Der Milliardär und das Partygirl

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Der griechische Milliardär Draco Manolis kann endlich das Unternehmen seines größten Konkurrenten übernehmen. Unter einer Bedingung: Er muss dessen Tochter Athena einen Job in der Firma geben. Doch weil das berüchtigte Partygirl alle Regeln ignoriert und nur Chaos anrichtet, ist Draco gezwungen, Athena persönlich zu beaufsichtigen. Ständig in ihrer Nähe, sprühen unerwartet Funken zwischen ihnen. Doch sie ist tabu – eine Liaison mit einer skandalumwitterten Frau wie ihr wäre sein Ruin! Trotzdem gerät er bald immer stärker in ihren erregenden Bann …


  • Erscheinungstag 26.05.2026
  • Bandnummer 2754
  • ISBN / Artikelnummer 0800262754
  • Seitenanzahl 144

Leseprobe

Michelle Smart

Der Milliardär und das Partygirl

1. KAPITEL

Seine Entourage im Schlepptau, durchschritt Draco Manolis den Haupteingang der Reederei Tsaliki. Er nickte den Mitarbeitern an der Rezeption zu, ignorierte die Aufzüge und nahm die Treppe zu seinem Büro in der obersten Etage. Nach dem vierzehnstündigen Flug aus Kalifornien war er direkt hierhergefahren. Das Treppensteigen bot ihm eine hervorragende Möglichkeit, seinen Kreislauf in Schwung zu bringen. Dass Grace, Theodore und Stav hinter ihm keuchten und schnauften, war nicht sein Problem – sie konnten ja den Aufzug nehmen.

Eine Woche war er fort gewesen. Das Letzte, was Draco brauchte, war, im elften Stock von seinem Finanzteam überfallen zu werden. Schon an ihren Gesichtern konnte er erkennen, worüber sie sich beschweren würden: Athena Tsaliki. Seit er die Reederei aufgekauft und sich verpflichtet hatte, alle Geschwister von Alexis Tsaliki für mindestens drei Monate einzustellen, wurde Athenas Name täglich, oft sogar stündlich, genannt – und zwar nie in einem positiven Zusammenhang. Selbst während seiner Woche im Silicon Valley war der Strom an Beschwerden nicht abgerissen.

„Sie ist wieder eine Stunde zu spät gekommen.“

„Sie hat sich geweigert, den Bericht zu kopieren.“

„Sie hat Christos gesagt, er solle sich seinen Kaffee selbst kochen.“

„Sie hat Evangeline gefragt, ob sie sich im Dunkeln angezogen hat.“

Bei der letzten Bemerkung musste Draco sich auf die Lippen beißen, um ein Lachen zu unterdrücken. Seine Finanzdirektorin besaß tatsächlich keinerlei Sinn für Stil.

Er hob die Hände, um alle zum Schweigen zu bringen, und sagte: „Ich kümmere mich darum.“

Nur wie er das bewerkstelligen sollte, das war die Frage. Allmählich gingen ihm die Optionen aus.

Eine milliardenschwere Reederei aufzukaufen, war selten ein einfaches Unterfangen, aber er hätte nie gedacht, dass die größte Herausforderung in Form einer schlanken Blondine daherkam. In nur einem Monat hatte Athena in sechs verschiedenen Abteilungen des Unternehmens gearbeitet – wobei der Begriff Arbeit für ihre Tätigkeit nicht ganz passte. Und jedes Mal waren seine Mitarbeiter auf die Barrikaden gegangen und hatten ihn aufgefordert, sie zu versetzen. Vor vier Tagen hatte er sie schließlich in die Finanzabteilung gesteckt, weil er hoffte, dass die nüchterne und ruhige Atmosphäre auf sie abfärben würde. Dem Lärm nach zu urteilen, der aus dem hinteren Teil des Büros drang, war sein Plan nicht aufgegangen.

Seufzend machte er sich auf die Suche nach der Ursache des Krachs.

Drei Angestellte arbeiteten fleißig an ihren Computern. Einer stand am Kopierer. Einer blätterte in Unterlagen. Eine spielte auf einem pinkfarbenen Handy, das perfekt zu ihrem pinken Top passte. Die blonden Haare waren zu einem straffen Dutt zusammengebunden. Ihr ganzer Körper wippte im Takt der furchtbaren Musik, die aus den großen Lautsprechern auf ihrem Schreibtisch dröhnte.

Ohne Begrüßung nahm Draco ihr das Handy aus der Hand und schaute auf ihren Monitor. Anstatt ihre Arbeit zu erledigen, hatte sie ein Modemagazin aufgerufen. Er musterte sie und zog eine Augenbraue hoch. Zum Glück erwartete er keine Reue, denn die blieb komplett aus. Nein, die Plage seines Lebens grinste und sagte fröhlich: „Guten Morgen, Chef. Was halten Sie von dem Kleid? Meinen Sie, es passt zu meinem Teint? Oder brauche ich eine intensivere Bräunungsdusche, um es tragen zu können?“

Längst hatte er aufgehört, die höheren Mächte um Kraft anzuflehen, wenn es um Athena Tsaliki ging, weshalb er nur die Lippen zusammenpresste und nickte. Diese Geste hatte er so oft gemacht, dass die Bedeutung völlig klar war. Mit meisterhaft vorgetäuschtem Gehorsam stand sie auf.

Draco ignorierte, dass sie anstelle eines Rocks einen pinkfarbenen Tutu trug, und reichte ihr das Handy zurück. „Musik aus“, wies er sie an.

„Mögen Sie Punk nicht?“, schmollte sie.

„Niemand mit Geschmack mag Punk.“

Sie zog die hübsche Nase kraus und erwiderte theatralisch: „Da ich in dieser Firma die einzige Person mit Geschmack bin, bin ich auch am besten qualifiziert, darüber zu urteilen.“

Dass sich alle ihre Kollegen nach ihr umdrehten und sie mit giftigen Blicken bedachten, störte sie nicht. Draco ging jede Wette ein, dass sie es nicht einmal bemerkte – geschweige denn sich dafür interessierte. Trotzdem drückte sie einen Finger mit dem pinkfarbenen, mit Strasssteinchen verzierten Fingernagel auf das Display ihres Handys. Einen Moment später herrschte wohltuende Stille. „So“, sagte sie mit einem strahlenden Lächeln. „Erledigt. Gibt es noch etwas, das ich tun soll, bevor wir in Ihr Büro gehen und Sie mir wieder eine Standpauke halten?“

„Sie könnten versuchen, Ihren Computer einzuschalten.“

Es folgten weitere theatralische Gesten, dann drückte sie den Kopf. „Ta-da!“

Erst als sie hinter ihrem Schreibtisch hervorkam, bemerkte er, dass sie pinkfarbene Strumpfhosen und Ballerinas in derselben Farbe trug. Echte Ballerinas für Balletttänzerinnen mit rosa Bändern um die Waden. Er konnte nur hoffen, dass sie nicht anfing, auf dem Weg in sein Büro Pirouetten zu drehen.

In der obersten Etage der Reederei gab es einen Empfangsbereich mit bequemen Sitzgelegenheiten, einen Sitzungssaal und diverse Büros, von denen das größte Draco gehörte. Seine Entourage verteilte sich auf ihre Arbeitsplätze; seine persönliche Assistentin Grace nahm an ihrem U-förmigen Schreibtisch unmittelbar vor Dracos Büro Platz und blickte enttäuscht, als er die Tür zuschlug und sie von dem bevorstehenden Feuerwerk ausschloss.

Während er sich hinter seinen neuen Schreibtisch setzte, ließ sich Athena auf eines der Ledersofas fallen. „Wie ich sehe, haben Sie endlich die Einrichtung geändert“, flötete sie und räkelte sich behaglich. „Es ist schön, Platz nehmen zu können, ohne daran denken zu müssen, dass mein Vater hier mit seiner Sekretärin Sex hatte.“

Mittlerweile war er an Athenas unverschämte Kommentare gewöhnt, weshalb er nur knurrte: „Das ist keine Therapiesitzung.“

„Es wäre viel lustiger, wenn es eine wäre, denn dann würden wir über mein Lieblingsthema sprechen: mich!“

„Keine Sorge, in diesem Gespräch geht es nur um Sie, insbesondere Ihre Einstellung und Ihr Verhalten. Und jetzt setzen Sie sich richtig hin. Das ist ein Befehl.“

„Sehr wohl, Chef.“ Anstatt sich wie ein normaler Mensch aufzurichten, hob sie ihre Beine in die Luft und spreizte sie mit perfekter Anmut, während sie gleichzeitig ihre Hüften drehte. Einen Moment später saß sie sittsam da, die Hände im Schoß gefaltet, ein gütiger Ausdruck auf ihrem hübschen Gesicht.

Eine Sache, die Draco in dem langen, langen Monat, den sie für ihn arbeitete, herausgefunden hatte, war, dass Athena Stillstand hasste.

Sie hielt ganze fünf Sekunden durch. „Nun? Was genau habe ich jetzt wieder falsch gemacht?“

„Fangen wir mit Ihrer Pünktlichkeit an. Sie sind heute eine Stunde zu spät gekommen.“

Sie hob die Hände. „Ich war bei der Maniküre.“

„Das haben wir doch schon besprochen, Athena – alle Kosmetikbehandlungen sind in der Freizeit zu erledigen, nicht während der Arbeit.“

„Aber meine Nägel waren blau lackiert, das passte nicht zu meinem Outfit“, entgegnete sie ernst. „Außerdem bin ich in meiner Freizeit sehr beschäftigt.“

„Ich weiß, das haben Sie mir schon gesagt.“ Viele Male. „Nächster Punkt: Sie haben sich geweigert, einen Bericht zu kopieren.“

Wieder hob sie die Hände. „Ich hatte mir doch gerade die Nägel machen lassen.“

„Und Christos haben Sie keinen Kaffee gekocht?“

Sie wedelte mit den Händen.

„Kaffee für die Direktoren und andere leitende Mitarbeiter der Finanzabteilung zu machen, gehört zu Ihren Aufgaben.“

„Wissen Sie, wie viel mich diese Maniküre gekostet hat?“

„Wissen Sie, wie viele Ihrer Kollegen Sie am liebsten umbringen möchten?“

Ihr Mund formte sich zu einem perfekten O – der Inbegriff völliger Fassungslosigkeit. „Menschen können ja so grausam sein.“

„Grausam ist das nächste Stichwort. Ich habe auch gehört, dass Sie Evangeline gefragt haben, ob sie sich im Dunkeln angezogen hat?“

„Das war doch keine Grausamkeit. Ich war wirklich neugierig. Ehrlich, Draco, haben Sie gesehen, was sie heute trägt?“

„Nein, aber Sie haben nicht das Recht, über andere zu urteilen … schon gar nicht, wenn Sie sich als Zuckerfee verkleiden. Ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt: keine ausgefallenen Kostüme oder unangemessene Kleidung im Büro.“

Sie klimperte mir ihren langen, dick getuschten Wimpern. „Was ist denn an diesem Outfit unangemessen?“

Diese Frau wird noch mein Tod sein.

Zwei Monate. So lange musste er sie noch beschäftigen.

So lautete die Abmachung. In dieser Hinsicht war Alexis Tsaliki unnachgiebig geblieben: Seine Geschwister mussten eingestellt werden. Sollte einer von ihnen vor Ablauf der drei Monate entlassen werden, waren saftige Strafen fällig. Jedes andere Geschäft hätte Draco an dieser Stelle abgebrochen, aber die Tsaliki-Reederei wollte er sich schon seit Jahren einverleiben. Er dachte an Georgios Tsaliki, den skrupellosen Patriarchen der Familie, der von seinem ältesten Sohn aus seinem eigenen Unternehmen vertrieben worden war. Entmachtet hatte er dann zusehen müssen, wie die Firma, die er aufgebaut hatte, verkauft wurde. Der Name Tsaliki, der jahrzehntelang zu den bedeutendsten in der Branche zählte, würde schon bald nicht mehr existieren.

Oh ja, ich werde es genießen, die Gesichter von Georgios und seiner ebenso skrupellosen Frau zu sehen, wenn der neue Name bekannt gegeben wird. Seine Rache hätte noch viel größer ausfallen können, hätte ihm das Schicksal nicht schlicht einen Teil abgenommen. Georgios und seine Frau lebten nun von der Gnade von Alexis, dem einzigen der Tsaliki-Kinder, das etwas aus sich gemacht hatte. Mit der Auslöschung des Namens Tsaliki setzte Draco lediglich das i-Tüpfelchen unter einen beständigen Niedergang, für den Georgios selbst verantwortlich war.

Aber nicht nur Georgios und Rebecca waren von Alexis abhängig – seine Geschwister waren es ebenfalls. Alexis kontrollierte alles – und mit dieser Macht hatte er die Bedingungen des Deals mit Draco diktiert und seine Geschwister gezwungen, sich ebenfalls daran zu halten.

Insgeheim hatte Draco damit gerechnet, alle Kinder von Georgios zu verachten. Er hatte nicht erwartet, Mitleid mit ihnen zu empfinden. Alexis zollte er widerwillig Bewunderung, weil er sein Leben im Griff hatte. Er hatte sich von seinem Vater gelöst, um seinen eigenen Weg zu gehen, aber seine Geschwister waren bekannt dafür, ein Haufen nutzloser und arbeitsscheuer Versager zu sein. Zugutehalten musste man ihnen jedoch, dass sie sich zumindest bemühten. Vielleicht lag es daran, dass sie den Drohungen ihres Bruders glaubten, er würde ihnen den Geldhahn zudrehen, wenn sie es nicht taten. Letztendlich spielte ihre Motivation keine Rolle. Sie gaben sich Mühe. Alle außer der Prinzessin der Familie: Athena.

Alexis hatte ihn vor seiner Schwester gewarnt, und Draco hatte sich entsprechend vorbereitet … zumindest dachte er das.

Er hatte keine Ahnung gehabt, worauf er sich da eingelassen hatte.

Sie stützte die Ellenbogen auf das Tüllröckchen, legte die gefalteten Hände unter ihr Kinn und murmelte zuckersüß: „Ich weiß, dass Sie sich nicht geschlagen geben wollen, aber warum geben Sie nicht einfach auf und entlassen mich?“

Wenn es doch nur so einfach wäre!

Athena Tsaliki glich einem Chamäleon. Einem unverschämten, unhöflichen, zickigen und gleichzeitig wunderschönen Chamäleon, das eine Spur der Verwüstung und der Tränen hinterließ. Sportlich und schlank, mit hübschen grünen Augen und einem sinnlichen Mund, besaß sie das Gesicht eines Engels und die Zunge einer Viper. Die Mitarbeiter hassten sie. Ihre Geschwister, alles Brüder, hassten sie auch.

Doch sie zu entlassen, würde ihn teuer zu stehen kommen. So lautete die Abmachung. Eine Strafe von hundert Millionen für jedes der Tsaliki-Geschwister, das vor Ablauf der drei Monate entlassen wurde. Athena, die Schwierigste von allen, war mit einem noch höheren Bußgeld belegt.

Wenn er ihr kündigte, bedeutete das eine Strafe von einer Milliarde Euro. Und obwohl es die Summe vielleicht wert war, hatte Draco in seinem Leben noch nie eine Niederlage erlitten und würde ganz sicher nicht jetzt damit anfangen. Ein Mann wurde nicht vor seinem dreißigsten Geburtstag zum Selfmade-Milliardär, indem er Schwierigkeiten aus dem Weg ging. Tatsächlich liebte er Herausforderungen, und in Athena hatte er seine bisher größte gefunden.

„Ich werde Sie nicht entlassen, Athena“, erwiderte er also. „Aber Sie können allen einen Gefallen tun und kündigen.“

Sie zog eine ihrer vielen faszinierenden Grimassen – diesmal eine Mischung aus Reue und Traurigkeit. „Wir wissen beide“, sagte sie mit dazu passender Stimme, „dass ich das nicht tun kann. Mein lieber Bruder würde seine finanzielle Unterstützung einstellen …“ Plötzlich hellte sich ihre Miene auf. „Es sei denn, Sie wollen mich finanzieren? Ich verlange gar nicht viel … nur ein Stadthaus mit mindestens sechs Schlafzimmern und Blick auf die Ägäis … können Sie sich vorstellen, dass die Wohnung, in die Alexis mich gesteckt hat, keinen vernünftigen Ausblick besitzt? Dann noch eine eigene kleine Insel auf den Seychellen, Privatflugzeug, natürlich alle Kosten für Unterhalt und Personal, eine Kleiderpauschale von hunderttausend pro Woche und ein zusätzliches Taschengeld von ebenfalls hunderttauschend die Woche – indexgebunden an die Inflation angepasst. Oh, und ein paar Autos. Diese Baby-Bentleys sind echt süß. Was meinen Sie?“

Nicht zum ersten Mal musste Draco sich ein Lachen verkneifen. Athenas grüne Augen funkelten, nicht, weil sie sich etwas erhoffte oder gar erwartete. Nein, ihr saß der pure Schalk im Nacken.

Draco lehnte sich zurück, schüttelte den Kopf und unterdrückte ein Lächeln. „So verlockend der Vorschlag auch klingt, Sie sind längst aus dem Alter heraus, in dem man Taschengeld bekommt.“

Ihre Augen weiteten sich vor gespielter Empörung. „Nennen Sie mich etwa alt?“

„Wohl kaum. Sie sind ein Jahrzehnt jünger als ich.“

„Oh, dann sind Sie einunddreißig?“

Wieder unterdrückte er ein Grinsen und zog eine Augenbraue hoch. „Sie wissen genau, dass ich achtunddreißig bin.“

„Dann sind Sie elf Jahre älter als ich … fast.“ Sie hielt sich die Hand vor den Mund, beugte sich vor und flüsterte: „Ich verrate niemandem Ihr wahres Alter, wenn Sie meines für sich behalten.“

„Alter ist nur für Leute wichtig, die aus ihrem Aussehen Kapital schlagen“, entgegnete er.

„Ich weiß! Diese Menschen sind zu bemitleiden! Wenn sie nur eine Persönlichkeit besäßen, müssten sie sich nicht alle zwei Wochen die Lippen aufspritzen lassen.“ Sie machte ein reumütiges Gesicht und zuckte mit den Schultern, als wolle sie sagen: ‚Aber was soll man machen?‘

„So unterhaltsam dieses Gespräch auch ist …“

Athena strahlte.

„Ich sollte längst in einer Besprechung sein, also bringen wir es hinter uns. Ab sofort sind Sie mir direkt unterstellt.“

Wieder zuckte sie mit den Schultern und tat so, als wäre sie ganz aufgeregt. „Oh, eine Beförderung! Meine Familie wird so stolz auf mich sein.“

Draco hatte keine Ahnung, wie es ihm gelang, ernst zu bleiben. „In den nächsten zwei Monaten werden Sie die vertraglich vereinbarten Stunden arbeiten. Tatsächlich arbeiten. Sie werden um halb neun am Schreibtisch sitzen und erst um siebzehn Uhr gehen. Wenn ich auf Geschäftsreise bin, werden Sie mich begleiten. Und wenn das bedeutet, dass Sie länger oder am Wochenende arbeiten müssen, dann werden Sie länger und am Wochenende arbeiten. Sie werden nicht mehr in der Mittagspause entscheiden, dass ein Bikini-Waxing oder neue Strähnchen wichtiger sind als eine Rückkehr ins Büro.“

Sie nickte, als würde sie jedem Wort zustimmen.

„Sie werden sich angemessen kleiden. Keine Tutus mehr, keine Elsa-Kostüme …“

„Was ist mit Anna?“

„Die rote Perücke steht Ihnen nicht.“

Sie rang nach Luft, als habe er sie beleidigt.

„Keine zerrissenen Jeans mehr, kein Leder, keine winzigen Miniröcke mehr – niemand muss die Farbe Ihrer Höschen sehen.“

Athena nahm Zuflucht beim Wimpernklimpern. „Genau deshalb ist ein Bikini-Waxing so wichtig.“

Ich werde nicht lachen oder sonst wie darauf reagieren! „Wenn Sie das nächste Mal in etwas kommen, das ich für unangemessen halte, werde ich Ihnen persönlich eines von Evangelines Kleidern anziehen.“

„Oh, werden Sie mich vorher ausziehen? Das könnte Spaß machen.“

Er bedachte sie mit einem Blick, der alle anderen Angestellten erzittern ließ. „Angemessene Kleidung, Athena. Haben Sie mich verstanden?“

In der kurzen Zeit, die ihm überaus lang vorkam, die er Athena Tsaliki nun schon ertragen musste, hatte Draco gelernt, ihre anzüglichen und koketten Bemerkungen zu ignorieren. Athena zählte zu den berüchtigsten Prominenten Athens. Sie war es gewohnt, Männer um den Finger zu wickeln und Sex als Waffe einzusetzen. Nicht, dass er damit ein Problem hatte. Aber wenn er ihr heute in einem der Nachtclubs begegnen würde, in denen er sie gelegentlich bis in die frühen Morgenstunden tanzen sah, wenn ihre Blicke sich wieder treffen würden, bevor sie einen anderen Mann fand, mit dem sie den Club verließ, wenn niemand davon erfahren würde, denn auch wenn Athena sich nicht um ihren Ruf scherte, war Draco seiner nicht egal, dann … dann würde er sie gern mit nach Hause nehmen und herausfinden, ob sie im Bett so spektakulär war, wie die Gerüchte besagten.

Doch Athena bedeutete Ärger mit einem ganz großen A. Deshalb würde sie keinerlei Skrupel kennen, jedes erotische Intermezzo zwischen ihnen als Druckmittel einzusetzen. Bis die drei Monate vorüber waren, würde Draco also seine Hände bei sich behalten und sich daran hindern, die Vorstellung zuzulassen, wie Athena ihre langen Beine um seine Taille schlingen mochte.

Ohne mit der Wimper zu zucken, seufzte sie nur. „Ja, Chef. Ich verstehe. Und ich verstehe, warum Sie Draco heißen. Sie sind ein richtiger Drache.“

„Eigentlich wurde ich nach dem ersten Gesetzgeber des antiken Athens benannt.“

„Das passt auch, davon leitet sich ja das Wort ‚drakonisch‘ ab.“

Nachdenklich musterte er sie. „Sie sind nicht so dumm, wie Sie gern vorgeben, oder?“

„Doch, bin ich. Ich habe jede einzelne Prüfung in der Schule nicht bestanden. Nicht einmal Dads Koffer voller Bargeld hat gereicht, um mich an eine der Ivy-League-Unis zu bringen. Er hat sogar angeboten, einer davon eine neue Bibliothek zu finanzieren, und sie haben mich trotzdem abgelehnt.“

„Athena?“

„Ja, Chef?“

„Gehen Sie nach Hause.“

„Jetzt?“

„Ja, jetzt. Sie bereiten mir Kopfschmerzen. Nutzen Sie den Nachmittag, um angemessene Kleidung zu kaufen. Morgen kümmern wir uns um Ihre Einstellung.“

Mit einem strahlenden Grinsen sprang sie auf. „Ich liebe Ihren Optimismus. Bis morgen!“

„Pünktlich um halb neun. Keine Ausreden. Und es ist mir egal, ob Ihre Fingernägel zu Ihrem Outfit passen.“

Ohne Blick zurück hüpfte sie geradezu aus seinem Büro. Als sich die Tür hinter ihr schloss, hörte er, wie sie seinen Mitarbeitern zurief: „Bis morgen, ihr Trottel!“

2. KAPITEL

Irgendjemand schien Athena Tsaliki einen Presslufthammer gegen den Kopf zu halten. Als sie vorsichtig ein Auge öffnete, verflüchtigte sich ihr Traum so weit, dass sie in dem ohrenbetäubenden Lärm die Türklingel erkannte.

Sie schlug das zweite Auge auf. Der Wecker auf ihrem Nachttisch zeigte sieben Uhr an. Das Klingeln ging weiter.

Leise fluchend schlüpfte sie aus ihrem warmen Bett, schlich auf Zehenspitzen zur Tür und spähte durch den Spion.

Mit einem Mal war sie hellwach.

Sie war sich nicht sicher, wen sie erwartet hatte – in dem Monat, in dem sie in dieser heruntergekommenen Wohnung lebte, hatte sie keinen einzigen Besucher gehabt. Aber der Letzte, den sie sich hätte vorstellen können, war Draco, gestiefelt und gespornt und mehr als bereit, einen weiteren langweiligen Arbeitstag zu beginnen.

Kurz überlegte sie, ihn zu ignorieren und zurück ins Bett zu flüchten. Sie würde es ihm niemals zeigen, aber seine Gegenwart beunruhigte sie zunehmend … und sie hatte keine Ahnung, warum. Klar, er sah gut aus, aber in ihrer Welt wimmelte es von attraktiven Männern. Im Gegensatz zu vielen anderen schien er sich keinen Schönheitsoperationen unterzogen zu haben. Falls doch, sollte er sich nach einem neuen Arzt umschauen, weil die feinen Fältchen um Augen und Mund dann nicht mehr hätten existieren dürfen. Er hatte ein markantes Gesicht mit vollen Lippen, gerader Nase und einem dunkelbraunen, kurz geschorenen Bart. Das dunkle Haar trug er an den Seiten kurz. Außerdem war er groß und muskulös, aber ihre Brüder waren auch groß und muskulös, also konnte das ebenfalls nicht der Grund sein.

Jetzt ließ er den Klingelknopf los und klopfte mit den Händen gegen die Tür. „Ich weiß, dass Sie da sind, Athena“, rief er, bevor er wieder die Klingel betätigte. „Ich kann das den ganzen Morgen machen.“

Nach einem weiteren Fluch riss Athena die Tür auf. „Was wollen Sie?“

„Sie sind wohl kein Morgenmensch“, sagte er und trat ungebeten in ihre provisorische Wohnung. Frische Winterluft und eine Wolke seines After Shaves begleiteten ihn. „Aber das dachte ich mir schon.“

„Ich bin ein Morgenmensch, wenn es Morgen ist. Jetzt ist es mitten in der Nacht.“

Außerdem trug sie nur einen rot-schwarz karierten Pyjama in Übergröße, in dem sie sich niemals anderen Menschen zeigen würde. Ein schlechter Ruf wie der von Athena kam nicht von selbst, sondern musste gepflegt werden.

„Warum sind Sie hier?“

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