Heißer Flirt auf der Jacht des Milliardärs

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Die hübsche, kratzbürstige Schmuckdesignerin Millie ist die einzige Frau, die Playboy-Milliardär Hunter Addison jemals die kalte Schulter gezeigt hat – was ihn erst recht herausfordert. Natürlich nur dazu, sie für eine kurze, unverbindliche Affäre zu erobern! Denn Hunter hat der Liebe abgeschworen, auf Dauer ist in seinem Leben kein Platz für eine Frau. Sein Plan: Er verführt Millie zu einem leidenschaftlichen Wochenende auf seiner Luxusjacht in Griechenland – und danach ist sein sinnlicher Hunger nach ihr für immer gestillt. Oder etwa nicht?


  • Erscheinungstag 23.03.2021
  • Bandnummer 2485
  • ISBN / Artikelnummer 0800212485
  • Seitenanzahl 144

Leseprobe

1. KAPITEL

Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte Millie einen Mann darum gebeten, sich mit ihr auf einen Drink zu treffen. Und jetzt kam sie zu spät. Viel zu spät. Wie peinlich. Allerdings war es kein normales Date. Bei dem Treffen mit dem erstklassigen Scheidungsanwalt Hunter Addison ging es nicht um sie, sondern um ihre Mutter.

Ihre Mutter sammelte Ex-Ehemänner wie manche Leute Münzen. Und leider war ein sehr hoher Betrag an Münzen erforderlich, um Ehemann Nummer vier loszuwerden – obwohl Millie es sich im Moment kaum leisten konnte, ihrer Mum so viel Geld zu leihen. Hunter Addison war nicht der günstigste Scheidungsanwalt in London, aber man sagte ihm nach, er sei der beste.

Und für ihre Mutter wollte Millie nur das Beste.

Sie eilte zu der kleinen Weinstube, wo sie sich mit Hunter nach der Arbeit treffen wollte. Persönlich hatte sie nicht mit ihm gesprochen, nur per Textnachricht. Nach ihrem katastrophalen Blind Date vor zwei Monaten erschien es ihr zu problematisch, ihn anzurufen. Aber es ging nicht um sie, sondern um das Wohlergehen ihrer Mum. Millie könnte es nicht ertragen, würde Eleonora erneut von einem eigennützigen, narzisstischen Ex übers Ohr gehauen werden.

Sie stieß die Tür der Weinstube auf und trat ein. Schnell suchte sie den Raum nach Hunter ab. Einige Paare und kleinere Gruppen hatten die Tische im vorderen Teil besetzt, doch Millie entdeckte keinen Mann, der ohne Begleitung war. Natürlich kam es nur sehr selten vor, dass ein so gut aussehender, reicher und weltgewandter Mann wie Hunter allein in einer Bar saß. Er hatte den Ruf eines lebenslustigen Playboys. Kaum eine Woche verging, in der er nicht von einem Paparazzo mit einem anderen umwerfenden Supermodel fotografiert wurde.

Interessanterweise hatte in den letzten beiden Monaten seit ihrem Blind Date in der Presse nichts über seine sexuellen Eskapaden gestanden. Vielleicht hatte Millie seinem aufgeblasenen Ego einen Dämpfer verpasst, weil sie sich an dem Abend damals immun gezeigt hatte gegen seine Attraktivität. Aber das war eher unwahrscheinlich. Männer wie Hunter Addison hatten immer ein starkes Selbstbewusstsein. Dieses erschüttern zu wollen war genauso, als würde man versuchen, eine Paranuss mit einer Federboa zu knacken. Das klappte einfach nicht.

„Sie sind spät.“ Hinter ihr erklang eine tiefe, männliche Stimme, in der eine Rüge mitschwang.

Millie drehte sich um. Obwohl sie schwindelerregend hohe Schuhe trug, musste sie den Kopf in den Nacken legen, um Hunter Addison in seine braunen Augen sehen zu können. Es war schwer, bei solch einer extremen Männlichkeit nicht nervös zu werden. Er war groß, hatte breite Schultern, eine schlanke, athletische Figur und verströmte eine Aura von Kraft und Stärke. Mit seinen vierunddreißig Jahren befand er sich offensichtlich in der Blüte seines Lebens.

Und jede Faser ihres Körpers nahm davon Notiz. „Ja, ich weiß. Tut mir leid, aber …“

„Ist mit Ihrem Telefon etwas nicht in Ordnung?“ Das Lächeln, das eigentlich keins war, passte zu dem zynischen Funkeln in seinen Augen.

Stumm zählte Millie bis zehn und versuchte, dem Wunsch zu widerstehen, ihm eine bissige Antwort zu geben. Was hatte dieser Mann nur an sich, was sie so nervös machte und … streitlustig? Ihre Erfahrungen mit Männern waren begrenzt. Bisher hatte sie nur einen Liebhaber gehabt, und seit ihr Verlobter Julian vor drei Jahren seinen langen Kampf gegen einen Gehirntumor verloren hatte, war sie nicht wieder mit einem Mann ausgegangen.

Nun ja, abgesehen von diesem erbärmlichen Blind Date mit Hunter, das von Anfang an eine Katastrophe gewesen war. Und das Millie hatte sabotieren wollen. Sie hatte alles in ihrer Macht Stehende getan, um ihm die kalte Schulter zu zeigen und ihn ihre scharfe Zunge spüren zu lassen. Sie wollte sich nicht von ihren Freunden zu einer Beziehung drängen oder von einem Mann bezaubern lassen, der noch nie das Wort Nein von einer Frau gehört hatte.

Doch jetzt brauchte sie Hunters Hilfe. Deshalb blieb ihr nichts anderes übrig, als ihren Stolz hinunterzuschlucken. Und das stieß ihr sauer auf, weiß Gott.

Millie straffte die Schultern und zwang sich, seinem Blick standzuhalten. „Es gab tatsächlich ein Problem. Ich hatte vergessen, mein Handy aufzuladen. Zudem musste ich wegen eines Polizeieinsatzes auf der Strecke einen großen Umweg machen.“

Um mir High Heels und einen engen Bleistiftrock anzuziehen, wollte sie schon hinzufügen, schaffte es aber, sich zurückzuhalten.

Es war schwer, zu sagen, ob er ihr glaubte oder nicht. Seine Miene war unergründlich. Und doch überlief Millie ein Prickeln, als sein Blick für einen winzigen Moment zu ihrem Mund ging.

„Hier entlang. Ich habe hinten einen Tisch reserviert, wo wir ungestörter sind.“ Es klang ein wenig nach einem Befehl, sodass sie am liebsten darauf bestanden hätte, sich vorn an einen Tisch zu setzen. Wahrscheinlich glaubte er, dass sie es bedauerte, ihm eine Abfuhr erteilt zu haben. Und dass sie sich eine Wiederholung ihres Dates wünschte.

Aber nein. Nein.

Das hier war auf keinen Fall ein Date. Sondern ein Treffen, um ihn davon zu überzeugen, für ihre Mutter tätig zu werden. Trotzdem folgte sie ihm widerspruchslos in den ruhigeren hinteren Teil.

Hunter wartete, bis sie sich gesetzt hatte, ehe er ihr gegenüber Platz nahm. Sie war sich seiner langen Beine unter dem kleinen Tisch bewusst, die ihren so nahe waren. Fest presste sie die Knie zusammen und drehte ihre Beine seitwärts, damit sie Hunters nicht zufällig berührte. Und Millie merkte auch, dass ihr Herz schneller schlug und das tiefe Klopfen in ihren Ohren widerhallte, als wollte es eine Warnung ausschicken. Gefahr.

Hunter nahm die Getränkekarte und reichte sie ihr. „Was möchten Sie trinken?“

Millie nahm die Karte, überflog sie flüchtig und gab sie ihm wieder zurück. „Nur ein Mineralwasser, danke.“

Er stieß einen leicht amüsierten Ton aus, und in seinen Augen zeigte sich ein Leuchten. „Jetzt sagen Sie nicht, dass Sie zur Abstinenzlerin geworden sind?“

Millie spürte, dass ihre Wangen sich erhitzten. Bei ihrem Date damals hatte sie drei Gläser Wein getrunken und einen gefährlich starken Cocktail, um das Martyrium zu überstehen. Das katastrophale Treffen hatte an Julians Todestag stattgefunden, und Millie hatte jedes Jahr Mühe, den Tag hinter sich zu bringen. Deshalb hatten ihre Freunde das Blind Date mit Hunter organisiert, in der Hoffnung, es würde sie ablenken und ihr dazu verhelfen, ein neues Leben anzufangen. Es hatte sie abgelenkt. Denn alles an Hunter war verwirrend, damals genauso wie jetzt auch. Besonders jetzt.

Doch es war nicht die Trauer, die diesen Tag so schwer für sie gemacht hatte, sondern ihr Schuldbewusstsein.

Millie sah auf einen Punkt über Hunters linker Schulter, statt seinem forschenden Blick zu begegnen. „Nein. Mir ist nur im Moment nicht nach Alkohol.“

Hunter winkte dem Kellner und bestellte für Millie ein Mineralwasser, für sich einen Gin Tonic. Als der Kellner gegangen war, um ihre Getränke zu holen, lehnte Hunter sich auf seinem Stuhl mit einer Lässigkeit zurück, um die sie ihn insgeheim beneidete. Er trug einen eleganten grauen Anzug und ein schneeweißes Hemd. Der oberste Knopf unter seiner grau-weißen Krawatte, die er gelockert hatte, stand offen und verlieh Hunter etwas Gelassenes. Er war verteufelt attraktiv mit den kurzen schwarzen Haaren, der geraden Nase und dem wohlgeformten Mund – die Unterlippe ein wenig voller als die obere. Auf seinen Wangen war ein Schatten von Bartstoppeln zu sehen.

Er hat einen überaus sinnlichen Mund …

Millie setzte sich gerade hin, schockiert darüber, wohin ihre Gedanken schweiften. Sie war nicht interessiert an seinem Mund. Sondern an seiner Fachkenntnis. Und je eher sie darauf zu sprechen kam, desto besser. Doch im Moment war es fast unmöglich, logisch und vernünftig zu sein und bei der Sache zu bleiben. Jedes Mal wenn Hunter sie ansah, prickelte ihre Haut, als würde er sie mit einer seiner großen Hände berühren.

Eines wusste sie sicher – sie durfte nicht zulassen, dass er sie anfasste. Denn dann könnte sie nicht mehr so tun, als wäre sie immun gegen ihn.

„Da wären wir also. Wieder einmal.“ Er musterte ihr Gesicht, und ihr Magen verkrampfte sich, weil er die Worte „wieder einmal“ leicht betonte.

Millie fuhr mit der Zunge über die plötzlich trockenen Lippen. Dann strich sie ihren Rock über den Knien glatt und versuchte zu ignorieren, dass ihr Puls schneller schlug. „Ich glaube, ich sollte mich für mein Verhalten bei unserem letzten Treffen entschuldigen.“

Sie wagte einen Blick auf Hunter und merkte, dass er sie konzentriert ansah. War das sein Anwaltsgesicht? Der ruhige, wachsame Starjurist, der gelassen seinen Klienten einer Einschätzung unterwarf. Der zwischen den Zeilen las. Aber sie war nicht seine Klientin. Obwohl sie eigentlich auch keine Freundin war, die ihn um einen Gefallen bat. Sie hatten sich vom ersten Augenblick an nicht gemocht … zumindest war Millie zu dem Schluss gekommen, dass sie ihn nicht leiden konnte.

Sie schluckte und fuhr dann fort: „Ich war an diesem Abend nicht in bester Stimmung, und ich fürchte, ich habe das vielleicht an Ihnen ausgelassen.“

„Sie ‚fürchten‘?“ Der Anflug von Sarkasmus in seiner Stimme war nicht zu überhören.

Millie hob das Kinn und begegnete seinem Blick. „Na ja, Sie waren auch nicht gerade Mr. Traumdate.“

In den Tiefen seiner Augen leuchtete etwas auf, als riefe er sich diesen Abend in Erinnerung. Eine leichte Röte erschien auf seinen Wangenknochen, und er verzog den Mund zu einem selbstkritischen Lächeln. „Schon verstanden. Mein Charmeknopf war an diesem Abend auf Pause gestellt.“

Es war nicht gerade die liebenswürdigste Entschuldigung, aber auf der anderen Seite war Millie diejenige gewesen, die sich an diesem Abend so schrecklich verhalten hatte. Er hatte ein wenig niedergeschlagen und distanziert gewirkt, sie hingegen war regelrecht unhöflich gewesen. Denn sie war verärgert gewesen, dass ihre Freunde versuchten, sie zu verkuppeln. Schon seit mehr als einem Jahr hingen sie ihr damit in den Ohren, sie solle öfter ausgehen. Beth und Dan meinten es nur gut, aber sie wussten nicht, warum es für sie so schwierig war, wieder auszugehen.

Julian war sechs Jahre krank gewesen, bevor er den Kampf verloren hatte. Kurz vor seinem achtzehnten Geburtstag war die Diagnose gestellt worden. Die Behandlung war strapaziös gewesen, und die erste Operation hatte sein Wesen verändert. Vorher war er liebevoll und freundlich, danach mürrisch und reizbar. Doch Millie war tapfer geblieben und hoffte Monat für Monat, Jahr für Jahr, dass es wieder besser werden würde. Doch es wurde nicht besser. Mit ihm Schluss zu machen war ihr nicht nur durch den Kopf gegangen, sondern der Gedanke hatte sich auch bei ihr festgesetzt, und sie hatte geduldig auf eine Gelegenheit gewartet, mit ihm darüber zu sprechen. Doch der richtige Zeitpunkt war nie gekommen. Julian war immer zu krank, zu niedergeschlagen oder befand sich in einer der seltenen, aber wundervollen Phasen, wenn der Tumor sich zurückzuentwickeln schien.

Wie hätte sie ihm da sagen sollen, dass sie nicht mehr wollte?

Millie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als der Kellner ihre Getränke brachte. Wenig später waren Hunter und sie wieder allein. Millie griff nach ihrem Glas, um ihre Hände zu beschäftigen. Sie trank einen Schluck und musterte Hunter verstohlen. Es sollte ein Gesetz geben, das Männern verbat, so scharf zu sein. Er besaß so eine maskuline Ausstrahlung, und Millie überlegte, wie er wohl im Bett war. Nicht jugendfreie Bilder schossen ihr durch den Kopf, von seinem nackten, höchst erregten Körper.

Sex mit ihrem verstorbenen Verlobten war wegen seiner Krankheit und seines begrenzten Stehvermögens schwierig gewesen. Sie hatte Julian eher gemocht als geliebt und hatte ihm erlaubt, schnell Befriedigung bei ihr zu finden, ohne dass sie an sich selbst gedacht hatte. Sie war eher verärgert über sich als über ihn gewesen, weil sie wusste, dass er nichts für seine Krankheit konnte. Während der Zeit mit Julian war Sex für sie immer mit Enttäuschung, Unzufriedenheit und fast Verzweiflung verbunden gewesen.

Doch als sie nun Hunter gegenübersaß, konnte sie nur daran denken, wie es sich anfühlen würde, wenn er in sie eindrang. Sie war ziemlich sicher, dass er dass er seine Partnerin immer befriedigte und nie enttäuschte. Ihn umgab eine Aura sexueller Kompetenz. Jedes Mal wenn er sie ansah, verspürte sie ein süßes Prickeln. Unruhig drehte sie sich auf ihrem Stuhl hin und her, und ihre Wangen glühten so heiß wie Feuer.

Eine leichte Falte erschien zwischen seinen tiefschwarzen Augenbrauen. Er nahm sein Glas, trank jedoch nicht. „Wenn unser Blind Date so schrecklich war, frage ich mich, warum Sie es wiederholen wollen?“, sagte Hunter und sah sie mit festem Blick an.

Millie schluckte. „Das möchte ich gar nicht. Ich wollte, dass wir uns treffen, um etwas zu besprechen … etwas anderes.“

„Dann schießen Sie los.“ Unverwandt sah er sie an.

Sie fuhr erneut mit der Zungenspitze über die Lippen, die trocken wie Pergament waren, und versuchte zu ignorieren, dass sein Blick zu ihrem Mund wanderte, als faszinierte ihn dessen Form. Millie atmete tief durch. „Ich möchte Ihre professionellen Dienste in Anspruch nehmen.“

Er sah zu ihrer linken Hand, an der immer noch Julians Verlobungsring steckte. Millie gefiel dieser Ring nicht besonders, doch sie trug ihn weiter aus Schuldbewusstsein. Sie wusste, dass ihre Freunde Hunter von Julians Tod erzählt hatten, weil er es bei dem Blind Date erwähnt hatte. Doch sie hatte sich geweigert, mit ihm darüber zu sprechen, und abrupt das Thema gewechselt. „Sie sind nicht verheiratet. Ich bin Scheidungsanwalt und weiß noch nicht, wie ich Ihnen helfen kann. Was liegt Ihnen auf dem Herzen?“

Es gab vieles, was Millie ihm nicht erzählt hatte, und auch niemand anderem. Bei ihren Freundinnen hatte sie den Ruf, ein Spürhund in Bezug auf die Geheimnisse anderer Menschen zu sein. Die Sache war nur die, dass Millie sie schlecht für sich behalten konnte, außer es ging um ihre eigenen Geheimnisse. Sie spürte genau, wenn jemand etwas verbarg, weil sie es selbst seit Jahren so machte. Und zwar herausragend gut.

Sie hatte Julian nicht geliebt. Und schlimmer noch, sie hatte so etwas wie Erleichterung verspürt, als er drei Wochen vor ihrer Hochzeit gestorben war. Die Rolle der tragischen Heldin hatte sie sehr gut gespielt. Voller Kummer und unfähig, nach dem Verlust ihrer Jugendliebe wieder Gefühle zuzulassen. Nach all der Zeit trug sie immer noch den kleinen, bescheidenen Verlobungsring. Trauerte immer noch um ihre einzige Liebe. Ihren Seelenverwandten.

Doch das war ein dicker, fetter Schwindel.

Betrug. Denn auch wenn sie den Verlust eines besten Freundes betrauerte, war Julian nie die Liebe ihres Lebens gewesen.

Millie drehte das Glas in ihren Händen und betrachtete einen Moment die Eiswürfel. „Nein, ich bin nicht verheiratet, aber meine Mutter.“ Sie hob den Blick, schaute ihn an und fuhr fort: „Werden Sie es tun?“

Hunter sah sie so lange schweigend an, dass sie wieder ihre trockenen Lippen befeuchten musste. Er folgte der Bewegung ihrer Zunge, und Millie verspürte in ihrer Brust ein Flattern wie von einem eingesperrten Schmetterling. „Warum ich?“ Er klang geschäftsmäßig, doch sein Blick aus braunen Augen gehörte eher in ein Schlafzimmer. Das Flattern wanderte in Millies Bauch – kleine, sanfte Flügelschläge, die ein Prickeln an der Innenseite ihrer Schenkel hervorriefen.

Millie stellte ihr Glas wieder ab. Sie würde sich kühl und gefasst geben, auch wenn sie innerlich bebte, überwältigt von seltsamen, unvertrauten Empfindungen. Glühende Hitze schoss durch ihren Körper, und ihr Herz schlug schneller. Doch ihr Stolz würde nicht zulassen, dass sie ihm die Wahrheit über ihre Mutter sagte.

Dies war ein weiteres ihrer wohlgehüteten Geheimnisse. Die Diamantenerbin Eleonora Donnelly-Clarke war nach einigen Scheidungen praktisch mittellos. Millies Mutter war mit einer atemberaubenden Schönheit gesegnet, litt aber unter schwerer Legasthenie und einer Rechenschwäche. Jeder ihrer Ex-Männer hatte ausgenutzt, dass sie Probleme mit dem Lesen und Rechnen hatte, und Ex Nummer vier wollte das Gleiche tun. Gebe es das Treuhandkonto nicht, das ihr Großvater für Millie eingerichtet hatte, wären sie und ihre Mutter wohl inzwischen zugrunde gegangen. Doch Millie hatte ihren eigenen Schmuckladen, der gerade genug abwarf, und konnte es sich nicht leisten, ihre Mutter noch länger zu unterstützen, besonders nicht bei einer weiteren kostspieligen Scheidung.

Millie sah Hunter an. „Weil ich gehört habe, dass Sie der Beste sind.“

Einer seiner Mundwinkel ging nach oben, als fände er ihre Bemerkung amüsant. Einen Arm hatte er lässig über den Stuhlrücken gelegt. Im Gegensatz zu ihr wirkte er sehr kühl und gefasst. „Und ich dachte schon, Sie seien auf einen One-Night-Stand mit mir aus.“ Seine Stimme klang tief und rauchig, während sein funkelnder Blick über ihr Gesicht und ihre Figur wanderte.

Millie warf ihm ein steifes Lächeln zu. „Leider nein.“

Wieder hob er eine Augenbraue. „Leider?“

Millies Herz raste, als hätte sie Adrenalin getrunken statt Mineralwasser. Sie setzte sich gerader hin und durfte auf keinen Fall zulassen, dass ihr Körper sie angesichts Hunters sinnlichen Charmes verriet. Und dazu gehörte auch, seinen sündhaften Mund nicht mehr anzustarren. „Ungeachtet dessen, was Beth und Dan glauben, sind Sie nicht mein Typ.“

Hunters laszives Lächeln wirkte sich verheerend auf ihren Entschluss aus, ihm zu widerstehen. „Sie sind auch nicht mein Typ, aber die beiden scheinen zu glauben, dass wir wie geschaffen füreinander sind. Ich frage mich nur, warum?“ Er klang scherzhaft, sogar ein wenig spöttisch. Nein, falsch – definitiv spöttisch, dieser verfluchte, arrogante Mistkerl.

„Die beiden glauben fälschlicherweise, dass eine Affäre mit Ihnen mir irgendwie helfen könnte, über den Verlust meines Verlobten hinwegzukommen“, sagte Millie steif. „Aber ich fürchte, Beth und Dan haben Ihren Reiz ernsthaft überschätzt.“

Er stieß ein trockenes Lachen aus, doch langsam bekam sein Blick etwas Ernstes. „Vermutlich entscheiden Sie selbst, wenn es so weit ist.“

Millie hob ihr Kinn und hielt seinem Blick stand. „Und ich bin noch nicht so weit.“ Würde das je der Fall sein? Als sie noch jung war und geglaubt hatte, in Julian verliebt zu sein, hatte sie nur eines gewollt: heiraten und ein eigenes Zuhause mit ihm schaffen. Als dann Krebs bei ihm diagnostiziert wurde, hatte sich alles geändert. Ihre Beziehung war zu einem Albtraum geworden.

Hunter sah sie eindringlich an. Die Zeit stand still, und Millie fürchtete, er könne ihren hämmernden Herzschlag hören. Hunter war ein erstklassiger Anwalt. Stundenlang lauschte er seinen Klienten, um sich einen Reim aus dem zu machen, was sie ihm erzählten, sei es die Wahrheit oder eine Lüge.

Ob er die Wahrheit hinter ihrer Lüge erkannte?

Kurz glitt sein Blick zu ihrem Mund, ehe er ihr wieder in die Augen sah. „Also, wegen der Scheidung Ihrer Mutter.“ Der Themenwechsel riss Millie aus ihren Gedanken. „Ich sollte Sie warnen, dass ich nicht billig bin.“

Millie versuchte, die leichte Panik zu ignorieren, die sie befiel, als sie an ihren Kontostand dachte. Sie war eine mäßig erfolgreiche Schmuckdesignerin auf einem zunehmend umkämpften Markt, und exorbitante Anwaltsgebühren würden ein ernsthaftes Loch in ihre Ersparnisse reißen. „Ich kann Sie mir leisten“, erklärte sie mit Stolz in der Stimme.

Einen Moment lang maßen sie sich mit Blicken, doch dann runzelte Hunter plötzlich die Stirn. „Warum sind Sie diejenige, die die Anwaltsgebühren Ihrer Mutter bezahlt?“

Millie stieß einen niedergeschlagenen Seufzer aus und ließ ihre Schultern sinken. „Weil der baldige Ex meiner Mutter bei einem Vorhaben, schnell reich zu werden, viel Geld verpulvert hat. Außerdem hat sie herausgefunden, dass er nebenher eine Geliebte hat. Mum wird mir das Geld zurückzahlen, sobald sie wieder auf die Füße gekommen ist.“ Falls sie wieder auf die Füße kam.

Erneut musterte er sie einen langen Moment, der sich wie eine Ewigkeit anfühlte. „Ich werde einen Deal mit Ihnen machen. Ich gebe Ihnen einen Rabatt, wenn Sie morgen Abend mit mir essen gehen.“

Millie sah ihn perplex an. „Essen?“

Er zog seinen Mundwinkel spöttisch nach oben. „Sie essen doch gelegentlich, oder nicht?“

„Ja, aber ich dachte, nachdem unser letztes Essen solch eine Katastrophe war …“

„Vielleicht möchte ich ja noch eine Chance bekommen, Sie mit meinem Charme zu verblüffen.“ Ein neckisches Funkeln zeigte sich in seinen Augen.

„Sie haben doch selbst gesagt, dass ich nicht Ihr Typ bin.“

„Das heißt doch nicht, dass wir nicht ein vergnügliches Abendessen miteinander genießen und wegen des ersten Dates reinen Tisch machen können.“

Millie überlegte, welches Motiv hinter seiner Einladung stecken mochte. Sah er ihre frühere Immunität gegenüber seiner männlichen Ausstrahlung, die sie damals demonstrativ gezeigt hatte, als eine Herausforderung, der er nicht widerstehen konnte? Seit diesem Abend hatte sie sich oft gefragt, ob sie auch so immun gegen ihn gewesen wäre, hätten sie sich nicht an Julians Todestag getroffen. Trotz ihres unfreundlichen Verhaltens damals hatte sie sehr wohl bemerkt, wie atemberaubend Hunter aussah und wie wohlgeformt sein Körper war. Verzweifelt hatte sie versucht, nicht darauf zu achten, aber eine Frau musste schon hirntot sein und keinen Puls mehr haben, um nicht zu bemerken, wie umwerfend er war.

Sie wurde überflutet von Bildern seines nackten Körpers, und wieder schoss ihr Puls hoch. Schnell setzte sie eine Maske kühler Gleichgültigkeit auf, als habe seine Einladung nichts Aufregendes für sie. Denn sie wollte seinem krankhaft aufgeblasenen Ego nicht noch mehr Nahrung geben. „Ich muss in meinem Terminkalender nachsehen.“

„Dann tun Sie das.“ Herausfordernd deutete er mit dem Kopf auf ihre Handtasche, in der ihr Handy steckte, und alles an ihm sagte: Widersteh mir, wenn du kannst.

Millie warf ihm einen Seitenblick zu, griff nach ihrer Tasche und nahm ihr Handy heraus, obwohl sie genau wusste, dass sie am kommenden Abend keinen Termin hatte.

Ihre Gedanken rotierten. Sollte sie sich mit ihm zum Essen treffen oder nicht? Er hatte gesagt, er würde ihr einen Rabatt auf das Anwaltshonorar für ihre Mutter einräumen. War das sein Druckmittel? Je mehr Zeit sie mit ihm verbrachte, desto stärker war sie von ihm fasziniert. Noch nie hatte sie einen so selbstbewussten und souveränen Mann kennengelernt. Ein Mann, der sich Ziele setzte und sie unbeirrt verfolgte. Genauso einen Mann brauchte sie, damit er ihrer Mutter half. Sie steckte ihr Handy wieder in die Tasche und ließ den Verschluss entschieden zuklappen. „Wie es aussieht, habe ich Zeit.“

„Gut. Wo wohnen Sie? Ich hole Sie um sieben Uhr ab.“

„Äh … das ist nicht nötig. Ich kann mich irgendwo mit Ihnen treffen, so wie beim letzten Mal.“

Sein Blick wirkte unerbittlich. „Wir sollten es anders machen als beim ersten Treffen. Ich hole Sie ab und bringe Sie wieder nach Hause.“

Millie entschied sich dagegen, ein Problem daraus zu machen, und nannte ihm ihre Adresse, ehe sie hinzufügte: „Wie bald können Sie sich mit meiner Mutter treffen? Ich weiß, dass Sie sehr beschäftigt sind und …“

„Ich werde gleich morgen früh Freiraum schaffen. Um acht.“

Hörbar erleichtert atmete Millie aus. „So schnell schon? Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll. Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich mitkomme, um meine Mutter … zu unterstützen?“

„Das ist in Ordnung. Bringen Sie alle notwendigen Dokumente mit – Unterlagen über gemeinsames Vermögen oder Schulden, Kontoauszüge, Steuererklärungen und Ähnliches –, plus eine Liste von Fragen, die Sie haben, und jede wichtige Information über die andere Partei. Das hilft, den Prozess zu beschleunigen. Wie lange ist sie schon getrennt von ihrem Ehemann?“

„Nur ein paar Monate.“

„Wie lange sind sie verheiratet?“

„Vier Jahre.“ Millie zögerte, dann fügte sie hinzu: „Sie war vorher schon drei Mal verheiratet. Alle Ehen endeten mit einer Scheidung.“

Hunter schien ganz und gar nicht schockiert. Allerdings hatte er mit solchen Dingen vermutlich tagein, tagaus zu tun. Menschen, die sich einst leidenschaftlich geliebt hatten, kämpften vor Gericht wie erbitterte Feinde um die Aufteilung des Vermögens. Er hatte ihren Bericht über das verwerfliche Verhalten des baldigen Ex ihrer Mutter mit so unerschütterlicher Ruhe hingenommen, als höre er ständig ähnliche Geschichten. Sie fragte sich, ob er deshalb seine Freiheit als Playboy so sehr genoss. Vielleicht war die Vorstellung von immerwährender Liebe für ihn nur eine Hollywood-Fantasie. Wer dauernd mit erbittert geführten Scheidungen zu tun hatte, wurde wahrscheinlich Zyniker in Bezug auf die Liebe.

„Welcher ihrer Ex-Männer war Ihr Vater?“, fragte er.

„Keiner.“ Millie sah auf den gelockerten Knoten seiner Krawatte. „Er ist ein paar Monate vor meiner Geburt gestorben. Ich glaube, dass Mum seither deshalb so viel Pech in der Liebe hat. Sie wollte ihn ersetzen, konnte aber niemanden finden, der gut genug war, in seine Fußstapfen zu treten. Daher hat sie auch seinen Namen behalten und bei keinem der nachfolgenden Ehemänner darauf verzichtet.“

Autor

Melanie Milburne

Eigentlich hätte Melanie Milburne ja für ein High-School-Examen lernen müssen, doch dann fiel ihr ihr erster Liebesroman in die Hände. Damals – sie war siebzehn – stand für sie fest: Sie würde weiterhin romantische Romane lesen – und einen Mann heiraten, der ebenso attraktiv war wie die Helden der...

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