Bianca Extra Band 164

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LOVESONGS FÜR DEN RANCHER von MELISSA SENATE

Single Bethany steht vor einer ungewissen Zukunft – sie ist schwanger! An Liebe glaubt die schöne Sängerin nicht mehr. Doch dann begegnet sie Rancher Theo Abernathy. Obwohl sie weiß, dass in seinem Leben kein Platz für eine Frau mit Kind ist, bringt er ihr Herz völlig aus dem Takt …

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  • Erscheinungstag 25.07.2026
  • Bandnummer 164
  • ISBN / Artikelnummer 0802260164
  • Seitenanzahl 432

Leseprobe

Melissa Senate, Sasha Summers, Christine Rimmer, Michelle Major

BIANCA EXTRA BAND 164

Melissa Senate

1. KAPITEL

Eine Hochzeit im Juni war für eine Hochzeitssängerin wie Bethany McCreery nichts Ungewöhnliches – im Gegenteil, im Juni war sie mit ihrer Band immer ausgebucht. Von riesigen Feiern in exklusiven Hotels bis zu intimen Zeremonien im Garten war alles dabei. Doch die Hochzeit, auf der sie an diesem sonnigen Junisonntag sang, war ein besonderer Höhepunkt für sie, denn der Bräutigam war ihr Bruder Jake.

Bewegt sah sie zu, wie er mit seiner frischgebackenen Ehefrau Elizabeth tanzte. Sowohl er als auch seine Frau waren verwitwet, und beide hatten Kinder mit in die Ehe gebracht. Jetzt waren sie eine sehr große glückliche Patchwork-Familie. Lächelnd blickte sie zu ihren Nichten und Neffen hinüber, die an einer Ecke der Tanzfläche auf sehr originelle Weise tanzten.

Ihr fünf werdet bald einen Cousin oder eine Cousine haben.

Denn Bethany war schwanger. Im vierten Monat bereits – doch noch wusste es außer ihr niemand.

Nicht einmal ihre Mutter, der sie sehr nahestand, oder ihr Bruder, der ihr bester Freund war. Nicht ihre beiden Freundinnen Suzanna und Dana, denen sie normalerweise alles sofort erzählte – und auch der Vater des Kindes hatte noch keine Ahnung.

Unwillkürlich traten ihr Tränen in die Augen. Normalerweise musste sie bei Hochzeiten nicht weinen, aber heute hatte sie schon während der Zeremonie kaum an sich halten können. Das waren bestimmt die Schwangerschaftshormone.

Sie umfasste das Mikrofon fester und bewegte sich über die Bühne, wobei ihr wieder der attraktive Mann auffiel, der sie schon den ganzen Abend intensiv beobachtete. Er stand an der Bar, nippte hin und wieder an seinem Whiskeyglas und blickte dabei die ganze Zeit interessiert zu ihr hinüber.

Ja, jetzt bist du noch interessiert, dachte sie ein wenig sarkastisch. Wenn du rausgefunden hast, dass ich schwanger bin, wird sich das schnell legen.

Womit sie überhaupt kein Problem hatte. Bethany hatte an ihrem fünfunddreißigsten Geburtstag beschlossen, dass sie mit der Liebe abgeschlossen hatte. Vom Wünschen, Hoffen und Sehnen war sie kuriert.

Außerdem kannte sie den Mann – er war ein sehr wohlhabender Rancher aus einer großen und einflussreichen Familie hier in Bronco, Montana. Theo Abernathy. Er war im selben Alter wie sie, daher kannten sie sich vom Sehen aus der Schule. Und im Laufe der Jahre hatte Theo viele atemberaubende Freundinnen mit prallen Brüsten und fantastischen Figuren gehabt.

Volle Brüste hatte sie inzwischen auch zu bieten – sie hatte schon eine ganze Körbchengröße mehr als vor der Schwangerschaft. Auch ihre früher knabenhaft schlanke Figur veränderte sich täglich, und sie stand jeden Morgen vor dem Spiegel und betrachtete sich fasziniert. Nicht nur begann sich langsam ein Bäuchlein zu zeigen, sie war auch insgesamt viel kurviger geworden. Da sie auch sonst immer gern weite, fließende Kleider trug (sogar ihr Trauzeuginnen-Kleid hatte kaschierende Rüschen), war das bisher noch niemanden aufgefallen, aber bald würde sie es nicht mehr verbergen können.

Wo warst du vor fünf Monaten, Theo Abernathy?, dachte sie wehmütig, während sie mit Leidenschaft in der Stimme darüber sang, was sie sich so sehnlich wünschte: einen Mann in ihrem Leben. Einen Ehemann. Und eine Familie.

Jetzt würde sie die Familie bekommen, aber nicht den Mann. Oder den Ehemann.

Die Liebe hatte sie übergangen – und das war zum großen Teil auch ihre Schuld.

Als sie die letzte Note sang, sah sie Theo sein Glas austrinken und aufstehen. Er bewegte sich langsam auf die Bühne zu und ließ sie dabei nicht aus den Augen.

Sie bekam eine wohlige Gänsehaut, schluckte, dankte dem Publikum und schloss mit einer Handbewegung ihre Bandmitglieder ein, mit denen sie als „Bethany and the Belters“ auftrat. Die Gäste applaudierten anhaltend, einige pfiffen sogar, darunter auch der Bräutigam.

Theo beobachtete sie immer noch und bewegte sich immer noch langsam auf die Bühne zu.

Oh ja. Ich bin sehr an dir interessiert stand ihm deutlich ins äußerst vorteilhaft geschnittene Gesicht geschrieben. Aber selbst wenn er nicht sofort Fersengeld gab, sobald sie ihm sagte, dass sie schwanger war, war dies kaum die beste Zeit, um eine Beziehung anzufangen. Ihr Leben würde sich demnächst radikal ändern und sie musste sich mental und emotional darauf vorbereiten. Im Moment tat sie das, indem sie eine Menge Listen schrieb. Zum Beispiel eine mit den Menschen in ihrem Leben, auf die sie sich verlassen konnte – und von denen gab es zum Glück viele. Dann eine Liste mit den Sachen, die sie noch vor der Geburt besorgen musste: eine Wiege, einen Kindersitz, einen Kinderwagen, Fläschchen, eine Kinderbadewanne und viele, viele Windeln. Dazu winzige Strampelanzüge und noch winzigere Söckchen. Und da sie eine alleinerziehende Mutter sein würde, musste sie das alles in ihr sowieso nicht sehr üppiges Budget einrechnen und sehr, sehr sparsam sein.

Sie verdiente als Hochzeitssängerin genug, um über die Runden zu kommen, und hatte sogar sehr überschaubare Ersparnisse, die aber schnell dahinschmelzen würden, wenn sie anfing die nötigsten Sachen zu kaufen.

Kurz, sie war beschäftigt, abgelenkt und ein Nervenbündel.

Aber außerdem war sie auch unglaublich glücklich und dankbar. Wenn sie Angst vor der Zukunft bekam, konzentrierte sie sich darauf: Sie bekam ein Baby, auf das sie sich unglaublich freute.

Bethany unterbrach den Blickkontakt zu dem unbestreitbar heißen Rancher, dankte den noch immer klatschenden Gästen und verkündete eine halbstündige Pause. Dann ging sie zur Bar, um sich einen Cranberrysaft zu holen. Mit Limettensaft, nach dem sie seit ein paar Songs ein unerklärliches Verlangen hatte.

„Du singst wie ein Engel“, sagte eine männliche Stimme hinter ihr.

Mit ihrem Glas in der Hand drehte sie sich zu Theo Abernathy um, der sie noch immer mit unverhohlenem Interesse anblickte. Herrje, der Mann sah wirklich gut aus. Er war sehr groß und hatte den durchtrainierten Körper eines Ranchers – obwohl er als Mitglied der reichen Abernathys ja wohl kaum selbst Heuballen stapeln musste.

Sein dunkles dichtes Haar war etwas zerzaust, und sein grauer Anzug saß so perfekt, wie es nur maßgeschneiderte Anzüge taten.

„Der letzte Song ging mir direkt ins Herz“, sagte er und tippte auf seine muskulöse Brust.

Wow, mit Worten hatte er wohl kein Problem. Und es funktionierte. Sein Kompliment erzeugte ein Echo in ihrem Herzen.

Das waren die Hormone.

„Bethany McCreery, richtig?“, fragte er mit einem sexy Lächeln.

Dass er ihren Namen kannte, überraschte sie nicht. Zwar hatten sie nie viel miteinander zu tun gehabt, obwohl sie schon im selben Kindergarten gewesen waren – aber in der Kleinstadt Bronco kannte jeder jeden.

Sie betrachtete seinen Stetson und lächelte, als sie daran dachte, wie er am ersten Schultag zum Direktor geschickt worden war, weil er sich geweigert hatte, seinen Cowboyhut abzunehmen.

„Genau“, sagte sie. „Und du bist Theo Abernathy.“

„Wir sind uns in der Schule ständig über den Weg gelaufen“, bemerkte er. „Ich frage mich, warum wir nie miteinander ausgegangen sind.“

Beinahe hätte sie laut gelacht.

Das kann ich dir sagen. Du warst ein Goldjunge aus einer der reichsten Familien in der Stadt, und mein Vater ist Trucker und meine Mom Sekretärin. Sehr verschiedene Kreise.

„Ach, ich hatte damals nicht viel Interesse an Jungs“, sagte sie stattdessen und trank dann einen Schluck, um den Blickkontakt mit ihm zu unterbrechen. Viel zu intensiv.

„Und wie wäre es jetzt?“, fragte er.

Seine grünen Augen funkelten und waren noch immer unverwandt auf sie gerichtet.

Sie verschluckte sich fast an ihrem Saft. Damit hatte sie nun nicht gerechnet.

„Ich mache gerade eine Dating-Pause“, platzte sie heraus und spürte, wie sie rot wurde. Das hatte sie eigentlich nicht sagen wollen, aber es war besser als die Wahrheit: Ich habe kein Glück in der Liebe. Und ich bin schwanger.

„Ja, das ging mir auch schon so. Die letzte Frau, mit der ich ausgegangen bin, hat mir beim dritten Date ein Ultimatum gestellt: dass wir uns bald verloben und die Zusicherung, dass ich mindesten zwei Kinder will.“

Bethany spitzte die Ohren. „Und du konntest mit beidem nichts anfangen?“

„Ehrlich gesagt hätte ich nichts gegen das Verloben, wenn es so richtig funkt. Ich bin jetzt fünfunddreißig und kann mir gut vorstellen, zu heiraten. Aber was die Kinder angeht, bin ich mir weniger sicher.“

Sie hob die Augenbrauen. „Du möchtest keine Kinder?“

„Doch, irgendwann schon. Aber im Moment bin ich noch nicht bereit dafür. Das ist eine Menge Verantwortung und man muss dafür ja auch Opfer bringen.“

Und als fünfunddreißigjähriger Mann muss man sich keine Sorgen darüber machen, dass die biologische Uhr tickt. Schön für dich.

Außerdem hatte er gar nicht erwähnt, wie viel es kostete, Kinder zu haben. Weil er darüber nicht mal nachdenken musste.

„Also ja, ich möchte mich binden“, wiederholte er mit einem bestätigenden Nicken. „Aber eine Familie gründen mit allem Drum und Dran? Nein.“

Bei diesen Worten schüttelte er heftig den Kopf.

Trotz seiner Aussage, dass er offen für eine Beziehung war, spürte sie Enttäuschung in sich aufsteigen. Sie waren also komplette Gegensätze. Sie wollte keine Beziehung, aber ein Kind. Er wollte eine Beziehung, aber keine Kinder – jedenfalls jetzt noch nicht. Aber ihr Kind kam in fünf Monaten auf die Welt.

So ging es ihr immer mit Männern, aber das war sie ja gewohnt.

Zum Glück fragte der Barkeeper, ob Theo noch etwas bestellen wolle, was ihr einen Moment gab, sich zu sammeln und wieder eine neutrale Miene aufzusetzen.

Er griff nach dem Glas mit teurem Whiskey, den der Barkeeper ihm hinstellte, und prostete ihr zu: „Auf deine wunderschöne Stimme“, sagte er. „Ich könnte dir den ganzen Tag zuhören.“

Na gut, das war nett. Sie lächelte und stieß mit ihm an, dann trank sie einen Schluck von ihrem Saft.

Danach wollte sie sich aus dem Staub machen, doch bevor sie dazu kam, trat eine Gruppe von Gästen an die Bar, was Theo zwang, noch näher an sie heranzurücken – und es war schon von Anfang an nicht viel Platz gewesen. Jetzt war sie ihm so nah, dass sie sein Aftershave riechen konnte – leicht, aber würzig. Und verführerisch.

Sie war wie hypnotisiert.

„Als Hochzeitssängerin hast du im Sommer bestimmt am meisten zu tun, oder?“, fragte er.

Sie nickte. „Im Juni hatten die Band und ich vierzehn Termine – von Broncos teuersten Veranstaltungsorten bis hin zu einer Berghöhle. Das war eine ganz schöne Schlepperei bis dort.“

Er lachte. „Und wie war die Akustik?“

„Furchtbar. Aber das Brautpaar hatte sich bei einer Höhlentour kennengelernt, deshalb musste es unbedingt dort sein.“

Gerade wollte sie erzählen, dass sie an den nächsten beiden Tagen – den letzten des Juni – noch zwei weitere Hochzeiten hatte, was den Monat zu einem echten finanziellen Erfolg machte, als sie ein kleines Flattern in ihrem Bauch spürte.

Überrascht hielt sie den Atem an und legte die Hand auf die Stelle. War das der erste Tritt ihres Babys gewesen? Ihre Frauenärztin hatte gesagt, dass es bis dahin noch ein Weilchen dauern könnte, aber ihr Kleines war wohl frühreif.

Und erinnerte Bethany daran, dass sie ihre halbe Stunde Pause nicht damit verbringen sollte, mit Theo Abernathy zu flirten. Das war definitiv nicht der richtige Zeitpunkt, sich in einen Mann zu verlieben, der noch nicht bereit für Kinder war.

Schlimm genug, dass sie die kleinen Fältchen charmant fand, die sich an seinen Augenwinkeln bildeten, wenn er lächelte. Oder dass sie seine breiten Schultern mochte. Stundenlang in seine grünen Augen hätte blicken können.

In seine grünen Augen, die noch immer unverwandt auf ihr ruhten. Nicht dass ihm noch ihr Babybäuchlein auffiel. Bethany nahm unauffällig die Hand weg, um keine Aufmerksamkeit darauf zu lenken.

Lange würde sie es nicht mehr verbergen können. Und deshalb musste sie es ihrer Familie erzählen, bevor der Klatsch und Tratsch losging, der in einer Kleinstadt unvermeidlich war.

Bisher war sie einfach noch nicht bereit gewesen, über diese großen Neuigkeiten zu sprechen. Aber es war definitiv nicht fair, sich noch länger mit Theo zu unterhalten. Es wäre ihm sicherlich peinlich, wenn er herausfand, dass er mit einer Schwangeren geflirtet hatte, nachdem er ihr auf den Kopf zugesagt hatte, dass er keine Kinder wollte.

Sie räusperte sich und sagte: „Ich muss dann langsam mal wieder.“

„Von den dreißig Minuten, die du angekündigt hast, sind erst fünfzehn vorbei“, erwiderte er. „Ich hatte gehofft, du würdest mir einen Tanz schenken. Oder zwei oder drei.“

Wow. Er war definitiv interessiert, das hatte sie sich nicht eingebildet. Aber aus den Bluetooth-Lautsprechern erklang gerade ein sehr romantischer Song – ein wenig zu romantisch für ihren Geschmack. Sie konnte nicht zwei oder drei Minuten zu dieser Musik mit diesem Mann tanzen.

Außerdem brauchte sie dringend einen Stuhl. Und eine Rückenmassage.

„Eigentlich hatte ich vor, einen der Kellner mit diesen köstlichen Häppchen zu überfallen. Diese kleinen Pilztörtchen sehen fantastisch aus und ich bin am Verhungern. Ich muss nachher noch zwei Stunden singen.“

Er wirkte ein wenig überrascht, als wäre er es nicht gewohnt, dass eine Frau ihm einen Korb gab, schon gar nicht, wenn es ums Tanzen ging.

Glaub mir, es ist zu deinem Besten, dachte sie.

Zufällig kam der besagte Kellner gerade vorbei, und Theo hielt ihn an, damit sie sich beide von seinem Tablett bedienen konnten. An der Bar wurden zwei Plätze frei und er machte eine einladende Handbewegung. Innerlich seufzend gab sie nach und setzte sich. Er machte es sich neben ihr bequem und biss in ein Törtchen.

Nun brauchte sie ein möglichst unpersönliches Thema. Nach kurzem Nachdenken fiel ihr etwas ein.

„Ich habe letzte Woche deinen Podcast gehört“, sagte sie. „Er lief bei meinem Bruder im Auto. Ich fand es wirklich interessant, und obwohl ich keine Ahnung von Rancharbeit habe, wollte ich nichts verpassen, und er musste warten, bis die Folge zu Ende war, bevor wir aussteigen konnten.“

Es war um eine junge Frau gegangen, die von sechs Ranchen abgelehnt worden war, bevor eine sie endlich als Cowgirl einstellte. Bethany hatte vor Freude in die Hände geklatscht, als sie erzählte, wie es ihr endlich gelungen war, einen Job auf einer Ranch zu finden.

Theos wöchentlicher Podcast Rancherleben war im ganzen Nordwesten beliebt und er hatte ein paar große Werbekunden. Da er das Geld nicht benötigte, gingen alle Einkünfte aus dem Podcast in einen Fonds für in Not geratene Rancher.

„Wow, das ist ein tolles Kompliment“, sagte Theo lächelnd. „Danke.“

„Danach hatte ich richtig Lust, mir ein paar Hühner oder Ziegen anzuschaffen“, sagte sie lachend. „Aber ich wohne in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung in Bronco Valley und ich habe nicht mal einen Balkon.“

Er betrachtete sie kurz schweigend, und sie fragte sich, was er über ihre Aussage dachte. Seine Geschwister und er wohnten in luxuriösen Blockhäusern auf der Bonnie-B-Ranch. Seine Küche war vermutlich größer als ihre ganze Wohnung.

„Es ist seltsam, dass wir uns kennen, seit wir klein waren, aber nie miteinander gesprochen haben“, sagte er. „Ich habe dich schon auf ein paar anderen Hochzeiten dieses Jahr auftreten sehen. Aber diesmal hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, dich anzusprechen.“

Interessant. „Ach ja? Wieso das?“

„Entweder war ich mit einer Frau da oder auch in einer Dating-Pause. Aber gerade trifft beides nicht zu.“

„Für mich schon“, erinnerte sie ihn.

Er hob die Augenbrauen. „Ach ja, richtig, du hast gerade kein Interesse an Dates. Aber vielleicht kann ich deine Meinung ändern“, fügte er mit einem sexy Lächeln hinzu.

Möglich. Aber ich bezweifle, dass ich deine Meinung über Kinder in den nächsten fünf Monaten ändern kann, dachte sie innerlich seufzend.

Es war höchste Zeit, sich aus dem Staub zu machen. Sie blickte nachdrücklich auf ihre zierliche Armbanduhr. „Oh, ich sollte weitermachten. War schön, mit dir zu reden, Theo.“

Sie lächelte ihm kurz zu und eilte dann zur Bühne.

Jetzt gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder sah er sie als Herausforderung und würde auf die nächste Pause warten, um wieder mit ihr zu flirten. Oder er würde bei ihrem nächsten Set mit einer anderen Frau tanzen, was ihr wahrscheinlicher vorkam.

Und das war völlig in Ordnung.

Denn Theo Abernathy war definitiv nicht der richtige Mann für sie.

2. KAPITEL

Als Theo an seinen Tisch zurückkehrte, versuchte er, nicht ständig die wunderschöne Frau auf der Bühne anzustarren.

„Na, hat sie dir ihre Nummer gegeben?“, fragte sein Bruder Jace. „Ich habe euch zusammen an der Bar gesehen.“

Theo runzelte die Stirn. „Nein, hat sie nicht. Sie hat mich stehenlassen.“

Jace riss überrascht die Augen auf und lachte dann herzhaft. „Das ist dir noch nie passiert, was?“

„Wenn ich recht drüber nachdenke: nein. Ich kann ja nichts dafür, dass ich der attraktivste Abernathy bin.“

Jaces Verlobte Tamara grinste. „Hallo? Wer behauptet das denn?“

Theo lachte. Sowohl sein jüngerer Bruder Jace als auch sein älterer Bruder Billy waren glücklich verlobt und hatten bereits Kinder: Jace, weil er ein Baby adoptiert hatte, Billy, weil er geschieden war und seine drei Teenager allein großzog, bevor er Charlotte kennengelernt hatte.

„Charlotte und ich haben eine Neuigkeit“, sagte Billy. „Wir haben es den Kindern und Mom und Dad heute Vormittag schon gesagt, jetzt sollt ihr es auch erfahren.“

Theo blickte ihn erwartungsvoll an. So glücklich, wie er heute Abend aussah, konnte es nur etwas Gutes sein.

„Wir bekommen noch ein Kind“, sagte Charlotte. „Ich bin schwanger.“

Theo sprang auf und umarmte seinen Bruder und seine zukünftige Schwägerin.

„Das ist ja großartig, ich werde wieder Onkel! Das freut mich so für euch, Leute.“

„Die Kinder sind auch schon ganz aufgeregt, dass sie ein Geschwisterchen bekommen“, sagte Billy.

Sie stießen auf die beiden an, danach wandte Theo seine Aufmerksamkeit wieder der Bühne zu. Er war so fasziniert von dieser engelhaften Stimme, dass er kaum mitbekam, dass sein Bruder ihn etwas fragte.

„Nimm’s nicht persönlich, Jace“, sagte Tamara. „Theo ist beschäftigt. Er wurde herausgefordert, und du weißt, wie er auf Herausforderungen reagiert.“

Jace lachte. „Oh ja. Er lässt nicht locker, bis er es geschafft hat.“

Theo hörte nur mit einem Ohr hin und widersprach nur innerlich. Ja, Bethany McCreery war eine Schönheit mit ihrem langen hellbraunen Haar und ihren sexy Kurven, die nicht einmal das gerüschte Trauzeuginnenkleid verbergen konnte, aber hier ging es nicht um eine Herausforderung. Oder darum, dass sie ihm einen Korb gegeben hatte.

Nein, er hatte eine echte Verbindung zu Bethany gespürt, als sie sich unterhalten hatten, und das passierte ihm normalerweise so schnell nicht.

Weshalb es ihm immer leichtfiel, Frauen, mit denen er ausging, ziehen zu lassen, wenn sie von ihrem Kinderwunsch erzählten. Er liebte Kinder und wollte irgendwann auf jeden Fall eigene haben – nur eben noch nicht jetzt. Er mochte sein Leben, in dem er tun und lassen konnte, was und wann er wollte.

Vielleicht ging es Bethany ja auch so. Sie trug keinen Ehering und er hatte sie auch noch nie mit jemandem zusammen in der Stadt gesehen. Vielleicht hatte sie es ja auch nicht eilig damit, eine Familie zu gründen. Was hatte sie noch mal gesagt, als er erwähnt hatte, dass er noch keine Kinder wollte? Er wusste es nicht mehr. Er war zu sehr auf ihre großen blauen Augen konzentriert gewesen und auf dieses wunderbare Gefühl, als sie geflirtet hatten.

Nun ja, er hatte geflirtet.

Vielleicht hatte sie einfach kein Interesse an ihm? Oder hatte eine ernsthafte Beziehung, die sie nur nicht an die große Glocke hängte?

Allerdings war sie auf dieser Hochzeit ja nicht nur die Sängerin der Band, sie war auch die Trauzeugin. Wenn es jemand in ihrem Leben gegeben hätte, wäre er sicherlich ebenfalls eingeladen gewesen.

Also war sie tatsächlich nicht interessiert an ihm, und es stimmte: Das war eine gewisse Herausforderung. Und er liebte Herausforderungen.

Also würde er auf Bethany warten, nachdem die Band ihren letzten Song gespielt hatte und … und was dann? Sollte er sie nach ihrer Nummer fragen, wozu er vorhin noch gar nicht gekommen war? Ja, das war ein guter Anfang. Wenn sie sie ihm nicht geben wollte, würde er ihr Nein natürlich akzeptieren und die Sache wäre für ihn erledigt. Schließlich war er ein Gentleman.

Zum ersten Mal, seit er zwölf war, tanzte Theo auf einer Hochzeit keinen einzigen Tanz. Im Laufe des Abends wurde er mindestens zehn Mal aufgefordert und sagte jedes Mal freundlich Nein. Er wollte heute mit niemandem tanzen – außer mit Bethany McCreery.

Als die Feier schließlich langsam endete und die Band ihre Instrumente zusammenpackte, sah er, wie Bethany ihre drei Bandmitglieder umarmte und dann die Bühne verließ. Ihre Eltern, das Brautpaar und ein paar andere verabschiedeten sich ebenfalls mit Umarmungen von ihr.

Dann war sie endlich allein.

Jetzt oder nie, sagte er sich.

Als er auf sie zuging, fing er ihren Blick auf. Wenn er sich nicht täuschte, schien sie sich zu freuen, ihn zu sehen. Ihre Augen strahlten und sie lächelte. Doch als er sie erreicht hatte, wirkte sie zurückhaltend. Wachsam.

Das war dann wohl die zweite Herausforderung: herauszufinden, was in ihr vorging.

„Ich wollte nur noch mal sagen, wie sehr ich es genossen habe, dir zuzuhören“, sagte er. „Du bist eine großartige Sängerin.“

Und das stimmte. Selbst wenn er sich nicht für sie interessiert hätte, hätte er dasselbe gesagt.

Sie lächelte ihm warm zu. „Das ist wirklich nett. Vielen Dank.“

„Und ich kann nicht gehen, ohne nicht wenigstens zu versuchen, deine Nummer zu bekommen“, fügte er hinzu.

Es klang nicht ganz so beiläufig und leichtfüßig, wie er gehofft hatte. Er wollte wirklich dringend ihre Nummer.

Sie blickte kurz weg und sprach dann sehr schnell darüber, wie kompliziert ihr Leben gerade war, dass sie an allen Wochenenden ausgebucht war und einige Familienfeiern anstanden.

Wow. Sie wollte wirklich nicht mit ihm ausgehen. Oder ihn besser kennenlernen. Die Enttäuschung war wie ein Schlag in die Magengrube.

Um ihnen beiden die Verlegenheit zu ersparen, sagte er: „Ich frage hauptsächlich, weil drei meiner Geschwister verlobt sind und bald heiraten werden, deshalb wollte ich deine Kontaktdaten weitergeben. Als Hochzeitssängerin.“

Sie wurde rot. Na toll. Jetzt hatte er ihr das peinliche Gefühl gegeben, sie hätte ihn falsch verstanden – wo er doch tatsächlich mit ihr ausgehen wollte.

Er seufzte. „Vergiss das. Oder nein, vergiss es nicht, meine Geschwister brauchen wirklich eine so wunderbare Hochzeitssängerin wie dich. Aber ich habe dich nach deiner Nummer gefragt, weil ich dich gern besser kennenlernen würde. Ich möchte dich zum Essen einladen. Oder zu einem Spaziergang auf meiner Ranch – da gibt es ein paar schöne Plätze, wo man den Sonnenuntergang sehen kann. Ich weiß, du datest gerade nicht, aber ich hätte es mir nicht verziehen, wenn ich es nicht wenigstens versucht hätte.“

Sie lächelte leicht. „Ich mag deine Ehrlichkeit, Theo. Das ist das zweite Mal, dass du einfach sagst, wie es ist.“

„Was war denn das erste?“

„Dass du in naher Zukunft keine Kinder willst.“

Er hob eine Augenbraue. „Aber du schon?“

Leider wusste er viel zu wenig über sie. Vielleicht wollte sie wirklich Kinder – das war dann ein Problem.

„Auf jeden Fall.“

„Oh“, machte er nicht gerade sehr wortgewandt.

„Wenn du mir dein Handy gibst, tippe ich meine Nummer ein, damit du sie deinen Geschwistern weiterleiten kannst“, bot sie ihm an. „Weiterempfehlung ist die beste Werbung“, fügte sie gespielt fröhlich hinzu.

Er reichte ihr sein Handy, und als sie fertig war, textete er ihr ein „Hi“, damit sie seine Nummer auch hatte.

Nicht, dass sie sie je brauchen würde.

„Na dann, tschüss“, sagte sie und eilte davon.

Er seufzte schwer. Das hatte er ja ganz schön verbockt.

Doch schon als er sah, wie sie mit ein paar anderen Brautführerinnen den Saal verließ, merkte er, wie unbedingt er sie wiedersehen wollte.

Als Bethany bei ihrer Wohnung angekommen war, beschloss sie kurzerhand noch ein Stück weiterzufahren und ihre Eltern zu besuchen.

Sie war so kurz davor gewesen, Theo zu sagen, dass sie schwanger war.

Ich will nicht nur bald Kinder, ich werde in fünf Monaten eins bekommen!

Aber auf keinen Fall konnte sie diese große Neuigkeit irgendjemandem verkünden, wenn ihre eigene Mutter noch nichts davon wusste.

Es war spät, aber sie konnte nicht mehr warten. Außerdem war ihre Mutter nach der Feier bestimmt auch noch nicht gleich ins Bett gegangen, dafür war sie sicherlich viel zu aufgeregt. Und richtig: Als Bethany auf die Einfahrt fuhr, brannte in der Küche noch Licht.

Sie textete ihrer Mutter, dass sie da war, und erhielt sofort Antwort.

Komm rein, ich mache gerade Tee. Möchtest du auch noch ein Stück Hochzeitstorte?

Erleichtert und ein wenig aufgeregt stieg Bethany aus und eilte zur Haustür. Endlich konnte sie ihr Geheimnis mit jemandem teilen!

Ihre Mutter trug noch das elegante Kleid von der Feier und zog Bethany in eine feste Umarmung, dann ging sie in die Küche, goss zwei Tassen Tee ein und schob Bethany einen zweiten Teller mit einem Stück Hochzeitstorte hin.

„Ich hatte gar keine Zeit, davon zu probieren“, sagte Bethany und aß einen Bissen. „Mmmmh, lecker. Nicht zu süß, aber trotzdem köstlich. Perfekt.“

Aber eigentlich hatte sie keinen Appetit. Sie zögerte den großen Moment nur hinaus und blickte aus dem Fenster in die mondhelle Nacht.

„Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte ihre Mutter besorgt. „Hat die Hochzeit irgendwas in dir ausgelöst?“

Die Frage überraschte Bethany nicht. Ihre Mutter und sie waren immer beste Freundinnen gewesen und Bethany hatte sich oft bei ihr darüber ausgeweint, dass sie kein Glück mit Beziehungen hatte.

„Ja, schon“, antwortete sie. „Aber es geht um etwas anderes.“

Ihre Mutter legte die Kuchengabel weg. „Was ist passiert, Liebes?“

Bethany biss sich auf die Lippe. Jetzt oder nie.

„Ich bin schwanger“, sagte sie.

Mit einer Thermosflasche Kaffee verließ Theo sein Blockhaus auf dem Gelände der Bonnie-B-Ranch und ging den halben Kilometer zum Ranchbüro zu Fuß. Bis auf Theos jüngste Schwester Stacey arbeiteten alle seine Geschwister auf irgendeine Weise auf oder für die Ranch, die somit ein echter Familienbetrieb war. Theo war für das Herdenmanagement zuständig, aber tief drinnen war er ein echter Cowboy.

Er genoss die warme Sommerluft und den Blick über die sattgrünen Weiden, auf denen Rinder grasten, und gähnte herzhaft. Das war ungewöhnlich für ihn. Normalerweise schlief er wie ein Stein – letzte Nacht aber nicht. Er hatte einfach nicht aufhören können, an Bethany McCreery zu denken.

Seine Großmutter hatte immer gesagt, man solle dem Ärger nicht hinterherlaufen, und er hatte das Gefühl, dass er genau das tun würde, wenn er versuchte, doch noch bei ihr zu landen. Wenn man schon vor dem ersten Date wusste, dass man unterschiedliche Lebensziele und -wünsche hatte, war es besser, es gar nicht erst zu versuchen.

Nur konnte er eben leider nicht aufhören, an sie zu denken.

Verflixt.

Er trank einen Schluck aus der Thermoskanne und versuchte, sich gedanklich auf das Meeting mit seinen Brüdern einzustellen. Normalerweise legten sie diese Meetings nicht auf einen Samstag, schon gar nicht, wenn sie alle am Abend vorher auf einer Hochzeit gewesen waren. Aber sie hatten alle volle Terminkalender und seine Brüder alle Kinder, also war heute der einzige Termin gewesen, an dem sie sich vor den anstehenden Rinderauktionen hatten treffen können.

Im Büro, das an das Haupthaus der Ranch angeschlossen war, in dem seine Eltern wohnten, fand er seine Brüder am Kaffeebereiter.

„Das ist heute schon meine dritte Tasse“, sagte Jace, „und es ist erst neun.“

Er trank einen Schluck und setzte sich an seinen Schreibtisch. „Frankie zahnt gerade und ist ein paar Mal aufgewacht, das letzte Mal kurz nach drei.“

Theo fragte sich, wie sein Bruder überhaupt aus dem Bett gekommen war. Er war ein hingebungsvoller Vater für den jetzt fast einjährigen Frankie. Jace fütterte, wickelte, tröstete, und Tamara sprach oft davon, was für ein wunderbarer Vater er war.

Frankie war ein Wunschkind – wenn auch auf unkonventionelle Weise. Als freiwilliger Feuerwehrmann hatte Jace Frankies hochschwangere Mutter aus einem brennenden Haus gerettet und geholfen, das Baby auf die Welt zu bringen. Unglücklicherweise war die Mutter kurz darauf im Krankenhaus an einer Rauchvergiftung gestorben. Jace hatte alle – vermutlich auch sich selbst – damit überrascht, dass er sich um das Baby gekümmert und es schließlich adoptiert hatte. Tamara, eine Krankenschwester in der Notaufnahme, hatte ihm dabei geholfen, und die beiden hatten sich ineinander verliebt.

„Mein zweiter“, sagte Billy und hob seine Tasse. „Ich habe heute einen vollen Tag. Und in fünfzehn Minuten muss ich meine drei Teenager alle an verschiedenen Orten abliefern.“

Jace lachte. „Ja, ich bin froh, dass ich noch ein paar Jahre Zeit habe, bis meine Hauptaufgabe Chauffeur wird.“

Er öffnete die Auktionswebseite auf seinem Computer. Sie hatten bereits entschieden, auf wie viele und welche Rinder sie bieten wollten, aber da die Auktion über drei Tage ging und fünfzig Kilometer von Bronco entfernt stattfand, musste jeden Tag jemand von ihnen dort sein, um mitzubieten. Und das war gar nicht so einfach. Seine Brüder hatten ständig irgendwelche Termine wegen ihrer Kinder. Theo war der Einzige, der jeden Tag zu einer Rinderauktion fahren konnte, wenn ihm danach war.

„Gut, wenn das geklärt ist, können wir jetzt ja die wichtigen Sachen besprechen – wie zum Beispiel dein Liebesleben, Theo“, sagte Jace schließlich. „Hast du letzte Nacht noch Bethanys Nummer bekommen?“

Gerade als er es geschafft hatte, mal fünf Minuten nicht an sie zu denken!

„Ja, habe ich“, sagte er. „Aber ich glaube nicht, dass wir dieselben Dinge im Leben wollen.“

Billy hob eine Augenbraue. „Und das weißt du, nachdem du eine Viertelstunde mit ihr gesprochen hast?“

Ja, allerdings. Weil sie beide offen gewesen waren und klar kommuniziert hatten.

„Geh doch erst mal mit ihr essen, dann kannst du das immer noch entscheiden“, schlug Jace vor.

Das war vermutlich nicht klug. Er kannte Bethany kaum und musste dennoch ständig an sie denken. Wenn er ihr erst einmal zwei, drei Stunden bei einem romantischen Abendessen gegenübergesessen hatte, war es vermutlich völlig um ihn geschehen.

Und was dann?

Sie wollte sofort Kinder, er nicht.

Wozu also erst etwas anfangen?

Bevor er antworten konnte, kam Tamara mit Frankie herein. Der Kleine umklammerte mit seiner winzigen Faust eine Strähne ihres langen dunkelbraunen Haars. Theo bemerkte, wie Jaces Augen aufleuchteten, als er die beiden sah. Sein Bruder sprang auf, um Tamara auf den Mund zu küssen, und strich dann Frankie zärtlich über die Wange.

Nein, das wäre nichts für mich, dachte Theo.

Er stand ebenfalls auf, um Tamara zu begrüßen und mit seinem Neffen verstecken zu spielen. Der Kleine war in dem Alter, in dem Kinder es lieben, wenn man das Gesicht mit den Händen bedeckte und dann mit einem „Kuckuck“ wegnahm, und lachte voller Freude.

Theo liebte diesen Klang. Seine Brüder sagten oft, dass es nichts Schöneres gab als ein fröhlich glucksendes Baby, und da musste er ihnen recht geben.

„Könntest du ihn kurz halten?“, bat Tamara ihn. „Ich muss mir die Haare zusammenbinden. Man sollte meinen, dass ich gelernt hätte, vorher dran zu denken, bevor ich diesen kleinen Mann mit der Eisenfaust auf den Arm nehme, aber nein.“

Theo lachte und kitzelte Frankies Bauch. Sofort ließ der Kleine Tamaras Haare los.

„Ah“, sagte sie erleichtert, als sie ihm das Baby reichte.

Theo drückte seinen jüngsten Neffen an sich und rieb ihm sanft den Rücken. Woraufhin Frankie herzhaft rülpste und Milch vermischt mit Babyspucke auf seinem Lieblingshemd landete.

Jace und Billy lachten. „Gut gezielt, Kleiner“, sagte Jace, als er sich erholt hatte.

„Ja, und gut gewählt“, fügte Billy hinzu. „Lieber Onkel Theo als ich.“

Theo blickte seinen Neffen an. „Keine Sorge, du darfst mich jederzeit anspucken.“

Weil ich dich danach an deine Eltern zurückgeben kann.

„Tut mir leid“, sagte Tamara lächelnd. „Ich nehme ihn wieder.“

Nur zu gern gab Theo das Baby an sie zurück.

Vielleicht würde er Bethany doch nicht anrufen.

Wenn sie sich mit neuen potenziellen Kunden traf, die sie und ihre Band für eine Hochzeit buchen wollten, machte Bethany immer Hausbesuche. Denn früher oder später wollten die Kunden immer, dass sie ein oder zwei Lieder ansang, und das ging schlecht, wenn sie sich im Gemstone Diner oder bei Kendra’s Cupcakes trafen.

So saß Bethany also an diesem Samstagmorgen um zehn im sehr weißen, sehr schicken Wohnzimmer von Laurene Fields, die eine wichtige potenzielle Kundin war, weil sie es Bethany ermöglichen würde, nach der Geburt einige Wochen in Mutterschaftsurlaub zu gehen. Laurene hatte angeboten, das Doppelte vom üblichen Honorar zu zahlen, weil sie am Valentinstag heiratete.

Als ob ich deswegen ein Date absagen müsste, dachte Bethany.

Sie gab sich Mühe, sich auf Laurenes Geplapper zu konzentrieren, die von ihrem wunderbaren Verlobten schwärmte. Doch ständig musste sie an Theo Abernathy denken.

Immer wieder sah sie sein attraktives Gesicht vor sich. Seine schlanke muskulöse Figur. Eigentlich hatte sie gedacht, dass sie kein Interesse mehr an Sex hatte, seit sie schwanger war. Weit gefehlt.

Sie hatte sich versucht einzureden, dass er jede Woche eine neue Freundin hatte – wobei sie nicht wusste, ob das wirklich stimmte. Immerhin war er ohne Begleitung zur Hochzeit gekommen. Interessant. Oder vielleicht auch nicht. Vielleicht waren Hochzeiten der perfekte Jagdgrund für ihn, um jemanden kennenzulernen.

Und er hatte jemanden kennengelernt. Sie.

Nur dass das zu nichts führen würde.

„Könntest du diese Lieder ansingen?“, fragte Laurene und reichte ihr eine Liste.

Bethany überflog sie und lächelte. Es waren alles typische Hochzeitsballaden, die sie schon hundertmal gesungen hatte.

Sie gab eine Kostprobe, und Laurene legte eine Hand auf ihr Herz.

„Ich liebe deine Stimme! Und du singst mit so viel Gefühl! Ich möchte dich buchen und schicke dir gleich heute Abend den Vertrag.“

Bethany lächelte. Bingo! Diesen Auftritt hatte sie für sich und die Band gesichert. Sie konnten das doppelte Honorar alle gut gebrauchen und die Anzahlung wurde üblicherweise sofort fällig.

„Du kannst auf uns zählen“, sagte sie erleichtert.

Für sie bedeutete das, dass sie sich nach der Geburt einige Wochen freinehmen konnte und ihre Eltern nicht ständig zum Babysitten einspannen musste. Ihre Mutter war überglücklich über die Neuigkeiten gewesen und ihr Vater hatte sie mit Tränen in den Augen umarmt. Beide hatten ihr jegliche Unterstützung zugesagt, die sie brauchen mochte. Sie hatte die besten Eltern der Welt, aber sie wollte sie auch nicht überstrapazieren.

Ihr Handy vibrierte auf dem Couchtisch und sie warf einen kurzen Blick aufs Display. Auf dem Theo Abernathys Name erschien. Doch sie konnte seinen Anruf nicht vor einer Kundin annehmen, zumal diese Kundin schon wieder darüber plauderte, wie wunderbar ihr Verlobter war.

Dann klingelte zum Glück Laurenes Handy, sie nahm den Anruf an und musste dann sofort zu einem Termin mit einem Caterer, den sie buchen wollte.

Erleichtert verließ Bethany das Luxusapartment und textete draußen ihren Bandmitgliedern sofort, dass sie den Auftritt gesichert hatte. Alle drei schickten ihr Dollarzeichen und Herzchenemojis zurück.

Danach rief sie ihre Voicemail auf. Theo hatte eine Nachricht hinterlassen.

Hi Bethany, hier ist Theo. Bitte denk jetzt nicht, dass ich nicht gut zuhören kann. Ich habe verstanden, dass du gerade eine Dating-Pause machst, aber ich muss ständig an dich denken. Ich habe wirklich eine starke Verbindung zu dir gespürt, und das kommt bei mir nicht oft vor, deshalb … Also, wie wär’s damit: Ruf mich an, wenn du es nicht für eine wirklich schlechte Idee hältst.

Unwillkürlich musste sie lächeln. Es war eine wirklich schlechte Idee, und das wussten sie beide.

Aber es ging ihr genauso wie ihm – irgendetwas ließ sie ständig an ihn denken. Sie hatte diese seltsame Verbindung, diese Anziehungskraft auch gespürt. Und das passierte ihr auch so gut wie nie. Wenn sie an all die Dates dachte, die sie gehabt hatte, bevor sie schwanger geworden war, war kein Mann dabei gewesen, den sie auch nur annähernd so interessant oder sympathisch gefunden hatte wie Theo. Und auch wenn sie sich jedes Mal vorher Hoffnungen gemacht hatte – danach hatte sie sich nur noch einsamer gefühlt.

Also gut, wie wär’s damit, sagte sie sich selbst. Ich gehe mit Theo aus, und dann werden wir beide merken, dass wir nicht zusammenpassen und das Ganze zu nichts führt. Aber dann haben wir es wenigstens versucht und müssen nicht darüber nachdenken, was wäre, wenn. Wer weiß, vielleicht können wir sogar einfach nur Freunde sein?

Mit diesem Gedanken wählte sie seine Nummer. Sobald sie seine Stimme hörte, tanzten aufgeregte Schmetterlinge in ihrem Bauch.

„Ich rufe an, um dir zu sagen, dass wir unbedingt miteinander ausgehen sollten, damit wir sehen, dass es eine wirklich schlechte Idee ist. Nach einer halben Stunde sind wir bestimmt von unseren seltsamen Anziehungskräften kuriert.“

Er lachte. „Ist gut, ich ziehe Turnschuhe an, damit ich weglaufen kann. Wie wäre es heute Abend?“

Gleich heute Abend? Das ging ihr zu schnell. Plötzlich war sie nervös.

„Heute Abend geht es leider nicht.“

„Morgen Abend?“, fragte er.

„Geht auch nicht.“

„Na, dann nächste Woche?“

Am liebsten hätte sie gesagt, dass sie für die nächsten achtzehn Jahre ausgebucht war.

„Mein Leben ist gerade wirklich ziemlich kompliziert“, sagte sie stattdessen. „Vielleicht sollten wir die Sache doch einfach vergessen.“

„Das kann ich leider nicht“, erwiderte er. „Ich weiß auch nicht, wo es hinführen wird, aber ich weiß, dass ich dich auf jeden Fall besser kennenlernen will. Wie wär’s, wenn wir uns einfach treffen und auf der Bonnie B spazieren gehen? Ich zeige dir den Ort, an dem ich am liebsten den Sonnenuntergang anschaue. Und meine Lieblingsziege. Und mein Lieblingskalb.“

„Montag“, platzte sie heraus, bevor sie es sich wieder anders überlegte. „Am Montag habe ich keine Hochzeit.“

„Montag, erster Juli“, sagte er. „Ist im Kalender eingetragen.“

Sie lachte. „Wir haben ein Date.“

Der Gedanke ernüchterte sie schnell. „Ich meine, es ist … wir treffen uns.“

Jetzt lachte er. „Das geht schon in Ordnung, Bethany. Es ist nur ein Spaziergang.“

Aber es war nicht nur ein Spaziergang. Es war der Anfang von etwas. Und das wusste sie jetzt schon.

3. KAPITEL

„Und das ist Buster, unser neuer Hahn“, sagte Theo am späten Montagnachmittag und zeigte auf den stattlichen Golden-Comet-Hahn, der in dem großen Hühnergehege herumstolzierte.

Bethany war nicht überrascht über die Größe und ansprechende Gestaltung des Hühnerfreilaufs. Alles hier war groß und ansehnlich. Auf der Bonnie B gab es viele wunderschöne Gebäude – von lichtdurchfluteten Ställen zu rot gestrichenen klassischen Heuschobern bis hin zu großen, im Baustil angepassten Lagerhäusern für Futter und Gerätschaften. Was Theo als die „Mannschaftsquartiere“ für die Angestellten bezeichnete, waren eher Luxusblockhütten, und was er Blockhütten nannte – wie die, in denen er und seine Geschwister wohnten – waren Villen aus Holz.

„Cooler Name, Buster“, bemerkte sie. „Hast du den ausgesucht?“

„Mein Teenagerneffe hatte diesmal die Namensrechte, und wir waren ein bisschen nervös deswegen, aber dann kam er mit Buster an, und wir sind auch alle begeistert.“

Es gefiel ihr, dass Theo viel von seiner Familie sprach. Die Abernathys waren weit verzweigt und es gab viele von ihnen in der Stadt. Sie ging in die Hocke und streichelte ein Huhn, das zu ihren Füßen pickte.

Theo war ein echter Gentleman. Er hatte sie pünktlich abgeholt und nicht unten auf der Straße gewartet, sondern war zu ihrer Wohnungstür gekommen. Dann hatte er ihr beim Einsteigen die Beifahrertür aufgehalten und sie hinter ihr geschlossen, als sie saß. So viel Aufmerksamkeit war sie gar nicht gewöhnt.

Vielleicht lag es daran, dass er so wohlhabend war, aber für einen Mann in Jeans, einem Westernhemd und Cowboystiefeln sah er bemerkenswert „angezogen“ aus. Sie hatte in ihrem Kleiderschrank lange nach dem richtigen, locker fallenden Sommerkleid gesucht, doch dann entschieden, dass sie ihr Babybäuchlein nicht mehr verstecken sollte. Schließlich wussten ihre Eltern jetzt Bescheid.

Und auch wenn dies kein richtiges Date war, fühlte es sich doch so an, und sie würde Theo früher oder später sagen müssen, dass sie schwanger war. Je früher, desto besser sogar.

Zum Beispiel jetzt.

Doch aus heiterem Himmel einfach so damit herauszuplatzen, fühlte sich auch nicht richtig an. Das würde dann so klingen, als hätte sie diese wichtige Information absichtlich bisher zurückgehalten. Was ja auch der Fall war.

Würde er fragen, warum um alles in der Welt sie dann diesem Nicht-Date zugestimmt hatte?

Vermutlich. Auf der Hochzeit hatte sie es ihm nicht gesagt, weil es ihre Mutter zuerst erfahren sollte. Und am Telefon hatte sie es ihm nicht gesagt, weil …

Tja, das wusste sie auch nicht so recht.

Jetzt waren sie schon eine Stunde auf der Ranch, und sie hatte es immer noch nicht angesprochen. Ein oder zwei Gelegenheiten hätte es gegeben, während sie über die Ranch spaziert waren, schließlich hatten sie beide von ihren jeweiligen Nichten und Neffen erzählt. Doch jedes Mal, wenn sie gerade ihr eigenes Kind ansprechen wollte, hatte er ihr etwas auf der Ranch gezeigt – ein Tier, auf das er stolz war, einen Ort, den er besonders mochte, ein Anblick, der ihn an etwas erinnerte.

Die eine Stunde war wie im Flug vergangen und die Gesprächsthemen waren ihnen nicht ausgegangen. Und die ganze Zeit hatte sie sich einzureden versucht, dass es wirklich schön wäre, wenn Theo und sie Freunde sein könnten.

Doch er war ein Freund, der unglaublich gut aussah und einen sexy Körperbau hatte – und ihr war schon bewusst, dass ihr diese Attribute an ihren anderen männlichen Freunden normalerweise nicht auffielen. Auch nicht andere kleine Details, wie seine faszinierenden grünen Augen. Oder die goldenen Highlights, die die Sonne in seinen dunkelbraunen Haaren hervorzauberte. Oder dass es seine Angewohnheit war, sich mit der Hand durch die Haare zu streichen, wenn er über eine Antwort nachdachte.

Nein, sie brauchte sich in Sachen Theo nichts vorzumachen. Sie fühlte sich zu ihm hingezogen. Zu dem Mann, der in absehbarer Zeit keine Kinder wollte.

Eigentlich gab es da nichts mehr nachzudenken – aber sie war noch nicht bereit, sich zu verabschieden.

Sie streichelte das Huhn noch einmal und stand auf. Vielleicht sollte sie es einfach hinter sich bringen.

„Ich mag Frauen, die keine Angst vor Hühnern haben“, sagte er. „Vor einiger Zeit hat mich eine meiner Schwestern auf ein Blind Date geschickt mit einer ihrer Freundinnen, die auf einer Ranch aufgewachsen ist, aber alles daran hasste. Man hätte meinen sollen, dass Stacey von allein darauf gekommen wäre, dass das nie was hätte werden können.“

Bethany lachte. „Mein letztes Blind Date hat mir erklärt, dass er Livemusik hasst, weil sie so laut ist, und er es nicht leiden kann, wenn Leute schief mitsingen – und dass er genug davon hat, dass seine anderen Dates immer zu Konzerten und Musikfestivals mit ihm wollten. Nicht, dass er nicht vorher gewusst hätte, dass ich Hochzeitssängerin bin …“ Sie schüttelte den Kopf. „Ein repräsentatives Beispiel dafür, wie meine früheren Dates so liefen.“

„Und, vermisst du es?“

Sie lachte. „Ob ich das Daten vermisse? Machst du Witze?“

„Ja, dumme Frage“, erwiderte er mit einem Lächeln, bei dem sie eine wohlige Gänsehaut bekam. „Dieses Date allerdings macht alles wieder wett.“

Ihr Herz schlug schneller bei seinem süßen Kompliment, dann kam sie wieder auf dem Boden der Tatsachen an. War es nicht immer so? Richtiger Mann, falscher Zeitpunkt. Richtiger Zeitpunkt, falscher Mann.

„Das ist aber kein richtiges Date“, erinnerte sie ihn. „Das ist ein Spaziergang.“

Als er lachte, hätte sie am liebsten nach seiner Hand gegriffen. Warum nur fühlte sie sich so zu ihm hingezogen?

„Ich habe plötzlich furchtbaren Hunger auf Pasta“, sagte Theo. „Linguine Carbonara mit Knoblauchbrot. Wie wär’s?“

Oh weh. Ein gemeinsames Abendessen machte aus dem Spaziergang ein echtes Date. Aber jetzt, wo er Pasta und Knoblauchbrot erwähnt hatte, hatte sie plötzlich Heißhunger darauf. Und wenn sie erst mal Heißhunger hatte, war alles zu spät.

„Ooooh ja, unbedingt! Aber für mich Penne Primavera mit der rosa Soße. Und auf jeden Fall auch Knoblauchbrot.“

„Pastabilities?“

Das italienische Restaurant in Bronco Heights war perfekt für einen Abend wie diesen – nicht zu gehoben, nicht zu romantisch, nicht zu sehr auf Dates ausgelegt. Einfach genau richtig.

„Ich liebe Pastabilities“, sagte sie, während ihr schon das Wasser im Mund zusammenlief.

Theo lächelte „Hervorragend. Dann los.“

Wenn er vorgeschlagen hätte, sie auf sein weißes Pferd zu heben, um zu dem Restaurant zu reiten, wäre sie auch nicht überrascht gewesen. Diesen ritterlichen Effekt hatte er ständig auf sie. Was nicht besonders klug war, denn sobald er erfuhr, dass sie schwanger war – und das würde sie ihm beim Essen endlich sagen –, würde er sich sehr unritterlich aus dem Staub machen und sie würde ihn nie wiedersehen.

Sie gingen langsam zurück zu seinem riesigen Pick-up, der vermutlich drei Mal so viel gekostet hatte wie die Jahresmiete für ihre Wohnung. Zwanzig Minuten später saßen sie an einem Zweiertisch im Pastabilities und gaben ihre Bestellungen auf. Theo bestellte eine Limonade mit Schuss, sie eine ohne.

Insgeheim wartete sie darauf, dass ihm das auffiel. Oh, du trinkst nie Alkohol, bist du schwanger?

Aber so viel Glück hatte sie nicht.

Als er als Vorspeise einen Caesar Salad bestellte und sie frage, ob sie auch einen wollte, hätte sie sagen können, dass sie das cremige Dressing liebte, aber dass sie gerade keine rohen Eier essen durfte wegen ihrer Schwangerschaft.

Stattdessen sagte sie, dass sie sich den Appetit für die Hauptspeise nicht verderben wollte.

„Wohin sind eigentlich dein Bruder und seine Frau auf Hochzeitsreise gefahren?“, fragte er. „Ich bin immer auf der Suche nach interessanten Reisezielen.“

„Sie verbringen die Flitterwochen hier in Bronco“, antwortete sie. „Sie wollten die Kinder dabeihaben, und das geht hier wohl am besten.“

„Auch schön. Sie sind jetzt eine große Patchworkfamilie, was?“

Sie nickte lachend. „Fünf Kinder im Alter von fünf bis zehn.“

„Wow, das sind eine Menge kleiner Kinder. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man das organisiert bekommt. Mein Bruder Billy hat drei Teenager, und es ist schon ein Vollzeitjob, sie ständig irgendwo hinzufahren. Und dann haben die beiden mir auf der Hochzeit eröffnet, dass sie im Januar noch ein viertes Kind bekommen.“

Bethany hielt den Atem an. Das war ihr Stichwort. Ich auch, aber schon im November!

Das jedenfalls hätte sie sagen können – aber die Worte wollten ihr einfach nicht über die Lippen.

Stattdessen sagte sie: „Ach ja, diese anstrengende Zeit, wo sie ständig was vorhaben, aber noch keinen Führerschein. Daran erinnere ich mich, als Jake und ich so alt waren.“

Lächelnd nippte sie an ihrer Limonade. Sie war noch nicht bereit, es ihm zu sagen. Weil sich dann alles zwischen ihnen ändern würde.

„Aber Jake und Elizabeth kriegen das hin, da bin ich ganz sicher.“

„Ihr Leben wird sich dann vermutlich nur noch um die Kinder drehen, oder?“

Sie schüttelte den Kopf. „Das glaube ich nicht. Nächste Woche tritt Elizabeth mit ihren Schwestern hier beim Rodeo auf. Das muss sie nicht aufgeben – und die Kinder sind während der Proben und Auftritte bei Jake gut aufgehoben. Und sie hat den Pony Club gegründet, eine Art Reitschule für die Stadtkinder. Jake kümmert sich weiter um die Ranch – das hat er ja bisher als alleinerziehender Vater auch getan und es wird dann vermutlich sogar weniger anstrengend für ihn. Natürlich, sie planen die Kinder immer mit ein, aber eben zusätzlich zu ihren eigenen Plänen.“

Ein Kellner brachte ihre Bestellungen. Das Knoblauchbrot duftete herrlich.

„Bon appétit“, sagte Bethany und nahm sich ein Stück.

„Bon appétit“, wiederholte er und machte sich über seine Linguine her.

Ein paar Minuten lang aßen sie schweigend, dann schob er ihr seine Schüssel hin.

„Möchtest du mal probieren?“

Natürlich war er jemand, der sein Essen teilte. Letztes Jahr war sie mit einem Cowboy ausgegangen, der seine Trüffelpommes wie einen Schatz bewachte und eiskalt Nein gesagt hatte, als sie gefragt hatte, ob sie einen probieren dürfe. Für sie ein absoluter Dealbreaker.

„Mmmmh, sehr gern“, erwiderte sie, häufte sich eine Gabel voll und probierte. „Ahhh, so gut.“

Im Gegenzug schob sie ihm ihre Schüssel hin und er kostete ihre Penne Primavera.

„Hervorragend“, stellte er fest. „Hier gibt es wirklich nichts, was ich nicht mag.“

„Geht mir auch so.“

„Ich bin Erster!“, ertönte eine Kinderstimme vom Eingang her.

„Nein, ich bin Erster“, rief ein zweites Kind noch lauter.

Bethany blickte hinüber und sah etwa siebenjährige Zwillinge zu einem Nebentisch rennen, gefolgt von ihren Eltern, die sie vom Sehen kannte.

„Im Restaurant reden wir leise“, sagte die Mutter.

„Und wir rennen nicht“, fügte der Vater hinzu.

Sie klangen eher müde als streng. Vermutlich war es ein langer Tag gewesen.

Die Kinder erklärten lauthals, dass derjenige, der zuletzt saß, ein faules Ei wäre, und rannten zu ihren Plätzen, während die Eltern verlegene und entschuldigende Blicke in die Runde sandten.

Ich kann es nicht abwarten, bis es mir auch so geht, dachte Bethany und lächelte der Familie zu. So ist das Leben mit Kindern: chaotisch, stressig, wunderschön.

Ob ihr Kind wohl irgendwann ein Geschwisterchen haben würde? Zwillinge erwartete sie nicht, das wusste sie schon. Aber vielleicht irgendwann in ein paar Jahren …

Nur nichts überstürzen, dachte sie voller Vorfreude.

„Wo sind meine Ohrenstöpsel?“, fragte Theo lachend.

Auch er lächelte der Familie zu, aber vermutlich war das kein Scherz gewesen.

„Was Kinder angeht, bin ich es wohl einfach zu sehr gewohnt, nach meinen eigenen Regeln zu leben“, sagte er, immer noch lachend. „Wenn ich Kinder hätte, müsste ich meine Aufmerksamkeit zwischen ihnen und der Ranch aufteilen, denn die Kinder stünden an allererster Stelle. Ich würde im Morgengrauen aufstehen, um Pfannkuchen zu backen, die vermutlich anbrennen würden, weil ich zwischendurch einen Geschwisterstreit schlichten müsste. Und das nach ein paar Jahren, in denen ich jede Nacht aufgestanden wäre, um ein schreiendes Baby zu beruhigen.“

Er schüttelte ...

Autor

Sasha Summers
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Christine Rimmers Romances sind für ihre liebenswerten, manchmal recht unkonventionellen Hauptfiguren und die spannungsgeladene Atmosphäre bekannt, die dafür sorgen, dass man ihre Bücher nicht aus der Hand legen kann. Ihr erster Liebesroman wurde 1987 veröffentlicht, und seitdem sind 35 weitere zeitgenössische Romances erschienen, die regelmäßig auf den amerikanischen Bestsellerlisten landen....

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Michelle Major

Die USA-Today-Bestsellerautorin Michelle Major liebt Geschichten über Neuanfänge, zweite Chancen - und natürlich mit Happy End. Als passionierte Bergsteigerin lebt sie im Schatten der Rocky Mountains, zusammen mit ihrem Mann, zwei Teenagern und einer bunten Mischung an verwöhnten Haustieren. Mehr über Michelle Major auf www.michellemajor.com.

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