Heiratsantrag mit Hund

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Susannahs erste Begegnung mit Tierarzt Chris Jennings endet dank ihres Hundes im Chaos und mit einem handfesten Streit! Und doch fragt sich die fröhliche Krankenschwester, warum Chris so düster ist. Kann sie die Sonne zurück in sein Leben bringen – oder gar die Liebe?


  • Erscheinungstag 22.10.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751547857
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Leseprobe

Rachel Dove

Heiratsantrag mit Hund

1. KAPITEL

„Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll, Doktor – er ist gar nicht mehr er selbst. Er ist so antriebslos und frisst schlecht.“

Traurig betrachtete Mrs. Chan ihre geliebte bessere Hälfte, die sie aus glasigen Augen ansah. Dies war der schwierigste Teil des Jobs. Man brauchte viel Mitgefühl, Herz und Takt. Das fehlte ihm momentan allerdings. Chris unterdrückte seinen Ärger. Er hatte geglaubt, der Umzug würde seine Stimmung verbessern. Sicher, Puddle Lake war ein sehr hübscher kleiner Ort, aber Chris war immer noch traurig und frustriert. Vergeblich versuchte er, sich ein Lächeln abzuringen.

„Mrs. Chan, das Problem ist, dass Gustav ziemlich … dick ist, nicht?“ Entgeistert blickte Mrs. Chan ihn an, doch er musste ihr sein Anliegen klarmachen. „Ich weiß, Sie lieben Ihren Kater. Leider liebt er sein Fressen auch, aber eine Katze kann nicht Nein sagen. Sie kennt kein Sättigungsgefühl. Wenn er in der Nachbarschaft rumläuft und etwas bekommt, wird er auch das fressen.“

Sie wirkte immer noch verstimmt, doch ihre Miene war sanfter geworden.

„Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass es Liebe ist, wenn man seinen Haustieren Leckerchen gibt. Alle Halter müssen für eine ausgewogene Ernährung sorgen. Was ich damit sagen will, ist, dass er nur sein Diätfutter bekommen darf. So zeigen Sie ihm Ihre Liebe, Mrs. Chan. Er ist eigentlich ein aktiver Kater, aber er ist traurig, weil er sich nicht bewegen kann.“ Gustav sah ihn an und miaute kläglich.

Schon gut, Kumpel, dachte Chris. Ich stehe hinter dir.

„Also, was heißt das, Dr. Jennings?“

„Das heißt, wenn Sie Gustav Ihre Liebe weiter mit Leckerchen zeigen, wird er seine neun Leben viel schneller verbrauchen.“

Ihr erzürnter Blick bewies ihm, dass er zu weit gegangen war. Allerdings wäre er noch weiter gegangen, um diese Frau davon abzuhalten, ihren armen Kater zu Tode zu füttern. Seine Patienten lagen ihm am Herzen, auch wenn ihm alles andere egal war.

„Ich glaube, wir sollten lieber mit Dr. Ingham sprechen.“ Mrs. Chan musterte ihn von Kopf bis Fuß und ließ keinen Zweifel daran, dass seine Worte bei ihr auf taube Ohren stießen. „Hat Cheryl seine Nummer?“

Chris widerstand dem Drang, die Augen zu verdrehen. Dies war seine zweite Arbeitswoche, und bis auf einen Halter hatten alle dieselbe Frage gestellt. Plötzlich vermisste er seine alte Praxis, das gute Verhältnis zu den Familien seiner Patienten, die er jahrelang betreut hatte. Dort war ihm alles vertraut gewesen. Doch hier hatte er keine Zeit dafür. Er seufzte innerlich.

„Ich bin sicher, dass Dr. Ingham meine Diagnose bestätigen würde, denn er hatte Gustav das Diätfutter verordnet. Aber Sie können sich natürlich eine zweite Meinung einholen. Ich fürchte nur …“ Er musste schließlich höflich bleiben. „Dr. Ingham ist momentan im Urlaub und nimmt keine Anrufe entgegen. Cheryl macht sich natürlich Notizen.“ Dr. Ezekiel Ingham, der ihm die Praxis verkauft hatte, befand sich gerade mit seiner Familie auf einem Kreuzfahrtschiff und würde sich nicht um Mrs. Chan oder Gustav scheren.

Vielleicht hätte ich das tun sollen, überlegte Chris unwirsch. Alles verkaufen und auf Reisen gehen, statt … „Ich bringe Sie beide raus, Mrs. Chan. Sie können dann am Empfang bezahlen.“

Gustav saß bereits in seinem Tragekorb und warf ihm einen ebenso finsteren Blick zu wie sein Frauchen, bevor dieses den Raum verließ. Die arme Cheryl. Chris konnte schon hören, wie Mrs. Chan sich über sein mangelndes Mitgefühl beschwerte und Cheryl ihre Standardantwort gab. Er fühlte sich ein wenig schuldig, konnte allerdings nichts gegen seine Stimmung tun. Er war immer für seine Patienten da. Bei seiner Arbeit hatte er sich stets selbst übertroffen. Und nun, da diese sein einziger Lebensinhalt war, funktionierte er wie ein Automat. Er stand morgens auf, aß etwas, zahlte seine Rechnungen und erschien in seiner neuen Praxis. Das musste vorerst reichen, oder?

Als im nächsten Moment die Eingangstür zugeknallt wurde, argwöhnte Chris, dass es vielleicht doch nicht genügte. Seufzend wusch er sich die Hände. Als er anschließend die Tür öffnen wollte, um den nächsten Patienten hereinzurufen, wurde diese schon von einer schmutzigen Schnauze aufgestoßen. Dann stürmte ein Dobermann herein, der gerade in Schlamm gebadet zu haben schien. Sobald er merkte, wo er war, wollte er wieder hinauslaufen. Dabei traf seine Leine Chris schmerzhaft am Bein. Im Wartebereich hörte er eine Frau panisch rufen.

„Hendrix, du verrückter Kerl! Ruhig!“ Nun kam sie herein und versperrte ihm den Weg, während Chris sich den schmerzenden Knöchel rieb. „Oh, das tut mir so leid, er ist ein bisschen … lebhaft.“

„Allerdings.“ Er schnappte sich die Leine, woraufhin der große braune Hund stehen blieb. „Hendrix, ja?“

„Ja.“ Die Frau, erhitzt vom Ringen mit dem Hund, strahlte ihn an. „Allerdings spielt er schrecklich Gitarre. Zu viele Pfoten.“

Während sie ihn weiter anstrahlte, verschwendete Hendrix keine Zeit, indem er ihn beschnupperte – und zwar im Schritt. Nachdem Chris ihn sanft weggeschoben hatte, ging er hinter den Untersuchungstisch, um auf Abstand zu bleiben. Dabei betrachtete er die Frau, die in allen Regenbogenfarben gekleidet war.

„Also, was kann ich für Hendrix tun?“

„Ach, das Übliche. Er muss geimpft und entwurmt werden. Im Tierheim haben sie nach einem Mikrochip gesucht, aber nichts gefunden. Wahrscheinlich war er ein Weihnachtsgeschenk. Diese Hunde werden so … Das ist den Leuten anscheinend nicht klar.“ Als sie Hendrix den Kopf tätschelte, blickte Chris sie bewundernd an.

„Sie wollen ihn also behalten?“

Die Frau lachte. „Tut mir leid, ich glaube, man hat uns noch nicht richtig vorgestellt. Ich bin Susannah Harkin. Ich bin ehrenamtlich für die Tierheime hier in der Gegend tätig. Vor einigen Jahren habe ich meinen Labrador verloren, und ich bin noch nicht bereit für einen anderen Hund. An einem traurigen Nachmittag habe ich mich im Tierheim umgesehen …“ Ihr versagte die Stimme, und er fragte sich, was sie hatte sagen wollen. Dann schien sie sich jedoch zusammenzureißen und lächelte, was den ganzen Raum zu erhellen schien. „Jedenfalls bin ich jetzt hier. Ich habe einige Hunde in Pflege und erziehe sie, um sie auf ihr zukünftiges dauerhaftes Zuhause vorzubereiten.“

„Gibt es so was denn noch?“

„Was?“

„Ein dauerhaftes Zuhause“, konterte Chris. „Unsere Wegwerfgesellschaft scheint anders zu empfinden.“

Jetzt wirkte Susannah nachdenklich. Schließlich kraulte sie Hendrix hinter den Ohren und sah Chris dabei an.

„Vielleicht, aber man schüttet das Kind nicht mit dem Bade aus. Jedenfalls nicht in Puddle Lake. Hier sind die Menschen einander nicht gleichgültig. Und ich sehe es so: Wenn ich einigen Hunden dabei helfen kann, es besser zu treffen, ist es das mehr als wert. Außerdem habe ich ein bisschen Gesellschaft im Haus.“

Unwillkürlich nickte er. Das konnte er nachvollziehen. Ihm wurde schon bei der Vorstellung eiskalt, nach Hause zu fahren. Er saß dort und wartete darauf, dass er zur Arbeit gehen konnte, aber auch wenn die Arbeit begann, besserte sich seine Stimmung nicht.

„Also, Hendrix braucht nur das Übliche. Ein bisschen Ausbildung und Erziehung, einen Gesundheitsscheck, und dann kann er gehen.“

Hendrix blickte ihn an, als würde er alles verstehen, was sie beide sagten. Typisch Hund – sie liebten alle die Tierärzte, bis sie zum ersten Mal behandelt wurden. Nun sah Hendrix zur Tür, und Chris folgte seinem Blick. Susannah betrachtete ihn nach wie vor starr, als ihm bewusst wurde, dass er noch nicht geantwortet hatte. Schnell verdrängte er seine chaotischen Gedanken.

„Okay, stellen wir ihn auf den Tisch und sehen ihn uns an.“

Plötzlich riss der verängstigte Dobermann an der Leine und warf sich laut jaulend mit seinem ganzen Gewicht gegen die Tür.

„Hendrix … Hier …“ Susannah verlor das Gleichgewicht und stürzte, wobei sie sich in der Leine verfing und halb unter dem Hund landete, die farbenfrohe Kleidung auf dem Boden ausgebreitet. Daraufhin lief dieser um sie herum. „Hendrix, bitte! Mach mal halblang! Ich hatte dir doch gesagt, was dich erwartet. Wir haben eine Abmachung, Kumpel. Ich habe dir eine Trinkflasche für unterwegs gekauft, verdammt!“

Nun hielt der Hund inne, sah ihr in die Augen und leckte ihr die Wange, bevor er wieder laut heulend zu fliehen versuchte. Chris betrachtete die beiden und seufzte.

„Hendrix, stopp“, sagte er ebenso ruhig wie beherrscht, woraufhin der Hund ihn ansah und sich langsam von der Tür abwandte. Dann setzte er sich ruhig vor ihn. „Guter Junge.“ Nachdem Chris seinen Kopf getätschelt hatte, streckte er Susannah die Hand entgegen.

Einen Moment lang betrachtete sie sie argwöhnisch, während Hendrix gehorsam auf den nächsten Befehl zu warten schien. Schließlich legte sie die Hand langsam in seine. Diese fühlte sich warm und erstaunlich weich an. Chris war schockiert, denn seit einer Ewigkeit, wie es ihm schien, hatte er nicht mehr die Hand einer Frau gehalten. Langsam zog er Susannah hoch, wobei er auch ihre andere Hand ergriff.

Sie ist sehr hübsch. Schöne grüne Augen und rotes Haar. Meerglas und Feuer.

Langsam entzog sie ihm ihre Hände. „Danke. Tut mir leid mit ihm.“

Chris nahm sein Stethoskop vom Behandlungstisch und kniete sich neben den erschrockenen Hund. „Keine Sorge. Ich glaube, wir sind uns jetzt einig. Hendrix, bringen wir es hinter uns.“

Dr. Jennings untersuchte Hendrix und tippte zwischendurch etwas in den Computer. Susannah beobachtete, wie er wahre Wunder bei dem ungepflegten Hund bewirkte, der sich nun gehorsam von ihm untersuchen ließ.

„Sie sind also der neue Tierarzt? Kein Spinner, der unter seinem Namen arbeitet?“ Er wirkte ganz anders, als sein Vorgänger ihn beschrieben hatte.

„Sie sagen das Offensichtliche, denn ich habe das Thermometer gerade an einer prekären Stelle.“

Hendrix’ Miene war ein Bild für die Götter, die von Dr. Jennings säuerlich. Dennoch fuhr Susannah unerschrocken fort.

„Leben Sie sich hier denn gut ein? Es muss ein ziemlicher Kontrast für Sie sein, aus einer riesigen Praxis in der Großstadt hier aufs Land zu kommen.“

„Die Praxis war nicht riesig. Wir waren zu sechst.“

„Na, hier haben wir nur einen Tierarzt. Für uns ist das riesig. Als wir Starbucks an der Autobahnabfahrt bekamen, sind alle wochenlang durchgedreht. Vorher hatten wir nur einen Teeladen. Also, ist Ihr Eindruck positiv?“

„Ich bin schon seit einer Weile im Beruf“, verkündete Dr. Jennings mit versteinerter Miene. „Hendrix macht einen gesunden Eindruck und ist jetzt mit den Impfungen auf dem neuesten Stand.“

„Ich weiß“, ignorierte sie seinen Versuch, das Thema zu wechseln. „Ich meinte, ob Sie hier gern leben und arbeiten.“

Was hatte der Typ für ein Problem? Sie wollte doch nur nett sein. Es war so, wie wenn sie zu Hause mit den Hunden redete. Mit Hendrix konnte sie besser kommunizieren als mit diesem griesgrämigen Kerl. Allerdings war er ziemlich süß, wie sie feststellte, als er aufstand und wieder zum Computer ging. Er war groß, dunkelhaarig und wäre auch attraktiv gewesen, wenn er nicht so ein finsteres Gesicht gemacht hätte. Dr. Ingham hatte wirklich eine seltsame Wahl getroffen. Im Vergleich zu diesem verkrampften Mann mutete Ezekiel Ingham wie der Weihnachtsmann an.

Sie wusste, dass er eine Weile gesucht hatte, und als sie das letzte Mal hier gewesen war, um mit ihm über ihren Traum von einer Vermittlungsaktion zu sprechen, hatte er ihr aufgeregt erzählt, dass sein Nachfolger bald eintreffen würde und er dann die dringend benötigte Auszeit nehmen könnte. Jahrelang war er ein unentbehrliches Gemeindemitglied gewesen, doch nun, da seine Kinder ihr eigenes Leben lebten und selbst schon Kinder bekamen, wollte er kürzertreten. Und seinen Schilderungen zufolge würde Dr. Jennings der perfekte Nachfolger für ihn sein. Als sie nun jedoch beobachtete, wie dieser etwas zu kräftig in die Tasten haute und dabei spöttisch auf den Monitor blickte, konnte sie es nicht richtig nachvollziehen.

„Haben Sie heute einen schlechten Tag?“

Er ignorierte sie.

„Hallo? Erde an Dr. Jennings.“

„Was?“, fragte er fast scharf, woraufhin sie zum ersten Mal an diesem Tag die Stirn krauste. Schließlich wandte er sich zu ihr um, und sie glaubte, einen bedauernden Ausdruck über sein Gesicht huschen zu sehen. „Entschuldigung, haben Sie etwas gesagt?“

Selbst Hendrix hatte sie nicht annähernd so aufgebracht wie dieser Mann. „Ich habe Sie gefragt, ob Sie heute einen schlechten Tag haben.“

Nun runzelte Dr. Jennings die Stirn. „Nicht schlechter als alle anderen Tage.“

„Und?“

„Und was?“

„Und ist das gut oder schlecht?“

„Es ist einfach nur ein Tag. Es ist ein langweiliger Mittwochnachmittag, die Praxis ist voll, und ich wurde von einem Dobermann attackiert.“ Griesgrämig sah er sie an.

„Na ja, ein Tag ist das, was Sie daraus machen. Man muss die Dinge nur positiv sehen.“

Seinem Gesichtsausdruck zufolge hielt er sie für einen Hippie, der immer nett war und das auch von anderen erwartete. Obwohl sie das in vieler Hinsicht auch war, ärgerte es sie.

„Nicht immer. Wollen Sie Hendrix kastrieren lassen?“

Na großartig. Er will nicht, dass man ihn anspricht, oder?

„Ja, bitte. Ich möchte ihn so schnell wie möglich vermitteln, wenn ich ihn erzogen habe.“

Schweigend blickte er wieder auf den Monitor. „Ich kann den Eingriff nächste Woche durchführen“, meinte er schließlich. „Montagmorgen?“

Stirnrunzelnd rief Susannah ihren Terminkalender in ihrem Smartphone auf. „Da habe ich Dienst. Dienstag oder Mittwoch würde es gehen.“

Seufzend richtete er seine Aufmerksamkeit auf den Monitor, bevor er wieder kräftiger als nötig in die Tasten hieb. „Dienstag kann ich ihn gleich als Erstes einschieben. Passt das?“

Sie nickte und trug den Termin ein. „Perfekt. Da bin ich zu Hause und kann mich danach um ihn kümmern. Also, wie lautet das Urteil?“

„Er ist leicht untergewichtig, aber das sollte er bald aufholen. Für einen streunenden Hund ist er ziemlich gesund.“

„Oh, er war kein Streuner. Jemand hatte ihn vor dem Tierheim ausgesetzt.“

„Ah, jetzt verstehe ich sein Verhalten.“ Flüchtig presste Dr. Jennings die Lippen zusammen. „Schrecklich, dass manche Menschen glauben, Tiere wären Wegwerfware.“ Nachdem er eine Einverständniserklärung ausgedruckt hatte, kam er um den Schreibtisch herum, um sie ihr überreichen. Dabei kniete er sich hin, um Hendrix hinter den Ohren zu kraulen. Als dieser ihm daraufhin die Hand leckte, lachte er und entspannte sich. Er war tatsächlich attraktiv. Sein Stimmungswandel überraschte sie.

Was war bloß mit ihm los? Es schien mehr dahinterzustecken, und nun, da sie ihn beobachtete, konnte sie den Mann von eben nicht mit diesem in Einklang bringen.

„Haben Sie auch Haustiere?“ Plötzlich wollte sie mehr über ihn erfahren.

„Nein, leider nicht. Vor meinem Umzug hatte ich nie Zeit dafür.“

„Und jetzt?“, hakte Susannah nach.

Nun blickte er zu ihr auf. Hendrix genoss die Streicheleinheiten sichtlich. Eben hatte er noch zu fliehen versucht, und nun schmiegte er sich schamlos gegen seine Hand. Und seinem Gesichtsausdruck zufolge hatte Dr. Jennings noch nie mit dem Gedanken gespielt, sich ein Haustier anzuschaffen.

„Ich schätze, jetzt habe ich mehr Zeit. So habe ich das noch nie betrachtet.“ Nachdem er Hendrix ein letztes Mal gestreichelt hatte, stand er auf.

Unwillkürlich betrachtete sie seinen Körper, doch dann riss sie sich zusammen. Sie war wegen der Hunde hier. Und dabei fiel ihr die Vermittlungsaktion ein, die sie unbedingt auf die Beine stellen wollte.

„Dann suchen Sie womöglich bald einen Hund? Vielleicht können Sie einen bei der Vermittlungsaktion finden.“

„Vermittlungsaktion?“

Sofort war sie entmutigt. Anscheinend hörte er zum ersten Mal davon.

„Ja, ich hatte eine Abmachung mit Ihrem Vorgänger. Wir hatten hier viele gerettete Hunde, und ich bin ein bisschen überlastet. Eine solche Aktion wäre eine tolle Möglichkeit, einige Hunde zu vermitteln und außerdem Spenden zu beschaffen.“ Sie hatte zu Hause acht Hunde und fühlte sich allmählich etwas überfordert. Ihr Job war körperlich und seelisch anstrengend, und obwohl sie nur in Teilzeit arbeitete, war es ein enormes Pensum. Außerdem hatte sie selbst kaum noch Platz in ihrem eigenen Haus, und es wurde ziemlich teuer, zumal sie sich an den Kosten beteiligte.

„Okay, und Dr. Ingham hat sich in meinem Namen einverstanden erklärt, ja? Er hat es nie erwähnt, und da er jetzt unterwegs ist …“

Offenbar betrachtete Dr. Jennings das Gespräch als beendet. Zorn stieg in ihr auf.

„Ja. Er ist verreist, aber er sagte, die Praxis würde mich dabei unterstützen. Eigentlich hatte ich gehofft, es heute anzuleiern.“

Noch während sie sprach, warf er einen Blick auf die Uhr. „Heute habe ich leider keine Zeit. Der nächste Patient wartet schon.“

„Es geht ganz schnell. Ich wollte Sie nur fragen, ob Sie dabei sind. Vielleicht können wir einen Termin vereinbaren, um die Einzelheiten zu besprechen. Es würde eine Menge ausmachen, wenn wir Unterstützung durch einen Tierarzt hätten.“

Nun stieß er einen gequälten Laut aus. „Ich bin neu hier und habe sehr viel um die Ohren. Ich glaube wirklich nicht …“

„Dann besprechen wir es am Dienstag.“ Sie würde das Thema nicht fallen lassen. Er wirkte verstimmt, doch Susannah lächelte ihn an, bevor sie sich an Hendrix wandte. „So, ab nach Hause!“ Dann wandte sie sich zum Gehen.

Das mit der Aktion wird schwieriger, als ich dachte. Ich wünschte, ich wäre jetzt auf einer Kreuzfahrt. Dann könnte ich den netten Tierarzt bitten, zurückzukommen und diesen Griesgram wegzuschicken.

Dr. Jennings würde ablehnen, aber sie würde nicht kampflos aufgeben. In ihrem Haus war kaum noch Platz, und die Tierheime waren überfüllt. Sie mussten schon Hunde abweisen und woanders unterbringen. Es brach ihr das Herz, doch dieser Kerl würde ihr keinen Strich durch die Rechnung machen!

Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss, und Susannah ging zum Empfang. Als Hendrix an der Leine zog, warf sie ihm nur einen Blick zu, und er setzte sich. Der Wartebereich war ziemlich voll. Vielleicht war Dr. Jennings einfach nur überarbeitet.

„Alles in Ordnung, Suze?“, fragte Cheryl, die am Empfang saß. „Du siehst aus, als hättest du heute einen schlechten Tag.“

Nun musste Susannah lachen. „Kann man so sagen. Er hatte allerdings gut angefangen.“ Mit einem Nicken deutete sie zur Tür. „Ich brauche noch einen Termin für Hendrix.“ Mit den Fingern deutete sie eine Schneidebewegung an. Vor den Hunden sprach sie nicht gern über derartige Eingriffe. Natürlich taten sie ihr ein wenig leid, aber es war das Beste für sie. „Gleich am Dienstagmorgen, bitte.“

Cheryl nickte, bevor sie zu tippen begann. „Geht in Ordnung. Und fünfundsechzig Pfund für heute auf die Rechnung, ja?“

„Für das Elvedon Shelter, bitte.“ Susannah hatte verschiedene Patientenakten für die jeweiligen Tierheime, mit denen sie zusammenarbeitete. In dieser Ecke der Welt war sie die Hundeflüsterin, und so war es einfacher, als die Kosten auszulegen und später einzufordern. Sie hatte ein eigenes Haus mit einem Grundstück und liebte ihren Job, doch sie musste aufpassen, dass sie nicht ihr ganzes Geld für die geretteten Hunde ausgab. „Dann bis Dienstag.“

Susannah wollte Hendrix gerade in den Wagen heben, als Cheryl sie rief und auf sie zukam.

„Entschuldige, habe ich etwas vergessen?“

„Nein, nein. Ich wollte dich nur etwas fragen. Was hältst du von dem neuen Tierarzt?“

Normalerweise machte sie Menschen, die sie gerade kennengelernt hatte, nicht nieder, doch es fiel Susannah schwer, mit ihrer Meinung zurückzuhalten. „Na ja, ich finde, schlechte Tage sind ansteckend“, erwiderte sie diplomatisch, bevor sie Hendrix in den Kofferraum hob und diesen schloss. „Warum fragst du?“

Cheryl blickte über die Schulter. „Es ist nur … Er ist ein bisschen …“

„Launisch? Griesgrämig?“

Erleichtert nickte Cheryl, den Blick immer noch auf den Eingang gerichtet. „Dann ist es dir also aufgefallen. Er ist ein netter Kerl, aber … Der Übergang ist ein bisschen schwierig. Ich glaube, die Einheimischen tun sich schwer damit.“

„Die Vermittlungsaktion ist jetzt auch geplatzt“, sagte Susannah mehr zu sich selbst. „Was ist eigentlich sein Problem?“

Cheryl, die auch keine Tratschtante war, wirkte wieder verlegen. „Es steht mir vielleicht nicht zu, das zu sagen, aber …“

„Aber?“ Interessiert beugte Susannah sich vor. „Du weißt ja, dass ich nichts weitererzähle.“

„Es ist seine Frau …“, gab Cheryl nach. „Ich glaube, sie hat ihn verlassen oder so. Als er vor ein paar Monaten mit Ezekiel über den Job sprach, sagte er, er wäre verheiratet. Keine Frau, kein Ring.“ Schuldbewusst biss sie sich auf die Lippe. „Ich glaube, es ist ihretwegen. Er bekommt nie Anrufe, weißt du? Jedenfalls keine privaten. Ich schätze, er ist vielleicht ein bisschen einsam. Ich hoffe nur, er lebt sich bald ein. Und …“

Als sie ihr einen seltsamen Blick zuwarf, begriff Susannah. Cheryl wollte ihre Hilfe.

Ihr lautes Stöhnen ließ Cheryl zusammenzucken. „Ach komm schon!“ rief sie. „Du machst hier alle glücklich! Und …“

„Da kann ich aber nicht helfen.“ Susannah betrachtete Hendrix, der sich in den Kofferraum gelegt hatte. „Ich habe den Typen gerade erst kennengelernt, und er hat mir nicht gerade den roten Teppich ausgerollt. Er hat meine Vermittlungsaktion abgeschmettert und …“

„Die Aktion, das ist es!“ Cheryl klatschte in die Hände.

„Das ist was? Er war förmlich angewidert, als ich sie erwähnt habe. Er ist nicht an Bord.“

„Nein, ich weiß, er ist vielleicht ein bisschen abgeneigt …“

„Abgeneigt? Die Aktion interessiert ihn nicht die Bohne, und warum sollte sie auch?“

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