Tiffany Exklusiv Band 89

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HEISS WIE DIE SONNE IN TEXAS von CANDACE SCHULER

Was für ein toller Mann, denkt die Rancherin Jo Beth. Vergessen ist ihr Schwur, um attraktive Männer einen großen Bogen zu machen. Dafür hat der Rodeoreiter Clay einfach zu viel Sex-Appeal! Aber mehr als eine heiße Sommeraffäre kommt nicht in Frage – oder doch?


LASS UNS ZAUBERN, COWBOY! von KATHIE DENOSKY

Als Chad Warren in seinem Hotelzimmer in Las Vegas aufwacht, liegt neben ihm eine traumhaft schöne Frau. Es ist Kristen Lassiter, Tochter eines der reichsten Männer von Texas. Doch was ansonsten in dieser Nacht geschah, weiß er nicht. Beim Anziehen fällt eine Heiratsurkunde aus seiner Jacke: Kristen und er haben letzte Nacht nicht nur Sex gehabt, sie haben auch geheiratet! Was nun?


GEHEIMAGENTEN KÜSSEN BESSER von MARILYN TRACY

Von der Mafia bedroht, sucht Jeannie mutige Cowboys, die sie und ihre Farm beschützen – und heuert Chance Salazar an. Dass sie sich mit ihm einen Geheimagenten ins Haus geholt hat, ahnt sie nicht. Und wenn sie seine Leidenschaft spürt, stellt sie auch keine Fragen ...


  • Erscheinungstag 04.05.2021
  • Bandnummer 89
  • ISBN / Artikelnummer 8066210089
  • Seitenanzahl 384

Leseprobe

Candace Schuler, Kathie DeNosky, Marilyn Tracy

TIFFANY EXKLUSIV BAND 89

1. KAPITEL

„Ach, verdammt!“ Jo Beth Jensen stieß sich so heftig von ihrem Schreibtisch ab, dass sie mit dem Bürostuhl gegen den Aktenschrank aus Metall krachte, der hinter ihr stand. Sie sprang auf, schnappte sich ihren Strohcowboyhut vom Haken, zog ihn tief in die Stirn und marschierte mit klirrenden Sporen aus dem Büro. „Ich mache einen Ausritt“, verkündete sie der Mexikanerin mit dem runden Gesicht, die, von dem Tumult aufgeschreckt, aus der Küche kam.

Esperanza Diego nickte nur und verschwand wortlos wieder in der Küche. Auch keiner der Knechte, denen Jo Beth auf dem Weg zum Stall begegnete, sprach sie an. Jeder, der noch halbwegs bei Verstand war, konnte sehen, dass die Chefin der Diamond-J-Ranch sehr, sehr schlechte Laune hatte.

Das kam in letzter Zeit häufiger vor. Niemand machte ihr deswegen Vorwürfe, denn wenn man seine drei besten Cowboys an die Rodeosaison verloren hatte, das Haupthaus in eine affige Unterkunft für Touristen aus der Großstadt umbauen musste und noch dazu eine Hochzeit bevorstand, konnte man schon ziemlich gereizt sein.

Davon abgesehen wussten alle, dass sie den ganzen Vormittag in ihrem stickigen kleinen Büro gegenüber der Küche verbracht und gerechnet hatte – wahrscheinlich mit dem Ergebnis, dass das Geld nur knapp reichte. Jeder auf der Ranch zeigte Verständnis. Man konnte ihren Wunsch, jemandem mal kräftig in den Hintern zu treten, durchaus verstehen. Aber natürlich wollte niemand dieser jemand sein, und so hielt sich keiner mehr im Stall auf, als Jo Beth dort ankam.

„José!“, rief sie und blieb am Tor stehen, um ihre Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen. „T-Bone! Verdammt, wo steckt ihr alle?“

Die einzige Antwort war das Wiehern eines Pferdes.

„Cowboys.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ein Haufen nutzloser Feiglinge. Beim kleinsten Anzeichen von Ärger laufen sie weg. Verantwortungslose …“ Sie verstummte, als sie sich einer Box näherte. „Hallo, Bella“, begrüßte sie die Stute und nahm aus der Brusttasche eins von den Pfefferminzbonbons, die sie stets für ihr verwöhntes Lieblingspferd bei sich trug. „Wie geht es dir?“

Das Pferd wieherte erneut und reckte zur Begrüßung den Hals über die Boxentür. Jo Beth hielt ihr das Bonbon auf der flachen Hand hin und streichelte der Stute anschließend den Kopf, den sie an ihre Brust schmiegte. Sofort ging es Jo Beth wieder besser.

Bella war ihre liebste Freundin, ein gutmütiger Rotschimmel mit einer weißen Blesse auf der Nase und drei weißen Läufen. In ihren besten Jahren war sie Barrel-Race-Champion gewesen. Heute war sie immer noch ein sehr gutes Pferd für den Viehtrieb, solange man nicht zu hart mit ihr arbeitete. Sie war geduldig, freundlich und anspruchslos, und sie machte keine Dummheiten. Eine Frau konnte sich keinen verlässlicheren Gefährten wünschen.

„Was hältst du von einem Ausritt?“, flüsterte sie der Stute in das samtweiche Ohr. „Ein bisschen frische Luft und Bewegung für dich. Hm?“ Sie nahm eine Leine vom Haken, befestigte sie am Halfter des Pferdes und führte es hinaus in die sengende texanische Sonne.

Fünfzehn Minuten später nahm sie die Zügel in die Hand und schwang sich in den Sattel. Bella machte ein paar tänzelnde Schritte zur Seite. Ihre starken Rückenmuskeln zuckten, denn sie spürte die Ungeduld und die innere Unruhe ihrer Reiterin.

„Sag Esperanza, sie soll mit dem Essen nicht auf mich warten“, trug Jo Beth dem einzelnen Stallknecht auf, der sich wieder hervorgewagt hatte, nachdem sie auf dem Pferd saß.

Sie lenkte Bella aus dem Hof vor dem Stall. Als sie den kleinen Hügel mit den Kiefern und Eichen hinter sich gelassen hatten, wechselte sie in einen leichten Galopp, bis sie dann das Pferd auf dem flachen Gelände einfach laufen ließ. Sie ritt rasant. Bellas rötliche Mähne und Schweif wehten im heißen Wind, und die Hufe donnerten auf dem harten Boden.

Jo Beth beugte sich tief über den Hals des Pferdes, und ihr langer, dicker Zopf wippte auf ihrem Rücken. Das Lasso über dem Sattelknopf schlug gegen ihren Oberschenkel, und sie wünschte, sie könnte ewig so weiterreiten. Doch nach einer Weile schnaubte Bella heiß und schwer. Also verlangsamte Joe Beth das Tempo. Bella schüttelte den Kopf und klirrte mit dem Zaumzeug, als wollte sie protestieren, fand sich dann aber zufrieden mit dem ruhigeren Gehtempo ab.

Jo Beth seufzte und versuchte, ebenfalls zufrieden zu sein. Aber da war nach wie vor diese Unruhe, diese Gereiztheit. Und das hatte nicht nur mit den drei Cowboys zu tun, die wegen der Rodeosaison gekündigt hatten, als Jo Beth sie am dringendsten brauchte. Es hatte auch nichts mit den Urlaubern aus der Stadt zu tun, die in knapp einer Woche auf der Ranch einfallen würden, oder mit der bevorstehenden Hochzeit ihrer besten Freundin, bei der sie – der Himmel möge ihr beistehen – Brautjungfer sein würde. Es hatte nicht einmal mit der Buchführung zu tun.

Schuld an ihrem Zustand war einzig und allein dieser Clay Madison!

Wenn sie regelmäßig Sex gehabt hätte, wäre es nicht so schlimm gewesen. Nur lag jenes Wochenende in Dallas mit Jim, dem Viehhändler, schon über sechs Monate zurück, und davor hatte sie auch schon vier Monate enthaltsam gelebt. Das letzte Mal war so lange her, dass sie fast vergessen hatte, wie es war. Und dann war Clay Madison aufgetaucht, dieser lässige, sexy Cowboy. Als sie ihn gesehen hatte, war ihr schlagartig wieder eingefallen, was genau ihr fehlte. Wenn sie gekonnt hätte, wäre sie ihm aus dem Weg gegangen. Nur würde er Trauzeuge bei der Hochzeit sein. Folglich war es einfach unmöglich, ihn zu ignorieren.

Dummerweise war es genauso unmöglich, Sex mit ihm zu haben.

Jo Beth hatte zwei eiserne Grundsätze, wenn es um Sex ging. Erstens tat sie es nicht in der Nähe ihres Zuhauses. Und zweitens tat sie es nicht mit Cowboys. Nie.

Davon abgesehen, hatte Clay sie ohnehin keines weiteren Blickes gewürdigt. Sie gehörte nicht zu den Frauen, die einem Mann wie ihm auffielen. Zwar war ihre Figur ganz ansehnlich – ein bisschen dünn vielleicht –, und sie hatte ein hübsches Gesicht. Keines zwar, nach dem Männer sich auf der Straße umdrehten, aber auch keines zum Wegschauen. Sie gestand sich durchaus ein, dass sie womöglich nicht genug weibliche Anmut besaß, um schön genannt zu werden. Doch dafür strahlte sie eine Bodenständigkeit und Natürlichkeit aus, die ihre eigenen Reize besaßen.

Nur leider nicht für Männer wie Clay Madison.

Männer wie er wollten keine natürlichen, bodenständigen Frauen, sondern solche mit üppigen Kurven, aufgedonnerten Frisuren, klimpernden Wimpern und geschminkten Lippen. Sie wollten naive Häschen, von denen sie für ihre Leistungen beim Rodeo bewundert wurden und die keinen Aufstand machten, wenn es vorbei war. Und die bekamen sie auch. Haufenweise. In jeder Stadt, in der ein Rodeo veranstaltet wurde, standen diese Rodeo-Groupies Schlange, um sich einen Cowboy zu angeln. Erst recht einen, der so gut aussah, mit seinen breiten Schultern und seinem knackigen Po, wie Clay Madison, vierfacher Pro Rodeo Bullriding Champion. Einer wie er würde sich niemals eine Frau wie Jo Beth aussuchen.

Nicht, dass sie sich einen wie ihn ausgesucht hätte, jedenfalls nicht für eine feste Beziehung. Allerdings hätte sie nichts dagegen gehabt, mit ihm im Bett zu landen. Nur ein Mal, um herauszufinden, ob er wirklich so gut war, wie er aussah.

„Ich wette, er ist toll“, murmelte sie und schloss die Augen, um es sich besser ausmalen zu können.

Sie stellte sich vor, wie sie ihre Hände über seine breiten nackten Schultern gleiten ließ, während er sie stürmisch küsste. Sie stellte sich vor, wie sie ihre nackten Brüste an seiner ebenso nackten muskulösen Brust rieb, während seine Hände über ihren Rücken glitten. Und sie malte sich aus, wie sie ihre Fingernägel in seinen knackigen Cowboypo grub, während er in sie eindrang. Das alles gefiel ihr so gut, dass sich ihre Brustwarzen in ihrem schlichten weißen Baumwoll-BH aufrichteten. Erregt rutschte sie auf dem Sattel hin und her.

Bella warf den Kopf zurück. Sie wollte sehen, was los war.

„Entschuldige, Liebes.“ Jo Beth tätschelte ihr den Hals, um ihr zu signalisieren, dass alles in Ordnung war. Pferde, die beim Viehtrieb und bei Barrel-Races – Rennen in einer Rodeoarena, bei denen Pferd und Reiter um Tonnen ritten – eingesetzt wurden, erhielten ihre Befehle durch die Bewegungen des Reiters im Sattel; ein Schenkeldruck bedeutete dies, eine Gewichtsverlagerung das. „Ich wollte dich nicht verwirren.“

Sie hatte momentan auch genug mit ihrer eigenen Verwirrung zu tun.

Es war ja nicht einmal so, dass sie Cowboys mochte. Na ja, als Angestellte, Kollegen oder Freunde schon, aber bestimmt nicht in romantischer Hinsicht. Was das anging, hatte sie ihre Lektion gelernt. Und trotzdem tauchte einer in ihren erotischen Fantasien auf. Es war einfach allerhöchste Zeit für eine Reise nach Dallas zu ihrem Lieblingsviehhändler. Oder, da die Zeit knapp war und sie sehr verzweifelt, für einen Anruf bei dem jungen Banker in der Nachbargemeinde. Der freute sich jedes Mal, etwas von ihr zu hören. Morgen nach der Hochzeit würde sie Todd anrufen und fragen, ob er nicht Lust hatte, sich mit ihr im Holiday Inn am Highway 81 zu treffen. Ein bisschen Sex zur Entspannung war genau das, was sie brauchte, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen und ihre Nerven zu beruhigen. Schließlich würde es keinen guten Eindruck machen, wenn sie die Urlauber aus der Stadt mürrisch und schlecht gelaunt empfing.

Sie streckte den Rücken durch und rollte den Kopf hin und her, um ihre verspannten Nackenmuskeln zu lockern. Dabei drückte sie aus Versehen die Schenkel zusammen, sodass Bella einen Sprung zur Seite machte. Einen unerfahrenen Reiter hätte das aus dem Sattel geworfen, doch Jo Beth bekam die Situation ohne Probleme in den Griff. „Tut mir leid, Bella“, sagte sie und streichelte die Mähne des Pferdes.

Vielleicht würde sie mit dem Anruf bei Todd doch nicht bis nach der Hochzeit warten. Er war wirklich immer entgegenkommend und traf sich mit ihr, wann und wo sie wollte, sei es für einen Nachmittagsquickie oder eine ganze Nacht. Vielleicht sollte sie ihn lieber heute Nachmittag anrufen, sobald sie zurück auf der Ranch war. Sie könnte sich für heute Abend mit ihm verabreden.

Nur ging das dummerweise nicht, weil heute Abend Cassies Junggesellinnenabschied war. Als Brautjungfer musste Jo Beth dabei sein, auch wenn sie nicht besonders scharf darauf war. Allerdings war ihr die Party immer noch lieber als die Hochzeit. Zu der würden alle möglichen Leute aus der Gemeinde erscheinen, die nur darauf lauerten, dass Cassie auf dem Weg zum Altar in ihrem Seidenkleid und mit Rosenknospen im Haar stolperte.

Der Junggesellinnenabschied war wenigstens eine Privatparty. Albern natürlich, aber zumindest würden sie unter sich sein. Die Braut hatte sich eine altmodische Feier mit ihren Freundinnen gewünscht, bei der alle anschließend im Haus der Gastgeberin übernachteten. Auf der Einladung stand, dass Babydoll-Nachthemden erwünscht seien – nie im Leben, dachte Jo Beth – und man gemeinsam Oldies hören, Popcorn machen und Eis essen wolle. Außerdem würden sie sich gegenseitig maniküren und pediküren, damit alle mit dem gleichen Nagellack zur Hochzeit erschienen. Als besondere Überraschung für die Braut würde die Brautjungfer La Wanda Brewster, die seit Kurzem Unternehmerin in der Sexpielzeugbranche war – mit dem Spezialgebiet Hausbesuche –, einige der beliebtesten Produkte aus ihrem Angebot vorstellen.

Jo Beth schüttelte sich bei dem Gedanken und fragte sich, warum Hochzeiten ansonsten vernünftige Frauen in Verrückte verwandelten. Aber möglicherweise lag es auch nur an ihr. Vielleicht war sie verrückt, und alle anderen benahmen sich unter den gegebenen Umständen vollkommen normal. Die anderen Brautjungfern – alle fünf – waren über die Aussicht, bei der Hochzeit dabei zu sein, begeistert. Sie schienen den Einkaufsbummel in Dallas für die richtigen Brautjungfernkleider und die endlosen Diskussionen über die passenden Blumen, Kuchenrezepte und die Frage, ob eine Schokoladentorte der geeignete Kuchen für den Bräutigam sei, wirklich zu genießen.

Es war nicht so, dass Jo Beth sich nicht geehrt fühlte, eine der Brautjungfern sein zu dürfen – schließlich waren sie und Cassie seit dem Kindergarten beste Freundinnen –, aber wenn sie noch ein einziges Mal mit einem Haufen Frauen zusammensitzen und über tolle Topflappen mit einem eigens von der Braut ausgesuchten Hahn darauf plappern musste, würde sie schreiend davonlaufen.

„Zum Glück ist morgen alles vorbei“, sagte sie zu Bella, bevor sie das Pferd anhielt und abstieg. Ihre Cowboystiefel wirbelten kleine Staubwölkchen auf, und ihre Sporen klirrten. Mit dem Zeigefinger schob sie ihren Hut in den Nacken und ließ den Blick über die weite Landschaft schweifen. Zufrieden seufzte sie. Sie war in die Wildnis geritten, jedenfalls so weit das möglich war, ohne das Land der Diamond-J-Ranch zu verlassen. In diesem entfernten Winkel der Ranch gab es nichts außer heißem texanischem Wind und Land, auf dem ein paar knorrige Eichen und das alte hölzerne Windrad standen, dessen Flügel rhythmisch über dem Wasserbecken knarrten.

Das Becken war aus glattem verwittertem Beton, etwa einen halben Meter tief und fast drei Meter im Durchmesser. Das Wasser darin war kühl und sauber. Später im Sommer, wenn das Vieh zum Grasen hierhergetrieben wurde, würde der Boden um das Becken schlammig und das Wasser trüb sein. Jetzt aber war er ein willkommener Ersatz, bis der neue Pool hinterm Haus mit Wasser gefüllt war und benutzt werden konnte.

Und das wollte Jo Beth unbedingt ausnutzen.

Sie band Bellas Zügel an eine der Holzstreben am Fuß des Windrades und öffnete den Metallknopf ihrer Jeans.

Ohne den Blick von der Szene unter ihm abzuwenden, wickelte Clay Madison die Zügel um den Sattelknopf und nahm das Fernglas aus einer der Satteltaschen hinter ihm. Jemand machte sich dort unten in der Senke am Wasserbecken zu schaffen. Wahrscheinlich war die Sache ganz harmlos, jemand, der nur für sich und sein Pferd Trinkwasser brauchte. Aber es konnte nicht schaden, genauer hinzusehen, schließlich war Wasser ein kostbares Gut in der texanischen Prärie, und ein kluger Rancher gab acht darauf. Nicht dass Clay Rancher war, aber er war Gast eines Ranchers und daher verpflichtet, herauszufinden, was der einsame Reiter dort unten am Wasserbecken im Schilde führte.

Er schob seinen schwarzen Cowboyhut in den Nacken und hob das Fernglas an die Augen. Es dauerte einen Moment, bis er es scharf gestellt hatte. Doch dann, plötzlich und völlig unerwartet, sah er direkt auf einen nackten weiblichen Po.

Er starrte ihn ein oder zwei Sekunden lang an. Dann ließ er das Fernglas sinken, blinzelte mehrmals, als hätte er etwas im Auge, und hob das Fernglas erneut vors Gesicht. Tatsächlich, selbst auf die Entfernung von etwa fünfzig Metern gab es keinen Zweifel: Das war ganz eindeutig der Hintern einer Frau. Cremefarben und wohlgerundet, zwei perfekt geformte, üppige Backen, die unter dem Saum eines ausgewaschenen blauen Hemdes hervorschauten. Während er regungslos auf seinem geborgten Schecken saß und gebannt die verlockenden Kurven unter dem Hemd betrachtete, fragte er sich, wessen sexy Po das war.

Er konnte niemandem gehören, den Clay in der vergangenen endlosen Woche kennengelernt hatte. Einen solchen Po würde er niemals vergessen. Selbst wenn er ihn bisher nur bekleidet gesehen hätte – was bedauerlicherweise auf sämtliche Hinterteile zutraf, die er in den letzten zwei Monaten zu Gesicht bekommen hatte –, hätte er ihn wiedererkannt. Das dort unten war ein Po, den ein Mann nicht vergaß – zwei Handvoll und wohlgeformt, damit man etwas zum Festhalten hatte, wenn es heiß herging.

Aber wem gehörte dieser Po?

Er stellte das Fernglas neu ein, um mehr erkennen zu können, wobei er sich vornahm, sie nur so lange zu beobachten, bis er wusste, um wen es sich handelte. Dann würde er den Schecken kehrtmachen lassen und zurückreiten. Das gehörte sich einfach so. Und auch wenn manch eine enttäuschte Frau möglicherweise das Gegenteil über ihn behauptet hätte, so hatte seine Mutter ihn doch zu einem Gentleman erzogen. Sobald er wusste, wer die Frau war, würde er weg sein.

Als ahnte sie, dass er dort oben war, drehte sie ihm weiterhin beim Ausziehen beharrlich den Rücken zu. Sie ließ das blaue Hemd von ihren Schultern gleiten, sodass es für einen kurzen Augenblick ihren nackten Po bedeckte. Dann fing sie es mit einer Hand am Kragen auf und warf es über den Sattel, auf dem bereits eine Jeans lag. Wenn man die Größe des Pferdes als Anhaltspunkt nahm, musste sie ungefähr ein paar Zentimeter über dem Durchschnitt liegen, doch sie war dünn und wirkte beinah zierlich. Die Taille über diesem wundervollen Po war schmal wie die eines Jungen, die Arme und Beine schlank. Deutlich konnte Clay die kleinen Höcker ihrer Wirbelsäule erkennen, die sich wie eine Perlenschnur unter ihrer hellen Haut abzeichneten. Sie hätte beinah zerbrechlich gewirkt, wäre da nicht das Spiel ihrer geschmeidigen Muskeln gewesen. Man konnte sie wohl eher als schlank und drahtig bezeichnen. So hatte er sich immer eine Ballerina nackt vorgestellt, und damit war sie absolut nicht sein Typ. Er zog exotische Tänzerinnen den Ballerinas vor. Was allerdings diesen fantastischen Po anging …

Der ließ hoffen, dass ihre Brüste womöglich ebenso wundervoll sein würden. Deshalb schaute Clay Madison gebannt zu, wie sie hinter sich griff, um den Verschluss ihres schlichten weißen BHs zu öffnen.

Sie beugte sich ein wenig nach vorn und verschränkte die Arme vor dem Oberkörper, um die Träger von ihren Schultern zu streifen. Als sie sich wieder aufrichtete und das Kleidungsstück in einer der Satteltaschen verstaute, warf sie ihren langen braunen Zopf über die Schulter. Er war fast so dick wie das Handgelenk eines Mannes und reichte bis zur Mitte ihres Rückens. Dieser Anblick erinnerte Clay vage an etwas. Er hatte eine Frau mit solchem Haar gesehen, vor Kurzem erst.

Aber welche? Und wo?

In diesem Moment drehte sie sich zu ihm um, und es schien, als würden ihre Blicke sich durch die Präzisionslinsen des Fernglases begegnen.

„Heiliger Strohsack“, murmelte er und ließ das Fernglas erschrocken sinken. Nicht weil er befürchtete, tatsächlich entdeckt worden zu sein. Da er zwischen Büschen und hohen Pappeln ein Stück unterhalb des Hügelkamms stand, konnte sie ihn unmöglich sehen. Hinzu kam, dass er die Sonne im Rücken hatte. Trotzdem verharrte er einige Sekunden lang regungslos, für den Fall, dass sie doch etwas gesehen hatte, und fragte sich, warum die ansonsten eher prüde wirkende Besitzerin der Diamond-J-Ranch am helllichten Tag nackt in einem Wasserbecken baden ging.

Das hätte er ihr gar nicht zugetraut. Nach allem, was er von Jo Beth Jensen wusste – was zugegebenermaßen nicht viel war –, war sie eine ernsthafte, sachliche, hart arbeitende Frau, die anscheinend einen Groll gegen Männer ganz allgemein hegte und gegen Cowboys im Besonderen. Da sie beide eine wichtige Rolle bei Cassies und Roosters Hochzeit spielen würden und ähnliche Pflichten hatten, waren sie sich in der letzten Woche mehrmals über den Weg gelaufen. Dabei hatte sie deutliche Signale ausgesandt, ihr ja nicht zu nahe zu kommen.

Bei ihrer ersten Begegnung, bei der Rooster seinen Trauzeugen der Brautjungfer vorstellte, hatte Clay sich auf Cowboyart mit zwei Fingern an die Hutkrempe getippt und freundlich gelächelt. Ihr Lächeln dagegen hätte einem Preisbullen noch auf fünfzig Schritt Entfernung die edelsten Teile abfrieren lassen. Ebenso gut hätten in roten Buchstaben die Worte „Denk nicht mal dran“ quer über ihren eher kleinen Brüsten geschrieben stehen können. Also hatte er ihr den Gefallen getan und seither keinen Gedanken mehr an sie verschwendet, der über die Hochzeitsvorbereitungen hinausging.

Da hatte er sie allerdings auch noch nicht splitternackt in der heißen texanischen Sonne gesehen und gewusst, wie sexy der Körper war, der sich unter ihrer staubigen Jeans und ihrem Westernhemd verbarg. Inzwischen hatte er seinen Vorsatz, zu verschwinden, sobald er wusste, um wen es sich handelte, komplett vergessen und schwang sich aus dem Sattel. Dann hob er das Fernglas erneut an die Augen.

Jo Beth stützte sich mit einer Hand am Rand des Wasserbeckens ab, stieg darüber und ließ sich ins Wasser gleiten. Obwohl durch die Sonne gewärmt, fühlte es sich angenehm kühl an ihrer erhitzten Haut an, wie es ihre Schenkel und ihren Bauch umschloss und über ihre Brüste schwappte. Sie sank tiefer hinein, sodass auch Schultern und Hals eintauchten, und legte den Kopf zurück, bis nur noch ihr Gesicht aus dem Wasser schaute. Nach einer Weile setzte sie sich auf und lehnte sich mit dem Rücken gegen den Rand des Beckens. Sie schloss die Augen und versuchte, sich zu entspannen.

Eigentlich hätte das kein Problem sein sollen. Die Luft war heiß und trocken, ringsumher herrschte Stille, und nur das leise Knarren des alten Windrades und der Wind in den alten Eichen waren zu hören. Zum ersten Mal seit Tagen war sie allein.

Trotzdem ließ ihre Anspannung nicht nach, und es war keine Erleichterung in Sicht. Es sei denn, sie verschaffte sich selbst welche. Frustriert schlug sie mit der flachen Hand auf das Wasser. In letzter Zeit war sie einfach viel zu oft sich selbst überlassen. Selbstliebe war zwar praktisch, doch die volle Befriedigung konnte sie daraus einfach nicht ziehen. Aber wenn es nichts anderes gab …

Erneut lehnte sie sich zurück und legte die Hände auf ihre Brüste, wobei sie sich der Fantasie überließ, die sie schon die ganze Woche verrückt machte.

Um ein Haar hätte Clay das Fernglas fallen lassen. Jo Beth konnte unmöglich das tun, wonach es aussah. Oder etwa doch? Nicht diese langweilige Frau, und schon gar nicht am helllichten Tag in aller Öffentlichkeit. Nur dass sie jetzt ganz und gar nicht langweilig wirkte, sondern lüstern und sinnlich, wie sie dort im Wasser lag, den Kopf auf den Rand des Beckens gelegt, während sie ihre Brüste sanft massierte. Es waren keine großen Brüste – sicher nicht wie die einer exotischen Tänzerin –, aber winzig waren sie auch nicht. Klein, aufragend und wohlgerundet streckten sie sich sehr hell der Sonne entgegen. Wassertropfen glitzerten darauf wie Diamanten. Jo Beth fuhr langsam mit den Fingern über ihre aufgerichteten zartrosa Brustwarzen.

Clay biss vor Erregung die Zähne zusammen und umklammerte das Fernglas fester. Unter seiner Jeans zeichnete sich eine Erektion ab.

Jo Beth zupfte sacht an ihren Brustspitzen und wand sich bei der Vorstellung, dass nicht sie selbst sie liebkoste, sondern andere, größere Hände. Stärkere Hände.

Clay Madisons Hände.

Sie malte sich aus, wie er mit dem Daumen über ihre aufgerichteten Brustwarzen fuhr und sie umkreiste, langsam und sinnlich, bis sie es vor Verlangen nicht mehr aushielt und seinen Mund spüren musste, um nicht den Verstand zu verlieren.

Sie streckte den Rücken durch, stöhnte leise und ließ eine Hand an ihrem Körper hinuntergleiten, zu den seidigen gelockten Härchen zwischen ihren Schenkeln. Mit der anderen Hand fuhr sie fort, ihre Brüste zärtlich zu liebkosen.

Clay hielt das Fernglas umklammert. Auf seiner Oberlippe bildeten sich Schweißperlen. Gütiger Himmel! Jetzt lag Jo Beths Hand zwischen ihren Beinen. Offenbar berührte sie sich selbst. Da die Hand unter Wasser war und sich die Sonne auf der Oberfläche spiegelte, konnte er es nicht genau erkennen, doch es war offensichtlich, was sie da tat. Und welche Empfindungen es in ihr weckte. Ihr Kopf lag auf dem Rand des Beckens, ihre Augen waren geschlossen, der Mund geöffnet. Ihre Brüste hoben und senkten sich mit jedem Atemzug.

Clays Atmung ging ebenfalls schneller, und sein Herz pochte. Er sehnte sich danach, seine Lippen auf ihren Hals zu pressen, ihre aufgerichteten Brustwarzen mit der Zunge zu umspielen. Er konnte fast spüren, wie ihr schlanker Körper sich unter seinem wand, während er ihre intimste Stelle mit seinen Fingern erforschte, dabei behutsam in sie eindrang und ihre kleine Knospe streichelte.

„O Baby“, murmelte er. „Du bist heiß.“

Jo Beth stellte sich vor, wie Clays Hände an ihr herunterglitten und sie sanft zwischen ihren Beinen liebkosten. Diese Fantasie war so intensiv, dass sie glaubte, ihn neben sich spüren zu können, seine warmen Lippen auf ihrer nackten Haut, seine langen Finger an ihrem sensibelsten Punkt.

Sie konnte fast seine Stimme hören, rau und sinnlich, wie er von ihrer Leidenschaft und ihrem schlanken Körper schwärmte und ihr sagte, was er von ihr wollte … was er mit ihr tun und wie es sich anfühlen würde.

„Ja.“ Sie bewegte ihre Finger schneller und erhöhte den Druck, bis sie lustvoll stöhnte und ihr Körper vor unterdrücktem Verlangen vibrierte, bis jeder Muskel, jeder Nerv zum Zerreißen gespannt war. „O ja“, hauchte sie und spreizte ihre Schenkel weiter, als wollte sie einen Liebhaber empfangen. „Ja.“

Durch das Fernglas sah Clay, wie Jo Beth ihre Lippen bewegte.

„Ja“, sagte sie ganz deutlich, immer wieder, sodass er glaubte, es als sinnliches Flüstern hören zu können. „Ja, o ja.“

Sie war beinah so weit, das spürte er, als läge er tatsächlich zwischen ihren gespreizten Schenkeln und sei tief in ihr, als fühle er, wie sie ihn eng umschloss, ihn hielt und dabei die Beine um seine Taille schlang, ihre Nägel in seinen Po grub, um ihn anzuspornen … härter … schneller … tiefer.

In seiner Fantasie war er bei ihr … in ihr. Sein Herz schlug schneller, sein ganzer Körper schien zu pulsieren vor Sehnsucht, ihr zu geben, wonach sie sich sehnte. Wonach sie beide sich sehnten. Er rang um Selbstbeherrschung, bis sie ihren Höhepunkt erreichte. Ein Gentleman ließ eine Lady stets vorangehen, und sei es aus der Ferne.

In ihrer Fantasie spürte Jo Beth seinen wundervollen muskulösen Körper auf ihr, seine schmalen Hüften zwischen ihren Schenkeln, während er tief in sie eindrang. Sie bog sich Clay wild entgegen, doch der Mann ihrer erotischen Träume übernahm das Kommando und verlangsamte das Tempo, um diese unglaublich sinnlichen Empfindungen ganz auszukosten. Seine Bewegungen waren ruhig und konzentriert, genau so, wie sie es am liebsten hatte. Er drang tief in sie ein, zog sich langsam wieder zurück, um gleich darauf erneut in sie einzudringen, wieder und wieder, bis sie glaubte, es nicht mehr länger aushalten zu können.

Auf dem Gipfel der Lust bäumte sie sich auf, sodass ihr Körper sich aus dem Wasser hob. Ihre Muskeln und Sehnen waren angespannt, ihre Hände bewegten sich immer schneller, während Clay in ihrer Fantasie das Tempo zu einem wilden Finale steigerte. Heiß spürte sie seinen Atem an ihrem Hals, seine starken Hände, mit denen er ihren Po gepackt hielt, während er sie stürmisch liebte.

„Komm schon, Jo Beth“, flüsterte Clay mit vor Erregung heiserer Stimme. Er hatte große Mühe, sich noch länger zu beherrschen. „Komm schon, lass los, Baby. Zeig’s mir. Gib’s mir.“

„O ja! Ja!“, rief Jo Beth. Alles zog sich in ihr zusammen. „O Clay, ja!“

2. KAPITEL

Clay ließ das Fernglas sinken und lehnte sich gegen die Flanke seines Pferdes, erschöpft und benommen, als hätte er gerade wirklich Sex gehabt. Jedenfalls war er gekommen, so viel stand fest. Ohne seine Hände zu Hilfe zu nehmen und in seiner Jeans. Das war ihm nicht mehr passiert, seit er als hormongeplagter Teenager im Alter von sechzehn Jahren mit Trish Bradley auf dem Vordersitz des Pick-up-Trucks seines Vaters Petting gehabt hatte. Das Unglaublichste aber war, dass dieser Orgasmus ganz ohne Berührungen viel erregender und besser gewesen war als sein letzter Sex mit einer Frau.

Allerdings hatte er beim letzten Mal auch in einem Krankenhausbett gelegen, halb betäubt von Schmerzmitteln. Die Frau, mit der er zusammen gewesen war, hatte sich jedoch nicht beklagt. Im Gegenteil. Seine durch die Medikamente gedämpften Empfindungen und verlangsamten Reaktionen hatten das Liebesspiel bis zur glücklichen Erschöpfung seiner Partnerin in die Länge gezogen. Dabei hatte sie ihrer Begeisterung lautstark Ausdruck verliehen. So laut, dass die Nachtschwester ihren Schreibtisch verlassen hatte, um nachzusehen, was der Grund für den Lärm war. An die folgende Konfrontation hatte er, ebenso wie an das Liebesspiel zuvor, nur verschwommene Erinnerungen. Vieles aus dieser Zeit war verschwommen, angefangen mit dem Unfall selbst, der ihn ins Krankenhaus gebracht hatte.

Ein Bulle war auf ihm herumgetrampelt. Das wusste er, weil er in einer Aufzeichnung des Sportkanals gesehen hatte, wie der alte Boomer auf ihm herumtanzte. Clay erinnerte sich nicht mehr daran, was, wie jeder ihm versicherte, auch gut so war. Seine letzte Erinnerung an diesen Tag – die einzige an diesen Tag überhaupt – war sein Gang mit Rooster ins Büro der Rodeoveranstalter, um ihre Wettkampfnummern abzuholen. Alles andere, einschließlich seines Ritts auf Boomer, war aus seinem Gedächtnis gelöscht. Er wusste, dass er die darauffolgenden drei Tage im Krankenhaus verbracht hatte, nachdem die Ärzte ihn wieder zusammengeflickt hatten, weil Rooster es ihm erzählt hatte. Doch alles, woran er sich erinnerte, waren wirre Traumsequenzen, undeutliche Stimmen und vage Eindrücke von besorgten Gesichtern, die gelegentlich in sein Blickfeld gerieten.

Als er weit genug wiederhergestellt war, um von der Intensivstation in ein normales Krankenzimmer verlegt zu werden, nahm er zwar wieder alles wahr, blieb aber wegen des Morphiums benommen.

In den zwei Monaten seit dem Unfall hatte der Schmerz nachgelassen. Inzwischen nahm er weniger und schwächere Medikamente, doch sein Leben hatte sich verändert. Vorher hatte er schnell und intensiv gelebt, war von einem Rodeo zum nächsten gereist, stets auf der Suche nach dem nächsten Ritt, dem nächsten Vergnügen, der nächsten willigen Frau. Dass er nun gezwungen war, es ruhiger angehen zu lassen – und sei es nur vorübergehend –, machte das Leben langweiliger und ihn, wie Rooster behauptete, übellaunig.

Und jetzt plötzlich, bei einem Ausritt, der seine Laune vor dem Junggesellenabschied am Abend heben sollte, fühlte sich alles wieder intensiver an – dank eines Blicks durch ein geliehenes Fernglas. Zum ersten Mal seit Wochen schien er sämtliche Nerven in seinem Körper zu spüren. Und das nur, weil er einer Frau, die er kaum kannte, beim Liebesspiel mit sich selbst zugesehen hatte. Noch dazu einer Frau, an die er bisher keinen weiteren Gedanken verschwendet hatte, geschweige denn einen zweiten Blick.

Er schüttelte den Kopf über diese absurde Situation, verstaute das Fernglas wieder in der Satteltasche und stieg auf sein Pferd.

Clay hatte keine Ahnung, ob es an der überraschend aufregenden Jo Beth lag, an dem Ereignis, dessen Augenzeuge er unvermittelt geworden war, oder daran, dass er noch nie zuvor den Voyeur gespielt hatte. Aber was auch immer ihn daran so heftig erregt hatte, er wollte mehr davon.

Und Jo Beth wollte ganz bestimmt mehr, denn sie hatte auf dem Gipfel der Lust seinen Namen gerufen – zumindest war er sich da ziemlich sicher. Das bedeutete, dass sie an ihn gedacht haben musste, während sie sich selbst verwöhnte. Im Lauf der Jahre war Clay das Fantasieobjekt zahlreicher Frauen gewesen und hatte herausgefunden, dass die meisten Frauen diese Fantasien nur allzu gern in die Tat umsetzten. Und normalerweise war er dem auch nicht abgeneigt.

Seinen Vorsatz, sich wie ein Gentleman zu entfernen, hatte er völlig vergessen. Stattdessen lenkte er seinen Schecken aus dem Schutz der Bäume hinaus und hinunter in die Senke. Er war sich absolut sicher, dass das Glück auf seiner Seite sein würde.

Er ließ das Pferd gehen und hielt den Blick auf die im Wasserbecken liegende Frau gerichtet. Sie lehnte am betonierten Beckenrand und genoss mit geschlossenen Augen die Sonne auf ihrem Gesicht. Ihre schlanken, wohlgeformten Arme lagen zu beiden Seiten ausgestreckt auf dem Rand. Durch diese Haltung ragten ihre Brüste keck aus dem Wasser. Sie wirkte vollkommen entspannt.

Aus der Nähe konnte Clay genau sehen, wann sie merkte, dass sie nicht mehr allein war. Sie setzte sich auf, und zwar so, dass ihre Brüste nun unter der Wasseroberfläche waren und dafür ihre Knie herausragten. Überraschenderweise machte sie jedoch keinerlei Anstalten, ihre Blöße zu bedecken. Sie wurde weder nervös noch hektisch. Sie reagierte nicht wie erwartet, nicht so wie die meisten Frauen sich in einer derartigen Situation verhalten hätten. Jo Beth errötete nicht einmal. Stattdessen schlang sie einen Arm um ihre Knie und hob die andere Hand an die Augen, um zu sehen, wer da angeritten kam.

„Das ist nah genug!“, rief sie.

Clay brachte sein Pferd ein paar Meter vor dem Wasserbecken zum Stehen und blickte auf sie hinunter.

Jo Beth hielt sich eine Hand gegen die Stirn, um ihre Augen vor der Sonne zu schützen, und schaute zu dem Reiter hoch, konnte jedoch nichts weiter als die Silhouette eines Mannes auf einem Pferd ausmachen. Seine Schultern wirkten vor dem Hintergrund des blauen Himmels sehr breit. Sein Gesicht lag ganz im Schatten seines Hutes. Abgesehen von den funkelnden Sporen und den silbernen schneckenförmigen Knöpfen an seinen Beinschonern, war er nur eine dunkle Gestalt.

„Ich hoffe, Sie haben einen guten Grund“, sagte sie gereizt und blickte finster zu ihm auf.

„Ma’am?“

„Warum auch immer Sie mir hierher gefolgt sind, es sollte wichtig sein. Sonst wird es Ihnen oder demjenigen, der Sie geschickt hat, noch leidtun.“

„Niemand hat mich geschickt.“

„Warum sind Sie mir dann gefolgt?“

„Ich bin Ihnen nicht gefolgt“, behauptete er. „Ich bin allein losgeritten und sah jemanden hier unten am Wasserbecken.“ Er ließ den Schecken, auf dem er saß, noch einige Schritte näher kommen. „Ich wollte mir die Sache genauer ansehen, für den Fall, dass hier jemand etwas im Schilde führt.“ Leder knirschte, als er sich im Sattel nach vorn beugte und den Arm über den Sattelknopf legte, die Zügel locker in der behandschuhten Hand. Der Schecke senkte den Kopf und begann zu trinken. „Und? Führen Sie etwas im Schilde, Schätzchen?“

Jo Beth wollte ihn schon für diese unangebrachte Vertraulichkeit zurechtweisen, als ihr klar wurde, dass er ihr erstens viel zu nah war und sie zweitens keine Ahnung hatte, wer er war. „Wer sind Sie eigentlich, Cowboy?“

„Verzeihung, Ma’am, mir war nicht bewusst, dass Sie mich nicht erkannt haben, sonst hätte ich mich gleich vorgestellt.“ Er neigte den Kopf und tippte sich mit zwei Fingern an die Hutkrempe. „Ich bin …“

In diesem Augenblick wusste sie, wer er war. „Um Gottes willen!“, platzte sie heraus. „Sie sind …“ Sie hielt sich die Hand vor den Mund, um den Namen nicht auszusprechen.

„Clay Madison“, sagte er, nahm den Hut ab und verbeugte sich theatralisch. Es war die gleiche selbstverliebte Siegerverbeugung, mit der er den Applaus in der Arena entgegennahm. „Der echte Clay Madison“, fügte er mit einem verwegenen Lächeln hinzu.

Jo Beth starrte ihn mehrere Sekunden lang ungläubig an, während sie ihre Fantasien und das, was sie gerade getan hatte, Revue passieren ließ. Ihr wurde klar, dass sie sich keinerlei Illusionen machen musste: Natürlich hatte er ihre kleine Solovorstellung mitbekommen. Wenn er jemanden schon am Wasserbecken gesehen hatte, hatte er sicher auch beobachtet, was passiert war, nachdem sie in das Becken gestiegen war.

Sie schloss für einen Moment die Augen und wünschte, entweder sie oder er würde einfach im Boden versinken. Doch als sie die Augen wieder aufmachte, saß er immer noch auf seinem Pferd und grinste frech zu ihr herunter.

Und sie war noch immer splitternackt. Es gab nur eines, was sie tun konnte. Sie nahm Haltung an und schlug den Ton an, den jeder Cowboy auf der Diamond-J-Ranch fürchtete. „Was, zur Hölle, treiben Sie hier auf meinem Land?“

Er zuckte unbeeindruckt mit den Schultern. „Wie ich schon sagte, ich bin ein bisschen ausgeritten und habe dort oben auf dem Hügel zwischen den Pappeln haltgemacht.“ Er deutete auf das Land hinter ihm. „Aus keinem bestimmten Grund.“ Er ließ den Blick mit einem sinnlichen Ausdruck in den Augen über ihren Körper wandern. „Ich würde es puren Zufall nennen.“

„Was Sie nicht sagen“, fuhr sie ihn an. Nein, sie ließ sich weder von seinem Charme einwickeln, noch schmeichelten ihr seine Blicke. Jedenfalls redete sie sich das ein … „Ich würde es unbefugtes Betreten nennen. Sie befinden sich auf Diamond-J-Land, Mr. Madison, und ich würde es zu schätzen wissen, wenn Sie mit Ihrem Schecken einfach wieder kehrtmachen und dorthin zurückreiten, wo Sie hergekommen sind.“

„Na, na, das ist aber nicht sehr nachbarlich.“ Er setzte seinen Hut wieder auf und schob ihn in den Nacken, damit sein Gesicht nicht mehr im Schatten lag. „Besonders wenn man bedenkt, dass ich nur hierhergeritten bin, um mich zu erkundigen, ob Sie vielleicht Hilfe brauchen.“ Sein Lächeln wurde anzüglich. „Sozusagen.“

Jo Beth schlang beide Arme um ihre Knie und versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. „Tatsächlich?“, fragte sie und gab sich Mühe, spöttisch zu klingen. Das war nicht einfach, denn er war wirklich eine wandelnde erotische Fantasie. Ihre wandelnde erotische Fantasie, und sie merkte sehr wohl, dass ein Wort von ihr genügen würde, damit er von seinem Pferd und zu ihr ins Wasser stieg. Ein Wort, und die Frustration der vergangenen Wochen hätte ein Ende.

Nur: Sie würde den Mund halten.

Fantasie hin oder her, dieser Mann war ein Cowboy. Nicht nur das, er war sogar Rodeo-Champion, also noch wilder und unzuverlässiger als ein gewöhnlicher Cowboy. Er würde nichts als Ärger bringen, und davon hatte sie weiß Gott schon genug.

Also erklärte sie nur kühl: „Ich dachte, Sie seien hierhergeritten, weil Sie jemandem am Wasserbecken gesehen haben und herausfinden wollten, was derjenige im Schilde führt.“

„Stimmt“, bestätigte er. „Aber dann sah ich Sie ins Wasser steigen und …“ Er zögerte und ließ seinen Blick erneut hinunterwandern, als könnte er unter der glitzernden Wasseroberfläche genau die Stelle sehen, an der vor wenigen Minuten noch ihre Hand beschäftigt gewesen war. „… herumplanschen“, beendete er den Satz. „Na ja, ich habe mir Sorgen gemacht, denn aus der Entfernung konnte ich nicht erkennen, was für ein Problem Sie haben.“

„Problem?“

„Möchten Sie, dass ich es anders nenne?“

„Was ich möchte, ist, dass Sie umkehren und einfach verschwinden“, log sie. In Wirklichkeit wünschte sie sich sehnlich, er würde seine Sachen von sich werfen und zu ihr ins Wasser steigen, damit sie herausfinden konnte, ob die Realität neben ihrer Fantasie bestehen würde.

„Und ich würde Ihnen gern gefällig sein, Miss Jensen. Aber meine liebe selige Ma hat mich dazu erzogen, mich wie ein Gentleman zu benehmen wie mein …“

Jo Beth gab einen verächtlichen Laut von sich.

„… wie mein Pa“, fuhr er fort und warf ihr einen tadelnden Blick zu. „Sie würde sich im Grab umdrehen, wenn ich Sie jetzt einfach hier allein lassen würde, einsam, schutzlos und verletzlich. Jemand mit weniger guten Manieren als ich könnte vorbeikommen und die Situation ausnutzen.“

Er sagte das scheinbar unschuldig, doch sein breites Grinsen verriet ihn. Ich habe genau das, was du brauchst, lautete seine Botschaft. Du musst es nur sagen.

Oh, und es war sehr verlockend.

Viel zu verlockend.

Und das wusste er genau, dieser arrogante Kerl.

Daran waren nur die vielen Rodeo-Groupies schuld, die sich ihm an den Hals warfen. Das führte automatisch dazu, dass ein Mann glaubte, jede Frau wäre leicht zu haben.

Es gab nur einen Weg, ihre Würde zu wahren und ihm zu zeigen, dass er nicht die geringste Wirkung auf sie hatte.

„Tja, wenn Sie nicht gehen, dann verschwinde ich eben.“ Sie zog sich am Beckenrand hoch, ohne große Eile, als würde sie zu Hause aus der Badewanne steigen. Indem sie all ihre Selbstbeherrschung zusammennahm, schaffte sie es sogar, einen Moment lang in dem knietiefen Becken zu stehen und sich das Wasser von den Armen und dem Oberkörper zu wischen, wie sie es auch allein zu Hause getan hätte.

Damit signalisierte sie ihm doch wohl eindeutig, wie wenig er sie mit seinem Cowboycharme beeindrucken konnte.

Er schwieg und rührte sich nicht, aber sie spürte, wie er sie beobachtete, und zwar gebannt. Die Vorstellung ließ sie erschauern.

Clay gab einen erstickten Laut von sich, eine Mischung aus Stöhnen und Knurren.

Sie sah ihn an, und was sie in seinen Augen las, veranlasste sie dazu, instinktiv die Hände über das Dreieck zwischen ihren Schenkeln zu legen. Gleichzeitig straffte sie die Schultern und versuchte, nicht eingeschüchtert zu wirken. „Was?“

Er schaute sie unverwandt an. „Möchten Sie vielleicht, dass ich zu Ihnen in das Becken steige?“

Einen kurzen verrückten Moment lang dachte sie wirklich daran, einfach Ja zu sagen. Was konnte es schon schaden?

„Ich …“ Die Worte blieben ihr im Hals stecken, aber das Schreckliche war, dass sie tatsächlich nicht wusste, ob sie mit Ja oder Nein antworten sollte.

Clay nahm die Zügel fester in die Hand und wendete sein Pferd. „Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie sich entschieden haben“, sagte er und gab dem Schecken die Sporen, sodass das Tier aus dem Stand losgaloppierte.

Jo Beth blieb am Wasserbecken zurück, die Hände nach wie vor schützend vor ihrer Scham, und schaute ihm nach, bis er hinter dem Hügel verschwunden war. Dann musste sie sich auf den Beckenrand setzen, weil ihre Knie zitterten. Sie fragte sich, wie ihre Antwort ausgefallen wäre, wenn er gewartet hätte.

3. KAPITEL

„Bitte, meine Damen. Nehmt euch zusammen.“ Jo Beth klopfte mit ihrem leeren Glas auf die Tischplatte des Couchtisches. „Und noch einen Schnaps für alle. Ich muss einen Toast ausbringen.“

Eine schlanke Blonde in pinkfarbenem Seidennachthemd mit Spitzenbesatz schaute unter ihren unordentlichen Ponyfransen hervor und drückte eine halb leere Tequilaflasche an ihre Brust. „Du hast gerade schon einen Toast ausgebracht.“

„Dann bringe ich eben noch einen aus. Das ist meine Aufgabe. Ich bin schließlich Brautjungfer.“ Jo Beth richtete sich unsicher auf und hielt der Blonden ihr Glas unter die Nase. „Komm schon.“ Sie wedelte mit der freien Hand. „Schenk allen noch einen ein.“

Mit „allen“ meinte sie die sechs Brautjungfern sowie die zukünftige Braut, die um den Glastisch in Cassies Wohnzimmer saßen, mehr oder weniger leicht bekleidet mit Seidennachthemden und Babydolls. Dank der professionellen Maniküre, die Roxy extra für diese Feier engagiert hatte, waren sämtliche Fußnägel pfirsichfarben lackiert und die Fingernägel kunstvoll manikürt.

Der Tisch war übersät mit halb aufgegessenen Pizzastücken, gegrillten Chicken Wings und Rippchen auf Papptellern, mit Schokolade verschmierten Eisgläsern, einer leeren Käsekuchenpackung und einem Stapel ausgedrückter halber Zitronenscheiben. Ein wie ein Phallus geformter Salzstreuer stand direkt auf der neusten Ausgabe des Playgirl-Magazins.

Sie hatten den Abend mit zwei Flaschen bestem Jose-Cuervo-Tequila begonnen. Eine Flasche lag inzwischen unter dem Tisch. Sie hatte nicht unerheblich dazu beigetragen, dass die Laune an diesem Abend so gut war. Die zweite Flasche war noch knapp halb voll.

Roxy schenkte noch mal nach, und das meiste landete sogar in den Gläsern. In Anbetracht ihres Zustands war das durchaus beachtlich.

Jo Beth leckte ein paar Tropfen von ihren Fingern, hob ihr Glas und wartete, bis alle fünf Brautjungfern sowie die Braut ebenfalls ihre Gläser erhoben hatten.

„Auf Rooster Wills, den Bräutigam“, verkündete sie mit feierlichem Ernst.

„Auf Rooster Wills“, riefen die anderen ebenso feierlich und stießen an, wobei sie noch mehr Tequila auf dem Tisch verkleckerten.

„Möge er mehr sexuelles Stehvermögen besitzen als der Vogel, nach dem er benannt ist“, erklärte Jo Beth in Anspielung auf den Hahn, der im Englischen „Rooster“ heißt, und leerte ihr Glas in einem Zug.

Die anderen johlten und kicherten. Irgendwer prustete Tequila durch die Nase. Die Party hatte einen Punkt erreicht, an dem jede Äußerung für die eine Hälfte zum Brüllen komisch und für die andere tiefgründig war. Ein Punkt, an dem das Thema Sex so unvermeidlich wie heikel wurde.

„Wie sieht’s aus, Cassie?“ Roxy legte einen Arm auf den Tisch, um sich abzustützen. Sie beugte sich vor, ohne auf die Tequilapfütze zu achten, in der sie ihr seidenes Nachthemd badete. „Wie ist der gute alte Rooster im Bett?“

Cassie winkte ab. „Das ist mir zu indiskret“, erwiderte sie und verbarg ein Lächeln hinter ihrem Glas. „Das gehört sich nicht für eine Dame.“

„Ach, komm schon.“ La Wanda Brewster warf ihre roten Locken auf eine Art zurück, die sie sich aus unzähligen alten Mae-West-Filmen abgeschaut hatte. „Damen haben wir hier nicht. Also raus damit.“

„Ja, erzähl“, ermutigte auch Melissa Meeker, eine elegante, kultivierte Hypothekenmaklerin, die am Vorabend aus Atlanta eingeflogen war. „Ich wollte schon immer wissen, ob es stimmt, was man über Rodeoreiter sagt.“

„Und was sagt man über Rodeoreiter?“, konterte Cassie.

„Na ja, zum Beispiel, dass sich die Erfahrung beim Bullenreiten auch auf andere Bereiche überträgt.“ Melissa hob und senkte ihre perfekt gezupften Brauen rhythmisch. „Wenn du weißt, was ich meine.“

„Außerdem haben sie knackige Hintern“, bemerkte Karen Holden, die älteste der Brautjungfern. „Zum Reinbeißen.“

„Gute Idee“, pflichtete La Wanda Brewster ihr bei. „Damit verpasst du ihnen ein hübsches Mal auf ihren süßen Hintern. Das hält sie davon ab, herumzustreunen.“

Bei dem Gedanken an Clays knackigen Po presste Jo Beth die Schenkel zusammen. Du lieber Himmel, hatten eigentlich alle Frauen die gleichen Fantasien über Cowboys? Nicht dass sie sich tatsächlich vorgestellt hätte, Clay in den Po zu beißen … aber wenn sie es recht bedachte, klang das ziemlich verlockend.

In der Schlafbaracke auf Tom Steeles Second-Chance-Ranch, wo Rooster und seine Trauzeugen ihren Junggesellenabschied feierten, ging es ruhiger zu. Die sieben Männer saßen um einen zerschrammten Holztisch und betrachteten schweigend ihre Karten. Aus dem CD-Spieler schallte leise Musik. Auf einem kleineren Beistelltisch standen die Reste einer Delikatessenplatte. Es roch nach Bier und Zigarrenrauch, der in dichten blauen Schwaden über ihren Köpfen hing.

„Ich bin dabei.“ Clay warf zwei Chips in den Pott in der Mitte des Tisches. Dann streifte er die Asche am Rand des Blumentopfes ab, den sie zum Aschenbecher umfunktioniert hatten. Bis jetzt schien es dem kleinen Kaktus darin noch nichts auszumachen. „Was treiben eigentlich die Ladys heute Abend?“

Rooster prüfte mit zusammengekniffenen Augen seine Karten. „Übernachtungsparty“, antwortete er und warf ebenfalls ein paar Chips in den Pott.

„Übernachtungsparty?“

„Ja, du weißt schon. Ein Haufen Frauen in Nachtzeug macht Frauensachen: Kitschfilme angucken, Popcorn essen, über Sachen reden, über die Frauen eben reden, wenn sie unter sich sind. Wahrscheinlich machen sie sich gegenseitig die Haare und lackieren sich die Nägel.“

Clay kam gleich zum Wesentlichen. „Was für Nachtzeug?“

Tom grinste mit einem schwarzen Stumpen zwischen den Zähnen. „Ich weiß nicht, wie es bei den anderen aussieht, aber Roxy hat ein heißes pinkfarbenes Nachthemd eingepackt. Mit schwarzer Spitze dran.“

„Schwarze Spitze?“ Clay warf zwei Karten auf den Tisch. „Zwei“, sagte er zu Hector, ehe er sich an Rooster wandte. „Und Cassie?“

Rooster betrachtete noch immer seine Karten. „Was ist mit Cassie?“

„Ihr Nachtzeug. Hat sie für die Übernachtungsparty auch einen heißen pinkfarbenen Pyjama eingepackt?“

„Cassie trägt keine Pyjamas“, sagte Rooster und wurde rot, als seine Trauzeugen kicherten. „Ich meine, sie trägt ein Nachthemd.“

„Welche Farbe?“, wollte Clay wissen.

„Keine Ahnung. Normalerweise blau.“

„Mit Spitze?“

Rooster schüttelte den Kopf. „Blümchen“, erklärte er, warf eine Karte auf den Tisch und signalisierte dem Geber, dass er eine neue wollte.

Einige Sekunden lang herrschte wieder Stille. Jeder studierte sein neues Blatt. Bob Evers und Tiny O’Leary warfen angewidert ihre Karten hin und standen auf, um Bier zu holen und sich über die Reste der Delikatessenplatte herzumachen. Die übrigen fünf Männer warfen Chips in den Pott.

„Ich hätte nichts dagegen, diese Rothaarige mal im Nachtzeug zu sehen“, bemerkte Tiny auf dem Rückweg zum Pokertisch, eine Gewürzgurke in der einen und eine Flasche Bier in der anderen Hand. „La Wanda Wie-hieß-sie-noch?“

„La Wanda Brewster“, sagte Rooster.

„Genau die.“ Die Gurke tropfte auf sein kariertes Hemd, doch er achtete nicht darauf. „Die ist echt gut gebaut. Ich wette, die sieht klasse aus im Nachthemd. Oder mit gar nichts an.“

Während plötzlich jeder anfing, von irgendeiner Brautjungfer zu schwärmen, fragte Clay sich, warum keiner über Jo Beth fantasierte. Sicher, sie war weder so offensichtlich sexy wie Toms Frau Roxy, noch hatte sie die flammend roten Haare von La Wanda oder die kokette Anschmiegsamkeit von Cassie. Aber sie war eine verdammt scharfe Frau.

Hat einer von diesen Holzköpfen sie überhaupt mal richtig angesehen?, fragte er sich. Dabei vergaß er vollkommen, dass er selbst auch nie richtig hingesehen hatte. Bevor sie nackt vor seinem Fernglas aufgetaucht war.

„He, Partner.“ Rooster stieß ihn mit dem Ellbogen an. „Gehst du mit, oder steigst du aus?“

„Tut mir leid.“ Clay warf seinen Einsatz in den Pott und stellte sich Jo Beth in einem hauchdünnen schwarzen Nachthemd vor. Er bedauerte, dass er nicht mehr lange genug hier sein würde, um irgendeine seiner Fantasien mit ihr auszuleben. Andererseits würde er Bowie erst am Tag nach der Hochzeit verlassen. Zwei Tage waren Zeit genug, um seine Fantasien – und Jo Beths – wahr werden zu lassen.

„Na, wenn du bloß dasitzt und vor dich hingrinst, bin ich raus“, verkündete Rooster und warf seine Karten auf den Tisch.

Sie sprachen noch immer über Cowboys, als Jo Beth mit einer eiskalten Dose Sodawasser ins Wohnzimmer zurückkam.

„Es ist nicht nur diese Technik, die sie durch die bockenden Bullen draufhaben“, erklärte Roxy gerade, während Jo Beth es sich wieder zwischen Couchtisch und Sofa bequem machte. „Es geht auch nicht um ihre knackigen Hintern, sondern um ihre Ausdauer. Die ist wirklich beeindruckend.“

Melissa schluckte hörbar und leckte sich die Lippen. „Wirklich?“

„Oh ja“, bestätigte Roxy. „Einfach unglaublich. Überleg doch mal. Die sitzen während der Saison ständig auf wilden Pferden und Stieren. Stimmt’s, Cassie?“

Cassie nickte so heftig, dass sie fast vornübergefallen wäre.

„Für einen Rodeoreiter geht es darum, sich festzuhalten und oben zu bleiben, bis der Ritt vorbei ist. So machen es die Cowboys. Immer.“ Roxy grinste zufrieden, schließlich war ihr Mann ein Rodeochampion gewesen. „Auch noch, nachdem sie sich zur Ruhe gesetzt haben.“

Jo Beth gab einen verächtlichen Laut von sich und beschloss, dass es an der Zeit für eine realistischere Betrachtungsweise war. Außerdem wollte sie gern das Thema wechseln. All dieses Gerede über Cowboys und Sex erregte sie viel zu sehr.

„Cowboys mögen vielleicht durchhalten, bis der Ritt vorbei ist“, sagte sie, „aber ihr dürft nicht vergessen, dass ein Ritt beim Rodeo nur acht Sekunden dauert.“

„Stimmt, aber dafür ist es ein wilder Ritt“, konterte Cassie. „Und sie sind stets bereit für eine zweite oder dritte Runde, um ihr Ergebnis zu verbessern.“

Roxy hob ihr leeres Glas. „Auf die Cowboys!“

Die anderen johlten.

Jo Beth presste die kalte Dose an ihren Hals, um sich abzukühlen. Es half nichts.

„Tja, Jungs, ich gehe ins Bett.“ Hector Menendez, fast doppelt so alt wie die anderen, erhob sich steif. „Ich bin nicht mehr der Jüngste, und die Sonne scheint jeden Tag früher aufzugehen.“

„Ich glaube, ich höre auch auf“, meinte Joel. „Ich habe Margie versprochen, nicht zu lange zu bleiben.“

„Seit wann ist zehn Uhr spät?“, wollte Tiny wissen.

„Seit Joel jr. zahnt und Margies Morgenübelkeit sie nachts plagt.“

„Unglaublich.“ Tiny schüttelte den Kopf. „Eine gute Pokerpartie zu beenden, weil das Baby mault und die Frau ihr Abendessen nicht bei sich behalten kann.“ Er warf Rooster einen halb amüsierten, halb ernsten Blick zu. „Das kommt davon, wenn man heiratet. Bist du dir sicher, dass du es trotzdem willst?“

„Absolut.“

„Aber sag hinterher nicht, keiner hätte dich gewarnt.“ Tiny stand auf. „Dann sehen wir uns alle morgen in der Kirche.“ Er stieß Rooster an. „Es sei denn, du kommst vorher noch zur Vernunft.“

„He, wir müssen nicht aufhören zu spielen, nur weil Hector und Joel raus sind“, protestierte Rooster. „Fünf Spieler sind mehr als genug, damit die Sache interessant bleibt.“

„Nee, ich fahre zurück zum Motel und hau mich auch hin. Ich bin müde.“ Tiny gähnte. „Außerdem hatte ich sowieso kein Glück heute.“ Er stupste Bob Evers mit der Stiefelspitze an. „Kommst du mit?“

„Klar.“ Bob stand auf. „Du hast die Wagenschlüssel.“

„Die beiden fahren nicht zum Motel“, meinte Rooster, nachdem die Tür der Schlafbaracke hinter ihnen zugefallen war. „Seit ich Tiny O’Leary kenne, ist er noch nie vor Mitternacht ins Bett gegangen, außer er hatte eine Frau dabei. Die fahren in diesen Schuppen am Highway 81, wo es Stripperinnen gibt.“

„Ich hatte überlegt, für heute Abend Stripperinnen zu engagieren“, gestand Clay. „Das ist doch auf Junggesellenabschieden so üblich. Aber dann habe ich mich dagegen entschieden. Ich dachte, dass Cassie und die anderen Frauen es bestimmt nicht gutheißen würden, wenn sie es herausfänden.“ Das stimmte. Nur, was ihn betraf, war es nicht die ganze Wahrheit. Der eigentliche Grund war, dass er die Lust an solchen Sachen verloren hatte, und zwar schon bevor der alte Boomer sein Liebesleben beeinträchtigt hatte. Nur behalten Männer solche Dinge lieber für sich. „Wenn du willst, können wir auch zu diesem Stripladen fahren. Schließlich ist das hier dein Junggesellenabschied.“

Rooster dachte kurz darüber nach, dann schüttelte er den Kopf. „Nee, du hast recht. Das würde den Frauen gar nicht gefallen.“

„Um Himmels willen!“, kreischte Cassie und versteckte ihr Gesicht hinter einem Sofakissen. Eben riss sich ein männlicher Stripper seine Hose vom Leib und ließ dann, nur mit einem schwarzen Seidenslip und Chaps – Beinschonern – mit Fransen und Cowboystiefeln bekleidet, vor ihr die Hüften kreisen.

„Beachte sie einfach nicht, Süßer“, rief La Wanda ihm aufmunternd zu, als Cassie sich weigerte, seine Hand zu nehmen und ihm Gesellschaft zu leisten. „Schwing deine Hüften hierher. Ich tanze bestimmt mit dir.“ Sie zog Jo Beth hoch. „Wir tanzen beide mit dir.“

Jo Beth überlegte kurz, ob sie sich weigern sollte. „Ach, was soll’s“, sagte sie dann. Sie hatte genug getrunken, um vom Anblick nackter Pobacken eines vollkommen fremden Mannes nicht schockiert zu sein. Außerdem war es lange her, dass sie einem nackten Männerkörper so nahe gekommen war. Und wie es aussah, würde es auch in nächster Zeit bei diesem hier bleiben.

Also legte sie dem Stripper die Hände auf die Hüften, knapp oberhalb des tief sitzenden Riemens, mit dem die Chaps befestigt waren, und schmiegte sich an seinen Rücken. La Wanda presste sich an seine Vorderseite. In dieser Sandwich-Position fingen sie an, mit erotischen Zuckungen zu Hank Williams jr. „Honky Tonk Women“ durch Cassies Wohnzimmer zu tanzen.

Es dauerte nicht lange, bis alle Frauen, einschließlich der errötenden Braut, bei dieser erotischen Polonaise mitmachten.

„Euch ist klar, dass das erbärmlich ist, oder?“ Tom kippelte mit seinem Stuhl, die Füße auf dem Tisch. Auf den Knien balancierte er eine Dose Bier. „Drei erwachsene Männer, denen auf einem Junggesellenabschied nichts Besseres einfällt, als sich ein Rodeo im Sportkanal anzusehen.“

Die anderen beiden Männer verfolgten gebannt das Bullenreiten auf dem Bildschirm.

„Was meckerst du?“ Rooster drehte sich zu dem Mann um, der sein erster Rodeopartner gewesen war, lange bevor er die sexy Blonde namens Roxy geheiratet hatte.

„Es ist dein Junggesellenabschied, deine letzte Nacht als freier Mann. Und wir drei sitzen hier vor dem Fernseher wie so ein paar alte Knacker im Seniorenheim.“

„Wir könnten bei der Übernachtungsparty hereinplatzen“, schlug Clay vor.

„Keine schlechte Idee“, sagte Tom. „Was meinst du, Rooster? Wollen wir an die Fensterscheibe klopfen und die Frauen ein bisschen erschrecken?“

„Auf keinen Fall! Die bringen es fertig und jagen uns mit der Schrotflinte davon.“

„Vielleicht, aber wenn wir sie dafür alle in ihrem Nachtzeug zu sehen bekommen, dürfte es das wert sein.“ Tom grinste. „Außerdem kann keine von ihnen schießen. Die Gefahr hält sich also in Grenzen.“

„Du vergisst Jo Beth. Die kann einem Mann einen Apfel vom Kopf schießen, ohne seinen Hut zu streifen.“ Rooster grinste vielsagend. „Und du könntest dafür kein schlechter Kandidat sein.“

Clay setzte sich auf. „Was hat Jo Beth gegen dich?“

„Nichts“, sagte Tom schnell. Zu schnell. „Das ist schon lange her.“

„Was ist schon lange her?“

„Tom hat seine Verlobung mit Jo Beth gelöst, als er Roxy kennengelernt hat“, erklärte Rooster nur allzu bereitwillig.

„Ich war nie mit Jo Beth verlobt.“

„Vielleicht nicht offiziell. Aber jeder hat gewusst, dass du ihr am Ende der Rodeosaison einen Antrag machen wolltest. Das hättest du wohl auch, wenn du nicht Roxy in diesem Schuppen in Lubbock begegnet wärst. Du musst dich doch noch daran erinnern, Clay. Du warst immerhin dabei. Es war deine erste Rodeosaison.“

„Ja, ich erinnere mich noch sehr gut daran.“ Clay warf Tom einen vorwurfsvollen Blick zu. „Allerdings wusste ich nicht, dass er mit Jo Beth verlobt war, als er sich an Roxy herangemacht hat. Ich wette, sie wusste es auch nicht, sonst hätte sie sich nicht darauf eingelassen.“

„Verdammt noch mal“, murrte Tom, „ich war nicht mit Jo Beth verlobt.“

„Das spielt so gut wie gar keine Rolle.“ Rooster machte es offensichtlich Spaß, weiter darauf herumzureiten. „Dass du mit ihr Schluss gemacht hast, hat sie verbittert. Es ist der Grund, weshalb sie so schlecht auf Cowboys zu sprechen ist.“

„Jetzt reicht’s mir aber mit eurem Blödsinn.“ Tom stellte die Füße auf den Boden. „Von mir aus könnt ihr die ganze Nacht tratschen. Ich gehe ins Bett.“

Nachdem Tom verschwunden war, lachte Rooster frei heraus. „Scheint ein heikles Thema zu sein.“

„Ja, scheint so“, pflichtete Clay ihm bei. „Ist sie wirklich verbittert?“

„Oh nein. Damit wollte ich Tom nur ein bisschen ärgern.“

„Und, ist sie auf Cowboys schlecht zu sprechen?“

„Na ja.“ Rooster zuckte die Schultern. „Seit Tom ihr für diese Sexbombe, mit der er jetzt verheiratet ist, den Laufpass gegeben hat, war sie mit keinem mehr zusammen. Warum? Hast du etwa Interesse?“

Clay ließ sich nichts anmerken. „Sie ist eine Frau, oder?“

„Tja, es gibt solche und solche Frauen. Die ist jedenfalls anders als alle, die du bisher gekannt hast.“

„Was heißt das?“

„Das heißt, sie ist kein Rodeogroupie, das nur seinen Spaß haben will. Sie ist Rancherin, und das bedeutet, sie ist dickköpfig, streitlustig und hochmütiger, als es sich nach Ansicht der meisten Leute hier für eine Frau schickt.“

„Aber sie ist trotzdem eine Frau.“

„Das kann ich nicht bestreiten“, gab Rooster zu und wandte sich wieder zum Fernseher. Offenbar hatte er sein Pensum an Unterhaltung für diesen Abend gehabt.

Die nächsten fünfzehn Minuten begnügten Clay und er sich mit gelegentlichen Kommentaren zur Leistung der Rodeoreiter. Als die Sendung zu Ende war, stand Clay auf.

„Tja, Kumpel, falls du nicht doch in diesen Stripschuppen willst, ist dein Junggesellenabschied wohl offiziell vorbei.“

„Sieht ganz so aus“, sagte Rooster und erhob sich ebenfalls. „Wir sehen uns morgen.“

Kurz darauf lag Clay allein in seinem Bett und betrachtete die Schatten an der Decke, die das Mondlicht darauf warf, während er sich jedes kleinste Detail von Jo Beths nacktem Körper ins Gedächtnis rief. In dieser Nacht dauerte es sehr lange, bis er einschlief.

Die Party bei Cassie war noch in vollem Gange. Um elf, als Clay längst im Bett lag, hatten sich Braut und Brautjungfern auf der Veranda versammelt, um dem Stripper hinterherzuwinken. Dann stürmten sie alle wieder ins Haus, um nicht jugendfreie Partyspiele für Junggesellinnenabschiede zu spielen, mit nicht jugendfreien Spielzeugen, die La Wanda aus dem Warenbestand ihres neuen Sexspielzeugunternehmens präsentierte.

Melissa Meeker war um Mitternacht die Erste, die aufgab. „Jetlag“, vermutete Cassie und deckte ihre Freundin zu.

Eine halbe Stunde später machte Barb Kittner schlapp. „Komm, Schätzchen“, sagte Roxy zu der werdenden Mutter. „Bringen wir dich ins Bett, bevor du noch im Stehen einschläfst.“

Gegen Viertel nach eins waren nur noch Jo Beth und Cassie wach. Die übrigen Brautjungfern lagen schlafend um sie herum.

„Wie gut, dass die Hochzeit erst morgen Nachmittag um vier ist“, meinte Jo Beth, während sie eine Beule in ihrem Schlafsack glatt strich. „Sonst wären ein paar von deinen Brautjungfern zu verkatert, um dabei zu sein.“

Cassie gähnte herzhaft und kuschelte sich tiefer in ihr Kissen. „Es war eine tolle Party. Danke, dass du das für mich organisiert hast.“

„Gern geschehen. Aber ich hab’s nicht allein gemacht.“ Sie griff in ihren Schlafsack, um die Ursache für die Beule zu finden. „Alle haben mitgeholfen … du liebe Zeit, was ist denn das?“

Cassie betrachtete verschlafen und beschwipst das Gewirr aus Riemen und Schnallen, das Jo Beth hochhielt. „Ich glaube, La Wanda nannte es einen Fesselgurt.“

„Was macht man damit? Nein, sag jetzt nichts. Ich will es gar nicht wissen.“ Sie warf es auf den Couchtisch neben einen gefiederten Zauberstab, eine Dose mit essbarer Körperfarbe, einem viel zu realistisch geformten violetten Latex-Vibrator und einem batteriebetriebenen Gerät namens Kitten Klamps, das aussah wie ein Miniatur-Überbrückungskabel. Man konnte es an verschiedenen delikaten Zonen des weiblichen Körpers anbringen. „Glaubst du wirklich, dass Leute solche Sachen benutzen?“

Ein zartes Schnarchen war die einzige Antwort.

Damit war der Junggesellinnenabschied offiziell beendet.

Jo Beth klopfte sich ihr Kissen zurecht, kuschelte sich in ihren Schlafsack, schloss die Augen … und träumte von Clay Madison, Körperfarbe und Überbrückungskabeln. Es war kein erholsamer Schlaf.

4. KAPITEL

Obwohl zwei der Brautjungfern den Tag schwer verkatert begannen und einer der Trauzeugen ein beachtliches Veilchen hatte, wurde die Hochzeit ein fröhliches, unbeschwertes Fest. Hätte Jo Beth keine Aufgabe gehabt, die sie praktisch an Clay Madisons Seite zwang, hätte sie es ungetrübt genießen können. So aber zehrte seine ständige Gegenwart schon den ganzen Tag an ihren Nerven.

Kaum hatte das Brautpaar dann den Eröffnungstanz absolviert und alle Gäste aufgefordert, ihrem Beispiel zu folgen, stand er wieder neben ihr. „Ich glaube, das ist unser Tanz, Miss Jensen.“

Ihr blieb gar nichts anderes übrig, als anzunehmen. Andernfalls würde die nächsten zwei Monate darüber geklatscht werden, wie sie auf Cassies und Roosters Hochzeit einem der Trauzeugen einen Korb gegeben hatte.

Über ihre Beziehungen zu Cowboys – oder auch das Fehlen derselben – hatte es wahrlich schon genug Tratsch gegeben. Sie hatte es jedenfalls gründlich satt, Gegenstand von Klatschgeschichten zu sein.

Also legte sie wortlos ihre Hand in seine und ließ sich von ihm auf die Tanzfläche führen. Bisher hatte sie es leidlich geschafft, ihn zu ignorieren. Doch während sie mit einem schnellen Twostep begannen, musste sie sich eingestehen, dass ihre Selbstbeherrschung nun doch arg herausgefordert wurde. Denn jetzt hielt der Mann, von dem sie in der ganzen letzten Woche fantasiert hatte, sie in den Armen und tanzte mit ihr. Die harte, muskulöse Brust, die sich in ihren Träumen an ihre nackten Brüste gepresst hatte, war nur wenige Zentimeter entfernt und lediglich von einem gestärkten weißen Smokinghemd verhüllt. Die Hände, die in ihren Fantasien ihren nackten Körper liebkost hatten, lagen jetzt in ihrer Hand und auf ihrer Schulter. Die Lippen, nach denen sie sich gesehnt hatte, waren so nah, dass sie sie jederzeit hätte küssen können. Er strahlte Kraft und Wärme aus. Er hatte unglaublichen Sex-Appeal. Und er tanzte einfach göttlich. Unwillkürlich fragte sich Jo Beth, ob sein Rhythmusgefühl im Bett genauso wundervoll war wie hier.

Ihr wurde heiß. Wie sie diese geballte Männlichkeit so verlockend nah spürte, kribbelte es sie am ganzen Körper.

„Du meine Güte“, murmelte sie widerstrebend.

Er lachte leise, wissend, und vollführte einen Tanzschritt, durch den sie ihm noch ein paar Zentimeter näher kam. Seine Hand glitt über ihre nackte Schulter zu ihrer Halsbeuge. Sacht berührten seine Fingerspitzen ihren Nacken. Er zog ihre Hände, die ineinandergeschlungen waren, weiter an ihren Körper heran, sodass sein Handrücken bei jedem Tanzschritt ihren Oberschenkel streifte.

Ein heißes, nie gekanntes Verlangen erwachte in ihr. Sie musste sich zusammennehmen, um nicht die Wange an seine Hand zu schmiegen und wie eine Katze zu schnurren.

Und er wusste genau, was in ihr vorging. Er schob sie von sich, ließ sie eine Drehung vollführen, nur um sie gleich darauf wieder an sich zu ziehen. Seine Lippen waren nur noch wenige Zentimeter von ihren entfernt, während Jo Beth sich anmutig in seinen Armen zurücklehnte und Clay ihren Unterleib an seinen drückte.

Zweifellos hatte er derartige Manöver in zahllosen Tanzschuppen mit irgendwelchen Rodeogroupies vervollkommnet und hoffte nun, dass Jo Beth ebenso dahinschmelzen würde wie diese Frauen.

Sie warf ihm einen funkelnden Blick zu, voller Wut und Begierde.

Du liebe Zeit, er war einfach umwerfend sexy. Allerdings auch großspurig, und das hätte sie abschrecken müssen, wenn sie auch nur einen Funken Verstand gehabt hätte. Dummerweise erregte es sie aber nur noch mehr.

Es hatte einfach keinen Sinn mehr, dagegen anzukämpfen. Also sah sie in seine braunen Augen und schenkte ihm ein einladendes Lächeln.

„Na, haben Sie beschlossen, nicht mehr wütend auf mich zu sein?“, fragte er und lehnte sie nach hinten. Dadurch fiel ihr Kopf zurück in seine Hand, und sie war gezwungen, sich an seine schmale Taille zu klammern, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ihre Becken pressten sich noch fester aneinander. Und mit einer leichten Hüftbewegung zeigte er ihr, welche Wirkung sie auf ihn hatte.

„Nein“, erwiderte sie. Jo Beth blieb in der von ihm bestimmten Position, wobei sie den Druck seines Beckens erwiderte, ohne den Blickkontakt auch nur für eine Sekunde zu unterbrechen. Er sollte wissen, dass sie nicht im Mindesten eingeschüchtert war von der Demonstration seiner Männlichkeit. „Eigentlich habe ich beschlossen, Sie flachzulegen.“

Zu ihrer großen Freude verschwand sein freches Grinsen für einen Moment. Doch er hatte sich schnell wieder gefangen.

„Und wann genau gedenken Sie, dies zu tun?“, fragte er.

„Was denn? Sie meinen, Sie flachlegen?“

„Was ist das für eine Sprache für eine Lady?“

„Lady?“ Jo Beth lachte. „In welchem Jahrhundert leben Sie eigentlich, Cowboy?“

„Wir befinden uns auf einer Hochzeitsfeier“, meinte er tadelnd. „Hier sind Kinder und Großmütter anwesend.“

Sie schaute sich demonstrativ um. „Aber nicht in Hörweite.“

„Darum geht es nicht. Der Punkt ist doch …“

„Der Punkt ist, dass Sie prüde sind“, unterbrach sie ihn triumphierend. „Der tolle Bullenreiter ist prüde.“ Vielleicht schaffte sie es ja sogar, dass er errötete. „Haben Sie welche dabei?“

„Was dabei?“, fragte er misstrauisch.

„Kondome.“ Sie ließ ihre Hand, verdeckt durch sein Jackett, zur Gesäßtasche seiner Hose gleiten und drückte zu. „Ich wette, Sie haben ein paar in Ihrer Brieftasche.“

„Ja.“ Er errötete zwar nicht, schaute sich aber rasch um, ob jemand mitbekommen hatte, dass sie ihm in den Po gekniffen hatte. „Und?“ Inzwischen klang er so argwöhnisch wie jemand, der die Hand ausgestreckt hatte, um eine Hauskatze zu streicheln, und sich plötzlich einem Tiger gegenübersah.

Jo Beth war sehr zufrieden mit seiner Reaktion, die sie für die Begegnung am Wasserbecken entschädigte. Dort war sie diejenige gewesen, die solche Mühe gehabt hatte, ihre Verlegenheit zu vertuschen.

„Ich werde also noch zwei Tänze mit Ihnen absolvieren und danach einen Spaziergang zum Korral neben dem Stall machen, um mir Toms neuen preisgekrönten Bullen anzusehen. In der nordöstlichen Ecke des Stalls, hinter der letzten Box auf der rechten Seite, befindet sich eine Sattelkammer.“ Sie schmiegte sich an ihn, sodass ihre Brüste gegen seine muskulöse Brust gepresst wurden. „Die hat eine Tür. Und ein Schloss“, flüsterte sie mit verführerischer Stimme. „Wenn es nicht gegen Ihr Zartgefühl verstößt, können wir uns dort treffen. Ich würde gern ein paar von meinen Fantasien ausleben, denen ich mich gestern im Wasserbecken hingegeben habe, während Sie mich beobachtet haben.“

Er schien seine Selbstsicherheit wiedergefunden zu haben. „Warum nicht gleich alle?“

„Weil wir nicht genügend Zeit haben. Die Brautjungfern müssen dabei sein, wenn die Hochzeitstorte angeschnitten und der Brautstrauß geworfen wird. Das Gleiche gilt übrigens für die Trauzeugen.“ Bevor sie sich abwandte, streifte sie mit ihren Fingerspitzen kurz seinen Schritt und spürte seine Erektion durch den maßgeschneiderten Stoff. „Ich werde zehn Minuten warten. Das sollte reichen für einen dritten Tanz und den Weg zur Sattelkammer. Falls Sie bis dahin nicht aufgekreuzt sind, werde ich die Tür verriegeln und mit mir selbst spielen.“

Die nächsten zehn Minuten, in denen er mit der Braut und deren Mutter tanzte, waren die längsten in Clays Leben. Dann endlich machte er sich auf den Weg zum Stall, um Jo Beth zu beweisen, dass er nicht prüde war.

Leise öffnete er die Stalltür und blieb einen Moment stehen, damit seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen konnten. Außerdem wollte er sich versichern, dass er alleine war. Ein Pferd wieherte, als er an dessen Box vorbei auf die Sattelkammer zuging. Seine Schritte hallten auf dem Betonfußboden wider. Clays Herz pochte.

Er klopfte an die Tür und betrat die Sattelkammer.

Sie stand aufrecht auf der anderen Seite des kleinen unordentlichen Raumes vor einem mit Fensterläden verschlossenen Fenster. Das wenige Sonnenlicht, das hereinfiel, bildete eine Art Heiligenschein um ihre Gestalt und hob die weißen Blumen in ihren Haaren hervor. Ein paar einzelne Strähnen hatten sich aus ihrem Zopf gelöst und verliehen ihr beinah etwas Engelsgleiches. Zu ihren Füßen lag ein dicker Stapel Stalldecken, sorgfältig zu einem gemütlichen Bett ausgebreitet – eine unmissverständliche Einladung.

Clay sah Jo Beth in die Augen. Tief.

„Verriegle die Tür“, forderte sie ihn auf.

Ohne den Blick von ihr abzuwenden, schob er den Riegel vor. Der gab beim Einrasten einen scharfen metallischen Laut von sich, als würde der Hahn eines Gewehrs gespannt. Das Geräusch hallte leise in der Stille … Schweigend standen sie einander gegenüber, er an der Tür, sie am Fenster, und sahen sich einfach nur an. Die Zeit schien stillzustehen. Sie konnten die Augen nicht voneinander wenden.

Es gab keine Bewegung außer dem Pochen ihrer Herzen, kein Geräusch außer ihrem Atem. Jeder schien auf den nächsten Schritt des anderen zu warten. Eine prickelnde Erwartung lag in der Luft.

Schließlich drehte Jo Beth sich um. „Hilf mir mit dem Reißverschluss“, befahl sie, lehnte den Kopf vor und schob ihren mit Bändern geschmückten Zopf zur Seite.

Clay durchquerte mit drei langen Schritten den Raum und nahm die winzige Zunge des Reißverschlusses zwischen Daumen und Zeigefinger. Langsam zog er ihn herunter, um so ihren Nacken und ihren Rücken freizulegen. Diesmal sah er aus allergrößter Nähe die kleinen Wölbungen ihrer Wirbelsäule, die sich unter ihrer hellen Haut abzeichneten. Er beugte sich hinunter und küsste Jo Beth zwischen die Schulterblätter, knapp oberhalb des BHs aus elfenbeinfarbener Seide. Dann umfasste er ihre Schultern und hielt sie fest, während er eine Spur zärtlicher Küsse von dort hinauf bis zu ihrem Nacken und ihrem Hals legte.

„Wunderschön“, flüsterte er.

Jo Beth erschauerte, beugte ihren Nacken und schmiegte sich für einen kurzen Moment an ihn, ehe sie sich spürbar anspannte und einen halben Schritt von ihm weg trat. „Für solchen romantischen Unsinn haben wir keine Zeit“, erklärte sie und warf ihm einen Blick über die Schulter zu.

Er ließ die Hände auf ihren Schultern liegen. „Romantischer Unsinn?“

„Na, diese kleinen Zärtlichkeiten und die süßen Worte. Dafür haben wir keine Zeit.“

„Dann nehmen wir sie uns einfach“, schlug er lächelnd vor und wollte sie erneut auf den Hals küssen.

„Nein.“ Sie machte sich los und drehte sich zu ihm um. Dabei legte sie ihm eine Hand auf die Brust, um ihn aufzuhalten. „Wir haben keine Zeit. Und selbst wenn wir genug hätten, kann ich darauf verzichten, auf diese Weise umworben zu werden, Clay. Ich weiß genau, warum ich hier bin und was ich will. Wir müssen uns nichts vormachen mit zärtlichen Küssen und Liebesgeplänkel.“

„Die meisten Frauen mögen das aber.“

„Ich bin nicht ‚die meisten Frauen‘ und sehe die Dinge lieber so, wie sie sind. Zwischen uns beiden geht es um Sex, mehr nicht. Wild und dreckig. Das müssen wir nicht mit irgendwelchem Herzchen-und-Blümchen-Unsinn beschönigen. Wir beide sind nur hier, um miteinander zu schlafen.“ Sie bewegte unbehaglich die Schultern unter seinen liebkosenden Händen. „So einfach ist das.“

„Du meinst, wir sollten am besten gleich zur Sache kommen?“

„Ganz genau.“ Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, schloss sie die Hand um sein aufgerichtetes Glied, das sich unter dem Stoff seiner Hose abzeichnete, und rieb die Spitze mit dem Daumen. „Irgendwas dagegen?“

Falls es irgendwelche Gegenargumente gab, hatten sie sich in Luft aufgelöst. Seine Begierde wuchs ins Unermessliche. Er kannte sich selbst kaum wieder. Clay packte Jo Beths Schultern fester und zog sie an sich. Seine Hände glitten ihren Rücken hinunter zu ihrem Po. Er drückte sie, presste sein Becken hart gegen ihres und küsste sie leidenschaftlich. Begehrlich umspielte er ihre Zunge mit seiner, ließ sie seine Zähne spüren und nahm sie mit seinen Lippen ein, fast als wolle er sie verschlingen.

Der Kuss war wild und überwältigend. Genau so, wie Jo Beth es sich vorgestellt hatte. Sie gab sich Clay hin und liebkoste mit ihren Händen seine muskulöse Brust, auf der Suche nach nackter Haut. Dann spürte sie, wie er ihren Rocksaum anhob.

Keuchend löste sie sich von ihm. „Warte.“ Sie fühlte seinen heißen Atem an ihrer Wange.

„Ich dachte, du willst es wild und dreckig.“

„Das wollte ich auch. Will ich.“ Ihre Stimme bebte ein wenig. „Aber lass mich zuerst mein Kleid ausziehen.“

„Vergiss das verdammte Kleid.“ Seine Finger schlossen sich um ihren nackten Schenkel, glitten höher. „Das wird uns nicht stören.“

„Nein.“ Sie hielt seine Hand fest. „Mit zerknittertem oder zerrissenem Kleid kann ich nicht zurück auf die Hochzeit. Lass es mich ausziehen.“

Er ließ die Arme sinken und trat zurück. „Na schön, dann zieh es aus.“

Jo Beth streifte sich die schmalen Träger von den Schultern, ohne Clay aus den Augen zu lassen. Sie ließ ihr Kleid bis zu den Armbeugen hinabgleiten und gewährte ihm einen tiefen Blick in ihr Dekolleté, bevor sie das Mieder mit der Hand davor festhielt. Sie hatte nicht vorgehabt, das Ganze in die Länge zu ziehen und für ihn zu strippen. Eigentlich hatte sie ihr Kleid auf ihre übliche rasche, effiziente Art ausziehen wollen, um gleich zur Sache zu kommen. Schließlich hatte er sie schon nackt gesehen. Neu war das hier für ihn also kaum.

Doch sein faszinierter Gesichtsausdruck ließ sie innehalten. Clay gab ihr das Gefühl, eine begehrenswerte, erotische Frau zu sein. Und das gefiel ihr. Sehr sogar.

Davon wollte sie mehr.

Sie ließ das Kleid noch ein paar aufreizende Zentimeter weiter nach unten rutschen und zeigte die Wölbung ihrer Brüste in dem trägerlosen BH aus Seide und Spitze. Sie wusste, wie sie aussah – ihre kleinen Brüste wirkten durch die Push-Up-Polster praller, ihre Haut war hell, da sie stets Sonnenmilch benutzte, bis auf die Sommersprossen in ihrem Dekolleté. Insgesamt ein hübscher Anblick, aber nichts Spektakuläres. Nichts, wonach ein Mann sich umdrehen würde.

Trotzdem betrachtete er sie, als wäre sie ein Unterwäschemodel der Firma „Victoria’s Secret“. Als hätte er noch nie eine nackte Frau gesehen. Er fuhr sich sogar mit der Zunge über die Lippen.

Tief in ihr erwachte ein Verlangen, das in seiner Intensität beinah schmerzhaft war. Sie ließ das Kleid sehr langsam bis hinunter zu ihrer Taille gleiten und beobachtete dabei Clays Gesicht.

Sein Blick folgte ihren Bewegungen, seine Pupillen waren geweitet. Er hatte sichtlich Mühe, sich zusammenzunehmen. Bevor er sprechen konnte, musste er schlucken. „Ich dachte, wir haben keine Zeit für romantischen Unfug.“

„Das ist kein romantischer Unfug.“ Sie ließ das Kleid weiter sinken, sodass der Saum ihres Slips zum Vorschein kam, und verspürte ein gewisses Triumphgefühl, weil Clays Blick sofort wieder nach unten wanderte. „Es dient dazu, uns beide zu erregen.“

„Nein. Das tust du nur, weil du gern die Kontrolle hast.“

„Und das erregt dich, stimmt’s?“

„Ja, es erregt mich.“ Seine Stimme war ein heiseres Krächzen. „Und was ist mit dir?“

Statt zu antworten, lächelte sie verführerisch und ließ das Kleid noch weiter nach unten rutschen, sodass das Dreieck dunkler Haare unter ihrem hauchdünnen Slip zu sehen war.

Clay schnappte hörbar nach Luft und ballte die Fäuste. Bald würde er mit seiner – und sie mit ihrer – Geduld am Ende sein. Es reichte.

„Hör auf, Spielchen zu spielen, und zieh dieses Kleid aus“, forderte er sie auf.

Sie zögerte noch. Jo Beth fragte sich, wie weit sie wohl gehen könnte, wie weit ihr Mut reichte. Er war nicht wie die anderen Männer, mit denen sie bisher im Bett gewesen war. Clay war kein braver Banker oder konservativer Viehhändler, der vollauf zufrieden damit war, dass sie das Tempo und die Regeln vorgab. Er war ein Cowboy, daran gewöhnt, Dinge auf seine Weise zu machen. Und so ungern sie es auch zugab, es war eine der Eigenschaften, die sie an ihm so unwiderstehlich fand.

„Zieh das Kleid aus. Jetzt“, wiederholte er mit rauer Stimme und einem bedrohlichen Funkeln in den Augen. „Sonst werde ich es dir ausziehen. Und es wird mir egal sein, ob es am Ende zerrissen auf dem Boden liegt.“

Seine Ungeduld gefiel ihr, die Dringlichkeit in seiner Stimme. Sie ließ das Kleid bis zu den Knien hinuntergleiten und stieg heraus. Sie konnte nicht anders, als es ordentlich über einen der Sättel zu legen. Dann drehte sie sich wieder zu Clay um, die Hände bereits auf dem Rücken, um den BH-Verschluss zu öffnen.

„Nicht!“, befahl er.

Autor

Candace Schuler
Candace Schuler hat ihrem Mann, Joe, zu verdanken, dass sie ihre Liebe zum Schreiben zu ihrem Beruf gemacht hat. Es waren Joe’s Kommentare bei einer Briefbesprechung auf einer Reise nach New Orleans, die ihr klar machten, dass sie tatsächlich Talent zum Schreiben anderer Dinge als Büromemos und PC – Anleitungen...
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