Liebeszauber im Paradies

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Ein paar Tage nichts als Spaß und Entspannung! Darcy genießt ihren Urlaub auf Jamaika in vollen Zügen – bis York Ellis auftaucht und sich in ihr Leben einmischt. Sie kennt den sexy Sicherheitsexperten von früher, aber plötzlich entdeckt sie ganz neue Seiten an ihm …


  • Erscheinungstag 22.10.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751547895
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

Brenda Jackson

Liebeszauber im Paradies

PROLOG

Den Dezemberurlaub in New York zu verbringen kam für Darcy, wie Darcelle Owens allgemein genannt wurde, nicht infrage. Folglich fuhr sie gerade mit einem Taxi zum Flughafen. Sie liebte den Big Apple, doch die Warnung der Wetterfrösche, dass der Stadt einer der kältesten Winter seit Jahren bevorstand, bestärkte sie in ihrem Entschluss.

Jamaika, ich komme! jubelte sie innerlich. Sie würde sonnenbaden, abends Partys feiern und auf Männerjagd gehen, während ihre Kollegen sich mit Schneestürmen herumplagten. Nach zwei Jahren harter Arbeit hatte sie es sich redlich verdient.

Sie hatte den ganzen Monat freigenommen und hätte am liebsten die gesamte Zeit auf Jamaika verbracht. Ihre Eltern erwarteten sie jedoch zu Weihnachten zu Hause in Minneapolis. Der Gedanke an die im Winter unwirtlich kalte Heimat ließ sie frösteln. Morgens am Telefon hatte ihre Mutter etwas von zwanzig Grad unter null erwähnt. Brrr!

Die Tage zwischen den Jahren plante Darcy bei ihrer besten Freundin Ellie Lassiter und deren Mann Uriel zu verbringen, die ein Ferienhaus an einem See in North Carolina besaßen. Dort wollte sie mit ihnen im großen Stil ins neue Jahr starten.

Zunächst aber freute sie sich auf drei ungestörte, erholsame Wochen unter tropischer Sonne.

In diesem Moment meldete ihr Smartphone den Eingang einer Nachricht, und sie zuckte zusammen. Hätte ihr jüngerer Bruder Prescott nur niemals ihrer Mutter das Texten beigebracht! Joan Owens sandte ihr täglich gefühlt einhundert Nachrichten.

Beim Blick auf das Display atmete sie jedoch erleichtert auf. Die Mail stammte von ihrer Freundin Ellie.

Benimm Dich auf Jamaika, und hab Spaß. E.

Lächelnd schrieb sie zurück.

Wie soll das gehen, mich benehmen und gleichzeitig Spaß haben?

Umgehend kam die Antwort:

Hast Du Bruce eingepackt?

Ihr Lächeln wurde breiter. Bruce hieß das Sexspielzeug, das die Freundin ihr zur Scheidung geschenkt hatte.

Nein, der bleibt zu Hause. Stattdessen suche ich mir lieber etwas Echtes. Ich freue mich schon sehr darauf, zu entspannen, zu lesen – und Ersatz für Bruce zu finden.

Dass gleich darauf das Telefon klingelte und Ellie am Apparat war, überraschte sie nicht. „Was willst du damit andeuten?“, fragte Ellie.

Lachend warf Darcy den Kopf zurück. „Du hast schon richtig verstanden. Es wird höchste Zeit, Bruce in Rente zu schicken. Er hat es sich verdient!“

„Sag so was nicht!“

„Wieso nicht? Bruce und das Lesen zahlloser Liebesromane haben mir geholfen, die zwei Jahre Enthaltsamkeit zu überstehen, ohne verrückt zu werden.“

Ist es wirklich schon so lange her? wunderte sie sich. Darcy war vor etwa zwei Jahren von Minneapolis nach New York gezogen, um dort als Stadtplanerin zu arbeiten. Seither hatte sie sich unermüdlich ins Zeug gelegt, um ihrem Chef zu beweisen, dass er mit ihr keinen Fehlgriff getan hatte. Urlaub hatte sie bisher nicht gemacht. Nun wollte sie die angesammelten Urlaubstage genießen, und zwar in vollen Zügen. Mit allem, was dazu gehörte.

„Mach dir keine Sorgen um mich“, versuchte sie, die Freundin zu beruhigen. „Ich habe genügend Kondome eingepackt.“ Zufällig fiel ihr Blick dabei in den Rückspiegel. Sie sah, dass der Taxifahrer, ein älterer Herr, zusammenzuckte.

Wieder musste sie lächeln. „Du machst mir nichts als Probleme“, flüsterte sie. „Mein Fahrer hat die letzte Bemerkung gehört und denkt bestimmt, ich sei ein leichtes Mädchen.“

„Daran bist du schon selbst schuld! Dennoch wünsche ich dir, dass du auf deine Kosten kommst. Sei bitte vorsichtig. Außerdem erwarte ich nach deiner Rückkehr einen detaillierten Bericht.“

„Den sollst du haben. Ich werde wie eine der Heldinnen aus meinen Liebesromanen sein. Ganz besonders in dem heißen pinkfarbenen Bikini, der in meinem Koffer liegt und geradezu nach Verführung schreit.“

Sie beendete das Gespräch und sah voller Vorfreude aus dem Fenster. Es hatte gerade angefangen zu schneien. Sie konnte gar nicht schnell genug nach Jamaika gelangen!

Adrenalin schoss durch York Ellis’ Adern, einem ehemaligen Angehörigen der New Yorker Polizei, der mittlerweile Inhaber einer eigenen Sicherheitsfirma war. So ging es ihm jedes Mal, wenn er einen neuen Fall in Angriff nahm. Der jetzige versprach eine besondere Herausforderung und viel aufregender als der letzte zu werden, bei dem er lediglich ein Rennpferd vor einer Entführung hatte bewahren müssen.

In diesem Augenblick saß ihm der bekannte Regisseur und Drehbuchautor Malcolm Overstreet gegenüber, der ihn als Vertreter einer Gruppe von New Yorker Filmemachern aufsuchte. Seit geraumer Zeit gelangten Filme auf den Schwarzmarkt, noch bevor sie in die Kinos kamen. Daraus resultierten enorme Einnahmeeinbußen, die so manchen Filmemacher an den Rand des Bankrotts trieben. Im aktuellen Fall waren Szenen eines Films im Internet aufgetaucht, obwohl die Produktion noch nicht einmal abgeschlossen war.

Zudem hatte es Drohungen gegeben, die mit dem Thema des Films zusammenhingen. Malcolm wollte nun, dass York herausfand, wer hinter dem Diebstahl steckte.

Um die Sicherheit am Set würden sich Yorks hochqualifizierte Angestellte kümmern, während er persönlich herauszufinden gedachte, wer für den Diebstahl des Filmmaterials verantwortlich war.

„Haben Sie schon einmal die Möglichkeit erwogen, dass es sich um einen Insider handeln könnte?“, fragte er.

„Bei dieser Produktion arbeiten nur die besten Leute mit. Wenn wir Geld verlieren, verlieren die ebenfalls“, tat Malcolm den Gedanken ab.

Nicht unbedingt, ging es York durch den Kopf. „Wann gehen die Dreharbeiten weiter?“

„Nächste Woche. Auf Jamaika.“

Rasch machte York sich einige Notizen. Der Film war der umstrittenen Biografie von Marcus Garvey nachempfunden, eines aus Jamaika stammenden schwarzen Bürgerrechtlers. Darin sollte auch eine Seite von ihm gezeigt werden, die nicht jeder öffentlich gemacht sehen wollte. Das erforderte verstärkte Sicherheitsmaßnahmen während des Drehs auf Jamaika.

„Haben Sie bei Ihren vorherigen Projekten bereits mit Teilen des Teams oder den Schauspielern zusammengearbeitet?“

„Nach Möglichkeit beschäftige ich immer dieselben Leute. Ich kenne diese großenteils seit Jahren und kann mir nicht vorstellen, dass einer von ihnen so etwas machen würde.“

„Und die Schauspieler?“

„Hauptdarsteller ist Johnny Rush als Garvey, Danielle Simone spielt die weibliche Hauptrolle. Die beiden können Sie getrost von der Liste der Verdächtigen streichen.“

„Weshalb?“

„Sie sind viel zu eitel, um ihre Arbeit anderswo sehen zu wollen als auf der großen Kinoleinwand. Alles andere empfänden sie als Beleidigung. Tatsächlich haben sie die Verträge erst unterzeichnet, nachdem sie die Garantie bekamen, dass der Film vor der Premiere nirgendwo anders zu sehen ist.“

„Was ist mit Damien Felder?“, fragte York mit Blick auf die Papiere, die vor ihm auf dem Schreibtisch lagen. „Er ist an fast jeder Ihrer Produktionen beteiligt.“

Malcolm Overstreet nickte. „Den können Sie ebenfalls von der Liste streichen. Er ist mein Herstellungsleiter und am Gewinn beteiligt. Finanzielle Einbußen treffen ihn ebenso hart wie mich. Er profitiert gewiss nicht, wenn unsere Filme auf dem Schwarzmarkt erscheinen. Sollte das noch einmal passieren, müssten wir vermutlich Insolvenz anmelden.“ Malcolm neigte sich vor und fügte in verschwörerischem Ton hinzu: „Wer immer hinter den Diebstählen steckt, er wird versuchen, an das Material zu kommen, während wir auf Jamaika die letzten Szenen drehen. Sorgen Sie dafür, dass es nicht geschieht, York. Meine Partner und ich haben es satt, auf diese Weise Geld zu verlieren. Es ist nicht nur uns gegenüber unfair, sondern allen an der Produktion Beteiligten.“

Er atmete tief durch. „Dann ist da noch die Drohung gegen Rush. Manche halten sie für einen Publicitygag, ich möchte jedoch kein Risiko eingehen.“

York schlug sein Notizbuch zu. Dieser Fall könnte ihm zu weiteren Aufträgen in der Filmbranche verhelfen. Zuallererst ging es ihm jedoch ums Prinzip: Jemand brach das Gesetz, bereicherte sich unrechtmäßig und beging faktisch einen Diebstahl.

Dass Malcolm Overstreet sich ausgerechnet an ihn gewandt hatte, wunderte ihn nicht. Malcolm hatte als junger Mann vor seinem Abschluss an der Columbia Film School dasselbe College besucht wie Yorks Vater und fünf seiner Patenonkel.

„Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Ich fliege umgehend nach Jamaika und versuche herauszufinden, wer dahintersteckt.“

„Das klingt, als wäre es ein Kinderspiel.“

„Das ist es gewiss nicht. Meine Angestellten gehören jedoch zu den besten der Branche, und ich werde persönlich als Sicherheitsberater vor Ort sein, um ein Auge auf alles zu haben. Seien Sie versichert, dass der Täter nie wieder eine Ihrer Produktionen bestehlen wird.“

1. KAPITEL

Darcy stand auf dem Balkon und genoss den Anblick des türkisblauen Meers. Sie war bereits seit drei Tagen auf Jamaika, konnte ihr Zimmer jedoch jetzt erst verlassen, da gleich am ersten Tag ein Magenvirus sie ins Bett gezwungen und ihr den Start in den Urlaub verdorben hatte.

An diesem Morgen ging es ihr wieder prächtig, und sie hatte vor, die verbleibenden Tage in vollen Zügen zu genießen.

Beim Einchecken hatte sie eine Liste mit Veranstaltungen erhalten, die das Hotel für seine Gäste arrangierte. An diesem Abend sollte eine elegante Strandparty stattfinden. Zum Glück war sie rechtzeitig genesen, denn dieses Ereignis wollte sie nicht verpassen.

Gut gelaunt kehrte sie in ihre Suite zurück und betrachtete sich im Ganzkörperspiegel. Den breitkrempigen Strohhut hatte sie noch am Flughafen erstanden, das Kleid stammte von einem Einkaufsbummel mit Ellie im Sommer. Von einem Urlaub auf Jamaika hatte sie damals bestenfalls geträumt. Noch immer wagte sie kaum zu glauben, dass sie wirklich hier war.

Sie beschloss, ein andermal an den Strand zu gehen und an diesem Tag lieber die Insel und einige ihrer Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Ihre neue Kamera würde ihr dabei gute Dienste leisten. Sie hatte Jamaika erst ein einziges Mal besucht. Die Reise war ein Geschenk ihrer Eltern zum Collegeabschluss gewesen. Damals hatte sie bei einer ortsansässigen Kunsthandwerkerin einige handgefertigte Schmuckstücke erstanden. Sofern das winzige Atelier am Pier noch existierte, wollte sie ihre Sammlung ergänzen.

Zufrieden sah sie sich um. Da sie drei Wochen hier verbringen wollte, hatte sie sich eine schöne, geräumige Suite gegönnt. Du hast es dir verdient, hatte sie gedacht.

Die Räumlichkeiten rechtfertigten die Mehrkosten durchaus. Im ganz in einem Creme-Ton gehaltenen Wohnbereich griffen geschickt platzierte Farbtupfer in Gelb, Mintgrün und Pflaumenblau das Inselthema auf. Raumhohe Fenster gewährten einen direkten Blick aufs Meer. Außerdem gab es einen Zugang zum großzügigen Balkon. Das angrenzende Schlafzimmer besaß einen eigenen Balkon, ebenfalls mit Aussicht auf die Karibik. Darcy genoss es ungemein, mit Blick auf das Meer aufzuwachen.

Als besonderes Highlight empfand sie das Bad. Es schloss einen komfortablen Umkleidebereich ein, einen Schrank, so groß, dass man darin hätte übernachten können, und einen gigantischen Jacuzzi, der mehreren Paaren gleichzeitig Platz böte, sofern man auf derlei stand … was sie nicht tat. In Beziehungsangelegenheiten kam Teilen für sie nicht infrage.

Sie schnappte sich ihre Handtasche und ging zur Tür. Das Wetter war toll, und sie wollte so viel Zeit wie möglich im Freien verbringen. Anschließend wollte sie duschen und sich ausruhen, ehe es an der Zeit für die Party war.

Gemächlich schlenderte York über den Pier. Es hatte ihn nicht viel Zeit gekostet, einen Aktionsplan zu schmieden und nach Jamaika zu fliegen. Er kannte und liebte die Insel, würde sie diesmal aber nicht genießen können, weil er zum Arbeiten hierhergekommen war.

Im Gegensatz zu Malcolm zählte er alle am Film Mitwirkenden zum Kreis der Verdächtigen. Deshalb überprüften seine Angestellten gerade jeden von ihnen. Er hoffte, den Fall bald aufzuklären, denn er wollte die Weihnachtstage in den Staaten verbringen. Und zwar allein. Seine Eltern, die seit geraumer Zeit in Seattle lebten, feierten mit Freunden und erwarteten nicht, dass er sie besuchte. York plante, ruhige Tage in New York zu verleben. Sollte ihm jedoch der Sinn nach Gesellschaft stehen, waren da noch die fünf Patenonkel samt Familien, die er jederzeit besuchen konnte.

Die Geschichte der sechs Jungen, die sich am College angefreundet und am Abschlusstag geschworen hatten, Paten ihrer jeweiligen Kinder zu werden, war weithin bekannt. Sie hatten zudem verabredet, ihren Erstgeborenen Namen mit Anfangsbuchstaben in alphabetischer Reihenfolge von U bis Z zu geben. Deswegen hießen seine Patenbrüder, zu denen er ein ebenso gutes Verhältnis hatte wie zu deren Eltern: Uriel, Virgil, Winston, Xavier und Zion.

Ungeduldig sah er auf die Uhr. Einige Berichte seiner Leute hatte er bereits erhalten, andere standen noch aus. Schon zeichnete sich ab, dass Malcolm sein Team nicht so gut kannte, wie er dachte. Mehr als kleine Gaunereien hatte es bislang jedoch nicht gegeben.

Beim Herumschlendern fing York die bewundernden Blicke einiger Frauen auf. Es störte ihn nicht weiter, interessierte ihn aber auch nicht. Wäre er zu seinem Vergnügen hier, würde er der einen oder anderen womöglich ihre Fantasien erfüllen. Jamaika galt als Paradies für alleinreisende Frauen, die sich nach Herzenslust austoben wollten.

Nicht mit ihm. Er befand sich auf einer Mission. Bislang hatte noch keine Frau es geschafft, ihn von der Arbeit abzuhalten.

Darcy trat aus einem dämmrigen Laden in Montego Bay auf die Straße und blinzelte, weil das grelle Sonnenlicht sie blendete. Aus jeder Ecke ertönte Reggaemusik. Sie blieb stehen, setzte die Sonnenbrille auf und lächelte, als ihr einfiel, dass im Wetterbericht für New York weitere Schneefälle angesagt worden waren.

An einem Obststand blieb sie stehen. Ein Korb voller praller, saftiger Erdbeeren fesselte ihre Aufmerksamkeit. Im selben Moment nahm sie aus den Augenwinkeln auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Mann wahr. Und was für einen!

Sie konnte lediglich sein Profil sehen, doch selbst aus fünf Metern Entfernung und obwohl er vor einem Ständer voller T-Shirts kauerte, war unverkennbar, dass es sich um ein Musterexemplar des anderen Geschlechts handelte.

Um ihn besser betrachten zu können, zog Darcy die Sonnenbrille etwas herunter. Diesen Anblick konnte sie sich unmöglich entgehen lassen! Kräftige Schenkel zeichneten sich unter den Jeans ab, breite Schultern unter dem Hemd …

Plötzlich richtete er sich auf, und ihr Mund fühlte sich schlagartig wie ausgetrocknet an. Dieser knackige, durchtrainierte Po brachte gewiss so manches Frauenherz zum Schmelzen!

Im Geist ging sie die Liebesromane durch, die sie in den vergangenen Jahren verschlungen hatte, und verglich ihn mit den Helden darin. Welchem entsprach er am nächsten? Nachdenklich klopfte sie mit dem Zeigefinger gegen ihr Kinn.

Jansen Trumble! schoss es ihr durch den Kopf. Er war der verwegene Held einer heißen Romanze, die sie bestimmt vier oder fünf Mal gelesen hatte. Statt eine sinnliche Nacht mit ihm verbringen zu dürfen, hatte sie sich mit Bruce begnügen müssen. Lächelnd schob sie die Sonnenbrille wieder ganz zurück auf die Nase. Die Romanfigur konnte sie nicht haben, ihr Doppelgänger käme ihr jedoch gerade gelegen.

„Miss, möchten Sie eine Erdbeere probieren? Diese sind frisch gewaschen. Sie schmecken köstlich!“ Die Betreiberin des Obststands hielt ihr ein Tablett voller saftiger Beeren hin, auf denen noch Wassertropfen glänzten.

„Ich nehme gern eine.“ Darcy schob sich eine Frucht in den Mund, und köstliche Süße breitete sich darin aus. Dann sah sie wieder zu dem Mann hinüber, der sich mittlerweile zu seiner nicht unerheblichen Größe aufgerichtet hatte. Immer noch betrachtete er die T-Shirts. Er war nicht nur hochgewachsen, sondern auch bemerkenswert gut gebaut und durchtrainiert.

Nachdenklich neigte sie den Kopf. Irgendetwas an ihm erschien ihr vertraut. Könnte sie doch nur sein Gesicht besser sehen! Die große Sonnenbrille verdeckte es zur Hälfte. Immerhin wiesen Kleidung und Haarschnitt darauf hin, dass er Amerikaner war.

„Köstlich, nicht, Miss?“

Gerade noch rechtzeitig fiel Darcy ein, dass die Obsthändlerin die Erdbeeren meinte und nicht den Mann. „Ja, in der Tat.“

„Möchten Sie noch eine?“

Darcy wollte nicht gierig erscheinen, doch wenn die Frau schon fragte … „Ja, gern.“

Sie schob sich die nächste Beere in den Mund, blickte auf und bemerkte, dass der Mann von gegenüber sie ebenfalls betrachtete. Jetzt erkannte sie ihn auch – und verschluckte sich fast an der Erdbeere.

Es war York Ellis!

Du hättest ihn sofort erkennen müssen, schalt sie sich. Die Form seines Munds und das markante Kinn waren unverkennbar. Was, zum Teufel, tat er ausgerechnet hier?

Wütend blickte sie ihn an. Ihre beste Freundin war mit einem seiner Patenbrüder verheiratet, sodass sie einander bei allen möglichen Anlässen unweigerlich begegneten. Vom ersten Mal an, bei der Hochzeit von Ellie und Uriel, hatten sie einander nicht ausstehen können. Darcy hatte gerade ein Telefonat mit ihrem Exmann Harold beendet, der sie mit Drohungen für sich zurückzugewinnen versuchte. Als York sie wenige Minuten später anmachte, ließ sie ihn schroff abblitzen. Er hatte es nicht gut aufgenommen.

In dieser Sekunde nahm er die Sonnenbrille ab und sah sie an. Er schien ebenso überrascht darüber, sie zu sehen, wie umgekehrt sie ihn. Unter seinem durchdringenden Blick wurde es Darcy heiß. Bleib ganz ruhig, ermahnte sie sich. So scharf war sie nicht auf einen Mann, dass sie sich ausgerechnet zu ihm hingezogen fühlte!

York Ellis war arrogant, unglaublich frech und viel zu sehr von sich selbst eingenommen. Dennoch vermochte sie den Blick kaum von ihm abzuwenden. Widerwillig bewunderte sie seine perfekt sitzende Jeans, seine breiten Schultern, die sich unter dem Hemd abzeichneten, sein markantes Gesicht, seinen Mund, der zum Küssen einlud … und sich vermutlich auch für manch anderen erotischen Zweck einsetzen ließe. Auch seine dunklen Augen zogen sie geradezu magisch an.

Plötzlich lächelte er schief. Er hatte bemerkt, dass sie ihn musterte, und amüsierte sich darüber. Kein Wunder – bei ihrer Vorgeschichte!

Bei der ersten Begegnung hatte er sie auf dem falschen Fuß erwischt, genau wie bei jeder weiteren seither.

Er grinste immer noch, was die Grübchen in seinen Wangen hervortreten ließ und seine markanten Gesichtszüge betonte. Beides bemerkte Darcy zum ersten Mal. Es mochte daran liegen, dass er ihr zum ersten Mal ein Lächeln schenkte.

Es war jedoch kein freundliches Lächeln. Er triumphierte, weil er sie beim Taxieren ertappt hatte. Arrogant, wie er war, dachte er gewiss, sie hätte es aus sexuellem Interesse getan.

Nie im Leben! sagte sie sich. Und wenn er der letzte Mann auf Erden wäre!

Plötzlich fiel ihr auf, dass er sie ebenfalls musterte. Von Kopf bis Fuß und wieder zurück. Ein süßes Prickeln überlief ihren Körper. Hastig brach sie den Blickkontakt ab und griff nach einer weiteren Erdbeere.

„Alle weiteren sind zum Verkauf bestimmt, Miss“, sagte in diesem Moment die Obsthändlerin.

Unwillkürlich musste Darcy lachen. Die Taktik der Standbetreiberin war aufgegangen. „Gut, dann nehme ich das Körbchen. Sie schmecken wirklich köstlich!“

Die Frau strahlte. „Möchten Sie auch noch andere Früchte probieren?“

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