Bianca Exklusiv Band 399

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  • Erscheinungstag 28.03.2026
  • Bandnummer 399
  • ISBN / Artikelnummer 0852260399
  • Seitenanzahl 448

Leseprobe

JoAnna Sims, Teresa Southwick, Tracy Madison

BIANCA EXKLUSIV BAND 399

JoAnna Sims

1. KAPITEL

Mackenzie Brand parkte ihren 1960er Chevrolet und stellte den Motor ab. Sie stützte sich auf das Lenkrad und betrachtete durch die Frontscheibe die schicken Strandhäuser von Mission Beach, Kalifornien. Dann warf sie einen Blick auf die Adresse, die sie von ihrer Cousine Jordan bekommen hatte, und verglich sie mit dem Schild an dem weißen, dreistöckigen Gebäude auf der linken Seite. Seufzend schnallte sie sich los und zog den Zündschlüssel ab.

„Na gut. Nicht gerade deine Kreise. Aber Job ist Job, und ein Gefallen ist ein Gefallen.“ Mackenzie stieg aus, schloss ab und ließ den Schlüssel in ihre Recyclingtasche fallen. Auf dem Weg zur Haustür hörte sie eine Mischung aus Classic Rock, lauten Stimmen und fröhlichem Lachen. Offenbar lief die Party, die Jordan mit ihrem Verlobten Ian zum Valentinstag gab, bereits auf Hochtouren.

Mackenzie läutete zwei Mal, bevor sie klopfte und auf ihre löchrigen schwarzen Canvas-Sneakers starrte. Als Shabby-Chic gingen die schon seit Monaten nicht mehr durch. Sie brauchte dringend ein neues Paar Schuhe. Einige Minuten später klingelte sie wieder, aber noch immer öffnete niemand. Gerade wollte sie um das Haus herum zur Strandseite gehen, da wurde die Tür aufgerissen.

„Hey!“, rief Dylan Axel. „Wohin wollen Sie?“

Mackenzie hatte Dylans Stimme sehr lange nicht mehr gehört, und jetzt ging sie ihr unter die Haut wie ein alter, vergessener Song. Sie drehte sich um und machte zugleich einen Schritt zurück. Ihre Blicke trafen sich für den Bruchteil einer Sekunde, bevor sie das Gleichgewicht verlor und nach hinten fiel.

„Hey …“ Dylan sah, wie die hübsche Brünette ins Taumeln geriet, und griff nach ihrem Arm. „Vorsicht!“

Mit geweiteten Augen packte Mackenzie ihn am Hemd, um sich daran festzuhalten. Er zog sie an sich, und ein, zwei Sekunden lang nahm sie alles an ihm wahr: den frischen Duft seiner Haut, den kräftigen Druck der Finger an ihrem Unterarm, das dunkle Haar unter dem offenen Kragen des Designershirts.

„Alles in Ordnung?“, fragte Dylan. Er wusste nicht, wer sie war, aber ihre ausdrucksvollen Augen glichen denen von Elizabeth Taylor.

Wenn er sie nicht festgehalten hätte, wäre sie gestürzt und hätte sich ernsthaft verletzen können. Ihr Herz schlug heftig, ihre Haut kribbelte, und sie musste die Augen schließen und tief durchatmen, bevor sie sein Hemd losließ. „Es geht mir gut“, erwiderte sie. „Danke.“

„Wirklich?“

Mackenzie nickte. „Ich kann jetzt allein stehen.“ Sie zog den Arm aus seinem Griff.

Er hob beide Hände. „Tut mir leid.“

Verlegen zupfte sie an ihrem weiten T-Shirt. „Nein, mir tut es leid.“

Dylan lächelte. „Dann sind wir quitt, okay?“

Das war typisch für ihn: Lächeln war für ihn ein Allheilmittel. Dylan war nicht mehr so schlaksig wie mit Anfang zwanzig. Er hatte zugenommen, aber noch immer die Figur eines kalifornischen Surfers. Schon in der Schule war er mit seinem natürlichen Charme bei allen Leuten beliebt gewesen, und in diesem Moment fühlte Mackenzie sich um zehn Jahre zurückversetzt, auch wenn er sie nicht wiedererkannt hatte.

Noch immer lächelnd streckte Dylan ihr die Hand entgegen. „Ich bin Dylan. Und Sie?“

Sprachlos starrte sie ihn an. Ich kann das hier nicht …

Sein Lächeln verblasste etwas. Er warf ihr einen erstaunten Blick zu und zog die Hand zurück. „Sie müssen eine von Jordans Freundinnen sein. Kommen Sie herein, dann suchen wir sie.“

Verzweifelt befahl Mackenzie ihren Beinen, sich in Bewegung zu setzen. Als sie endlich gehorchten, rang sie sich ein gequältes Lächeln ab. „Danke“, brachte sie heraus und drängte sich an Dylan vorbei ins Haus.

„Mackenzie!“ Jordan schob sich durch die Menschenmenge im Wohnzimmer und warf die Arme um ihre Cousine. „Ich bin so froh, dass du kommen konntest! Du bist die Beste, weißt du das?“

„Jordan!“ Erleichtert umarmte Mackenzie ihre Cousine. „Okay, das Wichtigste zuerst – ich muss den Ring mit eigenen Augen sehen.“

Jordan hob die Hand und wedelte mit den Fingern, damit der blaue Brillant im Licht glitzerte.

„Er ist wunderschön.“ Mackenzie hielt Jordans Linke, um den großen Stein zu bewundern.

„Ich weiß. Eigentlich ist er viel zu extravagant, und Jordan hätte ihn niemals … aber ich freue mich, dass er es getan hat.“ Jordan strahlte. „Dylan.“ Sie legte den Arm um Mackenzies Schultern. „Das ist meine wundervolle Cousine Mackenzie. Ihr gehört Nothin’ But Cupcakes, das Zuhause der gigantischen Cupcakes.“ Sie sah Mackenzie an. „Nochmals danke, dass du sofort gekommen bist.“

„Sehr gern.“ Mackenzie hielt den Blick fest auf ihre Cousine gerichtet, um Dylan nicht ansehen zu müssen. Zum ersten Mal seit langer Zeit wünschte sie, sie könnte sich wieder hinter ihrer dicken Schildpattbrille verstecken.

„Mackenzie, das ist Dylan Axel … Dylan ist der Axel in Sterling and Axel Photography. Außerdem ist er ein begnadeter Investmentberater. Falls du jemals einen finanziellen Rat brauchst, ist er der richtige Mann.“

Mackenzie atmete tief durch und bereitete sich auf den Moment vor, in dem Dylan sie erkannte. Doch selbst, als sie ihm endlich ins Gesicht sah, schien ihm nicht aufzugehen, wen er vor sich hatte.

Stattdessen blickte er etwas verwirrt zwischen den beiden Frauen hin und her. Vermutlich fragte er sich, wie Jordan zu so einer Cousine kam. „Wenigstens weiß ich jetzt, wie du heißt“, sagte er und streckte erneut die Hand aus. „Mackenzie.“

Er ließ den Namen auf der Zunge zergehen, und sofort schlug ihr Herz wieder schneller. Außerdem musterte er sie so, wie ein Mann eine attraktive Frau ansah. Das hatte er bei ihr noch nie getan. Es war … beunruhigend. Und zugleich schmeichelhaft. Es war der eindeutige Beweis dafür, dass nichts mehr an das kleine übergewichtige Mädchen mit Flaschenbodenbrille und mausgrauem Haar erinnerte.

Mackenzie ließ sich nichts anmerken, als sie ihm die Hand gab und sie dann hastig in die Tasche schob. Dort, wo niemand es sehen konnte, ballte sie die Finger zur Faust.

Jordans Arm lag noch immer um ihre Schultern. „Brauchst du Hilfe mit den Cupcakes?“

Mackenzie nickte. „Du wolltest eine Tonne davon. Und dann bekommst du auch eine Tonne.“

Jordan ging mit ihr durch die noch offene Haustür. „Fasst du kurz mit an, Dylan?“

„Wir schaffen es auch allein“, widersprach Mackenzie sofort.

„Ich lasse euch Mädels doch nicht schwere Kartons tragen“, sagte Dylan und folgte ihnen hinaus.

Als er Mackenzies Lieferwagen erblickte, pfiff er anerkennend. „Ein 1960er Biscayne von Chevrolet mit türkisfarbenem Originallack. Hübsch.“ Er strich über die Motorhaube. „Ist das deiner?“

Mackenzie nickte, ging nach hinten und öffnete die Heckklappe.

„Wer hat ihn restauriert?“, fragte Dylan und schaute in den Wagen.

„Eine Werkstatt in der Nähe von Sacramento“, antwortete sie vage. Ihr Bruder Jett, der den Wagen aufgemöbelt hatte, war in der Schule mit Dylan befreundet gewesen. Bei Jetts Hochzeit vor fast elf Jahren hatte sie Dylan Axel das letzte Mal gesehen.

„Tolle Arbeit. Der Wagen ist ein Prachtstück. Ich würde gern mal einen Blick unter die Haube werfen.“

„Hey!“ Jordan hob den Kopf aus dem Laderaum. „Hilfst du uns jetzt, oder was?“

„Ich helfe euch.“ Lachend schlenderte er nach hinten. „Aber ein Mann darf doch wohl mal genauer hinsehen, oder?“

„Hier, mach dich nützlich, okay?“ Jordan reichte ihm einen großen Karton voller Cupcakes. „Ich werde nie verstehen, warum Männer für Autos schwärmen, die seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut werden. Es muss doch einen guten Grund geben, warum sie die Produktion eingestellt haben. Bei Motorrädern sehe ich das allerdings ganz anders!“

Dylan nahm ihr den Karton ab und lächelte Mackenzie an. „Deine Cousine kann es mir nachfühlen, stimmt’s?“

Mackenzie schaute direkt in Dylans kristallklare grüne Augen, die ihr noch immer so vertraut waren. „Stimmt.“

„Siehst du?“ Dylan strahlte Jordan an. „Sie weiß, was ich meine.“

„Kein Wunder. Ihr Vater und ihr Bruder haben sie praktisch in einer Garage aufgezogen. Das war wie eine Gehirnwäsche.“

Mackenzie zog die schwere Heckklappe herunter und schob sie mit der Hüfte zu. „Okay“, sagte sie. „Bringen wir die Truppen aus der Sonne.“

Dylan ging neben ihr zur Tür. „Den Spruch habe ich zuletzt als Kind gehört.“

„Wirklich?“ Mackenzie tat so, als fände sie das Nachbarhaus faszinierend. „Ich höre ihn dauernd.“

Es war einer der Lieblingssprüche ihres Vaters gewesen. Dylan musste ihn unzählige Mal gehört haben, bevor er fortgezogen war. Ihr Vater hatte in der Garage hinter ihrem Haus Oldtimer restauriert, und sämtliche Jungen aus der Nachbarschaft hatten ihm dabei zugesehen.

Jordan stellte ihren Karton auf die große Insel aus Marmor, die die Küche vom Wohnzimmer trennte. Mackenzie stellte ihren daneben und überlegte, mit welcher Begründung sie so schnell wie möglich wieder verschwinden konnte.

Dylan öffnete seinen und griff nach einem Cupcake. Jordan gab ihm einen Klaps auf die Hand.

„Finger weg! Ian ist noch nicht mal da! Ich kann nicht glauben, dass er zu seiner eigenen Party zu spät kommt.“

„Mich wundert nur, dass er überhaupt zugesagt hat“, sagte Dylan. „Du weiß, Ian hasst Menschenansammlungen.“

„Stimmt. Aber ich bin fest entschlossen, den Mann aus seinem Schneckenhaus zu holen.“ Jordan zog ihr Handy aus der Gesäßtasche ihrer hautengen Jeans. „Gib mir eine Sekunde“, bat sie Mackenzie. „Ich will wissen, wo er bleibt. Du kennst Ian noch nicht.“

Jordan hielt sich das Handy ans Ohr und eilte hinaus, um ihren Verlobten anzurufen. Obwohl viele Gäste durchs Wohnzimmer auf die Terrasse oder ins Haus gingen, waren Mackenzie und Dylan allein in der Küche. Er zwinkerte ihr verschwörerisch zu, bevor er den Deckel wieder hob und sich einen ihrer riesigen Cupcakes schnappte.

Er verschlang ihn mit drei Bissen. „Die sind lecker. Hast du sie selbst gemacht?“

Mackenzie nickte. „Ich habe noch eine Cupcake-Designerin, die für mich arbeitet, aber die hier sind von mir.“

Dylan griff nach einem zweiten und warf ihr einen Blick zu. „Kann ich mich darauf verlassen, dass du mich nicht bei Jordan verrätst?“

„Sie ist immerhin meine Cousine.“

„Du hast recht“, erwiderte er, bevor er in den nächsten Cupcake biss. „Die Familie steht einem näher als irgendein Typ, den man gerade erst kennengelernt hat. Das verstehe ich.“

Bevor sie antworten konnte, schwebte ein Cameron-Diaz-Double in die Küche, als wäre es hier zu Hause.

„Babe!“, rief Jenna und küsste Dylan auf die Wange. „Wir haben kein Eis mehr.“

„Ich fahre los und besorge Nachschub“, versprach er.

Jenna öffnete den Kühlschrank und nahm eine Dose Diät-Cola heraus. Sie riss sie auf, trank einen Schluck und stellte sie auf die Insel.

„Hi“, sagte Mackenzie.

Dylan reichte seiner Freundin einen Untersetzer für die Dose. Jenna verdrehte die Augen, tat ihm aber den Gefallen. Dann verschränkte sie die Arme und starrte ihn entsetzt an. „Babe, was isst du da?“

„Cupcakes.“ Dylan schob einen Karton in ihre Richtung. „Willst du auch einen?“

„Bist du verrückt? Kohlenhydrate, Dylan! Ich habe morgen einen Vorsprechtermin in L. A., glaubst du, ich will dick und aufgeschwemmt aussehen? Ich begreife nicht, wie du deinen Körper mit so etwas vergiften kannst.“

„Mit großem Vergnügen.“ Wieder zwinkerte er Mackenzie zu.

„Du musst ja wissen, was du tust.“ Jenna ging zur Terrassentür. „Eis!“, rief sie, ohne sich umzudrehen.

„Verstanden.“ Aber anstatt loszufahren, blieb er bei Mackenzie in der Küche. „Bist du auch in Montana aufgewachsen?“

Mackenzie sah ihn an. Am liebsten hätte sie wortlos die Flucht ergriffen. Auf der anderen Seite wollte sie tapfer sein und das Unvermeidliche hinter sich bringen. Die Frage war nicht, ob sie Dylan mit ihrer gemeinsamen Vergangenheit konfrontieren sollte, sondern wann. Ungeduldig, wie sie nun mal war, sprang sie hier und jetzt ins kalte Wasser. „Du erkennst mich nicht, oder?“

Er runzelte die Stirn und starrte ihr ins Gesicht.

„Ihr werdet es nicht glauben!“ Mit erhobenen Händen betrat Jordan die Küche. „Er steckt im Studio fest, weil er noch etwas für das neue Buch tun soll. Also kommt er frühestens in einer Stunde.“ Mit hängenden Schultern sah sie Mackenzie an. „Du kannst doch so lange warten, oder? Ich war so sehr mit meiner Ausstellung beschäftigt, dass ich kaum Zeit für dich hatte.“

„Ich kann unmöglich bleiben.“ Mackenzie schüttelte den Kopf. „Ich muss zurück in die Konditorei.“

„Wie schade.“ Jordan seufzte. „Ich weiß, ich weiß, die Arbeit geht vor. Ian sieht das genauso.“

„Ich schreibe dir eine SMS“, versprach Mackenzie. „Wir finden schon einen Termin.“

Jordan umarmte ihre Cousine. „Gib Hope einen Kuss von mir.“

„Das mache ich.“ Mackenzie sah nervös zu Dylan hinüber. Er starrte sie noch immer an.

Jordans Telefon läutete. Sie warf einen Blick aufs Display. „Das ist der Caterer. Ich gehe kurz ran, dann bringe ich dich zum Wagen.“

„Das übernehme ich“, warf Dylan ein, ohne Mackenzie aus den Augen zu lassen.

„Du bist ein Schatz, Dylan. Egal, was man über dich behauptet.“ Jordan gab ihm einen liebevollen Klaps auf den Arm, bevor sie den Anruf entgegennahm.

Mackenzie spürte seinen durchdringenden Blick, als sie nach vorn gingen.

„Du meinst also, wir sind uns schon mal begegnet?“, fragte er vor dem Haus und musterte Mackenzie aufmerksam. Auf dem College hatte er sich zu einigen alkoholisierten One-Night-Stands hinreißen lassen. Hoffentlich war Mackenzie keiner davon.

Mackenzies Herz schlug entschieden zu schnell. Ihr war schwindlig, und auf den Stufen an der Tür hatte sie das Gefühl gehabt, gleich in Ohnmacht zu fallen.

Es passiert. Nach all diesen Jahren passiert es wirklich.

„Ja, wir sind uns begegnet“, sagte sie und schloss hastig die Wagentür auf, um sich daran festzuhalten. „In der Schule warst du mit meinem Bruder Jett befreundet.“

„Jett …?“ Dylan schüttelte leicht den Kopf, als hätte er den Namen noch nie gehört, aber dann huschte ein Lächeln über sein Gesicht. „Augenblick! Big Mac? Bist du das?“

Mackenzie erbleichte. So hatte sie seit der Highschool niemand mehr genannt. „Der Spitzname gefällt mir nicht“, sagte sie. Damals hatte kein Mensch sie „Mackenzie“ genannt. Für Jett und seine Freunde war sie immer nur „Mac“ gewesen. Grausame Mitschüler hatten daraus „Big Mac“ gemacht, und den hässlichen Spitznamen war sie bis zum Abschluss nicht mehr losgeworden.

„Hey, tut mir leid. Ich habe mir nichts dabei gedacht.“ Das war nicht die Mackenzie, an die er sich erinnerte. Die dicke Großmutterbrille war verschwunden, das Haar war dunkler und länger, und sie war viel schlanker als früher. Sie war nicht mager, sondern kurvenreich, was in Kalifornien ein seltener Anblick war.

„Nenn mich einfach nicht mehr so, okay?“

„Nie wieder. Versprochen.“ Dylan strahlte sie an. „Ich glaube es nicht … Jetts kleine Schwester! Du siehst toll aus.“

„Danke.“

„Mann …“ Er schüttelte erneut den Kopf. „Wie lange ist das jetzt her? Fünf, sechs Jahre?“

„Zehn“, erwiderte Mackenzie zu schnell. „Ungefähr.“

„Zehn Jahre.“ Dylan nickte und versuchte, sich daran zu erinnern. Dann schnippte er mit den Fingern. „Jetts Hochzeit, richtig? Ich verstehe nicht, warum ich dich nicht gleich erkannt habe. Aber du hast dich verändert.“

„Na ja … fünfzig Kilo weniger lassen einen eben anders aussehen“, sagte Mackenzie und behielt ihn im Blick. Offenbar hatte er vergessen, dass sie beide nach Jetts Empfang miteinander geschlafen hatten.

„Fünfzig Kilo?“, wiederholte er überrascht. „Ich kann mich nicht erinnern, dass du so viel abnehmen musstest.“

„Da bist du eine Ausnahme.“

„Wie geht es Jett denn?“, fragte er nach einem Moment. „Ist er noch verheiratet?“

„Nein. Die Ehe hat nicht gehalten. Aber zum Glück hat er das Sorgerecht für beide Kinder.“

„Wohnt er auch hier in der Gegend?“

„Nein, er hat eine Tuning-Werkstatt oben in Paradise. Er wollte näher bei unserem Vater leben und fand eine Kleinstadt besser für die Mädchen.“

„Eine Tuning-Werkstatt, ja? Hat er deinen Lieferwagen restauriert?“

„Ja.“ Mackenzie nickte stolz. Ihr älterer Bruder hatte aus der Leidenschaft, die er mit ihrem Vater teilte, einen lukrativen Beruf gemacht.

„Mann, da hat er eine fantastische Leistung abgeliefert. Ich finde es bewundernswert, dass er das Originaldesign erhalten hat. Dass wir uns hier treffen, ist ein erstaunlicher Zufall. Ich suche nämlich jemanden, der meinen Charger restauriert.“

„Schau doch mal auf seine Website. High-Octane Hot Rods.“

High-Octane Hot Rods. Das mache ich.“ Dylan konnte nicht aufhören, sie anzulächeln. „Erzähl mir von dir, Mackenzie. Bist du verheiratet? Hast du Kinder?“

Anstatt zu antworten, setzte sie sich ans Steuer. „Hör mal, ich würde gern weiter mit dir plaudern, aber ich muss los.“

„Kein Problem.“ Er legte die Hände auf die Wagentür, um sie für sie zu schließen. „Bestimmt laufen wir uns wieder über den Weg.“

Mackenzie schenkte ihm ein flüchtiges Lächeln, während sie den Motor startete und den Gang einlegte. Das Schicksal hatte sie beide wieder zusammengeführt, und jetzt musste sie überlegen, wie sie damit umging.

In sicherer Entfernung von Jordans Haus – und Dylan – hielt Mackenzie auf einem Parkplatz, holte ihr Handy heraus und rief mit zitternden Fingern ihre beste Freundin an. „Rayna?“

„Mackenzie? Was ist los? Ist Hope etwas zugestoßen?“

„Nein.“ Mackenzie lehnte sich gegen die Fahrertür. „Der geht es gut.“

„Was ist dann passiert? Du klingst erschüttert.“

„Ich bin gerade Dylan begegnet“, flüsterte sie.

„Welchem Dylan?“

„Was meinst du, welchem Dylan?“, entgegnete Mackenzie gereizt. „Dylan Axel.“

„Was? Das soll wohl ein Scherz sein!“

„Nein.“ Sie rieb sich die Schläfe. „Ich scherze nicht.“

„Wo bist du ihm begegnet?“

„In seinem Haus. In Mission Beach.“

„Er wohnt in Mission Beach?“

„Offenbar.“

„Was wolltest du dort?“

„Cupcakes für die Geburtstagsparty von Jordans Verlobtem ausliefern.“ Mackenzie legte den Kopf zurück und schloss die Augen. „Dylan ist Ians bester Freund.“

„Oh. Wow. Alles in Ordnung mit dir?“

„Ich habe das Gefühl zu ersticken.“

„Du hast eine Panikattacke.“

„Ja, wahrscheinlich.“ Mackenzie legte die freie Hand auf ihr heftig klopfendes Herz.

„Mach die Augen zu und atme langsam und tief durch, dann geht es dir gleich besser.“

„Okay …“

„Wo bist du jetzt?“

„Auf einem Parkplatz. In dem Zustand wollte ich nicht weiterfahren.“

„Sehr vernünftig“, sagte Rayna. „Lass dir Zeit, beruhige dich und komm her. Ist Hope noch in der Scheune?“

„Ja. Ich hole sie um sieben ab, nachdem sie die Pferde versorgt haben.“

„Charlie kommt auch gleich. Wir essen Pasta und beratschlagen dann zusammen.“

„Danke.“ Ein Essen mit Freunden war genau das, was Mackenzie jetzt brauchte.

„Noch etwas, Mackenzie.“

„Ja?“

„Es wird alles gut“, versprach Rayna. „Gott wird unsere Gebete erhören.“

Rayna war Pastorin einer Gemeinde von Hippies und sah das Leben mit den Augen einer Gläubigen.

„Hopes Gebete“, verbesserte Mackenzie.

„Hopes Gebete sind unsere Gebete, oder? Ich koche jetzt Kaffee, und wir sehen uns, sobald du hier bist. Pass auf dich auf.“

Mackenzie legte auf. Erst zehn Minuten später fühlte sie sich ruhig genug, um zum Bungalow ihrer Freundin in Balboa Park zu fahren. Rayna hatte recht. Die Gebete ihrer Tochter waren ihre Gebete. Sie hatte nur nicht erwartet, dass dieses Gebet so schnell erhört werden würde.

„Kleine!“ Molita Jean-Baptiste, die Verkäuferin, streckte den Kopf in die Backstube. „Hier ist ein junger Mann, der dich sprechen will.“

„Okay“, sagte Mackenzie und schob ein großes Blech mit Karotten-Cupcakes in den Ofen. „Ich bin gleich da.“ Dann schloss sie ihn, wischte sich die Hände ab und eilte nach vorn. Sie setzte ein freundliches Lächeln auf, bevor sie die Schwingtür zum Verkaufsraum aufstieß. Aber es verblasste für eine Sekunde, als sie Dylan an einem der Tresen stehen sah.

„Hi“, begrüßte er sie mit einem jungenhaften Lächeln. „Hübscher Laden.“

„Danke.“ Mackenzie schaute zu Molita hinüber, die so tat, als wäre sie beschäftigt. „Bist du hier, um Cupcakes zu bestellen?“

„Nein.“ Dylan lachte. „Ich bin hier, um dich zu sehen.“

„Oh.“ Sie runzelte die Stirn. „Okay.“

Seit ihrer Begegnung hatte sie sich stundenlang den Kopf zerbrochen, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollte. Aber auch nach vielen schlaflosen Nächten wusste sie noch immer nicht, wie sie dem Mann beibringen sollte, dass er eine zehn Jahre alte Tochter hatte.

„Möchten Sie etwas zu essen, junger Mann?“ Molita kam aus Haiti, war über sechzig und so rund wie groß. Sie war das Rückgrat von Nothin’ But Cupcakes, und Mackenzie scherzte oft, dass manche Kunden vor allem kamen, um Molita zu sehen.

„Nein, danke.“ Dylan legte eine Hand auf seinen flachen Bauch. „Ich muss auf meine Figur achten.“

Molita lächelte ihn an. „Melden Sie sich, falls Sie es sich anders überlegen. Ich habe gerade frischen Kaffee gekocht.“

Dylan bedankte sich bei ihr, dann senkte er die Stimme. „Können wir irgendwo reden?“

„Hmm. In meinem Büro? Aber ich habe nur eine Minute Zeit.“

„Es dauert nicht lange“, versprach er.

„Ich bin gleich zurück, Moll.“

„Wenn ich dich brauche, rufe ich dich“, erwiderte Molita.

Dylan folgte ihr, und erst, als Mackenzie die Tür öffnete, wurde ihr bewusst, wie winzig und vollgestopft ihr Büro war.

„Entschuldige das Chaos.“ Sie schob einige Papiere zur Seite. „Ob du es glaubst oder nicht, ich habe ein System …“

„Das stört mich nicht.“ Seltsam, dachte Dylan. Wenn Jenna ein Glas nicht auf einen Untersetzer stellte, nervte es ihn, aber Mackenzies unordentliches Büro machte ihm nicht das Geringste aus. Er quetschte sich auf den kleinen Stuhl zwischen ihrem Schreibtisch und der Wand. „Hier riecht es wirklich lecker.“

Hastig stopfte sie Papiere in eine Schublade. „Tatsächlich?“

„Ja.“ Er sah sich um. „Jetzt weiß ich, warum du nach Zuckerguss duftest.“

Noch seltsamer war, dass er jedes Mal ein Kribbeln im Bauch fühlte, wenn Mackenzie ihn mit ihren lavendelblauen Augen anschaute. Sie faszinierten ihn, und seit der Party hatte er sie nicht vergessen können.

„Also …“, begann Mackenzie nach einer peinlichen Pause. „Was kann ich für dich tun, Dylan?“

Aus den Augenwinkeln sah sie das gerahmte Foto ihrer Tochter. Hope. Sie musste sich beherrschen, um es nicht von Dylan wegzudrehen.

„Eigentlich …“ Er versuchte, die Beine übereinanderzulegen, aber dafür reichte der Platz nicht. „Eigentlich wollte ich etwas für dich tun.“

Sie schob die Ärmel über die Ellbogen. „Was denn?“

Dylan griff nach dem Foto. „Süßes Kind. Deins?“

„Ja.“ Ihr Puls beschleunigte sich. „Das ist meine Tochter Hope an ihrem vierten Geburtstag.“

Mit einem mulmigen Gefühl wartete sie. Würde Dylan sein eigen Fleisch und Blut erkennen? Als er es nicht tat, war sie zugleich erleichtert und enttäuscht. Er stellte das Foto zurück. Sie schob es zur Seite.

„Ist Brand dein Ehename? Früher hast du Bronson geheißen.“ Er warf einen Blick auf den Ring an ihrer linken Hand.

„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf. „Als Hope zur Welt kam, habe ich den Mädchennamen meiner Mutter angenommen. Ich wollte, dass Hope so heißt wie sie.“

„Also bist du nicht verheiratet?“

„Nein.“ Demonstrativ sah sie auf die Uhr an der Wand. Natürlich musste sie mit Dylan über Hope reden, aber nicht jetzt. Am Abend hatten sie drei Catering-Termine, und schon bald würde der mittägliche Andrang einsetzen. Sie hatte auch so schon Mühe genug, ihre Mitarbeiter zu bezahlen, und musste jeden Cupcake verkaufen, um über die Runden zu kommen. „Dylan … ich möchte nicht unhöflich sein“, begann sie.

Er hob die Hände und lächelte verlegen. „Okay, okay. Ich gebe es zu, ich spiele auf Zeit. Heute Morgen war das, was ich dir sagen will, noch eine gute Idee, aber jetzt …“

Mackenzie beugte sich vor. Was immer es war, es machte ihn nervös. Mit seinem dunkelbraunen Haar und den grünen Augen war er ein attraktiver Mann, aber nicht im klassischen Sinne schön. Als Kind hatte er sich die Nase gebrochen, und der Bruch war nicht ganz gerade verheilt. Unter dem linken Auge hatte er eine y-förmige Narbe von einem Baseball, der ihn bei einem Little-League-Spiel getroffen hatte. Für Mackenzie machten diese kleinen Makel ihn nur noch reizvoller.

„Na gut.“ Dylan rieb sich den Nacken. „Ich sage dir, warum ich hier bin. Ich muss mich bei dir entschuldigen.“

Ihr Stuhl knarrte laut, als sie sich zurücksetzte. „Warum um alles in der Welt solltest du dich bei mir entschuldigen müssen?“

„Weil …“, er sah ihr in die Augen, „mir eingefallen ist, was in der Nacht von Jetts Hochzeit zwischen uns passiert ist.“

„Oh.“

„Du verstehst bestimmt, warum ich es nicht auf der Straße ansprechen wollte.“

„Ich bin froh, dass du es nicht getan hast.“

„Aber … ich möchte nicht, dass du glaubst, ich hätte es vergessen.“

„Wir hatten an dem Abend beide viel getrunken …“

„Das stimmt, aber ich muss mich trotzdem dafür entschuldigen.“ Jetzt war es Dylan, der sich vorbeugte. „Du warst Jetts kleine Schwester, und egal, wie viel ich getrunken hatte, ich hätte … deinen Zustand nicht ausnutzen dürfen.“

„Meinen Zustand ausnutzen?“, wiederholte Mackenzie fassungslos. „Du hast ihn nicht ausgenutzt, Dylan. Ich wusste genau, was ich tat.“

„Du hattest dich gerade von deinem Freund getrennt.“

„Und du hattest deine Verlobung gelöst“, entgegnete sie. „Ich finde, keiner von uns hat dem anderen etwas vorzuwerfen, okay?“

Er holte tief Luft. „Ich hätte dich anrufen sollen, Mackenzie. Nach der Nacht hätte ich dich anrufen sollen.“

„Um was zu sagen?“

„Keine Ahnung.“ Dylan zuckte mit den Schultern. „Ich hätte fragen sollen, wie es dir geht. Ob alles in Ordnung ist.“ Er starrte kurz auf seine Hände. „Ich hätte dir sagen sollen, dass ich wieder mit Christa zusammen war. Ich glaube, ich war damals ein ziemlich gefühlloser Mensch. Ich möchte mich bei dir entschuldigen.“

Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Das weiß ich zu schätzen, Dylan. Aber ich habe nie gedacht, dass du mir etwas angetan hast. Und ich kann mich nicht erinnern, dass du unsensibel warst. Im Gegenteil, du warst von Jetts Freunden der Einzige, der mich nie ignoriert hat. Du hast mich nie wie die komische Dicke behandelt.“

„So habe ich dich auch nicht gesehen“, sagte Dylan zu seiner eigenen Überraschung. „Und ich würde mich wohler fühlen, wenn du meine Entschuldigung annimmst.“

„Natürlich nehme ich sie an.“ Schließlich sollte er irgendwann ihre Entschuldigung akzeptieren.

„Gut.“ Er lächelte. „Danke.“

„Gern geschehen.“ Mackenzie stand auf. „Ich will dich nicht hinauswerfen, aber …“

„Nein, schon okay.“ Der Stuhl knallte gegen die Wand, als Dylan sich erhob. „Ich halte dich von der Arbeit ab. Aber bevor ich gehe, möchte ich dir draußen etwas zeigen. Es dauerte nur eine Sekunde, versprochen. Und glaub mir, du wirst es sehen wollen.“

„Na schön. Aber dann muss ich wirklich zurück an die Arbeit. Ich habe einen Riesenberg Bestellungen zu erledigen.“ Dylan hielt ihr die Tür auf, und sie ging hindurch. „Glaub mir, in San Diego gibt es jede Menge Zuckersüchtige, und mittags stehen sie alle für ihre tägliche Dosis an.“ Sie blieb am Verkaufstresen stehen. „Kommst du klar, Molly?“

„Alles unter Kontrolle.“ Molita sprühte Glasreiniger auf die Vorderseite der Vitrine.

„Ich bin gleich zurück.“

„Ich möchte dir etwas zeigen.“ Dylan hielt ihr auch die Eingangstür auf. „Meine Freundin kennt sich nicht aus, aber du weißt ihn bestimmt zu schätzen.“

Mackenzie trat auf den Gehweg und blieb abrupt stehen. „Ist das wirklich der Wagen, für den ich ihn halte?“

Dylan lächelte triumphierend. „Ich dachte mir, dass er dir gefällt.“

Sie starrte auf Dylans seltenen Oldtimer, der locker einhundertfünfzigtausend Dollar wert war. „Das ist der Stoff, aus dem Legenden sind.“

„Du weißt genau, was da vor dir steht, oder?“

„Natürlich. Das ist eine 1963 Chevy Corvette. Sie ist superselten, noch mit geteilter Rückscheibe.“ Fast andächtig strich Mac-kenzie über die geschwungene Motorhaube.

Dylan nickte zufrieden. „Ich wusste, dass du begeistert sein würdest.“

„Ich bin mehr als das.“ Sie ging um den Wagen herum. „Dylan, das ist alles original. Jett würde sterben, um so ein Exemplar in die Hände zu bekommen. Sie ist nicht zu verkaufen, oder?“

„Niemals. Aber ich möchte, dass Jett meinen Charger restauriert.“

Sie lächelte. „Das würde ihm sehr viel bedeuten, Dylan.“

„Ich dachte daran, dem Charger die gleiche silbrige Lackierung mit schwarzen Akzenten zu verpassen. Was meinst du dazu?“

Ihr Handy läutete. „Entschuldige.“

„Klar.“ Er lehnte sich gegen den Wagen.

„Hi, Aggie.“ Mackenzie lauschte. „Augenblick mal, was ist passiert?“ Sie wurde blass. „Sag Hope, dass ich auf dem Weg bin.“

„Alles in Ordnung?“, fragte Dylan.

„Nein.“ Sie eilte zur Konditorei zurück. „Meine Tochter hat sich verletzt.“

„Hoffentlich nicht schlimm!“, rief er ihr nach.

„Danke.“ Sie riss die Tür auf, rannte hinein, blieb stehen und warf die Hände in die Luft. „Tamara hat meinen Wagen! Molly, bist du heute hergefahren?“

„Meine Enkelin hat mich abgesetzt.“ Molly legte einen Cupcake für einen Kunden in eine Schachtel.

Mackenzie machte kehrt und schob die Tür wieder auf. „Molly, ich muss Hope abholen. Halt hier die Stellung, ja?“

„Was ist passiert?“

„Sie hat sich den Kopf gestoßen. Ich rufe dich an, sobald ich mehr weiß!“

Dylan wollte gerade davonfahren, als er Mackenzie auf ihn zulaufen sah. Er bremste und kurbelte die Scheibe herunter.

Sie beugte sich hinab. „Kannst du mich fahren? Mein Wagen ist mit den Auslieferungen unterwegs.“

Er öffnete die Beifahrertür. „Spring rein.“

Die halbstündige Fahrt zur Scheune verlief fast schweigend. Macckenzie war angespannt und beschränkte sich darauf, Dylan den Weg zu beschreiben. Er konnte sich in ihre Lage versetzen und drängte sie nicht zum Reden.

„Bieg links ab.“ Sie zeigte auf einen Feldweg. „Und fahr langsam. Nach all dem Regen wimmelt es von Schlaglöchern, und das ist nicht gerade ideal für eine Corvette.“

„Stimmt.“ Vorsichtig bog er ab und warf einen Blick auf das große Schild am Anfang des Wegs.

Pegasus Therapeutische Reitschule. Wollen wir dorthin?“

„Ja.“ Mackenzie schnallte sich los.

„Was hat deine Tochter?“

„Hope hat gar nichts“, erwiderte sie heftig. „Sie liebt Pferde und hilft anderen Menschen. In ihrer Freizeit.“

„Dann kommt sie ganz nach dir.“ Er fuhr durchs Gras am Rand, um den Schlaglöchern auszuweichen. „Ich weiß noch, dass du Konserven und Kleidung für Obdachlose gesammelt und im Tierheim ausgeholfen hast … anstatt dich wie wir anderen mit Videospielen und am Strand zu vergnügen.“

Sie straffte die Schultern. Als Kind war sie deswegen gehänselt worden. „Sich um andere Menschen zu kümmern ist nicht verwerflich.“

„Das war ein Kompliment“, erklärte er. „Und Hope scheint ein tolles Mädchen zu sein.“

„Ja, das ist sie wirklich.“ Mackenzie starrte nach vorn.

„Was hast du gesagt, wie alt sie ist?“

„Ich habe gar nichts gesagt.“ Vor ihnen tauchte die verwitterte alte Scheune auf. „Du kannst zwischen dem Lieferwagen und dem Pick-up parken.“

Als er hielt, hatte sie die Hand schon am Türgriff. Mit der anderen berührte sie Dylan kurz am Arm. „Danke, Dylan. Jetzt hast du mich schon zwei Mal in einer Woche gerettet.“

„Soll ich warten?“

„Nein!“ Sie stieg aus. „Ich meine … nein, nicht nötig. Du hast schon genug getan.“

Er beugte sich zu ihr. „Wirklich?“

„Ja, wirklich. Wir kommen zurecht.“ Sie schloss die Tür und hoffte, dass das Thema damit erledigt war. Dies war weder der Ort noch der Zeitpunkt für die erste Begegnung zwischen Dylan und seiner Tochter. So etwas musste sorgfältig geplant werden. Und sie hatte keinen Plan.

Er stellte den Motor ab und sprang aus dem Wagen. Am liebsten wollte er Mackenzie folgen, aber ihre Signale waren eindeutig. „Ich bin nicht in Eile“, sagte er.

Sie wirbelte herum. „Irgendwer kann uns von hier mitnehmen. Wirklich.“

Nachdenklich blickte er ihr nach. Nach einem Moment stieg er wieder ein und startete den Motor.

2. KAPITEL

Dylan legte den Rückwärtsgang ein, fuhr jedoch nicht los. Nach kurzem Zögern stellte er den Motor wieder ab und stieg aus. Ob es Mackenzie passte oder nicht, er wollte sich überzeugen, dass es ihr gut ging, bevor er wegfuhr. Vorsichtig bahnte er sich einen Weg durch hohes Gras, Unkraut und Pferdeäpfel.

„Brauchen Sie Hilfe?“, fragte ein junger Mann, der eine dunkelbraune Stute auf eine Koppel führte. Er schien Kinderlähmung zu haben, denn er ging stockend und unsicher.

„Ich suche Hope und ihre Mutter“, antwortete Dylan.

„Die sind im Büro.“ Der junge Mann zeigte hinter sich.

„Danke“, sagte Dylan, kurz bevor sein linker Schuh in einem frischen Pferdeapfel versank. „Mist!“

Sein Gegenüber lächelte. „Stimmt, Sir. Genau das ist es.“

Kopfschüttelnd versuchte Dylan, den Schuh am Gras abzuwischen. Ausgerechnet heute musste er seine Schnürschuhe von Testoni tragen, und erst heute Morgen hatte er sie gründlich geputzt und poliert. Als sie halbwegs sauber waren, steuerte er das Büro an und trat leise ein. Auf dem Boden lagen Heu und trockene Erde verstreut, und ein großer, rostiger Ventilator wirbelte Staub auf.

Mackenzie, ein Mädchen, das ihre Tochter sein musste, und eine hochgewachsene Frau mit grauem Haar standen in der Nähe eines grauen Metallschreibtischs im hinteren Teil des Raums.

„Es geht mir gut, Mom. Ich habe mich nach einem Striegel gebückt und mir den Kopf am Regal gestoßen, keine große Sache.“

Mackenzie strich ihr den Pony aus der Stirn, um sich die Beule anzusehen. „Na ja, du hast eine ganz schön dicke Schwellung.“

„Hier.“ Die ältere Frau reichte ihr einen Plastikbeutel voller Eis. „Das dürfte helfen, bis ihr beim Arzt seid.“

„Danke, Aggie.“

„Sie brauchen meine Hilfe, Mom! Es geht mir gut. Wirklich. Ich muss nicht zum Arzt.“

„Tut mir leid, Liebes.“ Maggie hielt die Hand ihrer Tochter. „Wir müssen dich untersuchen lassen. Wenn der Doktor grünes Licht gibt, bist du morgen wieder hier, versprochen.“

Hope seufzte melodramatisch und presste das Eis an die Stirn. „Na gut.“

Dylan wartete schweigend ab, bis Aggie sich vor ihm aufbaute. Wie eine Bärin, die ihr Junges beschützt, dachte er. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie.

Er nahm die Sonnenbrille an. „Ich wollte nur nach Mackenzie sehen.“

Mackenzie fuhr herum, als sie seine Stimme hörte. Ihr Herz schlug wie wild, und ihr wurde leicht schwindlig. „Dylan … was machst du noch hier?“

„Ich möchte mich überzeugen, dass es dir gut geht, bevor ich fahre.“ Warum war sie so panisch? Ihre Überreaktion kam ihm eigenartig vor.

Hastig stellte Mackenzie sich zwischen ihn und Hope. „Er hat mich hergefahren, Aggie.“

„Ach so!“ Aggie wischte sich den Schweiß von den Brauen. „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich freundlicher gewesen. Ich dachte schon, Sie gehören zu den Grundstücksmaklern, die die Cooks seit einiger Zeit herschicken.“

„Grundstücksmakler?“, wiederholte Mackenzie.

Aggie winkte ab. „Ich möchte noch nicht darüber reden. Agnes Abbot.“ Sie gab Dylan die Hand. „Sie können mich Aggie oder Mrs Abbot nennen. Auf Agnes reagiere ich nicht.“

„Freut mich, Sie kennenzulernen, Mrs Abbot. Ich bin Dylan Axel.“

„Nennen Sie mich doch Aggie.“

Er nickte. „Gern, Aggie.“

„Wer ist das, Mom?“, fragte Hope.

Als Mackenzie begriff, dass ihr keine andere Wahl blieb, fühlte sie sich plötzlich ganz ruhig. Die Begegnung zwischen Vater und Tochter lief ganz natürlich ab, ohne dass sie sie kontrollieren konnte. Rayna predigte immer, dass das Leben der beste Lehrmeister war. Vielleicht hatte sie recht. Sie trat zur Seite. „Hope, das ist mein guter Freund Dylan.“ Ihre Stimme klang überraschend fest. „Dylan, meine Tochter Hope.“

Mackenzie sah erst ihm, dann Hope ins Gesicht. Falls sie erwartet hatte, dass die beiden einander – wie in einem Kinofilm – sofort erkannten, so irrte sie sich.

„Hi, Hope. Wie geht es deinem Kopf?“ Dylan war zu Hope gegangen. Mackenzie fiel es leicht, die Ähnlichkeit zu erkennen. Sie ging wie er, sie hielt die Schultern wie er, und auch das Lächeln war gleich.

„Es tut ja nicht mal weh.“

Hope hatte das lockige rotbraune Haar ihrer Mutter, als Bob bis kurz unters Kinn, und die gleichen lavendelblauen Augen. Aber ihr Gesicht war eher rund als herzförmig, die Haut war heller, und sie hatte Sommersprossen an den Armen und um die Nase. Offenbar kam sie nach ihrem Vater.

„Ich finde, ich sollte hierbleiben“, sagte Hope zu Aggie. „Findest du nicht auch?“

„Nein.“ Aggie schüttelte den Kopf, während sie in einer Schublade wühlte. „Deine Mom hat recht. Die Pferde kommen eine Weile ohne uns aus.“

Mackenzie streckte Hope eine Hand entgegen. „Wir fahren.“

„Ach, Mann …“ Hope stöhnte enttäuscht auf, stand aber langsam auf.

„Komm schon, Hope.“ Mackenzie legte den Arm um ihre Schulter und küsste sie auf den Kopf. „Wir haben schon Schlimmeres durchgemacht, nicht wahr?“

„Stimmt.“ Hope lächelte halbherzig und erwiderte die Umarmung.

„Ich habe eins gefunden.“ Aggie zog einen Flyer aus der Schublade und stapfte in ihren kniehohen Gummistiefeln zu Dylan.

„Hier.“ Sie drückte ihm den Flyer in die Hand. „Hier steht alles Wichtige über uns. Wir suchen immer Helfer. Haben Sie Erfahrung mit Pferden?“

Er warf einen Blick darauf. „Ja.“

„Perfekt! Wir brauchen noch jemanden, der sich mit Pferden auskennt.“ Aggie sah Maggie an. „Fahren wir.“

Während Dylan den Flyer überflog, wurde Mackenzie klar, dass sie gerade den Moment hinter sich gebracht hatte, vor dem sie sich seit Jahren gefürchtet hatte. Dylan und Hope waren einander begegnet, und die Erde drehte sich auch weiterhin. Vielleicht würde ja doch noch alles gut werden.

Dylan steckte den Flyer ein.

„Machst du hier mit?“, fragte Hope.

„Ich weiß noch nicht.“ Er schaute zwischen Mutter und Tochter her. „Vielleicht.“

„Das solltest du tun.“ Hope strich sich das Haar hinters Ohr. „Es macht Spaß.“

An der Tür klirrte Aggie mit den Schlüsseln. „Wir müssen los!“

„Wir kommen!“, rief Mackenzie und sah Dylan an. „Nochmals danke fürs Herbringen. Du hattest bestimmt viel zu tun, hoffentlich habe ich deinen Terminplan nicht zu sehr durcheinandergebracht.“

„Ich freue mich, dass ich helfen konnte.“

„Komm jetzt, Kind. Aggies Pick-up läuft schon.“

„War nett, dich kennenzulernen, Hope“, sagte Dylan.

„Bis bald.“ Hope winkte ihm zu.

Als sie sich umdrehte, fiel Dylan an ihrem Ohr etwas auf. Er kniff die Augen zusammen, sah ihr nach und tastete nach seinem eigenen linken Ohr, an dessen Muschel sich oben eine ähnliche Ausbuchtung befand.

„Kommst du, Dylan?“ Mackenzie stand in der Tür.

„Wie bitte?“, fragte er, mit den Gedanken ganz woanders.

„Kommst du?“

Dylan schluckte mehrmals. Sein Mund schien ihm nicht zu gehorchen, deshalb nickte er nur und zwang sich zur Ruhe. Dann stopfte er die Hände in die Taschen und folgte ihnen. Dort beobachtete er, wie Mackenzie und Hope in Aggies blauen Pick-up stiegen. Aggie fuhr los, und Mackenzie winkte ihm zu. Dylan konzentrierte sich auf die verstörende Erkenntnis, dass er eine winzige Ausbuchtung wie an Hopes Ohr bisher nur ein einziges Mal gesehen hatte: als er in den Spiegel geschaut hatte.

Anstatt wie geplant ins Studio zu fahren, lenkte Dylan seinen Wagen wie auf Autopilot nach Hause. Sein Verstand arbeitete wie ein Hamster im Laufrad, immer im Kreis. Er konnte sich nicht erinnern, ob er in der Nacht mit Mackenzie ein Kondom benutzt hatte. Eigentlich tat er das immer, aber er hatte nicht damit gerechnet, dass er nach Jetts Hochzeit mit jemandem schlafen würde.

Damals hatte er sich nach der Trennung von Christa seine Wunden geleckt, und dass der Abend in Mackenzies Hotelzimmer endete, war nicht vorgesehen gewesen. Er bezweifelte, dass Mackenzie Kondome bei sich gehabt hatte. Daher war es immerhin möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, dass Mackenzies Tochter sein Kind war.

Dylan fuhr in die Garage, parkte neben seiner Viper, einem rassigen schwarzen Sportwagen, und eilte ins Haus. Im Bad beugte er sich zum Spiegel. Er hatte es sich nicht eingebildet – Hopes hatte die gleiche Ohrform. Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Mann das gleiche genetische Merkmal aufwies?

Dylan ging ins Wohnzimmer und nahm ein Fotoalbum aus dem Regal. Er blätterte darin, bis er ein ganz bestimmtes Foto fand, schaltete die Stehlampe neben dem Sessel ein, setzte sich und hielt das Album in den Lichtschein.

„Nein …“ Das Foto zeigte seine Mutter und seine Tante Gerri auf der Veranda. Seine Mutter war darauf etwa zwölf, Tante Gerri acht oder neun. Hope war Gerri wie aus dem Gesicht geschnitten.

„Nein …“ Er schloss die Augen. Erst wurde ihm heiß, dann übel. Er hatte eine Tochter. Er war Vater. Hope war von ihm.

Was zum Teufel geht hier vor?

„Babe!“ Jenna kam mit einer leeren Reisetasche über der Schulter durch die Haustür. „Wo steckst du?“

„Im Wohnzimmer.“

„Da bist du ja.“ Jenna ließ die Tasche fallen, kletterte auf seinen Schoß und küsste ihn leidenschaftlich. „Ich habe dich vermisst, Babe.“ Sie schmiegte sich an ihn.

„Ich dich auch“, erwiderte er automatisch.

„Was siehst du dir an?“

Dylan klappte das Album zu. „Ich habe nur etwas für Tante Gerri nachgesehen.“

„Sei ehrlich.“ Jenna knöpfte sein Hemd auf. „Bist du mir böse?“

„Warum sollte ich?“ Er hatte das Gefühl zu ersticken, und wünschte, sie würde ihn in Ruhe lassen.

„Weil ich zu Denise nach L. A. will. Hast du meine Nachricht nicht bekommen?“

Mit Mühe konzentrierte er sich auf ihre Worte. „Wann fährst du?“

„Morgen. Erinnerst du dich an das Casting, das ich diese Woche hatte? Ich habe eine Rolle in dem Pilotfilm für die neue Serie bekommen!“ Jubelnd umarmte sie ihn. „Unglaublich, was?“

„Glückwunsch, Jenna. Ich freue mich für dich.“

„Du bist mir wirklich nicht böse?“

„Nein.“ Er streichelte ihren Arm. „Natürlich nicht.“

„Wahrscheinlich können wir uns an den Wochenenden sehen.“

„Bestimmt.“

„Und …“ Sie küsste ihn auf den Hals. „Ich glaube, der Sex wird dann noch heißer als jetzt, meinst du nicht auch?“

Dylan rang sich ein Lächeln ab.

„Kommst du für einen Quickie mit nach oben, bevor ich packe?“ Jenna schob eine Hand unter sein Hemd. „Ich habe nur eine Stunde Zeit, weil ich bei mir zu Ende packen muss, aber wenn du willst …“

Er tätschelte ihr Bein. „Nicht jetzt, Jenna. Ich bin … kaputt.“

Sie zuckte mit den Schultern. „Dann leiste mir wenigstens Gesellschaft, während ich packe.“

Sie glitt von seinem Schoß, nahm seine Hand, und er folgte ihr die Treppe hinauf. Er setzte sich auf den Rand der Badewanne, während sie ihre Schublade ausräumte und unaufhörlich von der neuen Rolle schwärmte.

Normalerweise genoss Dylan es, mit Jenna zusammen zu sein, aber heute ging sie ihm auf die Nerven. Er trug ihr die Tasche zum BMW und küsste sie zum Abschied, obwohl er ahnte, dass ihre Beziehung so gut wie zu Ende war. Sie hatten beide von Anfang gewusst, dass es nicht sehr lange anhalten würde.

Als sie um die Ecke bog, ging er ins Haus zurück und auf den Balkon, um auf den Ozean zu schauen. Er brauchte einen klaren Kopf, und meistens bekam er den beim Surfen. Die Wellen waren nicht sehr hoch, aber das machte nichts. Er wollte einfach nur Dampf ablassen. Als er nach zwei Stunden auf dem Brett unter die Dusche ging, wusste er, was er tun musste.

Er würde Mackenzie zur Rede stellen und sie unverblümt fragen, ob Hope seine Tochter war. Er trocknete sich ab, zog sich an und wählte eine vertraute Nummer.

„Jordan, gut, dass ich dich erwische.“ Sein Stift schwebte über dem Notizblock. „Hör mal, vielleicht habe ich einen Auftrag für deine Cousine Mackenzie. Kannst du mir ihre Nummer geben?“

Mackenzie stellte Hopes Medikamente in den Schrank zurück. Der kleine Unfall in der Scheune hatte ihre Tochter Kraft gekostet, und nachdem sie gegessen und ihre Medikamente genommen hatte, war sie sofort zu Bett gegangen.

„Erzähl schon“, befahl Rayna am Telefon. „Sie sind sich tatsächlich begegnet?“

Mackenzie schob einige Rezeptkästen zur Seite und setzte sich auf die Couch. „Er hat mich hingefahren, und es hat sich einfach ergeben.“

„Du weißt, dass ich nicht an Zufälle glaube.“

„Ja, ich weiß.“

„Und was willst du jetzt tun?“

Mackenzie rieb sich die Augen. „Ich bringe diese Woche irgendwie hinter mich, und dann rufe ich ihn an und verabrede mich mit ihm.“

„Weißt du schon, was du sagen willst?“

„Nein, keine Ahnung.“ Mackenzie starrte an die Zimmerdecke. „Mir bleiben noch einige Tage, um darüber nachzudenken. Gibt es einen Ratgeber für so etwas?“

„Das weiß ich nicht. Wir könnten im Internet nachsehen.“

Mackenzie streifte die Schuhe ab und zog die Strümpfe aus. „Das war ein Scherz, Rayna.“

„Ich weiß. Aber ich wette, es gibt jede Menge Tipps, wie man dem Vater seines Kindes beibringt, dass er der Vater ist …“

„Sehr witzig.“ Mackenzie rollte sich zusammen.

„Entschuldige. Aber vielleicht gibt es irgendwo ein DNA für Dummies …“

Mackenzies Telefon meldete einen Anrufer. „Bleib dran, Rayna. Da ruft jemand an.“ Sie schaute aufs Display.

Dylan Axel.

„Es ist Dylan.“

„Ich lege auf“, erwiderte Rayna. „Ruf mich an!“

„Hallo?“

„Hier ist Dylan, Mackenzie.“ Es fiel ihm schwer, ruhig zu klingen. „Wie geht es Hope?“

„Sie ist erschöpft. Der Arzt hat gesagt, sie kann morgen wieder in die Scheune.“

„Das freut mich.“ Dylan ging nervös im Kreis.

„Hat Jordan dir meine Nummer gegeben?“, fragte Mackenzie nach einem Moment.

„Ja.“ Er musste zur Sache kommen. „Es gibt da etwas, das ich dich fragen muss.“

„Was denn?“

Dylan blieb stehen und schloss die Augen. „Ist Hope von mir?“

Mackenzie zuckte zusammen und biss sich so fest auf die Lippe, dass sie Blut schmeckte. Einmal mehr war das Schicksal ihr zuvorgekommen. Sie hatte auf den richtigen Moment warten wollen. So hatte sie es sich nicht vorgestellt.

Am anderen Ende wartete Dylan ungeduldig. Er hatte gehört, wie Mackenzie der Atem stockte. Er kannte die Antwort bereits: Hope war seine Tochter. „Ist Hope von mir?“, wiederholte er.

Mackenzie schaute zu Hopes Zimmer hinüber und war froh, dass ihre Tochter früher als sonst zu Bett gegangen war. „Ich …“, flüsterte sie, „ich glaube nicht, dass wir das am Telefon besprechen sollten.“

„Da hast du vermutlich recht. Sag mir wo und wann, und ich bin da.“

„Nach der Arbeit morgen.“ Mackenzie stand auf. „Aber ich weiß nicht, wo wir uns treffen könnten.“

„Bei mir“, schlug Dylan vor, die Augen noch immer geschlossen.

Sie presste sich gegen die Wand. „Ich bitte jemanden, auf Hope aufzupassen. Gegen Viertel nach sechs kann ich bei dir sein.“

„Bis dann.“ Er schlug die Augen auf. „Gute Nacht, Mackenzie.“

„Gute Nacht.“ Mackenzie drückte auf die rote Taste, rutschte langsam an der Wand nach unten, schlang die Arme um die Beine und legte den Kopf auf die Knie. Seit sie Hope im Krankenhaus das erste Mal in den Armen gehalten hatte, hatte sie geahnt, dass dieser Tag irgendwann unweigerlich kommen würde. Und jetzt, da es so weit war, fühlte sie sich wie gelähmt und zugleich … erleichtert.

Aber mit der Erleichterung kam auch die Ungewissheit. Sie betete, dass Dylan seine Tochter nicht zurückweisen würde. Aber was, wenn er in Hopes Leben eine größere Rolle spielen wollte? Sie hatte Hope zehn Jahre lang allein großgezogen. Sie beide gegen den Rest der Welt. Vielleicht war sie egoistisch, aber es gefiel ihr so.

Um sich abzulenken, räumte Dylan auf. Rastlos ging er von Zimmer zu Zimmer, wischte Staub und klopfte Kissen zurecht. In der Küche lud er den Geschirrspüler aus, obwohl die Haushälterin am Morgen kam. Er stellte die Gläser in den Schrank und knallte den Spüler zu.

Noch immer frustriert ging er an den Strand und rannte los. Als seine Beine zu brennen begannen und die Muskeln streikten, stolperte er. Er ließ sich in den Sand fallen, schnappte nach Luft, setzte sich auf und presste die Stirn auf die Knie. Dann drückte er die sandigen Finger auf die Augen und kniff sich in die Nase, um die Tränen zu unterdrücken.

Er hatte nie Vater werden wollen und alles getan, um es zu verhindern. Selbst wenn er länger mit einer Frau zusammen gewesen war und gewusst hatte, dass sie die Pille nahm, hatte er immer ein Kondom benutzt. Nur ein einziges Mal nicht, und jetzt musste er sich die Frage stellen, vor der er sich immer gedrückt hatte: Würde er ein so schlechter Vater sein, wie sein eigener es gewesen war?

„Ich bin da.“ Mackenzie hielt auf dem Parkstreifen nicht weit von Dylans Haus, um über die Freisprechanlage mit Rayna und Charlie zu telefonieren.

„Viel Glück, Mackenzie“, sagte Charlie.

„Und vergiss nicht …“, begann Rayna.

„Rayna“, unterbrach Mackenzie sie. „Bitte, nicht noch mehr geistlicher Zuspruch, das ertrage ich im Moment nicht.“

„Ich wollte nur sagen, dass wir immer für dich da sind.“

„Danke. Ich hole Hope ab, sobald ich hier fertig bin.“

Mackenzie legte auf, stieg aus und starrte minutenlang zu Dylans Haus, bevor sie sich einen Ruck gab. Sie musste das Treffen hinter sich bringen. Sie atmete tief durch, bevor sie klopfte. Dieses Mal öffnete er fast sofort.

„Komm rein.“

Sie betrat seine Welt. Wie bei ihrem ersten Besuch fiel ihr auf, wie aufgeräumt und ordentlich alles war. Die Einrichtung wirkte funktional, teuer und männlich. Eine typische Junggesellenbude, ganz anders als ihr gemietetes Haus in Balboa Park, das sie mit Flohmarktfunden und Schnäppchen möbliert hatte.

„Möchtest du etwas trinken?“ Dylan stand mehrere Schritte entfernt, die Hände in den Hosentaschen. Heute sah er anders aus als sonst. Kein jungenhaftes Funkeln in den Augen, die Miene starr und ernst, der Mund schmal.

Autor

Teresa Southwick

Teresa Southwick hat mehr als 40 Liebesromane geschrieben. Wie beliebt ihre Bücher sind, lässt sich an der Liste ihrer Auszeichnungen ablesen. So war sie z.B. zwei Mal für den Romantic Times Reviewer’s Choice Award nominiert, bevor sie ihn 2006 mit ihrem Titel „In Good Company“ gewann. 2003 war die Autorin...

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