© Chandra Wicke
Bestsellerautorin Julia Quinn über Bridgerton und das Schreiben
Ein Autor*innenbesuch ist immer ein großer Tag für uns im Verlag. Umso aufgeregter waren wir, als wir Julia Quinn, Autorin der erfolgreichen Bridgerton-Serie und die „Queen of Romance“, bei ihrem letzten Deutschlandbesuch kurz vor der Frankfurter Buchmesse bei uns im Hause begrüßen durften! Dass sie sich auch noch die Zeit genommen hat, in einem ausführlichen Interview mit uns über ihre Romane und ihre aktuellen Projekte zu plaudern, hat uns unglaublich gefreut. Und natürlich wollen wir euch dieses spannende Interview nicht vorenthalten: Besonders jetzt nicht, da die neue Staffel am 29. Januar 2026 bei Netflix an den Start geht!
Julia Quinn, vielen Dank, dass Sie heute hier sind und wir so die Möglichkeit für dieses Interview haben. Sie sind derzeit auf Tour in Deutschland. Gestern haben Sie hier in Hamburg viele Fans mit einem Meet & Greet sehr glücklich gemacht. Tun Ihnen vom vielen Signieren nicht langsam die Hände weh?
Natürlich, aber viel eher schmerzen meine Wangen vom vielen Lächeln! Ich genieße es sehr, dass ich jetzt ein richtiger Jetsetter bin. Gerade war ich in Südamerika bei einem Fantreffen. Hier in Deutschland war ich schon in München und Berlin, und als Nächstes steht Frankfurt an.
Die meisten Ihrer Fans sind treue Leser*innen, aber sicher gibt es auch einige, die gerne selbst schreiben. Viel wichtiger als der erste Satz ist dabei, nicht die Motivation zu verlieren und bei der Stange zu bleiben. Was hat Ihnen dabei geholfen?
Ich wollte meine Romane unbedingt veröffentlichen. Meine Geschichten sollten nicht in der Schublade liegen bleiben, sondern ich wollte sie mit möglichst vielen Menschen teilen.
Und wie haben Sie einen Verlag gefunden? Haben Sie irgendwelche Tipps für Autor*innen, die gerade auf der Suche sind?
Ich bin eigentlich nicht die Richtige, um Tipps zu geben. Es ist beinahe zwanzig Jahre her, dass meine Romane zum ersten Mal veröffentlicht wurden, und der Prozess bis zur Veröffentlichung hat sich seitdem sehr verändert. Damals gab es zum Beispiel keine E-Books, und Selfpublishing steckte auch in den Kinderschuhen. Heutzutage gibt es unglaublich viele Möglichkeiten, ein Buch zu veröffentlichen.
Mittlerweile sind Ihre Romane in über 40 Sprachen übersetzt worden, und CORA war einer der ersten Verlage, der die Bridgertons veröffentlicht hat. Ist es ein besonderes Gefühl, wenn die eigenen Werke in einer anderen Sprache erscheinen?
Es ist jedes Mal aufregend! Ich erinnere mich noch, dass Italienisch die erste Sprache war, in die eines meiner ersten Werke übersetzt wurde. Dann folgte eine Übersetzung ins Russische. Anschließend gab es eine längere Pause. Ich freue mich auch heute noch, wenn eines meiner Werke in eine neue Sprache übersetzt wird. Vor Kurzem haben wir die Rechte für eine Übersetzung ins Mongolische verkauft. Meine Familie und ich mussten erst einmal nachschauen, wie die mongolische Schrift überhaupt aussieht. In manchen Sprachen, zum Beispiel Deutsch, gibt es viele Leser*innen; auf Mongolisch vielleicht etwas weniger. Aber ich freue mich jedes Mal. Besonders, wenn es eine Sprache ist, in die seltener übersetzt wird. Ich bin immer auf der Jagd nach neuen Sprachen!
Vor Kurzem haben Sie in einem Interview erwähnt, dass Sie momentan eine Pause vom Schreiben machen. Hat sich daran mittlerweile etwas geändert?
Ich nutze meine Pause, um politisch aktiv zu sein. Besonders die „book bans“ in den USA liegen mir sehr am Herzen. So nennt man es, wenn der Gesetzgeber entscheidet, dass bestimmte Bücher oder Medien nicht mehr in öffentlich finanzierten Bibliotheken zugänglich sein dürfen. Ich bin Botschafterin für eine Organisation namens EveryLibrary, die öffentliche Bibliotheken und Schulbibliotheken unterstützt. Leider mussten sie sich in letzter Zeit viel auf die „book bans“ konzentrieren.
Können Sie uns ein bisschen mehr über Ihre Arbeit als Botschafterin für EveryLibrary erzählen?
Ich mache da unterschiedliche Dinge. Zum einen versuche ich, möglichst viele Leute darüber zu informieren, dass Bücher noch immer verboten werden. Das mache ich hauptsächlich über meine Social-Media-Präsenz. Es ist bekannt, dass eine große Mehrheit der US-Amerikaner dagegen ist, Bücher zu verbieten, aber viele wissen nicht einmal, dass es noch immer viele verbotene Bücher gibt. Und wenn man nicht weiß, dass es passiert, kann man auch nicht dagegen vorgehen. Also kläre ich darüber auf, damit die Leute wissen, was bei ihnen vor der Haustür passiert. Das ist nicht nur von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich, sondern sogar von Stadt zu Stadt.
Man kann zum Beispiel eine Petition unterschreiben, die ich auf Social Media geteilt habe, und dort seine Postleitzahl eingeben. Dann bleibt man immer auf dem Laufenden, was in der eigenen Gegend passiert und wie man sich einbringen und dagegen protestieren kann.
Außerdem halte ich Reden in Bibliotheken in den USA und spende das Honorar, das ich dafür bekomme. Nächstes Jahr werden wir dadurch wahrscheinlich rund 80.000 US-Dollar an Spenden gesammelt haben.
Ihre Romane spielen in der Regency-Ära. Können Sie sich vorstellen, einen Roman zu schreiben, der in der Gegenwart spielt?
Ich glaube nicht. Ich bin etwas älter und nicht mehr up-to-date, wenn es darum geht, wie junge Leute einander kennenlernen. Vieles, was junge Menschen in ihren Zwanzigern und Dreißigern gerade erleben, habe ich nicht erlebt, und ich glaube, es wäre nicht authentisch, wenn ich über diese Erfahrungen schreiben würde. Wenn ich also einen Roman schreiben würde, der in der Gegenwart spielt, dann wäre das vielleicht keine Romance. Aber bisher habe ich nicht vor, einen solchen Roman zu schreiben.
Eines der ersten Dinge, die einem bei der Lektüre der „Bridgertons“ auffällt, ist die etwas altertümliche Wortwahl, die das Zeitalter des Regency widerspiegeln soll. Ist es Ihnen schwergefallen, diese Wortwahl in die Dialoge einzubauen? Oder gehen Sie in Ihrer Freizeit auch gerne „promenieren“?
Nein, das tue ich nicht. Aber ich lese sehr gerne Regency-Liebesromane, und nach einer Weile eignet man sich diesen Tonfall, das Vokabular einfach an. Mir passiert das aber hauptsächlich beim Schreiben und nicht beim Sprechen.
Ihre Dialoge und Beschreibungen sind immer sehr clever und witzig geschrieben. Wie finden Sie die Balance zwischen Humor und Leichtigkeit auf der einen und tiefen, ehrlichen Gefühlen auf der anderen Seite?
Ich bin mir nicht sicher, wie es mir gelingt, diese Balance zu halten. In meinem ersten Buch zum Beispiel (Anmerkung der Redaktion: 1995 erschien von Julia Quinn im Verlag Little/ Brown Book Group das erste Buch „Splendid“.) findet man sehr viel von dieser Leichtigkeit. Sie gehört einfach zu meinem Stil als Autorin. Es ist toll, wenn einen ein Buch zum Lachen bringt. Doch erst, wenn es einen tief berührt und Emotionen weckt, wird daraus ein Buch, an das sich die Leser*innen erinnern werden.
Besonders die Szenen mit vielen Familienmitgliedern zeichnen sich durch diese Leichtigkeit aus. Seien es die Bridgertons, die sich miteinander kabbeln, oder die Smythe-Smiths, die ein komplettes Theaterstück samt Einhornkostüm aufführen. Woher nehmen Sie die Inspiration für solche Szenen?
Ich habe selbst eine große Familie, die mich inspiriert. In der Szene, in der die Smythe-Smiths das Theaterstück aufführen, gibt es zum Beispiel ein kleines Kind in einem Schafskostüm, das anfängt, am Klavier zu lecken. Das habe ich eins zu eins aus der Realität übernommen, aus einem Video von einem der kleineren Kinder in meiner Familie, das einfach nicht aufhören wollte, an einem Tischbein zu lecken. Das musste ich einfach schriftlich festhalten.
Ihre Romane handeln von der Liebe in einer Familie, von romantischer Liebe und sogar von der Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen. Gibt es irgendeinen Aspekt der Liebe, den sie noch nicht beleuchtet haben, aber über den Sie gerne noch schreiben würden?
Oh, ich weiß nicht. Da gibt es einfach so viel, dass ich mir nichts Spezielles aussuchen kann. Zumindest fällt mir nichts ein, von dem ich sagen würde: Darüber will ich nicht schreiben. Aber das ist ja auch das Schöne daran. Die Liebe ist so groß und facettenreich, dass man immer eine neue Perspektive auf die Dinge finden kann, mit der man sich noch nicht beschäftigt hat.
© Fotografin Chona Kasinger
Haben Sie einen Liebling unter den Bridgerton-Geschwistern? Oder einen Lieblingscharakter aus Ihren anderen Romanen?
Diese Frage wird mir oft gestellt. Ich habe weder ein Lieblingsbuch noch einen Lieblingscharakter. Aber eines kann ich sagen: Am meisten Spaß beim Schreiben hatte ich mit Lady Danbury!
Bei vielen ist die Smythe-Smith-Serie sehr beliebt. Besteht die Chance, dass diese Romane ebenfalls verfilmt werden?
Noch gibt es keine konkreten Pläne. Und wenn es welche gäbe, dürfte ich wahrscheinlich nicht darüber sprechen. Aber vielleicht gibt es doch irgendwann eine Verfilmung.
Bevor Sie nach Frankfurt zur Buchmesse aufbrechen, möchten Sie Ihren Fans hier in Hamburg noch etwas sagen?
Ich freue mich sehr darauf, dass ich in Hamburg einen halben Tag frei habe. Ich werde mir die Stadt und den Hafen anschauen. In manchen Städten, die ich besucht habe, hatte ich nicht so viel Zeit. Von Leipzig zum Beispiel habe ich nur den Bahnhof, das Hotel und den Buchladen gesehen. Ich freue mich jetzt auf mein Franzbrötchen und darauf, viele neue Leute kennenzulernen.
Bridgerton Staffel 4: Alle Infos zum Start
Nach dem dramatischen Finale der dritten Staffel warten wir alle gespannt auf die neue Staffel. Packt eure Fächer aus und macht den Tee bereit – hier erfahrt ihr alles Wichtige zur neuen Staffel.
Wann startet Bridgerton Staffel 4 auf Netflix?
Markiert euch diese Termine rot im Kalender! Netflix behält seine Strategie bei und veröffentlicht die neue Staffel in zwei Teilen. So bleibt die Spannung länger erhalten und wir haben zwischendurch Zeit, die Ereignisse (und Skandale) zu verdauen.
- Teil 1: 29. Januar 2026
- Teil 2: 26. Februar 2026
Der Startschuss fällt also direkt zu Beginn des Jahres 2026. Perfekt, um die kalten Wintertage mit historischer Romantik und farbenprächtigen Kostümen zu überbrücken.
Im Fokus: Benedict Bridgertons große Liebe
Lange mussten Fans darauf warten, doch in Staffel 4 ist es endlich soweit: Der zweitälteste Bridgerton-Sohn, Benedict (gespielt von Luke Thompson), tritt ins Rampenlicht. Bisher kannte man ihn eher als den künstlerischen Freigeist, der sich nicht binden wollte. Doch das ändert sich schlagartig.
Die Handlung orientiert sich an Julia Quinns Roman "Wie verführt man einen Lord?". Alles dreht sich um einen geheimnisvollen Maskenball, auf dem Benedict einer faszinierenden Unbekannten begegnet: der "Lady in Silver". Hinter der Maske verbirgt sich Sophie Beckett (gespielt von Yerin Ha). Macht euch bereit für eine Aschenputtel-artige Romanze voller Leidenschaft, gesellschaftlicher Hürden und der Suche nach der wahren Identität.
Was passiert mit Francesca und Eloise?
Neben Benedicts Liebesabenteuer werden auch die Geschichten der anderen Geschwister weiterentwickelt.
- Francesca: Ihre Reise führt sie in die schottischen Highlands. Nach ihrer Heirat mit John Stirling warten dort neue Herausforderungen und emotionale Wendungen auf sie. Fans der Bücher ahnen bereits, dass hier noch große Gefühle auf dem Spiel stehen.
- Eloise: Auch die rebellische Eloise entwickelt sich weiter. Ohne ihre beste Freundin Penelope an der Seite muss sie ihren eigenen Weg finden und vielleicht sogar lernen, sich für andere Perspektiven zu öffnen.
Fazit: Ein Muss für Romance-Fans
Bridgerton Staffel 4 verspricht wieder genau das, was wir an der Serie lieben: opulente Bälle, scharfzüngige Dialoge und Herzklopfen pur.
Bis zum Start bleibt noch etwas Zeit – die ideale Gelegenheit, um die ersten drei Staffeln exklusiv auf Netflix noch einmal anzuschauen oder die Buchvorlagen zu lesen.
Wir sehen uns auf dem Maskenball!
