Auf der griechischen Insel der Träume

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Ein Schloss in der Ägäis! Maren sollte sich freuen über ihren Gewinn. Doch die andere Hälfte gehört dem sexy, skrupellosen Milliardär Acastus Diakos …


  • Erscheinungstag 08.10.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751547833
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Leseprobe

Millie Adams

Auf der griechischen Insel der Träume

1. KAPITEL

„Und sie lebte glücklich bis an ihr Ende.“

Beschwingt erklomm Maren die Treppe zu dem herrlichen Palast, der jetzt ihr neues Zuhause war. Vor Freude war sie ganz aus dem Häuschen! Auf dem Weg durch ihre Wohnräume spähte sie kurz in jedes Zimmer. Perfekt! Alles war nach ihren Wünschen hergerichtet worden. Doch als sie die Tür zu ihrem Schlafzimmer aufstieß, fielen Maren sofort zwei Dinge ins Auge. Zum einen war das Bett sehr groß und sehr pink und sah genauso aus, wie sie es sich immer erträumt hatte. Ein Prinzessinnenbett für ein Prinzessinnenschloss.

Zum anderen lag auf dem Prinzessinnenbett ein Mann.

Er wirkte sehr groß, trug einen schwarzen Anzug und hatte sein schwarzes Haar auf umwerfende Art aus der Stirn gestrichen. Seine Augen waren schwarz und viel zu scharfsichtig. Maren wusste auf Anhieb, dass sie sich für immer an jede Einzelheit dieses Augenblicks erinnern würde. Der Unbekannte strahlte etwas Intensives aus, das in ihr widerhallte, obwohl sie es nicht benennen konnte. Sie erstarrte, als würde sie ein Raubtier erblicken. Eine leise Stimme wisperte ihr zu, dass sie wegrennen solle. Doch eine andere Stimme, ebenso überzeugend, riet ihr zu bleiben.

Reglos blieb sie stehen. Als sie heute Morgen mit dem Hubschrauber hergeflogen war, hatte sie alles Mögliche erwartet, aber so etwas nicht.

„Hallo, Prinzessin!“, sagte der Fremde mit seidiger Stimme, in der jedoch ganz eindeutig etwas Bedrohliches mitschwang.

„Hallo. Ähm … Hallo?“ Schlagartig wurde Maren bewusst, wie isoliert sie hier war, regelrecht abgeschnitten vom Rest der Welt. Es gab zwar Bedienstete im Palast wie die Haushälterin Iliana, und Maren wusste, dass man ihr zu Hilfe kommen würde, falls sie schrie. Trotzdem hörte sie in diesem Moment nichts als ihren Herzschlag. Rund um den Palast gab es kaum Land. Er befand sich auf einem zerklüfteten Felsen in der Ägäis und seine goldenen Türme glitzerten märchenhaft schön im Sonnenlicht. Es war das Prinzessinnenschloss ihrer Träume. Es glich sowohl dem Spielzeugschloss, das ihre Mutter ihr als Kind geschenkt hatte, als auch dem Ort in ihrem Kopf, in dem sie alle Erinnerungen aufbewahrte. Ihrem Gedächtnispalast.

Ihre Schwester Jessie, die ebenfalls ein fotografisches Gedächtnis besaß, hielt die Idee eines Gedächtnispalasts für überspannt. Maren war anderer Ansicht. Hatten ihre detailgetreuen Erinnerungsbilder nicht einen ganz besonderen Aufbewahrungsort verdient? Jessie legte ihre Erinnerungen in Aktenschränken ab. Maren fand das schade. Wenn man seine Erinnerungen an jedem erdenklichen Ort aufbewahren konnte – einem Einhornstall, einem Feenhaus, einem verzauberten Koffer, der den Weg in eine magische Welt eröffnete –, warum sollte man dann ein nüchternes Büro wählen?

Maren hatte schon immer von Schlössern geträumt. Stets hatte sie geglaubt, gehofft, geträumt, dass sie für mehr bestimmt war. Für etwas Besseres. Ihre Mutter, die genauso rotes Haar hatte wie sie, hatte sie als kleines Kind ihr Make-up probieren und mit ihren Haarspangen, Kämmen und Bürsten spielen lassen. Und sie hatte ihr vorgesungen. Ihr gesagt, dass sie eine Prinzessin sei, etwas Besonderes. Als ihre Mutter fortging, war all das verschwunden.

Maren hatte eine privilegierte Kindheit gehabt. In gewisser Weise. Sie hatten zumindest genug Geld gehabt. Jedenfalls ihr Vater, der ein Gangsterboss gewesen war. Sie und ihre Schwester hatten ein Dach über dem Kopf und genug zu essen gehabt. Um ihr seelisches Wohlbefinden hatte sich Marcus Hargreave aber nie gekümmert. Er war ein abscheulicher Mensch gewesen. Inzwischen war er tot. Gestorben bei einer Schießerei, als die Polizei ihn verhaften wollte. Und es gab wohl niemanden auf der Welt, der seinen Tod bedauerte …

Ihre Schwester Jessie war mittlerweile verheiratet und erwartete ein Baby. Ein Mädchen, Marens kleine Nichte. Der Gedanke, das Baby könnte durch Marcus Hargreaves kriminelle Machenschaften in Gefahr geraten, war für Maren kaum auszuhalten. Deshalb war sie geradezu erleichtert, dass ihr Vater tot war und nie wieder jemanden verletzen konnte. Ihr Vater war ein schrecklicher Mensch gewesen, der seine Töchter gezwungen hatte, ihm bei seinen kriminellen Machenschaften zu helfen. Ihr Verstand war ein wertvolles Werkzeug für ihn gewesen. Maren und Jessie erinnerten sich an alles, was sie sahen. Jessie war besonders gut mit Zahlen und Fakten. Marens besondere Begabung waren Gefühle. Was Menschen zeigten – und was sie zu verbergen suchten. Sie würde sich selbst als Empathin bezeichnen. Es war, als strömten die Gefühle anderer in sie hinein.

Jetzt gerade durchströmten die Gefühle des unbekannten Mannes sie wie eine samtene Welle. Dunkel. Triumphierend. Sinnlich. Der Fremde brachte sie ziemlich aus der Fassung – wie auch nicht? Sie hatte aber keine Angst vor ihm. Maren spürte zwar, dass er gefährlich sein könnte, denn in ihm gab es zersplitterte, komplizierte Emotionen, die sie praktisch schmecken konnte. Doch er war nicht grausam. Grausamkeit hinterließ einen sauren Geschmack auf ihrer Zunge. Grausamkeit hatte sie stets gespürt, wenn sie in der Nähe ihres Vaters oder seiner Konsorten gewesen war. Sie kannte grausame Männer. Dieser Fremde gehörte nicht dazu. Nicht Stärke, Wut oder eine gewisse Dunkelheit machten einen Mann gefährlich. Entscheidend war, ob er den Schmerz anderer genoss. Sie wusste instinktiv, dass dieser Mann es nicht tat, und das beruhigte sie. In ihrem Leben beruhte der Unterschied zwischen Sicherheit und Gefahr auf ihrer Fähigkeit, Menschen zu lesen.

Er stand auf. Sie hatte recht gehabt. Er war sehr groß. Breitschultrig und muskulös. Seine Bewegungen waren geschmeidig wie die eines Panthers. Dieser Eindruck verstärkte ihre innere Unruhe, und Maren fühlte sich hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, wegzurennen, und dem Wunsch, zu bleiben.

„Ich hoffe, dass alles im Palast zu deiner Zufriedenheit ist?“

„Also, ja. Bis jetzt. Aber …“

„Gut. Hast du bereits eine Führung bekommen?“

„Ich …“ Das hatte sie. Als sich der Hubschrauber dem Palast genähert hatte, war sie überwältigt gewesen. Doch aus der Nähe war alles noch viel eindrucksvoller. Der Palast hatte märchenhaft schöne Verzierungen aus Bergkristall, deshalb glitzerte er so hell in der Sonne. Die Turmspitzen waren vergoldet, und Maren hatte sich sofort gefragt, ob es echtes Gold war. Die Fenster sahen aus wie Bonbons, leuchtend und bunt. Es war schlichtweg das Schönste, was sie je gesehen hatte. Auf den Fotos war nicht ansatzweise zu erkennen gewesen, welche Schönheit sie hier erwartete. Dazu kam noch die Freude, dass Jessie und sie es geschafft hatten. Es war überwältigend, dass sie mit jenem letzten Pokerspiel, diesem allerletzten Betrug, dem Vermächtnis ihres Vaters entkommen waren und sich selbst etwas geschaffen hatten. Auch wenn Maren sich gerade reichlich verunsichert fühlte, weil Jessie so schnell eine eigene Familie gegründet hatte …

Sie beide hatte der Verlust ihrer Mutter schwer getroffen. Ihre teure, dahingegangene Mutter, wie sie sie manchmal nannten. Nur war sie nicht tot. Sie war nur gegangen. Danach hatten Jessie und Maren lange Zeit das Gefühl gehabt, allein gegen den Rest der Welt zu stehen. Aber jetzt hatte Jessie ihren geliebten Ewan – und bald schon ihr Baby. Maren kam sich vor wie dieser Palast mitten im Meer. Allein. Isoliert. Aber eine Prinzessin.

Monatelang hatte sie darauf gewartet, ihren Pokergewinn in Besitz zu nehmen. Der Zeitpunkt war günstig. Denn Jessie und Ewan sollten etwas Zeit für sich haben, ohne eine einsame Verwandte, die um sie herumgeisterte. Hier war sie nun. Bereit, sich das zu nehmen, was ihr gehörte. Doch sie hatte nicht bloß den Palast gewonnen. Ihr gehörte auch der Thron des zugehörigen Königreichs hier mitten im Wasser.

Sie hatte immer gewusst, dass sie dazu bestimmt war, eine Prinzessin zu sein.

„Natürlich bist du eine Prinzessin, Maren. Die Erinnerung an die Stimme ihrer Mutter wärmte Maren. „Die schönste Prinzessin überhaupt. Und eine Prinzessin sollte Juwelen haben. Ihre Mutter hatte Maren auch ihre Juwelen anprobieren lassen. Ihre Mutter war die schönste Frau der Welt gewesen, doch sie hatte ein Ungeheuer geheiratet. Deshalb hatte sie irgendwann fortgehen müssen. Maren verstand das. Irgendwie. Das hieß nicht, dass sie ihre Mutter nicht schrecklich vermisste. Jeden Tag.

Sie konzentrierte sich wieder auf die Gegenwart. Es war Fluch und Segen zugleich, dass sie sich mit nie verblassender Klarheit an die Zeit mit ihrer Mutter erinnern konnte. Wenn sie in den Palast in ihrem Kopf ging, war es, als würde sie ihre Mutter besuchen. Natürlich konnte nichts Neues passieren. Aber es war schön, sich zu erinnern. Maren hatte schon so lange von ihrem eigenen Palast in der echten Welt geträumt! Und von einem Kind, mit dem sie ihn teilen konnte …

Sie konnte ihre Mutter nicht zurückhaben, aber sie konnte eine eigene Familie gründen. All die Liebe geben, die sie in sich trug. Sie könnte die beste Mutter sein. Jessie war schwanger geworden und hatte nicht einmal gewusst, ob sie ein Baby wollte. Deswegen fühlte sich Maren irgendwie … Es tat eben weh. Sie wollte ein Baby, schon lange. Ihre Schwester war unbeabsichtigt schwanger geworden, was ein ziemliches Drama für sie gewesen war. Jessie war eben anders als Maren.

Jetzt war Maren dem Leben näher, das sie wollte. Das sie brauchte. Sie hatte das alles durch Glücksspiel erreicht. Dem stand sie zwar in moralischer Hinsicht ablehnend gegenüber, doch wegen ihrer Fähigkeiten war sie sehr, sehr gut darin. Zudem waren die Schwestern gezwungen gewesen, sich mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, eine Zukunft zu erkämpfen. Und ein Narr und sein Geld gingen schnell getrennte Wege. Es war nicht ihre Schuld, dass die Männer, die sich mit ihr an einen Pokertisch setzten, Narren waren. Der alte Mann, von dem sie das Schloss gewonnen hatte, war ein besonders großer Narr gewesen. Er hatte die ganze Zeit davon geschwafelt, dass er sich, sollte er tatsächlich verlieren, zumindest nicht mehr mit diesem Irren herumschlagen müsse …

Plötzlich überlief es sie eiskalt. „Wer … Wer sind Sie?“ Doch sie hatte das Gefühl, dass sie es schon wusste. Dass der Mann vor ihr genau jener Irre war. Die Art, wie er den Mund verzog, verstärkte ihre Vorahnung noch.

„Mein Name ist Acastus Diakos. Ich bin dein Ehemann.“

2. KAPITEL

Sie war entzückend. Acastus konnte sein Glück kaum fassen. Nicht, dass es darauf ankam, ob die Prinzessin des Palastes auf dem Felsen schön war oder nicht. Die Frau konnte aussehen wie durchgekautes Leder, und er wäre trotzdem verpflichtet, einen Erben mit ihr zu zeugen. Das Versprechen, das seiner Familie gegeben worden war, musste erfüllt werden. Davon würde er nicht abrücken. Sein Leben lang hatten Acastus und seine Eltern darauf gewartet, dass die Familie Argos ihnen das gab, was ihnen rechtmäßig zustand. Doch dann hatte Stavros Argos den Palast verspielt – und damit auch sein Versprechen weitergereicht. Doch es war eine nette Überraschung, dass die neue Schlossbesitzerin so hübsch war …

Schockiert sah sie ihn an. „Ich … Das verstehe ich nicht ganz.“

„Erzähl mir nicht, dass du das Kleingedruckte in dem Vertrag nicht gelesen hast, den du unterzeichnet hast.“

„Nein.“ Sie runzelte die Stirn. „Da stand nichts Kleingedrucktes im Vertrag!“

„Prinzessin, du solltest einen Almanach mit diesen Informationen bekommen haben. Er war den Dokumenten beigefügt.“

„Das habe ich aber nicht!“

Das wusste er. Er hatte den Almanach abgefangen. Acastus hatte nicht zulassen können, dass sie aus dem Vertrag ausstieg. Es war zu wichtig, dass die Bedingungen erfüllt wurden. Stavros war so strikt dagegen gewesen, dass Acastus seine Tochter heiratete, dass er den Palast lieber verspielt hatte, als seine Versprechen einzulösen und zu erleben, dass ihre Familien verbunden wurden. Er hatte versucht, den Schwur zu brechen, den beide Familien einst abgelegt hatten. Er wollte Acastus’ Familie die Ehre verwehren, die ihr versprochen worden war. Die Ehre, die ihnen zustand.

Als Junge hatte Acastus in diesem Palast gearbeitet. Er hatte Böden geschrubbt, während Stavros ihm dabei grinsend zugesehen hatte. Er tat es, weil sein Vater es ihm befohlen hatte. Weil er gesagt hatte, sie würden sich dadurch das Recht verdienen, zum Adel zu gehören. Der alte Stavros hatte wahrscheinlich gedacht, er würde gewinnen, indem er den Palast aus den Händen gab, doch in Wirklichkeit war es ein Sieg für den Diakos-Clan. Der Palast der Mythen und Legenden würde endlich Acastus’ Familie gehören. Sie wären Könige und Königinnen. Seine Kinder würden den Titel tragen und keine Böden mehr putzen. Sie müssten sich nicht vor einem Mann erniedrigen, der zu einer langen Reihe von Männern gehörte, die Versprechen gemacht und gebrochen hatten. Acastus hatte sich geschworen, dieses Ziel zu erreichen. Und er hielt sein Wort. Immer.

„Wir sind verheiratet“, erklärte er. „Indem du den Thron angenommen hast, hast du auch einen Ehemann angenommen.“

„Aber ich dachte, das mit dem Thron hätte einfach nur bedeutet, dass ich eine Prinzessin werde. Ich habe einen Titel bekommen, aber ich habe doch kein Ehegelübde abgelegt.“

„Das war in den Vertrag eingeschlossen.“

„Das kann nicht legal sein.“

„Der Felsen, auf dem wir uns befinden, ist ein eigenständiges Land. Es ist nicht nur legal, es ist bindend.“

Sie blinzelte. „Wenn ich den Felsen verlasse, sind wir nicht verheiratet?“

„Nein.“

Sie sah sich um.

„Was?“

„Ich suche nach einer versteckten Kamera“, erwiderte sie. „Allmählich frage ich mich, ob mir jemand einen Streich spielt.“

Sogar in ihrer Verwirrung war sie unglaublich schön! Doch Acastus durfte sich nicht von ihrer Schönheit ablenken lassen. „Leider nein. Der Familie Diakos – meiner Familie – wurde ihr Platz in der königlichen Linie seit Generationen verwehrt. Wir haben dem Palast fünfhundert Jahre lang gedient. Einst rettete ein Argos einen Diakos auf dem Schlachtfeld, und wir schworen den Argos Treue. Für unsere treuen Dienste wurde uns von der Familie Argos aber schon bald darauf die Aufnahme in die königliche Familie versprochen. Jetzt ist endlich der Zeitpunkt dafür gekommen.“

„Das erscheint mir recht willkürlich.“

„Das ist es nicht. So ist das Gesetz. Ich habe eine Vereinbarung, die genauso bindend ist wie dein Vertrag. Eine Vereinbarung, die mit dem Blut von Generationen geschmiedet wurde.“

Maren Hargreave zog die Nase kraus. „Hätten sie keine Tinte nehmen können?“

Sie hatte keine Angst vor ihm, das war gut. Wenn sie ein Kind zeugen wollten, durfte sie sich nicht vor ihm fürchten.

Acastus war nie besonders gutmütig oder freundlich gewesen. Er war ein rücksichtsloser Geschäftsmann, brillant in allem, was er tat. Er besaß einen messerscharfen Verstand und nicht einmal einen Hauch von Bescheidenheit. Er hatte Macht und Einfluss und brauchte kein einnehmendes Wesen. Frauen fanden ihn attraktiv, weil er unnahbar war.

Er musterte Maren. Sie wirkte eher wütend als von ihm angetan, aber sie brauchte Zeit. Er hatte sie mit der Ehe überrascht. Es war ein riskantes Spiel. Doch sie hatte gespielt, um den Palast zu gewinnen, und er würde ebenfalls auf Risiko gehen.

Die schöne Rothaarige runzelte die Stirn. „Was heißt das alles? Weiß Iliana, dass Sie hier sind?“

„Natürlich“, antwortete er. „Sie weiß über die Ehevereinbarung Bescheid.“

„Ich nicht.“

„Wie schade. Es wäre nett gewesen, wenn du vorbereitet gewesen wärst.“

„Jetzt tun Sie nicht so, als würde ich mich vor meinen Pflichten drücken. Ich habe den Almanach nicht bekommen, in dem meine ‚Pflichten‘ offenbar erläutert wurden.“

„Du hast aber die Dokumente unterzeichnet.“

„Das ist doch alles Unsinn. Ich habe das Schloss von einem sehr alten Griechen gewonnen …“

„Ja, Stavros Argos. Er wollte nicht, dass ich seine Tochter heirate. Tatsächlich war er so dagegen, dass er den Palast, das Vermächtnis meiner Familie, lieber verspielte, damit ich ihn nicht bekomme. Er wollte die Verpflichtung seiner Familie gegenüber meiner beenden und dafür sorgen, dass meine Familie nicht gewinnt. Aber er hat nicht mit mir gerechnet.“

„Und das bedeutet …?“

„Dass ich herkomme und die Bedingungen des Eheversprechens erfülle. Er dachte, ich wolle unbedingt eine Argos heiraten. Aber worauf es mir ankommt, ist mein Erbe, die Titel, das, was mir zusteht.“

Sie runzelte die Stirn. „Warum hat Stavros eine Vereinbarung getroffen, die er nicht wollte?“

„Die Vereinbarung ist viel älter als wir.“

„Wieso …“ Sie räusperte sich. „Sie wirken wie ein netter Mann.“ Sie zog die Nase kraus.

„Nett?“ Empört sah er sie an.

„Jedenfalls sind Sie ein Mann. Ein sehr großer noch dazu. Wieso will er nicht, dass Sie seine Tochter heiraten? Ich nehme an, mit den Wünschen seiner Tochter hat das nichts zu tun. Dieser Stavros Argos wirkte nicht wie jemand, der darauf Rücksicht nehmen würde.“

„Nein. Er will mich bestrafen.“ Er lächelte. „Er ist ein Narr. Er dachte, ich wollte seine Tochter, aber das will ich nicht.“

„Jetzt ist sie wohl sicher vor Ihnen, oder?“

Er lachte. Es war witzig, zumindest kam es ihm so vor. Er fand selten etwas lustig, sodass es schwer zu sagen war. „Ja. Zweifellos.“

„Pech für mich.“

„Das ist Ansichtssache.“ Er musterte sie. Sie schien beunruhigt. Fast hätte er sie bedauert, wenn er zu solchen Gefühlen fähig gewesen wäre. Doch er war kalt. Durch und durch. Das Leben hatte Acastus dazu gemacht. Wenn er seinen Anspruch jetzt nicht durchsetzte, hätten ganze Generationen umsonst gelitten. Sein eigenes Leid und das seiner Mutter wären sinnlos gewesen. Deshalb musste er es zu Ende führen.

„Dann hat er das Schloss mir, einer Fremden, gegeben, um Sie auszustechen?“

„Ja. Er hat alles aufgegeben, um mir eins auszuwischen. Aber er hat es nicht zu Ende gedacht.“

„Stimmt. Er hat verloren, aber vielleicht nicht mit Absicht.“ Maren schüttelte ihr kupferrotes Haar. „Meiner Erfahrung nach glauben Männer, vor allem Männer eines bestimmten Alters, nicht, dass ich sie besiegen kann. Sie irren sich.“

Er zuckte die Achseln. „Er hat verloren, absichtlich oder nicht. In seiner kleinlichen Boshaftigkeit hat er das Erbe seiner Tochter verspielt. Nicht, dass Elena Argos diesen Ort hier besonders mag. Ich glaube auch nicht, dass sie ihr glamouröses Leben im Ausland aufgeben will, um hier mitten im Meer zu wohnen.“

„Ich würde ein glamouröses Leben in Paris wohl auch nicht aufgeben.“

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