Er durfte es nicht tun.
Diese Frau war völlig erschöpft und stand unter Schock. Das durfte er nicht ausnutzen, ganz egal, wie groß seine Lust war. Maggie hatte es verdient, dass man sie beschützte.
Ihre Augen schimmerten grün, und die Lippen hatte sie erwartungsvoll zu einem leichten Schmollmund verzogen.
„Du bist ziemlich mitgenommen“, begann er. „Aus dir spricht der Schmerz. Aber das hier ist nicht die Antwort. Du brauchst jemanden, der dir mehr geben kann als nur ein paar gestohlene Stunden.“
Mehr als einen Mann, der nur körperliche Befriedigung versprechen kann. Der vor Jahren jeden Gedanken an emotionale Bindung aufgegeben hat.
Einen absurden Moment lang war er eifersüchtig auf den Kerl, der Maggie Lewis eines Tages geben würde, wonach sie verlangte.
Würde und Enttäuschung brachten sie dazu, ihr Kinn zu heben. „Und wenn ein paar gestohlene Stunden genau das sind, was ich jetzt will? Wenn ich zu mehr überhaupt nicht bereit bin?“
Khalids innere Anspannung wurde allmählich unerträglich. Jeder Muskel in seinem Körper schmerzte, während er den Wunsch unterdrückte, Maggie in seine Arme zu schließen. Mit Verlangen konnte er umgehen, aber seine Gefühle für sie gingen darüber hinaus. Es fühlte sich viel bedeutender an als bloße sexuelle Gier, und das machte Khalid Angst. Es war echt, lebendig und erschreckte ihn zutiefst.
„Nein“, stieß er heiser hervor. „Ich kann nicht.“
„Schon gut. Ich verstehe das.“
Sein Atem ging stoßweise. Nein, er hatte das Richtige getan, davon durfte er jetzt nicht mehr abrücken.
„Tausend Dank für deine Hilfe“, fuhr sie unsicher fort. „Und es tut mir ehrlich leid, wenn ich dich in Verlegenheit gebracht habe.“ Sie schluckte. „Bestimmt drängen sich dir ständig alle möglichen Frauen auf.“
Entschlossen legte er eine Hand an ihre Wange, und Maggie umfasste spontan sein Handgelenk. „Du darfst dich nicht bei mir entschuldigen“, sagte er rau und wünschte, ihre Haut würde sich unter seinen Fingern nicht so seidenweich anfühlen.
Hoffentlich belohnte ihn das Schicksal einmal für diese übermenschliche Zurückhaltung! Es brachte ihn fast um, Maggies süßen Duft einzuatmen. Mit jedem Atemzug wurde die Verführung stärker als jede düstere Erinnerung aus der Vergangenheit.
Plötzlich zog Maggie sich zurück und wandte sich ab. „Ich sollte jetzt gehen.“ Ihre Stimme brach beim letzten Wort, und zudem sprach sie viel zu schnell.
Diese Frau war eine Kämpfernatur, das spürte Khalid sofort. Seit er sie zum ersten Mal angesehen hatte, ging sie ihm unter die Haut, raubte sie ihm den Verstand. Selbst in diesem Aufzug war sie eine der faszinierendsten Frauen, denen er je begegnet war.
Seine Abwehr brach zusammen. Einen Kuss, den durfte er sich wohl gestatten.
Ihre Augen weiteten sich, als er sich näherte. Als er sie küsste und seine Arme um sie legte, spürte er, wie ihre Lippen bebten. Ihr Mund war weich und lud zum Küssen ein. Also gab Khalid nach, nur noch eine Minute. Er wollte sie schmecken, sie mit seiner Zunge erforschen.
Maggie klammerte sich an seine Schultern und hatte das Gefühl, die Welt würde stillstehen. Ihre Lust auf Khalid führte buchstäblich ein Eigenleben, schoss wie glühende Lava durch ihren Körper und brachte ihre Gedanken zum Stillstand.
Als er mit einer Hand ihre Brust streichelte, erwiderte sie seinen Kuss so forsch, dass sie ihn dabei rückwärts auf das Sofa drückte. Im nächsten Augenblick lag sie neben ihm, und ihr Bademantel öffnete sich. Jetzt spürte sie seine Finger auf ihren nackten Brüsten. Ungeduldig zerrte Maggie den Mantel weiter herunter und drängte sich an Khalid.
„Bist du dir ganz sicher?“, flüsterte er, und sie nickte hastig.
Er hätte es keinen Sekundenbruchteil länger ertragen, Maggie in seinen Armen zu halten und sie nicht ganz besitzen zu dürfen. Jetzt gab er seiner Leidenschaft nach, und Maggie ließ sich mit ihm davontreiben.
Nur diese eine Nacht wollte sie für den Moment leben. Glücklicherweise dachte er daran, sie zu schützen, dann ließ sie sich von ihm zu seinem Bett tragen.
Wenige Augenblicke später waren sie nackt, und Maggie genoss die Freiheit, diesen wundervollen Männerkörper mit ihren Händen zu erforschen. Es war ein unbeschreiblich erotisches Erlebnis, ihn eng an ihrem erhitzten, nackten Körper zu spüren.
Khalids Kopf senkte sich, und Maggie stockte der Atem.
„Khalid!“ Es war nicht mehr als ein erstickter Schrei, bevor dieses neue ekstatische Gefühl durch ihr Inneres strömte. Seine Zunge, seine Finger, mit denen er bis zu ihrer intimsten Weiblichkeit vordrang, entführten sie in eine fremde, zauberhafte Welt. „Khalid.“
Es gab keinen Zweifel mehr, ihre Entscheidung war richtig gewesen. Was sich so herrlich anfühlte, konnte ganz einfach nicht falsch sein. Es war, als hätte sie ein Leben lang auf diese wunderbare Gelegenheit gewartet.
„Geduld, Kleines“, flüsterte er ihr zu und nahm sich unendlich viel Zeit damit, sie in die Kunst der Liebe einzuführen. Und irgendwann, nach langen, raffinierten Küssen und pikanten Berührungen, kam er endlich zu ihr …
Es war noch dunkel, als Maggie aufwachte. Es war Zeit, ihren frühmorgendlichen Dienst in den Ställen anzutreten, trotzdem rührte sie sich nicht. Zu süß, zu köstlich waren die Erinnerungen an die vergangene Nacht. Ihr ganzer Körper prickelte noch wie Champagner, während sie den Duft der Leidenschaft, der sie umgab, tief in ihre Lungen sog.
Khalid. Die Nacht mit ihm hatte sie für immer verändert, einen neuen Menschen aus ihr gemacht. Sie war nicht mehr die spröde, alte Maggie Lewis. Jetzt wusste sie, wie feurig sich ein anderer Körper an ihrem anfühlen konnte.
Allerdings waren ihr Khalids anfängliches Zögern und das Mitleid in seinen Augen nicht entgangen. Noch vor wenigen Stunden war ihr gleichgültig gewesen, aus welchen Gründen er sie nahm, sie wollte nur ihre Neugier und ihre Lust stillen.
Aber in der Kälte des Morgens traf sie die Scham darüber wie ein Schlag ins Gesicht. Sie war eine Kämpferin, aber war sie stark genug, ihm heute in die Augen zu sehen?
Sie warf einen Blick über die Schulter und sah Khalid schlafend neben sich liegen. Ein toller Anblick, den sie ihr Lebtag lang nicht mehr vergessen würde. Dieses Bild wollte sie mitnehmen, aber ihre Träume hatten nun ein jähes Ende gefunden. Khalid hatte es verdient, dass sie sich nicht weiter an ihm festklammerte. Ganz sicher war er erleichtert, wenn er aufwachte und feststellte, dass er sich nicht länger um sie zu kümmern brauchte.
Mit einem schmerzerfüllten Seufzer auf den Lippen schlüpfte sie lautlos aus dem Bett.
Khalid erwachte im Morgengrauen. Sofort dachte er an die Nacht, die hinter ihm lag, und seine Lust auf die süße Maggie Lewis war augenblicklich wieder da. Ein Zittern ging durch seinen Körper. Er war ihr erster Mann gewesen! Sie hatte tatsächlich nicht geschwindelt, als sie sagte, sie wäre unberührt.
Von jetzt an gab es kein Bedauern und auch kein Zurück mehr. Erwartungsvoll drehte er sich auf die Seite, um seine neue Geliebte in die Arme zu schließen, doch seine Hände griffen ins Leere.