Baccara Exklusiv Band 233

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BETTGEFLÜSTER MIT DEM BOSS von MAUREEN CHILD
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  • Erscheinungstag 02.06.2023
  • Bandnummer 233
  • ISBN / Artikelnummer 0858230233
  • Seitenanzahl 512

Leseprobe

Maureen Child, Dani Wade, Andrea Laurence

BACCARA EXKLUSIV BAND 233

1. KAPITEL

„Ich traue ihr nicht.“ Mike Ryan trommelte mit den Fingern auf dem Schreibtisch herum und starrte seinen jüngeren Bruder an.

„Ja“, sagte Sean lachend. „Das machst du seit Monaten deutlich. Nicht ganz so klar ist, warum. Sie ist eine fantastische Künstlerin, hält ihre Termine ein, und man kommt gut mit ihr klar. Also erzähl mir, was Jennifer Marshall getan hat, dass du dermaßen gegen sie eingenommen bist!“

Mit finsterem Blick biss Mike die Zähne zusammen und widmete sich der Aussicht aus seinem Bürofenster. Sogar in Südkalifornien sahen die Gärten im Januar trist aus. Im Garten hinter dem Haus der viktorianischen Villa, in der sich die Büros ihrer Firma Celtic Knot Gaming befanden, war das Gras braun und trocken, die Bäume waren kahl und die Blumenbeete leer. Graue Wolken überzogen den Himmel, und ein kalter Wind ließ die Äste zittern.

Trotzdem war dieser Anblick besser, als an Jenny Marshall zu denken. Sie war klein, kaum einen Meter sechzig groß, aber ziemlich sexy. Sie hatte Kurven, bei deren Anblick Mike jedes Mal das Wasser im Mund zusammenlief – vor allem, seit er wusste, wie diese Kurven nackt aussahen. Ihr blondes Haar reichte ihr bis zum Kinn – eine wilde Lockenpracht, die einen Mann von heißen, verschwitzten Nächten fantasieren ließ.

Sofort zwang Mike sich dazu, nicht weiter an eine nackte Jenny zu denken, sondern an ihr Gesicht. Ihre Augen waren himmelblau, und einmal hatte sie ihn voller Leidenschaft angesehen …

Okay, das reicht, ermahnte er sich.

„Ich habe meine Gründe“, murmelte er.

Sean hatte keine Ahnung, dass sich Mike und Jenny schon gekannt hatten, bevor sie bei Celtic Knot angestellt worden war, und es gab keinen Grund, das zu ändern.

„Na gut.“ Sean stieß die Luft aus. „Du warst schon immer ein Sturkopf. Ist sowieso egal, warum. Brady und ich haben es bereits beschlossen.“

„Brady ist in Irland.“

„Klar“, erwiderte Sean und fügte hinzu: „Ist Technik nicht etwas Großartiges? Kannst du dich an das Meeting erinnern, das wir per Webcam gemacht haben? Das, bei dem wir beschlossen haben, wer sich mit welchem Hotel beschäftigen soll?“

„Ich kann mich erinnern.“

„Gut. Weil Jenny nämlich gerade in ihrem Büro sitzt und an den Entwürfen für das River Haunt Hotel arbeitet.“ Sean sah seinen Bruder an. „Sie hat sich schon einige großartige Ideen einfallen lassen. Wenn wir jetzt den Designer wechseln, wird das die Fertigstellung verzögern. Außerdem ist Jenny gut.“

Mike verkniff sich jede weitere Debatte. Sean hatte recht, die Pläne waren fertig. Alle künstlerischen Mitarbeiter hatten bereits ihre Aufträge erhalten. Die meisten waren mit den Grafiken für das nächste Spiel beschäftigt, das kommenden Sommer erscheinen sollte. Also war Jenny die einzig logische Wahl.

Es gab Termine, die eingehalten werden mussten, und niemand wusste das besser als Mike. Er, sein Bruder Sean und ihr Freund Brady Finn hatten diese Firma gegründet, als sie noch im College waren. Ihr erstes Computerspiel war erfolgreicher gewesen, als sie jemals gehofft hatten, und als sie das College verließen, waren sie Millionäre.

Sie steckten ihr Geld in eine Firma, die sie Celtic Knot Gaming nannten, und veröffentlichten innerhalb eines halben Jahres ein noch aufwendigeres, anspruchsvolleres Spiel. Sie machten sich einen Ruf für Action-Spiele, die auf alten irischen Legenden und Aberglauben beruhten, und die Zahl ihrer Anhänger wuchs. Sie gewannen Preise und hatten Legionen von Fans, die auf das nächste Spiel warteten. Und jetzt wuchs die Firma in eine neue Richtung.

Sie hatten drei Hotels gekauft und polierten sie als Rollenspielorte für Gäste auf. Vorbild für jedes Hotel war eines ihrer Spiele. Das erste, Fate Castle, lag in Irland. Die Umbauten waren erst kürzlich beendet worden, und das Hotel würde im März eröffnet werden. Das zweite Hotel, River Haunt, lag in Nevada am Colorado River und wartete nur darauf, dass Mike auftauchte und sich um die Renovierung kümmerte.

Aber wie, zur Hölle, konnte er das, wenn er mit Jenny Marshall zusammenarbeiten musste? Antwort: Es ging nicht. Aber er wollte Sean die Gründe dafür nicht erklären. Stattdessen würde er zu Jenny gehen und sie davon überzeugen, dass sie sich aus diesem Projekt zurückziehen musste. Sie war wahrscheinlich ebenso wenig scharf darauf, mit ihm zu arbeiten, wie er mit ihr. Wenn sie zu Sean ging und darum bat, versetzt zu werden, würde es keine Probleme geben.

„Einstweilen …“, sagte Sean so laut, dass Mike seine Aufmerksamkeit wieder ins Hier und Jetzt lenkte, „… verhandele ich immer noch mit der Spielzeugfirma über die Sammlerstücke unserer Spielfiguren.“

„Was sagen die Anwälte dazu?“, fragte Mike.

„Viel“, bekannte Sean. „Das meiste davon verstehe ich nicht.“

„Wie viel hast du kapiert?“

Sean schlug lässig die Beine übereinander. „Genug, um zu wissen, dass die Firma uns ein Lizenzangebot machen wird.“

„Ich weiß nicht. Spielzeug?“

„Kein Spielzeug! Sammlerstücke“, korrigierte ihn Sean. „Ich habe Brady heute Morgen angerufen, und er ist mit an Bord. Also denk darüber nach, Mike. Bei der nächsten Game-Convention müssen wir nicht nur für die Spiele werben, sondern auch für die Sammlerstücke. Wir können auch Brettspiele entwickeln, für Leute, die sich nicht für Computerspiele interessieren.“

„Es gibt nicht viele Leute, die sich nicht für Computerspiele interessieren.“

„Okay, das ist wahr. Aber wir drängen in die Hotelindustrie und wollen den Gästen die Möglichkeit geben, ihre Lieblingsspiele zu leben. Wir könnten auch den nächsten Schritt gehen“, sagte Sean. „Wir könnten unsere eigenen Conventions organisieren.“

„Was?“ Überrascht starrte Mike ihn an. „Unsere eigenen Fan-Messen?“

Sean grinste. „Denk darüber nach! Wir könnten die Celtic Knot Con abhalten, eine Messe, die sich um unsere Spiele und Produkte dreht. Wir könnten Wettkämpfe veranstalten, Preise stiften.“

„Bist du heute Morgen surfen gewesen?“

Sean hielt inne. „Was hat das damit zu tun?“

„Das kalte Wasser hat möglicherweise ein paar Gehirnzellen einfrieren lassen.“

„Sehr lustig.“

„Findest du nicht, dass wir gerade genug zu tun haben? Das letzte Spiel ist im Dezember auf den Markt

gekommen, und die Fortsetzung von Fate Castle erscheint diesen Sommer, vom Hotelgeschäft gar nicht zu reden.“

„Okay, wir sind beschäftigt“, gab Sean zu. „Aber wir wollen beschäftigt bleiben, wir müssen nachdenken, expandieren. Unser Geschäft beruht auf den Fans. Auf der Art, wie sie sich den Szenarios, die wir uns ausdenken, verbunden fühlen. Wenn wir ihnen andere Möglichkeiten bieten, sich als Teil der Welt zu fühlen, die sie lieben, nützt uns das.“

Mike dachte darüber nach. Er wusste, dass Sean recht hatte. Ihre Marke weiter auszubauen, würde ihre Position auf dem Markt festigen. Für das Burghotel in Irland gab es bereits eine Warteliste von einem halben Jahr, und es war noch nicht einmal eröffnet. Es gab einen riesigen Markt für das, was Sean gerade beschrieben hatte. „Wir reden mit Brady über deine Convention-Idee. Das könnte der richtige Weg sein.“

„Wow!“ Sean grinste. „Was für ein Moment, Mike stimmt mir zu! Vielleicht sollten wir einen Fotografen holen.“

Mike lachte. „Okay, na gut. Ich glaube, du hast da was Gutes vorgeschlagen. Was die Sammlerstücke angeht, bin ich dabei. Sag den Anwälten, sie sollen das Lizenzangebot der Firma ausarbeiten, und dann unterzeichnen wir.“

„Schon passiert“, sagte Sean.

„Du warst dir ganz schön sicher, was?“

„Da hast du recht.“

Amüsiert sagte Mike: „Okay, bei dem anderen Zeug hast du auch recht. Das Rollenspiel, die Wettbewerbe. Das Gelände des Hotels in Nevada ist nicht groß genug, um dort Wettbewerbe in einer vernünftigen Größe zu veranstalten. Irland ist zu weit weg. Bleibt Wyoming.“

„Dasselbe habe ich auch gedacht“, sagte Sean.

„Dann ist es ja praktisch, dass du dafür zuständig bist, oder?“

„Finde ich auch“, sagte Sean mit einem zufriedenen Lächeln.

„Du solltest nach Wyoming fliegen. Es persönlich überprüfen.“

Sean schnaubte. „Es ist Januar, Mike. Dort schneit es. Eisig kalter Schnee.“ Er schauderte. „Nein, vielen Dank!“

„Ja, aber …“

„Ich habe mit dem Makler geredet und ihn Videos machen lassen. Am Haus muss eine Menge getan werden, aber das Gelände ist perfekt, und das ist wichtiger, richtig?“

„Schon, aber …“

„Du kümmerst dich um deine Sachen und ich mich um meine. Keine Sorge, ich sehe mich in ein paar Monaten dort um, bevor wir mit der Renovierung anfangen.“ Sean stand auf. „Jetzt gerade beschäftige ich mich mit der Messe nächsten Monat in Chicago. Und ich muss mir das Design von Banshee Screams ansehen. Ich fahre schon noch nach Wyoming“, sagte er. „Aber das kann bis zum Sommer warten.“ Kopfschüttelnd lachte er auf und ging zur Tür. „Ein Surfer im Schnee.“

Mike sah ihm düster nach. Es würde mindestens sechs Monate dauern, um das Hotel in Nevada zu renovieren. Und wenn er keine Möglichkeit fand, sie aus dem Projekt zu entfernen, hieß das, er musste eine verdammt lange Zeit mit Jenny Marshall verbringen.

Eine Frau, die ihn belogen hatte.

Ja. Das würde großartig werden.

Jenny Marshall goss sich ein Glas Weißwein ein und ließ sich in einem weich gepolsterten Sessel nieder. Die Doppelhaushälfte, die sie gemietet hatte, war alt und klein und eigentlich zu teuer. Aber sie lag nur einige Blocks vom Strand entfernt an einer schmalen Straße. Hier konnte sie gärtnern und Nachbarschaftsfeste besuchen. Jenny fühlte sich hier als Teil einer Gemeinschaft. Und für eine Frau, die allein lebte, war dieses Gefühl unbezahlbar.

Sie trank einen Schluck Wein und hob den Blick zum Vorgarten, wo sich kahle Bäume im Wind wiegten. Die Dämmerung kam, und in den Häusern ihrer Nachbarn wurden die Lichter angeschaltet. Jenny konnte sich einfach nicht entspannen, aber das überraschte sie nicht.

Neben ihrer Arbeit an dem demnächst erscheinenden Spiel von Celtic Knot und den Entwürfen für das River Haunt Hotel beschäftigte sie noch etwas anderes. Sie liebte ihre Arbeit und war dankbar dafür. Wenn da nicht die Tatsache wäre, dass einer ihrer Chefs sie am liebsten feuern würde.

Düster blickte sie in ihr Glas. Es war nicht leicht gewesen, in den vergangenen Monaten mit Mike Ryan zusammenzuarbeiten. Jedes Mal, wenn sie im selben Raum saßen, spürte sie die Feindseligkeit, die Mike ausstrahlte. Der Mann war hartherzig, stur, unvernünftig – und immer noch der einzige, der sie auf diese unerklärliche Weise erregte.

Hatte sie ihre Lektion nicht vor mehr als einem Jahr gelernt? Als sie in jener Nacht in Phoenix zusammen gewesen waren, hatte es sich magisch und echt zwischen ihnen angefühlt. Und wie in jedem guten Märchen hatte der Zauber genau eine Nacht angehalten. Dann hatte sich der Traumprinz in ein Monster verwandelt, und statt gläserner Tanzschuhe hatte Jenny wieder Flip-Flops getragen.

Es hatte alles vielversprechend begonnen. In der Nacht vor der Messe, der großen Gaming-Convention in Phoenix, war sie einem großen, umwerfenden Mann mit einem frechen Lächeln und Augen so blau wie der Sommerhimmel begegnet. Sie hatten gemeinsam einen Drink in der Bar genommen, waren essen gegangen und schließlich in Jennys Hotelzimmer gelandet. Bis dahin war sie noch nie mit einem Mann ins Bett gegangen, den sie kaum kannte. Aber in dieser Nacht war alles anders gewesen.

Als sie Mike gesehen hatte, war da dieses sichere Gefühl in ihr aufgestiegen, dass sie nur auf ihn gewartet hatte. Doch das – so wusste sie heute – war total absurd gewesen. Aber diese Nacht …

Jenny hatte zugelassen, dass ihr Herz die Führung übernahm. Sie hatte sich der Anziehung überlassen und erst am Morgen erkannt, dass sie einen großen Fehler begangen hatte.

Seufzend schloss sie die Augen und kehrte in Gedanken zu dem Moment zurück, in dem sich der Boden unter ihren Füßen aufgetan hatte. Dem Morgen nach der besten Nacht ihres Lebens:

Mike zog sie an sich, und Jenny legte den Kopf an seine Brust und lauschte dem gleichmäßigen Pochen seines Herzens. Nach einer langen Liebesnacht fühlte sie sich wunderbar entspannt. Die Dämmerung malte rosarote und goldene Streifen an den Morgenhimmel, und Jenny verspürte nicht die geringste Lust, aus dem Bett zu steigen.

Was passiert war, sah ihr gar nicht ähnlich. Sie hatte keine One-Night-Stands und schon gar nicht mit einem Fremden. Aber sie bedauerte es nicht. Sie kannte nicht einmal seinen Nachnamen, dennoch fühlte sie sich ihm in diesem Moment näher als irgendjemandem sonst.

„Ich hasse den Gedanken, gleich aufzustehen“, sagte Mike. „Aber ich muss früh runter zur Convention.“

„Ich auch.“ Jenny schmiegte sich enger an ihn. „Mein Onkel braucht mich für den Aufbau seines Standes. Also …“

Mike strich mit der Hand über ihren Rücken, wobei seine Fingerspitzen auf ihrer nackten Haut ein erregendes Prickeln entfachten.

„Wirklich?“, fragte Mike. Er sprach leise und langsam. „Wer ist dein Onkel?“

„Hm?“ Von der Berührung seiner Finger und dem tiefen Klang seiner Stimme war sie wie hypnotisiert. „Oh, Hank Snyder“, flüsterte sie. „Ihm gehört Snyder Arts.“

Mike rührte sich plötzlich nicht mehr. Seine Hand glitt von ihrem Rücken, und sie spürte eine abrupte atmosphärische Veränderung. Es folgte eine physische Veränderung, als Mike sich aufsetzte und sie beiseiteschob.

Jenny rollte sich auf den Rücken und sah zu ihm auf. „Was ist?“

„Hank Snyder?“ Mike sprang aus dem Bett und starrte sie mit funkelnden Augen an. Sein Blick war durchdringend. Im Morgenlicht sah er wie ein nackter Racheengel aus.

Der Dunstschleier in ihrem Kopf hob sich, und ihr wurde ganz kalt. Langsam setzte sie sich auf und zog sich die Bettdecke über die Brüste. Dann schob sie sich die blonden Locken aus der Stirn und begegnete verwirrt seinem harten Blick. „Was ist los?“, fragte sie. „Kennst du meinen Onkel?“

Er schnaubte. „Wow! Wirklich gut. Dieser Anflug von Unschuld in der Stimme. Nett.“

Noch verwirrter schüttelte sie den Kopf. „Unschuldig? Wie?“

„Ach, hör auf damit!“ Mike schnappte sich seine Sachen und zog sie hektisch über. „Ich muss sagen, du warst gut.“

„Wovon redest du? Gut wobei?“

„Klar, du bist durcheinander.“ Mike nickte. „Weißt du, ich habe dir die ganze Sache vergangene Nacht geglaubt, aber jetzt damit weiterzumachen, wo ich weiß, wer du bist, ist wirklich das Letzte.“

Sie hatte keine Ahnung, worüber er sich so ärgerte. Wie konnte es sein, dass sie innerhalb kürzester Zeit von Sex zu Kuscheln und dann dazu übergegangen waren, sich gegenseitig anzugiften? „Kannst du mir bitte sagen, was hier los ist?“

„Was ich nicht verstehe, ist, woher du gewusst hast, dass ich vergangenen Abend in der Bar sein würde.“ Er zog sich das weiße Hemd über und knöpfte es mit geradezu unheimlicher Ruhe zu.

„Ich wusste nicht … Verdammt, ich wusste nicht einmal selbst, dass ich in die Bar gehen würde, bevor ich sie betreten habe.“

„Klar. Dein Onkel.“ Mike nickte. „Er muss das geplant haben.“

„Was hat Onkel Hank mit uns zu tun?“

Mike lachte, doch dieses Lachen klang weder humorvoll noch charmant. „Alles, Süße, und wir beide wissen das. Snyder Arts will uns dazu zu bringen, ihre Programme zu verwenden.“ Sein Blick fiel auf ihre Brust, dann hob er ihn wieder zu ihrem Gesicht. „Sieht ganz danach aus, als hätte der alte Hank jetzt die großen Geschütze herausgeholt.“

Jedes Wort von Mike hallte seltsam in ihrem Kopf wider, bis Jenny endlich verstand, was er meinte. Wessen er sie beschuldigte. Sie wurde wütend. Ihr Herz klopfte wie verrückt, und sie hatte das Gefühl, nicht mehr atmen zu können. Ihre Gedanken rasten, dann sprang sie aus dem Bett.

„Du glaubst, mein Onkel hat mich geschickt, damit ich mit dir schlafe?“ Gott, sie bekam die Worte kaum heraus. „Damit ich dich davon überzeuge, sein Grafikprogramm zu benutzen?“

„Ja, so könnte man es ausdrücken“, sagte Mike tonlos.

Jenny wusste nicht, ob sie verletzt oder einfach nur wütend sein sollte. Bilder der vergangenen Nacht schossen ihr durch den Kopf wie ein Film im Schnelldurchlauf. Sie sah Mike über sich, sah sich die Beine spreizen, um ihn tief in sich aufzunehmen. Und sie spürte wieder das heiße Verlangen, spürte, wie richtig es sich angefühlt hatte, mit Mike zusammen zu sein. Dann endete der Film, und sie war wieder hier in diesem Zimmer, die Decke um sich geschlungen, und starrte den Fremden an, der ihren Körper jetzt kannte, dafür aber weder ihr Herz noch ihre Seele.

„Wer, zum Teufel, glaubst du eigentlich, dass du bist?“, fragte sie mit zitternder Stimme.

„Mike Ryan.“

Sie kannte den Namen. Mike Ryan. Einer der Besitzer von Celtic Knot Gaming. Jenny kannte ihre Arbeit, kannte das Design, das in jedes ihrer Spiele einfloss. Sie bewunderte sie seit Jahren, hatte gehofft, eines Tages für sie arbeiten zu können – was jetzt wohl unmöglich sein würde. Mike behauptete, sie sei eine Spionin – und, oh ja, eine Hure. Sie konnte sich nicht vorstellen, für einen Mann zu arbeiten, der Entscheidungen traf, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken.

„Aha“, sagte er und nickte, als sei jede seiner Vermutungen jetzt bestätigt. „Also kennst du mich.“

„Jetzt“, erwiderte sie. „Aber nicht vergangene Nacht. Nicht, als wir …“ Sie fuhr sich durchs Haar. Sie wollte nicht über Einzelheiten nachdenken, was sie gemacht hatten, weil sie sonst etwas total Dummes tun würde, wie zu erröten, verdammt!

„Und ich nehme an, darauf würdest du mir dein Wort geben“, sagte er.

Jenny presste kurz die Lippen aufeinander. „Wie es aussieht, brauchst du nur deine Vermutungen, dann steht deine Meinung fest. Du hast schon beschlossen, was und wer ich bin. Warum sollte ich also mit dir darüber streiten?“

„Weißt du, die wütende Unschuld spielst du fast so überzeugend wie die Verführerin.“

„Du bist ein arroganter, eingebildeter, selbstgefälliger Bastard!“

Eine dunkle Augenbraue hochgezogen, grinste er, ohne dass es freundlich aussah. „So ist es besser! Die Wut wirkt fast realistisch.“

Ihr Herz klopfte so laut, dass es ein Wunder war, dass er es nicht hören konnte. „Ich spiele dir kein Theater vor, du Mistkerl! Denk doch mal nach! Ich habe dich nicht verführt. Du hast mich in der Bar angesprochen. Und niemand hat dich gezwungen, mit mir ins Bett zu gehen. Soweit ich mich erinnere, bist du nur allzu gern gekommen!“

„Sogar mehrere Male“, erwiderte er.

„Das reicht. Verschwinde aus meinem Zimmer!“ Sie zeigte auf die Tür.

Er schnappte sich sein dunkles Jackett vom Stuhl und zog es über. „Oh, ich gehe. Mach dir keine Sorgen! Ich würde nicht mal bleiben, wenn du mich anbettelst.“

„Das wird nicht passieren.“

Wieder schnaubte er, ein hässliches, beleidigendes Geräusch.

Vor der Tür blieb er stehen. „Sag deinem Onkel, es war ein netter Versuch! Aber Celtic Knot wird keine Geschäfte mit ihm machen, egal wie viele attraktive Nichten er mir ins Bett legt.“

Dann war er weg.

Jenny seufzte und trank noch einen Schluck Wein. Sie hatte nicht gedacht, dass sie Mike Ryan wiedersehen würde. Aber dann hatte ihr sein Bruder Sean einen Job angeboten, der zu gut war, um ihn auszuschlagen. Die Möglichkeit, genau die Art von Design entwerfen zu dürfen, die sie liebte, war es wert, Mike jeden Tag um sich zu haben. Und indem sie jeden Tag in seiner Sichtweite war, teilte sie Mike Ryan auch mit, dass das, was er getan hatte, sie nicht verletzte.

Natürlich war das eine dicke, fette Lüge, aber das musste er nicht wissen.

Der Albtraum, den die Arbeit mit Mike bedeutete, würde in den nächsten Monaten rund um die Uhr anhalten. Ja, sie war aufgeregt, die Wandgemälde für das River Haunt Hotel entwerfen zu dürfen. Aber Hand in Hand mit Mike zu arbeiten, würde es anstrengend machen. Trotzdem würde sie nicht aussteigen. Er war derjenige, der sich entschuldigen sollte. Er war derjenige, der sie beleidigt und gedemütigt hatte. Warum sollte sie den Preis dafür bezahlen?

Ein Klopfen an der Tür unterbrach ihre Gedanken. Sie öffnete die Tür – und sah in Mike Ryans strahlend blaue Augen.

Er schob sich an ihr vorbei.

Jenny konnte das Unausweichliche nur hinnehmen. Also schloss sie die Tür. „Nun, dann komm herein“, sagte sie. Jedes Wort triefte vor Sarkasmus. „Mach es dir bequem!“

Mit grimmiger Miene und Augen so blau wie ein zugefrorener See sagte er: „Wir müssen reden.“

2. KAPITEL

Mike blieb mitten im Zimmer stehen, drehte sich um und sah Jenny an. Sie trug ein blassgrünes T-Shirt und eine enge, ausgeblichene Jeans, die ihre Kurven umschmeichelte. Ihre kleinen, schmalen Füße waren nackt, die Nägel blassrosa lackiert. Ihre Frisur bestand aus einer zerzausten Masse blonder Locken. Mit großen blauen Augen sah sie ihn misstrauisch an. Sie sah gut aus. Zu gut und das war ein Teil des Problems.

Mike schob die Hände in die Taschen, um sich davon abzuhalten, sie zu berühren, und sah sich in dem kleinen Wohnzimmer um. Trotzdem war er sich ihres großartigen Körpers, ihrer wunderschönen Augen und ihrer Lippen, die zum Küssen einluden, nur allzu bewusst. Aber er war aus guten Gründen hergekommen und sollte sich konzentrieren.

Jennys Zuhause wirkte sehr gepflegt, gleichzeitig zwanglos und einladend. Es gab dick gepolsterte Sessel mit Blumenmuster und ein gelb-blau-gestreiftes Zweiersofa. Einige kleine Tische waren im Zimmer verteilt, und in den Ecken standen Stehlampen aus Messing, die den zerkratzten, aber blank polierten Holzfußboden in ein goldenes Licht tauchten. Die Wände waren in einem Grünton gestrichen, das an den Frühling denken ließ. Es gab gerahmte Gemälde und Fotografien und ein direkt an die Wand gemaltes großes Bild.

Sein Blick blieb daran hängen. Offenbar hatte Jenny es selbst gemalt, und Mike musste zugeben, dass diese Frau unglaublich talentiert war, egal, was sie sonst noch sein mochte. Das Motiv schien einem Märchen zu entstammen – oder einer irischen Legende.

Ein Wald, der gerade erwachte. Nebel driftete in dünnen Schleiern durch eine Landschaft; Sonnenlicht bohrte sich durch die Bäume und warf ein Muster auf den laubbedeckten Boden. In einiger Entfernung sah man undeutlich eine Blumenwiese, und in den hohen Bäumen saßen Elfen.

„Warum bist du hier, Mike?“ Ihre Stimme klang sanft, aber das Glitzern in ihren Augen war es ganz und gar nicht.

Gute Frage. Mike wusste, dass er wahrscheinlich nicht hätte kommen sollen – seit jener Nacht in Phoenix waren sie nicht mehr allein gewesen. Aber ihm fehlten die Alternativen. Er konnte Sean nicht sagen, warum es ein Fehler war, mit Jenny zusammenzuarbeiten, weil er seinem kleinen Bruder nicht eingestehen wollte, dass sie versucht hatte, ihn zu benutzen. In mehr als einer Beziehung.

Auch Jenny wusste, warum es nicht funktionieren würde. Er musste sie nur dazu bringen, Sean zu erzählen, dass sie die Entwürfe für das neue Hotel nicht machen wollte. Und wenn Jenny selbst darum bat, aus dem Projekt entlassen zu werden, würde sich Sean nicht widersetzen.

Zeit, auf den Punkt zu kommen, damit er so schnell wie möglich aus diesem kleinen Haus verschwinden konnte, in dem Jennys Duft mit dem einzigen Ziel in der Luft zu hängen schien, ihn zu quälen. „Ich möchte, dass du dich aus dem Hotel-Job zurückziehst.“

Sie blinzelte nicht einmal. „Interessant. Nun, ich möchte zehn Zentimeter größer sein und kleinere Brüste haben. Sieht ganz so aus, als seien wir beide dazu verdammt, eine Enttäuschung zu erleben.“

Warum sie kleinere Brüste wollte, erschloss sich ihm nicht. „Wir wissen doch beide, dass es keine gute Idee ist, monatelang zusammenzuarbeiten.“

„Richtig.“ Sie kreuzte die Arme, dabei hoben sich ihre Brüste verführerisch. „Vielleicht solltest du aussteigen. Das Hotel mit Sean tauschen. Ich mag Sean.“

„Lass Sean da raus!“, stieß Mike hervor.

Ihre lässige Haltung verschwand, sie hob frustriert die Hände. „Bitte! Hast du Angst, ich würde Sean verführen?“

„Das habe ich nicht gesagt.“

„Was genau willst du sagen, Mike?“ Sie stemmte die Hände in die Hüften, eine Geste, die den Stoff ihres T-Shirts fest gegen die erwähnten Brüste presste. Sie will dich nur ablenken, sagte sich Mike. Achte nicht darauf!

„Ich sage, lass Sean da raus!“, antwortete er. „Das ist eine Sache zwischen dir und mir.“

„Gut! Dann wirst du Sean sagen, dass er das River Haunt übernehmen soll und du dich um das Hotel in Wyoming kümmerst.“

„Nein.“ Mike war noch nicht bereit, aufzugeben. Er musste eine Möglichkeit finden, um Jenny zu überzeugen, dass es eine unmögliche Situation war. Dass es an ihr war, sich zurückzuziehen.

Wieder zuckte sie die Achseln und ging so langsam an ihm vorbei, dass er ihren Duft nach Vanille einatmete.

„Also, da keiner von uns bereit ist, aus diesem Projekt auszusteigen, glaube ich, wir sind hier fertig“, sagte sie, ließ sich in einen Sessel fallen und hob ihr Weinglas.

„Wir sind alles andere als fertig.“

Draußen lag die Straße im Dunkeln. Durch die Vorhänge der Nachbarn fiel Licht.

Januarnächte am Strand konnten kalt werden, aber hier in ihrer kleinen Haushälfte spürte Mike nur die Hitze, die Jennys Gegenwart in ihm auslöste. Ihr Haar glänzte, ihre Augen glitzerten, und ihr Mund bog sich auf einer Seite leicht nach oben, wenn sie sprach. Ihr macht das hier Spaß, dachte er, und ein Teil von ihm mochte das an ihr.

Jenny Marshall machte keinen Rückzieher. Er hatte gesehen, wie sie auf Augenhöhe mit älteren, erfahreneren Künstlern gearbeitet und ihre Entwürfe und Arbeitsweise verteidigt hatte. In Meetings behauptete sie sich mutig. Doch sosehr er diese Eigenschaften auch bewunderte, so wünschte er sich doch, dass sie diese Qualitäten nicht ihm gegenüber demonstrierte.

„Mike, du willst nicht mit mir zusammenarbeiten“, sagte sie nun. „Aber wir haben einander nun mal am Hals. Wir müssen das Beste daraus machen.“

„Inakzeptabel.“ Kopfschüttelnd wandte er den Blick ab, weil das verdammte Lampenlicht ihr Haar wie gesponnenes Gold schimmern ließ. Er hätte nie hierher kommen dürfen. Es war eine dumme Idee gewesen, und wenn er schlau war, dann ging er jetzt auf der Stelle.

Während er sich nutzlosen Gedanken hingab, blieb sein Blick auf den magischen Wald auf dem Wandgemälde gerichtet. Der Wald wirkte dunkel und geheimnisvoll, aber mit den Elfen in den Zweigen der Bäume hatte er bei aller Dunkelheit doch etwas Verspieltes an sich, und je länger Mike das Bild ansah, desto mehr Elfen entdeckte er. Sie versteckten sich hinter Blättern, neben Felsen, im Wasser des rasch fließenden Baches.

Er sah Jenny an. „Verdammt gute Arbeit“, platzte er heraus, bevor er es verhindern konnte.

„Danke!“ Einen Moment lang sah sie ihn überrascht an, dann verschwand der Gesichtsausdruck. „Aber falls du dich das fragst, ich habe die Szene aus keinem der Spiele von Celtic Knot gestohlen.“

Er warf ihr einen vernichtenden Blick zu, der Jenny aber nicht zu beunruhigen schien. „Ich habe nicht gesagt, dass du es gestohlen hast.“

„Noch nicht“, entgegnete sie. „Ich bin mir sicher, das kommt gleich. Ich weiß ganz gut, was du über mich denkst.“

„Willst du mir das vorwerfen?“, konterte er. Mike fuhr sich mit der Hand durchs Haar und rieb sich dann über den Nacken. Seit er sie getroffen hatte, besaß diese Frau die Fähigkeit, ihn völlig durcheinanderzubringen. Auch wenn er wusste, dass sie eine verdammte Lügnerin war, änderte das nichts an der Erregung, die er immer spürte, wenn er an Jenny dachte.

Bei der Arbeit blieb er auf Distanz, wohl wissend, dass es so das Beste war. Hierher zu kommen, allein mit ihr zu sein, war gefährlich. Er wusste es, und trotzdem ging er nicht. Stattdessen machte er einen Schritt auf sie zu und blieb dann stehen, weil ihm ihr Duft das Hirn vernebelte und er es sich nicht leisten konnte, noch konfuser zu werden, als er es ohnehin schon war.

„Diese Frage ist ungerecht“, sagte sie. „Du hast dir im Handumdrehen eine Meinung über mich gebildet und hast niemand anderem zugehört.“

„Wer sollte das sein?“, gab er zurück. „Verdammt, deinem Onkel gehört Snyder Arts immer noch.“

„Ach, um Gottes willen“, sagte sie entnervt und knallte ihr Weinglas auf den Tisch.

„Sag mir, dass ich mich irre!“

„Wie sollte ich? Snyder Arts gehört ihm, ich nicht.“

„Er gehört zu deiner Familie.“ Mike zuckte die Achseln.

„Ja, und er hält so viel von mir, dass er mich nie um das gebeten hätte, von dem du glaubst, dass ich es bereits getan habe.“ Sie holt tief Luft und atmete dann kräftig aus. „Sean hat meine Ehrlichkeit nie infrage gestellt.“

„Sean ist gutgläubiger als ich.“

„Ach was“, murmelte sie und fragte dann: „Würdest du für deine Familie lügen und betrügen?“

„Nein, würde ich nicht.“ Mike war mit der Gewissheit aufgewachsen, dass Lügen beträchtlichen Schaden anrichten konnten. Als Kind hatte er sich geschworen, dass er Lügen und Menschen, die die Unwahrheit sagten, aus dem Weg gehen würde. Deshalb konnte er Jenny nicht trauen. Sie hatte gelogen, als er sie kennengelernt hatte.

Ihre Augen blitzten. „Aber du glaubst, dass ich so etwas mache.“

„Um Glauben geht es nicht“, gab er zurück.

„Gott, du bist wirklich stur!“ Sie stöhnte auf. „Denk dir lieber ein anderes Verbrechen aus, das ich begangen haben könnte. Ich habe dich damals nicht benutzt und benutze dich auch jetzt nicht.“

„Ich nehme an, dass jeder Dieb seine Unschuld beteuert.“

Sie stand auf, trat auf ihn zu und musste den Kopf in den Nacken legen, um ihm in die Augen zu sehen. „Nenn mir eine Sache, die ich gestohlen habe! Sag mir, warum du das Recht dazu hast, mich eine Diebin zu nennen!“

„Gut“, sagte er und starrte ihr in die Augen, sodass er förmlich zusehen konnte, wie sie immer wütender wurde. „Soweit ich bisher weiß, hast du nichts gestohlen. Noch nicht. Aber du wirst.“

„Warum hast du mich dann noch nicht gefeuert oder Sean darum gebeten?“

„Das Feuern erledige ich selbst“, sagte er. „Und wenn ich jemals beweisen kann, dass du uns betrogen hast, werde ich dich so schnell feuern, dass dir ganz schwindelig wird. Ein Verdacht ist noch kein Beweis.“

Sie lachte auf und schüttelte den Kopf. Dann machte sie einen großen Schritt zurück und kreuzte die Arme unter diesen schönen Brüsten. „Junge, du bist wirklich gut! Ich bin nicht nur kein Dieb, ich würde es auch begrüßen, wenn du aufhören würdest, mit Beschuldigungen um dich zu werfen, die du nicht beweisen kannst.“

Verdammt, je wütender sie wurde, desto heißer sah sie aus. Ihre Wangen waren gerötet, und ihre blauen Augen blitzten. Was sagte es über ihn aus, dass ihr Zorn sein Verlangen nach ihr nur verstärkte?

Die meisten Frauen in seinem Leben stimmten ihm zu, lächelten verschämt, flirteten wie verrückt und sorgten dafür, eine angenehme Gesellschaft zu sein. Jenny war das alles egal. Sie hatte eine Überzeugung und fürchtete sich nicht, sie mitzuteilen, und das war genauso sexy wie ihre glitzernden Augen.

Aber um Sex ging es nicht.

„Wir wissen doch beide, was hier los ist, Jenny“, behauptete er. „Du willst es vielleicht nicht zugeben, und wer könnte dir das vorwerfen. Aber Tatsache ist, dass deinem Onkel eine Firma gehört, die nichts lieber täte, als einen Vertrag mit Celtic Knot zu unterzeichnen. Du bist mir zufällig begegnet, bist mit mir ins Bett gegangen, und dann versuchst du mich davon zu überzeugen, dass du und dein Onkel nicht zusammenarbeitet?“ Sie öffnete den Mund, aber er redete weiter, bevor sie etwas sagen konnte: „Und dann kommst du zehn Monate später, um für uns zu arbeiten, und schnappst dir den Job als Chef-Designerin.“

„Ich habe mir überhaupt nichts geschnappt!“, fauchte sie. „Sean ist zu mir gekommen und hat mir den Job angeboten.“

Mike hatte Sean nie von sich und Jenny erzählt. Wenn er es getan hätte, hätte Sean sie wohl nicht eingestellt. Und das wäre, musste Mike sich eingestehen, eine verdammte Schande. Sosehr sie ihn auch verunsicherte, sie war eine höllisch gute Designerin.

„Sean hat dich gefragt, aber du hast angenommen.“ Er neigte den Kopf und musterte sie. „Also ist die Frage, warum. Hast du mich vermisst? Oder bist du jetzt so eine Art Firmenspion?“

„Ach, jetzt bin ich ein Spion? Wow!“, sagte sie. „Deine Paranoia erreicht neue Höhen.“

Er schnaubte. „Wenn du wirklich spionierst, bin ich nicht paranoid.“

Sie hob die Hände. „Mit dir kann man nicht reden. Also denk, was du willst.“ Ihre Stimme war ebenso eisig wie ihre Augen flammend. „Das hast du ja von Anfang an gemacht.“

„Richtig. Seit wir uns begegnet sind. Noch so ein Zufall?“ Er runzelte die Stirn. „Du warst einfach so in meinem Hotel?“

„Oder“, konterte sie, „du arroganter Idiot warst zufälligerweise in meinem Hotel.“

Vor Überraschung hätte er fast gelacht. Fast. Aber sie war zu wütend und er sich zu sicher, dass er recht hatte. Es war nichts Lustiges daran, hereingelegt zu werden. Belogen zu werden. Erinnerungen an seine weinende Mutter und seinen schamroten Vater tauchten vor seinem inneren Auge auf, und Mike unterdrückte sie geflissentlich.

„Na klar. Ich habe an dem Abend also nach dir gesucht?“

„Du warst derjenige, der mich in der Bar angesprochen hat“, erinnerte sie ihn. „Nicht andersrum.“

„Du warst schön. Und allein.“ Und irgendwie hatte sie isoliert gewirkt, abgeschnitten von der Welt, als sei sie schon so lange allein, dass sie nichts anderes mehr vom Leben erwartete. Fasziniert hatte Mike beobachtet, wie sie sich fast eine Stunde lang an einem Glas Wein festgehalten hatte, während andere Gäste kamen und gingen. Während der Barkeeper mit ihr flirtete und sie ihn – offenbar nicht ahnend, wie anziehend sie wirkte – ignorierte.

Mike aber war sich dessen bewusst gewesen. Sie war so klein, dass sie den männlichen Beschützerinstinkt weckte. Sie war schön. Jeder Mann würde sie lächeln sehen wollen, um festzustellen, was dann mit ihren Augen passierte. Und sie besaß verführerische Kurven an den richtigen Stellen. Jeder Mann würde sie ohne das kurze rote Kleid und die hochhackigen Schuhe, die sie getragen hatte, sehen wollen.

Wie, zum Teufel, hätte er ihr widerstehen sollen?

Bei dem unerwarteten Kompliment wurde Jenny rot. Sie schaute weg, als hoffe sie, so ihre innere Balance wiederzufinden. Er wusste, wie sich das anfühlte, weil er jedes Mal, wenn er sie sah, völlig von der Rolle war.

„Schau“, sagte sie. Ihre Stimme klang kühl und ruhig. „Die Vergangenheit ist vorbei. Jetzt haben wir nur die Gegenwart und die Zukunft.“ Sie hob den Blick und fügte hinzu: „Ich werde das Hotelprojekt nicht aufgeben. Das ist mehr als ein Job, es wird mir Spaß machen.“

„Für mich sieht es nicht so aus“, murmelte er.

„Nun, das ist jedenfalls mein Standpunkt. Also kannst du dich entweder damit abfinden oder das Hotel mit Sean tauschen.“

„Du wirst mir keine Vorschriften machen, was ich geschäftlich zu tun habe“, erwiderte er, irritiert, dass sie versuchte, ihn von seinem eigenen verdammten Projekt abzuziehen.

„Sean hat mich mit den Entwürfen beauftragt“, argumentierte sie. „Nicht dich. Wenn du damit ein Problem hast, dann rede mit ihm.“

„Habe ich.“ Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar und begann, auf und ab zu gehen, weniger, weil er sich bewegen wollte, sondern mehr, um von ihrem Duft wegzukommen. „Aber er weiß nicht, was in Phoenix passiert ist. Also versteht er es nicht.“

„Dann sag es ihm“, schoss sie zurück. „Wenn du dir so sicher bist, dass ich ein Dieb und unzuverlässig bin, dann sag es ihm, damit er mich feuert.“

„Ich werde ihm nicht erzählen, dass ich mich von einer Frau habe benutzen lassen, die aussieht wie eine der Elfen, die sie malt, und nicht wie ein Spion.“

„Wow! Dieb und Spion“, sagte sie ironisch. „Ich bin ganz schön gefährlich, oder?“

„Warum, zum Teufel, solltest du in meine Firma eintreten und dort arbeiten, außer, um für deinen Onkel zu spionieren? Du hättest dir doch denken können, dass wir zusammenarbeiten müssen. Doch das hat dich offenbar nicht weiter gestört. Die einzige Antwort darauf ist für mich, dass du immer noch versuchst, mich zum Vorteil deines Onkels zu benutzen, uns zu benutzen.“

Seit Monaten hatte ihn dieser Gedanke begleitet. Seit dem Tag, an dem er den Grafikdesign-Raum betreten und die Frau, die ihm nicht aus dem Kopf ging, vor einem Computer hatte sitzen sehen. Verdammt, er wollte sich gern von ihr überzeugen lassen, dass er sich irrte, dass es keine Basis für seine Vermutungen gab. Er wollte glauben, dass sie wirklich die Frau war, die sie zu sein schien, als er sie kennengelernt hatte.

„Hör zu, du unglaublich misstrauischer Kerl! Ich habe den Job trotz dir und nicht wegen dir angenommen. Sean hat mir eine tolle Position angeboten, in der ich das machen kann, worin ich verflucht gut bin. Und ich hätte das ausschlagen sollen, nur weil ich dir dabei begegnen könnte?“

„Das kaufe ich dir nicht ab. Ich glaube, dass du den Job meinetwegen angenommen hast“, sagte Mike. „Du hast gehofft, mich noch einmal ins Bett zu bekommen.“

Ihr Kopf fuhr zurück, als habe sie einen Schlag erhalten. Nach Luft schnappend murmelte sie: „Du eingebildeter, arroganter … Weißt du, so gut war der Sex mit dir auch wieder nicht.“

Er lachte auf. „Jetzt weiß ich, dass du lügst. Dein Talent dafür ist beeindruckend.“

„Verschwinde!“, sagte sie nur und verschränkte die Arme. „Verschwinde aus meinem Haus, hau ab! Und zwar schnell.“

Mike schüttelte den Kopf. „Unsere gemeinsame Nacht war unbeschreiblich“, sagte er. „Und ich weiß, du hast dasselbe empfunden.“

„Bitte!“

Aufgewühlt ging Mike auf sie zu, griff nach ihr und zog sie an sich. „Weil du so freundlich darum gebeten hast …“

Er küsste sie und versank in ihrem Geschmack, ihrem Duft und dem Gefühl ihrer Nähe. Seit der Nacht in Phoenix hatte sich für ihn nichts mehr so richtig angefühlt. Halbherzig versuchte Jenny, sich ihm zu entwinden. Doch dann war der Augenblick vorbei, ihr Zögern verflog. Sie umarmte ihn, legte die Hände um seinen Hals, und er hielt sie fest, sodass sie ihre wohlgeformten Beine um seine Taille schlang. Er packte ihren Po, drückte sie gegen seine Erektion und wollte nichts anderes, als in ihr zu versinken.

Hatte er gewusst, was passieren würde, als er beschlossen hatte, heute Abend hierher zu kommen? Hatte er vermutet, dass er sich angesichts ihres unglaublichen Körpers nicht würde zurückhalten können?

Das ist unwichtig, sagte er sich, als er die Zunge in ihren heißen Mund schob. Jetzt spielte nur noch das Hier und Jetzt eine Rolle. Das Gefühl ihrer Nähe.

Keine andere Frau hatte ihn je so angemacht. Es war, als seien sein Gehirn und sein restlicher Körper voneinander abgekoppelt. Er wusste, dass das hier eine ganz schlechte Idee war, aber sein Körper scherte sich nicht darum. Er wollte … brauchte nur Jenny. Noch eine Nacht, in der er in ihr, auf ihr, unter ihr war.

Er riss seine Lippen von ihrem Mund los, um ihre Kehle dort zu kosten, wo ihr Puls pochte. Jennys Herz hämmerte im selben Rhythmus wie seins.

„Mike …“ Sie schnappte nach Luft und zitterte in seinen Armen, als er an ihrer Haut knabberte. „Wir sollten das nicht tun.“

„Ja, weiß ich“, flüsterte er. „Ist dir das wichtig?“

„Nein.“

„Gut.“ Er hielt sie fester, und sie presste die Fersen in seinen Rücken. Er stöhnte und holte tief Luft. „Du bringst mich noch um.“

Sie hob den Blick und verzog langsam den Mund zu einem Lächeln. „Ich habe nicht vor, dich umzubringen.“

„Du hast etwas vor?“

Das Lächeln wurde breiter, als sie sich vorbeugte und ihn küsste. „Oh ja.“

Er schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht, warum …“

„Warum was?“, murmelte sie und stöhnte auf, als er ihren Po fester packte.

„Warum stellst ausgerechnet du das mit mir an?“, brachte er noch heraus, dann schaltete sich sein Gehirn ab, und sein Körper übernahm das Ruder.

„Dito“, flüsterte sie, küsste ihn auf den Hals und zog mit Lippen und Zähnen eine Spur über seine Haut.

„Oh ja.“ Er drückte sie fester an sich, sodass er sie noch besser spüren konnte. Oh Gott, sie sollten beide nackt sein! „Schlafzimmer! Wo?“

„Den Flur hinunter“, flüsterte sie und blies heißen Atem gegen seine feuchte Haut. „Beeil dich.“

Gott sei Dank war ihr Haus klein. Er brauchte nicht lange, um sie ins Schlafzimmer zu tragen. Auch dieser Raum war winzig. Ein Doppelbett, auf dem eine bunte Decke lag, stand an einer Wand. Hellgelbe Vorhänge hingen vor einem Fenster, das zum Garten hinausblickte. Das weiche, violette Glühen der Dämmerung fiel herein.

Neben dem Bett stand ein niedriger gepolsterter Stuhl. Im Spiegel auf der Kommode sah Mike sich selbst, wie er Jenny auf die Matratze gleiten ließ.

Er schob sich über sie, stützte die Hände neben ihrem Kopf ab und beugte sich hinunter, um sie zu küssen. Jenny strich ihm über die Arme, während er die Lippen auf ihre presste. Gott, schmeckte sie gut! Fast so gut, wie sie sich anfühlte.

Rasch wand sie sich aus ihrem Shirt und warf es in eine Zimmerecke. Jetzt trug sie nur noch einen weißen Spitzen-BH. Mike schluckte. Er wollte sie sehen – sofort! Mit plötzlich seltsam ungeschickten Fingern öffnete er den BH-Verschluss und schob Jenny die Träger über die Arme. Dann schaute er sie einen Moment lang nur an.

Wunderschön! Er umfasste ihre Brust und fuhr mit dem Daumen über die Brustwarze, dann senkte er den Kopf, um die andere harte Brustwarze mit der Zunge zu umspielen.

Jenny seufzte auf und bog sich ihm entgegen. Sie schob die Finger in sein Haar und hielt ihn fest, während er sie mit Lippen und Zunge verwöhnte, sanft an ihr knabberte, an ihren Brustwarzen saugte. Erneut seufzte sie auf und fuhr mit zitternden Fingern über seine Arme, seinen Rücken. Berührungen, die das Feuer in ihm nur weiter anfachten.

Mehr! Nimm dir mehr!

Er tastete nach dem Reißverschluss ihrer Jeans und öffnete ihn. Mit Jennys Hilfe, die sich bereitwillig unter ihm wand, schob er ihr den Stoff über die Beine, den hauchdünnen Spitzen-Slip gleich mit. Dann war Jenny nackt – und so, wie sie ihn ansah, wollte sie ihn genauso wie er sie. Mike konnte keine Sekunde länger warten, er musste sie spüren.

„Zu viel Stoff“, murmelte sie, als sie seine Brust streichelte und dabei sein Hemd aufknöpfte. Ungeduldig zerrte sie an den kleinen weißen Knöpfen. „Ich hasse Knöpfe! Warum gibt es so viele Knöpfe?“

„Keine Knöpfe mehr“, sagte er knapp, während er sich das Hemd aufriss und es dann über die Schulter warf. „Ich notiere mir das.“

„Gut.“ Sie streichelte jetzt seine Haut.

Wie sie mit den Fingernägeln über seine nackte Brust strich, fühlte sich unheimlich erotisch und aufregend an, als zöge sie dort eine Feuerspur, die sich in ihn einbrannte.

Er hielt den Atem an und versuchte, seine gesamte restliche Selbstbeherrschung aufzubringen, um es noch ein wenig hinauszuzögern. Doch er wusste, dass es nicht reichte. Wenn er sie nicht bald nahm, würde sein Kopf explodieren. Doch dann schaffte er es doch – er wollte diese Momente noch länger genießen.

In langsamen Kreisen streichelte er ihre Brüste, ihren Bauch, ließ die Hände noch tiefer wandern, zwischen ihre Schenkel, dann widmete er sich erneut ihren Brüsten. Er erforschte jede Kurve, jede Linie, und bei jeder Liebkosung griff Jenny nach ihm. Sie klammerte sich an seine Schultern, versuchte, ihn enger und fester an sich zu ziehen. Sie hob ihm die Hüften entgegen und wand sich unter ihm, als er eine Hand auf ihren Venushügel legte.

„Mike!“ Sie drückte den Kopf in die Matratze, während sich ihre Hüften unter seiner Berührung hoben. „Wenn du diese Hosen nicht sofort ausziehst und mich nimmst, dann …“ Sie unterbrach sich, sog die Luft ein und wimmerte leise, als er zuerst mit einem, dann mit zwei Fingern in sie eindrang. „Mike, bitte!“

Er erregte sie, trieb sie beide an den Rand der Selbstkontrolle und darüber hinaus. Er musste sich unglaublich zusammenreißen, um ihr das zu verweigern, was sie von ihm forderte. Und was auch er unbedingt wollte! Aber vorher würde er sie und sich noch ein bisschen warten lassen. Es waren lange anderthalb Jahre gewesen.

Er strich mit dem Daumen über ihre empfindlichste Stelle, und Jenny schrie seinen Namen. Wieder und wieder berührte er sie, rieb und reizte sie, bis sie stöhnte.

„Nimm mich“, flüsterte sie. „Jetzt sofort! Bitte …“ Sie drückte sich seinem Finger entgegen, ersehnte den Höhepunkt, den er ihr verweigerte.

Dann hielt er es nicht mehr aus. Er stand auf, zog sich rasch aus und sah Jenny dabei an. Sie streckte die Arme nach ihm aus.

„Gleich“, murmelte er, und wieder stöhnte sie auf. Doch sie verstummte, als er sich auf den Boden vor das Bett kniete, ihre Knöchel packte und sie zu sich heranzog. Dann küsste er die heiße Stelle zwischen ihren Beinen – nur eine kleine Berührung, und sie kam sofort. Er spürte, wie die Wellen des Höhepunkts ihren Körper durchzuckten, und er verwöhnte sie weiter mit der Zunge, schmeckte sie und streichelte sie, während sie immer wieder seinen Namen schrie, wie ein Mantra, das ihren Höhepunkt verlängern konnte.

Als sie schließlich außer Atem dalag, schob er sich wieder zu ihr aufs Bett, und sie schmiegte sich in seine Arme. Sie schlang ihm ein Bein über die Hüfte, sodass sie seine Erektion berührte, und Mike stöhnte auf. Ja! Er wollte sie fühlen. Dann umfasste sie seine Erektion, ließ die Hand an ihm hinauf- und hinabgleiten, entwickelte einen Rhythmus …

Mike schloss die Augen und überließ sich ganz ihren Händen. „Sag mir, dass du Kondome hast!“, raunte er heiser.

„Ja, oh ja. Kommode.“ Sie zuckte mit den Hüften und rieb sich an ihm. „Beeil dich!“

„Sofort.“ Mike dachte nicht darüber nach, warum Jenny Kondome besaß. Oder über die anderen Männer, die sie in ihr Bett eingeladen haben musste. Das war jetzt egal. Nur dieser Moment war wichtig. Er nahm ein Folienpäckchen, riss es auf und streifte sich das Kondom über. Dann sah er wieder die Frau an, die auf ihn wartete.

Sie sah wie eine Nymphe aus, die aus einem der Fantasy-Spiele herausgetreten war, die seine Firma entwickelte. Wie eins ihrer eigenen Elfenbilder mit den blonden, zerzausten Locken, den blauen Augen, die gleichzeitig leidenschaftlich und träge blickten, mit dem sinnlichen Körper, der auf ihn wartete.

„Jetzt, Mike! Ich brauche dich in mir, jetzt!“

„Ja, jetzt.“ Er drang mit einem einzigen langen Stoß in sie ein. Sie bog sich ihm entgegen, schlang die Beine um seine Hüften und zog ihn enger an sich, sodass er sie ganz ausfüllte. Er starrte ihr in die Augen, Augen, die die Geheimnisse des Universums zu enthalten schienen, und beobachtete sie, während er einen Rhythmus setzte, an den sie sich sofort anpasste.

Wieder und wieder lösten sie sich voneinander und kamen erneut zusammen, jeder trieb den anderen an: höher, schneller. Er hörte ihren keuchenden Atem, fühlte das Kratzen ihrer Fingernägel auf seinem Rücken. Sie sahen einander in die Augen, voll Ungeduld auf das, von dem sie beide wussten, dass es kommen würde.

„Mike!“, schrie sie auf. „Oh, Mike!“

Sie packte seine Schultern und hielt sich daran fest, während sie den Höhepunkt erreichte und eine Welle nach der anderen durch ihren Körper zuckte, die sie in seinen Armen zittern und beben ließen.

Sekunden bevor er losließ und ihr folgte, sah er den befriedigten Ausdruck in ihren Augen. Zusammen erlebten sie den Höhepunkt, und Mike ließ sich in den Armen der einzigen Frau, die er nicht haben konnte, von einem Feuerwerk der Lust mitreißen.

3. KAPITEL

Die Dämmerung kroch ins Zimmer und warf ihr goldenes Licht über das Bett, auf dem Jenny neben Mike lag. Über ein Jahr hatte sie an ihn gedacht und sich gewünscht, die Dinge lägen anders. Sie hatte ihn begehrt. Und jetzt war er hier, schlief in ihrem Bett. Doch während draußen die Sonne aufging, wusste Jenny, dass ihre gemeinsame Zeit mit Mike ablief.

Zwischen ihnen hatte sich nichts geändert. Nicht grundsätzlich, jedenfalls. Sie hatten die Probleme, die zwischen ihnen standen, nicht geklärt. Sie hatten sie einfach ignoriert und sich lieber ihrem Verlangen hingegeben, das sich wie ein Sommergewitter entladen hatte.

Jenny nutzte die Gelegenheit, ihn gründlich zu betrachten, während er davon nichts merkte. Sie wandte sich ihm zu und sah Mike an. Selbst schlafend wirkte er weder jung noch unschuldig. Er sah sexy aus. Gefährlich. Wie der harte Mann, der er war. Und dennoch … Sie ballte die Fäuste, damit sie nicht über seine Haut fuhr und ihm über das Kinn streichelte, auf dem ein Bartschatten lag.

Jennys Herz wurde schwer. Wie schade, dachte sie und seufzte leise. Wie konnte sie für einen Mann, der sie für eine Diebin und Schlimmeres hielt, so viel empfinden? Und warum war es ihr wichtig, was er von ihr hielt?

„Du denkst zu laut.“ Er öffnete die Augen und schaute sie an.

„Es gibt eine Menge nachzudenken“, sagte sie leise.

„Davon gehe ich aus“, stimmte er ihr zu. Er hob einen Mundwinkel zu einem verführerischen Lächeln. „Aber jetzt müssen wir nicht nachdenken, oder?“

Unter der Decke griff Mike nach ihr. Jenny hielt den Atem an, als er die Hand über ihre Hüfte und ihren Bauch gleiten ließ und dann ihre Brust umfasste. Sie seufzte auf, als er mit dem Daumen über ihre Brustwarze strich.

Nein, sie mussten nicht nachdenken. Mussten diese Nacht noch nicht enden lassen. Die Sonne ging auf, und bald mussten sie sich wieder mit der realen Welt beschäftigen. Die Welt, in der sie beide auf verschiedenen Seiten eines Grabens standen, von dem Jenny geglaubt hatte, er würde sich nie überbrücken lassen. Aber fürs Erste …

„Nein“, sagte sie und rutschte zu Mike hinüber. „Nachdenken eilt nicht.“

Er küsste sie, und Jenny schob alle Gedanken beiseite, während sie sich ganz Mikes Händen und ihrer Lust überließ.

Eine Stunde später wusste sie, dass es vorbei war. Selbst als sein Gewicht sie in die Matratze presste, selbst als er tief in ihr war, spürte sie, dass sich Mike von ihr entfernte. So nahe sie sich in diesem Moment auch körperlich waren, so gab es doch eine unüberbrückbare Distanz zwischen ihnen. Körperliche Liebe konnte das nicht ändern. Die vergangene Nacht hatte nichts anderes bewirkt, als den Graben zwischen ihnen zu vertiefen.

Was die ganze Sache noch schlimmer machte: Jetzt würde es noch schwieriger werden, in den kommenden Monaten mit Mike zusammenzuarbeiten.

Er rollte sich zur Seite und stützte sich auf den Ellbogen. Dann warf er einen kurzen Blick zum Fenster, auf die Sonnenstrahlen, die hereinfielen, und schaute wieder sie an.

„Ich muss gehen.“

„Ja.“ Jenny wandte den Blick nicht ab. In Gedanken fertigte sie eine Skizze dieses Augenblicks an, um sich später an ihn erinnern zu können. Sie prägte sich die zerraufte Frisur, den Bartschatten und diesen erstaunlichen Mund ein, der sich nun zu einem bedauernden Lächeln verzog. Wenn sie auch nur einen Funken Verstand besäße, würde sie versuchen, die Zeit mit Mike aus dem Gedächtnis zu streichen, statt sie sich einzuprägen.

Sie wusste nicht, was mit ihnen passieren würde, aber sie wusste, dass die Verbindung – worin auch immer sie bestanden hatte, und wie kurz sie auch gewesen sein mochte – verschwunden war. Vorbei.

„Hey!“, sagte er und schob ihr zärtlich die Haare aus dem Gesicht. „Die vergangene Nacht war …“

„Ein Fehler, ich weiß“, beendete sie den Satz für ihn, denn es war leichter, es selbst auszusprechen.

Er runzelte die Stirn, rollte sich aus dem Bett, nahm seine Sachen und zog sich an. „Ich kann nicht behaupten, dass es ein Fehler war. Immerhin wollten wir es beide.“

Woher weißt du das? Er stand da, nur einen Meter entfernt und trotzdem so weit weg, dass er ebenso gut in einer anderen Stadt hätte sein können. Vor Bedauern zog sich ihr der Magen zusammen.

„Aber die vergangene Nacht hat nichts geändert, Jenny.“

Sie hätte fast geseufzt, weil sie genau wusste, wie dieses Gespräch enden würde. „Ich weiß, dass du mir nicht traust.“

„Du hast mich angelogen, als wir uns kennengelernt haben.“

„Ich habe nicht gelogen“, entgegnete sie müde. Gott, sie hasste es, sich immer und immer wieder gegenüber einem Mann, der sein Misstrauen nicht ablegen konnte, verteidigen zu müssen. Wie konnte er mit ihr schlafen und nicht die geringste Ahnung haben, wer sie war? „Habe ich meinen Job nicht gut gemacht, seit ich für Celtic Knot arbeite? Habe ich jemals jemanden hängen lassen? Zählt das nicht?“

„Doch, tut es“, sagte er knapp. „Das weißt du auch. Aber das kann die Vergangenheit nicht ändern.“ Seine Gesichtszüge wurden hart und seine Lippen schmal, als er die Hand hob, bevor sie etwas erwidern konnte.

„Bitte nicht!“, sagte er. „Du hast gute Arbeit für uns geleistet, Jenny. Deshalb haben wir ja jetzt ein Problem. Du bist die beste Wahl, um das River Haunt Hotel zu gestalten. Aber wenn wir zusammen an diesem Projekt beschäftigt sind, wird es schwieriger, als es sein muss.“

Kopfschüttelnd sah sie ihn nur an. Schwierig? So schwierig, wie jeden Tag ins Büro zu gehen und mitzubekommen, wie er sie misstrauisch ansah? Wie zu wissen, dass er darauf wartete, dass sie Mist baute? Um beweisen zu können, dass sie die Lügnerin und Betrügerin war, für die er sie hielt?

Sie schob sich aus dem Bett und schnappte sich ihren Morgenmantel. Gut, sie würden nicht über die Vergangenheit streiten. Aber sie war fest entschlossen, für die Gegenwart und ihre Zukunft zu kämpfen. Und sie sollte verflucht sein, wenn sie das nackt tat.

Rasch schlüpfte sie in den Morgenmantel, zog den Gürtel zu, schüttelte dann das Haar zurück und drehte sich zu dem Mann um, der nicht aufhörte, sie zu bedrängen. „Das ist kein Problem für mich, Mike. Ich werde bei dem Hotel einen verdammt guten Job machen. Und es muss nicht schwierig sein, wenn du einfach nur an das glaubst, worin ich am Besten bin.“

Einen Moment lang dachte sie, er würde etwas einwenden. Stattdessen atmete er tief aus und fuhr sich mit der Hand durchs Haar.

„In Ordnung. Wir kümmern uns um das Hotel. Wir machen den Job. Und dann sind wir miteinander fertig.“

Wie eifrig er sie beiseiteschob und sie gleichzeitig in seiner Nähe behalten wollte. Doch selbst er musste zugeben, dass er den Spruch darüber, dass sie miteinander fertig seien, schon vor mehr als einem Jahr gebracht hatte. Und trotzdem waren sie nun hier und sahen einander über ein zerwühltes Bett hinweg an.

Doch es war egal, was das bedeutete. Jenny wollte diese Chance nutzen, sich in dem Hotel-Projekt zu beweisen, ohne im Streit mit Mike zu liegen. Das würde wirklich alles schwerer machen. Also warum, fragte sie sich, fühle ich mich plötzlich so schrecklich, wo er mir doch genau diese Möglichkeit anbietet? Sie rieb sich die Arme, als könnte sie damit die Kälte vertreiben, die ihr bis auf die Knochen ging. Doch es funktionierte nicht.

„Wir behalten das …“, er zeigte auf die zerknautschte Bettdecke und das zerwühlte Laken, „… einfach für uns und erledigen unsere Arbeit.“

Wir hüten also ein Geheimnis, dachte Jenny. Aber es war auf jeden Fall besser, dass die Leute bei der Arbeit nicht wussten, was zwischen ihr und Mike lief.

Sie nickte. „Sollen wir uns die Hand darauf geben?“

Seine Lippen verzogen sich zu einem halben Lächeln. „Ich glaube, es gibt da eine bessere Möglichkeit.“

Er kam zu ihr, nahm ihr Gesicht in die Hände und senkte den Kopf für einen Kuss. Sein Mund fühlte sich fest und warm an, doch viel zu schnell löste Mike sich von ihr.

Ich bin wirklich ein Idiot, dachte Jenny, doch ihr Herz raste. Der Kuss bedeutete nichts. Sie bedeutete ihm nichts, und das war wirklich schwer zu akzeptieren. Aber sie wusste, es war nur körperliches Verlangen, das sie verband, und nichts weiter. Trotzdem sah sie ihm in die Augen und merkte, dass sie sich wünschte, die Dinge lägen anders. Sich wünschte …

„Dann sehe ich dich im Büro?“

„Ja“, sagte sie knapp und unterbrach ihre Gedanken, bevor sie sich total lächerlich machte. „Ich werde da sein.“

„Na, dann gut.“ Er drehte sich um, hob sein Jackett vom Boden auf, zog es über und sah sie an. „Zu Ehren unserer neuen Zusammenarbeit lade ich dich ein, mit mir nach Laughlin zu fahren, um das neue Hotel anzusehen. Vielleicht in einer Woche? Ich möchte mich dort umschauen, ein Gefühl dafür bekommen, bevor wir mit den Umbauarbeiten beginnen.“

„Gut.“ Sie zwang sich zu einem Lächeln, von dem sie hoffte, es wirkte überzeugender, als es sich anfühlte. „Für mich wäre es gut, vor Ort eine Vorstellung zu entwickeln, wo die Wandgemälde hinkommen sollen.“

„Okay.“ Er richtete sich das Jackett. „Wir fahren in einer Woche hin. Bereite dich darauf vor, mindestens eine Nacht zu bleiben.“

Ihr Magen zog sich zusammen. Wirklich albern, denn was konnte noch Schlimmeres passieren? Doch sie und Mike zusammen in einem Hotel? Es war wohl kaum klug, die Versuchung geradezu herauszufordern. „Eine Übernachtung?“

Er zuckte mit den Schultern. „Wir nehmen den Firmen-Jet nach Vegas und fahren von dort aus nach Laughlin. Ich möchte genug Zeit haben, um mir das Haus und die Umgebung anzusehen. Zu übernachten, ist die einzige Möglichkeit.“

„Richtig.“ Übernachten. Hieß das, dass sie im selben Bett schlafen würden? Erwartete er das? Nun, falls ja, würde er eine Enttäuschung erleben. Sie würde nicht zulassen, dass sich das hier zu einer Affäre entwickelte, bei der sie am Ende kaputt und traurig zurückbleiben würde. Besser, es jetzt gleich zu beenden. Und noch viel besser, ihn sofort wissen zu lassen, wo sie in dieser Beziehung stand, bevor diese Sache hier weiterging.

„Ich werde nicht mehr mit dir schlafen.“

Er zog eine Augenbraue hoch. „Ich habe nicht erwartet, dass du das würdest.“

„Ich sage es nur“, fuhr sie kopfschüttelnd fort. „Ich bin nicht an einer Affäre interessiert, und ich werde nicht mehr mit meinem Chef schlafen.“

„Hier geht es nicht um Chef und Angestellte. Darum ist es nie gegangen.“

Ihr schauderte unter seinem ruhigen Blick, doch sie hob das Kinn. „Worum geht es dann, Mike?“

„Begierde“, sagte er nur, doch das Wort klang bitter aus seinem Mund.

Da war es. Schlicht und einfach. Er interessierte sich nicht für sie. Wahrscheinlich mochte er sie nicht einmal besonders. Ganz sicher traute er ihr nicht. Und sie hasste es, zugeben zu müssen, dass er recht hatte. Aber sie wusste, dass Begierde sie beim ersten Mal zusammengebracht hatte, und dann hatte dasselbe wilde Verlangen sie in diese Situation getrieben, obwohl sie beide geglaubt hatten, sie hätten ihre Gefühle füreinander überwunden.

Aber nicht noch einmal. Nie mehr! Sie würden in den kommenden Monaten zusammenarbeiten müssen, und Sex – vor allem großartiger Sex – würde alles nur komplizieren.

In den nächsten Tagen gelang es Jenny fast sich einzureden, zwischen ihr und Mike sei nichts passiert. Sie verbrachte die Tage damit, sich auf ihre Ideen für das neue Hotel zu konzentrieren.

„Hast du schon die Skizzen für The Wild Hunt fertig?“

Sie schaute vom Computerbildschirm zu Dave Cooper auf, dem Leiter der Grafikdesign-Abteilung. „Du bekommst sie morgen“, sagte sie. Das nächste Spiel, an dem sie arbeiteten, nahm bereits Gestalt an. Eine wilde Jagd mit Elfenkriegern, Kobolden und den übernatürlichen Wesen, die hinter ihnen her waren. Es würde ganz bestimmt ein weiterer Erfolg für Celtic Knot werden, und sie freute sich, Teil davon zu sein.

„Ich glaube, du wirst sie mögen.“ Sie hatte ihre Skizzen an den vergangenen Abenden verfeinert, damit niemand behaupten konnte, sie vernachlässige dieses Projekt wegen des neuen Hotels.

Dave grinste und schob sich die Brille höher auf den Nasenrücken. Er war in den späten Dreißigern und sa...

Autor

Maureen Child

Da Maureen Child Zeit ihres Lebens in Südkalifornien gelebt hat, fällt es ihr schwer zu glauben, dass es tatsächlich Herbst und Winter gibt. Seit dem Erscheinen ihres ersten Buches hat sie 40 weitere Liebesromane veröffentlicht und findet das Schreiben jeder neuen Romance genauso aufregend wie beim ersten Mal.

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