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Die temperamentvolle Holly ist einfach unwiderstehlich - doch in Peytons Leben ist kein Platz für sie: Er steht kurz vor der Wahl zum Gouverneur. Soll er seine Karriere für eine riskante Affäre aufs Spiel setzen?
  • Erscheinungstag 11.09.2017
  • ISBN / Artikelnummer 9783955766542
  • Seitenanzahl 120
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. Kapitel

Holly Bishop stieß die Tür ihres Abschleppwagens auf, befahl ihrer Dogge, sitzen zu bleiben, und nahm das Gewehr vom Beifahrersitz. Dann sprang sie hinaus und rief dem betrunkenen Mann, der seinen Jungen am Nacken gepackt hatte, warnend zu: „Cliff Nolan, lassen Sie Richie sofort los!“

Cliff drehte sich langsam zu ihr um und sah sie höhnisch grinsend an. „Scher dich von meinem Grundstück, du verdammte neugierige Weltverbesserin. Dies hier ist mein Land und meine Familie. Hier mache ich, was ich will!“

Richies kleiner Mischlingshund kam herbeigelaufen und knurrte Cliff an. Sofort trat er so fest nach dem Tier, dass es vor Schmerz laut aufjaulte.

„Nein, Daddy, nicht! Bitte tu Whitey nicht weh!“, schrie Richie.

Cliff packte den Jungen noch fester, schüttelte ihn ein paarmal und stieß ihn dann zu Boden. Mit seinen dünnen Armen umschlang Richie den Hund und sah verängstigt zu seinem torkelnden Vater hoch.

„Lassen Sie Richie und Whitey in Ruhe!“, rief Holly noch einmal. „Oder ich werde auf Sie schießen! Haben Sie mich verstanden?“

Cliff Nolan starrte Holly an, die blutunterlaufenen Augen halb geschlossen, die Lippen zu einem Grinsen verzogen. „Du bluffst doch nur. Kommst ständig her und setzt meiner Loretta Flausen in den Kopf. Sie braucht niemanden von deiner Sorte, der sie über ihre Rechte als Ehefrau aufklärt. Was weißt du denn schon davon, he?“

„Auf jeden Fall weiß ich, dass kein Mann das Recht hat, Frau und Kinder zu misshandeln“, entgegnete sie und machte ein paar vorsichtige Schritte auf den Wohnwagen zu, der auf dem unkrautüberwucherten Grundstück stand.

Loretta Nolan erschien in der Tür des Wohnwagens. Ihr verhärmtes Gesicht ließ sie viel älter aussehen, als sie in Wirklichkeit war. „Cliff, bitte …“

„Halt den Mund!“ Er starrte seine Frau zornig an.

„Es ist besser, wenn du gehst, Holly“, sagte Loretta.

Richie nutzte den Moment, kroch schnell von seinem Vater weg und zog den Hund mit sich. Als Cliff es bemerkte, holte er mit dem Bein aus.

„Nein, Daddy, nicht!“, schrie Richie, doch schon traf Cliff den Hund, der erneut jämmerlich aufschrie. Nun trat Cliff nach Richie, verfehlte ihn aber, da der Junge geschickt auswich. Den zitternden Hund in den Armen, rutschte er weiter weg von seinem randalierenden Vater.

„Dies ist meine letzte Aufforderung, Cliff! Lassen Sie Richie in Ruhe, und zwar sofort!“ Holly zielte mit dem Gewehr auf ihn.

Cliff Nolan holte wieder mit dem Bein aus, um dem Jungen in den Magen zu treten, und Richie schien plötzlich erstarrt vor Angst. Holly schrie Richie schnell eine Warnung zu, worauf Cliff sich abrupt zu ihr umdrehte. Schnell stand Richie auf, nahm den Hund auf den Arm und lief zum Wohnwagen hinüber. Cliff fuhr schwankend herum und brüllte Richie hinterher: „Bleib stehen!“

„Lassen Sie ihn in Ruhe“, warnte Holly ihn.

„Geh doch zum Teufel!“, erwiderte Cliff.

Holly Bishop spannte den Abzugshahn ihres Gewehres, und im nächsten Moment zerrissen Schrotkugeln Cliffs Jeans an den Beinen und am Hinterteil. Mit einem Aufschrei fiel er zu Boden.

Loretta, die Richie tröstend im Arm hielt, starrte ungläubig zu ihrem Mann hinüber.

„Ruf den Sheriff“, forderte Holly sie auf. „Und einen Krankenwagen. Cliff braucht einen Arzt, der ihm den Schrot aus dem Hintern holt.“

Loretta nickte schweigend, ließ Richie los und verschwand im Wohnwagen. Richie hielt den kleinen Hund an sich gepresst. Tränen liefen ihm über das schmutzverschmierte Gesicht.

Holly hatte nicht vor, sich selbst um den Angeschossenen zu kümmern, der stöhnend und fluchend am Boden lag, das magere Hinterteil in die Höhe gereckt. Sie empfand kein Mitleid für ihn. Der Krankenwagen würde früh genug hier sein, und es war unwahrscheinlich, dass Cliff durch Vogelschrot, der ihn außerdem aus einiger Entfernung getroffen hatte, verbluten würde.

Allerdings würde der Sheriff vermutlich nicht viel später als der Krankenwagen eintreffen. Obwohl Sheriff Lowell Redman Cliff ebenso wenig leiden konnte wie Holly, würde ihm keine andere Wahl bleiben, als sie zu verhaften. Immerhin hatte sie auf einen Mann geschossen.

Jetzt musste sie wohl oder übel Peyton anrufen. Wieder einmal. Er würde natürlich vor Wut schäumen wie beim letzten Mal, als sie ihn um Hilfe gebeten hatte. Nur allzu deutlich hatte er ihr zu verstehen gegeben, dass er es leid wäre, ihr immer wieder aus der Klemme zu helfen. Doch was hätte sie hier tun sollen? Einfach zusehen, wie Cliff Richie und Whitey misshandelte? Seit über einem Jahr bekniete sie Loretta, mit den Kindern wegzugehen, war aber bei ihr stets auf taube Ohren gestoßen.

Holly wusste, dass sie diesmal etwas wirklich Dummes angestellt hatte, und so schwer es ihr auch fiel, sie würde Peyton bitten müssen, sie aus dem Gefängnis zu holen. Und falls es zu einer Gerichtsverhandlung käme, brauchte sie ihn als Verteidiger.

Nur machte ihr die Vorstellung, Peyton gegenüberzutreten, mehr Angst als die Aussicht auf eine Nacht im Gefängnis. Ganz gleich, wie gut sie es auch meinte, immer endete es damit, dass sie ihm Schwierigkeiten bereitete. Dabei war es ganz und gar nicht ihre Absicht. Besonders nicht jetzt, wo er vorhatte, als Gouverneur zu kandidieren. Peyton Rand war ein guter Mann, und er verdiente nur das Beste – und das war mit Sicherheit nicht Holly Bishop.

So ungern sie es auch zugab, aber Peyton hatte mit seiner Meinung, dass sie nichts als Ärger bedeutete, wahrscheinlich recht.

Schon an Peytons Gesichtsausdruck konnte Holly erkennen, wie wütend er auf sie war. Seine gebräunte Haut hatte sich rötlich verfärbt, die blauen Augen blickten kühl, und seine Bewegungen wirkten angespannt. Das sonst gut sitzende aschblonde Haar war leicht zerzaust, so als wäre der Wind hineingefahren und hätte es gewagt, es durcheinanderzubringen. Holly sah ratlos Hilfssheriff Wanda Simple an, eine große schlanke Frau mit Brille, dann jedoch straffte sie die Schultern, bereit, Peytons Zorn über sich ergehen zu lassen. Obwohl Peyton Rand von Natur aus ein ruhiger, kontrollierter und gelassener Mann war, wusste Holly, dass sie ohne Weiteres in der Lage war, die Fassung dieses Südstaaten-Gentlemans zu erschüttern.

Er knallte seine Aktentasche auf den Tisch, stützte sich mit beiden Händen auf die Tischplatte auf und starrte Holly finster an. „Du hast schon öfter dumme Sachen angestellt, Holly Bishop, aber diesmal bist du entschieden zu weit gegangen.“

Er war nicht nur wütend, er kochte vor Wut, wenn er sie bei ihrem vollen Namen ansprach. „Ich habe ihn gewarnt. Ehrlich!“, verteidigte Holly sich und machte einen Schritt auf Peyton zu. Ihre Hände waren mit Handschellen hinter dem Rücken gefesselt. „Er hat Richie geschlagen und nach ihm getreten. Ich konnte doch nicht einfach nur dastehen und zusehen, wie er das Kind verletzt, oder?“

Peyton richtete sich zu seiner vollen Größe von einem Meter achtundachtzig auf und hob die Arme in einer beschwörenden Geste. „Na schön, du musstest also etwas unternehmen, um ihn aufzuhalten. Aber musstest du gleich mit einem Schrotgewehr auf ihn schießen?“

„Was sollte ich denn sonst machen?“ Schritt für Schritt kam sie auf ihn zu. Dann stand sie vor ihm, sah treuherzig zu ihm auf und hoffte nur, ihr Gesicht möge genug Reue ausdrücken.

„Du hattest doch Salomon bei dir, oder?“ Peyton packte sie an den Schultern und schüttelte sie sanft. Sofort durchlief ihn ein Schauer und erinnerte ihn daran, dass er Holly besser nicht anfassen sollte. Abgesehen von der Tatsache, dass er sich dummerweise zu ihr hingezogen fühlte, bedeutete sie nichts als Ärger. „Warum hast du es Salomon nicht überlassen, mit Cliff Nolan fertigzuwerden?“

„Ist das dein Ernst? Wenn ich Salomon auf ihn gehetzt hätte, wäre ich jetzt wegen Mordes hier eingesperrt, statt wegen Körperverletzung.“

„Sie werden sie doch rausholen können, nicht wahr, Mr. Rand?“, mischte sich jetzt Wanda Simple ein. „Die ganze Stadt weiß, dass Cliff Nolan ein übles Stinktier ist und ständig Loretta und die Kinder schlägt. Holly hat nur getan, was sie für richtig hielt.“

„Nun, ich hoffe, der Richter sieht es ebenso.“ Peyton ließ Holly los. Warum, um alles in der Welt, war er nur mit der Verantwortung für Holly Bishop geschlagen? Falls es zwei Menschen auf dieser Erde gab, die absolut nicht zusammenpassten, dann waren es Holly und er. „Ich bin direkt von Jackson hierhergekommen, deshalb hatte ich noch keine Gelegenheit, mit Richter Clayburn Proctor über eine Kaution zu verhandeln. Aber ich habe schon mit Sheriff Lowell gesprochen, und ihm hast du es zu verdanken, dass die Anklage nicht auf vorsätzliche Körperverletzung lautet.“

„Ich habe mich bereits bei ihm bedankt.“ Holly wurde klar, dass nichts, was sie sagte oder tat, Peytons Wut mildern würde, und sie konnte es ihm nicht einmal verübeln. Seit ihre Brüder Crooked Oak verlassen hatten, verhielt Peyton sich, als müsste er jetzt auf deren Schwester aufpassen, die es mit ihren sechsundzwanzig Jahren hätte besser wissen müssen, als auf einen Mann zu schießen.

„Ich werde mich bemühen, dass Richter Proctor eine Kaution festsetzt, damit ich dich heute noch hier rausholen kann.“ Peyton sah Wanda an. „Bringen Sie sie zurück in ihre Zelle, bis ich mich mit Proctor geeinigt habe.“ Und zu Holly gewandt meinte er: „Aber es würde dir nur recht geschehen, wenn ich dich die ganze Nacht hier drinließe.“

Sie reckte das Kinn vor und blickte ihn hochmütig an. „Tu, was du für richtig hältst, Peyton Rand. Ich habe mit Vogelschrot auf Cliff Nolan geschossen, um ihn daran zu hindern, weiter sein Kind und den Hund zu misshandeln. Es tut mir leid, und vielleicht war es falsch. Doch wenn du nur das Gesetz im Kopf hast und nicht verstehst, was im Herzen eines Menschen vorgeht, dann bezweifle ich …“

„Genug! Wirst du wohl den Mund halten?“

Erschrocken verstummte Holly und musterte Peytons ernstes Gesicht. Doch gleich fuhr sie fort: „Du kannst ja Richter Proctor sagen, dass ich anders gehandelt und nicht auf Cliff Nolan geschossen hätte, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte. Aber ich sah in dieser Situation keinen anderen Ausweg.“

„Ich werde versuchen, es ihm zu erklären, und vielleicht ist er damit einverstanden, eine Kaution auszusetzen“, erwiderte Peyton.

„Hast du irgendeine Vermutung, wie hoch die Kaution sein wird?“ Holly besaß nicht viel Bargeld, doch ihre Werkstatt und der Abschleppdienst gingen gut, daher sah sie keine Schwierigkeit, selbst für die Kaution aufzukommen.

„Ich werde mich um die Kautionssumme kümmern“, erklärte Peyton. „Ich kann doch wohl sicher sein, dass du die Staaten nicht verlässt?“ Die Andeutung eines Lächelns erschien um seine Mundwinkel.

Wie sehr Holly seinen Mund liebte! Sie hatte endlose Stunden damit verbracht, sich auszumalen, wie es wäre, diesen Mund zu küssen. Sie bemühte sich erst gar nicht, ihre Erleichterung darüber, dass er nicht mehr so sehr wütend auf sie war, zu verbergen. Lächelnd erwiderte sie: „Ich werde nicht einmal den Bundesstaat verlassen.“

„Gut.“ Peyton nahm seine Aktentasche und ging zur Tür, während er im Stillen über seine Nachgiebigkeit fluchte. Ganz gleich, wie oft Holly ihm Probleme aufhalste, nie konnte er lange wütend auf sie sein. Trotz ihrer Unabhängigkeit und ihres Selbstbewusstseins war sie eine weichherzige verletzliche Frau – zumindest irgendwo unter dem ölverschmierten Äußeren, der jungenhaften Frisur und ihrer ärgerlichen Art, sich für alles verantwortlich zu fühlen.

„Ach, Peyton, würdest du bitte beim Tierheim vorbeifahren und Salomon abholen?“, rief Holly ihm noch schnell hinterher. „Susan wollte sich dort so lange um ihn kümmern, bis die Dinge hier geklärt sind.“

„Wir werden ihn erst abholen, wenn du entlassen bist.“ Peyton blieb in der Tür noch einmal stehen, drehte sich um und betrachtete Holly von Kopf bis Fuß. „Wie, zum Teufel, kann eine kleine Frau wie du so viele miese Kerle in dieser Gemeinde gegen sich aufbringen und mir nichts als Scherereien machen?“

Ehe Holly darauf etwas erwidern konnte, hatte er die Tür schon hinter sich geschlossen. Vermutlich sollte sie dankbar sein, dass er überhaupt gekommen war. Schließlich schuldete er ihr nichts. Nur weil sein Vater, der alte Senator Rand, mit ihrem Großvater gemeinsam zum Fischen gegangen war und ihre Brüder und Peyton befreundet gewesen waren, hieß das noch lange nicht, dass Peyton für Holly verantwortlich sein musste. Doch seit ihre Brüder Jake, Hank und Caleb einer nach dem anderen Crooked Oak verlassen hatten, war Peyton Hollys Schutzengel geworden, stets nur einen Anruf weit entfernt. Natürlich schäumte er jedes Mal vor Wut und drohte ihr an, dass er ihr zum allerletzten Male geholfen hätte.

„Komm, Holly, ich bringe dich wieder in die Zelle, bis Mr. Rand zurück ist.“ Wanda Simple, die zusammen mit Hollys Bruder Jake die Highschool absolviert hatte, war eine alte Bekannte von ihr.

„Was meinst du, ist Clayburn Proctor wohl einverstanden mit einer Kaution, damit ich heute noch hier rauskann?“, fragte Holly.

„Ach, du weißt, wie viel Richter Proctor von dir hält. Seit du seinem Enkel bei diesem Unfall das Leben gerettet hast, bist du für ihn die Größte.“ Wanda legte ihr die Hand auf den Rücken und führte sie durch den Gang zu den Gefängniszellen. „Außerdem, wer kann schon Peyton Rands Charme widerstehen?“

Holly hielt still, während Wanda ihr die Handschellen abnahm. „Ja, du hast recht. Peyton ist ebenso redegewandt wie sein Daddy es war. Er ist der geborene Politiker.“

„Warum hast du bloß noch nichts unternommen? Jeder hier weiß doch, dass du verrückt nach ihm bist. Und jeder weiß, dass er ständig so tut, als wäre er dein Ritter in schimmernder Rüstung.“

„Er hält mich bloß für eine Plage. Außerdem bin ich wohl kaum eine Frau nach seinem Geschmack, und noch weniger bin ich das, was er braucht.“ Holly trat in die Mitte der Zelle, breitete die Arme aus und drehte sich langsam im Kreis. „Sieh mich nur an. Ich bin ein Mädchen vom Lande. Was ich brauche, ist ein Mann mit Schwielen an den Händen und Staub an den Stiefeln, und keinen reichen Anwalt, der dazu noch Gouverneur werden will.“

„Du siehst aber gut aus.“ Wanda betrachtete Holly von oben bis unten. „Hm, du könntest dich vielleicht ein bisschen besser zurechtmachen, aber bei deinem Gesicht und deiner Figur dürfte das nicht allzu schwer sein. Und diese Unterschiede zwischen dir und Peyton Rand müssen nicht unbedingt bedeuten, dass ihr nicht zueinanderpasst. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an.“

„Wanda, ein Mann, der auf dem besten Weg ist, Gouverneur zu werden, wird wohl kaum eine Liebesaffäre mit einer Frau anfangen, die einen Abschleppdienst führt, nur das Vorstudium absolviert hat und im Übrigen ständig in Schwierigkeiten steckt, weil sie es nicht lassen kann, sich in die Angelegenheiten anderer einzumischen.“

„Aber wenn du nicht bald etwas unternimmst, wirst du ihn wahrscheinlich für immer verlieren“, prophezeite Wanda düster. „Er trifft sich jetzt schon seit drei Monaten mit dieser Donna Fields. Du weißt, ihr Großvater war Gouverneur, und ihr Onkel ist Bundesrichter.“

„Donna Fields passt nun einmal besser zu ihm als ich. Sie würde die perfekte Ehefrau für ihn abgeben.“ Es fiel Holly schwer, das einzugestehen, aber es entsprach nun einmal der Wahrheit. Donna Fields war die Traumfrau für einen Politiker, Holly Bishop dagegen eher der Albtraum.

Peyton saß bequem in den Lederpolstern seines luxuriösen dunkelblauen Jaguars, während er in das Mobiltelefon sprach. Lässig schnippte er die Asche seiner Zigarre in den Aschenbecher.

„Sie hat sich noch nie zuvor in derartige Schwierigkeiten gebracht, Clayburn. Sie war davon überzeugt, das Richtige zu tun.“

„Ich weiß“, erwiderte Richter Clayburn Proctor. „Holly hat ein gutes Herz. Sie handelt lediglich immer wieder unüberlegt. Ich habe keinerlei Bedenken, für sie eine Kaution festzusetzen. Es wäre sinnlos, sie über Nacht im Gefängnis zu lassen. Aber um eine Anklage kommen wir nicht herum. Da Sheriff Lowell sie jedoch nur wegen tätlichen Angriffs belangen will, kann ich den Fall übernehmen, vorausgesetzt, sie bekennt sich schuldig. Es besteht kein Grund, die Sache vor ein Geschworenengericht zu bringen.“ Clayburn lachte. „Trotzdem wette ich, dass die Geschworenen sie freisprechen würden, wenn es so weit käme. Ich weiß, sie hat das Gesetz gebrochen, aber bei Gott, es war seit Langem fällig, dass irgendjemand etwas gegen Cliff Nolan unternimmt. Wenn nur seine Frau endlich Anzeige gegen ihn erstatten würde.“

„Danke für dein Verständnis, Clayburn.“ Peyton hatte keine Zweifel gehabt, dass der Richter alles tun würde, um Holly zu helfen. Tatsache war, dass es kaum jemanden im ganzen Bezirk gab, besonders in Crooked Oak, der sich nicht für Holly Bishop ins Zeug gelegt hätte. Beinahe jeder mochte sie. Er kannte niemanden, der so sehr um jede lebende Kreatur besorgt war, und wahrscheinlich war dies auch der Grund, warum er es bisher nicht geschafft hatte, die Verbindung zu ihr abzubrechen.

„Wer wird für Holly die Kaution stellen?“, wollte Clayburn wissen.

„Ich.“ Peyton lachte. „Sie hat mir versprochen, dass sie das Land nicht verlässt.“

„Nun, da du die Kaution stellst, würde ich sagen, eintausendsechshundertachtundsiebzig Dollar sind eine faire Summe. Meinst du nicht auch?“

Peyton zog an seiner Zigarre und blies einen Rauchring aus. Dieser gewiefte Bursche! Der Richter hatte eine merkwürdige Art von Humor. Wer hatte je von einer so seltsamen Kaution gehört? „Das ist eine ziemlich krumme Summe“, sagte er dann auch.

„Irgendwie fiel mir genau dieser Betrag ein. Anscheinend bringe ich eintausendsechshundertachtundsiebzig Dollar mit dir in Verbindung.“

„Könnte es nicht sein, dass es sich hierbei um exakt die Summe handelt, die du bei unseren netten kleinen Pokerrunden an mich verloren hast?“

„Wäre möglich.“

„Clayburn, du wirst das Geld nicht behalten können, denn Holly wird die Kaution nicht verfallen lassen.“

„Nicht absichtlich“, erwiderte der Richter gut gelaunt. „Aber wie ich sie kenne, fährt sie ohne nachzudenken mit ihrem Abschleppwagen über die Staatsgrenze, und schon verfällt die Kaution.“

Clayburn Proctor war ein listiger alter Fuchs, dem derartige Spielchen Freude bereiteten. „Das würdest du Holly nicht antun“, meinte Peyton.

„Vermutlich nicht“, gab Clayburn zu. „Wir erliegen wohl beide dem Charme dieses Mädchens, nicht wahr?“

„Du vielleicht, aber ich verdammt noch mal nicht!“ Peyton war noch nie einer Frau erlegen, und schon gar nicht Holly Bishop. Sie war einen Meter sechzig purer Ärger. Sie war eine Plage, seit er sie kannte. Schon als Kind war sie ihm und ihren Brüdern zum Fischen und Jagen nachgelaufen. Und als sie sechzehn wurde und für ihn zu schwärmen begann, hatte sie ihn fast zum Wahnsinn getrieben, bis er ihr schließlich deutlich machte, dass nie etwas zwischen ihnen sein würde.

„Protestiere nicht so heftig“, meinte Clayburn. „Sonst könnte man glatt denken, du hättest etwas zu verbergen.“

„Nochmals danke, dass du eine Kaution festgesetzt hast, egal, wie seltsam der Betrag ist“, lenkte Peyton schnell vom Thema ab. Er war nicht an Holly Bishop interessiert, vor allem nicht so, wie Clayburn es andeutete. Sie waren ja kaum miteinander befreundet. Er versuchte lediglich, ihren Brüdern zuliebe auf sie aufzupassen. Irgendjemand musste das ja tun. Mehr steckte absolut nicht dahinter.

Peyton stand in der Tür zum Büro des Tierheims, während er zusah, wie Holly mit der Leiterin Susan Williams an den Käfigen vorbeiging. Vor dem Käfig, in dem sich Salomon befand, blieben sie stehen. Aufgeregt und voller Freude sprang das riesige Tier an der Gittertür hoch.

Kaum hatte Susan den Käfig geöffnet, warf Salomon sich mit einem Satz auf Holly. Liebevoll umarmte sie ihn. „Hast du schon gedacht, du müsstest für immer hierbleiben?“ Ihre Stimme klang so sanft wie die einer Mutter, die zu ihrem Kind spricht. „Peyton und ich sind gekommen, um dich nach Hause zu holen. Aber du musst dich wirklich benehmen, denn wir fahren mit seinem Jaguar.“

Oh Schreck, daran hatte er gar nicht gedacht, als er sich so großzügig anbot, Holly und Salomon nach Hause zu fahren. Der Hund war so groß wie ein Pony. Peyton hätte sich die Haare raufen können. Warum hatte er sie nicht ein Taxi rufen lassen? Warum musste er sich wieder einmal selbst darum kümmern, dass sie wohlbehalten zu Hause ankam?

„Wo ist eigentlich dein Abschleppwagen?“, erkundigte sich Susan, als sie an Peyton vorbei wieder ins Büro gingen.

„Mike hat ihn bei den Nolans abgeholt und zurück zur Werkstatt gefahren. Wir wussten ja noch nicht, ob ich die Nacht im Gefängnis bleiben müsste.“ Lächelnd warf sie Peyton einen Blick zu. Dann wandte sie sich wieder an Susan. „Ich bin dir wirklich dankbar, dass du dich um meinen Hund gekümmert hast.“

„Das war doch das Mindeste, was wir für unsere beste freiwillige Helferin tun konnten“, erwiderte Susan. „Mr. Rand, wir sind froh, dass es Ihnen gelungen ist, Holly so schnell aus dem Gefängnis freizubekommen. Ich kann gar nicht glauben, dass sie vor Gericht gestellt wird, nur weil sie einen Jungen und dessen kleinen Hund beschützt hat.“

„Immerhin hat sie auf einen Mann geschossen.“ Peyton wusste, es war zwecklos, eine von Hollys Bewunderinnen auf ihr Vergehen hinzuweisen. „Ich bin aber überzeugt, dass Richter Proctor ein mildes Urteil fällen wird, sobald ich ihm die Beweislage klargemacht habe.“

„Das sollte er auch“, meinte Susan. „Ich wünschte nur, er könnte Loretta dazu bringen, Cliff Nolan mitsamt den Kindern zu verlassen. Denn falls sie es nicht tut, wird er sie eines Tages noch alle umbringen.“

„Wir sollten jetzt gehen“, drängte Peyton. „Ich habe mir zwar den ganzen Nachmittag freigenommen, aber ich habe heute Abend in Marshallton eine Verabredung zum Dinner.“

„Sicher.“ Holly umarmte Susan kurz. „Vielen Dank noch mal. Komm, Salomon.“

Gerade als sie alle das Büro verlassen wollten, klingelte das Telefon. Susan nahm den Hörer ab und gab den beiden mit Zeichen zu verstehen, dass sie ruhig schon vorgehen sollten. Doch noch bevor Holly und Peyton bei seinem Wagen angelangt waren, erschien Susan in der Tür und rief Holly zu: „Kannst du bitte noch einmal herkommen? Ich muss kurz mit dir sprechen. Es ist wichtig.“

Holly blickte Peyton fragend an. „Macht es dir was aus? Ich verspreche dir, mich zu beeilen.“

„Zwei Minuten“, erklärte er und sah auf seine Rolex.

„Bleib schön hier, Salomon“, befahl Holly und lief zurück zum Tierheim.

Peyton lehnte sich gegen sein Auto und versuchte sich ein wenig zu entspannen. Nach einer Weile langte er in seine Jackentasche, holte eine Sonnenbrille hervor und setzte sie auf. Dann verschränkte er die Arme vor der Brust.

Er hatte für diese Verzögerung keine Zeit, egal, was der Grund dafür war. Seine Sekretärin hatte schon für den Nachmittag alle Termine absagen müssen, weil er nicht wusste, wie lange die erneute „Rettungsaktion“ für Holly dauern würde. Doch heute Abend war er mit Donna Fields zu einem Dinner beim Bürgermeister von Marshallton eingeladen. Bei dieser Gelegenheit wollte Peyton seinem alten Freund verraten, dass er beabsichtigte, bei der nächsten Wahl für das Amt des Gouverneurs zu kandidieren.

Peyton beobachtete Holly. Die Spätnachmittagssonne schien auf ihr schwarzes Haar, sodass es blauschwarz schimmerte. Sie trug die gelockten Haare beinahe jungenhaft kurz, doch an ihrem femininen Gesicht, den langen dichten Wimpern und den vollen pinkfarbenen Lippen war überhaupt nichts Jungenhaftes. Verdammt, warum hatte sie nicht mager und flachbrüstig bleiben können, so wie sie es mit sechzehn gewesen war, als sie ihm ihre unsterbliche Liebe gestand? Irgendwann zwischen ihrem sechzehnten und achtzehnten Lebensjahr war Holly Bishop aufgeblüht, und ihr Körper hatte sich an all den richtigen Stellen gerundet.

Peyton fiel auf, wie knapp die Jeans an ihren Hüften und Beinen saß. Sie trug ein ölverschmiertes kurzärmeliges Hemd, das nur hinten im Hosenbund steckte, und darunter ein ausgewaschenes gelbes T-Shirt, unter dem sich ihre vollen Brüste abzeichneten. Bei einer weniger ausgestatteten Frau hätte die Kleidung sicher männlich und schlampig gewirkt. An Holly jedoch wirkten diese Sachen ausgesprochen sexy. Und das war genau ihr Problem. Seit acht Jahren gafften die Männer sie an, obwohl sie sich wie ein Wildfang benahm. Sie hatte sich die Jungs aussuchen können und war mit jedem Tom, Hank, Dick und Harry der Gegend ausgegangen. Und mehr als einmal hatte sie sich gegen einen übereifrigen Verehrer zur Wehr setzen müssen. Holly schien Ärger geradezu anzuziehen.

Aber es waren nicht nur die Männer, die eine Abfuhr nicht akzeptieren wollten, es war Hollys ständige Einmischung in das Leben anderer. Peyton musste zugeben, dass sie eine gute Bürgerin war. In ihrer Freizeit arbeitete sie bei der freiwilligen Feuerwehr und im Tierheim. Aber leider siegte ihre engagierte Art zu oft über ihre Vernunft. Was das Beispiel Cliff Nolan bewies. Es gab allerdings noch genug andere Beispiele. Ihre Liebe zu den Tieren hatte ihr Ärger mit Lobo Smothers eingebracht, einem Farmer, der unter dem Verdacht stand, illegal zu jagen und Fallen aufzustellen. Holly hatte bereits alles Mögliche unternommen, um die Behörden zu unterstützen und Lobo Smothers ins Gefängnis zu bringen. Unnötig zu sagen, dass Holly und Lobo nicht gerade die besten Freunde waren. Dann waren da noch ihre endlosen Bemühungen, missbrauchte Frauen dazu zu bringen, ihre Ehemänner zu verlassen und ein neues Leben zu beginnen. Cliff Nolan war nicht der einzige Mann in Crooked Oak, der mit Holly noch ein Hühnchen zu rupfen hatte.

Was, um alles in der Welt, sollte er machen, falls er sich tatsächlich dazu entschloss, für das Amt des Gouverneurs zu kandidieren? Diese Frau würde sich niemals ändern, und sein Name in Verbindung mit einer ihrer wilden Heldentaten konnte seinem Image schaden.

Sein Image? Sein Vater hatte sich stets um das Image der Familie Rand gesorgt, und das war etwas, wofür er ihn verachtete. Würde er immer mehr seinem Vater, Senator Marshall Rand, ähnlich werden, falls er sich dazu entschloss, in die Politik zu gehen? Sein Vater war als einsamer unglücklicher Mann gestorben. Peyton wollte nicht so enden.

„Wir können fahren!“, rief Holly und kam auf ihn zu.

Er starrte ihr gedankenverloren entgegen, und erst als sie vor ihm stand, wurde ihm bewusst, dass sie etwas gesagt hatte. „Hast du mit Susan alles besprochen?“, erkundigte er sich.

„Oh … ja … es ging nur um das Tierheim.“ Sie öffnete die Beifahrertür, befahl Salomon einzusteigen und glitt ebenfalls auf den Sitz.

Die Art, wie sie ihm geantwortet hatte, gefiel Peyton nicht. Irgendetwas verheimlichte sie. Holly war so verdammt ehrlich, dass man es ihr immer ansehen konnte, wenn sie zu lügen versuchte. Pinkfarbene Punkte erschienen dann auf ihren Wangen. Peyton stieg in den Jaguar und startete den Motor. „Was habt ihr über das Tierheim besprochen?“

Autor

Beverly Barton
Beverly Barton hat eine Schwäche, für Bad Boys, Männer mit kleinen Fehlern. In ihrer Kindheit schwärmte sie für „Die Schöne und das Biest“ – genauer gesagt, für das Biest. „Alle meine Lieblingsmänner sind stark, dominant und sehr maskulin. Aber am allerwichtigsten ist, dass sie ein Herz aus Gold haben“, erläutert...
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