Zum Ersten, zum Zweiten … zu mir!

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Bei einer Junggesellen-Versteigerung bietet Psychologin Shantel Wilson auf den Bruder ihres besten Freundes. Natürlich nur, weil Roman Lockett sie inständig angefleht hat, ihn vor einer aufdringlichen Verehrerin zu bewahren. Aber warum prickelt es dann plötzlich so unwiderstehlich erregend, als Shantel den Zuschlag für ein Date mit dem gut aussehenden Frauenliebling erhält? Im Rausch der Gefühle lässt sie sich von Roman zu einer einzigen Nacht der Leidenschaft verführen – so heiß wie folgenreich …


  • Erscheinungstag 01.03.2022
  • Bandnummer 2227
  • ISBN / Artikelnummer 0803222227
  • Seitenanzahl 144

Leseprobe

1. KAPITEL

Der Abend hatte gerade erst begonnen und Roman Lockett langweilte sich schon jetzt fast zu Tode.

Warum hatte er sich bloß von seiner Schwester Giana dazu überreden lassen, an dieser Junggesellenauktion zugunsten einer Stiftung für die Behandlung von Multipler Sklerose teilzunehmen? Ausgerechnet an einem Samstagabend? Weil er wie üblich hilflos gewesen war gegenüber der Überzeugungskraft der großen braunen Augen seiner kleinen Schwester, als sie ihn flehentlich angeblickt hatte.

In Gedanken war er immer noch beim angespannten Meeting vom gestrigen Tag. Als leitender Geschäftsführer des bekannten Footballteams Atlanta Cougars war er für die Spielerverträge verantwortlich. Nicht nur ihm, sondern auch seinem Vater Josiah Lockett, dem die Mannschaft gehörte, bedeutete es ungemein viel, den Publikumsmagneten und Quarterback DeMarius Johnson im Team zu behalten.

Die Verhandlungen mit dem Quarterback zogen sich wegen einer hohen Vermittlungsgebühr jedoch schon über Monate hin. Sein Vater Josiah glaubte daher, dass er es nicht schaffen würde, den Deal abzuschließen, doch Roman war nicht unvorbereitet in die Verhandlungen gegangen, auch wenn seine Strategie riskant gewesen war. Sie hatten den Zweijahresvertrag von DeMarius mit Option auf eine Neueinstellung auslaufen lassen müssen und dem Spieler anschließend ein so lukratives Angebot unterbreitet, dass der es nicht ausschlagen konnte.

Roman hoffte, dass sein Dad stolz auf ihn war. In den letzten Jahren hatte er ein außerordentlich gutes Händchen dafür bewiesen, junge Talente für die Cougars einzukaufen. Aus diesem Grund waren sie auf Rang fünf der Liga, und das war zu einem großen Teil sein Verdienst. Trotzdem rechnete sein Vater ihm all diese Erfolge nicht an. Vielleicht lag es daran, dass Roman sein ältestes Kind war, das er mit wesentlich mehr Strenge als die jüngeren Geschwister Julian, Giana und Xavier behandelte.

Roman stand am Rand des geschmackvoll dekorierten Ballsaales und beobachtete die elegant gekleideten Damen und Herren. Er erhaschte einen Blick auf Giana, die umherging, um die Gäste zu begrüßen und sie auf den Abend einzustimmen. Sie trug ein sonnengelbes schulterfreies Kleid und eine bezaubernde Diamant-Halskette. Das glänzende schulterlange schwarze Haar hatte sie sorgfältig gestylt. Sie wirkte entspannt und spielte ihre Rolle als Gastgeberin perfekt.

Die anwesenden Männer flirteten schamlos mit den weiblichen Gästen, wohl in der Hoffnung, dass die Damen bei der anschließenden Auktion Höchstsummen für sie bieten würden. So etwas hatte er jedoch nicht nötig.

Immerhin war er Roman Lockett, und jede Frau in Atlanta wusste, dass er eines Tages die Atlanta Cougars von seinem Dad übernahm. Seit drei Jahrzehnten spielten seine Eltern eine führende Rolle im gesellschaftlichen Leben der Stadt. Er war noch nicht lange im Saal und trotzdem bereits von mehreren schönen Frauen angesprochen worden, die keinen Hehl aus ihren verführerischen Absichten machten. Heute Abend jedoch erregte keine von ihnen sein Interesse.

Wie er diese Veranstaltung überstehen sollte, war ihm unbegreiflich. Ganz zu schweigen von einem Date mit einer dieser langweiligen reichen Ladys, die nachher das höchste Gebot auf ihn abgeben würde.

Doch dann sah er sie.

Eine zartgebräunte Schönheit in einem roten Kleid mit Spaghettiträgern. Im Gegensatz zu den auffälligen Outfits der anderen Frauen, die alles zeigten, was sie zu bieten hatten, wirkte ihr Kleid schlicht und unaufgeregt. Als sie sich umdrehte, fielen Roman jedoch ihre sinnlichen Rundungen und der tiefe Rückenausschnitt auf, der einen reizvollen Ausblick auf ihre verführerische Haut bot. Lediglich ein Hauch von Trägern hielt den Stoff davon ab, über ihre Schultern nach unten zu gleiten.

Zum ersten Mal an diesem Abend war Roman fasziniert. Die Frau kam ihm seltsam bekannt vor, doch er konnte sie nicht einordnen. Wer war sie bloß? Er musste es unbedingt herausfinden, weshalb er begann, auf sie zuzugehen. Allerdings wurde er von einer Schar flirtender Schönheiten aufgehalten, und als er es endlich schaffte, sich von ihnen loszureißen, war die geheimnisvolle Unbekannte nirgends zu sehen.

Sein Jagdtrieb war geweckt. Er konnte sich vorstellen, dass sie die Frau war, mit der er am Ende dieses Abends sehr gerne mehr Zeit verbringen würde. Daher hoffte er inständig, sie möge zurückkommen, weil sie die Einzige war, die ihn davor bewahren konnte, an Langeweile zu sterben.

Shantel Wilson war zufrieden mit dem Eindruck, den sie machte. Als Psychotherapeutin bekam sie nicht oft die Gelegenheit, sich für eine Abendveranstaltung zurechtzumachen. Ihr bester Freund Julian Lockett hatte sie förmlich angefleht, an diesem Abend auf ihn zu bieten, damit er nicht in Begleitung einer fremden Frau nach Hause fahren musste.

„Komm schon“, hatte er gedrängt. „Ich brauche deine Hilfe wirklich. Nach diesem wenig schmeichelhaften Artikel über meine Dates ist meine Mutter fuchsteufelswütend auf mich. Ich musste ihr versprechen, keine Dummheiten mehr zu machen. Wenn du mitmachst, weiß sie, dass ich mein Wort halte.“

„Für so eine Party habe ich überhaupt nichts anzuziehen“, versuchte Shantel sich herauszureden. Normalerweise trug sie Hosen, Seidenblusen und nur gelegentlich einen Rock.

„Darüber mach dir mal keine Sorgen. Ich kenne ein paar tolle Boutiquen in Buckhead.“

Genervt rollte sie mit den Augen. „Ich bin nicht eine deiner Freundinnen, Julian. Ich kann mir meine Sachen selbst kaufen.“

„Das weiß ich doch, aber vertrau mir. Mit einem Wahnsinnskleid fühlst du dich gleich viel besser in der Liga der Superreichen.“

Womit wohl alles gesagt wäre, dachte Shantel.

So war sie schließlich zu der angesagten Boutique gefahren, die Julian ihr so sehr ans Herz gelegt hatte, und war nicht enttäuscht worden. Die Verkäuferinnen waren umwerfend hilfsbereit, nachdem sie erwähnte, dass sie zur Lockett-Charity-Gala zu gehen beabsichtigte. Man hatte ihr Kleider in allen Farben und Formen angeboten, wohl in der Hoffnung, dass sie sich für das teuerste Exemplar entschied, doch Shantel hatte ein schlichtes rotes Chiffonkleid gewählt, das sie sich mit ihrem Gehalt aus der Praxis leisten konnte.

Ihr gefiel, wie es ihre sanften Rundungen umschmeichelte, und da der BH im Oberteil eingearbeitet war, verzichtete sie auf eine zusätzliche Stütze für ihren B-Cup. Die Verkäuferin in der Boutique hatte ihr zu zehn Zentimeter hohen Stilettos geraten, um ihre zierlichen eins sechzig optisch größer wirken zu lassen. Außerdem empfahl sie kostspielige Lingerie und eine farblich auf das Kleid abgestimmte Clutch-Handtasche.

Shantel hatte sich letztendlich für das komplette Outfit entschieden und kam sich daher heute Abend wie Cinderella im Märchenschloss vor. Allerdings würde sie darauf achten, keinen ihrer Schuhe zu verlieren, denn allein die Stilettos hatten achthundert Dollar gekostet.

Als sie den Blick durch den Ballsaal schweifen ließ, sah sie Roman Lockett. Der älteste Sohn der Locketts war hochgewachsen und umgeben von einer maskulinen Aura der Bestimmtheit. Er trug seinen zweifellos maßgeschneiderten Smoking wie eine Ritterrüstung, und mit seiner großen, athletischen Gestalt strahlte er männliche Entschlossenheit aus.

Shantel kannte keinen zweiten Mann, der sie so sehr beeindruckte, doch bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen sie sich begegnet waren, hatte er ihr nie Aufmerksamkeit geschenkt.

Wenn sie seinen verschlossenen Gesichtsausdruck richtig deutete, langweilte ihn die heutige Veranstaltung über alle Maßen. Ob man ihn zur Teilnahme gezwungen hatte? Plötzlich fiel ihr Julian wieder ein. Wo steckte der eigentlich? Erst hatte er sie angefleht, hierherzukommen und ihn zu retten, und jetzt ließ er sich nicht blicken.

Ihre Vorstellung von einem netten Samstagabend bestand eher aus einem heißen Bad, einem Glas Wein und einem unterhaltsamen Film bei Netflix. Doch Julians Überzeugungskraft hatte sie nichts entgegensetzen können.

Seit sie sich bei einer Collegeparty vor über zehn Jahren begegnet waren, war ihre Freundschaft von tiefer Zuneigung und Vertrauen geprägt. Sogar den Suizid ihrer Mutter und Julians unzählige Liebesaffären hatte ihre Freundschaft überstanden, was Julian jedoch nicht davon abhielt, sie gelegentlich zu ärgern.

Shantel verließ den Ballsaal, zog ihr Mobiltelefon aus der Clutch Bag und schrieb Julian eine Textnachricht.

Wo bist du?

Ihr entgingen die drei Punkte nicht, die ihr verrieten, dass Julian dabei war, eine Antwort zu verfassen. Dann verschwanden sie jedoch plötzlich. Shantel war sicher, dass er ihre Nachricht gelesen hatte, weswegen antwortete er also nicht? Seinetwegen war sie heute Abend überhaupt erst hergekommen, denn große gesellige Anlässe waren nicht ihr Ding. Sie bevorzugte Treffen unter vier Augen, was vermutlich der Grund dafür war, dass sie so gut in ihrem Job war.

Auf einer Farm aufgewachsen, war sie stets ein wenig unsicher und schüchtern gewesen. Das College war dem Mädchen vom Lande wie eine Wunderwelt vorgekommen. Sie war in einer Stadt groß geworden, in der jeder jeden kannte. Manchmal hatte sie sich gefragt, ob sie wirklich die richtige Entscheidung getroffen hatte – und ob sie jemals den richtigen Mann treffen würde.

Sie war so sehr in ihre Gedanken versunken, dass sie nicht bemerkte, dass jemand an sie herangetreten war. Erst als sie aufsah, entdeckte sie Roman, der sie mit geheimnisvoll dunklen Augen anblickte.

Endlich hatte er sie gefunden.

Plötzlich hatte der Abend, der so wenig verheißungsvoll begonnen hatte, eine überraschende Wendung genommen. Romans Laune besserte sich merklich, nachdem er sich aus den Fängen einiger Ladys befreit und die geheimnisvolle Fremde im roten Kleid ausfindig gemacht hatte. Jetzt, da er unmittelbar vor ihr stand, wusste er allerdings ziemlich sicher, dass er sie nicht zum ersten Mal sah.

„Kennen wir uns?“, fragte er und betrachtete ihr Gesicht. Sie strahlte nicht die typische Schönheit der Models und Schauspielerinnen aus, mit denen er sich normalerweise traf. Doch ihre Gesichtszüge waren ebenmäßig und klassisch schön mit der geschwungenen Nase und den roséfarbenen Lippen, die zum Küssen verführten.

Stirnrunzelnd sah sie ihn an. „Sagst du das zu allen Ladys, Roman?“

„Dann kennen wir uns also doch – zumindest Sie mich!“

Sie rollte mit den Augen und wollte sich zum Gehen wenden, er umfasste jedoch ihren Unterarm. „Warten Sie!“ Kaum hatte er sie berührt, als ihn ein Gefühl von Vertrautheit wie ein Blitzschlag traf. Ob sie es auch bemerkte? Offenbar nicht, denn sie sah missbilligend zu seiner Hand an ihrem Arm, und augenblicklich ließ er los. „Entschuldigen Sie bitte, aber wie heißen Sie?“

„Roman.“ Sie seufzte leise. „Ich bin es, Shantel Wilson. Julians Freundin.“

„Shantel?“ Interessiert betrachtete er sie und bemerkte erfreut, dass sich ihre Wangen unter seinem bewundernden Blick leicht röteten. „Du siehst einfach umwerfend aus.“ Er hatte sie wirklich nicht erkannt mit dem offenen langen Haar, das in sanften Wellen über ihren Rücken fiel, und dem sorgfältig aufgetragenen Make-up. Dazu diese Wahnsinnsabsätze, die dafür sorgten, dass sie ihm beinahe bis an Kinn reichte.

„Vielen Dank.“

„Immer wieder gerne“, erwiderte er lächelnd. „Was machst du denn hier?“

„Dein Bruder hat mich dazu überredet, heute Abend auf ihn zu bieten, doch er glänzt durch Abwesenheit. Ist das zu glauben?“

Roman lachte leise. „Leider ja.“ Julian war berühmt für seine Unzuverlässigkeit.

„Aber egal, ich wollte gerade gehen.“

„Nein, das kannst du nicht.“

Fragend zog sie eine Augenbraue hoch.

„Ich meine, wenn du schon mal hier bist, kannst du doch auch bleiben.“ Er wollte nicht, dass sie ging, denn Shantel Wilson war der einzige Lichtblick an diesem Abend.

„Und warum sollte ich das tun?“

„Weil es mich glücklich machen würde“, erwiderte er. „Und weil ich dich brauche.“

„Weshalb?“ Misstrauisch sah sie ihn an.

Er beugte sich vor, um leise in ihr Ohr zu sprechen. „Ich brauche dich, damit du mich vor den Frauen hier beschützt.“ Behutsam drehte er sie an den Schultern um, sodass sie den Ballsaal sehen konnte. „Schau nur. Die Geier warten auf Frischfleisch.“

Shantels Lachen wirkte wie Balsam auf seine Seele. „Heißt das, du bleibst?“, wollte er wissen. „Statt auf Julian bietest du einfach auf mich. Ich komme für den Einsatz auf, gleichgültig, wie viel du bieten musst“, schlug er vor.

„Willst du das wirklich?“, fragte sie. „Einige dieser Ladys wirken, als würden sie alles aufs Spiel setzen, um dich zu bekommen.“

„Mag sein, aber ich interessiere mich mehr für die Frau, die gerade vor mir steht.“ Seit er sie heute Abend gesehen hatte, war sie ihm nicht aus dem Sinn gegangen – was seltsam war angesichts der Tatsache, dass sie sich schon früher begegnet waren. Normalerweise fiel ihm eine Frau auf den ersten Blick auf oder gar nicht – bei Shantel war das anders.

„Also, wenn das so ist, kann ich wohl doch noch bleiben“, meinte sie und lächelte verschmitzt. „Es ist ja nicht so, als hätte ich etwas Besseres vor.“

Jetzt musste auch Roman lachen. „Bitte nicht zu viel Begeisterung.“

„Tut mir leid“, sagte Shantel. „Aber ich weiß wirklich nicht, wie ich das hinkriegen soll.“ Sie zeigte zwischen ihnen beiden hin und her.

„Was denn?“

„Du weißt schon.“

Wieder errötete sie, was sie in Romans Augen nur noch entzückender machte. Welche Frau in ihrem Alter wurde rot wie ein Schulmädchen? Nicht viele Frauen vermochten ihn zu überraschen, Shantel hingegen schon. Erst hatte er sie mit ihrem neuen Look nicht wiedererkannt und nun diese süße Verlegenheit. „Nein, ich weiß es nicht. Warum erklärst du es mir nicht einfach?“

„Diese ganze Katz-und-Maus-Sache, wenn Männer und Frauen ein Date haben und herausfinden wollen, was der andere denkt“, erklärte Shantel. „Ich habe darüber meine Abschlussarbeit am College geschrieben.“

„Deine Abschlussarbeit? Was hast du denn studiert?“

„Psychologie. Ich finde es wichtig, zu wissen, was hinter dem Verhalten von Menschen steckt.“

„Und haben dir deine Studien mehr Klarheit verschafft?“

„Sicher. Jetzt weiß ich wenigstens, dass ich nichts verstehe.“ Shantel lachte.

Roman musste mitlachen. Ihre Natürlichkeit war ansteckend und etwas, was er bei den Frauen, die er sonst so traf, nicht kannte.

Gern hätte er mehr über sie erfahren, doch in diesem Moment trat Giana ans Mikrofon und erklärte die Junggesellenauktion für eröffnet. Die teilnehmenden Männer wurden gebeten, sich hinter die Bühne zu begeben. Er hasste die Vorstellung, seine sexy Bekanntschaft jetzt schon verlassen zu müssen. „Bleibst du auch wirklich hier?“, fragte er. „Und biete auf mich, egal, wie hoch. Bitte.“

„Roman …“

Er mochte es, wie sie seinen Namen sagte, und wenn es nach ihm ginge, würde sie ihn in dieser Nacht noch oft aussprechen. „Sag einfach Ja“, forderte er sie auf. „Bitte“, fügte er hinzu, als er ihren missbilligenden Blick bemerkte.

„In Ordnung. Aber ich rate dir, jeden Penny wert zu sein.“

„Oh, das kann ich dir versichern“, sagte er lächelnd und genoss es, dass sie bei seinen Worten errötete. Ja, der Abend wurde immer besser und doch nicht der Reinfall, den er befürchtet hatte.

Backstage wartete Giana bereits auf ihn. „Da bist du ja endlich. Wo hast du denn gesteckt? Wir haben überall nach dir gesucht.“

„Entschuldige, ich hatte anderweitige Verpflichtungen.“

„Oh ja, das kann ich mir denken.“ Giana lächelte wissend. „Mich haben mittlerweile bereits ein halbes Dutzend Frauen gefragt, wie viel sie wohl bieten müssen, um heute Abend den Zuschlag für dich zu bekommen.“

„Du liebe Güte“, erwiderte Roman genervt. Er legte auf die Gesellschaft dieser Damen noch weniger Wert als auf eine Zahnwurzelbehandlung. Aus diesem Grund war er sehr glücklich darüber, ein Ass im Ärmel zu haben. Shantel würde die Auktion gewinnen, und er war entschlossen, danach alles Notwendige zu tun, um diese bezaubernde Schönheit in den Armen zu halten – und zwar die ganze Nacht lang.

Er spähte durch den Vorhang und sah Shantel im hinteren Teil des Saals stehen. Bei ihrem Anblick spürte er ein erregendes Prickeln auf der Haut und jeder Muskel in seinem Körper spannte sich erwartungsvoll an. Er verspürte den brennenden Wunsch, sie zu erobern – wenn auch nur für diese eine Nacht. Mehr konnte er ihr nicht anbieten, denn er wollte sich nicht binden. Was wohl Julian dazu sagen würde, falls er erfuhr, dass er mit seiner besten Freundin geschlafen hatte? Ob er es ihm übel nehmen würde?

War er wirklich bereit, das gute Verhältnis zu seinem jüngeren Bruder für einige wenige Stunden der Sinnlichkeit mit Shantel aufs Spiel zu setzen?

2. KAPITEL

Shantels Herzschlag hatte sich noch nicht beruhigt. Sie konnte kaum glauben, wie Roman auf ihre Verwandlung reagiert hatte. Nie hätte sie zu träumen gewagt, sein Interesse zu wecken. Wie er sie angesehen hatte! Dabei hatte er ihr bisher nie seine Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl sie ihn schon immer faszinierend gefunden hatte. Wo er hinkam, war seine Präsenz übermächtig, und sie war ihm aus dem Weg gegangen. Doch heute Abend fühlte sie sich mit ihrem neuen Outfit selbstbewusster als je zuvor.

War das der Grund für sein plötzliches Interesse?

Sie würde Geduld aufbringen müssen, um diese Frage zu beantworten, denn Giana Lockett stand auf der Bühne und dankte den Gästen für ihre Teilnahme an der Auktion. Da es für einen guten Zweck war, empfand Shantel keine Hemmungen, Roman Locketts Geld auszugeben.

Allerdings hatte sie keine Ahnung gehabt, wie hitzig es bei der Versteigerung zugehen würde, bis sie endlich begann.

Um einige Männer wurde erbittert gekämpft. Der erste Kandidat war ein Doktor mit sündhaft blauen Augen. Als er sich auf der Bühne präsentierte und Giana das Anfangsgebot nannte, erklangen tosender Beifall und ermunternde Zurufe. Dem Doktor folgte ein aufstrebendes Basketballtalent. Zwei der anwesenden Bieterinnen prügelten sich beinahe darum, den Zuschlag für ihn zu ergattern.

Als endlich Roman an der Reihe war, bekam Shantel feuchte Hände. Ängstlich fragte sie sich, ob es ihr gelingen würde, die Auktion zu gewinnen. Die Frauen um sie herum verliehen ihr das Gefühl, in einem Haifischbecken festzusitzen.

„Und jetzt kommen wir zum letzten Bachelor dieses Abends, der niemand anders als mein großer Bruder Roman Lockett ist“, sagte Giana. „Bitte begrüßen Sie ihn mit einem ordentlichen Applaus.“

Aufmerksam beobachtete Shantel, wie Roman auf der Bühne entlangschritt. Der Mann war unglaublich attraktiv. Die gebräunte Haut, die dunklen Augen und diese verführerischen, männlichen Lippen. Kein Wunder, dass sie sich so zu ihm hingezogen fühlte. Seine Ausstrahlung war überwältigend, und sein Bartschatten verlieh ihm das Aussehen eines verwegenen Piraten. Natürlich war er das nicht, sondern nur ein Mann. Dafür aber ein ziemlich sinnliches Exemplar.

Als Roman das Ende der Bühne erreichte, sah er sich suchend um. Sie überlegte noch, ob er versuchte, sie zu finden, da trafen sich ihre Blicke, und mit einem Mal fühlte sich ihr Mund ganz trocken an. Verunsichert sah sie über ihre Schulter, um sicherzugehen, dass er nicht vielleicht eine Frau hinter ihr meinte. Allerdings bemerkte sie die neiderfüllten Blicke der anderen Bieterinnen. Verwirrt sah sie wieder zur Bühne. Noch immer schaute er sie an.

Erregung durchflutete ihren Körper und ihr stockte der Atem. Sie war froh, dass sie einen Sitzplatz hatte, sonst wäre sie womöglich ohnmächtig geworden, denn Romans Blick ließ keinen Zweifel daran, dass er sie in Gedanken bereits entkleidete. Verlegen schaute sie zu Boden.

„Roman Lockett ist nicht nur der beste Bruder, den man sich vorstellen kann, sondern er hat auch Wirtschaftsabschlüsse in Harvard und Wharton vorzuweisen“, pries Giana ihn an. „Außerdem ist er für die Spielerverträge der Atlanta Cougars verantwortlich, und wenn er nicht gerade arbeitet, ist er ein echter Familienmensch, der viel Zeit mit den anderen Locketts verbringt. In seiner Freizeit spielt er Racquetball und Golf und liebt es, zu laufen und die Welt zu bereisen. Ich verspreche Ihnen, dass Sie die schönste Zeit Ihres Lebens verbringen werden, wenn Sie das Glück haben, meinen Bruder für den heutigen Abend zu gewinnen. Und jetzt übergebe ich an den Auktionator.“

Der legte gleich los. „Wir beginnen mit einem Gebot von zehntausend Dollar.“

Das war das höchste Startgebot dieses Abends. Shantel holte überrascht Luft, als sie den Betrag hörte, doch schon im selben Augenblick hob eine Frau zu ihrer Rechten ihre Karte hoch.

Der Auktionator witterte ein gutes Geschäft. „Wer zahlt zehntausendfünfhundert?“, fragte er gleich darauf.

Eine andere Frau meldete sich.

„Höre ich elftausend?“

Jetzt war eine dritte Bieterin eingestiegen.

Shantel sah zu Roman, der sie unverwandt anstarrte. Hastig hob sie ihr Gebotsschild. „Zwölftausend!“, rief sie.

Nun begann die Schlacht zwischen ihr und den anderen drei Frauen. Entsetzt stellte sie fest, dass die Gebote immer höher wurden, bis sogar zwanzigtausend Dollar für eine Nacht mit Roman Lockett im Raum standen.

„Fünfundzwanzigtausend.“ Die Dame neben ihr lächelte ihr zu.

Das war eine unglaublich hohe Summe, und Shantel wusste nun, was sie zu tun hatte. Es ging um alles oder nichts, denn sie befürchtete, sich ansonsten ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der anderen Bieterin liefern zu müssen.

Also sprang sie auf. „Fünfzigtausend!“

Erstaunen breitete sich unter den Zuschauenden aus, und die beiden ersten Bieterinnen legten ihre Schilder ab, um ihr und der anderen Frau das Feld zu überlassen.

„Er gehört Ihnen“, sagte ihre Rivalin und verließ enttäuscht den Ballsaal.

Erleichtert atmete Shantel aus. Bis eben war ihr gar nicht bewusst gewesen, dass sie die Luft angehalten hatte.

„Herzlichen Glückwunsch zu einem besonderen Abend mit Roman Lockett für fünfzigtausend Dollar“, rief der Auktionator aus. „Ich wünsche Ihnen viel Spaß. Los, hol sie dir, Tiger“, feuerte er Roman an, der daraufhin von der Bühne sprang und zu ihr kam.

„Du hast es tatsächlich geschafft!“ Er hob sie in Luft. „Ich gehöre ganz dir“, sagte er mit seiner tiefen, sexy Stimme und setzte sie wieder ab. „Tanz mit mir“, forderte er sie auf und streckte ihr eine Hand entgegen.

Misstrauisch sah Shantel ihn an und fragte sich, worauf sie sich da bloß eingelassen hatte.

„Ich verspreche dir, dass ich nicht beiße“, erklärte er, als sie nichts sagte. „Außerdem brauchst du den Scheck über fünfzigtausend Dollar, den ich bei mir habe.“

Er lächelte freundlich, daher nahm sie zögernd seine Hand. Als sie seine Finger auf ihrer Haut spürte, breitete sich ein wohliges, warmes Kribbeln in ihrem Bauch aus, und sie wusste sofort, um was es sich handelte.

Lust.

Romans Blick verdunkelte sich vor Verlangen, und ihr war klar, dass er genauso wie sie diese seltene, unverbrüchliche Verbindung zwischen ihnen empfand. Obwohl sie am liebsten die Flucht ergriffen hätte, gestattete sie ihm, sie zur Tanzfläche zu führen. Dort angekommen umfasste er ihre Taille und zog sie an sich – so dicht, dass sie den würzigen verführerischen Duft einatmete, der von ihm ausging. Wieso, fragte sie sich, ist der mir früher nicht aufgefallen?

Weil sie sich nie gestattete, einem anderen Menschen zu nahe zu kommen. Heute Abend allerdings musste sie mit dieser Gewohnheit brechen. Bewegungslos nahm sie wahr, wie Roman die andere Hand auf ihre Schulter legte und ihr behutsam eine Haarsträhne von der Wange strich, um ihr etwas ins Ohr zu wispern.

„Danke, dass du mich gerettet hast.“

Verwirrt blickte sie ihn an.

„Wo wäre ich, wenn du nicht so außerordentlich viel geboten hättest? Auf jeden Fall nicht bei der schönsten Frau im Saal.“

Sie schüttelte den Kopf. „Sag so etwas nicht, Roman. Nicht, wenn du es nicht so meinst.“

„Ich meine es aber so.“ Er unterbrach den Tanz.

Deutlich spürte sie die Wärme seiner Hand auf ihrer Schulter. Seine Worte machten sie sprachlos. Sie kannten sich seit über einem Jahrzehnt, und nie war so etwas zwischen ihnen geschehen.

Mit Männern wie Roman hatte sie keine Erfahrung. Er war welterfahren und bewegte sich in völlig anderen Kreisen als die Akademiker, mit denen sie sich gewöhnlich traf. In seiner Nähe spürte sie ein aufregendes Kribbeln im Bauch, und ihr Pulsschlag erhöhte sich.

„Gut, dass wir das geklärt haben“, sagte er zufrieden und setzte den Tanz fort. „Denn der Abend ist noch jung.“

Und genau davor fürchtete Shantel sich, denn sie hatte nicht die geringste Ahnung, was sie erwartete.

Roman stellte rasch fest, dass Shantel zurückhaltend war. Er war es gewohnt, mit Frauen umzugehen, die die Spielregeln kannten. Er bemerkte sofort, wenn jemand unaufrichtig war, doch Shantel zählte nicht dazu. Wenn er gewusst hätte, was für eine Schönheit sich hinter ihrer Alltagsfassade verbarg, hätte er schon viel früher einen Annäherungsversuch gestartet.

Autor

Yahrah St John
Yahrah St. John hat bereits dreißig Bücher geschrieben. Wenn sie nicht gerade zu Hause an einer ihrer feurigen Liebesgeschichten mit unwiderstehlichen Helden und temperamentvollen Heldinnen arbeitet und sie mit einem Schuss Familientragödie würzt, kocht sie gern aufwändige kulinarische Leckereien oder reist auf der Suche nach neuen Abenteuern um die Welt....
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