Bianca Extra Band 162

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COWBOY, PLAYBOY – MANN FÜRS LEBEN? von ROCHELLE ALERS

In den Medien gilt Rodeo-Star Ross Burris als beziehungsunfähiger Playboy. Das muss er ändern! Als die hübsche Reporterin Celeste ein langes Interview mit ihm machen will, hat er eine raffinierte Idee: Sie soll ihn einen Monat lang als seine angebliche Ehefrau begleiten …

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  • Erscheinungstag 30.05.2026
  • Bandnummer 162
  • ISBN / Artikelnummer 0802260162
  • Seitenanzahl 432

Leseprobe

Rochelle Alers, Sasha Summers, Stella Bagwell, Rachel Lee

BIANCA EXTRA BAND 162

Rochelle Alers

1. KAPITEL

„Bitte kommen Sie herein, Ross. Und danke, dass Sie so schnell kommen konnten.“

Ross Burris setzte sich auf den Besucherstuhl an Rylee Parkers Schreibtisch. Die PR-Managerin des Convention Centers hatte ihm am Mittag eine Voicemail geschickt und um einen Termin wegen einer Marketingangelegenheit gebeten. Da er neugierig war und außerhalb der Rodeo-Saison nichts Besseres zu tun hatte, hatte er einen Termin gleich am Nachmittag vorgeschlagen.

„Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Verlobung“, sagte er und deutete auf den Diamantring an ihrer linken Hand.

Rylee lächelte. „Danke schön.“ Sie hielt kurz inne und fuhr dann fort: „Ich wollte Sie wegen eines möglichen Interviews sprechen. Eine Fernsehreporterin möchte einen längeren Beitrag über Rodeoreiter bringen. Ihr Chef wollte, dass sie ein Exklusivinterview mit Geoff macht, aber da er ja derzeit außer Landes ist, dachte ich, Sie würden vielleicht einspringen.“

Überrascht lehnte sich Ross im Stuhl zurück. Seine Brüder und er gehörten zu der in Montana und den umliegenden Staaten berühmten Rodeofamilie Burris, aber Geoff war eindeutig der Star. Allerdings befand er sich mit seiner Verlobten auf einer längeren Europareise und würde erst kurz vor dem Beginn der Saison zurückkehren.

Er selbst war bereits dabei, seinen Abschied vom Rodeo vorzubereiten und wollte in Zukunft etwas ganz anderes machen. Deshalb schüttelte er den Kopf.

„Ich weiß nicht, Rylee. Ich habe gerade viel auf der Ranch zu tun …“

Sie griff nach einem Schnellhefter, den sie ihm reichte. „Bevor Sie absagen, schauen Sie sich das bitte kurz an. Die Reporterin arbeitet für den Chicagoer Zweig eines nationalen Senders und hat unglaublich gute Zuschauerzahlen. Ein wenig Werbung für die Familie kann doch nie schaden, oder?“

Ross wunderte sich, warum Rylee ihn so zu diesem Interview drängte, doch dann schlug er den Hefter auf und sah auf der ersten Seite ein Schwarz-Weiß-Bild der Reporterin. Celeste Montgomery lächelte nicht, aber ihre Lippen waren ein klein wenig geöffnet, was seine Aufmerksamkeit fesselte. Die Frau strahlte unglaubliches Selbstbewusstsein aus. Er blätterte durch die Seiten und heuchelte Interesse, doch alles, woran er denken konnte, war das Foto dieser unglaublich attraktiven Frau.

„Sie braucht dieses Interview wirklich“, sagte Rylee.

„Sie braucht es? Wieso?“

„Wenn Sie einem Treffen zustimmen, wird sie es Ihnen sicherlich selbst erklären.“

Ross schloss den Hefter und legte ihn auf den Schreibtisch zurück. Seine Neugier siegte. Sah diese Journalistin wirklich so gut aus wie auf dem Foto? Und wieso brauchte sie unbedingt ein Interview mit einem Rodeoreiter, der zur Gemeinschaft der Schwarzen Rodeoperformer gehörte? Es gab nur einen Weg, das herauszufinden.

„Na schön. Sagen Sie Ms. Montgomery, dass ich sie morgen um eins im DJs Deluxe treffe. Ich warte an der Bar auf sie.“

Rylee lächelte geradezu erleichtert. „Ich danke Ihnen.“

Er stand auf und nickte. „Nichts zu danken.“

Morgen um diese Zeit würde er mehr wissen.

Entspann dich. Ein anderer Burris ist immer noch besser als gar kein Burris, sagte sich Celeste Montgomery immer wieder, als sie das gehobene Grillrestaurant in Bronco Heights betrat. Als Rylee sie angerufen hatte, um ihr mitzuteilen, dass Ross Burris bereit war, für seinen Bruder einzuspringen, hatte sie sofort begonnen, über ihn zu recherchieren. Und was sie über ihn herausgefunden hatte, hatte tatsächlich das Potenzial, die Einschaltquoten zu erhöhen – allerdings nicht wegen des Rodeosports.

Während Ross’ Brüder Geoff, Jack und Mike verheiratet oder zumindest verlobt waren, war Ross als der „Rodeo-Romeo“ bekannt. Anscheinend hatte er in jeder Stadt, in der er auftrat, eine andere, die er jeweils genauso schnell wieder fallenließ, wie er sie kennenlernte.

Celeste störte das nicht weiter – leben und leben lassen. Sie hatte ein ganz anderes Problem: Sie war sich hundertprozentig sicher, dass ihr Chef, Dean Johnson, sie nach Montana geschickt hatte, um sie loszuwerden. Vermutlich hatte er sogar gewusst, dass Geoff Burris nicht verfügbar war und gehofft, sie würde ohne ein Interview zurückkehren, um ihr kündigen zu können.

Aber da hatte er die Rechnung ohne Celeste gemacht. Sie würde ihm seine Story liefern – nur eben mit einem anderen der Burris-Brüder.

Celeste straffte die Schultern, als sie Ross Burris an der Bar sitzen sah. Kein Wunder, dass die Frauen sich ihm an den Hals warfen. Der Mann sah umwerfend aus. Sie hatte damit gerechnet, dass er als Cowboy in einem Karohemd, Jeans und abgewetzten Cowboystiefeln auftauchen würde, stattdessen trug er ein gebügeltes weißes Hemd, einen schwarzen Wildlederblouson, eine schwarze Hose und glänzende schwarze Stiefel. Als sie auf ihn zuging, stand er auf, nahm einen schwarzen Stetson vom Hocker neben sich und streckte ihr die andere Hand hin.

„Danke, dass Sie einem Treffen zugestimmt haben, Mr. Burris.“

„Keine Ursache, Ms. Montgomery.“

Beim Händedruck spürte Celeste die leichten Schwielen an seinen Händen und als sie gleichzeitig in seine faszinierend großen braunen Augen blickte, spürte sie ein Kribbeln ihren Arm hinauflaufen. Es fiel ihr schwer, den Blick abzuwenden, und sie blieb an seinem Mund hängen, der von einem kurz geschnittenen Schnurr – und Kinnbart eingerahmt war.

„Bitte nennen Sie mich Celeste“, bot sie an.

„Nur wenn Sie mich Ross nennen.“

Celeste atmete ein – zum ersten Mal, seit sie Ross an der Bar gesehen hatte, wie ihr schien. „Also gut, dann Ross.“

„Hätten Sie was dagegen, wenn wir was essen, während wir reden?“

„Absolut nicht.“

Celeste hatte zum Frühstück nur einen Kaffee getrunken, weil sie den ganzen Vormittag am Laptop verbracht hatte, um sich über das Rodeo im Allgemeinen und Ross im Besonderen zu informieren. Außerdem liebte sie Barbecue.

Ross zog Celeste den Stuhl heran, dann setzte er sich ihr gegenüber an den Zweiertisch. Natürlich war es äußerst unhöflich, sie die ganze Zeit so anzustarren, aber er konnte den Blick einfach nicht abwenden. Sie trug das lange schwarze Haar geglättet und offen, ihre braunen Augen waren mandelförmig und ihre makellose Haut hatte einen goldenen Unterton. Ihr schwarzer, auf Figur geschnittener Hosenanzug, die Designerschuhe und die dazu passende Handtasche verrieten sofort, dass sie aus der Großstadt kam. Perlenohrringe und eine einreihige Perlenkette vervollständigten ihren elegant-professionellen Look.

„Möchten Sie etwas trinken, bevor wir bestellen?“, fragte er und senkte den Blick.

„Ja, gern. Ein Wasser mit Kohlensäure, bitte.“

Ross winkte die Kellnerin heran, dann gab er Celeste Zeit, die Speisekarte zu studieren. Als ihre Getränke gebracht wurden, bestellten sie ihr Essen, dann hob Ross sein Glas Hausbräu und berührte ihr Wasserglas.

„Arbeiten ist gut, solange man nicht vergisst zu leben.“

Celeste blickte ihn an. „Ist das von Ihnen?“

„Nein, das ist ein Bantu-Sprichwort“, erwiderte er lächelnd.

„Sie haben Bantu-Wurzeln?“

Er wirkte überrascht. „Haben Sie keine Recherchen über mich angestellt?“

„Doch, natürlich.“

„Und was haben Sie herausgefunden?“

Celeste trank einen Schluck Wasser. „Dass Sie nicht den besten Ruf haben, was Frauen angeht.“

Ross schüttelte den Kopf. „Man darf nicht alles glauben, was man liest.“

„Ach ja? Dann sagen Sie also, dass die Social-Media-Posts, die Sie als ‚Mr. One-Night-Stand‘ bezeichnen, gelogen seien?“

„Absolut. Sehe ich aus, als würde ich eine Frau ausnutzen?“

„Keine Ahnung. Ich kenne Sie ja nicht.“

Er grinste breit. „Soll das heißen, Sie würden mich gern besser kennenlernen?“

Celeste blieb kurz die Luft weg, aber sie fasste sich schnell wieder. Auf keinen Fall würde sie auf die Flirtversuche dieses sexy Cowboy hereinfallen. Sie hatte hier einen Job zu erledigen und war durchaus in der Lage, seinem Charme – den bestimmt viele Frauen durchaus attraktiv fanden – zu widerstehen.

„Wenn Sie damit meinen, dass ich Sie besser kennenlerne, damit sie mir das Interview gewähren, dann Ja.“

„Wenn ich dem Interview zustimme, dann möchte ich vorher sehen, was sie bei Ihrem Sender abgeben werden.“

„Soll das heißen, dass ich keine Fragen zu dem kürzlichen Zwischenfall mit einer Frau aus Texas und zu dem Video von Ihrer sehr öffentlichen Trennung von ihr stellen darf?“

„Genau das soll es heißen.“

Sein Gesichtsausdruck zeigte deutlich, dass ihm die Erwähnung seines Rufs als Frauenheld nicht gefiel. Deshalb beschloss sie, nachzuhaken.

„Und was ist mit den anderen Frauen, die ähnliche Sachen über Sie gepostet haben?“

Er straffte die Schultern. „Wollen Sie mich zum Rodeo oder über mein Privatleben interviewen?“

„Ist ihr Privatleben nicht eng mit dem Rodeo verbunden?“

„Nein. Mein Job in der Arena als Bronc-Rider hat rein gar nichts damit zu tun, was ich tue, wenn ich nicht auftrete. Und da Sie eine professionelle Journalistin sind, gehe ich davon aus, dass Sie nicht alles glauben, was Sie im Internet lesen.“

„Das stimmt. Aber als Journalistin muss ich auch die Fakten kennen.“

Ross trank einen Schluck und blickte sie dann eindringlich an. Sie hatte das Gefühl, dass er sie komplett durchschaute.

„Darf ich Sie fragen, was Sie übers Rodeo wissen?“

Sie atmete tief durch. Möglicherweise wollte er mit der Frage auf etwas ganz anderes heraus, aber sie fühlte sich ertappt. Lügen war zwecklos, er würde es sowieso merken, wenn er dem Interview zustimmte.

„Absolut nichts“, gab sie freimütig zu.

Er runzelte die Stirn. „Das verstehe ich nicht. Wieso wurden Sie beauftragt, über einen Sport zu berichten, von dem Sie keine Ahnung haben?“

Celeste beschloss, bei ihrer Offenheit zu bleiben. „Ich kann mir meine Aufträge nicht aussuchen. Zumindest nicht alle.“

„Aber was für einen Sinn hätte es, jemanden, der nichts über den Rodeosport weiß, einen bekannten Rodeoreiter interviewen zu lassen?“

Sie atmete tief durch. „Das müssen Sie meinen Boss fragen.“

Ross beugte sich vor. „Wieso, was ist denn mit ihm?“

„Früher dachte ich, dass er einfach keine Frauen mag. Aber dann wurde mir klar, dass er nur einfach mich nicht mag, und seit einiger Zeit ist es seine liebste Beschäftigung, mir Steine in den Weg zu legen. Er gibt mir absichtlich Themen, mit denen ich mich nicht auskenne, weil er möchte, dass ich kündige. Aber diesen Gefallen werde ich ihm nicht tun. Er hat mich hierher nach Montana geschickt, um mich loszuwerden, am liebsten für immer. Weil ich entweder kündige oder weil ich es nicht schaffe, ein anständiges Interview abzugeben. Vermutlich wusste er sogar, dass Ihr Bruder gar nicht im Lande ist.“

Sie hielt kurz inne, dann fügte sie hinzu: „Es ist zwar unprofessionell von mir, Ihnen das zu erzählen, aber ich möchte, dass Sie wissen, warum ich dieses Interview brauche.“

„Schon gut, ich verstehe Ihre Situation. Warum verbünden wir uns nicht einfach? Wenn wir zusammenhalten, können wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

Aus zusammengekniffenen Augen blickte sie ihn an. „Zwei Fliegen?“

Er seufzte. „An diesen Frauengeschichten ist wirklich nichts dran, das versichere ich Ihnen. Aber vor allem dieses letzte Video in den sozialen Medien hat meinem Ruf geschadet, und das kann ich gerade gar nicht brauchen. Ich bin dabei, mir eine Zukunft nach dem Rodeo aufzubauen, und da möchte ich nicht als Bad Boy dastehen. Also helfen Sie mir, meinen Ruf wiederherzustellen, und ich helfe Ihnen, Ihren Job zu behalten und glänzend dabei dazustehen.“

Celeste musste zugeben, dass sie neugierig war, wenn sie auch keine Ahnung hatte, auf was er hinauswollte.

„Und wie stellen Sie sich das vor?“, fragte sie.

„Es ist was Großes. Deshalb bin ich nicht sicher, ob Sie darauf eingehen würden.“

Angesichts seines Rufes hoffte Celeste, dass er nicht versuchte, sie auf diese Weise rumzukriegen.

„Ich kann Ihnen nicht sagen, ob ich darauf eingehen würde, solange ich nicht weiß, was sie vorschlagen wollen.“

Ross blickte sie aus seinen großen braunen Augen eindringlich an.

„Heiraten Sie mich.“

Ross war sich nicht sicher gewesen, wie Celeste reagieren würden, aber er hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihre Serviette auf den Mund pressen musste, um ihr Lachen zu unterdrücken. Sie lachte noch immer, als ihr Essen gebracht wurde.

„Wie um alles in der Welt kommen Sie denn auf so eine absurde Idee?“, fragte sie, als der Kellner wieder gegangen war und sie wieder sprechen konnte.

Ross fand die Idee ungewöhnlich, aber nicht absurd. „Lassen Sie mich bitte zuerst erklären, wie es zu diesem letzten Vorfall gekommen ist, der so unglaublich viele negative Kommentare zur Folge hatte.“

„Ich bin ganz Ohr.“

„Ich habe in Texas diese Frau kennengelernt und war zwei Mal mit ihr essen. Weil ich sie interessant fand, sonst nichts. Sie hat daraus allerdings geschlossen, dass wir jetzt zusammen sind. Und als ich ihr sagte, dass wir das nicht sind, hat sie gepostet, ich hätte sie fallenlassen. Wir waren wie gesagt nur essen, mehr nicht. Zwei Mal.“

„Sie hat nach zwei Dates behauptet, sie beide wären ein Paar?“

„Ja. Und leider fand das Gespräch in einem Restaurant statt, wo irgendein Gast es aufgenommen und ebenfalls gepostet hat. Den Rest kennen Sie ja. Endlose Kommentare, dass Ross Burris ein Schwein ist, der Frauen benutzt und sie dann fallenlässt.“

„Und wie stehen Sie zu Beziehungen?“

„Ich hatte noch nicht viele, weil ich keine wollte.“

„Sie wollen keine ernsthafte Beziehung, aber Sie wollen mich heiraten?“

Ross überlegte, ob er Celeste seine Beweggründe anvertrauen konnte.

„Wenn wir heiraten, werden sich die Wogen wieder glätten“, sagte er. „Es stört mich, dass so etwas über mich verbreitet wird, denn außer mir und meiner Familie weiß niemand, dass das einfach nur Lügen sind.“

Celeste deutete auf seinen Teller: „Essen Sie erst mal was, bevor es kalt wird.“

Er starrte auf seinen Steakburger und biss schließlich hinein.

„Ich möchte meinen Abschied vom Rodeo langsam vorbereiten“, sagte er schließlich doch. „Mein Traum ist es, ein Nachhilfezentrum in Bronco Valley zu eröffnen, wo Schulkinder nach der Schule kostenlos betreut werden und Hilfe bei den Hausaufgaben und Testvorbereitungen bekommen. Dafür habe ich die letzten Jahre außerhalb der Rodeosaison meinen Bachelor- und Master in Pädagogik gemacht.“

Celeste machte große Augen. „Sie setzen sich zur Ruhe?“

„Nicht ganz. Ich werde immer noch auftreten, aber nicht mehr immer und überall.“

Celeste war nun völlig verwirrt. Dieser Mann, praktisch ein Fremder, bat sie, ihn zu heiraten, weil das auf wundersame Weise sowohl seine als auch ihre Probleme lösen würde? Aber wie sollte das gehen?

„Ich verstehe immer noch nicht so ganz, wie Sie sich das denken“, sagte sie vorsichtig.

Ross streckte die Hand über den Tisch aus und legte sie auf ihre.

„Wir müssten natürlich gut schauspielern und so aussehen, als hätten wir uns unsterblich ineinander verliebt. Es muss so aussehen, als ob ich mir schon seit einigen Monaten ein Leben ohne Sie nicht mehr vorstellen kann und dass deshalb die Geschichten, ich hätte was mit anderen gehabt, völlig aus der Luft gegriffen sind. Ich war nicht interessiert, weil ich Celeste Montgomery liebe und sie heiraten will. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Geschichte ein schnödes Interview mit mir oder meinem Bruder absolut toppen wird.“

War der Mann zu oft von einem Pferd getreten worden? Am Kopf?

„Das wird doch niemand glauben. Vor allem nicht, dass wir schon monatelang heimlich zusammen sind.“

Ross drückte ihre Hand noch ein wenig mehr. „Würden Sie mir glauben, wenn ich Ihnen sagen, dass Sie die erste Frau sind, bei der sofort der Funke übergesprungen ist? Schon als Rylee mir Ihre Pressemappe mit Ihrem Foto gezeigt hat, wusste ich nur, dass ich Sie unbedingt kennenlernen möchte.“

Celeste versuchte, seine charmanten Worte zu ignorieren. Das leichte Kribbeln, das von ihrer Hand aus ihren Arm hinauflief und sich in ihrem ganzen Körper ausbreitete, war leider nicht so leicht auszuschalten. Sie reagierte körperlich auf seine Berührung, was ihr sagte, dass sie umso vorsichtiger sein musste, nicht auf seinen Charme hereinzufallen. Allerdings hatte er auch etwas von einem kostenlosen Nachhilfezentrum für Schulkinder erzählt. Vielleicht stimmte es ja, was er sagte, und die vielen negativen Berichte über ihn waren gelogen. Aber dennoch …

„Ich weiß nicht“, sagte sie zweifelnd. „Das alles kommt mir trotzdem sehr fadenscheinig vor.“

Sie wurde vom Klingeln ihres Handys unterbrochen.

„Tut mir leid, da muss ich rangehen. Das ist mein Chef. Hallo Dean.“

„Hast du das Interview bekommen?“

Celeste schloss die Augen und hielt das Handy weg von ihrem Ohr. Warum musste der Mann immer so schreien, wenn er mit ihr sprach?

„Noch nicht“, sagte sie wahrheitsgemäß. „Ich arbeite dran.“

„Diese Ausrede hast du mir schon vor einer Woche aufgetischt. Wie lange brauchst du denn dafür, einen einfachen Interviewtermin mit Burris zu machen? Ich warne dich, wenn du mir die Story nicht bringst, dann gebe ich sie jemand anderem, der besser qualifiziert dafür ist. Aber das wird sich dann nicht gut auf deine Karriere auswirken.“

Sie öffnete die Augen wieder und bemerkte, dass Ross sie anstarrte.

„Wie gesagt, ich arbeite daran“, wiederholte sie und betonte diesmal jedes Wort.

Ross holte sein Handy hervor und tippte schnell etwas ein, dann drehte er es zu ihr herum.

„Einen Moment, Dean“, sagte sie, um die Worte zu lesen.

Sag ihm, dass du eine noch viel bessere Story hast als ein Interview mit Geoff. Wenn du mich heiratest.

Celeste atmete tief durch. „Und woran ich arbeite, ist eine noch viel größere Story als die mit Geoff Burris. Es geht um einen seiner Brüder.“

„Ach ja, und was soll das sein?“

„Das kann ich dir gerade nicht sagen, aber es wird dir gefallen, glaub mir.“

Dean gab ein abschätziges Geräusch von sich. „Na schön, aber was immer es ist, es muss auf jeden Fall unsere Quoten durch die Decke schießen lassen.“

„Das wird es“, versprach sie und schickte im Stillen ein Stoßgebet zum Himmel, dass sie nicht gerade ihre ganze Karriere gefährdet hatte.

Tatsächlich aber würde ein Interview mit Geoff Burris wohl kaum für so viel Wirbel sorgen, wie wenn sie seinen sogenannten Bad-Boy-Bruder Ross heiratete.

„Hat er es dir abgekauft?“, fragte Ross, als sie ihr Handy wieder in die Tasche schob.

„Ich denke schon“, erwiderte sie lächelnd.

„Also machen wir es? Wir heiraten?“

Unvermittelt hatte Celeste das Gefühl, an einem Abgrund zu stehen. Entweder krallte sie sich auf vertrautem Boden fest – oder sie sprang ins Unbekannte. Und das Unbekannte bestand darin, Ross Burris zu heiraten.

Sie hatte Dean gerade eine sensationelle Story versprochen. Wenn sie jetzt nicht lieferte, würde sie degradiert oder gar gefeuert werden. Ihren nächsten Karriereschritt konnte sie dann vergessen.

Sie atmete langsam ein und genauso langsam wieder aus und konnte selbst kaum fassen, was sie gerade tat – doch sie tat es.

„Ja“, sagte sie schlicht.

Ross lächelte und sie erwiderte sein Lächeln. Hoffentlich wirkte sie gefasster, als sie sich gerade fühlte.

„Dann lass uns gleich anfangen. Wo wohnst du?“

„Im Heights Hotel.“

„Gut, dann checke dort aus. Ich hole dich heute Nachmittag ab und bringe dich in mein Haus, wo wir dann genau absprechen können, wie unsere stürmische Beziehung abgelaufen ist und was wir für die Hochzeit organisieren wollen.“

„Ich soll in deinem Haus schlafen?“

„Natürlich. Alles andere wäre unglaubwürdig so kurz vor der Hochzeit.“

Celeste spürte, wie sie rot wurde. Sie war achtundzwanzig Jahre alt und hatte bisher nur eine längere Beziehung gehabt. Sie würde Ross auf dem Papier heiraten, mehr nicht. Natürlich musste alles echt aussehen, und sie würde nicht diejenige sein, an der das scheiterte.

„Dann werde ich gleich packen und bin fertig, wenn du nachher kommst.“

Als der Kellner die Rechnung brachte, reichte Ross ihm seine Kreditkarte, bevor sie ihre hinlegen konnte, was sie ärgerte. Es gab dem Ganzen hier die Anmutung eines Dates, was es ganz sicher nicht war. Sie hatten ein Geschäftsabkommen, mehr nicht.

Ross bezahlte und brachte sie dann zu ihrem Mietwagen auf dem Parkplatz des Restaurants.

„Ich hole dich um vier ab“, sagte er. „Du kannst deinen Mietwagen abholen lassen oder auf dem Hotelparkplatz stehen lassen. Ich habe einen Zweitwagen, den du fahren kannst, während du hier bist.“

Celeste nickte. „Ist gut. Ich warte in der Lobby auf dich.“

Er trat einen Schritt auf sie zu, neigte den Kopf und strich mit seinen Lippen leicht über ihre. „Bis später, Babe.“

Celeste erstarrte. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass er sie küssen würde, aber natürlich war es logisch: Er versuchte nur, ihre Beziehung echt aussehen zu lassen angesichts der Leute, die zu ihnen herüberstarrten. Also legte sie einen Arm um seinen Hals, stellte sich auf Zehenspitzen und hauchte einen Kuss auf die Stelle unter seinem Ohr.

Als Ross sie daraufhin vollkommen schockiert anstarrte, musste sie fast wieder lachen. Vielleicht betrachtete er das alles hier als Spiel, aber dann hatte er wohl nicht damit gerechnet, dass sie sich nicht so schnell die Butter vom Brot nehmen ließ. Sie hatte in ihrer Karriere schon mit einigen Profisportlern zu tun gehabt, die sie hemmungslos anflirteten, und sie hatte gelernt, mit ihnen umzugehen.

Sie wartete, bis Ross ihr die Autotür aufhielt, dann stieg sie ein und fuhr vom Parkplatz. Als sie noch einmal in den Rückspiegel schaute, stand er immer noch an derselben Stelle. Offenbar war Ross Burris es gewohnt, immer und überall die Zügel in der Hand zu halten und nicht nur beim Rodeo. Aber diesmal nicht. Er brauchte nur eine falsche Ehefrau, die seinen Ruf wiederherstellte – aber sie brauchte eine Story, die auf allen Kanälen für Furore sorgen würde.

2. KAPITEL

Celeste wartete mit ihrem Gepäck in der Hotellobby, als Ross hereinkam. Sie hatte schon ausgecheckt und arrangiert, dass die Parkgebühr für ihre Mietwagen von ihrer Kreditkarte abgebucht werden konnte.

Als Ross auf sie zukam, stand sie lächelnd auf. Er hatte sich umgezogen und trug jetzt Jeans und ein weißes T-Shirt, das seinen muskulösen Oberkörper und seine beeindruckenden Bizeps betonte. Frauen drehten sich zu ihm um und starrten ihm nach. Ganz offensichtlich hatte sie mit ihrem zukünftigen falschen Ehemann eine gute Wahl getroffen.

Auf der Rückfahrt zum Hotel heute Mittag hatte Celeste zum ersten Mal richtig darüber nachgedacht, worauf sie sich da eingelassen hatte. Das Ganze war eigentlich zu verrückt, um wirklich zu funktionieren. Sie vertraute drauf, dass Ross einen Plan hatte.

Als ihre Blicke sich trafen, hoffte sie nur, dass sie diesem Rodeo-Star gewachsen war. Du schaffst das, machte sie sich selber Mut. Jetzt hatte sie ja auch nicht mehr wirklich eine Wahl, wenn sie ihren Job behalten wollte. Wenn Dean Johnson Reality-TV wollte, dann sollte er es bekommen.

Ross neigte den Kopf und küsste Celeste auf die Wange – dabei sehnte er sich eigentlich danach, ihren Mund zu küssen. Die leichte Berührung ihrer Lippen auf dem Restaurantparkplatz war für die Zuschauer gewesen. Natürlich würde es Gerüchte geben, wenn Ross Burris eine Frau in der Öffentlichkeit zum Abschied küsste – wie jedes Mal, wenn das passiert war. Aber mit Celeste war es anders. Einerseits mussten sie der ganzen Welt überzeugend etwas vorspielen – andererseits fühlte er sich auf unerklärliche Weise zu ihr hingezogen.

„Bist du bereit?“, fragte er und griff nach ihrem Koffer.

„Bin ich.“

Ross legte die freie Hand auf ihren unteren Rücken und ging mir ihr zu seinem Auto. Durch die weiße Seidenbluse, die sie zu einem schmalen Etuirock trug, spürte er die Wärme ihrer Haut. Er hatte sie gefragt, ob sie bereit war, dabei war er sich nicht sicher, ob er es denn war. Die Idee mit der Heirat war ihm ganz spontan eingefallen und er wusste beim besten Willen nicht, wie er darauf gekommen war. Doch als er Celestes angespannten Gesichtsausdruck beim Telefonat mit ihrem Chef gesehen hatte – der so laut ins Telefon brüllte, dass Ross jedes Wort verstand –, war sie ihm wie die beste Idee der Welt vorgekommen.

Zwei Fliegen mit einer Klappe: einen beruflichen Triumph für Celeste und die Wiederherstellung seines ramponierten Rufes. Dass sie dafür so tun mussten, als wären sie ein Liebespaar, erforderte natürlich große schauspielerische Qualitäten, zumindest in der Öffentlichkeit. Aber Celeste wirkte auf ihn wie eine Kämpferin. Sie würde sich von ihrem Chef nicht mobben lassen und war bereit, einiges für ihren Erfolg zu tun.

Als sie zu seinem Auto kamen, und er Celeste die Beifahrertür öffnete, wurde sofort klar, dass sie in ihrem Outfit mit dem auf Figur geschnittenen knielangen Rock und den hohen Absätzen Probleme haben würde, auf den erhöhten Sitz des Allradtrucks zu klettern. Kurzerhand legte er die Hände um ihre Taille und hob sie mühelos auf den Ledersitz. Allerdings hoffte er, dass sie auch Jeans und Stiefel im Gepäck hatte.

Sie nickte leicht und lächelte ihn an. „Danke.“

Ross neigte den Kopf. „Gern geschehen.“

Er umrundete den Wagen und setzte sich hinters Steuer. „Wenn wir auf der Ranch sind, können wir die Bedingungen unserer Ehe besprechen. Wir sollten so bald wie möglich alles ins Rollen bringen.“

„Na ja, unsere ‚Beziehung‘ haben wir ja offenbar schon angefangen“, erwiderte sie. „Für wann genau planst du die Hochzeit?“

„Ich würde gern in Vegas heiraten, damit wir am nächsten Wochenende wieder hier sind.“

Überrascht blickte sie ihn an. „Also nächste Woche schon?“

Ross warf ihr einen Seitenblick zu. „Ja. Das lässt uns zwar nur ein paar Tage für die Vorbereitungen, aber wozu warten? Dein Chef beschwert sich sowieso schon, dass ihm alles zu lange dauert, und wir wollen doch, dass er Ruhe gibt. Außerdem ist der Mai doch der klassische Hochzeitsmonat, oder?“ Er wartete keine Antwort ab. „Und inzwischen muss es so aussehen, als ob wir bis über beide Ohren verliebt sind, sonst wird meine Familie nie glauben, dass wir nach Vegas durchgebrannt sind, weil wir keine lange Verlobungszeit wollten.“

Bis jetzt hatte sich Celeste wie in einer Blase gefühlt, in der nur ihr Job, ihr Chef und sie und Ross eine Rolle spielten. Als er jetzt seine Familie erwähnte, wurde ihr zum ersten Mal klar, dass sie auch ihre Verwandten mit dieser Lüge täuschen würden.

„Meinst du, sie kaufen es dir ab?“, fragte sie.

„Das hängt von dir ab.“

„Wieso von mir?“

Ross blickte in den Rückspiegel und bog auf eine Straße ein, die zu seiner kleinen Ranch in Bronco Valley führte.

„Meine Familie glaubt zwar diese ganzen Lügengeschichten nicht, aber sie weiß, dass ich bisher noch nie ans Heiraten oder eine feste Beziehung gedacht habe. Meine Eltern werden ganz froh sein, dass ich endlich ein Ehemann werden will, aber natürlich müssen sie auch davon überzeugt sein, dass ich mir die Richtige ausgesucht habe.“

Celeste schüttelte den Kopf. Ihr war plötzlich ziemlich flau im Magen. „Ich habe bisher nicht daran gedacht, dass wir auch unsere Familien anlügen müssen.“

„Wir müssen nur alle davon überzeugen, dass unsere Beziehung echt ist“, widersprach er. „Brauchen wir einen Vertrag, der die Details festlegt?“

Sie schüttelte den Kopf. „Das ist wohl nicht nötig.“

„Sehe ich auch so. Es gibt keine rechtlichen Haken, da wir weder Sex haben noch einander Geld bezahlen werden.“

Damit stimmte Celeste völlig überein. Mit ihrem zeitweiligen Ehemann zu schlafen, wäre ein furchtbarer Fehler gewesen – zumindest für sie. Sie musste zu jeder Zeit die Kontrolle über ihre Gefühle behalten und durfte sich nicht davon beirren lassen, dass ihre Hormone verrücktspielten, sobald sie in Ross’ Nähe kam. Ganz zu schweigen von ihrem Körper.

„Einverstanden“, sagte sie. „Sobald wir verheiratet sind, werde ich eine Reihe von Beiträgen verfassen, in der unsere Liebesgeschichte das Thema ist.“

„Und ich werde währenddessen meine Kontakte nutzen, um dich als fähige Journalistin in der Rodeo-Branche bekannt zu machen. Sobald wir erreicht haben, was wir wollten, können wir uns still und heimlich trennen – aber erst, nachdem dein Job beim Sender wieder sicher ist oder du ein noch besseres Angebot bekommst. Das wird vielleicht einen Monat dauern, also richte dich darauf ein, den ganzen Mai verheiratet zu sein.“

„Und was passiert danach?“, fragte sie.

„Wonach?“

„Nachdem die Scharade vorbei ist. Ich habe nicht vor, mit einem Mann zu leben oder verheiratet zu sein, den ich nicht liebe.“

„Dann reichst du einfach die Scheidung ein. Ich werde deshalb völlig aufgelöst sein, weil die Ehe nicht funktioniert hat, und werde allen erzählen, dass ich dich freigegeben habe, damit du deine Karriere verfolgen kannst, was von Bronco aus ja schlecht möglich ist.“

„Du meinst, den Rodeo-Romeo mit dem gebrochenen Herzen kauft dir jemand ab?“

Er grinste. „Wart’s nur ab.“

„Na, wenn du das hinbekommst, solltest du kein Problem damit haben, alle davon zu überzeugen, dass die Posts über dich pure Lügen sind.“

„Das hoffe ich.“

„Also bist du wirklich fest entschlossen, deine Familie nicht einzuweihen?“, hakte Celeste nach.

„Absolut. Wenn meine Brüder oder meine Eltern Verdacht schöpfen, dann klappt das nie. Deshalb werde ich uns gleich einen Flug nach Vegas buchen, wenn wir zu Hause angekommen sind. Morgen kaufen wir dann einen Ring und dein Brautkleid.“

„Können wir das nicht auch in Vegas machen?“

Er schüttelte den Kopf. „Nein, in Bronco hat das viel mehr Wirkung. Jeder wird darüber sprechen, dass Ross Burris sein Junggesellenleben aufgibt, um die Frau zu heiraten, mit der er heimlich zusammen war.“

„Du hast auf alles eine Antwort, was?“, fragte sie anklagend.

„Ich habe zumindest einen Plan“, erwiderte er. „Unser beider Zukunft hängt davon ab, dass wir diese ‚Scharade‘, wie du sie nennst, überzeugend hinkriegen.“

Ja, eine Scharade, wo ich so tun muss, als liebte ich einen Mann, den ich heute Mittag zum ersten Mal getroffen habe. Wenn ich das wirklich könnte, wäre ich wohl besser Schauspielerin geworden und nicht Journalistin, dachte Celeste beklommen.

Zumindest musste sie zugeben, dass Ross an fast alles gedacht hatte. Aber um überzeugend zu sein, mussten sie noch viel mehr übereinander wissen.

„Wir brauchen eine übereinstimmende Geschichte, wo und wie wir uns kennengelernt haben“, sagte sie.

„Warst du schon mal in Fort Worth in Texas?“, fragte er.

„Ja, wieso?“

„Wann genau?“

„Ich war im Januar in Dallas, um einen Quarterback zu interviewen, der für die Cowboys spielt, und danach habe ich eine Freundin vom College besucht, die nach der Heirat nach Fort Worth gezogen ist.“

„Perfektes Timing. Von Mitte Januar bis Anfang Februar war in Fort Worth eine große Viehauktion mit Rodeo, an dem ich teilgenommen habe. Wir können also erzählen, dass wir uns in Fort Worth das erste Mal begegnet sind und uns sofort zueinander hingezogen gefühlt haben.“

„Das ist ja verrückt“, bemerkte sie. „Was für ein Zufall.“

„Hast du in Chicago eine eigene Wohnung?“

„Ja. Ein Stadthaus in einem Vorort namens Ashburn.“

„Und du lebst allein?“

„Ja.“

„Super.“

„Wieso?“, fragte sie.

„Weil ich dich dort besucht haben kann, ohne dass irgendjemand es gemerkt hat. Erzähl mir von deiner Familie. Bist du in Chicago aufgewachsen?“

„Nein, in Buffalo, New York. Ich bin nach Chicago gezogen, um aufs College zu gehen, und habe mich hinterher dort bei dem Sender beworben. Meine Eltern wohnen immer noch in Buffalo. Mein Vater ist Zahnarzt, meine Mutter Rektorin an einer Grundschule.“

Ross lächelte. „Da haben wir doch schon was gemeinsam. Mein Vater ist auch Rektor. Hast du Geschwister?“

„Zwei ältere Zwillingsbrüder. Rodney ist Apotheker und Reggie Rechtsanwalt.“

„Wohnen sie auch in Buffalo?“

Celeste schüttelte den Kopf. „Nein. Rodney wohnt mit seiner Frau in Florida, sie haben zwei Mädchen. Und Reggie und seine Frau sind beide beim Militär angestellt. Sie ist Ärztin. Und sie werden alle genauso aus allen Wolken fallen wie deine, wenn ich ihnen erzähle, dass ich in Vegas einen Mann geheiratet habe, den ich bis dahin nur heimlich getroffen habe.“

Ross verzog bei ihrer Ausdrucksweise das Gesicht. So klang es, als hätte sie etwas Verbotenes getan. Er hoffte wirklich, dass ihr Plan keine negativen Auswirkungen hatte. Aber deshalb würden sie sich ja an die Regeln halten. Zum Beispiel würde er nicht mit seiner Frau schlafen, obwohl es ihn unheimlich anmachte, in ihrer Nähe zu sein.

„Meinst du, deine Familie wird enttäuscht sein, wenn wir uns trennen?“

„Keine Ahnung.“ Celeste seufzte und starrte aus dem Fenster. „Als meine Brüder geheiratet haben, meinte meine Mutter, sie freue sich darauf, die Mutter der Braut zu sein.“

„Meine Mutter hat nur vier Söhne, da ist das was anderes.“

„Und drei davon sind verheiratet oder verlobt. Also bist du der letzte, der unter die Haube kommt. Sozusagen.“

Er schüttelte den Kopf. „Die Ironie an dem Ganzen ist, dass ich tatsächlich mit keiner der Frauen geschlafen habe, mit denen ich ausgegangen bin. Wenn mich eine Frau interessiert hat, habe ich sie zum Essen oder zu einem Konzert eingeladen, mehr nicht. Oder bin auf ihre Einladungen eingegangen. Zu mehr hatte ich gar keine Zeit, weil ich auch während der Rodeo-Saison meine Facharbeiten fürs Studium schreiben musste. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich um die Frau, die mir die Szene im Restaurant gemacht hat, einen großen Bogen machen, glaub mir.“

Heimlich wünschte er sich, er wäre stattdessen Celeste über den Weg gelaufen. Dann würden sie jetzt vielleicht nicht so tun müssen, als ob.

„Worüber denkst du nach?“, fragte er, als Celeste nichts mehr sagte.

„Dass ich nicht im Traum daran gedacht hätte, dass ich einmal in Vegas mit einem Elvis-Double als Trauzeugen heiraten würde statt im Kreise meiner Freunde und Familie.“

„Wir werden ja nicht lange verheiratet sein. Vermutlich kannst du die Ehe sogar annullieren lassen“, tröstete er sie.

Doch er hatte das Bedauern in ihrer Stimme sehr wohl bemerkt und kam sich in dem Moment wie ein Schuft vor, weil er der Grund dafür war. Sie hatte etwas Besseres verdient, als in einer Stadt voller Casinos einen Fremden zu heiraten. Aber schließlich würde es ihr auch nützen, es ließ sich also wohl nicht viel daran ändern.

Natürlich wäre der Skandal auch ohne die Heirat mit Celeste irgendwann in Vergessenheit geraten, abgelöst durch neuen Klatsch und Tratsch aus der Promi-Szene. Allerdings verschwand leider in den Zeiten des Internets niemals etwas völlig. Sobald er mit seinem Nachhilfezentrum an die Öffentlichkeit ging, konnte jeder Klatschreporter die hasserfüllten, wenig schmeichelhaften Posts über ihn ausgraben. Dieses Risiko durfte er nicht eingehen. Für Celeste war es noch schlimmer. Ihr Chef wollte eindeutig ihrer Karriere schaden und ihr die Zukunft verbauen. Mit ein wenig Glück und Geschick konnten sie beides verhindern.

Celeste hatte keine Präferenz, was die Scheidung oder Annullierung der Ehe anging. Sie wollte einfach nur ihren Chef ruhigstellen und sich eine Beförderung sichern. Angefangen hatte sie bei dem Sender als Praktikantin, hatte sich schließlich einen Platz als Sportreporterin für einzelne Reportagen und Berichte gesichert. Der nächste Karriereschritt für sie war nun, mit einem festen Platz am Wochenende von Sportveranstaltungen zu berichten. Die Chefs über Dean waren sich auch durchaus bewusst, dass die Einschaltquoten immer dann stiegen, wenn sie eine Reportage machte.

„Mir ist es ziemlich egal, ob wir uns scheiden oder die Ehe annullieren lassen“, sagte sie zu Ross. „Hauptsache, wir beenden die Sache sauber und können hinterher jemanden heiraten, den wir lieben.“

„Und hoffentlich wird es nicht allzu lange dauern, bis du denjenigen findest, der dich genauso sehr liebt wie du ihn.“

Überrascht warf sie ihm einen Seitenblick zu. Zu heiraten stand nicht gerade an erster Stelle auf ihrer Wunschliste. Reisen und etwas von der Welt zu sehen war ihr eigentlich viel wichtiger.

„Das wünsche ich dir auch“, erwiderte sie.

Ross lachte. „Ich denke nicht, dass das passieren wird. Und außerdem möchte ich gar keine Beziehung. Das ist mir zu viel Drama und Theater. Und man fühlt sich ständig eingeengt. Also danke, aber nein danke.“

Schweigen breitete sich aus, während sie beide ihren Gedanken nachhingen. Schließlich fragte Ross:

„Wieso wolltest du ausgerechnet Sportreporterin werden?“

Celeste lächelte. „Das wurde mir in die Wiege gelegt. Mein Urgroßvater hat in den Negro Leagues gespielt, als Schwarze noch nicht mit weißen Spielern in einem Team sein durften. Mein Vater und meine Brüder waren absolute Sportfanatiker. Bei uns lief ständig der Fernseher, ganz gleich, ob Baseball, Basketball oder Football übertragen wurde. Und ganz verrückt wurde es bei den Olympischen Spielen. Allerdings muss ich zugeben, dass wir niemals ein Rodeo angeschaut haben.“

„Na ja, im Nordosten ist das vermutlich nicht gerade eine Trendsportart“, sagte Ross. „Ich schaue mir gern Baseball- oder Basketballspiele an. Vor einigen Monaten habe ich diese neue Doku über die Negro Leagues gesehen. Die Schwarzen Spieler waren phänomenal. Wenn sie gegen die Weißen hätten antreten dürfen, hätten die keine Chance gehabt.“

„Du interessierst dich für die Negro Leagues?“, fragte sie.

„Allerdings. Ich habe eine ganze Sammlung von Büchern über das Thema.“

„Oh, ein belesener Cowboy“, zog Celeste ihn auf.

Ross lachte. „Wenn du Eltern hast, die beide Lehrer sind, kommst du an Büchern nicht vorbei. Mein Bruder Mike und ich hatten einmal einen Wettbewerb, wer die meisten Bücher in einem Jahr liest.“

„Und wer hat gewonnen?“

„Mike. Aber nur weil wir vorher nicht ausgemacht hatten, ob auch Comics und Bilderbücher dabei sein durften.“

„Wie alt wart ihr denn?“

„Mike acht und ich neun.“

„Eure Eltern waren bestimmt überglücklich. Bis dann alle Söhne beschlossen haben, Rodeo-Stars zu werden.“

„Na ja, meine Mutter hat natürlich immer Angst, dass wir uns Verletzungen holen, aber sie unterstützt uns schon.“ Er bog in einen noch schmaleren Weg ab. „Wir sind gleich da. Wenn du dich eingerichtet hast, zeige ich dir die Ranch und die Pferde. Kannst du reiten?“

„Zählt es, auf einem Jahrmarkt auf einem Pony im Kreis herumgeführt zu werden?“

Ross lachte laut auf.

„Hey, das ist nicht witzig. Ich war erst fünf!“

„Tschuldigung“, murmelte er. „Verzeihst du mir?“

Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Das überlege ich mir noch.“

„Aber lass dir nicht zu viel Zeit, wir sind nämlich da.“

Neugierig betrachtete Celeste das zweistöckige Haus, das aus Holz und Stein gebaut war. Im zweiten Stock gab es einen umlaufenden Balkon, an einer Seite stand eine Garage, in der mindestens drei Autos Platz hatten. Hier würde sie also die nächsten vier Wochen als Mrs. Ross Burris wohnen.

„Es ist wunderschön“, sagte sie.

Ross stellte den Motor ab und legte den Arm hinter Celestes Kopfstütze. „Ich wohne erst ein halbes Jahr hier und bin noch nicht mit allen Renovierungen fertig“, sagte er.

Dann stieg er aus und kam zu ihrer Tür. „Ich helfe dir beim Aussteigen.“

Celeste wurde rot. Als sie sich am frühen Nachmittag umgezogen hatte, hatte sie nicht damit gerechnet, dass Ross einen Pick-up-Truck fuhr. So elegant wie möglich schwang sie die Beine Richtung Tür, aber natürlich rutschte der enge Rock trotzdem nach oben. Ross’ Blick fiel auf ihre nackten Oberschenkel.

Sie schlang ihm die Arme um den Hals und schloss die Augen, als ihre Brüste an seine Brust gedrückt wurden, während er sie mühelos aus dem Wagen hob. Doch dann setzte er sie nicht ab, sondern drückte sie eher noch fester an sich. Sie wollte ihm sagen, er solle sie loslassen, doch ihre Stimme gehorchte ihr nicht. Stattdessen schmiegte sie ihr Gesicht an seine breite Schulter. Seine Wärme, der leichte Duft nach einem holzigen Aftershave und seine starken Arme waren beängstigend und aufregend zugleich.

Beängstigend deshalb, weil sie zwar vereinbart hatten, dass ihre Scheinehe keinen Sex beinhalten würde, aber Sex genau das war, was Celeste sich in diesem Moment wünschte. Was sie brauchte. Wonach sie sich sehnte.

Ihre letzte Beziehung war zwei Jahre her, und damals hatte sie Männern abgeschworen. Aber bei Ross war das anders. Denn wann immer er sie berührte, stieg etwas in ihr auf, was sie seit Ewigkeiten nicht empfunden hatte: Verlangen.

„Bitte lass mich runter“, flüsterte sie an seinem Ohr.

Es dauerte noch ein paar Sekunden, bis Ross ihrem Wunsch nachkam.

„Ich hoffe, du hast auch noch ein paar weniger schicke Kleidungsstücke im Gepäck“, bemerkte er. „Hohe Absätze und enge Röcke sind eher was für Chicago. Hier brauchst du Jeans und Stiefel.“

Celeste blickte zu ihm auf. Um seine Mundwinkel spielte ein Lächeln, und ihr Blick blieb daran hängen.

„Ich habe ein paar Sachen, die weniger schick sind“, sagte sie und betonte das Wort. „Leggins, eine Jogginghose, Laufschuhe und eine Jeans. Sieht wohl so aus, als müsste ich einkaufen gehen.“

„Wenn wir aus Vegas zurück sind, zeige ich dir eine Boutique im Ort. Da findest du alles, was du brauchst.“

„Können wir das nicht gleich morgen machen, wenn wir die Ringe kaufen?“

Ross zuckte die Achseln. „Wenn wir genug Zeit haben … Aber denk dran, dass du auch noch ein Brautkleid brauchst.“

Celeste riss die Augen auf. „Du meinst jetzt so ein richtig traditionelles, mit Schleier und allem Drum und Dran?“

Er nickte. „Klar, es soll doch alles richtig echt aussehen, mein Schatz.“

„Siehst fast so aus, als hättest du Spaß an der Sache.“

„Vor allem will ich, dass es überzeugend wirkt. Und da musst du mitziehen. Nur dann haben wir am Ende beide was davon.“

Das war jetzt schon das zweite Mal, dass Ross durchblicken ließ, es könne alles daran scheitern, dass sie nicht überzeugend genug war. Es ärgerte sie.

„Ach, hast du Angst, ich wäre nicht fähig, in der Öffentlichkeit die liebende Ehefrau zu spielen?“, fragte sie.

„Ich weiß es nicht.“

„Tja, das liegt dann wohl an dir. Wenn ich eine Herausforderung annehme, dann hält mich nichts auf. So gut solltest du mich schon kennen, mein Lieber, schließlich bin ich deine Partnerin und bald auch deine Frau.“

Ross sog den Atem ein. „Verdammt, da hast du mich erwischt.“

Sie klopfte ihm auf die Brust. „Ich geh mich mal umziehen, und dann kannst du mir alles zeigen.“

Sie wartete, bis er ihren Koffer aus dem Kofferraum geholt hatte, und ging dann neben ihm zum Haus.

Innen war das Haus genauso beeindruckend wie von außen. Offene Holzbalken, große Panoramafenster mit Blick auf die Berge und eine hohe Kuppeldecke im Wohnzimmer gaben dem Haus eine luftige Weite. Celestes Blick fiel auf den offenen Kamin, und sie konnte sich direkt vorstellen, im Winter davorzusitzen, wenn draußen Schneegestöber herrschte.

„Dein Haus ist fantastisch“, sagte sie bewundernd.

„Unser Haus“, flüsterte Ross ihr ins Ohr. „Denk dran, das ist jetzt unser Haus.“

Sie drehte sich lächelnd zu ihm um. „Unser Haus ist fantastisch.“

„Und du kannst es einrichten, wie immer du möchtest.“

„Aber ich werde doch nur vier Wochen hier sein“, protestierte sie.

„Das weiß aber niemand außer uns“, erwiderte er. „Meine Eltern werden bestimmt hin und wieder vorbeikommen und wollen sicher sehen, welche Veränderungen meine Frau vorgenommen hat, um diese Junggesellenbude in ein richtiges Heim zu verwandeln.“

„Du überlässt es wirklich mir, dein – ich meine unser – Haus einzurichten?“

Ross neigte den Kopf und küsste sie auf die Stirn. „Solange du unser Geheimnis wahrst.“

„Das ist keine Antwort auf meine Frage. Du möchtest wirklich, dass ich hier was verändere?“

„Ja.“ Er nahm ihre Hand und zog sie zur Treppe. „Komm, ich zeige dir dein Schlafzimmer. Wenn du dich umgezogen hast, gehen wir zu den Pferden, um sie zum Stall zu bringen. Danach können wir in der Stadt was essen.“

„Wie sieht’s denn in deinem Kühlschrank aus?“, fragte sie.

Als er sie verständnislos anstarrte, fügte sie hinzu: „Ist irgendwas drin, aus dem ich ein Abendessen zaubern könnte?“

„Du möchtest nicht auswärts essen?“

Celeste schüttelte den Kopf. Sie brauchte Zeit, um sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass sie die nächsten vier Wochen unter einem Dach mit einem praktisch Fremden schlafen würde. Und an den Gedanken, dass sie morgen mit diesem Fremden, zu dem sie sich zu allem Überfluss auch noch sexuell hingezogen fühlte, Eheringe kaufen würde.

„Heute nicht“, sagte sie.

„Ich könnte Lachs in Honigbeize und Rosmarinröstkartoffeln machen.“

„Du kannst kochen?“

Um Ross’ Augen erschienen die Lachfältchen, die sie so attraktiv fand. „Ja, ich kann kochen. Du denn auch?“

„Oh ja, und das sogar ziemlich gut.“

„Das wird dann also unser erster Ehetest.“

„Ach ja? Und was genau?“

Ross zwinkerte ihr zu. „Als Paar gemeinsam zu kochen.“

Angesichts der Tatsache, dass Celeste in ein paar Tagen den Mann heiraten würde, den sie heute Morgen noch gar nicht gekannt hatte, schien ihr das eher eine kleine Herausforderung zu sein. Sie hätte ihn ja unter anderen Umständen nicht mal gedated! Dafür eilte ihm sein Ruf als Rodeo-Romeo zu sehr voraus. Der Mann, mit dem sie vor zwei Jahren eine Beziehung gehabt hatte, war auch ein Frauenheld gewesen, aber sie hatte es erst geglaubt, als sie ihn in einem Restaurant mit einer anderen ertappt hatte. Die beiden waren so in ihre Flirterei vertieft gewesen, dass er Celeste gar nicht bemerkt hatte, bis sie direkt an seinen Tisch getreten war. Natürlich hatte er sich herausreden und ihr die andere als alte Collegebekanntschaft verkaufen wollen, aber darauf war Celeste nicht hereingefallen. Sobald sie sich zu ihren Kollegen an den Tisch gesetzt hatte, löschte sie ihn aus ihrer Kontaktliste und blockierte ihn in allen Medien. Er hatte noch eine Woche lang bei ihrem Sender angerufen, doch irgendwann hatte er begriffen, dass es vorbei war. Ihm hatte sie über ein Jahr ihres Lebens gewidmet, da waren die vier Wochen, die sie jetzt mit Ross verbrachte, eher ein kleines Opfer. Zumal ihre „Ehe“ keinerlei Nebenwirkungen haben würde: keine Verpflichtungen. Kein Drama. Und kein Bedauern.

3. KAPITEL

„Ich soll in deinem Schlafzimmer schlafen?“, fragte Celeste, als Ross ihren Koffer vor seinem Kleiderschrank abstellte. „Und wo schläfst du?“

„Im Schlafzimmer gegenüber.“

„Aber warum …“ Sie wusste nicht genau, was sie fragen wollte.

Ross trat auf sie zu. „Ich überlasse dir mein Schlafzimmer, weil unter echten Umständen deine Sachen hier bei mir im Kleiderschrank hängen würden. Ich hole mir das, was ich am nächsten Tag anziehen will, einfach immer am Vorabend heraus. Beide Schlafzimmer haben ihr eigenes Bad, also kommen wir uns da nicht in die Quere. Ich muss immer früh raus, um mich um die Pferde zu kümmern, aber du kannst ausschlafen.“

„Wie früh stehst du denn auf?“

„Meisten zwischen fünf und sechs. Wieso?“

„Weil ich dann das Frühstück fertig habe, wenn du wiederkommst.“

Er grinste breit. „Du willst also die pflichtbewusste Ehefrau spielen und deinem Mann das Frühstück machen?“

„Nun bilde dir mal nichts ein. Aber wenn wir hier schon zusammenwohnen, können wir ja auch zusammen frühstücken, oder? Es ist ja nur für ein paar Wochen. Danach kannst du weitermachen wie bisher.“

„Und wenn ich mich in den paar Wochen daran gewöhne und noch einen Monat dranhängen will?“

„Oh nein, so haben wir nicht gewettet. Du bekommst exakt einen Monat von mir. Ich habe einen Job und ein Leben in Chicago, und ich kann es nicht abwarten, dorthin zurückzukehren.“

Das gab Ross zu denken. War es so grauenvoll, so zu tun, als wäre sie mit ihm verheiratet, dass sie die Tage zählte, bis es vorüber war?

„Ich hoffe, du möchtest nicht die Tage als Strichliste in die Wände kratzen, wie eine Gefangene in einem Verlies“, bemerkte er.

Celeste blickte ihn durchdringend an. „Tut mir leid, wenn es so geklungen hat“, sagte sie. „Aber das hier ist Neuland für mich. Ich werde mich schon dran gewöhnen.“

Ob sie wohl den ganzen Klatsch und Tratsch über ihn als Frauenheld und Rodeo-Romeo wirklich glaubte? Daran konnte er dann wohl leider nichts ändern. Er konnte nur in den vier Wochen, die sie hier war, der Ross Burris sein, den seine engen Freunde und seine Familie kannten. Und sie mit dem Respekt behandeln, den er bisher jeder Frau hatte zukommen lassen.

Er lächelte etwas gezwungen. „Dann gehe ich mal in die Küche und suche die Zutaten fürs Abendessen zusammen. Komm einfach runter, wenn du so weit bist.“

Celeste hoffte, dass sie ihn nicht beleidigt hatte. Aber Ross musste doch klar sein, dass sie hier nur ein Spiel spielten, bei dem sie beide etwas zu gewinnen hatten? In ihrem Fall leider ein gefährliches Spiel, wie sie zugeben musste, denn der Mann zog sie einfach magisch an. Mit seinem attraktiven Gesicht, seinem unglaublich gut gebauten Körper und seinem Charme war er einfach ein Prachtexemplar. Sie hatte noch keine vierundzwanzig Stunden mit ihm verbracht und konnte komplett nachvollziehen, warum Frauen ihn unwiderstehlich fanden. Und wie sie jetzt feststellen musste, war sie da wohl leider keine Ausnahme.

Also musste sie sehr, sehr vorsichtig sein. Auf keinen Fall durfte sie auch noch Gefühle für ihren Ehemann auf Zeit entwickeln.

Ihr Schlafzimmer hier war doppelt so groß wie das in ihrem Stadthaus in Chicago. Die Fenstertüren öffneten sich auf den umlaufenden Balkon und boten einen spektakulären Blick auf die Berge. So ganz anders als der, den sie in Chicago von ihrem Schlafzimmerfenster aus auf den Parkplatz hinterm Haus hatte.

Celeste öffnete ihren Koffer und holte ihre Leggins, Laufschuhe und ein langärmliges T-Shirt heraus. Die Haare band sie zu einem Pferdeschwanz, dann ging sie nach unten. Ross war in der offenen Küche, an die sich, nur durch den langen Frühstückstresen getrennt, ein gemütliches Ess- und Familienzimmer anschloss.

Als sie eintrat, stand er mit dem Rücken zu ihr, was ihr die Gelegenheit gab, seinen knackigen Po in den engen Jeans zu bewundern. Sie räusperte sich und er drehte sich zu ihr um.

„Ich bin bereit für die Führung.“

Ross nickte. „Bin gleich so weit.“

Er wusch sich die Hände und kam zu ihr. „Meine Stiefel stehen im Hauswirtschaftsraum. Hier im Haus trage ich Hausschuhe.“

Celeste blickte auf ihre Laufschuhe. „Zu Hause ziehe ich die Straßenschuhe auch immer an der Eingangstür aus.“

„Und im Haus bist du barfuß?“

„Nein, ich habe dicke Haussocken mit Noppen.“

„Solche wie Patienten im Krankenhaus sie bekommen?“

Celeste lächelte. „Ja, aber meine sind modisch-schick. Ich mag sie bunt und lustig. Und wieso weißt du, welche Socken Patienten im Krankenhaus tragen?“ Sie hielt inne und warf ihm einen besorgten Blick zu. „Wie oft musstest du schon wegen Verletzungen beim Rodeo ins Krankenhaus?“

„Kein Kommentar“, erwiderte Ross, nahm ihren Ellenbogen und führte sie aus der Küche zum Hauswirtschaftsraum.

„Sehr verdächtig. Also war es wohl öfter als ein oder zwei Mal.“

„Aber immer nur, weil die Ärzte sicherstellen wollten, dass es nichts Schlimmes ist.“

„Und was ist mit den nicht-schlimmen Verletzungen?“

Sie wusste nicht viel über den Rodeosport, aber sie konnte sich vorstellen, was passierte, wenn ein tonnenschwerer Bulle oder ein Pferd auf jemanden fiel.

„Einmal hat mich ein Pferd am Kopf getroffen, und ich musste wegen einer ...

Autor

Sasha Summers
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Stella Bagwell

Eigentlich ist Stella Bagwell gelernte Friseurin, tragischerweise entwickelte sie aber eine Haarspray-Allergie. Schlecht für sie, gut für ihre Leserinnen. Denn so verfolgte Stella ihr kreatives Talent in eine andere Richtung weiter und begann mit viel Enthusiasmus, Romane zu schreiben. Was ganz bescheiden auf einer alten Schreibmaschine begann, entwickelte sich auch...

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