Zeit der Zärtlichkeit, Zeit der Liebe – Kapitel 9

Als Rebecca später am Abend zu ihrer kleinen Ranch zurückkam, fand sie zu ihrer Überraschung Jakes Truck in der Einfahrt vor.

Als er früh am Morgen gegangen war, hatte er nicht erwähnt, wann er wiederkommen würde. Und während ihres Aufenthalts in Ruidoso hatte er sie auch nicht auf dem Handy angerufen.

Aber sie lernte allmählich, dass er keinen Terminkalender führte oder viel vorausplante. Er war ein Mann, der immer das tat, wonach ihm im Augenblick war.

Jetzt saß er auf der Veranda und wartete auf ihre Rückkehr. Und während sie die Stufen hinaufkam, bemerkte er offenbar, dass sie die Schultern hängen ließ, denn er stand sofort auf und breitete die Arme für sie aus.

Wortlos ließ sie ihre Handtasche auf den Verandaboden fallen und eilte zu ihm. Und als sie sich an seine Brust warf, spürte sie seine beruhigende Wärme und Nähe.

„Du hast deine Mutter getroffen.“ Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.

„Ja“, sagte sie und seufzte betrübt. „Und es war noch schlimmer, als ich erwartet habe.“

Er strich über ihren Rücken. „Das dachte ich mir schon. Deshalb bin ich gekommen. Ich dachte, du kannst heute Abend vielleicht eine kleine Ablenkung brauchen.“

Sie wich leicht zurück. „Was für eine Ablenkung?“

Sein Grinsen war herzlich und verführerisch. Genau das, was sie jetzt brauchte, um das Gefühl zu haben, weiterleben und halbwegs optimistisch nach vorn blicken zu können.

„Da wir … letzte Nacht abgelenkt waren und Banjo bereits hier ist, dachte ich, wir könnten vielleicht einen neuen Versuch starten. Also habe ich ihn und Star gesattelt. Wir könnten über dein Anwesen reiten und die Zäune überprüfen. Hättest du darauf Lust?“

Auch wenn er sich wie ein Rancher anhörte, so war ihr doch klar, dass seine Einladung nichts mit der Reparatur von Zäunen zu tun hatte. Jake wollte sie von ihren Problemen ablenken und auf andere Gedanken bringen.

Bewegt von seiner Fürsorge, blinzelte sie gegen die Tränen an, die ihr in die Augen stiegen. „Diese Chance würde ich um nichts in der Welt verpassen wollen. Ich ziehe mir nur eben Jeans und Stiefel an.“

    Nachdem Jake Rebecca versichert hatte, dass er Star bereits probeweise geritten hatte und die Stute als ausgesprochen freundlich empfand, half er ihr in den Sattel. Dann schwang er sich selbst auf den Wallach, den er Banjo nannte.

Obwohl sie vor Jahren zuletzt auf einem Pferd gesessen hatte, dauerte es nur wenige Minuten, bis sie mit den Zügeln umgehen konnte und die Befehle beherrschte, mit denen sie Star in die gewünschte Richtung lenkte.

Als das Haus und der Stall hinter ihnen in der Ferne verschwanden, erreichten sie das offene, mit Salbei bewachsene Land, das das Vorankommen für Reiter und Pferd deutlich erleichterte.

„Es ist sehr schön hier“, sagte Rebecca. „Der Ausritt auf Star lässt mich diesen Nachmittag fast vergessen.“

Jake musterte sie besorgt. „Ich hatte gehofft, dass du die Antworten bekommst, nach denen du gesucht hast.“

Sie lachte bitter auf. „Oh ja, ich habe jede Menge Antworten bekommen. Sie waren nur ganz anders, als ich erwartet habe.“

„Willst du mir davon erzählen?“

Zu ihrer eigenen Überraschung wollte sie das tatsächlich. Von allen Menschen, die sie kannte, war Jake derjenige, der sie am besten verstehen würde.

Und so berichtete Rebecca ihm die ganze traurige Geschichte und endete schließlich

mit Gwyns Geisteshaltung. „Obwohl ihre Schwester tot ist, hat sie noch immer einen unglaublichen Hass auf sie. Eigentlich sollte man doch denken, dass ein Mensch nach all den Jahren in der Lage wäre, zu vergeben und zu vergessen.“

Nachdenklich hob Jake seinen grauen Hut etwas an und fuhr sich durch die dichte Haarpracht. „Dass du ihr von diesen Briefen erzählt hast, hat ihr wahrscheinlich den Rest gegeben. So erfuhr sie, dass ihr Ehemann tatsächlich eine andere Frau geliebt hat. Und dass sie sich an etwas geklammert hat, das ihr von Anfang an nie wirklich gehört hat. Dich eingeschlossen. Für die meisten Menschen wäre das eine verdammt bittere Pille.“

An etwas geklammert, das ihr nie wirklich gehört hat.

Jakes Worte trafen sie wie ein Blitz. Tat das nicht auch sie selbst? Sich an ihrer Trauer über den Verlust einer Mutter festzuklammern, die sie nie gekannt hatte? Und an ihrer Abneigung gegenüber einer Mutter, die sie immer angetrieben hatte, mehr zu tun und besser zu werden?

„Damit hast du vielleicht recht“, murmelte sie finster.

Irgendwann veränderte sich die Umgebung, wurde zu einer niedrigen Hügellandschaft mit ausgewaschenen Bodenrinnen. Als sie einen der Hügel hinaufritten, rückten eine Windmühle und ein Wassertank in ihr Blickfeld.

Jake deutete mit einem Nicken in diese Richtung. „Du brauchst wahrscheinlich eine Pause“, sagte er. „Lass uns dort hin reiten und die Pferde tränken.“

„Klingt gut.“

    Nach zehn Minuten hatten sie die Windmühle erreicht, und bis dahin machte sich bei Rebecca das Sitzen im Sattel bemerkbar. Als Jake ihr auf den Boden hinunter half, zitterten ihre Beine vor Erschöpfung, und sie musste sich einen Moment lang an seinem Arm festklammern.

„Tut mir leid“, sagte sie mit selbstironischem Lachen. „Wenn es ums Reiten geht, bin ich wahrscheinlich eine ziemliche Memme.“

Er lächelte sie an. Und als ihre Blicke sich trafen, konnte Rebecca nur mühsam dem Verlangen widerstehen, die Arme um ihn zu schlingen, ihm zu sagen, dass sie ihn liebte, ihn immer brauchen und bei sich haben wollte.

Würde es etwas ändern, wenn er wusste, was sie für ihn empfand? Oder würde sie sich damit nur lächerlich machen?

„Das würde ich so nicht sagen. Du musst dich erst daran gewöhnen“, sagte er und griff nach den Zügeln der beiden Pferde. „Ich führe sie zur Tränke. In der Zwischenzeit kannst du schon mal einen Platz zum Hinsetzen suchen.“

Nachdem die Pferde getränkt waren, band er sie locker an einen Holzpfahl, der zu der Windmühle gehörte. Rebecca hatte sich inzwischen auf einem grasbewachsenen Abhang niedergelassen.

Jake ging zu ihr und setzte sich neben sie.

„Geht es dir jetzt besser?“

Sie wandte den Blick ab, und er sah, dass sie schwer schluckte. „Ein bisschen.“

Er begann, ihren Oberarm zu massieren, und wünschte sich dabei, er könne den Schmerz in ihrem Innern genauso leicht wegwischen. „Es ist schlimm zu erfahren, dass die eigenen Eltern ganz anders sind, als man immer gedacht hat.“

Jetzt sah sie ihn wieder an, und der feuchte Glanz in ihren Augen rührte ihn.

„Ja, du müsstest das verstehen, Jake.“ Sie lächelte schwach und berührte seine Wange. „Tut mir leid, ich bin heute Abend keine besonders gute Gesellschaft.“

„Ich bin nicht gekommen, weil ich Gesellschaft gesucht habe, sondern …“ Er hielt inne und räusperte sich. „Weil ich dachte, dass du mich vielleicht brauchst.“

Jetzt schwoll der Glanz in ihren Augen zu einem ausgewachsenen Tränenfluss an. Rebecca stöhnte erstickt auf, schlang die Arme um seinen Hals und schmiegte sich an ihn. „Oh, Jack, ich brauche dich! Ich will, dass du mit mir schläfst. Jetzt. Sofort. Bitte.“

Jake wusste nicht, was er erwartet hatte, doch mehr musste sie nicht sagen. Er schlang die Arme um sie und näherte sich ihrem Mund.

Als ihre Lippen sich trafen, spürte Jake sofort, wie aufgewühlt sie war.

Sie stieß die Zunge zwischen seine Zähne, während sie die Finger in seine Schultern krallte.

Ein Stöhnen formte sich tief in seiner Kehle, als ihn die Leidenschaft mit heißer Wucht traf, und ihm wurde fast schwindlig.

Auch wenn Rebecca ihn nur benutzte, um ihre Probleme zu vergessen, war Jake das egal. Ihr Geschmack und ihr Duft reizten seine Sinne und steigerten sein Verlangen ins Unermessliche. Was wollte er mehr?

Arm in Arm sanken sie ins Gras.

Etwas Hartes und Scharfes stach ihn in die Seite, doch Jake spürte den Schmerz nicht, denn er war viel zu erregt.

Als ihre Münder sich schließlich trennten, rollte sich Jake auf den Rücken und zog Rebecca auf sich. Mit heiserer Stimme erklärte er: „Der Boden ist zu hart für dich.“

Während sie den Kopf hob, um ihn anzusehen, stützte sie sich mit den Unterarmen auf seiner Brust ab. „Für dich auch.“

Jake lachte und stöhnte zugleich. „Komm einfach her.“ Er zog sie zu sich heran.

Rebecca wehrte sich nicht dagegen. Im Gegenteil – sie erwiderte seinen Kuss so hingebungsvoll, dass sein ganzer Körper in Aufruhr geriet. Und als sie sein Hemd aufknöpfte und eine Spur winziger Küsse auf seine Brust und seinen Bauch hauchte, blieb ihm nichts anderes übrig, als diese zärtliche Behandlung einfach über sich ergehen zu lassen.

Doch sie wollten – und brauchten – mehr. Kleidung und Stiefel waren rasch ausgezogen und beiseitegeworfen.

Rebecca drückte ihn auf den Rücken und setzte sich auf seine Hüften.

Jake sah den dunkler werdenden Abendhimmel. Ein paar Schritte hinter ihnen schlugen die Pferde mit dem Schweif und traten nach lästigen Insekten. Im Tank gluckste das Wasser, und eine Windmühle knarzte in der kühlen Abendbrise.

Das alles nahm er allerdings nur am Rande wahr. Doch als Rebecca buchstäblich über ihn herfiel, konnte er keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Um nicht noch den letzten Rest seiner Selbstkontrolle einzubüßen, klammerte Jake sich mit beiden Händen an ihre Hüften und versuchte, ihre Stöße zu verlangsamen.

Genauso gut hätte er versuchen können, den Wind aufzuhalten. Ein tobender Sturm ließ sich nicht zu einer schwachen Brise herunterbremsen.

Gemeinsam erlebten sie wenige Augenblicke später einen Höhepunkt, der geradezu wie ein Orkan über sie hinwegfegte.

Als Jake schließlich ins Diesseits zurückkehrte, lag Rebecca auf ihm, hatte die Wange an seine Brust gedrückt und die Hände auf seine Schultern gelegt.

Sie regte sich nicht. Nur ihre Brüste hoben und senkten sich beim Atmen. Ihr schwacher Atem liebkoste dabei seine Haut. Ihre blonden Haare hatten sich auf seiner Brust ausgebreitet.

Jake strich ihr einige widerspenstige Strähnen aus dem Gesicht.

Jetzt bewegte sie sich und hob leicht den Kopf, um Jake anzusehen.

Als Jake in ihre blauen Augen blickte, war er überrascht, wie zufrieden und erfüllt er sich dabei fühlte.

Er hatte nicht mitgezählt, wie oft sie sich in den letzten Wochen geliebt hatten. Man hätte annehmen können, dass ihn ihre Vertrautheit allmählich langweilte. Stattdessen erregte sie ihn. Jede Kurve, jede Beschaffenheit und jeder Duft ihres Körpers war immer wieder von Neuem ein Genuss.

Jedes geflüsterte Wort, jede Berührung und jeder Kuss von ihren Lippen waren das Kostbarste, das er je geschenkt bekommen hatte.

Sie zu lieben war wie eine Heimkehr. Und mit jedem Mal wurde es schöner.

Für Jake war das eine beängstigende Erkenntnis, mit der er nicht umzugehen wusste. Am liebsten wollte er ihr seine Gefühle gestehen. Aber andererseits scheute er davor zurück. Er wollte diese zarten Gefühle verbergen, die sehnsuchtsvollen Gedanken, die sich in seinem Herzen abspielten. Er wollte nicht, dass sie wusste, wie verletzlich er sich bei ihr fühlte. Wenn der endgültige Abschied kam, würde er sich dann nur noch unbeholfener und unwohler fühlen.

„Es wird bereits dunkel“, murmelte er mit tiefer Stimme. „Wir sollten besser aufstehen und zurückreiten.“

Rebecca sah ihn lange an. Dann seufzte sie leise und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. „Gönn mir nur noch ein paar Minuten, Jake. Bitte.“

Wie konnte er ihr diesen Wunsch abschlagen, wo er sie doch am liebsten selbst bis in alle Ewigkeit in den Armen gehalten hätte? „Na gut“, murmelte er. „Wir warten noch eine Weile.“

Er hielt sie schweigend fest, bis die Abenddämmerung zur Nacht wurde, und im Osten die Sichel eines Halbmondes über den zerklüfteten Bergspitzen aufging.

Danach zogen sie sich eilig an, bestiegen ihre Pferde und ritten heimwärts.

    Als sie den Stall erreichten, nahm Jake beiden Pferden die Sättel ab. Und während Rebecca Stars Futtertrog füllte, brachte er das Zaumzeug zusammen mit Banjo in den Anhänger.

Nachdem die Tiere versorgt waren, lud ihn Rebecca auf ein leichtes Abendessen mit belegten Sandwiches und Eistee ein.

Während des schlichten Mahls wechselten sie nur wenige Worte, bis Jake sich schließlich über den Tisch beugte und ihr Kinn mit seinem Zeigefinger sanft anhob. „Was ist mit dir los, Rebecca? Erzähl mir nicht, dass es nur wegen Gertrude und deinen Eltern ist. Dich quält doch noch etwas anderes. Komm schon. Heraus mit der Sprache.“

Sie schloss die Augen und schluckte. „Ich kann es dir nicht erklären, Jake. Nach dem heutigen Tag … nach dem Gespräch mit meiner Mutter, da …“ Sie lachte freudlos auf und schüttelte den Kopf. „Lieber Gott, ich kann Gwyn nicht einmal mehr meine Mutter nennen. Sie ist nur meine Tante. Gertrude war meine Mutter.“

„Rebecca.“

„Es tut mir leid, Jake. Ich erzähle nichts mehr von ihr, oder von dem, was zwischen uns vorgefallen ist. Die ganze Geschichte hat mich zutiefst verwirrt. Und mir wird klar, dass ich die ganzen letzten Wochen hier in New Mexico in einer Art Schwebezustand gelebt habe.“

Ein unheilvolles Frösteln ging durch seinen Körper. „Was willst du damit sagen?“

Sie sah ihn lange und forschend an, und Jake kam sich unter diesem Blick klein und feige vor. So hatte er sich noch nie gefühlt.

Du bist und bleibst in jeder Hinsicht wie dein Vater, Jake. Im Guten wie im Schlechten.

Oh, Gott, weshalb suchten die Worte seiner Mutter ihn ausgerechnet in diesem Moment heim? Weil es die Wahrheit war? Weil er kein Mann war, der eine einzige Frau lieben und ihr treu sein konnte?

Rebecca ergriff seine Hand und drückte sie. „Ich will damit sagen, dass ich einfach nur vor mich hingelebt habe, ohne zu wissen, wer ich bin und woher ich komme. Ich wollte glauben, dass ich hierher gehöre. Allmählich merke ich jedoch, dass ich mir etwas vorgemacht habe.“

„Ich dachte, dir gefällt es hier.“

Sie wich seinem Blick aus und zog die Hand auf ihre Seite des Tisches zurück. „Das tat es auch. Das tut es“, sagte sie. „Ich muss jedoch mehr tun, als nur zu existieren. Und es gibt nichts, was mich hier noch hält.“

Das tat weh. So weh, dass das Blut aus seinem Gesicht wich. Er war für sie also nichts?

Whoa, Jake. Bevor du verletzt und verschnupft reagierst, solltest du mal einen genauen Blick auf die ganze Situation werfen – und auf dich selbst. Du hattest mit dieser Frau unglaublichen Sex, ohne ihr jemals zu sagen, was er dir bedeutet hat. Was sie dir bedeutet. Wie kannst du erwarten, dass sie nicht mehr als nur eine vorübergehende Affäre in dir sieht?

Seine innere Stimme brachte ihn ins Grübeln. Einen Moment lang hatte er beinahe vergessen, dass Rebecca nur eine kurze Affäre in seinem Leben war. Mehr hatte er nie gewollt – da konnte er jetzt nicht erwarten, mehr von ihr zu bekommen. „Du hast dieses Haus und die Tiere.“

„Ja, aber ich brauche auch Geld zum Leben. Gert… Meine Mutter hat mir zwar eine hübsche Summe hinterlassen, und ich habe auch eigene Ersparnisse, aber wenn ich nicht arbeite, wird das alles schnell aufgebraucht sein.“

„Und dein Arbeitsplatz ist in Houston.“ Jake wusste, dass seine Stimme gefühllos klang, vielleicht sogar anklagend. Aber, verdammt noch mal, er wollte nicht, dass Rebecca fortging. Zumindest jetzt noch nicht.

„Nun, ich bezweifle tatsächlich, dass hier in der Gegend eine Modeeinkäuferin gesucht wird.“ Sie lächelte ihn schief an. „Und etwas anderes habe ich nun einmal nicht gelernt.“

Trotz der Wärme wurde ihm kalt, und sein Gesicht war wie eingefroren. „Das ist sicher ein toller Job, und du machst ihn bestimmt gut.“

„Ich habe Jahre auf dem College verbracht und viele Stunden Arbeit investiert, um diese Position zu erreichen. Wenn ich hierbleibe, setze ich das alles aufs Spiel.“

Jake stand vom Tisch auf, schüttelte den Kopf und kam zu ihr. „Bisher hattest du dir aber noch keine großen Sorgen um deinen Job gemacht. Ich verstehe nicht, was diesen plötzlichen Wandel ausgelöst hat. Vorhin, bei der Windmühle … hast du da auch schon daran gedacht?“

Das Blut schoss ihr in die Wangen, und sie senkte den Blick. „Um ehrlich zu sein, denke ich jeden Tag daran. Und vorhin, als wir nach Hause geritten sind, wurde mir klar, dass ich es nicht weiter hinauszögern kann. Ich fahre nach Houston zurück.“

Genauso gut hätte sie Jake eine Ohrfeige verpassen können. Und dann dämmerte es ihm. Zum ersten Mal in seinem Leben bekam er genau das serviert, was er vielen seiner Frauen jahrelang lang aufgetischt hatte. Ein kurzes Vergnügen zwischen den Laken und dann einen schnellen Abschied.

Er rieb sich das Gesicht und wandte sich ab. „Verstehe. Und was ist mit Beau und den anderen Tieren?“

Als sie nicht sofort antwortete, blickte er über seine Schulter und sah, wie sich über die Augen wischte. Und plötzlich wurde er wütend. Wütender als je zuvor in seinem Leben. Warum hatte sie denn nicht schon längst ihre Sachen gepackt und war abgereist? Wieso, zum Teufel, war sie geblieben und hatte ihn dazu gebracht, sich in sie und die Tiere zu verlieben?

„Ich möchte, dass Star genügend Auslauf bekommt. Deshalb nehme ich ihn nicht mit nach Houston und sperre ihn dort in einen Stall. Und da in meiner Wohnung keine Haustiere erlaubt sind, muss ich für die Katzen und für Beau ein neues Zuhause finden.“

„Sie haben bereits ein Zuhause“, entgegnete er schroff. „An einem anderen Ort verlaufen sie sich.“

Rebecca hob den Kopf und sah genauso wütend aus wie er selbst. „Mach es mir nicht schwerer, als es ohnehin bereits ist.“

Er drehte sich um, ging zu ihr zurück und machte eine ausladende Handbewegung. „Was ist mit diesem Haus? Was hast du damit vor? Verkaufen?“

Sie rümpfte die Nase. Bei ihm klang das, als sei sie eine Kriminelle, nur weil sie fortging. „Das war das Haus meiner Mutter. Ich werde es nie verkaufen.“

„Du wirst hier nur nicht mehr leben.“

Sie warf ihm einen herausfordernden Blick zu. „Warum sollte ich auch?“

„Ja, warum solltest du?“ Vorhin hatte Jake seinen grauen Stetson auf dem Kühlschrank abgelegt. Jetzt griff er danach und setzte ihn auf. „Wenn du das wirklich fragen musst, dann kann ich dir keine Antwort geben.“

Sie trat ihm in den Weg. „Du hast kein Recht, mich zu verurteilen, Jake.“

Stimmt, dachte er betreten. „Tut mir leid, Rebecca. Ich möchte nicht, dass unsere gemeinsame Zeit von diesen letzten Worten getrübt wird. Darum verabschiede ich mich einfach. Aber falls du irgendwann einmal beschließen solltest zurückzukommen, dann weißt du ja, wo du mich findest.“

Damit sie ihre Affäre fortsetzen konnten? Rebecca war drauf und dran, ihm diese Frage entgegenzuschleudern. Doch dazu ließ er ihr gar keine Gelegenheit mehr, sondern drehte sich hastig um und verschwand durch die Tür.

Sekunden später hörte sie den Motor seines Trucks und dann, als er eilig davonfuhr, das Rattern des Anhängers.

In weiter Ferne war Stars leises Wiehern zu hören. Dieses Geräusch, mit dem die Stute nach Banjo rief, löste einen Tränenschwall bei ihr aus.

Auch sie wünschte sich, dass Jake zurückkam. Sie sehnte sich danach, dass er zurück in die Küche stürmte, sie in die Arme nahm und ihr sagte, dass er sie liebte. Dass sein einziger Platz der an ihrer Seite war.

Andererseits hatte sie ihm bereits alle nur erdenklichen Chancen gegeben, ihr diese Worte zu sagen. Sie zu bitten, nicht fortzugehen.

Stattdessen hatte er sich endgültig von ihr verabschiedet, und nun musste sie mit ihrem gebrochenen Herzen klarkommen.

Während sie mühsam die Tränen zurückhielt, spürte sie etwas Kaltes, Feuchtes an ihrer Hand. Als sie hinuntersah, entdeckte sie Beau, der mit traurigen Augen zu ihr aufblickte. Es schien, als würde er wissen, dass ihre gemeinsame Zeit sich dem Ende neigte.

Das war mehr, als Rebecca ertragen konnte. Sie sank auf die Knie und drückte den Hund an ihre Brust.


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