Julia Royal Band 15

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IM HIMMELBETT DES PRINZEN von HEIDI BETTS
Vergeblich versucht die schöne Alandra dem faszinierenden Charme von Prinz Nicolas zu widerstehen: Nach einem romantischen Ball wird sie seine Geliebte. Doch am Fest der Liebe macht sie durch Zufall eine Entdeckung, die ihre gemeinsame Zukunft infrage stellt …

VERLIEB DICH NIE IN EINEN PRINZEN von RAYE MORGAN
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DIE NANNY UND DER PLAYBOY-PRINZ von CHRISTINA HOLLIS
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  • Erscheinungstag 16.12.2022
  • Bandnummer 15
  • ISBN / Artikelnummer 8026220015
  • Seitenanzahl 448

Leseprobe

Heidi Betts, Raye Morgan, Christina Hollis

JULIA ROYAL BAND 15

1. KAPITEL

Er wollte sie und keine andere Frau.

Prinz Stephan Nicolas Braedon von Glendovia beobachtete die umwerfende Schönheit mit der glänzenden schwarzen Haarpracht aus der Entfernung. Sie war groß gewachsen und schlank, aber mit sinnlichen Kurven an genau den richtigen Stellen. Ihr langes glattes Haar fiel ihr bis fast auf die Hüften.

Die Farbe ihrer Augen konnte er nicht erkennen, wohl aber den Schwung ihrer vollen roten Lippen. Sein männlicher Instinkt sagte ihm, dass sie auch aus der Nähe mindestens ebenso anziehend sein würde wie aus der Entfernung.

Er beugte sich zu dem großen, kräftig gebauten Mann im Anzug, der neben ihm stand, und flüsterte ihm zu: „Ich will wissen, wie sie heißt. Finden Sie es heraus.“

Der Bodyguard folgte Nicolas’ Blick, nickte einmal kurz und entfernte sich. Nicolas wusste nicht, wie Osric sich die Information beschaffen würde, und es spielte für ihn auch keine Rolle, solange es dem Leibwächter gelang.

Wenige Minuten später kehrte Osric zurück und nahm seinen Platz an Nicolas’ Seite wieder ein. „Ihr Name ist Alandra Sanchez, Eure Hoheit. Sie ist für die Organisation des heutigen Abends verantwortlich.“

Alandra. Ein wunderschöner Name für eine wunderschöne Frau.

Sie bewegte sich selbstbewusst durch den großen Ballsaal voller Menschen, lächelte und plauderte mit den Gästen, während sie gleichzeitig darauf achtete, dass alles gut lief und die Besucher zufrieden waren. Das lange lavendelfarbene Abendkleid schimmerte bei jeder ihrer Bewegungen im Licht der Kronleuchter und schmiegte sich eng an ihre perfekten weiblichen Kurven.

Nicolas war nicht mit der Absicht zu diesem Fundraising-Dinner gekommen, eine neue Geliebte zu finden. Aber jetzt, da er Alandra gesehen hatte, wusste er, dass er die Vereinigten Staaten nicht wieder verlassen würde, ohne dafür zu sorgen, dass sie sein Bett teilte.

Offiziell war er zwar als Mitglied der königlichen Familie von Glendovia dafür zuständig, sich um die nationalen karitativen Projekte des kleinen Königreiches zu kümmern, aber normalerweise nahm er nicht an Wohltätigkeitsveranstaltungen in anderen Ländern teil. Diese Arbeit überließ er in der Regel seiner Schwester oder einem seiner beiden Brüder.

Seine Schwester Mia war es dann auch, die eigentlich die Reise in die Staaten und den Besuch dieses Dinners geplant hatte, bei dem Spenden für die Einrichtung einer Kinderabteilung in einer Klinik in Texas gesammelt wurden. Sie hatte jedoch in letzter Minute absagen müssen, und da Nicolas ohnehin Gespräche mit einigen einflussreichen Ölmagnaten führen musste, war er nun heute Abend anstelle seiner Schwester hier.

Bis vor wenigen Minuten war er über diese Änderung seiner eigenen Pläne ganz und gar nicht glücklich gewesen, nun aber überlegte er ernsthaft, ob er Mia nicht einen großen Blumenstrauß oder eine Schachtel ihrer Lieblingspralinen schicken sollte. Schließlich hatte sie ihm durch ihre Absage eine Begegnung ermöglicht, die außerordentlich reizvoll zu werden versprach.

Alandra Sanchez lächelte so strahlend, dass ihre Gesichtsmuskeln beinahe schmerzten. Sie warf prüfende Blicke im Saal umher, um sicherzugehen, dass alles so verlief, wie sie es geplant hatte. Die Organisation dieses Gala-Events hatte sie Monate an harter Arbeit gekostet – und das alles, um dafür zu sorgen, dass möglichst viele Spenden für die neue Kinderklinikabteilung zusammenkamen.

Unglücklicherweise jedoch gestaltete sich der Abend nicht so erfolgreich, wie sie gehofft hatte, und zu allem Überfluss konnte Alandra nur sich selbst die Schuld dafür geben.

Jeder im Raum schien sie verstohlen zu beobachten, sie konnte die neugierigen Blicke förmlich spüren, ebenso wie die unverhohlene Missbilligung.

Und das alles nur, weil sie sich mit dem falschen Mann eingelassen hatte …

Von allen möglichen Ereignissen, die diesen Abend ruinieren konnten, war dies ganz sicher das schlimmste. Ein Wirbelsturm, eine Überschwemmung, selbst ein Brand im Hotel – mit solchen Katastrophen hätte sie umgehen können. Das wären lediglich größere Herausforderungen an ihr Organisationstalent gewesen, hier jedoch ging es um ihre persönliche Demütigung, um die Beschmutzung ihres guten Rufs.

Aber im Grunde geschah es ihr recht als Strafe dafür, sich überhaupt näher mit Blake Winters eingelassen zu haben. Sie hätte schon bei der ersten Begegnung ahnen können, dass ihr dieser Mann am Ende nichts als Ärger bereiten würde.

Und jetzt war eben jeder in diesem Raum – ja, sogar jeder in Gabriel’s Crossing, im Staat Texas und womöglich im ganzen Land – davon überzeugt, dass Alandra Sanchez eine skrupellose Ehebrecherin war, die das Glück einer Familie auf dem Gewissen hatte.

Genau das nämlich wurde in den Klatschspalten der Zeitungen über sie geschrieben. Ihr Foto, neben dem von Blake, seiner Frau und seiner zwei Kinder, war überall abgedruckt, zusammen mit infamen, verleumderischen Schlagzeilen.

Alandra bemühte sich, die Blicke und die geflüsterten Bemerkungen zu ignorieren, und bewegte sich mit erhobenem Kopf durch die Menge, als wäre alles in bester Ordnung. Als würde ihr Herz nicht wie wild pochen, als würden ihre Gedanken nicht um die Demütigung kreisen, die sie erfuhr, und als wären ihre Hände nicht feucht vor Anspannung.

Es war eine Woche her, dass ihre angebliche Affäre mit Blake Winters an die Öffentlichkeit gedrungen war, und nichts hatte sie darauf vorbereitet, dass der Fundraising-Abend ein Reinfall werden könnte. Keiner der geladenen Gäste hatte abgesagt. Niemand aus dem Stiftungsrat der Klinik hatte sich bei ihr gemeldet und sich über den Skandal beklagt, den sie verursacht hatte, oder gar gefordert, dass sie sich aus der Organisation der Gala zurückzog.

Daher war sie so naiv gewesen anzunehmen, der Abend würde ein Erfolg werden. Sie war davon ausgegangen, dass ihr Leben weiter so verlaufen würde wie bisher, obwohl die Reporter inzwischen buchstäblich vor ihrem Haus campierten.

Inzwischen jedoch war sie eines Besseren belehrt worden. Es hatte deswegen keine Absagen gegeben, weil jeder aus der High Society von Texas die Gelegenheit nutzen wollte, um sich aus der Nähe ein Bild zu machen, wie es aussah, wenn eine von ihnen einen tiefen Fall erlebte.

Alandra kam sich vor, als würde sie zu ihrem Abendkleid unpassenderweise einen Cowboyhut tragen, so sehr stand sie im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Die Aufmerksamkeit, selbst wenn sie negativ war, war jedoch nur eine Sache. Damit konnte sie umgehen. Viel mehr Sorgen als die Blicke und Bemerkungen bereiteten ihr die Auswirkungen, die ihr ruinierter Ruf auf die gesammelten Spendengelder des heutigen Abends haben konnte.

Sie hatte sich so viel Mühe bei der Vorbereitung der Veranstaltung gegeben, so viel Energie in ihre wohltätigen Aktivitäten gesteckt. Sie hatte Zeit und Geld investiert, um die Projekte zu unterstützen, die ihr am Herzen lagen. Und bisher war es ihr immer wieder gelungen, auch andere Menschen davon zu überzeugen, sich für ihre Anliegen zu engagieren.

Bei anderen Events hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere großzügige Schecks von den anwesenden Reichen und Schönen erhalten, die bis zum Ende der Veranstaltung immer zahlreicher wurden. Heute Abend jedoch blieben ihre Hände – und damit auch die Kassen der Klinik – leer.

Und das alles nur, weil sie das Pech gehabt hatte, vor einem Jahr bei einer anderen Fundraising-Veranstaltung Blake Winters über den Weg zu laufen. Sie war dumm genug gewesen, ihn nicht gleich abzuweisen, als er sie um ein Rendezvous gebeten hatte, und nun mussten andere Menschen, die in Not und auf ihre Hilfe angewiesen waren, unter Alandras Dummheit leiden.

Dieser Gedanke machte sie wütend und traurig zugleich, und sie presste eine Hand auf den glatten Satinstoff ihres Kleides, um das nervöse und angsterfüllte Flattern in ihrem Magen zu beruhigen.

Sie würde sich einfach weiter so verhalten, als wäre nichts geschehen – und gleichzeitig inständig darauf vertrauen, dass die Neugier der Gäste irgendwann befriedigt wäre und alle Leute sich daran erinnerten, warum sie eigentlich hier waren.

Andernfalls würde sie wohl ein nicht unerhebliches Loch in ihre eigenen Finanzreserven reißen, wenn sie die Spenden, die der Kinderabteilung am heutigen Abend entgingen, selbst ausgleichen wollte.

Nachdem sie eine Runde durch den ganzen Saal absolviert und sich vergewissert hatte, dass jeder Stuhl besetzt war, jeder Gast sein Essen erhalten hatte und auch sonst alles funktionierte, kehrte Alandra an ihren Platz auf einem kleinen Podium, das für die Organisatoren des Abends vorgesehen war, zurück.

Sie plauderte mit den beiden Frauen, die neben ihr saßen, und versuchte vergeblich, das köstliche Essen zu genießen. Jeder Bissen schien ihr förmlich im Hals stecken zu bleiben.

Auf dem Programm standen eine Ansprache des Vorsitzenden des Stiftungsrates und eine kleine Zeremonie, bei der mehrere Mitglieder ausgezeichnet wurden, die sich im vergangenen Jahr besonders um die Klinik verdient gemacht hatten. Auch Alandra erhielt für ihre Aktivitäten eine Ehrenplakette.

Endlich näherte sich die Veranstaltung ihrem Ende, und Alandra seufzte vor Erleichterung. Inzwischen hatte sie doch noch einige Schecks bekommen und Versprechen für weitere erhalten. Nicht so viele wie in der Vergangenheit allerdings, und auch das Verhalten der Spendengeber ihr gegenüber war anders als früher.

Dennoch besserte sich ihre Stimmung.

Sie machte eine letzte Runde durch den Saal, verabschiedete sich von den Gästen, die aufbrachen, und achtete darauf, dass keine Handtaschen und Handys auf den Tischen zurückblieben.

Als sie nach ihrer eigenen perlenbesetzten Handtasche und ihrer Stola griff, ging sie in Gedanken ihre Pläne für den morgigen Tag durch. Eine tiefe Männerstimme unterbrach jedoch ihre Überlegungen.

„Miss Sanchez?“

Sie drehte sich um und sah sich einem breitschultrigen, dunkelhaarigen Riesen gegenüber.

Einen Moment lang schaute sie verblüfft zu ihm auf, dann jedoch zwang sie ein Lächeln auf ihre Lippen.

„Ja?“

„Wenn Sie eine Minute Zeit erübrigen könnten, würde mein Boss sich gern mit Ihnen unterhalten.“

Er neigte den Kopf zur Seite, um sie auf einen Mann aufmerksam zu machen, der ganz allein an einem der runden Tische im hinteren Teil des Raumes saß.

Soweit sich das aus dieser Entfernung beurteilen ließ, sah er ziemlich gut aus.

Und er starrte sie unverhohlen an.

„Das ist Ihr Boss?“, fragte sie.

„Ja.“

So viel zu ihrem Versuch, Informationen darüber zu bekommen, wer genau der Chef des Riesen war.

Da er an der Galaveranstaltung teilgenommen hatte, musste er jedoch ein aktueller oder potenzieller Spendengeber sein, und für ein solches Gespräch hatte sie immer Zeit. Erst recht, wenn die betreffende Person es sich leisten konnte, einen eigenen Bodyguard zu beschäftigen, der wie ein CIA-Agent oder ein Profiwrestler wirkte …

„Aber sicher“, erwiderte sie betont ungezwungen.

Der Riese drehte sich zur Seite und geleitete Alandra durch den fast leeren Saal. Um sie herum wurden währenddessen die Tische abgedeckt, die Stühle zusammengeschoben und die Dekoration abgehängt.

Als sie auf den Mann zutrat, der um ein Gespräch mit ihr gebeten hatte, hob er gerade sein Champagnerglas und nippte daran.

Er trug einen exzellent geschneiderten dunkelblauen Anzug, der sich jedoch durch seinen Schnitt von den Garderoben der anderen Männer an diesem Abend deutlich unterschied. Der Mann war nicht von hier, so viel stand fest.

Im Übrigen musste sie auch feststellen, dass ihre Einschätzung, er sehe „ziemlich gut“ aus, eine maßlose Untertreibung war. Mit seinen dunklen Haaren und den erstaunlichen blauen Augen, deren Blicke sie eindringlich musterten, hatte er fast das Aussehen eines Hollywoodstars.

Der Mann war einfach umwerfend.

Sie streckte ihm eine Hand entgegen und stellte sich vor. „Hallo, ich bin Alandra Sanchez.“

„Ich weiß“, erwiderte er, ergriff ihre Hand und hielt sie fest, während er Alandra sanft zu sich zog. „Nehmen Sie doch bitte Platz.“

Sie ließ ihre Stola tiefer über ihr weit ausgeschnittenes Rückendekolleté gleiten und setzte sich auf den Stuhl neben ihm. „Ihr … hm … Mitarbeiter meinte, Sie würden sich gern mit mir unterhalten.“

„Ja“, sagte er gedehnt. „Darf ich Ihnen ein Glas Champagner anbieten?“

Sie öffnete den Mund, um abzulehnen, aber der breitschultrige Leibwächter hatte im selben Moment schon ein Glas gefüllt und stellte es auf den Tisch.

„Danke sehr.“

Obwohl sie nun beide etwas zu trinken hatten und das eigentliche Ereignis des Abends bereits vorbei war, schwieg der Mann neben ihr zunächst. Das Schweigen hatte eine unbehagliche Wirkung auf Alandra, sie rückte nervös auf ihrem Stuhl herum und spürte, wie sie eine leichte Gänsehaut überlief.

„Worüber möchten Sie gern mit mir sprechen, Mr. …?“, brachte sie schließlich hervor. Auf keinen Fall wollte sie einen möglichen Spender vor den Kopf stoßen.

„Nennen Sie mich Nicolas“, erwiderte er.

Alandra bemerkte, dass er einen leichten Akzent hatte, den sie jedoch nicht zuordnen konnte.

„Nicolas“, wiederholte sie lächelnd, um ihm entgegenzukommen. Dann startete sie einen weiteren Versuch, um herauszufinden, was dieser Mann von ihr wollte.

„Sind Sie daran interessiert, unseren Fonds für die neue Krebsstation für Kinder zu unterstützen?“, fragte sie. „In diesem Fall nehme ich Ihren Scheck natürlich liebend gern entgegen oder, wenn Ihnen das lieber ist, vermittle Ihnen einen Kontakt zur Stiftung, damit Sie Ihre Spende persönlich übergeben können.“

Seine Reaktion auf ihre Worte bestand darin, sie zunächst einfach weiter anzuschauen, der Blick seiner leuchtend blauen Augen schien bis in ihr Innerstes zu dringen.

Nachdem er noch einen weiteren Schluck des exklusiven Champagners gekostet hatte, sagte er schließlich langsam: „Ich unterstütze Ihr kleines … Projekt sehr gern. Das ist allerdings nicht der Grund, warum ich Sie hierher gebeten habe.“

Alandra versuchte, sich ihre Verwunderung nicht anmerken zu lassen. Was sonst sollte dieser Mann von ihr wollen?

„Ich bewohne eine sehr schöne Suite hier im Hotel“, fuhr er fort. „Und ich möchte gern, dass Sie jetzt mit mir kommen und den Rest der Nacht in meinem Bett verbringen. Wenn es gut läuft und wir … zueinanderpassen, können wir vielleicht zu einer längerfristigen Vereinbarung kommen.“

Alandra blinzelte konsterniert, blieb ansonsten jedoch vollkommen regungslos auf ihrem Stuhl sitzen. Hätte er ihr den Champagner ins Gesicht gekippt, wäre sie kaum weniger sprachlos gewesen.

Sie hatte nicht die geringste Ahnung, wie sie reagieren sollte, ja wie sie reagieren wollte.

Dies war keineswegs das erste Mal, dass sie ein solches Angebot erhielt. Männer, ob jung oder alt, reich oder arm, hatten sich schon immer von ihr angezogen gefühlt. Sie war häufig genug ins Theater, zu Abendessen oder auch kleinen Ausflügen auf exklusive Privatinseln eingeladen worden.

Und natürlich war ihr immer klar gewesen, dass dabei jeder einzelne dieser Männer gehofft hatte, dass aus dem Essen, dem Theater oder dem kleinen Inseltrip mehr werden würde, dass er sie letztlich verführen und in sein Bett locken würde.

Niemals jedoch hatte sie bisher erlebt, dass ein Mann so schamlos und direkt vorging und sie geradezu aufforderte, mit ihm zu schlafen.

Der einzige Grund dafür war der Skandal um sie und Blake, das lag auf der Hand. Empört straffte sie ihre Schultern. Diese verdammten Artikel hatten sie als leichtfertige Ehebrecherin dargestellt, und anscheinend hatte der Mann mit den blauen Augen daraus geschlossen, dass sie auch offen für sein unmoralisches Angebot wäre.

Nun, das war nicht der Fall. Im Gegenteil, Alandra war zutiefst beleidigt und entsetzt. Sie schob ihren Stuhl zurück, stand auf und zog ihr Tuch fester um die Schultern, während sie ihre kleine Handtasche krampfhaft festhielt. Einen Moment lang stand sie nur da, sah ihn an und formulierte in Gedanken ihre Antwort.

„Ich weiß nicht, für welche Art Frau Sie mich halten. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es nicht zu meinen Angewohnheiten gehört, mit einem Mann ins Bett zu gehen, den ich fünf Minuten zuvor kennengelernt habe.“

Sie warf einen kurzen Blick auf den kräftigen Leibwächter, der reglos einige Schritte entfernt stand. „Vielleicht kann Ihr Bodyguard Ihnen ja helfen, eine Frau zu finden, die weniger anspruchsvoll ist und sich leichter überzeugen lässt, heute Nacht Ihr Bett mit Ihnen zu teilen. Allein scheinen Sie ja nicht dazu in der Lage zu sein.“

Damit drehte Alandra sich auf dem Absatz um und verließ den Ballsaal.

Was dachte dieser Mann eigentlich, wer er war?

Was glaubte sie wohl, wer sie war, dass sie in dieser Weise mit ihm sprechen durfte?

Noch nie war Nicolas so zurückgewiesen worden.

Während er sich von seiner Verblüffung erholte, ging er in Gedanken zurück zu seinen bisherigen Eroberungen.

Eigentlich war er sogar überhaupt noch nie zurückgewiesen worden.

Und hatte diese Frau etwa andeuten wollen, dass er nicht imstande war, sich selbst eine Geliebte zu suchen? Oder dass er Osric gar anweisen musste, eine Frau zu bezahlen, damit sie Zeit mit ihm verbrachte?

Er schüttelte den Kopf, als könnte er noch immer nicht glauben, was gerade geschehen war.

Hinter ihm trat Osric einige Schritte näher und beugte sich über seine rechte Schulter. „Eure Hoheit, möchten Sie, dass ich ihr folge und sie zurückbringe, damit Sie Ihr Gespräch fortsetzen können?“

Kurz stellte Nicolas sich vor, wie der muskulöse Bodyguard der zarten Miss Sanchez folgte, sie zu Boden warf und sich dann über die Schulter legte, um sie zurückzutragen … die Dame würde in diesem Fall zweifellos das ganze Hotel zusammenschreien.

„Nein, danke, Osric“, entgegnete er. „Ich werde wohl allein in meine Suite zurückkehren.“

Er erhob sich von seinem Platz, rückte den Sitz seines Anzugs zurecht und verließ den Ballsaal. Der Leibwächter folgte ihm in kurzer Entfernung.

Eigentlich sollte er aufgebracht sein, aber während sie mit dem Aufzug zu seiner großzügigen Suite im dreiunddreißigsten Stock fuhren, wurde Nicolas klar, dass das nicht der Fall war.

Ironischerweise interessierte ihn die dunkelhaarige Schönheit nur umso mehr. Zunächst waren es ihr Gesicht und ihr Körper gewesen, die seine Aufmerksamkeit gefesselt hatten, und ihr Anblick aus der Nähe hatte sie als Gespielin nur noch attraktiver erscheinen lassen.

Er hätte erwartet, dass ihre brüske Abweisung sein Interesse erlahmen ließ, dass er nicht den Wunsch verspüren würde, mit einer Frau ins Bett zu gehen, die eine derart spitze Zunge hatte. Stattdessen jedoch hatte ihr Widerstand sein Interesse an ihr nur noch erhöht.

Er begehrte sie jetzt noch mehr als zuvor. Sie war nicht nur schön, sondern auch temperamentvoll – zwei Eigenschaften, die er an den Frauen in seinem Bett äußerst schätzte.

Alandra Sanchez war vielleicht der Meinung, dass sie eben im Ballsaal das letzte Wort gehabt hatte, als sie ihm mehr oder minder deutlich zu verstehen gegeben hatte, er möge sich zum Teufel scheren. Aber Prinz Stephan Nicolas Braedon war daran gewöhnt, seinen Willen durchzusetzen und das zu bekommen, was er wollte.

Er wollte sie.

Und er würde sie auch bekommen. Er musste sich nur noch überlegen, wie.

Eine Woche später

„Dad? Alandra? Ist jemand zu Hause?“

Alandra hörte die Stimme ihrer Schwester aus dem Erdgeschoss und schob nur allzu gern die Veranstaltungspläne, an denen sie den ganzen Nachmittag gearbeitet hatte, zur Seite. Eine Pause würde ihr guttun.

Nachdem Elena ihr Elternhaus verlassen hatte, um mit ihrem Mann Chase zusammenzuziehen, traf Alandra ihre Schwester sehr viel seltener als vorher.

Sie stand auf und ging hinunter in die Eingangshalle, wo Elena gerade einen Stapel Briefe durchsah, der neben einer Vase mit frischen Blumen auf einem runden Tisch lag.

Als sie Alandras Schritte hörte, blickte sie auf und verdrehte die Augen. „Stell dir vor, ein Reporter hat versucht, mir zu folgen, als ich mit dem Wagen durch das Sicherheitstor gefahren bin“, sagte sie aufgebracht und wies in Richtung Eingang. „Er hat da draußen gelauert, ob jemand zu euch kommt.“

Alandra runzelte die Stirn und trat näher, um ihre Schwester zur Begrüßung zu umarmen. „Oh, das tut mir leid. Ich hatte wirklich gedacht, sie würden irgendwann das Interesse verlieren und sich der nächsten Story zuwenden.“

„Es ist ja nicht deine Schuld“, antwortete Elena tröstend und erwiderte die Umarmung. „Ich bin sicher, sie finden schon bald ein neues Objekt für ihre Klatschgeschichten.“

„Also, was machst du hier?“, fragte Alandra, die in Gedanken jedoch noch immer bei der Presse vor ihrem Haus war. Es war eine Sache, dass sie von Reportern gestört und belästigt wurde, aber etwas ganz anderes, wenn auch noch ihre Familie in diese Geschichte hineingezogen wurde.

„Ach, Chase ist zum Abendessen nicht zu Hause, weil er einen späten Geschäftstermin hat. Deswegen dachte ich, ich komme vorbei, um zu schauen, wie es dir und Dad geht, und esse vielleicht gemeinsam mit euch. Außerdem kommt ja immer noch Post für mich an diese Adresse“, fügte sie hinzu und schob einige Briefe in ihre Handtasche.

Elena hatte im vergangenen Jahr geheiratet und war ausgezogen, ab und zu jedoch traf noch immer Post für sie an der alten Adresse ein.

„Wie schön. Wir essen um sieben wie immer, und ansonsten ist bei uns alles in bester Ordnung. Dad ist noch im Büro, und ich war gerade mit der Planung meiner Fundraising-Veranstaltung für das Tierheim beschäftigt.“

„Lädst du Chase und mich ein?“, fragte Elena.

„Ja, natürlich“, erwiderte Alandra lächelnd.

„He, schau mal. Das sieht wichtig aus“, sagte ihre Schwester plötzlich und wies mit dem Kopf auf den obersten Brief auf dem Stapel.

Alandra griff nach dem wattierten Umschlag und las die Absenderadresse, die in dunkelblauer, elegant geschwungener Schrift auf das dicke Büttenpapier gedruckt war. „Seine Königliche Hoheit Prinz Stephan Nicolas Braedon, Königreich Glendovia.“

„Königliche Hoheit?“, wiederholte Elena. „Im Ernst? Du bekommst Post von einem Prinzen?“

„Sieht so aus.“ Alandra öffnete den Umschlag und überflog das offiziell aussehende Schreiben mit dem mehrzeiligen Briefkopf. Dann schüttelte sie völlig verwirrt den Kopf und las den Text noch einmal genau durch. „Oh, mein Gott“, sagte sie schließlich.

„Was ist denn los?“

„Dieser Prinz Stephan möchte, dass ich für einige Wochen zu ihm in sein … nun ja, Königreich komme und mich um die verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen kümmere, die sie haben.“

Neugierig trat Elena an ihre Seite, und gemeinsam lasen sie den Brief noch einmal. Er nahm Bezug auf Alandras bisherige Fundraising-Aktivitäten, die den Prinzen offenbar positiv beeindruckt hatten, und betonte, wie sehr ihre Unterstützung in dem kleinen Königreich benötigt wurde.

Tatsächlich war dem Anschreiben sogar ein Arbeitsvertrag in zweifacher Kopie beigefügt. Der Prinz verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass Alandra ihn wohlwollend lesen und schließlich unterschrieben zurücksenden würde.

Sie legte das Anschreiben zur Seite und las das einseitige Vertragsangebot. Es enthielt eine Aufstellung ihrer Aufgaben und Tätigkeiten, falls sie den Auftrag annahm, sowie die Verpflichtungen der königlichen Familie ihr gegenüber.

„Meine Güte, glaubst du, das ist echt?“, fragte Elena.

Braedon, der Name der Königsfamilie, klang für Alandra vage vertraut. „Es dürfte nicht schwierig sein, herauszufinden, ob es diesen Prinzen wirklich gibt.“

Die Schwestern gingen in Alandras Büro, wo sie die Listen ihrer Gäste und Kontakte durchsah, während Elena eine kurze Internetrecherche durchführte.

„Hui“, sagte Elena und drehte sich zu ihrer Schwester um. Sie hatte festgestellt, dass Stephan Nicolas Braedon tatsächlich ein echter Prinz war und das kleine europäische Königreich von Glendovia wirklich existierte.

Alandra schaute ihrer Schwester über die Schulter und überflog die Informationen. In der Hand hielt sie eine Liste von Spendern und Gästen. Der Name Braedon war ihr deswegen bekannt vorgekommen, weil ein anderes Mitglied der Familie – eine Prinzessin Micaela – erst kürzlich auf der Gästeliste einer ihrer Veranstaltungen gestanden hatte. Eine Erinnerung daran, der Prinzessin begegnet zu sein, hatte sie allerdings nicht.

„Und was wirst du jetzt machen?“, fragte Elena.

„Na ja, ich werde ihm natürlich antworten, mich für das freundliche Angebot bedanken und erklären, dass ich leider derzeit nicht in der Lage bin, es anzunehmen. Ich stecke jetzt schon mitten in der Vorbereitung für das nächste Event, und in einem Monat ist Weihnachten. Ich möchte die Feiertage natürlich gern mit euch verbringen.“

„Hm, das kann ich verstehen, aber es ist auf jeden Fall ein sehr verlockendes Angebot.“

Extrem verlockend sogar, dachte Alandra und musterte noch einmal die Adresse auf dem Briefkopf. Instinktiv fuhr sie mit dem Zeigefinger über den Schriftzug mit dem Namen des Prinzen. Es würde nicht ganz einfach sein, den Brief mit der Absage zu formulieren.

„Aber vielleicht …“

Alandra warf einen Blick auf ihre Schwester. „Was aber?“

„Ich dachte nur gerade, dass dieser Auftrag in Glendovia vielleicht genau das ist, was du brauchst.“

Alandra runzelte die Stirn. „Was meinst du?“

„Na ja, deine Situation hier ist doch im Moment nicht gerade einfach. Reporter lauern vor deiner Haustür, dieser irre Typ Winters ruft noch immer ständig bei dir an und … du weißt schon …“ Elena stockte, sie sah zur Seite und fuhr dann mit sanfter Stimme fort: „Ich habe gehört, dass deine Fundraising-Veranstaltung in der letzten Woche nicht so gut gelaufen ist wie deine sonstigen Events.“

Alandra atmete tief durch. Die letzte Bemerkung ihrer Schwester traf sie mehr, als sie zugeben wollte, gerade weil sich nicht leugnen ließ, dass Elena recht hatte.

Elena tätschelte etwas besorgt ihren Arm. „Ich denke einfach nur, es wäre gut, wenn du einige Zeit verschwindest. Dann würde Gras über die ganze Sache wachsen, und wenn du zurückkommst, kannst du mit deinem Leben weitermachen, als wäre nichts passiert.“

„Aber das hieße auch, dass ich Weihnachten nicht mit euch verbringen kann“, sagte Alandra leise. „Das wäre das erste Mal.“

„Vielleicht kannst du ja trotzdem herkommen, und selbst wenn nicht, werden wir dann eben nächstes Jahr zusammen Weihnachten feiern.“ Elena legte einen Arm um ihre Schultern. „Ich wünsche mir ja nicht, dass du wegfährst, ich sage nur, denk darüber nach. Vielleicht ist es ja genau die richtige Lösung. Sprich noch mal mit Dad darüber, ich könnte mir vorstellen, dass er derselben Meinung ist.“

„Okay, ich denke darüber nach“, sagte Alandra. Die Argumente ihrer Schwester waren einleuchtend. Vielleicht war es wirklich der einfachste Weg, ihre Probleme hinter sich zu lassen, indem sie in ein weit entferntes Land flog.

2. KAPITEL

Knapp eine Woche später, am Samstag nach Thanksgiving, traf Alandra schon auf dem kleinen Inselreich von Glendovia ein. Wider besseres Wissen hoffte sie, dass ihre Entscheidung, das Angebot des Prinzen anzunehmen, sich als die richtige erweisen würde.

Der Flug war ruhig und ohne Zwischenfälle verlaufen, und am Flughafen erwartete sie bereits eine große Limousine, so wie es der minutiös ausgearbeitete Zeitplan angekündigt hatte, den sie nach Unterzeichnung des Vertrags per Fax erhalten hatte.

Alandra blickte aus dem Fenster, während der Wagen in schneller Fahrt die Landschaft durchquerte. Sie war von der Schönheit des Inselstaates überwältigt. Das Königreich Glendovia lag im südöstlichen Mittelmeer und bot mit seinem azurblauen Himmel, den auch in dieser Jahreszeit leuchtend grünen Hügeln und dem schaumgekrönten Meer einen wunderbaren Anblick.

Ihre Begeisterung hielt auch an, als sie den Hauptort der Insel erreichten. Die Häuser waren in einem einheitlichen Stil gebaut und wirkten wohlhabend, aber nicht zu protzig. Die schmalen Gassen waren bevölkert, aber es herrschte kein Gedränge.

Es schien, als würde das Leben hier seinem ganz eigenen Rhythmus folgen, und zum ersten Mal, nachdem sie ihren Namenszug unter den Arbeitsvertrag gesetzt hatte, fühlte Alandra Freude und Erleichterung darüber, dass sie hergekommen war.

Ihre Familie hatte ihre Entscheidung zu hundert Prozent unterstützt, ja sie sogar dazu gedrängt. Ihre Schwester und ihr Vater wussten, wie wichtig es war, dass sie dem Skandal, der ihr das Leben so schwer machte, eine Weile entfliehen konnte. Sie wollten Alandra einfach glücklich sehen.

Alandra hingegen hatte den Auftrag vor allem deswegen angenommen, weil sie hoffte, ihre Familie so vor den Auswirkungen der Schmutzkampagne gegen sie selbst schützen zu können.

Die Limousine kam zum Halten, und als Alandra hinaussah, erblickte sie ein großes schmiedeeisernes Tor, das sich langsam öffnete. Sie fuhren über eine lange gewundene Auffahrt, die sich durch eine gepflegte Parklandschaft schlängelte.

Das Haus – Palast war wohl die richtige Bezeichnung – stand auf einer kleinen Anhöhe und stammte aus einem vergangenen Jahrhundert, wurde aber offensichtlich sorgfältig instand gehalten und modernisiert.

Die Fassade glänzte weiß und war mit Pfeilern, Balkonen und großen Fenstern versehen, von denen aus man eine umwerfende Aussicht über das leuchtende Blau des Mittelmeeres haben musste.

Als der Fahrer die Tür öffnete und Alandra aus dem Wagen half, konnte sie den Blick kaum von der beeindruckenden Kulisse abwenden. Staunend sah sie sich um, während der Chauffeur ihr Gepäck aus dem Kofferraum holte und sie schließlich zum Eingangsportal geleitete.

Die Tür wurde – das war schon keine Überraschung mehr – von einem Butler geöffnet, im Inneren des Hauses erwarteten sie zudem zwei Hausmädchen in schmucken hellgrauen Uniformen, die Alandras Koffer an sich nahmen und damit verschwanden.

Der Butler wandte sich ihr zu. „Seine Hoheit der Prinz hat darum gebeten, dass Sie ihn bei Ihrer Ankunft sofort aufsuchen, Miss Sanchez. Wenn Sie mir bitte folgen würden.“

Alandra kam sich vor, als wäre sie mitten in einer Märchenwelt gelandet. Sie nickte dem Butler nur wortlos zu und versuchte, jede Einzelheit ihrer Umgebung in sich aufzunehmen, während sie ihm folgte.

Der Boden bestand aus glänzendem Marmor aus schwarzen und grau-weißen Quadraten. Ein Kronleuchter, der ihr so groß vorkam wie ein Auto, hing von der hohen Decke, die unzähligen Kristalle funkelten im Sonnenlicht, das durch die Fenster in den Raum fiel.

Direkt gegenüber der mächtigen Eingangstür führte eine breite Treppe in das nächste Geschoss und verzweigte sich von dort weiter nach links und rechts in die oberen Stockwerke des Hauses.

Der Butler führte Alandra jedoch zunächst im Erdgeschoss weiter durch einen langen Flur, dessen Wände mit verschiedenen Kunstwerken geschmückt waren. Zweifellos äußerst wertvolle Originale.

Sie blieben vor einer geschlossenen Tür stehen. Als der Butler klopfte, ertönte von drinnen eine tiefe Stimme, um sie hereinzubitten. Der Butler verkündete Alandras Ankunft und trat dann zur Seite, damit sie den Raum betreten konnte.

Es schien sich um ein Arbeitszimmer zu handeln, und Alandra konnte auf den ersten Blick erkennen, dass der Benutzer männlich war. Ein dunkelrot gemusterter Teppich bedeckte den Boden, Bücherregale erstreckten sich über drei Wände, und ein mächtiger Schreibtisch aus Kirschholz nahm einen großen Teil des Raumes ein.

Alandra löste den Blick von der Einrichtung und wandte ihre Aufmerksamkeit dem Mann zu, der hinter dem Schreibtisch saß.

Vor Verblüffung riss sie die Augen auf, ihr Mund schien buchstäblich offen stehen zu bleiben.

Sie.“

„Miss Sanchez.“ Er erhob sich und trat hinter dem großen Schreibtisch hervor, um auf sie zuzukommen. „Ich bin froh, dass Sie mein Angebot angenommen haben und für unsere Familie arbeiten werden.“

Sie sind Prinz Stephan …“

„Nicolas Braedon von Glendovia, um genau zu sein. Ja, das bin ich. Aber wie gesagt, nennen Sie mich Nicolas.“

Nicolas. Derselbe Nicolas, der sie zu einem Glas Champagner eingeladen hatte, um sie dann dreist in sein Schlafzimmer zu bitten.

Der Schock dieser Begegnung machte Alandra sprachlos. Ihr Mund war trocken, ein Stein schien ihr schwer im Magen zu liegen, und ihr Herz klopfte so sehr, als hätte sie den Weg durch den langen Korridor im Sprint zurückgelegt.

Wie hatte das hier nur geschehen können?

„Ich verstehe das nicht“, sagte sie schließlich mit heiserer Stimme und suchte mühsam nach den richtigen Worten. „Wieso sollten Sie mir ein solches Angebot machen nach … nach unserem letzten Gespräch? Alles, was Sie damals von mir wollten, war doch …“

Dann jedoch wurde ihr mit einem Schlag klar, worum es hier ging.

„Natürlich, das haben Sie mit Absicht getan. Sie haben mich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen hierher gelockt, in der Hoffnung, dass ich dann mit ihnen schlafen würde.“

„Meine liebe Miss Sanchez“, entgegnete er, während er ruhig dastand, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. „Glauben Sie mir, Glendovia ist wirklich darauf angewiesen, dass sich jemand mit der Organisation unserer wohltätigen Einrichtungen beschäftigt. Und nachdem ich Sie in Aktion erleben durfte, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass Sie genau die richtige Person für diese Aufgabe sind.“

„Und sind Sie auch zu dem Entschluss gekommen, dass Sie mich nun nicht mehr in Ihr Bett locken wollen?“, fragte sie mit spitzer Stimme.

Nicolas betrachtete die Frau, die vor ihm stand, eindringlich. Ihre direkte Art entlockte ihm fast ein Lächeln, und der funkelnde Blick aus ihren braunen Augen war äußerst reizvoll. Bei ihrem Anblick war er sich ganz sicher, dass die kleine Aktion, die er in Gang gesetzt hatte, genau die richtige Entscheidung gewesen war.

Ihre Zurückweisung während seines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten hatte Nicolas’ Verlangen nach ihr keineswegs gedämpft, im Gegenteil. Nachdem er noch einmal darüber nachgedacht hatte, war er zu dem Entschluss gekommen, dass der direkte Weg bei ihr nicht funktionieren würde. Also hatte er sich für eine etwas subtilere Vorgehensweise entschieden.

Bei Alandra Sanchez würde er Umwege gehen müssen, um sie zu verführen.

Einige Tage nach seiner Rückkehr nach Glendovia war ihm schließlich die passende Idee gekommen, wie er sie zu einem längeren Aufenthalt in seiner Heimat überreden konnte. Ihm war klar, dass sie eine direkte Einladung von ihm ablehnen und jeden Brief ohnehin sofort zerreißen würde, wenn ihr klar war, dass er der Absender war.

Aber schließlich gab es da noch ihr gemeinsames Interesse an Wohltätigkeitsveranstaltungen. Nicolas hatte erkannt, dass das der Schlüssel zum Erfolg sein konnte. Zur Sicherheit hatte er in das Vertragsangebot zudem noch eine großzügige Erfolgsprämie eingefügt: Er würde zweihundertfünfzigtausend Dollar an eine Organisation ihrer Wahl spenden, sobald Alandra ihren Teil des Vertrags erfüllt hatte.

Und tatsächlich war sie gekommen. Sie war genau da, wo er sie haben wollte.

Oder zumindest fast. Im Augenblick wirkte Alandra nicht so, als würde sie bereitwillig mit ihm ins Bett gehen. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis er das bekam, was er wollte.

Genauso wie immer.

„Oh, das würde ich so nicht sagen“, antwortete er sanft auf ihre Frage, ob er seine Pläne, mit ihr zu schlafen, begraben hatte. „Aber ich bin sehr gut in der Lage, Berufliches von Vergnügen zu trennen.“

Ohne ihr die Gelegenheit zu einer weiteren spitzen Bemerkung zu geben, fuhr er fort: „Kommen Sie, ich zeige Ihnen Ihr Zimmer. Sie haben vor dem Abendessen noch Zeit, um sich etwas auszuruhen oder zu erfrischen.“

Er ging an ihr vorbei und öffnete ihr die Tür.

„Das wird wohl kaum nötig sein“, sagte sie schnippisch und drehte sich um. „Ich habe nicht vor hierzubleiben.“

Nicolas wandte sich halb um, seine Miene war ausdruckslos. „Machen Sie sich nicht lächerlich, natürlich werden Sie bleiben. Sie haben schließlich einen Arbeitsvertrag unterzeichnet.“

„Den Vertrag können Sie von mir aus gern zerreißen.“ Mit einem letzten wütenden Blick ging Alandra an ihm vorbei durch die offene Tür.

Er ließ sie passieren, folgte ihr jedoch durch den leeren Korridor und ergriff ihren Arm. „Aber sind Sie wirklich bereit, einer Ihrer wohltätigen Organisationen eine Viertelmillion Dollar vorzuenthalten? Nur weil Sie sich gekränkt fühlen? Ganz zu Unrecht übrigens, wie ich finde.“

Als er sie an den versprochenen Bonus erinnerte, blieb Alandra abrupt stehen. Nicolas nutzte seinen Vorteil sofort. „Wenn Sie jetzt gehen und unsere Vereinbarung brechen, dann wird der Bonus natürlich auch nicht gezahlt. Sollten Sie sich jedoch entschließen, die ausgemachten vier Wochen bis Ende Dezember zu bleiben, verdienen Sie nicht nur ein ansehnliches Honorar, sondern tun auch noch ein gutes Werk. Das sollten Sie nicht vergessen.“

Er konnte förmlich sehen, wie sie in Gedanken die verschiedenen Optionen durchging. Wenn sie Glendovia jetzt verließ, dann wäre sie vor ihm sicher. Er würde keine Gelegenheit mehr finden, sie doch noch in sein Schlafzimmer zu locken. Wenn sie blieb, dann begab sie sich sehenden Auges in die Höhle des Löwen, allerdings erhielt sie so auch die Möglichkeit, für eines der Projekte, die ihr besonders am Herzen lagen, eine Viertelmillion Dollar spenden zu können. Das war für eine Frau, der die karitative Arbeit so wichtig war, ein wichtiger Anreiz.

Die Sekunden verstrichen, während Alandra reglos dastand und nachdachte. Nicolas trat einen Schritt näher, er hatte eine Idee, wie er sie ein wenig ermuntern könnte, die richtige Entscheidung zu treffen.

Er legte eine Hand auf ihren Rücken und spürte im gleichen Moment, dass sie unter seiner Berührung erstarrte und sich unwillkürlich von ihm entfernte.

„Bitte, Miss Sanchez“, sagte er mit ruhiger Stimme. „Erlauben Sie mir, Ihnen die Räume zu zeigen, die Sie bewohnen würden, falls Sie sich entschließen, zu bleiben und Ihren Vertrag zu erfüllen. Die Familie trifft sich um acht Uhr zum Abendessen, und ich hoffe, dass Sie uns Gesellschaft leisten werden, um alle kennenzulernen. Wenn Sie danach immer noch den Wunsch verspüren, in die Vereinigten Staaten zurückzukehren …“

Nicolas hielt inne und wog seine Worte sorgfältig ab. „Ich sage nicht, dass ich Sie einfach so ziehen lasse, aber ich bin bereit, dann noch einmal über die Situation zu verhandeln.“

Einen Moment lang war er sicher, dass sie ihn einfach wortlos stehen lassen würde. Aber dann sah er, wie sich ihre angespannte Haltung lockerte.

Alandra atmete tief durch. Ohne ihn anzusehen, erwiderte sie: „Gut. Ich werde zum Essen bleiben.“

„Ausgezeichnet. Dann folgen Sie mir bitte.“ Nicolas war bemüht, sich seine Genugtuung nicht zu deutlich anmerken zu lassen, während sie ihren Weg durch den langen Korridor fortsetzten.

Er führte Alandra zurück durch die große Eingangshalle und dann über die Treppe hinauf in den Westflügel. Vor ihnen erstreckten sich weitere Flure und eine zweite Treppe, die in den Bereich des Palastes führte, der für Gäste vorgesehen war.

Die Räume der königlichen Familie befanden sich weit entfernt auf der anderen Seite im Ostflügel. Aber das war Nicolas nur recht. Denn wenn sein Plan aufging, Alandra zu verführen, dann würde es ihm in der Abgeschiedenheit der Gästeräume einfach gelingen, ihre Affäre vor seiner Familie geheim zu halten. In den kommenden Wochen wurden keine weiteren Besucher im Palast erwartet.

Schließlich waren sie bei der Suite angekommen, die für Alandra vorgesehen war. Nicolas öffnete die schwere Mahagonitür und ließ Alandra eintreten. Er führte sie durch das großzügige Wohnzimmer mit dem Plasmabildschirm und einer Auswahl von DVDs.

Da er nicht genau wusste, welche Art von Filmen sie bevorzugte, hatte er eine bunte Mischung zusammenstellen lassen. Selbstverständlich konnte sie sich auch in der umfangreichen privaten Videothek der königlichen Familie bedienen, falls ihr die Auswahl nicht zusagte.

Er warf einen kurzen Blick durch die geöffnete Schlafzimmertür und stellte befriedigt fest, dass Alandras Gepäck bereits ausgepackt und in die Schränke geräumt war. Inzwischen sah sie sich in der Suite um. Falls sie es missbilligte, dass das Personal des Palastes ihre Kleidung ausgepackt hatte, ließ Alandra es sich zumindest nicht anmerken.

Ihrer Miene nach zu schließen, gefielen ihr die Räume. Bewundernd musterte sie die edlen Möbel und wertvollen Gemälde, die zur Einrichtung der Gästesuite gehörten.

„Ich werde Sie jetzt allein lassen, damit Sie sich ausruhen können. Wenn Sie mögen, können Sie natürlich auch einen kleinen Spaziergang durch den Park machen. Wenden Sie sich bitte an einen der Dienstboten, man wird Ihnen dann den Weg zum Speisesaal zeigen.“

Er drehte sich um und ließ Alandra mitten im Schlafzimmer zurück.

Sie blickte ihm hinterher. Noch immer war sie über seine Manipulationsversuche maßlos verärgert, allerdings nicht so verärgert, dass ihr nicht auffiel, wie attraktiv dieser arrogante Prinz war. Sogar wenn sie ihn von hinten betrachtete.

Vermutlich sollte sie sich geschmeichelt fühlen, dass ein Mitglied des europäischen Adels sie begehrte und mit ihr schlafen wollte. Viele Frauen würden wohl so empfinden.

Allerdings hatte sie nicht den Eindruck, dass Nicolas wirklich an ihr interessiert war. Daran, sie kennenzulernen oder eine Beziehung mit ihr einzugehen. Als sie sich in Texas getroffen hatten, wollte er mit ihr lediglich eine Nacht – oder vielleicht mehrere Nächte – verbringen. Aufgrund seiner Herkunft hatte er wohl selbstverständlich vorausgesetzt, dass sie sein Angebot nur zu gern annehmen würde.

Selbst wenn sie sich ansonsten vielleicht von ihm angezogen fühlte, diese Einstellung reichte, um Alandra gegen ihn einzunehmen. Sie hatte nicht das geringste Interesse daran, die Rolle einer Gelegenheits-Geliebten für diesen Playboy-Prinzen zu spielen.

Seufzend sah sie sich weiter in ihrem Domizil um, öffnete die Schubladen und Schränke, in denen ihre Kleidung verstaut worden war. Ihre Kleider, Blusen und Hosen waren sorgfältig aufgehängt worden. T-Shirts und Unterwäsche lagen ordentlich zusammengefaltet in den Schubladen, ihre Kosmetikprodukte hatten auf der breiten Marmorablage in dem luxuriösen Badezimmer Platz gefunden. Sogar die Bücher und Unterlagen, die sie für die Arbeit und ihr eigenes Vergnügen mitgebracht hatte, waren ausgepackt worden und standen auf dem kleinen Schreibtisch neben der Balkontür.

Bisher hatte Alandra sich noch nicht entschieden, ob sie doch hierbleiben sollte, allerdings musste sie zugeben, dass allein die Aussicht über das blaue Meer es wert sein könnte, auf die Manipulation von Seiner Hoheit Lügenprinz einzugehen. Sie könnte versuchen, das Ganze wie einen bezahlten Urlaub zu betrachten.

Nachdenklich trat sie auf den Balkon, lehnte sich gegen die steinerne Brüstung und schaute hinaus über das Meer. Unter ihr spülten die Wellen über den Strand, und das rhythmische Rauschen beruhigte ihre angespannten Nerven zumindest für den Moment ein wenig.

Als sie einen Blick auf ihre Armbanduhr warf, stellte sie fest, dass sie noch einige Stunden Zeit hatte, bis sie sich für das Abendessen mit der königlichen Familie umziehen musste. Die Aussicht auf diese Begegnung sorgte bei ihr doch für ein gewisses nervöses Kribbeln im Magen.

Aber darum würde sie sich kümmern, wenn es so weit war. Jetzt war es wichtiger, ihre eigene Familie anzurufen, damit ihr Vater und ihre Schwester wussten, dass sie sicher gelandet war. Vielleicht konnte Elena ihr auch einen guten Rat geben, wie sie mit der Situation am besten umgehen konnte.

Sollte sie bleiben oder abreisen? Sollte sie dem Prinzen noch einmal deutlich sagen, was er mit seinem hinterhältigen, manipulativen Vertrag tun konnte, und so eine Viertelmillion für einen guten Zweck einfach wegschenken? Oder war es besser, ihren Stolz herunterzuschlucken, die Zähne zusammenzubeißen und die nächsten vier Wochen irgendwie hinter sich zu bringen?

Es war genau fünf Minuten vor acht, als Alandra durch das Gewirr von Fluren im zweiten Stock des Palastes schließlich ihren Weg zur Haupttreppe fand. Das Dienstmädchen, das sie vorhin in ihrem Zimmer aufgesucht hatte, um nachzufragen, ob sie etwas benötigte, hatte ihr den Weg zum Speisesaal zwar erklärt, aber Alandra war nicht mehr sicher, ob sie ihn auch finden würde.

Sie hätte sich keine Sorgen zu machen brauchen, denn Nicolas stand bereits am Fuß der Treppe und erwartete sie.

Er trug keinen Frack, sondern einen dunklen Anzug, was sie ein wenig erleichterte. Sie hatte lange unschlüssig vor dem Kleiderschrank gestanden, weil sie nicht wusste, was sie zu ihrem Abendessen mit der königlichen Familie anziehen sollte. Schließlich hatte sie sich für ein einfaches, aber elegantes Abendkleid aus blauer Seide entschieden.

„Guten Abend“, sagte Nicolas. Während sie ihm auf der Treppe entgegenkam, ließ er sie keine Sekunde aus den Augen.

Als er seinen Blick langsam über ihren ganzen Körper gleiten ließ, spürte sie, wie ein Schauer sie überlief. Wenn sie es nicht ohnehin schon gewusst hatte, war ihr spätestens jetzt klar, dass er ein gefährlicher Mann war. Falls sie sich wirklich entschied, in Glendovia zu bleiben, dann musste sie sehr aufpassen. Sonst würde er sie mit seinen blauen Augen und seinem charmanten Lächeln dazu bringen, Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht tun wollte.

„Guten Abend“, erwiderte sie und blieb am Fuß der Treppen neben ihm stehen.

„Darf ich bitten?“ Er bot ihr seinen Arm an.

Sie zögerte eine Sekunde, dann legte sie eine Hand auf seinen Unterarm.

„Sie sehen bezaubernd aus“, bemerkte Nicolas, während sie über den Marmorboden schritten. Der große Kronleuchter brannte inzwischen und erleuchtete die Eingangshalle mit seinem sanften Licht.

„Danke sehr.“

Gerade als Alandra nach einer weiteren unverfänglichen Bemerkung suchte, trafen sie vor dem Speisesaal ein. Nicolas öffnete eine der hohen dunklen Türen und hielt sie offen, damit Alandra eintreten konnte.

Der Saal war so prächtig wie der Rest des Palastes. Ein langer antiker Tisch aus dunklem Holz erstreckte sich über die Länge des Raumes, um ihn herum gruppiert standen schwere Stühle mit hohen Lehnen, auf deren Rückseite das Wappen der Braedon-Familie eingestickt war.

Auch hier erhellte ein Kronleuchter den Raum, edle Wandleuchten spendeten zusätzliches Licht.

Die Königin und der König saßen bereits am Tisch, der mit glänzendem Geschirr für sechs Personen gedeckt war. Nicolas führte Alandra zu einem der Stühle, der wohl für sie vorgesehen war,

„Mutter, Vater, ich möchte euch Alandra Sanchez vorstellen. Sie ist aus den Vereinigen Staaten hergekommen und wird einen Monat hier verbringen, um uns dabei zu helfen, die Arbeit der wohltätigen Organisationen von Glendovia besser zu gestalten. Alandra, das ist mein Vater, König Hernando. Und dies hier meine Mutter, Königin Eleanor.“

Der ältere Mann erhob sich, trat um den Tisch herum und ergriff Alandras Hand, um sie zu küssen. „Willkommen auf unserer kleinen Insel, meine Liebe. Wir freuen uns sehr, dass Sie uns unterstützen werden.“

„Danke, Eure Hoheit“, erwiderte Alandra. Sein freundliches Lächeln minderte ihre Nervosität, einem echten König in voller Lebensgröße gegenüberzustehen. „Es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen.“

Als sie sich der Königin zuwandte, stellte sie fest, dass diese sitzen geblieben war. Und als Alandra näher trat, machte sie keinerlei Anstalten, ihr die Hand zu geben.

„Eure Hoheit“, sagte Alandra höflich und blieb vor der älteren Frau stehen.

Eleanor schenkte ihr nur ein kurzes, kühles Nicken, das ihr deutlich zu verstehen gab, dass nicht alle Mitglieder des königlichen Hauses von ihrer Anwesenheit so begeistert waren wie Nicolas und sein Vater.

„Nehmen Sie Platz“, befahl die Königin. „Das Essen wird gleich serviert.“

Alandra ging zurück zu Nicolas, der ihr zuvorkommend den Stuhl zurechtrückte, bevor er um den Tisch herumging und den Platz ihr gegenüber einnahm.

Gleich darauf wurde die Tür geöffnet, und ein weiteres Paar trat ein. Auf den ersten Blick konnte Alandra sehen, dass zumindest der Mann mit Nicolas verwandt war. Statur, Haarfarbe und die Gesichtszüge wiesen ihn als Familienmitglied aus, wahrscheinlich ein weiterer Sohn.

Auch die Frau hatte ähnliche Züge, aber Alandra war nicht ganz sicher, ob es sich nicht doch um die Ehefrau oder Verlobte eines der beiden Brüder handelte.

„Guten Abend zusammen“, verkündete der junge Mann mit lauter Stimme und einem breiten Lächeln.

„Mutter, Vater“, sagte seine Begleiterin und räumte so alle Zweifel an ihrer Rolle in der Familie aus. Sie trat auf Nicolas zu, legte die Hände auf seine Schultern, beugte sich hinunter und küsste ihn leicht auf die Wange. „Bruderherz.“

„Micaela“, entgegnete er und grinste leicht, bevor er sich Alandra zuwandte. „Darf ich Ihnen meinen jüngeren Bruder Sebastian vorstellen und meine Schwester Micaela – oder Mia, wie alle sie nennen. Sie ist das Nesthäkchen der Familie.“

Prinzessin Micaela seufzte laut auf. „Oh, ich hasse es, wenn du das sagst“, warf sie ihrem Bruder vor.

„Ich weiß. Deswegen mache ich es ja“, gab er zurück. Alandra entging das liebevoll-spöttische Funkeln in seinen Augen ebenso wenig wie Mias belustigtes Kopfschütteln, während sie sich links von Alandra niederließ.

„Unser ältester Bruder Dominick ist derzeit außer Landes, aber ich hoffe, Sie werden noch die Gelegenheit haben, ihn zu treffen.“

Mia griff nach der Damastserviette und breitete sie auf ihrem Schoß aus. „Es ist schön, Sie kennenzulernen, Alandra. Nicolas sagte mir, dass Sie kommen würden. Er ist überzeugt, dass Sie tolle Ideen haben werden, wie wir mehr Geld für unsere karitativen Einrichtungen einnehmen und neue Projekte starten können.“

Alandra warf Nicolas einen kurzen Blick zu, ein wenig überrascht von diesem indirekten Lob für ihre Tätigkeit. Er schaute jedoch seine Schwester an.

„Sie hat großartige Arbeit mit mehreren Wohltätigkeitsorganisationen in den Staaten geleistet“, verkündete er.

Plötzlich mischte sich Sebastian ins Gespräch ein. „Das ist wirklich sehr gut. Wir haben hier auf unserer Insel einige Organisationen, die gute Arbeit machen, aber dringend ein paar neue Ideen brauchen. Und es schadet sicher auch nicht, dass Alandra eine echte Schönheit ist.“ Er warf ihr einen vielsagenden Blick zu und zwinkerte.

Sein dreistes Verhalten machte Alandra für einen Moment sprachlos, noch dazu, da seine ganze Familie mit am Tisch saß. Dann wurde ihr jedoch klar, dass das offenbar Sebastians Persönlichkeit war und seine Eltern sich zweifellos schon lange daran gewöhnt hatten. Er war der jüngste Sohn, am weitesten von der Thronfolge entfernt – und wie es aussah, mindestens ebenso ein Playboy wie sein älterer Bruder.

Etwas angespannt erwiderte sie sein Lächeln. Dann erst bemerkte sie, dass Nicolas verärgert die Stirn runzelte. Sie war unsicher, wie sie mit dieser Reaktion umgehen sollte. War sie beunruhigt, eingeschüchtert oder einfach nur amüsiert über die Besitzansprüche, die Nicolas anscheinend stellte?

Er hatte sie in seinen Palast gebracht, weil er sie zu seiner Geliebten machen wollte, das hatte sie nur zu gut verstanden. Vielleicht hatte Nicolas tatsächlich auch ein Interesse daran, dass sie sich um die Wohltätigkeitseinrichtungen des Landes kümmerte, aber das änderte nichts daran, dass er sie in sein Bett holen wollte.

Allerdings erklärte das nicht unbedingt, warum ihn die im Grunde harmlosen Bemerkungen seines jüngeren Bruders gleich so aufbrachten.

Vielleicht hatten die beiden schon früher um die Gunst einer Frau konkurriert? Oder sie gar geteilt? War Nicolas etwa besorgt, dass sie sich für seinen Bruder interessieren würde, noch bevor er es geschafft hatte, Alandra zu verführen?

Als ihr dieser Gedanke durch den Kopf ging, musste sie lächeln. Das würde ihm eigentlich nur recht geschehen, nachdem er dieses Netz von Intrigen gesponnen hatte, um sie nach Glendovia zu bringen.

Dienstboten traten an den Tisch, um die Wassergläser zu füllen und schweren Rotwein auszuschenken. Als der Salat serviert war, wandte sich das Gespräch am Tisch Familienangelegenheiten und dem Alltagsgeschehen im Königreich zu.

Alandra aß weitgehend schweigend, sie lauschte interessiert, aber konnte selbst nur wenig zur Konversation beitragen.

Während des Desserts stellten Mia und Sebastian ihr Fragen über ihre Familie und ihr Leben in Texas. Sie antwortete bereitwillig, vermied es jedoch sorgfältig, auf den Skandal einzugehen, der ihr die letzten Wochen zu Hause so verdorben hatte.

„Und was sind Ihre Pläne für die nächsten Tage?“, fragte Mia. „Haben Sie schon überlegt, wo Sie mit der Arbeit anfangen wollen?“

Noch bevor Alandra antworten konnte, mischte Nicolas sich ein. „Genau darüber möchte ich noch ausführlich mit Alandra sprechen, aber sie ist ja gerade erst angekommen. Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit, ihr alle Hintergrundinformationen zu geben, die sie benötigt.“ Er schob seinen Stuhl zurück und erhob sich. „Und ich hoffe, ihr entschuldigt uns, denn es ist am besten, wir fangen gleich jetzt damit an.“

Nicolas trat auf ihre Seite des Tisches und blieb erwartungsvoll neben ihr stehen. Alandra hatte kaum eine andere Wahl, als sich zu erheben, seinen Arm zu ergreifen und gemeinsam mit ihm den Raum zu verlassen. Mit einem entschuldigenden Lächeln verabschiedete sie sich von der Familie und wünschte ihr eine gute Nacht.

„Nicolas!“, rief die Königin ihnen hinterher, als sie schon fast an der Tür waren. „Ich würde mich gern noch mit dir unterhalten.“

„Aber sicher, Mutter“, erwiderte er höflich. „Sobald ich Alandra in ihre Suite gebracht und mit ihr gesprochen habe, komme ich in die Bibliothek und stehe ganz zu deiner Verfügung.“

Seine Mutter schenkte ihm ein kaum wahrnehmbares Nicken, und schließlich verließen sie den Speisesaal.

Wieder legte er eine Hand auf ihren Rücken und geleitete sie zurück ins Foyer und zur großen Haupttreppe, die sie langsam hinaufstiegen.

Alandra bemerkte sehr wohl, dass er kaum eine Gelegenheit ausließ, um Körperkontakt herzustellen. Sie musste sich eingestehen, dass sich der leichte Druck seiner warmen Finger durch den dünnen Stoff ihres Kleides angenehm anfühlte und kleine Schauer von Verlangen durch ihren Körper sandte.

War dies ein weiterer Schritt in Nicolas’ strategisch angelegter Verführung?

Falls es so war, würde er feststellen müssen, dass sein Plan nicht aufging.

Alandra war sicher, dass sie ihm widerstehen konnte. Nicolas war charmant und gut aussehend und, nicht zu vergessen, er war ein Prinz. Aber er war nicht aufrichtig gewesen und hatte sie mit falschen Versprechen nach Glendovia gelockt. So leicht würde sie ihm nicht nachgeben.

„Also“, sagte er mit leiser, schmeichelnder Stimme, „hatten Sie schon die Möglichkeit, einen Blick in die Unterlagen zu werfen, die ich in Ihr Zimmer gebracht habe?“

Tatsächlich hatte sie auf dem Schreibtisch einen Stapel von Aktenordnern vorgefunden, die sich jeweils mit einer wohltätigen Organisation des kleinen Inselreiches befassten. Falls sie sich entschied zu bleiben, würde sie sich in den kommenden Wochen ausführlich damit beschäftigen.

„Ich habe hineingeschaut, ja.“

„Und …?“

„Sie haben da einige interessante Einrichtungen“, erwiderte Alandra vorsichtig.

„Aber sie arbeiten nicht so effektiv, wie sie es könnten“, stellte Nicolas fest.

„Das ist wahr.“

„Können Sie das ändern?“

Und das war das Problem – Alandra war ziemlich sicher, dass sie es konnte. Auch nach einem kurzen Blick durch die Unterlagen, bevor sie sich für das Abendessen umgezogen hatte, waren ihr bereits zahlreiche Ideen gekommen, um die Situation zu verbessern. In Gedanken hatte sie schon erste Skizzen für einige Medienkampagnen entworfen, Spendenaufrufe und Veranstaltungen geplant.

Sie hatte große Lust, die Pläne weiterzuentwickeln und in die Tat umzusetzen. Aber das würde bedeuten, dass sie in Glendovia blieb und ihren Vertrag erfüllte.

„Nun, ich habe einige Ideen“, beantwortete sie Nicolas’ Frage zögerlich, während sie durch den Korridor zu ihrer Suite gingen.

„Ausgezeichnet.“ Er warf ihr einen langen Blick zu, bevor er fortfuhr: „Heißt das, Sie haben sich entschieden, hierzubleiben und für uns zu arbeiten?“

„Ja, ich werde bleiben“, sagte sie, und erst in diesem Moment wurde ihr klar, dass sie die Entscheidung insgeheim schon früher an diesem Abend getroffen hatte. „Ich werde die vereinbarten vier Wochen in Glendovia bleiben, wie im Vertrag vorgesehen, und am Ende dieser Zeit werden Sie den versprochenen Bonus an eine Organisation meiner Wahl spenden.“

„Natürlich.“

Vielleicht wollte Nicolas noch weitersprechen, aber Alandra unterbrach ihn. „Und was auch immer Ihre wahre Motivation war, mich hierher zu holen, was immer Sie sich davon versprechen, ich werde nicht mit Ihnen schlafen. Diesen Punkt können Sie sofort von Ihrer Wunschliste für Weihnachten streichen.“

Damit drehte sie sich um, öffnete die Tür zu ihrer Suite und ließ Nicolas stehen.

3. KAPITEL

Die Tür zur Bibliothek stand offen, als Nicolas eintraf. Seine Mutter saß in einem der großen Sessel vor dem Kamin. Sie nippte an einem Glas Sherry und starrte gedankenverloren in die Flammen.

Nicolas schloss die Tür hinter sich und ging hinüber zum Sideboard, um sich ebenfalls einen Drink einzuschenken, bevor er im Sessel neben ihr Platz nahm.

„Du wolltest mit mir sprechen?“, fragte er und lehnte sich entspannt zurück.

Es war typisch für die Königin, dass sie ohne langes Herumreden auf den Punkt kam. „Was tut diese Frau hier, Nicolas?“

Er tat gar nicht erst so, als wüsste er nicht, von wem sie sprach. „Wie ich euch beim Dinner gesagt habe, habe ich sie engagiert, um uns mit den Wohltätigkeitsorganisationen zu helfen. Sie ist wirklich sehr gut in ihrem Job, ich bin sicher, sie wird sich als echter Segen erweisen.“

„Und das ist der einzige Grund, warum sie hier ist?“ Seine Mutter musterte ihn skeptisch über den Rand ihres Glases. „Keine Hintergedanken?“

Nicolas nippte an seinem Brandy. „Welche Hintergedanken meinst du?“

„Bitte, Nicolas. Ich als deine Mutter bin vielleicht nicht die erste Wahl, wenn es darum geht, über dein Liebesleben zu sprechen. Aber ich bin durchaus informiert über deine … erotischen Eskapaden. Bist du wirklich sicher, dass du sie nicht engagiert hast, um sie zu deiner nächsten Eroberung zu machen?“

Nicolas war der Meinung, dass seine Affären ganz allein seine Privatangelegenheit waren. Aber es war nicht leicht – und auch sehr leichtsinnig –, diese Ansicht einer Königin mitzuteilen. Selbst wenn sie seine Mutter war. Oder auch gerade dann.

Also tat er das, was für ihn und seine Geschwister während ihrer Kindheit immer die letzte Zuflucht gewesen war. Er sah seiner Mutter direkt in die Augen und log sie an. „Natürlich nicht. Ich nehme meine Verantwortung für unser Land sehr ernst, ich hoffe, das weißt du. Sobald ich Alandra während meines Besuchs in den Staaten bei der Arbeit beobachtet habe, ist mir klar geworden, dass sie ein großer Gewinn für unsere karitativen Einrichtungen wäre.“

„Ich bin froh, das zu hören.“ Die Königin musterte ihn eindringlich, als würde sie versuchen, auf den Grund seiner Seele zu sehen. „Du verstehst sicherlich, dass es sehr ungünstig wäre, wenn gerade jetzt eine deiner kleinen Affären an die Öffentlichkeit dringen würde.

Schließlich steht die Verkündigung deiner Vermählung kurz bevor. Wir wissen beide, dass du Prinzessin Lisette seit eurer Verlobung nicht immer treu gewesen bist, aber umso wichtiger ist es, dass du die Fassade wahrst und nichts tust, um Lisette oder ihre Familie zu verärgern. Diese Heirat stellt für unsere beiden Länder eine wichtige Verbindung dar.“

Sie ließ einen Moment verstreichen, um ihren Worten mehr Gewicht zu verleihen, und fuhr dann in schärferem Ton fort: „Wir dürfen diese Verbindung nicht gefährden, nur weil du es nicht schaffst, deine Hände von irgendeiner dahergelaufenen Amerikanerin zu lassen.“

Nicolas trank einen weiteren Schluck Brandy, während er versuchte, seine impulsive Reaktion auf die Worte der Königin zu unterdrücken. Er musste ihr Respekt erweisen.

„Ich kenne meine Pflichten, Mutter. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, dass ich mich Lisette gegenüber nicht korrekt verhalte. Alandra ist eine schöne Frau, aber glaub mir, sie ist keine Bedrohung für meine Verlobung.“

„Das ist gut zu wissen. Aber für den Fall, dass du deine Meinung plötzlich ändern solltest und Miss Sanchez während ihres Aufenthalts hier doch eine größere Verlockung darstellen würde, als du jetzt glaubst, habe ich hier etwas, was du vielleicht sehen solltest.“

Die Königin drehte sich zur Seite und griff nach einer gefalteten Zeitung, die zwischen den Kissen des Sessels steckte. Sie reichte Nicolas das Blatt und lehnte sich zurück, während sie ihn mit aufmerksamer Miene beobachtete.

Als er die Zeitungsseite aufblätterte, fiel ihm sofort der Artikel mit dem Foto von Alandra ins Auge. Neben ihrem waren Bilder von zwei weiteren Personen abgedruckt.

Die Schlagzeile war eindeutig: Alandra wurde beschuldigt, die Ehe des abgebildeten Paares und damit eine glückliche Familie zerstört zu haben. Er überflog den Artikel, in dem Alandra als selbstsüchtige, manipulative Ehebrecherin dargestellt wurde, die keinerlei Skrupel hatte, den Vater zweier Kinder zu verführen.

„Sie gehört nicht in unsere Kreise, Nicolas“, sagte seine Mutter mit ruhiger Stimme. „Sie hat bereits in den Staaten einen Skandal verursacht und mit ihrem Verhalten den Ruf ihrer eigenen Familie ruiniert. Wir sollten wirklich nicht riskieren, dass sie das Gleiche hier tut.“

Die warnenden Worte seiner Mutter und der Inhalt des Artikels ließen Nicolas nicht unberührt. Die Nachricht über Alandra überraschte ihn, er hatte sie anders eingeschätzt. Aber im Grunde genommen änderte es nichts, er wollte noch immer mit ihr schlafen.

„Ich weiß deine Besorgnis zu schätzen, Mutter, aber ich glaube, du liest zu viel in Alandras Aufenthalt hier hinein. Sie wird nur einen Monat bleiben und ist lediglich gekommen, um uns mit unserem Wohltätigkeitsprogramm zu helfen. Das ist alles.“

Mit einer erhobenen Augenbraue signalisierte die Königin, dass sie an seinen Worten noch immer zweifelte. Aber letztlich konnte er selbst über sein Leben entscheiden, solange er seine Pflichten nicht vernachlässigte. Und bis er nicht wirklich mit Prinzessin Lisette vermählt war, war er auch niemandem Rechenschaft über seine Affären schuldig.

Nicolas faltete den Zeitungsartikel wieder zusammen und schob ihn in die Jacke seines Anzugs. Er erhob sich von seinem Sessel und stellte das leere Brandyglas auf das Sideboard, bevor er noch einmal zu seiner Mutter zurückging. Er beugte sich über sie und küsste sie auf die Wange. „Gute Nacht, Mutter. Wir sehen uns morgen beim Frühstück.“

Am nächsten Tag stand Alandra früh auf. Sie konnte es kaum erwarten, mit der Arbeit anzufangen und ihre Ideen in die Tat umzusetzen.

Außerdem hoffte sie, etwas mehr von der Insel sehen zu können und dabei Nicolas möglichst aus dem Weg zu gehen. Der gestrige Tag hatte deutlich gezeigt, dass dieser Mann eine Gefahr für ihren Seelenfrieden war. Je weniger Zeit sie mit ihm verbrachte, desto besser.

Sie trug ihre mit Unterlagen vollgestopfte Aktentasche unter dem Arm, während sie sich auf den Weg zum Speisesaal machte. Die Familie war dort bereits versammelt. Das diensteifrige Personal deckte einen Platz für sie, und Alandra genoss ein köstliches Frühstück. Zumindest so lange, bis die Königin damit begann, sie über ihre Pläne für den Tag auszufragen. Sie hatte noch immer das deutliche Gefühl, dass Nicolas’ Mutter alles andere als glücklich über ihre Anwesenheit im Palast war.

„Ich habe mir die Unterlagen angesehen, die Nicolas für mich zusammengestellt hat, und ich denke, das Waisenhaus hier in der Stadt wäre ein guter Ausgangspunkt“, antwortete sie. „Ich habe da für Weihnachten eine Idee im Hinterkopf, die sehr Erfolg versprechend sein könnte, aber da uns bis dahin nicht viel Zeit bleibt, wäre es wichtig, die Dinge sofort in Gang zu bringen.“

Falls die Königin über Alandras Arbeitseifer erfreut war, ließ sie es sich nicht anmerken. Ihre Miene blieb unbewegt.

Nicolas hingegen sagte sofort: „Ich habe bereits einen Wagen bestellt, er kann uns gleich nach dem Frühstück zum Waisenhaus bringen.“ Er stand auf, legte seine Serviette zur Seite und machte sich auf den Weg zur Tür. 

Autor

Heidi Betts
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