Baccara Collection Band 501

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Leseprobe

Michelle Lindo-Rice, Brenda Jackson, B.J. Daniels

BACCARA COLLECTION BAND 501

Michelle Lindo-Rice

1. KAPITEL

Es war erst achtzehn Stunden, zwölf Minuten und neun Sekunden her, dass sein Vater und dessen Verlobte Manuela zu einer einmonatigen Kreuzfahrt aufgebrochen waren. Und Trevor Porter erwartete bereits sehnsüchtig die Rückkehr seines Dads.

Er stand in der Küche der luxuriösen Villa, die er für die Zeit gemietet hatte, in der sein neues Haus in Emerald Ridge fertig gebaut sein würde, und versuchte, sich auf die Ruhe des sanft dahinströmenden Emerald River zu konzentrieren, den er durch das große Erkerfenster sehen konnte. Dabei blendete er das Gebrüll seiner neunmonatigen Drillinge, die strampelnd und schreiend in ihren Hochstühlen saßen, so gut es ging, aus.

Verächtlich schnaubend erinnerte er sich an den Rat seines Vaters, sich wieder mit Frauen zu treffen. Als ob irgendeine Frau sich freiwillig die Verantwortung aufhalsen wollte, einen Mann mit drei Kindern zu daten.

Allein die Aufgabe, sie alle anzuziehen und für das Frühstück in ihren Stühlen anzuschnallen, war eine echte Herausforderung gewesen. Weil am Vortag Halloween gewesen war und Trevor zwei Kostüme gekauft hatte, hatte er beschlossen, ihnen heute die zweite Verkleidung anzuziehen. Gestern hatten sie Strampler mit Bienenaufdruck getragen, und Trevor war als Imker gegangen. Heute trugen sie Kürbis-Outfits, doch er hatte sein T-Shirt mit Dad-Aufnäher bereits wechseln müssen.

Notiz an mich selbst: Zieh dich nicht an, bevor du die Kinder gebadet hast. Und vergiss nicht, ihnen ein Lätzchen umzubinden, bevor du sie fütterst.

Innerhalb weniger Sekunden, nachdem er sie in die Hochstühle gesetzt hatte, war der Küchenboden mit Rührei und Cornflakes übersät.

Stöhnend strich er sich über den Bart. Auf keinen Fall würde er es schaffen, allein die nächsten achtundzwanzig Tage auf die Drillinge aufzupassen. Ein Extrapaar helfender Hände machte einen himmelweiten Unterschied, wenn es galt, drei hungrige Kinder gleichzeitig zu füttern. Es war so viel einfacher, wenn sein Dad hier war. Trevor mochte es sowieso, von seiner Familie umgeben zu sein.

Tatsächlich waren sein Cousin Jonathan und seine Cousine Imani der ausschlaggebende Grund für Trevors Umzug nach Emerald Ridge gewesen. Er empfand eine so tiefe Verbundenheit mit seiner Familie und diesem Land, dass er beschlossen hatte, seine Kinder hier großzuziehen.

Seufzend rieb er sich die Augen, als er daran dachte, wie er seinen Vater vor der Abreise beruhigt hatte: „Mach dir keine Sorgen, Dad, und genieße die Karibik. Ich bekomme das hier hin.“

Wenn man Worte essen könnte, dann wäre sein einunddreißigjähriger Bauch gut gefüllt – etwas anderes hatte er nämlich inmitten der schreienden und zappelnden Kinder noch nicht zu sich nehmen können.

Aus diesem Grund hatte Trevor im Internet auf der lokalen Homepage der Gemeinde eine Stellenanzeige für eine Nanny auf Zeit geschaltet, die mit ihm und den Kindern im Haus lebte, bis sein Vater zurück war. Er hatte sogar schon Interviews mit zwei Bewerberinnen geführt, von denen jedoch keine imstande zu sein schien, mit einem, geschweige denn mit drei Babys zurechtzukommen. Die letzte Bewerberin erwartete er in wenigen Minuten, und er hoffte, dass er die Kinder vor ihrem Eintreffen zur Ruhe bringen konnte.

Sasha stieß einen Schrei aus, so schrill, dass er die Gläser im Schrank zum Klirren brachte. Trevor zog Williams Fuß aus dessen Mund, bevor er ihn zurück in den Kinderstuhl setzte. Dabei duckte er sich, um der Ladung Rührei auszuweichen, die James nach ihm warf. Die Eier landeten auf Trevors T-Shirt, das seine verstorbene Frau Claudia ihm geschenkt hatte, nachdem sie erfahren hatten, dass sie nicht nur ein Baby, sondern Drillinge erwarteten. Heute hatte er es zum ersten Mal getragen und über den Aufdruck schmunzeln müssen: Vater von Drillingen sein bedeutet dreimal so viel Spaß haben.

Eigentlich hatte er es ausgewählt, um seine Stimmung zu heben, doch jetzt erinnerten ihn die Worte eher daran, was für eine Herausforderung es bedeutete, die Kinder seit dem Tod seiner Frau alleine großzuziehen. Er überlebte von einer Minute zur nächsten, nein, vielmehr von einer Sekunde zur nächsten. Erschrocken sprang er zur Seite, als ihn etwas Kaltes und Feuchtes an der Wange traf. Diese Bewegung ließ seine Tochter mit ihrem Geschrei verstummen, bevor sie wie wild zu lachen begann. Trevor streifte das Rührei einfach herunter, weil er nicht vorhatte, sich ein weiteres Mal umzuziehen.

„So, du findest es also lustig, wenn Daddy Ei im Gesicht hat?“, fragte er und wischte sich das Gesicht ab, bevor er Sasha zärtlich in die Wangen kniff, was sie noch mehr zum Lachen brachte. Gerührt betrachtete er ihr kleines Gesicht, das dem ihrer Mom so sehr ähnelte. Gestern hatte Sasha ihre ersten Schritte gemacht, und es war ihm gelungen, diesen kostbaren Augenblick mit der Kamera einzufangen. Er hatte vor Freude so laut gejubelt, dass sich sein kleines Mädchen erschreckt und auf den mit Windeln versehenen Po gesetzt und zu weinen begonnen hatte.

Gott, er wünschte, Claudia würde noch leben und könnte an diesen monumentalen Entwicklungsschritten ihrer Kinder teilhaben. Doch kaum eine Woche nach der Niederkunft war sie plötzlich an einer Herzmuskelschwäche gestorben und er von einer Sekunde auf die nächste alleinerziehender Vater von Drillingen gewesen. In dieser Situation hatte er seine Familie mehr denn je gebraucht, weswegen er sich von seiner Arbeit auf seiner Rinderfarm in Porter Cuts, das eine Autostunde von Dallas entfernt lag, freigenommen hatte. Er war in der glücklichen Lage, sowohl über das Geld als auch hervorragende Mitarbeiter zu verfügen, die es ihm erlaubten, sich ein Jahr lang um die Kinder zu kümmern, bevor er wie geplant zu seiner heißgeliebten Arbeit zurückkehrte.

„Dada da“, sagte James und wackelte so heftig mit den Füßen, dass sein Hochstuhl sich ein Stück bewegte.

Trevor tätschelte seinen Kopf und gab seinem Sohn etwas von dem Rührei aus der blauen Plastikschüssel, die vor ihm stand, zu essen. Dabei warf er einen flüchtigen Seitenblick auf William und seufzte. Der hatte inzwischen wieder seinen Fuß in den Mund gesteckt, dessen Socke sich auf Nimmerwiedersehen verabschiedet zu haben schien. Es war immer der linke Fuß und immer der große Zeh.

„Vielleicht schmeckt er ja mit ein bisschen Ketchup besser“, scherzte Trevor und sah sich suchend nach der fehlenden Socke um, die er schließlich unter Sashas Bein fand. Als die Socke wieder an Williams Fuß saß, trat Trevor einen Schritt zurück und beschloss, ein Foto von seinen Kindern zu machen. Mit ihren hellbraunen Augen, dem olivfarbenen Teint und dem lockigen Haar war Sasha bereits eine Miniaturausgabe von Claudia. William hingegen kam ganz nach Trevor und dessen Mutter Samira mit dem hellbraunen Teint, den dunkelbraunen Augen und einem offenherzigen Lächeln. James vereinte von beiden etwas in sich: Claudias entzückende Grübchen sowie Trevors Teint und seine Größe.

Als die drei Kinder ihn vertrauensvoll anblickten, hatte Trevor das Gefühl, sein Herz müsse vor Liebe überquellen. Claudia hatte recht gehabt, als sie behauptet hatte, es würde noch so viel mehr im Leben geben außer der Arbeit. Sie hatte es wie ein Mantra immer und immer wieder gesagt, doch war Trevor zu eigensinnig gewesen, um ihr zuzuhören, zu sehr darauf bedacht, seinen Wohlstand zu mehren und Porter Cuts zu einem florierenden Betrieb zu machen. Sicher, sie hatten ihre Probleme gehabt, doch Trevor würde seinen ganzen Erfolg gegen die Möglichkeit eintauschen, Claudia wieder bei sich zu haben und seinen Kindern ihre Mutter wiederzugeben.

Er wusste aus eigener Erfahrung, wie es war, seine Mitter zu verlieren, denn seine war gestorben, als er achtzehn gewesen war. Seitdem hatte er unentwegt das Gefühl, eine Eisenklammer hielte sein Herz im Griff, und an Tagen wie diesen war es noch schmerzhafter als sonst.

Sein Handy klingelte, und Trevor sah, dass es Jonathan war. Er nahm den Anruf entgegen und ließ die Kinder einen Trickfilm sehen, während sie aßen.

„Na, wie geht es mit deiner Suche nach einer Nanny voran?“, erkundigte sich sein Cousin. Trevor war nach wie vor überwältigt von der Erkenntnis, dass er einen Cousin hatte. Als Einzelkind von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen hatte er sich damals häufig einsam gefühlt, doch auf dem Sterbebett hatte Samira ihm seine wahre Herkunft verraten – dass er der Enkel des Tycoons Hammond Porter war. Diese Vorstellung war Trevor zuwider gewesen, doch die Erkenntnis, dass er Blutsverwandte in seinem Alter hatte, war ihm wie ein Lotteriegewinn vorgekommen.

„Es geht so“, gestand Trevor. „Ich habe heute noch ein Gespräch, und wenn daraus nichts wird, weiß ich nicht mehr, was ich tun soll.“ Etwas Unförmiges und Weiches traf ihn am Rücken, und Trevor griff nach hinten, um das Rührei wegzuwischen.

„Dann biete doch ein höheres Gehalt“, schlug Jonathan vor.

„Gute Idee.“ In diesem Moment wurde an der Türglocke geläutet. Natürlich begannen alle drei Kinder gleichzeitig zu weinen. Jonathan sagte etwas, was Trevor in dem Tumult erst verstand, nachdem er das Telefon fester an das Ohr gepresst hatte.

„Wow. Klingt so, als hättest du alle Hände voll zu tun. Soll ich vielleicht vorbeikommen?“

„Vielleicht muss ich wirklich von deinem Angebot Gebrauch machen, aber ich hoffe ja immer noch, dass ich heute jemanden einstellen kann.“

„Okay. Halt mich bitte auf dem Laufenden.“

In der Hoffnung, gleich eine Supernanny vor sich zu sehen, eilte Trevor aus der Küche durch das Wohnzimmer, in dem überall Wäsche herumlag, zur Haustür und öffnete sie schwungvoll. Inzwischen waren die Schreie der empörten Drillinge so durchdringend, dass sie durch das ganze Haus gellten. Eine ältere Frau, die die Arme vor der Brust verschränkte, stellte sich als Ms. Quinn vor. Obwohl es ein herrlicher Herbsttag war, trug sie einen gefütterten Hosenanzug, und trotz der leichten Brise bewegte sich das Haar in dem strengen Dutt keinen Millimeter. Trevor lud sie ein, ins Haus zu kommen, und verkniff sich ein Schmunzeln, als er ihre geschürzten Lippen bemerkte, während sie sich missbilligend umsah.

„Ich hab eine Haushälterin“, beeilte er sich zu sagen. „Nachher ist alles wieder ordentlich.“

„Das Geheimnis besteht darin“, bemerkte Ms. Quinn und reckte die Nase nach oben, „sofort aufzuräumen, wenn man fertig mit einer Sache ist. Ihre Kinder brauchen Ordnung. Struktur.“ Stirnrunzelnd sah sie auf ein Stück Süßkartoffel, das auf dem Couchtisch klebte – zumindest hoffte Trevor, dass es sich um Süßkartoffel handelte –, und schüttelte den Kopf. „Das ist ja das reinste Chaos.“

Wie aufs Stichwort erreichte das Gebrüll seiner Kinder einen neuen Höhepunkt. Ms. Quinn hielt sich die Ohren zu. „Das ist inakzeptabel. Ich denke, sie brauchen eine starke Hand.“

Trevor schluckte seinen Ärger herunter und deutete auf die Eingangstür. Er wollte eine liebevolle Nanny und keinen Sergeant. „Ich denke, wir können an dieser Stelle aufhören“, sagte er und lief bereits in Richtung Küche. „Ich muss mich jetzt um meine Kinder kümmern. Sie finden ja bestimmt alleine heraus.“

„Aber Sie haben mich doch noch gar nichts gefragt!“, rief sie ihm nach.

„Das brauche ich auch nicht. Sie haben mir bereits gezeigt, was für ein Mensch Sie sind“, erwiderte er, ohne sich umzusehen. Eine Sekunde später hörte er zufrieden, wie die Tür zugeschlagen wurde. Hoffentlich auf Nimmerwiedersehen, dachte er. Am liebsten hätte er so ein tolles Kindermädchen wie sein Cousin Jonathan hatte, doch der war nicht bereit, seine Nanny zu teilen.

Auf dem Weg zur Küche holte Trevor noch eine Schachtel mit Papiertüchern aus dem Kinderzimmer. James’ und Sashas Gesichtchen waren ganz rot vom Weinen. William saß mit tränenfeuchten Augen da und beobachtete seine Geschwister. Sobald die Drillinge ihren Dad sahen, verstummte ihr Geschrei, und ihre kleinen Kinne zitterten, als sie zu ihm hochsahen.

„Ist ja gut, ist ja gut“, sagte er mit sanfter Stimme. „Daddy ist da.“

Nachdem er William und James aus den Stühlen gehoben hatte, reinigte er ihre Gesichter und Hände, bevor er sie in den großen Krabbelstall ins Wohnzimmer setzte. Dann nahm er Sasha hoch, um sie ebenfalls von Rühreiresten zu befreien, doch als er sie zu ihren Brüdern setzen wollte, stellte er fest, dass sie eine frische Windel brauchte. Er schlug sich mit einer Hand vor die Stirn.

Windeln.

Sein Dad hatte ihm wenigstens dreimal aufgetragen, welche zu bestellen. Mit drei Babys im Haus, machte Trevor von einem Online-Bestellservice Gebrauch, doch es war zu einer Panne gekommen und der Auftrag nicht beim Händler angekommen, wie ihm dieser mitgeteilt hatte. Das war vor zwei Tagen gewesen.

Mit der zappelnden Sasha im Arm hastete er ins Kinderzimmer, das neben dem Hauptschlafzimmer lag, und zählte die verbliebenen Windeln. Siebenundzwanzig. Das reichte vielleicht gerade einmal bis morgen – oder vielleicht auch nicht. Er nahm sich drei vom Stapel und eine Box mit Feuchtreinigungstüchern und legte Sasha auf den Wickeltisch. Dabei zappelte sie so sehr, dass er versehentlich den Klebestreifen einer Windel abriss. Und dann noch einen.

Wenn das so weiterging, würde er schon vor dem Abendessen keine Windeln mehr haben. Er musste unbedingt in den Supermarkt fahren. Auf dem Weg dorthin konnte er ebenso gut am Farmer’s Market haltmachen, um Obst und Gemüse zu kaufen, aus dem er den Brei für die Kinder zubereitete. Claudia hatte sich immer gewünscht, die Babynahrung selbst herzustellen, und bis jetzt hatte Trevor geschafft, sich daran zu halten.

Nachdem er auch James und William eine frische Windel verpasst hatte, setzte er das Trio auf seine Autositze in dem geräumigen SUV, in dem auch Kinderwagen und Buggy Platz fanden. Nachdem er im Supermarkt eingekauft und die Einkäufe verstaut hatte, wurde ihm plötzlich bewusst, dass die Lebensmittel aus dem Farmer’s Market überhaupt nicht mehr in das vollbeladene Auto passten. Er lehnte sich gegen die Beifahrertür und atmete tief durch, denn er kam sich vor, als wäre er einen Marathon gelaufen und nicht auf Einkaufstour für den täglichen Bedarf gewesen.

Vielleicht sollte er nach Hause fahren und Gemüse und Obst ein anderes Mal kaufen? Doch das kam nicht infrage, denn es war schon kurz vor der Zeit für den Mittagsschlaf. Also würde er doch in den Farmer’s Market fahren, die Lebensmittel aussuchen und hoffen, dass sie dort einen Lieferservice anboten. Mit dieser Absicht holte Trevor einen Einkaufswagen und setzte die Kinder hinein, bevor er sie über den Kiesweg zum Markt schob. Er hatte sich vorgestellt, dass sie Spaß an dem Einkauf haben würden, doch er hätte nicht mehr danebenliegen können. Panikerfüllt klammerten sie sich an den Seiten des Wagens fest, während sie hin und her geschaukelt wurden.

Womit sein schlechter Morgen noch um einiges schlimmer wurde.

Kelsey Fortune liebte diese Jahreszeit, wenn die Natur sich in ein Meer aus Rot, Gelb, Orange und Grüntönen verwandelte und das Laub unter ihren Füßen raschelte. Das Wetter war ein absoluter Traum, und sie hieß den Duft des Herbstes willkommen. Wären da nicht die Probleme mit ihrer kürzlich erworbenen Ranch Fortune 8, hätte das vielleicht der beste Tag ihres Lebens sein können.

Kelsey wünschte sich lediglich, dass ihre Ranch florierte, doch es war zu viel für einen alleine, sich um das Vieh, die Schafe und die Pferde zu kümmern – besonders jetzt, da sie ihren Vorarbeiter und die Arbeiter gefeuert hatte. Ihre alte Jeans, ein weißes T-Shirt und ein Flanellhemd sowie Cowgirlstiefel und ein passender Hut waren ihre erste Wahl für die harte Arbeit gewesen, die sie bereits am Morgen erledigt hatte, bevor sie zum Emerald Ridge Farmer’s Market fuhr, um einzukaufen. Dort traf sie ihre Cousine Priscilla, sodass sie gemeinsam einkaufen und sich dabei unterhalten konnten. Im vergangenen Monat war Kelsey keinerlei Zeit für soziale Kontakte geblieben, weswegen sie sich sehr über diese seltene Gelegenheit freute.

Kelsey war erst drei und ihr Dad gerade einmal vierundzwanzig Jahre alt gewesen, als Priscillas Eltern Mark und Marlene bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen waren. Obwohl er so jung und selbst in Trauer um seine Frau gewesen war, war ihr Vater mit ihr in das Haupthaus der Fortunes gezogen, um sich um Priscilla und ihre Geschwister Roth, Harris und Zara zu kümmern. Mit achtundzwanzig war Priscilla nur wenig älter als Kelsey, weswegen die beiden Frauen sich so gut verstanden.

„Es ist schon ewig her, dass ich dich gesehen habe“, sagte Priscilla, nachdem sie sich umarmt hatten.

„Ich weiß, es ist schon eine Weile her, dass wir was zusammen gemacht haben. Aber die Ranch frisst meine ganze Zeit auf. Deswegen habe ich ja auch den Familienchat gestartet, damit wir immer wissen, was die anderen tun.“

Arm in Arm schlenderten die Cousinen vom Parkplatz zum Markt hinüber und genossen den strahlend blauen Novemberhimmel. Viele andere Menschen waren zum Einkaufen hierhergekommen, darunter auch Eltern mit kleinen Kindern. Der Farmer’s Market war eine der Attraktionen im Ort, denn er bot nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit, sondern auch Karussells im Bauernhofstil sowie ein kleines Café. Kelsey atmete den verführerischen Duft von Apfel-Zimt-Donuts und gerösteten Pekannüssen ein.

Auf der rechten Seite gab es einen Kürbisstand, vor dem einige gut gelaunte Kinder schnitzend auf einer Bank saßen. Kelsey lächelte. Wäre sie nicht so unter Zeitdruck gewesen, dann hätte sie ihnen Gesellschaft geleistet.

Kelsey wählte einen Plattformwagen, während Priscilla sich für einen normalen entschied, wie sie in Supermärkten üblich waren. Dann betraten sie das Gebäude, und Kelsey lud riesige Säcke mit Äpfeln und Karotten für ihre Pferde und einen Scheffel Mais für die Kühe auf. Sie war nicht begeistert von der Aussicht, die Dinge nachher auf die Ladefläche ihres Pick-ups zu hieven, doch sie beschloss, sich später Gedanken darüber zu machen.

„Wie steht’s denn in der Sache mit deinem Vorarbeiter?“, wollte Priscilla wissen.

„Oh, erinnere mich bloß nicht daran.“ Kelsey hatte Young sozusagen mit dem Kauf der Farm geerbt, und jedes Mal, wenn sie mit ihm gesprochen hatte, hatte er herablassend gegrinst und sie kleine Lady genannt, was die anderen Ranchhands dazu veranlasste, dasselbe zu tun. „Du weißt ja, wie er sich mir gegenüber benommen hat. Aber das ist nicht das Schlimmste. Ich habe herausgefunden, dass er sich in den sozialen Medien über mich lustig gemacht hat. Ich weiß ja, dass ich erst fünfundzwanzig bin“, sagte sie stirnrunzelnd. „Aber ich bin trotzdem ihre Chefin und verdiene ihren Respekt.“

„Dieser Mann ist einfach furchtbar“, meinte ihre Cousine. „Wahrscheinlich würde er das nicht wagen, wenn du ein Mann wärst.“

„Genau. Young hat keine Gelegenheit ausgelassen, meine Autorität zu untergraben – und er war ziemlich erfolgreich. Ich fasse es nicht, dass ich auf seine Lügengeschichten reingefallen bin. Er hat mir doch tatsächlich weisgemacht, dass er alleinerziehender Vater einer Tochter im Teenageralter ist, um meine Reaktion darauf zu posten und mehr Follower zubekommen. Ist das zu fassen?“

„Du weißt, dass er sauer ist, weil du seinen Onkel bei dem Verkauf der Ranch überboten hast. Er ist ein richtiger Mistkerl.“

„Genau. Jetzt kann er seinem Onkel auf dessen eigener Ranch helfen. Ich habe ihn heute Morgen gefeuert.“

Priscilla nickte. „Gute Entscheidung. Und wen hast du stattdessen eingestellt?“

„Ich … ich kümmere mich nachher darum.“ Kelsey öffnete ihre Handtasche und deutete auf einen Stapel Blätter, auf denen sie die Stellenausschreibungen gedruckt hatte.

Besorgt sah Priscilla sie ihn und drückte sacht ihren Arm. „Kelsey, ich weiß, dass das schrecklich für dich ist, und du hast mein tiefstes Mitgefühl – aber hättest du nicht erst einen Ersatz für Young finden sollen, bevor du ihn feuerst?“

„Um ehrlich zu sein, habe ich alle Arbeiter gefeuert“, gestand Kelsey und sah ihrer Cousine in die haselnussbraunen Augen.

Verblüfft strich sich ihre Cousine eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht. „Alle? Dann kümmerst du dich jetzt ganz alleine um die Ranch? Bitte sag mir, dass du nicht alle Arbeiten alleine erledigt hast.“

„Doch. Seit zwei Tagen.“ Kelsey brauchte all ihre Kraft, um den vollbeladenen Wagen in Richtung der Kasse zu schieben, wo sie sich in die Warteschlange einreihten. „Und bevor du sagst, ich wäre voreilig gewesen – ich bedauere nichts.“ Sie straffte die Schultern. „Na, ja, zumindest nicht, bis mir eingefallen ist, dass meine Gründerherde Ende der Woche geliefert wird und einige meiner Schafe demnächst lammen.“ Sie erschauderte bei der Vorstellung, ihre vierzig Schafe umfassende Herde selbst zu versorgen und bei den Geburten zu helfen.

„Die…diese Woche?“, fragte Priscilla entgeistert. „Und dann bist du noch so ruhig? Du musst sofort Hilfe anheuern.“

Frustriert atmete Kelsey aus. „Ich wünschte, ich hätte eine reine Frauen-Crew.“

„In einer kleinen Stadt wie Emerald Ridge würde das schwierig werden.“ Sie traten ein paar Schritte näher an die Kasse heran.

„Man wird ja wohl noch träumen dürfen, oder?“, meinte Kelsey niedergeschlagen.

„Komm mal wieder auf den Boden und hänge eine Anzeige auf“, meinte Priscilla und deutete auf das Schwarze Brett an der Wand. Während Kelsey ihrer Aufforderung nachkam, hielt Priscilla ihren Platz in der Warteschlange frei.

„Was sagt denn Onkel Sander zu alldem?“, erkundigte sich Priscilla, nachdem ihre Cousine zurückgekehrt war. „Ich wundere mich, dass er dir nicht hilft.“

„Ähm, ich habe ihm nicht gesagt, dass ich den Laden alleine schmeiße.“

„Na, großartig.“ Ernst sah Priscilla sie an. „Jetzt muss ich es ihm erzählen. Er würde sich sonst furchtbar darüber aufregen, wenn ich ihm so etwas verschweige.“

„Nein, mach das bitte nicht. Daddy ist doch mit der Suche nach der versteckten Familienüberraschung beschäftigt.“ Bevor Mark und Marlene vor ihrer schicksalhaften letzten Reise nach Kalifornien abgeflogen waren, hatten sie ihren Kindern verraten, dass sie eine Überraschung auf dem Anwesen versteckt hatten, die die Geschwister nach ihrer Rückkehr suchen sollten.

In den vergangenen zwanzig Jahren hatten die Fortunes jedoch erfolglos jeden Stein auf dem Grundstück umgedreht und alle Häuser durchforstet. Sie wussten ja noch nicht einmal, wonach sie eigentlich suchten. Doch in diesem August, als sich alle wieder zum großen Familientreffen in Emerald Ridge zusammengefunden hatten, hatten sie sich geschworen, nicht wieder zu fahren, bevor das Geheimnis gelüftet worden war.

Kelsey und ihr Dad lebten weiterhin im Haupthaus, während die Geschwister in den luxuriösen Ferienhäusern lebten, die Mark und Marlene für jedes ihrer Kinder auf dem Grundstück hatten bauen lassen. Inzwischen war es November, und sie waren bei ihrer Suche immer noch keinen Schritt weiter.

„Tja, inzwischen bin ich mir nicht sicher, ob Mom und Dad vielleicht nur einen Scherz gemacht haben, als sie von der Familienüberraschung sprachen“, meinte Priscilla resigniert. „Es ist schon so lange her, dass sie gestorben sind, und ich hoffe wirklich, dass wir sie dieses Jahr endlich finden. Wenn nicht …“ Sie verstummte traurig.

„Wir werden sie finden“, munterte Kelsey sie auf, der es leidtat, ihre Cousine so niedergeschlagen zu sehen. „Sie muss ja irgendwo auf dem Grundstück sein.“

Priscilla seufzte. „Das war ein ganz schön anstrengender Sommer“, meinte sie. „Dazu kommt noch der Mord an Linc.“ Linc Banning war der Sohn ihrer ehemaligen Haushälterin gewesen, und man hatte ihn am Abend vor ihrer Ankunft in Emerald Ridge erschossen und in den Fluss geworfen.

„Ich glaube, ich schaffe es gerade nicht, über Linc zu sprechen“, gestand Kelsey. „Wir sind alle wie Geschwister aufgewachsen, und ich habe so viele wunderbare Erinnerungen an ihn – ich mag mir nicht vorstellen, was ihn dazu gebracht hat, kriminell zu werden.“ Sie rieb sich die Schläfen. „Ich hoffe nur, dass man seinen Mörder findet.“

Priscilla lächelte. „Weißt du, das Leben steckt voller Überraschungen. Jax beispielsweise ist so wundervoll, dass …“

„Jaja. Ich unterbreche dich lieber, bevor du wieder Lobeshymnen über ihn singst.“ Kelsey lachte leise. Sie war noch nie richtig verliebt gewesen, aber wenn sie sah, wie Priscilla wie ein kleines Mädchen ins Schwärmen geriet, wenn sie über ihren Verlobten Jax Wellington – den verwitweten Vater des kleinen Liam – sprach, wollte sie es um jeden Preis vermeiden. „Lass uns lieber über mein Problem mit dem fehlenden Vorarbeiter sprechen. Wenn Dad mitbekommt, dass ich Young gefeuert habe, zweifelt er bestimmt an meinen Führungsqualitäten. Aber es ist wichtig für mich, die Ranch auf meine Weise zu leiten.“ Als sie bemerkte, dass ihre Cousine nicht überzeugt zu sein schien, fügte sie hinzu: „Gib mir noch bis zum Wochenende Zeit, und wenn ich dann niemanden eingestellt habe, sage ich es Dad selbst.“

„Einverstanden. Dem flehenden Blick aus deinen grünen Augen kann ich einfach nicht widerstehen. Aber du hältst dich dran, okay?“

„Versprochen.“

Sie bezahlten schließlich, und der Manager versprach Kelsey, jemanden zu schicken, der ihr beim Beladen ihres Pick-ups behilflich sein würde. Da klingelte Priscillas Handy.

„Das ist Jax“, erklärte sie. „Ich mach mich besser auf den Weg, denn ich bin mit ihm und Liam zum Lunch verabredet. Ich frage ihn mal, ob er jemanden kennt, der dir helfen kann.“

„Vielen Dank für deine Unterstützung.“ Sie seufzte. Manchmal handelte sie zwar etwas unüberlegt, doch heute Nacht würde sie sich nicht schlaflos im Bett hin und her wälzen, weil sie sich über Young ärgerte.

Nachdem sich die Frauen umarmt hatten, verabschiedeten sie sich voneinander, und lächelnd sah Kelsey ihrer Cousine nach, die mit dem Telefon am Ohr davonging.Priscilla wirkte so glücklich, und Kelsey spürte einen seltsamen Schmerz von … ja, von was eigentlich? Einsamkeit. Schon seit Langem hatte sie kein Date mehr oder eine ernsthafte Beziehung gehabt. Doch sie fühlte sich wohl mit ihrer Entscheidung, denn so konnte sie sich auf ihren Betrieb konzentrieren. Sie sah sich um und erblickte einen Stapel Kürbisse vor der Eingangstür. Kürbisse – das war’s! Sie würde einen Kürbiskuchen backen.

Ja, das würde ihr am Abend die Zeit vertreiben, wenn sie mit ihren Arbeiten auf der Farm fertig war. Jetzt musste sie nur noch den perfekten Kürbis finden. Die kleinen, dunklen, festen eigneten sich am besten zum Backen.

Als sie einen gefunden und ihn gerade aus dem Stapel gezogen hatte, hörte sie lautes Weinen hinter sich – wobei ohrenbetäubendes Geschrei die passendere Beschreibung gewesen wäre. Sie drehte sich so schwungvoll herum, dass ihr Stetson von ihrem Kopf fiel und ihre langen roten Locken durcheinandergerieten. Gerade wollte sie den Hut vom Boden aufheben, da sah sie plötzlich dem umwerfend attraktiven Mann in die Augen, der drei Kleinkinder in einem Einkaufswagen auf sie zuschob.

Für einen Moment gelang es ihr, die schreienden Kinder auszublenden und den Mann näher zu betrachten, der sie Hilfe suchend anlächelte. Wie gebannt trat sie einen Schritt vor.

Er war mindestens einen Meter und neunzig groß, hatte einen bernsteinfarbenen Teint, einen gepflegten Bart, und sein schwarzes Haar war kunstvoll zu einem Fade geschnitten, oben länger und zu den Seiten und im Nacken sanft auslaufend immer kürzer. Offenbar trainierte er regelmäßig, denn unter seinem T-Shirt zeichneten sich deutlich wohldefinierte Muskeln ab. Unwillkürlich fiel ihr Blick auf seinen Ringfinger, der leer war. Nicht, dass das etwas zu bedeuten hatte, denn viele Männer trugen keinen Ehering. Es stand ihr nicht zu, einen Mann abzuchecken, der vermutlich verheiratet und dem Wortlaut auf seinem T-Shirt zufolge Vater von drei Babys war.

Drei absolut entzückende Babys, die in identischen Kürbis-Outfits gekleidet waren, jedoch so laut brüllten, dass die anderen Kunden einen weiten Bogen um sie machten. Sie hob ihren Hut auf, klopfte ihn ab und wandte sich um, um weiter nach einem geeigneten Kürbis für ihren Kuchen zu suchen. Backen. Sie würde sich aufs Backen konzentrieren.

„Kommt schon, Leute“, erklang eine tiefe Stimme hinter ihr. „Daddy braucht nur fünf Minuten, um etwas Obst und Gemüse zu kaufen, dann können wir wieder nach Hause fahren. Das verspreche ich euch.“ Der Tonfall war weich und ruhig, doch Kelsey entging nicht, dass der Mann leicht frustriert war.

Sie schnaubte. Versuchte er etwa, vernünftig mit den Babys zu sprechen? Die Schreie wurden immer durchdringender, als würden sie sich gegenseitig anstacheln. Der arme Kerl hatte überhaupt keine Chance. Kümmere dich um deinen eigenen Angelegenheiten, Kelsey. Sie griff nach einem weiteren Kürbis und setzte ihren Weg zur Kasse fort, doch der flehentliche Unterton in der Stimme des Fremden ließ sie verharren.

„Kommt schon, lasst Daddy nicht hängen.“

Noch nie hatte Kelsey einem Hilferuf widerstehen können. Oder Kindern. Sie war eine Babyflüsterin. In der Familie war man der Meinung, dass ihrem berühmten Guck-guck-Spiel magische Kräfte innewohnten. Kein Baby konnte sich ihrem Zauber widersetzen. Seufzend sah sie nach oben. Geh weg. Du brauchst das nicht tun.

Doch, natürlich musste sie. Die Schreie klangen inzwischen sirenengleich.

Also legte sie den Kürbis zurück an den Stand, ging zu den schreienden Kindern hinüber und hockte sich neben den Vater. Dabei berührten sich ihre Schenkel, und sie bemühte sich, die muskulösen Arme des Mannes zu ignorieren, die er ausstreckte, um sie zu stützen. Stattdessen konzentrierte sie sich völlig auf die drei kleinen Menschen vor ihr.

„Hallo, ihr kleinen Kürbisse“, sagte sie im leisen Singsang und berührte jedes der Kinder an den Beinen. Ihr Vater setzte sich neben sie und starrte sie an, was sie ebenso wie ihren erhöhten Pulsschlag geflissentlich missachtete. Stattdessen blickte sie auf die nassen Wimpern der Kleinen und die getrockneten Tränen auf ihren geröteten Wangen. Sie wünschte, mehr als zwei Arme zu haben, um sie alle an sich drücken zu können.

Drei kleine Münder waren geöffnet. Gut. Jetzt hatte sie ihre Aufmerksamkeit, und sie musste die Gelegenheit nutzen. Sie bedeckte ihre Augen mit den Händen, nahm sie unvermittelt zur Seite und rief: „Kuckuck!“

Zögern.

Sie wiederholte es. „Kuckuck!“

Da begannen zwei von ihnen aus tiefster Seele zu lachen, und Kelsey spürte, wie Glücksgefühle sie durchfluteten. Sie liebte es zu hören, wenn Kinder Spaß hatten. „Guck-guck! Guck-guck!“, sang sie weiter.

Jetzt kicherten alle drei Kinder genauso laut, wie sie kurz zuvor noch geweint hatten. Sie sah zu ihrem Vater. Der Blick, den er ihr zuwarf, ließ Wärme in ihr Gesicht steigen.

„Wie haben Sie das gemacht?“, fragte er völlig perplex.

Sie zuckte mit den Schultern, um zu überspielen, welche Wirkung seine Nähe auf sie hatte. Er duftete nach Zeder, Meer und Mann – eine verführerische Kombination, die sie daran erinnerte, wie lange sie schon alleine war. Es war endlose sechs Monate her, seit sie von einem Mann in den Armen gehalten worden war, und sie setzte alles daran, diese kurze Begegnung zu vergessen. „Ich … ich weiß nicht. Ich habe einfach ein Händchen für Kinder, schätze ich.“

Sie erhob sich und klopfte ihre Jeans ab. „Freut mich, dass ich helfen konnte. Ich wünsche euch allen noch einen schönen Tag.“ Sie ging davon, zog den Hut tiefer in die Stirn und winkte dem Angestellten zu, der inzwischen bei ihrem Einkaufswagen stand und ihr beim Beladen des Pick-ups behilflich sein wollte.

„Warten Sie!“, rief er beinahe flehentlich, und Kelsey hörte seine sich nähernden Schritte auf dem Kies.

„Es tut mir leid, aber ich kann Sie nicht einfach so gehen lassen. Sie sind meine Heldin, und ich möchte mich für Ihre Hilfe erkenntlich zeigen“, erklärte er lächelnd, als er sie erreichte.

Oh, was für ein Charmeur. Sie musste immun gegen seine Ausstrahlung bleiben, obwohl ihr Herz wie wild in ihrer Brust zu hämmern schien.

Sie bedeutete dem Angestellten, ihr zu folgen. „Sie sind mir nichts schuldig“, sagte sie zu dem Vater. Da fiel ihr Blick auf eine ihrer Stellenanzeigen an dem Schwarzen Brett. „Es sei denn, Sie kennen zufälligerweise gute Leute, die auf einer Ranch arbeiten wollen. Ich habe mir gerade eine Fram gekauft und bin noch auf der Suche nach Personal, aber es ist ein Albtraum“, erklärte sie, ohne sich viel Hoffnungen zu machen, dass der Mann Rat wusste. Während ihres Gesprächs gingen sie zum Parkplatz, und der Helfer folgte ihnen. „Deswegen brauche ich dringend Unterstützung.“

„Ich kenne zwar niemanden, aber mir gehört die Porter Cuts in Dallas. Haben Sie schon mal von dieser Ranch gehört?“

Natürlich hatte sie das.

„Wer hat das nicht?“, erwiderte sie seine Frage und streckte ihm eine Hand entgegen. „Dann sind Sie also …“

Er ergriff ihre Hand, und sein Händedruck war warm und fest. Kelsey mochte das bei einem Mann. „Ich bin Trevor Porter, und es wäre mir eine große Freude, Ihnen heute Abend beim Dinner etwas über das Führen einer Ranch und Personal zu erzählen, falls Sie Zeit haben sollten.“

„Äh, ich bin Kelsey Fortune. Vielen Dank für das Angebot, aber ich habe noch eine Menge zu tun …“

„Fortune?“, fragte er stirnrunzelnd. „Was für ein Zufall. Mein Cousin ist mit einer Fortune verheiratet.“

„Man könnte meinen, die Welt ist klein, aber tatsächlich treffen Sie hier in Texas alle naselang auf einen Fortune“, erklärte sie. „Wer ist denn Ihr Cousin?“

„Jonathan Porter von Porter Oil. Er ist mit Vivienne Fortune verheiratet.“

Sie pfiff leise. „Ja, ich habe von der Hochzeit gehört …“

„Es ist nur ein Dinner. Wir müssen beide schließlich mal was essen, richtig? Es ist ja kein Date.“

Doch das Interesse in seinem Blick und die spürbare Anziehungskraft zwischen ihnen strafte seine Worte Lügen.

Das brachte sie aus der Fassung, denn sie war kurz davor, seine Einladung anzunehmen. Doch dann zwang sie sich dazu, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen. Der Mann hatte drei Kinder. Sie öffnete den Kofferraum und gab dem Helfer ein Trinkgeld.

„Denken Sie doch drüber nach“, schlug Trevor vor. „In der Zwischenzeit helfe ich dem Mann hier.“ Er zwinkerte ihr zu, bevor er begann, Kelseys Einkäufe im Pick-up zu verstauen.

In der Zwischenzeit spielte sie mit den Babys und beobachtete bewundernd Trevor, wie er mühelos die schweren Taschen hochhob, als wären sie federleicht.

„Und? Wie haben Sie entschieden?“, fragte er, nachdem er fertig war. „Bei mir gibt es nur die Drillinge und meinen Dad, der mir nach dem Tod meiner Frau hilft, aber der ist gerade mit seiner Verlobten auf Kreuzfahrt. Ich sehne mich nach einem Gespräch mit jemandem, der nicht mit Babysprache antwortet.“

„Sehr gerne. Weswegen sind Sie hergezogen?“

„Weil ich näher an den Wurzeln meiner Familie sein wollte. Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und wollte gerne meine Verwandten besser kennenlernen. Vor allem jetzt, da ich selbst Kinder habe. Ich wünsche mir für sie, dass ihre Familie aus mehr Personen besteht als nur Dad und mir.“

Sie nickte. „Ich verstehe, was Sie meinen. Ich habe immer meine Familie um mich, und sie wird zusehends größer. Wie schaffen Sie es denn, Ihren Betrieb zu führen, wenn Sie hier in Emerald Ridge leben? Wollen Sie pendeln oder einen Stellvertreter einstellen?“ Sie stockte. „Verzeihen Sie bitte, meine Neugierde ist mit mir durchgegangen.“

„Nein, alles gut, das sind berechtigte Fragen. Für mich arbeiten kompetente Leute, die den Betrieb am Laufen halten, aber die wichtigen Entscheidungen und Qualitätskontrolle übernehme ich.“

Ein paar Tipps konnte sie gut gebrauchen. „Ich würde mich freuen, heute Abend mehr zu erfahren. Ich wohne mit meinem Dad im Haupthaus des Fortune-Anwesens, natürlich jeder in einem eigenen Flügel. Haben Sie es schon gesehen?“

„Gehört habe ich davon, gesehen habe ich es noch nicht.“

Sie winkte ab. „Das sollte kein Problem sein in einer kleinen Stadt wie dieser. Ich erzähle Ihnen gern mehr über die Geschichte, wenn wir uns treffen. Ich koche Dinner für uns.“ Sie nannte ihre Adresse, und sie tauschten die Telefonnummern aus.

„Ich freue mich. Bestimmt bekomme ich für heute Abend einen Sitter. Sehen wir uns um achtzehn Uhr?“

„Ja, bis dann.“

2. KAPITEL

Während Trevor die gewundene Auffahrt des Fortuneschen Anwesens herunterfuhr, bestaunte er das üppige, grüne Land, das sich seinen Blicken darbot. Auf dem Grundstück befanden sich kleine Villen, und das Haupthaus lag direkt vor ihm. Es bot einen imposanten Eindruck.

Als er sich ihm näherte, wuchs seine innere Unruhe.

Vielleicht hätte er das Treffen absagen sollen. Er sah in den Rückspiegel zu den drei Beinpaaren, die in den Kindersitzen schaukelten. Die Babys waren damit beschäftigt, selig lächelnd mit ihren Stoffschafen zu spielen. Trevor war nicht sicher, was Kelsey dazu sagen würde, wenn er mit den Kindern aufkreuzte, aber er wollte sie unbedingt wiedersehen. Das erste Mal seit Monaten interessierte er sich für eine Frau – ein Gefühl, das er nach dem Tod seiner Ehefrau längst totgeglaubt hatte.

Keiner von ihnen war für die Ehe bereit gewesen, doch als Claudia herausfand, dass sie mit Drillingen schwanger war, hatten sie ihre Meinung geändert und beschlossen, um der Kinder willen der Ehe eine Chance zu geben.

Nach Claudias plötzlichem Tod hatte Trevor geglaubt, dass es das für ihn in Bezug auf Beziehungen gewesen sei. Doch nun verspürte er wieder diese sinnliche Aufregung, die ihn bereits bei der ersten Begegnung mit Kelsey durchströmt hatte. Er wollte herausfinden, ob das nur zufällig geschehen oder der Beginn eines neuen Lebensabschnitts für ihn war.

Er sah zu den großen Gebäuden, die sich zu beiden Seiten des Weges auf dem Grundstück befanden. Ein jedes von ihnen war schön gestaltet und strahlte einen Hauch zurückhaltender Eleganz aus. Wenn Trevor sich richtig entsann, war sein Architekt von derselben Firma ausgebildet worden, die für die Gestaltung dieser hier verantwortlich zeichnete. Jetzt konnte er es kaum erwarten, sein eigenes Haus endlich fertig zu sehen. Zwar war er bisher stets über Videocalls auf dem Laufenden gehalten worden, doch hatte er es noch nicht gewagt, die Baustelle in Begleitung der Drillinge in Augenschein zu nehmen.

Vor ihm kam das imposante Haupthaus in Sicht. Das repräsentative, weitläufige zweistöckige Gebäude wies eine geschwungene Dachlinie und mächtige Säulen auf. Kelsey hatte ihm getextet, dass sie im rechten Flügel wohnte, der einen separaten Eingang auf der Rückseite des Hauses besaß, doch da sie sich zum Dinner trafen, beabsichtigte Trevor, vor dem Haupteingang zu parken.

Er schulterte die Wickeltasche, bevor er die Kinder aus dem Auto holte und in ihren Wagen setzte, den er mühsam die drei Stufen vor dem Eingang emporbeförderte. Oben angekommen, machte er eine kurze Verschnaufpause und betrachtete bewundernd die umlaufende Veranda, die große eichene Doppeltür und die schmiedeeisernen Scharniere, bevor er die Türklingel läutete.

Weil William in diesem Moment begann, unruhig zu werden, beugte Trevor sich zu ihm herab, um seinen kleinen Bauch zu streicheln, und sein Sohn dankte es ihm mit einem entzückenden zahnlosen Grinsen.

Das Knarzen der sich öffnenden Tür brachte Trevor dazu, sich wieder umzusehen und in ein Paar zauberhaft funkelnder grüner Augen zu sehen, deren Anblick ihm den Atem verschlug. Kelsey trug eine enge Jeans, die ihre verführerischen Rundungen betonte, und eine locker geschnittene Bluse.

„Hi.“ Sie deutete auf die Kinder und fuhr sich mit einer Hand durch die seidig schimmernden Haare. „Sieht so aus, als hätten Sie noch jemanden mitgebracht.“

„Ja. Die Agentur, bei der ich bin, hat mir mitgeteilt, dass meine eigentliche Babysitterin einen anderen Job angenommen habe. Ich habe mich so darauf gefreut, Sie heute Abend zu sehen, dass ich nicht absagen wollte. Aber natürlich können wir unser Treffen verschieben, wenn es Ihnen zu viel sein sollte.“

Sie ging an ihm vorbei und hockte sich vor die Kinder, die sofort zu lachen und vergnügt zu strampeln begannen.

Es gefiel ihm zu sehen, wie die sanfte Abendbrise Kelseys rote Locken in ihr Gesicht wehten. Sie war einfach wunderschön und vollkommen hin und weg von seinen Kindern. Was für ein Weg in das Herz eines Mannes! Ähm, natürlich nur, wenn er auf eine Beziehung aus wäre.

Was er natürlich nicht war.

Er hatte alle Hände voll mit diesen kleinen Bündeln zu tun und konnte wohl kaum von einer Frau erwarten, eine solche Verantwortung rund um die Uhr mit zu übernehmen.

Nachdem sie ein paar Momente mit den Kindern gespielt hatte, sah sie mit einem glücklichen Lächeln zu ihm auf. „Sie sind einfach so zuckersüß.“

Er half ihr auf die Füße. „Kommen Sie“, sagte sie leise. „Lassen Sie uns reingehen.“

Fest entschlossen, sich nicht von dem verführerischen Anblick ihres sexy Pos in der engen Jeans ablenken zu lassen, schob er den Kinderwagen hinter ihr in das imposante Foyer mit der neun Meter hohen Decke, an der die Rufe seiner Kinder wie ein Echo widerhallten. Das wiederum brachte die Drillinge dazu zu lachen und noch lautere Geräusche zu machen. Durch einen geräumigen Eingang gelangte man in den Wohnbereich mit einem deckenhohen Kamin und flauschig aussehenden luxuriös gepolsterten Sofas. Es war offensichtlich, dass die Fortunes in Bezug auf ihre Unterkünfte sich nicht mit halben Sachen zufriedengaben. Durch große Panoramafenster sah man auf das weitläufige Grundstück. Trevor folgte Kelsey in die Küche, an die ein abgesenkter Wohnbereich mit einem großen Fernsehbildschirm und Sofas in frischen Farben angeschlossen war.

„Das Haus hat früher dem Bruder meines Dads, Onkel Mark, und seiner Frau Marlene gehört“, erklärte Kelsey. „Sie haben dieses Grundstück mit der Vision gekauft, mit ihrer Familie die Sommer hier zu verbringen. Jedes Mal, wenn sie ein weiteres Kind bekommen hatten, haben sie ein weiteres Gästehaus bauen lassen.“

„Oh, was für eine schöne Idee“, sagte Trevor und sah zu seinen Drillingen. „Vielleicht mache ich es auch so. Ich habe mehr als genügend Platz auf meinem Land für drei weitere Häuser.“

„Wenn Sie mögen, können Sie gerne Fotos machen“, bot sie an.

„Darauf komme ich gerne zurück“. Er zwinkerte ihr zu. „Ich kann mir vorstellen, dass Ihr Onkel und Ihre Tante eine tolle Zeit hier verlebt haben.“

Sie betraten die Küche. „Leider haben sie nicht lange genug gelebt, um die Früchte ihrer Arbeit zu genießen“, sagte Kelsey traurig. „Sie sind bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.“

„Das tut mir leid“, erwiderte Trevor und lehnte sich an die Marmorplatte des Küchentresens, während Sasha und James schon alles daran taten, aus dem Wagen zu kommen.

„Es ist schon lange her“, meinte Kelsey. „Und jetzt wohnen nur noch Dad und ich hier im Haupthaus. Jeder hat einen eigenen Flügel, und wir teilen uns die Küche und den Wohnbereich.“ Sie sah zu den Kindern. „Geben Sie mir einen Moment, dann sehe ich mal nach, ob ich noch irgendwo einen Krabbelstall auftreiben kann, damit die Kinder sich frei bewegen können, ohne sich etwas zu tun.“

„Danke, das wäre wirklich wunderbar. Ich habe gar nicht daran gedacht, selbst einen mitzubringen, dabei habe ich drei zu Hause.“

„Ist doch kein Problem“, erwiderte sie. „Ich bin gleich wieder zurück. Fühlen Sie sich in der Zwischenzeit ganz wie zu Hause.“ Sie deutete auf eine große Tür. „Sie finden alles, was das Herz begehrt, dort in dem begehbaren Schrank.“

Nachdem sie gegangen war, sah Trevor sich bewundernd in der großzügig eingerichteten Küche um. Zweifellos war sie das Herz des Hauses, und er konnte sich vorstellen, wie viel Lachen und Liebe diesen Raum bereits erfüllt hatten. Er strahlte eine Herzlichkeit aus, die Trevor auch in Kelseys grünen Augen aufgefallen war und die ihn emotional aufgewühlt hatte.

Auf der Arbeitsplatte tauten ein paar Porter Cuts Steaks inmitten von Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch und grünen Paprikaschoten auf. Der moderne Herd verfügte auch über einen Grill, und obwohl das Wetter mild genug war, um draußen zu grillen, wäre es mit den Kindern wohl angeraten, das Fleisch in der Küche zuzubereiten.

Trevor holte sich eine Flasche Wasser aus dem Wandschrank. Als er zurückkam, war der Kinderwagen leer. Entsetzt sah er sich um und entdeckte William, der zum Sofa krabbelte. James hatte einen Küchenschrank geöffnet, und Sasha … Wo war Sasha? Er war noch nicht einmal eine Sekunde fort gewesen. Wie hatten sich die Knirpse nur so schnell befreien können?

Er hob seine Söhne auf den Arm. „Wo ist deine Schwester?“, fragte er. Natürlich erhielt er keine Antwort. Stattdessen griff James in Trevors Haare, und William zog an seinen Ohren. Dabei wippten die beiden Kinder vergnügt auf und ab.

In dem Versuch, nun auch schnell seine Tochter zu finden, spähte Trevor besorgt in das Esszimmer, doch auch dort war keine Spur von ihr zu sehen. Dieses Haus war nicht nur riesig und bot unzählige Versteckmöglichkeiten, es gab auch Treppen. Nein! Nein! Nein! Panikerfüllt eilte er zum unteren Treppenabsatz und blickte die gewundene Treppe hinauf, bis er sich selbst zur Ruhe rief. So weit wäre Sasha in der kurzen Zeit nicht gelangt. Also machte er kehrt und wollte in dieselbe Richtung wie Kelsey zuvor gehen, als er ein leises Lachen hörte.

„Sasha!“, rief er erleichtert und folgte dem Lachen, um kurz darauf sein kleines Mädchen in den Armen eines anderen Mannes zu sehen, wie es die Händchen an seine Wangen presste. „Hallo! Entschuldigung!“, sagte Trevor, als er auf den Fremden zuging. „Das ist meine Tochter. Sie ist mir gerade weggelaufen.“

Der andere lachte. „Ich verstehe auch, warum. Sie haben ja schon alle Hände voll. Ich heiße übrigens Sander Fortune.“ Ah. Der Hausherr, Kelseys Dad. Kelsey musste das rote Haar, die grünen Augen und ihre Größe von ihrer Mutter geerbt haben, denn Sander war über einen Meter achtzig, hatte blondes Haar und blaue Augen.

„Und Sie sind?“, fragte er freundlich und schien kein bisschen in Sorge darüber zu sein, in seinem Haus einen Fremden anzutreffen.

„Ich bin Trevor. Kelseys … ähm, Freund“, beeilte sich Trevor zu erklären. „Sie sucht gerade nach einem Laufstall.“

„Oh, ja. Sie hat mir gesagt, dass Sie heute Abend hier sein würden. Wahrscheinlich ist sie auf dem Dachboden.“ Sander rieb Sashas Bäuchlein, und sie gingen zusammen zurück in die Küche. „Ich habe die Kleine auf dem Weg zum Badezimmer entdeckt.“

„Danke fürs Finden. Es freut mich wirklich sehr, Sie kennenzulernen.“

„Ganz meinerseits. Bei uns ist alles ganz entspannt. Fühlen Sie sich also wie zu Hause. Hat meine Tochter Ihnen schon das Haus gezeigt?“

„Nein, bisher noch nicht. Wir sind gerade erst angekommen.“

Sasha streckte die Ärmchen aus, damit Trevor sie auf den Arm nahm, was er natürlich nicht konnte, weswegen sie zu weinen begann. „Einen Moment, Süße“, bat er, setzte William und James in den Kinderwagen und gab ihnen Schnuller und Stofftiere aus der Wickeltasche. Das sollte sie für einen Moment bei Laune halten. Wo blieb nur Kelsey?

Wie aufs Stichwort kehrte sie mit einem großen Karton zurück. „Da bin ich. Ich musste ein bisschen auf dem Dachboden suchen.“ Sie sah zu ihrem Vater, der immer noch Sasha auf dem Arm hielt. „Hi, Dad. Ihr beide habt euch sicher schon bekannt gemacht, oder?“

„Ja“, erwiderte Sander und reichte Sasha an Trevor weiter, bevor er seiner Tochter einen Kuss auf die Wange gab. „Ich wollte gerade zu Roth fahren, als mir dieses entzückende Baby über den Weg lief.“

„Sie wollte dir vermutlich folgen, Kelsey“, mutmaßte Trevor und rieb Sashas Rücken, die ihr Köpfchen an seine Brust schmiegte.

„Wir wollen jetzt Dinner machen“, sagte Kelsey zu ihrem Vater. „Sollen wir dir etwas aufheben?“

„Nein, danke“, erwiderte Sander. „Ich esse mit Roth einen Happen.“

Kelsey nickte und ging die drei Stufen zum Wohnbereich hinunter, wo sie in einer Ecke begann, den Karton zu öffnen. Sie wirkte völlig entspannt und spiegelte so genau das Gegenteil davon wider, wie sich Trevor fühlte.

„Warte, ich helfe dir“, bot Sander an, und zu zweit bauten sie den Krabbelstall auf, während Trevor, nachdem er um Erlaubnis gefragt hatte, die Steaks aus der Verpackung nahm, damit sie gewürzt werden konnten, und er wusch die Kartoffeln und das Gemüse.

Die Kinder würden Kartoffelbrei und ein paar gekochte Möhrchen essen. Jeder der Drillinge hatte sechs Zähnchen – drei oben und drei unten – und alle befanden sich an der gleichen Stelle. Das Wunder von Drillingen.

Kelsey und Sander unterhielten sich leise, und Sander verließ schließlich kurz den Raum, bevor er mit einem Korb Spielzeug zurückkehrte. Trevor berührte die Freundlichkeit des anderen Mannes, und es war klar, von wem Kelsey ihr freundliches Wesen geerbt hatte. Das ließ ihn an seinen eigenen Dad denken, und er schrieb ihm eine kurze Nachricht, um zu fragen, wie es ihm ging. Als die Kinder beim Anblick der Spielsachen erfreut aufschrien, konnte Trevor nicht widerstehen. Er ging in den Wohnbereich, um die drei zu fotografieren. Sie sahen so entzückend aus, dass er nicht widerstehen konnte.

„So, das sollte sie beschäftigt halten, während Sie sich über das Farming unterhalten.“ Sander wischte sich die Hände an der Hose ab. „Es ist nett, dass Sie Kelsey ein paar Tipps geben wollen. Sie ist wild entschlossen, es ohne mich zu schaffen, weswegen ich sehr froh bin, dass sie den Rat von jemand anderem annehmen möchte.“

„Ich freue mich, wenn ich helfen kann.“

„Daddy, hast du nicht eine Verabredung?“, fragte Kelsey in einem neckenden Tonfall. Offenbar wollte sie gern allein mit Trevor sein, was diesen erfreute. War das hier vielleicht mehr als nur ein Geschäftsessen, dachte Trevor und spürte, wie ihn plötzlich neue Energie durchströmte.

„Ja, genau.“ Sander warf ihnen einen letzten Blick zu, bevor er an den Rand seines Hutes tippte, sich von den Kindern verabschiedete und ging. „Wir sehen uns später“, sagte er noch und klang plötzlich ganz wie der Vater, der wusste, dass seine Tochter sich für einen anderen Mann interessierte.

Kelsey schaltete den Fernseher ein, wechselte eine kurze Weile zwischen den verschiedenen Programmen hin und her und entschied sich schließlich für die warmherzige australische Animationsserie Bluey, die von den Abenteuern eines Hundewelpen erzählte.

Die Kinder klatschten begeistert in die Hände. „Ob sie hungrig sind?“, fragte Kelsey.

„Ich habe ihnen vor der Abfahrt eine Kleinigkeit gegeben“, erklärte Trevor. „Ich denke, eine Stunde halten sie noch gut aus.“

„Und?“, fragte sie und begann, die Steaks vorzubereiten. „Wie lange schon versorgen Sie Ihre Kinder alleine?“

„Claudia – ihre Mutter – ist kurz nach ihrer Geburt gestorben. Also sind wir vier eigentlich von Anfang an alleine und ich habe mir ein Jahr freigenommen, um für sie zu sorgen. Mein Vater hilft mir, ist aber gerade auf einer Kreuzfahrt. Ich habe nach einer Aushilfe gesucht, die so lange bei uns im Haus wohnt, aber bislang war niemand Passendes dabei.“ Er nickte in Richtung der Drillinge, die wie gebannt vor dem Fernseher saßen. „Ich brauche jemanden, der nicht nur qualifiziert, sondern auch geduldig ist.“

Sie sah zu den Kindern, die so unglaublich niedlich aussahen, wie sie fernsahen. Sie wünschte, sie könnte ihre Hilfe anbieten, aber sie hatte bereits mehr als genug auf der Ranch zu tun.

Wenn sie einen Vorarbeiter hätte, könnte sie Platz auf ihrem Stundenplan einräumen und Trevor mit den Kindern helfen. Da sie gerade daran dachte – sie musste wirklich Personal anheuern. Hoffentlich war morgen jemand bei den Interviews dabei, die sie führen wollte.

Das gemeinsame Kochen bereitete ihr viel Freude. Trevor half geschickt, während sie sich angenehm unterhielten und sie das Gefühl hatte, als würden sie sich schon lange kennen, weswegen sie sich schon bald duzten und auf das förmliche Sie verzichteten. Als Kelsey ihm kurz darauf eine Gabel reichte, berührten sich ihre Fingerspitzen einen flüchtigen Moment, doch der genügte, um ein Feuer in ihr zu entfachen, das sie selbst überraschte – und in den Bann schlug.

„Wie mögen Sie Ihr Steak am liebsten?“, erkundigte sie sich rasch.

„Medium well – fast durchgebraten, nur noch leicht rosa.“

„Ich auch.“

„Du hast gesagt, dass nur du und dein Dad hier lebt. Darf ich fragen, wo deine Mutter ist?“, erkundigte sich Trevor, während er das Fleisch wendete.

„Meine Mom starb bei einem Autounfall, als ich einen Monat alt war.“

Trevor ließ die Gabel fallen. „Wow. Das tut mir leid. Ich hatte ja keine Ahnung.“

„Ist schon okay. Das konntest du ja nicht wissen. Aber als du mir erzählt hast, dass deine Frau gestorben ist, habe ich mich sofort mit deinen Kindern verbunden gefühlt, weil ich selbst ohne Mom aufgewachsen bin.“ Zitternd atmete sie aus. „Das war nicht einfach, und ich denke oft an sie. Frage mich, was sie zu mir sagen und von mir denken würde. So was eben. Aber mein Vater ist wirklich toll, was die Sache erträglich gemacht hat.“ Sie deutete auf ihn. „So wie du mit deinen Kindern umgehst.“

„Ich versuche es zumindest und muss noch eine Menge lernen. Ein Vater zu sein ist Furcht einflößend und trotzdem das Schönste auf der ganzen Welt.“

Kelsey lächelte. „Das kann ich mir vorstellen. Ich weiß wirklich nicht, was ich ohne meinen Dad tun würde. Er ist mein größter Unterstützer, und wir haben wirklich eine großartige Beziehung.“

„Ich hoffe, dass mir das mit meinen dreien auch gelingt.“ Ihre Blicke trafen sich, und Trevor räusperte sich. „Ich frage mich, wie ich ihnen die fehlende Mutter ersetzen soll.“

Ernst sah sie ihm in die Augen. „Liebe sie einfach. Dann machst du keinen Fehler. Mein Dad ist nicht perfekt, aber auf seine Liebe konnte ich immer zählen.“ Sie lachte leise. „Und natürlich ein paar Tanten und Onkel. Familie ist wichtig.“

„Das stimmt. Deswegen habe ich auch meinen Vater ausfindig gemacht, als ich erfahren habe, dass wir Drillinge bekommen. Meine Mutter hat mir erst auf dem Sterbebett von ihm erzählt.“

„Whoa. Bestimmt hatte sie ihre Gründe dafür.“

„Vielleicht. Aber sie war krank, und ich wollte sie nicht mit Fragen aufregen. Ich habe ihr einfach nur zugehört.“

„Hast du noch mehr Familie?“

„Ja, aber niemanden davon würde ich gerne kennenlernen.“

Sein scharfer Tonfall hielt Kelsey davon ab, weitere Fragen zu stellen. Sicher würde sie mit der Zeit mehr erfahren.

Bevor sie mit dem Essen begannen, fütterten sie die Kinder mit Kartoffelbrei und Karotten, und anschließend füllte Trevor ihre Trinklernbecher mit Säuglingsmilch. Dabei lenkte Kelsey das Gespräch auf ihre Probleme mit den Arbeitern auf der Ranch.

Trevor verriet ihr, d...

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