Valerian befand sich im Treibhaus und beschäftigte sich mit seinen neuen Hybridrosen, als Beldon am nächsten Tag eintraf. Freudig überrascht sah er von seinen Töpfen und Stecklingen auf. Mangels Gesellschaft war er in letzter Zeit viel zu oft allein mit seinen Gedanken gewesen.
„Ich hoffe, eine gelbe Rose mit pinkfarbenen Akzenten zu entwickeln“, erklärte Valerian und wischte sich die Hände an einem Stofftuch ab. „Wie schön, dich zu sehen! Was führt dich so unverhofft hierher? Es geht doch hoffentlich allen gut?“ Für einen Moment zog sich ihm der Magen zusammen, denn seine Hauptsorge galt Philippa. Ihm schossen Hunderte von Möglichkeiten durch den Kopf, was ihr alles zugestoßen sein konnte – ein Sturz vom Pferd, eine schwere Wintergrippe. Oder sie konnte auch Luciens lächerlichen Heiratsantrag angenommen haben.
Offensichtlich war ihm seine Besorgnis anzusehen. „Immer mit der Ruhe, alter Freund!“ Beldon lachte leise. „Alle sind wohlauf. Philippa geht es gut, falls es das ist, was dich bedrückt.“
„Wollen wir ins Haus gehen?“, bot Valerian an.
„Nein, lass dich nicht durch mich von deiner Arbeit abhalten“, wehrte Beldon ab und zog sich einen hohen Hocker an den langen Arbeitstisch. „Ich bin gekommen, um mit dir zu reden. Ein paar Dinge an deinem Rätsel lassen mir keine Ruhe.“
Valerian nickte und schob ihm eine Holzkiste zu. „Du kannst das Saatgut sortieren, während wir uns unterhalten.“ Er wusste, welches Rätsel Beldon meinte, und er konnte mit ziemlich Sicherheit voraussagen, was Beldon herausgefunden hatte und was nicht.
Beldon nahm eine Tüte mit Saatgut aus dem Behälter heraus. „Lieber Gott, wozu brauchst du die denn alle? Das müssen ja hundert Tüten in dieser Kiste sein!“
„Das sind alles Wildblumen. Ich möchte die Samen in den südlichen Garten aussetzen. Sortiere sie nach der Art, nicht nach Farben“, wies Valerian ihn an.
„Du schmiedest Pläne. Das kann nur bedeuten, dass es sich für dich gut anfühlt, wieder zu Hause zu sein“, stellte Beldon fest.
Valerian sah von seiner Arbeit auf und lächelte seinen Freund warmherzig an. „Erstens, ja, es fühlt sich herrlich an, wieder zu Hause zu sein. Endlich kann ich die Pläne in die Tat umsetzen, die ich schon so lange mit Roseland hatte. Zweitens, du brauchst nicht lange um die Sache herumreden. Wir kennen uns seit Ewigkeiten, und ich denke, du kannst mich alles fragen, ohne dass unsere Freundschaft darunter leidet.“ Beldon schnaubte leise, und Valerian war klar, dass er diese Bemerkung als Ironie empfinden musste, denn immerhin hatte er Beldon vor Jahren sein großes Geheimnis nicht anvertrauen können. „Vielleicht denkst du anders über die Gründe, warum ich dir damals nichts davon gesagt habe, wenn du mir alle deine Fragen gestellt hast“, fügte Valerian leise und wie um Entschuldigung bittend hinzu. Es gab so vieles, was er erklären musste. Heute war der Tag, um damit anzufangen.
Beldon holte tief Luft. „Also gut. Was hast du in Bezug auf Philippa vor, jetzt, wo du für immer zurückgekehrt bist?“
Valerian lachte leise und konzentrierte sich auf die Pflanze vor ihm. „So einfach ist das nicht, Beldon. Philippa ist eine eigensinnige Frau. Sie wird genau das tun, was sie will, und ich fürchte, sie ist nicht davon überzeugt, dass ich das Beste für sie bin.“
Er sah gerade noch rechtzeitig auf, um zu sehen, wie Beldon verwirrt die Stirn runzelte. „Ich verstehe nicht, was daran so schwierig sein soll“, meinte er. „Ihr beide wart einmal ineinander verliebt, sie ist jetzt frei und ungebunden, und du liebst sie immer noch. Du wirst sie ein wenig umwerben müssen, aber ansonsten sehe ich da
