Wiedersehen mit dem sexy Ex

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Soll Sängerin Tracy das Friedensangebot ihres Ex annehmen? Zögernd sagt sie Ja zu Dashs Vorschlag, mit ihm zusammen aufzutreten. Und landet viel zu schnell mit dem sexy Country-Star im Bett! Vergeblich versucht sie sich einzureden, es wäre nur ein One-Night-Stand gewesen …


  • Erscheinungstag 05.11.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751548168
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Leseprobe

Sheri WhiteFeather

Wiedersehen mit dem sexy Ex

1. KAPITEL

Tracy

Es hatte geklingelt. Als ich die Tür öffnete, stand dort Dash Smith, der zurzeit angesagteste Countrysänger des gesamten Planeten.

„Hallo, Tracy“, sagte er mit sanfter Stimme und lächelte dabei. Ich konnte nur dastehen und ihn ansehen. Er sah so verführerisch aus wie immer.

Dash war einmal mein Verlobter gewesen, damals, als wir beide noch ganz am Anfang unserer Karriere standen. Mein Herz sagte mir, dass ich ihn im tiefsten Inneren wahrscheinlich immer noch liebte. Aber das hieß nicht, dass ich noch irgendetwas mit ihm zu tun haben wollte.

„Was willst du denn hier?“

Ich hoffte inständig, dass er mich nicht hier im Haus meines Vaters aufgespürt hatte, um mich zu einer Zusammenarbeit zu überreden. Unsere Trennung lag schon fast sechs Jahre zurück, und ich hatte alles getan, um meinen Liebeskummer zu überwinden. Ich hatte mich stark auf meine Musik konzentriert, hatte mich mit anderen Männern getroffen und jeden Gedanken an Dash erfolgreich verdrängt. Aber dann vor einiger Zeit, als er mit seiner Welttournee auf dem Höhepunkt seines Erfolges war, hatte er angefangen, mir Textnachrichten zu schicken. Er wollte unbedingt ein Duett mit mir aufnehmen, wenn er zurück war.

Man mag mich starrköpfig nennen, aber ich hatte absolut kein Interesse daran, einen Song mit meinem Ex aufzunehmen, auch wenn meine Karriere zurzeit nicht gerade glänzend lief und ich einen kleinen Push gut hätte gebrauchen können. Ganz davon abgesehen war gerade heute absolut der falsche Tag, um über so etwas zu reden.

Er runzelte die Stirn. „Hat dir dein Dad denn nichts gesagt? Ich begleite euch doch zu seiner Operation. Und ich werde auch anschließend helfen.“

Noch immer umfasste ich den Türknauf, um den Halt nicht zu verlieren. „Nein, davon hat er mir nichts gesagt.“

Eigentlich hätte mich Dashs Hilfe nicht wundern sollen. Er und Pop waren die ganzen Jahre über Freunde geblieben, hatten den Kontakt gehalten, telefoniert und sich getroffen, wann immer sich die Möglichkeit ergab. Und jetzt kämpfte Pop gegen Hodenkrebs. Heute sollte ihm ein Hoden entfernt werden.

Plötzlich wirkte Dash völlig abwesend. Wahrscheinlich dachte er an seinen Vater, der ein paar Jahre nach dem Scheitern unserer Beziehung an Lungenkrebs gestorben war. Ich war damals bei der Beerdigung gewesen, hatte mein Beileid ausgesprochen. Ich hatte seinen Dad immer gern gemocht. Und Dash mochte ganz offensichtlich meinen Vater ebenso gern.

Ich schaute Dash über die Schulter und sah vor dem Haus einen sündteuren SUV stehen. Hinter dem Steuer saß ein breitschultriger Mann, der uns mit verkniffenem Gesicht beobachtete. Wahrscheinlich Dashs Bodyguard, der gleichzeitig als Chauffeur fungierte. Dash war in tiefster Armut aufgewachsen, aber jetzt hatte er viele Millionen Dollar und eine wahre Armee von Leuten, die immer um ihn herumschwirrten.

„Willst du reinkommen?“, fragte ich. Wenn mein Vater das alles mit Dash abgesprochen hatte, konnte ich mich dem ja nicht entgegenstellen. Aber verdammt, es tat immer noch ganz schön weh, ihm wieder so nahe zu sein. Das letzte Mal hatten wir uns auf der Beerdigung seines Vaters gesehen. „Pop macht sich gerade fertig.“

Er folgte mir ins Haus. „Okay.“

Okay war eigentlich gar nichts. Seit Dash zum Superstar geworden war, hatte ich mich geradezu in seinen Ruhm verbissen. Ich las alles über ihn, was ich in die Finger bekam oder online finden konnte. Artikel, Konzertbesprechungen, Klatsch und Tratsch, einfach alles. Manchmal versuchte ich sogar herauszufinden, ob er eine Freundin hatte. Darauf hatte ich zwar bisher keinen Hinweis gefunden, aber sicherlich gab es genug Groupies, die dafür sorgten, dass er sich nicht einsam fühlte.

Eine Zeit lang war auch ich ziemlich berühmt gewesen, hatte Hits gehabt – aber keine männlichen Groupies. Begeisterte Fans schon, das ja. Aber heiße, gut gebaute Männer, die mir versprachen, all meine sexuellen Wünsche zu erfüllen – das nicht. Schade eigentlich …

Ganz anders bei Dash. Seine Fans, die ihm auf allen sozialen Medien folgten, nannten sich selbst die Dasher. Und viele von denen waren bestimmt nicht schüchtern, wenn es darum ging, ihrem Idol näher zu kommen, hautnah am besten …

Er betrat das Wohnzimmer. „Du hast die Bude ganz schön in Schuss gebracht“, sagte er.

„Danke.“ Mit meinem ersten Album hatte ich ganz gut verdient, und einen Teil des Geldes hatte ich benutzt, die heruntergekommene alte Pferdefarm meiner Kindheit auf Vordermann zu bringen. Zusätzlich hatte ich noch ein eigenes kleines Haus, aber mit dem wurde es dann finanziell schon eng.

Nur zu gerne hätte ich meine ins Stocken geratene Karriere wieder angekurbelt, aber das wollte ich aus eigener Kraft schaffen und mich nicht an den Erfolg von Dash hängen.

In ein paar Klatschkolumnen war ich mal als seine Ex-Verlobte von vor langer Zeit erwähnt worden, aber das schien niemanden mehr zu interessieren. Natürlich – wenn wir jetzt ein Duett aufnehmen würden, wäre das Interesse an unserer gemeinsamen Vergangenheit wieder da, davon konnte man ausgehen. Aber ich hatte einfach zu viele andere Baustellen. Nicht nur Pops Krebserkrankung und meine finanziellen Probleme, sondern auch meine eigene Gesundheit – und das Baby, das Dash und ich eigentlich hätten haben sollen.

Unwillkürlich legte ich die Hand auf meinen Bauch. Ich musste an den Schmerz denken, den die Fehlgeburt in mir verursacht hatte. Die Trauer. Den Verlust.

„Alles in Ordnung mit dir?“, fragte er.

Ich hatte mich wohl zu sehr gehen lassen, wenn er mir anmerkte, dass es mir nicht gut ging. „Das ist alles ein bisschen viel für mich.“

Er musterte mich eindringlich. „Mit deinem Vater, meinst du?“

„Ja.“ Und noch mit vielen anderen Dingen.

Ich trat einen Schritt zurück, weil ich ihm nicht zu nahe kommen wollte. Wir hatten immer so gut harmoniert, in jeder Hinsicht! Aber das war Schnee von gestern.

„Wenn es dir recht ist, möchte ich dich und deinen Dad in meinem Wagen mitnehmen“, sagte er. „Beim Krankenhaus warten schon einige meiner Security-Leute, für den Fall, dass die Presse Wind davon bekommt, dass ich mich da aufhalte.“

Oje, an die Medien hatte ich noch gar nicht gedacht! „Was wirst du denn sagen, wenn die Presseleute dir auflauern? Die werden sich doch fragen, was du auf einer Krebsstation zu suchen hast.“

„Ich würde einfach die Wahrheit sagen, dass ich einen Freund begleitet habe. Aber ich hoffe, zu so einer Situation kommt es gar nicht erst. Das Krankenhaus hat ein Extra-Wartezimmer für uns reserviert. Und das Personal der Klinik ist vertraglich sowieso zur Diskretion verpflichtet. Wenn von denen jemand etwas über mich auf Facebook postet oder so, könnte ihn das den Job kosten. Mein Team hat alles geplant, sodass ich eigentlich nicht mit der Öffentlichkeit in Kontakt kommen sollte. Auf jeden Fall tun wir alles, damit die Privatsphäre deines Vaters gewahrt bleibt. Das ist auch alles schon mit ihm besprochen.“

Er zog sich seine Baseballkappe tiefer ins Gesicht. Aber auch wenn er jetzt noch eine Sonnenbrille aufsetzte – im Zweifelsfall würde das alles wenig nützen, dafür war er einfach zu bekannt. Jeder Song seines Debütalbums hatte Goldstatus erreicht, und das nicht nur in den Charts für Country & Western. Mit einigen Titeln war er sogar in den Pop-Charts gelandet.

„Und du bist sicher, dass mein Dad das so will?“

„Ist mit ihm abgesprochen. Kannst ihn ja fragen.“

„Ich sollte sowieso mal nachschauen, wo er bleibt.“ Ich wandte mich um, froh, Dash nicht mehr ansehen zu müssen. Es schmerzte immer noch so sehr! Wie lange hatte ich mir seine wahre Liebe ersehnt! Aber er hatte mich damals nur heiraten wollen, weil das Baby unterwegs war. Diese Erkenntnis schmerzte heute noch genauso wie damals.

Während ich den Flur entlangging, musste ich unentwegt an ihn denken. Er hatte mir gleich von Anfang an gesagt, dass er von Liebe nicht viel hielt. Seiner Ansicht nach brachte sie mehr Probleme mit sich, als sie wert war. Natürlich wusste ich, warum er so dachte. Seine Mutter hatte ihn und seinen Vater im Stich gelassen, und das hatte er nie verkraftet. In meiner Naivität hatte ich damals gedacht, ich könnte ihn gewissermaßen auf den rechten Weg zurückführen – aber das war natürlich ein Irrtum gewesen.

Auch ich hatte einen Großteil meines Lebens ohne Mutter zubringen müssen. Aber meine hatte sich nicht davongemacht. Sie war gestorben, als ich zur Mittelschule ging, und Pop und ich vermissten sie immer noch jeden Tag.

Ich klopfte an Pops Tür. Dann ertönte seine Stimme: „Herein.“

Er war gerade dabei, sich die Stiefel anzuziehen. Er war jetzt neunundfünfzig, aber er wirkte älter, grau und verbraucht. Lange hatte er als Rodeoreiter gearbeitet, aber nie den Erfolg erreicht, den er sich gewünscht hatte. Später war er dann hauptberuflicher Pferdezüchter, auch das ohne durchschlagenden Erfolg. Zeitweilig hatte er nebenher noch in einem Schnellimbiss gearbeitet – alles, um mir, seinem geliebten Töchterlein, ein halbwegs annehmbares Leben zu ermöglichen. Doch so sehr er sich auch abquälte, wir blieben immer ziemlich arm.

Allerdings nicht so arm wie die Familie von Dash. Die hauste damals in einem heruntergekommenen Wohnwagen und lebte von der Wohlfahrt. Außer wenn sein Vater gelegentlich mal einen Aushilfsjob an Land zog oder als Musiker ein wenig Geld verdiente. Aber das war selten gewesen.

„Ist Dash schon hier?“, fragte Pop.

„Ja, ist er. Allerdings verstehe ich nicht recht, warum du ihn um Hilfe gebeten hast.“

„Habe ich nicht. Er hat sie mir von selbst angeboten.“

„Aber warum? Und was will er überhaupt tun?“

„Zunächst einmal will er dir im Krankenhaus Gesellschaft leisten. Kann ganz schön an den Nerven zerren, da rumzusitzen und zu warten. Und wenn ich wieder zu Hause bin, will er sich ein bisschen um mich kümmern, mich pflegen. Vielleicht meinen Verband wechseln, wenn ich es nicht alleine schaffe. Das würde ich dir nicht zumuten wollen.“

Eigentlich war mein Vater überhaupt nicht der zimperliche Typ, ganz im Gegenteil. Als Rodeoreiter muss man schon hart im Nehmen sein. Aber so eine Krankheit – das war wohl schon etwas anderes. Es konnte natürlich auch sein, dass er das nur als Vorwand nutzte, damit Dash und ich uns wieder näherkamen.

„Ich freue mich ja, dass ihr euch so gut versteht“, sagte ich vorsichtig. „Aber das mit dem Verbandswechsel hätte doch auch einer von deinen alten Rodeokollegen erledigen können. Das muss doch kein millionenschwerer Hitparadenstürmer machen, der bestimmt genug anderes zu tun hat.“

„Ich weiß, aber vielleicht hast du ja auch was davon, wenn er jetzt öfter hier ist“, sagte mein Vater. Er hatte sich inzwischen die Stiefel angezogen. „Vielleicht lässt du dich ja doch noch überreden, das Duett mit ihm zu singen. Mal ehrlich, Honey, warum soll er dir denn karrieremäßig nicht ein bisschen auf die Sprünge helfen?“

„Ist ja unheimlich lieb, wie du dich um mich kümmerst. Aber mein Comeback möchte ich lieber aus eigener Kraft schaffen.“

„Kleines, ich sehe doch, wie du dich abschuftest. Zwei Jobs gleichzeitig, und dann versuchst du noch, deine Songs selbst zu vermarkten. Das könntest du einfacher haben. Warum solltest du nicht ein kleines bisschen von Dashs Ruhm profitieren?“

Ich seufzte. Pop wusste nicht, dass ich gerade eine Krise durchlebte – und dass die Anwesenheit von Dash alles nur noch schwieriger machte. Aber das wollte ich ihm auch nicht erzählen.

„Tut mir leid, wenn ich dich wegen Dash ein bisschen überrumpelt habe“, sagte er. „Aber es wäre doch schön, wenn ihr wieder Freunde wärt. Ihr wart doch eigentlich nie richtig verfeindet, habt euch doch keine Blumenvasen an den Kopf geschmissen oder so. Nicht mal damals, als ihr euch getrennt habt.“

Ja, es war eine freundschaftliche Trennung gewesen. Nach der Fehlgeburt hatte ich die schwere und schmerzhafte Entscheidung getroffen, unsere Verlobung aufzulösen, und Dash hatte nicht versucht, mich davon abzuhalten. Er hatte mich einfach gehen lassen. Die Erschütterung über den Tod unseres Kindes hatte zwischen uns gestanden.

Aber jetzt war nicht der Zeitpunkt, darüber nachzugrübeln. „Zuallererst müssen wir dich wieder gesund kriegen, Pop“, sagte ich. Ja, im Moment ging es nur um meinen kranken Vater. Und wenn es ihm bei der Genesung half, Dash und mich zusammen zu sehen, dann würde ich das für ihn in Kauf nehmen.

Mithilfe von Dashs Angestellten gelang es uns tatsächlich, unbemerkt ins Krankenhaus zu kommen. Als wir drinnen waren, trennten sich unsere Wege vorerst. Ich ging mit Pop zum Empfang, wo sich eine Krankenschwester um ihn kümmerte. Später sollte ich dann in das private Wartezimmer kommen, wo Dash sich bereits aufhielt. Ich war froh, ihn eine Zeit lang nicht zu sehen. Die Fahrt hierher zur Klinik war mir schwergefallen, ich war eindeutig noch nicht über ihn hinweg. Er und mein Dad hatten sich auf der Fahrt über unverfängliche Dinge unterhalten, Pferde, Musik und so weiter. Nur ein Thema hatten sie ausgespart – dass wir beide früher ein Paar gewesen waren.

Nachdem ich Pop in guten Händen wusste, schlenderte ich zu einem Automaten mit Snacks. Ich fragte mich, was Dash wohl tun würde, wenn ich im öffentlichen Bereich wartete, statt zu ihm in das private Wartezimmer zu gehen? Ob er dann seinen Bodyguard – er hieß Zeke, wie ich inzwischen wusste – beauftragen würde, mich aufzuspüren?

Ich studierte die angebotenen Süßigkeiten und entschied mich dann für einen Schokoriegel. Mit einem leisen Fluchen zog ich noch einen zweiten – für Dash. Das war früher seine Lieblingssorte gewesen. Ich hatte natürlich keine Ahnung, ob er jetzt überhaupt noch Süßigkeiten aß.

Ja, so viele Jahre waren vergangen, dass er jetzt fast ein Fremder für mich war. Andererseits war er mir schon immer ein Rätsel gewesen. Ein Mann, der mich zwar zärtlich in den Armen hielt, aber immer wieder beteuerte, dass die Liebe nichts für ihn war.

Schließlich zog ich noch einen dritten Schokoriegel – für Bodyguard Zeke. So hatte mein Dad mich eben erzogen – immer brav sein und an seine Mitmenschen denken. Oder war das zu viel des Guten? Nein, eigentlich nicht. Schließlich tat ich das alles für meinen Daddy. Vom heutigen Tag hing viel ab, da wollte ich besonders nett zu allen sein, um das Schicksal gnädig zu stimmen.

Das private Wartezimmer war nicht schwer zu finden. Vor der Tür stand Zeke wie ein Wachhund.

Ich gab ihm den Schokoriegel, und in seiner ansonsten undurchdringlichen Miene glaubte ich ein winziges Lächeln zu entdecken, wenigstens einen Sekundenbruchteil lang. Trotzdem war er ein furchteinflößender Kerl. Sollte ich je wirklich berühmt werden und einen Leibwächter benötigen, dann wollte ich einen wie Zeke!

Natürlich war ich selbst in meiner erfolgreichsten Zeit nicht annähernd so berühmt gewesen wie Dash heute. Für mich war es trotzdem toll gewesen. Kein Wunder, dass mein Vater es sich wieder für mich wünschte. Trotzdem verfluchte ich im Stillen seine Einmischung. Es war wirklich schwierig für mich, wieder mit Dash konfrontiert zu werden!

Zeke ließ mich ins Zimmer, und ohne weiter nachzudenken, setzte ich mich einfach neben Dash, nicht ihm gegenüber, wie ich es eigentlich vorgehabt hatte. Ich überreichte ihm den Schokoriegel. „Hier, ich weiß nicht, ob du die immer noch so gerne isst.“

Er nahm den Riegel lächelnd entgegen. „Als ich auf Tournee war, hat mein Arzt mich trainingsmäßig ganz schön durch die Mangel gedreht, und solche Snacks waren natürlich tabu. Aber jetzt kann ich schon ein bisschen sündigen.“

Er sah tatsächlich mächtig fit aus. Aber er hatte schon immer auf sich achtgegeben. Auch als wir uns kennenlernten – ich fing in der Futtermittelhandlung an, in der er schon arbeitete –, war ich sofort von seinem muskulösen Body beeindruckt. Letztlich kamen wir uns näher, weil wir beide in der Musikbranche Fuß fassen wollten – aber ganz am Anfang wollte ich vor allem seinen Körper, das muss ich zugeben.

Das war natürlich lange her. Wir waren beide älter geworden. Er war vor kurzem dreißig geworden, und ich wurde im kommenden Monat achtundzwanzig.

„Möchtest du was abhaben?“ Er packte den Schokoriegel aus und hielt ihn mir hin.

„Danke, ich habe selber einen.“ Ich holte meinen Riegel aus der Tasche, und gemeinsam ließen wir es uns schmecken. „Wie es scheint, hat dich noch kein Fan belästigt?“

Er schüttelte den Kopf. „Nein, das Krankenhaus ist auf Prominente vorbereitet. Ich bin nicht das erste bekannte Gesicht, das hier auftaucht, und ich werde auch nicht das letzte sein.“

Das mochte stimmen, aber im Moment war er der König von Nashville. Einen größeren Star gab es kaum. Alle wollten etwas von ihm. Und ich hatte ihn damals gehabt, seinerzeit, lange bevor er berühmt wurde. Jede Nacht hatte ich ihn gehabt, ganz für mich allein, und jede Sekunde davon genossen. Die Erinnerung daran war nicht verblasst. Schlagartig bekam ich Lust auf Sex. Ich war schon über ein halbes Jahr mit niemandem mehr zusammen gewesen. Für Dash traf das sicher nicht zu …

„Wie geht es nach der OP weiter?“, fragte Dash plötzlich und riss mich damit aus meinen Gedanken. „Kommt nachher ein Arzt und spricht mit dir?“

„Ja. Dann entscheiden sie auch, ob Pop noch eine Zeit lang hier bleiben soll. Und ob er vielleicht anschließend noch eine Chemotherapie oder Strahlenbehandlung benötigt.“

„Tut mir leid, dass er das alles mitmachen muss. Und dass du so mitleidest. Ich weiß ja, wie viel er dir bedeutet.“

Ja, ich liebte meinen Vater genauso, wie er seinen Vater geliebt hatte. Das Musiktalent hatte Dash von seinem Vater geerbt. Wenn es auf der Welt gerecht zuginge, hätte Kenny Smith ein großer Star werden müssen wie sein Sohn. Aber das war nie passiert. Er hatte für ein Butterbrot in irgendwelchen Cafés und zweitklassigen Nachtclubs auftreten müssen – wenn er überhaupt ein Engagement bekam.

„Schade, dass dein Dad deinen Erfolg nicht mehr miterleben konnte“, sagte ich leise. „Er wäre so stolz auf dich gewesen.“

Dash nickte. „Ja. Ganz ehrlich, das ist wie ein Stachel in meinem Fleisch.“

„Wo deine Mom wohl ist? Und was sie wohl von deinem Erfolg hält?“

„Keine Ahnung“, gab er gereizt zurück. „Ist mir auch egal. Ich will nicht über sie reden.“

Aha, immer noch ein schwieriges Thema für ihn. Kein Wunder. Sie hatte ihre Familie für einen schwerreichen Mann verlassen. Wer so etwas tat, dem war die Karriere des eigenen Sohnes vermutlich völlig egal.

Mir war seine Karriere nicht egal gewesen. Früher hatten wir immer gemeinsam davon geträumt, Grammys und Country Music Awards und das ganze Pipapo zu gewinnen. Jetzt war es so weit – zumindest für ihn, für mich natürlich nicht. Er war der Newcomer des Jahres.

Vielleicht war es dumm von mir, seinen Vorschlag mit dem Duett abzulehnen. Aber ich wollte nun mal stark und unabhängig sein. Nicht abhängig von dem Mann, den ich einmal geliebt hatte.

Oder immer noch liebte, was weiß ich.

Ja, meine Gefühle für Dash stürzten mich immer noch in Verwirrung. Wenn ich ihn jetzt küssen würde, würde ich wahrscheinlich völlig dahinschmelzen. Wie die Schokolade in meinem Mund.

Plötzlich beugte er sich zu mir hinüber und wischte mit dem Zeigefinger über meinen linken Mundwinkel. Ich zuckte zusammen.

„Was zum Teufel machst du da?“, fragte ich gereizt. Ich war selbst überrascht darüber, wie sehr mich diese winzige Berührung erregte.

„Du hattest da einen Schokoladenkrümel hängen …“

Ich wischte mit meiner Hand über die Stelle. „Ist er weg?“

„Ja, ich habe ihn erwischt.“ Er blickte zu Boden. „Tut mir leid, ich wollte dir keinen Schreck einjagen.“

Eine peinliche Stille trat ein. Mir fiel absolut nichts ein, was ich hätte sagen können, und ihm schien es genauso zu gehen. Noch schlimmer: Ich spürte, dass auch ihn diese kurze Berührung nicht kaltließ …

Nach ein paar Minuten sagte er: „Dein Dad hat mir erzählt, dass du jetzt wieder in der Futtermittelhandlung arbeitest. Im Verkauf, wie damals.“

Nicht gerade mein Lieblingsthema, aber immer noch besser als dieses peinliche Schweigen. „Ja, aber nur an ein paar Tagen pro Woche, um etwas nebenher zu verdienen“, antwortete ich. „Hauptsächlich arbeite ich als virtuelle Assistentin. Ich bin dafür da, meinen Kunden den Rücken freizuhalten und ihre Auftritte in den sozialen Medien zu managen.“

„Solche Leute beschäftigt mein Management auch.“

„Ja, das ist jetzt ziemlich in Mode.“ Die Bezahlung als virtuelle Assistentin war allerdings ziemlich schlecht. Genauso schlecht wie die Bezahlung in der Futtermittelhandlung. Um das Gespräch von mir abzulenken, sagte ich: „Ich habe gehört, dass du dir ein schönes großes Haus auf dem Land gekauft hast?“

„Oh ja, es ist wirklich schön. Aber leider habe ich dort noch gar nicht viel Zeit verbringen können. War ja die meiste Zeit auf Tour.“ Er zögerte. „Du solltest mich da irgendwann mal besuchen. Dann zeige ich dir alles.“

Das war so ziemlich das Letzte, was ich vorhatte! „Hast du meinen Dad auch schon dorthin eingeladen?“

„Noch nicht. Ich war gerade von meiner Tournee zurückgekommen, als er mir erklärte, dass er krank ist. Ich glaube, er hat sich wirklich gefreut, als ich ihm meine Hilfe angeboten habe. Schätze, er hat Angst, dass du ganz allein bist, wenn er einmal nicht mehr sein sollte …“

Mein Herz zog sich zusammen. „Ich bin nicht allein. Ich habe Freunde, Leute, mit denen ich mich treffe.“

„Ja, okay, aber ich glaube, im Stillen wünscht er sich auch, dass seine Krankheit dich dazu bringt, mit mir zusammenzuarbeiten. Er möchte so sehr, dass deine Karriere wieder Fahrt aufnimmt.“

„Das hat er mir tatsächlich schon gesagt.“ Und ich hatte keine Lust, es wieder und wieder zu hören!

„Damit würden wir ja eigentlich nur eine Idee von früher aufgreifen. Weißt du noch, wie wir damals immer davon geträumt haben, irgendwann ein ganz besonderes Lied gemeinsam aufzunehmen?“

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