Weil mein Herz dich nie vergaß

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

Ist das tatsächlich Blane Andrews? Katie traut ihren Augen nicht, als ein umwerfend attraktiver Mann am Valentinstag ihr Café in Melbourne betritt. Nach sechs Jahren ist ihre erste große Liebe wieder da – und scheinbar fest entschlossen, ihr Herz zurückzuerobern …


  • Erscheinungstag 04.04.2024
  • ISBN / Artikelnummer 9783751529402
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Katie Henderson hasste den Valentinstag.

Ein Tag, der nur dem übertrieben schmalzigen Kommerz diente. Die Sache mit den Herzen und Blumen funktionierte vielleicht für diejenigen, die dumm genug waren, an Romantik zu glauben, aber sie wusste es besser.

Und wie sie es besser wusste.

„Das war heute vielleicht ein Andrang, hm?“

Katie legte den Lappen beiseite, mit dem sie über die makellose Edelstahloberfläche der Theke wischte, und lächelte Anna, ihre beste Mitarbeiterin und engste Freundin, müde an.

„Unser bester Tag im ganzen Jahr.“ Sie lehnte sich gegen die Theke und verlagerte ihr Gewicht von einem schmerzenden Fuß auf den anderen. Ihre kniehohen schwarzen Lederstiefel mit dem hohen Blockabsatz mochten fantastisch aussehen und ihr Image als trendige, junge Besitzerin des angesagtesten Cafés in den Melbourner Docklands unterstreichen, aber sie waren eben nicht gerade bequem.

„Alle Cafés und Restaurants hier waren heute brechend voll. Schön zu wissen, dass die Romantik noch lebt.“

Katie konnte gerade noch verhindern, dass sie vor Abscheu die Nase krauszog – aber nur knapp. „Klar, es ist gut fürs Geschäft, aber das ganze Theater für einen einzigen Tag, wenn die Paare den Rest des Jahres wahrscheinlich kaum miteinander sprechen, ist doch ziemlich übertrieben, oder?“

Da sie in den vergangenen sechs Jahren am Valentinstag immer gearbeitet hatte, war sie gezwungen gewesen, die verliebten Pärchen, deren vertrauliches Lächeln, das Händchenhalten, die Rosen und die gelegentlichen Heiratsanträge mitzuerleben.

Jedes Mal war sie erleichtert gewesen, dass sie selbst sich von diesem ganzen Quatsch distanziert hatte. Aber wenn sich das Café leerte und die Teelichte herunterbrannten, wünschte sie sich das, was sie früher einmal an diesem Tag gehabt hatte … vor Ewigkeiten.

„Du bist die einzige Frau, die ich kenne, die keine einzige romantische Ader besitzt.“ Anna wedelte fassungslos vor ihrem Gesicht herum. „Vielleicht solltest du den kleinen, molligen Kerl mit dem Bogen einmal einen Pfeil auf dich abschießen lassen.“

„Niemals!“ Amors Pfeil hatte sie bereits einmal getroffen, und das war überaus schmerzlich gewesen. „Außerdem habe ich meine Nische gefunden.“ Sie lachten beide, als Katie Anna eine Serviette mit dem frechen lila Aufdruck Café Nishe vor die Nase hielt. „Siehst du? Hier steht’s.“

„Und was die Chefin sagt, stimmt. Ja, ja, ich weiß.“ Anna schüttelte den Kopf. „Willst du wissen, was ich denke?“

Katie grinste, während sie Milch in ein Edelstahlkännchen kippte. Sie sehnte sich nach einem schaumigen Cappuccino, bevor sie für heute Schluss machte. „Du erzählst es mir doch sowieso. Also schieß los.“

Anna stellte zwei Tassen auf Untertassen und bereitete die Espressomaschine vor. „Ich denke, Amor liebt Herausforderungen, und du, meine Liebe, bist die ideale Herausforderung. Die ultimative Romantikrebellin. Es wäre doch eine große Kerbe in seinem Bogen, wenn du bei einem Mann schwach werden würdest.“

„Das wird nicht passieren.“ Ihr Mund zuckte. Wenn ihre Freundin nur wüsste, wie schwach sie damals geworden war, und was sie an diesem speziellen Tag erlebt hatte. „Aber mir gefällt der Gedanke, eine Rebellin zu sein. Da möchte ich doch glatt schwarzes Leder zur Arbeit tragen.“

Anna sah vielsagend auf ihre Stiefel. „Das tust du schon.“

Katie verzog schmerzhaft das Gesicht. „Und es bringt mich um.“

„Wer schön sein will, muss eben leiden.“ Anna zog ihren Gürtel aus verschlungenen Silberreifen enger um ihre üppige Taille. „Ich wäre froh, wenn ich das tragen könnte, was du anhast. Aber Röhrenjeans, enge Seidentops und kniehohe Stiefel passen leider nicht zu mir.“

„Du siehst immer toll aus“, sagte Katie, aber im Stillen musste sie zugeben, dass ihr typisches Arbeitsoutfit ihrer etwas zu klein geratenen, molligen Freundin nicht stehen würde.

„Danke. Lass mich den Cappuccino machen, während du die letzten Gäste verabschiedest.“ Anna deutete mit dem Kopf auf den Tisch in der Nähe der hohen Glasfenster, die eine wundervolle Aussicht auf Melbournes spektakuläre Nachtsilhouette boten. „Es ist ja nicht so, dass sie hier auf Amors Pfeil warten.“

Lachend sah Katie zu Dirk und Mike, den beiden Handwerkern, die ihr Café häufig besuchten und über Plänen brüteten, die sie vor sich auf dem Tisch ausgebreitet hatten. „Das weiß man nie. Vielleicht planen sie ja ihr Traumhaus?“

Skeptisch beobachtete Anna, wie beide Männer synchron die Köpfe drehten und einer Blondine im Minirock nachblickten, die draußen vorbeiging. „Eher nicht. Befördere sie sanft zur Tür hinaus, damit wir die Füße hochlegen und uns einen vernünftigen Koffeinschub genehmigen können, bevor wir zuschließen.“

„Die beiden haben einen Bauunternehmer herbestellt, mit dem ich die Renovierung meiner Wohnung besprechen kann, also muss ich hier warten, bis er kommt. Warum verzichten wir nicht auf den Kaffee, und du gehst schon nach Hause? Ich schließe dann ab.“

„Sicher, Boss.“ Anna salutierte spöttisch. „Soll ich das Licht dimmen, damit sonst niemand mehr hereinkommt, und das Schild umdrehen?“

„Danke, das erledige ich schon. Ich wünsche dir einen schönen Abend.“

Als Katie zum Schaltkasten ging, sah sie auf ihre Uhr. Hoffentlich kam der Bauunternehmer bald. Die Renovierungsarbeiten mussten so schnell wie möglich erledigt werden, aber alle anderen Bauunternehmer hatten sie abgewimmelt oder versucht, sie über den Tisch zu ziehen, weil sie eine Frau war.

So ein Verhalten hasste sie. Sie hätte nicht so viel erreicht, wenn sie nicht stark und unabhängig wäre und sich auf ihre Ziele konzentrierte. Aber das verstanden diese chauvinistischen Männer einfach nicht.

Sie drückte zwei Schalter, um das Licht zu dimmen, als ein Mann das Café betrat.

Super, er ist endlich da, dachte sie erleichtert, als sie den letzten Schalter betätigte und ihr großes Schlüsselbund nahm, um abzuschließen. Sie wollte dieses Treffen hinter sich bringen.

Aber als sie sich der Tür näherte, fielen die Schlüssel krachend auf den Boden. Ihr Herz blieb stehen, als sie sah, wer da gerade gekommen war. Windzerzaust und betont lässig. Ausgewaschene Jeans, ein weiches, graues T-Shirt, bequeme Lederstiefel. Bartstoppeln, graue Augen mit Lachfältchen, ein von leichten Grübchen umrahmter Mund, der zum Lächeln wie geschaffen war.

Und er lächelte sie an, so breit, aufrichtig und warmherzig, dass es Katie umwarf.

Dieses Lächeln hatte sie nie vergessen, sosehr sie es auch versucht hatte. Und sie hatte es versucht. Sechs lange, einsame Jahre lang. Trotzdem fühlte sie sich jetzt sofort in die Vergangenheit katapultiert, als Blane Andrews durch ihre Tür kam und sie so schmerzlich vertraut anlächelte.

Zurückversetzt in die Zeit, als sie dieses Lächeln zum ersten Mal gesehen hatte, ausgerechnet an einem Valentinstag. In eine Zeit, als dieses Lächeln selten verblasste und sie verrückt nacheinander gewesen waren.

Ihn nach all diesen Jahren wiederzusehen fühlte sich an, als wäre sie in einen Strudel aus wirbelnden Erinnerungen an Liebe, Lachen und Sonnenschein an einem heißen Sommertag an einem träge dahinfließenden Fluss geraten.

Erinnerungen an geteilte Hotdogs auf der Rückbank eines alten Ford, während sie den Sonnenuntergang sahen und sich gegenseitig Ketchup aus dem Gesicht wischten, mit einem Lächeln im Gesicht und Liebe im Herzen.

An lange Spaziergänge Hand in Hand im Schatten gewaltiger Eukalyptusbäume, blind für die Schönheit der Natur, nur auf sich konzentriert.

An Küsse und das Gefühl zu schweben, versunken im süßen Rausch der ersten großen Liebe.

Oh ja, Blane zu lieben war ein Wirbelsturm schwindelerregender Höhen gewesen, bevor nichts als Schmerz und Verlust übrig blieben, als er sie verließ.

Er hatte ihr das Herz gebrochen, und solchen Schmerz wollte sie nie wieder erleben müssen.

Niemals.

„Alles okay, Katie?“

„Meinst du jetzt, oder sprichst du von den letzten sechs Jahren?“ Sie versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr sie sein Auftauchen aus der Fassung gebracht hatte, und beugte sich vor, um ihre Schlüssel aufzuheben. Im gleichen Moment wie er.

Ihre Finger streiften sich, und Katie zuckte zurück, richtete sich zu schnell auf, und geriet ins Schwanken. Blane fasste sie am Ellbogen, um sie zu stützen. Diese kleine Berührung reichte, um ihren Hormonen einen heftigen Stoß zu versetzen.

„Beides.“

Er musterte ihr Gesicht, als würde er nach Antworten suchen, die schiefergrauen Augen so offen und warm wie immer. Wunderschöne, ehrliche Augen, die sagten: „Vertrau mir.“

Dummerweise hatte sie das schon einmal getan. „Es geht mir gut.“

Das war natürlich eine Lüge. Wie könnte es ihr gut gehen, wenn die Liebe ihres Lebens, der Mann, der sie ohne eine Erklärung verlassen hatte, plötzlich wieder auftauchte? Und das am Jahrestag des Tages, an dem sie ihm ihr Herz geschenkt hatte, nur um drei Monate später vor dessen Überresten zu stehen.

„Was willst du hier?“, platzte sie heraus. Nervös spielte sie mit ihrem Schlüsselbund. Das Klappern der Schlüssel hallte beinahe ohrenbetäubend laut durch das Café.

„Ich wollte dich sehen.“

Ihr Herz pochte heftig.

Sein Blick sagte die Wahrheit.

Sie mochte Blane sechs Jahre nicht gesehen haben, aber sie würde nie vergessen, dass sie seine Stimmung immer an den blauen Sprenkeln in seinen grauen Augen ablesen konnte.

Indigo stand für Glück – die Art von intensivem, spontanem Glück, das sie beide für zwölf viel zu kurze Wochen erlebt hatten. Kobaltblau bedeutete Ehrlichkeit. Katie hatte ihm geglaubt, als er ihr sagte, sie wäre die Einzige, dass sie immer zusammen sein würden, er sie immer lieben würde.

Dunkles Rauchblau symbolisierte Leidenschaft – die umwerfende, unvergessliche, einmalige Verbindung, die sie geteilt hatten.

Oh, sie konnte sich an jede einzelne Schattierung dieser Sprenkel erinnern. Für drei herrliche Monate war sie in seinen Augen versunken. Aber er hatte sie verlassen.

Was interessierte es sie also, dass diese Sprenkel im Augenblick kobaltblau leuchteten? Zählte seine Aufrichtigkeit überhaupt, wenn er ihr nicht die Wahrheit hatte sagen können, bevor er gegangen war?

Katie trat einen Schritt zurück und zwang ihn so, ihren Ellbogen loszulassen. Aber sofort vermisste sie Blanes Nähe.

Absurd, dumm und verrückt, aber ihr Körper war unter seiner Berührung weich geworden, hatte sich unbewusst leicht zu ihm gelehnt. Und nach der seltsamen Hitze zu urteilen, die sich in ihr ausbreitete, freute sich ihr verräterischer Körper, Blane zu begegnen, trotz der harten Lektion, dass man ihm nicht trauen konnte.

„Du wolltest mich sehen? Okay, hier bin ich. Dann kannst du ja wieder gehen.“

Er lächelte, und Katie kämpfte um ihre Selbstbeherrschung, denn ihr Puls tanzte einen vertrauten Tango. „So leicht wirst du mich nicht los.“

„Ach wirklich?“, fauchte sie, aber innerlich schlug sie sich die Hand vor den Mund. Ein solcher Gefühlsausbruch zeigte nur, dass es ihr nach wie vor etwas ausmachte. Fehlte bloß noch, dass Blane versuchte, die Vergangenheit wieder aufzuwärmen.

Zu ihrem Ärger lachte er. Sein herzliches Lachen wärmte sie besser als jeder Cappuccino, den sie je getrunken hatte. Und sie hatte etwa einen Jahresvorrat davon zu sich genommen, nachdem er gegangen war, um wenigstens etwas von dieser Wärme einzufangen.

„Das habe ich wohl verdient.“

„Und den Rest auch.“

Die Lachfältchen um seine Augen vertieften sich. „Komm, lass es heraus.“

„Führ mich nicht in Versuchung.“ Nachdenklich spielte sie mit ihrem Schlüssel. Sollte sie sein Angebot annehmen – Blane sagen, wie todunglücklich sie gewesen war, dass sie ein Jahr lang nach ihm gesucht hatte, seinetwegen keinen anderen Mann an sich herangelassen hatte – oder ihn vor die Tür setzen und nie wieder einen Gedanken an ihn verschwenden?

„Ich weiß, dass du mich nicht rausschmeißen willst, Katie.“

Na wunderbar. Er konnte also immer noch ihre Gedanken lesen, sich in ihre Stimmung einfühlen, und er sah sie an, als könnte er tief in ihre Seele blicken und wüsste besser als sie, dass sie ihn nicht loswerden wollte.

Sosehr es ihr auch gefallen würde, wenn er sofort wieder verschwand und nie zurückkam – sie wollte wissen, wo er gewesen war, was er gemacht hatte, und warum er ihre idyllische kleine Welt zerstört hatte. „Du weißt überhaupt nicht mehr, was ich will“, widersprach Katie, aber der schmerzliche Ausdruck in seinen Augen und das Ziehen in ihrem Herzen gefielen ihr nicht.

„Ich würde es aber gern wissen.“

Seine Absicht war klar. Katie holte tief Luft. Sein betörender, vertrauter Geruch, der sie an frisch zerdrückte Zedernblätter im Frühlingsregen erinnerte, erfüllte sie und brachte sie dazu, sich wie früher an ihn schmiegen zu wollen. Sie widerstand dieser Sehnsucht und rasselte mit den Schlüsseln. „Ich wollte gerade abschließen.“

Blane sah sich um und bemerkte, dass das Licht bereits gedimmt war. „Das sehe ich, aber wir müssen wirklich miteinander reden.“

„Nein, das müssen wir gar nicht.“ Denn wenn sie ihn erklären ließ, warum er sie verlassen hatte, würde sie den Schmerz noch einmal durchleben, und das wollte sie auf keinen Fall. Danach hatte sie sich ein neues Leben aufgebaut, ein besseres, unabhängiges Leben. Sie brauchte nichts und niemanden, und so sollte es auch bleiben.

Blane beugte sich vor und berührte ihre Wange. Die Schwielen an seinen Fingerspitzen sandten einen kleinen Schauer des Verlangens durch ihren Körper. Sie erinnerte sich nur zu gut daran, wie es sich anfühlte, wenn diese von der Arbeit rauen Hände ihren Körper streichelten, wie sanft und doch erregend sie sein konnten. Wie sie ihre Taille umfassten, sie hochhoben und herumwirbelten, bis ihr vor Glück ganz schwindelig war. Wie stark und sicher, als Blane sie das erste Mal berührt und ihr die Lust gezeigt hatte, von der sie vorher nur geträumt hatte.

„Ich akzeptiere kein Nein.“

Kopfschüttelnd verkniff sie sich ein Lachen. Es war nichts auch nur entfernt lustig daran, wenn der Mann, den sie einmal geliebt hatte, sie nach all der Zeit bedrängte, aber der junge, impulsive Mann von damals war nie so entschlossen, so stur gewesen. „Ein Kaffee, und dann verschwindest du. Nimm mein Angebot an, oder lass es bleiben.“

„Akzeptiert.“

„Okay, such dir aus, was du trinken willst. Aber schnell.“

Lächelnd trat er einen Schritt zurück und schob die Hände in seine Hosentaschen, zuversichtlich, dass er sie überreden konnte. „Du hast wirklich eine tolle Art, mit deinen Gästen umzugehen.“

„Du bist kein Gast, du bist mein …“ Sie brach ab, darauf wollte sie lieber nicht näher eingehen. Die Tür zur Vergangenheit war fest geschlossen, warum sollte Katie sie wieder öffnen und die Zukunft riskieren, die sie sich so hart erarbeitet hatte?

„Komm schon, sag es. Ich bin dein …?“

Katie bedachte ihn mit einem vernichtenden Blick, der leider kaum eine Wirkung erzielte, wenn man nach seinem breiten Lächeln ging. „Du bestellst besser deinen Kaffee, bevor ich es mir anders überlege und dich gleich vor die Tür setze.“

Blane lachte leise, und statt sich darüber aufzuregen, fiel es Katie schwer, nicht in sein Gelächter einzustimmen.

Er konnte sie immer zum Lachen bringen. Das hatte sie an ihm geliebt. Wie so viele Dinge, und das machte es nur noch schwerer, über ihn hinwegzukommen. Mit zusammengebissenen Zähnen fragte sie noch einmal: „Kaffee?“

„Das Übliche, bitte.“

„Kommt sofort.“

Katie drehte sich auf dem Absatz um und bemerkte ihren Fehler eine Sekunde zu spät. Jetzt wusste er, dass sie sich daran erinnerte, dass er am liebsten Espresso trank. So zeigte sie ihm nicht, dass sie über ihn hinweg war.

Die sanfte Hand auf ihrer Schulter hielt sie zurück. Ihr Körper reagierte auf die harmlose Berührung beinahe explosiv.

„Lass mich nur kurz einige Freunde begrüßen. Ich bin gleich zurück.“ Seine grauen Augen funkelten vergnügt, bevor er sich umdrehte und sie verwirrt zurückließ.

Katie starrte auf seinen aufregenden Po. Sie erinnerte sich daran, wie Blane eines schönen Samstagmorgens in Rainbow Creek in das Café ihrer Eltern geschneit war. Er hatte einen Blick auf ihr Namensschild geworfen und mit funkelnden Augen und einem frechen Lächeln auf den Lippen gesagt: „Ich hätte gern einen Espresso, Katie.“

Da war es um sie geschehen gewesen. Hals über Kopf verliebte sie sich in den lässigen, herumziehenden Bauhandwerker, der ein großes Stück ihres Herzens und einen Großteil ihres Stolzes mitgenommen hatte, als er ging.

Und dieser Po war … straff, knackig und füllte die abgetragenen Jeans gut aus. Oh nein, sie würde nicht darüber grübeln, wie lange es her war, seit sie ihn bewundert und berührt hatte … „Nein, nein, nein“, murmelte sie und nestelte an ihrem französischen Zopf herum, in der Hoffnung, dass er sich nicht genauso aufgelöst hatte wie ihr gesunder Menschenverstand.

Der Valentinstag ging ihr wirklich an die Nieren. Während sie durch das Café ging und hinter die Theke schlüpfte, verfluchte sie den pausbäckigen Liebesgott im Stillen.

Ein Espresso, extrastark, mit zwei Stück Zucker, und dann sollte Blane mit seinem charmanten Lächeln und dem sexy Po von hier verschwinden, damit sie tun konnte, was ihr am besten lag: das verdammt beste Café in Melbourne zu leiten.

„Hey, was machen die Pläne?“

Blane glitt auf einen Stuhl neben den beiden Männern, die ihm dabei halfen, seinen Traum zu verwirklichen.

Eine Beigabe zu meinem Traum, dachte er, als sein Blick zur Theke wanderte, angezogen von der frechen Brünetten, die der Espressomaschine übertrieben viel Aufmerksamkeit schenkte.

Sie hatte sich sehr verändert.

Ihre kurzen, stacheligen Haare waren zu einem langen Zopf gewachsen, statt drei Ohrsteckern trug sie nur noch einen, und der schlanke Körper, an den er sich nur allzu gut erinnerte, hatte aufregende Kurven bekommen, von denen Blane den Blick nicht wenden konnte.

Aber die größte Veränderung war ihre Persönlichkeit. Aus dem leicht zu beeindruckenden, spontanen Mädchen, das er kannte und liebte, war eine schonungslos offene, selbstbewusste Frau geworden, die ihm deutlich sagte, dass er alles andere als willkommen war.

Das hatte er erwartet. Für das, was er ihr und sich selbst angetan hatte, verdiente er nichts anderes.

Aber er hatte keine Wahl gehabt. Und wenn er sich das Café ansah, ihren wahr gewordenen Traum, wusste er, dass er richtig gehandelt hatte.

Außerdem mochte sie so tun, als wäre er in ihrem Café so willkommen wie eine Kakerlake, aber ihre Augen hatten geglänzt, als sie ihn erkannte, und wie sie auf seine Berührung reagiert hatte … das machte ihm Hoffnung.

„Sieh es dir selbst an.“ Dirk schob ihm die Pläne hin. „Der Architekt hat die Gästezimmer so verändert, wie du es wolltest. Was hältst du davon?“

Blane musterte die winzigen, geraden Linien und die nummerierten Anmerkungen und rieb sich den Nacken. Das hatte er sich angewöhnt, als er stundenlang über unzähligen Finanzberichten gebrütet hatte, bis BA Constructions mit den Größten des Baugewerbes mithalten konnte. „Für mich sieht es gut aus.“

Der kräftige Duft von frisch gebrühtem Kaffee, stark und bittersüß, lenkte seine Aufmerksamkeit von den Plänen zurück zur Theke, wo Katie eine dampfende Tasse auf eine Untertasse stellte.

Blane musterte sie mit der gleichen Intensität wie die Pläne, bemerkte die Strähnen, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten und sich um ihr herzförmiges Gesicht mit den hohen Wangenknochen und dem etwas zu vollen Mund kringelten.

Sein Blick glitt tiefer zu ihrem flippigen, bunten Top, dessen Farben wunderbar zur Einrichtung des Cafés passten – grelles Pink, verschiedene Blau- und Goldtöne – bis zu dem Hauch von Dekolleté, das ihn daran erinnerte, wie sie sich unter seinen Händen angefühlt hatte, wie sie geklungen hatte, als er sie berührte …

Ein kurzer, schriller Pfiff unterbrach seine Reise in die erotische Vergangenheit, und sein Blick schnellte hoch. Fragend, frech und herausfordernd sah sie ihn an, als hätte sie ihn dabei erwischt, wie er sie mit Blicken auszog – dabei winkte sie ihn zu sich und deutete auf den dampfenden Espresso auf der Theke.

„Ich habe dir doch gesagt, Katie ist toll. Sie serviert den besten Kaffee. Mike und ich kommen immer für Besprechungen hierher.“

„Stimmt, das hast du gesagt. Und du hast nicht zu viel versprochen.“ Blane konnte Dirk nicht genug dafür danken, dass ihm diese kleine Information herausgerutscht war. Er hatte kaum angefangen, nach ihr zu suchen, als er sie auch schon gefunden hatte. Und jetzt würde er sie nie wieder gehen lassen.

Dass ihm die Jungs erzählten, dass sie einen Bauunternehmer für die Renovierung ihrer Wohnung brauchte, war einfach Glück gewesen.

Er war drauf und dran gewesen, bei ihr hereinzuplatzen, sobald er ihren Aufenthaltsort herausgefunden hatte, aber nach dieser Information hatte er sich eine Woche lang in Geduld geübt, weil er wusste, dass sie beruflich freundlicher auf ihn reagieren würde als auf persönlicher Ebene.

Nicht, dass er den Status quo lange aufrechterhalten wollte.

„Bin gleich wieder zurück.“ Blane schob seinen Stuhl zurück und ging zur Theke. Er ging absichtlich langsam, auch wenn er rennen wollte. Ehrlich gesagt, würde er auch elegant über die Theke hechten, wenn Katie ihn noch einmal mit diesem herausfordernden „Komm und hol’s dir“-Blick ansah.

„Hier bitte. Ein extraschneller Espresso.“ Sie schob ihm die Tasse über die spiegelblanke Theke hin.

„Damit du mich loswirst.“

Ihr ironisches Lächeln lenkte kaum vom frechen Glanz ihrer Augen ab. „Es scheint, als könntest du immer noch Gedanken lesen.“

„Sieht so aus. Willst du mich testen?“

Das Lachen erstarb auf ihren rosig glänzenden Lippen. Entschlossen schob sie ihm den Kaffee hin. „Trink, die Uhr tickt.“

Blane ignorierte seinen Espresso, legte theatralisch seine Zeigefinger an seine Schläfen und kniff die Augen zusammen. „Mal sehen … Du denkst, wie müde du nach dem harten Tag bist, und daran, dass du es kaum erwarten kannst, für heute Schluss zu machen.“

Sie zog eine Augenbraue hoch und applaudierte spöttisch. „Erstaunlich. Vielleicht solltest du auch noch ein paar übersinnliche Dinge in dein Repertoire aufnehmen.“

„Ich sehe außerdem ein paar zynische Gedanken über mich. Du willst nicht hören, was ich dir zu sagen habe, denn du hast mit der Vergangenheit abgeschlossen und willst nichts mehr mit mir zu tun haben. Aber vielleicht hast du auch nur zu viel Angst, um zu sehen, wie gut wir zusammen waren. Und das könnten wir wieder haben.“

Katie schluckte und gab seiner Untertasse einen leichten Schubs. „Trink aus, und dann geh bitte.“

Wenn sie den Espresso noch weiter schob, würde er über die Theke kippen und auf seinen Stiefeln landen. Beruhigend hielt er ihre Hand fest, bestätigt durch das leichte Zittern unter seinen Fingern und dem Flackern in ihren Augen.

Katie mochte so tun, als wäre er ihr vollkommen egal, aber Blane wusste es besser.

Er hatte es gesehen, als sie sich eben unbewusst zu ihm gebeugt hatte, und er sah es jetzt, als sie sich über die Lippen leckte. Das tat sie immer, wenn sie nervös war, wie das erste Mal, als er mit ihr im Kajak den Rainbow Creek hinuntergefahren war, als sie auf sein Überreden hin Austern probiert hatte, als sie sich das erste Mal geliebt hatten …

Die kristallklaren Erinnerungen verursachten ihm ein Stechen in der Magengegend und erfüllten ihn mit bittersüßem Bedauern.

Er hatte das Beste verlassen, was ihm je passiert war. Damals hatte er vielleicht keine Wahl gehabt, aber heute schon, und auf keinen Fall würde er Katie wieder gehen lassen. „Nicht, bevor wir uns unterhalten haben.“

Trotzig schob sie das Kinn vor, als sie ihre Hand wegzog und einen Schritt zurücktrat, um etwas Abstand zu gewinnen. „Du lässt mich ja doch nicht in Ruhe, bis ich zustimme, oder?“

„Genau.“

„Stur wie immer“, murmelte Katie kopfschüttelnd.

„Schön, dass du dich an so Vieles erinnerst.“ Sein Blick fiel auf den Espresso, der vor ihm stand. Extrastark und schwarz, genauso, wie er ihn mochte.

Sie zuckte die Schultern. „Mein Kopf hat die Angewohnheit, nutzlose Informationen zu speichern. Nimm’s nicht persönlich.“

„Das werde ich schon nicht.“ Blane grinste und bemerkte, wie ihr Mund weicher wurde. Sie wollte sein Lächeln erwidern, das wusste er. „Wie wär’s, wenn wir unser Gespräch bei einem Tod durch Schokolade führen, nachdem du abgeschlossen hast?“

Ihre Augenbrauen schossen in die Höhe. „Du magst das ‚Chocolate Toad‘?“

Autor

Nicola Marsh
Als Mädchen hat Nicola Marsh davon geträumt Journalistin zu werden und um die Welt zu reisen, immer auf der Suche nach der nächsten großen Story. Stattdessen hat sie sich für eine Karriere in der Gesundheitsindustrie entschieden und arbeitete dreizehn Jahre als Physiotherapeutin

Doch der Wunsch zu schreiben ließ sie nicht los...
Mehr erfahren