Rasanter Flirt in Monte Carlo

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Monte Carlo ist im Rennfieber – der Grand Prix der Formel 1 findet statt! Olivia ist das egal. Sie ist nur in der aufregenden Stadt an der Riviera, weil ihre beste Freundin dort heiratet. Die Superstars der F1-Welt kennt sie nicht, viel interessanter findet sie den rätselhaften, umwerfend attraktiven Griechen, dem sie im Hotel begegnet. In Nikos’ Blick liegt ein pikantes Versprechen, das sie unbedingt einlösen will. Jede Sekunde zählt! Denn nach dem Wochenende muss Olivia zurück nach New York – und den rasanten Flirt vergessen …


  • Erscheinungstag 09.06.2026
  • Bandnummer 122026
  • ISBN / Artikelnummer 0800262757
  • Seitenanzahl 144

Leseprobe

Lynne Graham

Nur eine Nacht mit dem griechischen Milliardär?

1. KAPITEL

Aristide Romanos, ein milliardenschwerer Unternehmer, war erleichtert, als sein persönlicher Assistent Georgio es schaffte, ihm ein kleines Lächeln von seinem Krankenhausbett aus zuzuwerfen. „Nur noch einmal röntgen, dann werde ich gehen, Sir.“

Aristide zuckte zusammen. Er war nicht immer ein sehr rücksichtsvoller Arbeitgeber, aber selbst er würde einen Angestellten mit einem gebrochenen Knöchel nicht aus dem Krankenhaus zerren. „Nein, das werden Sie nicht. Sie bleiben, bis Ihnen ein Arzt sagt, dass Sie gehen können. Und dann auch nur, um ins Hotel zurückzukehren, um sich dort auszuruhen.“

Bei einem Autounfall auf dem Parkplatz des Flughafens war das gesamte Team von Aristide verletzt worden. Drei hatten ein Schädel-Hirn-Trauma, einer einen gebrochenen Arm und ein Weiterer eine Reihe unterschiedlicher Verletzungen. Georgio war derjenige, den es am wenigsten hart getroffen hatte.

„Aber Sir, was werden Sie ...?“

„Ich werde weiterfahren zu Traxis.“ Aristide hielt inne, amüsiert über Georgios ungläubigen Blick. „Ich komme durchaus allein zurecht, werde mich umsehen und mich mit dem Führungspersonal treffen. Morgen wird ein weiteres Team ankommen, um mir zu assistieren. Entspannen Sie sich, Georgio. Sie haben bezahlten Krankenurlaub.“

Aristide wusste, dass sein persönlicher Assistent es genauso schwer fand wie er selbst, sich zu entspannen. Ohne auf die Blicke der weiblichen Angestellten zu achten, marschierte er aus der Privatklinik, stieg wieder in seine Limousine und erklärte seinem Chauffeur, wohin er wollte. Ein weiterer Tag mit einer weiteren Übernahme eines Unternehmens, überlegte er. Wobei die Arbeit unbestreitbar für ihn die Würze des Lebens darstellte.

Er überflog die Nachricht einer früheren Liebhaberin und bat sie, ohne eine Sekunde zu zögern, seine Nummer zu löschen. Er war erst achtundzwanzig und wärmte nichts auf, was in die Vergangenheit gehörte. Und das würde er auch in Zukunft nicht tun. Sex war nur Sex, eine Notwendigkeit für einen Mann. Ein Wochenende, mehr war bei ihm nicht drin. Er war ein schamloser Playboy, geformt durch das Verhalten seines Vaters, der Frauen nie hatte widerstehen können. Ex-Frauen, Ex-Partnerinnen und abgelegte Liebhaberinnen und Kinder pflasterten den Weg seines Vaters.

So eine Vergangenheit hinterließ Narben, dessen war Aristide sich bewusst. Und er wollte kein Drama in seinem Leben, keine gebrochenen Herzen, keine Vorwürfe, untreu zu sein, keine Eifersuchtsszenen, keinen Betrug und keine Lügen. Aristide konnte sich nicht vorstellen, dass es nur eine Frau in seinem Leben geben würde, und ein Kind zu zeugen, darauf war er noch weniger scharf. Also würde er seinen Reichtum denjenigen Verwandten hinterlassen, die ihm am nächsten standen.

Einen Monat später

Tabby starrte mit großen Augen auf den Test. Schock erfasste sie, und ihr wurde eiskalt. Sie war schwanger! Tief atmete sie durch, um den Schwindel niederzuringen. Wie, in alter Welt, hatte sie so dumm sein können? So leichtsinnig? Ausgerechnet sie, die sich ihrer Intelligenz und Selbstdisziplin rühmte, hatte gerade ihr eigenes Leben und das ihrer armen Schwester völlig vermasselt. Auf den letzten Drücker würde sie nun von dem Ehevertrag abspringen, und ihre Zwillingsschwester Violet würde ihren Platz einnehmen müssen.

Und das war nur einer von mehreren Fehlern, die sie gemacht hatte, wie sie unglücklich erkannte. Sie hatte alles so sehr vermasselt, dass sie sich furchtbar vor sich selbst schämte. Jetzt würde sie auch noch ein Kind haben, das sie allein aufziehen müsste, ein Baby, das völlig abhängig von ihr sein würde, obwohl sie derzeit zu nichts taugte.

Wie, in aller Welt, hatte sie es geschafft, so tief zu sinken, und so schnell?

Erinnerungen kehrten zurück, wie eine Serie von Episoden aus einer Seifenoper des Grauens ...

Alles hatte begonnen mit der Krankheit ihrer Mutter Lucia. Krebs, ein jahrelang schleichender Prozess, und plötzlich war es ernst geworden für ihre geliebte Mutter. Ihre einzige Hoffnung, überleben zu können, war ein neues Medikament, das in einer Versuchsreihe in den USA getestet wurde. Aber es kostete Geld, an diesem Versuch teilnehmen zu können, und überschüssiges Geld hatten Lucia und ihre beiden Töchter noch nie gehabt.

Tatsächlich war der einzige reiche Mensch, den sie kannten, oder besser gesagt kaum kannten, ihr Großvater, Tomaso Barone. Ein hartherziger Mann, der sich von ihrer Mutter losgesagt hatte, als die sich als Teenager entschlossen hatte, den falschen Mann zu heiraten. Und bedauernswerterweise war ihr Vater, Sam Blessington, tatsächlich der völlig falsche Mann gewesen. Ein nichtsnutziger Künstler mit einer Vorliebe für Alkohol, Gewalt und andere Frauen, der nicht das geringste Interesse an seinen Töchtern hatte. Ihre Kindheit war eine Abfolge ernüchternder Erfahrungen gewesen. Gerichtsvollzieher, Obdachlosigkeit und Hunger. Einige Male hatte Lucia ihren Vater gebeten, ihnen zu helfen. Aber nicht ein einziges Mal hatte er sich für sein einziges Kind eingesetzt, mit dem er sich zerstritten hatte. Deshalb waren Violet und Tabby nicht sehr optimistisch gewesen, als sie ein Treffen mit Tomaso vereinbart hatten, um ihn wegen der Behandlung ihrer Mutter um finanzielle Unterstützung zu bitten.

Es war ein riesiger Schock, als Tomaso sie über seinen großen Schreibtisch hinweg ansah und meinte: „Ja, diesmal werde ich eurer Mutter helfen ... wenn eine von euch im Gegenzug etwas für mich tut.“

„Alles, was du willst?“, sagten Tabby und Violet wie aus einem Mund, obwohl sie keine Ahnung hatten, was er damit meinte: eine Ehe mit dem Mann, der das Unternehmen seines alten Rivalen geerbt hatte und mit dem er nun ein Geschäft machen wollte.

„Da deine Schwester ein Kind hat, wirst du diejenige sein, Viola, die sich diese wunderbare Gelegenheit nicht entgehen lassen wird“, erklärte ihr Großvater. Er war sich nicht einmal bewusst, dass sie Tabitha genannt wurde, weil ihr stets betrunkener Vater es verpfuscht hatte, ihre Geburtsnamen richtig eintragen zu lassen. Auf dem Papier hieß sie Viola Tabitha, aber tatsächlich wurde sie immer bei ihrem Zweitnamen gerufen.

Natürlich war ihnen nichts anderes übrig geblieben als zuzustimmen, um an das überlebenswichtige Geld für ihre Mutter zu gelangen. Allein die Vorstellung, dass seine Enkelin den superreichen Erben von Renzetti Pharmaceuticals heiraten und das fortführen würde, was er für sein Vermächtnis hielt, erfreute den älteren Mann. Weder Violet noch Tabitha waren auf den Gedanken gekommen, dass er sich um sein Versprechen drücken würde, als es schließlich darum ging, ihnen das Geld zu geben, mit der Ausrede, sie müssten noch darauf warten.

Doch sie hatten keine Zeit zu warten, weil ihre Mutter so krank war. Stattdessen hatte Tabby die Anwälte ihres zukünftigen Ehemannes um eine Geldsumme vor der Hochzeit gebeten, als Voraussetzung dafür, dass sie den Ehevertrag unterschrieb. Im Gegenzug wurde sie darum gebeten, die fünfjährige Ehedauer auf drei zu reduzieren. Natürlich war sie einverstanden, weil sie ihr eigenes Leben nicht länger als notwendig eingeschränkt wissen wollte.

Dass sie zugestimmt hatte, einen Mann zu heiraten, der sich nicht einmal die Mühe machen wollte, sie vor der Hochzeit kennenzulernen, hatte Tabby verrückt gemacht. Es hatte sich angefühlt, als wäre sie nicht länger Herrin über ihr eigenes Leben. Sie würde einen Fremden heiraten, in seinem Haus leben und alles hinnehmen müssen, was er ihr vor die Füße werfen würde, in diesen endlos langen drei Jahren. Straflager klang reizvoller als das, vor allem als sie die Klausel gelesen hatte, die sich auf ihr persönliches Verhalten bezog und ausschloss, dass sie sich mit anderen Männern treffen oder in irgendeiner Form eine Beziehung mit ihnen aufnehmen durfte.

In Tabbys Leben hatte es noch nie einen Mann gegeben, den sie gewollt hätte. Ihr Vater hatte ihr das männliche Geschlecht für immer madig gemacht, trotzdem gefiel es ihr nicht, mit fast zweiundzwanzig immer noch Jungfrau zu sein. Für sie war richtiger Sex ein Übergangsritus zum Erwachsenwerden, und sie wollte nicht noch drei Jahre auf diese Erfahrung warten. Es war eher etwas Körperliches, nichts, um das man großes Theater machen musste, entschied sie in ihrer Unwissenheit.

Dieser Entschluss hatte dazu geführt, dass sie nun ungeplant ein Kind erwartete. Dabei sollte es etwas sein, worüber man sich freute, und sie machte ihn dafür verantwortlich, dass sie es nicht konnte. Denn er hatte ihr vorgehalten, sie hätte versucht, ihn in eine Falle zu locken, als das Kondom riss. Welcher Teufel hatte sie eigentlich geritten zu glauben, sie könnte einen unkomplizierten One-Night-Stand haben, so wie andere Frauen auch? Für sie war es jedenfalls gründlich schiefgegangen, und sie gab ihrer Unerfahrenheit die Schuld, und dass sie so dumm gewesen war, mit so einem schrecklichen Mann ins Bett zu gehen.

An dem Tag, als es passierte, hatte sie keine Ahnung gehabt, was noch vor ihr liegen würde. Im Rahmen ihres Aushilfsjobs bei einer großen Versicherungsgesellschaft hatte sie eine normale Schicht angetreten. Sie arbeitete für Ed Stokes, der sich zwar als Führungskraft im Unternehmen nicht gerade mit Erfolgen hervortat, aber trotzdem in enger Beziehung zu dem CEO stand, der sich nie in der Firma blicken ließ.

„Julian“, auch bekannt als CEO von Traxis, „hat vorgeschlagen, dass ich mich um den Kerl von der Wirtschaftsprüfung kümmere, der kommen will“, erklärte Ed. „Aber ich möchte, dass Sie das für mich übernehmen, weil Sie einen Abschluss in Buchhaltung haben und ich für den Vertrieb zuständig bin.“

Es hatte keinen Sinn, Ed daran zu erinnern, dass Tabby Buchhaltung hasste und sich deshalb lieber mit allgemeinen Büroarbeiten befasste. Ed war ihr Vorgesetzter, und solange sie all die Dinge erledigte, die den sanftmütigen, in Gesellschaft ungeschickten Ed verunsicherten, wie zum Beispiel neue Leute zu treffen oder sich mit Führungspersonal auseinanderzusetzen, hatte sie einen leichten Job. Er gab alles, was ihm nicht lag, an Tabby ab und kam auch damit durch, weil er mit dem großen Boss auf Du und Du war.

Tabby hatte am Empfang auf die Ankunft des Wirtschaftsprüfers gewartet. Sie kannte nur den Namen der Gesellschaft, für die er arbeitete. Millwrigth und Söhne.

Ein hoch gewachsener, eindrucksvoller Mann mit kurzen, schwarzen Locken kam herein. Die Rezeptionistin begrüßte ihn, während Tabby ein wenig nervös am Empfang neben ihr stand und den Neuankömmling betrachtete. Den eleganten, maßgeschneiderten schwarzen Anzug, die Seidenkrawatte und das sorgfältig geknöpfte Hemd. Sie musste den Kopf in den Nacken legen, um verstohlenen einen Blick auf sein attraktives, bronzefarbenes Gesicht werfen zu können.

„Mr. Millwright?“, fragte die Rezeptionistin zögernd.

Sein Prüfungsteam aus London, auf das sie Bezug nahm, würde erst am nächsten Tag eintreffen. „Nein, ich bin Aristide Romanos“, erklärte er.

„Tabitha Blessington, Mr. Romanos ...“, warf eine andere Frau ein, und er wandte sich der Sprecherin zu. „Mein Chef hat mich gebeten, Ihnen alles zu zeigen.“

Aristide war verblüfft, dass der CEO nicht da war, um ihn zu begrüßen, aber als Mann war er sofort gefangen von dem engelhaft blonden Haar der Sprecherin. Aristide mochte Blondinen, schon immer, aber selten hatte er eine getroffen, die so schön war und die nicht zu tief in den Schminktopf gegriffen hatte. Sie hatte makellose, schimmernde Haut wie feines Porzellan, und auf ihren vollen, sinnlichen Lippen fand sich kein Hauch von Lippenstift. Und erst ihre großen blauen Augen, die perfekt geschnittenen Gesichtszüge und die Mähne hellblonder Haare. Sie wirkte unverdorben, eine neue Erfahrung für ihn, was sein Interesse weckte, das gewiss genauso flüchtig wie immer sein würde, wie er mit einer Überheblichkeit annahm, die auf zahllose, zu bereitwillige Damen in seiner Vergangenheit zurückzuführen war.

Er betrachtete sie nicht als eine Angestellte. Ihm gehörten Dutzende von Unternehmen. Er übernahm sie und schaffte deren Probleme aus der Welt, ehe er zuverlässige Führungskräfte einsetzte. Vielleicht würde er Traxis Insurance nie wieder einen Besuch abstatten, deshalb sah er sich an keine Regeln dieses Arbeitsplatzes gebunden.

„Miss Blessington“, sagte Aristide, während sie ihm eine zarte Hand entgegenstreckte, die er mit seiner deutlich kräftigeren ergriff. Der Größenunterschied entlockte ihm ein amüsiertes Lächeln. Die Frau war klein und nicht so kurvig, wie er es sonst bevorzugte, doch das tat seinem Interesse keinen Abbruch.

„Tabitha ... oder ... Tabby reicht“, hörte sie sich stottern und glaubte zu träumen, denn er war der bestaussehende Mann, dem sie je begegnet war. Sie war überwältigt von seiner Ausstrahlung. Als wäre das nicht schon schlimm genug gewesen, verspürte sie einen Stromschlag, als ihre Finger sich leicht berührten. Sie zog die Hand zurück und ließ den Arm sinken.

„Wo würden Sie gern beginnen, Mr. Romanos?“, fragte sie zittrig, ohne ihn noch einmal anzusehen.

Als sie eben in seine dunklen Augen geblickt hatten, wirkten sie zunächst so undurchdringlich wie schwarzes Glas, um dann wie leuchtendes Gold im Sonnenlicht zu strahlen. Als sich ihr Hirn dann wieder eingeschaltet hatte, merkte sie, dass er sie grübelnd ansah. Sie hatte Sorge, ihn unangemessen begrüßt oder etwas getan zu haben, was ihn verärgert hatte, und eine unangenehme Anspannung erfasste sie.

„Oberstes Stockwerk, natürlich“, meinte Aristide lakonisch, als er voraus zum Lift ging und etwas ungehalten auf den Knopf drückte. „Erzählen Sie mir ein bisschen über sich ...“

„Ich bin Teilzeitkraft“, gestand Tabby und hoffte, dass jeder Fehler, den sie machen würde, damit entschuldigt wäre. Dieser Mann wirkte so gar nicht wie all die Wirtschaftsprüfer, die sie während ihrer Ausbildung und auch danach kennengelernt hatte. „Ich arbeite in der Vertriebsabteilung als persönliche Assistentin von Mr. Strokes. ...“

„Warum werde ich von einer Teilzeitkraft empfangen?“, fragte Aristide und sah, dass sie rot wurde. Er fragte sich, ob sie beim Sex auch erröten würde, und war entschlossen, es herauszufinden. Schon lange hatte keine Frau mehr so eine Anziehungskraft auf ihn ausgeübt. An das letzte Mal wollte er sich lieber nicht erinnern. Er war jung, gutgläubig und ziemlich naiv gewesen in Bezug auf Frauen und hatte nicht gewusst, wie manipulativ sie sein konnten, wenn der Preis hoch genug war.

„Ich weiß es nicht, Mr. Romanos. Man hat mich nur gebeten, hinunterzukommen. Ich glaube, die Bitte kam von unserem CEO ...“

„Und wie ist er so?“

„Ich habe ihn noch nie getroffen“, entgegnete sie wahrheitsgemäß. „Aber ich glaube, dass er oft Urlaub macht, weil er meinem Vorgesetzten Fotos schickt ... Sie wissen schon, Ski fahren in den Alpen, Tiefseetauchen in der Karibik. Deshalb glaube ich, dass er ein Mann ist, der sich körperlich gern austobt.“

„Wie alle Männer“, meinte Aristide und dachte, dass sie eine gute Informationsquelle abgab, auch wenn es sich nur um Klatsch handelte. „Wie lange arbeiten Sie schon hier?“

„Sechs Monate. Mein Vertrag wird immer wieder verlängert, wahrscheinlich, weil mein Chef mich mag ...“

Eine dunkle Augenbraue schoss nach oben. „Sie mag?“

Tabby wurde rot. „Nicht so, wie Sie meinen, um Gottes willen. Er ist verheiratet, hat kleine Kinder ...“

„Das hält viele Männer nicht davon ab fremdzugehen“, sagte Aristide zynisch. „Mein eigener Vater war dann am glücklichsten, wenn er sich auswärts vergnügen konnte ...“

„Meiner auch“, murmelte Tabby hilflos, denn sie wusste nicht, warum sie über so etwas sprachen, nachdem sie sich gerade erst kennengelernt hatten. Aber seine selbstsichere Haltung ermunterte sie, etwas von sich preiszugeben.

Aristide presste die Lippen aufeinander. Es nervte ihn, dass sie ihn dazu gebracht hatte, etwas derart Persönliches zu erzählen. Er hatte noch nie dazu geneigt, Liebhaberinnen gegenüber Geheimnisse auszuplaudern, sondern zog es vor, für alle ein verschlossenes Buch zu bleiben. Außerdem wollte er keine Gemeinsamkeiten schaffen. Doch Tabby hatte etwas einzigartig Herzliches und Einladendes an sich, und für einen Moment hatte sie ihn seltsamerweise überrumpelt.

„Wo sind die anderen?“, fragte er, als sie oben aus dem Lift stiegen. Er hatte erwartet, dass sich die Führungskräfte hier für seine Ankunft versammelt hätten.

„Sagen Sie mir, mit wem Sie sprechen möchten, dann werde ich die Person holen. Der Leiter der Finanzabteilung sitzt im Stockwerk unter uns“, meinte sie vorsichtig.

Aristide hatte einem Leiter der Finanzabteilung nichts zu sagen, der es nicht in die oberste Führungsriege geschafft hatte, vermutlich wegen mangelnder Tatkraft und Autorität. „Sie könnten mich stattdessen herumführen“, sagte er. „Während Sie mir mehr über sich erzählen.“

Frauen liebten es, über sich selbst zu sprechen, und merkten selten, wie viel sie dabei über sich verrieten. Das hatte er schon als Kind gelernt, als er sich auf immer wieder neue Frauen und deren Regeln hatte einstellen müssen. Es war ihm in Fleisch und Blut übergegangen, die Vorgeschichte einer Frau und ihre Ziele zu erforschen, während er sich in emotionaler Hinsicht zurückhielt. Jetzt musste er nur ein aufmunterndes Wort fallen lassen, schon wusste er über die angeschlagene Gesundheit ihrer Mutter Bescheid, dass ihre Schwester Violet eine Konditorei besaß und ein Pflegekind hatte, das sie adoptieren wollte. Offensichtlich standen sich die beiden sehr nahe, und er fragte sich, wie sich das anfühlen mochte. Er erfuhr, dass sie zur Universität gegangen war, um BWL zu studieren, denn das war ihr als die beste Möglichkeit erschienen, eine anständige Karriere zu machen.

„Aber ich habe es gehasst“, erklärte sie ihm.

„Warum haben Sie dann nicht das Fach gewechselt?“

„Ich hatte für das Jahr damals schon einen Studentenkredit bekommen, und ich wollte nicht noch mehr Schulden aufhäufen, indem ich aussteige, also bin ich dabeigeblieben“, antwortete Tabby. „Aber nachdem ich jetzt arbeite, denke ich, ich hätte wechseln sollen. So ist das Leben, oder nicht? Man hat keine Kristallkugel, um in die Zukunft blicken zu können ...“

„Vielleicht leiten Sie eines Tages Ihr eigenes Unternehmen, dann werden Sie froh darüber sein“, meinte Aristide.

Tabitha zuckte zusammen. Sie war nicht sicher, ob sie das wollte, wusste sie doch, wie hart Violet in ihrem eigenen Betrieb arbeiten musste. Vielleicht würde sie das eines Tages anders sehen, aber mit fast zweiundzwanzig hatte sie noch genügend Zeit, über neue Ziele nachzudenken.

Aristide schlug vor, sich die Büroräume anzusehen, die für ihn vorbereitet worden waren. Sie fuhren einen Stock tiefer und gingen zu dem leeren Büro, das neben dem des Leiters der Finanzabteilung lag. Dann eilte Tabby davon, um ihm etwas zu trinken zu holen. An ihrem Verhalten hatte Aristide nichts auszusetzen, aber ganz sicher war ihr nicht klar, wer er war. Und seltsamerweise freute er sich über ihre Unwissenheit und dass sie nicht mit ihm flirtete, wie alle anderen Frauen es sonst in seiner Gegenwart zu tun pflegten.

Auf der anderen Seite war er wie alle Männer, wie er zynisch einräumen musste. Sie war wunderschön, und er wollte sie. Sie hatte eine natürliche Freundlichkeit, und Aristide war so etwas von Frauen nicht gewohnt. Er fragte sich, ob es einen Mann in ihrem Leben gab. Allerdings hätte er wohl schon mitbekommen, wenn sie in einer Beziehung gewesen wäre, denn Tabby hielt kaum mit etwas zurück.

Sie plauderte einfach munter vor sich hin, und komischerweise irritierte ihn das nicht. Für gewöhnlich plauderte er nicht mit den Frauen, mit denen er ins Bett ging, denn er würde ja danach ohnehin schnell weg sein. Hatte er sich etwas entgehen lassen? Lag es daran, dass sie ein paar Jahre jünger war als die meisten Frauen, mit denen er sonst verkehrte? Was war so anders an ihr? Ihre mangelnde Eitelkeit? Dieses natürliche Lachen? Dieses wohltuende Schweigen, wenn er eine Augenbraue hob und sie ihn fragend ansah, um zu erfahren, was er von ihr wollte? Sie war äußerst professionell und erfreulicherweise dabei nicht unterwürfig.

Tabby kochte in der kleinen Teeküche einen Kaffee. Sie war völlig durcheinander, als wäre sie von einer Lawine überrollt worden. Aristide. Sie war überzeugt, den Mann gefunden zu haben, der geeignet war für einen One-Night-Stand. Er war so schön, dass sie sich zwingen musste, ihn nicht anzustarren. Sie fühlte sich so stark zu ihm hingezogen, wie sie es noch nie erlebt hatte. Er war aufmerksam und an ihr als Mensch interessiert. Und das Beste war, dass er sich vermutlich nur auf der Durchreise befand und sie ihn nie mehr wiedersehen würde, wenn sein Team am nächsten Tag eintraf. Er musste für eine sehr große Firma arbeiten, denn er hatte einen Unfall am Flughafen erwähnt. Und wenn diese Firma sechs weitere Mitarbeiter herbeizaubern konnte, musste sie groß und bedeutend sein.

„Mr. Romanos...“, begann sie und errötete wegen ihrer wirren Gedanken, als sie mit einem Tablett in das Arbeitszimmer zurückkehrte.

„Aristide“, verbesserte er sie zu ihrer Überraschung. „Wollen Sie heute Abend mit mir essen?“

Sie spürte seinen Blick und hob das Kinn. „Ich glaube, das würde mir gefallen ...“

Mir auch, war Aristide versucht zu sagen. Als er sah, wie sie sich mit der Zungenspitze über die Unterlippe fuhr, war er plötzlich so erregt, dass es ihn schockierte. Es gefiel ihm nicht, etwas nicht unter Kontrolle zu haben. Für ihn war es immer nur Sex, nicht mehr. Aber vielleicht ist es das traumhaft dunkle Blau ihrer Augen, das so eine Wirkung auf mich hat, überlegte er und hörte sich selbst die Warnung aussprechen: „Es wird nur eine Nacht sein ...“

Zu seiner Überraschung schenkte sie ihm ein breites Lächeln und nickte. „Perfekt“, sagte sie, während sie ihm Kaffee einschenkte und ihm eine Auswahl an Keksen anbot, was er ignorierte. Wenn doch all ihre Geschlechtsgenossinnen so pragmatisch wären, dachte er, während er sich fragte, wie sie in einer Sekunde so bezaubernd und in der nächsten so kühl und rational sein konnte. Perfekt? Frauen wollten und erwarteten normalerweise sehr viel mehr von Aristide als nur eine Nacht. Tatsächlich setzte es ihm ein wenig zu, dass sie sich damit zufriedenzugeben schien.

Er sah, wie sie drei Kekse hintereinander aß, während er über dieses eigentümliche Verhalten nachdachte. Zwischendurch erzählte sie ihm von dem perversen Angestellten, mit dem keine der jungen Frauen im Lift sein wollte, von der Assistentin der Geschäftsführung, die in ihren Boss verliebt war, und von dem Wachmann mit der kranken Frau, der ihr frisches Gemüse aus seinem kleinen Garten mitbrachte. Namen nannte sie dabei nicht. Trotzdem war sie indiskret, aber herzlich und unterhaltsam, entschied er mit einer Großzügigkeit, die sein Team, das derzeit verletzt darniederlag, erstaunt hätte. Denn Klatsch tolerierte er für gewöhnlich nicht.

Gegen Mittag, nachdem er sogar den Servicebereich im Untergeschoss gesehen hatte, informierte Aristide Tabby darüber, dass er noch woanders ein Meeting hatte, und verabschiedete sich von ihr im Foyer. „Wenn Sie mir Ihre Adresse geben, hole ich Sie heute Abend um acht ab“, sagte er.

Und sie tat es, wobei sie ein wenig ins Stottern geriet, weit aufgeregter bei der Vorstellung, als sie hätte sein sollen. Schließlich wusste keine besser als sie, wie wenig vertrauenswürdig Männer waren. Natürlich gab es Ausnahmen, und sie hatte nicht zugelassen, dass die Grausamkeiten ihres Vaters sie in eine Männerhasserin verwandelt hatten. Hin und wieder hatte sie zwar ein Date gehabt, aber es war nie mehr daraus geworden, weil sie nicht interessiert genug gewesen war oder vermeiden wollte, unerwünschte Gefühle zu entwickeln.

Aber dass sie in sechs Wochen einen Fremden heiraten würde, ohne anschließend ausgehen oder Sex haben zu können, wenn sie wollte, war eine Einschränkung, die sie nicht hinnehmen konnte. Diese Nacht mit Aristide war ihre Entscheidung, ihre Chance, ihr Recht, über ihren eigenen Körper zu entscheiden, solange sie es noch konnte. Auf keinen Fall würde ihr fremder Ehemann ihr erster Liebhaber werden. Nein, um dieses kleine Detail würde sie sich hinter den Kulissen kümmern und noch vor dieser idiotischen Ehe, ohne dass jemand davon wusste.

Und danach würde sie als Frau des reichen Tore Renzetti in der Lage sein, die teure Behandlung ihrer Mutter zu bezahlen, um ihr damit hoffentlich das Leben zu retten. Warum sonst hätte sie dieser Ehe zustimmen sollen, nachdem ihr Großvater sich geweigert hatte, für die Behandlung seiner Tochter zu zahlen? Tabby wusste, dass bei den vielen Krisen, die ihre Mutter in den letzten Jahren durchlitten hatte, durchaus das Risiko bestand, dass es noch weitere geben könnte.

Tabby liebte ihre Mutter, obwohl sie nicht immer eine Mutter gewesen war, die sie als Frau respektieren konnte. Lucia Blessington war ein sehr fürsorglicher, mitfühlender Mensch und hatte ihre Zwillinge immer unterstützt. Auch wenn ihre Töchter eine sehr unglückliche Kindheit gehabt hatten, solange der Vater noch da gewesen war, hatten Tabby und Violet ihrer Mutter verziehen, dass sie ihrem schrecklichen Mann zu viele Chancen gegeben hatte, sich zu läutern.

Nachdem ihre Eltern sich hatten scheiden lassen und sie keinen Kontakt mehr zu Sam Blessington hatten, war ihr Leben ruhiger und friedlicher geworden. Es gab keinen Mann mehr, der betrunken und wütend nach Hause kam, mit seinen Fäusten um sich schlug oder die Einkünfte ihrer Mutter sinnlos verprasste. Nun konnten Tabby und Violet sich darüber freuen, dass ihre Mutter keine schlecht bezahlten Jobs mehr annehmen musste, um sie über Wasser zu halten.

„Julian kommt früher aus seinem Urlaub in Kuba zurück“, informierte Ed sie besorgt, als sie nach dem Lunch zurückkam. „Er hat mir erzählt, dass Traxis übernommen wurde. Wir können nur hoffen, dass es nicht einer dieser Aufkäufer ist, die uns unbedingt alle rauschmeißen und das Unternehmen verscherbeln wollen.“

Als Tabby abends zurück in ihre Wohnung kam, die sie sich mit ein paar anderen Mädchen teilte, steuerte sie sofort ihr Zimmer an und suchte in ihrem Schrank nach etwas Passendem zum Anziehen. Er hatte ziemlich deutlich gemacht, um was es gehen würde, und das war in Ordnung für sie, oder nicht?

Ein Gefühl des Unbehagens warnte sie, dass sie sich nicht so sicher war. Aber nachdem ihr noch kein Mann über den Weg gelaufen war, mit dem sie hätte Sex haben wollen, war Aristide einfach die beste Option, die zur Verfügung stand. Nur darum ging es an diesem Abend.

Es ist wie ein Date, dachte Aristide mit einem Stirnrunzeln, als er duschte. Und Dates waren nicht seine Sache. Was hatte Tabitha Blessington an sich, was ihn so aus dem Gleichgewicht brachte? Normalerweise lernte er Frauen bei Veranstaltungen, geschäftlich oder durch Freunde kennen. Er bat sie nicht, mit ihm auszugehen, sondern nahm sie einfach mit, entweder in ein Hotel oder in eines seiner Anwesen. Eine Einladung zum Dinner gab es vorher nie. Doch er hatte den Verdacht, dass sie Nein sagen würde, wenn er sofort zur Sache kommen würde. Und das hatte er nicht gewollt. Wann war er das letzte Mal so aufgeregt gewesen, bevor er sich mit einer Frau traf? Es entsprach ihm überhaupt nicht.

Als es klingelte, war Tabby angezogen und bereit zum Gehen. Sie trug ein lässiges blaues Minikleid und High Heels. Geschminkt hatte sie sich nicht, denn schließlich war es kein romantisches Date, wie sie sich in Erinnerung rief, als sie die Tür öffnete und sich einem Fremden in mittleren Jahren gegenübersah.

„Mr. Romanos wartet im Wagen auf Sie, Miss Blessington.“

Autor

Elle Brown
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