für etwas anderes ist gar keine Zeit.

„Alles gut“, antwortete er schnell, ehe er ein Gähnen unterdrücken musste. „Kann es nur kaum erwarten, endlich anzukommen.“

Er hatte nicht nach weiteren Details gefragt, weil Kelly sich mit den Belangen von Wingate Enterprises genauso gut auskannte wie er. Also vertraute er ihr völlig.

„Erzähl mir mehr über den Investor“, meinte er, während er den Kopf hin und her bewegte, um seinen verspannten Nacken zu dehnen.

Sie blinzelte, ehe sie wieder auf den Laptop blickte. „Oh, lass uns damit warten, bis wir dort sind. Ich muss noch ein paar Mails beantworten. Sutton will gern noch die Quartalszahlen haben, und außerdem siehst du müde aus.“

Es kam nicht oft vor, dass Kelly eine seiner Bitten ablehnte. Aber sie hatten beide so hart gearbeitet, daher wollte er sie jetzt nicht unterbrechen. Sutton Wingate war der Finanzchef des Unternehmens, und obwohl Kelly seine Assistentin war, übernahm sie auch Aufgaben für die anderen Familienmitglieder, so zum Beispiel für Suttons Zwillingsbruder Sebastian.

Kelly war eine extrem tatkräftige Frau, und sie hatte all das hier für ihn organisiert. Und da sie offensichtlich so große Hoffnungen in diesen Trip setzte, war auch Luke aufgeregt. Ein neuer Investor könnte den Kick geben, den sie so verzweifelt benötigten, um die Firma wieder in Schwung zu bringen. Natürlich würde das nicht genug sein. Es war nicht nur ein Wunder, das sie brauchten, sondern ganz viele, aber irgendwo mussten sie ja anfangen.

Luke lehnte sich zurück und versuchte, sich wieder auf die Arbeit zu konzentrieren. Es gab keinen Grund, warum er nicht ebenfalls weiter nach Investoren suchen sollte. Sie brauchten zudem eine zündende Idee. Das war das Gute daran, wenn man ganz unten war: Es konnte nur bergauf gehen. Außerdem hatten sie nichts zu verlieren.

Leider brannten ihm die Augen vor Müdigkeit, und in solch einem Zustand würden ihm wohl kaum die besten Ideen kommen.

„Warum legst du dich nicht hin?“, schlug Kelly vor. Sie nahm die Brille ab und sah zu ihm hinüber. „Ich kann die Couch freimachen und mich auf den Sessel setzen. Wir haben noch eine Weile Zeit, ehe wir landen.“

Luke schob den Laptop beiseite und stand auf. „Du kannst sitzen bleiben. Ich strecke mich hier aus.“

Er setzte sich auf einen Sitz neben sie und kippte ihn nach hinten in die Horizontale.

„Oh, ich wusste gar nicht, dass das geht“, meinte Kelly lachend.

„Das kommt davon, weil wir hier immer nur arbeiten. Aber jeder der Sitze lässt sich in eine Liegeposition bringen.“ Er verschränkte die Hände über dem Bauch. „Ich werde nicht einschlafen. Das schaffe ich auch zu Hause kaum.“

„Wäre aber nicht schlimm, wenn du schläfst“, versicherte sie ihm und starrte auf den Bildschirm. „Ich wecke dich, sobald wir landen.“

Er schloss die Augen und ließ sich vom leisen Klackern der Tastatur und dem Brummen der Motoren einlullen. Sie hatte gesagt, es würde noch eine Weile dauern, bis sie ankamen, aber er hatte immer noch keinen blassen Schimmer, wohin sie flogen. Vielleicht in die Berge in irgendein Hotel. Oder an die Küste, um in einem der heimeligen Orte Inspiration zu finden. Wohin auch immer, Kelly schien daran zu glauben, dass es ein neuer Anfang sein könnte …

„Luke.“

Schlagartig wurde er wach und blinzelte gegen das Licht an, bis ihm klar wurde, dass er tatsächlich eingeschlafen war.

Abrupt kam er hoch und fragte Kelly: „Wie lange habe ich geschlafen?“

Sie zuckte mit den Schultern und packte ihren Laptop ein. „Ungefähr zwei Stunden.“

Verdammt, das war ein langes Nickerchen gewesen. Aber zumindest fühlte er sich jetzt wieder frischer und lebendiger.

Moment mal. Zwei Stunden? Wohin waren sie geflogen? Sie waren doch auch schon eine Weile unterwegs gewesen, bevor er eingeschlafen war. Oder?

Egal, wo sie waren, Luke konnte es kaum erwarten, Kellys Kontakt zu treffen. Jedes Mal, wenn er einem möglichen Investor begegnete, hoffte Luke inständig, dass es derjenige war, der ihm den Arsch rettete.

Wobei keine Gefahr bestand, dass er seine Stellung in der Firma verlor. Er war zu mächtig und zu reich, als dass man ihn absägen könnte. Aber verdammt, die Leute vertrauten darauf, dass er das Familienunternehmen wieder zu altem Glanz führte. Luke hatte nicht die Absicht, diese Hoffnungen zu enttäuschen. Er würde den besten Investor finden, und er würde dafür sorgen, dass Wingate Enterprises mehr Gewinn machte als je zuvor.

Luke schloss den Gurt, als der Jet zur Landung ansetzte. „Du scheinst eine beruhigende Wirkung auf mich zu haben. Mehr als zwei Stunden am Stück habe ich in letzter Zeit selten geschlafen.“

Kelly wandte sich mit strenger Miene zu ihm um. So sah sie immer aus, wenn sie mit ihm schimpfen wollte. Daran hatte er sich schon gewöhnt. Anfangs hatte ihm der Blick noch Angst gemacht, doch er wusste, dass seine Assistentin es nur gut meinte. Sie kümmerte sich um alle, die ihr wichtig waren.

Aber wer kümmerte sich eigentlich um sie?

„Du kannst die Firma nicht retten, wenn du nicht einmal auf dich selbst achtest“, schalt sie ihn. „Was mich zum Grund dieser Reise bringt.“

„Was soll das heißen?“

Kelly biss sich auf die Unterlippe, während sie ihn ansah. Irgendetwas war hier faul. Sämtliche Alarmlampen in seinem Innern leuchteten auf.

„Kelly?“

„Das ist alles nur zu deinem Besten.“

Misstrauen machte sich in ihm breit. „Was hast du getan? Wo sind wir?“

Sie hob ihr Kinn und straffte die Schultern. „Wir sind für einen fünftägigen Kurzurlaub auf Oahu.“

„Wie bitte?“

„Und es gibt keinen Investor“, fügte sie hinzu. „Nur dich und mich und einen Bungalow an einem Privatstrand.“

2. KAPITEL

Luke trat aus dem Flugzeug und wurde mit einer Blumenkette begrüßt.

„Aloha, Mr. Holloway. Aloha, Ms. Prentiss. Willkommen auf Oahu.“

Noch immer verwirrt und äußerst irritiert, trat Luke zur Seite, als der junge Mann Kelly die Blumenkette umlegte, ehe er auf einen großen SUV deutete.

„Bitte kommen Sie doch mit. Wir holen Ihr Gepäck und bringen Sie dann zum Resort, damit Sie Ihren romantischen Erholungsurlaub beginnen können.“

„Ich fahre in kein Resort“, stieß Luke aus und drehte sich zu Kelly herum. „Was soll das alles, verdammt noch mal?“ Er ignorierte die Tatsache, dass der Mann anzunehmen schien, er und Kelly seien ein Paar, und funkelte sie stattdessen böse an.

Kelly sah nervös zwischen ihm und dem Fahrer hin und her.

„Könnten Sie uns einen Moment entschuldigen?“, fragte sie. „Sie können gern vorgehen und unsere Sachen holen.“ Als der Mann weg war, sah Kelly wieder zu Luke.

„Du hast mich angelogen“, warf er ihr vor.

Und das störte ihn am meisten. Sie hatte ihn noch nie belogen, und das hier war noch viel schlimmer. Sie hatte ihn absichtlich hinters Licht geführt. Wie zum Teufel war es ihr gelungen, das alles zu planen, ohne dass er etwas davon mitbekommen hatte? Sein eigener Jet? Sein eigener Pilot?

Sie waren nach Hawaii geflogen, und er hatte keine Ahnung von irgendetwas gehabt! Offensichtlich war er viel zu vertrauensselig gewesen. Sie musste Hilfe gehabt haben, und das roch verdächtig nach Zeke. Allein hätte Kelly all das nicht bewerkstelligen können, ganz abgesehen vom finanziellen Aspekt …

Es steckte bestimmt sein Bruder dahinter, der sich – vermutlich mit guten Absichten – in alles einmischte.

„Das ist nur zu deinem Besten“, erklärte Kelly. „Ich habe dich noch nie belogen, und ich habe noch nie etwas Derartiges gemacht. Begreifst du denn nicht, wie ernst die Lage ist? Du brauchst dringend eine Auszeit.“

Ihre Worte besänftigten weder seinen Frust noch seine Wut. Was war nur in seine loyale, ehrliche Assistentin gefahren? Oder sollte er fragen, wer?

„Hat Ezekiel dich dazu überredet?“

Kelly blinzelte, während eine warme Brise ihr die roten Locken ins Gesicht wehte. Ihrer Reaktion entnahm er, dass sie Zeke nicht verraten wollte, aber Luke war nicht dumm.

„Er hat gesagt, ich soll dafür sorgen, dass du dich entspannst und nicht eher nach Royal zurückkommst, bevor der Urlaub vorbei ist“, erklärte sie. „Also werden wir beide eine Auszeit nehmen und Kraft tanken. Du hast dich fast zu Tode geschuftet, und Zeke und ich werden ein Nein nicht akzeptieren. Und jetzt ab ins Auto.“

Luke runzelte die Stirn. Er wusste, dass Kelly eine starke, entschlossene Frau war – einer der Gründe, warum er sie als Angestellte und rechte Hand schätzte. Aber diese Eigenschaften hatte sie ihm gegenüber noch nie gezeigt. Es war eine neue Seite an ihr, und er war sich nicht sicher, ob es ihm gefiel.

Okay, eine fordernde Frau konnte unter gewissen Umständen durchaus anziehend sein, aber nicht, wenn seine Assistentin ihn wie ein Kleinkind herumkommandierte – auf Anweisung seines Bruders. Luke würde ein ernstes Wörtchen mit ihm reden müssen.

„Du kannst mich nicht dazu zwingen hierzubleiben.“

Kelly machte einen Schritt auf ihn zu. Ihre grünen Augen wirkten noch dunkler, als sie ihn jetzt scharf ansah.

„Du hast recht, das kann ich nicht“, stimmte sie zu. „Aber Zeke hat mich darum gebeten. Er hat alles organisiert, und all deine Termine sind für die nächste Woche abgesagt oder verschoben. Bitte, tu es für mich. Kümmere dich einmal auch um dich, damit du dich dann wieder um Wingate kümmern kannst.“

Die Überzeugung in ihrer Stimme ließ seinen Ärger etwas abflauen. Noch immer gefiel es ihm nicht, dass man ihn hereingelegt – beziehungsweise entführt – hatte. Aber er wusste auch, dass sein Bruder nicht all diese Mühen auf sich genommen hätte, wenn er sich nicht große Sorgen machen würde.

Trotzdem, da war diese Anziehungskraft, die er auf einmal im Flugzeug zu Kelly verspürt hatte. Und dann noch die Tatsache, dass er so tief neben ihr geschlafen hatte … Beides ließ ihn befürchten, dass sie womöglich etwas taten, was gar nicht gut war.

„Können wir los?“, fragte sie und sah ihn bittend an.

Er blickte zum Chauffeur, der das Gepäck eingeladen hatte und darauf wartete, fahren zu können. Mit einem tiefen Seufzer marschierte Luke auf den SUV zu und stieg hinter Kelly ein.

Nachdem die Tür geschlossen war, blickte er zu Kelly. Sie schaute geradeaus, die Beine gekreuzt, die Brille wieder auf der Nase. So kannte er sie, seine geschätzte Assistentin. Aber sie war viel mehr als das. Nicht ein einziges Mal hatte sie ihn in den fünf Jahren, seit sie für ihn arbeitete, um etwas gebeten. Sie war so verdammt tüchtig gewesen, und jetzt war sie wegen all der Probleme in der letzten Zeit offenbar ehrlich besorgt um seine Gesundheit. Luke musste schlucken. Vermutlich glaubte sie, dass es das Richtige war, den Befehlen seines Bruders zu gehorchen. Doch Zeke hatte ja nicht wissen können, was Kelly plötzlich für Gefühle in ihm auslöste. Zeke war ja nicht derjenige, den das forsche Verhalten und die sexy Brille seiner Assistentin antörnten.

Jetzt drehte sie sich zu ihm um. Verdammt, er wäre vermutlich ein absoluter Mistkerl, wenn er all diese Bemühungen ignorierte. Er hatte sich schon seit Ewigkeiten keinen Urlaub mehr gegönnt, dafür war die Lage viel zu kritisch gewesen. Aber vielleicht hatte sein Bruder recht. Ein bisschen Entspannung, um die Batterien aufzuladen … Und dann konnte er wieder voll durchstarten.

Schließlich hatte er schon so gut wie alles andere ausprobiert. Also konnte er doch ruhig einmal ein paar Tage im Paradies verbringen – zusammen mit einer tollen Frau. Natürlich durfte zwischen ihnen nichts passieren. Das würde nur zu einem Desaster führen. Sie war einfach zu unersetzlich für ihn und die Firma.

Okay, auch wenn er sich entschied zu bleiben, bedeutete das noch lange nicht, dass es ihm gefiel, angelogen zu werden.

„Wer weiß noch davon, dass du mich entführt hast?“

Kelly lachte. „Entführt? Ehrlich Luke, das ist nun doch ein wenig dick aufgetragen.“

„Wie würdest du es denn nennen?“

Autor

Jules Bennett
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