Verbotene Liebe in den Highlands

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

Ihre Liebe darf nicht sein: James Murray vom Clan der MacLeries und die schöne Elizabeth sind einander verfallen. Doch der Laird hat bestimmt, dass James eine andere heiraten soll! Hin- und hergerissen zwischen brennendem Verlangen und dem Pflichtbewusstsein ihrem Highlandclan gegenüber treffen die beiden eine folgenschwere Entscheidung…


  • Erscheinungstag 05.07.2017
  • ISBN / Artikelnummer 9783733778354
  • Seitenanzahl 100
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Im schottischen Hochland, 1370

Er berührte sie nur ganz kurz und leicht mit der Hand. Eine verbotene Berührung, doch sie sehnte sich danach. Als sie aufsah, trafen sich ihre Blicke, und da war etwas in der Art, wie er sie anschaute, von dem sie nicht geglaubt hatte, dass sie es je sehen würde. Ihre Kehle wurde eng und ihr Mund trocken. Sie konnte nicht sprechen.

„Elizabeth“, flüsterte er und strich mit dem Daumen über ihre Handfläche.

Der Klang ihres Namens aus seinem Mund sandte Schauer durch ihren Körper und ließ ihr Herz klopfen. Elizabeth MacLerie genoss das Gefühl, wusste aber, dass es keine Zukunft hatte.

Ihr Schachspiel war beendet. Er stand auf, trat vom Tisch weg und wartete darauf, dass sie ihm folgte. Und – verflixtes Herz! – das tat sie. Sie versuchte, ihre Nervosität vor den Menschen zu verbergen, an denen sie vorbeiging. Die kurze Liebkosung hatte etwas zwischen ihr und James verändert.

Sie hatten eine Grenze überschritten, eine, von der sie beide wussten, dass sie nicht verletzt werden durfte. Doch mit der kurzen Berührung und ihrem geflüsterten Namen hatten sie es getan.

Sie war bereits einmal – ein einziges Mal – verliebt gewesen. Damals hatte die Liebe sie wie ein Sturm erwischt, wild, atemraubend, tollkühn und gefährlich. Dieses Mal hatte sich die Liebe heimlich und leise eingeschlichen und sie überrascht, als sie endlich erkannte, was mit ihr geschah. Dennoch: Ob damals oder jetzt, die Gefahr blieb.

Elizabeth folgte James und hoffte, sie könnten miteinander reden. Doch dann rief sein Vater nach ihm, und sie sah zu, wie er zu seinen Eltern ging und sich mit ihnen und Ciara Robertson unterhielt.

Elizabeth kannte Himmel und Hölle. Sie lebte in beiden Sphären. Als sie zu ihm hinübersah und ihre Blicke sich erneut trafen, sah sie beide Möglichkeiten in seinen blauen Augen. Sie schauten sich einen Augenblick lang über die Lichtung hinweg an, bevor sie wieder wegsahen.

Jedes Mal, wenn sie miteinander sprachen, klopfte ihr Herz, und ihr Körper schmerzte. Sein ruhiges Auftreten und die bedachtsame Art, mit der er handelte, sprachen den Teil in ihr an, der auf gar keinen Fall das Melodrama wiederholen wollte, das noch vor einem Jahr ihr Glück und ihren Platz in ihrer Familie bedroht hatte. Er ging freundlich und vorsichtig mit ihr um, kam ihr nie zu nahe, verlangte nie etwas. Sein Verhalten war wie ein Versprechen, dass ihr gemeinsames Leben sie zufrieden und glücklich machen würde. Unterwegs, auf der Rückreise zu ihrem Heim in Lairig Dubh, auf der sie so viel Zeit mit ihm verbrachte, war sie überzeugt, alles werde sich zu ihren Gunsten entwickeln.

Sie konnte nur hoffen.

Sie musste aber nur ein einziges Mal über die Lichtung blicken, um sich zu beweisen, dass sie das Reich der Hölle wahrhaftig betreten hatte. James Murray war verlobt und hatte einen Heiratsvertrag mit ihrer engsten Freundin, Ciara Robertson, und nicht mit Elizabeth. Elizabeth schaute als Erste weg, als Ciara seine Aufmerksamkeit erneut beanspruchte.

Seine Verlobte.

Ihre engste Freundin.

Wenn sie in diesem Moment irgendwo anders hingesehen hätte, hätte sie den Blick verpasst, den Ciara in eine andere Richtung warf. Elizabeth musste sich nicht umdrehen. Sie wusste wer dort am Rand des Lagers im Schatten stand. Der Ausdruck auf Ciaras Gesicht, eine Mischung aus Sehnsucht und Liebe und Bedauern, bedeutete, dass Tavis MacLerie die Gruppe ebenso beobachtete wie Elizabeth.

Es hätte Elizabeth nicht überrascht, die strenge Stimme Vater Micheils über die Lichtung erschallen zu hören, eine Stimme, die vor dem Preis warnte, den sie für ihre Sünden zu zahlen hatten. Für die Sünden, die sie so eifrig begingen und begehen würden, böte sich ihnen nur die Gelegenheit dazu. Das Einzige, was sie alle davon abhielt, diese Sünden zu begehen, was sie ihre wilden, verwerflichen Sehnsüchte kontrollieren ließ, war die Ehre.

Ciara hatte bereits einige Verlobungen gelöst und war nun entschlossen – soweit Elizabeth wusste – diese Verlobung einzuhalten. Nicht, weil sie James liebte – das tat sie nicht –, sondern weil sie ihr Versprechen gegenüber ihren Eltern und den anderen, die von dieser Verbindung profitierten, halten wollte. Zwei Familien und ihren Verbündeten brachte Ciaras Ehe mit James Murray eine Menge Vorteile.

James war der Erbe seines Vaters. William Murray brauchte diese nützliche Heirat, um den Familienbesitz zu reorganisieren und sich mit den mächtigen Clans der MacLerie und Robertsons zusammenzutun. James kannte die Gründe für seine Verbindung mit Ciara nur zu gut. Was sein Herz dazu sagte, spielte keine Rolle.

Tavis MacLerie hatte eine Frau zu Grabe getragen und war mit Ciara befreundet. Dass ihre wahren Gefühle mehr als freundschaftlich gewesen waren, hatte er zuerst nicht gemerkt. Elizabeth hatte jede Phase ihrer Beziehung miterlebt, vom stürmischen Liebeskummer, nachdem Ciara ihn gebeten hatte, sie zu heiraten, und er sie zurückgewiesen hatte, bis zu jenem Tag, an dem sie James’ Heiratsantrag angenommen und damit jede Hoffnung, Tavis zu heiraten, begraben hatte. Doch nun brauchte Elizabeth ihn nur anzusehen, um festzustellen, dass er bereute, Ciaras Angebot und ihre Liebe nicht angenommen zu haben. Er liebte Ciara, auch wenn er es nicht zugeben wollte.

Also würde keiner von ihnen seinem Herzen folgen, sondern stattdessen der Pflicht und den gegebenen Versprechen. Jeder von ihnen würde jemanden heiraten, den er nicht liebte, und das alles wegen der Ehre.

Elizabeth wusste, dass James sie auch dann nicht heiraten würde, wenn er frei wählen könnte. Sie war nicht die Frau, die sich seine Eltern für ihn als Ehefrau wünschten. Ihre Eltern hatten nur eine kleine Mitgift anzubieten und verfügten nicht über die großartigen Verbindungen und Verwandten, die Ciara zu bieten hatte.

Und falls sich die Wahrheit über ihr schändliches Verhalten vor einem Jahr verbreiten sollte, würde sie die Scham davon abhalten, die Seine zu werden. Obwohl Connor versprochen hatte, ihren Ruf zu bewahren, fürchtete sie doch jeden Tag aufs Neue, dass ihr Verhalten und seine Folgen ans Licht kommen könnten. Wenn James’ Eltern erfuhren, dass sie vom rechten Weg abgekommen war, würden sie ohnehin nie erlauben, dass ihr Sohn sie heiratete.

Sie wusste also, wie das Ganze ausgehen würde, und hatte beschlossen, die wenigen Momente zu genießen, die James und sie miteinander verbrachten, um sich später daran – und an ihn – zu erinnern. Die kommenden Reisetage hielten einige dieser besonderen Momente bereit. Sie würde sie in ihrem brechenden Herzen bewahren.

Und als sie schließlich Lairig Dubh erreichten, war sich Elizabeth der Wirklichkeit genau bewusst, auch wenn sich ihre Gefühle immer noch weigerten, die Tatsachen anzuerkennen.

Lairig Dubh, Besitz des Clans der MacLerie

Als die bernsteinfarbenen Augen ärgerlich aufblitzten, begriff James Murray, warum man Connor MacLerie immer noch das Biest der Highlands nannte. Und unglücklicherweise richtete sich die Wut des Biests direkt auf James.

„Diese Fragen werden sehr spät erörtert, meinst du nicht auch, James?“ Der gelassene Tonfall des Lairds beruhigte James keineswegs, er konnte sich des Eindrucks eines heraufziehenden Unheils nicht erwehren.

Connor stand auf, trat zu dem großen Fenster, das auf den Hof hinausschaute und blieb dort eine Weile schweigend stehen. Während dieses Schweigens hatte James das dringende Bedürfnis, jede Art Sünde zu bekennen. Doch er behielt die Worte für sich und wartete darauf, dass der Laird etwas sagte. Je weniger gesprochen wurde, desto weniger Sittenverstöße konnten enthüllt werden.

„Wenn du Sorgen wegen deiner bevorstehenden Eheschließung hast, dann solltest du dir vor Augen halten, dass so manche Ehe einen weniger vielversprechenden Anfang hatte“, sagte Connor, ohne James anzusehen. „Die meine mit Lady Jocelyn beispielsweise.“

Eine sehr subtile Beschreibung für ein Ereignis, von dem man überall in den Highlands wusste – und im größten Teil der Lowlands ebenfalls. Nachdem er seine erste Frau umgebracht hatte, weil sie ihm keinen Sohn gebar, so hieß es in der Geschichte, hatte Connor MacLerie Jocelyn MacCallum – im Austausch gegen das Leben ihres Bruders – zur Heirat gezwungen. „Unheilvoll“, hätte James gesagt, wenn er die damalige Situation hätte beschreiben müssen. Doch er würde sich mit Connor nicht über die richtige Wortwahl streiten.

„Ciara Robertson sollte für einen Mann keine große Last sein. Sie ist hübsch, wortgewandt, gebildet, liebenswert … und wohlhabend. Die meisten Männer würden um ihre Hand kämpfen“, sagte Connor, als er sich jetzt zu James umdrehte. „Bevor du etwas unternimmst, solltest du dir über den Weg, den du da einschlägst, im Klaren sein. Hast du darüber nachgedacht, was das ihre Eltern kosten wird? Was es für deinen Ruf bedeutet? Für den Ruf des Mädchens?“

War er sich sicher? Konnte er die Verlobung lösen und die Folgen tragen? Würde er Elizabeth in Gefahr bringen, angesichts der Sanktionen, die ihn erwarteten? Er wollte schon nicken, als der Laird die entscheidende Frage stellte.

„Hat es mit einer anderen Frau zu tun?“

Konnte Connor Gedanken lesen? James hatte mit Lady Jocelyn über sein Dilemma gesprochen, jedoch nicht mit Connor. Sie hatte vorgeschlagen, dass er sich mit dem Laird über das, was getan werden konnte, beriet. Sollte er sich einem Mann, der mit einem einzigen Wort alles zerstören konnte, offenbaren?

„Elizabeth“, sagte James leise, ohne sich dem durchdringenden Blick des Lairds noch einmal auszusetzen. Dann sprach er ihren Namen noch einmal aus. Dieses Mal war es wie eine Erklärung. „Elizabeth MacLerie.“

„Ciaras engste Freundin?“, fragte Connor. Beim Tonfall des Lairds zuckte James zusammen. Dann nickte er.

Daran zu denken, wie sehr er Ciara kränken würde, bereitete ihm kein Vergnügen. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, war sie wirklich ein einnehmendes Mädchen. Intelligent. Vertraut mit Rechnen und Schreiben. Vom Besten – ihrem Stiefvater – ausgebildet, um finanzielle Angelegenheiten zu verstehen. Sie war ein Geschenk für den Mann, der sie heiraten würde. Doch während der Rückreise zu Ciaras Zuhause, wo die Hochzeit stattfinden sollte, hatte eine andere Frau sein Herz gestohlen.

Elizabeth war das genaue Gegenteil von Ciara: dunkles Haar statt blonden Haars, gesprächig statt still, praktisch veranlagt statt geistig ausgebildet – und in ihn verliebt, statt wie Ciara einen anderen Mann anzubeten. Er hatte länger als Elizabeth gebraucht, um zu begreifen, welche Art Gefühle da zwischen ihnen heranwuchsen und wie tief diese Gefühle waren. Und nun, nachdem er den zunehmenden Kummer in den Augen seiner Verlobten gesehen hatte, während der Tag ihrer Hochzeit näher rückte, und er seinen eigenen Kummer nur allzu gut kannte, hatte er beschlossen, dass er etwas tun musste. Egal, was es kostete.

Aye, Ciaras Freundin. Laird, wir hatten das nicht vor …“

„Das habe ich auch nicht geglaubt“, erwiderte Connor scharf. „Weiß Elizabeth, dass du hier bist? Dass du mit mir darüber sprichst?“

Ah, da lag das Problem. Bisher hatte er Elizabeth noch nicht gefragt. Nachts, wenn sie ein Treffen einrichten konnten, hatten sie leise über ihre Gefühle füreinander gesprochen. Auch bei anderen Gelegenheiten während der Reise nach Lairig Dubh. Der Tag der Hochzeit rückte unaufhörlich näher, doch erst an diesem Morgen hatte er all seinen Mut zusammengenommen.

„Ich …“ Er wusste nicht, was er antworten sollte. Connor hob die Hand, um ihn zu unterbrechen.

„Ich kann diese Entscheidung nicht für dich treffen und werde es dir auch nicht leicht machen. Es wird Probleme geben. Wenn du dich dafür entscheidest, deine Pflichten gegenüber deiner Familie zu verletzen und deine Ehre aufs Spiel zu setzen, kann das schwerwiegende und tödliche Folgen haben, James. Falls meine weichherzige Frau dich glauben gemacht hat, ich würde dich in dieser Sache unterstützen, dann solltest du wissen, dass du dich geirrt hast.“

James’ Magen zog sich bei den deutlichen Worten des Lairds zusammen. Er hätte all das bedenken sollen, bevor er seinen Fuß in dieses Zimmer setzte. Die Worte der Lady hatten vielversprechend geklungen, aber vielleicht hatte er auch einfach nur das gehört, was er hatte hören wollen.

„Andere Männer haben dem gleichen Dilemma gegenübergestanden und sich entschieden. Auch du musst dich entscheiden.“

Connor stand da. Das Gespräch war zu Ende. Connor MacLerie, der MacLerie und Earl of Douran, hatte ihn angehört, und mehr würde er nicht für ihn tun. James fragte sich allerdings …

„Werdet Ihr mit meinen Eltern darüber reden?“, wollte er wissen.

„Was sollte ich ihnen sagen? Du bist gekommen, um meinen Rat zu suchen. Nicht mehr, nicht weniger.“

Es gab nichts mehr zu sagen, also verließ James den Raum. Er hatte Pflichten, denen er nachkommen, und Dinge, die er tun musste. Aber vor allem musste er eine Entscheidung treffen. Als er den Bergfried verließ und über seinen nächsten Schritt nachdachte, wusste er, dass seine Entscheidung bereits gefallen war.

Es fehlte nur eins: die Zustimmung Elizabeths.

2. KAPITEL

Elizabeth MacLerie lief auf der kleinen Lichtung hin und her und versuchte, ihre Gefühle und Gedanken über sich und James zu ordnen. Jedes Mal, wenn sie ihn ansah und an ihre engste Freundin dachte, fühlte sie sich schuldiger. So schuldig, dass sie sich überlegte, Vater Micheil aufzusuchen und dem heiligen Mann ihre Sünden zu bekennen: die Sünde des Stolzes und – noch schlimmer – die der Lust und Begierde. Sie schob sich das Haar über die Schulter und schaute noch einmal den Pfad hinunter. Sie hielt nach James Ausschau.

Die Szene, in die sie am Tag zuvor hineingeplatzt war, hatte ihre Sehnsucht nach ihm allerdings etwas gedämpft. Es war schwer, dabeizustehen und zuzusehen, wie er die Frau, die er heiraten würde, umarmte und küsste. Vor allem, wenn nicht sie diese Frau war, sondern ihre beste Freundin Ciara. Wenn sie nicht die Trauer und das Schuldbewusstsein in seinem Blick gesehen hätte, hätte sie dem Treffen nicht zugestimmt. Sie hätte hingenommen, dass sie ihre Gefühle für ihn begraben musste. Er hatte sie gebeten, ihn anzuhören, und das würde sie tun. Selbst, wenn es das Ende ihrer Träume bedeutete.

Alle drei befanden sie sich in einer schrecklichen Lage, und keiner von ihnen würde glücklich werden. Doch sie mussten weitermachen, um ihrer Familien und ihrer Ehre wegen. Ciara, das wusste Elizabeth, liebte Tavis, würde jedoch James heiraten – wegen der Vorteile, die eine Ehe mit ihm für ihre Familien mit sich brachte. James liebte Elizabeth – wenn er die Wahrheit sagte –, musste jedoch aus den gleichen Gründen Ciara heiraten: Familie und Ehre. Elizabeth liebte sowohl ihre Freundin als auch James. Aber sie musste danebenstehen und zusehen, wie sie heirateten, und sich damit abfinden, ein trauriges Leben zu führen, während die beiden zusammen waren.

Es war eine hoffnungslose Situation, die für alle in einem unglücklichen Leben enden würde.

Sie hörte Laub rascheln, drehte sich um und erblickte James. Er stand im Schatten eines großen Baums und betrachtete sie. Seine ernste Miene hellte sich einen Moment lang auf, als sich ihre Blicke trafen. Als er Elizabeth erreichte, war sein Gesichtsausdruck allerdings wieder ernst. Elizabeths Knie zitterten, und sie konnte nur schwer atmen, als sie sich vorstellte, dass nun das Ende ihrer Hoffnungen nahte.

James ergriff ihre Hand, hob sie an seine Lippen, küsste die innere Seite ihres Handgelenks und sandte Schauer durch ihren gesamten Körper. Sie, die Ciara geraten hatte, solche Gefühle nicht zuzulassen, war nun das Opfer jeder Empfindung, die über ihre Haut und durch ihr Blut strömte. Er setzte noch einen Kuss auf ihre Handfläche, bevor er sie hinter sich herzog, tiefer in den Schutz des Waldes hinein.

Wörter, solche, die sie sagen wollte, und andere, die sie sagen musste, jagten ihr durch den Kopf, während sie den Pfad verließen und ins dichtere dunklere Unterholz gingen, das sie vor unerwünschten Blicken schützte. Dann blieb er stehen und sah sie an, ohne ihre Hand loszulassen. Er zog sie sogar an sich und senkte den Kopf, um sie zu küssen. Und sie – verdammt sollte sie sein! – hob den Kopf, um den Kuss zu erwidern. Sie öffnete sich seiner Zunge, und er schmeckte sie intensiv. Elizabeth lehnte sich gegen ihn und hielt sich mit ihrer freien Hand an seinem ledernen Wams fest. Als ihr begieriges Wimmern durch den Wald und durchs Tal hallte, machte sie sich von ihm los.

Der Gedanke, wie sie mit ansehen musste, wie er Ciara küsste und liebkoste – so wie er jetzt Elizabeth küsste und liebkoste –, erinnerte sie daran, wohin ihr Weg führte. Sie rieb sich mit dem Handrücken über den Mund und versuchte, das Bedürfnis zu unterdrücken, das sein Kuss ausgelöst hatte. Sie sah ihn an. Ihr fiel auf, wie sich seine Brust hob und senkte, während er – den Blick weiter auf ihr Gesicht geheftet – tief und unregelmäßig atmete.

„Elizabeth, ich kann es erklären“, sagte er und trat wieder auf sie zu.

„Das Küssen? Die Art, wie du sie angefasst hast?“ Gegen den Schmerz und die Eifersucht, die in ihrer Stimme mitklangen, konnte sie nichts tun. Sie war verletzt und eifersüchtig und würde weder das eine noch das andere vor ihm verbergen.

Aye, das und mehr“, sagte er leise und griff nach ihren Händen. „Ich habe endlich einen Mann für dich gefunden.“

In ihrer Kehle und ihren Augen brannten Tränen. Ciara hatte vorgeschlagen, James solle in seinem Clan einen Ehemann für Elizabeth suchen, damit sie nach der Heirat von Ciara und James bei ihnen in Perthshire bleiben konnte. Aber jetzt – aus seinem Mund – klang der Vorschlag wie eine Demütigung.

„James, ich …“, begann sie. Kopfschüttelnd versuchte sie die Worte herauszubringen, die sie sagen wollte.

„Hör mir zu, Elizabeth“, sagte er und zog an ihren Händen, um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. „Das gestern war eine Art Test. Ich hatte angenommen, dass Ciara und ich keinerlei Gefühle füreinander hegen. Dieser Kuss hat es bestätigt. Ihr Mund, ihr Körper, das alles hat nicht die Wirkung auf mich, die du auf mich hast.“

Er zog sie in die Arme und küsste sie so lange, bis sie beide nach Atem rangen. Er ließ seine Hände über ihren Körper gleiten, bis sie auf ihren Pobacken lagen, und drückte sie an sich und gegen den unleugbaren Beweis der wachsenden Leidenschaft zwischen ihnen. Sie konnte ihn wegstoßen, doch sie ergab sich dem skandalösen Gefühl, das er in ihr auslöste, und rieb ihre Hüften an seinem starken Körper. Dann lehnte er sich ein Stück zurück und nahm ihr Gesicht in seine Hände.

„Mein Herz gehört dir, meine süße Elizabeth“, flüsterte er. Seine Worte, ein Liebesschwur, bewirkten nichts anderes, als ihr Herz in Stücke zu reißen.

„Aber du kannst nicht … Wir können nicht …“ Er schüttelte den Kopf und küsste sie, um sie zum Schweigen zu bringen. Dann sah er sie wieder an.

„Heirate mich!“

Sie erstarrte und blinzelte mehrere Male über die unglaublichen Worte, die er gerade hervorgestoßen hatte. Sie waren ein Verstoß gegen alles, wofür sie lebten, und sie weigerte sich, die Bedeutung dieser Worte zu verstehen. Als würde er nicht begreifen, dass sie nicht in der Lage war, zu erfassen, was er meinte, wiederholte er es.

„Heirate mich, Elizabeth! Werde meine Frau!“

Der Moment zog sich in die Länge. Währenddessen kämpfte Elizabeths Herz mit ihrem Verstand. Ihr Herz wollte hoffen. Doch das durfte es nicht.

„James, es ist vollkommener Unsinn, darüber auch nur nachzudenken. Es ist ganz und gar unmöglich! Es ist außerdem grausam. So etwas hätte ich nie von dir erwartet.“ Ihre Stimme klang anklagend. Sie riss sich los und wandte sich ab. Er sollte die Qual nicht sehen, die ihr gewiss ins Gesicht geschrieben stand. „Du bist mit einer anderen verlobt und nicht frei. Du darfst mich so etwas nicht fragen.“ Egal, wie sehr sich sie es sich wünschte.

„Und wenn ich frei wäre? Würdest du mich dann heiraten?“

Autor

Terri Brisbin
Das geschriebene Wort begleitet Terri Brisbin schon ihr ganzes Leben lang. So verfasste sie zunächst Gedichte und Kurzgeschichten, bis sie 1994 anfing Romane zu schreiben. Seit 1998 hat sie mehr als 18 historische und übersinnliche Romane veröffentlicht.
Wenn sie nicht gerade ihr Leben als Liebesromanautorin in New Jersey genießt, verbringt sie...
Mehr erfahren