Tiffany Extra Hot & Sexy Band 77

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ACHTUNG! DIESE FRAU IST GEFÄHRLICH
von JACKSON, BRENDA

So sehr liebte Virgil Bougard ihre Kurven, die ungezügelte Lust, wenn Kara in seinen Armen lag … Doch die brünette Schönheit enttäuschte ihn maßlos: Sie verließ den Millionär ohne Grund! Jetzt will Kara ihn zurück in ihr Bett ziehen - kann Virgil der Verlockung widerstehen?

MERLINAS EROTISCHE REISE INS GLÜCK
von REIGHLY, SAMANTHA

Sonne, Strand und ein heißer Mann, der sie nach allen Regeln der Kunst verwöhnt! Noch vor ein paar Stunden ahnte Merlina nicht, dass sie ein so erregendes Wochenende verbringen würde. Jason ist der Mann ihrer Träume - bis sie die Wahrheit über den Geschäftsmann erfährt …

HEIßE KÜSSE AUF MEINER HAUT
von HART, REGINA

Was für ein prickelndes Angebot! Die attraktive Rose sucht einen Mann, der sie abends begleitet - um allen zu zeigen, wie glücklich sie ist. Donovan Carroll kann nicht anders: Er muss ihre Einladung annehmen. Und hofft, dass er Rose in dieser Nacht wirklich glücklich machen kann …

IM BETT DES BODYGUARDS
von HOFFMANN, KATE

Drei Monate kein Sex - so lautet die Wette mit seinen Brüdern. Und Declan ist fest entschlossen, durchzuhalten. Auch wenn seine neue Kundin den Bodyguard auf eine harte Probe stellt: Rachel ist charmant, wunderschön, anziehend - und außerdem eine berühmte Sex-Expertin …

  • Erscheinungstag 08.05.2018
  • Bandnummer 0077
  • ISBN / Artikelnummer 9783733752903
  • Seitenanzahl 384
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Brenda Jackson, Samantha Reighly, Regina Hart, Kate Hoffmann

TIFFANY EXTRA HOT & SEXY BAND 77

BRENDA JACKSON

Achtung! Diese Frau ist gefährlich

Eiskalt schaut er sie an, will kein Wort der Entschuldigung hören. Kara weiß nicht, was sie tun soll: Sie verzehrt sich nach Virgils Küssen. Doch er kann ihr den schlimmen Verrat nicht verzeihen …

SAMANTHA REIGHLY

Merlinas erotische Reise ins Glück

Als sie am Strand seine Umarmung atemlos erwidert, ist Merlina anschmiegsam und leidenschaftlich. Und dann will sie plötzlich nichts mehr von Jason wissen! Er muss herausfinden, warum sie so kühl ist …

REGINA HART

Heiße Küsse auf meiner Haut

Donovan soll sie zum Klassentreffen begleiten, um ihrem Ex zu zeigen, dass sie ihn nicht vermisst. Warum aber träumt Rose plötzlich von einer Zukunft mit Donovan? Er will sicher nur eine heiße Affäre …

KATE HOFFMANN

Im Bett des Bodyguards

Er soll ihr Leben schützen – und bringt ihr Herz in Gefahr! Bodyguard Declan ist genau der Mann, der die Flaute in Rachels Bett beenden könnte. Aber er hat scheinbar kein Interesse – das muss Rachel ändern!

PROLOG

Kara Goshay wusste, dass es sich nicht länger aufschieben ließ. Heute Abend war sie nur wegen Virgil Bougard hier. Sie schuldete ihm eine Erklärung, und die würde er jetzt bekommen, auch wenn er ihr den ganzen Abend nur kalte, böse Blicke zugeworfen hatte.

Ihr war klar, dass er nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte. Vier Jahre lag ihre Beziehung mittlerweile zurück. Damals hatte sie ihm vorgeworfen, etwas getan zu haben, und jetzt wusste sie, dass diese Anschuldigung falsch gewesen war. Sie war mutig genug, um einen Fehler zuzugeben, und in diesem Fall war es ein riesengroßer gewesen.

Sie atmete tief durch und betrachtete ihn. Er unterhielt sich mit fünf anderen Männern. Sie nannten sich Patenbrüder. Kara kannte sie alle. Virgil hatte ihr die Geschichte der sechs Männer erzählt, die vor fast vierzig Jahren auf dem College eng befreundet gewesen waren und sich am Abschlusstag geschworen hatten, miteinander in Kontakt zu bleiben. Sobald einer von ihnen Vater wurde, sollten alle übrigen fünf Männer Patenonkel des Kindes werden, und die erstgeborenen Söhne sollten Namen mit den Anfangsbuchstaben von U bis Z bekommen.

So waren Uriel Lassiter, Virgil Bougard, Winston Coltrane, Xavier Kane, York Ellis und Zion Blackstone zu ihren Namen gekommen.

Kara betrachtete die sechs gut aussehenden Patenbrüder und dachte an ihr allererstes Treffen mit Virgil zurück.

Bei einem feierlichen Wohltätigkeitsevent hatte er den Saal betreten. Kara hatte gedacht, er sei einem Cover von GQ entsprungen. Bestimmt hatte sich in diesem Moment jede Frau im Saal gefragt, ob ein Mann überhaupt so gut aussehen durfte.

Später am Abend hatte er sie zum Tanzen aufgefordert, und Kara hatte festgestellt, dass er aus der Nähe betrachtet noch besser aussah. Er war mehr als eins neunzig groß, und bei seinem schwarzen Haar, den braunen Augen und dem muskulösen Körper würde sicher jede Frau schwach. Virgil Bougard war der Inbegriff von Männlichkeit.

Kara wartete auf einen geeigneten Moment, um auf Virgil zuzugehen. Wieder fing sie einen seiner bösen Blicke auf, dann lächelte er über eine Bemerkung einer seiner Patenbrüder. Diese Männer waren alle eng mit Virgil befreundet und wussten, was Kara ihm damals vorgeworfen hatte. Dennoch hatten sie sich ihr gegenüber immer freundlich und höflich verhalten, wenn es zu Begegnungen gekommen war.

Heute Abend hatte Virgil sie schon bei seiner Ankunft auf der Party eiskalt angesehen. Wenn Blicke töten könnten, würde Kara bereits leblos auf dem Boden liegen.

Sie nahm all ihren Mut zusammen, stellte ihr Glas Wein auf dem Tablett eines Kellners ab, straffte die Schultern und ging quer durch den Saal auf Virgil zu. Hoffentlich war er bereit, unter vier Augen mit ihr zu sprechen, obwohl er scheinbar nur noch Verachtung für sie übrig hatte.

Wie von einem inneren Radar geleitet, drehte Virgil den Kopf in ihre Richtung. Er sah sie so feindselig an, dass Kara die Knie weich wurden. Sie schaffte es nur weiterzugehen, weil sie sich sagte, dass all sein Zorn auf sie gerechtfertigt war.

Auch zwei seiner Patenbrüder bemerkten, dass Kara sich näherte. Sie sah, wie Xavier kaum merklich den Kopf schüttelte, als sei es keine gute Idee von ihr, Virgil heute anzusprechen. Uriel wirkte eher neugierig, als fragte er sich, woher sie den Mut nahm, sich Virgil auf weniger als drei Metern zu nähern, obwohl er so nachtragend sein konnte.

Diese fünf Männer kannten Virgil lange und gut genug, um zu wissen, dass er nichts verzieh.

Als sie die Gruppe erreichte, sahen sie alle sechs Männer eindringlich an. „Hallo, Jungs. Freut mich, euch zu sehen.“

Es überraschte sie nicht, dass Uriel als Erster antwortete. „Kara, freut mich auch, dich zu sehen.“

„Wenn ich es richtig mitbekommen habe, seid ihr inzwischen unter der Haube, Uriel, Winston, Xavier und York. Herzlichen Glückwunsch!“ Während der Feier hatte sie alle vier Männer mit ihren Ehefrauen gesehen und bemerkt, wie schön diese Frauen waren.

Die vier Männer bedankten sich gleichzeitig.

Dann wandte Kara sich an Zion. „Und dir gratuliere ich zu deinem Erfolg, Zion. Deine Schmuckstücke sind wahre Kunstwerke.“

Zion, der Jüngste aus der Gruppe, war als Juwelier weltberühmt geworden, seit bekannt geworden war, dass sich die First Lady von ihm ihren Schmuck gestalten ließ.

„Danke, Kara.“

Nur Virgil blickte sie so abfällig an, dass sie die Kälte bis in ihr Innerstes zu spüren glaubte.

„Hallo, Virgil.“ Sie atmete tief durch. „Kann ich einen Moment allein mit dir sprechen?“

„Wir haben uns nichts zu sagen.“

Am liebsten wäre Kara weggelaufen, doch sie hob den Kopf und lächelte bedauernd. „Mir ist klar, wieso du nicht mit mir allein sein willst, Virgil. Bei mir hast du dich noch nie beherrschen können.“

Er zog die Brauen zusammen, als er merkte, dass andere Partygäste neugierig zu ihnen hinübersahen. Anscheinend hatten diese Leute immer noch nicht vergessen, was für ein heißes Paar er und Kara damals gewesen waren. Schließlich nickte er. „Du willst ungestört mit mir reden, Kara? Dann geh voraus.“

Für Kara klang es fast drohend. Als würde sie es noch bereuen, ihn darum gebeten zu haben.

Virgil folgte Kara in einen Flur, von dem mehrere kleinere Besprechungsräume abgingen. Sie konnte sich glücklich schätzen, dass er ihr nicht vor allen Gästen gesagt hatte, was er von ihr und ihrer Bemerkung hielt. Lediglich die warnenden Blicke seiner Patenbrüder hatten ihn davon abgehalten. Kara Goshay bedeutete ihm nichts mehr. Auch wenn sie das vielleicht anders sah: Sie war die letzte Frau, bei der er sich beherrschen musste, wenn er allein mit ihr war. „Ich gehe keinen Schritt weiter, Kara, also sag mir endlich, was du unbedingt loswerden willst.“

Sie wandte sich zu ihm um und sah ihm in die Augen.

Schon bei seinem ersten Treffen mit Kara hatte Virgil genau dasselbe gedacht wie jetzt: Sie besaß die schönsten Augen, die er jemals gesehen hatte. Der silbergraue Farbton wurde durch ihre gebräunte Haut noch betont.

Doch die Augen waren nicht das Einzige, was ihm an jenem Abend an ihr aufgefallen war. Von Kopf bis Fuß sah Kara einfach hinreißend aus.

Sein Blick wanderte von ihren Stilettos langsam an den wohlgeformten Beinen hinauf zur schmalen Taille und den perfekten Brüsten bis zu ihren braunen Locken, die ihr bis auf die Schultern reichten und das wunderschöne Gesicht umrahmten.

In dem pfirsichfarbenen engen Kleid sah sie aus wie eine Göttin. Virgil konnte gar nicht anders als ihre sinnlichen Kurven zu betrachten.

Verärgert über sich selbst atmete er tief durch. Wie konnte er sie immer noch so unvergleichlich anziehend und begehrenswert finden nach allem, was sie ihm angetan hatte? Er zog die Brauen zusammen. „Du hast eine Minute.“

Sie holte tief Luft, wodurch ihre Brüste sich unter dem engen Kleid noch deutlicher abzeichneten.

Wie sehr er diese Brüste geliebt hatte! Schnell verdrängte er den Gedanken und fragte sich stirnrunzelnd, wieso ihm das ausgerechnet jetzt durch den Kopf ging.

„Also schön.“ Mit leiser Stimme riss sie ihn aus seinen Gedanken. „Ich möchte mich bei dir entschuldigen, Virgil. Vor ein paar Tagen habe ich herausgefunden, dass Marti mich damals über dich angelogen hat.“

„Du hast vier Jahre gebraucht, um herauszufinden, was für eine Lügnerin deine Schwester ist? Ehrlich, Kara, es ist mir absolut egal, was du mittlerweile weißt oder auch nicht.“

„Nimmst du meine Entschuldigung an?“

„Nein. Wieso sollte ich? Ich habe versucht, dich von meiner Unschuld zu überzeugen, aber du hast nur auf die Lügen deiner Schwester gehört. Jetzt kennst du die Wahrheit, und ich soll dir verzeihen, obwohl du alles weggeworfen hast, was zwischen uns war?“

„Ich hatte doch keine Ahnung, dass Marti mir ganz bewusst Lügen über dich erzählt.“

„Du hättest mir genug vertrauen sollen und mir glauben, dass ich dich nicht betrüge. Ohne Vertrauen ist Liebe nichts wert. Du hast mir gezeigt, dass dir das, was uns verbunden hat, nichts bedeutet hat.“ Er sah auf seine Uhr. „Und jetzt entschuldige mich bitte, deine Zeit ist um.“

Ohne Kara die Gelegenheit zu einer Erwiderung zu geben, wandte er sich um und kehrte in den Ballsaal zurück.

1. KAPITEL

Sechs Monate später

„Wie war die Hochzeit?“

Virgil blickte hoch, als sein Vater Matthew Bougard das Büro betrat, und fragte sich, wieso sein Vater schon zurück in Charlotte war. „Es war eine schöne Hochzeit, allerdings fällt es mir schwer zu glauben, dass noch ein Steele geheiratet hat. Damit hat Tyson uns alle überrascht.“

Leise lachend setzte Matthew sich auf den Stuhl vor Virgils Schreibtisch. „Das kann ich mir vorstellen. Aber hast du ernsthaft geglaubt, die Steeles würden ewig Junggesellen bleiben? Sieh dir doch deine Patenbrüder an.“

Er runzelte die Stirn. „Das lasse ich lieber.“ Sonst würde er daran denken müssen, wie seine fünf Patenbrüder und er vor fast vier Jahren den „Guarded Hearts Club“ gegründet hatten, kurz nach seiner Trennung von Kara. Damals hatten alle sechs Patenbrüder riesige Frauenprobleme gehabt und sich gegenseitig geschworen, für alle Zeit Singles zu bleiben.

Inzwischen waren von ihnen nur noch Zion und Virgil ledig, und die beiden hielten den Club eisern am Leben.

„Tja, ich bin jedenfalls stolz auf meine vier Patensöhne, die die richtige Entscheidung getroffen haben. Sieh dir doch deine Mom und mich an, Virgil. Wir sind jetzt fast vierzig Jahre glücklich miteinander verheiratet.“

Hoffentlich kam jetzt kein Vortrag über Liebe, Glück und Ehe! Für seinen Vater war Virgils Mom eine Königin, und sie bezeichnete Matthew als ihren König. Virgil wusste, obwohl er lieber nicht darüber nachdachte, dass die beiden immer noch ein sehr aktives Sexleben führten. Erst letzten Sommer war er davon unfreiwilliger Zeuge geworden, als er sie in ihrem Urlaub hatte überraschen wollen. Statt einer Überraschung für seine Eltern war es ein Schock für ihn gewesen, als er den Raum betreten hatte, in dem seine Eltern wie hormongesteuerte Teenager übereinander hergefallen waren.

Matthew und Rhona kannten sich seit der gemeinsamen Collegezeit in Atlanta, hatten nach dem Studium geheiratet und sich in Charlotte in North Carolina niedergelassen.

Nur für den Fall, dass sein Dad doch eine lange Rede schwingen wollte, fragte Virgil schnell: „Dad, was führt dich nach Charlotte?“

Sein Vater war noch Geschäftsführer von „Bougard Enterprises“, kam jedoch nicht mehr häufig ins Büro und überließ Virgil die meisten Entscheidungen. Doch er war über alle Vorgänge in der Firma informiert, die er direkt nach dem College gegründet und zu einer der größten Vermögensverwaltungen des Bundesstaats vergrößert hatte.

Einen Moment schwieg sein Vater, bevor er antwortete: „Ich spiele mit dem Gedanken, mich zur Ruhe zu setzen, Virgil. Leigh hat uns am Freitag eröffnet, dass Chad und sie ein Baby erwarten.“ Er lächelte stolz. „Deine Mom und ich werden Großeltern.“

Auch Virgil musste lächeln. Seine jüngere Schwester hatte ihren Jugendfreund geheiratet, kurz, nachdem beide ihr Medizinstudium beendet hatten. Letztes Jahr hatten Leigh und Chad eine eigene Spezialklinik in Houston eröffnet, die sehr erfolgreich lief. „Ich muss Leigh und Chad unbedingt anrufen und ihnen gratulieren. Auch dir und Mom meine Glückwünsche.“

„Danke. Ich möchte von nun an mehr Zeit in Houston verbringen. Und deiner Mutter habe ich versprochen, öfter mit ihr zu verreisen. Die Kreuzfahrt durchs Mittelmeer letztes Jahr hat ihr sehr gefallen.“ Nachdenklich lehnte sich sein Vater zurück und musterte ihn.

Virgil merkte, dass ihm noch mehr auf der Zunge lag.

„Meine Entscheidung, mich zur Ruhe zu setzen, hängt von dir ab, Virgil.“ Sein Vater beugte sich vor. „Du hast einen gewissen Ruf.“

Er konnte sich denken, worauf sein Vater anspielte, doch sein Ruf als Frauenheld störte ihn nicht. Als ungebundener Single konnte er tun, was er wollte und mit wem er es wollte. „Ich bin fünfunddreißig und ledig, Dad. Warum soll ich keinen Spaß mit Frauen haben, wenn ich es will?“

„Die Eskapade mit Whitney Hilton haben viele noch im Kopf. Und Marv Hilton wird es nie vergessen.“

Virgil seufzte. Würde ihn dieser Skandal ewig verfolgen? Marv Hilton war einer ihrer größten Kunden gewesen, als er seine fünfundzwanzigjährige Tochter Whitney auf eine Geschäftsreise nach Hawaii mitgenommen hatte, wo er sich mit Bougard Enterprises getroffen hatte. „Das ist zwei Jahre her, Dad. Sie ist zu mir ins Hotelzimmer gekommen, nicht umgekehrt.“

„Für Marv spielt das keine Rolle. Du hast mit seiner Tochter geschlafen.“

Wie könnte Virgil das je vergessen? Marv Hilton hatte vor Wut seine Konten bei Bougard Enterprises aufgelöst.

Als Virgil damals aus der Dusche gekommen war und Whitney nackt auf seinem Bett vorgefunden hatte, hätte er sie einfach aus dem Zimmer werfen sollen. Aber dazu war er nicht in der Lage gewesen, als sie vor ihm auf die Knie gegangen war und ihm diesen verdammt heißen Blowjob gegeben hatte. Ihr Vater hatte davon erfahren, und Virgil vermutete, dass Whitney es ihm selbst gesagt hatte. Sie wollte sich damit an ihm dafür rächen, dass er sie zu einer Verlobung mit einem alten, reichen Ölbaron aus Texas gedrängt hatte.

„Marv Hilton ist immer noch auf Rache aus, zumal der Verlobte seiner Tochter die Hochzeit abgeblasen hat. Dafür gibt Marv dir die Schuld. Er schwört, seine Tochter sei damals noch Jungfrau gewesen und habe sich für die Ehe aufsparen wollen. Aber das weißt du sicher besser.“

Allerdings. Virgil erinnerte sich lebhaft, wie Whitney ihm in jener Nacht von ihrem bewegten Sexleben erzählt hatte. Das einzig Wichtige war ihr gewesen, keinen Mann heiraten zu müssen, der alt genug war, um ihr Vater sein zu können.

„Während meiner Abwesenheit hast du die Firma ausgezeichnet geleitet, Virgil, aber wir müssen dein Image aufpolieren. Besonders, wenn wir mit Paul Wyman ins Geschäft kommen wollen. Er hat von Hilton über dich gehört und macht sich Sorgen um seine drei Töchter. Mit deinem Image schadest du unserer Firma. Hilton behauptet, du hättest seine Tochter verführt, da müssen wir proaktive Schritte einleiten.“

Virgil blickte hinaus ins Zentrum von Charlotte, das in der brütenden Augusthitze wie gelähmt wirkte. Er drehte sich um. „Also schön, was schlägst du vor?“

„Wir brauchen einen guten PR-Berater, um dein Image aufzubessern.“

Dass ausgerechnet Marv Hilton ihnen schaden wollte, war umso ärgerlicher, weil Marv sich in Kreisen bewegte, die ausnahmslos aus potenziellen Kunden von Bougard Enterprises bestanden. „Okay, wenn du eine PR-Agentur engagieren willst, dann lass uns das tun.“

„In den vergangenen Wochen habe ich bereits ein paar Agenturen unter die Lupe genommen, und den besten Ruf hat ‚Goshay PR and Image Consultants‘.“

„Kommt nicht infrage. Du weißt genau, dass diese Agentur Kara gehört.“ Wutentbrannt sprang Virgil auf. „Wieso in aller Welt willst du sie engagieren?“

„Kara ist die Beste in ihrer Branche. Wer das Image von Senator Jack Payne nach all den Frauengeschichten wieder soweit aufpolieren kann, dass die Leute ihn wiederwählen, kann auch deinen Ruf spielend leicht wiederherstellen.“ Durchdringend sah Matthew seinen Sohn an. „Worüber regst du dich auf? Hast du dich etwa vier Jahre lang selbst belogen? Bedeutet Kara dir noch etwas?“

„Nein! Sie bedeutet mir nichts.“ Er hatte lange gebraucht, um an diesen Punkt zu kommen, und eine Zeit lang hatte er befürchtet, er könne Kara niemals aus seinem Herzen verbannen. „Ich will sie nur nicht in meiner Nähe haben.“

„Du bist wütend auf sie, weil sie dir nicht genug vertraut hat. Leider ist Marv Hilton auch wütend, und genau deshalb benötigen wir Karas Dienste.“

Virgil atmete tief durch. Seine Eltern wussten, dass Kara die einzige Frau war, die er je geliebt hatte. Was sie nicht wussten, war, dass er ihr in genau der Woche einen Antrag hatte machen wollen, als er sich von ihr diese Vorwürfe hatte anhören müssen.

„Wenn du glaubst, dass du noch etwas für sie empfindest …“

„Das tue ich allerdings“, erwiderte er entnervt. „Ich verabscheue sie, und mir ist schleierhaft, wie ich mit ihr zusammenarbeiten soll.“

„Du hättest Whitney Hilton an jenem Abend einfach aus deinem Zimmer schicken können. Aber das hast du nicht getan, und die Konsequenzen trägt jetzt die Firma. Ich würde gerne mehr Zeit mit deiner Mutter und meinem zukünftigen Enkelkind verbringen, aber wenn es sein muss, bleibe ich weiter hier.“

Das wollte Virgil auf keinen Fall. Er liebte seinen Vater und schätzte seine Erfahrung. Doch er hatte sich daran gewöhnt, eigene Entscheidungen zu treffen und wollte die Firma ohne seinen Vater leiten. „Du hast gewonnen, Dad. Engagiere Karas Firma.“

Matthew stand auf. „Hier geht es nicht ums Gewinnen, Virgil, sondern um die richtigen Schritte, damit Bougard Enterprises noch lange Zeit besteht. Ich werde meine Assistentin bitten, einen Termin mit Kara zu vereinbaren, damit wir unser Vorhaben mit ihr besprechen können.“

Virgil atmete tief ein. Er musste sich Kara stellen, auch wenn es ihn den letzten Nerv kosten würde.

Fassungslos legte Kara das Telefon weg. Ausgerechnet Matthew Bougard wollte sich morgen mit ihr treffen, um ihr einen Auftrag zu erteilen! Was konnte Bougard Enterprises von ihr wollen? Zugegeben, ihre Firma hatte einen ausgezeichneten Ruf, aber Matthew Bougard musste doch wissen, wie angespannt ihre Beziehung zu Virgil war. Würde Virgil auch an dem Meeting teilnehmen?

Kopfschüttelnd warf sie eine Büroklammer auf den Schreibtisch. Natürlich würde er da sein. Bis in alle Ewigkeit würde sie es bereuen, dass sie damals Martis Lügen Glauben geschenkt hatte. Seit sie die Wahrheit kannte, hatte sie mit ihrer Schwester kein Wort mehr gewechselt. Sie liebte Marti, aber sie konnte den Tag nicht vergessen, an dem sie früher als erwartet von einer Geschäftsreise zurückgekehrt war. Sie hatte das Büro ihrer Schwester betreten, um sie zum Lunch einzuladen, und gehört, wie Marti jemandem am Telefon davon erzählte, wie sie Kara belogen hatte.

Marti hatte damals behauptet, sie habe Virgil bei einem romantischen Dinner mit einer anderen Frau gesehen. Anschließend sei er mit der Frau in einem Hotel verschwunden.

Als Kara sie zur Rede gestellt hatte, hatte Marti die Lüge zugegeben. Sie habe es nur Kara zuliebe getan, weil es ohnehin nur eine Frage der Zeit gewesen sei, bis Virgil sie verletzt hätte.

Diese Ausrede hatte Kara nicht akzeptieren können.

Das Summen ihres Telefons riss sie aus ihren Gedanken. „Ja, Janice?“

„Ihre Mutter ist auf Leitung eins.“

Kara atmete tief durch. Mit ihrer Mutter wollte sie jetzt nicht sprechen. Für Lydia Goshay war es längst überfällig, dass Kara ihrer Schwester verzieh. „Sagen Sie ihr, ich rufe später zurück.“

Erst musste sie den Anruf von Bougard Enterprises verdauen. Sie lehnte sich zurück, schloss die Augen und dachte an den Abend vor fünf Jahren zurück, als sie Virgil das erste Mal begegnet war.

„Darf ich um diesen Tanz bitten?“

Karas Herz schlug schneller, als sie in die wundervollsten braunen Augen blickte, die sie je gesehen hatte. Sinnlich und durchdringend, süß und sündig zugleich.

Obwohl sie ihm nicht offiziell vorgestellt worden war, wusste sie genau, wer Virgil Bougard war. Wann immer eine Frau seinen Namen flüsterte, lag ein vielsagendes Lächeln auf ihren Lippen. Es hieß, er sei im Bett ebenso talentiert wie gut aussehend und bekomme jede Frau, die er wollte.

Und heute Abend hatte er anscheinend ein Auge auf sie geworfen. Die Frauen umschwärmten ihn, doch er hatte immer wieder zu Kara gesehen.

Wann immer sich ihre Blicke getroffen hatten, war ihr heiß geworden. In seinem maßgeschneiderten Anzug und mit seiner Größe war er der personifizierte Sex-Appeal. Sein kantiges Gesicht mit vollen Lippen, ausgeprägten Wangenknochen und kleinen Grübchen in den Wangen, wenn er lächelte, machte ihn nicht nur für Kara unwiderstehlich.

Schon stand er dicht vor ihr und forderte sie zum Tanzen auf. Woher kam dieses glühend heiße erotische Prickeln? Obwohl sie von seinem skandalösen Ruf wusste, fühlte sie sich mit jeder Faser ihres Körpers zu ihm hingezogen. „Tanzen?“

Bei seinem belustigten Lächeln wurde ihr noch heißer. „Richtig. Ich würde fast alles tun, um Sie in den Armen zu halten.“

Unglaublich, dass er ihr das so direkt sagte! „Wer sind Sie?“, fragte sie, weil sie fand, er könne sich ihr wenigstens in aller Form vorstellen.

Wieder lächelte er sie an. „Virgil Bougard. Und Sie sind …?“

„Kara Goshay.“

„Freut mich, Kara.“ Nach kurzem Warten räusperte er sich. „Also … Tanzen wir?“

Ihr entging das Verlangen in seinem Blick nicht. Ihr Herz raste. „Ja, Virgil, ich tanze mit Ihnen.“

Langsam öffnete Kara die Augen wieder. Virgil und sie hatten mehr als nur einen Song lang getanzt.

Dass sie Martis Lüge geglaubt hatte, würde sie bis ans Ende ihrer Tage bereuen, denn dadurch hatte sie den einzigen Mann verloren, den sie jemals lieben würde.

Nach dem langen Tag im Büro warf Virgil zu Hause sein Jackett auf einen Stuhl und dachte an das anstehende Treffen mit Kara. Damals hatte sie ihm den Unterschied zwischen Lust und Liebe gezeigt. Anstatt sich ständig nach der nächsten Frau zu sehnen, hatte Virgil angefangen, sich in einen Mann zu verwandeln, für den es nur noch eine Frau gab – nämlich Kara.

Doch das war lange her.

Virgil war kein verliebter Narr mehr. Auf Kara konnte er gut und gerne verzichten. Standhaft hatte er sich geweigert, sein Herz einer anderen Frau zu schenken, und er genoss sein Single-Dasein als Mitglied des „Guarded Hearts Club“.

Im Lauf der Jahre war die Zahl der Mitglieder erheblich geschrumpft. Uriel war ausgeschieden, als er Elle geheiratet hatte, und ein Jahr darauf hatte Xavier seine Farrah geheiratet, gefolgt von York und Darcy. Und schließlich hatte Winston tatsächlich Ainsley zur Frau genommen. Somit waren Virgil und Zion die letzten verbliebenen Mitglieder.

Stirnrunzelnd dachte er an Whitney Hilton. Die Nacht mit ihr war ein Fehler gewesen, für den er immer noch zahlte. Dabei war Whitney mit ihren fünfundzwanzig Jahren eine erwachsene Frau gewesen. Wie kam Hilton bloß auf die Idee, seine Tochter hatte zu dem Zeitpunkt noch Jungfrau sein können?

Leider musste Virgil für diese eine Nacht jetzt büßen, indem er sich mit Kara abgeben musste. Darauf freute er sich ganz und gar nicht.

Er ging in die Küche, um sich ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen, und dachte wieder an die Zeit zurück, als es für ihn nichts Wichtigeres auf der Welt gegeben hatte als Kara. Angefangen hatte es mit diesem Tanz …

„Erzählen Sie mir von sich, Kara.“

Virgil konnte nicht aufhören, ihr in die Augen zu sehen. Sie war so wunderschön in ihrem umwerfenden Kleid, das ihre sinnlichen Kurven zur Geltung brachte. Seitdem er den Ballsaal betreten hatte, suchte er den Blickkontakt mit ihr und spürte ein Prickeln tief in seinem Inneren, das noch keine andere Frau in ihm ausgelöst hatte. Er hatte gar nicht anders gekonnt, als sie anzusprechen. Keine Frau hatte ihn je so durcheinandergebracht wie sie.

„Da gibt es nicht viel zu erzählen.“ Sie lächelte. „Vor fünfundzwanzig Jahren bin ich in San Francisco geboren, ich habe einen Abschluss in Marketing, und nach dem College habe ich hier in Charlotte einen Job gefunden. Letztes Jahr habe ich meine eigene PR-Agentur eröffnet.“

Es fühlte sich gut an, sie zu halten, und es gefiel ihm, wie seine Arme ihre Taille perfekt umfassen konnten. „Haben Sie Dates?“

„Ab und zu.“

„Gibt es da jemanden Besonderen?“

„Nein.“

„Gut. Ich will Sie nämlich ganz für mich haben.“

Ein bisschen verärgert über seine Nonchalance hob sie das Kinn. Doch er lächelte nur, als würde es ihn nicht stören, vielleicht etwas Unpassendes gesagt zu haben. „Und wenn ich nicht interessiert bin, Virgil?“

„Dann wäre es meine Aufgabe, Ihr Interesse zu wecken. Aber diese Möglichkeit können wir ausschließen, denn Sie sind an mir genauso interessiert wie ich an Ihnen.“ Er merkte, dass ihr Ärger wuchs.

„Wie kommen Sie darauf?“

Er zuckte mit den Schultern. „In erster Linie ihre Körpersprache, aber auch, dass Sie schon den ganzen Abend mit mir flirten. Mit Blicken, meine ich. Jetzt sollten wir einen Schritt weitergehen.“

„Finden Sie?“

„Ja.“ Er hielt ihrem Blick stand und wiegte sich mit ihr langsam im Takt der Musik. Ihren Körper an seinem zu spüren, davon konnte er nicht genug bekommen.

„Und wo genau soll uns dieser weitere Schritt hinführen?“

„Ich möchte Sie dazu überreden, mit mir von hier zu verschwinden und …“ Als er spürte, dass sie sich verspannte, fuhr er sanft fort: „In ein Café zu gehen, wo wir uns bei einem Kaffee noch besser kennenlernen können.“

Auf keinen Fall sollte sie denken, er wolle sie ins nächstbeste Hotel abschleppen oder die Frage „zu mir oder zu dir“ in den Raum stellen. Er hätte zwar nichts dagegen, doch er vermutete, dass sie nichts von One-Night-Stands hielt. Vermutlich musste er sich den Weg in ihr Bett erarbeiten. Das störte ihn nicht, denn sicher war es die Mühe wert.

„Ich überlege es mir“, erwiderte sie schmunzelnd. „Aber Sie haben mir noch gar nichts über sich erzählt.“

Auch er musste lächeln. „Ich bin dreißig, habe eine vier Jahre jüngere Schwester, und ich arbeite bei Bougard Enterprises, einer Vermögensverwaltung, die mein Vater gegründet hat. In ein paar Jahren will er sich zur Ruhe setzen.“

„Und wenn es so weit ist, kommt noch mehr Arbeit auf Sie zu, richtig?“

„Ja, aber ich liebe meine Arbeit.“

Viel zu früh war der Song zu Ende, und Virgil führte Kara in den Innenhof. „Wir sollten den schönen Abend genießen, einverstanden?“

„Okay.“

Als er sie durch die großen Glastüren in den Innenhof lotste, musste er lächeln, weil er überzeugt war, dass heute sein Glückstag war.

Virgil trank einen großen Schluck von seinem Bier. Kara und er hatten die Party verlassen und waren in ein Café gegangen. Von diesem Abend an waren sie ein ganzes Jahr zusammen gewesen. Er hatte sich hoffnungslos in sie verliebt, und die Zeit mit ihr war von Glück geprägt gewesen, bis sie ihn der Untreue beschuldigt hatte.

Beim morgigen Treffen würde er sich so professionell wie möglich verhalten, denn sein Vater sollte nicht den Eindruck bekommen, dass er noch irgendetwas für sie empfand.

Er trank sein Bier aus und wollte sich gerade etwas Bequemeres anziehen, als sein Handy klingelte. Schon am Klingelton erkannte er, welcher seiner Patenbrüder ihn anrief. „Was gibt’s, W? Mich aus Australien anzurufen kostet dich doch ein kleines Vermögen, oder?“

Im Lauf der Jahre hatten die Patenbrüder sich angewöhnt, sich gegenseitig nur mit dem ersten Buchstaben ihrer Vornamen anzusprechen.

Winston war Meeresbiologe, und momentan lebte er mit seiner Frau Ainsley in der Nähe des Great Barrier Reef, wo er Meeresschildkröten erforschte.

„Ich wollte nur ankündigen, dass ich nächsten Monat zurück nach Hause komme.“

Virgil schmunzelte. „Heimweh?“

Winston stimmte ein und lachte. „Nein, Ainsley und mir gefällt es hier. Wir kommen wegen Uriels Geburtstag. Ellie gibt eine Party am See und möchte uns alle dabeihaben.“ Nach einem Moment fragte er: „Wie läuft’s bei dir, V?“

Virgil konnte sich denken, wieso Winston nachfragte. Winston und auch die anderen Patenbrüder wussten, was Kara ihm bedeutet hatte, und alle waren froh, dass sie endlich die Wahrheit über ihre Schwester erfahren hatte. Sie fanden es mutig von ihr, sich zu entschuldigen, und meinten, er hätte ihre Entschuldigung annehmen und ihr verzeihen sollen.

Er dagegen fand, sie sollte ihr schlechtes Gewissen ruhig behalten, nachdem sie ihn zu Unrecht beschuldigt hatte. „Alles bestens. Ich halte mit Zion den Club am Leben, aus dem du, York, Xavier und Uriel ausgestiegen seid.“

„Nur um noch glücklicher zu werden.“

„Wenn du das meinst.“ Virgil schüttelte den Kopf.

„Hast du Kara noch mal gesehen? Der alten Zeiten wegen?“

Virgil runzelte die Stirn. „Morgen sehe ich sie. Gezwungenermaßen.“

„Wie kommt’s?“

Er berichtete Winston vom Plan seines Vaters, das Image seines Sohns aufzupolieren.

„Hoffentlich verhältst du dich ihr gegenüber nicht wie ein Arsch. Schließlich hat sie sich entschuldigt. Kannst du dir vorstellen, wie es ist, eine Schwester wie Marti zu haben?“

Die meisten der Patenbrüder kannten Marti, weil sie eine Zeit lang mit Xavier zusammen gewesen war. Laut Xavier hatten ihm drei Wochen mit Marti Goshay gereicht, und selbst Virgil musste zugeben, dass Marti und Kara so unterschiedlich waren wie Tag und Nacht.

„Kannst du dir vorstellen, was in Kara vorgehen mag? Wenn du deiner eigenen Schwester nicht glauben kannst, wem dann?“

Virgil wollte kein Wort mehr über die Goshay-Schwestern verlieren. Stattdessen fragte er Winston nach seiner Arbeit, und Winston berichtete begeistert von seinen Fortschritten.

Als ihm der Bericht zu wissenschaftlich wurde, beschloss Virgil, das Gespräch zu beenden. „Wir sehen uns, wenn du zurück bist, W.“

„Darauf kannst du wetten. Pass auf dich auf.“

„Du auch.“

„Und sei morgen nett, V.“

„Ich versuche es, aber ich kann nichts versprechen.“ Er legte auf und dachte voller Grauen an den kommenden Tag.

2. KAPITEL

Kara straffte die Schultern und setzte ein professionelles Lächeln auf, bevor sie das Besprechungszimmer betrat.

Beide Männer standen auf, und obwohl Kara es nicht gewollt hatte, wanderte ihr Blick unweigerlich zu Virgil, bevor sie zu seinem Vater sah. Sie mochte Matthew und konnte sich noch gut daran erinnern, als Virgil sie das erste Mal mit nach Hause genommen hatte, um sie seinen Eltern vorzustellen.

Genau wie Virgil war auch Matthew Bougard ein gut aussehender Mann. Er war mehr als eins achtzig groß und muskulös. Kara wusste, dass er Golf spielte und auf dem College im Schwimmteam gewesen war.

„Hoffentlich habe ich euch nicht warten lassen.“ So ruhig und freundlich wie möglich ging sie durch den Raum und streckte Matthew die Hand entgegen.

Doch er umarmte sie zur Begrüßung. „Freut mich, dich zu sehen, Kara.“

Als er sie wieder losließ, sah sie ihn lächelnd an. „Ich bin auch froh, dich zu sehen, Matthew. Wie geht’s Rhona?“

„Bestens. Sie lässt dich grüßen.“

Karas Blick ging zu Virgil, der tadellos gekleidet in einem dunklen Anzug neben seinem Vater stand. Wieso erinnerte sein Anblick sie daran, dass sie nach ihrer schmerzhaften Trennung mit keinem Mann mehr zusammen gewesen war?

Mit unergründlicher Miene sagte er: „Kara, schön, dass du die Zeit gefunden hast.“ Er streckte ihr die Hand hin, als wolle er ihr umgehend signalisieren, dass sie von ihm keine Umarmung zu erwarten hatte.

Sie schüttelte ihm die Hand und versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, dass ihr allein von dieser Berührung heiß wurde. Sie löste ihre Hand aus seinem Griff und blickte von einem zum anderen. „Ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie ich euch helfen kann.“

„Und wir können es kaum erwarten, dir genau das zu erzählen.“ Lächelnd nickte Matthew ihr zu. „Bitte setz dich.“

„Danke.“ Sie nahm in dem Sessel Platz, den Matthew ihr zurechtzog, direkt gegenüber von Virgil.

Sie versuchte, seinen eindringlichen Blick zu ignorieren. „Was gibt es für ein Problem?“

Es war Virgil, der zuerst sprach. „Anscheinend muss mein Image aufpoliert werden.“

Sie zog amüsiert eine Braue hoch. „Dein Image?“

Ohne weitere Umschweife erklärte Matthew: „Die vielen Frauengeschichten meines Sohns sind schlecht fürs Geschäft. Wir wollen deine Agentur damit beauftragen, sein Image aufzubessern.“

Missmutig sah Virgil zu seinem Vater. „Als Single kann mir niemand vorwerfen, wenn ich mich mit Frauen treffe.“

Trotz all des Kummers, den Kara Goshay ihm bereitet hatte, musste er zugeben, dass sie die schönste Frau war, die er je getroffen hatte. Einerseits selbstbewusste Geschäftsführerin, andererseits sinnliche Verführerin.

Schon beim Betreten des Raums hatte sie mit ihren fließenden Bewegungen in ihrem beigefarbenen Kostüm mit den passenden Pumps so sinnlich gewirkt, dass Virgil sich kaum hatte beherrschen können. Eigentlich fand er Stilettos sexy, doch auch diese Pumps brachten Karas schöne Beine perfekt zur Geltung.

Wieso gingen ihm jetzt diese Gedanken durch den Kopf? Und weshalb sah er sie in seiner Fantasie sofort nackt vor sich mit ihrer makellosen seidigen Haut?

Das wellige dunkle Haar reichte ihr bis über die Schultern, und das dezente Make-up betonte ihre Schönheit, ohne sie zu verdecken. Warum trug sie heute ausgerechnet die Perlenohrringe, die er ihr zum ersten gemeinsamen Weihnachtsfest geschenkt hatte? Wollte sie ihn damit an die schönen gemeinsamen Zeiten erinnern? Sollte er alles Schlechte vergessen? Wenn das ihr Plan war, dann irrte sie sich gewaltig. Virgil war über sie hinweg.

Matthew riss ihn aus seinen Gedanken. „Unsere Kunden stören sich an Virgils Frauengeschichten. Also, was denkst du, Kara. Kann ihm geholfen werden?“

„Ich kann meine Arbeit nur machen, wenn Virgil bereit ist, sich helfen zu lassen.“

Virgil beschloss, Kara und seinem Vater klarzumachen, dass es bei seinem Imagewandel auch Grenzen gab. „Ich bin ein ungebundener Mann ohne feste Beziehung. Ich gehe gerne mit Frauen aus, und wenn sich jemand daran stört, dann ist das sein Problem und nicht meines.“

Matthew wandte sich ihm zu. „Aber du siehst ein, dass sich nach dem Skandal wegen Whitney Hilton etwas an deinem Image ändern muss?“

Nicht viel, dachte er. In jener Nacht hatte Whitney in seinem Hotelzimmer nur bekommen, was sie sich erhofft hatte. Sie war glücklich gewesen und er befriedigt. Nur ihr Vater weigerte sich zu akzeptieren, dass seine Tochter ein aktives Sexleben führte.

„Müsste ich davon wissen? Von diesem Skandal wegen Whitney Hilton?“, hakte Kara nach.

Virgil fand, dass sie das nichts anging, doch sein Vater sah das anscheinend anders.

„Whitney Hilton ist die Tochter meines ehemaligen Kunden“, erklärte Matthew. „Vor zwei Jahren hat sie ihn auf einer Geschäftsreise begleitet und ist abends in Virgils Hotelzimmer gelandet. Es hat einen ziemlichen Wirbel gegeben, als ihr Verlobter deswegen die Hochzeit abgesagt hat. Ihr Vater hat Virgil beschuldigt, sie entjungfert zu haben, und versucht seitdem, unsere Firma bei potenziellen Kunden in Verruf zu bringen.“

Kara sah zu Virgil. „War sie noch Jungfrau?“

Er runzelte die Stirn. „Nein, das ist eine Lüge, an die Marv Hilton glauben will. Aber so ist das nun einmal mit Lügen. Leichtgläubige Menschen halten sie nur zu gern für wahr.“

Kara ließ sich nicht anmerken, dass sie den Seitenhieb erkannte. „Wie alt war sie zu dem Zeitpunkt?“

„Fünfundzwanzig“, antwortete Virgil. „Ich schätze, sie wollte aus der Verlobung herauskommen, die ihr Vater für sie arrangiert hatte. Dieser Ölmagnat aus Texas ist im selben Alter wie ihr Dad. Sie hat mich als Mittel zum Zweck benutzt und dafür gesorgt, dass sowohl ihr Vater als auch ihr Verlobter davon erfahren.“

„Was meinst du, Kara?“, warf Matthew ein. „Kann man sein Image aufbessern?“

„Ich bin mir nicht sicher.“ Sie wandte den Blick nicht von Virgil ab. „Virgil muss sich helfen lassen. Ich muss wissen, ob er mich bei meiner Arbeit unterstützt.“

Absolute Stille herrschte in dem Raum, bis Virgil schließlich nickte. „Also schön, tob dich aus.“

„Das heißt, du kooperierst und machst Kara nicht das Leben schwer?“ Eindringlich sah Matthew seinem Sohn in die Augen.

„Ja, Dad. Im Moment zählt für mich nur das Wohl von Bougard Enterprises.“

„Gut.“ Zufrieden stand Matthew auf. „Dann besprecht in aller Ruhe die Details. Ich darf meine Königin nicht länger warten lassen. Rhona und ich treffen uns im ‚Racetrack Café‘ mit Freunden zum Lunch.“

In diesem Restaurant gab es die besten Hamburger und Pommes in ganz Charlotte.

Virgil lächelte. „Genießt den Lunch, Dad.“

„Das werden wir ganz bestimmt.“ Er wandte sich an Kara. „Ich weiß es sehr zu schätzen, dass du dich um unser Problem kümmerst.“ Nach kurzem Zögern fuhr er fort: „Egal, was zwischen Virgil und dir vorgefallen ist, das hier ist rein geschäftlich. Ihr zwei müsst eure Differenzen vergessen und euch professionell verhalten.“

Mit diesen Worten verabschiedete sich Matthew und überließ Kara und Virgil sich selbst.

„Starke Worte“, stellte Virgil kurz darauf fest und unterbrach damit das Schweigen.

„Ich kann seine Sorge nachvollziehen.“ Kara schob ihren Stuhl zurück und stand auf. „Das Ende unserer Beziehung war unglücklich und ein Fehler meinerseits. Dafür habe ich mich entschuldigt, doch du hast diese Entschuldigung nicht angenommen. Daran kann ich nichts ändern und muss damit leben.“

„Hast du wirklich geglaubt, ich würde deine Entschuldigung akzeptieren?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich habe zugegeben, mich geirrt zu haben. Mein Gewissen ist rein.“

Stirnrunzelnd stand er ebenfalls auf. „Wie kannst du ein reines Gewissen haben?“

Kara erkannte, wie schwer es ihm fiel, ihre Gegenwart zu ertragen, doch sie war es leid, dass er ständig so tat, als sei er der Einzige, der unter Martis Lüge zu leiden gehabt hatte. „Ich habe Marti mehr geglaubt als dir, und das werde ich für den Rest meines Lebens bereuen. Ich habe dich geliebt und …“

„Nein“, widersprach er wütend. „Keine Frau kann einen Mann lieben und ihm gleichzeitig das Schlimmste zutrauen. Du hast nur geglaubt, mich zu lieben.“

„Wenn du meine Entschuldigung nicht akzeptierst, Virgil, muss ich das abhaken und nach vorne sehen. Ich habe keine Lust, wegen deiner Dickköpfigkeit in der Vergangenheit hängen zu bleiben.“ Kara schwieg einen Moment, bevor sie etwas ruhiger weitersprach. „Ich werde einen Plan entwerfen, wie wir dein Image aufbessern. Sobald dieser Plan steht, rufe ich dich an, um alles Weitere zu besprechen.“ Es gab nichts mehr zu sagen, deshalb wandte sie sich um und verließ den Raum.

Vor Wut stand Virgil wie versteinert da, als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel. Wie konnte sie einfach so abhaken, was ihre Schwester ihnen beiden mit dieser Lüge angetan hatte? Als er gesagt hatte, sie hätte nur geglaubt, ihn zu lieben, hatte Kara ihm nicht widersprochen. Damit hatte sie praktisch eingestanden, dass es nichts als eine oberflächliche Schwärmerei gewesen war.

Dieser Gedanke machte Virgil noch wütender. Er war fest entschlossen, keine Frau mehr so nahe genug an sich heranzulassen, dass sie ihn verletzen konnte. Wahre Liebe gab es nicht. Er lebte seine Lust aus, aber emotional würde er zu allen Frauen auf Distanz bleiben.

Kara sollte nie erfahren, dass sie ihn vor vier Jahren fast zugrunde gerichtet hatte. Monatelang hatte er sich vollkommen abgekapselt, bis seine Patenbrüder ihn zu einer Kreuzfahrt für Singles überredet hatten. Fast ein ganzes Jahr hatte er gebraucht, um völlig über Kara hinwegzukommen. Glaubte sie tatsächlich, eine Entschuldigung reichte, und alles sei vergessen?

Entnervt rieb er sich das Gesicht. Lebte er vielleicht doch in der Vergangenheit, wenn er sich von seiner Verbitterung leiten ließ? War Kara weiter als er, weil sie loslassen konnte? Zu verzeihen bedeutete nicht zu vergessen. Es hatte auch nichts mit Versöhnung zu tun. Was Kara und er einmal geteilt hatten, war für immer verloren. Sie hatte keinerlei Platz mehr in seinem Herzen. War es jetzt Zeit für ihn, den nächsten Schritt zu tun?

Es gab keinen Grund, wieso Kara und er nicht professionell zusammenarbeiten konnten, genau, wie sein Vater es forderte. Hier ging es ausschließlich um Bougard Enterprises.

„Ihr Vater auf Leitung eins, Miss Goshay.“

Kara seufzte frustriert auf. Wahrscheinlich hatte ihre Mutter, nachdem sie vergeblich versucht hatte, Kara und Marti miteinander zu versöhnen, jetzt schweres Geschütz aufgefahren. Kara war schon immer Daddys Liebling gewesen. „Stellen Sie ihn bitte durch.“

Sie dachte an die gestrige unschöne Diskussion mit ihrer Mutter, die ihr vorgeworfen hatte, sie sei mit ihrer Unnachgiebigkeit daran schuld, dass ihre Schwester wegen Stress und Panikattacken in ärztlicher Behandlung sei.

Kara tat leid, was Marti durchmachte, aber was war mit den vier Jahren, in denen Kara geglaubt hatte, der Mann, den sie liebte, habe sie betrogen? Was war mit ihrem Liebeskummer und ihrem Schmerz?

„Wie geht’s meinem Mädchen?“

Beim Klang der Stimme ihres Vaters verflog ihr Zorn. „Gut, Dad. Und dir?“

„Alles okay. Ich freue mich auf den Ruhestand in ein paar Jahren.“ Nach kurzer Pause fuhr er fort: „Gestern Abend hat deine Mom mir erzählt, was zwischen Marti und dir vorgeht.“

„Und?“

„Wir sollten uns alle vier aussprechen. Wie wär’s, wenn du und Marti das Wochenende zu uns nach Hause fliegt?“

Sollten die Meinungsverschiedenheiten durch ein Treffen in San Francisco auf wundersame Weise verschwinden? „Das würde nichts nützen, Dad.“

„Süße, Marti ist deine Schwester.“

„Meine Schwester hat ganz bewusst meine Beziehung mit dem Mann, den ich geliebt habe, zerstört.“

Einen Moment schwieg ihr Vater. „Ich will doch nur, dass meine Töchter sich verstehen. Mir kommt es vor, als würde unsere Familie auseinanderbrechen.“

„Das ist nicht meine Schuld, Dad.“

„Das weiß ich, Süße.“

„Mom denkt anders darüber.“

„Lydia hätte dir nicht die Schuld an Martis Zustand geben dürfen. Ich habe ihr gesagt, wir sollten uns heraushalten und die Sache Marti und dir überlassen. Aber ich schätze, als sie gemerkt hat, dass sich nichts ändert, hat sie beschlossen einzuschreiten. Das gibt ihr allerdings nicht das Recht, dich zu beschuldigen. Hast du Virgil mittlerweile gesprochen?“

„Ja, aber meine Entschuldigung hat ihn nicht interessiert. Ehrlich gesagt kann ich ihm das nicht einmal verübeln. Ich habe ihm damals ziemlich üble Dinge an den Kopf geworfen. Jetzt hasst er mich eher noch mehr.“

„Tut mir sehr leid. Ich habe auch versucht, ihn anzurufen und mich zu entschuldigen, aber er hat wohl seine Nummer geändert.“

Verwundert zog Kara die Brauen hoch. „Wofür willst du dich denn entschuldigen?“

„Als ihr zwei euch getrennt habt und ich von Marti den Grund dafür erfahren hatte, habe ich ihn angerufen und vieles gesagt, was ich jetzt bereue.“

Für einen Moment schloss Kara die Augen. „Das wusste ich nicht“, sagte sie leise. Ihr Vater und Virgil hatten sich sehr gemocht. Wenn Virgil von ihrem Vater so einen Anruf bekommen hatte, hatte ihn das in seiner Wut sicher noch bestärkt. „Wieso hast du mir das nie gesagt?“

„Damals habe ich gedacht, er hätte dich tief verletzt. Das hat mir gereicht. Und jetzt bereue ich, was ich getan habe.“

Willkommen im Club, dachte sie. „Schon gut, Dad, wie gesagt, Virgil ist momentan ohnehin nicht in der passenden Laune, um irgendwem zu verzeihen.“

„Keine Chance, dass ihr zwei die Sache bereinigt und wieder zusammenkommt?“

Kopfschüttelnd dachte sie an Virgils Worte zurück. Ohne Vertrauen ist Liebe nichts wert, und du hast mir gezeigt, dass dir das, was uns verbunden hat, nichts bedeutet hat.

„Nein, Dad, Virgil und ich kommen nicht wieder zusammen.“

Diese Endgültigkeit war fast zu viel für sie, und sie musste den Anruf schnell beenden, bevor ihr Vater etwas bemerkte. „Mach’s gut, Dad. Hab dich lieb.“

„Ich dich auch, Süße.“

Erst als sie das Telefon auf den Tisch zurückgelegt hatte, ließ sie den Tränen freien Lauf.

3. KAPITEL

„Mr. Bougard, Miss Goshay für Sie.“

Virgil warf seinen Bleistift auf den Tisch. „Danke, Pam, stellen Sie sie bitte durch.“ Als er es klicken hörte, räusperte er sich. „Ja, Kara?“

„Mein Plan steht. Können wir uns treffen?“

Prüfend betrachtete er den Kalender auf seinem Schreibtisch. „Diese Woche habe ich keine Zeit mehr, wir müssen es auf die nächste verschieben.“ Oder auf die übernächste, fügte er in Gedanken hinzu. Er hatte es nicht eilig, Kara wiederzusehen.

„Gestern hat mich dein Vater angerufen und noch einmal verdeutlicht, wie dringlich es ist, dass ich dir meinen Plan bald vorstelle. Ich habe ihm versichert, dass ich das tun werde. Hast du diese Woche keine Zeit mehr für mich?“

Er merkte, wie verärgert sie war. Wahrscheinlich dachte sie, er wolle es ihr nur schwer machen. „Nein, leider nicht. Es sei denn …“ Wieder sah er in seinen Kalender. „Es sei denn, wir treffen uns zu einem Business-Dinner. Wäre das okay für dich?“

Sie schien darüber nachzudenken. Ihr Schweigen zog sich, und Virgil fügte aufgebracht hinzu: „Kara, meine Zeit ist wertvoll. Kannst du dich morgen mit mir zum Dinner treffen oder nicht?“

„Ja, für ein Business-Dinner habe ich morgen Zeit“, antwortete sie kühl.

„Gut. Von meiner Assistentin erfährst du im Laufe des Tages noch, wo und wann wir uns treffen.“

„Schön.“

„Prima.“

Nach dem Gespräch lehnte sich Kara seufzend zurück. Wieso war er so unausstehlich? Wahrscheinlich war er zu dem Treffen nur bereit, weil sie ihm vom Telefonat mit seinem Vater berichtet hatte. Allerdings durfte sie sich von Virgils Unwillen nicht entmutigen lassen. Sie hatte einen Auftrag, und den würde sie erledigen.

Virgil saß bereits im „Goldenrod Restaurant“ und sah Kara sofort, als sie das Restaurant betrat. Und natürlich ging es vielen der männlichen Gäste ebenso. Das konnte Virgil gut verstehen. Kara war nicht nur schön, sie war einzigartig. Wann immer sie einen Raum betrat, war ihr die Aufmerksamkeit sicher.

Sie hatte ihr lockiges dunkles Haar hochgesteckt und trug einen olivgrünen engen Rock mit passendem Blazer und darunter eine weiße Bluse. Der Rock brachte ihren sinnlichen Po und die langen schlanken Beine zur Geltung, während der schlicht geschnittene Blazer ihren schlanken Hals noch graziler wirken ließ. Im Kontrast zu der weißen Bluse wirkten ihre langen dichten Wimpern noch dunkler.

Ihr Anblick weckte Fantasien in vielen Männern, und alle würden Kara zu gerne besser kennenlernen. Fast hätte Virgil laut aufgelacht. Er kannte Kara Goshay besser als die meisten und wusste vieles über sie, was er lieber vergessen wollte. Vor allem wie sie unter diesem Outfit aussah, wo das kleine, halbmondförmige Tattoo saß und wo der Leberfleck an ihrem Rücken.

Jede ihrer sinnlichen Kurven kannte er, genau wie ihre vollen Brüste. Er wusste noch immer, wie ihre Nippel schmeckten.

Sie sah in seine Richtung, und ihre Blicke trafen sich, viel zu lang für Virgils Geschmack. Tief aufseufzend wollte er den Blick abwenden, doch er konnte sie nur anstarren, während sie auf ihn zukam.

Sofort setzten die Erinnerungen wieder ein. Aber warum dachte er nicht an die unschöne Trennung von ihr, sondern an die gemeinsamen Zeiten, vor allem im Bett?

Nach einem anstrengenden Arbeitstag hatten sie wie in einem niemals endenden Spiel alle denkbaren Stellungen ausprobiert, und das erotische Knistern zwischen ihnen hatte nie nachgelassen. Verdammt, selbst jetzt glaubte Virgil, es noch zu spüren. Dieses Business-Dinner war vielleicht doch keine kluge Idee gewesen.

Unwillkürlich wanderte sein Blick zu ihren Beinen. Er dachte an das letzte Mal zurück, als sie miteinander geschlafen hatten. Sie hatte ihn mit den Schenkeln umschlossen, sich rittlings auf ihn gesetzt und ein wildes Tempo eingeschlagen.

Abrupt stand er auf, zwang sich zu einem Lächeln und zog ihr einen Stuhl vom Tisch. „Kara. Freut mich, dass du es einrichten konntest.“

„Danke. Hübsches Restaurant.“ Sie setzte sich, und als auch er wieder saß, blickte sie in die Speisekarte, die vor ihr lag. „Wenn’s dir nichts ausmacht, würde ich das Essen gerne auslassen und gleich meinen Plan mit dir besprechen.“

Er runzelte die Stirn. „Doch, das macht mir etwas aus. Ich hatte nichts zum Lunch und habe Hunger. Hast du denn schon etwas gegessen?“

„Nein, seit dem Frühstück nichts mehr. Ich will lediglich nicht noch mehr Zeit als nötig von dir in Anspruch nehmen.“

„Glaub mir, Kara, ich lasse es gar nicht zu, dass du meine Zeit vergeudest.“ Dass sie gereizt reagierte, störte ihn nicht. Allerdings machte sie nur ihren Job und hatte er nicht erst letzte Woche beschlossen, mit der Vergangenheit abzuschließen? Dazu musste er seinen Zorn auf Kara ablegen. Er sah ihr in die Augen. „Kara?“

Sie sah ihn an. „Ja?“

„Deine Entschuldigung, die du mir vor sechs Monaten gegeben hast … Ich nehme sie an.“

„Wieso jetzt?“

Er hob die Schultern. „Wir müssen zusammenarbeiten.“

„Und können wir auch versuchen, Freunde zu sein?“

„Nein. Verzeihen heißt nicht vergessen.“

Sie zog die Brauen zusammen. „Wozu dann das alles?“

„Wäre es dir lieber, ich hätte deine Entschuldigung nicht angenommen?“

Entnervt verdrehte sie die Augen. „Tu, was du willst, Virgil. Für mich spielt es keine Rolle mehr.“

Für mich ebenso wenig, dachte Virgil, verkniff es sich aber, das laut auszusprechen. „Nachdem ich jetzt deine Entschuldigung akzeptiert habe, sollten wir entscheiden, was wir essen wollen.“

„Und wie läuft’s in der Agentur, Kara?“

Sie hatten ihre Bestellungen aufgegeben, und Virgils tiefe, samtige Stimme riss Kara aus ihren Gedanken. „Alles bestens. Cassandra ist mit Eric nach San Diego gezogen, weil er näher bei seiner Familie sein wollte, damit ihr jemand mit dem Baby helfen kann.“

Als Virgil und Kara ein Paar gewesen waren, hatte Cassandra als Assistentin für Kara gearbeitet. Sie war für Kara mehr als nur eine Angestellte gewesen. Kara hatte sie als Freundin betrachtet.

„Cassandra hat ein Baby? Das freut mich für sie.“

„Mich auch.“ Sie wusste, dass Cassandra eine Schwäche für Virgil gehabt hatte. Cassandra war der einzige Mensch in Karas Umfeld gewesen, der Martis Lüge über Virgil nicht geglaubt hatte.

Schnell verdrängte sie den Gedanken wieder. Hier geht es ums Geschäft, sagte sie sich. „Morgen schicke ich dir und Matthew Kopien meines Plans zu.“ Sie lehnte sich zurück. „Wenn ich einen Auftrag annehme, betrachte ich immer drei Bereiche: Erscheinung, Verhalten und Kommunikation. An der Art, wie du dich kleidest, gibt es nichts auszusetzen, und deine Kommunikationsfähigkeit ist exzellent. Daher müssen wir uns auf dein Verhalten konzentrieren.“

„Was schlägst du vor?“

„Mir ist aufgefallen, dass eure Firma viel für wohltätige Zwecke spendet, aber dass du dich nur selten bei den Veranstaltungen blicken lässt.“

Er runzelte die Stirn. „Erst letzte Woche war ich bei einem Bankett für Krebsforschung.“

„Stimmt. Aber am Spendenlauf hast du nicht teilgenommen. Abteilungsleiter von euch waren dabei, du aber nicht. Du gehst zwar auf Galas und Bälle, aber du tauchst nirgends auf, wo dich die breite Öffentlichkeit sehen kann. Nimm an viel mehr von solchen Events teil. Zum Beginn des neuen Schuljahrs verteilt eure Firma Schulranzen. Das solltest du selbst übernehmen, anstatt einen Vertreter eurer Firma zu schicken.“

Nachdenklich schwieg er einen Moment, ehe er nickte. „Okay, das kann ich tun.“

„Nächsten Monat solltest du auch beim Fünfkilometerlauf zugunsten der Krebsforschung teilnehmen.“

„Schick die Aktionsliste meiner Assistentin, damit sie es in meinen Kalender einträgt.“

Ihrem nächsten Vorschlag würde er sicher nicht so bereitwillig zustimmen. „Da dein Ruf als Frauenheld in der Stadt weit verbreitet ist, empfehle ich dir dringend, dich in den nächsten Monaten immer nur mit derselben Frau sehen zu lassen.“

Eiskalt erwiderte Virgil Karas Blick. „Das kommt nicht infrage. Ich werde keine feste Beziehung mit irgendeiner Frau eingehen. Nie wieder.“ Den Grund dafür sollte sie kennen. Sie war die erste und letzte Frau, an die er sich fest gebunden hatte, und wie war es ihm damit ergangen?

„Es wäre doch nur vorübergehend, Virgil. Im Lauf der Jahre warst du mit vielen Frauen zusammen. Unter ihnen gibt es sicherlich eine, mit der du es ertragen kannst, auf bestimmte Zeit gesehen zu werden.“

„Keine Einzige. Außerdem will ich keiner von ihnen Hoffnungen machen, dass sich aus einer Beziehung mehr entwickeln könnte.“

„Dann engagieren wir eine Frau von einem Begleitservice. Zufällig kenne ich eine sehr diskrete Agentur von außerhalb. Für diese Agentur arbeiten nur gebildete und kultivierte Frauen, die …“

„Nein, es muss eine andere Lösung geben. Ich werde mich einfach nicht mehr mit so vielen Frauen treffen wie bisher.“

Entschieden schüttelte sie den Kopf. „Damit mein Plan funktioniert, Virgil, musst du deinen Lebensstil vorübergehend komplett umkrempeln. Männer fühlen sich von dir bedroht und wollen dich von ihren Ehefrauen, Schwestern und Töchtern fernhalten. Manche dieser Männer sind für euch potenzielle Kunden. Willst du das?“

„Nein. Hilton macht uns nichts als Ärger, aber um dieses Problem werde ich mich kümmern.“

Fragend sah sie ihn an. „Wie?“

„Ich schlage ihn mit seinen eigenen Waffen. Yorks Detektei forscht ein bisschen nach Whitney Hiltons Vergangenheit.“ Marv Hilton würde noch erfahren, dass es ein Fehler gewesen war, sich mit den Bougards anzulegen.

„Wenn du mehr über Whitney herausfindest, hält das Hilton vielleicht von weiteren Anschuldigungen ab. Es nützt dir aber nichts beim Aufbessern deines Images.“

„Mich längere Zeit ausschließlich mit ein und derselben Frau zu treffen, kommt absolut nicht infrage.“ Er hob die Gabel, als wolle er damit die Unterhaltung beenden. „Auf keinen Fall.“

Erst als er sein Steak aufgegessen hatte, fiel Virgil auf, dass seine Unterhaltung mit Kara komplett zum Erliegen gekommen war und dass sie während des Essens seinem Blick auswich. Er nutzte das, um sie in aller Ruhe zu betrachten. Dass sein Herz dabei schneller schlug, überraschte ihn nicht, denn mit jedem Atemzug nahm er ihren vertrauten Duft wahr, und sein Blick blieb an ihren sinnlichen Lippen hängen.

Kara ertappte ihn, doch sie lächelte nur. „Und wie geht es deinen Patenbrüdern?“

Virgil stellte sein Glas ab. „Allen geht es bestens, selbst den verheirateten.“

„Bei der Party vor sechs Monaten haben sie glücklich gewirkt.“

Virgil nickte. „Ja, sie haben gute Ehefrauen gefunden.“ Seine Patenbrüder waren mit Frauen verheiratet, die ihnen vertrauten. Weit mehr als Kara ihm vertraut hatte.

Er versuchte, das Thema zu wechseln. „Und wie geht’s deinen Eltern?“ Das letzte Mal, als er mit ihrem Vater telefoniert hatte, war Virgil das Opfer wüster Beschimpfungen geworden.

„Gut. Erst letzte Woche habe ich mit meinem Dad gesprochen. Ich habe gar nicht gewusst, dass er dich nach unserer Trennung angerufen hat. Er sagte, er habe versucht, sich bei dir zu entschuldigen, aber er habe dich nicht erreicht, weil du eine neue Nummer hast.“

„Stimmt, die habe ich mir zugelegt.“ Dass er das getan hatte, um alles, was ihn mit Kara verband, loszuwerden, behielt er für sich.

„Tja, also … Das Dinner war toll, Virgil. Hoffentlich konnten wir uns auf ein paar Punkte einigen.“

„Sobald ich von meiner Assistentin deine Liste der Events bekomme, plane ich die Zeit dafür ein.“ Er winkte dem Kellner, um die Rechnung zu bekommen, dann wandte er sich wieder Kara zu. „Und was deinen anderen Vorschlag betrifft, da muss sich eine andere Lösung finden.“

Virgil hatte zu Hause kaum die Tür hinter sich geschlossen, als sein Handy klingelte. Es war Xavier. „Ja, X?“

„Wollte nur hören, ob du dabei bist, wenn Winston nächsten Monat nach Hause kommt.“

„Natürlich.“ Virgil lockerte seine Krawatte und zog das Jackett aus. „Für Zion und mich ist das kein Problem, aber ihr Übrigen müsst doch erst eure Frauen fragen.“

„Erspar mir solche Sprüche, V.“ Nach einer kurzen Pause fragte Xavier: „Was habe ich da gehört? Eure Firma hat Kara engagiert, um dein Image aufzupolieren?“

Das konnte Xavier nur von Winston wissen. „Es war Dads Idee.“ Virgil streifte sich die Schuhe ab. „Sie empfiehlt, dass ich mich häufiger bei öffentlichen Wohltätigkeitsveranstaltungen blicken lassen soll, an Spendenläufen teilnehme und so weiter.“

„Das ist gute PR. Neue Unternehmen in der Stadt beurteilen dich zuerst nach deinem Bild in der Öffentlichkeit. Was hat Kara sonst noch empfohlen?“

„Ihren anderen Vorschlag werde ich nicht befolgen. Ich soll eine Zeit lang lediglich mit einer Frau ausgehen, damit es aussieht, als sei meine Zeit als Junggeselle bald vorüber.“ Kopfschüttelnd legte Virgil das Handy aus der Hand und stellte es auf Lautsprecher. Er knöpfte sein Hemd auf und streifte es ab, während er Xaviers Antwort lauschte.

„Keine schlechte Idee, V.“

„Wieso sollte ich meinen Lebensstil ändern?“

Xaviers tiefes Lachen erklang, bevor er antwortete. „Seit der Trennung von Kara wirkst du unersättlich, V. So wie du umherziehst, könnte man denken, du hast panische Angst, irgendeiner anderen Frau so viel Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen wie damals Kara.“

„Wer sich einmal die Finger verbrannt hat, der spielt nicht mehr mit dem Feuer. Oder so ähnlich.“ Er griff wieder nach dem Telefon. „Jedenfalls habe ich Kara als Kompromiss angeboten, dass ich die Anzahl der Frauen, mit denen ich ausgehe, verringere.“

„Was hält sie davon?“

„Begeistert war sie nicht.“

Nach kurzem Schweigen sagte Xavier: „Lass Kara ihren Job machen, V. Ich bin ganz ihrer Meinung. Zeig dich immer mit derselben Frau, solange dieser Hilton noch auf seinem Feldzug gegen dich ist. Es ist ja nicht für immer.“

„Ich will keiner Frau die verrückte Idee in den Kopf setzen, dass ich eine feste Beziehung möchte.“

„Dann weiß ich genau die Richtige für dich: Ihr hattet schon Dates, kommt miteinander aus, und bei ihr brauchst du dir keine Sorgen zu machen, dass sie mehr von dir will.“

Jetzt war Virgil neugierig. „Wer ist sie, Mann?“

„Kara.“

„Bist du verrückt? Wieso in aller Welt sollte ich wieder anfangen, mit Kara auszugehen?“

„Du sagst selbst, dass zwischen Kara und dir nie wieder was laufen wird. Die Öffentlichkeit respektiert und mag sie, außerdem ist sie eine clevere Geschäftsfrau. Wenn die Leute euch zwei zusammen sehen, werden sie dich auch respektieren, und bei ihrem Aussehen und ihrem Verstand wird niemand mehr befürchten, du könntest es auf seine Ehefrau, Schwester oder Tochter abgesehen haben.“

Virgil konnte Xaviers Überlegungen nachvollziehen, aber … „Schon das Dinner mit ihr heute Abend war fast mehr als ich ertragen konnte.“

„Wieso? Du sagst doch, dass du nichts mehr für sie empfindest.“

„Das tue ich auch nicht. Ich habe heute ihre Entschuldigung angenommen, aber das bedeutet nicht, dass ich alles vergessen habe, was passiert ist.“

„Sollte es aber. Du musst vergeben und vergessen, V.“

„Verdammt, ihr zuliebe habe ich damals mein ganzes Leben umgekrempelt. Ich habe sie geliebt, X.“

Wieso versuchte er überhaupt, Xavier zu überzeugen? Ähnliche Unterhaltungen hatte er auch mit seinen übrigen Patenbrüdern geführt. Alle mochten Kara und fanden seine Haltung zu stur.

„Kara hatte keine Ahnung, dass Marti zu so etwas fähig war. Zum Glück habe ich es geahnt. Wie du weißt, war ich drei Wochen mit Marti zusammen. Die Zeit hat mir gereicht, um zu erkennen, dass Marti Goshay nur Ärger bedeutet. Ich fürchte wirklich, sie hat grundsätzlich etwas gegen Männer.“

Virgil schüttelte den Kopf. „Nicht zu fassen, dass du mir vorschlägst, mich ausgerechnet mit Kara sehen zu lassen.“

„Denk drüber nach. Es würde Marti wahnsinnig wütend machen, wenn sie glaubt, Kara sei wieder mit dir zusammen.“

Allerdings, dachte Virgil. Wann immer er Marti begegnet war, hatte sie ihn triumphierend angelächelt, als habe es ihr Spaß gemacht, zwischen Kara und ihm alles zu zerstören.

„Vielleicht ist es doch keine so gute Idee, wenn Kara und du ein Pärchen spielen. Dadurch würdest du riskieren, dich wieder in sie zu verlieben.“

„Ganz bestimmt nicht, X. Ich könnte Kara nie mehr lieben.“ Bei ihr empfand er höchstens Lust, genau wie bei jeder anderen gut aussehenden Frau. „Lass uns ein andermal weiterreden, X.“

„Hey, warte! Ich habe dich aus einem anderen Grund angerufen.“

„Lass hören.“

Xavier lachte leise. „Farrah und ich erwarten wieder ein Baby.“

4. KAPITEL

Verärgert trat Virgil auf der Chefetage von Bougard Enterprises aus dem Fahrstuhl. Wieso hatte er sich von Xavier bloß den Floh ins Ohr setzen lassen, Kara könne in der Öffentlichkeit die Frau an seiner Seite sein? Das war doch verrückt!

Aber Marti würde sich maßlos darüber ärgern.

Allerdings musste er auch bedenken, dass Kara immer noch spielend leicht Lust in ihm wecken konnte. Gestern beim Dinner war es ihm schwergefallen, sich auf den Geschmack seines Steaks zu konzentrieren.

Er betrat den Vorraum seines Büros. „Guten Morgen, Pam.“

Seine Assistentin lächelte ihn strahlend an. „Guten Morgen, Mr. Bougard. Ihr Vater wartet bereits auf Sie.“

„Dann stellen Sie bitte erst mal keine Anrufe durch, Pam.“

„Natürlich nicht.“

Er betrat sein Büro. Matthew stand am Fenster und blickte nach draußen. „Dad. Ich habe nicht so schnell wieder mit dir gerechnet.“

„Und ich hätte nicht gedacht, so schnell wieder hier zu sein. Rhona hält nächste Woche hier an der UNC einen Vortrag, und den muss sie erst noch schreiben.“ Lächelnd drehte sein Vater sich zu ihm um. „Aber ich fliege morgen nach Houston und treffe mich mit ein paar Freunden zum Angeln. Deine Mutter meint, ich würde sie nur ablenken.“

„Damit hat sie sicher recht.“ Auch Virgil lächelte. „Wenn Dr. Rhona B. Bougard beschäftigt ist, darf niemand einen Mucks von sich geben. Das weiß ich noch von früher.“

Virgil war stolz auf seine Mutter, die ihren Doktortitel in Pädagogik verliehen bekommen hatte, kurz bevor Virgil auf die Highschool gegangen war. Über Jahre hinweg hatte sie die Johnson C. Smith University geleitet, bevor sie vor zwei Jahren in den Ruhestand gegangen war.

Matthew nickte. „Ich will Rhona nicht stören, und es gibt für mich keinen Grund, länger hierzubleiben. Ich habe Karas Plan gesehen. Sie hat alles sehr richtig analysiert. Es ist eine gute Strategie, wenn du dich öffentlich häufiger und immer mit derselben Frau an deiner Seite zeigst.“

Virgil fand den Zeitpunkt unpassend, um seinem Vater mitzuteilen, dass er nicht die Absicht hatte, sich mit nur einer Frau sehen zu lassen.

Bevor er zur Tür ging, fügte Matthew hinzu: „Wir sehen uns nächste Woche, wenn ich zurückkomme. Ich freu mich schon, dann die Frau an deiner Seite kennenzulernen.“

Fragend zog Virgil die Brauen hoch. „Welche Frau?“

„Die dich zu allen zukünftigen Events begleitet. Es wäre auch eine gute Gelegenheit, wenn du sie zum Vortrag deiner Mutter mitbringst. Wenn du sie deinen Eltern vorstellst, wirkt das, als sei es dir ernst mit ihr.“ Matthew sah auf eine Uhr. „Ich muss mich beeilen. Ich darf meine Königin nicht warten lassen.“ Damit verließ er den Raum.

Virgil sank auf seinen Schreibtischstuhl. In den Augen der Öffentlichkeit würde es glaubhafter wirken, dass Kara und er ihre Romanze wieder aufgriffen, als wenn er sich von einem Tag auf den anderen nur noch mit einer seiner zahllosen Geliebten sehen ließ.

Wieso verspannte sich sein Magen, wenn er daran dachte, viel Zeit mit Kara zu verbringen? Konnten sie und er das überhaupt durchhalten?

Sein Telefon klingelte, und Virgil wusste, dass es York war, der mit seiner Frau Darcy in New York lebte.

Er nahm den Anruf an. „Ja, Y?“

„Wollte dir nur ein Update geben. Ich habe Informationen über Whitney Hiltons Vergangenheit ausgegraben, aber du solltest dir auch mal ihren alten Herrn etwas genauer ansehen.“

„Marv Hilton? Wieso?“

„Einige Dinge über ihn finde ich sehr interessant.“

„Interessant genug, um als Druckmittel zu fungieren, damit er sich in Zukunft zurückhält?“

„Gut möglich. Er will sicher nicht, dass Dinge aus seiner Vergangenheit publik werden, die seinen Ruf schädigen.“

„Verstehe. Versuch bitte, mehr herauszufinden, damit wir ihn dazu bringen können, mit seiner Rufmordkampagne aufzuhören.“

„Geht klar.“

Nach dem Telefonat lehnte Virgil sich ans Fenstersims. Wenn York dunkle Seiten von Hilton aufdecken konnte, dann … Nein, er wollte sich lieber keine Hoffnungen machen. Selbst wenn York etwas herausfand, könnte es Wochen dauern, bis Virgil der Abschlussbericht vorlag.

Deshalb musste Virgil sich mit Karas Plan beschäftigen.

Schwer seufzend kehrte er zu seinem Schreibtisch zurück und drückte den Knopf der Sprechanlage. „Pam, bitte rufen Sie für mich Kara Goshay an.“

Kara blickte von ihren Unterlagen hoch. „Ja, Janice?“

„Mr. Virgil Bougard ist hier und will Sie umgehend sprechen.“

Kara runzelte die Stirn. „Okay, Janice, schicken Sie ihn herein.“ Sie hatte seine Anrufe über den Tag nicht annehmen wollen und den Rückruf vor sich hergeschoben. Körperlich auf Distanz zu ihm zu bleiben, fiel ihr schwerer als gedacht.

Sie stand auf und versuchte vergeblich, die Gedanken an Virgils letzten Besuch in ihrem Büro zu verdrängen. An jenem Abend hatte sie lange gearbeitet, und Virgil hatte ihr Dinner gebracht. Niemals würde sie den Moment vergessen, als sie ihn dort an der Tür mit der Tüte in der Hand gesehen hatte. Der verlockende Duft des Essens hatte sie schwach werden lassen, doch letztlich war es sein verlangender Blick gewesen, der ihre Lust entfacht hatte.

An das Essen konnte sie sich nicht mehr erinnern, aber anschließend waren sie förmlich übereinander hergefallen. Kara wusste nicht mehr, wer von ihnen den ersten Schritt gemacht hatte. Irgendwann waren sie beide nackt gewesen und hatten es an jeder Stelle ihres Büros miteinander getan.

Die Tür ging auf, und Virgil kam herein.

Ihr fiel das Atmen schwer. Er war perfekt gekleidet und sah umwerfend gut aus. Das Einzige, was ihr nicht gefiel, war die Intensität, mit der ihr Körper auf Virgil reagierte.

„Danke, dass du mich empfängst, Kara.“ Virgil schloss die Tür hinter sich. „Ich habe meine Meinung geändert. Für den weiteren Erfolg von Bougard Enterprises bin ich zu fast allem bereit, selbst wenn ich dafür Opfer bringen muss.“

Sie nickte. „Gute Entscheidung. Wie bereits gesagt kann ich dir über einen diskreten Begleitservice eine sehr gepflegte und …“

„Ich habe bereits eine Frau im Sinn.“

Das hatte gestern zwar noch anders geklungen, doch es überraschte Kara nicht. „Schön, dann überlasse ich dir alles Weitere. Dafür brauchst du mich nicht mehr.“

„Oh, ich brauche dich sehr wohl.“

Verwirrt erwiderte sie seinen Blick. „Wozu denn?“

Er kam auf sie zu, bis er dicht vor ihr stand. „Du sollst die Frau sein, mit der ich mich in der Öffentlichkeit zeige.“

Meinte Virgil das wirklich ernst? Nach all dem, was er ihr erst gestern beim Dinner gesagt hatte? Kara wurde wütend. „Wie kannst du hier mit so einem Vorschlag auftauchen? Du hast mir sehr deutlich gesagt, dass wir niemals Freunde sein können. Nur weil Matthew es will, erträgst du den Kontakt mit mir.“

„Dein Aktionsplan ist gut, aber ich würde mich nur wohlfühlen, wenn sich die Frau an meiner Seite dabei keine falschen Hoffnungen macht. Du würdest das nicht, weil du weißt, dass dieses Arrangement lediglich dazu dient, mein Image aufzubessern. Derart persönliche Details möchte ich mit keiner anderen Frau teilen.“

„Das bräuchtest du auch nicht, wenn wir den Begleitservice engagieren, wie ich es vorgeschlagen habe.“

„Das ist zu riskant. Jemand könnte herausfinden, dass ich eine Frau dafür bezahle, sich mit mir sehen zu lassen.“ Als sie etwas erwidern wollte, hob er schnell die Hand. „Selbst bei aller Vorsicht kannst du nicht garantieren, dass das nicht geschieht, Kara. Denk doch nur an die möglichen Folgen. Für Bougard Enterprises wäre das ein Skandal, von dem die Firma sich nicht wieder erholt.“

Kara wusste, dass er recht hatte, jedoch …

„Wenn man uns zusammen sieht, werden alle glauben, wir hätten uns versöhnt.“ Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Interesse an dir zu heucheln wird mir leichtfallen, denn bei dir brauche ich mir keine Sorgen zu machen, dass du von einer gemeinsamen Zukunft träumst.“

Nur ungern gab sie ihm recht. Ein ganzes Jahr lang waren sie als Paar in der Öffentlichkeit aufgetaucht, hatten gemeinsam Events besucht, und alle hatten fest damit gerechnet, dass sie früher oder später einen Termin für die Hochzeit bekannt geben würden. In der bekannten Zeitungskolumne „Flo on the Ro“ von Florence Asbury waren sie als schönstes Paar der Stadt bezeichnet worden. Dort war auch über ihre Trennung und Virgils anschließende Eskapaden berichtet worden. „Darüber muss ich nachdenken, Virgil. Es muss noch einen anderen Weg geben.“

„Falls es den gibt, muss dir die Lösung bis zum nächsten Wochenende einfallen. Mom hält an der Universität einen Vortrag, und Dad will, dass ich dort mit der Frau erscheine, die mich in nächster Zeit begleitet. Er findet, das sei der perfekte Zeitpunkt, um sich gemeinsam zu präsentieren.“

Kara musste Matthew in diesem Punkt zustimmen. Es war die perfekte Gelegenheit. „Wie gesagt, ich muss es mir überlegen. Ich melde mich bei dir.“

Virgil nickte und verließ ihr Büro ohne ein weiteres Wort.

„Nur damit ich das richtig verstehe“, sagte Cassandra Gilbert am Telefon, „du hast herausgefunden, dass Marti gelogen hat, und hast dich bei Virgil entschuldigt. Jetzt muss sein Image aufgebessert werden, weil es irgendeinen Skandal wegen einer anderen Frau gab. Deine Firma hat den Auftrag dafür bekommen, und in diesem Zusammenhang sollst du dich jetzt als Frau an seiner Seite inszenieren.“

„Ja, so ungefähr ist es abgelaufen.“ Kara stellte ihr Weinglas ab.

„Klingt nicht dumm. Alle werden darauf hereinfallen. Wo liegt das Problem?“

Kara seufzte. „Wir sprechen hier von Virgil Bougard, Cassandra.“

„Ich weiß, von wem wir reden. Trotzdem sollte es da doch kein Problem geben, es sei denn …“

„Es sei denn, was?“

„Es sei denn, er ist dir nicht so gleichgültig, wie du behauptest. Du hast Virgil zu sehr geliebt, um jetzt überhaupt nichts mehr für ihn zu empfinden.“

„Als ich geglaubt habe, er würde mich betrügen, habe ich aufgehört, ihn zu lieben.“

„Wem willst du das vormachen? Seitdem hast du keine ernsthafte Beziehung angefangen. Die Männer, mit denen du nach Virgil ausgegangen bist, hast du nie wirklich nahe an dich herangelassen. Das weiß ich, Kara. Virgil ist nicht der Typ Mann, von dem eine Frau sich ohne Weiteres innerlich lösen kann.“

„Da ich angenommen habe, er sei mir untreu gewesen, wäre es doch verständlich, wenn ich aufgehört hätte, ihn zu lieben.“

„Stimmt, du warst am Boden zerstört, aber mir kannst du nicht erzählen, dass deine Gefühle für ihn komplett verschwunden sind.“

Kara wollte widersprechen, aber Cassandra wechselte das Thema. „Ich kann nicht glauben, dass Marti dir so etwas angetan hat.“

„Wahrscheinlich hätte ich es nie erfahren, wenn ich nicht zufällig dieses Telefonat mitgehört hätte. Sie sagt, es sei nur zu meinem Besten gewesen, weil Virgil mich früher oder später verletzt hätte.“

„Das ist doch verrückt. Virgil hat dich geliebt, das war offensichtlich. Und aus dem Grund habe ich auch nie geglaubt, dass er dich betrogen hat.“

Kara atmete tief durch. „Und jetzt hasst er mich. Ich sehe es in seinem Blick, wann immer er mich ansieht.“

„Und trotzdem wollt ihr zwei so tun, als wärt ihr ein Liebespaar?“

„Nur um sein Bild in der Öffentlichkeit aufzubessern.“ Kara seufzte. „Ich muss jetzt schlafen. Hoffentlich weiß ich morgen früh, wie die richtige Entscheidung lautet.“

„An deiner Stelle würde ich die Gelegenheit nutzen und Virgil ins Gedächtnis rufen, wieso er sich überhaupt erst in dich verliebt hat. Ich würde ihn daran erinnern, wie gut ihr zwei zusammengepasst habt.“

Kara schüttelte den Kopf. „Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich mir wünschen soll, dass das möglich wäre.“

„Egal, was du sagst, ich finde, Virgil und du, ihr gehört zusammen. Eure Liebe muss nur wieder angefacht werden. Gefühle, wie die zwischen euch, die erlöschen niemals vollkommen.“

So sicher wie Cassandra war Kara sich in diesem Punkt nicht. „Er hat sich verändert. Er wirkt eiskalt, und das ist allein meine Schuld, weil ich ihm damals nicht vertraut habe.“

„Wenn sein Herz ein Eisblock ist, dann musst du es auftauen.“

Kara kämpfte mit den Tränen. „Das schaffe ich nicht.“

„Doch, das schaffst du. Im Grunde wäre es auch für Virgils Image das Beste, wenn ihr zwei tatsächlich wieder ein Paar seid. Virgil ist sich dessen vielleicht nicht bewusst, aber durch dich ist er ein besserer Mensch geworden. Er hat dich geliebt und war glücklich. Du schuldest es dir selbst und auch ihm, dass er wieder glücklich wird.“

Noch lange nach dem Telefonat hallten Cassandras Worte in Karas Gedanken wider. Es stimmte, während ihrer Beziehung hatte Virgil sich verändert. Ihr zuliebe hatte er die Jagd auf Frauen aufgegeben. Für ihn hatte es nur sie gegeben, bis Marti mit ihrer Lüge alles zerstört hatte.

Jetzt war er wieder der Frauenheld, und ausgerechnet sie sollte sein Image aufpolieren. Cassandra hatte recht: Was immer sie tat, es würde das Problem nur vorübergehend lösen, weil er früher oder später genauso weitermachen würde wie bisher.

Konnte Kara für Virgil die dauerhafte Lösung sein, so wie Cassandra vermutete?

Als ihr schließlich die Augen zufielen, hatte sie sich eingestanden, dass sie Virgil Bougard immer noch liebte.

5. KAPITEL

„Mr. Bougard, Kara Goshay ist …“

„Stellen Sie sie durch“, unterbrach Virgil seine Assistentin.

Hoffentlich hatte Kara sich entschieden. Die Zeit drängte. Vorhin hatte ihn Thomas Fortner angerufen, um ihm mitzuteilen, er habe mit Marv Hilton Golf gespielt und daraufhin beschlossen, sein Vermögen von jemand anderem als Bougard Enterprises verwalten zu lassen.

„Miss Goshay ist nicht am Telefon, Sir. Sie ist hier und möchte Sie sehen.“

Kara war hier? „Bitte schicken Sie sie rein.“ Noch während er aufstand, zog er sich die Krawatte zurecht. Wollte Kara seinen Vorschlag von gestern ablehnen?

Die Tür seines Büros ging auf, und Kara trat ein.

Das schokoladenbraune Kostüm betonte ihre schmale Taille und die sinnlichen Hüften. An das, was dieses Kostüm verbarg, konnte Virgil sich nur allzu gut erinnern. Ihre Bewegungen waren fließend, ein Strahlen schien von ihr auszugehen, und ihre sinnliche Ausstrahlung war fast greifbar.

„Kara, welchem Umstand verdanke ich diesen Besuch?“ Irgendetwas an ihr wirkte verändert, doch er konnte nicht sagen, was es war.

„Ich habe bezüglich deines gestrigen Vorschlags einen Entschluss gefasst.“

„Nämlich?“

„Wie du richtig bemerkt hast, kann sich zwischen uns niemals wieder etwas entwickeln. Doch es könnte vorteilhaft sein, die Leute in genau diesem Glauben zu wiegen. Dadurch würde sich dein Image verbessern, was ein weiterer Erfolg für meine Agentur wäre.“

Warum störte ihn die Vorstellung, dass sie nur an ihren beruflichen Erfolg dachte? „Bist du bereit, nächstes Wochenende mit mir zu dem Vortrag zu kommen?“

„Ja. Dein Vater erklärt deiner Mutter sicher alles im Vorfeld.“

„Ganz bestimmt. Allerdings wirst du mich auch bei anderen Anlässen begleiten müssen. Dinner, Kino, Empfänge … Ist das ein Problem für dich?“

„Das sollte ich eher dich fragen, Virgil. Hättest du ein Problem damit, wenn man uns wieder zusammen sieht?“

Einen Moment runzelte er nachdenklich die Stirn. „Nein, die Menschen, die mir wichtig sind, werden die Wahrheit kennen.“

„Schön, dann sehen wir uns nächstes Wochenende.“ Sie wandte sich zum Gehen.

„Wir sollten uns später noch einmal treffen.“

Sie drehte sich wieder zu ihm. „Wieso?“

„Um unsere Strategie zu besprechen. Hast du heute früh die Zeitung gelesen?“ Er nahm die besagte Zeitung vom Schreibtisch und reichte sie ihr. „Wir haben bereits Aufmerksamkeit auf uns gezogen.“

Kara überflog die Kolumne „Flo on the Ro“.

Ist Charlottes größter Frauenheld endlich zur Vernunft gekommen?

Virgil Bougard wurde letzte Woche beim Dinner mit Kara Goshay gesehen. Fast vier Jahre waren sie getrennt, und wir fragen uns, ob da wieder was läuft. Ich hoffe es stark. Zeit dafür wäre es. Mehr demnächst an dieser Stelle.

Kara zog die Brauen zusammen. Unter dem Artikel war ein Foto von Virgil und ihr beim gemeinsamen Dinner im „Goldenrod Restaurant“. Sie gab Virgil die Zeitung zurück. „Wer hat dieses Foto gemacht?“

„Irgendjemand mit seinem Smartphone. Für uns ist das nicht schlecht. Wir sollten dieses Interesse ausnutzen und uns gleich wieder in der Öffentlichkeit zeigen.“

„Man wird uns nächste Woche beim Vortrag an der Uni sehen.“

„Es wäre nicht schlecht, wenn man uns bis dahin bereits häufiger sieht. Beispielsweise bei einem Treffen heute, um das weitere Vorgehen zu planen.“

Insgeheim freute sie sich über seinen Vorschlag. Schon beim Aufwachen hatte ihr Entschluss festgestanden, Cassandras Anregung zu folgen. Sie würde die Gelegenheit nutzen und Virgil daran erinnern, wie schön es zwischen ihnen gewesen war. Allerdings durfte er keinen Verdacht schöpfen. Sie riss sich zusammen, um nicht begeistert zuzustimmen. „Ich habe heute wirklich viel zu tun, ich weiß noch nicht, ob ich die Zeit finde.“

Sie sah ihm an, dass er eine Zurückweisung nicht gewohnt war.

„Irgendwie solltest du ein Treffen mit mir zwischen deine Termine quetschen, Kara.“

Sie versuchte, seine Miene zu deuten. War es Wut oder Verlangen? „Also schön, heute Abend. Deine Assistentin soll anrufen und …“

„Ich rufe dich selbst an.“ Er zog sein Handy hervor. „Wie lautet deine Nummer?“

„Ist immer noch dieselbe.“

Er tippte die Nummer ein.

Dass er sie noch auswendig wusste, freute sie, und als ihr Telefon klingelte, lächelte sie.

„Jetzt hast du meine neue Nummer, Kara. Ruf an, wenn du mich brauchst.“

„Das bezweifle ich.“ Sie wandte sich zur Tür und hörte im Hinausgehen, wie er „Man weiß ja nie“, sagte.

Als sich die Tür hinter Kara schloss, ließ sich Virgil auf seinen Schreibtischstuhl sinken. Er hatte endlich entdeckt, was an ihr verändert wirkte. Ihr Haar war nicht mehr lockig, sondern glatt. Er hatte ihre Locken immer gemocht, aber die neue Frisur gefiel ihm noch besser.

Entnervt von sich selbst seufzte er auf. Was kümmerte ihn ihre Frisur? Aber unwillkürlich dachte er daran, wie er die dichten Strähnen gepackt hatte, wenn Kara und er miteinander geschlafen hatten.

Leise fluchend zwang er sich, sich zusammenzureißen. Auch wenn sie nach außen hin wieder ein Paar spielten, würde es für sie beide kein Revival geben. Wenn nötig, würde er sich das tausendmal sagen.

Kara betrat das „Racetrack Café“, und sofort dachte sie an die Zeit zurück, als sie sich hier häufig nach der Arbeit getroffen hatten. Über Virgils Textnachricht hatte sich Kara erst gewundert, da er sich ausgerechnet hier mit ihr treffen wollte, aber wenn es für andere so aussehen sollte, als seien sie wieder zusammen, war dies der perfekte Ort dafür.

Obwohl es ein Donnerstagabend war, waren nicht viele Gäste im Café, und deshalb entdeckte sie ihn auch sofort. Als ihre Blicke sich trafen, fiel ihr das Atmen etwas schwerer. Als der Gentleman, der er war, erhob er sich, während sie auf ihn zusteuerte. Offenbar war er nach der Arbeit nach Hause gefahren, um sich eine Jeans anzuziehen.

Da Kara kurz zuvor ein Meeting gehabt hatte, trug sie noch ihr Kostüm und die High Heels. „Tut mir leid, dass ich spät dran bin.“ Sie versuchte, nicht auf ihr wild klopfendes Herz zu achten. „Ich hatte viel zu tun.“

„Kein Problem.“ Er setzte sich, und sie nahm ihm gegenüber Platz. „Schön, dass du es einrichten konntest. Ich habe dir bereits einen ‚Arnold Palmer‘ bestellt.“

„Danke.“ Er erinnerte sich an ihren Lieblingsdrink! „Du hast gesagt, wir müssen uns eine Strategie zurechtlegen.“ Anscheinend hatte er geduscht, denn sie roch seine männliche saubere Haut und sein vertrautes Rasierwasser. Sie hatte diesen Duft immer geliebt.

„Ja, aber zuerst sollten wir essen.“

Sie sah sich um. „Nicht viele Leute hier heute Abend.“

„Die Panthers spielen gegen die Eagles.“

„Oh.“

Er lachte leise. „Immer noch kein Football-Fan?“

„Das wird sich auch niemals ändern.“ Sie spürte es genau, die Chemie zwischen ihnen war immer noch da.

Als die Kellnerin die Drinks brachte, unterbrach er den Blickkontakt.

Kara probierte einen Schluck und genoss die Abkühlung, denn der Mann, der ihr gegenübersaß, konnte sie spielend leicht in Flammen setzen.

„Wie war dein Tag, Kara?“ Die Sorge um Bougard Enterprises war der einzige Grund, wieso er jetzt hier bei ihr saß und nicht im Stadion beim Spiel war. Allerdings musste er sich eingestehen, dass er sie seit dem Moment, als sie hereingekommen war, erregend fand.

Sie hob die Schultern und trank noch einen Schluck. „Ganz gut. Ich habe den Auftrag für ein Managementseminar bei ‚Lufton Financial Services‘ bekommen. Außerdem habe ich erfahren, dass die Stadt mich zur Geschäftsfrau des Jahres nominiert hat.“

Er musste lächeln. Ja, er freute sich wirklich für sie. „Herzlichen Glückwunsch. Das müssen wir dieses Wochenende feiern.“

Fragend zog sie die Brauen hoch. „Tatsächlich?“

„Ist doch ein guter Anlass für uns, uns sehen zu lassen. Ich werde alles Nötige arrangieren.“ Als sie über den Tisch hinweg seine Hand berührte, spürte er es im ganzen Körper. Ganz sicher fühlte sie es in dem Moment genauso stark. Doch sie ließ seine Hand nicht los.

„Nein, überlass das mir, Virgil.“

Konnte eine Frau schönere Augen haben als sie? Virgil sah ihr an, dass ihr Entschluss feststand. „Also gut, dann kümmere du dich darum.“

Autor

Kate Hoffmann
Seit Kate Hoffmann im Jahr 1979 ihre erste historische Romance von Kathleen Woodiwiss las – und zwar in einer langen Nacht von der ersten bis zur letzten Seite – ist sie diesem Genre verfallen.
Am nächsten Morgen ging sie zu ihrer Buchhandlung, kaufte ein Dutzend Liebesromane von verschiedenen Autorinnen und schmökerte...
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Brenda Jackson

Brenda ist eine eingefleischte Romantikerin, die vor 30 Jahren ihre Sandkastenliebe geheiratet hat und immer noch stolz den Ring trägt, den ihr Freund ihr ansteckte, als sie 15 Jahre alt war. Weil sie sehr früh begann, an die Kraft von Liebe und Romantik zu glauben, verwendet sie ihre ganze Energie...

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