Geheim - Was verbirgst du vor mir?

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Da steht sie vor ihm, bildschön, zart und dennoch stark: Allison McCann, ihre PR-Expertin - die bei Street Legal spioniert hat! Trevor zumindest ist davon überzeugt. Und er muss sie hier und jetzt zur Rede stellen, sie entlarven, sie rausschmeißen. Aber wie soll er das schaffen, bei all dem heißen Prickeln zwischen ihnen? Er fühlt sich unwiderstehlich zu der klugen Allison hingezogen - und schmiedet einen verführerischen Plan …
  • Erscheinungstag 02.04.2020
  • Bandnummer 34
  • ISBN / Artikelnummer 9783745751888
  • Seitenanzahl 160
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Trevor Sinclair konnte es kaum erwarten. Schon das ganze Wochenende lang wollte er seinen Freunden erzählen, was er herausgefunden hatte. Da sie mittlerweile alle vergeben und an den Wochenenden gut beschäftigt waren, hatte er bis heute warten müssen, und es hatte ihn den letzten Nerv gekostet, nichts zu verraten.

Er hörte den hellen Ton, der ankündigte, dass der Aufzug in der Etage der Anwaltskanzlei Street Legal ankam – endlich. Zusammen mit seinen drei Freunden hatte Trevor die Kanzlei gegründet. Mit seinen besten Freunden, die er schon gekannt hatte, als sie noch zusammen auf der Straße gelebt hatten.

Dunkle Stimmen wurden jetzt von den hohen Decken des Empfangsraums zurückgeworfen. Vermutlich beschwerten sie sich darüber, dass er sie an einem Montagmorgen zu einem Meeting gerufen hatte.

Sonst waren ihre üblichen Business-Meetings immer erst dienstags. Nur das hier war kein übliches Meeting, und es konnte nicht länger warten.

Neben den Stimmen hörte er das Klackern von Anzugschuhen: Simon. Daneben das schwere Geräusch von Stiefeln: Stone. Und das leise Quietschen von Tennisschuhen: Ronan.

Alle drei waren da. Und kamen sofort in sein Büro. Wie auch bei Simon stand in Trevors Büro ein Konferenztisch. Als Anwalt für Sammelklagen hatte er immer mehrere Klienten auf einmal, aber manchmal war nicht mal dieser Tisch groß genug für die Meetings.

Für sie vier bot er reichlich Platz.

Ronan warf ihm einen müden, aber genervten Blick zu.

„Wieso siehst du so verdammt glücklich aus?“

„Vielleicht ist er endlich mal flachgelegt worden“, schlug Stone vor. Er wirkte ähnlich erschöpft wie Ronan.

Simon schüttelte den Kopf. „Kann nicht sein. Dann würde er genauso geschafft aussehen wie wir.“

„Ihr seht alle echt fertig aus“, stimmte Trevor zu.

„Neidisch?“, fragte Ronan, ließ sich auf einen der Stühle fallen und griff direkt nach der Kaffeekanne, die auf dem Altholztisch stand.

Kurz überkam Trevor ein Gefühl, das tatsächlich Neid hätte sein können. Aber er verwarf den absurden Gedanken gleich wieder. Er hatte keinerlei Grund, die anderen zu beneiden. Nicht im Geringsten. Er konnte Sex haben, wann immer er wollte. Und was die Liebe betraf – von dem Chaos wollte er gar nichts wissen.

„Bin eher angewidert“, antwortete er Ronan und schüttelte den Kopf. „Pff. Wie tief ihr doch alle sinken konntet.“ Wie hatte es so weit kommen können, wo sie doch alle geschworen hatten, sich nie zu verlieben?

Trottel …

Er hatte nur Mitleid für sie übrig. Einfach nur Mitleid.

Keinen Neid.

„Japp, er ist neidisch“, stellte Stone mit einem dunklen Lachen fest.

Trevor schnaubte. „Ja, klar.“

„Hast du das Meeting angesetzt, damit wir dir Nachhilfe im Daten geben?“, fragte Simon. Da er neben Trevor der geschäftsführende Partner war, stellte er normalerweise gemeinsame Termine ein. „Möchtest du wissen, ob Bette, Muriel oder Hillary eine Frau kennen, mit der sie dich verkuppeln können?“

Wieder war da kurz ein Gefühl, aber diesmal wusste er, was es war: sein gekränkter Stolz.

„Ich brauch keine Verkupplungsversuche“, versicherte er seinen Freunden. „Ich bin hier der Einzige, der momentan nicht mit seinem Schwanz denkt. Was vermutlich der Grund ist, weshalb ich den Spion gefunden habe.“

Jetzt hatte er ihre Aufmerksamkeit. Die drei rissen die Augen auf und sahen ihn mit offenen Mündern an.

„Du hast es herausgefunden?“, fragte Simon. Als geschäftsführender Partner hatte er es als seine Verantwortung gesehen, dem verdammten Spion das Handwerk zu legen.

Nicht, dass Simon es Trevor nicht zugetraut hätte, den Maulwurf zu enttarnen. Aber Trevor hatte ein besonderes Interesse daran, da er das erste Opfer des Spions gewesen war. Und weil er nicht wollte, dass auch seine Arbeit an folgenden Fällen beeinflusst würde, hatte er bisher keinen neuen angenommen.

„Wer ist es?“, fragte Ronan.

Trevor war erstaunt, dass sie anderen es noch nicht herausgefunden hatten. Jetzt, wo er es wusste, wirkte es offensichtlich. Wie hatten sie sie eigentlich nicht verdächtigen können?

„Wer?“, wiederholte Stone die Frage.

Alle warteten ungeduldig auf die Antwort. Vielleicht hätten sie es ihm doch nicht übel genommen, wenn er ihre Wochenenden hierfür verkürzt hätte.

„Ich habe keine Beweise“, begann er. „Noch nicht. Aber ich bekomme sie noch.“ Er hatte schon einen Plan im Kopf.

Simon zog eine Augenbraue hoch. „Bist du dir sicher? Ich hab auch mal Bette verdächtigt, wenn du dich erinnerst?“

Und stattdessen war sie die erste Frau gewesen, in die sich Simon Kramer je verliebt hatte. Das würde Trevor nicht passieren.

„Wer ist es?“, fragte Ronan ungeduldig, und sein Ton klang fast barsch. Simon schüttelte den Kopf, wie er es vorhin aus Mitleid schon getan hatte, weil er nicht verstand, wie sie es nicht erkennen konnten.

„Allison McCann.“

„Nein“, sagte Simon und schüttelte ungläubig den Kopf. „Das kann nicht sein.“

„Das kann sehr wohl sein“, erwiderte Trevor. „Es ist sogar das Wahrscheinlichste. Sie ist das, was alle Fälle gemeinsam haben. Sie und ihre PR-Agentur haben an jedem einzelnen Fall mitgearbeitet.“ Er deutete auf die Tür. „Du hast ihr sogar ein Büro auf unserer Etage gegeben. Mit einem Computer, der Zugriff auf all unsere Dokumente hat.“

Simon erbleichte. Er war tatsächlich derjenige, der das Büro für sie organisiert hatte. Derjenige, der sie eingestellt hatte, damit sie das Image der Kanzlei aufpolierte. Derjenige, der sie überzeugt hatte, die Pressearbeit zu ihren Fällen zu übernehmen. Simon schüttelte wieder den Kopf. Jetzt wirkte er nicht mehr ungläubig, sondern als würde er sich selbst hassen. Er sah krank aus.

So bleich wie Simon geworden war, so rot war Ronan vor Wut. Und er fluchte. Nur Stone blieb stur und schnaubte abfällig. „Trev … Du verdächtigst sie doch nur, damit du mir ihr schlafen kannst.“

Simon hatte versucht, Bette zu verführen, sodass sie zugab, der Spion zu sein. Stattdessen war er verführt worden …

Trev hatte nicht vor, irgendjemanden zu verführen oder gar verführt zu werden. Er hatte einen besseren Plan, als sich Frostbeulen durch Sex mit der kalten Allison McCann zu holen.

„Ihr wart dabei, als sie zugegeben hat, dass sie Anwälte hasst“, erinnerte Trev sie.

Jetzt erbleichte auch Stone und atmete hörbar aus.

„Wenn sie uns so hasst, wieso zum Teufel macht sie dann unsere PR?“, fragte Ronan. Er war definitiv überzeugt. Auch wenn sie als Anwälte alle gern diskutierten, würde keiner lange abstreiten können, wie viel Sinn seine Theorie ergab. Es musste Allison McCann sein. Sie war diejenige, die Interna an die Presse verkaufte und sie so sabotierte.

„Wieso?“, fragte Simon schließlich.

„Ist das nicht vollkommen egal?“, erwiderte Trevor.

Ihm war scheißegal, wieso sie es tat. Er wollte sie einfach nur aufhalten. Wobei er nicht nur das vorhatte. Er würde sich zwar keine Frostbeulen holen, aber er war fasziniert und neugierig genug, um zu testen, wie weit man die Eiskönigin Allison McCann auftauen konnte.

Man hatte sie herbeizitiert. Das hasste sie besonders. Sie war ihre eigene Chefin, hatte ihre eigene Firma. Aber das Geschäft lief nun mal nur mit Kunden. Der Kunde war König, und sie musste sich fügen.

Allison hatte schon früh gelernt, wie man sich richtig herumkommandieren ließ. Das war ihr gründlich beigebracht worden. Aber sie hatte keine Zeit, über die Vergangenheit nachzudenken, weil der Fahrstuhl mit einem kleinen Ping ihre Ankunft im Stockwerk von Street Legal bekannt gab.

Diese Kanzlei gehörte zu ihren besten Kunden, aber sie mochte sie am wenigsten. Was für Dinge sie für sie tun musste …

Wenn sie noch ein Gewissen hätte, würde sie wahrscheinlich nächtelang wach im Bett liegen. Aber ihr Gewissen hatte sie – zusammen mit ihrer Seele – verkauft, damit sie eine eigene Firma haben konnte. Mit einem Seufzen trat sie aus dem Fahrstuhl und in den Eingangsbereich.

Der Empfangschef, ein ehemaliges Bandenmitglied, beobachtete sie, als sie näher kam. Sie hatte nie verstehen können, wieso sein Gesicht das Erste war, was die Partner ihren Klienten zeigen wollten. Weder ein warmer Blick noch das kleinste Lächeln auf den Lippen. Er war alles andere als einladend. Ihr gegenüber zumindest.

Allerdings waren das auch die wenigsten Menschen in ihrem Leben – mit Ausnahme der Presse. Die Reporter erwarteten immer ungeduldig ihren nächsten Pressebeitrag. Sie freuten sich immer über Allison. Aber sie wussten eben auch, dass von Allison die besten Informationen kamen.

„Sie sind alle in Trevs Büro“, teilte Miguel ihr mit und deutete mit dem Daumen in die Richtung.

Also erwartete sie nicht nur Trevor, sondern alle Partner der Street Legal. Da sie spontan herbeizitiert worden war, hatte sie ein paar andere Termine verschieben müssen, und Edward, ihr Assistent, war nicht hilfreich gewesen. Er hatte eine Migräne vorgetäuscht und war auf die Toilette verschwunden, sodass sie alle Anrufe selbst erledigen musste.

Sie brauchte wirklich einen neuen Assistenten. Vielleicht sollte sie Miguel fragen, ob er jemanden kannte, der Interesse hätte. Sie konnte jemanden gebrauchen, der unfreundlicher wirkte als Edward. Der plauderte oft zu viel mit den Kunden und der Presse.

Auf Miguels Hinweis hin nickte sie dankend und ging den Flur entlang bis zu Trevor Sinclairs Büro. Mit jedem Klicken ihrer Absätze wuchs die Aufregung. Nicht seinetwegen. Sie war nur aufgeregt, weil er endlich einen neuen Fall übernommen haben musste.

Trevors Fälle waren immer am einfachsten zu betreuen. Unglücklicherweise war er nicht der Einfachste der vier. Er war von allen derjenige, bei dem sie sich durchgängig wieder daran erinnern musste, dass sie Anwälte nicht mochte und ihnen nicht trauen konnte.

Als sie an der Tür ankam, wurde sie von allen abschätzig und misstrauisch betrachtet. Die Kälte in ihren Blicken ließ sie erschaudern.

Miguel musste Trevor über ihre Ankunft informiert haben. Er stand an der Tür und hielt sie ihr auf. Er war auch der Erste, der den kalten Blick durch ein Lächeln ersetzte.

Sein Lächeln verunsicherte Allison mehr als die Kälte. Und das nicht nur, weil es ihn mit den rotbraunen Haaren und den dunkelgrünen Augen noch besser aussehen ließ. Es verunsicherte sie, weil es sie daran erinnerte, wie ihre Mutter immer bei den fiesesten Beleidigungen gelächelt hatte.

Vielleicht hatten die Anwälte sie nicht gerufen, weil Trevor einen neuen Fall angenommen hatte. Vielleicht hatten sie sie gerufen, um ihr mitzuteilen, dass es für sie keine neuen Aufträge mehr bei der Street Legal geben würde.

In den vergangenen Monaten war sie immer weniger von ihnen beauftragt worden, obwohl ihre Arbeit immer mehr gebraucht wurde. Sie hatten einen schlechten Presseauftritt nach dem nächsten gehabt, nachdem einer von ihnen mit der Bundesanwaltskammer zu tun gehabt hatte. Außerdem hieß es, ihre Klienten würden lügen.

Sie hätte die Presse wieder auf die Seite von Street Legal bringen können. Aber die vier hatten gezögert, sie einzubeziehen und nicht einmal richtig erklärt, was genau passiert war.

Was war bei Street Legal los?

Und wieso hatte sie das Gefühl, dass sie mit hineingezogen wurde?

„Komm doch herein“, forderte Trevor Sinclair sie auf.

Allison hatte ihr Zögern nicht einmal wahrgenommen. Sobald sie den Raum betrat, würden die Chancen schlecht für sie stehen. Sie war allein, die Anwälte waren zu viert. Vielleicht hätte sie Edward doch mitnehmen sollen, so wie er am Ende darum gebettelt hatte. Aber sie hatte ihn an seine „Migräne“ erinnerte und gesagt, er solle sich den restlichen Morgen ausruhen. Edward wäre ihr hier auch keine große Hilfe gewesen.

Die vier Alpha-Tiere hätten ihn bei lebendigem Leib verspeist, wenn er versucht hätte, Allison zu verteidigen. Dabei brauchte sie niemanden, der sie verteidigte.

Sie hatte schon früh gelernt, allein klarzukommen. Wenn die Anwälte sie feuern würden, dann war es eben so. Sie hatte noch andere Klienten.

Als sie darüber nachdachte, nicht mehr für die Street Legal zu arbeiten, fühlte sie trotzdem etwas. Vielleicht war es ihr verletzter Stolz. Dann trat sie näher auf Trevor Sinclair zu. Ihr blieb der Atem fast weg, als ihr bewusst wurde, wie groß er war und wie gut er aussah.

Vielleicht war es doch nicht verletzter Stolz, den sie spürte.

Allison McCann wirkte, als stünde sie vor einem Exekutionskommando, als sie näher kam. Ihr gertenschlanker Körper wirkte angespannt, und ihre schmalen Schultern waren zurückgezogen und steif. Als sie auf ihn zutrat, nahm Trev kurz einen besonderen Ausdruck in ihren hellblauen Augen wahr. Die anderen behaupteten, sie hätte keine Gefühle, aber er hatte etwas gesehen.

Furcht?

Reue?

Schuld?

Schuld war am wahrscheinlichsten – wenn sie denn ein Gewissen hätte. Aber wenn sie schon kaum Gefühlte hatte, dann hatte sie noch weniger ein Gewissen.

Als sie durch die Tür trat, die er ihr aufhielt, kam sie ihm kurz nahe. Ihre Haare strichen an seinem Hals entlang, und der Geruch von kühlem Regen nahm seine Sinne ein. Die sachte Berührung brachte seine Haut zum Kribbeln. Er atmete tief ein, und sie erfüllte ihn einen Augenblick lang.

Sie war so verdammt hübsch mit ihren eisblauen Augen und den roten Haaren. Mit solchem Haar musste sie mindestens Halb-Irin sein. Die rote Farbe war, gerade im Gegensatz zu seinem Braunrot, zu kräftig, um gefärbt zu sein. Ihre Haut war genauso hell wie ihre Augen und glatt wie Porzellan. Sie sah irgendwie nicht echt aus. Eher wie eine Puppe, die niemand anfasste, weil sie zu wertvoll war.

Seine Mutter hatte eine solche Puppe gehabt, und sie hatte sie nie aus der Verpackung geholt, damit sie nicht an Wert verlor. Sie war das Einzige, was seine Mutter mitgenommen hatte, als sie New York verlassen hatte, um dem Glanz von Hollywood zu folgen. Die Puppe hatte genauso rotes Haar und genauso helle, glatte Haut wie Allison gehabt.

Ihm entwich der Atem. Er hatte nicht einmal wahrgenommen, dass er ihn angehalten hatte. Der kleine Windzug bewegte Allisons Haar, und sie zitterte leicht. So kalt wie sie wirkte, hatte er erwartet, dass sie dagegen immun war. Aber sein Atem war nicht kalt gewesen, sondern warm.

Generell war Trev auch eine hitzige Person. Wahrscheinlich war es gut gewesen, dass er das ganze Wochenende zum Abkühlen gehabt hatte, sonst hätte er seinen Ärger jetzt nicht vor ihr verstecken können.

Sie sah zu ihm und kniff misstrauisch die Augen zusammen. Anscheinend hatte er seine Gefühle – oder dass er sie anziehen fand – doch nicht so gut vor ihr verstecken können. Aber dann war sie an ihm vorbei und trat auf den Konferenztisch am Fenster zu.

Seine Partner standen weiterhin da und bewegten sich nicht. Nicht, weil sie absichtlich unhöflich waren. Stone und Ronan konnten sich nach dem, was Trev ihnen gerade erzählte hatte, wahrscheinlich selbst nicht trauen. Der einzig Höfliche war Simon. Höflichkeit lag ihm einfach im Blut, wie auch sein Charme, sodass er Allison einen Stuhl anbot. Als sie sich setzte, sagte er: „Wir lassen euch beide dann für euer Meeting allein.“

Sie runzelte leicht die Stirn.

Ronan sah sie nicht einmal an, während er auf der anderen Seite um den Tisch herumging. Er konnte seine Gefühlte nur schlecht verstecken. Sein ganzer Körper strahlte Wut aus. Als er auf dem Weg nach draußen an Trev vorbeiging, murmelte er: „Ich hoffe stark für dich, dass du weißt, was du tust.“

Trev war sich nicht sicher. Aber er lächelte trotzdem, als hätte er alles unter Kontrolle.

Stone tätschelte ihm die Schulter, als er hinausging. Trev wusste nicht, ob es ermunternd oder beschuldigend gemeint war, aber er nickte ihm zu.

Simon war er Einzige, der auf der Türschwelle innehielt und Trev ansah. Er seufzte tief und murmelte: „Unglaublich, dass ich es vorher nicht gesehen habe.“

Trev fand es auch unglaublich. Gerade, weil es nun so offensichtlich war.

Sie musste die Spionin sein.

Aber das Wissen allein war nicht genug, er brauchte Beweise. Und er hatte sich geschworen, dass er alles dafür tun würde, sie zu erwischen.

„Viel Glück“, wünschte Simon, als er aus der Tür ging und sie hinter Trev schloss.

Allison erhob sich von dem Stuhl, den Simon ihr angeboten hatte, und drehte sich auf ihren Absätzen in einem Schwung zu ihm um. Das dunkelblaue Kleid flog ihr um die langen Beine. Offensichtlich hatte sie ihn wirklich nicht gerne in ihrem Rücken.

Trev konnte es verstehen. Er hatte auf der Straße gelebt und wusste daher genau, dass es besser war, immer eine Wand im Rücken zu haben, damit sich niemand anschleichen konnte.

Nur irgendwie hatte Allison McCann es geschafft, sich an sie alle anzuschleichen. Wieso hatten sie sie bisher nicht verdächtigt?

War das nur, weil sie so verdammt gut aussah? Sie war bildhübsch. Es grenzte an Perfektion. Wie bei einer Ballerina wirkte ihr Körper zart, war aber stark. Ihre Muskeln waren deutlich zu erkennen. Vermutlich joggte sie viel.

Aber es war egal, wie schnell sie war. Er würde schneller sein. Er würde sie einholen und fangen. Nun hatte er sie gefunden, und er würde sie nicht davonkommen lassen. Nicht mit dem, was sie getan hatte.

2. KAPITEL

Trevor Sinclairs Büro war großräumig, aber als sich die Tür hinter Allison schloss und sie mit Trevor allein war, wirkte es klein. Sie fühlte sich eingesperrt.

Dabei schüchterte er sie nicht physisch ein. Groß war sie auch. Auch wenn er größer war mit seinen fast zwei Metern. Und er war durchtrainiert. Seine Schultern waren so breit, dass er wahrscheinlich nur seitwärts durch die Türen gehen konnte. Noch einnehmender war allerdings seine Persönlichkeit. Er hatte eine dunkle, durchdringende Stimme, die ganze Gerichtssäle füllte, aber auch so beeindruckend war. Dazu strahlte er eine Rastlosigkeit aus, die Allison ansteckte.

Diese Rastlosigkeit hasste sie, aber sie war gleichzeitig davon – und von ihm – fasziniert. Vielleicht hasste sie es genau deshalb. Weil sie ihn nicht faszinierend finden wollte. Weil sie ihn nicht anziehend finden wollte.

„Ich dachte, das Meeting wäre mit allen gemeinsam“, sagte sie und warf einen Blick zur Tür. Sie wünschte sich die anderen zurück. Zu viert waren sie zwar in der Überzahl gewesen, aber sie hatte lieber schlechte Chancen, als mit Trevor allein in einem Raum zu sein.

Nicht nur, weil sie ihm nicht traute. Sie traute sich selbst ebenso wenig.

Trevor schüttelte den Kopf, und seine Haare strichen über den Kragen seines schwarzen Hemds. Sie waren zu lang. Kurz hatte sie das Bedürfnis, mit ihren Fingern durch die dunklen, rotbraunen Strähnen zu fahren. Er sah nicht wie ein Anwalt aus, sondern wie ein Rockstar.

„Mein Meeting war auch mit allen. Deins ist nur mit mir.“

Nur mit ihm …

Niemand würde zu Trevor Sinclair jemals „nur er“ sagen. Er war so viel mehr. Und Allison war sich ziemlich sicher, dass auch er sich dessen bewusst war. Genau wie er wusste, dass er so verdammt gut aussah. Und wie ein echter Rockstar hatte er Fans, die von seiner Arbeit im Gerichtssaal und seinen Fähigkeiten im Bett gleichermaßen schwärmten. Sie hatte über ihn und seine Partner viele Geschichten gehört. Sie waren angeblich legendäre Liebhaber.

Allein von dem Gedanken, wie er sie berühren könnte, wurde ihr warm. Oder wie er mit seinen Fingern über ihre Haut fuhr. Oder seine Lippen ihre berührten.

Trevors Lippen waren nicht so schmal wie die anderer Männer. Er hatte breite, volle Lippen, die schnell ein gefährliches Grinsen trugen. Wie würden sich diese Lippen auf ihren anfühlen? Oder auf anderen Stellen ihres Körpers?

Sie unterdrückte ein leichtes Zittern, so wie sie es schon getan hatte, als sie seinen Atem an ihrem Hals gespürt hatte. Sein Atem war warm gewesen und hatte nach Kaffee und etwas Süßlichem gerochen. Vermutlich die Süßigkeiten, die in der Mitte des Konferenztisches bereitgestellt waren.

Er musste ihren Blick bemerkt haben, denn als er auf sie zukam, deutete er auf die Snacks. Auch seine Beine waren muskulös, bemerkte sie. Der Stoff der Anzughose spannte sich an den Oberschenkeln. Sein ganzer Körper wirkte stark, machtvoll.

„Willst du etwas?“, fragte er.

Offensichtlich – aber kein Essen. Vielleicht hatte sie sich zu lange etwas vorenthalten. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal Sex gehabt hatte. Nicht, weil es so lange zurückliegen musste, sondern eher, weil es ihr nicht in Erinnerung geblieben war.

Sie vermutete, dass es bei Trevor Sinclair anders sein würde. Bei diesem Körper, diesen Händen und diesem Mund würde es ihr definitiv in Erinnerung bleiben.

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, danke“, log sie und verleugnete den ganz besonderen Appetit, den sie auf ihn hatte. Sie würde Arbeit und Vergnügen nicht mischen.

Bei den kalten Blicken der anderen Partner hatte sie einen Moment lang geglaubt, dass sie bald keine Aufträge mehr von der Kanzlei erhalten würde. Aber selbst dann würde sie es nicht riskieren, mit einem von ihnen etwas anzufangen.

Am wenigsten mit Trevor Sinclair …

Wie es sich wohl anfühlen würde, mit ihm zu schlafen?

Sie wäre in der Situation noch überforderter als jetzt gerade …

Und angreifbar …

Allison hasste es, angreifbar zu sein. Sie würde mit niemandem etwas anfangen, der so großen Einfluss auf sie hatte. Der sie zu viel wollen ließ. Sie wusste, so etwas führte nur zu Enttäuschungen und einem gebrochenen Herzen.

„Gut“, sagte er.

Sie blinzelte und versuchte sich darauf zu konzentrieren, was er sagte. Nachzudenken fiel ihr in seiner Näher immer schwerer. Schnell war er die Schritte von der Tür bis zum Tisch gegangen, und Allison hatte nicht zurückweichen können. Nicht, dass sie es getan hätte. Sie wich niemals einen Schritt zurück. „Was?“

„Es ist gut, dass du keinen Hunger hast. Dann können wir gleich zum Thema kommen.“

Sie blinzelte wieder. Das ergab keinen Sinn. Gleich zu welchem Thema kommen? Sex?

Nein. Den wollte sie nicht. Nicht mit ihm.

Was sie wollte, war ein neuer Auftrag. Deshalb musste er das Meeting organisiert haben. Das musste der Grund sein, weshalb er sie alleine sprechen wollte.

„Hast du einen neuen Fall angenommen?“, fragte sie und war wieder etwas aufgeregt.

Sich auf die Arbeit zu konzentrieren, fiel ihr leichter. Außerdem mochte sie es, mit Trevor zusammenzuarbeiten. Seine Fälle hatten mit den großen Firmen zu tun, die der Umwelt oder den Menschen schadeten. Er ließ sie immer für ihre Sünden büßen. Dass Allison Trevor dabei unterstützen konnte, glich die Arbeit mit seinen Partnern wieder aus: die unschönen Scheidungsfälle von Ronan Hall und die Kriminalfälle von Stone Michaelsen.

Trevor schüttelte den Kopf. „Nein, das nicht. Ich nehme vorerst keinen neuen Fall an.“

Kurz war sie enttäuscht, aber dann siegte ihre Neugier. „Wieso wolltest du mich dann sehen?“, fragte sie.

Und nur mich allein …

Trevor fixierte sie aus seinen dunkelgrüne Augen für einen intensiven Moment. Sie konnte die Hitze spüren, die sein muskulöser Körper ausstrahlte. Diese Hitze steckte sie an, und ihr Herz schlug immer schneller. Vielleicht hätte sie auf dem Stuhl sitzen bleiben sollen, den Simon Kramer ihr angeboten hatte. Dann würde Trevor auch noch sitzen und wäre ihr nicht so nahe.

„Ich habe dich heute eingeladen“, begann er, und seine sonst schon dunkle Stimme klang noch dunkler, „weil ich einen Vorschlag für dich habe.“

Einen Vorschlag? Der nichts mit einem Auftrag zu tun hatte?

Wenn es keine Arbeit war, musste es ja Vergnügen sein, nicht?

Allison atmete überrascht ein.

Trevor lächelte daraufhin gefährlich breit, und sie sah in seinen grünen Augen Belustigung aufblitzen. Und noch etwas anderes.

Verlangen?

Nein.

Vielleicht schlief sie immer noch und träumte. Denn dann träumte sie gerade, dass Trevor Sinclair ihr vorschlug …

Allison fehlten offensichtlich die Worte. Ihre Lippen – fast genauso rot wie ihre Haare – öffneten sich, als sie überrascht einatmete. Nun war auch auf ihrer hellen Haut ein Hauch von Rot zu sehen, und selbst ihre hellen Augen schienen etwas dunkler zu werden, als ihre Pupillen sich weiteten.

Er hatte sie. Er hatte die berüchtigte Eiskönigin mit seinem Kommentar aus dem Konzept gebracht. Jetzt wirkte sie nicht mehr so kalt. Die unerschütterliche Pressesprecherin war unruhig. Trev musste lachen. „Nicht so einen Vorschlag, Allison.“

Sie schüttelte den Kopf. Die roten Haare schlugen wie Wellen um ihre schmalen Schultern. „Ich … Ich weiß nicht, was du meinst.“

Trev stand direkt vor ihr. So nahe, dass ihm klar wurde, wie sehr alle falschlagen. Besonders er selbst. Sie war keine Eiskönigin. Er konnte, ohne sie zu berührten, die Hitze spüren, die von ihr ausging. Und er wollte sie berühren. Wirklich gerne. Verdammt, er wollte mehr, als sie einfach nur berühren.

Also drehte er sich und setzte sich auf den Tisch direkt neben sie. Sein Knie berührte ihren Oberschenkel, und sie machte einen Schritt zur Seite.

Offensichtlich wollte sie nicht von ihm berührt werden.

Wieder musste er über ihre Reaktion lachen. „Du dachtest, ich biete dir an, Sex zu mit mir haben.“

„Das habe ich auf keinen Fall gedacht“, entgegnete sie hochmütig und hob ihr Kinn verächtlich.

„Und wenn ich es tun würde?“, überlegte er laut.

Rastlos wie er war, stand er wieder auf und war ihr so nah, dass sein plötzlich sehr angespannter Körper ihren streifte. Wie konnte er sie nur begehren, obwohl sie seine Kanzlei sabotierte? Wie zum Teufel konnte er solch eine Person wollen? Und das auch noch so sehr, dass sich in seinem Inneren ganz langsam eine immer stärkere Spannung unaufhaltsam aufbaute?

Allison war umwerfend, wenn man davon absah, dass sie eine Spionin war. Sie zu verführen war vielleicht doch keine so schlechte Idee, wie er zuerst angenommen hatte, als er sich erinnert hatte, wie Simon es mit Bette und Ronan mit Muriel getan hatte.

„Wärst du interessiert?“, fragte er.

Sie blinzelte, als wenn sie ihren Blick klären musste, bevor sie ihn wieder ansah. „Ob ich interessiert wäre?“, wiederholte sie. „An Sex mit dir?“

Kurz war er fast sicher, dass sie ernsthaft darüber nachdachte – bis sie lachte. Das klare und scharfe Lachen schnitt durch seinen Stolz wie ein Messer.

„Wieso findest du das so lustig?“, fragte er.

„Weil du es nicht ernst meinst“, antwortete sie schlicht.

Plötzlich wurde Trevor ernst – so ernst, dass er sich ihr noch ein wenig entgegenlehnte. Wieder berührten sie sich. Ihre Brüste drückten gegen seinen Oberkörper, gerade unterhalb seiner Brust. Er spürte, wie verrückt ihr Herz schlug, und nur noch mehr, wie heiß sie war. Sie war definitiv keine Eiskönigin. Und er würde sich keine Frostbeulen holen. Stattdessen wurde ihm auch heiß.

Verdammt heiß. Wegen dieser skrupellosen, kleinen Pressesprecherin.

So heiß, dass er nicht anders konnte. Er schlang einen Arm um ihre schmale Hüfte. Sie drückte sich ihm mit ihrem ganzen Körper entgegen, und er wusste, sie wollte ihn auch. Also beugte er sich etwas hinunter, bis sein Mund auf ihrem lag.

Ihre Lippen waren wie Seide, so weich und glatt. Er knabberte und biss ein wenig, nahm sie für sich ein, wie sein Verlangen ihn einnahm. Er wollte, dass sie die Lippen für ihn öffnete, sodass er sie noch besser küssen konnte. Sodass er sie mit seiner Zunge erkunden konnte.

Aber er wollte sogar noch mehr. Er wollte sie ganz spüren. Er wollte seinen Schwanz in ihr spüren. Noch nie hatte allein ein Kuss ihn so angemacht.

Aber sie küsste ihn nicht nur … Als er ihre Finger in seinem Haar spürte, kribbelte seine Haut überall. Wie sie ihn zu sich zog. Dann, endlich, öffnete sie die Lippen und der Kuss wurde noch mehr.

Und da wusste er es: Allison McCann war keine Eiskönigin. Sie war reines Feuer und pure Leidenschaft.

Er schmeckte so verdammt gut. Süß und nach Kaffee, genau wie sie erwartet hatte. Seine Zunge schob sich zwischen ihre Lippen und strich darüber. Wahrscheinlich schmeckte sie nach dem Pfefferminzbonbon, das sie geschluckt hatte, als er sie an sich gezogen hatte. Den einen Arm ließ er weiter um ihre Hüfte geschmiegt, und den anderen bewegte er jetzt von ihrem Rücken hoch, um ihren Kopf zu halten und sie sie besser küssen zu können.

Und ihre Finger waren in seinem Haar, fuhren durch die einzelnen Strähnen. Sie wollte über sein Gesicht streichen, über seine muskulöse Brust bis hinunter zu seiner Gürtelschnalle.

Sie wollte ihn ausziehen. Wollte, dass er sie auszog …

Sie wollte mehr als nur den Kuss. Er sollte sie von dieser Spannung erlösen, die sie erfasst hatte. An allen möglichen Stellen ihres Körpers wollte sie seine Zunge spüren.

Es überraschte sie vollkommen, dass sie das wollte. Dass sie ihn wollte. Und er sie. Sie spürte seine Erektion durch den Stoff seiner Hose, während er seinen starken, muskulösen Körper gegen ihren drückte und sie weiter küsste.

Trevor Sinclair küsste sie. Und sie erwiderte den Kuss.

Autor

Lisa Childs

Die Bestseller-Autorin Lisa Childs schrieb ihr erstes Buch bereits mit 6 Jahren - es war die Biografie des Familienhundes. Inzwischen schreibt sie Liebesromane und Krimis. Als jüngstes von sieben Kindern ist ihr die Familie im wahren Leben ebenso wichtig wie in ihren Romanen. Viele ihrer Geschichten basieren daher auf der...

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