Mit dem Boss ins Bett? - Kapitel 5

Jaci war nicht zum ersten Mal in New York. Doch bei ihren früheren Besuchen hatte sie sich nicht die Zeit genommen, die Stadt wirklich kennenzulernen. Daher war sie jetzt angenehm überrascht von der eleganten Architektur im Stadtteil SoHo und der ungezwungenen, künstlerischen Atmosphäre. Allerdings spürte sie auch, dass sie so, wie sie angezogen war, nicht hierherpasste. Früher, ehe sie Clive getroffen hatte, war sie am liebsten in Jeans, bunten T-Shirts und Doc Martens herumgelaufen. Diese Jaci hätte hier wunderbar reingepasst. Ganz in Schwarz gekleidet, fühlte sie sich jedoch fehl am Platz und fremd in ihrer eigenen Haut.

    Ryan mit seinem zerzausten Haar und seinem Dreitagebart wiederum schien überall in seinem Element zu sein. Er hatte die Ärmel seines dunklen Sweatshirts hochgeschoben und sah – wie üblich – selbstsicher und sexy aus. Er hatte Jaci eine Hand auf den Rücken gelegt, um sie zielstrebig zu einer Boutique zu schieben, in der Abendkleider verkauft wurden. Die im Schaufenster ausgestellten Modelle gefielen Jaci nicht, zu langweilig. Was ihr jedoch viel zu sehr gefiel, war die Wärme, die Ryans Hand ausstrahlte.

    Zuvorkommend hielt er ihr die Tür auf. Doch als sie im Begriff waren, das kleine Geschäft zu betreten, hielt er sie zurück. „Warte“, sagte er leise, „niemand hier will dich quälen. Wenn du also schon jetzt weißt, dass du nichts Passendes findest, dann können wir gleich anderswo suchen.“

    Jaci biss sich auf die Unterlippe. „Gail, meine Stylistin, hätte hier sicherlich etwas nach ihrem Geschmack gefunden.“

    „Aber nicht nach deinem?“

    „Nicht wirklich“, gestand sie. „Nicht mehr. Andererseits … Wir gehen mit einem superreichen und superunsympathischen Finanzier ins Ballett. Vielleicht sollte ich mich also doch umschauen.“

    „Unsinn!“ Ryan zog sie zurück auf den Gehsteig. Lächelnd hob er die Hand und strich sanft mit dem Daumen über ihre Wange. „Hier ist eine völlig neue Idee: Wie wäre es, wenn du etwas kaufst, was dir wirklich gefällt, und nicht etwas, von dem du glaubst, du solltest es tragen.“

    Ach, wenn das nur möglich wäre! Leider entsprach ihr eigener Geschmack nicht den Vorgaben, die die Gesellschaft machte. „Mein Stil von damals hat nicht ganz zu Clives Stellung gepasst. Ich hätte wohl kaum irgendwo in einem engen Nirvana-T-Shirt aufkreuzen können“, erklärte sie Ryan.

    „Was für ein Trottel!“ Einen Moment lang ließ Ryan den Blick auf ihren Brüsten ruhen. Verlangen flammte in seinem Blick auf. Seine Stimme klang rau, als er feststellte: „Ich hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn du ein sehr, sehr enges T-Shirt trügest.“

    „Du bist auch kein aufstrebender Politiker, und wir sind nicht verlobt.“

    Er lachte laut auf. „Und du bist nicht mehr in England und nicht mehr mit diesem Idioten zusammen. Du kannst tun und lassen, was du willst. Niemand hat dir etwas vorzuschreiben. Zieh an, was dir gefällt – auch bei den Terminen, die wir als Paar wahrnehmen.“

    Es hörte sich so einfach an. Aber Jaci bezweifelte, dass es tatsächlich so leicht war. Zwar war sie unter anderem nach New York gekommen, weil sie hoffte, sich dort nicht verstellen und verkleiden zu müssen. Leider verspürte sie trotzdem noch immer den Wunsch, es anderen recht zu machen. Ja, sie wollte allen gefallen: ihren Eltern, ihren Freunden, ihren Kollegen und Geschäftspartnern. Es fiel ihr schwer, sich von der Vorstellung zu lösen, man müsse tun, was andere von einem erwarteten. Wenn sie sich daheim „richtig“ angezogen und benommen hatte, waren ihre Eltern und Geschwister mit ihr zufrieden gewesen. Wenn sie jedoch aus der Reihe getanzt war, hatte man ihr zu verstehen gegeben, dass sie der ganzen Familie schadete. Sie wollte nicht das schwarze Schaf der Brookes-Lyons sein. Aber das musste sie wohl, wenn sie ihr innerstes Wesen und ihr ureigenen Wünsche nicht verleugnen wollte.

    „Jaci?“ Ryan berührte leicht ihren Arm. „Wo bist du mit deinen Gedanken?“

    „Oh! Entschuldige.“

    „Komm, lass uns nach einem Kleid suchen, das dir gefällt. Wenn du tatsächlich etwas wählst, was ich unpassend finde, dann mache ich dich darauf aufmerksam. Okay?“

    Sie nickte. Und plötzlich freute sie sich auf die Shoppingtour. Das war ihr seit ewigen Zeiten nicht mehr passiert. Sie hob den Blick, und einen Moment lang war ihr, als würde sie in Ryans blauen Augen versinken. Unwillkürlich griff sie nach seiner Hand. Es fühlte sich so gut an, bei ihm zu sein. Sie wollte ihn küssen und …

    Er beugte sich zu ihr herab und kam ihrem stummen Wunsch nach.

    Oh Gott, dieser Mund, diese Lippen, und dann seine Hand an ihrer Wange. Jaci schloss die Augen. Mit Ryan an diesem sonnigen Morgen irgendwo in SoHo zu stehen und ihn zu küssen: Es war ein perfekter Moment!

    Sie schlang die Arme um Ryans Nacken und öffnete den Mund ein wenig weiter. Ryan vertiefte den Kuss, erforschte mit der Zunge jeden Winkel ihres Mundes. Langsam, verführerisch, sexy … Er schmeckte nach Kaffee und Pfefferminz. Er duftete nach Zedernholz und Mann. Jaci konnte nicht anders: Sie schmiegte sich enger an ihn, sodass sie seine starken Muskeln spürte. Es kümmerte sie nicht, dass die Fußgänger einen Bogen um sie machen mussten, dass einige dumme Bemerkungen machten, während andere verständnisvoll lächelten. Ryan küsste sie, und das war gut so.

    Irgendwann allerdings hob er den Kopf und trat einen Schritt zurück.

    Sag jetzt nicht, dass es dir leidtut, flehte Jaci innerlich. Sag nicht, dass es ein Fehler war!

    Er schwieg, musterte sie nachdenklich und meinte schließlich: „Ich sollte wirklich aufhören, das immer wieder zu tun.“

    Warum? Ihr gefiel es.

    „Auf die Art werden wir nie ein Kleid für dich finden.“

    Sie nickte zustimmend. Sie wagte nicht, ihm zu sagen, dass sie viel lieber mit ihm ins Bett gegangen wäre als in irgendeine Boutique.

Wieder verließen sie ein Geschäft, ohne etwas gekauft zu haben. Jaci ging mit müden Schritten zu einer Bank und ließ sich darauf fallen. Ihre Fußsohlen brannten. Außerdem war sie halb verdurstet und sehnte sich nach einem großen Glas Wasser und einem Cheeseburger.

    Ryan hatte in jeder der mehr als zehn Boutiquen, die sie aufgesucht hatten, den Kopf geschüttelt, wenn Jaci ein Kleid hatte kaufen wollen. Sie war mehr als frustriert.

    Jetzt, als er neben ihr auf der Bank Platz nahm, meinte sie vorwurfsvoll: „Wer hätte gedacht, dass du es genießt, mich von Geschäft zu Geschäft zu zerren, nur um jedes Kleid abzulehnen, das mir gefällt. Ich weigere mich, auch nur eine weitere Boutique zu betreten.“

    „Gib zu, dass nicht ein einziges Kleid wirklich deinem Geschmack entsprach!“, gab er zurück. „Und glaub mir: Ich hasse es, zu shoppen.“

    „Selbst schuld. Wir hätten das schwarze Etuikleid nehmen sollen. Es war genau das Richtige fürs Ballett.“

    „Aber nicht das Richtige für dich. Man konnte sehen, dass du dich in dem Kleid nicht schön und sexy gefühlt hast.“

    Sexy würde ich mich fühlen, wenn du mich nackt in den Armen hieltest und …

    Sie zwang sich, den Gedanken nicht zu Ende zu denken. Dann erklärte sie mit leichtem Spott: „Sexy würde ich mich in Shorts, einem Ramones-T-Shirt und Cowboystiefeln fühlen.“

    Ryan lächelte. Es war ein Lächeln, das Jacis Hormone auf Trab brachte. Verflixt, er hatte kein Recht, so anziehend auf sie zu wirken! „Ich freue mich schon jetzt, dich bald einmal in diesem Outfit zu sehen!“, sagte er neckend.

    Sie schlug die Beine übereinander und wandte sich so weit zu Ryan um, dass sie ihm in die Augen schauen konnte. Hoffentlich gelang es ihr, das Thema zu wechseln. Sie war es leid, über Kleidung zu reden. „Seit wann bist du der Besitzer von Starfish?“, fragte sie. „Wie ist es überhaupt dazu gekommen?“

    Er schwieg, und Jaci glaubte schon, er würde ihr überhaupt nicht antworten. Doch schließlich meinte er leise: „Erinnerst du dich, was Neil damals gesagt hat? Dass das Filmgeschäft mir – ebenso wie Chad und Ben – im Blut läge? Nun, er hatte recht. Ich habe es mit verschiedenen Tätigkeiten am Filmset probiert, aber nichts entsprach wirklich meinen Wünschen. Trotzdem musste ich meine Nase immer wieder in Drehbücher stecken, mit Regisseuren und Schauspielern reden oder Kulissen begutachten. Ich fürchte, ich habe mich nicht gerade beliebt gemacht, und schließlich erklärte mir der Besitzer eines Filmstudios, ich solle verschwinden und meine eigene Firma gründen.“

Ungeduldig wartete Jaci auf die Fortsetzung der Geschichte. Doch Ryan schwieg lange.

   

 

„Und?“, drängte sie.

    „Das war ungefähr sechs Monate vor Bens Tod.“

    „Das mit Ben tut mir so leid“, murmelte Jaci.

    „Danke.“

    „Weiß man, wie es zu dem Unfall kam?“

    „Die Untersuchungen zeigten, dass Ben weder betrunken war noch irgendwelche Drogen genommen hatte. Soweit wir wissen, ist er nicht selbstmordgefährdet gewesen. Zeugen sagten aus, er sei auch nicht zu schnell gefahren. Trotzdem kam sein Porsche irgendwie von der Straße ab und stürzte eine Klippe hinunter.“

    „Tragisch …“ Jaci konnte spüren, dass Ryan noch immer um seinen Bruder trauerte. Aber war da nicht noch etwas anderes? Wut? Enttäuschung? „Er war nicht allein im Wagen, nicht wahr?“, vergewisserte sie sich. „Kanntest du die Frau?“

    „Ja, ich kannte Kelly.“ Ryan schaute auf die Uhr. Seine Körpersprache verriet, dass das Thema für ihn abgeschlossen war. „Lass uns noch ein oder zwei Geschäfte aufsuchen. Wenn wir nichts finden, kaufen wir das schwarze Etuikleid.“

    „Lass es uns sofort kaufen.“ Jaci stand auf und wollte sich schon auf den Weg machen, als sie eine junge Frau entdeckte, die vier oder fünf Kleider über dem Arm trug. Jaci war fasziniert. Eines der Kleider – das konnte sie deutlich sehen – war aus pinkfarbener Seide und wie ein A geschnitten. Der Ausschnitt war extrem tief.

    Ohne zu zögern, eilte Jaci zu der jungen Frau, tippte ihr auf die Schulter und meinte entschuldigend: „Ich hoffe, ich habe Sie nicht erschreckt. Sind Sie Modedesignerin? Ich bin hingerissen von diesen Kleidern.“

    „Es sind meine Entwürfe, ja. Den Auftrag habe ich von Gypsy’s Caravan bekommen. Dorthin bringe ich die Kleider jetzt.“

    Jaci streckte die Hand nach der pinkfarbenen Kreation aus. Das Kleid war weiblich, sexy, ungewöhnlich. Etwas, in das man sich auf den ersten Blick verlieben konnte. Anscheinend begriff auch Ryan, dass sie etwas ganz Besonderes entdeckt hatte. Lächelnd trat er zu ihr.

    „Was meinst du?“ Aufgeregt schaute sie ihn an.

    „Es könnte das Richtige sein!“ Er schenkte der jungen Frau ein Lächeln. „Wie es scheint, haben wir dasselbe Ziel.“ Damit nahm er ihr die Bügel aus der Hand. Er war so groß, dass er den Arm kaum heben musste, um zu verhindern, dass die kostbaren Stoffe den Boden berührten.

    Jacis Begeisterung hielt an, wurde aber durch die Vernunft gedämpft. „Ich kann dieses Kleid unmöglich anziehen, wenn wir ins Ballett gehen“, meinte sie bedauernd. „Es ist zu sexy. Ich könnte nicht einmal einen BH darunter tragen. Sieh dir doch den Ausschnitt an!“

    „Du brauchst keinen BH.“ Mit der freien Hand griff Ryan nach Jacis Fingern. „Es gefällt dir. Und es passt zu dir. Also wirst du es anprobieren. Ich bestehe darauf.“

    „Wir sollten das schwarze Etuikleid nehmen.“

    „Auf keinen Fall! Sei doch nicht so dickköpfig, Jaci. Ich will, dass die Suche ein Ende hat! Probiere, um Himmels willen, dieses Kleid an!“

    Sie runzelte die Stirn. Nun, letztendlich war Ryan ihr Boss. Also gab sie nach.

Leroy Banks hatte seine Gattin nicht zu der Ballettaufführung mitgebracht, vermutlich, weil er noch immer glaubte, er könne Jaci irgendwie für sich gewinnen. Leider.

    Jaci wusste, dass Ryan sein Bestes tat, um sie vor dem Frosch zu schützen. Gleichzeitig allerdings gab er sich Mühe, Leroy nicht zu verärgern. Deshalb machte er sich bereitwillig auf den Weg zur Bar, als Banks in der Pause erklärte, er brauche unbedingt einen Whiskey.

    Auch Leroy und Jaci hatten ihre Plätze verlassen. Im Foyer herrschte großes Gedränge. Daher war es nicht verwunderlich, dass jemand Jaci anrempelte. Beinahe hätte sie das Gleichgewicht verloren. Natürlich nutzte Mr. Gruselig die Gelegenheit, um seine feuchten Finger um ihren Arm zu schließen und sie festzuhalten.

    Jaci entzog sich ihm. Sie empfand Ekel – und staunte darüber, dass Ryans Berührungen sie unweigerlich erregten, während Leroys Nähe Brechreiz in ihr auslöste. Tatsächlich behagte ihr beides nicht. Es war ein wenig unheimlich, dass sie so heftig auf diese Männer reagierte. Den Frosch hätte sie keines Blickes gewürdigt, wenn er nicht derjenige gewesen wäre, der darüber entscheid, ob aus ihrem Drehbuch ein Film wurde. Und Ryan? Nach den Erfahrungen, die sie mit Clive gemacht hatte, scheute sie vor jeder engen Beziehung zurück.

    Zudem wäre es unverzeihlich dumm gewesen, ausgerechnet mit dem Boss ins Bett zu steigen. Sie würde ihre Karriere nicht wegen etwas Sex aufs Spiel setzen! Obwohl … Sie hätte schon gern gewusst, wie es sich anfühlte, heißen Sex zu haben. Sie hatte schnellen Sex kennengelernt, langweiligen Sex und unbefriedigenden Sex. Möglicherweise deckte das die gesamte Palette ab. Aber warum waren Ryans Küsse dann so ganz anders als alle, die sie früher bekommen hatte? Warum schien ihr ganzer Körper in Flammen zu stehen, wenn Ryan sie berührte?

    „Ich habe mit einem Privatdetektiv Kontakt aufgenommen“, sagte Leroy.

    Warum erzählt er mir das? Hoffentlich gelingt es mir, ein paar Minuten lang distanziert, aber höflich zu sein!

    „Was soll er denn für Sie herausfinden?“

    „Mir liegt viel an zuverlässigen Informationen über meine Geschäftspartner und deren Freunde und Angestellte.“ Banks sprach ganz ruhig. Dennoch stellten sich Jacis Nackenhaare auf. „Jackson habe ich schon vor einiger Zeit überprüfen lassen.“

    „Dann werden Sie ja herausgefunden haben, dass er ein vertrauenswürdiger, guter Geschäftspartner ist.“

    „Sicher?“

    „Ja. Ryan würde nie jemanden hintergehen.“ Im gleichen Moment wünschte sie, sie hätte den Mund gehalten. Es war unsinnig, Ryan zu verteidigen. Und es war auch vollkommen untypisch für sie, sich auf ein solches Gespräch mit einem Ekel wie Leroy einzulassen.

    „Komisch, dass Sie das sagen. Sie kennen ihn doch erst seit Kurzem.“

    Die blassen Augen des Froschs waren vollkommen ausdruckslos. Trotzdem konnte Jaci spüren, wie viel Bosheit in diesem Mann steckte.

    „Wie tief kann Ihre Bindung an Jackson sein, Jacqueline, da sie ihn doch erst seit ein paar Wochen kennen?“

    „Sie wissen wahrscheinlich, dass ich mich vor einigen Wochen von meinem früheren Verlobten getrennt habe. Ich gestehe, dass ich selbst erstaunt bin“, es kostete sie große Mühe, ruhig zu bleiben, „wie schnell ich mich aufs Neue verliebt habe. Nun, es ist wohl wahr, dass Liebe in unerwarteten Momenten und an unerwarteten Orten erwacht.“

    Leroy öffnete den Mund, doch Jaci ließ ihn nicht zu Wort kommen. „Sie sollten sich übrigens nach einem besseren Privatdetektiv umsehen. Ich kenne Ryan nämlich schon seit mehr als zwölf Jahren. Er war ein Studienkollege meines Bruders und häufig zu Gast in meinem Elternhaus.“ Sie schaute Mr. Eklig herausfordernd an. „Wollen Sie mir nicht verraten, woher Ihr Interesse an mir rührt? Es gibt schönere und reizvollere Frauen als mich. Frauen, die ungebunden sind und nichts gegen eine Affäre einzuwenden haben.“

    Er lachte. Es war ein höhnisches, boshaftes Lachen. „Es ärgert Ryan, dass ich Ihnen nachstelle. Sein Zorn macht ihn unvorsichtig. Das gefällt mir. Ich mag unvorsichtige Geschäftspartner. Außerdem finde ich Sie wirklich attraktiv, Jacqueline. Vor allem aber geht es mir darum, in allen Bereichen die Kontrolle zu behalten.“

    „Sie werden feststellen, dass man Ryan nicht kontrollieren kann.“

    „Er braucht mein Geld.“ Leroy fuhr mit der Fingerspitze über Jacis nackten Arm. „Deshalb wird er tun, was ich von ihm verlange. Jeder Mensch ist käuflich, nur der Preis variiert.“

    „Ich bin ebenso wenig käuflich wie Ryan.“

    „Unsinn! Ich muss nur herausfinden, womit ich Sie kaufen kann.“

    Wütend starrte Jaci ihn an.

    „Sie faszinieren mich, vielleicht, weil Sie irgendwie anders sind.“

    „Nicht so reich, nicht so verrückt und nicht so gierig wie die Frauen, mit denen Sie sich im Allgemeinen umgeben?“

    Sein Lachen klang drohend. „Es ist wohl eher so, dass Sie mich interessieren, weil Ryan so viel an Ihnen liegt.“

    Sie hatte also recht gehabt: Er fühlte sich Ryan unterlegen und wollte sich deshalb rächen. Wie dumm er war! Es gab nur wenige Männer, die es mit Ryan aufnehmen konnten. Der Frosch würde einsehen müssen, dass es leichter war, den Wind zu kontrollieren als Ryan.

    „Nun …“, begann sie.

    „Da bin ich wieder“, sagte Ryan, der sich ihnen unbemerkt genähert hatte.

    Leroy griff nach seinem Whiskey.

    „Alles in Ordnung?“, fragte Ryan und reichte Jaci ein Glas Weißwein.

    Sie spürte seine Stärke und Zuverlässigkeit und nickte dankbar. Ryan war nicht dumm, er erkannte an ihrem Gesicht, dass etwas vorgefallen war. Aber er würde vor Leroy nicht nach Details fragen.

    Ein Gong ertönte.

    „Zeit, zu unseren Plätzen zurückzugehen.“ Ryan reichte Jaci den Arm.

    Während sie sich in den Theatersaal zurückführen ließ, überlegte sie, ob es nicht am besten wäre, wenn sie sich aus der Gleichung nehmen würde. Wenn sie nicht mehr zwischen Ryan und Leroy stünde, hätte Leroy keinen Grund mehr, sich mit Ryan zu messen. Eine wundervolle Vorstellung! Doch leider hatte der Plan einen Haken. Jaci wusste, dass es unmöglich war, Banks jetzt zu gestehen, dass sie und Ryan nicht wirklich ein Paar waren. Der Frosch würde einen Wutanfall bekommen und „Blown Away“ auf keinen Fall finanzieren.

    Es musste eine andere Lösung geben. Fest stand, dass Leroy sich nicht schämte, die Freundin eines anderen Mannes zu belästigen. Aber sogar ein Ekel wie er würde verstehen, dass manche Frauen nicht zu haben waren. Man musste es ihm nur deutlich genug vermitteln.

    Bevor sie den Mut verlor, lehnte sie ihren Kopf an Ryans Schulter, schenkte Leroy ein kühles Lächeln und sagte: „Ihr Privatdetektiv ist wirklich nicht besonders tüchtig.“

    „Privatdetektiv?“, unterbrach Ryan sie. „Was für ein Privatdetektiv?“

    Jaci ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Sonst hätte er“, fuhr sie an Leroy gewandt fort, „Ihnen mitgeteilt, dass Ryan und ich uns so sehr lieben, dass wir ans Heiraten denken.“ Sie schaute zu Ryan auf. „Schon bald werden wir uns offiziell verloben. Nicht wahr, Liebling?“

 


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