Tiffany Exklusiv Band 107

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ULTRASEXY – SUPERSÜSS! von JILL SHALVIS
Peinlich! Caitlin hält den attraktiven Mann in der Lobby des Firmengebäudes für den Rezeptionisten und behandelt ihn etwas herablassend. Ein Irrtum … Es ist Joe Brownley – ihr neuer Boss! Mit funkelnden Augen mustert er sie, dann lächelt er gefährlich. Das fängt ja gut an …

RENDEZVOUS IN MALIBU von DAWN ATKINS
Candy will Karriere machen, aber ihr Boss Matt Rockwell glaubt nicht an ihre Führungsqualitäten. Da kommt ein gemeinsamer Fortbildungs-Urlaub in Malibu wie gerufen! Doch statt Matt zu überzeugen, verführt Candy ihn in den weißen Dünen …

HOBBY? LIEBE! von CAROL FINCH
Seit die temperamentvolle Mattie, Filialleiterin eines Heimwerkermarktes, den sympathischen Joe Gray eingestellt hat, merkt sie erst, wie sehr sie jemanden gebraucht hat – Joe ist kompetent und supernett! Allerdings ahnt Mattie nicht, dass sie auf dem besten Weg ist, sich in den Big Boss persönlich zu verlieben ...


  • Erscheinungstag 09.05.2023
  • Bandnummer 107
  • ISBN / Artikelnummer 8066230107
  • Seitenanzahl 384

Leseprobe

Jill Shalvis, Dawn Atkins, Carol Finch

TIFFANY EXKLUSIV BAND 107

1. KAPITEL

„Ein Job“, sagte Caitlin Taylor wohl zum hundertsten Mal. Sie unterbrach sich beim Hochrollen ihrer feinen Seidenstrümpfe und verdrehte die Augen. „Ich hoffe, du und Gott, ihr amüsiert euch gut auf meine Kosten, Dad. Jetzt warst wirklich du es, der zuletzt gelacht hat.“

Ihr Herz zog sich schmerzlich zusammen, wie so oft in diesem Monat, nachdem ihr Vater unerwartet an Nierenversagen gestorben war. Es würde vielleicht nicht ganz so wehtun, dachte sie, wenn du dein Vermögen nicht an alle bis auf mich, deine einzige Tochter, verteilt hättest. Stattdessen hatte er ihr einen Job vermacht. Aber wenigstens das hatte er getan.

Caitlin stand in ihrem hellblauen Satin-Unterkleid vor dem hohen Spiegel. Ihr naturgewelltes kurzes blondes Haar sah trotz all der Mühe, die sie sich damit gab, wie immer aus, als ob sie gerade aus dem Bett gestiegen wäre. Ihr kurvenreicher Körper ließ sich durch keine gymnastischen Übungen in gertenschlanke Formen zwingen. Ihre dunkelbraunen Augen wirkten heute Morgen verschlafen, und sie hatte sie vorsichtshalber sorgfältig mit Eyeliner und Mascara betont.

Kurzum, sie sah aus wie eine wunderschöne Frau, der die Welt zu Füßen lag.

Wenn es doch nur so wäre!

Caitlin lachte freudlos auf und kämpfte entschlossen gegen den ungewohnten Anflug von Panik an. Sie hatte in ihrem ganzen Leben noch nie Geld verdienen müssen. Was materielle Dinge betraf, hatte ihr Vater sein einziges Kind verzogen. Doch da er ständig auf Geschäftsreisen gewesen war oder mit wichtigen gesellschaftlichen Verpflichtungen beschäftigt gewesen war, hatte sie nur wenige Erinnerungen an ihn.

Die Mode war ihre erste Liebe gewesen, und ihr Vater hatte ihr darin nachgegeben. Sie kannte Mailand, Paris, New York und Los Angeles wie ihre Westentasche; es waren sozusagen ihre Spielplätze gewesen. Sie hatte in Paris und New York bekannte Schulen für Mode und Design besucht, aber die Wahrheit war leider, dass sie nicht talentiert genug war, um es in der unbarmherzigen Welt der Haute Couture zu etwas zu bringen. Doch sie war deswegen nicht müßig geblieben, ganz im Gegenteil. Sie entwickelte ein besonderes Talent darin, gesellschaftliche Veranstaltungen zu organisieren, obwohl das nicht als richtige Arbeit galt und ihr auch kein Geld einbrachte.

Ihr Vater hatte darauf geachtet, dass sie weiterhin im Luxus leben konnte, indem er jeden Monat eine beachtliche Summe auf ihr Konto einzahlte. Das hatte bei seinem Tod abrupt geendet, und jetzt musste sie notgedrungen zusehen, wie sie allein zurechtkam.

Da alle ihre Kreditkarten ungültig geworden waren und sie gerade noch so viel auf dem Konto hatte, um eine Monatsrate für ihr Haus an die Bank zu zahlen, steckte sie in ernsthaften Schwierigkeiten. Deshalb war sie nun gezwungen, ihren Stolz herunterzuschlucken und den schlecht bezahlten Job anzunehmen, den ihr Vater ihr in seinem Testament vermacht hatte.

„Ein Bürojob“, sagte Caitlin mit einem weiteren humorlosen Lachen, das ihre Verwirrung und ihren Schmerz nicht verbarg. „Dabei kenne ich nicht einmal den Unterschied zwischen einem Faxgerät und einem Scanner.“

Sie ging zu ihrem überquellenden Wandschrank und seufzte. Im nächsten Monat würde sie ihrem Strandhäuschen hier in Südkalifornien Lebewohl sagen und in einer trüben kleinen Wohnung leben müssen. Erneut überkam sie heiße Bitterkeit beim Gedanken an den Verrat ihres Vaters. Warum nur? fragte sie sich verzweifelt. Warum hatte ihr Vater sie ihr ganzes Leben lang verwöhnt und sie dann auf diese Weise im Stich gelassen? Sie konnte es einfach nicht begreifen. Aber Selbstmitleid half ihr jetzt auch nicht weiter.

Mit einiger Anstrengung setzte sie die Maske der unbekümmerten Frau auf, die sie der ganzen Welt zeigte. Was zog man zu einem Job an, der von einem verlangte, dass man dort bereits um acht Uhr auftauchte? Während sie sich dann anzog, kreisten ihre Gedanken immer wieder um die gleichen quälenden Fragen. Warum hatte ihr Vater sie auf ein bedeutungsloses Subunternehmen seines riesigen Konzerns abgeschoben? Warum hatte er den Konzern aufgeteilt und die einzelnen Teile den verschiedenen Investoren vermacht, die seine besten Freunde gewesen waren?

Er hatte seine Freunde höher eingestuft als sie, seine eigene Tochter.

Jetzt war sie dazu verdammt, für einen schwerfälligen, an der Rechenmaschine klebenden Langweiler von Ingenieur zu arbeiten, der Joseph Brownley hieß. Da er jahrelang mit ihrem Vater zusammengearbeitet hatte, stellte sie ihn sich alt, barsch und hart vor.

Sie schauderte und schlüpfte in ein rotes Crêpe-de-Chine-Kostüm, das hoffentlich geschäftsmäßig genug aussah. Die Pumps, die sie anzog, machten sie um sieben Zentimeter größer und schenkten ihr das dringend benötigte Selbstvertrauen. Sie wollte elegant und kühl wirken. Aber sosehr sie alle anderen auch täuschen mochte, sich selbst konnte sie nichts vormachen.

Ach was. Sie würde es schon schaffen. Einen Augenblick erlaubte sie es sich, ihrer Schwäche nachzugeben, und ließ sich aufs Bett sinken. Würde sie es wirklich schaffen? Oder konnte sie nur Partys für die Reichen und Schönen organisieren? Aber wie sollte sie für diese Dienste Geld verlangen?

Eben, das war unmöglich. Deshalb blieb ihr gar nichts anderes übrig, als diesen Bürojob anzunehmen. Würde sie, ganz auf sich allein gestellt, überleben können?

Sie unterdrückte ein plötzliches Schluchzen, hob das Kinn und zwang sich zu einem strahlenden Lächeln. Ihre Knie zitterten leicht, als sie wieder aufstand, aber sie riss sich zusammen. Es gab keinen Platz in ihrem Leben für Selbstmitleid oder Angst, nur für Entschlossenheit.

Das Kostüm ist viel zu auffallend, entschied sie und warf einen hastigen Blick auf ihre schmale goldene Armbanduhr. Schnell schlüpfte sie wieder aus dem Kostüm heraus und warf es achtlos beiseite. Was Mr. Brownley wohl von Leuten hielt, die an ihrem ersten Arbeitstag zu spät kamen? Wenn er sie feuerte, bevor sie überhaupt anfangen konnte, säße sie erst richtig in der Tinte. Denn da ihr einziges Talent darin bestand, sich mit verbundenen Augen in den Boutiquen der großen Modemetropolen zurechtzufinden, würde kein Mensch, der noch alle Sinne beisammenhatte, sie einstellen.

Erneut blieb sie vor dem Spiegel stehen und musterte sich mit strengem Blick. Sie hatte jetzt einen engen hellblauen Pullover und einen langen geblümten Rock gewählt, und natürlich trug sie auch dazu hohe Absätze. Aber jetzt sah sie viel zu leger aus, verflixt noch mal! Sie zog eine Leinenjacke in unauffälliger Farbe darüber und hoffte das Beste. Während sie dann zu ihrem Wagen lief, keuchend von den Anstrengungen des Morgens, schimpfte sie leise über die frühe Stunde.

Sie hasste es, bei Morgengrauen aufzustehen.

Sie legte den Gang in ihrem kleinen Sportwagen ein und verließ die exklusive Gegend Stunden früher, als sie sonst aufwachte. Sobald sie zur Stadtautobahn kam, erkannte sie ihren ersten Fehler. Sie hatte geglaubt, nur dreißig Minuten vom Strand bis zur City von Irvine zu brauchen. Doch wie es schien, begann die gesamte Bevölkerung von Südkalifornien ihre Arbeit um die gleiche Zeit. Und dass ihr dreimal der Weg abgeschnitten wurde, bevor sie auch nur die erste Auffahrt erreichte, signalisierte ihr, dass alle anderen Fahrer offenbar ebenso verärgert und in Eile waren wie sie.

Und als sie dann die Auffahrt zum Freeway glücklich erreicht hatte, hatte sie Schwierigkeiten, sich in den fließenden Verkehr einzufädeln, weil niemand sie vorließ. Verzweifelt probierte sie es mit einem verführerischen Augenaufschlag und erhielt eine äußerst unflätige Geste als Antwort.

Benahmen normale Leute sich jeden Tag so?

Der Gedanke ließ sie erschauern. Sicher, sie war sehr beschützt aufgewachsen, aber sie hatte Freunde, die arbeiteten. Nein, stimmt nicht, verbesserte sie sich. Hatte sie in den vergangenen Wochen nicht gelernt, dass ihre sogenannten Freunde sie einer nach dem anderen wie eine heiße Kartoffel hatten fallen lassen, als das Testament ihres Vaters bekannt wurde?

Sie war ganz allein. Zum ersten Mal in ihrem Leben.

Und sie würde zu spät kommen. Das war natürlich keine Überraschung. Ihr Vater hatte immer behauptet, sie würde noch zu ihrer eigenen Beerdigung zu spät kommen. Auf seiner war sie auf jeden Fall zu spät erschienen, aber das hatte nur daran gelegen, dass die Limousine, auf die sie ihr Leben lang gezählt hatte, einfach nicht aufgetaucht war. Bis sie dann selbst zum Friedhof gefahren war, war die ganze Zeremonie bereits beendet. Ihr Vater wäre nicht überrascht gewesen, aber sie hatte das ungute Gefühl, dass sie sich ausgerechnet heute nicht den Luxus erlauben durfte, sich zu verspäten.

Der Druck in ihrem Magen war etwas völlig Ungewohntes für sie und sehr unwillkommen. Ebenso wie die Sorge um ihre Zukunft und eine nicht zu unterdrückende Bitterkeit, weil ihr Vater sich von ihr abgewandt hatte.

Erneut war sie gezwungen, auf die Bremse zu treten, umgeben von Tausenden dahinschleichender Wagen. Unfassbar, dass sie fast die ganze Fahrt über nichts anderes tat, als zu bremsen!

Mit einem Kopfschütteln stellte sie das Radio auf einen Musiksender ein, lehnte sich so entspannt wie möglich in den Sitz zurück und ordnete ihre Gedanken.

Joes Finger flogen über die Computertastatur. Er arbeitete schon seit Stunden mit höchster Konzentration, wollte aber keine Pause einlegen, weil er dem Ziel so nah war, so unglaublich nah.

„Joe.“

Vage vernahm er die weibliche Stimme, die ihn rief, und ebenso vage war ihm klar, dass es Daria sein musste. Er beachtete sie nicht.

All die Jahre hatte er Computer entwerfen müssen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, aber das war jetzt vorbei. Dank Edmund Taylors Großzügigkeit – Joes Herz zog sich bei dem Gedanken an Edmunds Tod schmerzlich zusammen – konnte er sich nun völlig seiner eigentlichen Leidenschaft widmen: der Entwicklung von Software. Und er stand kurz vor der Lösung, die ihm helfen würde, Computersysteme im ganzen Land zu revolutionieren.

„Joe.“

Nur noch ein paar Minuten, dachte er und streckte seine verkrampften Beine, die eigentlich zu lang waren, um so viele Stunden unter einen Schreibtisch gezwängt zu werden. Wenige Minuten noch und die Dinge würden sich vielleicht wie von selbst ergeben. Er konnte es fast schon hören, dass die großen Softwarefirmen an seine Tür klopften. Bill Gates würde grün werden vor Neid.

„Joe? He!“

Ohne die Augen von der Tastatur zu nehmen, winkte er heftig mit der Hand, sein übliches Zeichen dafür, dass er in Ruhe gelassen werden wollte. Mit erstaunlicher Leichtigkeit versank er dann wieder in tiefste Konzentration.

„Tut mir leid, Joe.“

„Schon gut“, erwiderte er automatisch, aber ohne aufzusehen. Warum hatte er sich in eins der vorderen Büros gesetzt, statt sein eigenes am Ende des Flurs zu benutzen, wo er die nötige Ruhe gehabt hätte?

Weil er wieder mal in Eile gewesen war, deswegen. „Geh weg.“

„Joe“, wiederholte Daria mit einem Lachen. „Könntest du mich bitte, bitte ansehen?“

Seufzend richtete er sich auf und unterdrückte seine Ungeduld. Er fuhr sich mit den Fingern durch sein sowieso schon wirres Haar und nahm den Blick gerade lange genug vom Bildschirm, um den einzigen Menschen, der es wagen würde, ihn zu unterbrechen, vorwurfsvoll anzustarren. „Was ist? Was willst du?“

Daria lächelte charmant. „Ich freue mich auch, dich zu sehen.“

„Wunderbar. Und jetzt verschwinde.“ Er hatte sich schon wieder abgewandt, als sie wieder sprach.

„Joe, könntest du deine babyblauen Augen eine volle Minute auf mich richten? Bitte!“

„Ich bin beschäftigt“, sagte er grimmig. Es juckte ihn in den Fingern, wieder auf die Tastatur zu hämmern. „Deswegen brauche ich eine Sekretärin“, fuhr er gereizt fort. „Um mir die Leute vom Hals zu schaffen.“

„Es bleibt doch keine bei dir“, erwiderte Daria spöttisch und wies auf das Büro, das aussah, als ob ein Wirbelsturm hindurchgefegt wäre. Überall lagen Papiere, Bücher, Ordner und Computerteile. „Niemand außer den anderen Computerfreaks, die für dich schuften, möchte für einen gnadenlosen Perfektionisten, einen durchgedrehten Arbeitswütigen, einen technischen …“

„Warum bist du hier? Bitte, sag mir nur das“, flehte er und warf einen letzten sehnsüchtigen Blick auf den Bildschirm.

„Ach, wisch den wütenden Ausdruck aus deinem hübschen Gesicht, ich bin nicht hier, um dich wegen deiner Steuererklärung zu nerven. Noch nicht.“

Joe lachte. Daria war die einzige Buchhalterin in diesem Bürogebäude und stand außer seiner Firma auch den anderen vier hier untergebrachten Unternehmen zu Diensten. Die hochgewachsene, schlanke, italienische Schönheit kümmerte sich jedoch nicht nur um die Buchhaltung, sondern servierte auch gern ungebetene Ratschläge, schwesterliche Zuneigung und eine Unmenge guter schlüpfriger Witze.

„Aber was könnte denn wichtiger sein als die Steuererklärung?“, neckte er Daria und fand sich resigniert mit einer Pause ab.

„Stimmt, nicht viel.“ Sie grinste und sah jetzt sehr viel jünger aus als ihre dreißig Jahre. „Aber erinnerst du dich noch an die Sekretärin, von der du eben gesprochen hast? Ich glaube, sie ist eingetroffen. Ich habe sie unten herumwandern und die Namen an den Türen studieren sehen, als ob sie nicht die geringste Ahnung hätte, wohin sie sollte.“

„Ich habe keine Sekretärin angestellt.“

„Du hast mir gesagt, Edmund habe dir seinen Anteil an dieser Firma geschenkt – wenn du dich dafür bereit erklärst, seiner verzogenen Tochter einen Job zu garantieren.“

„Ja.“ Joe senkte den Blick, weil ihn erneut Schmerz überkam. Edmund war tot. Er würde ihn nie wieder sehen.

Beim Gedanken an Edmunds Tochter, die er nie kennengelernt hatte, wurde sein mitfühlendes Herz wieder hart. „Sie hat sich nicht einmal dazu herabgelassen, zu seiner Beerdigung zu erscheinen.“ Er versuchte sich zu erinnern, was Edmund über sie gesagt hatte. Ein flatterhaftes Modepüppchen. Ein Partyfan. Eine Weltenbummlerin, natürlich auf Daddys Kosten.

Nicht sehr schmeichelhaft.

„Das kann sie nicht gewesen sein“, meinte er. „Eine Softwarefirma, die sich erst noch beweisen muss, hat einer Schickeria-Lady nichts zu bieten.“

Daria zuckte die Achseln. „Vielleicht nicht. Aber Marilyn Monroe ist nun mal hier.“

Er sah erstaunt auf. „Sie sieht aus wie Marilyn Monroe?“, fragte er und grinste, als Daria gereizt die Augen verdrehte. „Wirklich?“

„Eher wie eine Mischung aus Barbiepuppe und Baywatch-Schönheit“, fuhr sie ihn an, und er lachte. „Wieso verwandelt dieser großäugige, schmachtende Blick euch Männer bloß in vollkommene Trottel? Ich verstehe das nicht!“

„Aha. Ein schmachtender Blick?“

Daria schnaubte verächtlich auf und reckte sich zu ihrer bemerkenswerten Größe. „Und sie hat riesige …“ Sie blickte auf ihre Brüste hinunter.

Er grinste. „Daria“, sagte er scheinbar vorwurfsvoll, „sie sucht sicher nicht nach mir. Niemals würde Edmunds Tochter hier auftauchen.“ Er warf einen Blick auf die Uhr. „Und überhaupt, welche Sekretärin würde denn erst um diese Zeit zu arbeiten anfangen?“ Zufrieden wandte er sich wieder seinem Computer zu. „Und jetzt geh, und lass mich in Frieden.“

„Okay, du hast es so gewollt.“

Mit einem erleichterten Seufzer fuhr er mit seiner Arbeit fort, sobald Daria gegangen war. Den nächsten Menschen, der es wagte, ihn zu unterbrechen, würde er einfach umbringen, und entschlossen hämmerte er weiter auf die Tasten.

Jemand räusperte sich.

Nicht schon wieder! Er brauchte eine Waffe. Ja, genau. Eine Wasserpistole vielleicht oder ein … „Entschuldigen Sie.“

„Wenn kein Feuer ausgebrochen ist“, knurrte er, „dann …“ Aus den Augenwinkeln sah er sie, und jedes weitere Wort war vergessen. Sie war zierlich und eine der schönsten Frauen, die er je erblickt hatte. Sie lächelte, und ihm wurde doch tatsächlich der Mund trocken.

„Hallo“, sagte sie und winkte ihm zu.

Hinter ihr, sie mit offenem Mund anstarrend, standen Vince, Andy und Tim, seine drei Techniker. In diesem Moment ähnelten sie drei Volltrotteln. Er warf ihnen einen giftigen Blick zu, und sie wichen zurück und schlossen die Tür hinter sich.

„Ich suche Mr. Brownley“, erklärte der hinreißende weibliche Störenfried mit süßer, melodischer Stimme. „Ich bin Caitlin Taylor.“

Caitlin Taylor, die bekannte Partylöwin und flatterhafte, verzogene Prinzessin – seine neue Sekretärin? Er hatte das Gefühl, als würde sich ein Strick um seinen Hals zusammenziehen. Wie alle Männer liebte auch er schöne Frauen, aber er konnte unmöglich mit einer zusammenarbeiten, besonders mit keiner, die so eine Lebenseinstellung hatte wie diese. Er konnte einen Menschen, der nicht wusste, was harte Arbeit bedeutete, nicht respektieren, und er arbeitete nie mit jemandem, den er nicht achtete.

„Das hier ist doch ‚CompuSoft‘, oder?“ Ihre Stimme würde jedem unter die Haut gehen, und er bildete leider keine Ausnahme. „Ich habe unten auf dem Brett die Etage nachgesehen. Sie müssen der Angestellte am Empfang sein.“

Er stöhnte innerlich. Nie wieder, schwor er sich. Von jetzt an würde er in der Abgeschiedenheit seines eigenen Büros bleiben.

Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln und betrachtete ihn mit ihren verträumten braunen Augen so eindringlich, dass ihm fast schwindlig wurde. „Mein Vater …“

Ihr Vater war sein geliebter Freund und Mentor. Edmund Taylor hatte ihm alles bedeutet, und er hatte ihm ein Versprechen gegeben. Es schnürte ihm die Kehle zu. „Ihr Vater hat mir von Ihnen erzählt“, brachte er mühsam hervor.

„Ja?“ Sie schien überrascht zu sein. „Also wissen Sie, dass ich hier arbeiten werde?“

Er nickte.

„Vielleicht können Sie mir etwas über diese Firma sagen. Über den Boss“, fügte sie hinzu und kam mit geschmeidigen Bewegungen näher. Der Rock umspielte weich ihre Knöchel und schmiegte sich eng an ihre Schenkel. Der helle Blazer war offen und zeigte einen Pullover, der ihre wundervollen Brüste wie eine zweite Haut umschloss.

Diese Frau war wie geschaffen zum Verführen. Anstellen würde er sie zwar nicht, aber ein Flirt mit ihr würde ihm sehr gefallen.

Ein Flirt jedoch wäre Vergnügen, und hier ging es um ernste Dinge. Um seine geliebte Firma, seinen ganzen Stolz, seine ganze Freude. Ein ungutes Gefühl überfiel ihn. Mit dieser Frau in der Nähe würden die Jungs keine Sekunde mehr an ihre Arbeit denken.

„Ist er nett?“, fragte sie. „Geduldig?“

„Wer?“

Sie lachte leise. „Na, der Boss. Sie wissen schon, Mr. Brownley.“

„Nett? Nein“, entgegnete er entschlossen und stand auf. Sie reichte ihm gerade bis zum Kinn. Sie war klein, hatte fantastische Kurven und war wunderschön. Und er wollte sie nicht hier haben. „Er ist sehr biestig. Es ist sehr schwierig, für ihn zu arbeiten. Und er ist hässlich“, fügte er impulsiv hinzu.

Caitlin Taylor runzelte die Stirn. „Das hat nichts damit zu …“

„Sie sollten besser gehen. Sofort.“ Eine blendende Idee. Er würde sein Versprechen ja nicht brechen, wenn sie von selbst ging, oder? Es wäre dann nicht seine Schuld. „Sie sollten gehen, bevor er Sie sieht.“

Den Kopf leicht zur Seite geneigt, sah sie ihn mitfühlend an. „Er macht Sie nervös, was?“ Sie holte tief Luft und lenkte damit seine Aufmerksamkeit auf ihre Brüste. „Machen Sie sich keine Sorgen“, behauptete sie. „Vielleicht wird er jetzt, da ich ihm helfen werde, netter sein.“

Gewissensbisse regten sich in ihm. „Nun, na ja …“

„Es wird schon werden“, wollte sie ihn offenbar beruhigen. „Sie werden sehen. Ich werde ein bisschen um ihn herumscharwenzeln. Sie wissen schon, ihn bemuttern.“

Joe war noch nie in seinem Leben bemuttert worden. „Das wird nicht viel helfen“, sagte er ehrlich.

„Jeder möchte ab und zu mal bemuttert werden.“

„Nicht jeder.“ Er, Joseph Brownley, nicht. Er brauchte niemanden. „Hören Sie …“

„Schon gut.“ Sie nickte, und ihr blondes Haar umspielte ihre geröteten Wangen und unterstrich die wundervollen großen Augen, die eine erstaunliche Intelligenz verrieten. „Ich werde schon zurechtkommen.“

„Nein, Sie verstehen nicht.“

„Doch. Sie wollen freundlich sein.“

Freundlich? Er? Fast hätte er aufgelacht. So etwas hatte ihm noch niemand gesagt. „Nein“, versicherte er mit einem schiefen Lächeln. „Glauben Sie mir.“

„Sie brauchen mir nicht zu sagen, was für ein Monster er ist.“ Sie schluckte nervös, was ihm das Gefühl gab, ein Mistkerl zu sein. „Ich kann damit fertig werden. Zeigen Sie mir nur die Richtung, und ich werde ihn allein finden.“

Zum Teufel! „Sie haben ihn schon gefunden.“ Er seufzte bedauernd.

„Wie meinen Sie das?“

Das war nicht der richtige Ort für sie, und je eher sie das einsah, desto besser. „Ich meine, Sie hätten verschwinden sollen, solange Sie noch die Zeit dafür hatten.“

Verwirrt sah sie ihn an, und keiner konnte ihr das übel nehmen. „Ich bin das Monster“, sagte er trocken. „Ich bin Joe Brownley.“

2. KAPITEL

„Sie sind Joe Brownley?“ Caitlin war geschockt – um es milde auszudrücken. „Ich fürchte, ja.“

„Aber …“ Gütiger Himmel! Ein gut ein Meter neunzig großer, kraftvoller Mann starrte sie finster an. Seine hellblauen Augen ließen erkennen, dass er nicht sehr begeistert von ihrer Anwesenheit war. Sein sonnengebleichtes hellbraunes Haar war ein wenig zu lang, als ob er keine Mühe auf einen Schnitt verschwenden wollte, seine Hände waren groß und kräftig. Er wirkte unerschütterlich selbstsicher. Er trug ein einfaches weißes T-Shirt, das sich über seinen beeindruckenden Oberarmmuskeln spannte, und eine verwaschene, enge Jeans, die ihm nur zu gut passte.

Er sah im Grunde aus wie der Inbegriff eines umwerfenden, energiegeladenen rauen Typen, der jede Frau magisch anzieht. Die Vorstellung von einem schwerfälligen, alten Langweiler konnte sie vergessen. Dieser Mann war höchstens Anfang dreißig, intelligent und knallhart.

Zunächst war er ihr nett und freundlich erschienen, aber jetzt war er das genaue Gegenteil. Und sie hatte sich Sorgen um ihn gemacht, weil sie sich einbildete, er hätte Angst vor seinem Boss!

„Oje“, flüsterte sie. „Das wird nicht funktionieren.“

Erleichterung zeigte sich in seinem Blick. „Nicht wahr?“

Sie nickte und fragte sich insgeheim, wie ein Computerfreak eine so herrlich tiefe Stimme haben konnte. „Ja. Es tut mir leid. Aber … nun ja, nach meiner Erfahrung arbeite ich nicht sehr gut mit Männern Ihrer Art zusammen.“

„Mit Männern meiner Art?“

Ein gedämpftes Geräusch war hinter der Tür zu hören. Es klang wie ein Kichern – aus drei Mündern. Joe holte tief Luft und ignorierte seine kindischen Mitarbeiter. „Was soll das heißen?“, verlangte er zu wissen und straffte seine breiten Schultern.

Für Caitlin bedeutete es, dass sie es leid war, vorwitzige Hände von Männern fortzuschieben, die sich bereits nach den ersten Minuten ein ganz bestimmtes Bild von ihr machten. Sie hatte es satt, sich den Kopf tätscheln zu lassen, als ob sie eine hübsche Puppe wäre. Und aus Erfahrung wusste sie, dass der Mann vor ihr zu jenen Männern gehörte, die sie so behandeln würden.

„Es heißt nur, dass es mir leidtut, Mr. Brownley“, sagte sie. „Es ist klar, dass Sie niemanden brauchen. Und ganz gewiss nicht mich.“ Damit drehte sie sich um und ging.

Sie hatte gerade die Tür erreicht, da fiel es ihr wieder ein. Sie brauchte diesen Job verzweifelt. Ohne ihn würde sie bald auf der Straße stehen. Denn mit ihren Qualifikationen könnte sie nie einen anderen Job finden. Die Hand auf der Türklinke, kämpfte sie gegen ihren Stolz und ihre Angst an. Wut stieg in ihr auf. Warum wollte Joe Brownley sie nicht?

„Haben Sie vergessen, wo Sie Ihren Wagen geparkt haben?“, erkundigte er sich.

Na wunderbar! Der aufregende Muskelprotz war zu allem Übel auch noch ein hochnäsiger Besserwisser. „Nein.“ Sie setzte ihr freundlichstes Lächeln auf und drehte sich wieder zu dem attraktivsten Mann um, den sie je gesehen hatte. Es fiel ihr höllisch schwer, vor ihm zu Kreuze zu kriechen!

„Ich dachte nur, vielleicht habe ich Sie etwas voreilig beurteilt.“

„Heißt das, Sie gehen nicht?“

Sie zuckte bei der unverhohlenen Enttäuschung, die in seinem Ton lag, zusammen. „Ja, das heißt es. Es sei denn, Sie feuern mich.“

„Soviel ich weiß, haben Sie nicht die geringste Erfahrung in irgendetwas, außer vielleicht in … gesellschaftlichen Studien.“

Mühsam ignorierte sie seinen Spott. „Ich kann arbeiten.“

Er stieß einen tiefen Seufzer aus. „Verdammt, ich kann Sie sowieso nicht feuern.“

Sie entspannte sich ein wenig. Noch hatte sie nicht versagt. Ich werde es dir zeigen, Dad, schwor sie sich. Ich werde es schaffen. Aber dann drangen die Worte dieses Mannes in ihr Bewusstsein. „Sie können mich nicht feuern? Warum nicht?“

Er verzog unmutig die Lippen. „Vergessen Sie’s. Was wissen Sie von der Arbeit einer Sekretärin?“

Was sie wusste, würde in eine Zeile passen. „Ich kann Kaffee machen“, erwiderte sie hastig. Joe schloss die Augen und stöhnte auf.

„Und“, fügte sie ungerührt hinzu, „ich habe eine sehr nette Telefonstimme.“

Nachdenklich betrachtete Joe Caitlin. „Sagen Sie mir doch bitte eins: Warum wollen Sie diesen Job haben?“

„Das ist eine lange Geschichte.“ Sie hob die schmalen Schultern, wodurch sich gleichzeitig auch ihre nicht ganz so schmalen Brüste hoben. „Ich bezweifle, dass Sie es verstehen würden.“

„Ich bin von durchschnittlicher Intelligenz“, entgegnete er trocken. „Stellen Sie mich auf die Probe.“ Seine Neugier war geweckt. Er verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich an die Wand. „Sie besitzen mehr Geld, als Sie ausgeben können, Prinzessin. Und ich weiß, dass Ihr Vater Ihnen ein Haus direkt am Strand und einen schicken Sportwagen gekauft hat. Also, warum sind Sie so scharf auf diesen Job?“

„Einfach so.“ Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. „Und das Testament sagt, dass Sie mir einen Job geben werden.“

Sie hatte recht, und dass sie ihn erst daran erinnern musste, war ein Schlag ins Gesicht. Edmund hatte ihm so viel gegeben und dafür von ihm nur einen kleinen Gefallen erbeten. Es wurde Zeit, dass er aufhörte, sich zu beschweren, und die Tatsachen akzeptierte. Ob es ihm nun gefiel oder nicht, er hatte Caitlin Taylor als Sekretärin am Hals.

„Okay, Miss Taylor“, sagte er müde und rieb sich die Schläfen. „Ich bin im Augenblick mit etwas sehr Wichtigem beschäftigt und hasse es, unterbrochen zu werden. Also wüsste ich es zu schätzen, wenn jemand für mich ans Telefon ginge.“

Auf der anderen Seite der Tür brach lauter Jubel aus. Er riss die Tür weit auf. Seine drei Techniker stolperten herein. Sofort richteten sie sich auf und versuchten, seinem Blick gelassen zu begegnen.

Joe verzog gereizt den Mund. „Diese Tollpatsche hier sind meine Techniker“, erklärte er Caitlin. „Tick, Trick und Track.“

Zwei von ihnen waren offenbar eineiige Zwillinge. Der Dritte war hochgewachsen, dünn, dunkelhaarig und etwa Anfang zwanzig.

Der eine Zwilling reichte ihr die Hand und lächelte. „Hi. Ich bin Andy.“ Er schüttelte ihr die Hand so begeistert, dass sie Angst hatte, er würde ihr den Arm ausreißen. Aber sein Blick war so freundlich, dass sie sein Lächeln spontan erwiderte. „Ich versorge unsere Kunden mit technischer Unterstützung“, sagte er. „Und sehe zu, dass Joe menschlich bleibt, indem ich ihn jeden Abend hier herauszerre.“

Menschlich? Davon hatte sie bisher nichts gespürt.

„Ich bin Tim“, sagte der andere Zwilling und grinste sie ebenfalls begeistert an. „Ich mache genau die gleiche Arbeit, aber Joe könnte ohne mich nicht auskommen, da ich den ganzen Charme hier beisteuere.“

Joe Brownley verdrehte die Augen.

„Es stimmt.“ Tim lachte und sah sie bewundernd an. „Und Sie sind wirklich eine Augenweide.“

„Danke.“ Sie lächelte amüsiert.

Der dritte Mann, ein mittelgroßer Rotschopf, der etwa Anfang dreißig sein mochte, lächelte schüchtern. „Ich bin Vince. Ich arbeite mit Joe an der Produktentwicklung.“

„Wir brauchen wirklich eine neue Sekretärin“, warf Tim ein. „Seit uns die letzte verlassen hat, geht hier alles drunter und drüber.“

Andy nickte. „Joe hat ihr Angst gemacht, und …“ Er brach ab, als er Joes finsteren Blick bemerkte.

„Sie passte halt nicht in diesen Laden“, meinte Vince diplomatisch. „Es war niemandes Schuld.“

Joe schnaubte verächtlich. „Kein Grund, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, Vince. Sag ihr ruhig die Wahrheit.“

„Ich werd es ihr sagen“, kam Tim ihm zuvor. „Joe hat die letzten drei Sekretärinnen davongejagt. Sie lassen sich doch nicht leicht einschüchtern, oder?“

„Ich …“ Caitlin dachte an ihre Rechnungen. „Nein.“

„Joe kommt nicht sehr gut mit Frauen zurecht“, vertraute Tim ihr an.

„Wir flehten ihn an, jemanden für die Ablage und das Telefon einzustellen. Eine Frau, die die Atmosphäre hier ein bisschen auflockern würde. Sie wissen schon, eine, mit der man mal herumflachsen kann. Mehr nicht. Nicht dass Sie mich missverstehen“, fügte Andy schnell hinzu.

„Aber nein“, versicherte Caitlin. Sie fand ihre neuen Kollegen wirklich sehr sympathisch.

„Aber mehr als drei Stunden halten sie es meist nicht aus“, gab Tim zu.

Caitlin sah in Joes finsteres Gesicht und konnte sich das sehr gut vorstellen. „Was Sie nicht sagen.“ Vince lachte. „Ach, er bellt nur.“

Wütend fuhr Joe ihn an: „Warum sprechen hier eigentlich alle über mich, als ob ich nicht da wäre?“

Vince achtete nicht auf ihn. „Manchmal knurrt er wie ein Bullterrier, aber eigentlich ist er sanft wie ein Kätzchen.“

„Wirklich?“ Sie warf Joe einen vorsichtigen Blick zu. Seine Miene war immer grimmiger geworden, und jetzt schien er endgültig genug von dem Geplapper seiner Angestellten zu haben. „Zurück an die Arbeit, Jungs“, befahl er, und in seiner Stimme lag ein deutlich drohender Unterton.

Tim trat zögernd zur Tür. „Hat mich gefreut, Sie kennenzulernen, Caitlin. Ich hoffe, Sie bleiben.“

„Können Sie wirklich Kaffee machen?“, fragte Andy. „Weil Joes Kaffee nämlich ungenießbar ist. Und …“

„Ich bin sicher, wir werden später genügend Zeit haben, über den verdammten Kaffee zu diskutieren“, rief Joe ungeduldig. „Aber jetzt will ich endlich wieder an die Arbeit gehen, wenn es den Herren nicht allzu viel ausmacht.“

Vince beugte sich vertrauensvoll zu Caitlin. „Er ist nur deswegen so grantig, weil er kurz vor dem Abschluss eines Projekts steht und das Telefon, der Papierkram und so weiter ihn immer wieder davon abhalten.“ Er lächelte. „Lassen Sie sich nicht von ihm einschüchtern, okay?“

Caitlin konnte sich nicht erinnern, wann ihr jemals ein Mensch mit solch offener, bedingungsloser Freundschaft entgegengekommen war. Alle Leute, die sie für Freunde gehalten hatte, hatten sich schleunigst verzogen, seit sie kein Vermögen mehr besaß.

Aber diese Männer hatten ihr in die Augen gesehen und nicht auf die Brust, als sie mit ihr sprachen. Ein weiterer Pluspunkt zu ihren Gunsten. Und obwohl sie erkennen ließen, dass sie sie hübsch fanden, behandelten sie sie mit Respekt. Sie lächelte gerührt. In ihrem ganzen Leben hatte sie sich noch nie so willkommen gefühlt – wenn man von Joseph Brownley einmal absah –, und plötzlich traf sie eine harte Erkenntnis. Wo immer sie hingegangen war, was immer sie getan hatte, sie war nur ihrem Vater zuliebe akzeptiert worden.

Jetzt war sie mit ihrem neuen Boss allein, und sie wusste sehr gut, dass er sie nicht haben wollte. Aber aus irgendeinem Grund wollte er sie auch nicht entlassen.

„Okay, Prinzessin“, sagte er resigniert. „Hören Sie zu.“

Wo war der nette Mann geblieben, mit dem sie ganz am Anfang gesprochen hatte und mit dem sie sich gern angefreundet hätte? Sie konnte keine Spur von ihm in Joes abweisender Miene entdecken. Dieser neue Joe gefiel ihr gar nicht, aber deswegen würde sie ganz bestimmt nicht die Flucht ergreifen.

„Die letzte Tür links führt in mein Büro“, erklärte er und trat in den Flur hinaus. „Ich hasse es, unterbrochen zu werden, also halten Sie sich von mir fern.“ Erwartungsvoll sah er sie an, als ob er glaubte, sie würde doch noch kündigen, wenn er nur unhöflich genug war.

Stattdessen lachte Caitlin nur. Es war ein warmes, helles Lachen, bei dem sich unwillkürlich Joes Bauchmuskeln anspannten.

„Erwarten Sie von mir, dass ich bei einem so strengen Befehl zusammenzucke?“ Sie schüttelte den Kopf. Ein blumiger Duft umwehte seine Nase, und er runzelte gereizt die Stirn, weil diese Frau so gut duftete, dass er sich nach mehr davon sehnte. „Oder vielleicht hoffen Sie ja auch, dass ich gleich den Schwanz einklemme und davonlaufe. Muss ich Sie daran erinnern, wessen Tochter ich bin?“, fuhr sie fort. Ihr Vater hatte niemals klein beigegeben. „Ich bekomme nicht so schnell Angst.“

Wütend auf sie, seine Techniker und vor allem auf sich selbst, ging Joe wortlos wieder in das vordere Büro zurück.

„Offenbar“, sagte sie leise, „soll ich Ihnen folgen.“

Ein kleines Lächeln spielte um ihre kirschrot geschminkten Lippen, und ihm kam ein vollkommen verrückter Gedanke. Sie müssen einfach wundervoll schmecken, diese Lippen.

Diese Frau war eine blonde Sexbombe ohne die geringste Büroerfahrung und nur auf dieser Welt, um ihn zu quälen. Trotzdem konnte er sich nicht daran hindern, sie sich ausgestreckt auf seinem Schreibtisch vorzustellen, wie sie ihn mit einem einladenden Lächeln zu sich heranwinkte.

„Wie viele Angestellte haben Sie?“, fragte sie.

„Bis auf die drei Idioten, die Sie kennengelernt haben, gibt es hier nur mich.“

„Und jetzt mich“, fügte sie hinzu.

„Ich tue mein Bestes, das zu ändern.“

„Vergessen Sie’s, Mr. Brownley. Ich bleibe.“

„Das glauben Sie.“

Ihr Selbstbewusstsein war leider nur gespielt, und angesichts der Dickköpfigkeit dieses Mannes wurde es immer kleiner. Um nicht völlig den Mut zu verlieren, versuchte Caitlin es mit Small Talk. „Ich dachte, CompuSoft sei riesig. Meinem Vater zufolge liegt in dieser Firma die Zukunft aller Software.“

Joes Augen wurden tatsächlich milder. Sein sarkastischer Ausdruck verschwand. „Das hat er gesagt?“

„Er war sehr stolz auf diese Firma.“

Joe schluckte mühsam, und seine Stimme klang auf einmal sanft, fast ehrfürchtig. „Das ist ein großes Kompliment.“

Ihr Vater war mit Komplimenten immer sehr zurückhaltend gewesen. Ihr, seiner Tochter, hatte er nur ganz selten seine Anerkennung gezeigt. Der Gedanke daran tat weh, und hastig sprach sie weiter. „Wie ist es möglich, dass nur vier Männer mit der Arbeit fertig werden?“

„Es ist nicht mehr Teil eines Konzerns wie unter Ihrem Vater. Wir sind jetzt auf uns allein gestellt und beschäftigen uns nur mit Software. Haben Sie keine Kopie des Testaments erhalten?“

Wenn er wüsste, wie sehr sie über dem seitenlangen Testament gegrübelt hatte, um zu begreifen, was aus ihrem netten, bequemen Leben geworden war! Wenn er nur wüsste, wie verloren sie sich vorkam in dieser neuen, unsicheren Welt und wie sehr sie es ihrem Vater übel nahm, dass er sie praktisch vergessen hatte …

„Doch“, brachte sie mühsam hervor.

„Wenn die Begriffe zu schwer zu verstehen waren“, fuhr er gedehnt fort und schaffte es damit, ihre Wut zu wecken, „dann hätten Sie es sich von jemandem erklären lassen sollen.“

„Im Gegensatz zu dem, was Sie von mir denken mögen, kann ich lesen.“

„Alle Firmen Ihres Vaters sind aufgeteilt worden. CompuSoft gehörte am Anfang zur Hälfte mir, und er hat mir die andere Hälfte vermacht.“

Ihr Vater konnte diesem Mann einfach so eine halbe Firma schenken, aber ihr, seiner eigenen Tochter, keinen einzigen Penny. Nur einen schäbigen Job bei diesem Mann, der sie nicht ausstehen konnte. Sosehr sie sich dagegen auch sträubte, sie hasste Joe Brownley für die Ungerechtigkeit ihres Vaters. „Nett von ihm.“

„Nett?“ Ihm war der Sarkasmus in ihrer Stimme offenbar nicht aufgefallen. „Es ist das Großzügigste, was je ein Mensch für mich getan hat.“ Er unterbrach sich abrupt. „Ich weiß nicht, warum ich Ihnen das alles erzähle.“

Sie wusste es auch nicht. Und im Augenblick war es ihr auch egal. „Wo fange ich an?“

„Sie wollen also bleiben?“

„Ja.“

Er seufzte. „Na gut. Hier ist der Empfang.“ Er wies hinter sich auf einen breiten Schreibtisch, der genau gegenüber der Eingangstür stand. Zumindest nahm sie an, dass es sich um einen Schreibtisch handelte, da sie außer Papierstapeln, Ordnern und Computerteilen nichts erkennen konnte.

„Sie brauchen nichts weiter zu tun, als pünktlich zu kommen, das heißt hier etwa gegen acht Uhr, und ab und zu ans Telefon zu gehen.“ Er warf ihr einen bedeutungsvollen Blick zu. „Schaffen Sie das?“

„Ich glaube, ich werde es bewältigen können“, erwiderte sie kühl. Diesem Mann musste unbedingt mal jemand Manieren beibringen. Und was den unmenschlich frühen Arbeitsbeginn anging, so würde sie sich eben daran gewöhnen müssen. „Sicher haben Sie mehr Bedürfnisse als nur die Bedienung des Telefons.“

Seine hellen Augen blitzten auf, und sie blinzelte überrascht. Schon wenn er finster dreinschaute, sah dieser unmögliche Mann attraktiv aus, aber wenn er lächelte, war er einfach unwiderstehlich.

„Ich glaube nicht, dass Sie meine Bedürfnisse erfahren wollen.“

Nein, bestimmt nicht, sagte sie sich, und ihr Herz klopfte plötzlich wild.

Langsam wanderte sein Blick an ihrem Körper entlang, dann sah er ihr wieder ins Gesicht. Als ihre Blicke sich trafen, entstand eine unmissverständliche Spannung zwischen ihnen. Sie hatte schon sehr oft solche Blicke erhalten und gelernt, nicht darauf zu achten. Aber jetzt bei Joe Brownley, so unglaublich es war, errötete sie.

„Stimmt etwas nicht mit meiner Kleidung?“

„Ja“, erwiderte er mit seiner tiefen, beunruhigend sinnlichen Stimme. „In diesem Büro brauchen Sie ein bisschen … mehr.“

Ich hab’s ja gewusst! dachte sie. Sie hatte sich völlig unpassend angezogen. „Mehr?“

„Etwas Unförmiges wäre am besten. Zum Beispiel ein Kartoffelsack.“

Sie lachte. „Ich möchte nicht einmal tot in einem Kartoffelsack erwischt werden.“

„Sie lenken zu sehr die Aufmerksamkeit auf sich.“

„Ihre Techniker sind sehr nett. Ich glaube nicht, dass ich Probleme mit ihnen haben werde.“

Er wandte sich ab und ging den Flur hinunter. „Ich sprach nicht von meinen drei Musterschülern, Prinzessin!“, rief er über die Schulter und verzog sich.

3. KAPITEL

Das Gebäude, in dem sich CompuSoft befand, war klein, aber modern für ein Innenstadt-Bürohaus. Doch obwohl es aus Ziegelstein und Glas bestand, hatte es seltsamerweise etwas Gemütliches.

Unten in der Lobby war eine kleine Cafeteria, in der es Donuts, Croissants und eine Unmenge leckerer Kuchen zu kaufen gab. Caitlin konnte nicht widerstehen, auf dem Weg zum Fahrstuhl dort kurz haltzumachen. Wenn sie sich schon bei Morgengrauen aus dem Bett kämpfen musste, dann brauchte sie etwas im Magen, um durchzuhalten.

Eine sehr hübsche brünette Frau in Caitlins Alter, mit einer Schürze um die schlanke Taille und einem etwas gehetzten Ausdruck im Gesicht, kam zu ihr. „Kann ich Ihnen helfen?“

Caitlin dachte an den letzten Dollar in ihrer Tasche. „Wie viel kostet dieses Schokoladending da, das Letzte in der Reihe?“

„In Kalorien oder Cents?“

Caitlin lachte. „In beiden Fällen bin ich sicher, dass es zu viel ist.“ Sie seufzte bedauernd.

Die Frau lächelte zögernd. „Das sage ich mir auch jeden Morgen.“

„Wie viele essen Sie denn?“, fragte Caitlin zweifelnd und blickte auf die superschlanke Figur der Frau.

„Kommt auf die Kunden an. Je ärgerlicher die Leute sind, die ich bediene, desto mehr esse ich.“

Unwillkürlich dachte Caitlin an Joe. „Ich fürchte, wenn ich jedes Mal hierherkomme, wenn mein Boss mich ärgert, werde ich innerhalb einer Woche nicht mehr in meine Sachen passen.“

Die Frau schenkte ihr ein aufrichtiges Lächeln. „Sie sind neu hier, nicht wahr? Ich bin Amy.“

„Caitlin.“ Sie holte das Geld aus der Tasche, um ihren knurrenden Magen zu beruhigen, und kaufte sich begeistert das riesige, so ungemein verlockende Stück Schokoladentorte.

Amy grinste, nahm die Schürze ab und holte sich auch ein Stück Torte. „Falls es später voller wird, mache ich lieber jetzt schon meine Pause.“

Und so machten sie sich voller Genuss über die Torte her.

Als Joe am nächsten Morgen sein Büro betrat, war er in Gedanken ausschließlich bei seiner neuen Software. Er dankte Edmund insgeheim zum wohl tausendsten Mal. Denn ohne dessen Großzügigkeit hätte er niemals die Zeit gefunden, sich völlig auf sein eigenes Programm zu konzentrieren, geschweige denn es zu finanzieren. Ein Traum war für ihn wahr geworden.

Ob es nun Pech war oder einfach nur seine ausgezeichnete Fähigkeit, alles außer seiner Arbeit zu vergessen, war nicht auszumachen. Jedenfalls war er vollkommen unvorbereitet, als er seine Firma betrat, und starrte nun fassungslos auf den Empfangstisch.

Der Tisch war vollkommen leer, alles lag auf dem Boden. Als er einen weiteren Schritt machte, stolperte er über etwas und wäre fast hingefallen.

Rubinrote Pumps, stellte er fest.

Das erklärte auch die barfüßige Frau, die ihm, von hinten und auf allen vieren, die beste Aussicht an diesem Morgen bot. Offenbar waren Tim und Andy der gleichen Meinung, denn die beiden Techniker, die normalerweise von ihren Computern nicht wegzulocken waren, knieten ebenfalls auf dem Boden und machten ordentliche kleine Stapel von – der Himmel wusste, was.

Caitlins Kopf kam hoch, als er die Tür hinter sich schloss. So unvorstellbar es auch sein mochte, aber er hatte seine neue Sekretärin vollkommen vergessen gehabt.

„Guten Morgen“, sagte sie mit ihrer aufregenden Stimme, was ihn daran erinnerte, dass er eine Tasse Kaffee brauchte. Und zwar dringend.

Tim und Andy sprangen auf, knallrot im Gesicht.

„Hallo, Joe“, murmelte Andy hastig und steckte die Hände in die Jeanstaschen. „Wie ist es bei der Bank gelaufen?“

„Nicht halb so aufregend wie offenbar hier.“ Joe hob eine Augenbraue, als Caitlin ihren zierlichen, wohlgerundeten Körper so weit wie möglich streckte, um an einen Ordner heranzukommen.

Tim und Andy gingen fast die Augen über bei dem Anblick, was er ihnen kaum übel nehmen konnte. Er erinnerte sich jedenfalls nicht, jemals einen hübscheren weiblichen Po gesehen zu haben. Und er hatte eine ganze Menge gesehen.

Aber dieser flüchtige Anfall von Lust, und das nur wegen einer Sekretärin, die er gar nicht gewollt hatte, machte ihn wieder wütend. Der halbe Morgen war schon vorbei, weil er zur Bank hatte gehen müssen, und offenkundig war hier auch nicht viel Arbeit erledigt worden, sondern nur das Chaos vom Empfangstisch auf den Boden verlegt worden.

Er seufzte. Hatte er es nicht geahnt, dass es so kommen würde, wenn er sie hierbehielt? Und hatte er sie nicht gebeten, etwas mehr anzuziehen, um ihren Körper zu verdecken, verdammt noch mal?

Frauen erhielten genau wie seine Arbeit seine volle Aufmerksamkeit. Doch im Gegensatz zu seiner Arbeit waren Frauen für ihn nur eine Ablenkung. Eine angenehme zwar, aber eben doch etwas, dem er keine tiefere Bedeutung beimaß. Und so musste es auch sein. Er war ohne emotionale Geborgenheit aufgewachsen, was ihn tief verletzt hatte. Er hatte erfahren müssen, dass nahe Beziehungen leidvoll waren und gefühlsmäßige Abhängigkeit verursachten. Und Abhängigkeiten machten einen schwach, und das durfte er auf keinen Fall zulassen.

Deshalb verließ er sich nur auf sich selbst. Er ging nur sehr selten Beziehungen ein, und jede Affäre, die er genossen hatte, war schön, aber kurz gewesen. Eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin konnte aber weder schön noch kurz sein und kam deswegen gar nicht erst infrage, mochte die Frau auch noch so bemerkenswerte weibliche Attribute aufweisen.

Um sich seine Ungerührtheit zu beweisen, wandte er den Blick ab von Caitlin. Tim und Andy standen immer noch da und starrten sie stumm an. Er wollte die beiden schon anfahren, da erschien Vince in der Türöffnung, die Brille auf der Nase und eine Diskette in der Hand.

„Jungs“, sagte Vince streng, „ihr habt vor einer halben Stunde nach Caitlin sehen wollen. Was ist denn pas…“ Er brach ab, als ihm der gleiche Anblick zuteilwurde, der Tim und Andy und danach auch Joe die Sprache verschlagen hatte. Vince machte langsam den Mund zu und warf Joe einen halb amüsierten, halb gereizten Blick zu.

Joe wies mit einer knappen Kopfbewegung Richtung Tür, und Vince nickte. „Tim, Andy, lasst uns verschwinden.“

Während Joe den Dreien nachsah, seufzte er im Stillen und fragte sich, wie lange es wohl noch dauern würde, bis Miss Taylor die Lust am Sekretärinnenjob verlieren würde. Hoffentlich schon sehr bald.

„Heute war ich vor Ihnen da“, verkündete Caitlin in einem Ton, als ob sie eine Medaille dafür erwartete.

„Das sollten Sie auch“, entgegnete er. „Es ist immerhin schon zehn Uhr.“

Sie kam höher und kniete jetzt. Er sah, dass sie den engsten, kürzesten, rotesten Rock trug, den er je erblickt hatte. Wie war sie ohne Hilfe da hineingekommen? „Was, zum Teufel, machen Sie da?“

„Ich erledige die Ablage.“ Sie wischte sich den Staub von den Händen. „Dieses Büro ist eine Katastrophe. Räumen Sie denn nie auf?“

„Nein, und ich wusste immer, wo alles ist … war“, fügte er beunruhigt hinzu und versuchte, nicht in Panik zu geraten.

„Es wird bald übersichtlicher werden. Sie werden sehen.“

Das bezweifelte er stark und wollte es ihr gerade mitteilen, da klingelte das Telefon. Fasziniert schaute er zu, wie sie aufstand, das kurze Jäckchen zurechtrückte, das genauso knallrot war wie ihr Rock, und den Hörer abnahm.

„Hallo?“ Schnell bedeckte sie die Sprechmuschel und sah ihn fragend an. „Soll ich sagen, dass hier CompuSoft ist? Oder versteht sich das nicht von selbst? Immerhin haben sie uns ja angerufen und wissen wahrscheinlich, wessen Nummer sie gewählt haben.“ Sie biss sich unentschlossen auf die Unterlippe.

„Finden Sie einfach heraus, wer dran ist“, schlug Joe trocken vor. „Das scheint mir ein guter Anfang zu sein.“

Sie nickte ernsthaft und sprach wieder ins Telefon. „Ja, mit wem spreche ich, bitte?“ Aufmerksam lauschte sie, und nach einer Weile erhellte ein strahlendes Lächeln ihr leicht gerötetes Gesicht. „Oh, das ist sehr freundlich von Ihnen“, gurrte sie. „Und ich bin sicher, dass er das gern tun wird. Vielen Dank.“ Sie legte den Hörer auf und ging wieder auf die Knie inmitten all des Durcheinanders, das sie über den ganzen Boden verteilt hatte.

Und er ertappte sich dabei, wie er schon wieder ihren hübschen Po betrachtete. „Caitlin.“ Seine Stimme klang seltsam erstickt, doch er hatte keine Ahnung, ob das an seiner Verärgerung lag oder daran, dass seine höchstpersönliche Software sich plötzlich in Hardware verwandelte.

Caitlin hob den Kopf und lächelte ihn an. „Ja, Mr. Brownley?“

Es klang irgendwie recht albern, dass sie sich so förmlich anredeten, besonders wenn man bedachte, dass sie sich mit seinen drei Technikern fast sofort geduzt hatte.

„Joe“, berichtigte er sie, „und für eine entspanntere Zusammenarbeit wäre es besser, wenn wir uns duzen würden. Natürlich nur, wenn Sie nichts dagegen haben.“

„Okay. Gern, Joe.“ Sie wandte sich wieder ihrer Arbeit zu.

„Wer war am Telefon?“, verlangte er, schon etwas ungeduldiger, zu wissen.

„Oh. Das war AT&T.“ Sie schenkte ihm das gleiche strahlende Lächeln, bei dem ihm schon vorhin die Knie weich geworden waren. „Sie schicken Ihnen … dir eine Rechnung über einhundert Dollar für die Probezeit von zwei Wochen, in denen du ihre Dienste in Anspruch genommen hast. Ist das nicht nett von ihnen? Obwohl du sie wahrscheinlich nicht hättest aufgeben sollen. Wie mir die freundliche Frau am Telefon gesagt hat, haben sie die besten Preise.“

Er schloss sekundenlang die Augen und sagte sich beschwichtigend, dass er Edmund ungeheuer viel verdankte. Und diese Frau – diese verrückte, ungezähmte, chaotische Frau – war Edmunds Tochter. „Ich bin in meinem Büro“, brachte er einigermaßen ruhig hervor.

Sie nickte nur gleichmütig und fuhr fort, Papiere – seine Papiere! – von einer Stelle zur anderen zu schieben. „Kein Problem.“

Als er sich abwandte, stolperte er schon wieder über ihre Pumps.

Ich werde es schaffen, sagte Caitlin sich beschwörend. Kein Problem. Sie hatte ihr ganzes Leben nichts anderes getan, als mit allen Dingen allein fertig zu werden. Sie war vor vielen Jahren mit dem Tod ihrer Mutter allein zurechtgekommen. Sie hatte sich damit abgefunden, immer allein zu reisen, die Feiertage allein zu verbringen – und überhaupt, ganz allgemein, stets allein zu sein.

Also würde sie es ja wohl noch schaffen, ab und zu einen Anruf entgegenzunehmen und ein Büro aufzuräumen. Besonders da ihr gar keine andere Wahl blieb. Die Rechnungen mussten bezahlt werden. Gestern Abend hatte sie mehrere Aufforderungen von diversen Geldeintreibern erwartet. Die wurden allmählich unfreundlich.

Das Telefon war zum Glück eine Weile stumm geblieben. Und ihre Arbeitskollegen waren ruhig und freundlich und sahen immer wieder nach ihr, falls sie Hilfe nötig haben sollte. Sie musste bei dem Gedanken an diese Männer lächeln. Sie waren ja so lieb. Bis auf Joe. Kein Mensch im Besitz seiner fünf Sinne würde diesen Riesen von einem schlecht gelaunten Mann lieb nennen.

Sie ging den Flur hinunter zu der kleinen Küche, in der ein Kühlschrank, eine Mikrowelle, eine Spüle und ein kleiner Tisch mit Stühlen standen. Nach einem Blick auf die Kaffeemaschine verzog sie das Gesicht. Die Kanne war natürlich leer. Wer auch immer sich die letzte Tasse eingeschenkt hatte, wäre nie im Leben auf die Idee gekommen, wieder Kaffee aufzusetzen. Ihre Fertigkeiten als perfekte Gastgeberin meldeten sich, und sofort machte sie sich daran, Kaffee zuzubereiten. Und da die Küche in einem üblen Zustand war, fing sie auch gleich an, sie sauber zu machen. Vielleicht habe ich alles ganz falsch gesehen, überlegte sie, während sie das Spülbecken schrubbte. Ich bin im Organisieren die Beste, und diese Männer brauchen mich.

Der bloße Gedanke ließ sie innehalten und wärmte ihr das Herz. Noch nie hatte irgendjemand wirklich ihre Hilfe gebraucht.

„Na, wie läuft’s?“

Sie lächelte, als Vince in der Tür erschien. „Gut.“ Rasch wischte sie ein letztes Mal mit dem Tuch über den Tisch und fing dann zu fegen an.

„Wirklich?“ Er schien nicht überzeugt, sondern eher besorgt zu sein. „Ich muss dir gratulieren. Du hast die gefürchtete Zwei-Stunden-Frist überdauert.“

Sie dachte an die Raten für ihren Wagen, an die Miete, mit der sie bereits im Rückstand war, und versuchte, nicht an den Stapel Rechnungen zu denken, die sie in einer Schublade verstaut hatte, um sie nicht ständig vor Augen zu haben.

„Oh, ich werde nicht aufgeben“, sagte sie entschlossen.

„Das ist eine große Erleichterung, denn du bist wie ein Sonnenstrahl in unseren düsteren Büros, Caitlin.“

Sie sah schnell auf. War das ein Annäherungsversuch? Seit sich bei ihr im zarten Alter von zwölf Jahren die ersten Rundungen gezeigt hatten, war sie zu einer Spezialistin geworden, wenn es darum ging, die Beweggründe eines Mannes zu erkennen. Aber Vince lächelte sie nur freundlich an. Mit seinem wuscheligen dunkelroten Haar und der unauffälligen Brille wirkte er auf eine etwas biedere Art sehr nett. Aber sie hatte schon früh begriffen, dass die netten und biederen Typen nur sehr selten harmlos waren.

„Tja, so bin ich eben“, erwiderte sie. „Ich strahle so hell, dass man eine Sonnenbrille braucht, um mich anzusehen.“

Vince lachte, machte aber nicht den Versuch, ihr näher zu kommen. Und in ihrer Erleichterung, endlich auf jemanden getroffen zu sein, der wirklich nur freundlich sein wollte, entspannte sie sich.

„Ist es denn immer so hektisch hier?“, fragte sie.

„Du denkst dabei sicher an Joe.“ Vince lehnte sich an die Wand und sah Caitlin beim Saubermachen zu. „Er ist bloß sehr beschäftigt. Ignorier ihn einfach. Das ist das Beste.“ Er runzelte die Stirn. „Er hat doch hoffentlich nicht deine Gefühle verletzt, denn das würde ihm sehr leidtun. Im Augenblick will er sich auf nichts anderes als auf seine Arbeit konzentrieren, und er hasst es, wenn ihn etwas davon abhält.“

„Nun, jemand sollte ihm mal sagen, dass Arbeit nicht alles ist im Leben.“

„Du bist doch ganz gut mit ihm zurechtgekommen.“

„Wenn du das gut nennst, möchte ich nicht erleben, wie er ist, wenn man nicht gut mit ihm zurechtkommt.“

„Er ist ein netter Kerl, Caitlin. Er steht zurzeit nur unter sehr starkem Druck. Und er hat gerade Edmund verloren …“ Vince unterbrach sich entsetzt und wurde rot. „Entschuldige. Er war dein Vater, also weißt du sicher, wie Joe sich fühlt.“

Ja, sie wusste es, und der Gedanke, dass Joe um ihren Vater trauerte, ärgerte und rührte sie gleichzeitig. „Das erklärt natürlich seine Gereiztheit.“

„Um die Wahrheit zu sagen“, meinte Vince mit einem Augenzwinkern, „er ist fast immer so.“

„Aber ihr anderen, du und Tim und Andy, ihr seid so warmherzig und freundlich.“

„Tim und Andy sind wirklich großartig. Wir sind seit Ewigkeiten Freunde.“

Wie schön es sein muss, richtige Freunde zu haben, dachte Caitlin wehmütig und erwiderte spontan: „Erzähl mir von euch.“

Vince lachte vergnügt. „Wir waren die sprichwörtlichen Schultrottel. Du weißt schon, die Jungs, die keins der Mädchen auch nur mit einem Blick würdigt. Aber wir haben schließlich triumphiert. Auf unserem Fünfjahrestreffen haben wir festgestellt, dass die meisten unserer Mitschüler stinklangweilige Jobs haben. Keiner konnte sich mit uns messen. Außerdem haben wir noch alle Haare auf dem Kopf.“

„Und ihr seid echt in Form. Auf meinem Schultreffen stellte ich fest, dass die früheren Cheerleader dicke Tonnen geworden sind.“

„Genau das meinte ich.“ Vince grinste. „Wir sind nicht dick, und wir haben einen Job, den wir lieben.“

Das stimmt, dachte Caitlin ziemlich neidisch. Sie selbst hatte ihren Platz im Leben noch nicht gefunden. Sie war noch nie wirklich zufrieden gewesen. Vielleicht deshalb, weil sie nie besondere Ansprüche an sich gestellt und nie einen richtigen Job angenommen hatte. Aber das kann sich ändern, sagte sie sich hoffnungsvoll. Vielleicht würde sie ihren Platz ja doch noch finden. Vielleicht war der richtige Platz für sie sogar genau hier.

Das Telefon klingelte. „Einen Moment!“, rief sie hastig, rannte den Flur hinunter und nahm ab. „Guten Morgen, hier CompuSoft … Nein, warten Sie“, unterbrach sie sich atemlos. „Jetzt ist es schon fast Nachmittag, nicht wahr?“ Oh nein, sie fing ja schon wieder zu faseln an. „Ach, vergessen Sie’s. Einfach nur hallo.“

Das Freizeichen ertönte. Der Anrufer hatte aufgelegt. „Verdammt noch mal!“

„Das sind ja nette Telefonmanieren.“

Sie wäre fast vom Stuhl gefallen, als sie Joes tiefe Stimme direkt hinter sich hörte. Wohlweislich holte sie tief Luft, bevor sie sich zu ihm umdrehte, und setzte rechtzeitig ein Lächeln auf. „Soso. Sie … du bist also aus deinem Käfig herausgekommen.“

„Ich habe Kaffee gerochen …“ Joe unterbrach sich abrupt, als Caitlin das rote Jäckchen auszog. Darunter trug sie eine ärmellose weiße Seidenbluse, die recht hübsch und eher unauffällig war, wenn man einmal von dem bemerkenswerten Körper darunter absah. Die weiche Seide schmiegte sich auf eine Weise an ihre sensationellen Rundungen, die seinen Puls zum Rasen brachte.

„Was machst du da?“, fragte er barsch und trat einen Schritt zurück. Sie wollte sich doch wohl nicht ganz ausziehen!

Lachend antwortete sie: „Jedenfalls nicht das, was du in diesem Augenblick glaubst – was immer es ist.“ Sie ließ die Jacke achtlos auf ihren Stuhl fallen, schüttelte die Pumps ab und stützte die Hände auf die Hüften. „Zu deiner Information, ich habe gerade deine schmutzige Küche sauber gemacht, und jetzt ist mir heiß. Deswegen habe ich auch die Jacke ausgezogen. Ihr Jungs seid wirklich unglaublich unordentlich.“

Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, holte sie mit der Hand aus – und traf dabei die Lampe auf dem Schreibtisch. Er griff danach, doch schon schlug sie auf dem Boden auf, wo sie in unzählige Stücke zerbrach.

„Verdammt!“, fluchte er und ging in die Knie – neben sein brandneues, sündhaft teures Speziallaufwerk zum Komprimieren von Daten. „Was tut der Zip-Drive auf dem Fußboden?“

„Ich habe Staub gewischt. Weißt du eigentlich, wie sehr Staub dem Computer schadet?“

Erwürgen konnte er sie leider nicht, also begnügte er sich damit, die winzigen Glasstückchen vom Zip-Drive wegzuwischen, wobei er sich einen Splitter im Daumen zuzog. Wieder fluchte er unterdrückt und starrte vorwurfsvoll zu der Frau hoch, die so viel Chaos in sein Leben gebracht hatte.

Aber das war ein großer Fehler.

Denn er kniete zu ihren Füßen und befand sich so plötzlich auf Augenhöhe mit einem sehr interessanten und sehr erotischen Teil ihres Körpers. Mannhaft zwang er sich, an ihren verführerischen Schenkeln und den übrigen wundervollen Rundungen vorbeizusehen und den Blick auf ihre braunen Augen zu richten.

„Tut mir leid“, flüsterte sie bedrückt. „Es ist nur, dass ich …“ Ihr Magen gab ein deutliches Knurren von sich, und sie fuhr hilflos fort: „Ich habe Hunger.“

„Du hast Hunger?“ Seine Stimme klang etwas gepresst.

„Ja.“ Sie nickte und legte sich, wie um ihre Worte zu unterstreichen, eine Hand auf den flachen Bauch.

In diesem Moment erschien Vince und riss unwillkürlich die Augen auf, als er Joe und Caitlin in dieser seltsamen Stellung vorfand. „Habe ich etwas unterbrochen?“

„Nur meine Entlassung“, antwortete Caitlin und seufzte.

Tim und Andy kamen neugierig hinter Vince herein.

„Ist etwas nicht in Ordnung?“, fragte Andy, nachdem er Joes finsteres Gesicht gesehen hatte.

„Alles“, meinte Joe mit einem wütenden Blick auf Caitlin.

„Es war wirklich nett, euch kennenzulernen, Jungs“, sagte Caitlin mit einem zittrigen Lächeln.

„Warte, Caitlin.“ Vince kam auf sie und Joe zu. „Einen Moment, Joe. Tu nichts Übereiltes.“

„Ja, genau, Joe“, stimmte Tim zu. „Du kannst sie nicht feuern. Sie hat Kaffee gemacht. Wundervollen Kaffee.“

„Und sie hat sauber gemacht“, fügte Andy hinzu. „Hast du gewusst, dass die Kacheln in der Küche weiß sind?“

Statt aus der Haut zu fahren, wie Caitlin eigentlich gefürchtet hätte, schüttelte Joe nur den Kopf. Und dann brach er in Gelächter aus. Es war ein herzliches, wohlklingendes und ansteckendes Lachen, das sie nie von ihm erwartet hätte. Während alle anderen ihn fassungslos anstarrten, schüttelte er sich fast vor Lachen.

Was kam ihm nur so komisch vor? „Tut mir leid wegen des Laufwerks“, flüsterte sie.

Stille. Offensichtlich hatten jetzt weder Tim noch Andy oder Vince etwas Hoffnungsvolles beizusteuern. Stattdessen sahen sie alle zu Joe hinüber, als ob sie fürchteten, er könnte ihnen an die Gurgel gehen.

Joe richtete sich auf und holte tief Luft. „Na ja. Was soll’s. Ich schätze, jetzt ist sowieso Mittagszeit.“

„Wirklich, Joe?“, fragte Caitlin vorsichtig nach.

Er sah sie mit einem rätselhaften Blick an. „Ja, sag ich doch.“

Erleichterung und Hoffnung ließen sie leise auflachen. In diesem Moment vergaß Caitlin, dass er dumme, unfähige Frauen nicht mochte und dass sie harte, besserwisserische Männer, die auch noch attraktiv waren, ebenso wenig ausstehen konnte.

Vielleicht würde es ja doch noch mit ihnen klappen. Vielleicht hatten sie ja doch eine winzige Chance.

In diesem Augenblick explodierte die Kaffeemaschine, und Feuer brach aus.

4. KAPITEL

Nachdem sie die Feuerwehr losgeworden waren, zwängten sich alle fünf – Vince, Tim, Andy, Joe und Caitlin – in Vinces Lieferwagen und fuhren zum Mittagessen.

Aber Tim und Andy konnten sich nicht auf ein Restaurant einigen, und Vince bog immer wieder falsch ab, wenn Joe ihm die Richtung angab. Das alles hätte Caitlin normalerweise köstlich amüsiert, aber in diesem Fall saß sie viel zu dicht neben Joe. Sie fand, sie klebten direkt aneinander.

Ihn dermaßen nah zu spüren machte ihr erst recht klar, wie groß und kraftvoll er war. Und da er sich krampfhaft gerade hielt, um so wenig Körperkontakt wie möglich zu ihr zu haben, war er sich ihrer Nähe offensichtlich genauso bewusst wie sie sich seiner.

„Warte! Hier lang!“, schrie Tim, und Vince schoss in die nächste Kurve.

Caitlin spürte die Anspannung in Joes Körper, während er versuchte, nicht auf sie zu fallen. Es gelang ihm nicht ganz, und bei der folgenden Kurve, die diesmal ohne Vorwarnung genommen wurde, musste er sich mit einem Arm hinter ihr festhalten, um nicht gegen sie zu fallen. Aber sein Schenkel presste sich dennoch an ihren, sodass sie jetzt dicht aneinandergeschmiegt dasaßen und seine Wärme auf Caitlin überströmte.

Er duftete nach angetrocknetem Kaffee.

„Entschuldigung“, murmelte er undeutlich und ...

Autor

Jill Shalvis
New York Times-Bestsellerautorin Jill Shalvis lebt in einer Kleinstadt in Sierras, voller verschrobener Mitmenschen. Jegliche Ähnlichkeit mit den Quirky Charakters in ihren Büchern ist, naja, meistens zufällig. Besuchen Sie sie auf ihrer Website www.jillshalvis.com, um mehr über Jills Bücher und ihre Abenteuer als Berge erklimmendes Stadtkinde zu lesen.
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