Wild, sexy und verdorben

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Keine sexy Models, keine wilden Nächte mehr – das Partyleben liegt hinter Spencer Riggs. Schließlich braucht der Songwriter für sein Comeback einen kühlen Kopf. Auch Bad Girl Alice wiederzusehen, lässt ihn kalt. Wenn ihre Küsse nur nicht so prickelnd wären …


  • Erscheinungstag 05.11.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751548151
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

Sheri WhiteFeather

Wild, sexy und verdorben

1. KAPITEL

Alice

Ich stellte mein Auto am Ende der langen Auffahrt zu Spencer Riggs’ Haus ab und warf einen Blick nach draußen zu der efeuüberwucherten Veranda. Entlang des kleinen Weges, der dorthin führte, wuchs ein buntes Sammelsurium von Pflanzen in tönernen Töpfen, elegant, aber auch ein wenig chaotisch.

Die Panik, die in mir aufstieg, versuchte ich nach Kräften zu unterdrücken, aber Spencer Riggs war nun mal anders als meine anderen Kunden aus Nashville. Wir waren früher ein Paar gewesen; er war ein dunkler Schatten aus meiner Vergangenheit.

War es da ein Wunder, dass ich nervös war?

Ein paar Minuten blieb ich noch im Auto sitzen und spähte durch die Windschutzscheibe. Die Musikindustrie vergötterte Spencer Riggs, genauso wie jede Frau in Nashville. Wenn man den sozialen Medien glauben wollte, dann war er ein guter Fang: ein Sänger und Komponist, der mehrere Preise gewonnen hatte. Ein kreatives Genie. Ein gut aussehender Mann, der im Alter von achtundzwanzig Jahren in einem wundervoll renovierten alten Haus lebte und sich dort um misshandelte Hunde kümmerte. Da sollte noch mal jemand sagen, Menschen würden sich nicht ändern. Früher hatte Spencer nicht mal einen Goldfisch gehabt. Damals, als wir zusammen waren, hatte er noch als Barkeeper gearbeitet und Schwierigkeiten gehabt, auch nur einen Song an den Mann zu bringen.

Den Gerüchten zufolge war es jetzt noch schwieriger, an ihn heranzukommen. Natürlich wollten ihn die Frauen deshalb nur umso mehr. Aber trotz seiner treuen weiblichen Fans hielt er sich über sein Privatleben bedeckt. Es tauchte niemand auf, der damit prahlte, mit Spencer Riggs zusammen zu sein. Und Spencer nannte auch keine Namen.

Seltsam. Wenn ich an meine schmutzige, heiße Vergangenheit mit ihm dachte … Wir waren nur ein paar Monate locker liiert gewesen, aber ich hatte nie vergessen, wie wild es mit ihm im Bett zugegangen war. Oder wie aufgewühlt ich mich mit ihm gefühlt hatte. Damals hatte ich mit allen möglichen seelischen Problemen zu kämpfen gehabt, und meine Affäre mit Spencer hatte nur noch Öl ins Feuer gegossen.

Tja, und heute war ich freiberufliche Stylistin und sollte ihm helfen, das Outfit für ein Fotoshooting auszuwählen. Die Zeitschrift, die das Shooting veranstaltete, hätte ihm eine Stylistin zur Verfügung gestellt, aber Spencer bestand darauf, mit mir zusammenzuarbeiten. Er selbst würde für mein Honorar und alle anfallenden Kosten aufkommen. Die Vorstellung, direkt für ihn zu arbeiten, gefiel mit nicht sonderlich. Aber was blieb mir anderes übrig?

Ich stand gerade erst am Anfang meiner Karriere, und ich konnte es mir nicht leisten, einen Auftrag von einem Prominenten wie ihm abzulehnen. Sein Name würde sich gut in meinem Lebenslauf machen. Aber noch wichtiger war, dass wir bei dem Shooting mit einem weltbekannten Fotografen zusammenarbeiten würden. Wenn ich einen guten Eindruck bei ihm hinterließ, könnte dieses Shooting meine Karriere richtig voranbringen. Das wichtigste Argument aber war, dass ich in den letzten Jahren einfach zu viel Geld ausgegeben hatte. Die nette Summe, die ich mit neunzehn nach einem Vergleich in einem Rechtsstreit bekommen hatte, nahm langsam, aber stetig ab. Wenn ich nicht das Beste aus diesem Auftrag herausholte, würde ich vielleicht nie aus diesem Loch herauskommen, das ich mir selbst gegraben hatte.

Ich atmete tief durch, dann stieg ich aus dem Auto und marschierte zu Spencers Haustür. Vorhin hatte es heftig geregnet, jetzt nieselte es nur noch.

Auf mein Klingeln hin öffnete er recht schnell.

Oh, verdammt! Vor fünf Jahren hatte ich ihn das letzte Mal gesehen, und Spencer sah noch heißer aus als damals: groß, durchtrainiert; das glatte braune Haar fiel ihm fast bis auf die Schultern. Seine Augen waren dunkel, fast schwarz, und ein Bartschatten lag über seinem Kinn und seinen Wangen. Seine Gesichtszüge waren markant, mit ausgeprägten Wangenknochen und vollen Lippen. Er trug ein schlichtes, beiges T-Shirt, zerrissene Jeans mit einem Loch über einem Knie und Turnschuhe. Sein kompletter linker Arm war tätowiert, allerdings mit weißer Tinte, die sich deutlich von seiner gebräunten Haut abhob. Er sah absolut spektakulär aus.

„Das ist neu“, sagte ich.

Er blinzelte verwirrt. „Was meinst du?“

„Das Tattoo.“

„Oh, richtig.“ Er starrte mich an. Vermutlich lief bei ihm gerade eine ähnlich heftige instinktive Reaktion ab wie bei mir. „Wie geht’s dir, Alice?“

„Ganz gut.“

Er trat von einem Fuß auf den anderen, und plötzlich erwachte meine Libido aus ihrem Winterschlaf. Nach unserer kurzlebigen Affäre hatte ich mit keinem Mann mehr geschlafen. Ich hatte mir geschworen, auf den richtigen zu warten – ich wollte nie wieder so verantwortungslos mit dem Feuer spielen wie früher mit Spencer. Damals hatte ich versucht, die Leere in meinem Inneren mit Sex auszufüllen, aber dass ich mich so leidenschaftlich auf ihn eingelassen hatte, hatte alles nur noch schlimmer gemacht.

„Möchtest du reinkommen?“, fragte er.

Ich nickte. Was würde er wohl davon halten, wenn er wüsste, wie vorsichtig ich mittlerweile geworden war? Oder wie sehr ich mir wünschte, mich zu verlieben, zu heiraten und eine Familie zu gründen.

Er trat zur Seite, und wir beide gingen hinein.

Er starrte mich zwar nicht mehr unverhohlen an, aber ich hatte den Verdacht, dass er es gern noch ein Weilchen länger getan hätte. In seiner alten Wohnung hatten wir in jedem einzelnen Zimmer Sex gehabt. Am liebsten hatte er Shots getrunken, indem er den Alkohol von meiner Haut leckte, direkt aus meinem Bauchnabel. Alles, was wir zusammen getan hatten, war wild und ausgelassen gewesen, genau wie die Fahrten auf seinem Motorrad.

Spencer ging voraus ins Wohnzimmer, in dem ein großes rotes Klavier die Aufmerksamkeit auf sich zog. Das ganze Haus besaß einen altertümlichen Charme, war aber liebevoll modernisiert worden.

Ursprünglich kam Spencer nicht aus Nashville, sondern war in L. A. geboren und aufgewachsen. Seinen Vater kannte er nicht, seine Mutter hatte ihn allein großgezogen. Nach dem frühen Tod der Mutter hatten seine Tante und sein Onkel ihn bei sich aufgenommen. Mir hatte er sonst keine Details über seine Vergangenheit erzählt. Tatsächlich wusste er viel mehr über mich als ich über ihn.

Er wies auf eine eindrucksvolle Bar, wo auch eine Kaffeemaschine stand. „Kann ich dir was zu trinken anbieten?“

„Nein danke, ich brauche nichts.“ Verlegen strich ich mein Oberteil glatt. Ich trug eine weit geschnittene Tunika, Röhrenjeans und hohe Stiefel, die mir bei dem regnerischen Wetter gute Dienste leisteten. Mein blond gefärbtes Haar trug ich immer noch kurz und in wilden Strähnen gestylt, ein Relikt aus meiner rebellischen Phase. Das Einzige, was von meiner wilden Seite noch übrig war.

Spencer nahm mir gegenüber Platz, und der trübe Tag tauchte ihn in mildes Licht. Mir schwirrten bereits ein paar Ideen durch den Kopf, wie ich ihn stylen konnte. An ihm würden so einige Looks gut aussehen, von rebellisch bis edel. Wenn ich mich richtig erinnerte, dann hatte Spencer sich nie viel aus Kleidung gemacht, außer wenn es darum ging, sie mir vom Leib zu reißen.

„Man hat dich in den höchsten Tönen gelobt“, sagte er jetzt und riss mich aus meinen Gedanken. „Kirby hat mir empfohlen, dich einzustellen.“

Mir fiel die Kinnlade herunter. „Kirby Talbot?“

Wirklich? Der Country-Superstar, der meine Mutter zugrunde gerichtet hatte? Der Mann, der versprochen hatte, ihre Songs groß rauszubringen, aber sie sitzen gelassen hatte, nachdem er mit ihr geschlafen hatte?

„Ist das dein Ernst, Spencer?“ Er wusste nur zu gut, wie sehr ich Kirby hasste. Nicht nur, dass Kirby meine Mutter fallen gelassen und ignoriert hatte, er hatte sogar ein gerichtliches Kontaktverbot gegen sie erwirkt.

Mama hatte sich nie ganz von seiner herzlosen Grausamkeit erholt. Ich auch nicht, um ehrlich zu sein. Als ich jünger war, hatte Mamas Depression mich beinahe um den Verstand gebracht. Jetzt, wo ich erwachsen war, versuchte Kirby, alles wiedergutzumachen. Aber ich konnte einfach nicht vergessen, wie viel Leid er verursacht hatte.

Stirnrunzelnd schaute ich Spencer an. Ich wusste, dass er in letzter Zeit ein paar Songs für Kirby geschrieben hatte, aber ich wusste nicht, was die beiden sonst noch miteinander zu tun hatten. „Seid ihr jetzt etwa beste Freunde?“

„Ich würde eher sagen, er ist mein Mentor.“ Spencer zupfte an einem Faden an einem der Löcher in seiner Jeans. Als er aufschaute, war ich wie gebannt von seinem Blick. „Ohne seine Hilfe wäre ich nie vom Trinken losgekommen.“

Ich stutzte, dann warf ich einen Blick zur Bar. Die verschiedensten Flaschen standen dort, alle gut gefüllt. „Du meinst du … bist ein trockener Alkoholiker?“

Er sah mich weiter unverwandt an. „Ich hatte jahrelang ein Alkoholproblem. Erinnerst du dich etwa nicht daran, wie viel ich getrunken habe?“

„Doch, aber ich hätte nicht gedacht, dass du wirklich … süchtig warst. Ich dachte einfach, du feierst gern.“ Jetzt kam ich mir wirklich naiv und albern vor. All die verschwommenen Nächte, all die Abende, an denen wir einen Drink nach dem anderen heruntergekippt hatten. „Warum hast du dann immer noch die Bar?“

„Für Besuch.“ Langsam glitt sein Blick über meinen Körper. „Ich kann der Versuchung widerstehen.“

Ich konnte nur hoffen, dass er einem Drink besser widerstehen konnte als seinem offensichtlich neu erwachten Interesse an mir. Die Luft zwischen uns knisterte vor Spannung. Die Versuchung schien fast greifbar.

Abgesehen davon war ich mir nicht ganz sicher, ob Spencer tatsächlich so willensstark war, wie er vorgab. Was, wenn es hart auf hart käme? Würde er dann schwach werden? Auf mich machte er immer noch einen rastlosen Eindruck.

„Wann hast du mit dem Trinken aufgehört?“

„Vor zwei Jahren, drei Monaten, fünf Tagen und“, er holte sein Handy aus der Hosentasche und schaute auf die Uhr, „sechs Stunden. Ungefähr.“

Sein humorvoller Tonfall beruhigte mich nicht gerade. „Ich bin ja froh, dass du dein Leben ändern willst.“ Dafür gebührte ihm immerhin Anerkennung. „Aber weißt du, was mich wirklich aufregt? Ich habe dir so oft erzählt, was für ein Idiot Kirby ist. Trotzdem hast du es irgendwie hinbekommen, dich mit ihm anzufreunden. Als wir noch zusammen waren, kanntest du ihn nicht mal persönlich.“

Spencer runzelte die Stirn. „Und dann habe ich ihn kennengelernt. Was sollte ich denn machen? Ihn meiden, nur weil du ihn nicht leiden kannst? Er versucht schon seit Jahren, die Sache mit dir wiedergutzumachen.“

Ich setzte mich aufrecht hin, mein Rücken kerzengerade. Früher hatte Spencer mir recht gegeben, wenn ich mich über Kirby ausließ, und jetzt ergriff er plötzlich Partei für den Feind.

„Hast du mich nur angestellt, um Kirby einen Gefallen zu tun? Geht es dir darum?“

„Nein.“ Die Falte auf seiner Stirn vertiefte sich.

„Warum dann?“

Er zuckte mit den Schultern. „Um der guten alten Zeiten willen, schätze ich.“

Was genau sollte das denn heißen? Dass er neugierig war, was aus mir geworden war? Damit fühlte ich mich nicht unbedingt besser.

Wir waren beide an einem Tiefpunkt gewesen, als wir uns über Tinder kennengelernt hatten. Es ging nur um Sex. Damals war ich gerade erst zwanzig gewesen, jung und nicht besonders wählerisch, was Männer anging.

Streng musterte ich ihn. „Du hättest mir trotzdem von vornherein erzählen sollen, dass Kirby seine Finger im Spiel hat.“

Spencer schüttelte den Kopf. „Ich verstehe nicht, warum du dich so schwertust, ihm zu verzeihen. Er hat sich bei deiner ganzen Familie entschuldigt, sogar offiziell bei einer Pressekonferenz. Er hat dir und deiner Schwester die Rechte an den Songs deiner Mutter abgekauft und sie so gut vermarktet wie versprochen. Du hast doch eine ordentliche Summe von ihm bekommen.“

„Das Geld hält aber leider auch nicht ewig. Das College war nicht gerade billig, und ich musste mir aus dem Nichts eine Existenz aufbauen.“ Natürlich hatte ich einen großen Teil des Geldes auf diese Dinge verwendet. Aber ich hatte auch einen Teil einfach verpulvert. Nicht, dass ich das Spencer gegenüber zugegeben hätte. Zu meiner Verteidigung ließ sich nur sagen, dass meine wilde Phase noch nicht ganz vorüber gewesen war, als ich das Geld bekommen hatte.

„Ich finde es eben einfach unvernünftig, dass du ihm nicht mal eine Chance geben willst.“ Wieder schüttelte er den Kopf. „Deine Schwester ist sogar mit seinem ältesten Sohn verheiratet.“

„Das heißt aber noch lange nicht, dass ich Kirby genauso akzeptieren muss wie sie. Außerdem hat Mary einfach ein weicheres Herz als ich.“ Außerdem war sie mit Brandon und ihren Kindern geradezu selig. Ich hingegen wartete noch auf meinen Traummann.

Eine Weile saßen wir schweigend da, dann sagte Spencer: „Als Kirby dich als meine Stylistin empfohlen hat, wusste er nicht, dass wir uns kennen. Jetzt weiß er es allerdings. Ich habe ihm erzählt, dass wir zusammen waren.“

„Warum zur Hölle hast du das denn getan?“ Ich hätte ihn erwürgen können.

„Ich fand es komisch, so zu tun, als wären wir Fremde.“

„Und jetzt denkt er, dass wir damals ein richtiges Paar waren?“

Unverwandt blickte Spencer mich an. „Wäre es dir lieber gewesen, wenn ich ihm die Wahrheit gesagt hätte?“

„Natürlich nicht.“ Ich wollte nicht, dass Kirby überhaupt irgendetwas über mein Privatleben wusste. „Mir wäre es lieber gewesen, du hättest den Mund gehalten.“

„Wenigstens habe ich es so ausgedrückt, dass es anständig klang.“

„Ist ja auch egal.“ Ich hatte keine Lust mehr, länger darüber zu reden.

„Weißt du was?“, blaffte Spencer. „Vielleicht sollten wir beide besser nicht zusammenarbeiten.“

Sollte er sich doch zum Teufel scheren! „Willst du mich etwa jetzt schon feuern?“

Er zuckte mit den Schultern. „Vielleicht.“

„Auch egal“, wiederholte ich. Mittlerweile war ich einfach zu wütend, als dass es mir noch etwas ausgemacht hätte.

Darauf folgte angespanntes Schweigen, und ich betrachtete Spencers Tattoo genauer. Die hellen Muster waren ganz sicher von denen der Ureinwohner inspiriert. Einer von Kirbys Söhnen, Matt, hatte eine Mutter aus dem Stamm der Cherokee, und Spencer stammte ebenfalls von Ureinwohnern ab. Allerdings hatte er mir nie erzählt, mit welchem Stamm er verwandt war. Als ich ihn einmal danach gefragt hatte, hatte er behauptet, das sei für ihn nicht weiter wichtig. Aber dieses Tattoo zeigte jetzt, dass das Gegenteil der Fall war.

Also sagte ich geradeheraus: „Ich finde es interessant, dass Kirby einen Sohn mit einer Ureinwohnerin hat. Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich fast auf den Gedanken kommen, dass er auch dein Vater ist.“

Spencer verdrehte die Augen. „Na klar.“

„Vielleicht bist du ja wirklich sein Sohn“, bohrte ich weiter. Eigentlich glaubte ich nicht daran, aber irgendwie wollte ich ihm heimzahlen, dass er Kirby von uns erzählt hatte. „Du könntest sein Sohn sein, ohne dass du es weißt. So wie Kirby sich durch die Gegend geschlafen hat, hat er sicher Dutzende uneheliche Kinder.“

Spencer seufzte. „Denk dir ruhig weiter Märchen aus. Aber biologisch ist das unmöglich. Kirby ist weiß, genau wie meine Mutter.“

Aus irgendeinem Grund hatte ich immer angenommen, Spencers Mutter wäre eine Ureinwohnerin gewesen, aber seine dunkle Haut war wohl ein Erbe seines unbekannten Vaters. Ich musste also meinen Stolz herunterschlucken und mich entschuldigen.

„Es tut mir leid. Ich hätte das nicht sagen sollen.“ Ich hatte kein Recht, seine Familie in meine Dummheiten hineinzuziehen. Daher schaute ich möglichst unschuldig drein und schlug vor: „Waffenstillstand?“

Er hob die Augenbrauen, und ich wartete auf seine Antwort. Würde er mich jetzt wegschicken? Hatte ich gerade meinen Auftrag verloren? Hatte ich mir mein eigenes Grab geschaufelt?

„Du bist echt unmöglich“, sagte er schließlich. Es klang nicht gerade fröhlich, aber auch nicht mehr wütend. Er atmete tief aus und fügte hinzu: „Aber du warst ja schon immer temperamentvoll.“

Ich war früher sogar eine ziemliche Zicke gewesen, aber das würde ich jetzt bestimmt nicht zugeben. Stattdessen schenkte ich ihm ein hoffnungsvolles Lächeln. „Heißt das, du feuerst mich doch nicht?“

„Schätze nicht.“ Sein Blick huschte zu meinen Lippen, als würde er sich daran erinnern, wie sie schmeckten.

Spencer stand auf und ging zur Bar. Die Sekunden vergingen. Gern hätte ich das Schweigen gebrochen, aber mir fiel nichts Intelligentes ein, was ich hätte sagen können. Stattdessen musste ich daran denken, wie seine Lippen geschmeckt hatten.

„Bist du sicher, dass du nichts willst?“, fragte er schließlich.

Ich blinzelte. „Was soll ich denn wollen?“

„Etwas zu trinken. Ich hab jetzt Lust auf ein Ginger Ale.“

Tatsächlich war ich ein bisschen durstig. Oder vielleicht hatte ich einfach nur einen trockenen Mund, jetzt wo Spencer in meiner Nähe war. Zwischen uns knisterte es wieder gewaltig.

„Möchtest du auch eines? Mit Eiswürfeln?“

„Ja, bitte.“

Er öffnete den kleinen Kühlschrank hinter der Bar und schenkte mir ein.

„Bitte schön.“ Damit drückte er mir das Glas in die Hand, drehte sich wieder um und nahm eine weitere Limonade aus dem Kühlschrank. Er trank direkt aus der Dose. Ich nippte ebenfalls an meinem Getränk. Die Eiswürfel klickerten im Glas. Spencer hatte sich an die Bar gelehnt und stand nun mir zugewandt. Er war so groß, so muskulös, so verdammt gut aussehend!

Ich räusperte mich. „Findet das Fotoshooting hier in deinem Haus statt?“

„Ja. Die Fotos sollen zeigen, wie ich lebe.“

Er nahm noch einen Schluck von seinem Ginger Ale, während die verbotenen Flaschen mit hartem Alkohol hinter ihm aufgereiht standen. Das Weinregal war ebenfalls gut gefüllt. Spencer war umgeben von Versuchungen.

Mir ging es ähnlich. Mit dem Alkohol hatte ich keine Probleme, aber Spencer war für mich eine verbotene Frucht. So verrückt das auch klang, ich wollte mir unbedingt sein Schlafzimmer anschauen.

„Hast du was dagegen, wenn ich einen Blick in deinen Kleiderschrank werfe? Ich will ein Gefühl für deinen Kleidungsstil bekommen.“

„Kein Problem.“ Er deutete an sich herab. „Du kannst mit einer Menge Jeans rechnen. Schicke Outfits sind nicht gerade meine Stärke.“

Er führte mich durch eine zweiflügelige Glastür in einen anderen Teil des Hauses. Während ich ihm folgte, drehte Spencer sich zu mir um und sagte: „Übrigens, mir gefallen deine Stiefel. Sie sind wirklich …“

Er sprach nicht weiter. Ich nahm an, er wollte „sexy“ oder „heiß“ oder etwas in der Richtung sagen, hatte sich aber vorher gebremst.

Ich sagte ebenfalls nichts. Spencer führte mich weiter den Flur entlang, an dessen Wänden gerahmte Filmposter hingen, unter anderem ein Schwarz-weiß-Foto von Marlon Brando, jung und rebellisch in seiner Rolle als Johnny aus „Der Wilde.“ Brando saß auf einem Motorrad und trug eine für die Fünfzigerjahre typische Lederkluft. Das fiel mir sofort auf, weil ich auf dem College einen Kurs über Mode im Film belegt hatte.

Spencer öffnete die Tür zu seinem Schlafzimmer. „Hier steht mein Kleiderschrank.“

Als Erstes sprang mir das Kingsize-Bett ins Auge. Es stand etwas erhaben auf einem kleinen Podest aus Holz, und die Decken und Kissen waren in Braun- und Goldtönen gehalten. Der ganze Raum wirkte warm und einladend, mit einem eigenen Badezimmer und einer Terrassentür, die hinaus in den hinteren Garten führte. Die Vorhänge waren zurückgezogen, und ich konnte einen Pool erkennen, dahinter saftiges Grün.

„Du hast ein sehr schönes Haus“, sagte ich. „Das Kompliment hätte ich dir schon machen sollen, als ich angekommen bin.“ Ich schlenderte hinüber zur Tür und spähte nach draußen.

Spencer trat neben mich und deutete auf einen Pfad aus Steinplatten, der über den Rasen führte. „Da entlang liegt das Gästehaus. Ich habe es umbauen lassen, jetzt beherbergt es meine Hunde-Rettungsstation. Eine Menge Leute helfen mir bei diesem Projekt, Angestellte ebenso wie Ehrenamtliche.“

„Ich habe keine Haustiere.“ Unwillkürlich fragte ich mich, ob ich deshalb einen schlechten Eindruck auf ihn machte. „Mary und Brandon haben einen Husky namens Cline. Meine Nichte und mein Neffe lieben den Hund. Brandon hatte ihn schon, bevor er Mary kennengelernt hat, und jetzt gehört Cline praktisch zur Familie.“

„Ich habe zwei Hunde.“

„Wirklich? Wo sind sie?“

Übertrieben unauffällig flüsterte er: „Sie verstecken sich unterm Bett.“ Dann lächelte er und sprach in normaler Lautstärke weiter: „Sie machen sich wahrscheinlich gerade ein Bild von dir und entscheiden, ob sie dir trauen können. Die beiden waren die ersten Streuner, die ich aufgenommen habe, und ich habe es nicht übers Herz gebracht, sie abzugeben. Also gehören sie jetzt mir.“

Neugierig spähte ich unters Bett. Tatsächlich, zwei weiße Schnauzen schauten darunter hervor.

„Die sind ja süß!“, rief ich. „Sie sehen aus wie Plüschkugeln mit Knopfaugen. Welche Rasse ist das?“

„Es sind Malteser. Normalerweise ist diese Rasse ziemlich mutig und aufgeschlossen, aber Cookie und Candy kommen aus schlimmen Verhältnissen. Wenn sie sich an dich gewöhnt haben, wirst du sie von einer ganz anderen Seite kennenlernen.“

„Wie lange dauert es denn, bis sie sich an mich gewöhnt haben?“

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