Was zum Teufel hat sie sich nur dabei gedacht?
Zwei Stunden waren seit Jacis Ankündigung vergangen. Leroy hatte den angeblich Verlobten sauertöpfisch zu ihren Zukunftsplänen gratuliert, und Ryan schäumte innerlich noch immer vor Wut.
Wir denken ans Heiraten? Redet sie womöglich immer, ohne vorher zu denken?
Als sie jetzt das Theater verließen, legte er Jaci die Hand auf die Hüfte. Dann entdeckte er Jet Simons, der sich ihnen zielstrebig näherte. Wie eine Waffe hielt der Reporter seine Kamera vor sich. Verflixt! Simons war skrupellos. Das wusste Ryan, seit der Reporter sich ihm nach Bens und Kellys Tod an die Fersen geheftet hatte.
Ryan warf Simons einen wütenden Blick zu, den der natürlich ignorierte.
Nun, vielleicht war es noch möglich, den aufdringlichen Fragen zu entkommen. Ryan griff nach Jacis Hand und beschleunigte seine Schritte.
„Sieh an, sieh an. Leroy Banks und Jax Jackson!“ Irgendwie hatte Simons es geschafft, sich ihnen in den Weg zu stellen.
„Treten Sie zur Seite! Sonst könnte Ihnen oder Ihrer Kamera womöglich etwas zustoßen.“ Ryan schob das Objektiv zur Seite. Im Gegensatz zu den Schauspielern, die es liebten, wenn Fotos von ihnen in der Presse erschienen, hasste er es, fotografiert zu werden.
Doch Simons ließ sich nicht stoppen. Mehrfach leuchtete das Blitzlicht auf. Sichtlich beeindruckt musterte der Journalist Jaci. Am liebsten hätte Ryan den aufdringlichen Kerl niedergeschlagen. Dabei war ihm klar, dass er nicht einmal das Recht hatte, Besitzansprüche auf Jaci anzumelden. Sie war ja nicht wirklich seine Freundin. Ihre Liebesbeziehung war schließlich nur gespielt.
„Sie sind also Jaci Brookes-Lyon“, stellte Simons fest. „Ich muss sagen: Jax’ üblichem Beuteschema entsprechen Sie nicht.“
Ryan drückte Jacis Hand, um ihr zu verstehen zu geben, dass sie nicht antworten sollte. Er selbst sollte auch auf seinen eigenen Rat hören. Noch immer würde er den Reporter am liebsten mit seiner eigenen Kamera erschlagen.
Grinsend wandte sich Simons dem Frosch zu. „Mr. Banks, wie geht es Ihnen? Stecken Sie noch immer mit Jax unter einer Decke? Im übertragenen Sinn natürlich … Was halten Sie von seiner süßen kleinen Freundin? Glauben Sie, dass er sie wie alle anderen nach sechs Wochen abservieren wird?“
Ryan hörte, wie Jaci einen wütenden Protestlaut ausstieß. Doch er wandte seinen Blick nicht von Leroy ab, der jetzt boshaft und zugleich zufrieden lächelte.
„Die beiden überlegen zu heiraten.“ Banks fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. „Also hat die Kleine vielleicht mehr zu bieten als alle anderen vor ihr.“
Mit einem Fluch wandte Ryan sich ab. Dann wurde ihm klar, dass gerade eine solche Reaktion Leroys Behauptung eine gewisse Glaubhaftigkeit verlieh. Unwillkürlich ballte er seine freie Hand zur Faust.
Simons strahlte Jaci an. „Sie sind verlobt?“
„Das ist nicht, was …“
Ryan drückte ihre Hand so fest, dass Jaci verstummte und die Zähne zusammenbiss.
„Halt den Mund!“, zischte Ryan ihr ins Ohr, ehe er sich an Simons wandte: „Gehen Sie mir endlich aus den Augen!“
Der Reporter schien zu spüren, dass Jax mit seiner Geduld am Ende war. Rasch zog er sich zurück.
Sobald er außer Hörweite war, meinte Ryan zu Leroy: „Keine Ahnung, was für ein Spiel Sie spielen, Banks, aber ich rate Ihnen, es sofort und für immer zu beenden.“
Der Frosch zuckte die Schultern. „Sie sollten wissen, dass Sie so nicht mit mir reden dürfen, wenn ich Ihren Film finanzieren soll.“
Es fiel Ryan schwer, sich zu beherrschen. Er atmete ein paarmal tief durch, ehe er erklärte: „Bisher haben ich nicht einen Cent von Ihrem Geld gesehen. Also gibt es nichts, womit Sie mich unter Druck setzen könnten.“ Seine Stimme klang kalt und abweisend. „Und selbst, wenn Sie ‚Blown Away‘ finanzieren, wird es doch immer mein Film bleiben. Sie werden bei den Dreharbeiten nicht den Ton angeben. Denken Sie darüber nach. Wenn Sie zu dem Schluss kommen, dass Sie meine Bedingungen akzeptieren, dann melden Sie sich wieder bei mir.“
Banks errötete vor Zorn.
„Was meine Freundin betrifft“, fuhr Ryan fort, „so warne ich Sie hiermit zum letzten Mal: Lassen Sie Jaci in Ruhe!“
„Ryan?“ Vergeblich versuchte Jaci, seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, während er nach einem Taxi Ausschau hielt.
Leroy war ohne ein weiteres Wort zu seiner wartenden Limousine gegangen. Hinter der kam gerade ein Taxi zum Stehen. Ryan riss die Tür auf und schob Jaci auf die Rückbank.
Es ist alles ihre Schuld, dachte er. Warum hat sie auch ihren großen Mund aufgemacht und von einer geplanten Hochzeit gesprochen?
Und warum wollte er sie, obwohl er sie wegen ihres Verhaltens am liebsten geschüttelt hätte, immer noch küssen und jeden Zoll ihres Körpers erforschen?
„Ich will nichts hören!“ Er maß sie mit einem Blick, aus dem hoffentlich all sein Ärger und seine Irritation sprachen. Dann setzte er sich neben sie und schlug die Tür des Taxis zu.
„Ich möchte …“
Himmel, hörte sie ihm denn nie zu? „Sei still!“ Er nannte dem geduldig wartenden Fahrer Jacis Adresse.
„Ich verstehe, dass du …“ Jaci verstummte, als sie Ryans Blick auffing.
Seit dem Tod seiner Mutter hatte er einiges ertragen müssen. Von seinem Vater war er vernachlässigt und beschimpft worden, sofern dieser überhaupt von ihm Notiz nahm. Später hatte er Ben verloren und gleichzeitig auch Kelly. Daraus hatte er etwas gelernt: Vertrau niemandem, bleib für dich allein. Ja, er war gern allein. Es war sicherer. Und ausgerechnet jetzt sollte er verlobt sein? Verlobt mit einer Frau, mit der er noch nicht einmal das Bett geteilt hatte! War das fair?
„Lass mich dir erklären, warum …“
Offenbar war es unmöglich, Jaci zum Schweigen zu bringen. Ryan drehte sich zu ihr um. Doch statt ihr noch einmal zu sagen, dass sie still sein sollte, griff er zum einzigen Mittel, von dem er wusste, dass es funktionieren würde. Er presste seine Lippen auf ihre.
Jaci gab einen kleinen überraschten Laut von sich, und Ryan nutzte die Gelegenheit, als sie ihren Mund zum Protest öffnete, um den Kuss zu vertiefen.
Jaci schmeckte nach Champagner und einem Hauch von Pfefferminz. Ryan konnte spüren, wie überrascht sie war, aber auch, wie schnell ihre Erregung wuchs. Ihr Duft stieg ihm in die Nase, und er zog sie enger an sich. Der Stoff ihres Kleides fühlte sich gut an. Dennoch gab es nichts, was er sich mehr wünschte, als es ihr vom Leib zu reißen. Er begann, sie zu streicheln. Zuerst ihren Rücken, dann die Außenseite ihrer Brüste. Himmel, wie sehr sehnte er sich danach, diese wundervollen Brüste mit den Fingern zu umschließen und sie zu liebkosen, bis die Spitzen sich aufrichteten. Aber auf keinen Fall würde er dem Taxifahrer eine Show bieten, auch wenn seine Hose inzwischen schmerzhaft eng wurde. Oh Gott, wie sehr er Jaci begehrte!
In diesem Moment wandte sie den Kopf zur Seite, legte die Hände flach auf Ryans Brust, schob ihn von sich und rutschte ans andere Ende der Sitzbank. „Was tust du?“, stieß sie hervor.
War das nicht offensichtlich? „Ich küsse dich.“
„Erst befiehlst du mir, den Mund zu halten, und dann küsst du mich? Das ist verrückt!“
Damit mochte sie recht haben. Trotzdem verteidigte er sich: „Wenn du still gewesen wärst …“
„Ich wollte dir etwas erklären. Und du …“
„Merkst du denn nicht, dass ich deine idiotische Erklärung nicht hören will?“ Ryan spürte, wie die Wut erneut in ihm erwachte. Vorsichtshalber zog er sich ans andere Ende der Sitzbank zurück, möglichst weit entfernt von Jaci. „Wie konntest du nur etwas so unglaublich Dummes sagen? Liegt es daran, dass du der Welt beweisen willst, dass es trotz deiner gescheiterten Beziehung zu diesem Politiker noch einen Mann gibt, der bereit ist, dich zu heiraten? Bist du so verzweifelt? Ich jedenfalls habe nicht die Absicht, mich zu verloben. Ich habe immer sorgfältig darauf geachtet, nie länger als sechs Wochen mit derselben Frau auszugehen. Dann bist du aufgetaucht, und ich hatte plötzlich eine feste Freundin. Und jetzt auch noch eine Verlobte? Das geht zu weit!“
Nie hätte er damit gerechnet, dass Jacis ohnehin schon dunklen Augen noch schwärzer werden könnten. Doch genau das geschah. Wut und Stolz leuchteten aus diesen dunklen Augen. Ryan konnte sehen, dass er Jaci zutiefst verletzt hatte, und bereute seine heftigen Worte. Aber es war zu spät, er konnte nicht zurücknehmen, was er gesagt hatte. Jaci wandte sich von ihm ab und starrte aus dem Fenster. Ihre Hände lagen zu Fäusten geballt in ihrem Schoß.
Ryan stöhnte auf. Sein Leben war vollkommen aus den Fugen geraten. Wie hatte es nur dazu kommen können? Er brauchte einen Investor, wenn er „Blown Away“ realisieren wollte. Es war ihm ungeheuer wichtig, dass aus Jacis Drehbuch ein Film wurde. Leider schien keiner der üblichen Finanziers daran interessiert zu sein, ihn zu unterstützen. Außer Leroy! Und den hatte Jaci mit ihrem verrückten Benehmen und ihrer noch verrückteren Behauptung, verlobt zu sein, mehr oder weniger vergrault.
Aber wie kam es dann, dass er sie trotzdem so sehr begehrte? Wenn sie ihn geküsst oder gar in ihr Bett eingeladen hätte, dann hätte er ihr Angebot, ohne zu zögern, angenommen.
Verdammt! Er brauchte Abstand zu ihr, sonst würde er womöglich noch etwas Verrücktes tun. Dabei war dieser Abend wirklich schon verrückt genug gewesen.
Sobald das Taxi zum Stehen kam, griff Ryan an Jaci vorbei, um die Tür zu öffnen. Jaci schien es eilig zu haben, von ihm fortzukommen. Rasch stieg sie aus, wobei sie ihm einen Blick auf ihre langen, schön geformten Beine gewährte. Einen Moment lang sah er sogar ein mit Spitze besetztes Strumpfband aufblitzen.
Sie trug Strumpfbänder? Ryans Kopf fühlte sich plötzlich ganz leer an, während sein Blut gen Süden rauschte. Sein Instinkt forderte ihn auf herauszufinden, was noch alles unter ihrem Kleid verborgen lag. Beinahe wäre er Jaci hinterhergerannt. Zum Glück kam er noch rechtzeitig zur Vernunft.
