DER FÜRST DER DUNKELHEIT

DER FÜRST DER DUNKELHEIT

Erscheinungstag:Di, 19.10.2010
Bandnummer:0008
Bestellnummer:8063100008
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Nicht mehr lieferbar

DER FÜRST DER DUNKELHEIT von: Shannon Drake

Über diesen Roman:

Ich entführe dich in eine Welt aus Blut, Tod und Dunkelheit! Lauren fröstelt, als sie in die Kristallkugel blickt. Darin schimmert etwas Dunkles, Rotes. Es nimmt Gestalt an … ein Vogel, etwas mit Flügeln! Im nächsten Moment sieht Lauren die Gestalt eines Mannes, hört ein höhnisches, grausames Gelächter – und die Worte "Ich werde kommen, um dich zu holen!" Voller Angst sucht sie bei dem attraktiven Vampirjäger Mark Schutz. Sie fühlt sich ihm so verbunden, als wären sie Seelenverwandte … Doch sie ahnt nicht, dass ausgerechnet er sie immer tiefer in einen verhängnisvollen Kampf ziehen wird. Denn Laurens Verfolger ist kein Unbekannter für Mark!

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Leseprobe

Aus: DER FÜRST DER DUNKELHEIT von SHANNON DRAKE

aus dem Roman "Der Fürst der Dunkelheit" von Shannon Drake


"Da", sagte Lauren und zeigte einfach ins Blaue.
Die Frau, die sie sich damit unwillkürlich ausgesucht hatte, saß an einem kleinen tragbaren Tisch mit Blick auf die Kathedrale. Sie schien älter zu sein als die drei Freundinnen, aber ihr genaues Alter war schwer zu sagen. Ihr Haar war mit einem Schal zurückgebunden, sie trug ein weißes Leinenhemd und einen Rock. Sie hatte strenge, aber wunderschöne Gesichtszüge, und der sanfte goldene Schimmer ihrer Haut verriet ihre multiethnische Herkunft. Im Moment sprach sie sehr ernst mit einem Mann, der ihr auf einem Stuhl gegenübersaß, und zeigte dabei auf die Tarotkarten, die sie vor ihm auslegte. Eher als im French Quarter des New Orleans der Gegenwart hätte sie auf einem europäischen Marktplatz während der Renaissance sitzen können. Hinter ihr stand ein kleines rotes Zelt, das auf ein mittelalterliches Schlachtfeld gepasst hätte. Darin war ein weiterer Tisch, bedeckt mit einem Tuch, auf dem der Mond und die Sterne abgebildet waren. Auf dem Tisch stand eine Kristallkugel.
"Sie hat schon einen Kunden", bemerkte Deanna.
"Das dauert bestimmt nicht mehr lange." Lauren zuckte die Schultern. Sie war nicht sicher, warum sie ausgerechnet auf diese Frau gezeigt hatte, aber nachdem es nun einmal geschehen war, fühlte sie sich plötzlich sehr entschlossen. Mit einem Mal ging ihr auf, dass sie doch wusste, wieso – sie hätte diese Frau gern gezeichnet. Ihr Gesicht war atemberaubend.
"Wir können auch da drüben zu Madame Zorba gehen", witzelte Heidi und deutete mit dem Kopf auf eine jüngere Frau gleich daneben.
Lauren grinste. Bei Madame Zorba handelte es sich ganz eindeutig bloß um eine verkleidete Studentin. "Mir gefällt diese Frau hier."
"Die Straße hoch gibt es außerdem noch so einen gut aussehenden Zigeuner", meinte Heidi.
"Du bist doch verlobt", meinte Deanna lachend.
"Schon gut, aber du und Lauren, ihr könntet mal wieder einen Kerl gebrauchen", sagte Heidi.
"Toll. Schönen Dank", erwiderte Deanna.
"Das fehlt mir gerade noch, ein Zigeuner", sagte Lauren. Sie behielt das Lächeln im Gesicht. Heidi, verdammt noch mal, du weißt genau, dass ich nicht auf der Suche nach einem Mann bin.
"Du musst dich ja nicht gleich in ihn verlieben, ihn einpacken und mit nach Hause nehmen", sagte Heidi zu ihr. Dann fügte sie sanft hinzu: "Aber du könntest dich doch mal verabreden. Ist schließlich schon über ein Jahr her."
"Danke für den Rat, Mom", murmelte Lauren. Sie blieb stehen, erschauerte plötzlich, blickte nach oben. Der Nachthimmel war wolkenverhangen, und es war auf einen Schlag kühl geworden. Der Mond, dachte sie, scheint durch die Wolken dringen zu wollen, schafft es aber nicht. Sie verzog das Gesicht. Das war seltsam. Wo der Mond sein sollte, war nur ein rotes Glühen zu sehen.
"Morgen könnte es Regen geben", sagte sie.
"Eigentlich soll es doch das ganze Wochenende schön bleiben", meinte Deanna.
Lauren zuckte wieder die Schultern. "Sieh dir den Himmel an."
"Ach, na ja, ist vielleicht nur Smog", erwiderte Deanna.
"Hey, wir sind doch nicht in L. A." Heidi lachte.
"Was – heißt es bloß Abgase, wenn man in L. A. ist?", wollte Deanna wissen.
"Es ist nur ein zorniger roter Himmel", murmelte Lauren schaudernd.
Heidi stöhnte. "Großer Gott, wir sind noch gar nicht bei der Wahrsagerin gewesen, und schon redet sie poetisches Zeug über drohendes Unheil."
"Es sieht bloß so komisch aus", sagte Lauren.
"Ist der Wind nicht auch irgendwie seltsam?", neckte Heidi.
"Der ist tatsächlich ein bisschen kühl geworden", erwiderte Lauren.
"Na, Gott sei Dank." Deanna atmete ein.
"Wisst ihr was, wir könnten doch einfach noch was trinken gehen", schlug Lauren vor.
Heidi kicherte. "Der Typ ist fertig. Gehen wir."
Lauren seufzte ungeduldig. "Nur dass ihr's wisst, ihr beiden seid diejenigen, die das unbedingt machen wollen. Ich will euch den Spaß nicht verderben, aber fürs Protokoll: Ich bin gegen diesen Blödsinn."
"Bei diesem ganzen Trip geht es doch nur um Blödsinn", erinnerte Heidi sie. "Ich werde heiraten. Keine verrückten Wochenenden mehr mit den Mädels. Keine abenteuerlichen Reisen. Ich meine, Barry ist klasse, es wird ihm schon nichts ausmachen, wenn ich mal für ein paar Tage mit euch verschwinden will, aber … Na ja, ihr wisst schon. Und ich garantiere euch, der leistet sich bestimmt einen von diesen wilden Junggesellenabschieden mit Stripperinnen und allem, und sein bescheuerter Bruder sorgt auch noch dafür, dass ihm eine einen Lap Dance hinlegt."
"Ich besorge dir gern einen Lap Dance", sagte Lauren.
Heidi lachte. "Ich will aber keinen Lap Dance. Und jetzt sei mir zu Gefallen, Sklavin."
"Ich bin total zu Gefallen", murmelte Lauren. "Gehen wir."
Als sie auf die Frau zutraten, merkte Lauren, dass sie genauso genervt aussehen musste, wie sie sich fühlte. Entweder das, oder sie hatte sich selbst irgendeine lachhafte Paranoia eingeredet. Denn die Frau schien bei ihrem Anblick die Stirn zu runzeln, als wäre sie besorgt. Trotzdem fiel Lauren immer noch auf, wie kraftvoll ihre Gesichtszüge waren. Sie fragte sich, ob sie wohl den Mut aufbrächte, im passenden Moment zu fragen, ob sie eine Zeichnung von ihr machen dürfe.
Nirgends ein Namensschild an ihrem Tisch, sie nannte sich nicht Madame X oder Madame Zenia oder nach irgendeinem anderen Klischee. Sie erhob sich, streckte einen eleganten Arm aus und hielt ihnen eine schlanke Hand mit polierten Nägeln hin. Sie sagte einfach nur: "Hallo."
"Hi", erwiderte Heidi fröhlich.
Die Frau betrachtete Heidi todernst. "Sie wollen in die Zukunft sehen?"
"Ganz bestimmt." Heidi stellte sich vor. "Ich bin Heidi Weiss, und ich werde bald heiraten. Ich könnte ein paar gute Ratschläge gebrauchen."
Die Frau nickte, aber man konnte sehen, dass sie aus Heidis freundlichen Worten herausgelesen hatte, dass Heidi nicht im Geringsten an all das glaubte, was sie hier anbot. Für Heidi war alles bloß Spaß.
"Ich bin Deanna Marin", sagte Deanna und trat vor. "Und das ist Lauren Crow."
Die Frau zog leicht eine Augenbraue hoch und musterte Lauren. "Crow?"
"Man hat mir gesagt, mein Urgroßvater wäre ein Cherokee gewesen." Crow bedeutete übersetzt Krähe, war aber auch der Name eines Indianerstammes. Lauren schüttelte der Frau die Hand. Eine Menge Kraft lag in ihrem Handschlag. Auf seltsame Art fand Lauren das beruhigend.
"Ich selbst habe auch Cherokee-Blut in den Adern. Wir haben dieselben grünen Augen."
"Das haben wir", stimmte Lauren zu, obwohl sie gar nicht sicher war, ob die grünen Augen tatsächlich vom Cherokee-Teil ihrer Familie stammten.
"Sie sind groß, knapp eins achtzig?"
"So ungefähr. Ein anderer Großvater kam von den Orkney Islands. Ein breiter Riese, hat man mir erzählt. Teilweise Wikinger, teilweise Schotte."
"Ah, und deshalb haben Sie rote Haare."
"Ich finde sie eher rotbraun."
Die Frau lächelte. Lauren musste zugeben, dass sie ihr sympathisch war, aber gerade deswegen wollte sie sich erst recht nicht mehr die Zukunft von ihr vorhersagen lassen. Stattdessen hätte sie diese Frau gern dazu eingeladen, etwas mit ihnen zu trinken.
"Ich bilde mir gern ein, dass ich noch nicht grau werde. Ich heiße Susan", sagte die Frau.
Heidi fing an zu kichern. "Oh, tut mir leid", entschuldigte sie sich rasch. "Es wirkt bloß alles so … so normal."
Susan erwiderte mit einem leisen Lächeln: "Das Leben ist normal, der Zyklus des Lebens ist normal, die Luft, die wir atmen, ist normal. So viele Dinge sind normal, einschließlich vieler Sachen, die wir noch nicht verstehen können."
"Sie haben ein wunderschönes Gesicht", hörte Lauren sich selbst herausplatzen.
Bei diesem Kompliment neigte Susan leicht den Kopf. Als sie erneut aufsah, lächelte sie. "Sie sind Künstlerinnen?"
"Ich bin eigentlich Grafikdesignerin", sagte Deanna. "Heidi und Lauren allerdings können alles zeichnen, was es auf dieser Welt gibt. Sie sind fantastisch."
"Und Sie würden gern eine Zeichnung von mir machen?" Susan sah Lauren an.
"Das fände ich toll."
"Deswegen sind wir aber nicht hier", sagte Heidi.
"Ah, sicher, die Zukunft." Susan hob die Hände. "Was wird die Zukunft bringen? Möchten Sie, dass ich aus Ihrer Hand lese? Oder sollen wir mal schauen, was in den Karten steht? Und dann gibt es natürlich immer noch die Kristallkugel."
"Jede von uns sollte etwas anderes probieren", schlug Deanna vor.
"Ich nehme die Tarotkarten", sagte Heidi.
"Ich das Handlesen", beschloss Deanna.
Lauren zuckte mit den Schultern. "Dann eben die Kristallkugel."
Susan nickte und zeigte auf ein paar Klappstühle im Innern des Zeltes. "Lauren, Sie dürfen gern zeichnen, wenn Sie wollen. Ich fange mit der Braut an."
Lauren hatte immer einen kleinen Zeichenblock in ihrer Handtasche, aber sie fragte sich, woher Susan das wusste. Sie war leicht irritiert. Oder eher ziemlich irritiert, wenn sie ganz ehrlich sein sollte. Aber dann sagte sie sich, dass Susan ja bereits wusste, dass sie Künstlerinnen waren. Der Gedanke, dass sie einen Zeichenblock dabeihaben könnte, war lediglich eine logische Schlussfolgerung. Zweifellos lernten die meisten Menschen, die sich mit so etwas wie Wahrsagen ihren Lebensunterhalt verdienten, schnell, ihre Kundschaft richtig einzuschätzen, sehr viel aus wenigen Worten herauszulesen und intuitiv zu wissen, wie sie sich verhalten mussten.
Deanna hatte die kleinen Holzstühle aus dem Zelt geholt. Sie setzte sich neben Heidi, während Lauren ihren Stuhl etwas zurückschob und ihren Zeichenblock herausholte. Als sie sich hinsetzte und zusah, wie Susan Heidi erklärte, wie sie ihre Karten aussuchen sollte, hörte sie die Geräusche um sich herum. In der Entfernung Musik, die aus den Bars drang. Leute unterhielten sich, andere gaben angesichts der auf der Straße feilgebotenen Kunstwerke Ahs und Ohs von sich. Gegenüber, vor der Kathedrale, hatte ein einsamer Flötist seine Mütze umgedreht auf den Boden gelegt, und jetzt spielte er ein klagendes und wunderschönes Stück.
Sie sah erneut hoch zum Himmel. Noch immer zogen schwere Wolken über den Mond wie ein roter Vorhang.
Sie musterte Susan. Die Frau war sehr zurückhaltend. Elegant. Überhaupt nicht das, was sie erwartet hatte. Ihr Bleistift glitt über das Papier. Zuerst zog sie die Linien, dann fügte sie Schatten und Schattierungen hinzu. Zum Schluss den Hintergrund, die Bäume um den Platz herum, die Bürgersteige, das Zelt, die Statue von Präsident Andrew Jackson, die sich weit hinter Susan erhob.
"Ups! Was soll das denn heißen?", fragte Heidi. Laurens Aufmerksamkeit richtete sich auf den Tisch, wo Heidi eine Karte umgedreht hatte, auf der ein Skelett zu sehen war.
"Das bedeutet Tod, oder nicht?", fragte Heidi.
Susan schüttelte den Kopf. "Oftmals weist es auf eine Veränderung hin, ein Ende, damit es einen neuen Anfang geben kann. Sie sind dabei, Ihr Leben als Single zu beenden. Sie werden ein neues Leben beginnen."
"Huh", flüsterte Heidi. Obwohl das amüsiert klingen sollte, war sie, wie Lauren glaubte, in Wirklichkeit sehr erleichtert, und ihr wurde wieder unbehaglich zumute.
"Und was heißt das?" Deanna zeigte auf eine andere Karte.
"Liebe." Susan sah Heidi an. "Sie können ganz sicher sein – Ihr Verlobter liebt Sie sehr. Sie sind alles, was er sich jemals gewünscht hat, alles, was er in seinem ganzen Leben braucht."
"Oh." Heidi holte glücklich Luft. "Das geht mir mit ihm genauso."
"Ja, das kann ich sehen", murmelte Susan.
"Und bei der Hochzeit wird es keine Probleme geben?", fragte Heidi.
"Keine Hochzeit geht ganz ohne Probleme über die Bühne", erwiderte Susan sachlich, sammelte die Karten ein und packte sie auf einen säuberlichen Stapel. "Aber Sie lieben einen Menschen, und Sie werden ebenfalls sehr geliebt."
"Haben Sie vielen Dank." Heidi erhob sich und warf Lauren einen Blick zu, der ganz eindeutig besagte: Na, siehst du? Nichts, wovor man Angst haben muss.
Lauren lächelte zögernd und fragte sich, ob Heidi wirklich zugehört hatte. Susan hatte überhaupt nichts Eindeutiges über Heidis Hochzeit gesagt – nur etwas über Hochzeiten allgemein. Und sie hatte gesagt, das Skelett weise oftmals auf eine Veränderung hin.
Andererseits, sagte Lauren sich, bin ich ja vielleicht auch diejenige, die etwas aus Worten heraushört, das gar nicht gesagt worden war.
"Dann mal zum Handlesen", meinte Deanna. Sie tauschte mit Heidi die Plätze. Dabei warf sie einen Blick auf Laurens Zeichnung und verzog das Gesicht.
"Was ist damit?", fragte Lauren.
"Ach nichts, nehme ich an. Eine tolle Zeichnung. Bloß dass … Na ja, du hast das Skelett in den Mittelpunkt gestellt."
"Hab ich nicht!", widersprach Lauren und blickte auf ihre Zeichnung. Sie fand, es war eine ihrer besten. Sie hatte nicht einfach ein zweidimensionales Bild hingeworfen, sondern ihm große Tiefe verliehen. Sie hatte die seltsame und fesselnde Schönheit getroffen, die Susan an sich hatte. Sie hatte die Atmosphäre des Square eingefangen. Beinahe konnte man die Musik um sie herum hören, wenn man sich die Zeichnung ansah.
Aber trotzdem …
Deanna hatte recht. Irgendwie hatte sie die Tarotkarte bis ins kleinste Detail wiedergegeben, sodass sie unweigerlich den Blick des Betrachters auf sich zog und so zum Mittelpunkt des ganzen Bildes wurde.
"Zeichne mich bloß nicht", flüsterte Deanna ihr zu.
"Schon gut", versicherte Lauren ihr ruhig.
Susan beobachtete die beiden. Deanna bemerkte es und lächelte reumütig. "Lauren ist auch mal verlobt gewesen."
"Und der junge Mann ist gestorben", sagte Susan.
Das ist aber verdammt gut geraten, dachte Lauren nervös. Obwohl, es gab ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder hatten sie sich getrennt, oder er war gestorben. Ihr war bewusst, dass sie nur eine von vielen jungen Frauen dieser Zeit war, denen es so erging. Sie hatte sich in einen Soldaten verliebt. Er war in den Krieg gezogen. Ein halbes Jahr lang hatten sie einander E-Mails geschrieben, und dann hatte sie keine Antworten mehr bekommen.
Bis der Lieutenant von der Army bei ihr zu Hause vor der Tür gestanden hatte.
Sie hatte alles durchgemacht. Die Verzweiflung, die Wut. Und dann waren die Wunden geheilt. Sie glaubte nicht, dass sie irgendwelche fürchterlichen Folgeschäden davongetragen hatte. Sie war nur nicht aktiv darauf aus, sich noch einmal zu verlieben. Aber wenn der richtige Mann auftauchte …
Wäre sie bereit?
Sie wusste es nicht.
"Es tut mir so leid", sagte Susan ernst zu Lauren. Sie meinte es offenkundig ganz aufrichtig, wodurch Lauren sich auf einmal verschwommen schuldig fühlte, obwohl ihr nicht klar war, wieso.
"Vielen Dank." Sie versuchte das unbehagliche Gefühl zu verdrängen. "Aber na ja, das ist die Vergangenheit, und wir wollen in die Zukunft sehen, oder nicht? Was lesen Sie denn in Deannas Hand, Susan?"
Susan musterte Deannas Handfläche und sah mit ernstem Gesichtsausdruck wieder auf.
"Was denn?", wollte Deanna ungeduldig wissen.
"Also, bis jetzt verrät sie mir, dass Sie überhaupt nicht gern Hausarbeit machen", sagte Susan.
Sogar Deanna musste lachen. "Okay, da bin ich ein Versager. Im Ernst, darin bin ich gar nicht gut, also lass ich es einfach gleich bleiben."
"Keine Sorge, zweimal die Woche kommt eine wunderbare Frau zu ihr und erledigt das für sie", versicherte Heidi Susan.
Susan fuhr mit der Fingerspitze eine Linie in Deannas Handfläche entlang.
"Das ist die Lebenslinie, stimmt's?", fragte Heidi.
Susan zuckte die Schultern.
"Sieht nicht besonders lang aus", meinte Deanna besorgt.
Susan sah Deanna an und schüttelte den Kopf. "Oft bedeutet das alles nur, was wir daraus machen. Die Linie, es ist wie bei der Karte. Es muss überhaupt nichts Schlimmes heißen. Es weist auf Veränderung hin. Eine Veränderung im Leben. So wie Heidi heiraten wird."
"Ich hab nicht mal einen festen Freund", sagte Deanna.
"Sie sind eine schöne Frau." Susan wich aus.
"Was sehen Sie sonst noch?"