Das sinnliche Versprechen des Prinzen

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Prinzessin Moriana will keine öde Pflichtehe mit Prinz Theo, sie verzehrt sich nach Aufregung und Abenteuer! Doch kaum lehnt sie seinen förmlichen Antrag ab, überrascht Theo sie mit einem heißen Kuss - und entfesselt ungeahntes Verlangen in ihr. Ist er etwa doch der Richtige?


  • Erscheinungstag 05.11.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751548045
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Leseprobe

Kelly Hunter

Das sinnliche Versprechen des Prinzen

1. KAPITEL

Prinzessin Moriana von Arun neigte durchaus nicht zur Ungeduld. Sie verhielt sich jedem Menschen gegenüber nachsichtig und freundlich. Aber wenn sie den Eindruck hatte, dass man ihr wie einer ansteckenden Krankheit aus dem Weg ging, dann brannten bei ihr die Sicherungen durch.

Ihr Bruder, König Augustus von Arun, hatte ihr mitteilen lassen, dass er vormittags nicht zu sprechen sei. Er musste Telefonate führen, E-Mails beantworten, Besucher empfangen – kurz: ein Königreich regieren.

Doch der wahre Grund war vermutlich, dass ihr dieser Feigling nach der gestrigen Fernsehansprache von Casimir von Byzenmaach so lange aus dem Weg gehen wollte, bis sie sich wieder einigermaßen beruhigt hatte.

Casimir hatte verkündet, dass er Moriana nicht länger zu heiraten gedachte. Na und? Es war von Anfang an weder seine noch ihre Idee gewesen. Kindern von Königen blieb nun einmal nichts anderes übrig, als sich mit reinen Zweckehen zu begnügen, die aus politischen Berechnungen für sie arrangiert wurden. Trotzdem hatte Casimirs Treuebruch Moriana tief getroffen. Jetzt fühlte sie sich klein und unbedeutend, als wäre sie nicht gut genug. All die Jahre hatte sie sich in Zurückhaltung geübt und in wohltätige Aufgaben gestürzt – wie es sich für eine Prinzessin aus dem Haus Arun eben gehörte. Und wofür das alles?

Für nichts.

Und wieder nichts.

Der königliche Palast von Arun war ein nüchterner Zweckbau. Er war nicht besonders schön, dafür funktional. Die vorherrschende Farbe war Grau, und im Inneren wurde es eigentlich nie richtig warm. Die Vorfahren von Moriana und Augustus hatten ihn so errichten lassen, um ein Zeichen zu setzen. Sie wollten zeigen, dass sie sich den Pflichten widmeten anstatt ihre Zeit mit oberflächlichen Vergnügungen zu vertrödeln.

Morianas Bruder hatte Räume im Südflügel des Palastes bezogen. Tatsächlich war es dort noch trostloser und dunkler als im übrigen Teil des Schlosses. Moriana fragte sich nicht zum ersten Mal, warum seine Wahl ausgerechnet auf diesen Teil gefallen war.

Der Sekretär ihres Bruders, der schon seit Jahrzehnten im Dienst des Hauses Arun stand, blickte von seiner Arbeit auf, als sie sich seinem Schreibtisch im Vorzimmer des Königs näherte. „Prinzessin, was für eine angenehme Überraschung.“

Moriana wusste zwar, dass der Mann ihr Erscheinen weder angenehm noch überraschend fand, schenkte ihm aber dennoch ein huldvolles Lächeln. „Ist er da?“

„Er führt gerade ein wichtiges Telefonat.“

„Aber er ist da“, entgegnete sie und ging weiter auf die geschlossene Tür zu.

Der ältere Mann seufzte leise, als Moriana an ihm vorbeirauschte, und betätigte einen Knopf auf der Gegensprechanlage. Allerdings sprach er nicht in das Gerät, wie ihr auffiel. Vermutlich hatte er sich mit ihrem Bruder auf einen Geheimcode verständigt – damit Augustus gewarnt war, wenn Moriana, die Zornige, vor seiner Tür stand.

Bei ihrem Eintreten blickte Augustus auf, verabschiedete sich von seinem Gesprächspartner und legte das Handy auf den Schreibtisch.

„Hier herrschen ja Temperaturen wie im Gefrierschrank“, sagte Moriana zur Begrüßung. „Warum drehst du nicht einfach die Heizung auf? Oder regierst von einem anderen Zimmer aus?“

„Warum ziehst du dir nicht einfach etwas Wärmeres an?“, schlug ihr Bruder vor. Aber an Morianas Aufmachung gab es wirklich nichts auszusetzen. Sie trug ein langärmeliges Wollkleid mit geradem Ausschnitt, das ihr bis eben über die Knie reichte. Dazu kniehohe Lederstiefel. Fehlte eigentlich nur noch ein Daunenmantel, und sie hätte jederzeit zu einer Reise zum Nordpol aufbrechen können.

„Draußen ist herrliches Wetter“, erwiderte sie. „Wieso sitzt du ausgerechnet im kältesten Zimmer?“

„Weil mich sonst noch mehr Leute aufsuchen würden, um mich von der Arbeit abzuhalten.“ Seine Augen waren wie ihre eigenen fast schwarz und wurden von langen, dunklen Wimpern eingerahmt. Er lächelte hoheitsvoll und faltete die Hände auf dem Tisch. Vielleicht ließen sich andere von seiner Ich-bin-für-das-Schicksal-der-Welt-verantwortlich-Geste beeindrucken, aber sie war mit ihm zusammen aufgewachsen und konnte sich noch sehr gut daran erinnern, wie er als Sechsjähriger mit Windpocken oder als Teenager mit dem ersten Kater seines Lebens ausgesehen hatte. In der Öffentlichkeit konnte er sich gern wie ein König aufführen, aber wenn sie alleine waren, war er nur Morianas zwei Jahre älterer Bruder. „Was verschafft mir die Ehre?“, fragte er jetzt.

„Hast du davon gewusst?“ Sie hielt einen Bogen cremefarbenes Briefpapier in die Höhe.

„Kommt darauf an, was das ist.“

Sie warf das Papier mit einer dramatischen Geste auf seinen Schreibtisch. „Theo hat mir per Brief einen Antrag gemacht.“

„Tatsächlich?“, entgegnete er vorsichtig.

„Einen Heiratsantrag.“

Um seine Mundwinkel zuckte es.

„Hab ich’s mir doch gedacht“, sagte sie mit scharfem Unterton.

„Aber es ist nur logisch“, warf Augustus ein. „Du bist jetzt wieder zu haben. Und Theo steht unter Druck, einen Erben in die Welt zu setzen und den Thron für seine Familie zu sichern. Politisch gesehen, ist es die perfekte Lösung.“

„Aber wir hassen uns! Es gibt nicht einen einzigen Grund, warum Theo einen Abend mit mir verbringen wollte, geschweige denn ein ganzes Leben.“

„Ich habe eine Theorie.“

„Bitte nicht …“

„Als ihr noch klein wart, hat er dich mal an den Zöpfen gezogen, und du hast ihm daraufhin ein blaues Auge geschlagen. Seitdem könnt ihr euch nicht ausstehen. Würdest du aber mal ein bisschen Zeit mit ihm verbringen, würdest du merken, dass er nicht so schlimm ist, wie du denkst. Er ist welterfahren, recht belesen, verblüffend intelligent und ein kluger Unterhändler. Alles Eigenschaften, die dir an einem Mann gefallen.“

„Ein kluger Unterhändler? Willst du mich veräppeln? Sein Heiratsantrag ist ein förmliches Schreiben. Wie ein Serienbrief, bei dem er oben meinen Namen eingesetzt hat.“

„Außerdem hat er Sinn für Humor“, fügte Augustus grinsend hinzu.

„Sagt wer?“

„Jeder außer dir.“

„Sollte dir das nicht zu denken geben?“

Er schwieg.

Sie setzte sich auf den Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches. „Hast du ihn auf die Idee gebracht?“

„Ich? Nein. Wie kommst du denn darauf?“

„War es Casimir?“ Der Mann, der nach fast sieben Jahren entdeckt hatte, dass er Vater einer kleinen Tochter war, und der daraufhin sein Heiratsversprechen zurückgezogen hatte.

„Das bezweifle ich. Er muss die Trauerfeier für seinen Vater organisieren, sich an den Gedanken gewöhnen, eine Tochter zu haben, und der Mutter des Kindes den Hof machen – damit hat er vermutlich genug um die Ohren.“

Moriana trommelte mit den Fingern gereizt auf die Tischplatte. „Wer ist denn dann auf die verrückte Idee gekommen?“

Mit grimmiger Miene schaute er auf ihre Hände, bevor er die Schublade des Schreibtisches aufzog und ein langes Holzlineal herausnahm. Er ließ das eine Ende des Lineals mit leisem Knall auf seine Handfläche niedergehen. „Hör auf, meinen Tisch zu martern.“

„Oder du verdrischst mich? Ich bitte dich.“ Sie verdrehte die Augen, hörte aber trotzdem mit dem Getrommel auf und streckte ihre Finger, um die Nägel zu begutachten. Wenigstens war keiner abgebrochen. Sie konnte sie später schwarz lackieren, damit sie zu ihrer Stimmung passten. „Du hast meine Frage nicht beantwortet. Wessen Idee war das?“

„Ich nehme an, Theos.“

Sie schaute hoch und bemerkte, dass Augustus sie mit einem Blick ansah, als wüsste er mehr als sie.

„Wieso reagierst du so beleidigt? Das ist doch eine große Ehre. Du wurdest für die Rolle, die Theo dir anbietet, geboren und erzogen. Du könntest einen positiven Einfluss auf seine Regentschaft haben, für Stabilität in unseren beiden Ländern sorgen und …“

„Nein“, unterbrach sie ihn. „Versuche nicht, mich zu etwas zu drängen, das ich nicht will. Ich habe genug davon, immer nur die brave Prinzessin zu sein, die tut, was man ihr sagt. Ich will nicht immer nur meinem Land dienen und meine eigenen Bedürfnisse hintanstellen. Ich werde nach … nach Cannes fliegen und auf den Filmfestspielen für einen Skandal sorgen. Ich werde ausschweifende Partys mit Filmstars feiern und Orgien veranstalten.“

„Und wann gedenkst du das zu tun?“ Augustus klang überhaupt nicht beunruhigt.

„Du glaubst mir nicht? Weil du mich für eine prüde Spießerin hältst?“ Sie lachte bitter. „Ich will endlich Spaß haben. Ich möchte von einem Mann verführt werden. Ich möchte lüsterne Blicke auf mich ziehen. Verdammt, ich will endlich einmal tun, was mir gefällt!“ Sie hatte genug von ihrem langweiligen Leben. „Seit ich denken kann, wird mir eingeimpft: Du musst auf deinen Ruf achten, du darfst deine Pflichten gegenüber unserem Land nicht vernachlässigen, du musst dir deine Jungfräulichkeit bewahren. Aber weißt du was? Ich pfeife drauf.“

„Bitte überstürze nichts.“

„Überstürzen?“ Da sich Kreischen für eine Prinzessin nicht gehörte, ging Moriana mit ihrer Stimme eine Oktave runter. „Als ich achtzehn war, hätte ich den Stallburschen haben können. Er sah fantastisch aus und konnte reiten wie der Teufel. Mit zweiundzwanzig hätte ich einen milliardenschweren Ölscheich haben können. Ein Blick von ihm reichte, und ich bin dahingeschmolzen. Ein Jahr später habe ich einen Pianisten von Weltruf kennengelernt. Er hatte magische Hände. Zu gern wäre ich mit ihm ins Bett gegangen, aber natürlich bin ich es nicht. Soll ich fortfahren?“

„Bitte nicht.“

„Casimir ist nicht jungfräulich geblieben“, fügte sie grimmig hinzu. „Mit dreiundzwanzig hat er eine Neunzehnjährige geschwängert! Weißt du, was ich mit dreiundzwanzig gemacht habe? Ich habe Tanzstunden genommen, damit ich wenigstens einmal mit einem Mann Händchen halten konnte.“

„Ich dachte, es wären Fechtstunden gewesen.“

„Ist doch egal. Vielleicht wollte ich mich von einem Mann stechen lassen.“

Ihr Bruder verdrehte die Augen und grinste, schwieg jedoch.

All die Jahre hatte sie sich die Freuden versagt, die für andere Frauen in ihrem Alter ganz normal waren. „Ich habe gewartet. Keine Romanzen, keine Liebhaber, keine Kinder für Moriana von Arun. Immer nur Pflichten, Pflichten, Pflichten. Tagein, tagaus. Und wozu das Ganze? Damit ich heute Morgen aufwache und in der Zeitung lese, dass ich für einen Mann zu unnahbar und streng bin und sowieso keine Zeit für ihn hätte, weil ich mich um meine Wohltätigkeitsveranstaltungen kümmern muss? Da ist es wohl kein Wunder, dass Casimir von Byzenmaach sich anderswo nach einer Braut umgesehen hat, oder?“

Augustus zuckte merklich zusammen. „Das hat niemand behauptet.“

„Hast du heute Morgen nicht die Zeitung gelesen?“

„Zumindest hier im Palast hat das niemand behauptet“, verbesserte er sich selbst.

„Was habe ich falsch gemacht? Mit acht Jahren wurde ich einem Jungen versprochen, der sich nichts aus mir gemacht hat. Jetzt bekomme ich einen förmlichen Heiratsantrag von einem König, der mich nicht ausstehen kann und zudem den Ruf eines Playboys hat. Und du willst mir weismachen, ich sollte mich geehrt fühlen?“ Ihre Stimme überschlug sich fast. „Warum willst du mich an den Erstbesten verschachern? Bin ich denn wirklich so wenig wert?“

Er schwieg schuldbewusst.

„Ich halte mich über die Politik und das aktuelle Tagesgeschehen in sämtlichen benachbarten Königreichen auf dem Laufenden. Und ich weiß, dass Theos Onkel wieder einmal für Unruhe sorgt und bezweifelt, dass sich Theo wirklich zum König eignet.“ Sie holte tief Luft. „Ich weiß, Theo muss bald einen Thronfolger präsentieren, um die Zukunft des Hauses Liesendaach zu sichern. Und mir ist auch bewusst, dass das Königreich Arun lieber Theo als seinen Onkel auf dem Thron sehen möchte. Das bedeutet: Er muss so schnell wie möglich heiraten. Aber ich bin nicht die Lösung seines Problems.“

„Genau genommen wärst du die perfekte Lösung“, wagte Augustus sich vor. „Seit Jahren sehnst du dich nach einer eigenen Familie. Theo braucht einen Thronerben. Du könntest innerhalb eines Jahres schwanger sein.“

„Hör auf.“

„Du und Theo, ihr habt die gleichen Ziele im Leben.“

Moriana schlang die Arme um ihren Oberkörper und schaute auf ihre Stiefelspitzen. Die Stiefel hatten dieselbe Farbe wie das mitternachtsblaue Strickkleid. Die Perlenkette um ihren Hals war genau auf ihre Ohrringe abgestimmt. Sie sah aus wie eine Prinzessin aus dem Märchenbuch, auch wenn sie sich innerlich eher wie Aschenbrödel fühlte. „Vielleicht habe ich es mir mit den Kindern anders überlegt. Mir ist nämlich klar geworden, dass man den Kindern eines Königshauses niemals das Gefühl geben kann, um ihrer selbst willen geliebt zu werden.“

„Unsere Eltern haben das sehr gut hinbekommen.“

„Ach, ja?“ Sie wusste, dass sie besser den Mund halten sollte. Aber die Worte, die sich seit Jahrzehnten in ihr angestaut hatten, wollten endlich ausgesprochen werden. „Glaubst du, ich fühle mich geliebt? Von wem denn?“ Sie lachte bitter. „Von dir? Du würdest mich doch eiskalt zu einer Zweckehe drängen, wenn das die Lage im Land stabilisieren würde. Von Casimir, der mich von Anfang an nicht wollte, aber nicht den Mut hatte, es mir ins Gesicht zu sagen? Oder von Theo, der mir ein förmliches Schreiben schickt und sich seit Jahren jede Menge Mätressen hält? Himmel, Augustus, auf welchem Planeten lebst du eigentlich? In euren Augen existiere ich doch nur, um euch nützlich zu sein.“

Sie kam sich lächerlich vor, weil sie ihre eigenen Bedürfnisse seit Jahren unterdrückt und die in ihrer Kindheit arrangierte Ehe nicht ein einziges Mal infrage gestellt hatte. Sie musste endlich aufhören, Leuten gefallen zu wollen, die sich keinen Deut um sie scherten. Mit einer wütenden Geste zeigte sie auf den Brief. „Theo tut nicht mal so, als würde er mich lieben. Noch nicht mal von Zuneigung ist die Rede.“

„Ist es das, was du willst?“

„Ja! Ich möchte einen Mann, der sich etwas aus mir macht. Ist das denn so schwer zu begreifen?“

„Vielleicht tut Theo das ja.“

„Was?“

„Vielleicht macht er sich etwas aus dir.“

„Glaubst du im Ernst, dass ich dir das abkaufe?“ Moriana schaute ihn entgeistert an.

„Ich habe so eine Theorie.“

„Nicht schon wieder.“ Sie verdrehte die Augen. „Willst du die Wahrheit wissen? Wenn ich mich recht entsinne, war Theo bei genau zwei Gelegenheiten nett zu mir. Das erste Mal bei Mutters Beerdigung. Als ich auf dem Weg in die Kirche gestolpert und beinahe hingefallen bin, hat er mich aufgefangen, zu einer Kirchenbank geführt und mir ein Glas Wasser gebracht. Das zweite Mal war bei dem großen Gipfeltreffen vor drei Jahren. Ein Abgesandter aus einem anderen Königreich, der zu tief ins Glas geschaut hatte, hat mir eine Hand auf den Po gelegt. Theo hat zu ihm gesagt, wenn er die Hand nicht sofort wegnähme, würde er ihn zum Duell herausfordern.“

„Schöne Geschichte“, erwiderte ihr Bruder leicht grinsend.

„Dass sie dir gefällt, wundert mich nicht.“

„Mir ist nur aufgefallen, dass er dich in einem Raum voller Menschen immer im Blick behält“, erklärte Augustus. „Und er kann hinterher immer ganz genau beschreiben, was du angehabt hast.“

„Dann ist er ein guter Beobachter.“

„Es geht ihm aber um mehr.“

„Da bin ich anderer Meinung. Vielleicht hat er ein, zwei Mal Interesse an mir gehabt. Aber nur, weil er mich als sportliche Herausforderung gesehen hat.“ Sie nahm den Brief vom Tisch und faltete ihn zusammen. „Nein, Augustus. Theos Antrag ist ein kluger Schachzug. Ich weiß, welche politischen Vorteile er von einer Hochzeit mit mir hätte. Aber für mich springt dabei nichts raus. Wenigstens nichts, was ich mir wünsche.“

„Schon gut, ich habe verstanden“, gab Augustus zurück.

„Schön.“ Sie deutete ein Lächeln an. „Vielleicht schicke ich ihm eine förmliche Absage. Sehr geehrter Bewerber, ich muss Sie leider darüber in Kenntnis setzen, dass ich Ihren Antrag nicht annehmen kann. Für Ihr weiteres Leben wünsche ich Ihnen alles Gute.“

„Er würde es als Einladung verstehen und es noch einmal bei dir probieren.“

„Hmm.“ Moriana überlegte kurz. „Wie wär’s mit: Versuchen Sie es bitte woanders?“

„Schon besser.“ Er grinste, aber seine Augen blickten besorgt. „Moriana …“

„Versuch ja nicht, mir ins Gewissen zu reden.“

„Das hatte ich doch gar nicht vor. Du bist schließlich ein freier Mensch und darfst eigene Entscheidungen treffen. Und es liegt allein an dir herauszufinden, wer oder was dich glücklich macht.“

„Das hast du sehr schön gesagt. Ich sollte öfter herkommen und mir meinen Kummer von der Seele reden.“

Er seufzte.

Moriana umrundete seinen Schreibtisch und küsste Augustus oben auf den Kopf. „Es tut mir leid“, flüsterte sie. „Ich finde es wirklich gut, was Theo für sein Land leistet. Er setzt sich für Fortschritt und Stabilität in der Region ein, dafür verdient er meine Hochachtung. Wenn ich den Eindruck hätte, er würde mich wirklich mögen oder sich um meine Bedürfnisse kümmern, dann würde ich ihn vielleicht sogar heiraten und das Beste aus unserer Ehe machen. Dass jemand kommt und mich im Sturm erobert – diese Illusion habe ich mir längst abgeschminkt. Trotzdem möchte ich eines Tages einen Mann finden, der mich schätzt und mir treu bleibt. Ja, der mich vielleicht sogar liebt. Und dafür ist Theo ganz bestimmt nicht der richtige Kandidat.“

Sie drehte sich um und ging zur Tür.

„Moriana.“ Es fiel Augustus leichter, mit ihr zu reden, wenn er ihr dabei nicht in die Augen schauen musste. „Du weißt doch, dass ich dich lieb habe. Und ich möchte, dass du glücklich wirst.“

Sie verlangsamte die Schritte, drehte sich aber nicht mehr zu ihm um.

Nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, legte Augustus, der mieseste Bruder der Welt, den Kopf in die Hände und atmete tief ein. Dann griff er nach dem Handy.

Natürlich hatte er keine Ahnung, ob Theo längst aufgelegt oder das ganze Gespräch mitgehört hatte.

Er hielt das Handy ans Ohr, aber vom anderen Ende der Leitung her war nichts zu hören. „Bist du noch dran?“, fragte er in die Stille hinein.

„Ja.“

Mist. „Ich wünschte, du hättest das nicht gehört.“

„Sie ist wunderbar.“ Tausend Kilometer weiter weg seufzte König Theodosius von Liesendaach auf und fuhr sich mit der Hand durchs dunkelblonde Haar. Er hatte die blaugrauen Augen seiner Vorfahren, die Statur eines Kriegers und in seinem ganzen Leben noch nie einen Korb von einer Frau bekommen. Bis eben. Er wusste nicht, ob er beleidigt sein oder Beifall klatschen sollte. „Der Stallbursche?“

„Ich wünschte, das hätte ich nicht gehört.“ Augustus klang frustriert. „Was hast du dir eigentlich dabei gedacht, ihr ein förmliches Schreiben zu schicken? Ich dachte, du möchtest sie für dich gewinnen.“

„Das möchte ich auch. Und ich gebe zu, dass ich nicht mit einer solchen Abfuhr gerechnet hätte.“

„Hast du geglaubt, sie würde vor Freude ohnmächtig werden?“

„Ich hatte geglaubt, sie würde es sich wenigstens überlegen.“

„Das hat sie“, entgegnete Augustus trocken. „Wann soll die Petition, die dich zum Abdanken zwingen soll, denn eingereicht werden?“

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