Zärtlicher Eroberer – Kapitel 5

Philippa sah Lucien nicht kommen, spürte seine Ankunft aber, als Valerian sich plötzlich anspannte und ein gefährliches Glitzern in seinen Augen sichtbar wurde. Sie versuchte, ihm ihre Hand diskret zu entziehen, aber sie hätte sich die Mühe sparen können. Luciens finstere Miene verriet eindeutig, dass er ihre Hand in Valerians bereits gesehen hatte.

          Philippa ärgerte sich über die Störung. Eine Zeit lang hatte eine freundschaftliche Stimmung zwischen ihr und St. Just geherrscht, sie waren wieder einfach nur Philippa und Valerian gewesen, wie am Vorabend auf der Tanzfläche. Sie hatte es gemocht, wie sie sich ruhig und vertraut über ihre Ehe mit dem Duke unterhalten hatten. Sie hatte das Fehlen von verbalen Spitzen genossen, die nur den Zweck hatten, den anderen zu treffen im Gerangel um Forderungen und Besitzansprüche. Durch Luciens Erscheinen war das alles wieder da, und sogar noch verstärkt. In dem Moment, als Valerian Lucien entdeckt hatte, war er wieder St. Just geworden – der verwegene Diplomat, der sich von keinem Mann in die Ecke treiben und Schuldgefühle einreden ließ.

          „Philippa, es ist eiskalt“, sagte Lucien und rieb sich die Hände. Valerians Anwesenheit ignorierte er geflissentlich. „Was treibt dich bei diesem Wetter nur nach draußen?“

          „Wir haben in Erinnerungen geschwelgt und uns etwas erzählt“, erklärte Philippa, und das stimmte ja auch. Sie hatten über die Vergangenheit gesprochen, nichts weiter.

          „Meine Liebe, genau deshalb haben wir ein Dutzend Salons, in denen man sich gemütlich unterhalten kann.“ Lucien lachte gezwungen.

          „Stimmt das, oder ist das nur eine Übertreibung?“, warf Valerian ein. Er schirmte die Augen mit der Hand ab und ließ den Blick demonstrativ über das Herrenhaus schweifen, als zählte er all die Salons und bezweifelte, ob das Anwesen für so viele überhaupt groß genug war.

          Philippa wusste nicht recht, was sie zuerst tun sollte: lachen, weil Luciens Prahlerei durchschaut worden war – das Gebäude war zwar groß für die Verhältnisse in Truro, aber zwölf Salons gab es nicht, es sei denn, man rechnete die kleinen Räume mit, die einigen der größeren Schlafzimmer hinzugefügt worden waren –, oder Valerian erwürgen, weil er so absichtlich Luciens Stolz verletzte, nur um den Mann zu ärgern. „St. Just interessiert sich für Gärten. Ich dachte, es würde ihm gefallen, sich einmal deinen anzusehen“, lenkte Philippa rasch ein.

          Valerian lächelte. „Ja, unsere Familie besitzt ausgedehnte Gartenanlagen auf der Halbinsel Roseland. Ich kann es kaum erwarten, dorthin zurückzukehren.“

          Lucien erwiderte sein Lächeln. „Ich hoffe doch, Sie haben es nicht allzu eilig und bleiben noch eine Weile bei uns! Vielleicht kann ich Sie ja mit dem Besuch einiger wunderschöner Gärten hier in der Umgebung locken?“, bot Lucien großzügig an. „Ich habe gehört, dass der neue Vikar in Veryan, nur ein paar Meilen von hier entfernt, das Pfarrhaus renoviert hat und plant, den umliegenden Garten zu vergrößern. Ich könnte es für Sie arrangieren, dass Sie morgen zu ihm hinüberreiten und mit ihm fachsimpeln.“

          Philippa drehte sich zu Valerian um. „Bitte, sagen Sie, dass Sie bleiben. Ich kenne das Pfarrhaus von früher. Es ist wunderhübsch, und Sie werden Samuel Trist, den neuen Vikar, bestimmt gut leiden mögen. Er soll wirklich ein begeisterter Landschaftsgärtner sein. Sie hätten also viel gemeinsam mit ihm.“ Der Gedanke, Valerian könnte abreisen, nachdem sie sich gerade erst an seine Rückkehr gewöhnt hatte, war plötzlich unerträglich. Aber er würde nicht bleiben, wenn er sich dadurch Lucien irgendwie verpflichtet fühlte.

          „Und wer weiß, was sich sonst noch für angenehme Überraschungen auftun, wenn Sie nur lange genug bleiben?“, fuhr Lucien fort und spielte ganz den vollkommenen Gastgeber. „Mit etwas Glück könnten Sie der Erste sein, der mir gratulieren darf. Ich habe unserer lieben Duchess heute Morgen einen Heiratsantrag gemacht. Ich hielt es für das Beste, das neue Jahr gleich mit dem richtigen Schritt zu beginnen.“

          Philippa spürte, wie ihr die Farbe aus dem Gesicht wich. Wie konnte Lucien es wagen, diese wütend herausgebrachte, eifersüchtige Äußerung einen Antrag zu nennen! Sie merkte, dass Valerian sie forschend betrachtete.

          „Hat unsere ‚liebe Duchess‘ denn Ja gesagt?“, fragte er Lucien, ohne den Blick von Philippa zu wenden.

          „Sie hat …“, begann Lucien.

          „Sie hat nicht Ja gesagt“, fiel Philippa ihm aufgebracht ins Wort. Es war nicht abzusehen, welche nächste Lügengeschichte Lucien auftischen würde. Wenn er ihre Auseinandersetzung schon als Heiratsantrag darstellte, dann interpretierte er ihr Hinausstürmen aus der Bibliothek womöglich als „Bedenkzeit“ ihrerseits. Philippa sah beide Männer wütend an. „Ich werde nicht hier stehen und es zulassen, dass man über mich redet, als wäre ich unsichtbar. Das gilt für Sie beide. Da meine Anwesenheit für dieses Gespräch jedoch offenbar nicht erforderlich ist, lassen Sie sich nicht weiter stören. Ich gehe ins Haus.“

          Sie musste vorübergehend den Verstand verloren haben, zu glauben, sie wäre noch nicht bereit für Valerians Abreise. Valerian. Das war auch noch so ein Punkt. Irgendwann zwischen seiner Ankunft vor zwei Tagen und diesem Nachmittag hatte sie angefangen, ihn in Gedanken wieder Valerian zu nennen, nicht mehr St. Just. Draußen im Garten war er noch ihr Freund gewesen, mit dem sie sich über die alten Zeiten unterhalten hatte, und dann war er plötzlich wieder St. Just geworden. Innerhalb kürzester Zeit war die Maske wieder an ihren Platz gerutscht.

          War es das? Eine Maske? Warum war sie sich nur so sicher, dass seine Kälte und treffsichere Schlagfertigkeit eine Maske waren? Es konnte doch sein, dass die Rolle des Freundes nur vorgespielt war?

 

Oben in ihrem Zimmer warf Philippa den Umhang auf ihr Bett und begann, ruhelos vor dem Fenster auf und ab zu gehen. In ihrem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Für eine Frau, die sich vor dem zweifelhaften Charme des Viscount St. Just gefeit gehalten hatte, stand sie ihm jetzt erstaunlich wehrlos gegenüber. Schon war sie auf dem besten Weg, die erwiesene Wahrheit über Bord zu werfen und einzutauschen gegen die Fantasiebilder, mit denen er sie als junges Mädchen umgeben hatte. Warum war es so leicht, wieder an diese alten Märchen zu glauben? Vor allem, weil sie doch wusste, es waren nur Märchen.

          Plötzlich hatte sie eine Eingebung. Sie würde sich selbst beweisen, dass ihre Zuneigung bei Valerian Inglemoore nicht angebracht war. Ja, wenn sie diesen Beweis mit eigenen Augen sehen konnte, würde es ihr beim nächsten Mal, wenn er ihre Hand hielt oder mit ihr tanzte, nicht so schwerfallen, die Wahrheit zu verdrängen.

          Philippa nahm einen Bogen ihres persönlichen Briefpapiers aus dem Sekretär und setzte sich. Energisch zog sie einen senkrechten Strich auf dem Papier und teilte den Bogen somit in zwei Spalten – die eine für Märchen, die andere für Tatsachen. Als sie mit dem Ausfüllen der Spalten fertig war, hatte sie drei Märchen und fünf Tatsachen.

         Das erste Märchen: Er hatte sie in ihrer Jugend geliebt. Das zweite: Er hatte sie heiraten wollen. Und das dritte: Er war zurückgekehrt und hoffte, ihr den Hof

 

machen zu können, um sein schlechtes Benehmen von damals wiedergutzumachen. Ja, das waren die drei Dinge, die sie am liebsten geglaubt hätte.

          Doch da waren auch die bedrückenden Tatsachen. Tatsache Nummer eins: Er hatte ganz offen zugegeben, ihre kleine affaire wäre für ihn nichts weiter gewesen als ein flüchtiges Abenteuer. Wahrheit Nummer zwei: Er hatte nie vorgehabt, sie zu heiraten. Schon an jenem Abend hatte er gewusst, dass er zu seinem Onkel reisen würde. Wie sonst hätte sich sein überstürzter Aufbruch erklären lassen? Nein, er musste das schon monatelang vorher geplant haben, vielleicht sogar schon vor ihrer kurzlebigen Beziehung.

          Die dritte Tatsache: Er hatte ihren Vater nie darum gebeten, ihr den Hof machen zu dürfen, und er hatte auch ganz sicher nie um ihre Hand angehalten. Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte ihr Vater ihr das gesagt, davon war sie fest überzeugt.

          Tatsache Nummer vier: Während seiner Abwesenheit hatte er nie versucht, Kontakt zu ihr oder zu Beldon aufzunehmen.

          Und die letzte Tatsache: Er war zurückgekehrt mit einem Ruf, der genau zu dem Verhalten passte, das er in jener Nacht im Garten der Rutherfords gezeigt hatte.

          Unter dem Strich sprach alles gegen ihn. Mit Ausnahme weniger, flüchtiger Momente gab es nichts, was das Verhalten bestätigte, das sie von ihm sehen wollte. Nichts unterstützte die in der Märchenspalte aufgelisteten Punkte. Alles bekräftigte die Tatsachen, sowohl die aus der Vergangenheit als auch die der Gegenwart. Die Wahrheit lautete, dass Valerian Inglemoore ein Frauenheld war – ein sehr erfolgreicher noch dazu. Warum also war es derart schwer, ihm zu widerstehen, selbst wenn man die Realität so deutlich vor Augen hatte? Und warum hatte sie solche Mühe damit, diese zu akzeptieren?

          War es möglich, dass Valerian noch eine andere Seite hatte, die er bewusst verborgen hielt? Eine Seite, die er vielleicht nicht an den Tag legen durfte? Es konnte Gründe für diese Maske geben, Gründe, die mit seiner Arbeit zu tun haben mochten.

          Philippa zog einen weiteren Briefbogen hervor. Sie hatte Freunde in den politischen Kreisen, die das für sie herausfinden konnten. Alles Wunschdenken einmal beiseitegelassen – plötzlich erschien es ihr von vorrangigster Wichtigkeit, Gewissheit über Valerian Inglemoore zu bekommen.

          Philippa streute Löschsand über den Brief und legte ihn dann, von wachsenden Schuldgefühlen geplagt, zur Seite. Sie hatte kein gutes Gefühl bei diesen Nachforschungen. Ihr war, als spionierte sie ihm nach, als handelte sie hinter seinem Rücken. Nein, diesen Brief wollte sie nicht abschicken, jedenfalls vorerst noch nicht. Jetzt, da ihr anfänglicher Zorn allmählich abgeebbt war, wurde ihr langsam klar, dass sie wenig unternommen hatte, den Mann kennenzulernen, zu dem Valerian geworden war.

          Ehe sie einen hinter seinem Rücken nachforschenden Brief abschickte, sollte sie erst einmal die direkteren Möglichkeiten ausprobieren, die ihr zur Verfügung standen. Schließlich nahm sie die Mahlzeiten mit Valerian zusammen ein, und dann gab es ja auch noch den Ausflug zu Vikar Trist in Veryan am morgigen Tag, wenn Lucien seine Bitte um einen Besuch gestattet wurde. Das waren hervorragende Gelegenheiten, selbst herauszufinden, wie die Wahrheit aussah.

 

Der Abend verlief entspannt im Vergleich zu den beiden vorangegangenen. Viele der Gäste, die nach dem Silvesterball über Nacht geblieben waren, hatten sich am Nachmittag auf die Heimreise gemacht. Außer Beldon und Valerian waren nur zwei Ehepaare geblieben, ein gewisser Lord Trewithen und seine Frau sowie der ältliche Lord Pentlow mit seiner Gemahlin aus Penwith, die Freunde von Luciens Vater waren.

          Mit Ausnahme des sonderbaren Mr. Danforth kannte Philippa die anderen Gäste aus den gesellschaftlichen Kreisen in Cornwall, in denen sie während ihrer Ehe verkehrt hatte. Es war ihr daher ein Leichtes, das Gespräch während des Essens in Schwung zu halten, und sie verbrachte eine angenehme Zeit mit den beiden anderen Damen im Musikzimmer, während die Herren ihren Portwein tranken.

          Später gesellten sich die Männer zu ihnen, um Karten zu spielen. Philippa und Beldon boten den Trewithens eine Partie Whist an. Am anderen Ende des Musikzimmers saß Lucien bereits in der Sitzecke und unterhielt sich angeregt mit Danforth und Pentlow, wodurch Philippa sich vor die Frage gestellt sah, was sie mit der ältlichen Lady Pentlow anfangen sollte.

          Unerwartet rettete Valerian sie auf bewundernswerte Weise aus ihrem Dilemma. „Duchess, hätten Sie etwas dagegen, wenn ich heute Abend ein wenig Klavier spiele? Mir steht momentan nicht so der Sinn nach Karten oder geschäftlichen Unterhaltungen.“ Valerian nickte kurz zu der lebhaft diskutierenden Gruppe um Lucien hinüber, und sein Tonfall hatte verraten, wie unpassend er ein solches Gesprächsthema in einer solchen Runde fand.

          „Es wäre wunderschön, Sie wieder spielen zu hören, Mylord“, antwortete Philippa und musste insgeheim lachen über ihre förmliche Anrede, so steif und gesittet im Vergleich zu den hitzigen Wortgefechten, die sie sich unter vier Augen geliefert hatten.

          Valerian deutete eine Verneigung an. „Lady Pentlow, ob ich Sie wohl bitten dürfte, für mich die Notenseiten umzublättern? Ich erinnere mich, dass Sie beim Essen sagten, Ihnen gefielen volkstümliche Balladen. Canton hat eine recht anständige Notensammlung, vielleicht könnten Sie sie einmal durchsehen und ein paar Stücke heraussuchen.“ Valerian bot Lady Pentlow den Arm und begleitete sie zum Klavier, wobei er den Kopf neigte, um dem aufgeregten Geplauder der älteren Dame zuzuhören.

          Philippa sah ihnen dankbar nach. Wie geschickt Valerian das Problem gelöst hatte! Lady Pentlow war eine reizende Dame, und Philippa hatte nicht gewollt, dass sie sich ausgegrenzt fühlte. Valerian hatte gespürt, dass Not am Mann war und sofort gehandelt. Im Gegensatz zu Lucien. Dafür, dass er ein Mann war, in dem sie einmal einen höchst geeigneten Heiratskandidaten gesehen hatte, hegte sie in letzter Zeit ziemlich unerfreuliche Gefühle für ihn.

          Philippa sah zu Luciens Männerrunde hinüber und fragte sich, welches Thema wohl so interessant sein mochte, dass er darüber seine Gäste vergaß. Normalerweise war Lucien ein ausgezeichneter Gastgeber, dem nicht das geringste Detail entging und der jeden seiner Gäste mit äußerster Höflichkeit behandelte. An diesem Abend überließ er diese Aufgabe ganz ihr. Ihr machte das nichts aus, schließlich war sie ja hier, um die Gastgeberin zu spielen. Trotzdem sah ihm ein solches Verhalten gar nicht ähnlich, und es kam ihr eigenartig vor, dass er einen derartigen Fauxpas beging. Wie konnte er sich überhaupt mit Mr. Danforth so intensiv unterhalten, den er vor zwei Tagen angeblich noch nicht einmal gekannt hatte.

          „Kommst du? Wir wollen anfangen zu spielen“, rief Beldon ihr vom Kartentisch her zu.

          Philippa lächelte und nahm Platz. „Ich hoffe, mein Bruder hat Sie vorgewarnt, was für ein gnadenloser Spieler er ist!“

          Das Spiel verlief lebhaft, und nach jeder Runde wechselten sie die Partner. Die Trewithens erwiesen sich als starke Herausforderer und verlangten Philippas ganze Aufmerksamkeit. Eigentlich war sie eine gute Kartenspielerin, und Whist und Piquet waren ihre Lieblingsspiele. Doch an diesem Abend wurde sie von zu vielen anderen Dingen abgelenkt, nicht zuletzt von den ruhigen Balladen, die Valerian auf dem Klavier spielte. Ab und zu hörte sie Lady Pentlow mit hoher Stimme ein paar Liedzeilen mitsingen.

 

Endlich wurde der Tee serviert und somit das Ende des Abends eingeläutet. Philippa schenkte ein und gesellte sich dann wieder zu Beldon und den anderen. „Was, glaubst du, hat derart Luciens Interesse geweckt?“, fragte sie ihren Bruder leise.

          Beldon lachte, teils amüsiert, teils spöttisch. „Wie ich sehe, ist es hier doch von Vorteil, ein Mann zu sein. Wenn du am Tisch hättest bleiben dürfen, wärst du in den Genuss von Mr. Danforths Ankündigung gekommen, dass er hier in Truro eine Bank eröffnen will, die Provincial Bank of Truro oder etwas ähnlich Unsinniges.“

          „Unsinnig?“, wollte Philippa wissen. „Warum sagst du das?“

          „Du weißt doch, was solche Provinzbanken in Wirklichkeit sind, Philippa. Sie sind Investmentgesellschaften.“

          Sie nickte zustimmend. Cambourne hatte Geschäfte mit Praed & Co. gemacht, einer Bank in Truro, die in risikoreiche unternehmerische Vorhaben investiert hatte, wie zum Beispiel Erfindungen und neue Technologien. Wenn man klug war, konnten sich solche Investitionen auszahlen. Cambourne hatte Glück mit ihnen gehabt, aber es war nicht überraschend, dass diese Provinzbanken öfter Bankrott gingen als jene Geldhäuser, mit denen man in London Geschäfte machte.

          Jetzt konnte sie Luciens Interesse besser verstehen. Er interessierte sich immer für Geld. „Ob Lucien auch investieren will?“

          „Mehr noch, Mr. Danforth hat Lucien einen Sitz im Aufsichtsrat der Bank angeboten.“

          „Für eine ganz schöne Summe, denke ich mal“, murmelte Philippa nachdenklich.

          „Davon gehe ich aus. Aber Lucien wäre dann dafür zuständig, die Investitionen zu steuern. Der Gedanke scheint ihm ziemlich gut zu gefallen.“

          „Er wäre auch hervorragend darin. Lucien ist kein Narr, wenn es um Geld geht.“

          „Jedoch wenn er es mit Frauen zu tun hat, vor allem mit dir.“ Beldon sah sie über den Rand seiner Teetasse hinweg an.

          „Valerian hat es dir erzählt?“

          „Hm. Ziemlich unbedarft von Lucien, zu glauben, er könnte dich zu einer Verlobung oder gar öffentlich verkündeten Verlobung zwingen. Denkst du daran, seinen Antrag anzunehmen?“

          „Ich habe noch nicht groß darüber nachgedacht“, erwiderte Philippa ausweichend. Eine Heirat mit Lucien Canton war nahezu ausgemacht gewesen, bis äußerst unpassend Valerian wieder aufgetaucht war. Jetzt glaubte Philippa, dass sie sehr naiv reagiert hatte. Sie hätte gründlicher darüber nachdenken müssen und nicht nur das unkomplizierte Arrangement zwischen zwei Freunden sehen dürfen, die sich zufällig gut verstanden. Aus welchem Grund sollte ein Mann mit Luciens gutem Aussehen und Zukunftsaussichten eine kinderlose Witwe heiraten wollen, wenn er die Auswahl unter so vielen geeigneten Debütantinnen hatte? Beldon sah aus, als wollte er das Thema noch weiter vertiefen, aber sie schüttelte den Kopf. „Das ist nicht der richtige Ort für ein solches Gespräch.“

          Lady Pentlow begann kurz einzunicken, mitten in ihrer Unterhaltung mit Lady Trewithen. Der Abend näherte sich seinem Ende. Die Gäste wollten sicher noch ausreichend Schlaf haben, ehe sie sich am kommenden Morgen auf die Reise machten. Bestimmt warteten sie schon auf Philippas Zeichen, sich zurückziehen zu können.

          Beldon gab nach. „Aber versprich mir, dass wir diese Unterredung bald nachholen werden.“

          Philippa lächelte über das Beschützerverhalten ihres Bruders. Auch wenn die Kindheit lange hinter ihnen lag, hielt er noch immer an seiner Rolle als treuer Bruder fest. „Versprochen. Ich möchte dich nämlich auch etwas fragen, es betrifft Valerian.“

 


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