Habe Hund – suche Mann!

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Oh nein, Humphrey ist ausgebüxt! Der freche Basset-Hund ihrer Tante bringt Brooke noch um den Verstand. Los geht die nächtliche Suche - doch zum Glück ist Brooke nicht allein. Hundeflüsterer und Tierarzt Gage ist an ihrer Seite. Und ist es noch, als der Morgen graut …


  • Erscheinungstag 22.10.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751547871
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Leseprobe

Helen R. Myers

Habe Hund – suche Mann!

1. KAPITEL

„Humphrey? Komm her, Kleiner. Sei ein braver Hund. Es ist Schlafenszeit.“

Brooke Bellamy kam sich ziemlich dumm vor. Wie um Himmels willen sollte sie den Hund zurück ins Haus locken – vor allem, wenn sein geliebtes Frauchen nicht hier war?

Brooke spähte ins Dunkel. Es war schon fast Mitternacht. Trotz der späten Stunde war es noch immer warm. Ungewöhnlich warm für den ersten Dienstag im Juni. Sehnsüchtig dachte Brooke an die Klimaanlage im Schlafzimmer.

In der Nachbarschaft waren die meisten Fenster schon dunkel. Die glücklichen Menschen dort lagen friedlich in ihren Betten, während Brooke einem vorwitzigen Haustier hinterherrennen musste.

Es war bereits ihre dritte Nacht in Sweet Springs, Texas, und Brooke versuchte mit aller Macht, irgendetwas Positives daran zu finden. Wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mach Limonade draus, dachte sie spöttisch.

Da entdeckte sie das frische Loch unter dem Gartenzaun. Verdammt! Tante Marshas heiß geliebter Dachshund hatte sich also heimlich einen Weg in die Freiheit gegraben. „Oh, nein“, stöhnte Brooke leise. „Auch das noch.“

Vor drei Tagen war ihre siebzigjährige Tante Marsha Newman in der Dusche gestürzt und hatte sich die rechte Hüfte gebrochen. Als Brooke davon erfahren hatte, hatte sie alles stehen und liegen lassen und sich schnellstens auf den Weg gemacht. Während der langen Fahrt von ihrem Haus in Turtle Creek in Dallas bis in das verschlafene Sweet Springs hatte sie sich die größten Sorgen gemacht.

Es war bereits das zweite Mal in diesem Monat, dass ihr Leben gründlich auf den Kopf gestellt wurde: Vor wenigen Tagen erst hatte Brooke ihren Job verloren. Sie, die Tochter des erfolgreichen Großunternehmers Damon Bellamy, war tatsächlich arbeitslos! So etwas hätte Brooke sich niemals träumen lassen.

„Humphrey!“, rief sie energisch. „Wo bist du? Komm sofort zurück!“ Immerhin war die Gefahr, dass der Hund auf der Straße angefahren wurde, relativ gering. Zu dieser nachtschlafenden Zeit herrschte in Sweet Springs praktisch kein Verkehr. Die ruhige Kleinstadt zählte kaum viertausend Einwohner.

Doch man konnte ja nie wissen! Das Glück hatte Brooke ganz offensichtlich verlassen.

Unglaublich, wie schnell Humphrey davongelaufen war! Für gewöhnlich bewegte er sich mit seinen kurzen Beinen so behäbig wie ein Gürteltier. Brooke hatte den kleinen Kerl höchstens zehn Minuten allein gelassen, um im Haus zu duschen. Wahrscheinlich hatte er nur darauf gewartet, bei der erstbesten Gelegenheit zu entkommen.

Wo mochte er jetzt sein? Brooke blickte an sich hinunter. Das violette Satinnachthemd war nicht gerade dafür geeignet, durch die Nachbarschaft zu streifen. Doch was blieb ihr anderes übrig? Es würde Tante Marsha das Herz brechen, wenn Brooke ihr am nächsten Morgen erzählen musste, dass ihr Hund weg war.

Nein, nicht nur ein Hund – ihr treuer Freund und Begleiter, der seit zehn Jahren nicht von Tante Marshas Seite wich.

„Humphrey, Schätzchen, komm zurück. Ich hab ein Leckerli für dich.“ Damit hatte Brooke den kleinen Kerl am ersten Abend ins Haus gelockt, als er unermüdlich am Zaun auf und ab gelaufen war. Doch nun blieb alles still.

Mit wachsender Sorge schaltete Brooke die Taschenlampe ein und öffnete das Tor. Sie schlüpfte hinaus und leuchtete den Zaun von der gegenüberliegenden Seite ab.

„Schon wieder auf der Suche, wie?“

Brooke wirbelte herum. Sie war so in Gedanken vertieft, dass sie nicht bemerkt hatte, wie ihr Nachbar aus dem Haus gekommen war.

Dr. Gage Sullivan war der örtliche Tierarzt. Er arbeitete in Sweet Springs’ Tierklinik am Rande der Stadt. Unter den Tierfreunden genoss er einen unnachahmlichen Ruf. Nun, nicht nur unter den Tierfreunden.

„Hi, Doc. Sie sind noch wach? Müssen Sie nicht morgens früh raus?“ Brooke kreuzte unauffällig die Arme vor der Brust. Es war ihr peinlich, dass er sie in nichts als ihrem Nachthemd überrascht hatte.

Bereits gestern Abend hatte er ihr geholfen, den kleinen Ausreißer wieder nach Hause zu locken. Doch gestern hatte Brooke immerhin noch ihre Straßenkleidung getragen.

Das spärliche Licht der Veranda erhellte sein Gesicht. Er schenkte ihr ein strahlendes Lächeln. „Tja, was für ein Glück, dass ich noch Papierkram zu erledigen hatte. Ich kann Humphrey sicher noch einmal finden.“ Er senkte den Kopf. „Und waren wir nicht schon beim Du?“

Betont gleichgültig hob Brooke die Schultern. „Oh, kann sein.“ Sie deutete auf den Rasen. „Ich war keine zehn Minuten im Haus, da hat Humphrey sich ein Loch unter dem Zaun hindurchgegraben und ist entwischt. Ich kann es noch immer nicht fassen. Ich dachte immer, der Kleine wüsste gar nicht, wie er seine Beine gebrauchen soll.“

Gage lachte. „Tja, da hat er dich ganz schön reingelegt, der Filou. Aber keine Sorge. Ich weiß, wie man mit Spitzbuben umgeht.“

Brooke sah ihn zweifelnd an. „Ach ja, mit Spitzbuben kennen Sie sich also aus?“

„Gage, schon vergessen? Immerhin sind wir Nachbarn“, erinnerte er sie. „Und ja, fast jeder hat ein schwarzes Schaf in der Familie.“

Unauffällig musterte Brooke sein ebenmäßiges, durch und durch amerikanisches Gesicht. Es wurde von dunkelbraunem Haar eingerahmt, das im Halbdunkel feucht glänzte – offenbar hatte auch er vor wenigen Minuten geduscht. „Wirklich?“

„Leider ja. Mein Onkel ist in seiner Jugend öfter mit dem Gesetz aneinandergeraten. Gott sei Dank hat er irgendwann gelernt, seine Talente anderweitig einzusetzen. Heute ist er ein erfolgreicher Magier.“

Brooke wusste nicht, ob sie ihn ernst nehmen sollte. Sie war ihm erst dreimal begegnet, und ihr Eindruck, dass er ein sehr entspannter, liebenswürdiger Mensch war, schien sich zu bewahrheiten.

Von Tante Marsha hatte sie ausschließlich Gutes über ihn gehört. Jedes Mal, wenn das Gespräch auf ihren jungen Nachbar kam, sang Marsha buchstäblich ein Loblied auf ihn.

Allerdings schien Marsha nur seine höfliche, pflichtbewusste Seite zu kennen. Brooke vermutete, dass noch viel mehr in ihm steckte – und dass sich neben der Hilfsbereitschaft und Güte ein feinsinniger Humor verbarg. Wenn Gage nicht praktizierender Tierarzt wäre, hätte er den perfekten Dozenten abgegeben. Die Studentinnen hätten ihn sicher angehimmelt.

Ich bin jedenfalls keine Studentin, dachte Brooke. Mich kann er nicht so einfach beeindrucken. „Im Grunde geht mich das überhaupt nichts an“, sagte sie hochmütig. „Und ich mache mir nichts aus Klatsch.“

Mit einem gutmütigen Zwinkern hob Gage die Schultern. „Dann ist es ja gut. Aber ich hielt es für besser, die dunklen Familiengeheimnisse gleich auf den Tisch zu bringen.“

Brooke war irritiert. „Warum?“

Gage lächelte. „Weil ich dich ausführen möchte.“ Dann fügte er rasch hinzu: „Natürlich erst, wenn Tante Marsha sich besser fühlt. Ich weiß, dass du gerade genug um die Ohren hast.“

Für einen Augenblick war Brooke sprachlos. Sie musterte sein Gesicht. Meinte er das wirklich ernst?

Sicher, er war ein attraktiver Mann. Selbst in dem einfachen T-Shirt und Blue Jeans wirkte er sehr anziehend und männlich. Und selbstsicher.

„Du verschwendest keine Zeit, wie?“

„Oh, meine Eltern sehen das völlig anders. Immerhin bin ich schon sechsunddreißig – und noch immer Single.“ Er grinste. „Außerdem habe ich schon öfter darüber nachgedacht, dich auszuführen. Seit Marsha mir Fotos gezeigt und erzählt hat, was für eine unglaubliche Frau du bist …“

„Tante Marsha“, stöhnte Brooke leise. „Na schön. Eines solltest du wissen: Ich bin zwar hier geboren und aufgewachsen, aber als mein Dad damals wegziehen wollte, hat uns niemand eine Träne nachgeweint. Nach dem Tod meiner Mutter hat ihn nichts mehr hiergehalten. Selbst Marsha nicht.“

Sie schüttelte den Kopf. Auf keinen Fall wollte sie Gage ermutigen. „Außerdem werde ich nicht hierbleiben“, fügte sie sicherheitshalber hinzu. „Und jetzt muss ich wirklich diesen verflixten Hund finden.“ Sie blickte zur Straße. „Denkst du, du könntest mir noch einmal helfen? Auf dich scheint Humphrey besser zu hören.“

Gage nickte. „Sicher. Hast du schon unter deinem heißen Sportwagen nachgesehen?“

Unwillkürlich folgte Brooke seinem Blick zu ihrem Auto. Es war ein silberner BMW Sportcoupé – ein Liebhaberstück, das sie sich nach ihrem ersten großen Erfolg als Finanzberaterin zugelegt hatte.

Gage kniete sich auf die Straße und blickte darunter. „Fehlanzeige. Na, dann wollen wir mal. Könnte ja sein, dass sich der kleine Kerl mit einem streunenden Waschbär angelegt hat. Oder einem Fuchs.“

Sie schluckte. Der Gedanke an wilde Tiere machte sie zugegebenermaßen nervös. Um ehrlich zu sein, konnte sie nicht einmal Tante Marshas tiefe Zuneigung zu Haustieren teilen. Am liebsten sah Brooke Tiere im Zoo aus sicherer Entfernung.

„Da habe ich einen Nerv getroffen, was?“, fragte Gage belustigt, als er Brookes Gesichtsausdruck bemerkte. „Keine Bange. Mit mir an deiner Seite wird dir nichts geschehen. Wir werden den alten Jungen schon finden.“ Er wandte sich ab. „Warte eine Sekunde. Ich hole dir meine Windjacke.“

Bevor Brooke protestieren konnte, eilte Gage mit großen Schritten über den Hof zu seinem Haus. Kurz darauf kam er zurück. Er legte Brooke die Windjacke um die Schultern und lächelte sie aufmunternd an. „Dann mal los.“

Brooke folgte ihm auf die Straße. Dieser Mann war wirklich ein Engel. Er war derjenige, der Tante Marsha am Sonntagmorgen gefunden hatte. Nachdem er ihren Hilferuf gehört hatte, war er sofort hinübergeeilt und hatte den Krankenwagen verständigt.

Dafür würde Brooke ihm ewig dankbar sein. Doch auf mehr würde sie sich nicht einlassen – ganz gleich, was für Absichten Gage hatte. Brooke wollte nur eines: So schnell wie möglich zurück nach Dallas und ihre Karriere wiederaufnehmen.

Energisch strich sie sich das blonde Haar aus dem Gesicht. Nein, in Sweet Springs gab es für sie keine Zukunft, nur Kindheitserinnerungen.

„Ich weiß noch, wie ich hier als Kind zu Halloween von Haus zu Haus gezogen bin.“ Brooke betrachtete die stillen Häuser. „Ich war so stolz auf mein Robin-Hood-Kostüm.“

Gage hob die Braue. „Robin Hood? Du bist nicht als Prinzessin gegangen?“

„Klischees, Doktor?“, fragte Brooke zurück. Dann schüttelte sie den Kopf. „Du unterschätzt mich.“

„Bestimmt nicht. Aber meistens gibst du dich, als wärest du mit High Heels auf die Welt gekommen.“ Er musterte sie von Kopf bis Fuß. Seine graublauen Augen glitzerten im Licht der Straßenlaternen.

Damit hatte er gar nicht unrecht. Doch Brookes Vorliebe für teure Kostüme und stilvolle Kleider hatte sich erst viel später entwickelt. Erst nachdem ihr Vater sich immer mehr in ihr Leben eingemischt und ihr eingebläut hatte, wie wichtig Auftreten und Prestige in ihrem Job waren.

Doch vor dem Sprung auf die Karriereleiter hatte Brooke an ganz anderen Dingen Interesse gehabt. Früher hatte sie sich am liebsten in ein gutes Buch vertieft – eines der Bücher, die ihre Mutter ihr hinterlassen hatte.

Brooke hoffte inständig, dass Tante Marsha ihrem Nachbarn nicht zu viel über ihr Leben verraten hatte. Rasch wechselte sie das Thema. „Was glaubst du, wohin Humphrey gelaufen ist?“

Gage streckte den Arm aus. „Nun, das Krankenhaus liegt in dieser Richtung.“

„Das Krankenhaus? Es ist über eine Meile entfernt. Denkst du wirklich, Humphrey ist seinem Frauchen nachgelaufen? Er findet doch unmöglich den Weg.“

„Vielleicht doch. Hunde haben einen unglaublich guten Geruchssinn. Aber Humphrey ist schon alt, und er ist nicht mehr der Schnellste. Wenn wir Glück haben, erwischen wir ihn noch, bevor er auf die Hauptstraße gerät.“

Verstohlen sah Brooke auf ihre Füße. Sie trug nur ein Paar leichte, mit Glitzersteinen besetzte Flip-Flops. Hoffentlich ist er wirklich noch nicht so weit gekommen, dachte sie.

Nach wenigen Schritten hielt Gage inne. „Hast du das gehört?“

Brooke lauschte in die Dunkelheit. „Ein Wimmern. Das ist Humphrey! Wo steckt er bloß?“

Gage legte die Hand ans Ohr. „Das Geräusch kam aus diesem Garten. Komm, wir steigen über den Zaun.“

Brooke zögerte. „Wir können doch nicht einfach in den Garten fremder Menschen einsteigen.“

„Keine Sorge, ich kenne hier jeden in der Gegend. Das geht schon in Ordnung.“ Mit diesen Worten schwang er seine langen Beine gekonnt über das Gattertor. Dann drehte er sich um und reichte Brooke die Hand.

„Danke.“ Brooke versuchte, den Schauer zu ignorieren, den seine Berührung über ihren Rücken sandte, als er ihr über den Zaun half. Rasch ließ sie seine Hand wieder los.

Da ertönte ein leises Bellen. „Oh, Humphrey! Er wird noch die gesamte Nachbarschaft aufwecken.“

„Das haben wir gleich.“ Gage ging entschlossen um das Haus herum.

Dahinter war ein kleiner Teich angelegt. Am Rande des Teiches kauerte ein Hund und kratzte ungeduldig mit der Pfote. Es war Humphrey!

„Gott sei Dank!“, flüsterte Brooke. „Was sucht er da bloß?“

In diesem Moment durchbrach ein weiteres Geräusch die Stille. Es war ein lautes, empörtes Quaken.

Gage lachte leise. „Sieht so aus, als sei Humphrey auf Krötenjagd.“

Jetzt erkannte auch Brooke die dicke, braune Kröte auf der anderen Seite des Teiches.

„Du treuloser Hund“, sagte Gage mit einem Schmunzeln. „Kaum wirst du von einer dicken Amphibie abgelenkt, ist dein Frauchen vergessen.“ Er näherte sich dem Teich. „Soll ich ihn holen?“, fragte er mit Blick auf Brookes leichte Sandalen.

„Ich wäre dir sehr dankbar.“

In aller Ruhe überquerte Gage den Rasen, stieg über ein kleines Beet und bückte sich zu Humphrey hinunter, der noch immer wie gebannt die Kröte anstarrte. Dann packte er das Hundehalsband. So leise wie möglich verließen sie den Garten und traten zurück auf die Straße.

„Ich werde dich nie wieder ohne Aufsicht rauslassen“, tadelte Brooke den Hund.

„Sei nicht zu hart zu ihm. Es ist ja nichts passiert.“

„Trotzdem. Was soll ich bloß mit ihm machen? Tante Marsha hat ihn immer mit in den Blumenladen genommen. Aber ich kann das nicht.“

„Warum nicht? Es ist praktisch sein zweites Zuhause. Von den Kunden im Laden wird er verwöhnt. Er fühlt sich einsam, wenn er den ganzen Tag alleine im Haus ist.“

Brooke zögerte. Tierpflege war nun einmal nicht ihr Gebiet. Und sie kannte Humphrey nicht so gut wie Tante Marsha. Erst jetzt fiel ihr auf, wie selten sie Marsha im vergangenen Jahr besucht hatte. Das schlechte Gewissen begann an ihr zu nagen. Dennoch hatte Gage kein Recht, sie zu verurteilen.

„Es kann sich nicht alles um einen Hund drehen, Doktor.“

„Gage.“

Sie überging seinen Kommentar. „Du denkst vielleicht, in einem Blumenladen gäbe es nicht viel zu tun, aber …“

„Das habe ich nie behauptet.“

„Schön.“ Brooke kniff die Lippen zusammen. „Wie dem auch sei. Solange ich im Laden arbeite, kann ich kein Auge auf Humphrey haben. Da ist unheimlich viel zu tun. Vor allem, seit der andere Blumenladen in der Stadt dichtgemacht hat. Die Besitzerin ist in Pension gegangen, und seither werden wir mit Nachfragen überhäuft.“

Gage nickte nachdenklich. „Du hast schon als Kind manchmal im Laden ausgeholfen, stimmt’s?“

„Schon. Aber das ist lange her. Ich kann nur noch mit Mühe eine Primel von einem Veilchen unterscheiden, geschweige denn ein Gesteck zustande bringen.“ Sie seufzte tief. „Außerdem bin ich hier, um Tante Marsha zu helfen – nicht, um ihren Hund zu bespaßen.“

Gage sah sie an. „Wenn ich vorher gewusst hätte, dass du in Schwierigkeiten steckst, hätte ich dir schon längst meine Hilfe angeboten.“

„Das ist sehr nett. Aber du hast doch gar keine Zeit für Humphrey“, bezweifelte Brooke.

„Ich nicht. Aber ich kenne da ein paar Jungs, die sich riesig über ihn freuen würden.“

Jungs? Hatte er etwa Kinder? Davon hatte Tante Marsha nie etwas erzählt.

Gage quittierte Brookes gehobene Braue mit einem nachsichtigen Lächeln. „Nun, Jungs ist vielleicht das falsche Wort. Aber manchmal können die alten Knaben richtige Kindsköpfe sein.“

Alte Knaben? „Jetzt verstehe ich überhaupt nichts mehr“, gab Brooke zu.

Gage lachte. „Nun, da gibt es zum einen Roy Quinn. Er ist sozusagen mein Mädchen für alles: Sekretär, Manager und Tierpfleger in einem. Er würde es nie zugeben, weil er so verdammt bescheiden ist, aber ohne ihn wäre ich in der Praxis aufgeschmissen.“

Gage seufzte tief. „Außerdem war er eine willkommene Abwechslung … Nach all den albernen, jungen Dingern, die sich um die Stelle beworben hatten.“

Brooke warf ihm einen Seitenblick zu. „… oder wohl eher um die Stelle als ‚Mrs. Sullivan‘?“

Gage grinste. „So könnte man es nennen.“

Kein Wunder, dachte Brooke.

Stattdessen sagte sie: „Und Roy hat also Kinder, die gerne mit Humphrey spielen würden?“

Gage sah sie verwirrt an. Dann stieß er ein leises, amüsiertes Lachen aus. „Oh, nein. Roy hat keine Kinder. Er ist ein überzeugter Junggeselle. Mit ‚Jungs‘ meine ich die Veteranen. Als ich Roy einstellte, hat er mich gebeten, seinen Kumpels ein Plätzchen in der Klinik einzuräumen, wo sie sich treffen können.“

„Die männliche Version von Kaffeekränzchen?“

„Richtig. Alle vier sind herzensgute Kerle. Ich hatte nichts dagegen, ihnen einen Aufenthaltsraum anzubieten. Vor allem, nachdem sie sowohl beim Donut-Shop als auch im Supermarktcafé rausgeflogen sind.“

„Ich schätze, es haben nicht alle so viel Verständnis wie du“, warf Brooke ein.

Gage hob die Schultern. „Sie stören ja niemanden. Obwohl …“ Er zwinkerte ihr zu. „Manchmal fallen sie mir auf die Nerven. Vor allem, wenn sie mich verkuppeln wollen.“

Brooke stöhnte leise. „Vier alte Klatschbrüder, die sich als Kuppler versuchen. Du musst wirklich eine Engelsgeduld haben.“

Gage machte eine wegwerfende Geste. „Ach was. Manchmal sind sie auch sehr nützlich. Nach dem Militärdienst waren sie alle Farmer oder Unternehmer in Sweet Springs, und sie kennen praktisch jeden meiner Klienten. Sie können mir sofort sagen, wer welches Haustier oder welche Herde besitzt.“

Brooke nickte. „Verstehe. Und du? Warst du auch beim Militär?“

Gage zögerte. Als er dann sprach, klang es fast wie eine Entschuldigung. „Ich war nur acht Jahre lang im Reservedienst.“

„Na und? Das ist genauso ehrenhaft.“

„Vielleicht. Ich habe damals diesen Weg gewählt, weil ich die Schule beenden und meine eigene Praxis aufbauen wollte. Aber die Jungs ziehen mich trotzdem hin und wieder damit auf. Es sind eben alte Haudegen.“

Brooke sah ihn besorgt an. „Aber du dienst jetzt nicht mehr in der Reserve, oder? Es besteht nicht die Gefahr, dass du eines Tages eingezogen und nach Übersee beordert wirst?“

Gage schüttelte den Kopf. „Nein. Ich bin schon lange raus.“

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