Verführt von einem König
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Zwischen König Valentine und Pferdetrainerin Angelique sprühen erregend sinnliche Funken. Aber als Bürgerliche kann sie nur seine Geliebte sein!
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Zwischen König Valentine und Pferdetrainerin Angelique sprühen erregend sinnliche Funken. Aber als Bürgerliche kann sie nur seine Geliebte sein!
Kelly Hunter
Verführt von einem König
IMPRESSUM
JULIA EXTRA erscheint in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, Hamburg
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Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/82 651-370 E-Mail: kundenservice@cora.de |
| Geschäftsführung: | Katja Berger, Jürgen Welte |
| Leitung: | Julia Fischer (v. i. S. d. P.) |
| Grafik: | Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Bildredaktion) |
© Deutsche Erstausgabe 2022 in der Reihe JULIA EXTRA, Band 514
© 2021 by Kelly Hunter
Originaltitel: „Pregnant in the King’s Palace“
erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London
in der Reihe: MODERN ROMANCE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Antje Harbeck
Abbildungen: Harlequin Books S.A., alle Rechte vorbehalten
Veröffentlicht im ePub-Format im November 2026.
E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN 9783751548069
Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
Jegliche nicht autorisierte Verwendung dieser Publikation zum Training generativer Technologien der künstlichen Intelligenz (KI) ist ausdrücklich verboten. Die Rechte des Autors und des Verlags bleiben davon unberührt.
JULIA EXTRA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.
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„Du machst hier niemandem was vor, das ist dir doch klar, oder?“
Der Angesprochene, Prinz Valentine von Thallasia, war 18 Jahre alt, zukünftiger Erbe des Throns in einem uralten Königreich und nur wenigen Menschen Rechenschaft schuldig. Sein Vater regierte als absoluter Herrscher. Seine Mutter war schon vor langer Zeit gestorben. Der einzige Mensch, auf den Valentine hörte, zumindest gelegentlich, war seine Zwillingsschwester Vala, und die kritisierte ihn in letzter Zeit definitiv häufiger als sonst. Dadurch, gestand er sich ein, wurde sein Gefühl der Überlegenheit etwas gedämpft und er verlor nicht völlig die Bodenhaftung, und das tat ihm vielleicht ganz gut. Dachte er zumindest manchmal. Doch deshalb musste es ihm ja noch lange nicht gefallen.
Vala hielt mit ihm Schritt, als sie über den gepflegten Rasen zu den weitläufigen Stallungen gingen. Die aus Feldsteinen erbauten Gebäude drückten sich an den Fuß der jahrhundertealten Palastmauern.
Das Königshaus beschäftigte einen sehr engagierten Stallmeister sowie mehr als ein Dutzend Stallburschen. Momentan wurden mehr als sechs Gruppen Poloponys sowie etwa zwölf Rennpferde trainiert.
Der König war ein Pferdefan. Bis vor kurzem hatte Valentine sich glücklich geschätzt, nicht von diesem Fieber befallen zu sein.
„Ich weiß nicht, was du meinst.“
„Ich meine dein plötzliches Interesse an Pferden und deine neue Vorliebe fürs Reiten.“
„Na und? Es ist Frühling und ich bin gern draußen.“
„Es ist Frühling und du wärst gern drinnen, und zwar mit den Fingern im Slip des Stallmädchens“, antwortete Vala trocken. „Das ist nur allzu offensichtlich. Du bist in etwa so diskret wie ein Hengst in der Nähe einer rossigen Stute. Aber du weißt wahrscheinlich gar nicht, wie ich das meine, angesichts deines bislang mangelnden Interesses an den königlichen Pferden.“
„Und diesen Mangel behebe ich jetzt.“ Er grinste frech, um sie zu ärgern. „Du solltest mich loben.“
„Nein, ich sollte dich warnen, du Dummkopf. Vater wird das neue Spielzeug, das du dir auserkoren hast, nicht gutheißen.“
„Sie hat auch einen Namen.“
„Ja, und den kenne ich. Schau nicht so überrascht. Ich mag Angelique Cordova. Sie ist klug und offen und viel zu schön, als es für irgendjemanden gut wäre. Wenn du sie weiter so umgarnst und Vater das herausfindet, vernichtet er sie, und zwar vor deinen Augen.“
„Nur, weil er noch keinen Ersatz für Mutter gefunden hat …“
„Ach hör auf!“ Seine Schwester war ziemlich aufbrausend und versuchte das auch nicht zu verbergen. „Vater hat jegliches Interesse an Mutter verloren, sobald er sie geschwängert hatte und wir auf der Welt waren. Er wechselt seine Geliebten häufiger als die meisten Leute ihre Unterhosen, und nie gibt es Probleme. Kein Aufhebens, kein Gerede, keine königlichen Bastarde. Willst du wissen, was mit den Frauen geschieht, die dumm genug sind, sich mit ihm einzulassen? Es gibt da gewisse hässliche Gerüchte, und ich bin sicher, sie stimmen.“
Valentine wünschte sich, dieses Gespräch wäre bald beendet, damit er endlich wieder Angelique anhimmeln konnte. Doch Vala hielt ihn am Arm zurück.
„Valentine, was auch immer bei Vater im Argen liegt, es wird schlimmer. Die Wutanfälle. Die Grausamkeit. Und sogar du, der Kronprinz, bist nicht mehr davor gefeit. Als Kind hast du ihn bewundert. Heute sieht er in dir den Rivalen. Er wird dich um deinen Flirt beneiden, dich seinen höheren Rang spüren lassen und Angelique die Konsequenzen. Ich seh’s schon vor mir.“
So etwas wollte Valentine nicht hören. „Ich weiß, es ist schwer, es ihm recht zu machen. Er ist nicht immer nett zu Frauen. Auch zu dir nicht.“
Seine Schwester lachte laut und bitter auf. „Zu mir? Solange ich seine hübsche kleine Puppe bleibe, wird er mich anbeten. Aber ich werde so schnell wie möglich heiraten, um hier wegzukommen. Oder noch besser: Ich werde es so drehen, dass er denkt, es wäre seine Idee gewesen.“ Aus dunklen Augen blickte sie Valentine flehentlich an. „Aber du, du musst dir gut überlegen, mit wem du dich einlässt. Und wie du’s anstellst. Spiel nicht vor seinen Augen mit deinem schönen Spielzeug. Lass deine Schwärmerei für Angelique nichts Ernsteres werden. Und vor allem: Denk dran, zu verhüten.“
„Im Ernst? Du willst mich aufklären?“
„Nein, ich will dich warnen. Frauen, die von Vater schwanger werden oder sich ihm widersetzen, erleben Schlimmes. Frag andere, wenn du mir nicht glaubst.“
„Du weißt ja nicht, was du da redest.“ Seine Schwester war immer schon melodramatisch gewesen, witterte Verschwörungen und Intrigen, doch das hier war neu. Ihr Vater hatte seine Fehler, aber er war doch kein Unmensch!
„Ich meine es wirklich ernst, Valentine.“ Vala blitzte ihn an. „Warum hältst du dich immer für schlauer als andere? Hör doch ein Mal auf das, was ich dir sage.“
Valentine war bewusst, dass sie ihn noch nie wissentlich in die Irre geleitet hatte. „Na gut“, murrte er. „Ich werde diskret sein.“
„Das rate ich dir.“ Vala stürmte zum Stall mit den neuen Zuchtstuten.
Valentine dachte über das nach, was sie über ihren Vater gesagt hatte. Es stimmte, er war distanziert, sehr streng und verlangte Disziplin. Ein Königreich zu regieren erforderte Stärke. Für Schwächlinge war da in den Augen des Monarchen kein Platz. Aber Valentine fand nicht, dass der König schlecht mit Frauen umging. Er verhielt sich ihnen gegenüber vielleicht geringschätzig, war aber nicht grausam, wenn er sie fortschickte. Sein Vater hatte eben Bedürfnisse. Gerade deshalb musste ihm doch klar sein, dass Valentine nicht beabsichtigte, jungfräulich in die Ehe zu gehen, geschweige denn, bald zu heiraten. Schon gar nicht das hübsche Stallmädchen.
Auch Angelique war bestimmt klar, dass sein Interesse an ihr niemals in einen Heiratsantrag münden würde. Sie war nicht fest angestellt und würde noch dieses Jahr wieder fortgehen. Und das empfand er als geradezu perfekt.
Angelique Cordova war mit sechs Stuten aus der erstklassigen Pferdezucht ihrer Familie hergekommen. Die von Valentines Vater und ihr gemeinsam ausgesuchten Tiere sollten vorübergehend Teil des königlichen Zuchtprogramms sein. In weniger als sieben Monaten wären die Fohlen da und Angelique würde mit den Stuten wieder abreisen. Valentines kleine Schwärmerei für sie war eine wunderbare Gelegenheit, ein bisschen zu leben, zu lieben und zu lernen, eine Frau zu beglücken. Denn genau davon träumte er: Er wollte sie beglücken, sie so vollkommen in Besitz nehmen, dass sie ihn nie vergessen würde. Wie oft war er nachts schon heiß und völlig verschwitzt vor Erregung aufgewacht … Das konnte doch nicht gesund sein! Könnte er sie doch nur eine Zeitlang für sich haben, um sich endlich von der Sehnsucht nach ihr zu befreien. Dann wäre alles gut und er würde sich der Suche nach einer passenden zukünftigen Königin für Thallasia widmen.
Seine Schwester irrte sich. Sein Vater war nicht bösartig und launisch, und er würde seinen Sohn verstehen.
Valentine war der erstgeborene Sohn eines Königs und gewohnt, sich zu nehmen, was er haben wollte. Und er wollte Angelique.
Nun schritt der Thronfolger durch den Hauptkorridor des Stallkomplexes, so als würde ihm all das schon heute gehören. Der Stallmeister Alessandro nickte ihm respektvoll zu. Dieser Mann bekam alles mit, was in den Ställen geschah, was sowohl gut als auch schlecht war.
Valas Worte klangen noch in Valentines Kopf nach. Es wäre sicher besser, Angelique erst einmal aus dem Weg zu gehen und Interesse an den Pferden vorzutäuschen. Er hatte nichts dagegen, mehr über die königliche Pferdezucht zu erfahren. Seine Schwester hatte ihm geraten, vorsichtig zu sein. Das würde er wohl hinbekommen.
Anderthalb Stunden später verließ er Alessandros Büro, den Kopf voll mit Blutlinien und Pferdenamen. Und er konnte jetzt die an Thallasia ausgeliehenen Stuten angemessen wertschätzen. Der Name Cordova stand in Züchterkreisen für Tradition. Schon seit drei Jahrhunderten galt ein voll ausgebildetes Cordova-Pony als angemessenes Geschenk für einen König. Angelique war also kein einfaches Stallmädchen, sondern auf andere Art auch adelig. Das machte sie nur umso unwiderstehlicher für ihn.
Nach dieser Fortbildung erlaubte Valentine es sich, zu ihr zu gehen. Es war ja nur natürlich, dass er mit der Züchterin selbst über all sein neues Wissen reden wollte.
Und da war sie: Gerade wusch sie dem zweitbesten Hengst seines Vaters den Trainingsschweiß von den Flanken. Ihr Anblick – helle Reithose, kniehohe schwarze Stiefel, eng anliegendes Baumwollshirt – ließ Valentines letztes bisschen Selbstbeherrschung auf null schrumpfen.
Das Pferd war zwar lammfromm unter ihren Händen, dennoch bot er seine Hilfe an. Angelique rollte nur mit den Augen und lehnte ab. Dann strich sie sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Sie hatte ihre seidig glänzend schwarzen Haare – wie immer bei der Arbeit – zu einem dicken Zopf geflochten, der ihr zwischen den Schulterblättern bis zur Taille hinunterhing. Valentine hatte ihre wunderschön gewellte Haarpracht ein einziges Mal offen gesehen. Wie gern würde er ein Mal seine Hände hineingraben, ihren Kopf an sein Gesicht heranziehen und …
„Wenn du mich weiter so anstarrst, spritz ich dich mit dem Schlauch ab.“ Für ihn klang das nicht wie eine Drohung, sondern eher wie eine Verheißung.
„Das wagst du nicht.“ Er setzte sein charmantestes Grinsen auf. „Denn wenn du das tätest, müsste ich mir vor deinen Augen mein nasses Hemd ausziehen.“ Was seiner Meinung nach eine Win-win-Situation war.
Sie lachte und begann, mit dem Schweißmesser den Rücken des Hengstes abzuziehen. „Ich hab schon schönere Oberkörper gesehen.“ Sie warf ihm einen kurzen Blick zu und lachte wieder. „Du bist der arroganteste Junge, dem ich je begegnet bin.“
„Mann. Der arroganteste Mann, dem du je begegnet bist“, korrigierte er sie. Wieder lachte sie, und es klang wundervoll.
„Angelique!“, rief Alessandro aus einer Box in der Nähe. „Weiterarbeiten!“
„Siehst du? Du bringst mir nur Ärger ein. Manche Leute müssen arbeiten, weißt du?“ Aber sie klang nicht eingeschüchtert, vielleicht weil sie als Einzige hier zuerst ihrer Familie und dann erst den königlichen Ställen von Thallasia verpflichtet war. Diese Gewissheit verlieh ihr Kühnheit. Zudem war sie bei Weitem die beste Reiterin im Stall und mit einem verblüffenden Talent gesegnet, aus jedem Pferd, das sie ritt, das Beste herauszuholen. Valentine wusste, Alessandro setzte sie ohne Bedenken ein, die schon etwas besser ausgebildeten Pferde zu trainieren.
„Mit wie vielen Pferden musst du heute noch trainieren?“
„Mit dem besten Hengst deines Vaters und meiner liebsten Cordova-Stute.“
Die zwei beeindruckendsten Tiere auf dem Gelände. Das hatte er soeben gelernt, und natürlich wollte er beide unter die Finger bekommen.
„Soll ich dir dabei helfen?“
Angelique richtete sich langsam auf und betrachtete ihn eingehend. Er war ihr bei Weitem nicht gleichgültig, das war eindeutig. Valentine genoss dieses Spielchen zwischen ihnen.
„Kannst du’s denn?“
Mit einem kleinen arroganten Seufzer wandte er sich an den Stallmeister. „Alessandro, ich mache einen Ausritt zum Jagdhaus, auf dem Hengst meines Vaters. Gilt das dann als sein heutiges Trainingsprogramm?“
Kopf und Schultern des älteren Mannes tauchten hinter einer Boxenwand auf. „Haben Sie denn die Erlaubnis Ihres Vaters?“
„Er hat es mir zumindest nicht verboten.“ Klar, wenn man aufs Fragen verzichtete. „Darf Angelique mitkommen?“
Der Stallmeister warf ihr einen scharfen Blick zu und sagte dann ein paar schnelle Worte auf Spanisch. Angelique nickte.
„Ist er einverstanden?“, fragte Valentine.
„Er sagt, ich soll dich nicht anspornen und nicht in Lebensgefahr bringen. Und es klang auch ein ‚Sei vorsichtig. Ich hoffe, du weißt, was du tust‘ mit.“
Valentine lachte. „Gut, reiten wir los.“
„Aber du nimmst die Stute.“
„Wie bitte?“
„Der Hengst ist heute ganz aus dem Häuschen, weil er gestern eine Stute gedeckt hat. Wir haben sie heute Morgen zum Grasen auf eine der Weiden gebracht, und ich schwöre, er wittert sie noch. Er ist ein ungehorsamer Rüpel. Ich reite ihn. Du wirst das Vergnügen haben, auf einer perfekt zugerittenen Cordova-Stute zu sitzen.“
„Du reitest den Hengst? Ich habe mich wohl verhört!“
Angelique zuckte nur mit den Achseln und deutete auf die Box des Hengstes. „Ich: den da.“ Dann zeigte sie zu einer anderen Box. „Und du: die da. Keine Angst, sie ist schneller als dieser Rohling.“
„Gut, dann reiten wir um die Wette.“ Nur so konnte er diesen Angriff auf seine Männlichkeit ertragen.
„Gern.“
20 Minuten später galoppierten sie aufs dicht bewaldete westliche Ende des Palastgeländes zu. Nach einer weiteren halben Stunde erreichten sie das Jagdhaus. Valentine stieg als Erster ab und versuchte, Angelique nicht anzustarren, als sie sich geschmeidig vom Rücken des Hengstes herunterschwang und dann, die Hände in die Hüften gestemmt und mit zur Seite geneigtem Kopf, das Jagdhaus betrachtete.
„Möchtest du reingehen?“, fragte er.
„Ist noch jemand da?“
„Nein.“
„Dann nicht. Wenn du mit mir schlafen willst – und ich bin sicher, das willst du –, dann solltest du erst mal versuchen, mich kennenzulernen.“
„Ich weiß schon ziemlich viel über dich.“ Das stimmte. Sie stammte aus einer Familie mit großen Ländereien in den spanischen Pyrenäen, die dort seit Jahrhunderten Pferde züchtete und trainierte. Ihre Mutter war ursprünglich aus Liesendaach, dem Königreich, das an Thallasia grenzte, lebte sich jedoch, aufgeschlossen, wie sie war, in ihrer neuen Heimat schnell ein. Angelique hatte eine eineiige Zwillingsschwester und einen älteren Bruder. Sie stand gern vor Morgengrauen auf, machte zwei Stunden Mittagspause, um dann wieder bis in den Abend hinein zu arbeiten. Sie fürchtete kein Pferd und keinen Mann, was seiner Meinung nach ein Fehler war: Sie war mehr als nur schön, und er war nicht der Einzige, der das bemerkte. In seinen zynischen Momenten redete er sich schon fast ein, er tue ihr einen Gefallen, wenn er ihr sein Interesse so offen zeigte. Einige der Männer seines Vaters stierten sie ganz unverhohlen gierig an.
Er erinnerte sich wieder an die Warnung seiner Schwester, und irgendetwas veranlasste ihn zu sagen: „Du solltest lieber bald abreisen.“ Ihm war nicht klar, woher diese Anwandlung von Ritterlichkeit kam. „Lass Alessandro sich um das Wohlergehen der Stuten deines Vaters kümmern und komm zur Abfohlzeit wieder. Besser noch, komm gar nicht wieder.“
„Warum nicht?“
Sie sah ihn aufmerksam an.
„Du bist hier nicht sicher. Du bist zu …“
Sie wartete, doch er wusste nicht, wie er es ausdrücken sollte.
„Zu was?“
Zu wild, zu unschuldig, zu schön, als dass man dir widerstehen könnte. Zu viel von allem. „Zu verlockend für diese Meute von Geiern“, antwortete er stattdessen. „Du ziehst die Aufmerksamkeit auf dich, nicht nur meine. Dein Vater hätte nicht dich herschicken sollen, sondern seinen Sohn.“
Angelique senkte den Blick und stieß ihre Stiefelspitze in den gepflegten Rasen. „Und wenn mein Bruder nun verwundbarer ist als ich?“
„Das kann nicht sein.“
Sie bedachte ihn mit einem seltsamen Lächeln. Eine Haarsträhne fiel ihr über die Augen. Er verspürte den sehnlichen Wunsch, sie ihr sanft aus dem Gesicht zu streichen. Langsam streckte er eine Hand aus und tat es. Angelique zuckte nicht zurück.
„Du weißt nichts über meinen Bruder und mich. Ich kann gut auf mich aufpassen.“ Ihre Stimme zitterte so sehr wie seine Finger eben.
„Was ist dein Lieblingsobst?“, fragte er.
„Mangos und Erdbeeren.“
„Dein Lieblingsgetränk?“
„Ein guter Café solo. Den es hier bei euch nicht gibt!“
Das ließ sich ändern, dafür konnte er sorgen.
„Und wo wirst du am liebsten geküsst?“ Denn das würde er gleich tun. Allein beim Gedanken daran erfasste ihn eine gewaltige innere Anspannung. Die Luft zwischen ihnen wurde schwer, während er auf ihre Antwort wartete.
„Hier“, hauchte sie endlich und berührte mit ihren Fingern eine Stelle am Hals.
„Verstanden.“ Er strich mit einem Finger über die Stelle. Hitze sammelte sich tief unten in seinem Körper. Als sie einladend ihren Hals neigte, durchfuhr ihn ein Schauer der Erregung. Unter seinen Fingerspitzen spürte er ihre warme, weiche Haut. Ihr Haar duftete nach Sommer. Er fühlte ihren Puls rasen – oder war es seiner?
„Wo noch?“
Sie ließ ihre Finger dorthin gleiten, wo die Wange ins Ohr überging. „Hier.“
Als er mit seinen Lippen die erste Stelle berührte und langsam weiter zur nächsten glitt, erzitterte sie und stöhnte kurz auf. Das klang sehr ermutigend.
„Gut?“ Er erkannte seine eigene Stimme kaum, so rau war sie vor Verlangen.
Angelique drehte ihm ihr Gesicht zu und legte ihre Lippen auf seine. Mehr brauchte er nicht als Antwort.
Sie küssten sich lange im Schatten des Jagdhauses, setzten ihr Liebesspiel in der Eingangshalle fort und landeten schließlich im Jagdzimmer, wo sie auf dem riesigen Ledersofa ineinander versanken. Erst als ihr Verlangen gestillt war, lösten sie sich voneinander.
In den kommenden Wochen kehrten sie immer wieder auf dieses Sofa zurück. Mit jedem herausfordernden Blick, jedem Lachen, jeder Berührung grub sie sich tiefer unter seine Haut, bis er kaum etwas anderes denken konnte als: Wann kann ich sie endlich wieder besitzen?
Es war ihm egal, dass die Männer seines Vaters ihn und Angelique mit wachsendem Misstrauen beobachteten. Seine Schwester, die ihm mehrmals ein Alibi gab, ermahnte ihn immer wieder, vorsichtig zu sein: „Um Gottes willen, Valentine, denk mal ans Überleben.“
Als erstgeborener Sohn eines Königs durfte er nicht lieben, wen er wollte. Das war ihm und auch Angelique bewusst. Sie hatten darüber gesprochen, was er ihr bieten konnte. Viel war es nicht. Ihre Nationalität war nicht die richtige. Und noch schlimmer: Sie arbeitete für ihr Geld. Ihre Bildung war mangelhaft. Er würde eines Tages eine kultivierte Tochter Thallasias heiraten, möglichst noch mit politischen Verbindungen, die das Königshaus zu seinem Vorteil nutzen konnte. So funktionierte der Familienbetrieb, in den er hineingeboren worden war. Das wussten sie und sie akzeptierten es. Aus ihrem Spiel würde nie Ernst werden.
Valentine lernte noch mehr über Angelique: Ihre Lieblingsstadt war Salamanca. Ihr Lieblingsgericht war die Paella Marinera ihrer Mutter, eine Reispfanne mit Safran und Meeresfrüchten.
Bald sehnte er sich einzig und allein danach, Zeit mit ihr zu verbringen und zu lernen, sie auf immer neue Art glücklich zu machen. Er verzehrte sich nach ihren hemmungslosen Schreien, wenn er sie verwöhnte, nach ihrem Beben, wenn sie den Gipfel der Lust erreichte.
Valentine war sich wohl bewusst, dass er seine regulären Pflichten vernachlässigte. Die leichtsinnige Hingabe musste ein Ende haben, bevor er Angelique Cordova neben seinem Körper auch noch sein Herz und seine Seele schenkte.
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