Mit dem Boss ins Bett? - Kapitel 12

Jaci fand, sie könne stolz sein auf ihr Herz. Es war so schlecht behandelt worden, dass es schließlich brach, aber es erfüllte immer noch seine Aufgabe. Es pumpte zuverlässig Blut durch ihren Körper. Allerdings gab es ihr auch mit jedem Schlag zu verstehen, dass sie Ryan noch immer liebte. Himmel, wie sehr er ihr fehlte!

    Sie schalt sich selbst einen Dummkopf, denn in den vergangenen zehn Tagen hatte Ryan sich nicht bei ihr gemeldet – was nur heißen konnte, dass er mit ihr gespielt hatte. Er hatte den Sex mit ihr genossen, ihr aber keine tiefergehenden Gefühle entgegengebracht. Sonst hätte er sich längst mit ihr in Verbindung gesetzt.

    Mit dieser schmerzlichen Tatsache musste sie sich wohl abfinden. Im Übrigen gab es genug andere Probleme, mit denen sie sich beschäftigen konnte. Ihre Karriere als Drehbuchautorin hatte ein vorzeitiges Ende genommen, und es gab nichts, was sie dagegen tun konnte. Ehe sie ihren Schreibtisch bei Starfish geräumt hatte, waren ihr eine Menge Gerüchte zu Ohren gekommen. Selbst wenn sich nur ein Zehntel davon als wahr erwies, gingen die Chancen, dass „Blown Away“ je gedreht würde, gegen null. Der Film hätte ihr Durchbruch als Autorin werden können. Wenn er nicht in die Kinos kam, würde sie sich vorerst keinen Namen machen. Sie konnte nur hoffen, dass sie irgendwann mit einem anderen Drehbuch Erfolg haben würde.

    Jaci seufzte. „Blown Away“ wäre ein Kassenschlager geworden, dessen war sie sich sicher. Zusammen mit dem Film wären auch die Schauspieler, der Produzent, der Regisseur und die Drehbuchautorin berühmt geworden. Somit hätte sie das Ziel erreicht, nach dem sie sich immer gesehnt hatte.

    Seltsamerweise war der berufliche Erfolg ihr jetzt nicht mehr besonders wichtig. Seit jenem Gespräch mit ihrer Mutter und ihrer Schwester auf der Terrasse ihres Elternhauses war Jacis Bedürfnis, sich zu beweisen, beinahe verschwunden. Die unerwartete Anerkennung vonseiten ihrer Familie hatte ihr gutgetan. In Zukunft würde sie schreiben, weil es ihre Berufung war und weil es sie glücklich machte. Natürlich war es ihr nicht plötzlich gleichgültig, ob sie Erfolg hatte. Doch sie wusste nun, dass sie gut in ihrem Job war. Das war die Hauptsache.

    Ein weiterer Seufzer, ein Seufzer der Erleichterung. Es fühlte sich gut an, nicht mehr von dem verzweifelten Wunsch, sich zu beweisen, getrieben zu werden.

    Ich bin ich, und das ist genug. Wenn dieser idiotische, wunderbare Mann meine Qualitäten nicht zu schätzen weiß, dann ist er selbst schuld.

    Es schellte.

    Ein Blick auf die Uhr zeigte Jaci, dass es auf Mitternacht zuging. Viel zu spät für einen Höflichkeitsbesuch. Wer also mochte es sein? Gab es irgendetwas, das nicht bis zum nächsten Morgen warten konnte?

    Da der späte Besucher den Finger nicht von der Klingel nahm, erhob Jaci sich schließlich und drückte den Knopf der Gegensprechanlange. „Hallo?“

    Niemand antwortete. Hatte ein Betrunkener die falsche Klingel erwischt? Jaci zuckte die Schulter und beschloss, ins Bett zu gehen. Mit etwas Glück würde sie rasch einschlafen und nicht von Ryan träumen.

    Sie hatte die Tür zum Schlafzimmer bereits geöffnet, als jemand laut an die Wohnungstür klopfte. Jaci fuhr herum. Zögernd ging sie zurück, um durch den Spion zu schauen.

    Verflixt, es war Ryan! Was dachte er sich dabei, mitten in der Nacht bei ihr aufzutauchen? Hätte er sich nicht eine bessere Zeit für ein Gespräch aussuchen können? Er musste verrückt sein!

    „Jaci, bitte, mach auf!“

    Ihr Herz machte einen Sprung, als sie Ryans Stimme hörte. Dummes Herz! „Nein.“

    „Jaci, wir müssen reden.“

    Sie vergaß, dass sie nichts als ein uraltes Rugby-Shirt ihres Bruders trug und dass ihr Haar aussah, als hätte ein Vogel darin genistet. Wütend riss sie die Tür auf, schaute Ryan böse an und sagte: „Lass mich in Ruhe!“

    Er öffnete den Mund.

    „Verschwinde!“ Sie wollte die Tür zuschlagen, doch Ryan war schneller. Er schob Jaci einfach zurück in ihr Apartment, zog die Tür hinter sich ins Schloss und schlüpfte aus seiner Lederjacke.

    Schatten lagen unter seinen Augen, und er wirkte ungewöhnlich blass. Ja, er sah erschöpft aus. Die letzten Tage schienen auch für ihn nicht leicht gewesen zu sein.

    Geschieht ihm recht, dachte Jaci, schämte sich aber sofort für ihre Rachsucht. Eigentlich hätte sie Ryan am liebsten in die Arme genommen, um ihn zu trösten. Sie liebte ihn. Würde es wahrscheinlich immer tun. Verdammt!

    Doch das zu zeigen verbot ihr ihr Stolz. Also kreuzte sie die Arme vor der Brust und sagte kühl: „Was willst du?“

    Ryan schob die Hände tief in die Taschen seiner Jeans. „Ich bin hier, um dir mitzuteilen, dass ich jemanden gefunden habe, der ‚Blown Away‘ finanziert.“

    Ach, wirklich? Wer hätte das gedacht!

    Jaci wurde klar, dass Ryan nichts von ihren sarkastischen Gedanken ahnte. Also warf sie ihm einen weiteren bösen Blick zu. „Deshalb bist du hier?“

    Er sah verwirrt aus. „Ja, ich nahm an, dass du dich freuen würdest.“

    Sie schob sich an ihm vorbei, öffnete die Tür zum Flur und befahl: „Raus!“

    „Es ist nicht Banks, der uns das Geld für den Film zur Verfügung stellt, sondern …“ Er zögerte. „Sondern jemand anderes.“

    „Es wäre mir selbst dann egal, wenn ein Kobold es dir gegeben hätte!“

    „Jaci …“ Ryan hatte sich noch immer nicht von der Stelle gerührt. „Was ist verdammt noch mal los mit dir? ‚Blown Away‘ wird dein Durchbruch. Ich dachte, das wäre es, was du dir wünschst.“ Seine Miene verriet, dass er nicht nur verwirrt, sondern auch ein wenig verärgert war. „Ich habe mir den Hintern aufgerissen, um einen Finanzier zu finden. Und du hast mir nichts anderes zu sagen, als …“

    „Als dass du verschwinden sollst, ja. Schließlich habe ich dich nicht darum gebeten, irgendetwas wegen des Films zu unternehmen. Du hattest tagelang Zeit, dich bei mir zu melden. Aber du hast mich komplett ignoriert.“

    „Du hast wahrscheinlich recht. Ich hätte dich anrufen sollen.“

    „Wahrscheinlich?“ Sie merkte, dass sie beinahe schrie, und schloss die Tür mit einem Fußtritt. Was sie Ryan zu sagen hatte, ging die Nachbarn nichts an. „Du hättest unbedingt anrufen müssen. Du kannst dich nicht nach Lust und Laune in mein Leben drängen und dann ohne ein Wort wieder verschwinden. Ich bin keine Puppe, die man einfach in die Ecke schmeißt, wenn man gerade keine Lust hat, mit ihr zu spielen.“

    „Stimmt, du bist keine Puppe, sondern eine unerträgliche Nervensäge.“ Er streckte die Hände aus. Und ehe Jaci begriff, was er vorhatte, zog er sie auch schon an sich. Sie spürte deutlich, wie erregt er war.

    „Du treibst mich in den Wahnsinn“, warf er ihr vor. „Mein erster Gedanke am Morgen und der letzte am Abend gilt dir. Und ärgerlicherweise auch jeder Gedanke in den Momenten dazwischen.“ Er beugte sich zu ihr hinab, presste seine Lippen auf ihre und drang mit der Zunge in ihren Mund ein.

    Jacis Knie wurden weich. Ryans Nähe, die Wärme seines Körpers, sein männlicher Duft, der Geschmack seiner Küsse, das alles wirkte auf sie wie eine Droge. Es war berauschend, und es machte abhängig.

    Als Ryan begann, ihre Brüste zu streicheln, überlief Jaci ein heißer Schauer. Oh ja, sie wollte das. Sie wollte alles, was er ihr zu geben hatte. Wenigstens dieses eine Mal noch wollte sie eins werden mit ihm. Danach würde sie ihn aus ihrer Wohnung und ihrem Leben verbannen.

    „Wie gut es sich anfühlt, dich in den Armen zu halten“, flüsterte Ryan, als er den Kuss beendete. „Es hat mir gefehlt …“

    Im ersten Moment machten seine Worte sie glücklich. Doch dann wurde ihr klar, was er gesagt hatte. Es hatte ihm gefehlt, nicht sie. Er hatte den Sex mit ihr genossen. Und auf diesen Genuss wollte er nicht verzichten. Deshalb war er hier. Nicht weil er sie liebte.

    Es kostete sie enorme Willenskraft, aber es gelang ihr, Ryan ein Stückchen fortzuschieben. „Lass mich los!“, zischte sie.

    Er gab sie frei, trat einen halben Schritt zurück, schaute sie überrascht an. „Jaci, was …“

    Sie schüttelte heftig den Kopf, entfernte sich rasch von Ryan und blieb schließlich neben dem Tisch stehen. Sie brauchte diesen räumlichen Abstand, wenn sie klar denken wollte. Ryan wollte Sex. Sie wollte mehr. Jaci holte tief Luft. Es war an der Zeit, nicht nur sich selbst gegenüber ehrlich zu sein, sondern auch Ryan die Wahrheit zu sagen. Sie würde ihm sagen, dass sie ihn liebe. Und er würde gehen. Weil er kein Interesse an mehr hatte. Ihre Zeit mit ihm war abgelaufen.

    Du schaffst das, sagte sie sich selbst. Du bist stärker, als du glaubst.

    Sie schaute Ryan fest an. Er sah zerzaust aus. Verwirrt. Und sexy. Unglaublich sexy.

    So erschöpft er auch sein mag, es fehlt ihm nicht an Selbstbewusstsein, fuhr es Jaci durch den Kopf. Und warum verdammt noch mal war er so attraktiv? Verflixt, sie sehnte sich mit jeder Faser ihres Körpers nach ihm. Aber sie musste standhaft bleiben.

    „Ich mache das nicht länger mit“, stieß sie hervor.

    Er legte den Kopf schief, und um seinen Mund spielte ein Lächeln. Sie hätte ihn umbringen können für seine Überheblichkeit!

    „Tatsächlich?“, meinte er vollkommen gelassen. Seine muskulösen Arme hatte er vor der Brust gekreuzt. Er sah umwerfend aus. Stark, männlich, vertrauenerweckend.

    Aber sie durfte ihm nicht vertrauen! „Ja, tatsächlich“, schrie sie ihn an. „Ich werde New York verlassen, ich werde dich verlassen.“

    „Ganz bestimmt nicht.“

    Ihr Herz klopfte zum Zerspringen, und sie fühlte sich so schwach, dass sie sich Halt suchend an die Tischkante klammerte. „Ich weigere mich, dein Teilzeitspielzeug zu sein.“

    „Du bist nicht mein Spielzeug. Und da du mir ständig im Kopf herumspukst, kann auch von ‚Teilzeit‘ keine Rede sein.“

    „Ach? Wie kommt es dann, dass du nie da bist, wenn ich dich brauche?“

    Er senkte den Blick, und ein schuldbewusster Ausdruck trat auf sein Gesicht. „Ich habe Angst“, gestand er. „Wegen dir habe ich eine Heidenangst, Jaci.“

    „Wieso?“

    „Weil ich dich liebe.“

    Er lügt! Es kann gar nicht sein, dass er mich liebt.

    Ihre Stimme bebte, als sie sagte: „Wenn ich dir wirklich etwas bedeuten würde, hättest du dich anders verhalten. Du hättest mir nicht unterstellt, eine Affäre mit Clive zu haben. Du hättest mich nicht tagelang alleingelassen. Du hättest mich nicht derart verletzt.“

    Entsetzt schaute er sie an. „Ich wollte dir nie wehtun. Es tut mir so leid, Jaci. Bitte, glaub mir! Als du mit Clive aus dem Haus kamst, sahst du so glücklich aus. Was sollte ich denn daraus schließen, außer dass du dich mit ihm versöhnt hattest?“

    Sie schüttelte den Kopf.

 

„Dein Gesicht hatte den gleichen warmen Glanz wie … wie dann, wenn wir uns geliebt hatten!“ Ryans breite Brust hob und senkte sich im raschen Rhythmus seines Atems. „Ich war eifersüchtig! Ich hatte Angst, du würdest mir das Herz brechen. Schließlich war es noch nicht allzu lange her, dass du Clive geliebt hast.“

    „Meine Liebe erlosch in dem Moment, in dem ich von seinen seltsamen sexuellen Vorlieben erfuhr. Dass er mich belogen und betrogen hatte, konnte ich ihm nicht verzeihen. Schon als ich dich in New York traf, liebte ich ihn nicht mehr.“ Sie runzelte die Stirn. „Seit der Trennung von Clive habe ich mich verändert. Aber nie in meinem Leben hätte ich irgendwem absichtlich wehgetan. Erst recht nicht dir!“

    „Trotzdem macht es mir Angst, dass du mir so viel bedeutest.“ In Ryans Augen trat ein abwesender und zugleich gequälter Ausdruck. „Alle Menschen, die ich geliebt habe, haben mich irgendwann im Stich gelassen. Warum sollte sich das ausgerechnet jetzt ändern?“ Er zuckte die Schultern, zögerte kurz und fuhr dann fort: „Aber ich liebe dich. Und ich bin bereit, das Risiko auf mich zu nehmen. Für mich bist du das Wichtigste auf der Welt.“

    Jaci blieb misstrauisch. Das alles war zu schön, um wahr zu sein. „Ich glaube nicht, dass du mich liebst“, erklärte sie. Aber sie hörte selbst, wie hoffnungsvoll ihre Stimme plötzlich klang.

    „Oh doch, das tue ich“, widersprach Ryan. „Ich habe nicht damit gerechnet, jemals wieder so tiefe Gefühle für eine Frau zu entwickeln. Es ist gegen meinen Willen geschehen. Und nun liebe ich dich.“

    Nur mit Mühe konnte Jaci dem Wunsch widerstehen, sich ihm in die Arme zu werfen. „Dann solltest du nicht immer wegrennen, wenn wir einander näherkommen.“

    „Ich werde mir Mühe geben, das nie wieder zu tun.“ Seine Augen blickten jetzt warm und liebevoll. Er streckte die Hand aus und wartete, bis Jaci sie ergriff. Dann schloss er seine kräftigen Finger um ihre schmalen. Einen Moment lang starrte sie auf ihre Hände, die einander nun sehr, sehr fest hielten. Ihr war, als würde sie träumen. Sie hatte immer geglaubt, die schönste Liebeserklärung für eine Frau sei die, die ihr ein Mann machte, wenn er vor ihr kniete und sie bat, ihn zu heiraten. Eine romantische Umgebung, Mondlicht, ein Rosenstrauß … Nichts davon war bisher Wahrheit geworden. Und doch hatte sie sich nie zuvor so glücklich gefühlt.

    Ihr Gesicht begann zu strahlen. „Was erwartest du jetzt von mir?“, neckte sie Ryan. „Dass ich dir gestehe, wie sehr der Sex mit dir mir gefehlt hat?“

    „Nicht schlecht, aber du könntest mir schönere Geständnisse machen.“

    „Ach?“

    Als sie seine Emotionen in seinen Augen las, war jeder Wunsch, ihn weiter zu necken, verflogen. Er sah verunsichert und ein wenig verängstigt aus, als befürchte er, zurückgewiesen zu werden. Jaci entzog ihm ihre Hand und schlang beide Arme um ihn. „Ich liebe dich, Ryan“, flüsterte sie. „Natürlich liebe ich dich. Und das schon seit einer ganzen Weile.“

    Tief aufseufzend legte er seine Stirn an ihre. Angst und Anspannung wichen aus seinem Körper. „Dem Himmel sei Dank.“

    „Wie konntest du daran zweifeln? Ich schwöre, für einen klugen Mann bist du manchmal ziemlich dumm.“

    „Das fürchte ich auch.“ Er zog sie an sich und hielt sie fest.

    Eine Zeit lang standen sie eng aneinandergeschmiegt und ohne sich zu rühren.

    Dann hob Ryan den Kopf. Um seinen Mund spielte ein Lächeln. Seine Augen spiegelten Glück und Liebe wider. „Komm ins Bett, Schatz. Dort werde ich dir zeigen, wie leidenschaftlich ich dich liebe.“

    Sie vermochte der Versuchung, ihn noch einmal zu necken, nicht widerstehen. „Es geht dir also doch nur um Sex!“

    „Stimmt!“ Er schob ihr ein paar Ponyfransen aus der Stirn, streichelte ihre Wange, gab ihr ein Küsschen auf die Nasenspitze. „Welcher gesunde Mann würde Nein sagen, wenn eine so bezaubernde Frau wie du ihm die Möglichkeit bietet, eine leidenschaftliche Nacht mit ihr zu verbringen?“

    Sie lachte, sprang an Ryan hoch und schlang die Beine um seine Hüfte. „Ich hätte nichts gegen eine leidenschaftliche Nacht einzuwenden.“

    „Gut.“ Er trug sie ins Schlafzimmer, während sie bereits ungeduldig an den Knöpfen seines Hemdes nestelte.

 

Später – Ryan saß nur mit Boxershorts bekleidet auf Jacis Bett – aßen sie Eis aus einer Familienpackung.

    Was für ein Abend, dachte Jaci. Es kam ihr vor, als seien ihre Gefühle Achterbahn gefahren. Doch zum Glück hatte alles ein gutes Ende genommen. Sie war glücklich. Und erschöpft. Aber es waren so viele Fragen offengeblieben. Mindestens auf eine brauchte sie noch eine Antwort, ehe sie sich an Ryans Seite schlafen legen konnte.

    „Hast du vorhin gesagt, dass du das Geld für ‚Blown Away‘ aufgetrieben hast?“

    Er schob sich einen Löffel Eis in den Mund. „Hab ich.“

    „Und diesmal müssen wir nicht für irgendwen Theater spielen?“

    „Wir werden nie wieder Theater spielen, was unsere Beziehung betrifft. Diesmal ist alles echt.“ Er löffelte das letzte bisschen Eis aus der Schachtel. „Hast du wirklich nichts anderes zu essen da? Ich bin am Verhungern.“

    „Nein, ich habe eine Ich-hasse-alle-Männer-Diät gemacht. Und die besteht aus Eiscreme und Wein.“ Sie warf ihren Löffel in die leere Eispackung. „Nun verrate mir endlich, wer der Finanzier ist. Nicht Banks, sagst du?“

    „Nicht Banks“, bestätigte er. „Obwohl ich noch einmal mit ihm gesprochen habe. Er bot mir an, mir die Hälfte der benötigten Summe zur Verfügung zu stellen, wenn ich dir kündige und ihm ein weitgehendes Mitspracherecht bei den Dreharbeiten zu ‚Blown Away‘ einräume.“

    „Du würdest ihm niemals erlauben, dir ins Handwerk zu pfuschen!“

    „Stimmt. Vor allem aber hätte ich den Film nicht ohne dich machen wollen.“ Er schaute zur Tür. „Bist du sicher, dass es in deinem Kühlschrank nichts Essbares mehr gibt?“

    Jaci hatte schon den Mund zu einer Antwort geöffnet, als ihr klar wurde, dass Ryan versuchte, das Thema zu wechseln. „Von wem bekommst du das Geld denn nun?“

    Er kniete sich auf die Matratze, beugte sich zu Jaci hinüber und begann, an ihrem Ohrläppchen zu knabbern. Sie schob ihn fort. „Jackson, ich lasse mich nicht ablenken. Ich will wissen, wer der Finanzier ist.“

    Einen Moment lang starrte er auf seine Hände. Dann sagte er so leise, dass Jaci ihn kaum verstand: „Chad Bradshaw.“

    Hatte sie sich verhört? „Chad Bradshaw? Dein Vater will den Film finanzieren?“, vergewisserte sie sich.

    „Kennst du noch einen anderen Chad Bradshaw?“

    Jaci fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Warte, da komme ich nicht ganz mit. Hast du nicht behauptet, dass du nie wieder ein Wort mit ihm reden würdest?“

    Er zuckte die Schultern.

    „He, so geht das nicht. Wir sind ein Paar. Du schuldest mir nicht nur viele Nächte mit tollem Sex, sondern auch die eine oder andere Erklärung.“

    „Okay, okay. Ich bin zu ihm gefahren. Aus seinen Mails wusste ich ja schon seit Längerem, dass er gern in eines meiner Projekte investieren wollte. Ich brauchte Geld für ‚Blown Away‘. Also beschloss ich, Chad eine Chance zu geben.“

    „Das verstehe ich nicht. Kürzlich hast du noch gesagt, dass du auf die Verfilmung meines Drehbuchs verzichten würdest, wenn die Alternative wäre, dass du mit deinem Vater Kontakt aufnehmen müsstest.“

    Ryan legte ihr den Arm um die Schulter. „Thom und ich, wir hätten ein anderes Projekt für Starfish gefunden. Aber deine Karriere wäre ohne ‚Blown Away‘ erst einmal zu Ende gewesen.“

    Es dauerte beinahe eine Minute, ehe Jaci begriff, was Ryan gesagt hatte. Sie spürte, wie ihre Liebe für ihn weiter wuchs – obwohl sie das eben noch für unmöglich gehalten hätte. „Du hast meinetwegen den Mann aufgesucht, denn du hasst?“, fragte sie verwundert.

    „Hm … Hass ist vielleicht doch nicht das richtige Wort.“ Er drückte Jaci einen Kuss auf die Schläfe. „Dein Drehbuch ist fantastisch. Aber wenn niemand es verfilmt, könnte es Jahre dauern, bis dein Talent Anerkennung findet. Ich wollte nicht, dass du so lange warten musst. Also tat ich, was getan werden musste, damit du dir einen Ruf als Drehbuchautorin machen kannst.“

    Sie schmiegte sich an ihn. „Du liebst mich wirklich.“

    „Viel mehr, als ich je für möglich gehalten hätte.“

    Ihr Herz machte einen Sprung. „Hat dein Vater versucht, dich zu demütigen?“

    „Nein. Er benahm sich ganz anders, als ich erwartet hatte.“ Ryan holte tief Luft, ehe er Jaci von seinem Gespräch mit Chad erzählte. „Tatsächlich glaube ich“, schloss er, „dass Bens Tod ihn verändert hat. Chad hat damals ja sogar versucht, mich vor weiteren Schmerzen zu schützen. Deshalb hat er dafür gesorgt, dass die Doku über Ben nicht gedreht wurde.“

    „Er hätte offen mit dir darüber reden sollen.“

    „Vermutlich hätte ich ihm nicht zugehört. Jetzt allerdings konnte und wollte ich die Ohren nicht verschließen vor dem, was er zu sagen hatte. Er meint, dass Treue für Ben und Kelly – genau wie für viele andere in Hollywood – nicht so wichtig gewesen sei. Den beiden sei nicht klar gewesen, wie schrecklich es für mich sein musste, hintergangen zu werden.“

    „Es hätte ihnen klar sein müssen!“, rief Jaci entrüstet. „Es macht mich wütend, dass sie dich so … so gemein behandelt haben.“

    „Du bist der erste Mensch, der derart für mich eintritt.“ Ryan drückte ihre Hand.

    „Okay, gewöhn dich daran. Ich werde stets bereitstehen, um dich mit Zähnen und Klauen zu verteidigen.“ Er sah ein wenig verlegen drein, also fuhr Jaci rasch fort: „Hat Chad sonst noch etwas Interessantes gesagt?“

    „Er hat versprochen, ohne Gage an der Doku über Ben mitzuwirken, wenn ich mich doch noch entschließen sollte, sie zu produzieren. Aber ich weiß nicht, ob ich …“

    „Wenn du so weit bist, wirst du es wissen.“

    Ryan nickte. Dann umschloss er ihr Gesicht mit den Händen. Lange schaute er ihr tief in die Augen. Sein Blick war voller Liebe. „Ich glaube, ich habe die Vergangenheit endlich hinter mir gelassen. Vor mir liegt eine wunderbare Zukunft. Die Zukunft mit dir. Du machst mich glücklich, Jaci.“ Tränen der Rührung stiegen ihr in die Augen. „Du hast mir gezeigt, wie schön das Leben sein kann. Ehe du in mein Leben gepurzelt bist, war mir nicht bewusst, wie einsam ich war. Nun wünsche ich mir nur eines: dich glücklich zu machen.“

    „Für wie lange?“, flüsterte sie.

    „Für immer, wenn du das zulässt.“

    Sie lächelte und bot ihm dann ihre Lippen zum Kuss. „Unsere Liebe wird ewig dauern“, versprach sie.

 

– ENDE –

 

 


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