Verboten und doch so heiß

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Von Maria muss er unbedingt die Finger lassen! Natürlich weiß Alex, dass die Schwester seines besten Freundes tabu ist. Aber wie sie sich auf der Tanzfläche bewegt, ist die pure Verführung! Und auch Maria scheint von seinen heißen Berührungen kaum genug zu bekommen - sie schmiegt sich an ihn, lässt ihre Hüften unter seinen Händen kreisen und gibt sich ganz seinem Rhythmus hin … Als Maria wenig später einen Job in Alex‘ Umfeld bekommt, fällt es ihm immer schwerer, der cleveren Schönheit zu widerstehen. Aber … will Alex das überhaupt?
  • Erscheinungstag 10.07.2020
  • Bandnummer 39
  • ISBN / Artikelnummer 9783745752267
  • Seitenanzahl 208
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Alex Fischer lehnte sich zurück, legte die Arme über die Couchlehne und sah sich eingehend in dem Nachtclub um. Ringsherum Hunderte hinreißender Frauen in High Heels und Minikleidern, mit tollen Frisuren und makellosem Make-up – das würde ein unterhaltsamer Abend werden. Er wandte den Blick von der überfüllten Tanzfläche ab und schaute seinen Freund Gabe an, der ihm hier im VIP-Bereich des SWERVE-Nachtclubs gegenübersaß und ihnen beiden gerade Bourbon einschenkte.

„Danke.“ Alex beugte sich vor, sodass Gabe ihn trotz der Musik verstehen konnte. „Schade, dass die anderen nicht dabei sind.“ Damit meinte er Brett und Rafael, die früher oft mit ihnen durch die Nachtclubs gezogen waren, getrunken und sich mit Mädchen getroffen hatten. Seit sie ihre Frauen kennengelernt und sich in sie verliebt hatten, waren sie nicht mehr bei den Streifzügen der jungen, reichen, gut aussehenden Singles dabei.

„Tja“, Gabe grinste, „seit Brett und Raf gezähmt sind, bleiben nur noch wir beide. Und Alana, wenn sie es mal schafft, vom Di Terrestres loszukommen.“

Alex hob sein Glas und trank, während Gabe in seine Brusttasche griff und sein Smartphone herauszog.

„Verflixt!“, stieß Gabe aus, als er seine Nachrichten checkte.

„Ist was nicht in Ordnung?“

„Nichts Besonderes. Einer meiner Kunden hat nur gerade um“, er schaute auf die Uhr, „Viertel nach neun am Freitagabend ein Problem.“

„Bist du im Dienst?“

„Sind wir das nicht immer?“

Alex runzelte die Stirn. „Ich dachte, wir könnten hier abhängen.“

„Ich auch.“ Gabe sah sich bedauernd im Club um. „Aber ich muss mich noch heute Abend um den Kunden kümmern. Ich schicke dir morgen eine SMS.“ Als Alex sich erhob, winkte Gabe ab. „Warum bleibst du nicht hier? Genieß den Abend, trink den Bourbon und such dir jemanden, der dir dabei hilft. Du wirst ihn doch nicht einfach stehen lassen.“ Mit dem Kinn wies er in Richtung der Tanzfläche und fügte zwinkernd hinzu: „Such dir was Nettes.“

„Na ja, vielleicht.“ Alex setzte sich wieder auf die Ledercouch. Ich könnte Gabes Vorschlag befolgen und eine von den Tussis abschleppen, dachte er, aber ich weiß nicht, ob ich das allein machen möchte. In Gedanken ging er die Liste seiner anderen Freunde durch, alle von der Bruderschaft. Die fünf hatten sich schon im College zusammengetan. Da sie ähnliche Ziele verfolgten, was die Führung von Geschäften in Las Vegas und im Nachtleben betraf, war ihnen rasch aufgegangen, dass sie gemeinsam mehr erreichen konnten. Sie arbeiteten zusammen, und jeder hatte auf seinem Spezialgebiet Erfolg. Den Namen hatte sich Alana ausgedacht, das einzige weibliche Mitglied ihrer Gruppe, im Anklang an die Geschichten über Geheimgesellschaften der Reichen und Mächtigen in diesem Land. Zwar trugen Alex und seine Freunde keine Roben oder führten Rituale durch, aber die fünf von der Bruderschaft arbeiteten bei ihren eng verzahnten Geschäften zusammen und trafen Entscheidungen gemeinsam.

Sie wurden von Ehrgeiz und Erfolg angetrieben, und allmählich fanden die Mitglieder der Bruderschaft die wahre Liebe, wurden sesshaft, heirateten und so weiter. Deshalb waren Brett und Rafael zu Hause bei ihren Frauen. Alana arbeitete in ihrem Club Di Terrestres, obwohl sie Geschäftsführer angestellt hatten. Und Gabe hatte gerade diese Party verlassen, weil die Arbeit rief.

Sie wurden allmählich erwachsen, und jetzt, da sie über dreißig waren, sehnte Alex sich insgeheim nach den alten Zeiten. Aber jeden Abend, wenn Brett und Raf nach Hause gingen zu ihren wunderbaren Partnerinnen, kehrte Alex in seine kalte, leere Wohnung am Las Vegas Boulevard zurück. Der ganze Trubel dort draußen passte irgendwie nicht zu der trostlosen Einsamkeit seiner mehr als dreihundert Quadratmeter großen Wohnung über den Dächern der Stadt. Alex sah sich in dem überfüllten Club um, schaute sich die Frauen in ihren knappen Kleidchen an, die sich auf der Tanzfläche drehten, aneinanderstießen und – rieben. Manch eine warf einen interessierten Blick in seine Richtung, als er so allein dort auf seiner VIP-Couch saß. Vielleicht war „was Nettes“ genau das, was er brauchte.

In einem Zug trank Alex sein Glas leer und machte sich auf den Weg zur Tanzfläche. Er musterte intensiv die Frauen, die sich dort bewegten. Etliche unter ihnen waren genau sein Typ – blond, gut aussehend, groß, sportlich und wohlproportioniert.

Eine Frau zog jedoch seine Aufmerksamkeit auf sich, sodass er unwillkürlich stehen blieb. Keine andere im Club war so sexy wie sie, und sie bewegte sich mit einem Selbstvertrauen, das daher rührte, dass sie überall die Schönste war. Sie wiegte die Hüften zum Takt der Musik. Irgendetwas Vertrautes lag in der Erscheinung der dunkelhaarigen Schönen. Ihr kurzer Rock bedeckte knapp ihren üppigen Po, sie trug hohe Stiletto-Absätze und tanzte gerade äußerst eng mit einem Mann, der nun die Hände um ihre Taille legte und sie noch näher an sich heranzog. In ihrem rückenfreien goldfarbenen Satinkleid, das nur von dünnen Bändern am Hals und am unteren Rücken gehalten wurde, sah sie umwerfend aus. Sie drehte sich, sodass ihr Alex kurz ins Gesicht sehen konnte, dann wandte sie ihm wieder den Rücken zu. Ihre Brüste bewegten sich frei unter dem losen Stoff, sie trug offensichtlich keinen BH.

Als Alex näher kam, hatte er keinen Blick mehr für irgendeine andere Frau im Club. Es störte ihn nicht, dass dieses verführerische Wesen mit einem anderen Mann tanzte. Das würde nicht mehr lange dauern. Er war noch ein paar Meter entfernt, als er ihr erneut ins Gesicht sehen konnte. Diese großen braunen Augen, die vollen roten Lippen kannte er.

Verdammt, das war Maria.

Rafaels Schwester – die Schwester seines besten Freundes – sah nach purem, sündigem Sex aus, sein Schwanz reagierte sofort darauf. Sie war etwa sechsundzwanzig, aber noch nie hatte er sie in solcher Aufmachung und in solchen Posen gesehen. Wie hatte sie sich von einer netten, hübschen jungen Frau in solch eine Sexbombe verwandelt?

Was, zum Teufel, machte sie hier?

Ärger, Besitzanspruch und Begierde durchströmten ihn. Er wusste nicht, welches dieser Gefühle die Oberhand hatte, während er auf Maria zuging. Ihre Augen weiteten sich vor Überraschung, als sie ihn erblickte. Der Kerl, mit dem sie tanzte, schien ihn überhaupt nicht zu bemerken, bis Alex dessen Hand von Maria wegzog. „Überleg dir, was du tust, Junge!“, stieß Alex hervor.

„Was soll das?“ Der junge Kerl trat auf Alex zu, sichtlich in seinem Ego getroffen. Er wollte sich offenbar mit ihm anlegen, obwohl Alex etwa zwanzig Zentimeter größer war und fast fünfzig Kilo mehr Muskelmasse auf die Waage brachte. Der Junge war anscheinend nicht besonders clever. Und wie er gekleidet war mit seinem Polo und der Khakihose! Wer lief denn noch so rum?

„Hau ab!“, befahl Alex. Der Junge sah aus, als wolle er nicht nachgeben, aber wie Alex vermutet hatte, trat er schließlich doch den Rückzug an. Obwohl ein Mädchen, eine Frau wie Maria, es wert gewesen wäre, um sie zu kämpfen. Stattdessen sah er Maria von oben bis unten an, dann warf er Alex einen wütenden Blick zu, ehe er im Dunkel des Clubs verschwand.

„Was soll das, Alex?“ Marias wütendes Rufen übertönte die Musik. Zornig schlug sie ihm mit ihrer kleinen Faust auf die Brust.

Er ließ sich davon nicht beirren. „Weshalb bist du hier? In dieser Aufmachung!“ Er starrte an ihr hinab. Ihre weiche, nackte Haut versuchte er zu ignorieren, ebenso die Gefühle, die sie in ihm wachrief und auf die sein Körper eindeutig antwortete. Er versuchte das in den Hintergrund zu drängen. Dass er sie so anziehend fand, konnte nicht sein.

Aber Maria schien seinen Gefühlsaufruhr nicht zu bemerken, so sehr ärgerte sie sich über seine Einmischung. „Na, ich habe mit einem netten Jungen getanzt, bevor du so grob eingegriffen hast.“ Sie war wütend. Alex erkannte das an ihrem Schmollmund, den sie immer zog, wenn sie unglücklich war oder wenn er und Rafael sie wie früher als Jungs ärgerten. Sie verschränkte die Arme, was ihre Brüste anhob und mehr von ihnen in dem tiefen Ausschnitt ihres Kleids erkennen ließ.

„Wer war der Kerl?“

Sie zuckte lässig die Achseln. „Ich weiß nicht. Hab ihn gerade kennengelernt.“

Sein Blick glitt hinunter zu ihren Brüsten, die sich bei ihren erregten Atemzügen auf und ab bewegten. Er zwang sich, Maria wieder ins Gesicht zu schauen. „Bist du allein hier?“

„Nein, mit meinen Freundinnen.“ Mit einer vagen Handbewegung wies sie über ihre Schulter.

„Und wo sind sie?“

„Hier irgendwo. Und was machst du hier, Alex?“

„Hast du getrunken?“

„Na ja, ich bin in einem Nachtclub.“ Sie schaute ihn verwundert an, weil er etwas so Selbstverständliches fragte.

Er packte sie am Arm. „Komm mit. Wir gehen.“

Sie befreite sich aus seinem Griff. „Nein, ich gehe nirgendwo hin. Ich bin mit meinen Freundinnen hier. Und ich habe mich gut amüsiert, bis du so derb dazwischengegangen bist.“

„Dann hol sie her. Ich rufe euch ein Taxi.“

„Vergiss es, Alex!“ Sie dachte nicht daran, auf ihn zu hören. Alex schaute sich um und bemerkte, dass die Türsteher und das Personal auf sie aufmerksam geworden waren.

„Maria.“ Er beugte sich zu ihr hinunter und flüsterte: „Komm mit. Wir gehen.“ Es entging ihm nicht, dass die anwesenden Männer Maria anschauten, als wäre sie ein Lamm in der Löwenhöhle. Ein stures, widerspenstiges Lamm. Er seufzte und gab nach. „Na schön. Wenn du nicht mitkommst, bleibe ich auch hier.“ Auf gar keinen Fall würde er den Club verlassen, solange sie sich in dieser Aufmachung hier aufhielt.

Verärgert drehte sie sich auf ihren Stiletto-Absätzen um und zog mit energischen Schritten ab zu zwei anderen Frauen, die an einem Tisch standen, vermutlich ihre Freundinnen. Er versuchte, den wippenden Po und die schwingenden Hüften zu ignorieren, ebenso ihre wohlgeformten Beine. Frustriert brummte er vor sich hin und zog sich in den VIP-Bereich zurück, wo er sich einen Drink einschenkte. „Meine Güte.“

„Kann ich Ihnen noch etwas bringen, Mr. Fischer?“, fragte die Kellnerin, kaum dass er wieder am Tisch Platz genommen hatte.

Er schüttelte den Kopf und ließ Maria dabei nicht aus den Augen. Sie wandte ihm den Rücken zu, aber immer wieder schaute sie über die Schulter zu ihm herüber. Ihre großen dunklen Augen wirkten hitzig, ihre vollen Lippen waren zu einem Schmollmund verzogen, neckend und aufreizend wirkte das auf ihn. Er grüßte mit dem erhobenen Whiskeyglas zu ihr hinüber und kippte den Bourbon dann in einem Zug hinunter.

Alex kannte Maria seit Jahren. Als er ein kleiner Junge gewesen war, hatte die Familie Martinez ihn aus üblen Verhältnissen herausgeholt. Nach dem Tod seiner Mutter und der Inhaftierung seines Vaters war er bei der Familie Martinez eingezogen, weg von dem Slum. Mit dieser Vergangenheit hatte er abgeschlossen. Alex verdankte Marias Familie alles. Ob Maria es wollte oder nicht, er würde immer auf sie achtgeben, dafür sorgen, dass sie sicher war. Und das hieß ganz gewiss nicht, die Gedanken weiterzuverfolgen, die ihn im Moment bewegten.

Maria spürte Alex’ Blicke auf ihrem Rücken. Wofür hielt er sich eigentlich? Sie wollte sich nur mit ihren Freundinnen Beth und Anna amüsieren, mit einigen gut aussehenden Jungs tanzen und sich von ihnen zu ein paar Drinks einladen lassen. Aber natürlich konnte sie nirgendwo in Las Vegas hingehen, ohne dass einer von Rafaels überfürsorglichen Freunden sie sah und sich gleich um sie kümmerte. Sie war sechsundzwanzig Jahre alt und hatte es gründlich satt, wie ein kleines Kind behandelt zu werden. Das war der Nachteil, wenn man die jüngste Tochter einer streng katholischen Latino-Familie war. Ihre Familie liebte sie, und sie war auch Maria wichtiger als alles andere, aber die ständige Überwachung nervte sie unsäglich.

Zum Glück sahen wenigstens ihre Eltern allmählich ein, dass sie ein erwachsener Mensch war. Bei Rafael verhielt sich das anders. Er lehnte es rundheraus ab, die Tatsache zu akzeptieren, dass sie kein Kind mehr war. Sie war erwachsen, sie hatte selbst gesehen, was für schreckliche Dinge einer Frau zustoßen konnten. Und sie wusste, wie sie sich vor Leuten schützen konnte, die ihr Böses wollten. Nach dem erfolgreichen Collegeabschluss war sie mehrere Monate bei humanitären Organisationen wie dem Roten Kreuz und Ärzte ohne Grenzen tätig gewesen, und das in Gebieten, die von Krieg, Epidemien oder Naturkatastrophen heimgesucht worden waren. Ihr war bewusst, wie gefährlich es sein konnte, wenn Menschen verzweifelt waren und ums Überleben kämpften. Aber für ihren sturen Bruder war sie immer noch ein dummes Kind. Er würde sie wohl noch als seine kleine Schwester bezeichnen, wenn sie achtzig war.

Alex’ Nähe zu ihrem Bruder und die Tatsache, dass er zu großen Teilen in ihrem Elternhaus aufgewachsen war, bedeutete eigentlich, dass sie ihn auch als Bruder betrachten sollte. Aber so war es nicht. Sie waren zusammen groß geworden, und sie hatte schon immer ein bisschen für ihn geschwärmt. Irgendwann war er nicht mehr der grässliche Junge gewesen, der sie aufzog und ärgerte, sondern der starke, gut aussehende Mann, der alle ihre Sehnsüchte weckte.

„Maria, wer war der heiße Typ?“ Beths Stimme unterbrach sie in ihren Gedanken. Maria blinzelte, und ihr wurde klar, dass sie Alex immer noch anschaute, ebenso wie er sie.

„Alex, ein Freund meines Bruders.“

„Er sieht wirklich am besten aus von allen Männern hier.“ Maria beobachtete ihre Freundin, die Alex eingehend musterte. „Und er lässt dich nicht aus den Augen. Warum reagierst du nicht drauf und machst dich ran an das Muskelpaket?“

Das war gewiss nichts, was Maria abgelehnt hätte. Er sah blendend aus. Sie hatte schon nächtelang an Alex Fischer gedacht, ob sie nun in Las Vegas, in Haiti oder im Nahen Osten gewesen war. Diese starken Schultern, die ausgeprägten Muskeln an seinem Rücken und der knackige Hintern! „Glaub mir, das würde ich gern“, antwortete sie seufzend. „Aber ich habe keine Chance. Er sieht immer noch das Kind in mir, Rafaels kleine Schwester.“ Ein nettes Mädchen. Dafür hielten sie alle. Sicher, sie war ein guter Mensch, aber sie brauchte auch mal Sex und lebte das gern aus.

Ohne Rücksicht darauf, dass Maria sich mit ihren Freundinnen unterhielt, setzte sich ein Mann zu ihnen, ganz nah an Maria, und legte die Hand um ihre Taille. Er machte eine dumme Bemerkung über ihren Po, und sie verdrehte die Augen. So ein Idiot! Sie hatte genug von aufdringlichen Männern, so was konnte sie überhaupt nicht ertragen. Konnte eine Frau nicht einfach mit ihren Freundinnen ausgehen und sich amüsieren? Sie schob seinen Arm weg. „Hau ab, du Trottel! Bevor ich dir in den Hintern trete!“ Sie brauchte Alex nicht, um blöde Kerle loszuwerden. Sie konnte selbst auf sich aufpassen.

Aber er ging nicht, sondern rückte noch näher. „Oh, du hast Temperament, das gefällt mir.“

Der Kerl hatte keine Ahnung. Sie hatte bei ihren Einsätzen gelernt, wie man mit Chauvinisten umging, die versuchten, sie gegen ihren Willen anzufassen. Es war nicht witzig. Sie hatte einige wirklich gefährliche Männer erlebt. Dieser aufdringliche Kerl interessierte sie nicht und jagte ihr schon gar keine Angst ein. „Hör mal, Mann, ich meine das ernst!“ Sie wandte sich von ihm ab und wollte sich weiter mit ihren Freundinnen unterhalten.

Als der freche Kerl lachte und ihr an den Po fasste, wirbelte Maria herum, griff nach seinen Fingern und drehte ihm das Handgelenk um. Er schrie vor Schmerz auf, und die Leute ringsum schauten in ihre Richtung. Ein Türsteher kam näher, doch Maria war nicht zu bremsen. „Du weißt, dass du andere Leute nicht ohne deren Erlaubnis anfassen solltest, stimmt’s?“ Sie verstärkte ihren Griff, und der Kerl wimmerte vor Schmerz. „Also, was hast du vor? Haust du ab, oder soll ich dir die Finger brechen?“

„Gut, ich gehe“, winselte der Kerl. Sie ließ ihn los, und er griff nach seiner schmerzenden Hand. „Verrückte Zicke!“

„Was hast du gesagt?“, fragte sie unnachgiebig. „Ich habe wohl nicht richtig gehört.“ Wenn sie etwas nicht leiden konnte, dann waren das frauenfeindliche Arschlöcher. Er hatte sie nicht losgelassen, als sie ihn dazu aufgefordert hatte, deshalb hatte sie die Sache buchstäblich selbst in die Hand genommen. Und gehofft, der Kerl hätte seine Lektion gelernt. Wenn nicht, würde sie ihm gern noch eine erteilen.

„Gibt es ein Problem?“ Alex trat plötzlich neben sie und schaute den widerlichen Kerl drohend an. Der trat den Rückzug an, und Alex wollte ihm schon folgen, doch Maria hielt ihn zurück.

„Nein, nicht nötig“, sagte sie, während der Kerl aus ihrem Blickfeld verschwand. „Ich brauche keinen Bodyguard.“

„Das habe ich gesehen. Ganz schön beeindruckend.“ Er nahm ihre Hand und drückte sie. Ein wohliger Schauer durchlief sie bei dieser Berührung. „Ist alles in Ordnung?“

„Alles gut“, brachte sie hervor, während er ihre Finger anschaute, wobei sie ihn beobachtete.

Alex drehte ihre Hand um und runzelte die Stirn. „Ein Nagel ist abgebrochen.“

Sie sah hinunter und erkannte, dass der Nagel an ihrem Zeigefinger beschädigt war. Sie war erst kürzlich im Nagelstudio gewesen. Die Maniküre war ziemlich teuer gewesen, und es ärgerte sie, dass der Nagel ruiniert war. Aber sie überging das mit einem coolen Lachen. Zumindest hoffte sie, dass es sich so anhörte. „Mein abgebrochener Nagel ist jedenfalls nicht schlimmer als sein verletzter Stolz. So, nun hast du gesehen, dass ich mich ganz gut selbst zur Wehr setzen kann. Jetzt kannst du ja gehen.“

„Da irrst du dich. Ich bleibe hier.“ Er lächelte charmant. „Maria, es tut mir sehr leid, dass ich dich vorhin beim Tanzen gestört und dir den Spaß verdorben habe“, sagte er. Sie bezweifelte das. „Deshalb möchte ich das wiedergutmachen.“ Er wies auf den VIP-Bereich und lehnte sich hinüber, damit Beth und Anna ihn hören konnten. „Ladys, ich habe Plätze dort drüben, und ich würde mich freuen, wenn Sie mir Gesellschaft leisten.“

Maria wusste, dass er bei diesem freundlichen Angebot Hintergedanken hatte, dass er nicht ohne Grund so hinterlistig grinste. Aber bevor sie etwas sagen konnte, stimmten ihre Freundinnen schon zu.

„Na klar, gehen wir“, sagte Beth, und Maria beobachtete ärgerlich, wie er die beiden links und rechts an den Arm nahm und sie zum VIP-Bereich führte. Maria blieb allein zurück.

Alex war schon einige Schritte gegangen, als er plötzlich zu bemerken schien, dass sie ihnen nicht folgte. Er wandte sich zu ihr um und grinste, weil er wusste, dass er gewonnen hatte. „Kommst du, Maria?“

Alex hatte es geschafft. Sie wollte einfach mit ihren Freundinnen Spaß haben, und er kam daher und übernahm das Ruder. Verflixt, es gab wahrhaftig üblere Orte als die Plätze im VIP-Bereich eines der angesagtesten Clubs in Las Vegas. Sie wusste, was Alex mit der Einladung bezweckte. Aber das hieß ja nicht, dass sie nicht ihr eigenes Ding verfolgen konnte. Vielleicht war dies sogar die Gelegenheit, etwas zu tun, was sie immer schon gern gemacht hätte.

„Ja, sicher.“

Alex begleitete Marias Freundinnen in den VIP-Bereich. Aber die Frauen links und rechts von ihm interessierten ihn nicht so sehr wie die eine, die stur hinter ihm ging. Beth und Anna, wie sie sich vorgestellt hatten, saßen an einem Ende der halbrunden Couch. Er wartete, bis Maria sich gesetzt hatte, und nahm neben ihr Platz. Dabei versuchte er, den Blick nicht dauernd auf ihre Brüste zu richten, die bei jeder Bewegung unter ihrem Oberteil zu erkennen waren. Und auch nicht auf ihre gebräunten Beine, als ihr Rock beim Sitzen höher rutschte. Ihre Figur war kurvenreich, unglaublich aufregend, und er hätte sie gern Zentimeter für Zentimeter erkundet. Er blinzelte und schaute dann schnell weg. Hoffentlich konnte er dadurch seine Fantasien in den Griff bekommen.

Beth griff nach der Getränkekarte, die vor ihnen auf dem Tisch lag. Als die Kellnerin kam, bestellte Beth eine Runde für sie alle. Nach ein paar Minuten brachte die Bedienung für jeden ein Glas mit einer dunkelroten Flüssigkeit.

Alex schaute die Gläser kritisch an und überlegte, ob er sein Glas weiterreichen sollte. Der Inhalt sah eher nach flüssiger Süßigkeit aus. Aber warum sollte er eine Runde Schnaps mit einem Trio toller Frauen ablehnen? Also hob er mit ihnen das Glas und kippte den Inhalt hinunter.

Unwillkürlich verzog er das Gesicht. Das Zeug war süß, der pure Zucker mit Traubengeschmack. Er schüttelte sich und merkte, dass sein Magen revoltierte. Um die Süße abzumildern, nahm er einen Schluck Bourbon. Die Wärme überdeckte den Nachgeschmack des purpurfarbenen Zuckerwassers, und so nahm er noch mal einen kräftigen Schluck. Mit dem Glas in der Hand lehnte er sich zurück und legte einen Arm über die Lehne hinter Maria, nur wenige Zentimeter von ihrer weichen Haut entfernt. Gern hätte er sie berührt. Er hoffte, dass er lässiger wirkte, als er sich fühlte.

Sie lächelte und rückte näher an ihn heran. Ihr Oberschenkel berührte nun seinen, und sein Körper versteifte sich unwillkürlich.

„Glaub bloß nicht, dass mir nicht klar ist, was du vorhast.“

Alex zuckte die Schultern. „Was denkst du denn?“

„Du lädst meine Freundinnen zu Drinks ein, damit sie hierbleiben und du mich im Auge behalten kannst.“

Maria hatte ihn durchschaut.

„Und lass mich raten. Du hast Rafa schon angerufen und ihm gesagt, dass ich hier bin, und hast versprochen, auf mich aufzupassen, stimmt’s?“

Sie hatte ihn wirklich durchschaut. Er hatte Rafael noch nicht angerufen, weil er ihn bei seinem gemütlichen Abend mit seiner Frau Jessica nicht stören wollte, aber er hatte tatsächlich darüber nachgedacht.

Alex antwortete nicht, nahm nur wieder einen Schluck Bourbon. Allmählich wärmte der Alkohol ihn von innen heraus. Zumindest hoffte er, dass es am Alkohol lag und nicht an Marias Wirkung auf seinen Körper.

Die Bedienung kam wieder an den Tisch. „Noch eine Runde, Ladys?“

Alex zog seine Kreditkarte heraus und gab sie ihr. „Ich zahle. Und bringen Sie den Damen, was sie möchten.“

Die Kellnerin nahm Alex’ Karte mit. Die drei Frauen überlegten, welchen der Tausend-Dollar-Champagner sie wählen sollten. Er grinste, lehnte sich vor und riet ihnen, am besten eine Flasche von jeder Sorte zu bestellen. Das Angebot nahmen sie natürlich begeistert an.

„Das wirst du noch bereuen“, sagte Maria lachend. „Du weißt nicht, was wir an so einem Mädelsabend konsumieren.“ Alex lächelte und zuckte die Achseln. Er hatte schon mehr Geld für sinnlosere Dinge ausgeben. Das war kein Thema für ihn. Er stammte zwar aus ärmlichen Verhältnissen, aber er und die anderen, die zu der Bruderschaft gehörten, hatten jeder schon ein Vermögen gemacht. Er hatte Geld, und weil er wusste, dass seine Zukunft gesichert war, gab er es gern aus. Die drei Frauen machten große Augen, als die Kellnerin die erste Flasche Champagner brachte. Alex musste daran denken, wie er als junger Mann gerade den Abschluss als Betriebswirt, aber kein Geld in der Tasche hatte.

Maria und ihre Freundinnen waren nette Mädchen – Frauen, verbesserte er sich. Er wusste, dass sie im Gemeindezentrum hart arbeiteten. Sie verdienten eine Anerkennung. Natürlich kostete Alex der Abend einiges, aber eine Einladung in den VIP-Bereich eines angesagten Clubs war für sie nichts Alltägliches. Die Frauen sollten Spaß haben, egal, was es kostete. Und vielleicht hatte Maria recht. Solange ihre Freundinnen hier auf seiner VIP-Couch waren, konnte er sicher sein, dass sie nirgendwoanders hinging. „Amüsiert euch!“, sagte er. Und weil ihm Gabes Worte von vorhin einfielen, fügte er lächelnd hinzu: „Macht euch einen netten Abend.“

2. KAPITEL

Eine Stunde und eine beträchtliche Menge Champagner später saß Alex immer noch auf der VIP-Couch und beobachtete, wie die drei Frauen miteinander tanzten, ihre Körper aneinanderrieben, wie es bei Freundinnen so üblich war, und jeden Mann, der mitzumachen versuchte, ignorierten. Alex hätte das auch nicht geduldet. Keiner von den schmierigen Kerlen sollte Maria oder eine ihrer Freundinnen begrapschen.

Alex grinste vor sich hin. Er musste daran denken, wie sie vorhin so einem widerlichen Kerl beinahe das Handgelenk gebrochen hatte. Maria war offensichtlich nicht die hilflose junge Frau, für die er sie gehalten hatte. Sie war stark und tough und wusste sich zu helfen.

Alex spielte kurz mit dem Gedanken zu gehen. Maria würde allein klarkommen. Aber irgendetwas hielt ihn hier fest. Es machte ihm Spaß zu beobachten, wie Maria die Hände über den Kopf hob und verführerisch die Hüften schwang. Er konnte den Blick nicht abwenden. Gebannt verfolgte er ihre aufreizenden Bewegungen, die Art, wie sie ihr langes Haar zurückwarf und die Augen schloss. Die Musik schien eine erotisierende Wirkung auf sie zu haben, Maria gab sich ihr völlig hin. Alex nahm eine starre Haltung ein, er spürte genau diese Auswirkung auch bei sich selbst, als er sie so beobachtete. Sein Schwanz wurde steif. Er vergaß den Club um sich herum und sah nur noch Maria. Wie sie die Hüften wiegte, die Hände an ihrem Körper hinabgleiten ließ, sich etwas vorbeugte und den Po in seine Richtung streckte. Maria hatte auch Talent zum Hüftwackeln, stellte Alex fest.

Sein Herz klopfte schneller, und er atmete schwer. Sein Schwanz stand aufrecht, während die Schwester seines besten Freundes sich in sinnlichen Posen auf der Tanzfläche bewegte. Über die Schulter hinweg schaute sie Alex an und fing seinen Blick ein. Als könne sie seine Gedanken lesen, verzog sie die Lippen zu einem Lächeln und zwinkerte ihm zu. Gleich darauf löste sie sich aus der Gruppe ihrer Freundinnen und kam auf Alex zu, mit sicheren, selbstbewussten Schritten auf ihren gefährlich hohen High Heels. Maria beugte sich zu Alex hinunter und legte die Unterarme auf seine Schultern. Ihre roten Lippen waren nun gefährlich nah an seinen. Alex versuchte, nicht in ihren Ausschnitt zu starren, der da direkt vor seinen Augen tiefe Einblicke bot. Es gelang ihm nicht, er starrte wie unter Zwang auf ihre weichen, vollen Brüste. Die Hände zu Fäusten geballt, rang er um Beherrschung, damit er nicht einfach danach griff und sie mit seinen Fingern umschloss.

„Hey, meine Augen sind hier oben“, mahnte sie.

Er sah hoch. „Stimmt.“

Mit den Fingern fuhr sie ihm durchs Haar, kraulte seinen Nacken. „Wenn du mich schon die ganze Nacht bewachen willst, könntest du wenigstens mit mir tanzen.“

„Ich glaube nicht.“ Alex schüttelte ruckartig den Kopf, er versuchte, sich unter Kontrolle zu bekommen. „Ich dachte, du wärst mir böse.“

„Komm schon!“, bat sie. „Ich amüsiere mich viel zu gut, um dir böse zu sein. Und du kannst es wiedergutmachen, indem du mit mir tanzt. Du schuldest mir noch einen Tanz.“

„Wieso?“

„Du hast mich ziemlich unhöflich unterbrochen, als ich mit jemand getanzt habe. Nun musst du eben für ihn einspringen.“

„Ich glaube, ich habe dir damit einen Gefallen getan. Der Kerl war ein Loser.“

„Wie willst du das wissen?“

„Weil er einfach weggegangen ist, ohne um dich zu kämpfen.“

Sie schaute ihn mit großen Augen an. „Hättest du um mich gekämpft?“

Alex antwortete, ohne zu zögern. „Das ist doch gar keine Frage.“

Sie sah lächelnd zu ihm hinunter. Ihre Blicke trafen sich. „Okay, das freut mich. Nur einen Tanz, komm.“

Mit beiden Händen umfasste sie seinen Arm, und Alex ließ sich von ihr hochziehen und zu den Tanzenden schleppen. Diesmal schloss Maria sich nicht ihren Freundinnen an. Sie zog Alex in eine dunkle Ecke der Tanzfläche. Die Musik dröhnte, die Menschen drängten sich zusammen und brachten auch Maria und Alex näher zueinander. Gabe hatte beim Abschied gesagt, er solle sich einen netten Abend machen. Aber hiermit hatte Alex nicht gerechnet. Er wusste, er war schon zu weit gegangen.

Maria wandte sich zu ihm um. Sie ließ die Hüften kreisen, hob die Arme über den Kopf und schwenkte sie im Takt der Musik. Er wusste nicht, wo Maria, die immer ein „nettes Mädchen“ gewesen war, gelernt hatte, so zu tanzen. Angestrengt versuchte er, die Reaktion seines Körpers darauf zu bekämpfen.

Sie ließ seinen Blick nicht los und nahm Alex so gefangen, dass er seine Umgebung vergaß. Und obwohl er wusste, dass es ein Fehler war, gewann sein Verlangen die Oberhand. Er konnte sich nicht zurückhalten, er drückte sich fester an sie. Es gab nur noch Maria und ihn. Sie drehte sich und schwang ihren Po an seine Leiste. Es traf ihn wie ein Schock, und sie tat es noch mal. Wie automatisch griff er nach ihren Hüften und hielt sie so fest, dass sie immer wieder ihren Po an seinem Schwanz rieb. Sie musste spüren, dass er total hart war. Vielleicht war es der Alkohol, die hämmernden Beats, die Lichter, die Menge, die seine Hemmschwelle senkten und ihn um den gesunden Menschenverstand brachten. Aber sie war eine schöne Frau, sie war heiß, und er wollte sie. Unbedingt.

Autor

J Margot Critch
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