Ransom Canyon: Winter's Camp

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

Ransom Canyon 10: Winter's Camp

Wie alles begann ...

Texas, 1872: James Randall Kirkland hat das ungebundene Leben satt. Er ist fast dreißig Jahre alt und sehnt sich nach einer echten Heimat. Die weitläufige Gegend um den Ransom Canyon könnte der richtige Ort sein. Hier will er Land kaufen und Rinder züchten. Allein, denn eine Frau wird sich in dieser Einsamkeit sicher nicht wohlfühlen. Doch dann fällt sein Blick am Fluss, wo Ureinwohner Handel treiben und er Wintervorräte kaufen will, auf die Apachin Millie. Aus ihrem Stamm verschleppt und als Sklavin verkauft, ist sie zutiefst verstört. Und doch ist James fasziniert von ihr. Er nimmt sie auf, ist entschlossen, ihr zu beweisen, dass man niemals den Glauben an das Gute und die Liebe aufgeben darf …


  • Erscheinungstag 19.10.2026
  • Bandnummer 10
  • ISBN / Artikelnummer 9783751538985
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Jodi Thomas

Ransom Canyon: Winter’s Camp

1. KAPITEL

Ransom Canyon, Texas

1872

James Randall Kirkland blinzelte in das blendende Sonnenlicht, bevor er in den schmalen Eingang der Schlucht ritt. Schatten tanzten über die zerklüfteten Wände, als hüteten sie Geheimnisse und Gefahren. Die Schönheit der Felsen, die in den Farben der Erde schimmerten, besänftigte beinah seine Angst. Beinah.

Der einzige Weg von Süden zum Ransom Canyon führte über einen Pfad, kaum anderthalb Meter breit und viel zu steil für einen Wagen. In einem Wimpernschlag wurde aus Mittag früher Abend, als die Wände über ihm immer höher emporwuchsen und die Temperatur fiel. Die kühle Herbstluft kündigte den nahenden Winter an – eine Warnung, wie wenig Zeit ihm blieb, sich vorzubereiten.

Die Tauschgeschäfte, die er heute machen wollte, würden seine Vorräte wieder auffüllen, auch wenn der Ritt hinunter in die Schlucht gefährlich sein konnte. James hatte sein ganzes Leben mit Risiken gelebt und trug Narben, die das bewiesen.

Jeder im Ransom Canyon, der ihn heute nicht hier sehen wollte, hatte von oben freie Schussbahn. Doch selbst unter Gesetzlosen und Comancheros gab es einen Ehrenkodex. Für ein paar Wochen im Jahr, wenn die Natur von Grün- zu Brauntönen wechselte, konnte jeder Mann diesen Trail reiten, um zu tauschen, was er wollte oder brauchte.

Der nächste Handelsposten war mehr als zweihundert Meilen entfernt, und in diesem Teil von Texas waren Vorräte schwer zu bekommen. Der Winter setzte früh ein, das wusste James. Er würde Decken brauchen, Lebensmittel und mindestens zwei weitere Pferde.

Er kannte diese Hochebene im nördlichsten Teil von Texas, das Llano Estacado. Er hatte es schon einmal durchquert, 1866, als das Bedürfnis, durch das offene Land zu streifen und das Blut des Krieges aus seinem Kopf zu waschen, zu stark geworden war. Es hatte nichts geändert. Noch immer verfolgten ihn Träume, in denen er in Blut ertrank. 1869 war er als Scout für die Armee wieder über das Llano Estacado geritten. Viele Siedler strömten nach Texas, und der Armee war klar, dass die Fortlinie weiter nach draußen geschoben werden musste, dorthin, wo Comanchen und Büffel über das Land zogen.

James würde seinen dreißigsten Geburtstag vielleicht nicht erleben. Seit er mit zwölf aus einer Mission in San Antonio weggelaufen war, kannte er nur das Leben eines Nomaden. Damals war alles Abenteuer und Freiheit gewesen. Jetzt sehnte er sich nach etwas, das er nie gehabt hatte: Wurzeln. Tiefe Wurzeln, damit Generationen von Kirklands ihr Leben auf demselben Land verbringen würden.

Ein Priester hatte ihm einmal gesagt, in ihm fließe englisches Adelsblut. James wusste nur, dass das Blut seiner Familie dünn sein musste. Sein Vater war ein paar Monate nach ihrer Ankunft in Texas erschossen worden, und seine Mutter und seine kleine Schwester waren gestorben, bevor ihr erster Winter in Texas vorbei war.

Als er jetzt mit seinem Begleiter, einem Büffeljäger, der zum Scout geworden war, in den Ransom Canyon ritt, hielt James das Gewehr über einem Arm und den Colt so bereit, dass er ihn beim kleinsten Geräusch aus dem Holster ziehen konnte. Er traute den Männern, denen sie gleich begegnen würden, ebenso wenig wie dem Mann in Hirschleder, der neben ihm ritt. Es hatte einen Krieg und mehrere Schießereien gebraucht, bis James begriffen hatte, dass er sich Vertrauen nicht leisten konnte.

„Ich weiß, das hier gefällt dir nicht, Kirkland.“ Two Fingers brach das Schweigen, das den ganzen Morgen zwischen ihnen geherrscht hatte. „Aber du brauchst Pferde und Vorräte, um den Winter draußen auf den Ebenen zu überstehen.“

Der alte ehemalige Sklave, der seine beiden Mittelfinger bei einer Wette unten in Fort Worth verloren hatte, kratzte sich mit dem Daumen am Hals. „Ich verstehe genug von jeder Sprache, der wir hier begegnen, aber ich habe dir schon gesagt, es wäre besser für dich, mit mir nach Süden zu reiten und nicht hierzubleiben. Wir könnten den Winter in der Nähe eines Forts verbringen und hätten im Frühjahr beide noch unsere Skalpe.“

„Nein. Ich will hier draußen eine Weile allein sein. Ich habe vor, das Land zu erkunden und den besten Platz für eine Ranch zu finden. Und im Frühjahr stecke ich die Grenzen zu meinem Land ab.“ Dass er genug gespart hatte, um hundert Rinder zu kaufen, verschwieg James. Das Geld, zusammen mit einem kleinen Erbe seines Vaters, das er nie angerührt hatte, wartete auf der Bank auf ihn.

„Wenn diese Händler erfahren, dass du hier in der Gegend bleibst, kommen sie vorbei, bringen dich einfach um und holen sich ihre Waren zurück. Im Krieg warst du vielleicht der große Captain Kirkland, aber wenn sie dich hier draußen ganz allein finden, bist du tot.“

James nickte. Der Krieg lag sieben Jahre zurück, und trotzdem konnte er seine Vergangenheit nicht abschütteln. Two Fingers kannte ihn noch nicht lange, aber selbst er hatte gemerkt, wie manche Männer in Fort Worth ihn behandelt hatten. Mitten im Krieg zwischen den Staaten war er durchgedreht und hatte die Gefahr ignoriert. Er hatte nur durch Glück überlebt. Doch in den Jahren danach war sein Ruhm gewachsen, statt zu verblassen, wie er es sich gewünscht hätte.

Als er Two Fingers angeheuert hatte, hatte James nur vorgehabt, das Land zu erkunden. Doch nachdem er gesehen hatte, wie schön es war, wusste er, dass er eine Weile bleiben musste, wenn dies der Ort war, an dem er den Rest seines Lebens verbringen wollte. Mit seinen Jagdkünsten und mehr Vorräten konnte er den Winter allein überstehen.

Nachdem Two Fingers erst einmal angefangen hatte zu reden, schien er gar nicht mehr aufhören zu wollen. „Ein Mann ohne Pferd kann sich in diesem Land gleich seinen eigenen Grabstein schnitzen.“ Als James nicht antwortete, redete Two Fingers weiter. „Die meisten Männer, denen wir heute begegnen werden, sind einfach nur Händler. Ein paar sind vielleicht sogar Ranger, die nach Verschleppten suchen, die bei Überfällen gekidnappt wurden.“ Er schüttelte den Kopf. „In den Kriegsjahren sind viele entführt worden, weil keine Männer da waren. Nach einer Weile werden die Kinder und Frauen dort wild oder verrückt. Die Gesetzeshüter tun ihnen keinen Gefallen, wenn sie sie zurückholen.“

James kannte die Geschichten. „Entführte und Sklavenhandel interessieren mich nicht. Ich bin nur wegen der Pferde hier.“ Der Krieg gegen die Sklaverei mochte vorbei sein, aber das hatte den Gesetzlosen und Comanchen keiner gesagt. Lösegeld für Gefangene brachte gutes Geld.

Als sie in die Schatten der Schlucht ritten, erkannte James ein Dutzend Männer, die unten am Flussufer lagerten. Waren lagen auf Decken ausgebreitet und waren in Wagenkästen gestapelt. Bewegungen zwischen den Bäumen verrieten weitere Händler mit Maultiergespannen im Schatten. Er sah Comanchen, die Handel trieben, und Männer, die wie Gesetzlose von beiden Seiten des Rio Grande aussahen. Es waren harte, wettergegerbte Männer, die ihre Patronengürtel quer über der Brust trugen.

Er entdeckte einen provisorischen Pferch mit dreißig oder mehr Pferden. Die meisten sahen aus wie halbwilde Mustangs, aber das reichte ihm. Er brauchte Pferde oder Maultiere, um im Frühjahr Vorräte hinein- und Felle hinauszuschaffen. Wenn die Jagd in den kalten Monaten gut wäre, würde er genug verdienen, um den neuen Platz mit Vorräten für ein Jahr einzudecken, vielleicht länger.

Als sie näher heranritten, schienen nur wenige Leute in der Lichtung Notiz von ihnen zu nehmen. Eine kleine Gruppe Apachen lagerte am Wasser, die Frauen erledigten den Großteil der Arbeit, während die Männer Tauschgeschäfte machten. Der Häuptling stand aufrecht in der Mitte des Lagers, obwohl er über fünfzig sein musste. Es war eine zerlumpte Gruppe, die Reste eines Stammes, dessen junge Krieger von der Armee getötet worden waren. Die wenigen Ponys wirkten zu jung zum Einreiten. Eines trug ein Brandzeichen der Armee.

James wollte sich gerade abwenden, als er eine Frau am Rand des Apachen-Lagers sah. Sie war in eine schmutzige Decke gehüllt, die genauso mit Schlamm bedeckt war wie ihr Gesicht und ihre Hände. Sie stand einfach da und starrte auf den Boden. Sie bewegte sich nicht und zeigte kein Interesse an irgendetwas um sie herum.

Eine der älteren Frauen des Stammes ging zu ihr und schlug sie mit einem Stock. Die schlammige Frau, deren Haar so verfilzt war, dass man es vielleicht nie wieder würde kämmen können, hob endlich den Blick.

Einen Moment lang konnte James sie nur anstarren. Ihre großen, von dunklen Ringen umrahmten Augen wirkten wild und leer, doch sie waren so kristallklar und blau wie ein Bergsee.

„Wir sollten besser weiter, Kirkland“, sagte Two Fingers.

Sie ritten zum Hauptlager. „Hast du ihre Augenfarbe gesehen?“, flüsterte James. „Sie muss eine Gefangene sein.“

Two Fingers schüttelte den Kopf. „Als ich ein Junge war, bin ich weggelaufen, weil ich frei sein wollte und nicht ein Sklave wie meine Ma. Aber Apachen haben mich gefunden. Ich hatte Glück. Sie haben mich in den Stamm aufgenommen und gut behandelt, so als wäre ich ein richtiger Sohn. Ich habe die Sprache gelernt und hatte ein gutes Leben dort.“

Aber ab und zu habe ich eine Frau gesehen, die von Stamm zu Stamm getauscht wurde, als wäre sie nicht mehr als ein Pferd. Nein. So eine Frau ist weniger wert als ein Pferd. Wenn sie Glück hatte, wenn du das so nennen willst, hat man sie als dritte oder vierte Frau genommen. Sie machte dann die ganze Arbeit, die die anderen Frauen nicht machen wollten, und aß nur, wenn reichlich da war. Die erste Frau hatte das Recht, sie zu schlagen, und das hat sie oft getan.“

Two Fingers fluchte auf Spanisch. „Wenn sie weniger Glück hatten, haben sie mit den Hunden um Essensreste gekämpft. Sobald sie einmal so aussahen und sich so verhielten wie die Frau, an der wir gerade vorbeigeritten sind, gab es keine Hoffnung mehr. Wenn sie sich nicht selbst umgebracht haben oder zu Tode geprügelt wurden, ließ man sie sterben. Sie ist nicht mehr bei Verstand, Kirkland. Schau sie nicht an. Manche sagen, wenn du es tust, stiehlt sie dir die Seele und nimmt sie mit hinunter in die Hölle.“

James hatte geglaubt, er wäre längst an dem Punkt, an dem ihm niemand mehr etwas bedeutete außer ihm selbst, dass sein Herz und seine Seele zu Stein geworden waren. Im Krieg hatte er jeden Freund verloren, den er je gehabt hatte. Er hatte so lange ohne Familie gelebt, dass er beschlossen hatte, niemals eine zu wollen. Nie wieder wollte er jemanden verlieren. Niemals sollte jemand um ihn trauern, wenn er starb. Es spielte keine Rolle, dass er Mitleid mit der Frau hatte, die mit Schlamm bedeckt war. Er konnte sie weder retten noch heilen.

„Sie ist verrückt“, sagte Two Fingers wieder, als sie von den Pferden stiegen. „Vergiss sie. Ich habe mal einen irischen Trapper gekannt, der eine Frau gekauft hat, die so verrückt war wie sie. Als er das erste Mal eingeschlafen ist, hat sie ihm ein Messer ins Herz gestoßen. In manchen Stämmen nennt man eine Frau, die sich so mit Schlamm bedeckt, ‚niemand‘. Sie bedeutet niemandem etwas. Sie ist nicht mehr als ein Teil der Erde.“

„Warum töten sie sie nicht einfach?“ Das Leder knarzte, als James sich im Sattel nach vorn beugte.

Two Fingers zuckte mit den Schultern. „Weil sie nichts bedeutet, Kirkland.“

Sie gingen zu der Händler-Gruppe. James zwang sich, eine Weile nicht zurückzusehen. Aber als er es doch tat, stand die Frau immer noch da wie zuvor, in ihre zerlumpte Decke gehüllt, der Blick glasig. Der Rest des Stammes bewegte sich um sie herum, als wäre sie nicht da.

James tauschte die Vorräte, die er brauchen würde, und zahlte das Fünffache dessen, was er bei einem Fort gezahlt hätte, aber er hatte keine Zeit für den langen Ritt zurück zu einer Siedlung oder in eine Stadt.

Als er die Vorräte auf die zwei Mustangs packte, die er gekauft hatte, kam Two Fingers zu ihm. „Wir sollten aus der Schlucht verschwinden. Wenn wir heute Nacht hier lagern müssen, ist einer von uns morgen vielleicht tot.“ Er deutete mit dem Daumen auf James.

„Wie kommst du darauf, dass ich das wäre?“

„Aus demselben Grund, aus dem Klapperschlangen sich normalerweise nicht gegenseitig beißen.“ Er starrte James an. „Ich gehöre zu ihnen. Ich bin als Sklave geboren, aber ich betrachte mich als Apache. Der Grund, warum du noch lebst, Captain Kirkland, ist, dass ich denke, ich könnte dich eines Tages brauchen. In diesem Teil des Landes ändern sich die Zeiten. Vielleicht nicht dieses Jahr oder nächstes, aber sie ändern sich. Ich spüre es in meinen Knochen. Wenn es so weit ist, werden Männer wie ich hier keinen Platz mehr haben. Männer wie du werden dieses Land führen. Ich tue das für dich, Kirkland, und du wirst mir eines Tages den Gefallen erwidern.“

„Wieso bist du dir da so sicher?“, fragte James.

„Weil du ein ehrenhafter Mann bist. Der einzige in dieser Schlucht, würde ich sagen. Also, was immer du sonst noch brauchst, ich helfe dir beim Feilschen. Wenn wir hier weg sind, gehen wir getrennte Wege, aber du wirst mich nicht vergessen, und eines Tages werde ich diesen Gefallen einfordern.“

„Einverstanden, Two Fingers. Aber ich habe noch eine kleine Bitte, bevor wir gehen. Ich will, dass du noch um eine Sache feilschst.“

„Um was, Kirkland?“

„Um die Frau.“ James blickte zu der Schlammfrau hinüber. Den ganzen Tag hatte sie sich kaum bewegt. Zweimal hatte er gesehen, wie die alte Frau sie mit einem Stock geschlagen hatte, um sie weiter vom Feuer wegzutreiben. Beide Male hatte der Schlag sie fast umgeworfen. Jetzt stand sie so weit vom Feuer entfernt, dass sie die Wärme nicht hätte spüren können, selbst wenn sie überhaupt noch etwas spürte.

Two Fingers schüttelte den Kopf. „Du willst sie nicht. Sie ist schon fast tot.“

„Du verstehst nicht. Ich will sie nicht. Ich will ihr helfen.“

Two Fingers warf die Hände in die Luft und fluchte. Schließlich drehte er sich zu James um und fluchte weiter. „Ich hätte wissen müssen, dass ich mich nicht mit einem ehrenhaften Mann einlassen darf. Wenn ich auch nur vorschlage, um sie zu handeln, hält der alte Häuptling uns beide für verrückt.“

„Tu, was du kannst“, befahl James in einem Ton, den er seit Jahren nicht angeschlagen hatte. Er zog eine alte Taschenuhr aus seinem Gepäck und fügte hinzu: „Sieh, ob sie das nehmen. Mehr habe ich nicht anzubieten.“ 

Two Fingers sah auf die Uhr. „Funktioniert sie?“

„Nein.“

Two Fingers grinste. „Dann haben wir vielleicht eine Chance. Etwas Wertloses gegen etwas Wertloses zu tauschen, könnte funktionieren. Sie werden es als Witz sehen. Die Apachen mögen einen guten Witz.“

Autor

Gefahren

  • Dieses Produkt enthält keine bekannten Gefahren.

Kontakt zum Herausgeber für weitere Informationen zur Barrierefreiheit

  • Weitere Informationen zur Barrierefreiheit unserer Produkte erhalten Sie unter info@cora.de.

Navigation

  • Dieses E-Book enthält ein Inhaltsverzeichnis mit Hyperlinks, um die Navigation zu allen Abschnitten und Kapiteln innerhalb dieses E-Books zu erleichtern.