Mit dem Boss ins Bett? - Kapitel 9

Jaci erwachte, als Sonnenstrahlen ihren Nacken kitzelten. Sie lag auf dem Bauch, wie es ihre Gewohnheit war. Und sie war nackt, was überhaupt nicht ihrer Gewohnheit entsprach. Dann wurde ihr klar, dass sie nicht allein war. Neben ihr lag Ryan.

    Auch im Schlaf war sein Körper beeindruckend stark und männlich. Sein Gesicht allerdings wirkte jünger, weicher, verletzlicher. Und zufrieden. Ryan sah aus wie ein Mann, der kürzlich atemberaubend guten Sex gehabt hatte.

    Jaci errötete. Sie selbst jedenfalls hatte in Ryans Armen den besten Sex aller Zeiten erlebt. Aber das war kein Grund, jetzt noch neben ihm zu liegen. Es wäre viel vernünftiger gewesen, sich mitten in der Nacht mit einem Kuss von ihm zu verabschieden und nach Hause zu fahren.

    Sie unterdrückte ein Seufzen und streckte vorsichtig die Hand aus. Ryans Haut war warm, seine Muskeln fest. Dieser Mann hatte ihr so viele unglaubliche Höhepunkte beschert, dass es ihr noch immer wie ein Traum vorkam. Und es war wundervoll gewesen, sich schließlich vollkommen befriedigt und erschöpft an ihn zu schmiegen und einzuschlafen. Jaci hatte es genossen, in seinen Armen zu liegen, zu spüren, wie er ihren Nacken mit ein paar letzten kleinen Küssen liebkoste und dann sein Gesicht in ihrem Haar barg. Sie hatte nicht auf dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit verzichten wollen.

    Wie hatte sie nur so dumm sein können?

    Sex, einfacher, unkomplizierter Sex war gut. Er half, Bedürfnisse zu befriedigen, die eine gesunde Frau nun einmal hatte. Aber Gefühle waren gefährlich. Das hatte Jaci in London lernen müssen.

    Ryan ist nicht wie Clive, versuchte sie, sich zu beruhigen.

    Zweifellos hatte Ryan ihr mehr Zärtlichkeit entgegengebracht, als nötig gewesen wäre, um sie zu verführen und zu befriedigen. Er hatte sich von seiner leidenschaftlichsten Seite gezeigt. Er hatte sie mit Lippen und Händen verwöhnt, und ihr so den Weg gewiesen, auf dem sie ihm bereitwillig gefolgt war, zu dem magischen Ort, wo die Zeit stehen blieb. Aus seinen Blicken, seinen geflüsterten Worten, seinen Liebkosungen hatte zudem tiefe Zuneigung gesprochen. Zuneigung, die Jaci nicht mehr missen wollte.

    Verflixt! Sie durfte sich nicht selbst belügen. Zwischen ihr und Ryan hatte sich nichts geändert. Sie hatten Sex gehabt und ihn genossen. Aber Ryan war noch immer ihr Boss und nicht ihr Verlobter. Dass er ihr tiefere Gefühle entgegenbrachte, war nichts als ein dummer Wunschtraum. Ein sehr, sehr dummer Wunschtraum. Sex war Sex und durfte nicht mit Zuneigung oder gar Liebe verwechselt werden! Diese Lektion hatte sie in London ein für alle Mal gelernt!

    Immerhin konnten sie vielleicht Freunde sein. Ja, das wäre schön.

    Sie stand auf und schaute sich nach ihrer Kleidung um, entschied sich dann aber, lieber in Ryans Hemd vom Abend zuvor zu schlüpfen. Es war ihr natürlich viel zu groß, die Ärmel musste sie aufkrempeln. Und dann musste sie lächeln. Da stand sie nun, das brave Mädchen im Schlafzimmer des bösen Jungen, und trug nichts als sein Hemd. Es hätte eine Szene aus einem Drehbuch sein können!

    Da Ryan noch immer schlief, schaute Jaci sich erst einmal in Ruhe um. Der Raum wurde von dem riesigen Bett dominiert. Außerdem gab es einen Schaukelstuhl und eine Spiegelkommode. Während sie ihr Spiegelbild kritisch musterte – ihr Haar war eine Katastrophe! –, bemerkte Jaci mehrere silberne Bilderrahmen auf der Kommode, die allerdings nicht aufgestellt waren, sondern mit dem Bild nach unten lagen. Neugierig trat sie näher. Sie schob sich ein paar Ponyfransen aus der Stirn, verzog unwillig das Gesicht, weil sie so übermüdet aussah, und griff dann nach dem ersten Bilderrahmen.

    Er enthielt ein Foto von Ben. Ryans verstorbener Bruder wirkte so lebendig, so sexy und lebenslustig, dass Jaci einen Moment lang glaubte, er würde gleich aus dem Rahmen heraustreten. Es war einfach unvorstellbar, dass er tot war. Und doch war es die grausame Wirklichkeit. Kein Wunder, dass Ryan es nicht ertrug, dieses Foto anzuschauen.

    Wer mochte auf dem zweiten Bild zu sehen sein? Jaci konnte ihrer Neugier nicht widerstehen. Stirnrunzelnd betrachtete sie das hübsche Gesicht einer dunkelhaarigen Frau. Eine Fremde, die ihr allerdings irgendwie bekannt vorkam. Wer war sie? Und warum lag ihr Foto hier auf Ryans Kommode? Um seine Mutter konnte es sich nicht handeln. Frisur und Make-up waren viel zu modern. Vielleicht war es eine von Ryans Geliebten? Er musste in den vergangenen Jahren eine Menge Affären gehabt haben, wenn man den Gerüchten glauben konnte. Aber angeblich hatte er zu keiner der Frauen eine ernsthafte Beziehung unterhalten. Seltsam …

    Sie legte das Bild zurück und ärgerte sich, dass sie plötzlich einen unangenehmen Schmerz empfand. War sie etwa eifersüchtig? Himmel, das musste aufhören! Sie straffte die Schultern, hob den Blick – und sah im Spiegel, dass Ryan direkt hinter ihr stand. Er wirkte kühl, distanziert. Von dem leidenschaftlichen und zärtlichen Liebhaber der letzten Nacht war nichts übrig geblieben.

    „Du brauchst gar nicht erst zu fragen.“ Obwohl er nackt war, gab es nicht den geringsten Hinweis auf Intimität zwischen ihnen. Er hätte genauso gut eine Rüstung tragen können, so fremd und feindselig wirkte er.

    Sein Benehmen verletzte Jaci. War es möglich, dass sie sein Verhalten in der letzten Nacht vollkommen falsch gedeutet hatte? Hatte er wirklich nur Sex gewollt? War ihm der Mensch Jaci gleichgültig? Vielleicht war das, was sie für Zuneigung gehalten hatte, nur Berechnung gewesen. Traurig betrachtete sie seine abweisende Miene.

    Die alte Jaci – die, die sie in London gewesen war – hätte sich jetzt in aller Eile angezogen, sich dafür entschuldigt, dass sie Ryan verärgert hatte, und seine Wohnung überstürzt verlassen. Die neue Jaci aber war aus anderem Holz geschnitzt.

    „Ist das alles, was du zu sagen hast?“

    Ryan zuckte die Schultern. „Ich werde den Tag nicht mit einer Diskussion über sie anfangen.“

    „Ich weiß nicht einmal, wer sie ist.“

    Jetzt funkelten Ryans Augen zornig. „Keine Diskussion! Das ist doch wohl eindeutig genug!“ Damit wandte er sich ab, griff nach einer Jeans, die über dem Stuhl hing, und schlüpfte hinein.

    „Du findest es also richtig, mich nach allen schmutzigen Details über meinen Exverlobten zu fragen und mir dann nicht einmal den Namen der Frau zu verraten, deren Bild auf deiner Kommode steht. Pardon, deren Bild auf deiner Kommode liegt.“

    „Allerdings.“

    Sprachlos vor Entrüstung starrte sie ihn an.

    „Ich habe dich nicht gedrängt, mir von Clive zu erzählen. Du selbst hast dich dazu entschieden. Ich hingegen entscheide mich, nicht über die Vergangenheit zu sprechen.“

    Jaci ballte die Hände zu Fäusten. Wie hatte auf diese nahezu perfekte Nacht ein so schrecklicher Morgen folgen können? Was war geschehen? Warum war es plötzlich unmöglich, eine freundschaftliche Unterhaltung mit Ryan zu führen? Und warum kränkte es sie so sehr, dass er sich so verschlossen gab? Schließlich hatte er – das musste sie eingestehen – jedes Recht, nicht über die Vergangenheit zu reden.

    Ich sollte mich nicht so albern benehmen. Diese Frau geht mich nichts an.

    Auf keinen Fall wollte Jaci sich aufführen wie eine neugierige, besitzergreifende, eifersüchtige Tussi. Deshalb schenkte sie Ryan ein kühles Lächeln und sagte: „Entschuldige, ich wollte mich nicht in deine Angelegenheiten mischen.“ Sie begann, ihre herumliegenden Kleidungsstücke aufzuheben. „Darf ich dein Bad benutzen?“

    „Du weißt sehr gut, dass du das Bad benutzen kannst, wann immer du willst“, fuhr er sie an.

    Anscheinend konnte sie ihm heute gar nichts recht machen! Ohne ihn eines Blickes zu würdigen, verließ sie das Zimmer. Auf sich selbst war sie mindestens so wütend wie auf ihn. Es war nicht ungewöhnlich, dass der Morgen danach sich als unangenehm entpuppte. Wenn sie nur ein wenig klüger gewesen wäre, hätte sie nicht bei Ryan übernachtet, sondern wäre nach Hause gefahren, solange die Stimmung zwischen ihnen noch gut war.

    Wann würde sie es endlich lernen?

 

Unterdessen hatte Ryan mit heftig klopfendem Herzen darauf gewartet, dass Jaci die Badezimmertür hinter sich schloss. Jetzt stützte er sich auf den Rand der Kommode und ließ den Kopf nach vorn sinken.

    Nun habe ich uns beiden den Morgen verdorben. Ich sollte wirklich in der Lage sein, eine solche Situation besser zu meistern. Warum habe ich Jaci auf eine einfache Frage nicht die passende einfache Antwort gegeben?

    Jaci hatte lediglich wissen wollen, wer die Frau auf dem Foto war.

    Nun gut, die Antwort war nicht wirklich einfach. Eine Zeit lang war Kelly der wichtigste Mensch in seinem Leben gewesen. Er hatte sie bewundert und geliebt. Er hatte ihr vertraut, bis sich herausstellte, dass Kelly eine Affäre mit Ben hatte.

    Hätte er Jaci das sagen sollen? Dass Kelly Bens Geliebte gewesen war? Aber wie hätte er dann erklären sollen, dass ihr Foto auf der Kommode in seinem Schlafzimmer stand?

    Ryan richtete sich auf. Was für ein unangenehmer Morgen nach einer mehr als angenehmen Nacht …

    Er fühlte sich alt, verbraucht, müde. Mit schweren Schritten ging er zum Fenster, öffnete die Vorhänge und schaute auf den Central Park hinunter. Das frische Grün der Bäume und Sträucher bewies, dass der Frühling gekommen war. Früher hatte dieser Anblick stets genügt, um Ryan aufzuheitern. Heute jedoch konnte er seine gedrückte Stimmung nicht abschütteln. Es gelang ihm nicht, den Kopf freizubekommen. Unablässig drehten seine Gedanken sich um Jaci.

    Er hörte, dass Wasser lief. Also stand Jaci wohl gerade nackt unter der Dusche. Eine irgendwie beunruhigende Vorstellung. Im Allgemeinen verließ Ryan das Bett, lange ehe die Frau aufwachte, mit der er Sex gehabt hatte. An diesem Morgen allerdings war er mit geschlossenen Augen liegen geblieben. Ein unbekanntes Glücksgefühl hatte ihn erfüllt. Er hatte die Hand ausgestreckt, um Jaci zu berühren. Die Erkenntnis, dass sie nicht mehr neben ihm lag, hatte ihn getroffen wie ein Schwall Eiswasser. Einen Moment lang hatte er geglaubt, sie habe ihn verlassen, ohne sich zu verabschieden. Eine Vorstellung, die er kaum ertragen konnte …

    Das wiederum hatte ihn so beunruhigt, dass er die Augen aufgerissen und sich geradezu panisch im Raum umgesehen hatte.

    Jaci hatte an der Kommode gestanden.

    Doch statt sich darüber zu freuen, dass sie noch da war, hatte sich ein tiefer Groll in Ryan geregt. Nicht, weil Jaci sich die Fotos anschaute, sondern weil sie die Routine störte, die ihm in den letzten Jahren immer wichtiger geworden war. Er hatte sich entschieden, allein zu leben. Er war zufrieden damit gewesen, alle Frauen – auch die, mit denen er das Bett teilte – auf Distanz zu halten. Er hatte sein Herz geschützt, indem er sich keine tiefen Gefühle gestattete. Das hatte wunderbar funktioniert – bis Jaci aufgetaucht war.

    Er wollte für sie nicht mehr empfinden als für die vielen Frauen vor ihr. Kellys Untreue war ihm eine Lehre gewesen. Wieder spürte er den Schmerz, den Bens und Kellys Verrat ihm bereitet hatte. Man durfte den Menschen nicht vertrauen, insbesondere dann nicht, wenn sie einem etwas bedeuteten.

    Andererseits war es vielleicht nicht fair, alle Frauen nach der einen zu beurteilen, die ihn so verletzt hatte. Wusste er nicht im tiefsten Inneren seines Herzens, dass Jaci anders war als Kelly?

    Nein, sagte er sich, woher sollte ich das wissen? Wie gut kannte er Jaci überhaupt? Es war nicht klug, Risiken einzugehen.

    Ryan holte sich ein T-Shirt, zog ein paar Sportschuhe an, warf einen Blick auf die nach wie vor geschlossene Badezimmertür und trat dann noch einmal zur Kommode. Sowohl Ben als auch Kelly schauten ihn an, denn Jaci hatte die Bilderrahmen aufrecht hingestellt. Also gut, er würde die Fotos so stehen lassen.

    „Jaci“, rief er in Richtung Badezimmer, „ich hole uns ein paar Bagels. In zehn Minuten bin ich zurück.“

    „Dann bin ich nicht mehr hier“, rief sie zurück. „Ich habe etwas zu erledigen.“

    Natürlich hatte sie so wenig etwas zu erledigen, wie er Appetit auf Bagels hatte. Trotzdem tat er, als glaube er ihr. „Okay, dann bis später!“

    Gerade noch rechtzeitig merkte er, dass er im Begriff war, ins Badezimmer zu gehen statt zum Aufzug. Was war nur los mit ihm? Wenn er Jaci jetzt sah, würde er sich wieder danach sehnen, sie zu küssen, zu streicheln und eins mit ihr zu werden. Erneut würden diese verwirrenden und ganz und gar unerwünschten Gefühle in ihm erwachen. Er musste vernünftig sein. Er musste sich in Sicherheit bringen. Er musste die Wohnung so schnell wie möglich verlassen.

 

Im Frühling war der Garten ihres Elternhauses am schönsten. Dessen war Jaci sich ganz sicher. Osterglocken leuchteten in strahlendem Gelb, blaue Glockenblumen nickten im leichten Wind. Auf der anderen Seite der Wiese, hinter dem großen Zelt, das wegen der Hochzeitsfeier aufgestellt worden war, gab es Rhododendren und Azaleen, deren Blätter in frischem Grün glänzten.

    Es war bezaubernd. Es war ihr Zuhause.

    Trotzdem fühlte sich Jaci miserabel.

    Sie saß in der zum Haupthaus gehörenden Kapelle, zusammen mit den anderen Hochzeitsgästen. Hier würden Neil und seine Verlobte getraut werden. Doch Jaci schaute nicht auf das Brautpaar, sondern aus dem Fenster. Hinter dem bunten Glas konnte sie das Zelt erahnen, in dem man später essen, trinken und tanzen würde.

    Das Arrangement erinnerte sie daran, was sie für ihre eigene Hochzeit geplant hatte – jene Hochzeit, die nie stattfinden würde. Wie alle jungen Bräute hatte Jaci sich oft ausgemalt, wie der schönste Tag ihres Lebens verlaufen sollte. Sie hätte sich von ihrer Mutter beim Ankleiden helfen lassen. Und hier im Garten ihrer Eltern sollte auch das große Fest stattfinden. Sie hatte sich vorgestellt, wie aufgeregt ihr Bräutigam sein würde. Und wie gut es sich anfühlen würde, ihm vor Gott und der Welt ihr Jawort zu geben.

    Aber ihre Träume waren zerplatzt wie eine Seifenblase. Sie selbst war nach New York geflohen, wo sie Ryan getroffen hatte. Der saß jetzt als Trauzeuge ganz vorn in der Kapelle. Als er gemeinsam mit Neil durch den Mittelgang geschritten war, hatte Jaci ausgiebig seine breiten Schultern, die schmalen Hüften, die muskulösen Arme und Schenkel bewundern können. Er sah beinahe genauso umwerfend aus wie dann, wenn er gar nichts trug. Ihr war eingefallen, wie gut seine nackte Haut sich angefühlt hatte. Und dann hatte sie sich selbst verboten, daran zu denken. Schließlich befand sie sich in einem Gotteshaus.

    Sie unterdrückte ein Seufzen. In der vergangenen Woche war Ryan ihr aus dem Weg gegangen. Soweit sie wusste, hatte er mehrere Tage in Los Angeles verbracht. Daher hatte sie erst heute gesehen, dass er beim Frisör gewesen war. Das kurze Haar stand ihm gut. Aber vermutlich hätte er auch dann noch umwerfend sexy ausgesehen, wenn er sich für einen rasierten Schädel oder eine Zöpfchenfrisur entschieden hätte.

    Unwillkürlich musste sie schmunzeln. Doch schon meldete sich wieder der Zorn, den sie auf ihn empfand, weil er sich so lange nicht bei ihr gemeldet hatte. Kein Anruf, keine Mail, keine SMS. Sie wünschte, sie könnte Ryan vergessen. Doch stattdessen wollte sie ihn noch immer.

    Jemand legte ihr den Arm um die Taille. Der Duft eines vertrauten Parfüms stieg Jaci in die Nase. Natürlich, Meredith hatte sich neben sie gesetzt.

    „Geht es dir gut, Schwesterchen?“, flüsterte sie Jaci ins Ohr.

    Die zuckte die Schultern. Schließlich konnte sie nicht gut sagen, dass ihr Leben ein einziger Trümmerhaufen war.

    Wenn Banks den Film nicht finanziert, werde ich bald arbeitslos sein. Aber viel schlimmer noch ist, dass ich mich wahrscheinlich in den Mann verliebt habe, der mich angeblich irgendwann in der fernen Zukunft heiraten will, der sich aber tatsächlich überhaupt nicht für mich interessiert. Sonst hätte er sich ja wohl einmal bei mir gemeldet, nachdem wir so fantastischen Sex miteinander hatten.

    Schweigend betrachtete sie ihre Schwester, die mit ihrem schwarzen Haar und den dunklen Augen beinahe orientalisch wirkte.

    „Du und Ryan, ihr habt also etwas miteinander?“, flüsterte Meredith.

    Abwehrend schüttelte Jaci den Kopf.

    „Willst du behaupten, Mum hätte sich getäuscht, als sie mir erzählte, dieser unglaublich attraktive Mann und du …“

    „Sogar die Zeitungen haben darüber berichtet, dass wir ein Paar sind“, unterbrach Jaci sie leise. „Aber es war nur Theater.“

    „Ihr seid also nicht in einer Beziehung?“

    „Ein paar heiße Nächte sind noch keine Beziehung.“

    „Das möchte ich genauer wissen!“

    „Pst“, zischte jemand hinter ihnen. „Ich will die Predigt hören.“

    „Und ich kämpfe darum, wach zu bleiben“, zischte Meredith zurück.

    In diesem Moment wandte Ryan den Kopf. Fühlte auch er sich von dem Getuschel gestört? Einen Moment lang blieb sein Blick an Jacis Gesicht hängen, bevor er kurz auf ihre Brüste fiel. Sogleich wurde ihr heiß. Ein wohliger Schauer überlief sie, und ihre Brustwarzen richteten sich auf. Um Ryans Mund spielte ein wissendes Lächeln. Ahnte er, was in ihr vorging? Innerlich verfluchte sie ihren verräterischen Körper. Wütend verschränkte sie die Arme vor der Brust und starrte auf die Rücklehne der Kirchenbank vor ihr.

    „Es wäre nicht falsch, wenn du deinem Bruder ein wenig Aufmerksamkeit schenken würdest“, flüsterte Meredith. „Das ist der Mann, der heute das Mädchen im weißen Kleid heiratet.“

    „Ich versuche es ja“, gab Jaci ebenso leise zurück. „Aber Ryan ist so arrogant und … und nervtötend, dass es mir schwerfällt, mich auf etwas anderes als meinen Ärger zu konzentrieren.“

    „Das hört sich kompliziert an“, stellte Meredith mitfühlend fest. „Aber wenn er auch noch so nervtötend wäre, es würde nichts daran ändern, dass er unglaublich sexy ist.“

    Priscilla, die in der Bank vor ihren Töchtern saß, drehte sich um und bedachte die beiden mit einem bösen Blick.

    Selbst die charakterstarke, selbstbewusste Meredith wusste, dass es nun an der Zeit war, den Mund zu halten.

 


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