Ransom Canyon: A Christmas Affair

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Ransom Canyon 9: A Christmas Affair

Weihnachten, die Zeit der Wunder und der Liebe: eine romantische Short Story aus dem Ransom-Canyon-Universum

Maria Anne Davis träumt von einer Karriere als Chefköchin in Dallas, doch ein schwerer Unfall kostet sie das Augenlicht. Aber sie gibt nicht auf: Statt Gäste zu bewirten, verkauft sie nun erfolgreich hausgemachte Marmeladen und Gelees an den kleinen Gemischtwarenladen in Crossroads. Professionell läuft es gut, ihre Geschenkkörbe zum Weihnachtsfest sind heiß begehrt! Aber Liebe? Daran denkt Maria nicht. Bis sie merkt, wie viel ihr der zurückhaltende Ladenbesitzer Wes Whitman bedeutet. Er entzündet in ihrem Herzen ein helles Licht der Hoffnung. Doch wie soll sie es anstellen, den schüchternen Mann für sich zu gewinnen? Sie macht ihm einen gewagten Vorschlag: eine heimliche Affäre …


  • Erscheinungstag 19.10.2026
  • Bandnummer 9
  • ISBN / Artikelnummer 9783751538978
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Jodi Thomas

Ransom Canyon: A Christmas Affair

1. KAPITEL

Travis Fuller schlug den Kragen seiner Jeansjacke hoch und versuchte, noch weiter auf den Rücksitz des Sheriff-Wagens zu rutschen. Er hasste es, dass Polizeiautos immer nach Erbrochenem und abgestandenem Kaffee rochen. Er hasste kalte Tage. Er hasste Kleinstädte, und er hasste den Deputy, der ihn am Flughafen von Lubbock abgeholt hatte, als wäre er ein Hund aus dem Tierheim, der in ein neues Zuhause gebracht wurde.

Verdammt, dachte er, falls ich überhaupt jemals meinen sechzehnten Geburtstag erreiche, hasse ich es wahrscheinlich auch, auf mich allein gestellt zu sein. Längst hatte er gelernt, dass der nächste Ort meistens schlimmer war als der letzte, und Crossroads, Texas, sah aus, als wäre der Boden des Fasses erreicht.

Mit sieben hatte Travis sich vorgenommen, dass er, sobald er sechzehn wäre, weglaufen und nie wieder zurückblicken würde. Er konnte sich selbst kaum schlechter großziehen, als seine Eltern es getan hatten. Beide waren Trinker. Seine Mutter war gemein, sein Vater dumm. Ihr letzter Streit hatte damit geendet, dass sie im Krankenhaus und er im Gefängnis gelandet waren.

„Und ich?“, murmelte er. „Ich muss nach Texas, in dieses gottverlassene Nest, nur weil ich ihr Kind bin.“

Der Deputy drehte das Radio leiser und schaute nach hinten. „Alles in Ordnung, Junge?“

„Ich bin kein Junge. Ich werde bald sechzehn.“

„Alles klar“, sagte der Deputy und lachte. „Na dann, Mr. Fuller, willkommen in Crossroads. Sieht so aus, als würden Sie eine Weile bei uns bleiben.“ Er machte eine kurze Pause. „Dir wird es hier gefallen. Die drei Onkel, bei denen du unterkommst, sind wirklich nette Kerle. Einer war fast vierzig Jahre lang Lehrer, einer arbeitet immer noch als Cowboy, und der dritte, Horace Fuller, bei dem weiß keiner, womit er sein Geld verdient hat, aber er hat bis jetzt immer seine Rechnungen bezahlt. Er ist quasi der Dorf-Eremit, und das ist gar nicht so einfach in einer kleinen Stadt.“

„Das sind nicht meine Onkel“, brummelte Travis.

„Stimmt. Großonkel. In eurer Familie scheinen alle sehr alt zu werden. Ich schätze, alle drei haben die siebzig längst hinter sich.“

„Ist mir egal. Keiner von denen hatte jemals Frau oder Kinder, also ist es mit ihren Umgangsformen wahrscheinlich nicht weit her.“

Deputy Cline widersprach nicht, fügte aber hinzu: „Sie haben bei Horace einen Platz für dich hergerichtet. Hoch oben, fast wie ein Baumhaus. Ich würde mich nicht wundern, wenn du von dort die Lichter des Ortes sehen kannst.“

„Toll. Noch ein Käfig.“ Travis sah aus dem Fenster, als der Deputy vom Highway abfuhr. Im winterlichen Morgenlicht lag die Stadt braun und verlassen da. Die meisten Gebäude waren quadratisch und niedrig.

„Hat hier jemals ein Architekt gewohnt?“, fragte Travis und runzelte die Stirn.„Nein. Nicht dass ich wüsste.“

„Kann ich mir denken. Frank Lloyd Wright würde hier einen Herzinfarkt bekommen.“ Travis konnte stundenlang in Bibliotheken über Büchern mit Wrights Arbeiten sitzen. Für ihn waren diese Gebäude Kunst, jedes einzelne ein Meisterwerk.

„Wright? Das ist doch der berühmte Architekt, der all diese komischen Gebäude gebaut hat, oder?“, sagte Deputy Cline, als würde er in einer Quizshow mitspielen. „Ich habe mal als Zimmermann gearbeitet, aber bei so was wie seinen Entwürfen wüsste ich nicht mal, wo ich anfangen soll.“

„Er war ein Genie“, murmelte Travis.

Eigentlich hatte er keine Lust, sich mit dem Deputy zu unterhalten. Cline war offenbar so neu in dem Job, dass er nicht einmal wusste, dass man mit niemandem auf der Rückbank redete. Travis hatte schon genug Fahrten hinter sich, um diese Regel zu kennen.

Als der Deputy durch eine Kurve fuhr, fragte Travis, mehr um das Thema zu wechseln als aus echtem Interesse: „Was ist das, ein Schuppen für Steppenläufer?“ Dabei deutete er auf ein offenes Gebäude auf einem Stück Land in der Ortsmitte, wo sich die Straßen kreuzten.

Deputy Cline lachte, als würde er die Frage für einen Witz halten. „Das ist unser Marktplatz. Das Ding in der Mitte sollte mal ein richtig schöner Pavillon werden, aber irgendwie ist das Projekt im Sande verlaufen. Vielleicht nimmt irgendein Ausschuss es im Frühjahr wieder auf seine Liste.“

Travis richtete sich auf. „Hat Ihnen mal jemand gesagt, dass der Marktplatz ein Dreieck ist?“

„Nein“, antwortete der Deputy so schnell, dass Travis das Gefühl beschlich, Cline hätte die Frage schon ein paar Mal zu oft gehört.

Der Deputy wich ihm aus, tat das, was Leute machten, wenn sie einem, der zu jung zum Wählen war, eine Frage nicht beantworten wollten. So ähnlich wie Eltern, die ihren Kindern sagten, sie könnten froh sein, wie gut es ihnen gehe, auch wenn die ganze Welt gerade auseinanderbrach.

Ja, dachte Travis, mir geht es wirklich gut. Mom ist halb tot, Dad wird diesmal wahrscheinlich nie wieder aus dem Gefängnis rauskommen, und ich muss bei drei verrückten alten Großonkeln wohnen, die nicht eine einzige Frau für heiratswürdig gehalten haben.

Drei Wochen bis Weihnachten, und alles, was er wollte, war ein Busticket, damit er seinem Leben entfliehen konnte.

2. KAPITEL

Wes Whitman sah zu, wie Maria Anne Davis lautlos hin und her ging, vom Farm-Pick-up, der direkt draußen vor der Seitentür stand, zu ihrem Regalbereich in seinem Gemischtwarenladen.

Jeden Mittwoch füllte sie die Regale mit Davis Delightful-Marmeladen und -Gelees wieder auf, und jeden Mittwoch behielt er sie aus drei Meter Entfernung im Blick. Er stand bereit, einzugreifen und zu helfen, falls nötig, aber ohne sie zu bedrängen.

Die zierliche Frau konnte kaum über dreißig sein, und in ihren Bewegungen lag eine kontrollierte Anmut. Sie zählte ihre Schritte, berührte vertraute Punkte auf ihrem Weg, und bevor sie eine Kiste hereintrug, überzeugte sie sich jedes Mal, dass alles an seinem Platz war. Maria Anne Davis mochte blind sein, aber sie benutzte ihre anderen Sinne und ihren Verstand.

Ihr zuzusehen, kam ihm vor wie Poesie, doch dann musste er über sich selbst lachen, weil der Gedanke fast romantisch klang.

Wes sorgte dafür, dass alles ganz genauso war wie in der Woche davor. Nichts lag im Gang, was ihr den Weg hätte versperren können. In der Stille des frühen Morgens füllte sie die Regale auf, und er sah ihr zu.

Sie mochte zierlich sein, aber sie war stark. Stets trug sie Jeans und ein blau kariertes Hemd, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt. Nichts Ausgefallenes. Nie auffällig. Aber trotzdem hübsch mit den dunklen Locken, die ihr fast bis zur Taille reichten.

Anfangs hatte er sich zu sehr bemüht, ihr zu helfen, bis er begriffen hatte, dass Maria Anne keine Unterstützung brauchte. Sie genoss es, in der Stille der Morgendämmerung allein zu sein, bevor die ersten Kunden kamen.

Wenn er sie in Ruhe arbeiten ließ, waren die Regale am Ende aufgefüllt, jedes Etikett zeigte nach vorn, alles ordentlich.

Jede Woche versuchte er, mit ihr zu reden. Er mochte ihre scheue Art und ihre anmutigen Bewegungen. Wahrscheinlich würde er auch ihre Stimme mögen, wenn er jemals mehr als nur ein Flüstern von ihr hören würde. Sie war zu scheu, zu schön für jemanden wie ihn. Die Leute sagten, wenn sie nicht vor fünf Jahren bei einem Autounfall erblindet wäre, wäre sie heute eine erfolgreiche Köchin in Dallas.

Sie würde sich nie für ihn interessieren, egal wie sehr er sich bemühte. Zwischen ihnen würde es nie mehr geben als eine Geschäftsbeziehung.

Er musste sich damit begnügen, im Hintergrund zu bleiben und ihr zuzusehen, ihr nie in die Quere zu kommen, nie zu viel zu reden, aus Angst, sie abzulenken. Hin und wieder hatte er ihr im Lauf der Jahre seine Hilfe angeboten, und sie hatte jedes Mal den Kopf geschüttelt und leise „Nein“ geflüstert. Aber wenn er einfach nur dastand und wartete, war sie irgendwann fertig, wandte sich in seine Richtung und sagte seinen Namen.

Dann trat er vor und bot ihr den Arm.

Marias kleine Hand glitt darauf durch die Luft, bis sie sein gestärktes Hemd streifte. Mit ihren Fingern auf seinem Arm führte er sie in sein Büro, wo sie die Verkäufe der letzten Woche abrechneten.

Wes wusste, dass sie den Weg zu seinem Büro mühelos auch allein gefunden hätte, aber sie schien dieses einfache wöchentliche Ritual zu genießen. Auf seltsame Weise fühlte er sich dabei fast wie ein Ritter, der eine edle Dame eskortierte.

Er vermutete, dass er sie auch nach mehr als vier Jahren noch einschüchterte, wusste aber nicht, warum. Schließlich war der einzige Mensch, der noch schüchterner war als sie, er selbst.

„Schöner Tag, nicht wahr?“, sagte er, als sie die drei Meter bis zu seinem Büro gingen.

Sie nickte. „Fast Weihnachten.“

„Der Regen, den der Wetterfrosch für nächste Woche vorhergesagt hat, könnte zu Schnee werden. Dann bekommen wir weiße Weihnachten.“

Sie lächelte, und er fand, dass er ein Idiot war. Eine weiße Weihnacht würde einem blinden Menschen nichts bedeuten. Sie würde einfach nur Kälte bringen.

Er öffnete die Bürotür, Maria Anna ging hinein und ließ die Fingerspitzen über die Kartons gleiten, die an der linken Wand aufgereiht waren. Er sorgte dafür, dass sie immer dort standen, immer in derselben Höhe, damit sie ihren Stuhl vor seinem Schreibtisch problemlos finden konnte.

Maria setzte sich immer auf die Stuhlkante und wartete, bis er ihr den Scheck ausgestellt hatte. Dann berührte sie ihr Handy, die Drei auf der Kurzwahl, rief ihre Schwester an und sagte nur: „Ich bin so weit.“

Wenn er ihr den Scheck reichte, berührten sich manchmal ihre Finger, mehr nicht.

Sie flüsterte ein „Danke“ und stand auf.

Er folgte ihr hinaus, aber auf dem Rückweg nahm sie nicht seinen Arm. Sie kannte den Weg. Die Orientierungspunkte, wo sie eine Auslage streifte oder die Hand an den Glastüren seiner Tiefkühlabteilung entlanggleiten ließ, reichten ihr.

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