Hemmungslos und ohne Reue

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Minimal bekleidet und inmitten von Sexspielzeug wird sie von einem Fremden überrascht - Charlotte, die eigentlich grundsolide und vernünftig ist! Aber vielleicht kann sie jetzt endlich ihre geheimen Wünsche ausleben? Schließlich sieht sie den anonymen Traumtypen nie wieder … Sie genießt die explosive Erotik zwischen ihnen - und schickt ihn dann weg. Doch schon am nächsten Tag gibt es ein böses Erwachen: Charlottes geheimnisvoller One-Night-Stand ist ihr neuer Boss Alexander Bronson!
  • Erscheinungstag 06.02.2020
  • Bandnummer 32
  • ISBN / Artikelnummer 9783745751789
  • Seitenanzahl 180
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Für die starken, selbstbestimmten Frauen, nach deren Vorbild ich meine Heldinnen entwerfe.
Macht euch klar, was ihr wollt, und holt es euch. Seid unerschrocken.
Seid mutig. Seid euch selbst treu.

1. KAPITEL

Charlotte wartete, bis ihr geradewegs der Hölle entsprungener Boss auflegte, bevor sie das Telefon in die Halterung knallte und die Zunge herausstreckte. Kindisch, aber es fühlte sich gut an.

Wütend funkelte sie das Telefon an und wünschte, es würde sich in Luft auflösen, damit sie nie wieder mit ihm sprechen musste. Als würde das helfen. Ihr Postfach quoll nämlich ebenfalls förmlich über vor E-Mails von Mr. Alexander Bronson, Arschloch erster Güte.

Der Typ war anstrengend, arrogant und ganz klar nur zu dem Zweck auf die Erde gekommen, um sie zu quälen.

Und wie zur Bekräftigung dessen verkündete ein heller Ton den Eingang einer neuen E-Mail mit einer Betreffzeile, bei der sich ihr der Magen umdrehte: Noch was.

Seufzend öffnete sie die E-Mail. Und ihr stockte der Atem.

Ganz vergessen, Charlie: Ich treffe morgen im Büro in Sydney ein, um meine Ideen zur Personalumstrukturierung weiter auszuarbeiten. Ich freue mich schon, Sie persönlich kennenzulernen.

Kein Abschiedsgruß. Hatte er nicht nötig. Überlegene Wesen aus höheren Sphären standen weit über bloßen Sterblichen.

Alexander Bronson, hier, höchstpersönlich, schon morgen. Um sie zu foltern. Zu schikanieren. Zu piesacken.

Charlie. Niemand nannte sie so. Sie hasste es. Das hatte sie ihm auch gesagt. Woraufhin er sie nur noch so nannte. Kein höfliches Ms. Baxter. Nichts da! Der Geschäftsführer zahlloser Finanzfirmen in ganz Australien, das Wunderkind, das angeschlagene Unternehmen wieder auf Kurs brachte, besaß diese gewisse Ungezwungenheit, mit der er spielend leicht Freunde fand und großen Einfluss auf kleine Steuerberaterinnen wie Charlotte hatte.

Der Oberclou: So anspruchsvoll der neue Interims-Manager auch war und so sehr er auch Perfektion erwartete, so bewunderte sie ihn doch für seine Arbeitsmoral. Sie respektierte ihn dafür, denn mit harter Arbeit konnte sie sich identifizieren. Die war alles, woraus ihr eigenes glanzloses Leben bestand. Und darum ärgerte es sie umso mehr, dass sich ein kleiner Teil von ihr auf ihre täglichen Telefonate und seine teuflischen Neckereien freute.

Wie armselig war das denn bitte? Ihr tägliches Highlight bestand darin, mit ihrem anmaßenden Boss zu reden, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht zu haben schien, sie auf die Palme zu bringen.

Ihr Handy klingelte. Sie sah aufs Display und rang mit sich, ob sie den Anruf annehmen sollte. Sie liebte ihre Tante Dee über alles, aber heute konnte sie sich nicht mit irgendwelchen absonderlichen Bitten herumschlagen. Sie musste sich auf die drohende Begegnung mit dem charmanten Mr. Bronson morgen vorbereiten.

Doch der Gutmensch in ihr – verflucht sei er! – konnte nicht anders, also griff sie nach dem Handy und rammte den Finger auf den Annehmen-Button.

„Hey, Tante Dee, ich bin bei der Arbeit und kann nicht lange reden …“

„Mein liebes Mädchen, ich weiß doch, dass du bei der Arbeit bist.“ Ihre Tante klang außer Atem, als wäre sie eine Treppe hinaufgerannt. Unwahrscheinlich, denn für sie war jegliche körperliche Betätigung Teufelswerk. „Aber ich brauche deine Hilfe, und es ist dringend.“

Augenblicklich fühlte Charlotte sich schuldig, überhaupt daran gedacht zu haben, ihre Tante zu ignorieren. Dee hatte sie großgezogen, während ihre exzentrischen Eltern keine Lust auf ein Kind gehabt und es vorgezogen hatten, die Welt zu bereisen und entlegenen Dörfern Entwicklungshilfe zu leisten. Dee bat nur selten um Gefallen; wenn sie also nun Hilfe brauchte, war die Sache vielleicht wirklich ernst.

„Klar, was immer du brauchst. Ist alles in Ordnung?“

Dee holte hörbar Luft. „Nicht wirklich. Meine Freundin Queenie ist böse gestürzt und hat sich die Hüfte gebrochen. Sie lebt allein und hat niemanden, der ihre Tiere versorgt, darum muss ich jetzt nach Byron Bay fahren. Aber der Eigentümer des Gebäudes, in dem ich die Waren für mein Geschäft aufbewahre, will es heute inspizieren, und ich muss den angemieteten Lagerraum ausräumen.“

Charlotte stöhnte innerlich auf. Als ob dieser Tag noch schlimmer werden könnte. Die fragwürdigen „Waren“ für den unanständigen Onlineshop ihrer Tante zu sortieren, gehörte nicht gerade zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Tante Dee hatte sie schon mehr als einmal eingespannt, um Bestellungen zu verpacken, und Charlotte wurde ganz rot, wenn sie nur an einige der Apparate dachte, mit denen die Menschen ihr Sexleben aufpeppten.

„Soll ich alles einpacken und zu Hause zwischenlagern?“

Dee seufzte erleichtert. „Würdest du das tun, Schätzchen? Dann könnte ich schon heute statt morgen erst zu Queenie fahren, und sie braucht mich wirklich.“

Das Kind in Charlotte hätte am liebsten „Ich brauche dich“ gerufen, aber das war egoistisch und stimmte auch nicht. Sie hatte schon früh gelernt, sich nur auf sich selbst zu verlassen. Sie schätzte ihre Unabhängigkeit, trug sie wie ein Ehrenabzeichen. Doch seit ihre beiden besten Freundinnen Abby und Mak vor noch nicht allzu langer Zeit tolle Männer gefunden hatten, fragte Charlotte sich manchmal, ob sie ihr Singledasein tatsächlich mochte oder ob sie sich das einfach nur einredete.

Sie schüttelte die melancholischen Gedanken ab und sagte: „Überlass ruhig alles mir.“

„Du rettest mir das Leben, Charlotte.“ Dee machte ein Kussgeräusch. „Ich weiß noch nicht genau, wie lange ich weg sein werde, vielleicht ein paar Wochen. Ich sag dir Bescheid.“

„Okay …“, doch Dee hatte schon aufgelegt, und Charlotte musste nun dem Unvermeidbaren ins Auge blicken: einem langen Nachmittag, an dem sie Vibratoren, Nippelklemmen und essbare Unterwäsche einpacken musste.

Na, prima.

2. KAPITEL

Alexander Bronson war schon seit einem Jahr nicht mehr in Sydney gewesen, und als er über die Harbour Bridge fuhr, konnte er nicht umhin, einen Blick auf das Opernhaus zu seiner Linken zu werfen und sich an seinen ersten Besuch dort zu erinnern. Als er sich zum ersten Mal von den Fesseln seiner Vergangenheit befreit gefühlt hatte.

Sydney besaß eine einzigartige Atmosphäre, ganz anders als die klaustrophobischen Verhältnisse im Hinterland von New South Wales, wo er aufgewachsen war. In dieser Stadt hatte er studiert, seine Karriere gestartet und den Grundstein dafür gelegt, dass er nie so enden würde wie sein Vater.

Er war auf dem Weg zu seinem vorübergehenden Zuhause, einem Boutiquehotel im Central Business District. Doch zuerst musste er sich noch die letzte Immobilie für heute ansehen, ein Lagerhaus in den schicken Randbezirken im Osten. Er war heute schon in Manly, Mosman und Balmoral Beach gewesen und hatte sichergestellt, dass mit seinen Investitionen alles reibungslos verlief. Dieses letzte Lagerhaus musste schnellstmöglich geräumt werden, weil morgen ein neuer Pächter einziehen wollte, und sein Verwalter hatte ihn über irgendeine Verzögerung unterrichtet.

Er konnte Inkompetenz nicht ausstehen. Er mochte Ordnung in allen Bereichen des Lebens. Und genau deswegen würde er diese Komplikation noch heute klären und sich morgen als Interims-Manager der Neustrukturierung von The Number Makers widmen.

Ein schräger Name für ein Steuerbüro. Wenn er allerdings bedachte, was für ein Chaos der ursprüngliche Eigentümer in der Firma angerichtet hatte, überraschte es ihn nicht. Gott sei Dank gab es Mitarbeiter wie Charlotte Baxter. Nicht selbst vor Ort zu arbeiten, war bisweilen ziemlich schwierig, aber Charlotte hatte ihm vieles einfacher gemacht als erwartet. Er bewunderte sie für ihre Arbeitsmoral, die Art und Weise, wie sie ihn hinterfragte und Lösungen vorschlug, auf die er nie gekommen wäre.

Und es gefiel ihm auch, wie sie das Schlimmste in ihm hervorbrachte.

Sie klang so überaus steif und korrekt, so verdammt missbilligend, dass er nicht anders konnte, als sie zu reizen.

Eigentlich sollte er keine Mutmaßungen anstellen, aber er kannte ihren Typ. Konservative Kleidung. Konservative Ansichten. Konservatives Leben. Wahrscheinlich hatte sie einen ebenso spießigen Ehemann, wohlerzogene Kinder und verbrachte ihre Mittagspausen mit Stricken. Wobei das allerdings nicht zu ihrem Familienstand als Single passte, der ihm aufgefallen war, als er sich die Personalakte seiner vielversprechenden Angestellten genauer angesehen hatte.

Er hatte sie bei ihrem ersten Telefonat absichtlich Charlie genannt, und sie hatte ihn umgehend zurechtgewiesen – woraufhin er nicht mehr von diesem Spitznamen abgewichen war. Denn ihre Zurechtweisungen und scharfen Antworten hatten so einen unterschwelligen Hauch von Verspieltheit, als würde sie sich gern einmal richtig gehenlassen, wüsste aber nicht, wie.

Er war zwar nicht der Mann, der ihr dabei helfen würde, doch wenn er sich sein Arbeitsumfeld etwas angenehmer gestalten konnte, warum nicht? Er hatte daheim lange genug in einer verdrießlichen, erstickenden Atmosphäre gelebt, dass er seither keine Mühe scheute, in allen Bereichen seines Lebens für das genaue Gegenteil zu sorgen.

Oh ja, er freute sich darauf, die Frau zu treffen, die ihm den Einzug in die Firma geebnet hatte. Er hatte große Pläne für sie. Managementpläne. Denn The Number Makers musste wieder zu einem rentablen Unternehmen gemacht werden, und dazu brauchte er qualifizierte Mitarbeiter. Mitarbeiter wie seine introvertierte Charlie.

Er konnte es kaum erwarten, sie kennenzulernen.

3. KAPITEL

Charlotte betrat den angemieteten Raum ihrer Tante in dem riesigen Lagerhaus und wünschte sich augenblicklich, sie hätte Nein gesagt.

Sie war zwar nicht prüde, aber so unmittelbar vor Augen geführt zu bekommen, wie viel Spaß andere Menschen in ihrem Sexleben hatten, gab ihr immer das Gefühl, irgendwie unzulänglich zu sein.

Der Onlineshop ihrer Tante, Dee’s Delights, machte ein Bombengeschäft mit allerlei Sexzubehör. Von Dildos bis zu Kondomen, von Liebeskugeln bis Fetischkleidung hatte ihre Tante alles im Angebot. Und dem verschwenderischen Lebensstil ihrer Tante nach zu urteilen, besaß sie viele treue Kunden.

Dee hatte ihr von dem Shop erzählt, als Charlotte achtzehn geworden war. Ursprünglich war sie peinlich berührt gewesen, dass ihre Tante überhaupt wusste, was ein Cockring war, und hatte seitdem geflissentlich alles ignoriert, was mit dem Metier ihrer Tante zu tun hatte. Jetzt, im reifen Alter von fünfundzwanzig und ohne je einen richtigen Freund gehabt zu haben, fragte Charlotte sich, ob das Universum ihr damit, dass sie sich heute mit all diesem Zeug auseinandersetzen musste, zu vermitteln versuchte, endlich mal lockerer zu werden.

Zum Glück steckten die meisten richtig schlüpfrigen Artikel noch in Schachteln, sodass sie nur wenige Vibratoren, Handschellen und Dessous einpacken musste. Sie hatte für sechs Uhr am Abend einen Kurier bestellt, also blieben ihr drei Stunden, um die Kartons zu befüllen und zuzukleben.

Als sie grinsend ein paar fuchsiafarbene Plüschhandschellen hochhielt, erhaschte sie einen Blick auf einen Ganzkörperspiegel an der Innenseite einer leicht geöffneten Schranktür. Vermutlich ein Überbleibsel des letzten Mieters. Sie konnte – und wollte! – sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie ihre Tante irgendwelche dieser Artikel anprobierte. Doch kaum schoss ihr die Vorstellung, die Sachen anzuprobieren, durch den Kopf, ließ sie sich auch schon nicht mehr abschütteln.

Charlottes Blick fiel auf die Dessous. Ein türkisfarbenes, spitzenbesetztes Hemdkleidchen. Ein violettes, rückenfreies Babydoll. Ein Lackkorsett. Ein pinkfarbener Bodystocking. Ein tiefschwarzes Kunstlederbustier mit passendem Tanga.

Hitze schoss ihr in die Wangen, als sie Letzteres nahm und hochhielt. Würde sich ihr spießiges Leben verändern, wenn sie solche Dinge trüge? Zwar würde niemand sie zu sehen bekommen, aber vielleicht würden sie ihr mehr Selbstvertrauen geben und sie etwas lockerer machen. Und genau danach sehnte sie sich mit jeder einsamen Faser ihres Körpers.

Ihre Mitbewohnerin Mak hatte sich letzte Woche mit ihrem umwerfenden Freund Hudson nach New York verabschiedet, und Charlotte war nun noch einsamer als je zuvor. Sie hatte nur selten Verabredungen, ging nicht in Clubs und las lieber, als per E-Mail oder Textnachricht zu flirten. Bei den seltenen Gelegenheiten, in denen sie sich doch einmal in die Datingwelt hinauswagte, zog es sie immer zu langweiligen Typen wie … sie selbst. Denn letztendlich war das die Art von Mann, mit dem sie sich eine Ehe, Kinder und das Leben vorstellen konnte, das sie selbst nie gehabt hatte – beständig und glücklich, mit einem Haus zum darin alt werden und ihrer eigenen Familie.

Das Haus hatte sie schon gefunden, den Mann leider noch nicht.

Bevor sie ihre verrückte Idee wieder verwerfen konnte, zog sie sich rasch das Gummiband aus dem Pferdeschwanz und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Sie nahm die Brille ab, streifte sich die flachen Pumps von den Füßen, knöpfte ihre weiße Bluse auf und öffnete den Reißverschluss ihres grauen Bleistiftrocks. Die Luft im Lagerhaus war kühl, und sie bekam eine Gänsehaut, als sie sich aus ihrer zweckmäßigen Baumwollunterwäsche schälte. Vielleicht kam ihre Gänsehaut aber auch eher von der Erregung, den Tanga anzuziehen und sich in das Bustier mit dem abnehmbaren Spitzenkragen zu schlängeln.

Als sie den letzten Haken geschlossen hatte, atmete sie tief ein und ging hinüber zum Schrank. Zog die Tür ein Stück weiter auf. Riskierte einen Blick in den Spiegel. Und schnappte nach Luft.

Ihr Spiegelbild schockierte sie nicht annähernd so sehr wie der Anblick eines großen, umwerfend gut aussehenden Mannes im Anzug, der sie mit unübersehbarem Gefallen anstarrte.

„Wer zum Teufel sind Sie, und was machen Sie hier?“ Charlotte wirbelte herum, wobei sie sich mit den Händen bedeckte, obwohl sie ja eigentlich gar nicht nackt war.

Ihre Handtasche und ihr Handy lagen auf dem Tisch mit all den Kartons, zu weit weg, um gegebenenfalls den Notruf wählen zu können.

Verdammt, wieso war sie bloß so dämlich gewesen? Sie hätte sich ja auch in ihrer Wohnung, wo sie die Kartons lagern wollte, anziehen – oder besser gesagt, ausziehen – können, statt hier, wo einfach so jeder x-beliebige Perverse hereinschlendern konnte.

„Ich könnte Sie dasselbe fragen“, erwiderte der attraktive Fremde, trat in den Raum und schloss die Tür.

Oh-oh.

In heiße Dessous gekleidet in einem leeren Lagerhaus mit einem Mann allein zu sein, so attraktiv er auch sein mochte, war nicht gut. Eigentlich war sie doch vernünftiger. Aber nachdem sie erkannt hatte, dass ihr Leben so leer war, dass sie sich tatsächlich auf den täglichen verbalen Schlagabtausch mit ihrem nervtötenden Boss freute, war sie jetzt zu impulsiv gewesen.

Sie hatte sich einfach nur mal einen Augenblick lang gehenlassen wollen. Spüren wollen, wie sich andere Frauen fühlten, die solche Dessous trugen. Sie hatte nicht mit Publikum bei ihrem dummen Anfall von Wagemut gerechnet.

„Raus hier“, schrie sie und schob sich seitwärts in Richtung ihrer Kleidung, während ihr vor Angst das Herz bis zum Hals schlug.

„Mir gehört dieser Raum, also vergessen Sie’s.“ Sein neugieriger Blick fiel auf den Tisch, auf dem die losen Vibratoren und Dessous lagen. „Sie andererseits sollten mir lieber mal erklären, was Sie hier tun und wieso sich meine Lagerhalle in einen Sexshop verwandelt hat.“

Irgendetwas an seinem herablassenden Tonfall kam ihr vage bekannt vor, und sie schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass er kein Klient sein mochte, für den sie die Steuererklärung gemacht hatte.

„Machen Sie sich nicht lächerlich, das ist kein Sexshop. Meine Tante hatte diesen Lagerraum für ihren Onlineshop gemietet – von Ihnen, wie es aussieht – und mich gebeten, alles einzupacken, damit morgen für den neuen Mieter alles leer ist.“ Sie zeigte auf die Artikel und bemerkte zu spät, dass sie sich dabei entblößt hatte, denn sein Blick strahlte noch mehr Interesse aus. „Wenn Sie mich also in Ruhe lassen, bin ich in ein paar Stunden hier raus.“

„Na, was für ein braves kleines Helferlein“, sagte er gedehnt, während er sie langsam und gemächlich von unten bis oben mit einem Blick musterte, bei dem ihr die Brustwarzen hart wurden.

Die Reaktion ihres Körpers erschrak sie. So hatte sie noch nie zuvor auf einen Mann reagiert, geschweige denn auf einen Fremden. Gelesen hatte sie davon, in den Liebesromanen, die sie stapelweise verschlang: die schüchterne Frau, die sich augenblicklich zu dem souveränen Mann hingezogen fühlt. Sie hatte von einem solchen Verführungsspiel fantasiert, jedoch in dem Wissen, dass es ihr selbst niemals widerfahren konnte. Nicht umsonst zählten diese Romane zum Genre Fiktion.

Und doch stand sie hier vor einem Mann, den sie nicht kannte, und ließ sich von ihm mit den Augen verschlingen. Und genoss es. Als sein Blick ihre Augen erreichte, wurden ihr bei dem, was sie darin sah, die Knie weich. Verlangen. Leidenschaft. Lust. Die Art von Lust, die sie noch nie zuvor in den Augen eines Mannes gesehen hatte, der sie angeblickt hatte.

„Nennen Sie jedes Outfit anzuprobieren etwa helfen?“

Sein offenkundiges Verlangen brachte sie durcheinander, und als er selbstgefällig lächelte wie ein Mann, der genau wusste, welche Wirkung er auf sie hatte, beschloss sie aus dem Impuls heraus, ihn dafür büßen zu lassen. Sie mochte ja unerfahren und naiv sein, wenn es um ein Kräftemessen mit einem Mann ging, aber das hieß noch lange nicht, dass er einfach so mit ihr spielen konnte.

„Meine alten Corsagen und Bustiers sind verschlissen, und da dachte ich mir, ich gönne mir ein paar neue.“ Ihre Wangen wurden ganz heiß bei der unverhohlenen Lüge, doch als sie einmal damit angefangen hatte, konnte sie nicht mehr aufhören. „Es ist nicht leicht, so gut auszusehen für die Männer von Sydney, aber irgendjemand muss es ja tun.“

Er lachte, ein volles, tiefes Rumpeln, das ihr durch und durch ging und die schmerzende Leere tief in ihrer Brust füllte.

„Schließt das mich mit ein? Ich bin ja ein Mann und ich befinde mich in Sydney.“

Charlotte hatte noch nie Spielchen mit einem Mann gespielt. Sie flirtete nicht und weckte auch keine große Leidenschaft bei Männern. Aber irgendetwas an diesem Fremden gab ihr das Gefühl, dass sie beides konnte.

„Wieso? Finden Sie denn, dass ich gut aussehe?“ Sie legte sich die Hände auf die Hüften, eine eindeutige Einladung für ihn, sich erneut sattzusehen, und fragte sich, welche magischen Kräfte den Dessous wohl innewohnen mochten, die ihr eine solche Kühnheit verliehen.

„Süße, Sie haben ja keine Ahnung.“ Er pirschte auf sie zu, und ihr neu entdeckter Wagemut verpuffte. Sie bewegte sich langsam auf den Tisch zu, um ihr Handy in Reichweite zu bekommen. Aber tollpatschig, wie sie war, stolperte sie und verlor das Gleichgewicht. Im Nu war er an ihrer Seite, hielt sie mit starken Händen fest und weckte eine Sehnsucht nach verbotenen Dingen in ihr.

Aus der Nähe sah er sogar noch umwerfender aus: dunkles, gewelltes Haar, Augen, so blau wie das Meer am Bondi Beach an einem klaren Tag, markanter Kiefer mit einem leichten Schatten von Bartstoppeln – Perfektion pur, bis auf eine kleine Narbe unten am Kinn. Und als er erneut lächelte … oh, Mann, da spürte sie es bis hinab in die Zehen und an ein paar köstlichen anderen Stellen auf dem Weg dorthin.

Sie räusperte sich und versuchte sich darüber zu entrüsten, in den Armen eines Fremden zu liegen, während sie angezogen war wie eine Stripperin. „Lassen Sie mich los.“ Doch ihr Befehl klang leise und unsicher und hatte seinem amüsierten Grinsen nach zu urteilen nicht die geringste Wirkung.

„Möchten Sie das denn?“

Er zog eine Augenbraue hoch, eine Herausforderung an Charlotte, das Knistern zwischen ihnen zu leugnen.

Charlotte konnte es sich nicht erklären. Gelegenheitssex war nicht ihr Ding. Sie konnte die paar Male, an denen sie tatsächlich Sex gehabt hatte, an einer Hand abzählen, und berauschend waren die nicht gewesen. Sie glaubte nicht an Anziehungskraft auf den ersten Blick oder One-Night-Stands. Oder an Sex mit einem heißen Fremden in einem Lagerhaus.

So war sie einfach nicht.

Aber was, wenn du doch so sein könntest?

Einen Moment lang fragte sie sich, woher diese Stimme gekommen war. Ihr Gewissen riet ihr normalerweise nicht dazu, sich gehenzulassen. Ganz im Gegenteil.

Und was hatte ihr das eingebracht? Sie war allein und sehnte sich nach einer Beziehung.

Vielleicht war sie im Begriff, etwas für sie so Untypisches zu tun, dass sie danach nie wieder die Alte sein würde … Wäre das vielleicht der nötige Tritt in den Hintern, damit sie endlich anfing, sich das Leben selbst so zu gestalten, wie sie es sich wünschte, anstatt darauf zu warten, dass es ihr in den Schoß fiel?

„Ich kenne Sie nicht … ich meine, ich bin nicht gut in so was … und ich mache so etwas normalerweise nicht mit Fremden …“

Er küsste sie. Seine Lippen waren fordernd und dennoch gleichzeitig weder zu fest noch zu sanft …

Für Charlotte war ein Kuss das Zusammentreffen zweier Lippenpaare, hier und da mit Zunge, insgesamt ein bisschen chaotisch und nichts, worüber man ins Schwärmen geraten konnte.

Doch wie dieser Mann seine Zunge einzusetzen verstand – in dem Augenblick, als er in Charlottes Mund eindrang und die ihre berührte, konnte Charlotte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Nicht mehr atmen. Gar nichts mehr tun als sich an seinem Revers festzuhalten und sich voller Verlangen an ihn zu drängen.

Sein schonungsloser Angriff auf ihre Lippen ließ sie vor Sehnsucht zittern. Er änderte die Intensität und biss ihr in die Unterlippe, was nur beinahe wehtat, dann liebkoste er die Stelle mit einem verführerischen Wischen seiner Zunge.

Ein flüchtiger Gedanke drang durch den Nebel der Leidenschaft zu Charlotte durch: Konnte eine Frau allein durch einen Kuss zum Orgasmus kommen? Denn allein schon von dem Gefühl seiner Lippen auf ihren pulsierte es so heftig in ihr, dass es ganz sicher möglich sein musste.

Er vergrub die Finger in ihrem Haar und fuhr ihr dabei mit den Fingernägeln über die Kopfhaut. Charlotte durchfuhr ein Kribbeln, das sie aufstöhnen ließ, was er wiederum als Ermutigung auffasste. Er wirbelte sie herum und hob sie auf den Tisch. Als der kalte Kunststoff ihren nackten Hintern berührte, schnappte sie nach Luft, und er unterbrach den Kuss, um sie aus großen Augen erstaunt anzustarren.

„Das ist sonst nicht meine Art. Sex mit einer Fremden.“

„Meine auch nicht“, erwiderte sie atemlos mit leicht heiserer Stimme. Sie wünschte, er hätte nicht aufgehört, wünschte, sie hätte den Mut, in Worte zu fassen, wie sehr sie wollte, dass er weitermachte.

Mit hungrigem Blick starrte er sie an, forderte sie heraus, zu Ende zu bringen, was sie begonnen hatten. „Also, was willst du tun?“

Er bot ihr einen Ausweg.

Den sie annehmen sollte.

Ihr gesamtes Leben bestand aus rationalen, wohlüberlegten Entscheidungen. Fakten abwägen. Eine sichere Wahl treffen.

Und wohin hatte sie das gebracht?

Sie war Single und unglücklich. Ihr Sexleben fand stellvertretend in erotischen Liebesromanen statt, und sie sehnte sich nach etwas nicht Greifbarem, das ihr biederes Leben aufrütteln würde; etwas wie dieses verrückte, aufregende Intermezzo, um ihr Selbstvertrauen zu stärken, sodass sie sich daranmachen konnte, sich ihren perfekten Mann zu suchen.

Sie sah in die unglaublich blauen Augen dieses Mannes und fragte sich, ob ihr das Schicksal vielleicht genau das beschert hatte, was sie brauchte.

Ihr wurde der Hals eng, aber sie musste die Worte aussprechen, musste endlich einmal ein Risiko eingehen. „Ich will das hier.“

Bevor ihre Vernunft die Oberhand gewinnen konnte, legte Charlotte ihm eine Hand auf den Bauch. Tief genug, um Raum für Interpretation zu lassen. Aber so hoch, dass er diese Sache hier beenden und gehen konnte, wenn er wollte.

Sein leises Stöhnen ließ ihr die feinen Härchen auf den Armen zu Berge stehen. Er schob ihr die Knie auseinander, trat dazwischen, schob seine Hände unter ihren Hintern und zog sie an sich.

Sie keuchte, als er sich fest und nachdrücklich an ihr rieb und gleichzeitig mit den Händen ihre Brüste umfasste. Ein hauchzartes Wimmern erfüllte die Luft, und durch den dichten Nebel des Verlangens erkannte Charlotte, dass es von ihr gekommen war.

Sie schlang die Beine um ihn, und er rollte durch das dünne Kunstleder ihre Brustwarzen zwischen Daumen und Zeigefingern, sodass sie beinahe die Beherrschung verlor. Sie rieb sich an ihm, sie wollte mehr. Er zupfte an ihren Nippeln, und es war, als ginge ein elektrischer Schlag durch sie hindurch.

Wenn sich seine Berührungen schon durch den Stoff so gut anfühlten, wie wäre es dann erst, wenn sie nackt wäre? Charlotte war drauf und dran, es herauszufinden, doch er hatte anderes im Sinn.

„Lehn dich zurück“, sagte er, legte ihr eine flache Hand zwischen die Brüste und drückte sie sanft nach hinten. „Stütz dich auf die Ellbogen, sodass ich dich ansehen kann.“

Die Männer, mit denen Charlotte zusammen gewesen war, erteilten keine Befehle. Sie brachten alles Nötige ohne große Worte hinter sich.

Es gefiel ihr, gesagt zu bekommen, was sie tun sollte. Ihr gefiel das Funkeln in seinen Augen, als sie seinem Befehl nachkam. Sie lehnte sich zurück, bis sie auf den Ellbogen lag, und zitterte vor Unsicherheit, als er die Daumen in den Gummibund ihres Tangas einhakte. Er zog ihn sanft hinab, sodass sie nackt und verletzlich vor ihm lag.

Sie hatte sich noch nie so entblößt gefühlt. Doch ihr Protest erstarb ihr auf den Lippen, als er ihren Blick auffing und gleichzeitig einen Finger in sie hineinschob.

Seine Augen weiteten sich ehrfürchtig, als hätte sie ihm ein wundervolles Geschenk bereitet, und Charlottes Nervosität ebbte bei dem, was er da mit ihr machte, immer mehr ab.

Sie spürte, wie er noch einen Finger in sie hineinschob und rhythmisch vor- und zurückbewegte, während er mit dem Daumen ihre Klitoris umkreiste. Langsam. Gleichmäßig. Sie war unglaublich angetörnt davon, wie er sich anfühlte, und der Art, wie er ihr in die Augen sah. Unnachgiebig. Selbstbewusst in seiner Überzeugung, ihr Vergnügen bereiten zu können. Er sah sie, sah sie wirklich.

„Du bist so verdammt schön“, murmelte er, seine Stimme kaum mehr als ein Knurren, und Charlotte biss die Zähne zusammen, um nicht laut aufzustöhnen, als ihre Lust immer mehr anschwoll. Sie spannte die Muskeln an und merkte, wie sie langsam die Kontrolle verlor. Sie blendete jegliche Gedanken aus, bis sie sich nur noch auf ihn konzentrieren konnte. Seine Berührung. Seine Finger. Seinen Blick.

Ihr Orgasmus brach so stark und plötzlich über sie herein, dass er sie mit sich riss und sie nicht anders konnte, als laut und triumphierend aufzuschreien.

Doch das Schamgefühl, mit dem sie gerechnet hatte, sobald ihr Körper aufhörte zu pulsieren, blieb aus. Stattdessen empfand sie nur eine nicht nachlassende Sehnsucht, es noch mal zu tun.

„Danke“, murmelte sie und klang dabei seltsam förmlich.

„Gern geschehen.“ Mit einem breiten Lächeln fasste er nach unten und zog seinen Reißverschluss auf. „Davon kannst du noch mehr haben, wenn du willst.“

Charlotte sackte der Kiefer hinab. Sie hatte schon von dem legendären vaginalen Orgasmus gehört, ihn aber ebenso dem Reich der Fantasie zugeordnet wie Einhörner und Feen.

Doch offenbar glaubte dieser geheimnisvolle Mann an Märchen, und sie beobachtete mit unerschrockener Faszination, wie er seine Hose aufknöpfte und sie zusammen mit der Unterhose hinabschob.

Und ihr den Grund für seine Selbstsicherheit präsentierte.

Wow! Sie mochte ja noch nicht viele erigierte Penisse gesehen haben, aber gegen die sah dieser hier wie ein Riese aus. Mit stolz erhobenem Haupt.

Bei diesem Vergleich musste sie grinsen, und er zog eine Augenbraue hoch.

„Es verheißt nichts Gutes, wenn du gleich beim ersten Blick loslachen möchtest.“

Ein umwerfender Sinn für Humor und ein großer Schwanz. Sie hatte den Jackpot geknackt. Klingeling.

„Ich bewege mich hier weit außerhalb meiner Komfortzone. Etwas mehr Nachsicht bitte!“

„Ich finde, ich war doch gerade ganz besonders nachsichtig.“ Er zwinkerte, und sie lachte, überrascht darüber, wie unbeschwert sich die Situation anfühlte.

Ihre wenigen anderen sexuellen Erlebnisse waren unbehaglich gewesen, von verspielten Neckereien keine Spur. Ihr gefiel das hier, es gefiel ihr, sich wie eine Sexgöttin zu fühlen, die schamlos vor einem Sexgott lag.

„Das hier ist verrückt. Das ist dir doch bewusst, oder?“

Er nickte, zog ein Kondom aus seiner Brieftasche und streifte es sich gekonnt über – zweifellos hatte er das schon sehr oft getan. „Verrückt ist gut.“

Dann trat er den Beweis dafür an. Er glitt mit einer Kraft in sie hinein, dass sie nach Luft schnappte. Er packte ihren Hintern und hob ihn leicht an, sodass er bei jeder Bewegung jenen sagenumwobenen Punkt in ihr berührte. Wieder und wieder drang er mit so schonungsloser Heftigkeit in sie ein, dass sie sich aufbäumte und nach ihm griff.

Sie hielt sich an seinen Schultern fest, während er sie halb vom Tisch hochhob und seine Stöße immer tiefer und schneller wurden. Ihre Lust grenzte beinahe an Schmerz, und sie biss ihm in die Schulter, als sie erneut in einen überwältigenden Orgasmus taumelte.

Eine Sekunde später verkrampfte er sich mit einem lauten Stöhnen und krallte ihr die Finger so fest in den Hintern, dass sie wohl eine Woche lang nicht würde sitzen können. Es war ihr egal. Ihr war alles egal außer diesem Hochgefühl, bei dem sie sich vorkam, als könne sie alles tun, was sie wollte.

Er hielt sie eine gefühlte Ewigkeit lang fest, bevor er sie sanft auf den Tisch sinken ließ und sich aus ihr zurückzog. Augenblicklich vermisste sie ihn. Sehnte sich nach mehr. Rügte sich innerlich für ihre Dummheit.

Er wandte sich ab und ließ ihr Zeit, sich wieder anzuziehen, während er sich des Kondoms entledigte. Es gefiel ihr gar nicht, seinen Rücken zu sehen, nachdem doch ihre Vorderseiten eine so perfekte Verbindung eingegangen waren.

Plötzlich übermannten sie stechende Gewissensbisse.

Was in aller Welt hatte sie sich dabei nur gedacht, Sex mit einem völlig Fremden zu haben?

Als er sich jedoch wieder zu ihr umdrehte und sie gelöst und zufrieden lächelnd ansah, konnte sie es nicht länger bereuen.

„Du warst unglaublich.“ Er umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen und hauchte ihr einen zarten Kuss auf die Lippen.

Entsetzt spürte Charlotte, wie ihr Tränen in den Augen standen. Sie blinzelte und rang sich ein Lächeln ab, während sie ihn von sich schob.

„Du auch“, erwiderte sie in flapsigem Tonfall, obwohl seine unerwartete Zärtlichkeit sie innerlich dahinschmelzen ließ. „Aber ich muss hier jetzt wirklich klar Schiff machen.“

Eigentlich hatte er es nicht verdient, dass sie ihn so kurz angebunden abservierte, aber sie musste ihn loswerden, bevor sie in Tränen ausbrach.

„Verstehe. Was man so hört, ist der Vermieter ein wahrer Sklaventreiber.“ Ihre Unhöflichkeit schien ihn nicht im Geringsten zu beeindrucken, im Gegenteil, er musterte sie mit neuer, beinahe unbehaglicher Intensität. „Vielleicht sehen wir uns mal wieder?“

„Vielleicht“, brachte sie mühsam hervor und dachte bei sich: Nie im Leben.

Megaheißer Sex mit einem Wildfremden hatte zwar nicht auf ihrer heutigen To-do-Liste gestanden, doch jetzt, wo es geschehen war … fühlte sie sich da anders? Selbstbewusster? Fraulicher?

Sie hatte nicht die leiseste Ahnung, denn indem sie die Gunst der Stunde genutzt hatte, hatte sie sich so weit aus ihrer Komfortzone hinausgewagt, dass sie auf einem ganz anderen Planeten gelandet war. Einem, auf dem brave Mädchen schlimme Dinge taten und sie nicht bereuten. Vor allem nicht, wenn die schlimmen Dinge so unglaublich gutgetan hatten.

Aber so atemberaubend ihre vorübergehende Entgleisung auch gewesen war, es durfte nicht noch einmal dazu kommen. Sie musste nach vorn schauen und sich wieder auf die Prioritäten in ihrem Leben konzentrieren. Wie zum Beispiel einen echten Mann zu finden, der mehr als bloß eine schnelle Nummer im Hinterzimmer eines Lagerhauses wollte.

An der Tür hielt er inne, als wollte er etwas sagen. Nach ihrer Telefonnummer fragen? Sie zum Abendessen einladen? Die Romantikerin in ihr sehnte sich nach irgendeiner Geste, die zeigte, dass das hier für ihn nicht einfach nur Sex gewesen war.

Sie hätte erleichtert sein sollen, als er leicht die Schultern zuckte, eine Hand zum Abschiedsgruß hob und die Tür hinter sich schloss.

Doch das war sie nicht. Sie konnte nur an eines denken: Endlich hatte sie den Bad Boy gefunden, nach dem sie sich gesehnt hatte, ihn aber viel zu schnell wieder gehen lassen.

4. KAPITEL

Alex hatte etwas Schlimmes getan.

Etwas, für das er in die Hölle kommen und bis in alle Ewigkeit auf heißen Kohlen würde tanzen müssen.

An seinem ersten Tag zurück in Sydney hatte er sich eigentlich einen ruhigen Nachmittag machen und seine Immobilien inspizieren wollen.

Er hatte nicht damit gerechnet, Sex mit der Frau zu haben, die er dazu auserkoren hatte, The Number Makers in die Zukunft zu führen.

Selbst jetzt, hinter der massiven Holztür eines ziemlich hässlichen Büros verbarrikadiert, konnte er noch immer nicht fassen, dass er so dumm gewesen war, Sex mit Charlotte Baxter zu haben.

Er hatte sie erst erkannt, als es zu spät gewesen war. Wie auch, mit ihrem offenen Haar, ohne Brille und in Dessous gekleidet, die einem Mann feuchte Träume bescherten?

Denn die Frau, über die er online Recherchen angestellt hatte, nachdem er diesen Auftrag angenommen hatte, sah nicht annähernd so aus wie die Frau, mit der er in diesem Lagerhaus heißen Sex gehabt hatte.

Das Porträtfoto auf der Webseite von The Number Makers zeigte eine biedere Frau mit langweiliger weißer Bluse, minimalem Make-up, Brille mit Stahlgestell und albernem Kopfband, das Haar zu einem strengen, hohen Pferdeschwanz gebunden.

Nicht in seinen wildesten Träumen hätte er erwartet, dass Charlotte bei ihrer ersten Begegnung Lederdessous tragen und kein bisschen so aussehen würde wie auf ihrem Foto.

Sie war ihm vage bekannt vorgekommen, doch das hatte er als Wunschdenken abgetan. Er hatte seinem Schwanz das Denken überlassen, weil er flachgelegt werden wollte und die faszinierende Frau in den Lederdessous dafür zu haben gewesen war.

Autor

Nicola Marsh
Als Mädchen hat Nicola Marsh davon geträumt Journalistin zu werden und um die Welt zu reisen, immer auf der Suche nach der nächsten großen Story. Stattdessen hat sie sich für eine Karriere in der Gesundheitsindustrie entschieden und arbeitete dreizehn Jahre als Physiotherapeutin

Doch der Wunsch zu schreiben ließ sie nicht los...
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