Julia Jubiläum Band 11

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MEIN HERZ SCHLÄGT WIE VERRÜCKT von LIZ FIELDING
Bisher hatte Nick eine Schwäche für Blondinen. Die dunkelhaarige TV-Köchin Cassie ist eigentlich absolut nicht sein Typ. Doch als er in ihre Autogrammstunde platzt, weckt gerade sie die verrücktesten, heißesten Wünsche in ihm …

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Nur Carlo Saracini kann ihren Vater retten! Hilfesuchend wendet die verwitwete Jessica sich an den Mann, den sie einst schweren Herzens verließ. Tatsächlich erklärt der Tycoon sich bereit, sie zu unterstützen – unter einer skandalösen Bedingung!


  • Erscheinungstag 02.06.2023
  • Bandnummer 11
  • ISBN / Artikelnummer 8009230011
  • Seitenanzahl 400

Leseprobe

Liz Fielding, Emma Darcy, Lynne Graham

JULIA JUBILÄUM BAND 11

1. KAPITEL

Cassandra Cornwell hatte ein Problem. Genauer gesagt: Sie hatte drei Probleme, und alle waren männlicher Natur. Außerdem hatte sie einen Schreibkrampf, keine Lust mehr zu lächeln und brauchte dringend einen Kaffee. Sie sah auf, in der Hoffnung, Beth’ Blick zu erhaschen, aber ihre Freundin war zu beschäftigt, um von Cassandras misslicher Lage Notiz zu nehmen: Beth warf sich gerade einem Mann in die Arme, der soeben zur Tür hereingekommen war.

„Nick, Darling!“

Auf Beth’ Freudenschrei hin drehten sich alle Leute im Laden um, und Cassie hielt mitten im Signieren inne. „Nick, Darling“ beugte sich von seiner beträchtlichen Höhe herab, um Beth auf die Wange zu küssen. Dabei fiel ihm eine dicke, goldblonde Haarsträhne in die hohe, sonnengebräunte Stirn.

„Beth, du siehst großartig aus.“ Seine Stimme war wie Samt. „Warum habe ich dich nur gehen lassen?“

Beth’ Freudenschrei, entschied Cassie, war ganz und gar berechtigt. Der Mann war die wandelnde Erotik, und das Lächeln in seinen dunklen Augen weckte in jeder Frau das Gefühl, schön und begehrenswert zu sein – das konnte Cassie schon auf diese Entfernung sehen. Eine Frau musste schon verrückt sein, um einen solchen Mann ernst zu nehmen.

Beth wusste das offensichtlich. „Ich glaube, du warst einfach zu abgelenkt“, sagte sie lachend. „Lass mich nachdenken: Da war Janine Grey, dann Georgia Thompson, Caroline Clifford …“, sie zählte an den Finger ab, „… und es gab noch ein Gerücht, dass auch Diana Morgan …“

„Genug, Beth, genug!“

„Nick, Darling“ hob die Hände und ergab sich. „Ich habe es ja nie abgestritten: Ich habe eine unheilbare Schwäche für große blonde Frauen.“

„Große, schöne, gertenschlanke blonde Frauen“, sagte die eher rundliche Beth ein wenig anzüglich, als er sie umarmte. „Das ist eine Schwäche, die dich eines Tages noch in große Schwierigkeiten bringen wird.“

„Ist das ein Versprechen?“

„Du bist fürchterlich, Nick. Wann wirst du endlich erwachsen?“

„Nie, hoffe ich. Wie geht’s Harry?“

„Harry ist glücklich und zufrieden mit einem rothaarigen Pummelchen, und ich hoffe, noch lange.“

„Du bist nicht pummelig, Beth, sondern eine Frau mit herrlichen Kurven.“

Beth schnaubte, und auch Cassandra war kurz davor: Man konnte es auch übertreiben. „Du wirst dich nie ändern. Aber denk an meine Worte, selbst dir Frauenheld wird irgendwann eine Frau das Herz stehlen. Und zwar dann, wenn du am wenigsten damit rechnest.“

„Es heißt, ich hätte gar kein Herz, Beth.“

„Ich weiß, aber wer hört schon darauf, was die Leute sagen?“ Beth hängte sich bei ihm ein und drückte seinen Arm. „Wolltest du mich besuchen, oder möchtest du etwas kaufen?“

„Ich suche nach einem Geschenk für Helen. Sie hat nächste Woche Geburtstag, und ich habe gesehen, dass eine bekannte Autorin bei dir ihre Bücher signiert …“

Nick Jefferson warf einen Blick über den Tisch, auf dem sich Bücher stapelten. Er versank in haselnussbraunen Augen, die ihn ansahen, wie man einen ungezogenen Welpen ansieht: mit dem verzweifelten Versuch, streng zu wirken. Aber der Versuch war vergeblich. Jeder vernünftige Welpe hätte sich einfach auf den Rücken geworfen und sich den Bauch kraulen lassen. Nick war aber kein Welpe, und so ging er lediglich durch den Laden, um einmal näher hinzusehen.

Er war auf dem Weg ins Büro gewesen, als er das Plakat entdeckt hatte: Cassandra Cornwell, die berühmte Fernsehköchin, signiert ihr neues Buch heute zwischen elf und zwölf Uhr. Er hätte Beth anrufen und sie bitten können, ihm ein signiertes Exemplar zu reservieren. Doch dann war ihm eingefallen, dass es nicht höflich wäre, sie in diesem Trubel auch noch ans Telefon zu holen, wo doch sein Büro nur wenige Stockwerke über dem Laden lag. So war er selbst vorbeigekommen, und er war froh darüber.

Hätte er sich je über Cassandra Cornwell Gedanken gemacht, hätte er sich eine Matrone vorgestellt, mit roten Wangen, ergrautem Haar und ein wenig herrischem Verhalten. Doch weit gefehlt! Sie hatte eine helle, zarte Haut, dichte Brauen, Augen, die selbst gegen ihren Willen noch lachten, und dunkles, glänzendes Haar, das sich allen Versuchen widersetzte, es aus dem Gesicht zu verbannen.

Und sie hatte einen unwiderstehlichen Mund. Wie ihre Augen schien er ganz von selbst zu lächeln, und Nick verspürte den beunruhigenden Wunsch, ihn zu küssen. Er war sich sicher, dass ihr Mund schmecken würde wie die Erdbeeren, die er als Junge aus dem Garten seiner Mutter stibitzt hatte.

„… und du weißt, wie gern Helen kocht“, beendete er langsam seinen Satz.

„Ich weiß nicht, ob ich mich über ein Kochbuch zum Geburtstag freuen würde.“ Beth folgte ihm durch den Laden. „Aber ich habe keine Skrupel, einem Kunden sein Geld abzunehmen, vor allem nicht, wenn er so gut betucht ist wie du. Cassie, kennst du Nick Jefferson?“

Hinter seinem Rücken deutete sie nach oben. Sie wollte Cassie zu verstehen geben, dass er der Jefferson aus den Büros über ihnen war.

Cassie bemühte sich, ernst zu bleiben, als Beth ihre Pantomime fortsetzte. Beth zeigte auf ihren Ehering, schüttelte den Kopf und spielte eine melodramatische Sterbeszene vor, die Cassie so deutete, dass Jefferson einer jener Männer war, für den eine Frau ihr Leben geben würde.

Nick schien zu spüren, dass hinter seinem Rücken etwas vor sich ging. Er wollte sich gerade umdrehen, als Cassie die Hand ausstreckte und sagte: „Nein, wir sind uns noch nicht begegnet.“

„Warum eigentlich nicht?“, antwortete Nick und umfasste ihre Hand. Er tat es ganz zart. Seine langen, kühlen Finger reichten bis zu ihrem Handgelenk, und seine Fingerspitzen ruhten leicht auf ihrem Puls, der in geradezu lächerlicher Weise flatterte. „Wenn Sie in Melchester wohnen …“

Sie war erstaunt, wie unbefangen er mit ihr flirtete. „Melchester ist groß, Mr Jefferson.“

„Nick.“

„Nick, das ist Cassandra Cornwell, eine Frau, deren Torten Herzen brechen. Sie hat das Essen für meine Hochzeit vorbereitet, traf dort eine Fernsehredakteurin, die gerade mit meinem Bruder zusammen war, und der Rest ist Geschichte.“

Nick drehte sich zu Beth um. Die hatte ihre pantomimische Darstellung von Nick Jeffersons Junggesellenstatus beendet und lehnte an der Kasse. „Geschichte?“

„Fernsehgeschichte. Cassie hat die höchsten Einschaltquoten, die eine Kochsendung jemals im Fernsehen erreicht hat. Frauen sehen sich ihre Sendung an, um so kochen zu lernen wie ihre Mütter. Männer sehen sich die Sendung an, und ihnen läuft das Wasser im Munde zusammen.“ Beth sah Nick nachdenklich an. „Mag sein, dass ihre Karamellcreme die Männer anzieht, aber irgendwie glaube ich das nicht.“

„Ich auch nicht.“

„Seit Kurzem lebt sie wieder in Melchester.“

„Glückliches Melchester!“

Cassandra Cornwell lag um ungefähr fünfzehn Zentimeter unter Nicks Idealmaß, und genau wie Beth war sie eher vollschlank zu nennen. Dennoch, fand Nick, war sie genau die Frau, von der Männer nach einem harten Tag im Büro träumten: herzlich, liebevoll, freundlich. Eine Frau, die ihrem Mann den Nacken massierte und ihm einen Drink brachte, bevor sie ihm ein göttliches Essen servierte. Kurz: eine Frau, die ein Mann heiratete, um sie ganz für sich zu haben. Überhaupt nicht sein Typ. Mit Ausnahme dieser Lippen!

Cassie befürchtete, dass diesmal ihr das Wasser im Munde zusammenlief. Sie schluckte und lächelte höflich. „Hallo Nick.“

Das sollte sein Stichwort sein, ihre Hand loszulassen. Cassie wurde unruhig und blickte Hilfe suchend zu Beth. Aber ihre Freundin wurde von einem Kunden mit Beschlag belegt und verschwand im hinteren Teil des Ladens. Und Nick Jefferson war nicht gewillt, ihre Hand loszulassen. Hitze stieg Cassie in die Wangen.

Vielleicht streckte er deshalb die Hand aus und berührte ihren Mund sacht mit einer Fingerspitze. Cassie war zu verblüfft, zu erschüttert und auch zu hingerissen, um dieser unerwarteten, sanften Berührung auszuweichen. Und dann beugte Nick sich vor und küsste sie.

Es war einfach schockierend. Jedenfalls hätte sie eigentlich schockiert sein müssen. Er war ihr völlig fremd – nun ja, nicht völlig, sie waren einander ja schon vorgestellt worden –, und sie standen mitten in einer noblen Buchhandlung im Atrium eines superedlen Hochhauses. Sie hätte ihn daran hindern sollen, das wusste sie. Dummerweise war das aber kein Kuss, den eine Frau verhindern wollte. Niemals.

Nick hatte es auch nicht allzu eilig, zu einem Ende zu finden. Er ließ die Lippen über ihre gleiten, fragend, als suchte er nach etwas Seltenem und Kostbaren. Und als er den Kuss schließlich beendete, stieß Cassie einen kleinen, bedauernden Seufzer aus.

Im selben Moment stellte sie erschrocken fest, dass sie ihr Gesicht einladend emporgewandt und die Lippen leicht geöffnet hatte. Schnell schlug Cassie die Augen auf und sah, wie Nick Jefferson sie anschaute: mit den dunklen, wissenden Augen eines Mannes, der es gewohnt war, Frauen innerhalb von wenigen Augenblicken zu erobern.

„Ich hatte recht“, sagte er, noch ehe sie ihn fragen konnte, was er sich da eigentlich herausnahm. Er klang überrascht, was sie ein wenig verwirrte.

„Recht?“, begann Cassie. Dann merkte sie, dass sie noch immer zu ihm aufsah, als wollte sie ihn bitten, sie noch einmal zu küssen. Sie versuchte, sich zusammenzunehmen. „Recht womit?“, fragte sie und wollte ihm ihre Hand entziehen. Er ließ es nicht zu.

Einige Leute hörten auf, in den Büchern zu blättern. Sie drehten sich zu ihnen um und starrten sie an. So ließ Cassie ihre Hand in seiner, das war besser, als eine Rangelei zu provozieren. Zumindest redete sie sich das ein.

„Ich hatte recht damit, dass Ihr Mund nach Erdbeeren schmeckt.“

Erdbeeren! Cassie befürchtete, dass seine Berührung und die Intensität seines Blicks sie nun wirklich erröten ließen. Sie war wütend auf sich. Der Mann war ein unverbesserlicher Don Juan. Vielleicht konnte er nicht anders, aber das war noch lange kein Grund, ihn zu ermutigen.

„Tatsächlich?“ Cassies Stimme war deutlich kühler als sie selbst. Was auch immer es sein mochte, sagte sie sich entschieden, sie war zu alt um auf einen so plumpen Annäherungsversuch hereinzufallen. Jefferson tat das nur, um Beth zu beeindrucken. Nur, dass Beth nirgends zu sehen war. Egal. Er hatte sie ziemlich beeindruckt, und das ging nicht an.

„Erdbeeren?“, wiederholte sie gedankenverloren. „Was für eine Sorte?“

Wenn sie gehofft hatte, ihn damit in die Enge zu treiben, wurde sie enttäuscht. Seine Mundwinkel umspielte plötzlich ein breites, unendlich verführerisches Lächeln. „Die kleinen süßen, die auch innen leuchtend rot sind. Die, die einem dunkelroten Saft in den Mund spritzen, wenn man sie zwischen den Fingern zerdrückt.“

Das Bild war so sinnlich, so wirklich, dass Cassie sich schon wünschte, sie hätte nicht gefragt. Aber zumindest hatte er endlich ihre Hand freigegeben.

Die Atempause war jedoch nur von kurzer Dauer, denn er setzte sich auf die Kante des Tisches, an dem Cassie saß. Dann lehnte er sich hinüber, um eines ihrer neuen Kochbücher in die Hand zu nehmen.

Sie versuchte, sich gegen den warmen, männlichen Duft von frisch gewaschenem Leinen, Seife und einem Hauch teuren Rasierwassers zu wappnen. Nick Jefferson hingegen begann in dem Buch herumzublättern, als wäre nichts passiert. Sie war ernsthaft versucht, es ihm wegzunehmen und ihn damit zu schlagen, aber sie hielt sich zurück. Es war zweifellos das Schlaueste, seinem Beispiel zu folgen und zu tun, als wäre nichts gewesen.

Leichter gesagt als getan. Ihre Lippen bebten noch von seiner zarten Berührung, und Cassie fragte sich, wie es sein würde, wenn Nick Jefferson ihr Gesicht zwischen diesen langen, sensiblen Händen halten und sie richtig küssen würde. Dann fragte sie sich, ob sie durchzudrehen begann.

„Ich bin sicher, dass es Helen gefallen wird“, sagte er.

„Helen?“

„Meiner Schwester.“

„Oh ja, natürlich.“ Da war es wieder, dieses wissende Lächeln. Als hätte er gemerkt, dass die Erwähnung einer Frau ihr einen Stich gab. Was war dieser Mann arrogant! Und sie war einfach dumm!

„Nun, ich möchte Sie wirklich nicht davon abbringen, mein Buch zu kaufen, aber ich stimme Beth zu: Das ist nicht so ganz das Geschenk, das sich eine Frau zum Geburtstag wünscht.“

„Nun, dies ist was anderes. Helen kocht leidenschaftlich gern. Sie sammelt Kochbücher wie manch andere Frau Schmuck. Sie ist ein großer Fan von Ihnen, und deswegen bin ich hereingekommen, als ich das Plakat gesehen habe. Nun verstehe ich auch, warum.“

Cassie überhörte das Kompliment. Sie bezweifelte stark, dass er je von ihr gehört hatte. Und er gehörte sicherlich nicht zu den Männern, die ihre Zeit damit verschwendeten, mit ihrer Schwester übers Kochen zu diskutieren.

„Ich denke, ich würde mir meine Kochbücher lieber selbst kaufen und mir Schmuck zum Geburtstag schenken lassen.“

„Keine Angst, Cassandra, ich werde ihr noch eine schöne Überraschung dazu kaufen. So geizig bin ich nicht.“

Nein. Das hätte sie von ihm auch nie angenommen. Im Gegenteil, sie war davon überzeugt, dass Nick überwältigend großzügig war – bei den kleinen Kostbarkeiten, die man für Geld kaufen konnte. Aber irgendetwas in ihr warnte sie, dass er bei Bedeutendem, bei allem, was Gefühle anging, geizen würde.

„Möchten Sie, dass ich Helen eine Widmung hineinschreibe?“, fragte Cassie und streckte die Hand aus, um das Buch entgegenzunehmen. Aber Nick hatte es offensichtlich nicht eilig. Er drehte das Buch um, sodass sie sehen konnte, was er sich gerade angeschaut hatte. „Sussex-Pond-Pudding? Ist das Ihr Ernst?“

Cassie war nicht davon überzeugt, dass er sich wirklich für Rezepte interessierte. Bestimmt wollte er nur weiterflirten. Aber sie war wild entschlossen, sich nicht auf einen Flirt mit einem Mann einzulassen, der sich offensichtlich für unwiderstehlich hielt – der wahrscheinlich sogar unwiderstehlich war, wenn man nach einem bedeutungslosen Flirt Ausschau hielt. Aber das tat sie nicht. Trotzdem musste sie sich räuspern, bevor sie ihm antworten konnte.

„Haben Sie den nie probiert? Es ist ein traditioneller englischer Pudding“, erklärte sie, als würde sie vor 14-jährigen Schülern stehen. „Er hat natürlich Unmengen an Kalorien, schmeckt aber einfach köstlich. Vielleicht macht Ihre Schwester ihn mal für Sie.“

„Vielleicht.“ Nick blätterte weiter und schlug eine Seite am Ende des Buches auf. „Und wie steht’s mit Schaumspeisen, Fruchtpürees und Flammeris? Haben die auch Unmengen an Kalorien?“

Cassie zuckte die Schultern. „In jedem Fall Unmengen an Sahne.“

Er schlug das Buch zu. „Vielleicht sollten Sie eine Warnung auf den Umschlag drucken: Dieses Buch schadet Ihrer Gesundheit.“ Er lächelte, und um seinen Mund und in den Augenwinkeln bildeten sich kleine Lachfältchen.

„Es stehen auch viele gute Rezepte mit frischen Früchten darin. Im Übrigen: Ein wenig von dem, worauf man Lust hat, tut gut. Haben Sie das nie gehört?“

„Aber ja. Das ist eine Anschauung, die ich nur allzu gern teile. Aber nicht unbedingt im Hinblick aufs Essen. Wird nicht heutzutage überall kalorienarme, zuckerfreie Kost empfohlen?“

Cassie gab nicht allzu viel auf sein Lächeln. Dieser Mann war zweifelsohne attraktiv, aber er wusste es auch. Außerdem war sie keine große, gertenschlanke Blondine. Er benutzte sie wohl nur, um nicht aus der Übung zu kommen.

„Ehrlich gesagt: Ich kann darauf verzichten. Und außerdem sagt niemand, dass Sie diese Desserts jeden Tag essen sollen. Auch von guten Dingen kann man zu viel bekommen, vor allem von Flammeris.“

„Sind das auch solche Bomben?“, fragte Nick mit einem leicht provozierenden Unterton.

Beth hatte ihren Kunden bedient und kam gerade rechtzeitig zurück, um zu sehen, wie sich plötzlich rote Flecken auf Cassies Wangen ausbreiteten. „Wenn du schon Flammeris für Kalorienbomben hältst, mein Lieber, solltest du mal Cassies ‚Arme Ritter‘ probieren“, mischte sie sich eilig ein.

„Ja?“, fragte Nick und sah Cassie geradewegs in die Augen.

„Kauf dir das Buch, Nick. Es ist eine Investition, die sich lohnt. Eines Tages hast du keine Frau mehr, die du umwerben kannst, und dann musst du selber kochen lernen.“

„Ich habe niemals eine Frau umworben, weil sie gut kochen konnte, Beth.“ Er wandte den Blick nicht von Cassie. „In der Stadt gibt es genug gute Restaurants.“ Die hektische Röte auf Cassies Wangen war ihm nicht entgangen. Sie bestätigte ihm, dass er trotz ihres gleichgültigen Verhaltens auf Miss Cassandra Cornwell Eindruck gemacht hatte. Was für einen Eindruck, dessen war er sich nicht sicher. Und das war an sich schon so ungewöhnlich, dass es ihn interessierte. „Aber ich kaufe eines, wenn Cassie mir eine Widmung hineinschreibt.“

„Natürlich“, sagte Beth, plötzlich ganz geschäftlich. „Was soll sie schreiben?“

„Oh, das überlasse ich ihr. Ich bin sicher, ihr wird etwas Passendes einfallen.“ Er hielt ihr das Buch hin.

„Wie wäre es mit ‚Für Nick Jefferson, den perfektesten …‘?“

„Den perfektesten Koch der Stadt“, ergänzte Nick und schnitt damit Beth das Wort ab, bevor sie irgendetwas ungeheuerliches sagen konnte.

„Aber Sie können nicht kochen“, erinnerte Cassie ihn mit ausgesuchter Höflichkeit. Nick hatte den Eindruck, dass sie ihm am liebsten eines der Bücher an den Kopf geworfen hätte. Vielleicht sogar einen ganzen Stapel. Das hätte er nur zu gern gesehen.

„Lerne ich denn mit Ihrem Buch nicht, wie ich in wenigen Minuten Gerichte perfekt zubereite?“, fragte er provozierend. „Ist das nicht der Traum, den Sie verkaufen?“

„Im Gegenteil. Jeder kann heutzutage Tiefkühlkost aus dem Supermarkt aufwärmen.“ Sie legte ihre Hand auf den Bücherstapel neben ihr. „Ich schreibe über das altmodische Kochen mit Zeit und Liebe. Meine Leser kochen, weil es ihnen Spaß macht, Nick, und ich auch, nicht für die schnelle Befriedigung durch Fast Food.“

„Jetzt verstehe ich, warum Ihre Fernsehsendung so beliebt ist, Cassandra. Nostalgie ist gerade sehr modern.“

„Sehnen Sie sich nicht manchmal nach dem Geschmack von Milchreis, wie Ihre Mutter ihn gekocht hat? Mit Butter und Sultaninen?“

„Nein, ich mochte immer lieber frisch gepflückte Erdbeeren. Vor allem, wenn die Erdbeeren stibitzt waren …“

Er sprach nicht mehr über Puddings. „Auch das ist Nostalgie“, unterbrach ihn Cassie leicht verärgert. „Und was ist mit den Träumen, die Sie verkaufen?“ Sie deutete auf die Etagen über ihnen, das gläserne Hochhaus mit dem Hauptsitz von ‚Jefferson Sports‘, das in der Sommersonne glitzernd die Stadt überragte. „Kaufen Sie diesen neuen Tennisschläger oder jene teuren Golfschläger, und auch Sie können Weltmeister werden? Wo bleibt denn da die Realität?“

Beth hielt die Luft an, doch die beiden merkten es nicht.

„Nicht Weltmeister. Vereinsmeister vielleicht. Aber ‚Jefferson Sports‘ verkauft mehr als Träume. Wir verkaufen auch Campingausstattung, Angelruten, Wander- und Sportausrüstungen, alles in allem das genaue Gegengift zu dem übertriebenen Genuss, den Sie mit Ihrer Art zu kochen vertreten.“

„Brauchst du nicht ein Zelt, Cassie?“ Beth mischte sich schnell ein, bevor die Situation völlig außer Kontrolle geriet. „Wenn du ihn darum bittest, wird Nick dir sicherlich sein ganzes Angebot zeigen.“ Ein schalkhaftes Glitzern erschien in ihren Augen. „Man weiß ja nie, vielleicht bietet er dir sogar an, es für dich aufzuschlagen.“

„Gehen Sie zum Zelten?“, fragte Nick.

„Darauf kannst du wetten“, antwortete Beth an Cassies Stelle. „Sie geht zum Zelten, und zwar mit drei wundervollen jungen Männern.“

„Jungen“, murmelte Cassie. Sie wollte nicht zulassen, dass Beth mehr aus diesem dummen Flirt machte. „Und ich habe schon ein Zelt.“

„Drei Jungen?“ Nick sah auf ihre Hand. Sie trug keinen Ring. Das hieß natürlich nichts … „Ihre Jungen?“

„Meine Neffen. Sie möchten das Leben in der Wildnis kennenlernen, und weil meine Schwester und ihr Mann für eine Woche verreisen, habe ich angeboten, mit den Kindern wegzufahren.“

„Sie allein mit drei Jungen? Beth hat recht: Sie brauchen jemanden, der weiß, wie man ein Zelt aufschlägt.“

„Wirklich? Ist das so schwierig?“

„Ein Albtraum, wenn man nicht weiß, wie es geht.“

„Warnen Sie Ihre Kunden davor, wenn Sie eines Ihrer Traumzelte verkaufen?“

„Wir sagen Ihnen, dass sie es zu Hause im Garten ausprobieren sollen, bevor sie zum Trekking an den Amazonas fahren. Haben Sie es ausprobiert, Miss Cornwell?“

„Trekking am Amazonas?“

„Das Zelt im Garten aufzubauen.“

„Noch nicht.“

„Das sollten Sie aber. Das Wetter bleibt nicht ewig so schön. Es könnte in Strömen regnen oder ein Wind mit Windstärke zehn wehen, wenn Sie dort ankommen, wo Sie hinfahren möchten.“

„Soll das heißen, Sie möchten mir zeigen, wie es geht, Mr Jefferson?“ Sie glaubte es nicht. Cassie entschied, dass es wohl nur ein Reflex war und nichts Persönliches. Er war nicht im Mindesten an ihr interessiert, er konnte einfach nicht anders.

„Vielleicht. Warum besprechen wir das nicht beim Mittagessen?“

Mittagessen? Der Mann war einfach unmöglich! Dachte er wirklich, sie würde ihm vor Dankbarkeit in die Arme sinken?

„Sind Sie nicht zu sehr damit beschäftigt, langbeinigen Blondinen hinterherzujagen, um sich um mich und drei kleine Jungen zu kümmern?“ Mit Mühe verkniff sich Cassie den spitzen Unterton. Sie war entschlossen, diesem unsinnigen Gespräch ein Ende zu bereiten, und wandte sich dem Buch zu.

„Wer sagt, dass ich jemandem hinterherjage?“

Er dachte also, dass die Frauen ihm hinterherjagten? Grundgütiger! „Sie sagten, Ihre Schwester heißt Helen?“ Für Cassie war das Gespräch beendet.

„Richtig.“

Cassie signierte das Buch und gab es Beth zum Verpacken. Sie wartete darauf, dass Nick ging, aber er tat es nicht. „Vergessen Sie das Buch für mich nicht, Cassandra.“

Sie war davon ausgegangen, dass das Interesse an einem Buch nur Teil seines Spielchens war. Sie war sich dessen sogar sicher gewesen. Aber wenn er mehr Geld als Verstand besaß, wollte sie darüber nicht diskutieren. Sie nahm ein zweites Buch vom Stapel, schlug es auf und betrachtete einen Moment lang die leere erste Seite. Schließlich schrieb sie. Für Nick Jefferson, der nur mit einer Prise Vorsicht zu genießen ist. Dann gab sie es ihm.

2. KAPITEL

Nick sah die Widmung einen Moment lang an, bevor er Beth das Buch und seine Kreditkarte gab. Er war sich nicht ganz sicher, ob ein Flirt mit Cassie Cornwell das reine Vergnügen war. Bis auf diesen Kuss. Er hatte nicht gescherzt, als er ihn mit Erdbeeren verglich.

„Nun, wohin gehen wir zum Essen?“, fragte er Cassie. „Ich bin sicher, dass Sie alle guten Lokale kennen.“

„Es tut mir leid, Nick, aber ich bin schon verabredet.“ Sie streckte ihm die Hand hin, ohne nachzudenken – sie hoffte wenigstens, dass sie nicht nachgedacht hatte. „Ich hoffe, dass das Buch Ihrer Schwester gefällt.“

„Und was ist mit mir?“ Wieder hielt Nick ihre Hand fest, und sein Daumen lag sanft auf ihrem Handrücken. Es war wie ein Streicheln. Cassie entzog ihm schnell die Hand. Sie war siebenundzwanzig Jahre alt und damit deutlich über das Alter hinaus, in dem es einem nichts ausmachte, nur ein weiterer Eintrag im Notizbuch eines Mannes zu sein.

„Sie werden Ihr Buch bestimmt nie mehr aufschlagen“, sagte Cassie brüsk. „Sie werden es irgendwo ins Regal stellen, oder vielleicht kommt es nicht einmal so weit. Vielleicht schenken Sie es auch Ihrer Sekretärin.“

„Mit dieser Widmung? Nein, das tue ich nicht.“

„Finden Sie sie nicht angemessen? Das tut mir leid, Nick. Möchten Sie Ihr Geld zurück?“ Cassie öffnete ihr Portemonnaie.

Nick legte die Hand auf ihre. „Stecken Sie Ihr Geld weg. Ich verspreche Ihnen, dass ich Ihr Buch heute Abend mit nach Hause nehme und es sorgfältig lese. Wer weiß, vielleicht bekehren Sie mich ja noch, und ich komme in Versuchung, mich an den Herd zu stellen.“

„Mach dich doch nicht lächerlich, Nick“, sagte Beth und gab ihm die Tüte mit dem Buch und seine Kreditkarte zurück. „Grüß deine Mutter von mir. Und warte nicht bis zu Helens nächstem Geburtstag, um wieder vorbeizukommen.“

„Bestimmt nicht“, versprach Nick, und sein Blick verweilte noch einen Moment bei Cassie. Dann ging er hinaus in das riesige, lichtdurchflutete Atrium, das sich im Zentrum des Gebäudes befand.

„Oh Mann“, sagte Cassie, sobald die Tür sich hinter Nick schloss, und ließ sich auf Ihren Stuhl sinken.

Beth lachte. „Du bist ja ganz schön cool, Cassie. Ich nehme an, es war eine völlig neue Erfahrung für Nick, einen Korb zu bekommen, vor allem, wenn’s um ein Mittagessen in einem edlen Restaurant geht.“

„Dann tröstet es mich ja, dass er sich an diese Erfahrung erinnern wird.“ Cassie lächelte leise.

„Und mit wem bist du nun verabredet?“

„Mit dir. Ich lade dich ein.“

„Du hast Nick Jefferson einen Korb gegeben, um mit mir essen zu gehen? Meine Liebe, du solltest die Prioritäten richtig setzen.“

„Beth, nur weil es zwischen ihm und mir knistert, muss ich mich doch nicht auf dem Silbertablett anbieten, oder?“

„Dann knistert es also?“

„So wie im Kino.“

„Wie?“

„Du weißt schon. Du gehst ins Kino, und solange das Licht aus ist, gehört der Held dir ganz allein. So bist du dir seiner am sichersten.“

„Findest du Sicherheit nicht ein wenig langweilig?“

„Ganz und gar nicht. Außerdem hast du es ja gehört: Er hat eine unheilbare Schwäche für Blondinen.“

„Ich weiß. Große Blondinen. Dieser kühle Grace-Kelly-Typ. Eine davon ist seit Kurzem in der Marketingabteilung von Jefferson Sports, und ich habe gehört, dass die Leute schon Wetten abschließen, wie lange es dauert, bis sie dem Jefferson-Charme erliegt. Nick hat in den letzten Jahren zweifellos viele Blondinen gejagt – und auch bekommen. Aber er wollte nie auch nur eine von ihnen heiraten. Was will uns das sagen?“

„Dass die Blondinen schlau sind?“

„So zynisch bist du doch sonst nicht, Cassie.“

„Oh doch.“ Wer am Rande steht, sieht immer am meisten vom Spiel, und Cassie hatte lange genug am Rand gestanden, um zu wissen, dass sie sich richtig entschieden hatte. Aber ein wenig Tratsch war nur menschlich. „Und er war nicht einmal versucht, eine zu heiraten?“

Beth zuckte die Schultern. „Vor ein paar Jahren hat er sich ein entzückendes Cottage vor der Stadt gekauft, und alle dachten, jetzt würde er den Sprung wagen.“

„Und?“

„Es stellte sich heraus, dass er mit einer Innenarchitektin zusammen war. Ich vermute, sie wollte ein wenig üben, und er gab nach. Als sie das Haus eingerichtet hatte, zog sie weiter.“ Beth grinste. „Oder er schickte sie weiter.“

„Das klingt wahrscheinlicher. Warum sollte er auch heiraten, wenn er auch so seinen Spaß hat?“

Beth runzelte die Stirn. „So einer ist Nick nicht.“

„Nein? Er ist ein gut aussehender Mann, Beth, und vielleicht ist er so nett, wie du sagst. Aber ich mag es, wenn ein Mann etwas mehr Tiefgang hat. Nick Jefferson ist ein Schmetterling. Ein charmanter, sehr verführerischer Schmetterling, und ich merke schon, woran du denkst. Aber ich bin ein Schwan. Also vergiss es.“

Beth’ Gesicht war ein einziges Fragezeichen. „Ein Schwan?“

„Schwäne bleiben ein Leben lang zusammen.“

Beth sah Cassie mit einer Mischung aus Sympathie und Verzweiflung an, und ihr Gesichtsausdruck besagte, dass fünf Jahre Trauer um einen Mann doch wohl genug seien.

„Ich weiß schon, ich werde meine Tage in Gesprächen mit meiner Katze beschließen“, sagte Cassie schnell, bevor Beth es äußern konnte.

„Mag sein, aber das ist doch kein Grund, sich nicht mit den Schmetterlingen dieser Welt und vielleicht auch mit den Enten zu vergnügen, bevor dir ein zweiter Schwan begegnet. Ich vermute, Schwäne halten nach einem zweiten Partner Ausschau, wenn der erste … Es ist noch nicht zu spät, du kannst Nick noch anrufen und sagen, dass du deine Meinung geändert hast.“ Beth war schon auf dem Weg zur Tür.

„Bleib, wo du bist, Beth Winslet. Nick Jefferson ist nicht mein Typ.“

„Er ist der Typ jeder Frau.“

„Genau. Und er wird sich nicht mit einer einzigen begnügen, wenn er eine ganze Sammlung haben kann, oder? Wohin soll ich dich also zum Essen einladen?“

Beth sah sie noch eine Weile an, dann hob sie die Hände: Sie gab auf. „Eigentlich müsste ich dich einladen. Ich kann kaum glauben, wie viele Leute heute Morgen deinetwegen in den Laden gekommen sind.“

„Und ein paar haben sogar ein Buch gekauft“, sagte Cassie mit einem Lächeln.

„Ich weiß, du hasst diese Signierstunden. Es war nett von dir, dass du es trotzdem gemacht hast.“

„Das war doch selbstverständlich. Schließlich hat deine Hochzeit mein Leben verändert.“

„Ein Mittagessen mit Nick Jefferson hätte das vielleicht auch getan. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass ich deine gute Fee sein könnte?“

„Du willst damit doch wohl nicht sagen, dass Nick Jefferson mein Märchenprinz ist? Dann rate ich dir, deinen Zauberstab an den Nagel zu hängen. Ich habe übrigens ein wunderbares kleines Restaurant unten am Fluss entdeckt. Was hältst du davon?“

Zwanzig Etagen über ihnen sah Nick Jefferson seinem Problem entgegen. Groß, schlank, mit platinblondem Haar, eine kühle Schönheit. Veronica Grant war der Inbegriff der Weiblichkeit. Seit sie als Beraterin in der Marketingabteilung arbeitete, lief allen Männern in der Zentrale von Jefferson Sports bei jedem Wort von ihr das Wasser im Mund zusammen, auch denen, die schon alt und lange genug verheiratet waren, um es besser zu wissen. Dabei ermutigte sie die Männer nicht einmal. Sie war professionell bis in die Fingerspitzen und beschränkte die Gespräche streng auf die Arbeit. Sie schien gar nicht zu merken, welche Hormonschübe sie verursachte.

Sie schien es nicht zu merken. Nick Jefferson war davon nicht ganz überzeugt. Die Frau, die überhaupt nicht wahrnahm, dass sie Aufsehen erregte, musste erst noch geboren werden. Veronica Grant tat sicherlich nur so.

Die Versuchung, das herauszufinden, war verlockend. Schließlich stand sein Name auf Platz eins der Wettliste, die irgendein Spaßvogel auf der Herrentoilette angebracht hatte. Das war nicht überraschend, denn seiner Familie gehörte das Unternehmen, und er war trotz seiner dreiunddreißig Jahre einer der ganz wenigen Männer auf der Liste, die nicht wenigstens eine gescheiterte Ehe hinter sich hatten. Diese Situation wollte er auch so schnell nicht ändern. Er hatte zu viele Paare Schiffbruch erleiden sehen, als dass es ihn gedrängt hätte, in den heiligen Stand der Ehe zu treten.

Sein Name schien Veronica Grant aber nicht zu beeindrucken. Sie behandelte ihn mit derselben distanzierten Höflichkeit wie alle anderen. Nick fragte sich, ob sie von der Liste wusste. Er hatte angeordnet, sie zu entfernen, sobald er sie gesehen hatte. Aber die Dinge machten auch so schnell die Runde. Und das bedeutete, dass er sie nicht so einfach zum Essen einladen konnte, wie er das mit jeder anderen neuen Kollegin gemacht hätte. Es hätte vielleicht ihr Misstrauen geweckt. Er wusste, dass mehr als einer seiner Kollegen zu eifrig gewesen war. Ihre Antwort war ein höfliches, aber entschiedenes „Nein danke“. Keine Entschuldigung. Nichts, was einen das Gesicht wahren ließ, keine Andeutung, dass sie zu viel zu tun hätte oder mit jemandem zusammen wäre. Nur ein direktes, unverblümtes „Nein“.

Lag es nur daran, dass sie Geschäft und Vergnügen strikt trennen wollte? Oder wartete sie einfach auf jemand Besseren? Zum Beispiel auf den Erben von „Jefferson Sports“?

Veronica nickt ihm zu, als sie vor den Aufzügen neben ihn trat. „Hallo, Nick.“

„Veronica“, antwortete Nick zerstreut und betrat noch vor ihr den Lift. Jede Höflichkeit gegenüber dem schwachen Geschlecht hätte Veronica als Beleidigung verstanden. Anscheinend gab es in ihren Augen kein schwächeres Geschlecht.

„Was ist los, Nick? Sie sehen aus, als ob Sie über einen plötzlichen Rückgang unserer Absatzzahlen berichten müssten.“

„Tatsächlich? Es ist nur – meine Schwester hat nächste Woche Geburtstag, und ich habe gerade ein Kochbuch für sie gekauft …“

„Ich habe gesehen, dass Cassandra Cornwell Bücher signiert hat.“

„Genau. Dass sie dieses Kochbuch bekommt, kann Helen sich denken. Nun muss ich mir noch eine Überraschung ausdenken.“

„Schicken Sie ihr einen Scheck.“

„Einen Scheck?“ Das wäre tatsächlich mal etwas ganz anderes. Nick war total überrascht. „Ist das nicht ein wenig … unpersönlich?“

„Aber unkompliziert. Es spart Zeit, Portokosten und Schuhsohlen. Glauben Sie mir, es ist wesentlich erfreulicher, einen unpersönlichen Scheck zu bekommen als etwas, das Sie verschämt in den Abfall werfen.“

Ihre Offenheit war erfrischend, auch wenn ihre Einschätzung seines Geschmacks nicht gerade schmeichelhaft war. Aber dies war das längste Gespräch über irgendein anderes Thema als Marketing, seit Veronica vor drei Wochen das Büro bezogen hatte, das seinem gegenüberlag. Vielleicht konnte er es noch ein wenig ausdehnen und ein wenig mehr über ihre Vorlieben erfahren?

„Das ist eine verführerische Idee, aber ich glaube, das käme bei Helen nicht so gut an. Kleine Schwestern lassen sich gern ein wenig verwöhnen.“

„Wirklich?“ Sie sah ihn mit ihren eisblauen Augen abschätzend an. „So klein kann sie eigentlich nicht mehr sein.“

Er zuckte die Schultern. Da stand er nun, ein liebevoller, aufmerksamer Bruder, der sich über ein Geschenk für seine Schwester Gedanken machte, und diese Frau war nicht einmal beeindruckt. Würde überhaupt irgendetwas sie beeindrucken? Er betrachtete ihre scheinbar endlos langen, makellosen Beine, die schlanke Figur, die in teures eisblaues Leinen gekleidet war, das so genau zu ihrem Wesen passte, die weichen Wellen ihres platinblonden Haars. Der Kontrast zu der warmherzigen Cassie Cornwell hätte nicht deutlicher sein können.

„Ist sie auch nicht. Helen hat schon vier Kinder.“

„Vier? Vier Kinder?“

Wenn er Sex im Lift vorgeschlagen hätte, hätte Veronica nicht schockierter sein können. „Sie hat früh angefangen, und beim letzten Mal waren es Zwillinge.“

„Dann vergessen Sie den Scheck, nehmen Sie ihr die Kinder für ein Wochenende ab, und gönnen Sie der armen Frau eine kleine Pause.“

Nick lachte laut. „Vier Mädchen? Sie machen Witze.“

„Ich dachte, vier Mädchen wären genau Ihr Fall?“ Veronica behielt ihren neutralen Tonfall bei.

Nick wollte protestieren, aber dann besann er sich: Das wäre nicht klug. Die Buschtrommeln hatten offenbar funktioniert, und Veronica hatte einiges über sein Junggesellenleben erfahren. So lächelte er nur. „Nicht vier Mädchen zwischen fünf und acht, Veronica.“ Und wieder wanderten seine Gedanken zu Cassandra Cornwell. Sie fuhr mit ihren Neffen zum Zelten. Ihn überkam plötzlich die Vorstellung, wie sie morgens aufwachte, sich streckte und sich dann noch einmal in ihrem warmen Schlafsack zusammenrollte …

„Nun, ich glaube, einem Mann mit Ihrer Erfahrung wird schon etwas einfallen, um die arme Frau für fünf Minuten von den Rotznasen abzulenken, Nick.“ Veronica riss ihn aus seinen Gedanken.

Nick verdrängte die verlockende Vorstellung, mit Cassie im Schlafsack zu kuscheln, und wandte seine Aufmerksamkeit Veronica zu. „Sicher haben Sie recht, Veronica“, sagte er, als die Lifttür sich öffnete. „Ich werde darüber nachdenken. Jede Frau hat einen schwachen Punkt.“

Und er würde ihren finden, versprach er sich, früher oder später. Nick war nicht ganz von ihrem Versuch überzeugt, sich alle vom Leibe zu halten. Veronica war sicher eine kluge Frau, aber auch er war nicht ganz dumm. Er war die Nummer zwei bei Jefferson Sports, und wenn sein Onkel sich in ein oder zwei Jahren zurückzog, würde er die Nummer eins sein. Der Name Jefferson und das Geld, das damit einherging, waren ein Riesengewinn, und er wusste genau, dass er die beste Partie für jede Mutter in Melchester war, die eine Tochter unter die Haube bringen wollte.

Wenn Veronica ein solches Spiel spielte, war die Enttäuschung vorprogrammiert. Die Jagd war eine Sache – aber er hatte nicht vor, sich ernsthaft auf etwas einzulassen. Er wollte gewinnen, nicht sein Leben verändern. Er mochte sein Leben so, wie es war.

Aber er hasste es, einer Herausforderung aus dem Weg zu gehen. Das lag ihm im Blut. Sein Großvater war ein berühmter Leichtathlet, sein Vater hatte für sein Land Rugby gespielt, und sein Onkel war drauf und dran gewesen, es ihm gleichzutun, als eine Verletzung ihn aus dem Spiel zog. Diese drei hatten Jefferson Sports bekannt gemacht und erwarteten, dass ihr Nachwuchs in ihre Fußstapfen trat. Während seine Cousins Profisportler wurden und dem Familiennamen Ehre machten, hatte Nick sich dafür entschieden, seine Muskeln im Geschäftsleben spielen zu lassen. Schließlich musste sich irgendjemand um den Laden kümmern.

Er lächelte, als er die Tüte aus der Buchhandlung auf seinen Schreibtisch legte und zum Telefon griff, um seinen Schwager anzurufen. Aber während er darauf wartete, dass jemand abnahm, fiel sein Blick wieder auf die Tüte, und er runzelte die Stirn.

Cassandra Cornwell war nicht sein Typ. Klein, üppig und mit dunklen Haaren, die nicht zu bändigen waren, kurz: das genaue Gegenteil einer Frau, mit der er sich gern sehen ließ. Er wusste nicht mehr, warum er sie zum Mittagessen eingeladen hatte. Oder warum er so enttäuscht gewesen war, als sie ihn abgewiesen hatte. Aber sie erinnerte ihn an den kleinen braunen Teddy, den er als Kind gehabt hatte. Weich, warm und knuddelig. Plötzlich hörte er eine Stimme an seinem Ohr.

„Oh, hallo Graham, hier ist Nick. Ich habe gerade eine glänzende Idee für Helens Geburtstag. Möchtet ihr ihn nicht in Paris verbringen? Auf meine Kosten?“

„Erzähl mir von deinen Neffen, Cassie“, forderte Beth sie auf, als sie sich in dem kleinen, eleganten Restaurant am Ufer des Flusses niederließen. „Warum denkst du, dass du sie in die Wildnis mitnehmen und ihnen die unberührte Natur nahe bringen musst? Ist das nicht eher die Aufgabe ihres Vaters?“

„Ihr Vater hat Wichtigeres im Kopf. Und mir macht es nichts aus.“

„Du bist ganz schön mutig!“

„Nein, das wird bestimmt lustig. Die drei sind klasse. Vor einigen Wochen habe ich mit ihnen eine Eisfabrik besichtigt, und wir haben uns prima amüsiert. Ich mache mir mehr Gedanken um die Eltern als um die Söhne. Ich bin ziemlich sicher, dass meine Schwester Eheprobleme hat. Lauren ist es leid, die ganze Zeit mit den Jungen allein zu sein, während Matt Tag und Nacht arbeitet.“

„Wir müssen alle Opfer bringen, Cassie. Das Leben ist hart.“

„Ich weiß, und Lauren ist das auch klar, aber du weißt ja selbst, wie das geht. Wegen irgendeines dummen Vorfalls ist die Stimmung angespannt, und noch ehe du es merkst, bist du wegen jeder Kleinigkeit sauer. Vor einigen Wochen war ich mit ihnen zum Mittagessen, die Stimmung war geladen. Und als Lauren dann herausfand, dass Matt den Jungen versprochen hatte, mit ihnen zum Zelten zu fahren, statt die wenigen Urlaubstage mit ihr und der Familie zusammen zu verbringen … Nun, ich musste einfach etwas tun.“

„Und daraufhin hast du angeboten, den Zelturlaub zu übernehmen? Auf eigene Faust? Hätte es denn nicht ein Trip nach Eurodisney getan?“

„Da waren sie in den Osterferien mit Matts Mutter.“

„Und?“

„Na ja, es wäre ein wenig auffällig gewesen.“

„Und jetzt ist es das nicht?“

„Ich habe ihnen erzählt, dass ich eine Serie zum Thema „Campen und Kochen“ plane und habe sie praktisch gebeten, die Jungen mitnehmen zu dürfen. Du denkst, ich bin verrückt, oder?“

„Ich denke, du bist klasse. Verrückt, aber große klasse. Aber ist es wirklich so klug, ganz allein zu fahren?“

„Meinst du ohne einen Mann, der auf mich aufpasst?“, erkundigte sich Cassie mit einem gefährlichen Unterton.

„Na ja, es ist doch ganz nett, einen zur Hand zu haben. Und wenn es nur zum Zeltaufbauen und Wasserholen ist …“, Beth’ Augen funkelten übermütig, „… und für all die anderen kleinen Dinge …“

„Vielleicht hätte ich Nicks Einladung zum Mittagessen annehmen sollen. Wer weiß, wohin das geführt hätte?“

Beth hielt im Studium der Speisekarte inne und lachte laut. „Ich bin sicher, du weißt, wohin das geführt hätte. Nur weil du ein Leben in Enthaltsamkeit gewählt hast, hast du ja dein Gedächtnis nicht verloren. Oder doch?“

„Schlägst du etwa einen Doppelschlafsack vor, Beth?“ Cassie heuchelte Entsetzen.

„Allerdings. Aber nicht irgendeinen Doppelschlafsack, verstehst du. Ich schlage einen erstklassigen Jefferson-Sports-Doppelschlafsack mit feinsten Entendaunen vor.“

„Trink noch ein Glas, und dann sag das noch einmal.“ Mehrere Geschäftsleute drehten sich um, als Cassie lachte. Und sie hatten es gar nicht eilig, wieder wegzusehen.

„Denk doch nur, Cassie, wie romantisch: zusammen in einem Schlafsack unter dem Sternenzelt …“

Cassie versuchte, nicht daran zu denken. Sie verstand nicht, warum das so mühsam war. „Mit drei kleinen Jungen, die den Anstandswauwau spielen? Ich glaube, ich fahre lieber allein. Es sei denn, du möchtest eine Woche Outdoor-Urlaub in der Wildnis von Wales verbringen. Du bist herzlich willkommen.“

„Ich? Ich habe einen Laden, der laufen muss. Diese Kochbücher und Videos verkaufen sich nicht von selbst. Obwohl – in deinem Fall schon. Aber irgendjemand muss das Geld kassieren.“ Beth kehrte zur Speisekarte zurück, um zu unterstreichen, dass Cassie sie nicht überreden konnte. „Ich nehme die Lammkoteletts mit Senf-Kräuter-Kruste, neuen Kartoffeln und Erbsen.“

„Und ich kann dich nicht dazu überreden, vorher noch ein paar Muscheln mit mir zu essen?“

„Nicht zum Mittagessen. Wenn ich zu viel esse, schlafe ich über den Rechnungen ein.“

„Ganz sicher? Ich habe gehört, dass die Muscheln sehr gut sein sollen, und ich würde sie gern probieren. Wenn es dir nichts ausmacht, mit dem Hauptgericht auf mich zu warten …“

„Ich soll dir beim Essen zusehen? Das ist ungefähr so, als wenn du ein Kaninchen ins Salatbeet setzt.“

„Iss den Salat zum Abendessen, und komm morgen mit zur Gymnastik, dann kannst du die Kalorien wieder abturnen.“

Beth strahlte. „Oh gern, wann denn?“

„Halb sieben.“

„Halb sieben? Vergiss es. Nach einem Tag in der Buchhandlung denke ich nur noch daran, die Füße hochzulegen.“

Cassie grinste. „Ich meinte halb sieben morgens.“

Beth blieb der Mund offen, dann riss sie sich mit einem leichten Schaudern zusammen. „Nein danke. Ich lerne gerade, meine Kurven zu mögen. Und, entschuldige, wenn ich das einfach so sage, du brauchst einen Mann, der dich morgens im Bett hält.“ Noch während sie es aussprach, wollte Beth ihre Worte am liebsten wieder zurücknehmen. „Ich sag’s ja: die Zurückhaltung eines Kaninchens und einen Mund wie ein D-Zug.“

3. KAPITEL

Cassie hatte Mitleid mit ihrer Freundin. „Mach dir nichts draus, Beth. Du sprichst nur aus, was alle anderen denken. Matt und Lauren haben jahrelang versucht, mich mit ihren wenigen alleinstehenden Freunden zusammenzubringen.“

„Nachdem heute nun offensichtlich der Tag ist, an dem ich ständig etwas Falsches sage – kann ich es trotzdem noch mal tun?“

„Kann dich irgendetwas daran hindern?“

„Es ist nur … Hast du je daran gedacht, dass Jonathan vielleicht auch kein Schwan war? Ihr wart gerade ein paar Wochen verheiratet, als er starb, und das war nicht lange genug, um seine Fehler kennenzulernen. Und alle Männer haben ihre Fehler, weißt du, auch die besten.“

„Ich weiß, Beth.“

„Es ist nicht fair, jeden Mann, den du triffst, an Jonathan zu messen.“

„Ich weiß.“

„Und, macht das einen Unterschied?“

„Beth, du verstehst nicht …“ Die Kellnerin kam, um ihre Bestellung aufzunehmen, und als sie gegangen war, war Cassies Bedürfnis, jemandem die Wahrheit über Jonathan zu erzählen, verschwunden. Das war ihr Geheimnis.

„Kommen Sie, Nick? Die Besprechung fängt an.“

Veronica stand im Türrahmen. Ihre schlanke Gestalt kam durch das zarte Grau und Weiß ihrer Kleidung besonders zur Geltung. Draußen war es feuchtwarm, aber diese Frau sah aus, als ob sie über eine eigene Klimaanlage verfügte.

„Ich komme sofort“, murmelte er und wünschte, sie würde gehen. Stattdessen beobachtete sie, wie er die Unterlagen auf seinem Schreibtisch durchwühlte, auf der Suche nach einer Seite mit Zahlen, die spurlos verschwunden war.

„Haben Sie etwas verloren?“, fragte sie in einem Ton, aus dem man ziemlich viel heraushören konnte. Vor allen Dingen aber, dass sie noch nie in ihrem Leben etwas verloren hatte.

„Eines der Kinder meiner Sekretärin ist krank“, murmelte er. „Aber ich weiß genau, dass sie diese Zahlen zusammengestellt hat, bevor sie gestern Abend heimgegangen ist.“

Veronica schwebte durch den Raum, ging in die Knie und hob ein Blatt Papier auf, das neben seinen Schreibtisch gefallen war. „Suchen Sie das hier?“

„Ja. Vielen Dank, Veronica.“ Er lächelte etwas verzerrt und fuhr sich durchs Haar. „Heute ist nicht mein Tag“, sagte er mit einem kleinen, hilflosen Zucken der Schultern. Der hilflose kleine Junge wirkte bei einigen Frauen. Vielleicht auch bei Veronica Grant?

„Die Hitze macht einigen Leuten zu schaffen.“ Ihr Ton legte nahe, dass es sich dabei um die schwachen Leute handelte.

Nick ordnete seine Papiere und nahm die Mappe mit den Unterlagen zu dem neuen Projekt, an dem er arbeitete. Darunter lag Cassie Cornwells Buch, das er trotz seines Versprechens noch nicht wieder geöffnet hatte. Aber zumindest hatte er es nicht in der untersten Schreibtischschublade versteckt, wie Cassie es vorhergesagt hatte. Veronica nahm es in die Hand und drehte es um, um das Foto auf der Rückseite anzusehen.

„Ist dies das Buch für Ihre Schwester?“

„Ja … und nein. Ich habe mehrere Exemplare gekauft.“

Veronica zog fragend die Augenbrauen hoch. „Erzählen Sie mir nicht, dass Sie es für alle ihre Verwandten gekauft haben?“

„Um Zeit, Mühe und Schuhsohlen zu sparen? Das haben Sie mir doch geraten.“

„Nicht wirklich.“

Er hatte gewusst, dass er wenig Punkte verbuchen konnte, wenn er eine solche Einfallslosigkeit zugeben würde. Die Wahrheit hatte immerhin den Vorteil, überraschend zu sein. „Nein, eigentlich habe ich dies Exemplar für mich selbst gekauft.“

„Oh, ja, Sie sind durch und durch ein moderner Mann.“

Der skeptische Tonfall begann Nick zu irritieren. „Finden Sie die Vorstellung komisch?“

„Sie erwarten doch nicht, dass ich glaube, dass Sie für sich selbst kochen?“

„Auch Männer müssen essen.“

„Soweit ich weiß, richten sie es gewöhnlich so ein, dass irgendeine arme Frau für sie kocht.“

„Tatsächlich? Vielleicht sollten Sie einfach andere, bessere Männer kennenlernen“, riet er ihr.

„Ist das eine Einladung?“

„Eine Einladung?“

„Eine Einladung zum Abendessen, Nick. Ich habe noch nie einen Mann kennengelernt, der kochen kann. Um ganz ehrlich zu sein, ich glaube immer noch nicht richtig, dass Sie es können. Aber Sie können mich gern davon überzeugen. Donnerstagabend habe ich Zeit. Passt es Ihnen?“

Nick ließ sich seine Überraschung nicht anmerken. War etwa nur das nötig, um den Eisberg zum Schmelzen zu bringen? Ein wenig kochen? Oder konnte sie sich nur die Gelegenheit nicht entgehen lassen, ihn bei einer Lüge zu ertappen? Dachte sie, er würde sich winden wie ein Aal, um aus der Situation herauszukommen?

„Nun, abends ist im Crystal Palace ein Meeting, an dem ich teilnehmen sollte. Wir sind Sponsor von einer der Veranstaltungen.“ Er wartete, während sich auf ihrem Gesicht schon dieses Lächeln abzeichnete, was bedeutete, dass sie mit einer so schwachen Ausrede gerechnet hatte. Dann zuckte er die Schultern und lächelte jungenhaft. „Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass auch jemand anders an meiner Stelle hingehen kann. Soll ich Sie um acht Uhr abholen?“

Nun war es an ihr, überrascht zu sein. Aber sie ließ sich nichts anmerken. „Sind Sie um die Zeit nicht mit den Soßen beschäftigt?“

Ehrlich gesagt, hatte Nick keine Idee. Er hatte keine Ahnung, was nötig war, um eine Soße zu machen, aber so schwierig konnte es doch nicht sein – schließlich konnte seine Mutter es ja auch!

„Das kann ich Ihnen erst sagen, wenn ich mich entschieden habe, was es gibt. Vielleicht schicke ich Ihnen lieber einen Wagen.“

Sie sah ihn ungläubig an, bevor sie sich umdrehte und zu der Sitzung ging, wieder ganz hundertprozentige Geschäftsfrau, voll konzentriert auf die neue Linie von Golfausrüstungen für Damen.

Als Nick zwischendurch einmal von den Verkaufszahlen aufsah, die er dem Team vortrug, bemerkte er, dass Veronica ihn mit gerunzelter Stirn anblickte. Er musste lächeln. Jede Frau hatte einen Schwachpunkt, selbst wenn es nur das Verlangen war, zu sehen, wie ein Mann sich zum Narren machte. Er fragte sich, was wohl Cassie Cornwells Schwachpunkt war. Nicht so etwas Zynisches, darauf konnte er wetten. Sie hatte Augen, die bei einem Wurf junger Hunde bestimmt einen weichen Ausdruck bekamen. Oder beim Anblick von frisch gefallenem Schnee am Weihnachtsmorgen. Oder wenn ein Baby nach ihrem Finger griff …

„Nick?“

Er sah auf und entdeckte, dass sechs Augenpaare ihn erwartungsvoll ansahen. Er brauchte einen Moment, um das reizvolle Bild von Cassie Cornwell, Welpen, Weihnachten und einem Feuer im offenen Kamin zu vertreiben. Veronica schaute ihn mit einem Raubtierblick an. Nur ganz kurz, dann war ihr Blick – wie üblich – wieder kühl und distanziert. Vielleicht war es Einbildung gewesen. Aber es vermittelte ihm das Gefühl, dass sie sich von dem Bild des „modernen Mannes“ nicht einfangen ließ. Und dass er es nie vergessen würde, wenn sie ihn bei einer Lüge ertappte.

Cassie hatte gekocht, seit sie alt genug war, um auf einem Stuhl zu stehen und neben ihrer Mutter ein Stück Teig zu kneten. Und sie hatte immer gefunden, dass Schlagen und Kneten, das sorgsame Zusammenstellen von Zutaten, wenn sie eines ihrer Lieblingsrezepte zubereitete, therapeutische Wirkung hatte.

Aber seit sie Nick Jeffersons Einladung zum Mittagessen abgelehnt hatte, hatte nicht einmal die Erfindung eines neuen Nudelgerichtes sie von der Überzeugung abbringen können, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Und das machte sie wütend. Sie schlug den Teig auf die Arbeitsfläche. Nick Jefferson war nicht ihr Typ, und er würde es auch nie werden. Nicht in hundert Jahren. Und sie war sicher ebenfalls nicht sein Typ.

Seine Traumfrau war hochgewachsen wie ein Baum, hatte eingefallene Wangen, hervorstehende Wangenknochen und lebte von einem Möhrensaft und ein paar Blättern Lollo rosso. Eine Frau, die sich nicht traute, mit drei ausgelassenen Jungen eine Eiscremefabrik zu besichtigen, weil sie befürchtete, die Eiscremekalorien würden durch ihre Poren dringen.

Sein Typ Frau wäre sicherlich vernünftig genug, um nicht mit eben diesen drei Jungen zum Zelten fahren zu wollen. Und als wäre das alles nicht schlimm genug, hatte nun auch ihr Schwager den Zeltplatz lächerlich gemacht, den sie ausgesucht hatte. Einen Platz mit ordentlichen sanitären Einrichtungen, heißen Duschen, einem Swimmingpool und einem Supermarkt, außerdem organisierten Aktivitäten mit Trainern …

„Das ist kein Zelten, das ist ein Freizeitcamp“, hatte Matt gespottet. Und der Mut hatte Cassie völlig verlassen, als sie Matts verklärten Erinnerungen an die Zeltferien seiner Jugend zugehört hatte. Er hatte davon geschwärmt, wie sie gefischt hatten und Kanu gefahren und beim Sonnenaufgang nackt schwimmen gegangen waren.

„Du kannst doch nicht erwarten, dass meine Schwester so etwas mit den Jungen unternimmt“, warf Lauren gereizt ein. „Wir sollten sie nach Portugal mitnehmen.“

Matt war ebenso gereizt. „Ich dachte, der Zweck dieser Ferien ist es, endlich einmal etwas ohne die Kinder zu machen …“

Cassie machte sich Sorgen um ihre Schwester. Sie hatte einen verkniffenen Zug um den Mund und zornige Augen. Sie suchte nach einem Vorwand für einen Streit, um sich aus der Angelegenheit zurückziehen zu können. Doch Cassie weigerte sich, ihr diesen Vorwand zu liefern.

„Meine Güte, Lauren, wenn man dir zuhört, könnte man denken, dass ich total unfähig bin. Wir werden eine herrliche Zeit haben, nicht wahr, Jungs?“

„Du hast recht, Matt“, fuhrt sie fort mit der ganzen Überzeugung, die sie aufbringen konnte. „Buch den Zeltplatz, zeichne den Platz auf der Karte ein, und wir spielen Pioniere, okay, Jungs?“

Dann gab Cassie sich einen Ruck. Sie hatte sich angeboten, diesen Urlaub mit den Jungen zu machen, und das war ja wohl das kleinste Opfer, das sie bringen konnte, um die Ehe ihrer Schwester zu retten. Obwohl sie gern darauf verzichten würde, im Morgengrauen nackt in einem eiskalten See zu schwimmen.

Sie gab den Brotteig in eine Schüssel und deckte ein Tuch darüber, damit er in Ruhe gehen konnte. Danach holte sie einen großen Hefezopf aus dem Ofen, den sie für ihren Trip gemacht hatte, und schrieb eine Einkaufsliste. Eine lange Einkaufsliste. Wenn sie schon in die Wildnis ging, wollte sie für alles gerüstet sein.

Nick hatte es immer irgendwie fertiggebracht, sehr gut zu essen, jedoch ohne seine eigenen Kochtalente weiterzuentwickeln, als zur Zubereitung einer guten Tasse Kaffee nötig war. Wenn es sein musste, konnte er sich eine Scheibe Toast rösten oder ein Sandwich machen. Aber er hatte die Küche immer für eine typisch weibliche Domäne gehalten, und seiner Erfahrung nach konnten Frauen es gar nicht erwarten, in die Küche zu gehen und ihre Hausfrauentalente unter Beweis zu stellen. Vermutlich in der Hoffnung, sie selbst würden bald zum Inventar gehören. Er hatte die Frauen nie entmutigt, ihnen aber auch nie Versprechungen gemacht. Er fand es schön, wenn man ihn bekochte, aber nicht so sehr, dass er bereit gewesen wäre, dafür seine Unabhängigkeit aufzugeben.

Nun sollte sich das alles ändern. Er saß an seinem Schreibtisch und schlug Cassies Buch auf. Während Nick langsam die Seiten umblätterte, konnte er Cassie beinahe in einer großen, gemütlichen Küche sehen, in der es nach Kräutern und frischem Brot roch, umgeben von frischem Gemüse aus dem Garten.

Romantischer Unsinn. Cassie war Profiköchin und arbeitete sicherlich in einer Edelmetallküche, die die Atmosphäre eines Operationssaals hatte.

Nick überschlug die Rezepte für Gemüsesuppen. Irgendwie dachte er nicht, dass Veronica eine Frau war, die „herzhaft“ aß. Nein. Er würde mit etwas Einfachem beginnen. Irgendetwas Kaltes, das er im Voraus zubereiten und im Kühlschrank aufbewahren konnte. So machte es seine Schwester immer.

Austern? Nein. Geräucherter Lachs wäre besser. Mit dieser leckeren Dill-Mayonnaise, die Helen immer machte. Und dazu dünne Scheiben von selbst gemachtem Brot. Helen würde ihm einen Laib geben, wenn er sie darum bäte. Das war elegant, aber einfach. Von sich selbst begeistert, notierte er sich die Idee. Die erste Runde war überstanden, und noch hatte er gar nichts tun müssen.

Was dann? Irgendetwas Ungewöhnliches, irgendetwas, das sie überzeugen würde, dass er es nicht im Supermarkt fertig gekauft hätte. Er hätte Cassie gern angerufen und um ihren Rat gebeten. Aber er hatte ihre Nummer nicht. Beth hatte sie natürlich. Aber Beth wäre viel zu interessiert daran gewesen, warum er sie wollte. Und sie hätte die falschen Schlussfolgerungen gezogen. Also rief er seine Schwester an.

„Helen, wie geht’s?“

„Ich habe gerade zu tun. Was möchtest du?“, fragte sie argwöhnisch.

„Spricht man so mit seinem großen Bruder?“

„Nick, Darling, ich bin nicht eine von deinen flotten Bienen, also brauchst du deine honigsüße Stimme gar nicht einzusetzen. Ich kenne dich zu gut. Was möchtest du?“

„Einen Rat. Ich koche morgen Abend für jemanden …“ Helen begann zu lachen, bevor er seinen Satz beenden konnte. „Was ist daran so lustig?“

„Also wirklich Nick, du kannst ja nicht einmal Wasser kochen, ohne es anbrennen zu lassen.“ Noch bevor er antworten konnte, fuhr Helen fort: „Oh, jetzt wird’s mir klar. Du möchtest, dass ich für dich koche und mich zwischen den Gängen in der Speisekammer verstecke. Tut mir leid, Brüderchen, aber ich koche morgen Abend ein Essen für Grahams Chef, und seine Beförderung hängt von meinem „Huhn nach Jägerart“ und meinem Gebäck ab. Ruf einen Caterer an. Oder noch besser: Geh mit ihr in ein romantisches Restaurant. Das reicht normalerweise …“

„Helen!“

„Nicht?“

„Diesmal nicht. Sie denkt, dass ich kochen kann.“

„Wie, um alles in der Welt, kommt sie denn darauf?“ Helen schüttete sich aus vor Lachen. „Du hast doch die arme Frau nicht angelogen, oder?“ Nick fand es interessant, dass auch Helen Veronica eine „arme Frau“ nannte. Vielleicht sollten sie sich kennenlernen und ihre Meinungen austauschen?

„Nein, habe ich nicht. Sie hat ein Kochbuch auf meinem Schreibtisch liegen sehen und daraus ihre Schlussfolgerungen gezogen.“

„Ein Kochbuch? Was machst denn du … Ah, war es mein Geburtstagsgeschenk?“

„Mehr oder weniger.“

„Trotzdem. Ist sie nicht ganz richtig im Kopf?“

„Ist das die Schlussfolgerung? Kochen kann doch nicht so schwierig sein. Frauen tun das schließlich jeden Tag.“

„Wahrscheinlich macht uns diese Übung so perfekt“, sagte sie mit verdächtig honigsüßer Stimme. „Erzähl mir, wie es ausgeht, Nick. Oder noch besser: Mach Fotos, ich freue mich immer, wenn ich was zu lachen habe.“ Sie hängte auf.

„Helen!“ Er hatte ja noch nicht einmal die Gelegenheit gehabt, sie nach dem Brot und der Mayonnaise zu fragen.

Er dachte daran, seine Mutter anzurufen. Aber nur zehn Sekunden lang. Er war es leid, ausgelacht zu werden.

Er würde seine eigene Mayonnaise machen. Er würde alles machen. Er hatte ein Kochbuch. Er konnte lesen. Wenn Helen Huhn nach Jägerart machen konnte, dann konnte er das auch. Er blätterte Cassies Buch durch. „Huhn nach Jägerart“ stand nicht drin. Er begann zu verstehen, warum es einen so großen Markt für Kochbücher gab.

Auf dem Weg nach Hause hielt Nick beim Supermarkt an. Das tat er nicht oft, denn eine Haushälterin kam jeden Tag zu ihm, um sauber zu machen und die wichtigen Dinge des Alltags zu organisieren.

Heute Abend würde er eine Generalprobe machen. Und morgen – nun, morgen Abend würde sein Huhn mit Trauben, Limette und Crème fraîche Miss Veronica Grant so sehr beeindrucken, dass sie alles zurücknehmen würde.

Mannhaft griff er mit der einen Hand einen Einkaufswagen. In der anderen hielt er seine Einkaufsliste. Zwischen einer Pyramide von Pfirsichdosen und einem Stapel Cornflakes-Packungen, der so hoch war, dass daneben sogar der Jefferson-Tower bescheiden aussah, blieb er stehen und überlegte, wo er wohl getrocknete Kräuter finden würde. Da entdeckte er Cassie Cornwell, die einen völlig überladenen Einkaufswagen vor sich herzuschieben versuchte. Sie musste das Gefährt daran hindern, den Cornflakes-Turm umzufahren, und bemerkte Nick nicht. Er erbarmte sich, fasste den Einkaufswagen und lenkte ihn wieder auf eine gerade Bahn.

Cassie sah auf und lächelte dankbar. Aber als sich ihre Blicke über einer Familienpackung Frühstücksflocken trafen, errötete sie und meinte nur: „Oh, Sie sind’s.“

„Ja, als ich das letzte Mal in den Spiegel sah, da war ich’s noch.“ Er freute sich, dass sie errötete. Dass sie nicht so begeistert war, ihn zu sehen, freute ihn weniger. „Ich wette, diese Berge an Lebensmitteln sind für Ihren Campingurlaub – oder neigen Sie zu Impulskäufen?“

Cassie hatte nur einen Impuls: diesem Mann irgendetwas an den Kopf zu werfen. Weil er so plötzlich auftauchte und ihr keine Gelegenheit ließ, ihre Reaktionen unter Kontrolle zu bringen. Sie wusste, dass sie rot geworden war.

„Nein.“ Nick nahm die Frühstücksflocken hoch und drehte die Packung um. „Nein, irgendwie sehe ich Sie so etwas nicht zum Frühstück essen. Eine Frau wie Sie denkt, dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist. Ich sehe Sie vor mir, wie Sie sich irgendetwas Gesundes und Nahrhaftes schmecken lassen. Schaumig geschlagene Rühreier und knusprigen Speck, Toast, selbst gemachte Marmelade und frischen Kaffee?“, schlug er vor.

Sollte das bedeuten, dass er sie für dick hielt? „Das ist ja nur Cholesterin und Koffein – was ist daran gesund? Ich beginne den Tag mit einem rechtsdrehenden Biojoghurt, frischem Obst und Earl-Grey-Tee, ohne Milch“, antwortete sie forsch.

„Auch am Wochenende?“ Er klang so enttäuscht, dass Cassie plötzlich vermutete, dass er soeben verraten hatte, was er am liebsten frühstückte.

„Sogar Weihnachten.“ Sie warf einen Blick in seinen Einkaufswagen. Teure Hühnerbrüste, zwei Töpfchen Crème fraîche, Limetten, Weintrauben und ein Bund Dill.

„Was tut ein gut aussehender Junggeselle wie Sie in einem Supermarkt, Nick? Ich hätte gedacht, dass Ihre gertenschlanke blonde Freundin sich abhetzt, um sich um Ihr Abendessen zu kümmern.“

„Sie sollten nicht auf alles hören...

Autor

Liz Fielding

In einer absolut malerischen Gegend voller Burgen und Schlösser, die von Geschichten durchdrungen sind, lebt Liz Fielding – in Wales

Sie ist seit fast 30 Jahren glücklich mit ihrem Mann John verheiratet. Kennengelernt hatten die beiden sich in Afrika, wo sie beide eine Zeitlang arbeiteten. Sie bekamen zwei Kinder, die...

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Emma Darcy
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Lynne Graham
Lynne Graham ist eine populäre Autorin aus Nord-Irland. Seit 1987 hat sie über 60 Romances geschrieben, die auf vielen Bestseller-Listen stehen.

Bereits im Alter von 15 Jahren schrieb sie ihren ersten Liebesroman, leider wurde er abgelehnt. Nachdem sie wegen ihres Babys zu Hause blieb, begann sie erneut mit dem...
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