Julia präsentiert Träume aus 1001 Nacht Band 25

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PIKANTES GESTÄNDNIS IM PALAST DER SEHNSUCHT von CAITLIN CREWS

Playboy-Prinz Malak führt ein sorgloses Leben, bis er überraschend das Thronerbe von Khalia antreten muss. Affären sind ab sofort Vergangenheit, er braucht eine standesgemäße Frau an seiner Seite! Da holt ihn seine unvergessliche Nacht der Lust mit sexy Kellnerin Shona ein …

PRINZ DER WÜSTE von SARA WOOD

Hannah erliegt dem Zauber Marrakeschs und dem Charme von Khalil! Doch er hat genaue Vorstellungen davon, wie eine Frau zu sein hat und diese zu erfüllen ist Hannah nicht bereit. Wenn Khalil das nicht lernt, muss sie den stolzen Prinz der Wüste verlassen. Für immer!

FLUCHT IN DIE ARME DES MAHARADSCHAS von PENNY JORDAN

Als Prinzessin Sophia zu einer arrangierten Ehe gedrängt wird, flieht sie aus dem Palast von Santina – direkt in die Arme des Maharadschas Ash Achari. Auch wenn sich ihr Stolz dagegen auflehnt, ausgerechnet den Mann um Hilfe zu bitten, der einst ihre Liebe zurückwies …


  • Erscheinungstag 24.10.2026
  • Bandnummer 25
  • ISBN / Artikelnummer 9783751539487
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Caitlin Crews, Sara Wood, Penny Jordan

JULIA präsentiert Träume aus 1001 Nacht
BAND 25

Caitlin Crews

1. KAPITEL

Als die nächste Katastrophe über sie hereinbrach, war Shona Sinclair nicht überrascht.

Entsetzt, das ja. Erschrocken – ganz sicher.

Aber nicht überrascht.

Denn irgendwie hatte sie immer gewusst, dass dieser Tag kommen würde.

Mach dich bereit, sagte sie sich entschieden. Jetzt ist es so weit.

Es waren vier kräftige Männer mit kaltem Blick. Königliche Wachmänner hatte sie im richtigen Leben noch nie gesehen, aber sie hatte nicht den geringsten Zweifel, dass sie genau das waren. Sie wusste es in dem Moment, als sie sie entdeckte. Wie eine heranrollende, tödliche Welle drangen sie in das Restaurant ein. Dann sahen sie sich um, aber nicht wie all die anderen, die von der Straße im French Quarter hereinspazierten und nach einem Tisch suchten. Vielmehr wirkten sie, als würden sie jeden einzelnen Gast ins Visier nehmen.

Shona war sicher, dass sie genau wussten, wie viele Kellner es hier gab und wie viele Stammgäste an den Tischen saßen und in ihrem einfachen Eintopf stocherten oder gummiartige Krapfen aßen.

Sie wusste, wer sie waren. Und vor allem, was es bedeutete, dass sie hier auftauchten. Sie war so erschüttert, dass sie einen Moment nicht atmen konnte.

Doch sie klammerte sich immer noch an die Hoffnung. Schnappte nach Luft und hoffte.

Es könnte ein Promi sein, sagte sie sich. Mit schöner Regelmäßigkeit kam so etwas hier in New Orleans vor, selbst in einem nicht so exklusiven Restaurant wie diesem. Aber die Männer hatten nicht diesen Hollywood-Look. Zum einen, weil sie viel zu ernst wirkten.

Und zum anderen, weil sie direkt in ihre Richtung sahen.

Es war noch früh und das Restaurant ziemlich leer. Shona betete darum, dass Gäste hereinströmten.

Doch als die Tür sich öffnete, ging ihr Wunsch nicht in Erfüllung.

Ein Mann schlenderte herein, flankiert von zwei weiteren Bodyguards. Das war’s.

Ihr schlimmster Albtraum wurde wahr.

Denn sie kannte den Mann, der dort stand und ungehalten an den Ärmelaufschlägen seines sündhaft teuer aussehenden Anzugs zupfte, als würde er seine Umgebung zutiefst abstoßend finden. Sein Blick schweifte über die Einrichtung, die mit ihren alten Straßenschildern aus New Orleans und den Fanartikeln der New Orleans Saints, die die Wände pflasterten, auf den Fremdenverkehr abzielte.

Schließlich wanderte sein dunkler, arroganter Blick wieder zurück zu ihr.

Und blieb an ihr hängen.

Shona wusste zu viel von ihm. Dinge, die sich in ihre Erinnerung drängten und sich wie eine tödliche Lava durch ihren Körper bewegten, auch wenn sie sich noch so sehr einzureden versuchte, dass er keine Wirkung auf sie hatte.

Und doch war es so.

Immer noch.

Sie wusste, dass seine Augen nicht schwarz waren, wie man aus der Entfernung vermuten würde, sondern von einem atemberaubenden dunklen Grün, das sie erst einmal bei einem Menschen gesehen hatte. Und dass sein Gesicht mit den hohen Wangenknochen und dem harten, verführerischen Mund von Nahem noch schöner war. Mit seinen feingliedrigen, aber gleichzeitig starken Händen konnte er wahre Wunderdinge vollbringen.

Shona wusste auch, dass eine Frau sich bei seinem Lachen völlig vergessen konnte.

Seit dieser heißen Nacht vor fünf Jahren hatte sie vieles vergessen – ihren Sinn für Humor vielleicht, und jedes Gefühl dafür, wer diese junge Frau in dieser Nacht gewesen war, in der ihr Leben dank ihrer Dummheit und eines umwerfenden Fremden in einer Bar für immer eine Wendung genommen hatte. Aber ihn hatte sie nicht vergessen.

Obwohl sie es versucht hatte.

„Hallo Shona“, sagte er, und selbst seine Stimme klang noch wie damals. „Wie schön, dich wiederzusehen.“

Seine tiefe, volle Stimme hatte sie auch nie vergessen. Seine Stimme, die wie eine Liebkosung war, seine kultivierte britische Aussprache, die noch einen Anflug seines eigenen Landes verriet, dem weit entfernten Königreich Khalia.

Shona hatte noch nie von Khalia gehört, bis sie ihn kennenlernte. Inzwischen wusste sie, wo es lag. Auf der arabischen Halbinsel, über dem funkelnden Arabischen Meer. Sie wusste von der königlichen Familie, die großes Ansehen in der internationalen Gemeinschaft genoss. Seit diesem schrecklichen Tag vor fünf Jahren, als sie bei ihrer Frauenärztin in einer Zeitschrift entdeckt hatte, dass das Baby, das sie in sich trug, dem Prinzen Malak von Khalia gehörte, hatte sie es sich zur Aufgabe gemacht, so viel wie möglich herauszufinden. Das Baby war das Ergebnis eines One-Night-Stands mit einem Fremden, dessen vollen Namen sie nicht einmal gekannt hatte und den sie vermutlich nie mehr wiedersehen würde.

Sein Bild hatte sie in diesem Hochglanzmagazin gefunden, umringt von blonden Supermodels in einer der schicksten Städte Europas. Einer Stadt, die sie nie besucht hatte und es auch nie tun würde. Ein reiner Wunschgedanke für ein Mädchen wie sie, das keine Familie hatte und keine Zukunftsaussichten. Dafür einen Komplex, den sie gerne als ihr persönliches Haustier betrachtete.

Prinzen waren noch unerreichbarer als eine Reise nach Europa, dessen war sie sicher. Und hätte sie es tatsächlich geschafft, ihn ans Telefon zu bekommen, um ihm zu sagen, dass ein Baby unterwegs war, wäre er sicher wieder bei ihr aufgetaucht und hätte nur Ärger gemacht, so wie alle reichen Männer. Mehr als einmal hatte sie so etwas mitbekommen. Frauen wie sie waren gut für eine Nacht oder vielleicht auch zwei, aber sicher nicht gut genug, um das Kind eines reichen Mannes auszutragen.

Soweit Shona wusste, wurden betuchte Männer bei ihren Reisen von einem Team an Rechtsanwälten begleitet, die sofort Verschwiegenheitserklärungen aufsetzen oder eine Ausgleichszahlung veranlassen konnten, damit das Baby der königlichen Familie und der Ehefrau fernblieb, die normalerweise nichts von den außerehelichen Aktivitäten ihres Mannes wusste. Zukünftige Erpressungsversuche sollten damit ebenfalls unterbunden werden. Aber das war noch ein eher glücklicher Ausgang. Weit schlimmer erging es den Frauen, die ihre Babys verloren hatten, weil sie nicht über das Geld für einen Prozess verfügten.

Ihr würde so etwas nicht passieren. Das hatte Shona sich damals im Wartezimmer der Ärztin geschworen. Sie hatte nichts auf dieser Welt außer ihrem Baby, und sie würde es behalten, komme, was wolle, selbst wenn es zufällig ein königlicher Scheich war.

Shona hatte Prinz Malak von Khalia nie mehr wiedersehen wollen. Und daran hatte sich bis heute nichts geändert.

„Tu nicht so, als würdest du dich nicht an mich erinnern“, sagte Malak, als sie ihm diese Lüge auftischen wollte. Er verzog den Mund, und sein Blick wirkte hämisch, als er sie über den klebrigen Boden des Restaurants hinweg betrachtete. „Ich merke, dass du mich noch kennst. Außerdem ist Lügen ziemlich unwürdig, meinst du nicht?“

Beim Klang seiner Stimme schmolz ihr Körper dahin. Aber er durfte auf keinen Fall wissen, dass er immer noch diese Wirkung auf sie hatte.

„Mir ist es ziemlich egal, ob du mein Verhalten unwürdig findest“, entgegnete sie, so wie sie es jedem Verrückten sagen würde, der von der Straße hereinspazierte. Sie erntete einen empörten Blick von seinen Bodyguards, während Malaks dunkle Augen leuchteten. „Wie ich sehe, bist du diesmal mit Freunden gekommen. Vermutlich ein Privatbesuch. Leider bin ich sehr beschäftigt, sonst würde ich zu gerne später nachkommen.“

Malak quittierte ihre Bemerkung mit einem Lächeln, das jedoch nichts von dem Lächeln von damals hatte. Diesmal wirkte es kühl und verriet seinen Einfluss. Ein Lächeln, das Panik in ihr aufsteigen ließ. Und dass er seine Wachen nicht wegschickte, zeigte Shona, dass sein Besuch, der ein paar Jahre zu spät stattfand, kein verrückter Zufall war. Ein Gefühl von Beklommenheit legte sich wie eine Schlinge um sie, die sich immer fester zuzog.

Sicher, es war möglich, dass er seine Affären alle paar Jahre wieder einmal aufsuchte, doch sie wusste, dass dies sehr unwahrscheinlich war. Schließlich war er ein berühmter Prinz, dem es nie an willigen Frauen mangelte, ganz egal, wo er war. Warum sollte er sich da wiederholen?

Deshalb gab es nur einen Grund, warum er hier in dem Restaurant war, in dem sie arbeitete, und nicht bei ihr zu Hause. Weil er schon in ihrem kleinen Miethaus gewesen war, das fünfzehn Minuten zu Fuß vom French Quarter entfernt lag.

Sie war mehr als froh, dass sie Miles vor der Arbeit zu ihrer Freundin Ursula gebracht hatte. Wobei Freundin vielleicht übertrieben war. Ursula hatte ein sechsjähriges Kind und arbeitete auch zu unmöglichen Zeiten. Vor Jahren hatten sie sich in einem Restaurant ein paar Blocks weiter kennengelernt, in dem sie beide als Bedienung tätig gewesen waren. Seitdem kümmerten sie sich abwechselnd um die Kinder. Es war nicht mehr als eine Zweckgemeinschaft.

Tatsächlich hatte Shona wenig Ahnung von Freundschaft oder Familie.

„Können wir uns irgendwo unterhalten?“, fragte Malak.

Sie hatte ihn nur einmal getroffen, in dieser verhängnisvollen Nacht vor fünf Jahren, für die sie sich nicht schämte, egal, was danach passiert war. In dieser Nacht voller Leidenschaft war er anders gewesen.

Jetzt klang er so, als ob er keine Frage stellte, sondern einen Befehl erteilte.

Wehe dem, der ihm nicht gehorchte.

Aber Shona war noch nie gut darin gewesen, Befehle zu befolgen. Das kam davon, wenn man wie sie unter schwierigen Verhältnissen aufwuchs. Ihre Mutter hatte sie dem Staat überlassen, als sie noch ein Baby war. Seitdem hatte sie nur gleichgültige Pflegeeltern gehabt. Und, wie sie es gern zu nennen pflegte, Chancen.

Die Chance zu lernen, tough zu sein, egal, was sich ihr entgegenstellte. Die Chance, herausfinden zu können, wie sie auf ihren eigenen Füßen stehen und für sich selbst sorgen konnte, weil es niemand anders getan hatte.

Mit achtzehn hatte der Staat sie endlich freigegeben. Seither war sie ihren eigenen Weg gegangen. Dann war sie schwanger geworden und war wieder allein auf sich gestellt.

Und das würde sie für einen hochnäsigen Prinzen auch nicht ändern.

„Nein“, entgegnete sie. Seine hochgezogene Augenbraue verriet ihr, dass er dieses Wort nicht oft hörte. Oder vielleicht nie. „Wir können uns hier nirgendwo unterhalten.“

„Nirgendwo?“, wiederholte Malak, als hätte sie es aus Versehen gesagt und würde das Wort zurücknehmen, wenn er es noch einmal aussprach.

Doch sie tat es nicht. „Es gibt nichts zu reden.“

Shona verschränkte die Arme vor der Brust und war froh, dass sie an diesem Tag wie eine Kellnerin aussah, nicht schick gekleidet wie an dem Abend damals. Schließlich war sie nur Bedienung, schämte sich aber nicht im Mindesten dafür. Sie trug ihre Arbeitskleidung, ein schwarzes T-Shirt mit dem albernen Logo vorne, eine kleine schwarze Schürze und den kurzen roten Rock, auf dem ihr Chef bestanden hatte. Ihr war es ziemlich egal, denn schließlich gab es so mehr Trinkgeld. Ihre Haare fielen wie eine schwarze Wolke aus kleinen Locken über ihren Rücken.

Shona glaubte, dass sie mit ihrem Aussehen weit davon entfernt war, einem schicken Prinzen aus einem fernen Land aufzufallen. Vielleicht würde Malak sich so daran erinnern, warum er sich an dem Morgen vor fünf Jahren aus dem Staub gemacht hatte. Und wenn sie herausposaunen würde, dass sie weder gebildet war noch Klasse hatte, würde er wieder verschwinden.

Sie konnte es nur hoffen.

„Leider gibt es doch ein paar Dinge, über die wir reden müssen“, sagte Malak erneut in einem Ton, als würde er ein Gesetz verkünden und kein Gespräch führen. Und das machte sie nervös, obwohl sie es nicht wahrhaben wollte. „Daran geht kein Weg vorbei, auch wenn du es dir vielleicht anders wünschst.“

Er schob die Hände in seine Hosentaschen. Und dann lächelte er, als habe er nichts anderes im Sinn, als sie zu bezaubern.

Genau das war der Mann, an den sie sich so lebhaft erinnerte. Sie war in dieser Hotelbar gewesen, in die sie als Jugendliche schon immer hatte gehen wollen. Dass er einen Anzug getragen und Sicherheitspersonal dabei hatte, das hatte sie schon fast vergessen. Aber nicht dieses Lächeln. Wie ansteckend es gewesen war. Wie sinnlich. Und dass es sie angespornt hatte, etwas zu tun, was ihr überhaupt nicht ähnlich sah.

Bis jetzt hatte sie sich standhaft geweigert zu bedauern, was damals passiert war. Doch jetzt hatte sie Angst, dass sich das Blatt wenden könnte.

Denn der verruchte Malak, an den sie sich erinnerte und der sie verführt hatte, war schließlich kein Fantasiegebilde. Er mochte jetzt anders aussehen, ragte in seiner ganzen Größe vor ihr auf und hatte einen grimmigen Zug um den Mund. Aber er war es trotzdem, und würde er sich lässiger geben, dann würde sie sich erinnern … an alles.

Und das war ein großes Problem, weil Shona noch nie so auf einen Mann reagiert hatte wie auf ihn. Tatsächlich hatte sie vor ihm noch nie einen Mann berührt.

Plötzlich kamen ihr all die Jahre, in denen sie geglaubt hatte, zu müde, zu gestresst oder zu arm zu sein, um auszugehen und jemanden zu treffen, wie ein Charakterfehler vor, nicht wie schlichter Selbstschutz. Denn ihr gefiel der Gedanke überhaupt nicht, dass ihre einzige Erfahrung mit Sex und Männern sich auf Malak beschränkte, der auch die Macht hatte, ihr Leben zu ruinieren.

Wieder einmal.

„Selbst wenn wir etwas zu besprechen hätten, was aber nicht der Fall ist, muss ich arbeiten“, erklärte sie im gleichen Ton wie zuvor. „Jetzt ist weder die richtige Zeit, noch ist das hier der richtige Ort für deine Schlägertruppe und dich. Du hättest mich anrufen können, wie ein normaler Mensch.“

„Ein Anruf hätte bei dieser Sache nicht gereicht.“

„Es gibt keine Sache“, sagte Shona ein wenig heftiger.

Es gab nur eines, was er meinen könnte, und das würde sie nicht zulassen. Lieber würde sie sterben.

Vor diesem Moment hatte sie seit Jahren Angst. Und jetzt, da es so weit war, schien sie all ihre Panik schon aufgebraucht zu haben. Vielleicht schaffte sie es deshalb, Malak herausfordernd anzusehen, auch wenn ihr Herz viel zu schnell schlug und sie Übelkeit verspürte. Sie merkte, dass seine Wachen alle Ausgänge blockiert hatten. Daher überlegte sie, wie sie es schaffen könnte, zu entkommen, um Miles bei Ursula abzuholen und schnellstmöglich aus New Orleans zu verschwinden.

Ein Gutes hatte es, wenn man aus dem Nichts kam und nicht viel mehr hatte als nichts. Man konnte problemlos untertauchen. Sie musste nur Malak entkommen, dann könnte sie überall hingehen – weit weg von hier.

Sie könnte sich ohrfeigen, dass sie genau das nicht schon vor fünf Jahren gemacht hatte.

„Du hat natürlich recht“, meinte Malak mit einem gefährlichen Leuchten in den Augen. Miles’ Augen. „Er ist sicher keine Sache. Sondern ein kleiner Junge. Ich glaube, du nennst ihn Miles, stimmt’s?“

Shona erstarrte, aber nicht nur aus Angst. Vielmehr war sie voller Wut. „Miles geht dich nichts an.“

„Davon gehst du offenbar aus“, murmelte er, und sein harter Tonfall klang für sie wie ein Vorwurf. „Da du es vorziehst, ihn lieber in Armut großzuziehen, statt so, wie er es verdient. Als einziger Sohn des Prinzen von Khalia.“

„Ich weiß nicht, wer sein Vater ist, und es ist mir auch egal“, stieß Shona hervor. „Wichtig ist nur, dass er mir gehört.“

„Dann lass dir gesagt sein, was passiert, wenn ein Prinz König wird“, entgegnete Malak, und seine Stimme klang nun bedrohlich. „Du musst mir kein Beileid aussprechen, wie du es sicher gleich tun wolltest. Weder mein Vater noch mein Bruder sind gestorben. Sie haben abgedankt, einer nach dem anderen.“

Shona begriff nicht ganz, was er sagte. Und sie wollte es auch nicht, weil es bedeuten würde …

„Sicher, eine Machtübergabe ist immer mit Risiken behaftet, und wahrscheinlich noch mehr, wenn der neue König nie auch nur in die Nähe des Throns kommen sollte. Zuerst stehen die Berater des Palastes natürlich Kopf und beten um Erlösung. Aber wenn die Realität sie dann wieder eingeholt hat, starten sie mit Nachforschungen über den neuen Monarchen, einen Mann, der … wie soll ich sagen …“

„Der ihn nicht in der Hose lassen konnte?“

Er verzog den Mund, vielleicht wegen ihres trockenen Tons oder weil er ihre Bemerkung amüsant fand.

„Wie du dich vielleicht erinnerst, Shona, wollte keine, dass ich ihn in der Hose behalte. Am allerwenigsten du.“ Er zuckte die Schultern, als sie ihn aus schmalen Augen ansah. Doch sie konnte ihm nicht widersprechen, weil er recht hatte. „Wie ich leider zugestehen muss, hatten die Ermittler des Palastes alle Hände voll zu tun. Sie haben jede Frau gefunden, mit der ich zu tun hatte.“

„Ich dachte, so weit kann niemand zählen.“

Malak legte den Kopf schräg und sah sie unverwandt an. „Jede Geliebte wurde gründlich durchleuchtet, um sicherzugehen, dass nichts an ihr oder unserer Liaison das Königreich in Verlegenheit bringen könnte. Und von all dieser Legion großartiger Geliebter warst nur du diejenige, die ein Geheimnis hatte, das die Berater des Palastes über Nacht hat ergrauen lassen.“

„Du irrst dich.“ Sie schlang die Arme so fest um sich, dass sie Angst hatte, ihre Rippen zu quetschen. „Miles und ich haben nichts mit dir zu tun.“

„Ich bewundere deine Unabhängigkeit“, erklärte er in einem Ton, der das Gegenteil verriet. „Aber leider gibt es hier keine Wahl. Oder besser gesagt keine, die dir wahrscheinlich gefallen würde. Der Junge ist von mir. Daher ist er der Erbe des Throns von Khalia. Und das heißt, dass er nicht hierbleiben kann.“

Sie presste die Finger in ihre Seiten, wachte jedoch nicht auf. Dies war ein Albtraum, den sie seit Miles’ Geburt mehr als einmal gehabt hatte. Nur dass sie sich diesmal nicht aus dem Schlaf reißen konnte. Sie konnte Malak nicht verschwinden lassen.

„Damit eins klar ist“, sagte Shona mit klopfendem Herzen. „Du wirst mein Kind nicht berühren. Und solltest du es doch versuchen, werden sechs aufgeblasene Schlägertypen mit Waffen dich auch nicht retten können. Nichts kann dir dann mehr helfen.“

Sie wusste nicht, welche Reaktion sie von Malak erwartet hatte.

Aber sicher nicht, dass er den Kopf zurückwarf und lachte. Ein Lachen voll ansteckender Freude und Sinnlichkeit, das vor fünf Jahren ihr Untergang gewesen war. Es klang noch genauso wie damals. Und war genauso gefährlich, wie sie es in Erinnerung hatte.

Vielleicht noch mehr, weil es ihr überhaupt nicht willkommen war. Denn es wand sich wie eine Welle aus Wärme durch ihren Körper, und schlimmer noch, zwischen ihre Beine, wo es zu pulsieren begann.

Sie hatte sich eingeredet, dass sie sich diesen unwiderstehlichen Drang, ihm nahe zu sein, nur eingebildet hatte. Dessen war sie sicher, weil sie dieses rastlose Sehnen nie wieder verspürt hatte.

Doch es war keine Einbildung gewesen. Wie sich herausstellte, war er der einzige Mann auf der ganzen Welt, der solche Gefühle in ihr weckte. Wenn überhaupt, hatte nur die Zeit es vermocht, seine Macht über sie zu schmälern.

Er stand da mit bewaffneten Wachmännern, bedrohte ihr Kind und das Leben, das sie führte, und trotzdem hielt sie all das nicht davon ab, das Gleiche zu empfinden. Was war nur los mit ihr?

Als sein Lachen verhallte und Malak sie mit leuchtenden Augen ansah, war sie völlig atemlos.

Und steckte in größeren Schwierigkeiten, als sie zugeben wollte.

„Es liegt ein gewisses Maß an Freiheit darin, wenn man nicht viele Möglichkeiten hat“, erklärte er beinahe traurig, doch es fühlte sich so an, als würde sich ein Käfig schließen und zugesperrt werden. „Es wird sich eine gute Lösung für das Problem finden, Shona. So oder so.“

„Es gibt kein Problem, das gelöst werden muss“, antwortete sie heftig. Verzweifelt. „Du solltest einfach dorthin zurückgehen, wo du hergekommen bist. Sofort.“

„Ich wünschte, ich könnte es“, gab Malak resigniert zurück, und seltsamerweise glaubte sie ihm sogar. „Aber es ist unmöglich.“

„Du kannst nicht …“

„Miles ist der Sohn des Königs von Khalia“, sagte Malak unversöhnlich. „Herzlichen Glückwunsch, Shona“, fuhr er in gefährlichem Ton fort. „Damit bist du meine Königin.“

2. KAPITEL

Malak war rasend vor Zorn.

Milde ausgedrückt. Denn er war kurz davor zu explodieren. Und das Schlimmste war, dass er genau wusste, kein Recht dazu zu haben, weil er für diese Situation selbst verantwortlich war. Niemand hatte ihn gebeten, solch ein ausschweifendes Leben zu führen und nur seinem Vergnügen zu folgen.

Dass er um seine Schuld wusste, machte es umso schlimmer.

Er hatte es nicht glauben wollen, als die Berater des Palastes ihm die Fotos vorgelegt hatten. Denn er hatte genug andere Sorgen, da sein Bruder Zufar so kurz nach ihrem Vater abgedankt hatte und er nun König werden sollte – nachdem er sein Leben lang nicht beachtet worden war. Was ihm im Grunde immer gefallen hatte, weil es bedeutete, dass er genau das tun konnte, was ihm gefiel, ohne dass ihm jemand vorhielt, welche Verantwortung er hatte.

Malak hatte nie König werden wollen. Wer wollte schon solch eine Last tragen? Er hatte ein Leben voller Exzesse und Extreme bevorzugt. Aber Zufar war glücklich, was Malak sich nie hätte vorstellen können, nach dem, wie sie aufgewachsen waren. Und da Malak seinen Bruder und sein Land liebte, war die Entscheidung einfach.

Die Entscheidung vielleicht, aber nicht die Ausführung.

Bisher war die Einführung in seine neue Rolle das Einzige gewesen, wovor er sich gefürchtet hatte, und die genaue Untersuchung seines genusssüchtigen Lebens. Seine ganzen Heldentaten wurden eine nach der anderen offengelegt, bis Malak von sich selbst und seinem verderbten Tun die Nase voll hatte.

Geschämt hatte er sich nie, doch es war etwas ganz anderes, wenn man all seine Indiskretionen vorgelegt bekam. Und vor allem, da so viele der Frauen nichts als eine vage Erinnerung an ein Vergnügen waren.

Doch an Shona erinnerte er sich ganz genau.

Wie auch nicht? Denn sie war ganz anders gewesen als all die Schönheiten, mit denen er geschlafen hatte. Nach einer Woche fragwürdiger Aktivitäten war es sein letzter Abend in New Orleans gewesen. Er hatte sich für einen Drink in die Lobby seines ruhigen, eleganten Hotels gesetzt, um sich auf die Heimreise und seine Familie vorzubereiten, die seine Eskapaden sicher zutiefst missbilligen würde, sollte sie ihm je einen Moment ihrer Aufmerksamkeit schenken.

Und dann war sie aufgetaucht. Sie war fast unerträglich schön, mit ihrer weichen Haut und dem vollen Mund, der sofort Verlangen in ihm weckte. Er hatte sich danach gesehnt, seine Hände in ihren langen, wunderschönen Locken zu vergraben. Sie trug ein kurzes, golden schimmerndes Kleid, das ihre schlanken Kurven bestens zur Geltung brachte.

Sie trat an die Bar aus schimmerndem Holz und setzte sich auf den einzigen Hocker, der noch frei war, der neben seinem.

Was es ihm natürlich einfach machte, das hübscheste Mädchen anzulächeln, das er seit Langem gesehen hatte. Sie erwiderte sein Lächeln, voller Unschuld, wie ihm schien, so abgestumpft wie er war.

Es war eine Offenbarung gewesen.

„Ich bin zum ersten Mal hier“, flüsterte sie ihm zu, als würde sie ihm ein Geheimnis verraten. „Heute ist mein einundzwanzigster Geburtstag, und ich habe mich entschlossen, ihn stilvoll zu begehen.“

„Und Sie haben sich entschlossen, hier zu feiern?“, fragte er. „Sicher gibt es für solch einen wichtigen Anlass bessere Orte als eine ruhige Hotelbar. Schließlich sind wir in New Orleans.“ Ihr Lächeln, mit dem sie ihn beschenkte, gefiel ihm immer besser.

„Als Kind bin ich oft an diesem Hotel vorbeigegangen und habe immer davon geträumt, eines Tages hineinzugehen. Und heute schien mir die passende Gelegenheit dafür.“

Malak merkte genau, dass er nicht allein diesen Funken zwischen ihnen spürte. Dieses Feuer.

Aber nicht nur Shonas Lächeln war eine Offenbarung für ihn gewesen.

Sie war die einzige Frau von allen, deren Fotos ihm seine Berater voller Entsetzen vorgelegt hatten, an die er sich so genau erinnerte. Sicher, ein paar Jahre waren seitdem vergangen, aber Shona war noch genauso schön wie damals, auch wenn sie Kleidung trug, die wie die einer Kellnerin aussah. Oder ein fließendes Sommerkleid, das ihre Kurven so deutlich betonte, dass er sie beinahe unter seinen Händen spüren konnte.

Doch seine Berater waren nicht daran interessiert, Malak mit all seinen Verfehlungen wieder vertraut zu machen. Es war eine angespannte Situation für alle Beteiligten, zumal Malak sich strikt weigerte, sich zu entschuldigen oder auch nur einen Hauch von Bedauern zu zeigen für seinen Lebenswandel.

Woran seine Berater jedoch großes Interesse zeigten, war das Kind.

Ein vierjähriger Junge, der nicht nur verblüffende Ähnlichkeit mit Malak hatte, sondern mit allen Familienmitgliedern. Der kleine Junge hatte die dunkelgrünen Augen von Malaks Urgroßmutter. Die gleichen verdammten Augen, die Malak jedes Mal sah, wenn er sein Spiegelbild betrachtete.

Er hatte nie erwartet, König zu werden, wollte solch eine Belastung nicht. Doch er war ein Prinz aus Khalia, egal, ob sein Vater ihn ignoriert hatte, während er um die Zuneigung seiner Mutter kämpfte. Oder ob seine Mutter ihn missachtet hatte, weil sie den Sohn bevorzugte, von dem Malak erst kürzlich erfahren hatte und der das Ergebnis einer Liebesaffäre mit einem anderen Mann war. Königliches Blut lief durch seine Adern, und obwohl er mit seinem leichtsinnigen Lebenswandel die schlimmsten Befürchtungen aller bestätigt hatte, hatte Malak zugestimmt, seine Pflicht zu tun und seine Sache gut zu machen.

Allerdings ohne die Probleme, die seine Eltern gequält hatten, denn Malak hatte nicht die Absicht, sich aus Liebe zu ruinieren, wie sie es getan hatten.

Er wusste, dass er nicht die erste Wahl als König war. Doch das hieß nicht, dass er nicht sein Bestes geben würde, um ein guter Monarch zu sein.

Deshalb musste niemand ihm erklären, was es bedeutete, dass aus einem One-Night-Stand eine solche Frucht hervorgegangen war. Obwohl ihm das nicht zahllose Vorträge von seinen erzürnten Beratern ersparte, als würde er, wäre er sich selbst überlassen, schlicht ignorieren, dass er ein Kind hatte.

Er wusste, was das bedeutete. Und er war wütend, dass Shona ihm seinen Sohn verheimlicht hatte – obwohl er ziemlich sicher war, ihr nicht gesagt zu haben, wer er wirklich war. Doch das änderte nichts an der Tatsache, dass ihm einige Jahre im Leben seines Sohnes fehlten.

Oder dass er jetzt gefangen war in einem Chaos, das er selbst verursacht hatte.

Ein Chaos, das in einer Ehe münden würde, egal, was er davon hielt.

Mochte Shona noch so schön sein und ihm vor Jahren ihre Unschuld geschenkt haben, wollte Malak eigentlich keine Frau heiraten, die er kaum kannte – oder überhaupt irgendeine –, nur weil er vor fünf Jahren offenbar einen großen Fehler gemacht hatte.

Doch wie sich herausstellte, gefiel es ihm noch weniger, dass Shona die Vorstellung entsetzte.

„Ich hoffe, du meinst deine ‚Königin‘ in übertragenem Sinne“, schnauzte sie ihn empört an, als hätte er vorgeschlagen, sie solle sich an der nächsten Ecke prostituieren. Sie hatte die Arme vor der Brust verschränkt, als versuchte sie, eine der vielen anrüchigen Personen abzuwehren, die ihm draußen auf der Straße über den Weg gelaufen waren.

Als ob er diese anrüchige Person sei.

Er musterte sie einen Moment und versuchte, seine Wut zu bezwingen. „Ich benutze selten Metaphern.“

„Das ist mir egal.“ Sie schüttelte den Kopf. „Was du tust oder nicht tust, ist mir gleich. Du solltest jetzt gehen, sonst rufe ich die Polizei. Und glaub mir, ich halte auch nichts von Metaphern.“

Sie zog ihr Handy aus der Schürzentasche, und Malak glaubte ihr tatsächlich. Wenn es eine Frau auf dieser Welt gab, die es wagen würde, die Polizei wegen ihm anzurufen, dann sie.

Diese Frau besaß Leidenschaft, die er zu schätzen wüsste, wenn er sie in die richtige Richtung lenken könnte. Sie drohte ihm, als hätte sie nicht die geringste Angst vor den bewaffneten Männern, die ihr Leben geben würden, um ihn zu beschützen. Auch das konnte er nur anerkennen. Theoretisch.

Denn dass eine amerikanische Kellnerin mit fragwürdigen Einkünften und einer „Karriere“ in Restaurants wie diesem schäbigen Loch den Gedanken so schrecklich fand, den König von Khalia zu heiraten, gefiel ihm ganz und gar nicht.

„Nur zu, ruf die Polizei an“, erklärte er mit verhaltener Wut. „Sie werden dir sicher gerne eine Lektion in diplomatischer Immunität erteilen. Und sich liebend gerne mit dir darüber unterhalten, dass du ihre Zeit verschwendest. Doch das Endergebnis bleibt das Gleiche. Vielleicht solltest du dir besser überlegen, dich in das Unvermeidliche zu fügen.“

Als sie eine anstößige Bemerkung von sich gab, nahm sein Security-Team vor Empörung eine drohende Haltung ein.

Malak hielt nur die Hand hoch, und seine Männer beruhigten sich wieder. „Ich würde dir raten, dich daran zu erinnern, dass ich ein König bin, ob es dir nun gefällt oder nicht“, sagte er. „Mag sein, dass ich dein unbezähmbares Temperament zum richtigen Zeitpunkt faszinierend finde, aber meine Männer höchstwahrscheinlich nicht.“

Sie stieß ein Lachen aus, das fast genauso beleidigend war wie ihre gewagte Bemerkung. „Das Einzige, was mir noch mehr egal ist als du, ist die Meinung deiner Babysitter.“

Malak reagierte nicht auf diese Unverschämtheit, wie er es gerne gewollt hätte. Denn sie waren nicht in Khalia, sondern Amerika. Und die Menschen hier wären wahrscheinlich nicht erbaut, wenn er sich eine schreiende Frau über die Schulter warf und in sein Auto verfrachtete, diplomatische Immunität hin oder her.

Außerdem wollte er Shona und seinen eigenen Sohn nicht kidnappen. Auch wenn er es, wenn nötig, tun würde. Doch er wusste, dass er sie sich damit nur zur Feindin machte. Auch wenn sie diese Beziehung, die in einer Ehe münden würde, beide nicht wollten, wäre es weit besser für ihn, wenn sie sich dem Unvermeidbaren fügte, statt ständig gegen ihn anzukämpfen.

Zumindest wäre es besser für seine Beziehung zu dem Kind, das er gezeugt hatte, ein Gedanke, den er immer noch nicht ganz fassen konnte.

Schließlich wusste er nur zu genau, wie es war, im Schatten einer zerrütteten Ehe aufzuwachsen. Und er hatte nicht die Absicht, sein Kind dem gleichen Schicksal zu überlassen – auch wenn er erst seit einer Woche von dem Jungen wusste.

„Ich werde draußen auf dich warten“, sagte er voller Großmut, als würde er ihr damit einen riesigen Gefallen tun. Er spürte genau, was ihr durch den Kopf ging. „Meine Männer stehen bereits an jedem Ausgang, Shona, also kommt eine Flucht nicht infrage.“

Damit drehte er sich um und ging nach draußen. Langsam senkte sich die Nacht über das Viertel, und die Hitze ließ nach.

In dem Dämmerlicht konnte er seinen Zorn bezwingen, denn er wollte keinen internationalen Vorfall heraufbeschwören. Ihm selbst wäre es ziemlich egal, weil er so schneller bekommen würde, was er wollte – aber die Menschen von Khalia wären noch mehr in Sorge. Und sie hatten in den vergangenen zwei Monaten schon genug durchgemacht.

Er hatte geglaubt, dass sie ihm sofort folgen würde, doch das tat sie nicht. Sie ließ ihn warten und arbeitete ihre gesamte Schicht ab. Während der Pausen, so hatten seine Männer ihm pflichtbewusst berichtet, überprüfte sie jeden Ausgang, obwohl er ihr gesagt hatte, dass alle bewacht wurden.

Malak bewunderte sie beinahe dafür, dass sie sich nicht geschlagen gab.

Als sie endlich das Restaurant verließ und sah, dass er auf sie wartete, hob sie angriffslustig das Kinn und sah ihn genauso finster an wie zuvor.

„Ich habe keine Ahnung, was du jetzt vorhast“, meinte sie hitzig.

„Das habe ich dir bereits gesagt.“ Malak lehnte sich an die Tür des Range Rovers, den seine Männer von dem privaten Flugfeld, wo sein Jet wartete, hierher gefahren hatten. Ausgelassene Menschen spazierten lachend durch die Straßen und folgten dem verführerischen Klang der Musik, der von überall herüberwehte.

Er und Shona hingegen musterten sich voller Abneigung.

Es stimmt nicht, dass du sie nicht magst, meinte eine Stimme in ihm herausfordernd. Dir gefällt es nur nicht, dass sie dich nicht mag und es so offen zeigt.

Malak entschied, nicht auf die Stimme zu achten. Er war es nicht gewohnt, dass man ihn nicht mochte. Ignoriert zu werden oder begehrt, damit war er vertraut. Aber nicht mit diesem … Hass.

„Ich werde nicht deine Königin werden“, erklärte sie entschieden. „Miles kannst du sehen, weil du sein Vater bist, ob es dir nun gefällt oder nicht. Vermutlich hat er ein Recht darauf, dich kennenzulernen.“

Er zwang sich, nicht wieder aufzubrausen. „Du vermutest.“

„Du bist für mich nichts anderes als ein Mann, den ich in einer Bar getroffen habe“, sagte Shona ruhig. „Ich will nichts von dir und hätte nie damit gerechnet, dich je wiederzusehen.“

Es gab keinen Grund, dass ihre Worte wie ein Schlag für ihn waren, denn sie hatte nur die Wahrheit gesagt. Malak musterte sie, doch es war nicht ihr Trotz, der ihm zusetzte. Sondern dieser Funke, der schon damals in der Bar zwischen ihnen entflammt war. Auch jetzt spürte er dieses Feuer, und das gefiel ihm überhaupt nicht. Diese Frau zu begehren würde die Sache nur noch komplizierter machen. „Aber jetzt bin ich wieder da. Was ich allerdings nicht verstehe, ist, dass du dein eigenes Kind lieber im Elend aufwachsen lässt, als mich einzubeziehen.“

Sie stieß ein Lachen aus. „Elend? Was weißt du denn schon davon?“

„Ich könnte für ihn in einer Weise sorgen, von der du nur träumen kannst. Welche Mutter würde das nicht wollen?“

„Meinem Sohn fehlt es an nichts.“ Shona klang wieder ruhig, aber bestimmt. „Er ist ein glückliches Kind. Ein guter Junge. Und er gehört mir.“

„Was soll gut daran sein, dass er dir gehört, wenn das bedeutet, dass er jemanden braucht, der sich um ihn kümmert?“ Er deutete auf das schäbige Restaurant. „Weil er eine Mutter hat, die sich in so einem Laden um Trinkgeld raufen muss.“

„Anständige Arbeit ist offenbar unter deiner Würde.“

„Geht es um Anstand? Oder um deine Sturheit?“

Sie verdrehte die Augen. „Er ist nun mal auf der Welt, weil wir Sex hatten. Das muss ich einem weltgewandten Mann wie dir wohl nicht erklären.“

„Ich habe ein Kondom benutzt.“ So wie immer.

„Sie sind offenbar auch nicht hundertprozentig sicher. Und ich habe mich die ganze Zeit allein um die Konsequenzen gekümmert. Jetzt tauchst du auf und meinst, ich lasse alles stehen und liegen? Dass ich dankbar sein soll, dass du von unserer Existenz erfahren hast? Nein, sicher nicht.“

Was Malak am meisten zusetzte war nicht ihr beleidigender Ton, sondern dass alles, was sie sagte, der Wahrheit entsprach.

Nachdem er verschwunden war, hatte er die Sache abgehakt. Er hatte sich zwar an sie und ihre süße Unschuld erinnert, aber hätten sein Vater und sein Bruder nicht auf den Thron verzichtet, was niemand vorausgesehen hatte, wäre er nie wieder hierher zurückgekehrt.

Aber das sagte er nicht. Er konnte es nicht.

Weil es ihm nicht gefiel, was dieses Verhalten über ihn aussagte. Dabei hatte er sich doch nie darum geschert. Warum also schien ihm all das jetzt so verkommen? Vielleicht, weil er nun König war?

Oder war es die Art, wie Shona ihn ansah, als würde sie nichts als Verkommenheit sehen?

„Du hättest dich bei mir melden können, als du gemerkt hast, dass du schwanger bist“, sagte er steif.

„Wie hätte ich das denn machen sollen?“, fragte Shona kühl. „Du hast mir ja nicht deinen Nachnamen genannt oder mir deine Telefonnummer gegeben. Wer du bist, habe ich nur zufällig herausgefunden.“

„Du meinst heute Abend?“

„Nein. Ich habe damals sechs Monate später ein Foto von dir in einer Zeitschrift entdeckt.“ Sie schüttelte den Kopf. „Aber ich bin nicht auf die Idee gekommen, einem Playboy-Prinzen hinterherzujagen, der umgeben ist von Models und aus einem Land kommt, von dem ich noch nie gehört hatte. Warum sollte ich?“

Malak richtete sich auf. Zu viele unterschiedliche Gefühle drängten an die Oberfläche, und er wusste nicht, was er damit anfangen sollte.

Also entschied er sich für Wut.

„Wenn du wusstest, wer ich bin, dann gibt es keine Entschuldigung.“

„Es war ein One-Night-Stand“, antwortete Shona so kühl wie vorher. Und das verriet ihm mehr als alles andere, wie sehr sie sich von diesem lächelnden, fröhlichen Mädchen entfernt hatte, das in der Bar neben ihm gesessen hatte. Er wollte sich nicht fragen, ob er schuld daran war, denn er war sicher, dass ihm die Antwort nicht gefallen würde. „Und soweit ich weiß, hattest du jede Nacht eine andere. Warum solltest du dich da an mich erinnern?“

Ja, warum? Und weshalb war das eine Frage, die Malak sich plötzlich nicht beantworten wollte?

„Aber jetzt habe ich mich an dich erinnert“, gab er in leicht bedrohlichem Ton zurück. „Selbst wenn es nicht so gewesen wäre, hätten meine Ermittler dich gefunden. Sie haben mich darüber informiert, für den Fall, dass ich es vergessen haben sollte, dass ich genau neun Monate vor der Geburt deines kleinen Jungen, der große Ähnlichkeit mit mir hat, in New Orleans war. Ich mochte versucht gewesen sein, an einen Zufall zu glauben, weil ich nie ungeschützt Sex hatte, aber sie dachten nicht so. Und es war leichter, als du vielleicht gerne glauben würdest, eine Probe der DNA des Kindes zu bekommen, um zu beweisen, was bereits auf einen Blick offensichtlich war.“

Sie sah ihn so herausfordernd an, wie niemand es wagen würde. Und das war ein weiteres Problem bei dieser Frau – dass sie unfähig war zu erkennen, wohin sie gehörte. „Ich dachte, du bist der König. Sagst du denn deinen Leuten nicht, was sie tun sollen?“

Malak wollte all das nicht. Er hatte nie wirklich daran gedacht zu heiraten, nachdem er miterleben musste, wie unglücklich seine Eltern gewesen waren. Und ganz sicher hatte er nie vorgehabt, sich an eine Frau zu ketten, mit der er vor langer Zeit nur eine Nacht verbracht hatte. Er war nicht dazu erzogen worden, für Nachkommen zu sorgen. Doch seit Zufar abgedankt hatte, lagen seine Berater ihm in den Ohren und warfen mit Namen geeigneter Frauen von königlichem Geblüt um sich – Prinzessin Amara von Bharathia, Lady Suzette, und so weiter und so weiter. Und sie forderten, dass er sich langsam über Erben Gedanken machen sollte.

Bis sich herausstellte, dass er bereits einen hatte.

Was ihn daran erinnerte hatte, dass er nicht länger ein Playboy-Prinz war, sondern ein König, der seinem Volk und dessen Zukunft verpflichtet war.

„Ich verstehe deine Zurückhaltung“, meinte er kühl. „Aber ich bin nur aus Höflichkeit hier, weil ich dachte, es wäre besser, wenn ich selbst komme, um dich abzuholen, statt das von meinen Männern erledigen zu lassen.“

„Du kannst mich nicht einfach mitnehmen, als wäre ich eine, die man abschleppen kann …“

Sie stockte, und die Luft zwischen ihnen war plötzlich geladen.

Malak verkniff sich die Bemerkung, dass sie tatsächlich eine war, die er abschleppen konnte. So wie damals geschehen.

„Obwohl ich weiß, dass ich auch selbst schuld bin an dieser Situation, wird mein Sohn und Erbe auf keinen Fall getrennt von mir leben. Die Könige von Khalia werden im Palast großgezogen, unter der Obhut traditioneller Lehrer, um sie auf ihre zukünftige Rolle vorzubereiten. So ist es schon seit Jahrhunderten. Und so wird es auch bleiben.“

Reglos stand sie da, die Hände zu Fäusten geballt, und sah ihn an. „Mein Sohn ist kein König.“

„Nein, ein Prinz.“ Hoch aufgerichtet stand Malak da, ganz der König, der er war und doch nie hatte sein wollen. Jetzt hatte er allerdings das Gefühl, als würde er seine Vorfahren in seinem Blut spüren. „Um genau zu sein, der Kronprinz von Khalia. Er muss nur noch legitimiert werden. Und das bedeutet, dass du mich leider heiraten wirst, ob es dir gefällt oder nicht.“

Sie stieß ein Lachen aus. „Ich werde dich nicht heiraten. Und ich werde dir auch nicht mein Kind überlassen, damit es von irgendwelchen Lehrern großgezogen wird. Du bist doch verrückt.“

„Das würde dir die Sache sicher erleichtern. Aber ich bin nicht verrückt.“

„Heiratet vielleicht irgendjemand in Khalia einen völlig fremden Menschen? Ist das auch seit Jahrhunderten so?“

„Tatsächlich sind viele Ehen in meiner Familie arrangiert worden.“ Malak fand, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt war anzumerken, wie diese Arrangements sich im Laufe der Zeit entwickelt hatten. „Schließlich sind wir von königlichem Geblüt. Mein Bruder wurde zum Kronprinzen erzogen und war mit einer passenden Prinzessin seit deren Geburt verlobt.“

Was daraus geworden war, würde er ebenfalls nicht verraten. Dass Zufar die Frau – Amira –, die ihm versprochen war, schließlich doch nicht geheiratet hatte. Und auch nicht, dass Adir, sein Halbbruder, von dem er vorher nichts gewusst hatte, plötzlich nach der Beerdigung ihrer Mutter aufgetaucht war und Amira an ihrem und Zufars Hochzeitstag verschleppt hatte.

Keine dieser unangenehmen Wahrheiten würde ihm hier weiterhelfen. „Eine Fremde zu heiraten, ist für mich kein Hindernis, wie du vielleicht glaubst.“

„Für mich schon“, hielt sie ihm entgegen. „Weil ich nicht komplett verrückt bin.“

„Du hast die Wahl, Shona. Du kannst so viel gegen mich ankämpfen, wie du willst. Du wirst doch verlieren. Denn so oder so werde ich mit meinem Sohn nach Khalia zurückfliegen.“ Malak sah, dass ihre Brust sich viel zu schnell hob und senkte. „Du kannst hierbleiben, wenn du willst. Aber ich werde nicht dulden, dass du Probleme machst oder einen Skandal heraufbeschwörst. Das Königreich kann keinen weiteren Aufruhr verkraften. Also solltest du dich fragen, ob du bereit bist, dein Kind aufzugeben, alle Rechte an ihm abzutreten und nie wieder über all das hier zu sprechen.“

„Lieber würde ich sterben“, zischte sie.

Malak lächelte sie verhalten an. „Dann kann ich dir nur gratulieren. Denn dir bleibt nichts anderes übrig, als mit uns nach Khalia zurückzukehren und deinen Platz als meine Königin einzunehmen.“

„Ich würde lieber …“

„Vorsicht“, knurrte Malak. „Was ich dir anbiete, ist eine große Ehre. Sieh dich vor, mich zu beleidigen, und finde dich mit den Konsequenzen ab.“

„Ich heirate dich nicht, Malak.“

„Doch“, gab er gnadenlos zurück. „Andernfalls wirst du hierbleiben, die Rechte an deinem Kind verlieren und vertraglich für immer zum Schweigen verpflichtet sein.“

„Du kannst mich zu nichts von alldem zwingen“, hielt Shona ihm entgegen.

Aber Malak lächelte nur. Nun war er wirklich mit seiner Geduld am Ende.

3. KAPITEL

Am nächsten Morgen landeten sie in Khalia.

Shona fühlte sich beinahe genauso wie an dem Morgen damals, als sie in der luxuriösesten Hotelsuite aufwachte, die sie je gesehen hatte, und feststellte, dass sie allein war. Sie hatte sich … zerschlagen gefühlt, auf angenehme Weise, und irgendwie neu.

Und sie hatte keine Ahnung gehabt, wie sie dorthin gekommen war. Sicher, sie konnte sich an jedes Detail der leidenschaftlichen Nacht erinnern, aber sie verstand nicht, wie sie sich so unbedacht einem völlig Fremden hatte hingeben können.

Diesmal konnte sie zumindest jeden Schritt noch einmal nachvollziehen.

Malak hatte verkündet, dass ihr Gespräch beendet sei und dass sie als Nächstes bei ihrer Freundin vorbeifahren würden, um seinen Sohn abzuholen.

Ständig sprach er von dem Jungen als seinem Sohn. Und das erfüllte Shona mit rasender Wut.

Dass es nur die schlichte Wahrheit war, machte es noch schlimmer.

„Ob du bei unserem ersten Treffen dabei bist oder nicht, ist dir überlassen“, meinte er so gleichgültig, dass sie am liebsten geschrien und mit den Fäusten auf ihn eingeschlagen hätte. Sie wollte, dass er es zutiefst bereute, wieder bei ihr aufgetaucht zu sein.

Doch mehr als alles andere wollte sie Miles beschützen.

Also stieg sie in den Wagen, auch wenn sie sich dafür hasste. Wieder einmal hatte sie sich ergeben. Auch wenn sie sich einzureden versuchte, dass es nur um Miles ging, hatte es sich nicht so angefühlt, als sie in den schwarzen, viel zu bequemen Range Rover stieg.

Zusammen mit Malak, auf den sie am liebsten eingeschlagen hätte, sich aber nicht traute. Und dass nicht wegen seiner Männer, die sie mit kaltem Blick beobachteten. Sondern weil sie nicht wusste, was geschehen würde, wenn sie seinen schlanken, athletischen Körper berührte. Ob ein Schlag mit der Faust vielleicht zu einer verräterischen Liebkosung ausarten würde.

Noch ein Grund mehr, sich selbst zu hassen.

Als sie dann bei Ursulas kleiner Wohnung angekommen waren, befahl sie sich, nicht mehr an Malak zu denken.

Denn jetzt musste sie ihrem kleinen Jungen erklären, dass sein Vater da war.

Dabei hatte sie ihm gesagt, dass er gar keinen Vater hätte.

„Ich bringe Miles zu dir nach unten“, meinte sie panisch, als der Fahrer den Wagen parkte.

„Zwing mich nicht, dir nachzujagen“, sagte Malak ruhig. Zu ruhig. „Solltest du allein verschwinden, würde dir das sicher nicht gefallen. Aber wenn du mich außerdem noch zwingst, meinem Sohn hinterherzulaufen, werde ich dir das nie verzeihen.“

„Vielleicht will ich gar nicht, dass du mir vergibst“, schleuderte sie ihm entgegen, weil sie ihre Zunge nicht im Zaum halten konnte. Ob tatsächlich irgendetwas mit ihr nicht stimmte, wie ihre Pflegeeltern immer wieder gesagt hatten?

Du bist dazu bestimmt, allein zu sein, hatten sie erklärt. Und jeder, der mit dir zu tun hat, ist froh darüber.

„Das bezweifle ich nicht.“ Malak klang immer noch zu ruhig, doch Shona war sein boshafter Unterton nicht entgangen. „Aber du solltest dich fragen, ob du willst, dass außer dir auch dein Sohn den Preis dafür bezahlt.“

Genau das war das Problem. Auf der einen Seite wäre sie am liebsten mit Miles davongerannt. Und das nur deshalb, um Malak zu zeigen, dass er nicht einfach auftauchen und sie herumkommandieren konnte, nur weil er in seiner Heimat ein großes Tier war.

Doch auf der anderen Seite hatte sie keine Ahnung, wie sie das einem Vierjährigen erklären sollte.

Und deshalb stieg sie die Treppe zu Ursulas Apartment hinauf und hatte das Gefühl, zu ihrer eigenen Hinrichtung zu gehen. Ohne zu klingeln, betrat sie die Wohnung, so wie immer. Es gab ihr ein Gefühl, dass sie und Ursula doch Freundinnen waren. Dass sie eben nicht dazu bestimmt war, allein zu sein. Und dass es in ihrem Leben mehr gab als dieses schäbige Restaurant, armselige Trinkgelder und ewige Einsamkeit, die ihr manchmal sehr wehtat.

Doch Ursula saß auf dem abgenutzten, alten Sofa, eine Zigarette in der Hand und den Blick auf den flackernden Fernseher an der Wand gerichtet. Sie sah kaum hoch, sondern winkte ihr nur knapp zur Begrüßung. Shona nahm den schlafenden Miles und seufzte leise, als er seinen Kopf an ihren Hals schmiegte.

Ursula würde es vermissen, auf das Kind aufzupassen. Doch Shona machte sich keine Illusionen, dass die andere Frau sie vermissen würde.

Dann ging sie wieder nach unten. Ihrem Untergang entgegen.

„Er schläft“, sagte sie leise, als sie wieder auf die Straße trat. Malak stand bei seinem Range Rover, als hätte er sich schon darauf vorbereitet, sie wenn nötig zu verfolgen.

Sie hatte mit einer Auseinandersetzung gerechnet. Vielleicht einem Befehl, dass sie Miles sofort aufwecken sollte, damit Malak auf der Stelle seinen Sohn kennenlernen konnte.

Stattdessen ruhte sein eindringlicher Blick scheinbar eine Ewigkeit auf ihr und dem Kind, das sie fest in den Armen hielt.

„Vielleicht wacht er auf, wenn wir bei mir zu Hause meine Sachen holen“, erklärte sie und wusste nicht, warum sie den Wunsch verspürte, dass dieses Treffen glücklich verlief, obwohl sie es doch eigentlich gar nicht wollte.

Auf der anderen Seite war er Miles’ Vater, das durfte sie nie vergessen.

„Wir müssen nicht zu deinem Haus fahren“, sagte Malak. „Meine Männer haben deine Sachen bereits geholt.“

Shona glaubte, dass er das Wort Haus in abfälligem Ton ausgesprochen hatte. „An meinem Haus gibt es nichts auszusetzen“, entgegnete sie hitziger als notwendig und umklammerte Miles, als wollte sie ihn vor möglichen Angriffen beschützen. „Ich war immer stolz darauf und froh, es zu haben.“

„Wir beide werden uns bemühen, dir etwas weit Besseres zur Verfügung zu stellen, auf das du stolz sein kannst“, sagte Malak heftig. „Und eine sehr viel bessere Umgebung, in der mein Sohn aufwachsen kann.“

Mein Sohn …

Der Mann, den sie an ihrem einundzwanzigsten Geburtstag getroffen hatte, war charmant gewesen. Doch schon damals hatte sie gespürt, dass hinter seiner Sinnlichkeit ein harter Kern lauerte, obwohl er sehr zuvorkommend und freundlich gewesen war. Von all dem war nichts geblieben.

Doch er hatte ihr nicht befohlen, ihm Miles zu geben, als sie im Wagen saßen, so wie sie befürchtet hatte. Er nahm ihr auch nicht das schlafende Kind ab, als sie am Flugplatz ankamen und in den wartenden Privatjet stiegen, auf dem die Insignien des Königshauses von Khalia prangten.

Kaum waren sie an Bord des Privatjets, dessen Inneres Shona ein bisschen zu sehr an die luxuriöse Hotelsuite von damals erinnerte, führte Malak sie zu einer der eleganten Kabinen. Mit leuchtenden Augen sah er zu, wie sie Miles auf das Bett legte. Dann trat er näher, und Shona hielt die Luft an. Doch er stand nur neben dem Bett und betrachtete das schlafende Kind.

Seinen Sohn, den er bisher nicht gekannt hatte.

Shona hatte Malak nie vermisst. Auch wenn sie sich die letzten Jahre vielleicht gewünscht hatte, es würde einfacher für sie sein. Aber von einer glücklichen Familie hatte sie nie geträumt. Auch das war ein Resultat ihrer Erfahrung als Pflegekind. Sie glaubte nicht an eine glückliche Familie und war nicht einmal sicher, was sie von Vätern halten sollte. Denn auf ihrer Geburtsurkunde fand sich bei ihrem Vater nur eine leere Zeile. Und während ihrer achtzehn Jahre als Mündel des Staates hatte sie noch nie einen Mann kennengelernt, der diese Bezeichnung verdient hätte.

Deshalb fand sie keine Worte für das, was sie wie eine Sturzflut überschwemmt hatte. Es war verheerend und lebensverändernd und viel zu schnell geschehen. Fast zu intensiv, um es ertragen zu können.

Vielleicht lag es daran, wie Malak seinen Sohn ansah. Oder dass sie zum ersten Mal zusammen in einem Raum waren – ihr kleiner Junge und seine Eltern.

Sie spürte etwas in sich, für das ihr die Worte fehlten. Als ob etwas endlich zu ihr zurückgekehrt wäre, von dem sie nicht einmal wusste, dass sie es verloren und vermisst hatte.

Als sie es wagte, wieder hochzusehen, merkte sie, dass Malaks Blick auf sie gerichtet war.

Shona wusste nicht, warum sie in diesem Moment nichts anderes tun wollte, als sich zu entschuldigen. Wobei sie nicht einmal wusste, wofür.

Sie spürte, dass die Anspannung zwischen ihnen immer größer wurde. Vielleicht vor Rührung. Oder Bedauern über all die verlorenen Jahre, die dem kleinen Jungen gestohlen worden waren.

Bis zu diesem Moment hatte Shona nicht verstanden, welche Macht eine Familie darstellte. Bis sie merkte, dass sie sich nach etwas sehnte, was sie nie gewollt hatte.

„Malak …“ Sie wusste nicht, was sie sagen wollte, nur, dass die Worte in ihrer Kehle steckten und hinaus wollten.

„Wir werden gleich losfliegen“, meinte Malak kühl. „Und wir landen dann in der Hauptstadt von Khalia. Dort kann ich meinen Sohn kennenlernen.“

Shona blieb in der Kabine und fühlte sich innerlich zerrissen, ohne es zu verstehen. Wach lag sie da und starrte an die Decke. Aber nicht, weil Malak plötzlich aufgetaucht war, Forderungen stellte und seltsame Bemerkungen gemacht hatte. Vielmehr war es sein Blick, mit dem er den schlafenden Miles angesehen hatte.

Shona war aufgewachsen, ohne je einen anderen Menschen zu lieben. Sie hatte gelernt, sich nur auf sich selbst zu verlassen, hatte jedoch nie daran geglaubt, dass Menschen sich wirklich lieben konnten. Bis Miles gekommen war.

Seine Geburt hatte alles verändert. Als hätte sie bis dahin in einem kleinen dunklen Haus gelebt, die Vorhänge fest zugezogen und die Fenster mit Brettern zugenagelt. Miles hatte all das eingerissen und die Sonne hereingelassen.

Sie kannte den Blick, den sie auf Malaks Gesicht gesehen hatte. Ein Blick, der von der ungläubigen, tiefen Liebe zu seinem Kind sprach und einzigartig war.

Shona war nicht sicher, ob sie einen Mann hassen konnte, der sein Kind liebte.

So tief, wahrhaftig. Auf den ersten Blick.

Sie wusste auch nicht, was das für sie bedeutete. Und wie in aller Welt sie das Kommende überstehen sollte, wenn ihr die Kraft fehlte – und der Hass auf Malak, der sie lenken würde.

Doch dann landeten sie, Miles war wach und all die Aufregung hatte zu nichts geführt. Außer einer schlaflosen Nacht, sodass sie sich ausgelaugt fühlte, als sie ihren Sohn aus dem Flugzeug begleitete. Sie beantwortete seine aufgeregten Fragen, während sie ein neues Leben betrat. Ein Leben, das sie eigentlich gar nicht wollte.

Shona war noch nie irgendwo anders gewesen. Sie war in New Orleans geboren und hatte angenommen, dass sie dort a...

Autor

Sara Wood
Sara Wood wurde in England geboren. An ihre Kindheit hat sie wundervolle Erinnerungen. Ihre Eltern waren zwar arm, gaben ihr jedoch das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Ihr Vater kannte seine Eltern nicht, deshalb war er so glücklich über seine eigene Familie. Die Geburtstagsfeiern, die er gestaltete, waren sensationell: Er...
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Penny Jordan

Penny Jordan wurde 1946 im englischen Preston geboren und galt als eine der größten Romance-Autorinnen weltweit. Insgesamt verkaufte sie über 100 Millionen Bücher in über 25 Sprachen, die auf den Bestsellerlisten der Länder regelmäßig vertreten waren. 2011 wurde sie vom britischen Autorenverband Romantic Novelists‘ Association für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Sie...

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