Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, meinte Philippa, als Valerian die Geschichte von jenem verhängnisvollen Abend zu Ende erzählt hatte. Seine Enthüllungen verunsicherten sie zutiefst. Sie hatte ihre innere Stärke auf der Überzeugung aufgebaut, dass er an jenem Abend die Wahrheit gesprochen hatte und sie wirklich nur eine flüchtige Affäre für ihn gewesen war. All ihr Misstrauen und ihre harten Worte waren auf diese Nacht zurückzuführen.
Mit seiner Darstellung der damaligen Ereignisse brachte Valerian nun das ganze Fundament ihrer Überzeugung ins Wanken. Ihre Welt war aus den Fugen geraten, nichts war mehr so wie zuvor. Sie konnte Valerian wieder lieben. Der einzige Grund, warum sie ihre Gefühle für ihn unterdrückt hatte, war von ihm ausgeräumt worden.
„Sag, dass du mir glaubst“, bat er ruhig und hielt ihre Hände fest in seinen. Schon vor geraumer Zeit hatten sie sich einfach auf den Boden des Ballsaals gesetzt. Die Schatten waren länger geworden, der Abend brach allmählich an. Das Parkett war hart und unbequem, aber um nichts in der Welt hätte Philippa den staubigen Platz verlassen können. Valerians Erzählung hatte sie von Anfang an gefesselt. Plötzlich ergab es einen Sinn, warum sie seine Äußerungen an jenem besagten Abend so befremdlich gefunden hatte. Dieser ganze Unsinn über gesellschaftliche Anerkennung hatte auch ganz und gar nicht nach dem Valerian geklungen, den sie kannte.
Hinter ihr ertönte von der Tür her eine Stimme, und Philippa drehte sich um. „Ich bürge für ihn. Die Buchführung der Pendennys bestätigt das, was er sagt. Wir brauchten Cambourne, und Vater hat alles in die Wege geleitet.“ Beldon stieß sich vom Türrahmen ab und kam auf sie zu.
„Beldon, du weißt Bescheid?“ Philippa stand unbeholfen auf und strich glättend über ihr Kleid.
„Ich hatte so einen Verdacht.“ Beldon lachte unfroh auf. „Zuerst dachte ich, was für ein glücklicher Zufall es doch sei, dass Cambourne genau zu dem Zeitpunkt mit seinem Vermögen auftauchte, als wir es so dringend benötigten. Und dann fügte sich alles Stück für Stück zusammen. Ich habe in den alten Büchern nachgesehen und entdeckt, dass Cambourne keineswegs zufällig in unser Leben getreten war. Das war Vaters letzter großer Schachzug, um uns zu retten.“
„Ich wünschte, du hättest es mir gesagt“, wandte Philippa sich mit leisem Vorwurf in der Stimme an Valerian.
„Aber das konnte ich doch nicht! Du warst schon verzweifelt genug an jenem Abend. Wenn du auch nur die leiseste Chance gewittert hättest, die Pläne deines Vaters zu durchkreuzen oder mich auf deine Seite zu ziehen, du wärst niemals damit einverstanden gewesen, Cambourne zu heiraten.“
„Also hast du die Entscheidung für mich getroffen?“ Philippas Zorn begann sich zu regen. „Du hast beschlossen, es wäre besser, wenn ich dir das Schlimmste unterstelle, gegen meine eigentliche Überzeugung?“ Sie sah, wie Beldon sich unauffällig zurückzog. Nun gut, das ging ohnehin nur sie und Valerian etwas an.
„Dein Vater hat das von mir verlangt!“ Auch Valerians Verärgerung war ihm jetzt deutlich anzuhören. „Wenn du Bescheid gewusst hättest, wären wir wahrscheinlich Gott weiß wohin durchgebrannt, mit nichts außer unserer Kleidung auf dem Leib.“
„Es war mein Leben.“ Philippa stampfte gereizt mit dem Fuß auf. Sie war es leid, dass Männer immer meinten, entscheiden zu müssen, was für sie das Beste war. Erst ihr Vater, dann Lucien und nun auch noch Valerian. Hielten eigentlich alle
