Zwischen Liebe und Krone

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Als ein Skandal den Thron bedroht, ist die verwitwete Prinzessin Betty gezwungen, erneut vor den Traualtar zu treten. Und als wäre das nicht schlimm genug, ist ihr Bräutigam der sündhaft attraktive Milliardär Vero Farnese. Ausgerechnet der Mann, der ihr vor neun Jahren das Herz gebrochen hat, weil er auch damals der Falsche für sie war. Am liebsten würde sie fliehen, denn gegen jede Vernunft fühlt sie sich immer noch zu ihm hingezogen. Doch nun steht nicht nur Bettys persönliches Glück auf dem Spiel, sondern die Zukunft ihres Landes …


  • Erscheinungstag 17.03.2026
  • Bandnummer 2745
  • ISBN / Artikelnummer 0800262745
  • Seitenanzahl 144

Leseprobe

Louise Fuller

Zwischen Liebe und Krone

1. KAPITEL

Als Prinzessin Betty den großen Salon des Palastes betrat, hatte sie keinen Sinn für die malerische Aussicht, die sich von dort aus auf Morroello und den berühmten campanile bot.

Denn ihr Vater, Fürst Vittorio, Herrscher von Malaspina, erwartete sie bereits.

Sein ungeduldiger Blick verhieß nichts Gutes.

Ehrfürchtig näherte sie sich ihm bis auf drei Schritte, knickste kurz und begrüßte ihn dann mit einem flüchtigen Kuss auf die Wangen.

Ganz, wie das Protokoll es verlangte.

„Papà …“

„Bettina, nimm Platz.“ Fürst Vittorio wies auf einen der mit feinster Seide bezogenen Polsterstühle.

Sie gehorchte prompt und musterte ihren Vater dann mit nervösem Blick. „Papà, ist dir nicht wohl? Du siehst so …“

Er unterbrach sie mit einer unwirschen Handbewegung. „Mir geht es prächtig.“ Dann scheuchte er den Lakaien, der stumm in einer Ecke stehend auf weitere Anweisungen gewartet hatte, aus dem Zimmer.

Sobald sie allein waren, beäugte Fürst Vittorio seine Tochter kritisch. „Du warst zu lange in der Sonne.“

Verlegen strich sich Betty mit der Hand über die Wange.

Jetzt hatte sie sich doch tatsächlich wieder einen Sonnenbrand eingefangen! Ach, hätte sie doch nur einen Teint wie Bella!

Ihre Schwester kam mit ihrem dunklen Haar, den strahlend blauen Augen und der von Natur aus leicht gebräunten Haut ganz nach ihrem Vater. Betty hingegen war rothaarig und ihr Teint so empfindlich, dass sie sich nur in die Sonne wagte, wenn sie vorher eine Creme mit besonders hohem Lichtschutzfaktor aufgetragen hatte. Und selbst das genügte manchmal nicht.

Aber die ewige Eincremerei war nicht die einzige Schattenseite, die ihr Aussehen mit sich brachte. Ein anderer Aspekt war weitaus schlimmer. Weil Betty mit ihrem flammend roten Haar und dem zarten Teint so gar nicht zum übrigen Marchetta-Clan zu passen schien, war Fürst Vittorios Vaterschaft öffentlich angezweifelt worden – was er als tödlichen Affront aufgefasst hatte. Zudem hatte dieser Verdacht zu einem merklich unterkühlten Verhältnis zwischen Vater und Tochter geführt.

Nun nahm er ihr gegenüber in seinem thronartigen Sessel Platz und verlieh seiner Missbilligung über ihren kleinen Fauxpas Ausdruck. „Sei nächstes Mal bitte vorsichtiger, wenn du in die Sonne gehst. Es ist schlimm genug, dass du so karottenrotes Haar hast. Da musst du dir nicht auch noch die Haut verbrennen.“

„Bella hat sich noch ein Picknick am Wasserfall gewünscht, bevor sie in die Schweiz reist“, erklärte Betty. „Und ich habe den Sonnenschirm vergessen. Tut mir leid, Papà.“

Die Entschuldigung schien ihren Vater etwas versöhnlicher zu stimmen. Er nickte bedächtig. „Nun, auf jeden Fall war es richtig, diesen Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt mit einem kleinen Ritual zu würdigen.“ Doch der Anflug von Milde währte nicht lange. Fürst Vittorios Blick wurde plötzlich wieder ernst. „Was denkst du, Bettina? Ist deine Schwester bereit für den nächsten Schritt?“

Betty, die davon ausging, dass er sich dabei auf Bellas Studium in Genf bezog, nickte vehement. „Ja, absolut.“ Denn sie gönnte ihrer Schwester die Verschnaufpause vom streng reglementierten Palastleben von Herzen. „Bella ist in letzter Zeit viel vernünftiger geworden. Sie ist sich ihrer Verantwortung für die Zukunft von Malaspina bewusst“, sagte sie im Brustton der Überzeugung.

Obwohl das glatt gelogen war.

Denn das Einzige, für das sich Bella im Moment interessierte, war die Party zu ihrem einundzwanzigsten Geburtstag.

Aber das musste ihr Vater ja nicht unbedingt wissen …

Nun schwieg der Fürst für einen Moment und sah nachdenklich auf das Postkartenpanorama seines kleinen Reiches herab, das sich unterhalb der Palastfenster ausbreitete.

Betty wurde nervös.

„Darf ich fragen, warum du mich hergebeten hast, Papà?“, fragte sie vorsichtig. „Geht es um Bella?“

Sie befürchtete schon, dass er seine Meinung spontan geändert hatte und Bella nun doch in Malaspina bleiben musste.

Doch Fürst Vittorio widersprach. „Nein. Um deinen Großvater.“ Er verzog verächtlich den Mund. „Er hat mich heute Morgen angerufen. Um mich zu warnen.“

Betty sah ihren Vater entgeistert an. Ihr Puls fing an zu rasen.

Vor zehn Jahren hatte Frederico, ehemaliger Fürst von Malaspina, mit seinem exaltierten Lebensstil und zahlreichen außerehelichen Eskapaden für einen gewaltigen Skandal gesorgt. Das hatte dazu geführt, dass seitdem Funkstille zwischen ihm und seinem Sohn Vittorio herrschte.

Wenn er sich jetzt wieder meldete, musste etwas wirklich Gravierendes vorgefallen sein.

Nun drehte sich Vittorio wieder zu ihr um. „Diese Person, die dein Großvater geheiratet hat, ist schwanger.“

Für einen Moment verschlug es Betty die Sprache. Schließlich war Frederico eher im richtigen Alter, um Urgroßvater zu werden, und nicht Vater eines weiteren eigenen Sprösslings!

„Zwar kann dieser Nachkomme keinen Anspruch auf den Thron erheben“, erklärte Vittorio mit gepresster Stimme. „Aber die Nachricht wird trotzdem wie eine Bombe einschlagen. Und es besteht die Gefahr, dass unsere Dynastie weiter Schaden nimmt. Bedenke nur, was deiner Mutter widerfahren ist.“

Betty schwieg.

Vor neunzig Jahren hatte ein Vorfahr von Fürstin Henrietta nach einem Skandal den Thronanspruch in seinem Land verloren. Seitdem lebte ihre Familie im Exil, was zu einem generationenübergreifenden Trauma geführt hatte, das bis heute nachwirkte.

Und nun bestand die Gefahr, dass sich dasselbe in Malaspina wiederholte.

„Ja, Papà“, erwiderte Betty bekümmert. „Ich weiß, worauf du hinauswillst.“

„Wir müssen jetzt ein klares Zeichen setzen, um Stärke zu demonstrieren“, erklärte Vittorio vehement. „Es geht um den Fortbestand unseres Herrscherhauses. Und der ist natürlich eng mit deiner Person verknüpft. Deshalb habe ich dich hergebeten.“

Seine Worte jagten Betty einen kalten Schauder über den Rücken.

„Wenn du von einem klaren Zeichen sprichst …“, sagte Betty zögerlich, „… was meinst du damit genau?“

Nun schien ihr Vater sie mit seinem Blicken förmlich zu durchbohren. „Deine Witwenschaft hat nun lang genug gedauert“, sagte er kalt. „Es wird Zeit, dass du wieder heiratest.“

Betty erstarrte.

Schon einmal hatte ihr Vater sie zu einer Vernunftehe gezwungen. Damals, vor neun Jahren, kurz nachdem sie sich von Vero getrennt hatte, ihrem ersten Freund.

Wenn man bei einer Beziehung, die sich eigentlich nur in der Vorstellung einer Person abgespielt hat, überhaupt von Trennung sprechen konnte, dachte sie verbittert.

Sie war damals erst zwanzig Jahre alt gewesen, genau wie Bella jetzt.

Bettys Blick wanderte zu dem schmalen Goldring an ihrem Finger.

Wie jung ich damals war, dachte sie benommen. Und wie naiv!

Sie hatte geglaubt, in Vero die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben. Und hatte für diese heimliche Liebschaft eine Menge riskiert.

Doch dann war alles aufgeflogen, und ihre Beziehung war in die Brüche gegangen.

Was weitere bittere Konsequenzen nach sich gezogen hatte.

Vor lauter Aufregung über die nicht standesgemäße Liaison ihrer Tochter hatte Fürstin Henrietta schließlich einen Schlaganfall erlitten, wovon sie sich nie wieder richtig erholt hatte.

Und Betty, von vernichtenden Schuldgefühlen geplagt, hatte der Hochzeit mit Prinz Alberto zugestimmt, um Wiedergutmachung zu leisten.

Alberto, ein humorloser Langweiler ohne jeglichen Charme, und zudem zehn Jahre älter als Betty, hatte zwar in keiner Weise ihrer Vorstellung von einem Traummann entsprochen. Aber vollkommen am Boden zerstört nach der Trennung von Vero, war es ihr gleich gewesen, wen man ihr als Ehemann vorgesetzt hatte.

Und so war sie die Frau eines Prinzen geworden, der keinerlei Interesse an ihrer Person gezeigt hatte, sondern stets nur auf ihren Titel versessen gewesen war.

Einige Jahre hatten sie so nebeneinanderher gelebt. Und Betty hatte sich irgendwann mit dieser freudlosen Existenz abgefunden, in der es beim Sex nie um Liebe, sondern nur um Pflichterfüllung gegangen war.

Doch dann hatte das Schicksal schließlich eingegriffen, und Alberto war bei einem Jachtunfall über Bord gegangen und ertrunken.

Jetzt bin ich also wieder Single, hatte sie damals gedacht. Aber das war nur eine Frage der Zeit, das war ihr klar …

Offenbar war nun der Moment gekommen, vor dem sie sich die ganze Zeit gefürchtet hatte. Ihr Vater wollte sie wieder verkuppeln.

Aber das wollte sie nicht mehr mitmachen! Trotzig hob sie das Kinn und blickte ihrem Vater fest in die Augen.

„Es ist schön, dass du dich so um mein Wohlergehen sorgst, Papà“, sagte Betty diplomatisch. „Aber ich habe nicht vor, erneut zu heiraten.“

„Nonsens“, schimpfte Vittorio. „Du bist eine junge Frau. Mehr noch, du bist Prinzessin. Was dich dazu verpflichtet, zu heiraten und einen rechtmäßigen Erben für den Thron von Malaspina zu gebären!“

So stand es in der Verfassung des Fürstentums.

Doch so leicht wollte sich Betty nicht geschlagen geben. Gesetze konnte man schließlich ändern.

„Ich habe getan, was du verlangt hast, und Alberto geheiratet“, erinnerte sie ihren Vater. „Dass er ertrunken ist, bevor er mir ein Kind machen konnte, dafür kann ich nichts. Und ich werde bestimmt nicht noch einmal jemanden heiraten, dem ich vollkommen gleichgültig bin. Ich finde, eine Ehe sollte nur dann geschlossen werden, wenn man sich auch wirklich liebt.“

„Liebe!“, rief Vittorio verächtlich. „Die hat in einer Monarchie keinen Platz. Da geht es um Pragmatismus und Staatsräson. Du bist die Thronfolgerin. Es wird erwartet, dass du gewisse Opfer bringst.“

„Und das habe ich ja auch getan“, beharrte Betty. Sie hoffte, dass sich ihr Vater gnädig erweisen würde.

Doch Vittorio blieb unerbittlich. „Ja, und das wirst du auch weiterhin. Obwohl man hier kaum von einem Opfer sprechen kann. Schließlich sollst du nur das tun, was du ohnehin getan hättest, wenn deine Mutter und ich damals nicht interveniert hätten.“

Das Adrenalin, das nun in ihren Adern zirkulierte, ließ Betty schwindelig werden.

Sie hatte nur ein einziges Mal versucht, ihren Willen durchzusetzen. Aber das würde bedeuten, dass …

„Wovon sprichst du?“, fragte Betty tonlos, obwohl sie bereits ahnte, worauf ihr Vater hinauswollte. Aber sie musste es aus seinem Mund hören, um es zu glauben.

„Vero Farnese hat um deine Hand angehalten“, erklärte Vittorio. „Und zum Wohle deiner Familie und deines Landes wirst du annehmen.“

Vero Farnese.

Der Mann, den sie über alles geliebt hatte.

Und der ihr dann das Herz gebrochen hatte.

Betty glaubte, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Vero? Das ergab doch gar keinen Sinn!

„Warum ausgerechnet er?“, fragte sie ihren Vater.

„Na ja, er war der Erste, der gefragt hat“, erklärte Vittorio nüchtern. „Außerdem hat sich seine gesellschaftliche Position inzwischen merklich verbessert.“

Das war die Untertreibung des Jahrhunderts. Betty rollte die Augen.

Vor neun Jahren war Vero nichts als der Sohn des Chauffeurs gewesen, der mit seinen Eltern in einem kleinen Häuschen auf dem fürstlichen Anwesen gelebt hatte. Aber inzwischen hatte ihn sein stetig expandierendes Automobilunternehmen zu einem der reichsten Männer der Welt werden lassen.

Was ihn in Vittorios Augen dann wohl doch zum perfekten Schwiegersohn machte.

„Aber wir brauchen sein Geld doch gar nicht“, versuchte sie zu protestieren.

Doch ihr Vater war anderer Meinung. „Sei nicht albern, Bettina. Du weißt, wie viel Geld ich aufwenden musste, um die Schulden deines Großvaters zu tilgen. Da kommt mir Signor Farneses Angebot gerade recht. Er hat mir ein ordentliches Sümmchen dafür geboten, damit er dich heiraten darf.“ Nun plusterte er sich regelrecht auf. „Natürlich wäre es mir auch lieber, wenn er adliger Abstammung …“

„Ganz genau, Papà“, fiel ihm Betty ins Wort. „Er ist zwar reich, aber er ist und bleibt der Sohn eines Chauffeurs. Das kann dir doch nicht egal sein!“, empörte sie sich.

„Seine Abstammung mag beklagenswert sein“, räumte Vittorio ein. „Aber sein finanzieller Status macht das wieder wett. Außerdem setzt es ein Zeichen für die Modernität der Monarchie, wenn du einen Bürgerlichen heiratest. Das Volk wird geradezu entzückt sein, wenn es erfährt, dass er auch noch ein Landsmann ist. Glaub mir, Bettina: Diese Allianz wird den Fortbestand der Marchetta-Dynastie garantieren.“

Und mich wird sie umbringen, dachte Betty verzweifelt. Nach allem, was er ihr angetan hatte, könnte sie es nie ertragen, Veros Frau zu werden!

Vero. Das italienische Wort für wahr.

Dabei hatte er sie doch die ganze Zeit nur belogen!

Die Wut verlieh ihr wieder neuen Auftrieb. „Wie kommst du eigentlich darauf, dass dieses Angebot ernst gemeint war?“, fragte sie kämpferisch. „Warum sollte er die Tochter des Mannes heiraten wollen, der damals seinen Vater gefeuert und die gesamte Familie aus ihrem Zuhause vertrieben hat?“

Die Erinnerung daran ließ Betty jetzt noch erschaudern. Kurz nach diesem Vorfall hatte sie mit Vero Schluss gemacht. Ein einziger Blick in seine Augen hatte genügt, um zu wissen, dass sie sich nichts mehr zu sagen hatten.

Sie fragte sich, warum er zurückgekehrt war. Und was es mit diesem indirekten Heiratsantrag auf sich hatte.

Doch Vittorio sah da anscheinend kein Problem. „Natürlich war das ernst gemeint“, sagte er leichthin. „Du bist eine Prinzessin. Kein Wunder, dass er dich heiraten will.“

Seine Worte trafen Betty bis ins Herz. Denn sie erinnerten sie an das, was Vero damals kurz vor der Trennung zu ihr gesagt hatte.

Es war genau wie bei Alberto! Niemand interessierte sich für sie. Es ging immer nur um ihren Titel!

„Wenn du mir nicht glaubst, kannst du ihn gern selbst fragen“, sagte Vittorio selbstgefällig. „Signor Farneses Wagen ist gerade vorgefahren. Ich muss jetzt los, nach Arduino.“ Und damit stand er auf und verließ das Zimmer durch die Nebentür.

„Aber, Papà!“, rief Betty ihm noch empört nach.

Im nächsten Moment schwang die Eingangstür des Salons auf, und einer der Lakaien trat ein. „Signor Farnese“, verkündete er und ließ Betty dann mit ihrem Besucher allein.

Während sie Vero entgeistert anstarrte, grub sie die Fingernägel in die Handflächen. Sie brauchte den Schmerz, um sich von den Gefühlen abzulenken, die das Wiedersehen in ihr hochwallen ließ.

Doch der Effekt hielt nicht lange an.

Gott, was sah er gut aus!

Kraftstrotzend. Imposant. Unglaublich maskulin.

Der maßgeschneiderte Anzug setzte seinen wohldefinierten Körper perfekt in Szene. Und der leichte Bartschatten, der seine markanten Wangenknochen betonte, verlieh ihm etwas Verwegenes.

Als Vero sich nun vor ihr verneigte und sie dann mit einem intensiven Blick aus jadegrünen Augen musterte, wurde Betty nervös.

„Guten Tag, Königliche Hoheit.“

Allein der Klang seiner Stimme genügte, um wohlige Schauer der Erregung durch ihren Körper zu jagen.

Doch dann rief sie sich in Gedanken zur Ordnung. Er hatte ihr das Herz gebrochen. Das durfte sie niemals vergessen!

„Ich weiß zwar nicht, warum du mich nach all den Jahren plötzlich wiedersehen wolltest“, sagte sie kühl. „Aber nun hast du ja bekommen, was du wolltest. Und kannst wieder gehen.“

„Oh nein, Prinzessin Bettina“, sagte Vero und schüttelte den Kopf. „Ich habe noch lange nicht, was ich wollte. Und bevor es nicht so weit ist, werde ich nirgendwohin gehen.“

2. KAPITEL

Der Flug von New York nach Malaspina war sehr unangenehm gewesen. Durch einen Sturm über dem Atlantik hatte es Turbulenzen gegeben, die sogar die sonst tiefenentspannten Stewards des Privatjets in helle Aufregung versetzt hatten.

Aber nun, da Vero Farnese den Anflug von Panik in Bettys strahlend grauen Augen sah, war er überzeugt, dass sich die Strapazen gelohnt hatten.

Zufrieden stellte er fest, dass er sie aus dem Konzept gebracht hatte.

„Soll das etwa eine Drohung sein?“, fragte Betty nun.

Sie klang dabei nur mühsam beherrscht.

Vero war hingerissen. Sie sah entzückend aus, wenn sie sich aufregte!

Ganz besonders gefiel ihm, wie Betty nun ihre sinnlichen Lippen zu einem empörten Schmollmund verzog.

Er lächelte. „Schwer zu sagen. Fühlst du dich denn bedroht?“, fragte er süffisant.

Der Ausdruck von Panik wich tiefster Verachtung. „Nicht im Geringsten“, behauptete Betty. „Ehrlich gesagt, finde ich deine kleinen Spielchen eher ermüdend.“

Lügnerin, dachte Vero. Denn die Tatsache, dass ihre Hände zitterten, verriet ihm, wie aufgeregt Betty in Wirklichkeit war.

Genüsslich ließ Vero seinen Blick an ihr herabwandern. Dabei fiel ihm auf, wie deutlich sich die zarten Knospen ihrer Brüste unter der edlen Seidenbluse abzeichneten.

„Wie seltsam“, sagte er mit gespielter Verwunderung. „Ich habe nämlich das Gefühl, dass meine Anwesenheit eher anregend auf dich wirkt.“ Nun hob er den Blick wieder und grinste breit.

In Bettys Augen braute sich ein Sturm der Entrüstung zusammen.

Schnell wandte sie sich von Vero ab und stolzierte quer durch den Salon, wo sie mit verschränkten Armen vor dem großen Panoramafenster stehen blieb.

Vero weidete sich noch einen Moment am Anblick ihres wohlgeformten Körpers, bevor er fortfuhr: „Weißt du, Betty, so zu tun, als wäre ich nicht da, wird dir nicht helfen. Dein Vater und ich sind uns nämlich einig, dass …“

Nun wandte sich Betty abrupt wieder zu ihm um. „Soso, du und mein Vater, ihr seid euch also einig“, sagte sie verächtlich. „Allerdings habe ich bei dieser Heiratssache ja wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden.“

Nein, hast du nicht, dachte Vero selbstgefällig, sprach es aber nicht laut aus.

Stattdessen ließ er seinen Blick durch den Salon schweifen. „So sehen also die Privatgemächer der künftigen Fürstin aus“, kommentierte er dann. „Wollte ich immer schon mal wissen.“

Denn damals, als er noch mit seiner Familie auf dem Anwesen gelebt hatte, war ihm der Zutritt zu diesen Räumlichkeiten verwehrt geblieben.

„Wir leben nur saisonweise hier“, erklärte Betty, die froh über den Themenwechsel war. „Im Winter sind wir in Morroello, im Sommer in Arduino.“ Der Sturm in ihrem Blick schien sich wieder verzogen zu haben. „Ich weiß nicht, ob du dich erinnerst, aber hier kann es im Juli und August schrecklich heiß werden …“

„Natürlich erinnere ich mich“, erklärte Vero sanft. „Ich erinnere mich an alles.“

Was Betty mit einem Schlag zur Vernunft brachte. Anstatt Small Talk mit Vero zu betreiben, sollte sie ihn auf der Stelle vor die Tür setzen!

Trotzig hob sie das Kinn. „Na, dann findest du sicher auch den Weg zurück zum Flughafen“, erwiderte sie kühl. Und wurde plötzlich förmlich. „Signor Farnese, es tut mir leid, dass Sie den weiten Weg aus Amerika umsonst auf sich genommen haben. Und all das nur, weil sich mein Vater anscheinend ein wenig missverständlich ausgedrückt hat.“

Wie überheblich sie klingt, dachte Vero aufgebracht. Aber diesen Hochmut wollte er ihr ganz schnell austreiben!

„Ach, Betty“, sagte er seufzend. „Du verstehst nicht, dass alles längst beschlossene Sache ist. Du und ich, wir werden heiraten. Und weil die Zeit drängt, wird die Verlobungszeit wohl eher kurz ausfallen.“

„Das kannst du dir gleich aus dem Kopf schlagen“, zischte Betty empört.

„Ach, du möchtest mich lieber sofort heiraten?“, fragte Vero mit gespielter Überraschung. „Na schön, wie du willst.“ Er amüsierte sich köstlich über Bettys echauffierten Gesichtsausdruck. „Ich fürchte, heute wird es wohl nicht mehr klappen. Aber wenn wir jetzt gleich aufbrechen, könnten wir bei Sonnenaufgang schon in Vegas …“

„Ich werde nicht mit dir nach Las Vegas fliegen“, fiel Betty ihm ins Wort. „Ich werde überhaupt nirgendwo mit dir hingehen. Und was das Heiraten betrifft: Danke, kein Bedarf! Einmal genügt völlig!“

Sein Blick wanderte zu dem schmalen Goldring an ihrer Hand, und die schmerzliche Erinnerung daran, dass Betty damals Alberto den Vorzug gegeben hatte, ließ Vero jegliche Skrupel vergessen. „Ich weiß, du bist es gewöhnt, dass immer alles nach deinem Kopf geht, Betty. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert“, sagte er kalt. „Manchmal muss man eben Kompromisse machen.“

„Du willst mich also tatsächlich heiraten?“, rief Betty entgeistert. „Das kann nicht dein Ernst sein!“

Als sie bemerkte, wie laut sie geworden war, zwang sie sich zur Contenance. „Vero, sind wir doch mal ehrlich: Ich will dich nicht. Und du willst mich nicht. Eine Ehe zwischen uns wäre Irrsinn.“

„Oh, nein. Ganz im Gegenteil. Schließlich wird unsere Verbindung vor allem einer Sache dienen: der Staatsräson“, erklärte er nüchtern. „Dein Vater wünscht sich einen rechtmäßigen Erben für den Thron. Und den wirst du ihm schenken, indem du fleißig Sex mit deinem Ehemann haben wirst.“

Als Betty jetzt auf ihn zutrat, bebte sie am ganzen Körper.

Aber seltsamerweise war es nicht nur Wut, die sie empfand.

Sondern auch unbändiges Verlangen.

„Ich habe aber überhaupt keine Lust, mit dir ins Bett zu gehen“, behauptete sie energisch.

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